Nachdem dieser Blog in ein paar Wochen sein 10-jähriges Bestehen feiert, war es höchste Zeit für eine zeitgemäßere Optik.
In den nächsten Tagen müssen noch einige Anpassungen vorgenommen, die die Lesbarkeit bzw. das sich zurechtfinden erleichtern sollen.
Neues Erscheinungsbild
Vereine in Mistelbach im Jahre 1884
Vereine sind bis heute maßgebliche Träger des Gemeinschaftslebens in Österreich, auch wenn sich in diesem Bereich gegenwärtig bereits große Umbrüche durch geändertes Sozial- bzw. Freizeitverhalten und demografischen Wandel abzeichnen. Das uns bekannte Vereinswesen entwickelte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aber natürlich gab es bereits zuvor organisierte Formen von Gemeinschaft, die einen ideellen Zweck verfolgten, auch wenn ihre Zahl deutlich geringer und ihr Wirkungsbereich weniger vielfältig war. Die Zünfte als Handwerkervereinigungen bzw. Standesvertretungen und ebenso die religiösen Bruderschaften (nicht mit geistlichen Orden zu verwechseln), die es auch in Mistelbach über Jahrhunderte hinweg gab, können als frühe Formen institutionalisierter Zusammenschlüsse angeführt werden. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde die behördliche Genehmigung von Vereinigungen sehr restriktiv gehandhabt und dies änderte sich erst als im Zuge der Revolution des Jahres 1848 viele Freiheitsrechte, darunter auch das Vereinigungs- und Versammlungsrecht, errungen wurden. Die Revolution wurde niedergeschlagen und die Rechte in der Folge wieder eingeschränkt, doch die einmal genossenen Freiheiten konnten dem Volk nun nicht mehr auf Dauer vorenthalten werden. Das Vereinspatent des Jahres 1852 und schließlich das im Jahr 1867 erlassene Staatsgrundgesetz, das den Bürgern umfassende Grund- und Freiheitsrechte gewährte, stellten die Basis für das spätere Aufblühen des Vereinswesens dar.
Eine im Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach veröffentlichte Liste der 87 Vereine, die im Jahr 1884 im gesamten politischen Bezirk Mistelbach1 existierten, gibt einen interessanten Einblick und zeigt, dass die Entwicklung des Vereinswesens damals noch am Anfang stand.
Folgende Vereine bestanden damals in der Stadt Mistelbach:2
-) Landwirthschaftlicher Bezirks-Verein Mistelbach
-) Casino-Verein Mistelbach (Anm.: hierbei handelt es sich um einen landwirtschaftlichen Genossenschaftsverein, dessen Schwerpunkt vor allem in der Weiterbildung der Landwirte lag)
-) Militär-Veteranen-Verein Mistelbach
-) 1. Mistelbacher Militär-Veteranen-Kranken-Unterstützungs-Verein
-) Freiwilliger Feuerwehr-Verein Mistelbach
-) Bezirks-Feuerwehr Verband Mistelbach
-) Bezirks Feuerwehr-Unterstützungs-Cassa für die Feuerwehren des politischen Bezirks Mistelbach
-) Ortsgruppe Mistelbach und Umgebung des Deutschen Schulvereins Wien
-) Zweigverein des Patriotischen Frauen-Hilfs-Vereins für Nieder-Oesterreich Mistelbach
-) Zweigverein des Bienenzüchter-Vereines Wien Mistelbach
-) Lehrer-Verein für den Schulbezirk Mistelbach
-) Zayawasser-Werks-Verein
-) Verschönungs-Verein von Mistelbach und Umgebung
-) Männer-Spar-Verein Mistelbach
-) Männer-Gesangs-Verein Mistelbach
-) Schützen-Gesellschaft der Stadt Mistelbach
-) Eislauf-Verein Mistelbach
In den heutigen Katastralgemeinden existierte mit der Freiwilligen Feuerwehr Eibesthal damals lediglich ein Verein.
Der älteste Verein dürfte mit ziemlicher Sicherheit der 1852 gegründete “Landwirthschaftliche Bezirks-Verein Mistelbach” gewesen sein, der bis zum Jahr 1925 bestand, als er im Zuge der damals erfolgten Schaffung der Landwirtschaftskammern aufgelöst wurde.3
Der älteste heute noch bestehende Verein Mistelbachs ist der Stadtchor, der in seinen Wurzeln auf den 1864 gegründeten Männergesangsverein zurückgeht. Tatsächlich erfolgte im Jahr 1864 lediglich die vereinsmäßige Gründung, der Chor selbst soll sich bereits 1855 gebildet haben.4
Quellen:
Mistelbach zu Ende des 18. Jahrhunderts – ein alter Kupferstich
Frühe Darstellungen Mistelbachs aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert sind rar und die beiden ältesten überlieferten Abbildungen wurden bereits im Beitrag Älteste bildliche Darstellungen von Mistelbach behandelt. Bei untenstehender Abbildung handelt es sich also nicht um die älteste, aber um die älteste detaillierte Darstellung Mistelbachs und sie zeigt den Blick auf den Markt aus westlicher Richtung. Sie findet sich auch auf den ersten Seiten – noch vor der Titelseite – von Fitzkas 1901 erschienener Geschichte der Stadt Mistelbach, allerdings mit der falschen Bildbeschreibung „Alt-Mistelbach zu Ende des XVII. Jahrhundertes (sic!)“6. Tatsächlich ist sie um 100 Jahre jünger und stammt aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts – frühestens aus dem Jahr 1784.
Eine der bekanntesten und gleichzeitig die detaillierteste überlieferte historische Ansicht Mistelbachs aus der Zeit Ende des 18. Jahrhunderts (Bildausschnitt aus den Beständen des Wiener Stadt- und Landesarchivs)
Anfang der 1950er Jahre ging auch der verdiente Mistelbacher Heimatforscher Prof. Hans Spreitzer noch davon aus, dass die Datierung bei Fitzka korrekt sei bzw. übernahm er diese unhinterfragt7, doch in einer im Jahre 1957 erschienenen Beitragsreihe zum Thema “Das Mistelbacher Museumsgebäude und die Devenna“ belegte Spreitzer eindeutig, dass obige Darstellung erst Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sein kann. Das Fehlen der 1784 gemäß kaiserlichem Erlass abgetragenen Wallfahrtskirche „Maria in der Gruft“ – es handelte sich dabei wohl um die ursprüngliche, alte Pfarrkirche auf dem Berg, die sich zwischen der heutigen Pfarrkirche und dem Karner befand – ist ein stichhaltiges Argument für die zeitliche Einordnung der Darstellung. Zumal die Sakralbauten, sowie einige Denkmäler auf dem Kirchenberg ausgesprochen detailliert dargestellt sind. (nähere Details zu „fehlenden“ Kirche siehe: Wallfahrtsort Mistelbach – die alte romanische Pfarrkirche)
Prof. Spreitzer führt anhand von Details der Darstellung noch weitere Argumente an, weshalb die Ansicht keinesfalls aus der Zeit zu Ende des 17. Jahrhunderts stammen kann8:
-) Links neben der Kirche ist das Plateau (fälschlicherweise auch als „Tumulus“ bezeichnet) erkennbar auf dem sich einst die Mistelbacher Burg befand und hinter diesem lugen einige Häuser hervor. Prof. Spreitzer meint darin die Verbauung des alten Marktplatzes (im Bereich obere Neustiftgasse/Josefigasse/Hochgasse/Mittelgasse/Kellergasse/Engegasse/obere Berggasse) zu erkennen, die jedenfalls erst nach 1700, vor allem jedoch um 1720 erfolgte sei.
-) „das Kollegsgebäude erhielt erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die im Bild festgehaltene – heutige Gestalt“
-) „die Kirchenstiege bekam erst um 1725 die Form, die das Bild zeigt“
-) „die Häuser „hinter dem Markt“ – rechter Bildrand unten – wurden erst nach 1710 errichtet“
-) „verschiedene Häuser auf dem Bilde wurden erst um 1720-1740 erbaut“
Neben all den von Spreitzer bereits angeführten Argumenten, findet sich noch ein Detail in der Darstellung der Pfarrkirche, das eine frühere Entstehung der Darstellung widerlegt: Erst in den 1740er Jahren wurde dem Kirchturm in Form eines Kuppeldaches ein würdiger Abschluss aufgesetzt – bis dahin war der Kirchturm kaum höher als das restliche Kirchengebäude und schloss ohne besonderen Dachaufbau ab. Ein Blitzschlag im Jahr 1752 bzw. Sturmschäden in den Folgejahren zerstörten den Turm, sodass dieser Ende der 1750er Jahre erneuert werden musste. Im Rahmen dieser Renovierung wurde der Turm deutlich höher gebaut und er erhielt ein pyramidenförmiges Form – so wie es auf der gegenständlichen Ansicht zu erkennen ist.9 Die heutige Zwiebelform erhielt das Kirchturmdach übrigens erst nach dem verheerenden Kirchenbrand des Jahres 1835.
Die Inhalte von Spreitzers heimatgeschichtlichen Beitragsreihen in verschiedenen Lokalblättern gerieten, da sie bedauerlicherweise nur zum Teil später auch in Schriftenreihen bzw. Buchform publiziert wurden, teilweise in Vergessenheit. Doch spätestens in dem 1974, anlässlich der Feierlichkeiten zu „100 Jahre Stadterhebung“ herausgegeben Buch „Mistelbach Geschichte I“ wurde schlüssig und öffentlichkeitswirksam dargelegt weshalb die gegenständliche Abbildung frühestens zu Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sein kann. Allerdings beschränkte sich die Argumentation in diesem Buch, an dessen Entstehen Spreitzer maßgeblichen Anteil hatte und das ursprünglich als mehrbändiges Werk konzipiert war, auf das augenscheinlichste Argument – das Fehlen der alten Wallfahrtskirche.10 Dennoch hält sich die falsche Angabe Fitzkas betreffend die Entstehungszeit dieser Darstellung – wie auch manch andere Fehlinformation aus seinen beiden Geschichtsbänden – sehr hartnäckig und diese bereits seit Jahrzehnten widerlegte Datierung wird teils auch in jüngst erschienenen Publikationen noch weiterverbreitet.11
Der obige Kupferstich entstammt dem Vordruck einer sogenannten „Handwerkskundschaft“ der Fleischackerzunft des „hochfürstlich-liechtensteinischen Marktes Mistelbach“. Bei derartigen „Kundschaften“ handelte es sich um Bestätigungen mittels denen Gesellen, die sich auf der damals obligatorischen Wanderschaft („Walz“) befanden, die Ausübung des Handwerks und das Wohlverhalten vom Vorstand der hiesigen Zunft bestätigt wurde. Diese ursprünglich handschriftlich ausgestellten Bestätigungen wurden später durch vorgedruckte Formulare ersetzt und ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war es durchaus üblich, dass diese auch eine bildliche Darstellung der Stadt bzw. des Marktes zierte, an der die jeweilige Zunft ihren Sitz hatte. Die Verwendung der Vordrucke machte es darüber hinaus auch schwieriger diese Dokumente zu fälschen.
Eine Handwerkskundschaft der Mistelbacher Fleischhauerzunft aus dem Jahre 1820, die sich in den Beständen des Wiener Stadt- und Landesarchivs erhalten hat – Originalformat: ca. 40 x 50 cm
Ein leeres Exemplar dieses Vordrucks hat den Lauf der Zeit in den Beständen der topografischen Sammlung der niederösterreichischen Landesbibliothek überdauert12 und eine für den Fleischhackerknecht (=Geselle) Andreas Hobersdorfer am 26. April 1820 ausgestellte Urkunde findet sich heute in den online zugänglichen Beständen des Wiener Stadt- und Landesarchivs13. Eine Fleischhauerzunft in Mistelbach wird urkundlich bereits im Jahre 1414 erwähnt und dieser „Zeche“ gehörte ein Großteil der Fleischhauer des nordöstlichen Niederösterreichs an. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gehörten zumindest zeitweilig auch Fleischhauer jenseits der March sowie in Südmähren zur Mistelbacher Zunft.14 Der aus Ameis stammende Andreas Hobersdorfer wird in der oben abgebildeten „Kundschaft“ als 22 Jahre alt, von mittlerer Statur und mit schwarzem Haar beschrieben. Auch sein Dienstgeber, der Walterskirchner Fleischhackermeister Mathias Prokisch, gehörte der Mistelbacher Zunft an, und es wurde bestätigt, dass Hobersdorfer in den 26 Wochen, in denen er bei Prokisch beschäftigt war, gute Arbeit geleistet und Fleiß gezeigt hat.
Neben dem Altvater (=Vorstand) der Mistelbacher Fleischhackerzunft Joseph Kautz, unterzeichnete auch der in Mistelbach ansässige Fleischhackermeister Franz Koch als „Verordneter“ die Urkunde und darüber hinaus auch der Syndikus des damals bestehenden Mistelbacher Magistrats. Nachdem die Mistelbacher Fleischhackerzunft sehr bedeutend war und einige ihrer Mitglieder sehr wohlhabend waren, ist es jedenfalls denkbar, dass sie einen Künstler mit der Anfertigung dieses Kupferstichs eigens beauftragt haben.
Vieles an dieser Ansicht wirkt vertraut und ist leicht erkennbar: im Bildzentrum der weitläufige Hauptplatz mit der (etwas zu groß dargestellten) Dreifaltigkeitssäule, die Pfarrkirche samt Karner und dem umliegenden Friedhof – damals noch von einer massiven Befestigungsmauer umgeben, die Markt- und Pfarrstiege, das Barnabitenkolleg, die Bögen die den Durchgang zur Kirchengasse zieren und vieles mehr. Interessant ist auch die Darstellung von kleinen Bachläufen am rechten Bildrand im Bereich der Frohnerkreuzung bzw. in der Mitscha- und Wiedenstraße. Im Spitalsviertel (rund um die Elisabethkirche) gab es damals mehrere solcher kleinen Rinnsale, die in die Mistel bzw. die Zaya mündeten und sicherlich auch als Vorläufer einer Kanalisation zweckentfremdet wurden. Im Bereich hinter der rechten Häuserzeile der Mitschastraße (stadtauswärts) findet sich übrigens auch heute noch ein kleines Bächlein, das ab der Haydngasse verrohrt und unterirdisch in die Zaya fließt.
Nicht korrekt erscheint hingegen die Darstellung des Südendes des Hauptplatzes: Das untere Markttor wird sehr breit dargestellt und die Hafnerstraße wirkt lediglich wie ein etwas schmalerer Fortsatz des Hauptplatzes. Es ist jedoch gut dokumentiert, dass die Hafnerstraße in ihrem heutigen Verlauf bereits seit Jahrhunderten, wahrscheinlich sogar seit der Anlage des neuen Marktes (=Hauptplatz) an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert in dieser Form besteht. Gut erkennbar ist auch die Befestigungsmauer, die das Marktviertel damals umgab. Die Stadtmauer diente übrigens weniger der Verteidigung – im Angriffsfall zog man sich in die von starken Befestigungsmauern umgebene Pfarrkirche zurück bzw. floh in die umliegenden Wälder – sondern vielmehr der Sicherheit vor Dieben und anderen unerwünschten Eindringlingen. Das Marktviertel war über folgende Tore zugänglich: das „obere Markttor“ (auch „Staatzer Tor“ genannt) in der Oberhoferstraße befand zwischen den einander gegenüberliegenden Häusern Oberhoferstraße Nr. 5 und Nr. 16, das bereits erwähnte „untere Markttor“ (auch „Wiedentor“ genannt) lag an der Einmündung der Hafnerstraße in die „Frohner“-Kreuzung, sodass das über Jahrhunderte bestehende Gasthaus „zum weißen Rössl“ (heute: Asia Restaurant) bereits außerhalb der Stadtmauer lag. Weitere (kleinere) Tore befanden sich in der Museumsgasse (damals Dienergassl genannt), an der Einmündung der Kirchengasse zum Hauptplatz und neben dem alten Rathaus (heute: Erste Bank) auf der Westseite des Hauptplatzes sowie in der Marktgasse. 1843 wurden die Tore der Stadtmauer abgebrochen und da die Stadtmauer sonst nirgendwo frei stand und in die Hausmauern integriert war bzw. später wurde, existieren heute keinerlei sichtbar Spuren mehr.15
Nachfolgend werden einige interessante Details aus der Darstellung herausgegriffen. Die sehr genau dargestellte, 1680 errichtete, Dreifaltigkeitssäule wird dabei bewusst ausgespart, da sie sich im Lauf der Jahrhunderte nur wenig verändert hat und weiterhin den Hauptplatz ziert.
Pranger
Der auf der Ansicht abgebildete Pranger (Schandsäule) inmitten des Hauptplatzes soll im 16. Jahrhundert errichtet worden sein, doch nachdem Mistelbach jedoch bereits Jahrhunderte zuvor Gerichtssitz war, dürfte auch zuvor bereits ein Pranger existiert haben – möglicherweise aus Holz. Das Prangerstehen war mit öffentlicher Demütigung und Ehrverlust verbunden und folgende Vergehen wurden damit bestraft: Diebstahl von Feldfrüchten/Tieren/Holz, Raufereien, Fluchen, Gotteslästerung, Ehebruch, Unzucht, Trunkenheit. Je nach Straftat wurden die „Missetäter“ dann noch öffentlich vom Gerichtsdiener bzw. Freimann malträtiert oder verstümmelt. Die links am Pranger hängende Steinkugel hieß „Bagstein“ und wurde samt der Kette dem Delinquenten angelegt. Es handelte sich dabei laut Franz Thiel vor allem um eine Strafe für „streitsüchtige, zänkische Weiber, die ein loses Mundwerk“ hatten. Später wurde statt dem Bagstein die Brechel („Schandgeige“) zur Bestrafung kleinerer Vergehen eingesetzt. Rechts am Prager ist eine aus Blech gefertigte Fahne zu erkennen, und dieses sogenannte Freiungzeichen wurde zwei Wochen vor einem Jahrmarkt am Pranger angebracht und blieb dort auch die beiden Wochen danach. Es signalisiert, dass in diesem Zeitraum begangene Straftaten im doppelten Ausmaß bestraft wurden. Jahrmärkte mit vielen auswärtigen Händlern lockten naturgemäß viele Besucher aus nah und fern an, und dies bot wiederum allerhand Gelegenheit für Diebstahl, Gewaltdelikte und Betrügereien. Durch die Erhöhung des Strafmaßes in dieser Zeit sollten Kriminelle abgeschreckt werden.
Im Jahre 1776 wurden die Prangerstrafen in Österreich abgeschafft, doch blieb der Pranger bis 1855, als er schließlich abgetragen wurde, auf dem Mistelbacher Hauptplatz stehen. Baumaterial war kostbar und wurde gerne wiederverwendet, aber der Pranger galt über Jahrhunderte als mit Verbrechen verknüpft und selbst eine Berührung als unehrenhaft. Es mag also sein, dass sich lange Zeit niemand für den abgetragenen Schandsäule interessierte und erst Jahrzehnte später sollen seine Überreste 1890 zu Stufen im alten Kasino verarbeitet worden sein. Beim Kasino handelte es sich um das ehemalige Schießstattgebäude beim Stadtpark, das in den 1960er Jahren abgebrochen wurde und an dessen Stelle das Feuerwehrhaus bzw. dessen Nebengebäude (ehemalige Bücherei) errichtet wurden. Nach mühsamen Recherchen des unter der Leitung von OSR Fritz Bollhammer stehenden Kultur- und Verschönerungsvereins soll es in den 1950er gelungen sein, die im Kasino verbauten Reste des Prangers wieder aufzufinden und zu bergen. Nach einer aufwändigen Rekonstruktion, gestaltete sich die Standortsuche wider Erwarten als schwierig, denn offenbar wollte niemand den Pranger, der an dunkle Zeiten der Gerichtsbarkeit erinnerte, in seiner Nähe haben. Schließlich fiel die Wahl auf den Stadtpark und der wiedererrichtete Pranger soll zu 60 % aus dem Steinmaterial des historischen Prangers bestehen. Die Authentizität dieser Angabe bzw. die Geschichte des glücklichen Wiederauffindens des Prangers wurde von Zeitgenossen durchaus in Zweifel gezogen, und beispielsweise in einem kleinen Gedicht in der Mistelbacher-Laaer-Zeitung – in dem auch die „schwierige“ Standortsuche Erwähnung findet – spöttisch thematisiert.16
Der rekonstruierte Pranger im Mistelbacher Stadtpark im Jahre 1987
Gemeindebrunnen & Feuergeräteschuppen
Am Südende des Hauptplatzes sehen wir den Gemeindebrunnen („Pavillon“ mit Seilzug) dargestellt, und davor den Feuergeräteschuppen, in dem Leitern, Feuerhaken und Eimer für Löschwasser aufbewahrt wurden.17 Zur Entwicklung des Feuerwehrwesens darf in diesem Zusammenhang auf den Beitrag zum Florianiplatz verwiesen werden.
Altes Rathaus
Etwa um 1580 kauften die Mistelbacher der liechtensteinischen Herrschaft das Gemeindeschenkhaus ab und ließen einen Turm an das Gebäude anbauen, das jedenfalls ab diesem Zeitpunkt auch Sitz der Gemeindeverwaltung war. Dieses alte Rathaus mit seinem Turm wurde 1874 abgebrochen und durch das „Hotel Rathaus“ ersetzt, dass wiederum in den 1960er Jahren dem Neubau der Sparkasse Mistelbach (heute: Erste Bank) weichen musste. Bereits im Jahre 1901 war die Gemeindeverwaltung in das neuerrichtete Amtsgebäude am Nordende des Hauptplatzes übersiedelt. Die Form des Daches bzw. der Spitze des alten Rathausturms diente als Vorbild bei der Neugestaltung des gegenwärtigen Rathauses durch Architekt Viktor Kraft im Jahre 1974.18
vor 1874: Die nordwestliche Ecke des Mistelbacher Hauptplatzes mit dem alten Rathaus und der Dreifaltigkeitssäule
Ölberggruppe, Kreuzigungsgruppe, Kapelle an der Pfarrstiege
Ölberggruppe (1), Kreuzigungsgruppe (2), Kapelle der heiligen Familie an der Pfarrstiege (3)
Ölberggruppe19 Der Mistelbacher Bildhauer Johannes Frantz schuf im Jahre 1682 diese Figurengruppe, die Christus beim Gebet am Ölberg, umgeben von schlafenden Jüngern sowie einen Engel, zeigt. Die Sandsteinfiguren waren ursprünglich mit Ölfarben bunt bemalt. Gestiftet wurde dieses Denkmal von dem pfarrholdischer Grundrichter und Fleischhauer Tobias Grätzer, der damit seine Dankbarkeit zum Ausdruck brachte, dass er von der Pest verschont geblieben war. Die Ölbergszene ist ebenso wie die Kreuzigungsgruppe Teil des Kreuzwegs am Kirchenberg, zu dem außerdem die nahe gelegenen Figuren kreuztragenden Christus sowie Christus als Schmerzensmann (früher vorm Benefiz) gehören.
Christus am Ölberg mit schlafenden Jüngern – Figurengruppe am Kirchenberg
Kreuzigungsgruppe20 Der bereits erwähnte Bildhauer Frantz schuf diese Figurengruppe im Jahre 1675 im Auftrag des Lederermeisters und zeitweiligen Marktrichters Jakob Zerritsch und dessen Gattin Maria. Erstaunlich ist, dass das Kreuz mit dem Corpus Christi aus Holz geschaffen wurde und nicht wie die übrigen Figuren (Maria, Maria Magdalena und Johannes) aus Stein.
Kreuzigungsgruppe unterhalb der Pfarrkirche
Kapelle der heiligen Familie21
Diese etwa auf halber Höhe der Pfarrstiege befindliche Kapelle stammt aus dem Jahr 1679.
Die 1679 errichtete Kapelle „Zur Heiligen Familie“ bei der Pfarrstiege
Barockschlössl
Das in den 1730er Jahren von dem Steuereinnehmer und Marktrichter Maximilian Devenne errichtete Barockschlössl samt dem daneben befindlichen Presshaus ist am linken unteren Bildrand zu erkennen. Nähere Details zur Entstehung dieses Gebäudes bzw. zu seinem Errichter findet sich im Beitrag zur Mistelbacher Bürgerfamilie Devenne
Pestsäule („Totenleuchte“)22
Etwas unscheinbar, rechts unten im Bild zeigt uns die Ansicht den ursprünglichen Standort der Pestsäule auf einer kleinen Anhöhe, die heute in Gärten bzw. Höfen von Häusern zwischen Franz Josef-Straße/Gewerbeschulgasse/Quergasse/Bahnstraße liegt. Die Bebauung der Bahnstraße entwickelte sich zunächst langsam im Laufe des 19. Jahrhunderts und nahm erst nach der Errichtung der Eisenbahnlinie 1870 an Fahrt auf. Früher lag also auch der untere Bereich der Bahnstraße außerhalb des Ortsgebiets und hier wurde die Pesttoten begraben. Grabungsarbeiten in diesem Bereich brachten zahlreiche, fein säuberlich nebeneinander bestattete menschliche Skelette zum Vorschein, und überhaupt dürfte diese Anhöhe, die Ende des 19. Jahrhunderts umgangsprachlich auch „Ewinger-Bergl“ genannt wurde, erst durch Anschüttungen im Zuge der Beisetzung der zahlreichen Toten entstanden sein. Die auch „Totenleuchte“ genannte Säule im gotischen Stil, deren Entstehung auf die Zeit zu Anfang des 15. Jahrhunderts datiert wird, war also den Pesttoten gewidmet bzw. markierte den Pestfriedhof. 1898 wurde die Pestsäule schließlich auf die Franz Josefs-Höhe in der neu Liechtensteinanlage auf dem Kirchenberg versetzt (siehe hierzu Kaiser Franz Joseph I. und Mistelbach). 1985 wurde die Säule aufwändig renoviert und befindet sich seither auf dem Europaplatz (vormals Conrad von Hötzendorf-Platz) vor der heutigen Polytechnischen Schule und damit unweit ihres ursprünglichen Standorts.
