Kaiser Franz Joseph I. und Mistelbach

Die 1874 durch Kaiser Franz Joseph I. erfolgte Stadterhebung, trug dem Aufschwung, den Mistelbach ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte, Rechnung bzw. befeuerte diesen weiter. Darüber hinaus gab es noch weitere Berührungspunkte Mistelbachs mit dem längstdienenden Regenten des Hauses Habsburg, die nachfolgend dargestellt werden:

Der Kaiser in Mistelbach

Als Kaiser Franz Joseph I., am 12. Juni 1880 von Manövern in Böhmen mit der k. k. Staatseisenbahn nach Wien zurückfuhr, nahm er kurzen Aufenthalt in der Station Mistelbach. Der Hofzug fuhr um 7:35 Uhr abends unter Glockengeläut, Böllerschüssen und Hochrufen der zahlreich anwesenden Bevölkerung ein. Vertreter der Gemeinde, der Behörden, die Lehrer samt Schuljugend, die hohe Geistlichkeit und Abordnungen der Vereine bereiteten dem Regenten einen würdigen Empfang. Eine Schülerin überbrachte dem Kaiser einen Blumengruß und Franz Joseph I., grüßte die versammelte Menschenmenge und erkundigte sich nach aktuellen Angelegenheiten des Bezirks. Anschließend folgten kurze Ansprachen verschiedener Honoratioren, darunter auch jene des Bürgermeisters Josef Strasser, dessen Einfluss dieser Zwischenstopp des Kaisers zu verdanken war. Obwohl nur ein Aufenthalt von drei Minuten vorgesehen war, hielt sich der Kaiser letztendlich zehn Minuten in Mistelbach auf.[1]

Als Kaiser Franz Joseph I., am 8. September 1909 zu den Manövern im mährischen Groß-Meseritsch reiste, führte ihn seine Fahrt mit der k. k. Staatseisenbahn abermals nach Mistelbach. Der Bahnhof und die entlang der Zugstrecke verlaufende Bahnzeile waren mit schwarz-gelben Fahnen geschmückt und Vertreter aller Körperschaften und weite Teile der Stadtbevölkerung waren erschienen um dem Kaiser ihre Ehrerbietung zu erweisen. Der Zug traf um 7:43 Uhr morgens pünktlich ein und wurde, wie knapp dreißig Jahre zuvor, mit Böllerschüssen, Hochrufen und der von der Veteranenkapelle angestimmten Volkshymne begrüßt. Franz Joseph I., nahm die dargebrachten Ovationen, am Fenster seines Waggons stehend, salutierend entgegen und nach einem etwa eine Minute dauernden Aufenthalt setzte der Zug seine Fahrt fort.[2]

Bürgermeister Thomas Freund beim Kaiser[3]

Am 21. Februar 1905 wurde Bürgermeister Thomas Freund zu einer Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. empfangen, um die er gebeten hatte, da er sich persönlich für die Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone bedanken wollte. Der Wortlaut dieser Unterhaltung ist uns dank eines Berichts im Bote aus Mistelbach überliefert:

Nachdem Bürgermeister Freund seinen Dank für die ihm zuteil gewordene Auszeichnung ausgesprochen hatte, antwortete der Kaiser: „Es freut mich, Sie ausgezeichnet zu haben. Die Stadt Mistelbach hat unter Ihnen ja einen bedeutenden Aufschwung genommen. Wie lange sind Sie schon Bürgermeister?“
Freund: „16 1/2 Jahre.“
Kaiser: „Da haben Sie schon viel Arbeit gehabt.“
Freund: „Wenn man das Vertrauen der Bevölkerung genießt, ist man auch verpflichtet, zu arbeiten. Mir wurde schon die hohe Gnade zuteil, daß in meinem bescheidenen Heim kaiserliche Hoheiten Wohnung nahmen.“
Kaiser: „Wann war das?“
Freund: „Vor fünf und drei Jahren.“
Kaiser: „Das war bei den Manövern, das ist sehr schön.“

Nach Franz Joseph I. benannte Bauwerke

Regierungsjubiläen von Herrschern wurden immer zum Anlass genommen, den Regenten ein Denkmal in Form von Bauwerken zu setzen und da Kaiser Franz Joseph I., insgesamt 68 Jahre herrschte, gab es hierzu genug Gelegenheit. In Mistelbach waren ihm folgende öffentliche Gebäude gewidmet bzw. trugen diese teils bis zum Ende der Monarchie den Namen des Kaisers:

Knaben Volks- und Bürgerschule

Da die Raumnot im 1873 errichteten Schulbau, der späteren Mädchenschule, immer größer wurde, der Gemeinde jedoch die finanziellen Mittel für bauliche Erweiterungen fehlten, beschloss die im Eigentum der Stadt befindliche Sparkasse Mistelbach aus Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums seiner Majestät Franz Joseph I., dem Kaiser durch die Finanzierung des Neubaus einer Knaben Volks- und Bürgerschule ein bauliches Denkmal zu setzen. Die Eröffnung des vom späteren Bürgermeister Baumeister Josef Dunkl jun. ausgeführten Baus erfolgte mit Beginn des Schuljahres 1898. Die beiden in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Schulbauten wurden während umfassender Renovierungen in den Jahren 1985-1989 baulich miteinander verbunden und im März 1990 als neues Pflichtschulzentrum wiedereröffnet.

Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Winzerschule

Am 4. Dezember 1898, also nur zwei Tage nach jenem Tag an dem 50 Jahre zuvor die Regentschaft von Kaiser Franz Joseph I. begonnen hatte, fand eine vom landwirtschaftlichen Bezirksverein Mistelbach veranstaltete Kaiserhuldigungsfeier statt, in deren Rahmen das neu errichtete Gebäude dem Verein übergeben wurde. Die offizielle Eröffnung des Schulbetriebs erfolgte bereits am 20. Februar 1899. Dieser erste Bau bildete den Ausgangspunkt für den weitreichenden Komplex der heutigen Landwirtschaftlichen Fachschule, der neben dem mehrfach erweiterten Schulgebäude, auch Internat, Bauernladen und Heurigen umfasst.

Kaiser Franz Josef I. Bezirkskrankenhaus

Im Juni des Jubiläumsjahres 1908 fand die feierliche Grundsteinlegung für den Bau des langersehnten Krankenhauses statt und bereits im November 1909 konnte diese nach dem Kaiser benannte Institution eröffnet werden. Doch schon wenige Jahre nach Fertigstellung begann die bis heute andauernde, unablässige bauliche Erweiterung, durch die das Mistelbacher Krankenhaus zum einem großen Landesklinikum und zum größten Arbeitgeber der Region anwuchs.

Kaiser Franz Josef I. Jubiläums-Bezirkswaisenhaus

Am 2. Dezember 1908, exakt an dem Tag an dem sich der Regierungsantritt von Franz Joseph I., zum sechzigsten Mal jährte, wurde der Grundstein für den Bau des Bezirkswaisenhauses gelegt, und dieser Einrichtung wurde natürlich der Name des Jubilars gegeben.[4] Die feierliche Eröffnung des nach Plänen des nö. Landesarchitekten Gschöpf von Baumeister Josef Dunkl ausgeführten „Kaiser Franz Josef I. Jubiläums-Bezirkswaisenhauses“ fand am 4. Oktober 1910 – am Namenstag des Kaisers, statt.[5] Nach der Auflösung des Waisenhauses, von dem sich der Name der Straße nach Eibesthal und jener des dazugehörigen „Berges“ ableitet, wurde das Gebäude ab 1936 zunächst als Bezirksarmenhaus bzw. wenig später dann als Altenheim genutzt. Obwohl es durch einen Erdrutsch Ende der 1950er Jahre bereits schwer beschädigt war, wurde es bis 1963 in dieser Eigenschaft weiter genützt. 1964 folgte schließlich der Abbruch und auf dem Grundstück errichtete die Landmaschinenfabrik Heger Montagehallen. In den 2000er Jahren wurden auf dem Gelände das Gebäude der Bezirksbauernkammer und nach Abbruch der Hallen der Neubau der HTL Mistelbach errichtet.

Kaiser-Denkmäler

Einst befanden sich in Mistelbach Kaiser-Büsten beim Krankenhaus bzw. im ehemaligen Schulgarten (heute: Post) – diese sind jedoch im Laufe der Jahre abgekommen.[6] In Eibesthal[7] und Kettlasbrunn[8] sind Kaiser Franz Joseph Denkmäler erhalten geblieben, die beide im Jubiläumsjahr 1908 errichtet wurden.

Kaiserbüste in Kettlasbrunn

Kaiserbüste in Eibesthal

Sonstiges

Straßenname

Zum Gedenken an Kaiser Franz Joseph I. und aus Anlass seines 50-jährigen Regierungsjubiläums beschloss der Mistelbacher Gemeinderat bei Einführung der Straßennamen als Adressbezeichnungen im Jahr 1898 auch eine Straße nach dem Regenten zu benennen.[9] Diesen Namen behielt die Straße bis 1938, und nach Namensänderung während NS-Zeit, kurzzeitiger Rückbenennung nach dem Krieg und erneuter Namensänderung während der Besatzungszeit erhielt sie 1956 endgültig ihren Namen Franz Josef-Straße zurück.[10]

Kaiser Franz Josephs-Höhe[11]

