Lackner, Lucius

Geistl. Rat P. Lucius Lackner SDS

* 3.7.1884, Wang in Oberbayern
† 26.4.1958, Mistelbach

Sebastian Lackner wurde 1884 als Sohn einer kinderreichen Bauernfamilie im oberbayrischen Wang, Landkreis Freising, geboren. Am 3. März 1903 trat er als Klerikerkandidat in die Gesellschaft des göttlichen Heilands – den Salvatorianerorden – ein und erhielt den Ordensnamen Lucius. Sein Eintritt erfolgte im Studienhaus des Ordens in Tivoli bei Rom in dem er bis zu Beginn seines Noviziats im Oktober 1906 blieb, bevor er in das Mutterhaus des Ordens nach Rom übersiedelte, wo er ein Jahr später in den Händen des Ordensgründers Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan die erste Profess ablegte. Von 1907 bis 1909 absolvierte er philosophische und von 1909 bis 1913 theologische Studien an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Zwei Jahre nach dem Ablegen der ewigen Profess wurde er am 10. August 1912 in der „ewigen Stadt“ zum Priester geweiht und war anschließend von 1913 bis zum Frühjahr 1915 in Porto Recanati, einer an der Adria gelegenen italienischen Kleinstadt nahe Ancona, in der Seelsorge tätig.

Der junge P. Lucius (rechts) mit Priesterkollegen, etwa zur Zeit des 1. Weltkriegs

1915 wurde Lackner in die österreichische Ordensprovinz entsandt und dieser Wechsel steht wohl in Zusammenhang mit dem in diesem Jahr erfolgten Kriegseintritt Italiens. Seine Wirkungsstätte war zunächst das Kollegium seines Ordens am Salvatorianerplatz in Wien-Favoriten samt der zugehörigen Pfarre „Zu den Heiligen Aposteln“ und die Knabenvolksschule Puchsbaumgasse sowie die Mädchenvolksschule Herzgasse (87) an denen er als Religionslehrer unterrichtete. Bereits im Jahr darauf wechselte er in das Salvatorianerkollegium am Schüttauplatz in Wien-Kaisermühlen und war als Seelsorger in der dortigen Herzjesu-Kirche tätig. Bis zu seiner Ernennung zum Kooperator (Kaplan) im Jahre 1923 war P. Lucius als Religionslehrer an folgenden Schulen tätig: 1916 an der Mädchenvolksschule Wolfgang-Schmälzl-Gasse in Wien-Leopoldstadt, 1917 an der Knabenbürgerschule Leystraße in Wien-Brigittenau, und ab 1918 an der Knabenbürgerschule Schüttaustraße in Kaisermühlen. Während seiner Zeit in Wien zeichnete er sich durch unermüdliche Tätigkeit als Katechet (Religionslehrer), Prediger und Vereinsorganisator aus und so wurde von der Ordensleitung beschlossen ihn als Pfarrverweser nach Mistelbach zu berufen und am Heiligen Abend des Jahres 1929 trat er seine neue Stelle als Stadtpfarrer von Mistelbach an. Sein Charakter wird in manchen Belangen als für einen Pfarrer eher untypisch beschrieben, doch unter seiner rauhen Schale trug er ein goldenes Herz und seine Bescheidenheit, seine tiefe Frömmigkeit und nicht zuletzt sein urwüchsiger bayrischer Humor brachten ihm bald die Sympathien der Mistelbacher Bevölkerung ein. Ein besonderes Anliegen war ihm die Ausgestaltung des Gotteshauses und er scheute keinen der vielen notwendigen Bettelwege für die von ihm initiierte umfangreiche Renovierung der Pfarrkirche im Jahre 1935.