Die Pestsäule an ihrem Standort bei der Franz Josefs-Höhe in der Liechtensteinanlage auf dem Kirchenberg, vermutlich im Jahr 1898
Die Pestsäule an ihrem heutigen Standort vor der Polytechnischen Schule am Europaplatz
alte Spitalskirche23
Die in frühgotischem Stile zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtete Spitalskirche (= Elisabethkirche) findet sich am rechten Bildrand und sie ist im Vergleich zu den anderen Kirchengebäuden sehr vereinfacht und wenig detailliert dargestellt. Ihre Ausrichtung und Lage inmitten der Fahrbahn der heutigen Mitschastraße ist jedoch akkurat dargestellt. Die alte, bereits baufällige Kirche wurde im Jahre 1904 abgebrochen und aus verkehrstechnischen Gründen etwas versetzt und in modernem Stil im Jahre 1905 im Kreuzungsbereich Mitschastraße/Oserstraße wiedererrichtet. Während des Zweiten Weltkriegs fanden hier erstmals evangelische Gottesdienste statt und 1965 erwarb die evangelische Gemeinde die Elisabethkirche von der Stadtgemeinde Mistelbach. Ursprünglich eine katholische Kirche und Teil des von einem der Herren von Mistelbach gestifteten Spitals (=Fürsorgeanstalt), diente bereits die alte Spitalskirche während der Reformationszeit zeitweilig als evangelisches Gotteshaus.
Rätselhaftes Gebäude am linken Bildrand
Mittig am äußersten linken Bildrand findet sich ein rätselhaftes, großes Gebäude mit Dreieckgiebel und einem kleinen Türmchen (ähnlich dem Kollegsgebäude). Gemäß der Darstellung müsste sich dieses Gebäude in der Oberhoferstraße befunden haben, allerdings kann die Existenz eines solchen Gebäudes hier definitiv ausgeschlossen werden. Handelt es sich möglicherweise um eine etwas südwärts ins Bild gerückte Darstellung des Mitterhofes, eines Freihofs, der sich einst auf dem Areal des heutigen Museumszentrums, befand?
Die in diesem Beitrag behandelte Darstellung wurde im Laufe der Zeit immer wieder zur Illustration der Geschichte Mistelbachs herangezogen:
Etwa 1901 als Teil dieser Ansichtskarte. Interessanterweise bereits damals (also zum Zeitpunkt des Erscheinens der Geschichte der Stadt Mistelbach) mit akkurater Datierung
Vom Mistelbacher Heimatmuseum 1953 herausgegebene Ansichtskarte, die eine kolorierte Version des Kupferstichs zeigt24. Gemäß den obigen Ausführungen darf die falsche zeitliche Zuordnung (ca. 1650) nicht verwundern.
Der Kupferstich diente auch als Vorbild für ein von Prof. Kaindl geschaffenes Mosaik, dass die Fassade des an das Feuerwehrhaus angrenzenden Gebäudes, in dem früher die Stadtbücherei vor ihrer Übersiedlung in den Stadtsaal untergebracht war, ziert.25
Fälschlicherweise ist hier das Jahr 1750 angeführt, wie obenstehend ausführlich dargestellt zeigt es das Erscheinungsbild des Marktes zu Ende des 18. Jahrhundert.
Bildnachweise:
-) Handwerkskundschaft: Online verfügbar in den Beständen des Stadt- und Landesarchivs Wien – Signatur 2.8.A1.2.40
-) die beiden Ansichtskarten: Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Foto Pranger 1987 und alte Ansicht Hauptplatz 1874: Göstl-Archiv
-) Abbildung Pestsäule 1898: Geschichte der Stadt Mistelbach von Karl Fitzka
-) Fotos Kreuzigungsgruppe, Familienkapelle, Ölberggruppe sowie das Mosaik am Nebengebäude des Feuerwehrhauses: Thomas Kruspel
Quellen:
Schulgasse (Ebendorf)
Die Geschichte des hier verlaufenden Weges reicht weit zurück bevor die namensgebende Schule errichtet wurde.24 Dieser zunächst schlichte Feldweg diente bereits vor dem Anfang des 18. Jahrhunderts auf kaiserliche Anordnung erfolgten Ausbau der Brünner Straße zu einer der Hauptverkehrsachsen des Reichs, als Zubringer dieser Straße bzw. Verbindungsweg nach Schrick. Das Bestehen dieses Weges ist auch durch das Schicksal des Ebendorfer Landwirts Weinert überliefert, der 1679 mit seinem Pferdegespann aus Wien zurückkehrte. Damals wütete die Pest in der Hauptstadt und als er erste Krankheitssymptome kurz vor Erreichen seines Heimatortes bemerkte, schickte Weinert sein Fuhrwerk alleine weiter, um die tödliche Krankheit nicht nach Ebendorf einzuschleppen. Bei der damals angeblich bereits bestehenden, vor dem Ortsgebiet gelegenen und aus Holz erbauten Marienkapelle („Maria unter den Linden“), soll er fromm betend sein tödliches Schicksal erwartet haben. Zum Gedenken an sein vorausschauendes Handeln und zum Dank dafür, dass sie diesmal von der Pest verschont blieben, ließen die Ebendorfer die Kapelle neu aus Stein errichten und Weinert wurde bei der Kapelle begraben.26 So lautet die Geschichte laut Darstellungen aus der Zeit zu Ende des 19. Jahrhunderts (im Wesentlichen die Topographie von Niederösterreich (herausgegeben vom Verein für Landeskunde)). Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim – zweifellos der profundeste Kenner der Geschichte Ebendorfs – schildert die damalige Begebenheit in seiner 1971 erschienenen „Kleinen Geschichte Ebendorfs“ geringfügig anders: laut ihm hieß der Ebendorfer Landwirt Weiner und die Kapelle sei erst nach dem Ableben Weiners entstanden. Nachdem die Kapelle im Jahr nach Weiners Tod neben dessen Grab zunächst als Holzbau errichtet worden war, soll sie erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Steinbau ausgeführt worden sein.27
Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Kapelle allerdings erst im Zuge eines von Gutsbesitzer Dr. Josef Mitscha von Märheim initiierten und finanzierten Neubaus, der schließlich im Jahre 1904 geweiht wurde. Die Kapelle wurde damals deutlich vergrößert und im Zuge von Fundamentierungsarbeiten wurde ein Skelett gefunden, bei dem es sich wohl um die Gebeine Weiner(t)s gehandelt haben dürfte. Sein Ableben lässt sich in den zu diesem Zeitpunkt bereits geführten Pfarrmatriken leider nicht nachvollziehen – allerdings haben Recherchen von Prof. Mitscha-Märheim belegt, dass es zu jener Zeit mehrere Personen mit diesem Nachnamen in Ebendorf gab. Das Sterbebuch aus jener Zeit ist zwar überliefert und nach den damals zur Pfarre Mistelbach gehörenden Gemeinden gegliedert, allerdings finden sich zu jener Zeit lediglich Einträge zu Mistelbach, Siebenhirten, Hüttendorf und Lanzendorf – Ebendorf fehlt.
Die Kapelle „Maria unter den Linden“ am oberen Ende der Ebendorfer Schulgasse unmittelbar nach ihrer Neuerrichtung im Jahre 1904 (Ausschnitt einer Postkarte aus dem Verlag Thomas Freund)
Die Ebendorfer Kinder besuchten bis in die 1870er die Schule in Lanzendorf. Da aber der Schulweg zwischen Ebendorf und Lanzendorf, die heutige Grubenmühlstraße, nur sehr schlecht befestigt war und die Kinder – von denen viele keine Schuhe hatten – oftmals durch die umliegende feuchte Au ausweichen mussten, bestand schon seit langem der Wunsch nach einer eigenen Schule. Die finanziellen Mittel der Gemeinde Ebendorf reichten dafür nicht aus und die Situation änderte sich erst als der bereits erwähnte Dr. Josef Ritter Mitscha von Märheim 1874 das Ebendorfer Schloss samt dem zugehörigen Gut erwarb. Er erklärte sich 1879 bereit die Kosten für die Errichtung eines Schulgebäudes und dessen Innenausstattung zu übernehmen. Schon im darauffolgenden Jahr konnte das Schulgebäude bestehend aus einem Klassenzimmer und einer Lehrerwohnung eingeweiht werden. Zehn Jahre später überstieg die Anzahl der Kinder den im Klassenraum verfügbaren Platz bereits deutlich und daher wurde die alte Lehrerwohnung in einen zweiten Klassenraum umgebaut sowie eine neue Lehrerwohnung zugebaut. Ab den 1920er Jahren sank die Zahl der Schulkinder und Anfang der 1930er Jahre wurde die Schule schließlich nur mehr einklassig geführt. Aufgrund Lehrermangels fand von 1941 bis 1945 in der Ebendorfer Schule kein Unterricht statt und die Kinder wurden der Mistelbacher Schule zugewiesen. 1945 gab es dann kurzzeitig gemeinsamen halbtägigen Unterricht abwechselnd in Lanzendorf und Ebendorf, ehe ab November 1945 dann wieder eigenständiger Unterricht in Ebendorf stattfand. Während die Schule von 1947 bis 1953 wieder zweiklassig geführt wurde, wurden die wenigen Schüler danach wieder zu einer einzigen Schulklasse zusammengefasst. 1966 folgte schließlich das Ende der Ebendorfer Schule, die wie viele andere kleine Dorfschulen im Zuge einer Schulreform geschlossen wurde und seither besuchen die Ebendorfer Kinder die Schule in Mistelbach.28
Die Ebendorfer Schule auf einer Ansichtskarte aus den 1930er Jahren
Nachdem die umliegenden Dorfschulen geschlossen wurden und aufgrund starker Geburtenjahrgänge, herrschte in den Mistelbacher Pflichtschulen, die in der Bahnstraße (Mädchen) und Thomas-Freund-Gasse (Knaben) untergebracht waren, große Raumnot. Daher wurden Ende der 1960er Jahre auch die Räumlichkeiten der ehemaligen Ebendorfer Schule von der Mistelbacher Knaben-Hauptschule genutzt, bevor schließlich die Eröffnung eines eigenen Volksschulgebäudes in der Bahnzeile im Jahre 1971 Entlastung brachte. Ihre Rolle als Raumreserve für Mistelbacher Bildungseinrichtungen erfüllte die Ebendorfer Schule abermals im Schuljahr 1976/77 als die neu eröffnete Mistelbacher Handelsakademie und Handelsschule – zunächst lediglich eine Expositur der BHAK und BHAS Korneuburg – in der alten Ebendorfer Schule untergebracht war. Dieses Provisorium überbrückte den Zeitraum bis zur Übersiedlung in das damals noch in Bau befindliche Bundesschulzentrum, das mit dem darauffolgenden Schuljahr eröffnet werden konnte.29
Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Ebendorf mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 27. Juni 1979 erhielt diese Straße, den zweifellos seit Ende des 19. Jahrhunderts umgangssprachlich gebräuchlichen Namen „Schulgasse“ nunmehr offiziell.30 Die alte Ebendorfer Schule wird seit Jahrzehnten von verschiedenen Ebendorfer Vereinen genutzt und dient auch als Veranstaltungsort.
Der auf Höhe des Schulgebäudes beginnende und parallel zur Schulgasse verlaufende Promenadenwege zur Marienkapelle wurde im Zuge des Neubaus der Kapelle im Jahre 1904 angelegt. An markanten Gebäuden weist die Schulgasse zum einen den als Wahrzeichen Ebendorfs fungierenden, 1879 errichteten, Glockenturm an der Einmündung zur Ebendorfer Hauptstraße auf, sowie eine 1903 im damaligen Stil von Gutsbesitzer Dr. Josef Mitscha von Märheim errichtete Villa an der Adresse Schulgasse Nr. 11 auf.31 Außerdem befindet sich neben dem Schulgebäude das 1922 errichtete Kriegerdenkmal.
Wo befindet sich die Schulgasse (Ebendorf)?
Bildnachweis:
-) Sammlung des Autors
Quellen:
Oberhoferstraße
Die Entstehung der Oberhoferstraße ist wohl in die Zeit der Gründung Mistelbachs zu verorten bzw. muss sie bald danach angelegt worden sein. Wahrscheinlich reicht die Geschichte dieser Straße jedoch noch weiter zurück, denn entlang von Flüssen und Bächen verliefen seit jeher Wege. Das weltliche und geistliche Machtzentrum der im 11. Jahrhundert gegründeten Ansiedlung Mistelbach befand sich auf dem Kirchenberg. Für die Errichtung von Bauernhöfen in der damals üblichen Form eignete sich eine Hanglage allerdings nicht und daher entstand im Tal, das der Mistelbach in den Höhenrücken des Zayatals schneidet, der bäuerlich geprägte Ortsteil – das sogenannte „Dorf“.
Die Höfe wurden zeilenförmig angeordnet und sofern nicht bereits im Zeitpunkt der Gründung so angelegt, entwickelte sich bald die damals übliche Form eines Angersdorfs, das aus zwei gegenüberliegenden Häuserzeilen – der linken Seite der Oberhoferstraße (ungerade Hausnummern) und der rechten Seite der Waldstraße (gerade Hausnummern) – bestand. Der weitläufige, von der Mistel durchflossene Anger dazwischen, diente einerseits als Hochwasserschutz und wurde andererseits auch für (Obst)gärten und als Auslauffläche für Hühner und Gänse genutzt.32 Das „Dorf“ erstreckte sich zwischen der Steinernen Brücke (Kreuzung Oberhoferstraße/Waldstraße) – dem nördlichen Ortsende – und dem im Süden angrenzenden Wiedenviertel. Die (obere) Franz Josef-Straße und die (obere) Winzerschulgasse bildeten als „Hintausstraßen“ die Grenzen der Höfe, wo sich die zugehörigen Scheunen und Keller befanden. Im 16. und 17. Jahrhundert erfolgte schrittweise die weitgehende Verbauung des alten Dorfangers mit Kleinhäusern und damit erhielt die Oberhoferstraße ihre rechte Häuserzeile bzw. ihre endgültige Form.33
Univ.-Prof. Dr. Adalbert Klaar vertritt in seinem Beitrag „Die Siedlungsform von Mistelbach“ im anlässlich der Feierlichkeiten zu „100-Jahre-Stadterhebung“ erschienenen Buch „Mistelbach Geschichte Band I“ die auf Vorarbeiten von Prof. Hans Spreitzer34 basierende These, dass die Oberhoferstraße und die Kreuzgasse ursprünglich ein zusammenhängender Straßenzug gewesen seien.35 Für diese plausible Theorie spricht die Tatsache, dass die Oberhoferstraße sonst im Nirgendwo geendet hätte, denn der heutige Mistelbacher Hauptplatz wurde erst an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert neu angelegt. Der zuvor genutzte alte Marktplatz lag am Kirchenberg in unmittelbarer Nähe zur Burg. Das abrupte Ende der ebenfalls sehr alten Kreuzgasse bei ihrer Einmündung in die Kirchengasse wirkt ebenfalls unvermittelt und die Tatsache, dass sich problemlos eine Verbindung zwischen diesen Straßen denken bzw. wie unten sichtbar, auch darstellen lässt, scheint diese These zu stützen. Ein durchgehender Straßenzug bestehend aus Kreuzgasse und Oberhoferstraße als wichtige Nord-Süd-Achse hätte durch ihren Verlauf auch eine direkte Anbindung an die Straße Richtung Wilfersdorf geboten.
Bildeten die Oberhoferstraße und die Kreuzgasse vor der Entstehung des Mistelbacher Hauptplatzes einen gemeinsamen Straßenzug?
■ Oberhoferstraße
■ Kreuzgasse
■ Verbindung zwischen Oberhoferstraße und Kreuzgasse
Der planmäßig angelegte „neue“ Markt, also die Häuser am Hauptplatz, war von einer in die Gebäude integrierten Befestigungsmauer umgeben, deren Hauptzweck weniger die Verteidigung, sondern vielmehr der Schutz vor Dieben und anderen dubiosen Gestalten war. Natürlich verfügte diese Mauer an den Zufahrtsstraßen zum Markt über Tore und eines der großen Tore befand sich in der Oberhoferstraße. Da die Oberhoferstraße in früherer Zeit als „Staatzer Straße“ bezeichnet wurde, nannte man diesen zwischen den einander gegenüberliegenden Häusern Oberhoferstraße Nr. 5 und Nr. 16 gelegenen Eingang zum Markt „Staatzer Tor“ oder auch „Oberes Markttor“. 1843 wurden sämtliche Tore der mittlerweile unzeitgemäßen und den Markt einengenden Befestigungsmauern entfernt.36
Erst im Jahre 1898 wurden in Mistelbach offiziell Straßenbezeichnungen eingeführt und die Straße, die Gegenstand dieses Beitrags ist, wurde nach dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Lederermeister und Marktrichter Paul Oberhoffer benannt.37 Natürlich gab es auch bereits zuvor informelle Straßenbezeichnungen, die der Orientierung dienten, allerdings war die Benennung nach Personen gänzlich unüblich. Eine Ausnahme scheint hier die Oberhoferstraße zu bilden, deren erste Erwähnung bereits für die 1880er Jahre belegt ist.38 Da Prof. Spreitzer, der die Urbarien der Grundherrschaften und die Grundbücher ausgiebig untersucht hat, als ältere Bezeichnung für diese Straße in seinen Arbeiten lediglich die Namen „Staatzer Straße“ bzw. „beim Staatzertor“ anführt, bleiben die Anfänge des Namens „Oberhoferstraße“ bzw. dessen zeitliche Entstehung unklar. Marktrichter Oberhoffer hatte sich große Verdienste in einem langwierigen Rechtsstreit mit der liechtensteinischen Herrschaft um den Mistelbacher Gemeindewald erworben und da die gegenständliche Straße aus dem Markt in Richtung des Waldes führte, bot sich diese Namensgebung zum Gedenken an Oberhoffer an.
Um die Jahrhundertwende findet sich oftmals die Schreibweise Oberhofferstraße, weil man der Meinung war, dass der Marktrichter aus dem 17. Jahrhundert sich so schrieb, aber tatsächlich finden sich auch zu seinen Lebzeiten Schreibweisen mit nur einem f und auch eine frühe Erwähnung der Bezeichnung „Oberhoferstraße“ aus dem Jahre 1890 findet sich ohne die Doppelung. Die Straße ist bis heute Teil der zentralen Nord-Süd-Achse durch die Stadt und aufgrund ihrer Lage ließen sich zahlreiche Gewerbetreibende, insbesondere im unteren Teil der Straße, nieder. Die Oberhoferstraße war also über Jahrhunderte eine der bedeutendsten Geschäftsstraßen Mistelbachs, hat diese Stellung im Zuge tiefgreifender Veränderungen in Handel und Gewerbe, die sich weder auf Mistelbach noch auf die Oberhoferstraße beschränken, in den letzten Jahren jedoch verloren.39
Nachfolgend ein paar Anmerkungen zu geschichtsträchtigen Häusern in der Oberhoferstraße:
Oberhoferstraße 1a: ursprünglich gehört dieser Grund zum Gasthaus „zum goldenen Ochsen“, dass 1900 zwecks Errichtung des neuen Rathauses am Nordende des Hauptplatzes abgerissen wurde. Im Zuge des Abbruchs des Gasthauses kam es zu einer Grundteilung und auf dem hinteren Areal wurde schließlich 1908 das k.k. Eichamt errichtet.40 Das Eichamt übersiedelte später und 1977 wurde das alte Gebäude abgebrochen, um Parkplätze für die Bezirkshauptmannschaft zu schaffen.
Die untere Oberhoferstraße im Jahre 1908 auf einer Ansichtskarte aus dem Verlag Anton Kapitan. Auf der rechten Seite mit dem schönen Giebel (grau mit weißem Dekor) das alte Eichamt, und dahinter in seiner ursprünglichen roten Farbe das Rathaus
Oberhoferstraße 6: hier befand sich ab 1890 die Buchdruckerei Krapfenbauer (später Kränzle bzw. Hornung) und über die meiste Zeit ihres Bestands befand sich hier die Verwaltung und Redaktion der Lokalzeitung „Mistelbacher Bote“. Als die Druckerei 1958 aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste, kam auch das Ende des „Mistelbacher Bote“. Zwischen den Häusern Oberhoferstraße Nr. 2-4 und Nr. 6 verläuft der Rollerweg, dessen Entstehungsgeschichte ausführlich im verlinkten Beitrag behandelt wurde.
Oberhoferstraße Nr. 15: Das Gasthaus „zur goldenen Krone“ bestand jedenfalls bereits seit Ende des 16. Jahrhunderts und hatte seit der Zeit Maria Theresias das Recht die Krone im Gasthausschild zu führen. Ähnlich dem Gasthaus „zum weißen Rössl“ lag es einst vor einem der großen Markttore und damit außerhalb des eigentlichen Marktes. 1929 wurde das Gasthaus ausgebaut und von der Familie Heindl das erste Tonkino der Stadt eröffnet. Der Kinosaal war über viele Jahrzehnte der größte Veranstaltungsraum in Mistelbach und wurde vielfältig genutzt. Mehr zur Entstehung dieses Kinos im Beitrag: Kino in Mistelbach
Oberhoferstraße Nr. 16: hier befand sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein Gast- bzw. Kaffeehaus. Es handelte sich um das erste Kaffeehaus in Mistelbach und nähere Informationen dazu finden sich im Beitrag Kaffeehaus – Bahnstraße Nr. 5. Das Gasthaus existierte bis in das Jahr 1976.
Oberhoferstraße Nr. 41: Die „Milchkammer“ – Sitz der offenbar 1908 gegründeten Mistelbacher Milch- bzw. Molkereigenossenschaft. Nach der 1927 erfolgten Eröffnung der großen Zentralgenossenschafts-Molkerei in der Nähe des Staatsbahnhofs, dürfte die alte Milchkammer nur mehr als Milchsammelstelle für die im „Dorf“ befindlichen Höfe gedient haben bzw. wurden hier bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auch bestimmte Erzeugnisse, wie zB Molke (zum Verzehr oder als Futtermittel) vertrieben.
Oberhoferstraße Nr. 99: Das von Forstmeister Martin Sklenař jun. errichtete Haus war bis 1957 auch Sitz der Forstverwaltung der Gemeinde. Mehr zur Geschichte der Försterdynastie findet sich im Beitrag Försterfamilie Sklenař
Oberhoferstraße Nr. 115-117: Etwas nach hinten versetzt und aufgrund eines dicht bewachsenen, weitläufigen (Vor)Gartens von der Straße aus nicht einsehbar befindet sich eine 1908 vom damaligen Direktor der Landeswinzerschule Johann Kargl errichtete Villa, der einst auch ein landwirtschaftlicher Betrieb angeschlossen war. Mehr Informationen zur Entstehungs- bzw. Besitzgeschichte dieser Villa findet sich im Beitrag zur Dr. Körner-Straße
Wo befindet sich die Oberhoferstraße?