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kirchenberg begrünt und mit Unterstützung des Fürsten Liechtenstein schuf der Verschönerungsverein Mistelbach den „Liechtenstein-Anlage“ genannten Park, rund um jene Stelle an der sich einstmals die Mistelbacher Burg befand. Auf der westlichen Seite der Grünanlage, wo von 1898 bis 1985 die Pestsäule stand und heute das Apostelkreuz, hat man einen schönen Überblick über die Stadt und im Dezember 1888 wurde hier zum Abschluss der Neugestaltung des Areals und aus Anlass des 40-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers eine Feierstunde veranstaltet. Im Rahmen dieser Feier präsentierte der Obmann des Verschönerungsvereins Karl Katschthaler einen an dieser Stelle errichteten Mastbaum mit der Inschrift: „Zum Kaiserjubiläum am 2. December 1888“ und auf diesem weithin sichtbaren Mast wurde fortan zu festlichen Anlässen die schwarz-gelbe Fahne des Hauses Habsburg gehisst. Seither trägt das Plateau auch den Namen „Kaiser Franz Josephs-Höhe“.

Die Franz Josephs-Höhe im Jahr 2018 (links das Apostelkreuz)

Der Ausblick von der Franz Josephs-Höhe über die Stadt

Weitere Ehrungen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Regierungsjubiläum 1908

Im Rahmen der großangelegten Feierlichkeiten aus Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums 1908 wurde im Stadtpark auch ein prächtiger Lindenbaum zur Kaiserlinde erklärt und vor diese ein Gedenkstein gesetzt – beides existiert heute nicht mehr.[12] Auch in Hüttendorf wurde 1908 im Rahmen einer Jubiläumsfeier von Schulkindern eine Kaiserlinde vor dem Gasthaus gepflanzt. Das Gasthaus und auch die Linde fielen den Kampfhandlungen des Jahres 1945 zum Opfer.[13]

Bürgermeister-Almanach

An dieser Stelle sei auch auf den Beitrag zum anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums 1908 herausgegebenen Bürgermeister-Almanach verwiesen, in dem natürlich auch der Bürgermeister von Mistelbach und seine Amtskollegen aus den heutigen Katastralgemeinden verewigt sind.

Fassadenmalerei Kaiserstöckl

Auch in der jüngeren Vergangenheit fand sich eine weitere Referenz an Franz Joseph I. im Stadtbild Mistelbachs: Für einige Jahre bis etwa zur Jahrtausendwende zierte die Fassade des Hauses Hauptplatz Nr. 25 auf Höhe des ersten Stockwerks ein gemaltes Porträt des Kaisers. Dieses warb für das darin befindliche „Kaiserstöckl“, das zur im Erdgeschoss ansässigen Fleischhauerei Schödl gehörte.[14]

Quellen:
1 Die Doppel-Volks-und Bürgerschule in Mistelbach – Zur Geschichte des 25-jährigen Bestandes (1898), S. 7f;
Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 221;
Czacha, Don Clemens: Mistelbach in: Topographie von Niederösterreich (1909), S. 617
2 Mistelbacher Bote, Nr. 37/1909, S. 2
3 Bote aus Mistelbach, Nr. 8/1905, S. 4 (Kaiser Audienz)
4 Mistelbacher Bote, Nr. 49/1908, S. 3f
5 Mistelbacher Bote, Nr. 40/1910, S. 3
6 Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Mistelbach, Band I (2015), S. 87, S. 208
7 Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Ortsgemeinden Mistelbach, Band II (2015), S. 76f
8 Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Ortsgemeinden Mistelbach, Band II (2015), S. 391
9 Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 238
10 Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 239
11 Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 352f; Bote aus Mistelbach, Nr. 8/1888, S. 3
12 Mistelbacher Bote, Nr. 49/1908, S. 4
Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. II. (1912), S. 162
13 Greis, Michael: Hüttendorf (2005), S. 44
14 Englisch, Alfred: Bewegung verändert (2013), S.32;
Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Mistelbach, Band I (2015), S. 34
-) Kleibl, Karl: Jubiläumsanlagen in Mistelbach 1898-1910 in: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band IX (2009), S. 179-194 (die Errichtung der Liechtensteinanlage und damit die Enstehung der Franz Josefs-Höhe wird fälschlicherweise mit 1898 angegeben.)
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. II. (1912), S. 158ff

Bildnachweis:
-) Kaiser-Bild: Wikimedia Commons
-) Winzerschule und Knabenschule: Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901)
-) Krankenhaus und Waisenhaus: digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Otmar Biringer aus der Sammlung von Herrn Lichtl
-) alle weiteren Aufnahmen: Thomas Kruspel (2018)

Dieser Beitrag wurde unter Sonstiges veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.