Katschthaler, Karl

k.k. Weinbauinspektor Karl Katschthaler

* 12.7.1853, Innsbruck
† 24.2.1919, Mistelbach

Karl Katschthaler wurde 1853 als Sohn des Philipp Jakob Katschthaler, eines Kapellmeisters und Musiklehrers, und dessen Gattin Elisabeth, geb. Lutz, in der Tiroler Landeshauptstadt geboren.[1] Dr. Johann Baptist Katschthaler, der von 1900 bis zu seinem Tode 1914 amtierende Fürsterzbischof von Salzburg und ab 1903 Kardinal, war sein Onkel, und später Taufpate seines Sohnes Rudolf[2]. In einem Nachruf wird der Besuch eines Unterrealgymnasiums erwähnt bzw. ist belegt, dass er im Schuljahr 1867/68 im Alter von bereits 14 Jahren die erste Klasse des fürsterzbischöflichen Collegiums Borromaeum, einer katholischen Privatschule, in Salzburg besuchte[3]. Der Besuch dieser Schule, die hauptsächlich der Heranbildung von Priesternachwuchs diente, und an der zu jener Zeit auch sein Onkel leitend tätig war, war nicht von großem Erfolg gekrönt – er beendete das Schuljahr als Klassenletzter und setzte seine Ausbildung in seiner Heimatstadt fort. Hier besuchte Katschthaler die Lehrerbildungsanstalt Innsbruck, die er 1872 mit  der Reifeprüfung abschloss, und im Oktober desselben Jahres legte er die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen ab.[4] Danach war er kurzzeitig als Volksschullehrer in Brixen (Südtirol) und später in Reidling (NÖ) tätig[5], bevor er mit Anfang des Jahres 1875 an die Mistelbacher Schule wechselte[6].

1879 heiratete er in der Wiener Michaelerkirche die Müllermeisterstochter Adelheid Binder aus Lanzendorf und dieser Ehe enstammten vier Kinder.[7] Neben dem Lehrberuf begeisterte sich Katschthaler sehr für die Landwirtschaft und insbesondere den Obst- und Weinbau und da er als gebürtiger Innsbrucker aus einer Gegend ohne Weinbau stammte, erwarb er sich autodidaktisch Wissen auf diesem Gebiet und wurde im Nebenberuf Weinhauer. Ab 1884 war er langjähriger Sekretär und Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Bezirksvereins und wirkte in dieser Funktion auch als Gründer zahlreicher Raiffeisen-Kassenvereine und landwirtschaftlicher Kasinos in allen Teilen des Bezirks. Die aus Amerika eingeschleppte Reblaus bedeutete Anfang der 1890er Jahre eine Zäsur im europäischen Weinbau und bereits einige Jahre bevor diese Plage das Weinviertel erreichte, erkannte Katschthaler die große Gefahr und befasste sich intensiv mit der verherrender Wirkung dieses Schädlings in anderen Ländern und der Abwendung der sich abzeichnenden Katastrophe. Gemeinsam mit interessierten Weinbauern absolvierte er Studienreisen in andere Länder und erkannte, dass nur neue Rebsorten vor dem Befall durch die Reblaus geschützt waren. Es sah ein, dass die Umstellung des Weinbaus ein jahrelanger Prozess werden würde und um diesen in Gang zu setzen, legte er in Mistelbach einen Schnitt- und Versuchsweingarten für amerikanische Reben an, der bis 1907 bestand. Mit zahlreichen Vorträge, Kursen und Publikationen versuchte Katschthaler die Weinbauern auf die Reblausplage vorzubereiten und sie auch im Kampf gegen die zu jener Zeit auftretenden Pflanzenkrankheiten wie beispielsweise Peronospora (falscher Mehltau) zu unterstützen. Beispielsweise unterwies er die Weinbauern im Spritzen der Reben mit Kupfervitriol gegen Peronospora oder dem Injizieren von Schwefelkohlenstoff gegen die Reblaus. Im Jahre 1895 als die Reblaus ihre furchtbare Wirkung im Weinviertel entfaltete und große Rebflächen und zahlreiche bäuerliche Existenzen vernichtete, wurde er vom Schuldienst beurlaubt und mit der technischen Leitung der staatlichen Reblausbekämpfung im politischen Bezirk Mistelbach betraut. In dieser schweren Zeit erwarb er sich große Verdienste um den hiesigen Weinbau, wofür er später unter anderem mit dem goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde und zum Ehrenbürger folgender Weinbauorte unserer Region ernannt wurde: Wetzelsdorf, Seefeld, Zellerndorf, Groß-Meiseldorf, Herrnbaumgarten und Falkenstein.
Die von ihm geleistete Aufklärungs- und Fortbildungsarbeit zeigte die Notwendigkeit der Verbesserung der Ausbildung der Landwirte auf und Katschthaler war 1898 maßgeblich an der Errichtung der Winzerschule in Mistelbach beteiligt.

karl-katschthaler-2 Nach dem Tod seiner ersten Gattin Adelheid heiratete er 1901, die aus Stockerau stammende Caecilia Thomas.[8] Aufgrund seiner Dienstbeflissenheit wurde er 1902 zum Weinbauinspektor II. Klasse ernannt und sein Zuständigkeitsbereich erweiterte sich um die politischen Bezirke Gänserndorf, Hollabrunn, Korneuburg und Floridsdorf – somit also das gesamte Weinviertel (damals Viertel unter dem Manhartsberg genannt).