Bildnachweis:
Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
Quellen:
Rupprecht, Dr. Georg
Medizinalrat Dr. Georg Rupprecht
* 6.6.1902, Mönchhof
† 4.4.1959, Mistelbach
Georg Rupprecht wurde 1902 als Sohn des Landwirts Michael Rupprecht und dessen Gattin Theresia, geb. Sänftner, in Mönchhof im burgenländischen Seewinkel geboren.40 Er war der älteste Sohn der Familie und wuchs zusammen mit einem Bruder und einer Schwester auf. Das heutige Burgenland war damals Teil der ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie und die dort lebenden Minderheiten – darunter auch die Deutschen in Westungarn – waren einem großen Magyarisierungsdruck ausgesetzt. Als wirksames Werkzeug hierzu nutzten die ungarischen Nationalisten die Schulen und so fand etwa in der Volksschule Mönchhof – trotz beinahe ausschließlich deutschsprachiger Bevölkerung – der Unterricht bereits ab dem Jahr 1893 nur in ungarischer Sprache statt.41 Von 1908 bis 1914 besuchte Rupprecht die Volksschule in seinem Heimatort und nur die Fürsprache des Pfarrers, der die Begabung des Schülers erkannte, ermöglichte ihm den Zugang zu höherer Bildung. Somit kam Rupprecht erst im Alter von 12 Jahren an das königliche katholische Obergymnasium in Pressburg (Bratislava), denn die heutige slowakische Hauptstadt war so wie das Burgenland Teil des ungarischen Königreichs.42 Im Zuge des Zerfalls der Monarchie nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg löste sich die Slowakei von Ungarn und wurde Teil der Tschechoslowakischen Republik. Dies hatte auch Folgen für „György Ruprecht“, wie er in den Jahresberichten seines Pressburger Gymnasiums auf Ungarisch genannt wurde, denn die Schule deren 6. Klasse er besuchte wurde zu einem tschechoslowakischen Gymnasium.43 Der Unterricht erfolgte nunmehr in der Nationalsprache dieses jungen Staates, allerdings wurden die höheren Klassen auch in ungarischer Sprache weitergeführt, um den bisherigen Schülern den weiteren Besuch zu ermöglichen. Diese aufwändige Doppelgleisigkeit dürfte wahrscheinlich nicht lange gewährt haben und neben der geänderten Sprache dürfte wohl auch die Tatsache, dass sich seine Schule nunmehr in einem anderen Staat befand, einen Schulwechsel nahegelegt haben. Rupprecht absolvierte seine letzten beiden Schuljahre schließlich in Budapest am königlich katholischen Obergymnasium im 1. Bezirk (Budvar), dessen Name in seinem letzten Schuljahr in „Stephan-Verböczy-Obergymnasium“ geändert wurde. Die Reifeprüfung legte er an dieser Schule im September 1922, und somit ein Jahr nachdem das Burgenland ein Teil Österreichs geworden war, ab.44
Daran anschließend nahm er das Studium der Humanmedizin an der Universität Wien auf, doch nachdem er seine gesamte Schulbildung auf Ungarisch absolviert hatte, bereitete ihm die deutsche Sprache anfänglich große Schwierigkeiten. Obwohl es sich um seine Muttersprache handelte, war es zweifellos schwer einem Studium zu folgen, Fachliteratur zu lesen bzw. selbst Arbeiten zu verfassen, wenn man diese Sprache im Wesentlichen nur in der in Familie und Dorf gepflogenen und vom Dialekt geprägten Form erlernt hat. Das Zählen und Rechnen auf Ungarisch hatte Rupprecht derart internalisiert, dass er es zeitlebens beibehielt. Während der Sommerferien des Jahres 1925 gründete er gemeinsam mit anderen burgenländischen Studenten die katholische deutsche Studentenverbindung Peisonia, zunächst als Ferialverbindung in Frauenkirchen. Doch schon wenige Wochen später, am 15. Oktober 1925, wurde diese Verbindung von ihren Gründern in eine Semestralverbindung mit Sitz in Wien umgewandelt. Der Verbindungsname leitet sich vom lateinischen Namen des Neusiedlersees ab und wenig überraschend waren daher Studenten aus dem Burgenland Zielgruppe dieser Vereinigung. 1929 folgte schließlich die Umbenennung dieser bis heute existierenden Korporation in „Austro-Peisonia“, die sich schließlich 1958 dem Österreichischen Cartellverband (ÖCV) – dem Dachverband der katholischen akademischen Studentenverbindungen – anschließen sollte.
Georg Rupprecht als Student im Couleur der von ihm mitgegründeten katholischen Studentenverbindung „Austro-Peisonia“ Wien
Zu seinen Professoren an der medizinischen Fakultät zählte unter anderem der berühmte österreichische Chirurg Anton von Eiselsberg und am 8. November 1928 wurde er zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert.45 Dieser Tag hätte für die Familie Rupprecht ein Tag der Freude werden sollen, aber während die Eltern aufgrund der Promotion in Wien weilten, brach ein Feuer in einer Scheune aus und richtete großen Schaden im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie an.46
Der Medizinstudent Georg Rupprecht (rotes X) während eines Anatomiekurses
Nach seiner Promotion hospitierte Dr. Rupprecht zunächst kurzzeitig im Kinderspital St. Joseph im 4. Wiener Gemeindebezirk, ehe er ab Dezember 1928 als Assistenzarzt an das allgemeine öffentliche Krankenhaus in Waidhofen an der Ybbs wechselte. Seine Tätigkeit in Waidhofen dauerte zwar nur bis zum Mai des Jahres 1931, doch hatte sie über diesen Zeitraum hinausgehende Bedeutung, denn hier lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Am 30. Oktober 1932 schloss Dr. Rupprecht mit der Postbeamtentochter Hildegard Lenz in Baden bei Wien den Bund der Ehe.47 Dieser Ehe sollten drei Söhne und eine in Mistelbach geborene Tochter entstammen.
Bereits im Juni 1931 war er in seine Heimat zurückgekehrt und wurde praktischer Arzt in Neusiedl am See, offenbar jedoch nur Vertretungsweise.48 Ein Jahr später übernahm er die Stelle als Kreisarzt in Leithaprodersdorf und ließ sich hier auch als praktischer Arzt nieder.49 Der Kreisarzt ist ein bis heute bestehendes Spezifikum der burgenländischen Sanitätsverwaltung und vereinfacht gesagt handelt es sich um einen Gemeindearzt, der diese Aufgabe nicht nur für eine Gemeinde, sondern für alle Gemeinden eines Sanitätskreises wahrnimmt. Der Sanitätskreis Leithaprodersdorf umfasste außer dem namensgebenden Ort auch die benachbarten Gemeinden Stotzing und Loretto. Ab 1934 gehörte Dr. Rupprecht dem Vorstand der burgenländischen Ärzteorganisation an und war ab 1935 auch Mitglied des burgenländischen Landessanitätsrates.50
Während des 2. Weltkriegs diente Dr. Rupprecht von 1939 bis 1945 als Stabsarzt bei der deutschen Luftwaffe am Flughafen Wien-Aspern und einer Gefangennahme durch die Sowjetarmee zu Kriegsende entzog er sich, indem er Zuflucht bei seinen Schwiegereltern in Waidhofen an der Ybbs suchte, wohin sich auch seine Gattin samt den Kindern zurückgezogen hatte. Sein ärztliches Pflichtbewusstsein führte ihn jedoch bald wieder nach Leithaprodersdorf zurück, wo er aufgrund von Missverständnissen in teils lebensgefährliche Situationen mit den russischen Besatzungssoldaten geriet.
1945 herrschte insbesondere im Weinviertel, in dem sich in den letzten Kriegstagen teils erbitterte Kämpfe ereignet hatten, große Not. Auch die medizinische Versorgung war katastrophal, nicht zuletzt, weil sich zahlreiche nationalsozialistisch gesinnte Ärzte vor dem Eintreffen der Russen Richtung Westen abgesetzt hatten und ihre Patienten im Stich ließen. Zeugnis dieser Mangellage bzw. der hygienischen Missstände war eine in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Mistelbach wütende Typhusepidemie. Der damalige Landessanitätsdirektor in Niederösterreich und gebürtige Mistelbacher Dr. Ignaz Stremnitzer wusste um die Not in seiner Heimatstadt und fragte seinen Freund aus Studientagen Dr. Rupprecht, ob dieser nicht nach Mistelbach kommen könnte. Seinem hippokratischen Eid verpflichtet folgte er dieser dringlichen Bitte und übersiedelte im September 1945 mit seiner Familie nach Mistelbach, um den hier herrschenden medizinischen Notstand zu lindern. Zunächst wohnte Dr. Rupprecht samt Familie im Elternhaus von Dr. Stremnitzer in der Martingasse, ehe er bald darauf das Haus in der Thomas Freund-Gasse Nr. 4 (Ecke Gspanngasse) erwarb. In diesem Wohnhaus richtete er auch seine Praxis ein und Anfang der 1950er Jahre ließ er das Haus renovieren und aufstocken. Im Zuge dieser Renovierung wurde an der an den Garten des Kaffeehauses angrenzenden Fassade ein mittlerweile abgekommenes Sgraffito mit ärztlicher Symbolik (Äskulapstab und Kreuz) angebracht.51
Unmittelbar nach seiner Ankunft in Mistelbach nahm Dr. Rupprecht seine Tätigkeit als mit Sanitätsagenden (ua Seuchenbekämpfung) betrauter Amtsarzt auf, die er für zwei Jahre ausübte. Außerdem eröffnete er seine Ordination als praktischer Arzt und war darüber hinaus – wie auch bereits im Burgenland – als Zahnarzt tätig, nachdem er bereits in den 1930er Jahren die hierfür notwendigen Kurse absolviert hatte. Bald übernahm er auch die Funktion des Gemeindearztes (Totenbeschau, fachkundiger Berater, sanitätspolizeiliche Maßnahmen, etc.) in der Stadt.
Dr. Rupprecht stammte wie eingangs erwähnt aus einer Bauernfamilie und in einer Zeit, in der der Umgang mit Akademikern noch von großem Standesdünkel geprägt war, erfreute er sich aufgrund seiner volkstümlichen, umgänglichen und humorvollen Art bald großer Beliebtheit bei der Mistelbacher Bevölkerung. Auch sein vielseitiges Engagement im Vereinsleben der Stadt hat sicherlich zu seiner Popularität beigetragen und zeigt sein auf Geselligkeit und Gemeinnutz bedachtes Wesen. Dr. Rupprecht war Bezirksobmann des Kameradschaftsbundes, Gründungsobmann der Mistelbacher Ortsgruppe des ÖAMTC52, Leiter der Jagdgesellschaft, Beirat bzw. Ausschussmitglied im Kultur- und Verschönerungsverein der Stadt Mistelbach53, außerdem gehörte er dem Schützenverein an, war ab 1954 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach54 und beim Eisenbahner-Sportverein engagiert. 1955 wurde ihm in Würdigung seiner Verdienste vom Bundespräsident der Titel eines Medizinalrats verliehen.55
Am 4. April 1959 wurde Dr. Rupprecht zu einem Patientenbesuch nach Eibesthal gerufen und obwohl er sich selbst nicht ganz wohlfühlte, folgte er seiner ärztlichen Pflicht. Am frühen Abend verunglückte er mit seinem erst wenige Tage alten Wagen auf dem Heimweg, als er in einer übersichtlichen, leichten Linkskurve von der Straße abkam und mit einem alleinstehenden Baum frontal kollidierte. Beim Aufprall erlitt er mehrere Rippenbrüche und ein daraus resultierender Aortariss setzte seinem Leben ein abruptes Ende.56 Wie es zu diesem Unfall kam, bleibt unklar, insbesondere, da es sich bei Dr. Rupprecht um einen sehr routinierten Fahrer handelte. Am 8. April 1959 wurde Dr. Rupprecht unter großer Anteilnahme auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt. Die Weinviertler Nachrichten berichten von bis zu 2000 Menschen, die sich eingefunden haben sollen, um von dem beliebten Mistelbacher Arzt Abschied zu nehmen.57 Am ersten Todestag wurde an jener Stelle, an der er verunglückte, auf Initiative seiner Bundes- und Cartellbrüder aus dem Österreichischen Cartellverband (ÖCV) ein Feldkreuz samt Erinnerungsplakette errichtet.58
Dr. Rupprechts letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher Friedhof
Die Markierung auf obenstehender Karte zeigt die Unfallstelle bzw. den Standort des „Rupprecht-Kreuzes“ auf der Straße zwischen Mistelbach und Eibesthal
Das von Rupprechts Bundes- und Cartellbrüdern aus dem Österreichischen Cartellverband (ÖCV) im Jahr 1960 errichtete Kreuz an der Straße nach Eibesthal.
Einige Gegenstände aus der Praxis von Dr. Rupprecht, darunter dieses Ordinationsschild sowie ein Stuhl für Zahnbehandlungen befinden sich heute im Stadtmuseumsarchiv59
Mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. März 1973 erhielt, eingedenk seiner Verdienste um die medizinische Versorgung der Stadt in schwerer Notzeit, eine Straße in der Stadtwaldsiedlung den Namen Dr. Rupprecht-Straße.60
Wo befindet sich die Dr. Rupprecht-Straße?
Bildnachweis:
-) sämtliche s/w Fotos wurden von Dr. Wilfried Rupprecht (Sohn) zur Verfügung gestellt
-) Foto Grab: Thomas Kruspel (2025)
Quellen:
-) Weinrich, Dr. Berthold/ Plöckinger, Dipl.-Ing. Erwin: Niederösterreichische Ärztechronik – Geschichte der Medizin und der Mediziner Niederösterreichs (1990), S. 668
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 15/1959, S. 1
Dr. Höllrigl-Straße
Diese, in der Anfang der 1970er Jahre entstandenen Stadtwaldsiedlung, neu angelegte Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. März 1973 nach dem ersten Leiter des Mistelbacher Krankenhauses, Primarius Dr. Fritz Höllrigl benannt.1
Wo befindet sich die Dr. Höllrigl-Straße?
Quellen:
Leopold Figl-Straße
Als 2009 unterhalb der Dr. Körner-Straße ein neues Siedlungsgebiet geschaffen wurde, beschloss der Gemeinderat die dort zu errichtenden Straßen nach Ehrenbürgern der Stadt Mistelbach zu benennen. Bei den Namenspaten handelt es sich in vielen Fällen um Politiker der Nachkriegszeit, die wesentlich zum Entstehen und Blühen der 2. Republik beigetragen haben. Unter diesen Persönlichkeiten nimmt Leopold Figl als Bundeskanzler der ersten Nachkriegsjahre, Staatsvertrags-Außenminister und Landeshauptmann eine herausragende Rolle ein und der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in der Sitzung vom 25. März 2009 einer Straße den Namen „Leopold Figl-Straße“ zu geben.61
Leopold Figl wurde am 2. Oktober 1902 in Rust im Tullnerfeld als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Schon während seines Studiums an der Hochschule für Bodenkultur (heute: Universität für Bodenkultur) in Wien war er im Sekretariat des niederösterreichischen Bauernbundes, einer Teilorganisation der Christlichsozialen Partei, beschäftigt und stieg dort bereits 1933 im Alter von lediglich 31 Jahren zum Direktor dieser einflussreichen Standesvertretung auf. Seine führende Stellung an dieser Schnittstelle zwischen Politik und Interessensvertretung führte Dipl.-Ing. Figl, damals noch stellvertretender Direktor des Bauernbundes, aufgrund der bevorstehenden Landtagswahl (nachweisbar) erstmals am 17. April 1932 nach Mistelbach. Bei dieser gut besuchten Wahlkampfveranstaltung im Kinosaal des Gasthauses „zur goldenen Krone“ (Oberhoferstraße 15) warb neben Figl auch der damalige Minister und später diktatorisch regierende Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg für die Christlichsoziale Partei.62
Seine nächsten Besuche fallen in das schicksalhafte Jahr 1934 in dem sich Figls Partei von Demokratie und Rechtsstaat verabschiedet hatte und von nun an autoritär herrschte. Im März dieses Jahres nahm er in Paasdorf an der Beerdigung des Landwirts und Bezirksbauernrats Karl Seltenhammer teil63 und rund fünf Wochen später führte ihn die Teilnahme an einer Besichtigung der lokalen Genossenschaftsmolkerei nach Mistelbach. Zu diesem Termin hatte der Gründer der Molkerei, der christlichsoziale Nationalratsabgeordnete Josef Kraus eingeladen, und im Mittelpunkt des Interesses stand der in Mistelbach produzierte Edamerkäse.64 Nach intensiven Versuchen war es gelungen diese Käseart in entsprechender Qualität auch in Österreich herzustellen und die zusammen mit den Politikern und Agrarexperten geladenen Journalisten sollten für diese Produktinnovation aus Mistelbach die Werbetrommel rühren. Wie ein Blick in den Beitrag Mistelbach in der Zeitung – Teil 3 (1923 -1942) belegt, war dieses Ansinnen auch erfolgreich. Anschließend wurden die Gäste zu einer Jause in die Bahnhofsrestauration Panzer (zuletzt Gasthaus Pollak) eingeladen und seinen Abschluss fand der Besuch im Klosterkeller des Weinhändlers Felix Roller.
Am 10. Juni, dem Pfingstmontag des Jahres 1935, fand auf dem damals Dollfuß-Platz genannten Mistelbacher Hauptplatz eine Großkundgebung der Vaterländischen Front, der einzigen zugelassenen politischen Organisation, statt. Als Veranstaltung der Vaterländischen Front im Mistelbacher Bote angekündigt, wurde selbige in der Berichterstattung im Nachgang vielmehr als Bauernkundgebung „im äußeren Rahmen und Gepräge eines vaterländischen Fests“ beschrieben. Neben Landwirtschaftsminister und „Reichsbauernführer“ Josef Reither und Staatsrat Josef Kraus, sprach auch Bauernbunddirektor Figl zu angeblich 4000 Teilnehmern. Er richtete in seiner Rede auch Worte an die anwesenden Ostmärkischen Sturmscharen, deren Landesführer er war. Die Ostmärkischen Sturmscharen waren eine paramilitärische Wehrformation des klerikal-konservativen Lagers, die sich zwar vom radikalen Faschismus der Heimwehren abgrenzte, aber dennoch dem Klerikalfaschismus ideologisch nahestanden und antisemitisch geprägt waren. Es handelt sich um einen Sonderfall, dass in Niederösterreich die Heimwehren mit den Sturmscharen auf Landesebene zu den „niederösterreichischen Sturmscharen“ zusammengefasst waren. Die vom niederösterreichischen Bauernbund stark geförderten Sturmscharen standen von 1932 bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1936 unter der Leitung von Figl. Zum Abschluss der Kundgebung defilierten die Bauernschaft und die Wehrverbände an den hohen Gästen vorbei. Das Festessen fand im Hotel Rathaus (heute: Erste Bank) statt und den Abschluss bildete ein Gartenkonzert der Heimwehrkapelle im Rathausgarten (=Stadtpark).65
Aufgrund seiner führenden Rolle im Dollfuß/Schuschnigg-Regime wurde Dipl.-Ing. Figl am 12. März 1938 von den Nationalsozialisten verhaftet und mit dem sogenannten „Prominententransport“ in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Fünf Jahre Haft, Hunger, Folter und Misshandlungen musste Figl in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg erdulden, ehe am 8. Mai 1943 – dank des unermüdlichen Einsatzes seiner Gattin – seine Freilassung erwirkt werden konnte. Kurz nach der Entlassung aus dem KZ fand Figl Anstellung als Bauleiter bei der Straßenbaufirma seines Freundes, des späteren Bundeskanzlers Julius Raab, und diese Tätigkeit führte ihn ins Weinviertel.
In einem Artikel zum Gedenkjahr 2018 war in der StadtGemeinde Zeitung unter anderem Folgendes zu lesen66: „Der Bauernbunddirektor Dipl.-Ing. Leopold Figl, der 1942 in Hüttendorf im Straßenbau arbeiten musste, und bei Familie Wallisch in der Küche schlief, während zwei Nazis im Zimmer schliefen, wurde mit dem 1. Transport in das KZ Dachau gebracht.“
Diese Schilderung bedarf einer Korrektur, weil wie obenstehend dargelegt, konnte Figl keinesfalls 1942 in Hüttendorf gewesen sein. Es ist richtig, dass Figl nach seiner Freilassung in unserer Gegend im Straßenbau tätig war, allerdings in der Gegend um Zistersdorf, wo sich für die Kriegsführung wichtige Ölreserven befanden. Auch war Figl keineswegs als Zwangsarbeiter dort eingesetzt, wie dieser Beitrag nahelegt, sondern in führender Stellung. Im Zuge seines Aufenthalts in unserer Gegend trat er auch mit ehemaligen Bauernbundmitgliedern in Kontakt, um für die Zeit nach Ende des Nationalsozialismus Vorbereitungen zu treffen.67 Möglicherweise kam es in diesem Zusammenhang auch zu dem Aufenthalt in Hüttendorf, von dem in der Gemeindezeitung wohl auf Basis mündlicher Überlieferungen berichtet wurde. Die Begebenheit müsste sich dann allerdings ein Jahr später zugetragen haben und wie dazu die Erwähnung der Nazi-Begleitung passt, ist unklar.
Die Firma Kohlmayer bei der Figl beschäftigt war, hatte aufgrund der von ihr in der Umgebung durchgeführten Straßenbauarbeiten eine Außenstelle in Maustrenk, einem Nachbarort der heutigen Katastralgemeinde Kettlasbrunn, eingerichtet.68 In dieser Zeit lernte er den Kettlasbrunner Pfarrer Karl Schilling kennen und aus dieser Begegnung stammt auch die enge Verbindung Schillings zum Niederösterreichischen Bauernbund. Aus Dankbarkeit für die Befreiung vom NS-Regime hielt der Niederösterreichische Bauernbund jährlich eine Wallfahrt nach Mariazell ab und diese wurde über Jahrzehnte hinweg von Pfarrer Schilling angeführt.69
Vorerhebungen für vermeintliche Straßenbauprojekte und ein privilegierter Zugang zu Fahrzeugen boten Figl die Möglichkeit die oben bereits geschilderte Kontaktarbeit zu alten politischen Weggefährten in weiten Teile Niederösterreichs durchzuführen – Maustrenk diente hierfür als Basis. Eine dieser Reisen führte Figl Anfang Mai 1944 nach Judenau, wo die Grundlage für die Wiedererstehung des Bauernbundes gelegt und auch die bereits oben erwähnte jährliche Wallfahrt für die Zeit nach der Befreiung gelobt wurde.70 Aus seiner Zeit in Maustrenk ist auch ein Zusammentreffen mit dem führenden Sozialdemokraten und späteren Innenminister Oskar Helmer überliefert. Allerdings wurden Helmer, Figl und Raab, die offenbar im Freien, wohl nahe einer Baustelle beieinanderstanden von dem zufällig vorbeikommenden NS-Kreisleiter gesehen. Alle drei wurden verhaftet und zur GESTAPO gebracht und Figl musste nun sich nunmehr bei der Geheimen Staatspolizei melden. Wahrscheinlich konnten nur Raabs gute Kontakte zu Gauleiter Jury (vorerst) schlimmere Konsequenzen verhindern. 71 Nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 änderte sich dies und der NS-Apparat ging wieder scharf gegen alle politisch Verdächtigen vor und Figl war erstaunt, dass er „erst“ im Herbst 1944 neuerlich verhaftet wurde.72 Zunächst im KZ Mauthausen interniert, wartete er zuletzt im Gefangenenhaus des Landesgerichts Wien auf seinen Prozess und ein wahrscheinliches Todesurteil, vor dem ihn die Befreiung Wiens im April 1945 rettete.
Am 6. Juni 1948 war der nunmehrige Bundeskanzler Figl anlässlich einer Großkundgebung der Österreichischen Jugendbewegung (Vorläuferorganisation der Jungen Volkspartei) erstmals nach dem Krieg wieder in Mistelbach anwesend. Nach der Festmesse in der Pfarrkirche fand eine große Versammlung auf dem damaligen Sportplatz (heute: Gewerbegebiet gegenüber dem Weinlandbad) statt, bei der neben Bundeskanzler Figl auch Landwirtschaftsminister Josef Kraus zur Jugend sprach. Laut ÖVP-nahen Zeitungen sollen etwa 2000 Jugendliche und weite Teile der Bevölkerung der Stadt an dieser Kundgebung teilgenommen haben und im Anschluss fand ein Volkstanzfest im Stadtpark bzw. ein gemütlicher Ausklang im Gasthaus „zur goldenen Krone“ statt.73
Ankündigung der großen Kundgebung der Österreichischen Jugendbewegung (Vorläufer der Jungen Volkspartei) am 6. Juni 1948
Nachdem die hiesige Kaserne bis 1955 von der Roten Armee genutzt worden war, zog das Österreichische Bundesheer nach umfassenden Renovierungsarbeiten 1958 mit der neu geschaffenen Aufklärungsabteilung I wieder in Mistelbach ein. Dieser neue Truppenteil verfügte zunächst über kein Feldzeichen und nachdem sich die Stadt und ihre politischen Vertreter darüber freuten, dass Mistelbach wieder Garnisonsstadt war und die Zusammenarbeit mit den Kommandeuren sehr gedeihlich war, stiftete die Stadtgemeinde der hier stationierten Truppe eine Standarte. Am 26. Oktober 1962 – dem „Tag der Fahne“, wie der Nationalfeiertag anfangs hieß – fand auf dem Hauptplatz und im Beisein von Landeshauptmann Figl die Weihe der neuen Standarte der Aufklärungsabteilung I statt.74
Landeshauptmann Figl beim Abschreiten der Ehrenkompanie auf dem Mistelbacher Hauptplatz im Oktober 1962
Das „90 Jahr-Jubiläum der Stadterhebung“ wurde 1964 im Rahmen der dritten Mistelbacher Heimatwoche groß gefeiert und aus diesem Anlass waren am 13. Juni 1964 Bundespräsident Adolf Schärf und Landeshauptmann Leopold Figl als Ehrengäste in Mistelbach anwesend. Nachdem der Beschluss über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an die beiden verdienten Politiker bereits am 8. Mai 1964 erfolgt war, wurden ihnen im Rahmen einer Festsitzung des Gemeinderates im (Kino-)Saal des Gasthauses „Zur goldenen Krone“ die Ehrenbürgerurkunden überreicht.