Ein Foto der Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Priesterjubiläums von P. Lucius im Jahr 1937

Sein Wirken als Oberhaupt der Mistelbacher Pfarre fiel in die schwere Zeit der NS-Herrschaft, während der 1940 das Kolleg beschlagnahmt wurde und das religiöse Leben stark eingeschränkt war. Als Ersatzquartier wurde der Ordensgemeinschaft ein Haus am Südtirolerplatz zugewiesen und Pater Lucius fand Aufnahme im Haus der Familie Edhofer in unmittelbarer Nähe zum Kolleg. Der Stadtpfarrer war insbesondere den bereits in der Illegalität aktiv gewesenen Nazis verhasst und mehrfach wurde P. Lucius zur Kreisleitung der NSDAP bzw. zur GESTAPO zitiert, unter anderem wegen des Ansetzens einer Jugendveranstaltung zeitgleich mit einer HJ-Veranstaltung. Als in den Apriltagen des Jahres 1945 die Rote Armee Mistelbach einnahm, öffnete er allen Schutzsuchenden, insbesondere den Frauen, die Tore des nach dem Abzug der Nazis wieder in Besitz genommenen Kollegs, und infolgedessen musste er die Erschießung seines Mitbruders P. Titus Helde durch einen sowjetischen Soldaten hautnah miterleben. Auch die folgenden Jahre der Besatzungszeit waren keineswegs einfach und die Beseitigung der schweren Kriegschäden an der Pfarrkirche nur unter großer Anstrengung möglich. Die schwere Zeit zehrte an seiner Gesundheit und so musste er bereits 1948, das erst zwei Jahre zuvor übernommene Amt des Dechants des Dekanats Wilfersdorf, zu dem Mistelbach gehört, wieder zurücklegen. Trotz seines sich verschlechternden Seh- und Hörvermögens und weiterer körperlicher Leiden blieb P. Lucius auch nach dem Ende seiner Funktion als Stadtpfarrer 1949 ein eifriger Arbeiter und  unermüdlich in der Seelsorge tätig.

Nach langem schwerem Leiden verstarb P. Lucius 1958 und wurde im hinter dem Hochaltar gelegenen Priestergrab an der Außenmauer der Pfarrkirche beigesetzt. 2003 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat einer im Gewerbegebiet hinter der M-City gelegenen Straße den Namen Luzius Lackner-Straße zu verleihen.


Wo befindet sich die Luzius Lackner-Straße?

Quellen:
-) Mistelbacher Bote, Nr. 27/1952, S. 3
-) Mistelbacher Laaer Zeitung, Nr. 27/1952, S. 2
-) Mistelbacher Bote, Nr. 19/1958, S. 3
-) Mistelbacher Laaer Zeitung, Nr. 19/1958, S. 2
-) Mitteilungen der Salvatorianer, Nr. 9, November 1957, S.25f
-) Mitteilungen der Salvatorianer, Nr. 11, November 1958, S.26f
-) P. Peter van Meijl SDS: Erzähl mir die Geschichte von P. Titus Helde (2011)
-) Auskunft P. Peter van Meijl SDS, Ordenshistoriker und Provinzarchivar des Salvatorianerordens in Österreich
-) Jakob, Christa: Bewegte Geschichte – 90 Jahre Salvatorianer in Mistelbach (2014), Band XIII der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart
-) Personal-Stand der Säkular- und Regulargeistlichkeit der erzbischöflichen Wienerdiözese (1916), S. 102, 333
-) Personal-Stand der Säkular- und Regulargeistlichkeit der erzbischöflichen Wienerdiözese (1917), S. 72 326
-) Personal-Stand der Säkular- und Regulargeistlichkeit der erzbischöflichen Wienerdiözese (1918), S. 333 (hier findet sich die Angabe, dass Lackner zeitgleich an der VS Wolfgang-Schmälzl-Gasse als auch an der Bürgerschule Leystr. unterrichtet hätte – eine Angabe der die Informationen im Wiener Kommunal-Kalender widersprechen)
-) Personal-Stand der Säkular- und Regulargeistlichkeit der erzbischöflichen Wienerdiözese (1916), S. 333
-) Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch (1916), S. 686, 688 (ONB: ANNO)
-) Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch (1917), S. 637 (ONB: ANNO)
-) Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch (1918), S. 528 (ONB: ANNO)
-) Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch (1919), S. 294  (ONB: ANNO)
-) Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch (1921), S. 351 (ONB: ANNO)
-) Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch (1922), S. 361 (ONB: ANNO)
(Die Wiener Kommunal-Kalender geben stets den Personalstand des Lehrkörpers zu Beginn des Schuljahres, also im Herbst des Vorjahres an)

Bildnachweis:
Bild 2 & 3 mit freundlicher Genehmigung von Fr. Christa Jakob

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