In dem überantworteten Wirkungsbereich organisierte Katschthaler unzählige Vorträge, Lehrgänge und Exkursionen, verfasste Leitfäden, Behelfe und Beiträge in diversen Fachzeitungen und wurde 1913 zum Weinbauinspektor I. Klasse befördert. Sein Bemühen galt auch den „Brünnerstraßler“ besser zu vermarkten und zu diesem Zweck organisierte er insgesamt zehn Weinausstellungen, die letzte im Jahre 1918. Das musikalische Talent seines Vaters war auch bei ihm ausgeprägt, und es ist ein von ihm komponierter Ausstellungsmarsch in den Beständen des Museumsarchivs erhalten geblieben.[9] Auch in der Kommunalpolitik engagierte er sich und gehörte von 1888 bis 1891 dem Mistelbacher Gemeinderat an. Weiters war er langjähriger Zentralausschußrat der Landwirtschaftsgesellschaft Wien, Direktor der Mistelbacher Vorschußkasse und Obmann des Verschönerungsvereins der Stadt Mistelbach[10]. Die Familie Katschthaler führte auch einen Heurigenbetrieb im Hof ihres Hauses in der Liechtensteinstraße 7, der unter seinem Sohn Rudolf, im Hauptberuf Verwalter des Landesiechenanstalt, zu den beliebtesten Treffpunkten in den frühen 1920er Jahren gehörte.

heurigen-katschthalerHeurigen Katschthaler im Hof des Hauses Liechtensteinstraße 7

1919 erlag Karl Katschthaler schließlich einem Herzleiden an dem er bereits längere Zeit litt und wurde auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.[11]

Traueranzeige aus dem Mistelbacher Bote

Im Jahr 2004 beschloss der Gemeinderat der Stadt Mistelbach der Zufahrtsstraße zur Bezirksbauernkammer und HTL Mistelbach den Namen Karl Katschthaler-Straße zu geben.


Wo befindet sich die Karl Katschthaler-Straße?


Quellen (& Anmerkungen):
1 Pfarre Innsbruck-St.Nikolaus: Taufbuch (1845-1873), Fol. 86
Pfarrmatriken im Landesarchiv Tirol
2 Pfarre Mistelbach: Taufbuch (1883-1894), Fol. 18
Eintrag Taufbuch Pfarre Mistelbach
3 Der Bauernbündler, 1. Dezember 1910, S. 6 (ONB: ANNO);
Achzehnter (sic!) Ausweis des Fürsterzbischöflichen Collegium Borromaeum zu Salzburg am Schlusse des Schuljahres 1868
4 n.-ö. Landes-Lehrer-Verein (Hrsg.): Personal-Standesausweis der niederösterreichischen Lehrerschaft, Jahrbuch 1895/96 (1896), S. 136f
5 Mussil, Ludwig: Niederösterreichischer Lehrer-Schematismus (1880), S. 146f
6 Die Doppel-Volks-und Bürgerschule in Mistelbach. Zur Geschichte des 25-jährigen Bestandes (1898), S. 20
7 Pfarre St. Michael-Wien: Trauungsbuch (1868-1894), Fol. 157
Eintrag Trauungsbuch Pfarre St. Michael-Wien
8 Pfarre Mistelbach: Trauungsbuch (1898-1911), Fol. 56
Eintrag Trauungsbuch Pfarre Mistelbach
9 Exl, Engelbert M.: Musikleben der Stadt Mistelbach : Katalog zur gleichnamigen Ausstellung erstellt in Zusammenarb. mit der Stadtgemeinde Mistelbach im Barockschlössl zu Mistelbach, 14. Juni bis 31. August 1986 (1986)
10 Mistelbacher Zeitung, Nr. 3/1885, S. 3
11 Pfarre Mistelbach: Sterbebuch (1915-1920), Fol. 181
Eintrag Sterbebuch Pfarre Mistelbach

-) Stubenvoll, Franz: Siebenhirten bei Mistelbach – Geschichte des Ortes, seiner Herrschaften und seiner Pfarre (1986), Band I, S. 366f
-) Allgemeine Wein-Zeitung, Nr. 10/1919, S. 75
-) Allgemeine Wein-Zeitung, Nr. 13/1919, S. 99 (Anm.: Die Übersiedlung nach Mistelbach erfolgte um viele Jahre früher, wie anderen oben angeführten Quellen (Angabe in „Die Doppel-Volks- und Bürgerschule“ & Trauungsbucheintrag Pfarre St. Michael) eindeutig belegen.)
-) Wiener Landwirtschaftliche Zeitung, Nr. 21/1919, S. 171 (ONB: ANNO)
-) Eminger, Erwin: Weinbauinspektor Karl Katschthaler in Heimat im Weinland – Heimatkundliche Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach (1980), S. 216f (Anm.: Eminger bezieht sich auf falsche Angaben zum Zeitpunkt seiner Übersiedlung nach Mistelbach, die sich im Nachruf der Allgemeinen Wein-Zeitung finden)
-) Publikationen von Karl Katschthaler in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek (ONB)

Bildnachweis:
-) Steiner, Oskar: Mistelbach in alten Ansichten (1983)
-) Wiener Landwirtschaftliche Zeitung, Nr. 27/1919, S. 218 (ONB: ANNO)

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