1964: Feierlichkeiten zu „90 Jahre Stadterhebung“ – v.l.n.r. die Festgäste Bundespräsident Schärf und Landeshauptmann Figl sowie Bürgermeister Bayer. Ort dieser Aufnahme ist die untere Oberhoferstraße.
Dieser Aufenthalt sollte Figls letzter Besuch in Mistelbach gewesen sein – er verstarb im April 1965.
Wo befindet sich die Leopold Figl-Straße?
Bildnachweis:
-) Plakat: Göstl-Archiv
-) Figl in Mistelbach 1962 und 1964: Wilhelm Mliko (StadtMuseumsarchiv Mistelbach)
Quellen:
-) Seltenreich, Dr. Susanne: Dokumentation einer Erinnerung, Band II (1986), S. 16
-) Prantner, Robert/ Kunz, Johannes (Hrsg.): Leopold Figl – Ansichten eines großen Österreichers (1992), S. 15
Dr. Rupprecht-Straße
Diese, in der Anfang der 1970er Jahre entstandenen Stadtwaldsiedlung, neu angelegte Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. März 1973 nach dem bei der Bevölkerung sehr beliebten Gemeindearzt Dr. Georg Rupprecht benannt, der in Ausübung seines Berufs 1959 tödlich verunglückte.1
Wo befindet sich die Dr. Rupprecht-Straße?
Quellen:
Lubovienski, August
Gemeinderat August Lubovienski
* 17.5.1832, Eperies (Ungarn, heute: Slowakei)
† 9.1.1912, Mistelbach
August Karl Lubovienski wurde 1832 als Sohn des Apothekers August Alois Lubovienski und dessen Gattin Karoline, geb. Kilcher in Eperies geboren. Sein Geburtsort, damals im Kronland Königreich Ungarn gelegen, heißt heute Prešov und liegt nunmehr im Osten der Slowakei. Die Stadt Eperies war früher von Deutschen, Slowaken und Ungarn bewohnt und obgleich der Familienname ursprünglich auf polnische Wurzeln hindeutet, gehörten die Lubovienskis zur deutschen Bevölkerungsgruppe der Stadt. Die Namensendung auf -ski (bzw. -sky) ist im Polnischen oft ein Hinweis auf die Herkunft der Vorfahren des Namensträgers, und somit könnte es sein, dass Lubovienskis Vorfahren ursprünglich aus dem unweit von Eperies gelegenen Ort Stará Ľubovňa (dt.: Lublau, poln.: Lubowla) stammten, der gemeinsam mit anderen Orten der Region über Jahrhunderte hinweg an Polen verpfändet war. Der Familienname findet sich übrigens neben der in diesem Beitrag genutzten (korrekten) Schreibweise auch in verschiedenen weiteren Formen (Luboviensky, Lubowienski, Lubovienszki etc.).
Für die selbständige Tätigkeit seines Vaters als Apotheker in Eperies finden sich keine Spuren, und dies legt den Schluss nahe, dass eine solche Tätigkeit entweder nur sehr kurz dauerte oder er als angestellter Apotheker beschäftigt war. Wie Aufzeichnungen von Nachfahren der Familie Lubovienski belegen war jedoch bereits der Großvater des hier Porträtierten, Karl Lubovienski, als Apotheker im galizischen Wadowitz (heute: Wadowice in Polen) – etwa 160 Kilometer nordwestlich von Eperies gelegen – tätig.72 August Lubovienskis Familie scheint entweder noch in den 1830ern, spätestens aber jedoch in den 1840er Jahren von Eperies in die westslowakische Stadt Tyrnau (Trnava), den Heimatort der Mutter, übersiedelt zu sein. Hierfür spricht einerseits die Tatsache, dass eine Schwester Lubovienskis in Tyrnau geboren wurde und andererseits eine 1852 mittels Zeitungsanzeige kundgetane Konkurseröffnung über das Vermögen von August Lubovienski sen., die diesen als Bürger von Tyrnau anführt.75 In Tyrnau soll Lubovienskis Vater ebenfalls als Apotheker tätig gewesen sein, doch auch hierfür konnten – ähnlich wie in Eperies – keine Belege gefunden werden. Ebenso sind die Hintergründe für die augenscheinlichen finanziellen Schwierigkeiten der Familie nicht überliefert.
Jedenfalls beabsichtige August Lubovienski jun. den Beruf seines Vaters zu ergreifen und erste Voraussetzung für die Apotheker-Laufbahn war der mindestens 4-jährige Besuch eines Gymnasiums. Lubovienksi absolvierte sogar die gesamte, damals sechs Jahre dauernde, Ausbildung am vom Benediktiner-Orden geführten Gymnasium in Tyrnau. 1848, nachdem er die Reifeprüfung erfolgreich abgelegt hatte, trat er als Praktikant in die Tyrnauer Apotheke ein und absolvierte dort das „Tirocinium“, die dreijährige Apotheker-Lehrzeit, die mit einer Prüfung endete. Anschließend verbrachte er noch zwei weitere Jahre als Assistent an dieser Apotheke. Diese fünf Jahre – bestehend aus Lehrzeit (Tirocinium) und „Servirzeit“ (Assistenz) – waren Voraussetzung für den Besuch der pharmazeutischen Kurse an der Universität. Letztere absolvierte Lubovienski ab dem Wintersemester 1853/4 an der Wiener Universität und während des Studiums arbeitete er in der „Alten Feldapotheke“ am Stock-im-Eisen-Platz (heute: Haas-Haus) in der Wiener Innenstadt als “Apotheker-Geselle”. Diese spezielle Form der Anstellung, die neben der Arbeit den Besuch der Universität ermöglichte wurde damals in Apothekerkreisen „Sustentation“ genannt. Nach vier Semestern schloss der angehende Apotheker Lubovienski seine Studien am 13. Juli 1855 mit dem vorgeschriebenen Examen, das er mit ausgezeichnetem Erfolg absolvierte, ab.76 Gerade als er 1853 an die Universität Wien kam, entstand hier das Pharmaziestudium als eigenständiges Studienfach mit dem Magister der Pharmazie als Abschluss. Zuvor absolvierten die angehenden Apotheker/Pharmazeuten lediglich verschiedene Kurse aus den Bereichen Chemie, Biologie und Medizin. Lubovienski dürfte seine Studien noch nach dem alten und vermutlich kürzer dauernden Schema absolviert haben, dass vermutlich noch für eine Übergangszeit angeboten wurde. Dies ist anzunehmen, da er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen lediglich einmal, und hier handelte es sich wohl um ein Versehen, als Mag. pharm. bezeichnet wurde. Erst ein paar Jahre später wurde das Absolvieren eines pharmazeutischen Magisterstudiums zur obligatorischen Voraussetzung für den Apothekerberuf und damit entfiel natürlich die zuvor notwendige Lehrzeit.
Am 2. Oktober 1858 schloss er mit der aus Wien-Wieden stammenden Hermine Feyrsinger (1839-1928) den Bund der Ehe in der Wiener Karlskirche.77 Zum Zeitpunkt der Eheschließung war Lubovienski weiterhin und nunmehr als fertig ausgebildeter Apotheker in der „Alten Feldapotheke“ beschäftigt. Wenig später musste jedoch bereits die Übersiedlung nach Mistelbach erfolgt sein, denn schon mit Kaufvertrag vom 25. Juni 1858 hatte er das Haus Hauptplatz Nr. 36 (Konskr.Nr. 55), auf dem das Apothekergewerbe seit 1736 ansässig war und später darauf radiziert (= im Grundbuch eingetragenes und mit diesem Gebäude rechtlich verbundenes Gewerbe) wurde, von seinem Vorgänger Joseph Gausrapp käuflich erworben.78 An seinem neuen Wohnort betätigte er sich jedenfalls bis Ende der 1880er Jahre darüber hinaus auch als Sodawassererzeuger.79
August Lubovienski mit seiner Gattin Hermine anlässlich der Feier des goldenen Hochzeitsjubiläums im Jahre 1908
Der Ehe mit seiner Gattin Hermine entstammten acht Kinder, sechs Töchter und zwei Söhne – allerdings verstarben drei davon im Säuglingsalter bzw. in jungen Jahren. Sein einziger überlebender Sohn war der fanatische Deutschnationale und Antisemit, Schönerer-Anhänger und spätere Hitler-Verehrer Rechtsanwalt Dr. Otto Kilcher80. Kilcher hatte seinen Familiennamen geändert, da ihm Lubovienski zu wenig „deutsch“ war und da eine Namensänderung von der niederösterreichischen Statthalterei nicht genehmigt wurde, verzog er nach Salzburg, wo er seinen Wunsch durchsetzen konnte. Kilcher der sich auch in der völkischen Turnbewegung engagierte und im Salzburger Gemeinderat als deutsch-nationaler Hardliner auftrat, ist im Grab seiner Eltern (einem Ehrengrab der Stadt Mistelbach) bestattet. Lubovienskis jüngste Tochter, Stefanie, heiratete 1895 den Musikschullehrer und „Regens chori“ (=Leiter der Kirchenmusik) Josef Kabasta, und somit handelt es sich bei dem nachmals berühmten Dirigenten Oswald Kabasta um seinen Enkelsohn. Seine Gattin Hermine war von 1902 bis 1911 Präsidentin der Mistelbacher Ortsgruppe des Frauen-Hilfsvereins vom Roten Kreuz.81
Das Ehepaar Hermine und August Lubovienski (sitzend) im Kreise ihrer Kinder anlässlich ihrer silbernen Hochzeit im Jahre 1883. Stehend dahinter v.l.n.r.: Tochter Hermine, Sohn Otto, Tochter Theresia mit ihrem Gatten Dionys Koritsanszky, Tochter Cäcilie; zwischen dem Ehepaar Lubovienski: die jüngste Tochter Stefanie
Bei den Gemeindeausschusswahlen im Jahre 1867 errangen die Liberalen einen Erdrutschsieg und der neue Bürgermeister Josef Strasser und seine Gefolgsleute prägten für zwei Jahrzehnte das politische Geschehen in Mistelbach. Zu Strassers Mitstreitern zählte auch Lubovienski, der im Zuge dieser Wahl erstmals in den Gemeindeausschuss gewählt wurde82 und in den folgenden Jahre wurde durch weitblickende Entscheidungen die Grundlage für den Aufstieg Mistelbachs gelegt. Schon 1865 zählte er etwa zu jenen Bürgern, die auf Initiative von Josef Strasser und Wenzel Matuschek eine private Marktgesellschaft bildeten und damit den eingeschlafenen Wochenmarkt wiederbelebten und damit einen wichtigen Impuls zur Aufwertung des Wirtschaftsstandorts setzten. Auch an der Gründung der städtischen Sparkasse im Jahre 1868 war Lubovienski maßgeblich beteiligt und gehörte für die erste Dekade des Bestehens dieses Instituts dessen Direktorium an.83 Lubovienski gehörte dem Gemeindeausschuss zunächst für drei Perioden und somit von 1867 bis 1876 an. Bei den Wahlen 1876 wurde er neuerlich in den Gemeindeausschuss gewählt, allerdings nahm er die Wahl nicht an. Nach dem damals gültigen Wahlrecht gab es keine Kandidatur, jeder Wahlberechtigte konnte auf den Wahlzettel geschrieben werden und die Verweigerung der Annahme der Wahl war nur in bestimmten Fällen möglich, etwa aus gesundheitlichen Gründen oder wenn man bereits in zwei unmittelbar vorangegangenen Perioden dem Gemeindeausschuss angehört hatte. Auf letzteren Fall dürfte sich bei Lubovienski bei seinem Verzicht gestützt haben. Betreffend Luobvienskis Wirken im Gemeindeausschuss darf auf die detaillierte Darstellung im Beitrag Gemeindevertretung Mistelbach – Teil 1 (1850-1919).
Möglicherweise war es bereits zu diesem Zeitpunkt zur später offen zutage getretenen (politischen) Entfremdung von Strasser und den Liberalen gekommen. Die Deutsch-Liberalen, die seit 1848 die führende politische Kraft in Österreich waren, verloren im Gefolge der Wirtschaftskrise des Jahres 1873 ihre Macht im Reichsrat und mit einiger Verzögerung auch ihre vorherrschende Stellung im Landtag bzw. in vielen Gemeinden. Aus dieser zerfallenden Partei bzw. im dadurch entstehenden Machtvakuum entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten schließlich die Österreich bis heute prägenden drei großen politischen Lager – Sozialdemokraten, Deutschnationale und Christlichsoziale. Auch in Mistelbach vollzog sich dieser Wandel in den 1880er Jahren und die liberale Ära endete als die Deutschnationalen bei der Gemeindeausschusswahl 1888 einen großen Triumph errangen. Bei der Wahl 1885 waren die Deutschnationalen noch knapp daran gescheitert die Mehrheit zu erringen und ab diesem Zeitpunkt gehörte Lubovienski dann für zwei weitere Perioden dem Gemeindeausschuss an. Zunächst als Vertreter der deutschnationalen Opposition, gehörte er nach dem Machtwechsel von 1888 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Gemeindeausschuss im Jahre 1891 als 3. Gemeinderat (geschäftsführender Gemeinderat = Stadtrat) auch dem Gemeindevorstand an.84
Einen interessanten Einblick in Lubovienskis politische Ansichten gibt eine im Gefolge eines Rechtsstreits mit der liberal geprägten Zeitung „Bote aus Mistelbach“ im Jahre 1889 von diesem Blatt freiwillig veröffentlichte Berichtigung in der er sich explizit dagegen verwehrte als „Antisemit“ bezeichnet zu werden. Vielmehr „achte und schätze er jede Nation“. Zwischen den Zeilen lässt sich aus dieser Aussage herauslesen, dass er, indem er die Juden als eigene „Nation“ bezeichnete, ihnen wohl indirekt eine Zugehörigkeit als „Deutsche“ absprach.85 Allerdings ist bereits die Ablehnung des Begriffs Antisemit beachtlich, denn in nationalen Kreisen wurde die Gegnerschaft zu den Juden zumeist stolz zelebriert. Vielleicht hat die Tatsache, dass seine Schwester Hermina Henriette vor ihrer Hochzeit mit dem in Tyrnau ansässigen jüdischen Lederhändler Johann Klein zum Judentum übergetreten war, dazu beigetragen, dass er für die unter seinen politischen Gesinnungsgenossen weitverbreiteten radikalen Standpunkte betreffend die Juden nicht (so) empfänglich war.86 Als Zeugnis dieser Einstellung kann auch eine Begebenheit aus dem Jahr 1885 dienen, als sich Lubovienski in einer Gemeindeausschusssitzung für die Vergabe einer neuen Gemeindearztstelle an einen der beiden damals in Mistelbach ansässigen jüdischen Ärzte aussprach, während die klare Mehrheit des damals noch unter liberaler Führung stehenden Gemeindeausschusses „dem Wunsch der Bevölkerung entsprechend“ die Stelle an einen neuen christlichen Arzt vergeben wollte und die Position daher neu ausschrieb.87 Zweifellos stand er als Apotheker mit den erwähnten Ärzten Dr. Schläfrig und Dr. Thein in regelmäßigem Austausch und bei letzterem handelt es sich darüber hinaus um ein Gründungsmitglied der Mistelbacher Feuerwehr und damit um einen seiner Feuerwehrkameraden.
Ende des Jahres 1888 wurde Lubovienski in den Ortsschulrat gewählt, dem er bis 1911 angehörte. Während der gesamten 23 Jahre hindurch fungierte er als dessen Obmann88 und in dieser Zeit erfolgten mit der Gründung der gewerblichen Fortbildungsschule (spätere Berufsschule) 1897 sowie dem Neubau der Knabenschule (heute Teil des Pflichtschulzentrums in der Thomas Freund-Gasse) im Jahr 1898 und der Umwandlung des städtischen Kindergartens in einen Landeskindergarten im Jahre 1904 wichtige Fortschritte im Bildungswesen. Das Bemühen Lubovienkis 1888 auch in den Bezirksschulrat gewählt zu werden, scheiterte trotz intensiver Bemühungen, da es ihm nicht gelang ausreichend Unterstützer zu gewinnen.89
Vor der Etablierung von Feuerwehren war die Brandbekämpfung derart organisiert, dass die Gemeinde Löschgeräte bereithielt und im Brandfall alle Bewohner zur Mithilfe bei den Löscharbeiten verpflichtet waren. Dieses System funktionierte nicht nur in Mistelbach, sondern fast überall unbefriedigend, da den Menschen die Erfahrung und Routine in diesen Situationen fehlte. Aus der deutschen Turnbewegung heraus entwickelte sich ausgehend von Deutschland das heutige Feuerwehrwesen. Sehr oft wurden Feuerwehren als Zweigvereine von Turnvereinen gegründet, denn die Turner konnten die für die Brandbekämpfung notwendigen Fertigkeiten in ihre Übungen integrieren. Dabei gilt es allerdings festzuhalten, dass bei den deutschen Turnvereinen nicht die sportliche Betätigung in Vordergrund stand, sondern die Erziehung und Betätigung im völkisch-nationalen Sinne und die körperliche Ertüchtigung war lediglich Mittel zu diesem Zweck. Aus dieser Tradition stammend waren auch die Feuerwehren ursprünglich stramm national geprägt und lange Zeit wurde von den Feuerwehren auch der aus der Turnerbewegung stammende Gruß „Gut Heil!“ gebraucht. Diese politische Dimension mag auch der Grund gewesen sein, weshalb die Etablierung der Feuerwehren nicht unumstritten war bzw. teils skeptisch gesehen wurde. Später wurden viele dieser Turner(feuer)wehren in allgemeine freiwillige Feuerwehren umgewandelt und der nationale Charakter trat in den Hintergrund.
Ein durch Blitzschlag im Sommer 1878 verursachter Scheunenbrand, der zwei Todesopfer forderte, veranlasste einige engagierte Mistelbacher Bürger zur Gründung einer Feuerwehr. Der Verein konstituierte sich am 20. Dezember 1878, doch als offizielles Gründungsdatum gilt der 27. Jänner 1879, da an diesem Tag das Grundgesetz (=Statuten) behördlich genehmigt wurde. In Publikationen zur Geschichte der Mistelbacher Feuerwehr ist immer wieder zu lesen, dass die Gründung der Feuerwehr durch „idealistisch gesinnte Mitglieder des Turnvereins“ erfolgt sei. Der 1867 gegründete Deutsche Turnverein Mistelbach – zu dessen Gründern auch Lubovienski zählte – hatte allerdings bald nach seiner Gründung seine Aktivität wieder eingestellt, nachdem der Initiator der Gründung, Rechtsanwalt Dr. Hans Stingl aus Mistelbach weggezogen war. Erst Mitte der 1880er Jahre konnte sich wieder ein Turnverein konstituieren, der die Statuten des alten Vereins annahm und damit auch dessen Gründungsdatum führte.90 Auch die älteste Feuerwehr des Bezirks, die Feuerwehr Poysdorf, wurde als sogenannte „Turner-Feuerwehr“ 1874 gegründet, allerdings wurde in Poysdorf ein Turnverein erst 1887 ins Leben gerufen. Als Turner-Feuerwehr wurde damals wohl schlicht diese Art des Vereins bezeichnet, auch wenn es in seltenen Fällen, wie etwa in Poysdorf und Mistelbach, zum Zeitpunkt der Gründung gar keine Turnvereine vor Ort gab. Man orientierte sich an den vielen andernorts von Turnvereinen gegründeten Feuerwehren und nannte sich im Falle Poysdorfs dann auch nach deren Vorbild. Wie oben bereits erwähnt emanzipierten sich die Feuerwehren jedoch später von der Turnbewegung und schon ab den 1880er Jahren findet sich kaum mehr die Bezeichnung Turner-Feuerwehr, sondern schlicht die bis heute gebräuchliche Form „Freiwillige Feuerwehr“. Die Gründung der Mistelbacher Feuerwehr erfolgte mit großer Unterstützung durch die Poysdorfer Feuerwehr bzw. deren Vertreter Hauptmann Carl Scholz und Hauptmannstellvertreter Josef Schwayer, die hierfür später auch die Ehrenmitgliedschaft erhielten. In Mistelbach mussten erst Widerstände und Teilnahmslosigkeit bzw. Gleichgültigkeit gegenüber dieser auf das Gemeinwohl ausgerichteten Institution überwunden werden. Hierfür fand sich in Person des Apothekers Lubovienski die richtige Person – er übernahm eine führende Rolle bei den Vorbereitungen und führte vom Zeitpunkt der Gründung bis 1891 die Wehr als Hauptmann an. Die von der Gemeinde übernommenen Löschrequisiten waren nur unzureichend und durch unermüdliche Arbeit und Spendensammlungen gelang es unter seiner Führung den Verein binnen kurzer Zeit zu einer mustergültig ausgerüsteten Feuerwehr aufzubauen, die sich schon in den ersten Jahren ihres Bestehens im Einsatz bestens bewährte.91
1893, zwei Jahre nach seinem Rückzug als Hauptmann, übernahm er, nachdem sein Nachfolger aus beruflichen Gründen nach Wien übersiedelte war, neuerlich – allerdings lediglich interimistisch – die Leitung der Wehr für einige Monate.92 Aufgrund seines verdienstvollen Wirkens für die Mistelbacher Feuerwehr wurde er bereits 1891 zum Ehrenhauptmann ernannt.93
Der Gründer und langjährige Hauptmann der Mistelbacher Feuerwehr August Lubovienski (rotes X) zusammen mit einigen Gründungsmitgliedern anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Feuerwehr im Jahre 1904
Darüber hinaus war Lubovienski maßgeblich an der Schaffung eines Bezirksfeuerwehrverbands für den gesamten politischen Bezirk (=Verwaltungsbezirk) Mistelbach beteiligt und ab dessen Gründung 1882 bis 1899 als Obmann-Stellvertreter aktiv. In dieser Funktion war er auch am Ausbau des Feuerwehrwesens und der Gründung zahlreicher Wehren im Bezirk beteiligt, weshalb er auch Ehrenmitglied einiger weiteren Feuerwehren war.94 Als 1899 der bisherige Obmann des Bezirksverbands überraschend verstarb, wurde Lubovienski zum neuen Obmann gewählt95. Wenige Monate später kam es allerdings zu einer Reorganisation und der Bezirksverband wurde in mehrere nach Gerichtsbezirken gegliederte Verbände aufgeteilt. Vielfach wurde der Wunsch geäußert, Lubovienski möge die Leitung des „neuen“ Bezirks-Verbands für den Gerichtsbezirk Mistelbach übernehmen, doch er lehnte dies aus Altersrücksichten ab.96 Bereits im Jahre 1898 war Lubovienski aufgrund seiner großen Verdienste um das Feuerwehrwesen im Bezirk zum Ehrenmitglied des Bezirksfeuerwehrverbands ernannt worden.97 Ab 1899 scheint er dann als Obmann der Bezirksfeuerwehr-Unterstützungskasse auf, die Feuerwehrangehörige im Krankheitsfall bzw. deren Hinterbliebene im Todesfall finanziell unterstützte.98 Als Unterstützer wurde er auch zum Ehrenmitglied des Mistelbacher Militär-Veteranen-Vereins ernannt.99
Zur Jahresmitte 1895 zog sich Lubovienski aus dem Berufsleben zurück und verkaufte sein Haus am Hauptplatz samt Apotheke an Heinrich Klausmann.100 Bereits in den 1870er Jahren hatte er an der Adresse Bahnstraße Nr. 37 ein (heute nicht mehr bestehendes) Wohnhaus erbauen lassen und sich dort nach dem Verkauf des Hauses am Hauptplatz niedergelassen. Nach dem frühen Tod seines Schwiegersohns Josef Kabasta zog seine Tochter Stefanie samt ihren Kindern zu ihren Eltern in das Haus in der Bahnstraße.
