Brenner, Mathias

Marktrichter Mathias Brenner

* 9.12.1747, Mistelbach
† 30.12.1818, Mistelbach

Mathias Brenner wurde 1747 als Sohn des Schneiders Franz Anton Brenner und dessen Gattin Catharina, geborene Kainz, in Mistelbach geboren1. Er war von Beruf Färbermeister und hatte mindestens seit dem Jahr 1772 seinen Hausstand und Betrieb an der Adresse Kirchengasse 14 (=Konskriptionsnr. 336), an der bereits seine Eltern ansässig waren.2 In diesem Jahr heiratete er Anna Maria Wolf, die Tochter eines in der Oberhoferstraße ansässigen Seifensieders, mit der er – für jene Zeit keineswegs ungewöhnlich – zehn Kinder hatte, von denen jedoch einige bereits früh starben.3

Sein Sohn Mathias übernahm später den väterlichen Betrieb und führte diesen bis 1828, wie eine in ebendiesem Jahr in der Wiener Zeitung veröffentlichte Verkaufsanzeige nahelegt.4 Ebenfalls im Färberhandwerk tätig waren sein Sohn Bernhard, der nach Ernstbrunn heiratete und dort als Färbermeister wirkte und auch dessen Sohn Bernhard, also Mathias Brenners Enkel, war jedenfalls 1837 im Haus Hafnerstraße 7 (=Konskriptionsnr. 33) als Färbermeister ansässig.5

Von 1799 bis zu seinem Tode 1818 war Mathias Brenner Marktrichter des zur Herrschaft Liechtenstein gehörenden Marktes Mistelbach.6 Der Marktrichter stand dem Marktgericht vor, war Bindeglied zwischen Gemeinde und Herrschaft und kann als eine Art Vorläufer des 1850 eingeführten Bürgermeisteramts bezeichnet werden. In der schweren Zeit der Franzosenkriege bewerkstelligte Brenner unter anderem den Wiederaufbau der Alten Schule, die seit 1620 im Haus Kirchengasse 11 untergebracht war, und die von durchziehenden französischen Soldaten 1809 niedergebrannt wurde.7 Bereits 1797 scheint er als Magistratsrat – die Marktgemeinde Mistelbach wurde damals für einige Jahre von einem eigenen Magistrat verwaltet – auf und es ist wohl anzunehmen, dass dieses Amt gleichbedeutend ist mit jenem eines gewählten Mitglieds des Marktgerichts (= Geschworener). Dieses Amt lässt sich am ehesten wohl mit jenem eines Mitglieds des heutigen Gemeinderats vergleichen, auch wenn damals, wie der Name bereits nahelegt, auch gerichtliche Aufgaben wahrgenommen wurden.8

1953 entstand auf dem Gelände neben dem Ziegelwerk eine neue Siedlung und der Gemeinderat beschloss im Jahr darauf eine der dort entstandenen Straßen nach Mathias Brenner zu benennen. Der Name Brennerweg ist insofern besonders passend, da dieser auch das Areal des 1962 stillgelegten städtischen Ziegelwerks umläuft, auf dem sich heute die Sporthalle und das Bundesschulzentrum befinden, und wo einst die für den Wiederaufbau Mistelbachs benötigen Ziegel „gebrannt“ wurden.

Wo befindet sich der Brennerweg?

Quellen:

  1. Pfarre Mistelbach: Taufbuch (1745-1784), Fol. 25
    Eintrag Taufbuch Pfarre Mistelbach
  2. Spreitzer, Prof. Hans : Im Kirchengassl in „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“, Bd. I (1962-1969), S. 48
  3. Pfarre Mistelbach: Trauungsbuch (1701-1784), Fol. 430
    Eintrag Trauungsbuch Pfarre Mistelbach
    (Mathias Brenners Vater wird bei dessen Hochzeit „nur“ als Anton Brenner bezeichnet, bei seiner Taufe jedoch als Franz Anton Brenner – abgesehen von den auch ansonsten stimmigen Angaben handelt es sich in hierbei natürlich um dieselbe Person wie eine Gesamtbetrachtung folgender weiterer Matrikeneinträge klar belegt: Trauungsbuch (1701-1784), Fol. 201Taufbuch (1701-1745), Fol. 122; Sterbebuch (1734-1784), Fol. 137; Sterbebuch (1784-1804), Fol. 59 – alle Pfarre Mistelbach)
  4. Wiener Zeitung, 22. Juli 1828, S. 8 (ONB-ANNO)
  5. Matrikeneinträge betreffend Bernhard Brenner und dessen gleichnamigen Sohn:
    Ernstbrunn: Trauungsbuch (1784-1818), Fol. 39; Taufbuch (1784-1819), Fol. 93;
    Mistelbach: Trauungsbuch (1836-1858), Fol. 9;
  6. Pfarre Mistelbach: Sterbebuch (1805-1832), Fol. 85
    Eintrag Sterbebuch Pfarre Mistelbach
  7. Spreitzer, Prof. Hans : Die Mistelbacher Marktrichter in „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“, Bd. I (1962-1969), S. 207
  8. Wiener Zeitung, 8. April 1797 (Nro. 28/1797), S. 1078 (ONB: ANNO)
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