August Lubovienski im Alter von 70 Jahren im Jahre 1902
Aufgrund des oben geschilderten vielseitigen und umfangreichen Wirkens zum Wohle der Stadt, insbesondere aber natürlich für seinen Einsatz bei der Gründung der Mistelbacher Feuerwehr, wurde Lubovienski am 27. September 1908 durch einstimmigen Beschluss des Gemeindeausschusses (=damalige Bezeichnung für den Gemeinderat) zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach ernannt.101
Am 9. Jänner 1912 verstarb August Lubovienski im 80. Lebensjahr an Herzlähmung in Folge einer Luftröhrenentzündung und er wurde zwei Tage darauf auf dem städtischen Friedhof bestattet.102 Die Beisetzung war ein imposantes Ereignis und Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes für die Allgemeinheit und alleine die Tatsache, dass 177 Feuerwehrmitglieder von verschiedenen Wehren aus dem gesamten Bezirk daran teilnahmen lassen die Größe der Trauergemeinde erahnen.103 In seinem Testament verfügte Lubovienski die Widmung eines namhaften Betrags für die Unterstützung bedürftiger Kinder von Mitgliedern der Mistelbacher Feuerwehr.104 In Würdigung seiner Verdienste um die Gründung der Mistelbacher Feuerwehr wurde Lubovienskis Ruhestätte mittels Gemeinderatsbeschluss vom 4. Juni 1954 zum Ehrengrab erklärt und die Erhaltung und Pflege der Grabstelle obliegt seither der Stadtgemeinde.105
Das Grab der Familie Lubovienski auf dem Mistelbacher Friedhof
Bildnachweis:
-) Portraitfotos: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 12. Juli 1902 ( 31. Jg. – Nr. 190), S. 2 (ONB: ANNO); Feuerwehr-Signale, 5. März 1912 (29. Jg. – Nr. 11), S. 1 (ONB: ANNO)
-) Goldene Hochzeit: Kilcher, Otto: Von meinem Lebenswege : Gedichte aus einem halben Jahrhundert (1879-1935) (1935)
-) Feuerwehrjubiläum: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 20. Juni 1904, S. 7 (ONB: ANNO)
-) Grab: Thomas Kruspel © 2021
Quellen:-) Feuerwehr-Signale, 5. März 1912 (29. Jg. – Nr. 11), S. 1 (ONB: ANNO)
-) Ryslavy, Kurt: Materialien zur Geschichte der Apotheken und Apotheker in Niederösterreichs (1990) , S. 341f
-) Bayer, Franz/ Spreitzer, Hans: „Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung“ (1964) In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I, S. 189 (Anm.: die Angaben zu Lubovienskis Zugehörigkeit zum Gemeindeausschuss bzw. Gemeindevorstand sind unvollständig und in Bezug auf die Angabe 1888-1900 als falsch – er schied bereits 1891 aus dem Gemeindeausschuss aus)
*Allgemeines zu den Mistelbacher Straßennamen
1770 kam es in der Mehrzahl der heutigen österreichischen Bundesländer und in den Ländern der böhmischen Krone zur Einführung der sogenannten Konskriptionsnummern – einer Durchnummerierung des Gebäudebestandes, die in allen Ortschaften durchgeführt wurde. Diese Maßnahme geschah in Vorbereitung einer Volkszählung, die der besseren Erfassbarkeit der wehrpflichtigen männlichen Bevölkerung dienen sollte und auch für andere Verwaltungsbereiche wie das Steuer- bzw. das Grundbuchswesen sollte dieses neue Katastersystem Vorteile bringen. Bei der „Seelenkonskription“ genannten Volkszählung handelte sich um eine Maßnahme von Kaiser Josef II., die wie viele seiner anderen Modernisierungsvorhaben auf Widerstand stieß. Die Grundherrschaften übten damals und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Verwaltungs- und Gerichtsaufgaben aus und hoben für den Kaiser auch die Steuern ein. Der Staat musste sich bzgl. der Zahl der Untertanen bis dahin auf die Angaben der Grundherren verlassen, und dass durch diese Maßnahme nun Daten vorliegen würden, die die bisherigen Angaben der Grundherren nachprüfbar machten, war den adeligen und geistlichen Herren und ihren Verwaltern ungenehm. Außerdem wurden auch die adeligen Grundherren, ebenso wie ihre Schlösser als einfache Zahl gemeinsam mit ihren Untertanen erfasst – für die damals herrschende Klasse mit ihrem Standesdünkel geradezu ungeheuerlich. Trotz des Widerstands, der sich später auch im Abmontieren der Nummernschilder äußerte, gelang es letztlich diese Generalinventur, die die Grundlage für eine effiziente Verwaltung bildete, durchzuführen.
Zum Teil entsprechen die Konskriptionsnummern alter Häuser heute noch den Einlagezahlen im Grundbuch. Hilfe bei der Orientierung bot diese erste Art der Hausnummerierung allerdings nicht, da unabhängig davon, wo im Ortsgebiet ein neues Haus gebaut wurde, dieses schlicht die nächste freie Nummer erhielt. Außerdem wurden später Konskriptionsnummern, die beispielsweise durch den Abbruch eines Hauses oder Zusammenlegung zweier Häuser weggefallen waren, an das nächste neuerbaute Haus weitergegeben. In Mistelbach erhielt das Gemeindegasthaus als damaliger Sitz der Gemeindeverwaltung (heute: Erste Bank) die Konskriptionsnummer 1 (später auch Hauptplatz Nr. 1 – siehe unten). Natürlich existierten auch schon vor der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen informelle Straßennamen, die bei der Orientierung helfen sollten. Deren Nutzen beschränkte sich in der Regel jedoch auf ortsansässige Personen, doch wurden einige dieser etablierten Bezeichnungen später als offizielle Straßennamen übernommen. Naheliegend waren natürlich Bezeichnungen, die mit dort ansässigen Berufsgruppen oder Einrichtungen etwas zu tun hatten: so wurde zB die Wiedenstraße jedenfalls Ende des 19. Jahrhunderts umgangssprachlich „Bäckergasse“ genannt, weil hier über Jahrhunderte hinweg zwei Bäckereien (Wiedenstr. 8 & 11) ansässig waren. Die Museumsgasse hieß „Dienergassl“, weil sich dort das Haus des Gerichtsdieners (Museumsgasse 5) – also eines Bediensteten der mit der Rechtsprechung betrauten Grundherrschaft – befand. Als weiteres Beispiel kann die Mitschastraße herangezogen werden, die zu Ende des 19. Jahrhunderts „Spitalgasse“ genannt wurde, da sich im Kreuzungsbereich Mitschastraße/Oserstraße der Spitalskomplex – einer über Jahrhunderte bestehenden Sozialeinrichtung samt Kirche, Wirtschaftsgebäuden und Gründen – befand.
Wenn Straßen, Gassen oder Anhöhen zu dieser Zeit informell nach Personen benannt waren, dann meist nach dort seit vielen Jahren ansässigen Familien oder weil sich dort deren Geschäftsbetriebe befanden. Beispiele hierfür sind etwa: das nach der Fruchthändlerfamilie Schwarz benannte Schwarzbergl (=Alleegasse), das Ewingerbergl (=untere Franz Josef-Straße zwischen Bahnstraße und Gewerbeschulgasse – Gebiet des alten Pestfriedhofs)106 oder das ab den 1880er Jahren nach der Fleischhauerdynastie Koch benannte Kochgassl (=Marktgasse). Wie lange der Name „Ederbergl“ für die Gegend um die Bruderhofgasse gebräuchlich ist unklar und somit auch, ob er bereits vor der Einführung offizieller Straßennamen Endes des 19. Jahrhunderts üblich war. Zum Teil hielten sich diese informellen Bezeichnungen für Straßen bzw. Gebiete umgangssprachlich bis weit ins 20. Jahrhundert.
Zur Identifizierung einzelner Häuser hatten sich in größeren Städten Hauszeichen in Form von Schildern oder an der Fassade angebrachten Skulpturen und Symbolen entwickelt, die den Vorteil hatten, dass sie auch den nicht des Lesens mächtigen Bevölkerungsgruppen verständlich waren. Daher rühren übrigens auch die „klassischen Gasthausnamen“: Schwarzer Adler, Weißes Rössl, Goldene Krone, Goldenes Kreuz, Goldener Ochse, Goldener Hirsch – die es einst alle in Mistelbach gab. Nicht selten leiteten sich aus diesen Schild- bzw. Hausnamen später auch Gassenbezeichnungen ab. In Mistelbach gibt es allerdings nur ein Beispiel für eine solche Benennung, und zwar die Kreuzgasse, deren Name sich von dem mindestens seit dem 14. Jahrhundert bestehenden Gasthaus „Zum goldenen Kreuz“ (heute: Taverna Gyros) bzw. dem zugehörigen Hausschild ableitete.
Die Wiedenstraße im Jahre 1938 – links am damals von der Familie Neumayer geführten Gasthaus an der Ecke Wiedenstraße/Kreuzgasse gut erkennbar das alte Hausschild „zum goldenen Kreuz“
Das Hausschild befindet sich heute im Stadt-Museumsarchiv
Anhand der Konskriptionsnummern lässt sich feststellen, dass der Gebäudebestand in Mistelbach im Laufe des 19. Jahrhunderts um 150 Häuser und somit um ein Drittel angewachsen war. Alleine in den 1880er und 1890er Jahre zeigte sich ein sehr dynamisches Wachstum (ein Plus von 90 Gebäuden) in der aufstrebenden Stadt und dies sollte erst der Beginn eines viele Jahrzehnte anhaltenden Baubooms sein.107 Diese Entwicklung richtig deutend wurde es, als notwendig erachtet ein Orientierungssystem einzuführen. Die Stadt Wien hatte bereits in den 1860er Jahren ein gut durchdachtes System entwickelt und umgesetzt, und die mit der Einführung eindeutiger Straßenbezeichnungen einhergehende Vergabe von Orientierungsnummern (=Hausnummern) basierte auf folgenden, bis heute gültigen Grundregeln:
-) Auf Plätzen erfolgt die Hausnummernvergabe im Uhrzeigersinn
-) Auf Straßen, die längs zum Zentrum verliefen, begann die Nummerierung vom Zentrum aus aufsteigend.
-) Bei Straßen, die quer zum Zentrum lagen, verlief die Nummerierung vom Stadtzentrum aus gesehen im Uhrzeigersinn.
-) Allgemein gilt, dass auf der linken Seite die ungeraden und auf der rechten Seite die geraden Nummern zu finden sind. Eckhäuser haben aufgrund dieser Systematik daher stets zwei Hausnummern.
Mit Beschluss des Gemeindeausschusses (= damalige Bezeichnung des Gemeinderats) vom 13. April 1898 wurden in Mistelbach Straßenbezeichnungen und „ein Orientierungsnummernsystem nach Wiener Vorbild eingeführt“.108 Die Nummernvergabe am Hauptplatz erfolgte beginnend beim damaligen Sitz der Gemeindeverwaltung: dem alten Rathaus (heute: Erste Bank). Unter den 1898 eingeführten Straßennamen finden sich auch einige bereits zuvor gebräuchliche Bezeichnungen, die nun offiziell festgeschrieben wurden: Oberhoferstraße (zuvor teils auch Oberhoffergasse), Kreuzgasse, Bahnstraße (Eisenbahnstraße), Kirchengasse, Neustiftgasse, Barnabitenstraße (Barnabitengasse), Wienerstraße (zuvor für die West-Ost-Achse durch die Stadt also heutige Liechtensteinstraße und Josef Dunkl-Straße, später nur mehr für letztere) und Waldstraße.
Mit der Anfertigung der ersten Straßenschilder wurde der Mistelbacher Malermeister Ferdinand Zajic beauftragt, der sich bezüglich der Gestaltung der Schilder exakt an das Wiener Original hielt. Während sich in der Wiener Innenstadt noch heute häufig weiße Straßenschilder mit roter Beschriftung finden sich in Mistelbach nur mehr vereinzelt Straßenschilder im ursprünglichen Design.
… und eines der Mistelbacher Straßenschilder im Originalformat mit entsprechender Patina …
… bzw. in renoviertem, aber nicht ganz originalgetreuem (ursprüngliche Schriftfarbe rot) Erscheinungsbild
Hausnummernschild in der ursprünglichen 1898 eingeführten Form, jedoch mit anderer Schriftfarbe bzw. Umrandung
Bei diesem etwas kompakteren Straßenschild könnte es sich um die zweite Generation von in Mistelbach verwendeten Straßenschildern handeln. Bei den Hausschildern dürfte es keine Änderung gegeben haben.
Später – vermutlich Ende der 1920er bzw. in den 1930er Jahren – wurden Emailschilder mit weißer Schrift auf blauem Grund verwendet, mit teils wechselnder Schrifttype. Erneut folgte man hier dem Beispiel der Stadt Wien, die die blauen Emailschilder im Jahre 1923 einführte.
Vermutlich die erste Version blau-weiße Emailschilder samt einem Hausnummernschild
Geringfügig andere Schriftversion der blau-weißen Schilder – vermutlich aus der Zeit vor 1950
Email-Hausschild mit alter Schriftart
Straßenschilder in der Ausführung wie sie in den 1970er Jahre in Verwendung waren
Straßenschild mit der in den 1980er bzw. 1990er Jahren üblichen Schriftart, die sich abermals am Stil der Hauptstadt orientierte.
Im Vergleich zum oben befindlichen Schild des Hauses Wiedenstraße 10 – die letzte Generation der blauen Email-Hausschilder
Ab dem Sommer 1996 wurden die alten Straßenschilder schrittweise durch neue Schilder in den Stadtfarben – also gelbe Schrift auf grünem Grund – eingeführt. Die Initiative zur Neugestaltung und die Idee auf Straßenschildern auch Informationen zu den „Namenspaten“ anzubringen, stammte von HAK-Prof. Mag. Franz Bacher.109 Glücklicherweise wurde der Austausch nicht konsequent, sondern eher anlassbezogen betrieben, sodass sich im Straßenbild die oben dargestellte Vielfalt zeigt und die Entwicklung der Straßenschilder für den aufmerksamen Beobachter nachvollziehbar ist.
Das 1996 eingeführte und bis heute gültige Design der Straßenschilder in den Stadtfarben
Ein Hausnummernschild im seit 1996 gebräuchlichen Design
Abschließend noch ein paar Informationen zur Benennungspraxis in Mistelbach und wie sich Straßennamen und deren Wahrnehmung im Laufe der Zeit verändern. Ganz grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass die Benennung von Straßen oder Plätzen nach Personen ein vergleichsweise junges Phänomen ist, das erst Ende des 19. Jahrhunderts langsam begann. In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, dass bereits 1884 – also 14 Jahre vor der Einführung offizieller Straßennamen – die heutige Oberhoferstraße bereits als „Oberhoffergasse“ erwähnt wird.110 Es handelt sich damit um den ältesten Beleg für einen personenbezogenen Straßennamen in Mistelbach, mit dem an die Verdienste des Mistelbacher Marktrichters Paul Oberhoffer im Streit mit dem Fürsten Liechtenstein um den Mistelbacher Gemeindewald erinnern werden sollte. Seit wann diese Bezeichnung üblich war, lässt sich leider nicht nachvollziehen.
Für gewöhnlich werden Verkehrsflächen nur nach bereits verstorbenen Personen benannt. In vielen Städten (zB Wien) gibt es sogar eine Frist, die verstreichen muss, ehe eine Straße nach einer verstorbenen Persönlichkeit benannt werden darf. Eine derartige Frist scheint es für Mistelbach nicht explizit zu geben. Zur Zeit der Einführung der Straßennamen bzw. in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gibt es auch Beispiele für Personen, die noch zu Lebzeiten als Namenspaten für Straßen oder Gassen herangezogen wurden: Ernst Oser (1898), Josef Mitscha Ritter von Märheim (1898), Karl Fitzka (1913), Josef Dunkl (1936) und zuletzt und glücklicherweise nur zeitweilig Adolf Hitler (1938).
Natürlich waren Straßennamen oftmals auch Spielball der Politik bzw. Mittel der Propaganda: Der Hauptplatz wurde etwa nach der Ermordung des diktatorisch regierenden Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß im Juli 1934 in Dollfußplatz umbenannt.111 Nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 wurde der den Nazis verhasste Name Dollfuß natürlich sofort aus dem Bild der Öffentlichkeit entfernt und aus dem Dollfußplatz wurde der Adolf Hitler-Platz.112 Es folgten weitere Umbenennungen durch die NS-Stadtregierung: aus der Liechtensteinstraße wurde die „Sudetendeutschen Straße“, aus der (Kaiser) Franz Josef-Straße die „Wilhelm-Gustloff-Straße„, aus der Weimarergasse die „(Ernst) vom Rath-Straße“ und aus der Gspanngasse (damals Quergasse) die „Adalbert Schwarz-Gasse“. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes erhielt der Hauptplatz wieder seinen ursprünglichen Namen aus der Zeit vor 1934 und auch die sonstigen Straßenbenennungen wurden rückgängig gemacht. Außerdem erhielt die bereits 1928 nach einem der geistigen Väter der deutschnationalen Bewegung, Friedrich Ludwig Jahn, benannte „Jahngasse“ wieder ihren ursprünglichen Namen „Alleegasse“. Allerdings hinterließ auch die in den ersten Nachkriegsjahren bestehende, von der sowjetischen Besatzungsmacht stark beeinflusste, SPÖ-KPÖ-Stadtregierung ideologische Spuren im Straßenbild: aus der Franz Josef-Straße wurde die „Straße des 12. Februar“ und die Mitschastraße erhielt den Namen „Straße der Roten Armee“. 1955, nach dem Abzug der Besatzungstruppen, erhielten schließlich auch diese beiden Straßen wieder ihre ursprünglichen Namen zurück, wobei bei der Franz Josef-Straße der Herrschertitel wegfiel.
Auch in jüngster Zeit sorgen Straßennamen für zum Teil kontroverse Diskussionen und ab den 2010er Jahren begann auch in Mistelbach die Auseinandersetzung mit historisch belasteten Straßennamen. Die Frättingsdorfer Bevölkerung sprach sich 2012 im Rahmen einer Abstimmung betreffend die Anton Haas-Straße – Oberlehrer Anton Haas war bereits seit Anfang der 1930er Jahre Nationalsozialist – mit klarer Mehrheit gegen eine Umbenennung aus. Nach langem Ringen wurden schließlich 2021 die Straßenschilder der Anton Haas-Straße in Frättingsdorf, sowie jene der Kernstockgasse und des Conrad von Hötzendorf-Platzes in Mistelbach um erläuternde Zusatztafeln ergänzt. Auf diesen Tafeln finden sich einordnende, von einem vom Gemeinderat eingesetzten, und aus Laien bestehenden „historischen Beirat“ ausgearbeitete Texte. Zwei Jahre nach Anbringung der Tafeln wurde der Conrad von Hötzendorf-Platzes schließlich in Europaplatz umbenannt.
Die erläuternde Zusatztafel am Conrad (von) Hötzendorfplatz war nur zwei Jahre im Einsatz – ehe der Platz 2023 in Europaplatz umbenannt wurde
Erste Spuren thematischer Benennungen von Verkehrsflächen ganzer Siedlungen finden sich bereits in den 1920er Jahren in der ehemaligen Flüchtlingsstation – der sogenannten Südtirolersiedlung – in der einige benachbarte Straßenzüge nach Dichtern (Schiller, Goethe, Rosegger) benannt wurden.
Ende der 1970er Jahre wurden in der Siedlung am Altenberg in Lanzendorf die Straßen nach Dichtern benannt und in der Hofäckersiedlung in Ebendorf nach Komponisten. Ab den 2000er Jahren wurden themenbezogene Benennungen wieder aufgegriffen und in den beiden Seepark-Siedlungen wurden für die Straßen Namen rund ums Wasser bzw. Wassertiere gewählt und im Siedlungsgebiet um den sowjetischen Soldatenfriedhof sind die Straßen nach Ehrenbürgern der Stadt benannt. Jüngstes Beispiel ist die Siedlung am Nordrand der Straße – an der Straße Richtung Siebenhirten – deren Straßennamen Bezüge zur Astronomie aufweisen.
In den Katastralgemeinden wurde vorerst das System der auf den Konskriptionsnummern basierenden Orientierungsnummern als Adressbezeichnung bis in die jüngste Vergangenheit beibehalten. Doch natürlich gab es auch in diesen Orten informelle Straßenbezeichnungen, die später zum Teil offiziell eingeführt wurden.
Nachfolgend eine chronologische Auflistung der Jahre, in denen die Einführung der Straßenbezeichnungen für die einzelnen Katastralgemeinden beschlossen wurde:
1979: Lanzendorf und Ebendorf113
1983: Eibesthal114
1998: Paasdorf115
2001: Siebenhirten116
2002: Frättingsdorf und Hörersdorf117, Hüttendorf118
2004: Kettlasbrunn119
Zum Teil kam es bei der Umsetzung dieser Beschlüsse, also bis die neuen Straßenschilder und Hausnummern tatsächlich angebracht wurden zu Verzögerungen.
Bildnachweis:
-) Wiedenstraße 1938: Göstl-Archiv
-) sämtliche anderen Bilder: Thomas Kruspel 2019-2023
Quellen:
Herkunft und Bedeutung der Ortsnamen der Großgemeinde Mistelbach
Die Etymologie, eine Teildisziplin der historischen Sprachwissenschaften, befasst sich mit der Herkunft und historischen Bedeutung von Wörtern. Neben Gewässer- und Flurnamen zählen Ortsnamen zu den ältesten Zeugnissen, die uns überliefert sind und sie erlauben oftmals Einblicke in die Zeit der Gründung der Orte bzw. gewähren Rückschlüsse auf die Namen der Gründer. In den erhalten gebliebenen Urkunden werden Orte frühestens einige Jahrzehnte bzw. oftmals Jahrhunderte nach ihrer Gründung – in unserer Gegend in der Regel im 11.-12. Jahrhundert – erstmalig erwähnt. Zum Teil ermöglichen die Namen auch einen Blick in die Zeit vor der deutschen Besiedlung, weil topografische Bezeichnungen teilweise auch von zuvor hier ansässigen Völkern übernommen wurden. Durch sprachliche Veränderungen (zB Lautverschiebungen), vor allem aber auch durch Änderungen in der Bedeutung von Wörtern, erschließt sich die ursprüngliche Bedeutung der Ortsnamen in der Regel nur den Experten. Hinzu kommt, dass es im Laufe der Jahrhunderte teilweise auch zu Fehlern in der Schreibweise der Orte kam, die sich dann später eingebürgert und den eigentlichen Namen verfälscht haben. Tatsächlich ist es so, dass gerade vermeintlich einfach interpretierbare Ortsnamen eine völlig andere Bedeutung aufweisen, als es auf den ersten Blick scheint.
Zu diesen oben erwähnten Experten zählen die beiden Sprachwissenschaftler Dr. Heinrich Weigl und Dr. Elisabeth Schuster, die sich große Verdienste bei der Erforschung der niederösterreichischen Ortsnamen erworben haben. Dr. Weigl muss zweifellos als der Pionier der Ortsnamensforschung in Niederösterreich bezeichnet werden und begann seine Forschungstätigkeit bereits in den 1920er Jahren. Sein in den 1960er Jahren vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich herausgegebenes „Historisches Ortsnamenbuch“ ist das erste Standardwerk in diesem Bereich, und rund ein Vierteljahrhundert später folgte die „Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen“ von Frau Dr. Schuster, die ebenfalls vom Verein für Landeskunde veröffentlicht wurde. Auf die Werke dieser beiden Forscher stützt sich der nachfolgende Beitrag, wobei auch veraltete Deutungen angeführt werden, um die Entwicklung bzw. die Änderung bei der Deutung von Ortsnamen zu dokumentieren.
Ebendorf
Um 1140/50 findet sich die erste urkundliche Erwähnung als Beiname “de Ebendorf” (=von Ebendorf) und im 12.-15. Jahrhundert sind keine substantiell davon abweichenden Schreibweisen überliefert.
In der 1834 veröffentlichten Topographie von Franz Xaver Schweickhardt schreibt dieser, dass sich der Ortsname schlicht von “ebenes Dorf” herleitet. Aufgrund der Lage des Orts am Fuße eines Hügels wurde diese Theorie von der Forschung jedoch bereits vor langer Zeit als unwahrscheinlich verworfen.110
Die Deutung, dass sich der Ortsname von dem deutschen Personennamen „Ebo“ ableitet, findet sich bereits in den 1950er bzw. 1960er Jahren von Dr. Heinrich Weigl verfassten Publikationen.120 Den aktuellen Forschungsstand betreffend die Bedeutung des Ortsnamens fasste Dr. Elisabeth Schuster 1989 wie folgt zusammen: “beim Dorf, das nach einem Mann mit dem althochdeutschen Namen “Abo” bzw. “Ëbo” benannt ist. Im Genitiv ergibt sich dann unter Anfügung von Dorf: Abin(dorf) oder Ebin(dorf). Aufgrund der ähnlichen Lautung kann der Name nicht eindeutig bestimmt werden.“121
Eibesthal
Die erste urkundliche Erwähnung findet sich um 1120/30 als Beiname “de Iwanestale” (= von Iwanestale) und die Schreibweise änderte sich im Laufe der Jahrhunderte wie nachfolgende Tabelle zeigt.
| ca. 1130 | de Iwanestale, de Hiwanestale |
| 1170/80 | de Iwanstal |
| 1230 | de Eiwanstal |
| 1250/60 | de Ibanstal |
| 1303 | de Eybenstal |
| 1324 | Eybenstall |
| 1354 | Eybeinstal (Ober bzw. Nieder für Ober- und Unterort) |
| 1385 | Obern Eybestal |
| 1391 | Eybastal |
| 2. Hälfte 14. Jhdt. | Eybenstal |
| 1414 | Eywa(n)stal |
| 1429 | Eibestal |
| 1437 | Eybestal |
| 1541 | Eybestal |
Der Pädagoge Moritz Alois Ritter von Becker, zählte zu den Gründern des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich. Er beteiligte sich an dem von diesem Verein über Jahrzehnte hinweg geschaffenen Mammutprojekt – der Herausgabe einer Topographie von Niederösterreich, zu der er zahlreiche Artikel beisteuerte. Auch der Beitrag zu Eibesthal stammt aus seiner Feder und bezüglich der Herkunft des Ortsnamens merkt Becker folgendes an: „Der Name des Ortes, vom Bach genommen, weiset in der ältesten Schreibung iwanestale auf das althochdeutsche „iwa“=Eibe zurück, oder wenn man die zähe Beharrlichkeit der Bachnamen nach der bestehenden Analogien will gelten lassen, auf das gleichbedeutende keltische (kymrische) „ywen“, welches von den in diesem Teile des Landes nachweisbaren keltischen Bewohnern stammend, durch die nachrückenden Slaven, sowie später durch die colonisierenden Deutschen assimiliert worden wäre.“122 Diese im Jahre 1885 veröffentliche Deutung (Herleitung vom keltischen Ywen) wurde vier Jahre später vom Gründer bzw. Herausgeber des „Bote aus Mistelbach“ Bürgerschuldirektor Josef Glier in dessen Heimatkunde für den Bezirk Mistelbach – einer der ersten heimatkundlichen Publikationen unserer Gegend – übernommen.123
Der Deutung von Dr. Heinrich Weigl, dass der Ortsname seinen Ursprung hingegen tatsächlich im slawischen Personennamen Iwan (Ivan) hat124, schloss sich auch Dr. Elisabeth Schuster mit der folgenden Interpretation an: “beim Tal, das nach einem Mann mit dem Namen “Iwan” benannt ist. Genitiv des althochdeutschen Personennamens Iwan bzw. des slawischen Namens Ivan mit Tal.“125
Frättingsdorf
Erste urkundliche Erwähnung: ca. 1150/60 als Frategesdorf
| ca. 1150/60 | Frategesdorf |
| 1196/1216 | de Fratiginnesdorf |
| 1242 | Vretgoinstorf, Vratigeinstorf |
| 1260/80 | Vratkeinstorf, Vraetkeinstorf |
| 1271 | Vraekeinsdorf |
| 1280 | Vratheinsdorf |
| 1283 | Fratigensdorf |
| 1308 | Fratigeinstorf |
| 1340 | Fratigntorf |
| 1351 | Fratigesdorf |
| 1353 | Fratigesdorf |
| 1380 | Fratigesdorf |
| 1431 | Fratigersdorf bey Stecz (Staatz) |
| 1455 | Frëtigestorf |
| 1512 | Fratigesdorf |
| 1590 | Fraidigerstorff |
Dr. Weigl legte in seinen Publikationen aus den 1950er bzw. 1960er Jahren bereits die Ableitung des Ortsnamens vom slawischen Personennamen „Vrategoj“ dar.126
Dr. Schuster sieht die Möglichkeit einer Übertragung des Ortsnamens von der ebenfalls zur Herrschaft Pernegg gehörigen südmährischen Ortschaft Fratting (tschech. Vratěnin) und führt zur Bedeutung folgendes aus: “Dorf, das nach einem Mann mit dem Namen “Bratigoj” benannt ist. Der Name setzt sich also zusammen aus der Genitivform des Namens Bratigoj mit der Endung Dorf zusammen. Dass das slawische „b“ mit einem „v“ eingedeutscht wurde und der Umlaut des Stammvokals sprechen für eine althochdeutsche Entlehnung.“127
Hörersdorf
Die erste urkundliche Erwähnung ist für das Jahr 1120/30 als Herolesdorf überliefert.
| 1120/30 | Herolesdorf |
| 1140/50 | Heroltstorf |
| 1258 | Heroltsdorf |
| 1294 | Heroltsdorf |
| 1303/06 | Heroltsdorf |
| 2. Hälfte 14. Jhdt. | Heresdorf |
| 1590 | Hererßdorff |
Franz Xaver Schweickhardt schreibt in seiner Topographie aus dem Jahre 1834 zum Ursprung des Namens folgendes: „Der frühere Name Herolesdorf ist von seinem Erbauer Herold oder Heroles abgenommen, dagegen aber die jetzige Benennung als Hörersdorf ohne allen Grund und Sinn verunstaltet worden.“128
Mit dieser Interpretation lag Schweickhardt laut Dr. Heinrich Weigl richtig, der den Ortsnamen vom deutschen Personennamen Herold abgeleitet sah.129
Dr. Elisabeth Schuster fasst die Bedeutung des Namens und den Wandel zu seiner heutigen Form wie folgt zusammen: “Dorf, das nach einem Mann mit dem Namen Herol(t) benannt ist. Der Ortsname setzt sich also aus der Genitivform des althochdeutschen Personennamens Herolt und der Endung -dorf zusammen. Aus dem mundartlichen Gleichklang „er“ und „ör“ entwickelte sich die heute gebräuchliche Schreibweise mit „ö““130
Hüttendorf
Die erste urkundliche Erwähnung findet sich für das Jahr 1136 als „predia Hittindorf“. Die erste Erwähnung von Hüttendorf erfolgte also nicht als Beiname einer Person, sondern in Zusammenhang mit dem Wort „predia“, das Anwesen/Besitzungen in Form von Höfen bzw. Dörfern bezeichnete.
| vor 1136 | Hittindorf |
| 1234 | de Hittendorf |
| 1266 | Hitendorf |
| 1269 | Hittendorf |
| 1288 | Hitendorf |
| 1311 | Hytendorf |
| 1314 | Hippendorf |
| 1324 | (Ober, Nider) Hikkendorf |
| 1338 | (Nydern) Hittendorf |
| 1369 | (Obern, Nidern) Hittendorf |
| 1449 | (Ober) Hitndorf |
| 1466 | Hykndarf |
| 1590 | Hüttendorf |
Schweickhardt schreibt in seiner in den 1830er Jahren erschienenen Topografie zum Ursprung des Ortsnamens: „Der Name bezeichnet schon an sich selbst, daß anfangs nur einige Hütten da standen, die dann zu einem Dorfe anwuchsen.“131
Schweickhardts vereinfachende Deutung wurde von Dr. Heinrich Weigl widerlegt, der in seinen Publikationen einen Zusammenhang zu dem deutschen Personennamen „Hitto“ aufzeigt.132
Dr. Schuster führt zur Bedeutung des Namens im Jahre 1990 folgendes aus: “Dorf, das nach einem Mann mit dem Namen Hitto benannt ist. Genitiv des althochdeutschen Personennamens Hitto und -dorf; wie oben angeführt (Siehe Tabelle) kam es im Laufe der Zeit mehrfach zu Konsonantenwechseln, auch die Änderung des Vokals auf „ü“ dürfte durch eine falsche Verschriftlichung zugrundeliegen (sic!) (Anm.: begründet sein)„133
Kettlasbrunn
Die älteste überlieferte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1280 und lautet „Chottinsprunne“ und in den folgenden Jahrhunderten wandelte sich der Name wie folgt:
| 1280 | Chottinsprunne |
| 1284 | Chotensprunne |
| 1294 | Chotensprunne |
| 1303 | Chotesprunne |
| 1359 | Chötesprunne |
| 1395 | Chotasbrunn |
| 2. Hälfte 14. Jhdt | Chotensprunne |
| 1429 | Gottesprunn |
| 1453 | Kottesprunn |
| 1592 | Kettlesbrunn |
| 1596 | Khöttlesprunn |
Dr. Heinrich Weigl sieht den Ursprung des Ortsnamens im slawischen Personennamen „Chotej“.134 Ähnlich die Deutung von Dr. Elisabeth Schuster gemäß der es sich um eine „flektierte Form des slawischen Personennamens Chotěnʒ, dessen Endung in Verniedlichungsform “-in(s)” über “-lein(s)” zu “-la(s)” abgeschwächt wurde“ handelt.135
Lanzendorf
Die älteste urkundliche Erwähnung als Beiname „de Lanzendorf“ (=von Lanzendorf) findet sich 1141/74
| 1141/74 | de Lanzendorf |
| 1156 | de Lanzendorf |
| 1322 | Lantzendorf |
| 1344 | Lantzendorf |
| 1376 | Lanczendorff |
| 1400 | Lantzendorf |
| 1509 | Lanzendorf |
Schweickhardt schreibt in 1834 in seiner Topografie: „Lanzendorf ist ein alter Ort, und scheint von den Herren von Lanzendorf, welche ihren Sitz in dem Dorfe gleiches Namens im Viertel unter dem Wienerwald gehabt haben, gegründet worden zu seyn und auch den Namen erhalten zu haben, …“136
Tatsächlich dürfte der Name von einem anderen Ort namens Lanzendorf übertragen worden zu sein, allerdings wohl nicht wie von Schweickhardt vermutet von dem bei Schwechat gelegenen Lanzendorf, sondern sowohl „unser“ Lanzendorf, als auch das Lanzendorf bei Schwechat dürften ihren Namen von Lanzendorf bei Böheimkirchen erhalten haben.
Der Ursprung des Ortsnamens steht in Zusammenhang mit dem deutschen Personennamen Lanzo, wie bereits Dr. Weigl feststellte.137
Dr. Schuster fasst die Bedeutung des Namens unter Verweis auf den Eintrag zu Lanzendorf (bei Böheimkirchen) wie folgt zusammen: „Dorf, das nach einem Mann mit dem Namen ‚Lanzo‘ benannt ist; Genitiv des althochdeutschen Personennamens Lanzo mit -dorf“138
Mistelbach
Älteste urkundliche Erwähnung 1125/1130 als Beiname „de Mistelbach“ bzw. „de Mistelpach“; zwar änderte sich im Laufe der Jahrhunderte auch gelegentlich die Schreibweise des Ortsnamens geringfügig, aber nie in einer die Bedeutung des Namens verändernden Art und Weise.
Laut Dr. Heinrich Weigl: „Benannt nach einem Bach an dem Misteln wachsen.“139 Auch Dr. Elisabeth Schuster hat dieser Deutung nichts Weiteres hinzuzufügen.140 Bei allen bisher im Rahmen dieses Beitrags behandelten Ortsnamen wurden die Orte nach Personen benannt. Mangels anderer Anhaltspunkte gehen die Experten im Falle Mistelbachs offenbar davon aus, dass sich der Ortsname aus den natürlichen Gegebenheiten ableitete und dieser später von dem hier ansässig gewordenen Adelsgeschlecht angenommen wurde.
Könnte nicht ein Zusammenhang zu anderen Orten namens Mistelbach bestehen?
Namensübertragungen aus der Herkunftsregion der Siedler sind grundsätzlich durchaus üblich, aber im Raum Mistelbach eher die Ausnahme. Zwar existiert ein Mistelbach auch bei Bayreuth in Oberfranken, aber ein Zusammenhang zwischen dem sich dort ebenfalls Mistelbach nennenden Adelsgeschlecht und den hiesigen Herren von Mistelbach konnte bislang nicht hergestellt werden. Hierbei gilt es festzuhalten, dass das oberfränkische Mistelbach urkundlich erstmals 1125 erwähnt wird und das dort ansässige Reichsrittergeschlecht gar erst 1325 – also zu einer Zeit als die Herren von Mistelbach bereits ihrem Ende zugingen. Prof. Mitscha-Märheim der sich intensiv mit den Herren von Mistelbach und auch deren Herkunft befasst hat, schließt einen Zusammenhang mit dem fränkischen Geschlecht aus. Aufgrund des Namens des ersten überlieferten Herren von Mistelbach “Erlwin” vermutet er eine schwäbische Herkunft der Mistelbacher, da dieser Name in Franken zur damaligen Zeit nicht gebräuchlich war, in Schwaben hingegen schon.141
Das Waldviertler Mistelbach (Gemeinde Großschönau – nahe Weitra) wurde übrigens nach dem Weinviertler Mistelbach benannt und verdankt seinen Namen der Tatsache, dass eine der Töchter aus dem Geschlecht der jüngeren Herren von Mistelbach namens Ofemia einen Kuenringer heiratete und offenbar als Geschenk an sie benannte er einen neu gegründeten Ort in seinem Herrschaftsgebiet nach ihrer Heimat.
An der Zaya oder ohne?
Mit Entscheidung des Landeshauptmannes des Gaus Niederdonau wurde am 21. August 1939 der Name der Stadt von „Mistelbach“ auf “Mistelbach an der Zaya” abgeändert. Die Änderung erfolgte auf Antrag der Reichspostdirektion Wien und sollte wohl Verwechslungen mit dem reichsdeutschen bzw. dem Waldviertler Mistelbach verhindern.142
Rund 34 Jahre später am 14. November 1973 wurde mit Gemeinderatsbeschluss der Ortsname von „Mistelbach an der Zaya“ auf „Mistelbach“ (zurück)geändert.143
Paasdorf
älteste urkundliche Erwähnung 1136 als Beiname „de Pabistorf“ (= von Pabistorf)
| 1136 | de Pabistorf |
| 1150 | de Pabestorf |
| 1250 | Paebestorf |
| 1294 | Baebsdorf |
| 1298 | de Pabstorf |
| 1302/22 | Peisdorf |
| 1314 | Peysdorf |
| 1328 | Paestorf |
| 1335 | Perstorf |
| 1341 | Peystorf |
| 1349 | Paestorf |
| 1351 | Pestarf |
| 1368 | Pevstorff |
| 1390 | Pêstorf |
| 1400 | Pêstarff |
| 1404 | Pestorff |
| 1492 | Pasdorf |
| 1521 | Pasdorf |
Der Mittelschulprofessor und spätere Universitätslektor für (Geschichts-)Didaktik Dr. Franz Heilsberg leitet in seinem 1914 in der Topographie des Vereins für Landeskunde erschienen Beitrag zu Paasdorf das überlieferte altmittelhochdeutsche „pabisdorf“ oder „pabesdorf“ von der spätalthochdeutschen Grundform babsic-dorf bzw. babsesc-dorf ab. Seinen weiteren Ausführungen ist dann eher schwer zu folgen und deren Qualität für Laien nicht zu beurteilen: „Dies babisc oder babesc ist mittels des Abstammung oder Herkunft anzeigenden Suffixes -iske gebildet, von dem als Verwandtschaftsnamen verwendeten Kindeswort babo, pabo, dessen Erhebung zum Mannesnamen uns hier nichts angeht. Die Erleichterung von „-isc, -esc“ zu „-is, -es“ ist eine in solchen Namenbildungen nicht seltene Erscheinung. Die Bedeutung von pabisdorf, pabesdorf geht auf das Nachbarliche, Trauliche, und hat ihre Parallelen in Bruderndorf, Bullendorf, Mamau (“Buhli” und “Muhmi”) usw.“144 Diese Interpretation, die zweifellos den nachfolgenden Sprachwissenschaftlern bekannt war, wurde von diesen nicht aufgegriffen.
Dr. Heinrich Weigl sieht einen nicht sicher deutbaren Personennamen „Pab“ als Ursprung des Ortsnamens.145
Dr. Elisabeth Schuster vermutet die Ableitung von einem slawischen Personennamen (zB tschechisch Pabeš). Eine Herleitung von „Pabes“ = mittelhochdeutsch-bairisch für Papst (also für einen hohen kirchlichen Würdenträger) wird von ihr in Anbetracht des Umlautes hingegen als unwahrscheinlich qualifiziert.146
Siebenhirten
Erstmalig urkundlich um ca. 1140/50 als Beiname „de Subinhirtin“ (von Subinhirtin) erwähnt, findet sich der Name in den folgenden Jahrhunderten in unterschiedlichen Schreibweisen überliefert.
| ca 1140/50 | de Subinhirtin |
| 1178 | de Svbinhirti |
| 1209 | de Sibenhirten |
| 1231 | de Sibinhirte |
| 1303 | Sibinhirten |
| 1304 | von Sibenhierten |
| 1312 | der Sibenhiert(t)er |
| 1316 | der Subenhierter |
| 1370 | von Sibenhirten |
| 1387 | Subenhirten |
| 1403 | Sibenhirtten |
| 1455 | Sybenhirten |
Wie mit allen Aspekten der Geschichte seines Heimatorts beschäftigte sich Prälat Franz Stubenvoll in seiner Ortschronik auch intensiv mit allen Theorien zur Bedeutung des Ortsnamens147:
In der Pfarrchronik findet sich eine Vermutung zur Herkunft des Namens und zwar, dass sich die Zahl „Sieben“ von den sieben Grundherrschaften, die einst Besitzungen und Untertanen in Siebenhirten besaßen, herleitet. Ein Gemälde aus dem Jahr 1716, dass den heiligen Rochus zeigte und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Siebenhirtner Kirche hing, zeigte unter dem Namenspatron der Kirche, sieben Hirten, die sich um eine Hütte scharten. Die Anzahl der Grundherrschaften war im Laufe der Jahrhunderte allerdings Veränderungen unterworfen und sie mag zum Zeitpunkt der Schaffung des Gemäldes gestimmt haben, aber sicherlich nicht im Zeitpunkt der Gründung des Orts bzw. in der Zeit, aus der der Name erstmals überliefert ist. Diese Herleitung in Zusammenhang mit dem Gemälde in der Kirche hielt sich hartnäckig im Volksmund.
Eine weitere Theorie zur Herleitung des Namens bezieht sich auf „Hirten des Siegbot“, denn der zweite Fall von Siegbot würde „Sieben“ oder „Siben“ lauten. Gegen diese Theorie spricht, dass die älteste Namensform allerdings „Subinhirti“ lautet und in der Namensforschung ist stets die älteste überlieferte Namensform am bedeutendsten, da sich die Schreibweise von Namen im Laufe der Jahre veränderte und die älteste überlieferte Form somit dem ursprünglichen Namen am nächsten ist.
Prälat Stubenvoll führt dann auch noch die Deutung des Ortsnamens aus der Topographie von Schweickhardt im Beitrag zu jenem Siebenhirten an, das heute Teil des 23. Wiener Gemeindebezirks ist: „Gewiss bestand die erste Ansiedlung auf dieser Stelle durch sieben Hirten, die hier ihre Hütten aufschlugen, da die große Fläche, welche sich ringsum ausbreitet, gute Weideplätze für ihre Herden enthielt, daher der alte und unverändert gebliebene Name.“148 In diesem Zusammenhang verweist Stubenvoll darauf, dass diese Deutung offensichtlich in Unkenntnis der ältesten Schreibweise „Subinhirti“ erfolgte und diese damit wohl unzutreffend sei. Dieser Einwand scheint nur bedingt zulässig, weil Stubenvoll hier die Deutung des einen Ortsnamens mit der Schreibweise eines anderen Ortes gleichen Namens vergleicht. Schweickhardt weist darauf hin, dass sich der Name des Weinviertler Siebenhirten vermutlich von der gleichnamigen südlich von Wien ansässigen Adelsfamilie ableitet.149 Während Stubenvoll diese These bei seiner Abhandlung zur Bedeutung des Ortsnamens anführt, bezeichnet er die von Schweickhardt angedeutete Verbindung zum Liesinger Siebenhirten im Zuge der im zweiten Teil des ersten Bandes behandelten Geschichte der Grundherrschaft in seinem Heimatort als Irrtum.150
Dr. Weigl schreibt recht kryptisch, dass der Name verständlich sei, und es sich seiner Auffassung also tatsächlich um Hirten handle. Außerdem habe die Zahl Sieben in früherer Zeit eine uns heute nicht mehr erkennbare magische Bedeutung gehabt.151
Dr. Elisabeth Schuster hält sich im 1994 erschienen Teilband ihrer Abhandlung zu den niederösterreichischen Ortsnamen betreffend Siebenhirten kurz und vermerkt zur Bedeutung lediglich: „(Siedlung) bei den sieben Hirten“152
Quellen:
Mistelbach in der Zeitung – Teil 3 (1923 -1942)
Bundeskanzler Seipel in Mistelbach – 1923
Der Nationalratswahlkampf des Jahres 1923 führte Bundeskanzler Dr. Ignaz Seipel nach Mistelbach, wo er am Nachmittag des 12. Oktober auf dem Hauptplatz im Rahmen einer Wählerversammlung eine Ansprache hielt. Ursprünglich gar nicht als Freiluftveranstaltung geplant, musste die Veranstaltung aufgrund des großen Publikumsandrangs auf den Hauptplatz verlegt werden. Landeshauptmann Buresch und Nationalratsabgeordneter Wollek begleiteten den Kanzler bei seiner Werbetour durch das Weinviertel und hielten gleichfalls Ansprachen. Den Besuch des Kanzlers hielt der Mistelbacher Fotograf Josef Plaschil fotografisch fest und das Bild zierte wenig später die Titelseite der illustrierten Zeitung “Wiener Bilder”. Da Plaschil die von ihm angefertigten Fotos auch dem Bundeskanzler zugesandt hatte, erhielt er ein handschriftliches Dankschreiben des Kanzlers.
Foto: Josef Plaschil, Mistelbach
Wiener Bilder, 21. Oktober 1923 (28. Jg. – Nr. 42), S. 1 (ONB: ANNO)
Mistelbacher Bote, Nr. 42/1923, S. 2 (ONB: ANNO)
Mistelbacher Bote, Nr. 47/1923, S. 2 (ONB: ANNO)
Die Geschwister Nissler – „der dicke Toni & die dicke Wetti“
1924 berichtet das Interessante Blatt erstmals von einem Riesenkind aus Ladendorf. Das damals drei Jahre und drei Monate alte, als blondlockig und blauäugig beschriebene, „Riesenbuberl“ wog bei einer Größe von 110 Zentimetern stolze 56 Kilogramm. Weitere Daten: Taillenumfang: 140 cm, Kopfweite: 64 cm und Schenkelumfang 70 cm. Zwar wird in diesem ersten Bericht nicht der Name des Kindes genannt, doch handelt es sich zweifellos um Anton Nissler jun. (auch Nißler), den 1921 in Ladendorf geborenen Sohn eines Hüttendorfer Gastwirts und einer Ladendorfer Landwirtstochter.153 Bei seiner Geburt wog er 4,8 kg, sechs Monate später bereits 12 kg und mit einem Jahr unglaubliche 24 kg – dieses Gewicht entspricht jenem eines 8-jährigen Buben. Die Eltern (ebenso wie vier später geborene Geschwister) waren körperlich unauffällig, doch auch eine damals erst etwas mehr als ein Jahr alte Tochter der Familie zeigte bereits deutliche Anlagen zum „Riesenwuchs“. Aufgrund seiner gewaltigen Ausmaße war Anton Nissler jun. in Feigls Weltschau, einem Kuriositätenkabinett im Wiener Prater, zu sehen.
Das interessante Blatt, 22. Mai 1924, S. 4 (ONB-ANNO)
Nachdem der Vater Mitte der Zwanzigerjahre das Gasthaus in Pellendorf übernommen hatte, lesen wir in den Jahren 1926 bzw. 1927 erneut von den „Riesenkindern aus Pellendorf“ und es bestätigte sich, dass auch die 1923 in Hüttendorf geborene Tochter Barbara („Wetti“) in Sachen Körperbau ganz nach der Art ihres Bruders geriet. In den entbehrungsreichen Zwanzigerjahren lockten die beiden unglaublich korpulenten Kinder zahlreiche Besucher in das Gasthaus der Familie.
Anton Nissler im Jahr 1926: 5 Jahre und 4 Monate alt, 120 cm, 73 kg
Barbara „Wetti“ Nissler im Jahr 1926: 2 Jahre und 6 Monate alt, 90 cm, 38 kg
Die Geschwister Nissler 1927: Toni (links) 6 Jahre und 7 Monate alt, 86 kg
und Wetti (rechts) 3 Jahre und 10 Monate alt, 48,5 kg
Wetti Nissler 1933 im Alter von 9 Jahren
Dass die Leibesfülle der beiden im Laufe ihres Lebens nicht abnahm, überrascht wohl kaum, insbesondere da die sie wie sich später herausstellte an einer Drüsenstörung litten, die ihre Körper auf diese außergewöhnliche Größe anwachsen ließ. Anton und Wetti arbeiteten nach der Schule im Gasthaus bzw. Haushalt ihrer Eltern mit, wohnten später gemeinsam in Wien und verdingten sich unter anderem durch Teilnahme an Jahrmarkt-Tourneen im In- und Ausland. Sogar das deutsche Fernsehen interessierte sich für „den dicken Toni und die dicke Wetti“ als die die beiden auch im Weinviertel weithin bekannt waren. In einem Bericht der Weinviertler Nachrichten aus dem Jahr 1964 werden die beiden als „Schwerstes Geschwisterpaar Europas“ bezeichnet – eine Beschreibung mit der sie wohl auf ihren Tourneen warben. Wetti damals 40 Jahre, alt wog zu diesem Zeitpunkt 145 kg und maß einen Brustumfang von 140 cm. Anton damals 43 Jahre alt, wog 210 kg und maß an der Brust 190 cm und an der Hüfte 210 cm im Umfang. Um die Probleme solcher Körperfülle zu veranschaulichen wird in dem Bericht der Weinviertler Nachrichten unter anderem erwähnt, dass für einen Anzug für Anton Nissler etwa 5 Meter Stoff benötigt werden und er Hemden mit Kragenweite 55 benötigt. Anton Nissler verstarb 1981, seine Schwester Wetti im Jahre 2006 und beide ruhen auf dem Pellendorfer Friedhof.
Fotos: Josef Plaschil, Mistelbach; Foto Wetti Nissler 1933 aus dem Göstl-Archiv
Das interessante Blatt, 22. Mai 1924, S. 4 (ONB-ANNO)
Das interessante Blatt, 16. September 1926, S. 6 (ONB-ANNO)
Das interessante Blatt, 29. September 1927, S. 8 (ONB-ANNO)
Weinviertler Nachrichten, Nr. 36/1964, S. 1
(Lebensdaten & korrekte Namensschreibweise: Grabstein Familie Nissler – Friedhof Pellendorf)
Goldene Hochzeit Altbürgermeister Freund – 1927
Am 13. Februar 1927 feierte der ehemalige Landtagsabgeordnete und langjährige Bürgermeister von Mistelbach, Thomas Freund gemeinsam mit seiner Gattin Anna, das Jubiläum der goldenen Hochzeit. Zum diesem Anlass übermittelten sogar Bundespräsident Dr. Hainisch, Bundeskanzler Dr. Seipel und Landeshauptmann Buresch ihre herzlichen Glückwünsche und in Mistelbach wurde zu Ehren des Ehepaares Freund ein großer Fackelzug abgehalten.
Die Eheleute Anna und Thomas Freund 1927
Das interessante Blatt, 24. Februar 1927, S. 8 (ONB-ANNO)
Große Weinkost bei Weinhändler Roller – 1928
Am 21. Februar 1928 fand eine große Weinkost im Kellereibetrieb des Mistelbacher Weingroßhändlers Felix Roller statt, an der laut einem Zeitungsbericht rund 600 geladene Gäste teilnahmen. Die gereichten Weine fanden großen Anklang und unter den Teilnehmern waren auch Landeshauptmann Dr. Karl Buresch und der christlich-soziale Nationalratsabgeordnete Richard Wollek. Die Aufnahme zeigt einen Teil der Gäste vor dem von den Barnabiten im 17. Jahrhundert angelegten großen Klosterkeller – dem einstmals größten Keller des Landes – den Roller bis in die 1950er Jahre gepachtet hatte.
Foto: Leopold Forstner
Das interessante Blatt, 1. März 1928, S. 6 (ONB-ANNO)
Landesverbandsschießen in Mistelbach – 1929
Von 29. Juni bis 7. Juli 1929 fand das 14. niederösterreichische Landesverbandsschießen in Mistelbach statt. Einer der Höhepunkte des umfangreichen Festprogramms war sicherlich die Weihe der neuen Fahne der Mistelbacher Schützen, die im Rahmen eines Festaktes auf dem Hauptplatz und in Anwesenheit von Landeshauptmann Buresch und zahlreicher weiterer Ehrengäste erfolgte. Wohl aufgrund eines Missverständnisses wird in den beiden Zeitungsberichten, aus denen die nachfolgenden Bilder stammen, behauptet die Mistelbacher Schützengilde habe mit der Ausrichtung dieses Fests auch ihr 200-Jahr-Jubiläum begangen. Der Zeitpunkt des Beginns des Schützenwesens in Mistelbach ist nicht überliefert, seine Anfänge reichen aber wohl jedenfalls bis in die Zeit zu Ende des 16. Jahrhunderts zurück. Tatsächlich wurde – wie im Mistelbacher Bote zu lesen ist – damals ein 200-jähriges Scheiben-Jubiläum zelebriert. Eine alte Festscheibe im Heimatmuseum Mistelbach aus dem Jahr 1829 bezieht sich auf ein hundert Jahre zuvor abgehaltenes gemeinsames Festschießen und dieses Jubiläums wurde gedacht. Durch ihren Verweis auf den Beginn des 18. Jahrhunderts stellt die Festscheibe aus dem Jahre 1829 den ältesten, überlieferten Beleg für die Existenz einer Schützenvereinigung in Mistelbach dar und möglicherweise ist selbige auch ein Hinweis für das Entstehen der einstigen Schießstätte im späteren Stadtpark. Näheres zum Schützenwesen in Mistelbach bzw. den verschiedenen Schießstätten findet sich unter dem Beitrag Schützenweg.
Fahnenweihe auf dem Hauptplatz (Foto: J. Perscheid)
Frl. Sklenar marschierte als „Schützenliesl“ an der Spitze der Fahnenkompagnie (Foto: J. Perscheid)
Das Festabzeichen anlässlich des 14. niederösterreichischen Landesverbandsschießens, das im Sommer 1929 in Mistelbach abgehalten wurde
Das interessante Blatt, 11. Juli 1929, S. 7 (ONB-ANNO)
Österreichische Illustrierte Zeitung, 11. August 1929, S. 5 (ONB-ANNO)
Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 222
Blutat in Lanzendorf – 1930
Am 29. Oktober 1930 erschlug der Knecht Karl Maier (in der Berichterstattung auch „Meier“ od. „Mayer“ geschrieben) seine Dienstgeber, den Lanzendorfer Landwirt Karl Reuter und dessen Gattin Barbara, mit einer Reithaue (=Werkzeug für die Garten- bzw. Feldarbeit). Er war erst wenige Wochen in Lanzendorf und der Tat war ein heftiger Streit zwischen Maier und dem Ehepaar Reuter vorausgegangen, der seine Entlassung zur Folge gehabt hatte. Nach der Tat nahm er die im Haus befindlichen Wertsachen sowie einen Revolver an sich und flüchtete. Wenige Tage später wurde Maier in Gaaden bei Mödling aufgrund von Zechprellerei verhaftet und ein Gendarm hatte den Verdacht, dass es sich um den zur Fahndung ausgeschriebenen Täter von Lanzendorf handeln könnte. Nach einem intensiven Verhör zeigte er sich geständig und wurde schließlich im März 1931 von einem Geschworenengericht in Korneuburg zu lebenslangem Kerker wegen heimtückischen Mordes verurteilt.
Nach der Festnahme: Karl Maier bei seinem Transport nach Korneuburg
Foto: Hilscher
Das interessante Blatt, 13. November 1930, S. 9 (ONB-ANNO)
Die Grenzwacht, Nr. 45/1930, S. 5
Arbeiter Zeitung, 3. März 1931, S. 8 (ONB-ANNO)
Ehepaar Reuter: Eintrag Sterbebuch – Pfarre Mistelbach, Sterbebuch 1921-1934, Fol. 356
Eröffnung Gewerbeschule – 1931
Das neue Gebäude der gewerblichen Fortbildungsschule wurde am 15. November 1931 im Beisein von Landeshauptmann Reither feierlich eröffnet.
Wiener Bilder, 29. November 1931, S. 17 (ONB-ANNO)
Ausflug des Musikvereins der Wiener Sicherheitswache nach Mistelbach – 1933
Am 11. Juni 1933 besuchte der Musikverein der Wiener Sicherheitswache die Stadt Mistelbach und die Teilnehmer des Ausflugs wurden durch die Gemeindevertretung mit Bürgermeister Josef Dunkl an der Spitze sowie ihren derzeit im Polizeierholungsheim (ehemalige Flüchtlingsstation) weilenden Kollegen am Mistelbacher Staatsbahnhof abgeholt. Mit klingendem Spiel zog die Musikkapelle zum Hauptplatz, wo um die Mittagszeit ein Platzkonzert gegeben wurde. Nach dem Mittagessen besichtigten die Gäste das Heimatmuseum und das Polizeierholungsheim. Seinen Ausklang fand der Ausflug dann schließlich im Gasthaus Filipinetti (heute GH Schilling) wo die Kapelle neuerlich zu einem Konzert aufspielte. Wie in einer Ansprache betont wurde, sollte dieser Besuch das gute Einvernehmen der Wiener Polizisten mit den „Echten Mistelbachern“ herausstreichen und festigen.

Bürgermeister Dunkl (3. v.l.) und Vizebürgermeister Dr. Steinbauer (4. v.l.) mit einigen Gästen bzw. Funktionären während des Konzerts des Musikvereins der Wiener Sicherheitswache auf dem Mistelbacher Hauptplatz
Öffentliche Sicherheit – Polizeirundschau der österreichischen Bundes- sowie Gemeindepolizei und Gendarmerie, August 1933, 13. Jg. – Nr. 8, S. 18 (ONB: ANNO)
Paasdorfer Riesenlinde umgestürzt – 1934
Am Samstag, den 4. August 1934 wütete im Bezirk Mistelbach ein heftiges Unwetter, dass zahlreiche Obst- und Weinkulturen beschädigte und das den riesigen, unter Denkmalschutz stehenden Lindenbaum in Paasdorf umstürzte. Der Baum der einen Umfang von sechseinhalb Metern maß, stürzte auf die Presshäuser der Familien Seltenhammer und Piringer und beschädigte diese. Die beiden Gebäude existieren bis heute und stehen auf dem Paasdorfer Kellerrundplatz.
Foto: Josef Plaschil, Mistelbach
Illustrierte Kronen-Zeitung, 10. August 1934, S. 8 (ONB-ANNO)
Edamer aus Mistelbach & die Mistelbacher Zentralmolkerei bei der Landesausstellung 1935
Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1934 berichtet über die Mistelbacher Zentralmolkerei und dass es dieser nun nach einigen Versuchen und der Anschaffung einer holländischen Käsewanne mit automatischem Rührwerk, gelungen ist, hochwertigen Edamer-Käse in gewohnter Qualität auch in Österreich herzustellen.
Die holländische Käsewanne mit automatischem Rührwerk;
im Hintergrund die Kugelpressen
Der Edamer-Reifungskeller in der Zentralmolkerei Mistelbach
Im Rahmen der niederösterreichischen Landesausstellung 1935 in Hollabrunn präsentierten die Mistelbacher Zentralmolkerei und die Hollabrunner Milchgenossenschaft ihre Produkte in einem mit Unterstützung des Milchwirtschaftsverbandes eigens errichteten Pavillon.
Die „Molkereihalle“ bei der Landesaustellung 1935
Staatsrat Josef Kraus (2. v.r.), Gründer und Obmann
der Mistelbacher Genossenschafts-Zentralmolkerei
Auch Bundespräsident Dr. Miklas (ganz vorne) und der Landtagspräsident Fischer
verkosten Käse der Mistelbacher Zentralmolkerei
Werbung für den Mistelbacher Edamer im Mistelbacher Bote
Das interessante Blatt, 3. Mai 1934, S. 24 (ONB-ANNO)
Wiener Bilder, 13. Oktober 1935, S. 18 (ONB-ANNO)
Kreisparteitag der NSDAP – 1939
Von 15.-16. April 1939 fand in Mistelbach der erste NSDAP-Kreistag der Ostmark statt. Angeblich wurde Mistelbach diese „Ehre“ zuteil, da der Bezirk als einer der ersten, bereits wenige Monate nach dem Anschluss, als „judenfrei“ galt. Zeitungsberichte zu dieser Veranstaltung legen jedoch nahe, dass Mistelbach bewusst deshalb gewählt wurde, weil es sich bei diesem Bezirk um eine frühere „schwarze“ Hochburg handelte. Derartige Kreistage waren nämlich nicht bloß ein Treffen sämtlicher NSDAP-Ortsgruppen und sonstiger Parteiorganisationen eines Bezirkes, sondern vor allem groß inszenierte Propagandaveranstaltungen mit einem vielfältigen Rahmenprogramm bestehend aus Tagungen, Aufmärschen und sportlichen Wettkämpfen. Beim Großappell auf dem Adolf Hitler-Platz, wie der Hauptplatz damals offiziell hieß, sprach Gauleiter Dr. Hugo Jury vor etwa 20.000 Teilnehmern.
Großappell auf dem Mistelbacher Hauptplatz
Ansprache Dr. Jury, Gauleiter Niederdonau
Fotos: Sedlar – Agentur Schostal
Das interessante Blatt, 20. April 1939, S. 27 (ONB-ANNO)
Das kleine Volksblatt, 19. April 1939, S.3 (ONB-ANNO)
„Ein zünftiger Fang“ – 1942
In seinem Fischereirevier an der Thaya bei Rabensburg gelang es dem Mistelbacher Mechanikermeister und begeisterten Petrijünger Karl Holy im Jahr 1942 einen 115 cm langen und neun Kilogramm schweren Wels an Land zu ziehen.
Illustrierte Kronen-Zeitung, 24. August 1942, S. 6 (ONB-ANNO)
Mistelbach in der Zeitung – Teil 2 (1906-1918)
Diese Beitragsreihe aus der Anfangszeit des Blogs wurde im Laufe der Jahre mehrfach überarbeitet, aktualisiert und in einem Nachtrags-Beitrag wurden später entdeckte Fundstücke gesammelt. Diese vormals vier Beiträge wurden nunmehr zu drei chronologisch sortierten Beiträgen zusammengefasst und außerdem die Qualität der Bilder verbessert.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um die Fortsetzung des Beitrags Mistelbach in der Zeitung – Teil 1 (1901-1905)
„Mit dem Motorrad vom Heidentum zum Christentum“ – 1906
Unter diesem Titel wurde darüber berichtet, dass am 23. September 1906 der Mistelbacher Mechanikermeister Karl Rößler sein Töchterchen mit dem Motorrad zur heiligen Taufe fuhr. In der Frühzeit der Motorisierung eine kleine Sensation. Beim Paar rechts handelt es sich um die Eltern Karl & Helene Rößler, links auf dem Schoß der Taufpatin Helene Dirnberger, durch weiße Tücher verdeckt liegt die kleine, zu diesem Zeitpunkt sieben Tage alte Hilda.
Foto: Leopold Forstner, Mistelbach
Österreichische Illustrierte Zeitung, 28. Oktober 1906, S. 8 (ONB-ANNO)
Illustrierte Kronenzeitung, 30. September 1906, S. 5 (ONB-ANNO)
„Kartoffelabnormität“ – 1906
Diese wie eine Hand geformte Knolle fand sich im Erdäpfelacker des Mistelbacher Gemischtwarenhändlers Schodl.
Österreichische Illustrierte Zeitung, 28. Oktober 1906, S. 7 (ONB-ANNO)
Eröffnung der Landesbahn – 1906
Nach dem Bau der Staatsbahn im Jahre 1870, erfolgte am 14. November 1906 mit der Eröffnung der Landesbahnstrecken Ernstbrunn-Mistelbach-Hohenau und Mistelbach-Gaunersdorf (heute: Gaweinstal) ein weiterer Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte der Stadt Mistelbach, und die endgültige Etablierung als zentraler Verkehrsknotenpunkt im nordöstlichen Weinviertel. Die neuen Landesbahnen, die eine Verbindung zu den wichtigen Strecken der Nord-, Ost- und Nordwestbahn schufen, wurden in Anwesenheit des niederösterreichischen Statthalters und Mistelbacher Ehrenbürgers Graf Kielmansegg und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eröffnet. Der Eröffnungszug wurde mit einer Musikkapelle und Böllerschüssen begrüßt und zum Abschluss dieses Ereignisses wurden die zahlreich anwesenden Ehrengäste zu einem Festmahl ins Hotel Rathaus (heute: Erste Bank) geladen. Das untenstehende Foto zeigt jedenfalls nicht in den Landesbahnhof in Mistelbach, sondern muss andernorts entlang der neuen Strecken entstanden sein.
Illustrierte Kronen-Zeitung, 17. November 1906, S. 6 (ONB-ANNO)
Auch von diesem Tag findet sich eine Fotografie in den Beständen des Museumsarchivs:

Ebenso ist die Speisenfolge des Festmahls überliefert:

Exl, Engelbert M.: 125 Jahre Stadt Mistelbach – ein Lesebuch (1999), S.73
Steiner, Oskar: Mistelbach in alten Ansichten, Band I (1983)
Grundsteinlegung Bezirkskrankenhaus – 1908
Am 18. Juni 1908 fand die feierliche Grundsteinlegung für den Bau des Bezirkskrankenhauses im Beisein des niederösterreichischen Statthalters Graf Kielmansegg, des liechtensteinischen Hofsekretärs Kron, der Bürgermeister der Umgebung und zahlreicher weiterer Festgäste statt. Die Segnung des Grundsteins zelebrierte Weihbischof Dr. Godfried Marschall. Traditionsgemäß wird bei solchem Anlass auch eine Urkunde und ein Satz Münzen im Grundstein versenkt, und diese Gelegenheit nutzten Diebe, die noch in derselben Nacht die Urkunde samt den Münzen entwendeten.

Illustrierte Kronenzeitung, 21. Juni 1908, S. 6 (ANNO-ONB)
Theateraufführung „Die gepfändete Mumie“ – 1908
Im April 1908 veranstaltete der Mistelbacher Männergesangsverein einen Theaterabend im Hotel Rathaus, der mit dem Einakter „Du bist blass, Louise“, unter der Mitwirkung von Frl. Mizzi Rabenseifner, Hermine Tischler und der Herren Schindler und F.J. Peikert, eröffnet wurde. Das Hauptprogramm bildete jedoch die Uraufführung der zweiaktigen grotesken Operette „Die gepfändete Mumie“, aus der Feder des Mistelbachers Rudolf Katschthaler (Sohn des Karl Katschthaler). Folgende Personen wurden durch großen Beifall für ihre Mitwirkung in diesem Stück belohnt: Alfred Merz, August Schramm, Franz Schindler, Louis Knorr, Karl Schnaß, Peter Kraus, Franz Hiertl, Leopold Schebesta (später Thurner), Ferdinand Bednarik, Franz Klammer, Eduard Vetter, Josef Scholz, Emanuel Haas und Franz Schamann. Die untenstehende Zeichnung wurde nach einer Aufnahme des Fotografen Leopold Forstner angefertigt.
Illustrierte Kronenzeitung, 26. April 1908, S. 3 (ANNO-ONB)
Feuerwehrfest in Frättingsdorf – 1909
Erst 1909 und damit vergleichsweise spät kam es auch in Frättingsdorf zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Im Rahmen des Gründungsfests am 9. Juli 1909 erfolgte auch die Spritzenweihe. Im Hintergrund der untenstehenden Aufnahme sind die Kirche und das Schulgebäude zu erkennen.
Illustrierte Kronen Zeitung, 18. Juli 1909, S. 17 (ONB-ANNO)
Maifahrt des Wiener Männergesangsvereins nach Mistelbach – 1909
Und wieder Männergesangsverein, diesmal allerdings der berühmte Wiener Männergesangsverein, dessen alljährliche Maifahrt seine Mitglieder 1909 nach Mistelbach führte. Bereits am Bahnhof wurde der Sonderzug mit dem die knapp zweihundert Sänger anreisten, von Abordnungen der Gemeindevertreter und Vereine, und zahlreichen Schaulustigen herzlich begrüßt und in einem Festzug zur Pfarrkirche geleitet, wo die Deutsche Messe gesungen wurde. Das am Hauptplatz abgehaltene Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Mistelbacher Spitalfonds sorgte für Begeisterung und angeblich sollen Mistelbacher Gemütlichkeit und Mistelbacher Wein Schuld daran gewesen sein, dass so mancher Wiener Sänger die Retourfahrt verpasste. Auf dem untenstehenden Gruppenbild, das im weitläufigen Garten des Gasthauses Putz aufgenommen wurde, ist Bürgermeister Thomas Freund mit der von ihm gestifteten Bürgermeisterkette leicht zu erkennen.
Österreichische Illustrierte Zeitung, 30. Mai 1909, S. 7 (ANNO-ONB)
Von der Ankunft des Wiener Männergesangsvereines auf dem Mistelbacher Bahnhof findet sich die folgende Fotoaufnahme im Museumsarchiv der Stadt Mistelbach:
Auch ein paar Aufnahmen vom Wohltätigkeitskonzert auf dem Hauptplatz finden sich im Göstl-Archiv:
Die vor dem Haus Hauptplatz Nr. 36 (damals wie heute Apotheke) errichtete Bühne und Bankreihen für die Zuhörer
Die Sänger und zahlreiche Zuhörer trotzten dem Regen während des Konzerts
Eröffnung Bezirkskrankenhaus – 1909
Die feierliche Einweihung des „Kaiser Franz Joseph-Bezirkskrankenhauses“ Ende November 1909 wurde durch den aus Neudorf bei Staatz stammenden Weihbischof der Erzdiözese Wien, Dr. Godfried Marschall, vorgenommen. Zuvor hatte sich ein viele hunderte Personen umfassender Festzug, darunter zahlreiche hohe Ehrengäste, von der Kirche durch die festlich geschmückte Stadt zum Krankenhaus bewegt. Der langersehnte Krankenhausbau konnte dank großer finanzieller Unterstützung seitens der Stadtsparkasse Mistelbach, des Fürsten Johann II. von und zu Liechtenstein und zahlloser Sammlungen bewerkstelligt werden. Zum Leiter des neuen Krankenhauses wurde Primarius Dr. Fritz Höllrigl berufen, und bereits am Tag nach der Eröffnung fanden die ersten Patienten Aufnahme.
Das interessante Blatt, 2. Dezember 1909, S. 2f (ANNO-ONB)
Erste deutsche Handwerker-Ausstellung in Mistelbach – 1912
Am 14. August 1912 wurde zur feierlichen Eröffnung einer viertägigen Ausstellung in den Räumen der Knaben- bzw. Mädchenschule (den heutigen Mittelschulen) geladen, bei der die Mistelbacher Tischler, Sattler, Schuhmacher, Anstreicher, Drechsler und andere Handwerker ihre Arbeiten präsentierten. Am Tag nach der Eröffnung fand im Hotel Rathaus ein Handwerkertag statt bei dem neben Fachreferenten unter anderem auch der Reichsratsabgeordnete Rudolf Wedra (Bildmitte) eine Rede hielt. Die Initiative zur Abhaltung des Handwerkertages und dieser Leistungsschau ging von der erst im Vorjahr gegründeten Mistelbacher Ortsgruppe des deutschen Handwerkersbundes aus und die Organisation besorgte ein Ausstellungskomitee, bestehend aus Mistelbacher Gewerbetreibenden, das unter der Leitung von Ingenieur Karl Rößler (vermutlich rechts neben Wedra), stand.
Illustrierte Kronenzeitung, 17. August 1912, S. 4 (ANNO-ONB)
Mistelbacher Bote, Nr. 13/1911, S. 4
Das Eingangstor zur Ausstellung („Triumphbogen“), dass oben in dem kreisrunden Ausschnitt abgebildet ist befand sich am Eingang der damaligen Schulgasse (heute: Thomas Freund-Gasse bzw. „Neumarkter Platzl“ vor dem damaligen Cafe Kiesling (heute Cafe Harlekin)). Der genaue Aufstellungsort konnte erst durch nachfolgende, im „Illustrirten Wiener Extrablatt“ veröffentlichte, Aufnahme des Mistelbacher Fotografen Leopold Forstner sen. eruiert werden.
Illustriertes Wiener Extra-Blatt, 17. August 1912 (41. Jg. – Nr. 224), S. 9 (ONB: ANNO) (Fotografie: Leopold Forstner sen.)
Die nachstehende Fotografie aus dem Museumsarchiv der Stadt Mistelbach zeigt eine Szene der Ausstellung, aufgenommen im Hof der Bürgerschule. Links im Hintergrund ist die Elisabethkirche zu erkennen und sehr prominent ist auch das einstige Gebäude des Kindergartens zu erkennen, das heute unter anderem das Standesamt beherbergt.
Die Preisverleihung im Schulgarten – Bürgermeister Josef Dunkl jun. (1.) und Reichsratsabgeordneter Rudolf Wedra (2.)
Dekorierung des Gendarmerie-Bezirkswachtmeisters Kerda – 1914
Am 2. Mai 1914 wurde dem hiesigen Gendarmerie-Bezirkswachtmeister Gustav Kerda das silberne Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Nach einer kirchlichen Feier, fand im festlich dekorierten Rathaussaal unter Anwesenheit zahlreicher Behördenvertreter, die feierliche Verleihung durch den Abteilungskommandanten Oberleutnant Wundsam statt. In der Bildmitte Bezirkswachtmeister Kerda (sitzend, 6. v. r.) samt Familie und ebenfalls auf dem Bild Bgm. Josef Dunkl (sitzend, 3. v. l.).
Foto: Josef Plaschil, Mistelbach
Wiener Bilder, 17. Mai 1914, S. 7 & S. 21 (ANNO-ONB)
Feierliche Enthüllung „Wehrschild in Eisen“ – 1915
Am Sonntag, dem 10. Oktober 1915 wurde der vom akademischen Maler Josef Reich (Wien) entworfene und vom Mistelbacher Bildhauer Dominik Fill, geschaffene Wehrschild in Eisen enthüllt. In einem Pavillon auf dem Hauptplatz wurde das aus Holz geschaffene Wappen ausgestellt und gegen eine Spende konnten von jedermann Nägel eingeschlagen werden. Der Reinerlös kam den Hinterbliebenen gefallener Krieger aus Mistelbach und Umgebung zugute. Derartige „Kriegsbenagelungen“ waren damals weit verbreitet, berühmtestes Beispiel ist der Wehrmann in Eisen in Wien, und die Ehre den ersten Nagel einzuschlagen wurde Bezirkshauptmann Dokaupil zuteil. Die Veranstaltung wurde vonseiten des Gesangs- und Musikvereins mit patriotischen Chören, unter der Leitung von Oberlehrer Gottfried Ribing umrahmt, und des Weiteren wurde im Rahmen dieses Festakts ein Mistelbacher Soldat mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
Wiener Bilder, 26.12.1915, S. 11 (ANNO-ONB)
Illustrierte Kronenzeitung, 14.10.1915, S. 2 (ANNO-ONB)
Auch die folgende Aufnahme hat den Lauf der Jahre im Museumsarchiv überstanden und zeigt das „Eiserne Wehrschild“ samt Pavillon auf dem Mistelbacher Hauptplatz:
Besuch Erzherzogin Blanka – 1918
Am 15. August 1918 nahm ihre k. u. k. Hoheit Erzherzogin Blanka von Österreich-Toskana mit ihren Kindern, Erzherzogin Maria Immakulata, Erzherzog Anton und Erzherzogin Assunta, an der feierlichen Einweihung eines Pflegerinnenwohnheimes in Wilfersdorf teil. Im Anschluss besuchten die hohen Gäste das Vereins-Reservespital des Roten Kreuzes in Mistelbach, das im Bezirkskrankenhaus sowie im ehemaligen Notspital in der Hochgasse, im Kindergarten (Oserstraße) und im Turnsaal der Knabenschule) untergebracht war und wo sie an die verwundeten Soldaten Rauchwaren verteilten und aufmunternde Worte an diese richteten. Vor der Rückfahrt mit der Bahn waren die Herrschaften noch bei Bezirkshauptmann Franz Dokaupil zu Gast, der ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist. Das untenstehende Bild zeigt die kaiserlichen Hoheiten im Kreise der Rekonvaleszenten im Schulhof.
Foto: Leopold Forstner, Mistelbach
Wiener Bilder, 25.8.1918, S. 6f (ANNO-ONB)
Österreichs Illustrierte Zeitung, 25.8.1918, S. 9 (ANNO-ONB)
Mistelbach in der Zeitung – Teil 1 (1901-1905)
Diese Beitragsreihe aus der Anfangszeit des Blogs wurde im Laufe der Jahre mehrfach überarbeitet, aktualisiert und in einem Nachtrags-Beitrag wurden später entdeckte Fundstücke gesammelt. Diese vormals vier Beiträge wurden nunmehr zu drei chronologisch sortierten Beiträgen zusammengefasst und außerdem wurde die Qualität der Bilder verbessert.
In den Mistelbacher Lokalzeitungen bzw. den Regionalzeitungen fanden sich vor der Mitte des 20. Jahrhunderts kaum Abbildungen, die das Lokalgeschehen dokumentieren. Lediglich das Weltgeschehen oder zumindest Nachrichten von österreichweiter Bedeutung wurden gelegentlich mit Bildern oder Grafiken veranschaulicht. Die Suche von nach in Vergessenheit geratenen lokalhistorisch relevanten Bildern beschränkt sich daher auf die großen, überregionalen Zeitungen und wenn diese über Mistelbach mit einem Foto oder einer sonstigen Abbildung berichteten, so war dies natürlich etwas Besonderes. Festliche Anlässe, kulturelle Veranstaltungen, hohe Besuche, tragische Ereignisse und Skurrilitäten geben einen Einblick in die damalige Lebenswelt. Die gefundenen Bilder wurden, sofern möglich, um weitere in diesem Zusammenhang überlieferte Bilder ergänzt bzw. wurde versucht zusätzlichen inhaltlichen Kontext zum besseren Verständnis zu liefern. Abbildungen, deren Verwendung im Rahmen künftiger oder bereits erschienener Beiträge erfolgt, werden in dieser Beitragsreihe nicht mehr behandelt.
Eröffnung des neuen Amtsgebäudes – 1901
Am 27. Oktober 1901 fand die feierliche Eröffnung des neuen Amtsgebäudes statt, in dem die Bezirkshauptmannschaft, das Gemeindeamt, die städtische Sparkasse, das städtische Museum und das k.k. Eichamt untergebracht wurden. Der Prachtbau, der nach Plänen des Wiener Architekten und k.k. Baurathes Eugen Sehnal von Baumeister Josef Dunkl jun. (später Bürgermeister von 1911 bis 1938) errichtet wurde, kostete rund 400.000 Kronen und wurde von der Stadt gemeinsam mit der städtischen Sparkasse finanziert. 400.000 Kronen im Jahre 1901 entsprechen gemäß dem historischen Währungsrechner der Österreichischen Nationalbank im Jahr 2025 einem Gegenwert von rund 3,6 Millionen Euro.
Das festlich dekorierte Gebäude am Tag der Eröffnung
Die versammelten Ehrengäste, darunter Bürgermeister Thomas Freund (vorne, Mitte links) und der niederösterreichische Statthalter Graf Kielmansegg (vorne Bildmitte)
Das interessante Blatt, 7. November 1901, S. 7 u. S. 10 (ONB-ANNO)
Wiener Bilder, 6. November 1901, S. 9 u. S. 10 (ONB-ANNO)
Währungsrechner der Österreichischen Nationalbank
Verleihung Ehrenmedaille an die Bahnwächterin Brandmeier – 1902
An der Bahnkreuzung Dr. Körner-Straße, die damals zu beiden Seiten der Strecke noch ein Feldweg außerhalb des Ortsgebiets war, befand sich einer der entlang der Staatsbahnstrecke verteilten Bahnwächterposten und hier im Bahnwächterhäuschen Nr. 34 versah das Ehepaar Franz und Therese Brandmeier seinen Dienst. Auf engem Raum lebten und arbeiteten sie hier wohl bereits seit der Eröffnung dieser zwischen Wien und Brünn verlaufenden Strecke im Jahre 1870. Zu den Aufgaben der Bahnwächter gehörte die Sicherung der Bahnübergänge und die Kontrolle des Gleiskörpers bzgl. etwaiger Beschädigungen oder Hindernisse auf einem bestimmten Streckenabschnitt. Die Kommunikation mit den Bahnhöfen bzw. anderen Bahnwächterposten erfolgte mittels eines drahtgebundenen Läutwerks, das auf dem Foto am Dach des Bahnwächterhäuschens erkennbar ist. Im Februar 1902 wurde Frau Brandmeier aus Anlass ihres vierzigjährigen Dienstjubiläums eine Ehrenmedaille verliehen, die sie aus den Händen des Bezirkshauptmanns empfing. Diese im Jubiläumsjahr 1898 vom Kaiser gestiftete Auszeichnung hatte ihr Gatte bereits im Jahr 1900 erhalten. Auch vor ihrer Tätigkeit in Mistelbach dürften die beiden also bereits an anderen Bahnstrecken in dieser Funktion tätig gewesen sein, wie der Bericht nahelegt.
Das mit der Ehrenmedaille für langjährige treue Dienste ausgezeichnete Bahnwächterehepaar Therese und Franz Brandmeier im Jahr 1902
Das Ehepaar Brandmeier vor ihrem Dienst- und Wohnsitz, dem Bahnwächterhäuschen Nr. 34
Foto: Leopold Forstner
Illustrirtes Wiener Extrablatt, 19. Februar 1902 (Nr. 49), S. 5 (ONB: ANNO)
Manöver bei Mistelbach – 1902
Von 10. bis 12. September 1902 fanden in der Umgebung von Mistelbach Militärmanöver statt, die hohen Besuch nach Mistelbach führten. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und Erzherzog Leopold Salvator hielten sich aus diesem Anlass in Mistelbach auf und Franz Ferdinand wohnte für die Dauer dieser Übungen im Haus des Bürgermeisters Thomas Freund.
Empfang von Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand vor dem Haus von Bürgermeister Freund in der Hafnerstraße
Erzherzog Leopold Salvator mit seinem Stab anlässlich der Manöver bei Mistelbach
Wiener Bilder, 17. September 1902, S. 5f (ONB-ANNO)
Im Museumsarchiv finden sich weitere Aufnahmen, die diesen Besuch dokumentieren:
Erzherzog Franz Ferdinand vor dem Warenhaus Freund, Hafnerstraße 11
Erzherzog Franz Ferdinand und die Offiziere des Oberkommandos
(Zweiter von links: Bgm. Freund)
Fotos: Leopold Forstner, Mistelbach
Steiner, Oskar: Mistelbach in alten Ansichten, Band I (1983)
Exl, Engelbert M.: 125 Jahre Stadt Mistelbach – ein Lesebuch (1999), S.205
Schülerkonzerte
Schüleraufführung – 1902
Seit 1897 veranstaltete die Musikschule Kabasta rund um die Weihnachtsfeiertage Schüleraufführungen, deren Reinerlös für die Bekleidung armer Schulkinder gestiftet wurde. Unter der Leitung von Josef Kabasta, dessen großartiges Wirken in Mistelbach als Kirchenmusiker und Musiklehrer im Artikel besonders hervorgehoben wird, fand 1902 ein von seinen Musikschülern gestalteter musikalischer Abend statt, dessen Höhepunkt, die Aufführung des dramatischen Weihnachtsmärchens „Sylvestria, die Waldfee“ war. An beiden Tagen fanden die Aufführungen vor einem vollbesetzten Rathaussaal (Hotel Rathaus) statt, wurden begeistert aufgenommen und endeten jeweils mit einer Kaiserhuldigung und dem Absingen des „Kaiserliedes“.
Die Darsteller des Weihnachtsmärchens „Sylvestria“
Das interessante Blatt, 8. Jänner 1903, S. 6 (ONB-ANNO)
Schülerkonzerte 1904 & 1905
Neben dem Barnabitenorden war es auch zahlreichen Bürgern ein Anliegen, dass Mistelbach eine höhere Schule bekommen sollte und so wurde 1901 der „Verein zur Gründung einer Mittelschule“ ins Leben gerufen. Um finanzielle Mittel für diesen Zweck zu lukrieren, wurden in den Jahren 1904 und 1905 auf Initiative der Mistelbacher Schüler und unter der Leitung von Elise Feigl, einer Studentin am Konservatorium Wien, Schülerkonzerte veranstaltet, deren Reinertrag der Schulerrichtung gewidmet war. Diese Konzerte bestanden meist aus einer Reihe von Einzelvorträgen der Kinder und Jugendlichen, gemeinsam gespielten Stücken, und immer auch aus „lebenden Bildern“ (auch „Tableau vivant“ genannt – Darstellung von Werken aus der Malerei durch lebende Personen) bzw. einem Theaterspiel. Das Bewusstsein, dass mit diesen Veranstaltungen nur ein sehr kleiner Beitrag für die Finanzierung der Mittelschule geleistet werden konnte und das Ziel somit ein langfristiges war, belegt folgendes Zitat aus einem der Artikel: „Ach! Ein schönes Gebäude ist teuer und Lehrmittel kosten viel und so wird es bei allem Eifer der Mitwirkenden wohl möglich sein, daß den Dank der ersten Maturanten ihre Großeltern empfangen.“ Diese Prophezeiung war sehr treffend, sollte es doch bis 1963 dauern, bis Mistelbach mit dem musisch-pädagogischen Realgymnasium endlich eine höhere Schule bekam. Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Vorhaben durch die Errichtung einer Mittelschule 1911 im nahen Laa a.d. Thaya erheblich erschwert worden war.
Schülerkonzert 1904 – Konzert und Festspiel „Schneewittchen“ (Leitung: Elise Feigl)
Schneewittchen (Aloisia Feigl), Königin (Hilda Blaimschein), Prinz (Wilhelm Ley), weitere Mitwirkende: Irma Putz, Max Eybel, Anna Wiesinger, Bertha Boril, Theresia Roller, Elsa Ribing, Emma Schallgruber, Mizzi Hoch
Das interessante Blatt, 26. Mai 1904, S. 6 (ONB-ANNO)
Schülerkonzert 1905 – Konzert und Festspiel „Aschenbrödel“ im Gasthaus Putz (heute Gh. Schilling) unter der Leitung der Konservatoristin Elise Feigl
Mitwirkende: Franz Kauba, Hermine Reumann, Marie Kocher, Willy Ley, Max Eibel, Käthi Toch, Resi Roller, Berta Boril, Elsa Ribing, Hilda Blaimschein, Theresia Toch, Emma Schallgruber
Das interessante Blatt, 27. April 1905, S. 2 (ONB-ANNO)
Bote aus Mistelbach, 15/1905, S. 5
Schülerkonzert 1907
Anfang Juli 1907 veranstaltete die Musikschule Kabasta ein Konzert im Garten des Hotel Rathaus (einem Teil des heutigen Stadtparks). Höhepunkt dieser Veranstaltung war die Aufführung des Liederfestspiels “Gott erhalte unsern Kaiser”, bei dem die Kinder in verschiedenen Nationaltrachten der Monarchie auftraten. Musikschulleiter Josef Kabasta (auch Leiter der Kirchenmusik in der Stadtpfarrkirche und Vater des späteren Dirigenten und Komponisten Oswald Kabasta) war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank und verstarb wenige Tage später.
Ein Abzug dieses Fotos wurde in den 60er Jahren dem Heimatmuseum geschenkt und Museumsleiter OSR Fritz Bollhammer vermerkte handschriftlich die darauf abgebildeten Personen:
1. Reihe v.l.n.r.: Martha Kalina (verehel. Foitl), Karl Herm, Hermine Nebel (verehel. Vogl), Helene Mühl (verehel. Bollhammer), Adolf Wessely (Ladendorf), Frieda Schmied
2. Reihe v.l.n.r.: Frieda Haring, Katharina Herger (verehel. Schneider), Katharina Schnaß (verehel. Breit), Marie Blaschke, Aulenia (?) Fischer, Leopoldine Kleinböck, Maria Putz (Filippinetti)
Sitzend links: Oswald Kabasta
Sitzend rechts: Karl Bollhammer
Diese rund 60 Jahre später (!) erfolgte Identifikation der abgebildeten Personen, weicht ein wenig von einem über die Aufführung berichtenden Artikel im Mistelbacher Bote ab. Übereinstimmend erwähnt der Bericht als „Austria“ Frl. Fischer, Oswald Kabasta und Mitzi Blaschke (verehel. Sillaba). Als weitere Mitwirkende werden allerdings u.a. Anna Maria und ihre Schwester Maria Reumann (die spätere Künstlerin Myssa Grassl), Maria Forstner (die Tochter des Fotografen Forstner) und Franz Gally genannt.
Österreichische Illustrierte Zeitung, 21. Juli 1907, S. 7, (ONB-ANNO)
Mistelbacher Bote, 28/1907, S. 4
Mistelbacher Gemeindezeitung, 4/1996, S. 36
Die Lehrlingsarbeiten-Ausstellung in Mistelbach – 1903
Diese Veranstaltung wurde vom Niederösterreichischen Gewerbeverein initiiert und war Teil einer Veranstaltungsreihe, die zu jener Zeit in verschiedenen Städten des Landes abgehalten wurde. Die Ausstellung lockte zahlreiche Besucher an und konnte im Zeitraum vom 27. September bis 4. Oktober 1903 in den Räumlichkeiten des Hotel Rathaus (heute: Erste Bank) besichtigt werden. Der Obmann des Organisations-Komitees, Baumeister Josef Dunkl jun, konnte bei der Eröffnung Lehrlinge aus dem gesamten Bezirk und aus zwanzig verschiedenen Handwerksberufen vom Bäcker bis zum Zimmermann begrüßen, die vor großem Publikum ihr Können bzw. ihre Werke präsentieren. Zum Abschluss wurden die besten Leistungen prämiert.
Ilustrirtes Wiener Extrablatt, 5. Oktober 1903, S. 1 (ONB-ANNO)
Bote aus Mistelbach, Nr. 40/1903, S. 6
Bote aus Mistelbach, Nr. 41/1903, S. 5f
Foto: Leopold Forstner, Mistelbach
Ehrung Bürgermeister Thomas Freund – 1904
Im Dezember 1904 wurde unter dem Titel „Der Ehrentag des Bürgermeisters von Mistelbach“ über die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone an den seit 1888 im Amt befindlichen Bürgermeister Thomas Freund berichtet. Der Orden wurde ihm von Bezirkshauptmann Freiherr Klezl von Norberg im Gemeindesitzungssaal feierlich überreicht und anschließend wurde zu einem Festbankett geladen. Im Zuge der Feierlichkeiten wurde auch untenstehende Aufnahme des Mistelbacher Gemeindeausschusses (ein Mitglied ist jedoch abwesend) angefertigt. Bereits am Vorabend veranstalteten die Vereine der Stadt einen Fackelzug zur Wohnung des Bürgermeisters und eine Abordnung bestehend aus den Vereinsobmännern und Gemeindevertretern überbrachte dem Bürgermeister ihre Glückwünsche, umrahmt von einem Ständchen des Gesangs- und Musikvereines. Anschließend zog der Festzug weiter zum neuernannten Ehrenbürger der Stadt, Altbürgermeister Josef Strasser, und brachte auch diesem Ovationen dar.
Bürgermeister Thomas Freund und die Mitglieder des Mistelbacher Gemeindeausschusses mit dem Gemeindesekretär – sitzend: v. l. n. r.: Ignaz Mühl jun., Josef Konrad Strasser, Franz Koblischek, Bgm. Thomas Freund, Heinrich Westermayr, Dr. Rudolf Schaschetzy, Michael Eibl (?); stehend: v. l. n. r.: Emil Hackl, Jakob Augustin (?), Gustav Edhofer, der spätere Bürgermeister Josef Dunkl, Heinrich Gussenbauer, Gemeindesekretär Alexander Zickl, Adam Friedrich, Mathias Grabler, Felix Roller, Michael Heindl, Friedrich Hacker, Martin Waberer, Mathias Schamann
Das interessante Blatt, 22. Dezember 1904, S. 3 u. S. 6 (ONB-ANNO)
Bote aus Mistelbach, Nr. 50/1904, S. 5f
25 Jahre Freiwillige Feuerwehr Mistelbach – 1904
Im Juni 1904 feierte die freiwillige Feuerwehr Mistelbach ihr 25-jähriges Bestehen im Rahmen des 6. Bezirksfeuerwehrtages und unter Beteiligung zahlreicher Wehren aus der Umgebung. Im Zuge der Feierlichkeiten wurden sechzehn Mitglieder geehrt, die der Feuerwehr seit ihrer Gründung im Jahre 1879 angehörten, und die in Anerkennung ihrer Treue und ihres Einsatzes jeweils einen von der Stadt gestifteten goldenen Ring erhielten.
Die Jubilare wurden auf einem Foto verewigt. Der Gründer und Ehrenhauptmann August Lubovienski (sitzend 4. v. l.), Dr. Johann Toch (sitzend 3. v. l.), Josef Konrad Strasser (stehend 4. v. l.), weiters auf dem Bild: Feuercommissär Michael Hofecker, Franz Nosisk, Johann Busch, Vincenz Gröger, Franz Gröger, Anton Gössinger, Franz Hrachowina, Josef Hobersdorfer, Leopold Löwenrosen, Leopold Misch, Franz Schallgruber, Leopold Stubenvoll und Friedrich Willibacher
Illustrirtes Wiener Extrablatt, 20. Juni 1904, S. 7 (ONB: ANNO)
Brand in Paasdorf – 1905
Am 5. August 1905 brach um etwa 15:15 Uhr in Paasdorf ein verheerender Großbrand aus, der trotz der vereinten Kräfte der Feuerwehren Paasdorf, Atzelsdorf, Mistelbach, Ladendorf und Hüttendorf nur unter größtem Einsatz bekämpft werden konnte und bis in den späten Abend wütete. 15 Objekte (Häuser u. Wirtschaftsgebäude) von zehn verschiedenen Besitzern wurden ein Raub der Flammen. Beim Versuch der Rettung ihres Hab und Guts zog sich die Witwe Maria Westermayer schwere Brandverletzungen zu, denen sie wenige Tage später im Wiener Franz Josef Spital erlag. Als Brandstifterin wurde das aus Atzelsdorf stammende und in Paasdorf in Dienst stehende 16-jährige Kindermädchen Therese Kunst in Haft genommen. Sie gestand auch für einige kleinere Brände der Vergangenheit in Paasdorf und Kettlasbrunn verantwortlich zu sein.

Foto: Leopold Forstner, Mistelbach
Das interessante Blatt, 17. August 1905, S. 2 (ANNO-ONB)
Illustrierte Kronen Zeitung, 15. August 1905, S. 9 (ONB-ANNO)
Bote aus Mistelbach, Nr. 32/1905, S. 4f
Bote aus Mistelbach, Nr. 33/1905, S. 4
Landes-Wein-Ausstellung 1905 im Viertel unter dem Manhartsberg
Am 21. und 22. Februar 1905 fand die eine Weinausstellung statt, zu der Weinproduzenten aus allen Teilen des Viertels unter dem Manhartsberg (= das heutige Weinviertel) nach Mistelbach kamen, und diese Veranstaltung sollte den Wein aus heimischer Produktion bewerben und neue Absatzquellen erschließen. Hohe Festgäste wohnten der Eröffnung der Weinausstellung bei, die auch eine Weinhauergeräte-Ausstellung und eine Weinkost, samt Prämierung der besten Weine, umfasste. Proben von rund 1500 Weiß- und Rotweinen konnten im Rahmen dieser Veranstaltung verkostet werden, mittels derer Absatzmöglichkeiten für insgesamt 20.000 Hektoliter Wein gesucht wurden. Es war dies bereits die achte vom landwirtschaftlichen Bezirksverein Mistelbach veranstaltete, und von Weinbauinspektor Karl Katschthaler organisierte, Weinausstellung in Mistelbach. Zahlreiche Gastwirte und Weinhändler aus Wien, Niederösterreich und Mähren deckten ihren Bedarf mit den angebotenen Weinen und somit war die Ausstellung samt Weinmarkt ein großer Erfolg.
Ehrengäste – Bgm. Freund (5. v. l.), k.k. Ackerbauminister Graf Buquoy und der Statthalter von Niederösterreich Graf Kielmansegg (Bildmitte im Vordergrund)
Die Töchter der Weinproduzenten waren als Verkäuferinnen tätig
Die Weinausstellung bzw. der Weinmarkt fanden im Gasthaus zum „Weißen Rössl“ und im Turnsaal statt. Auf obenstehendem Bild ein Blick in den Turnsaal bei der Eröffnung der Landes-Weinausstellung 1905
Fotos: Leopold Forstner, Mistelbach
Das interessante Blatt, 2. März 1905, S. 3 (ONB-ANNO)
Neuigkeits-Welt-Blatt, 23. Februar 1905, 9. Bogen des Neuigkeits-Welt-Blatts (ONB-ANNO)
Wie bereits erwähnt wurden ausgewählte Weine mit Medaillen prämiert und nachfolgende Abbildung zeigt Vorder- und Rückseite einer im Rahmen dieser Weinausstellung verliehenen Silbermedaille:

Mistelbacher Ansichtskartenverleger
Eine zeitliche Einordnung von historischen Ansichtskarten kann in der Regel nur durch den Poststempel oder durch ein vom Absender vermerktes Datum erfolgen. Fehlen Stempel und Datum, wie etwa bei ungelaufenen Karten oder jenen bei denen die Briefmarke (samt darauf befindlichem Stempel) im Laufe der Zeit von Sammlern entfernt wurde, können eventuell noch durch das Motiv (bestimmte Bauten oder Einrichtungen) oder sonstige Besonderheiten Rückschlüsse auf den Entstehungszeitpunkt der Karte gezogen werden. Fehlen auch diese wird es oft schwer und auch das Datum des Poststempels erlaubt nicht immer eine korrekte zeitliche Einordnung, denn gelegentlich wurden Ansichtskarten erst viele Jahre nachdem sie herausgegeben wurden tatsächlich versandt. In solchen Fällen kann es nützlich sein sich an dem zumeist auf der Ansichtskarte vermerkten Verleger zu orientieren. Ähnlich dem Beitrag Fotografen in Mistelbach vor 1945 soll durch den vorliegenden Beitrag Hilfestellung bei der näheren zeitlichen Bestimmung von Ansichtskarten der Stadt Mistelbach durch Auflistung der überlieferten hiesigen Ansichtskartenverleger samt ungefährer Angabe ihres Tätigkeitszeitraums, gegeben werden. Die nachfolgende Auflistung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beschränkt sich auf einst in der Stadt Mistelbach (ohne heutige Katastralgemeinden) ansässige Verleger. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war es üblich, dass Geschäfts- bzw. Kaufleute und Gastwirte Werbeansichtskarten herausbrachten, die ihre Betriebe zeigten. In die nachfolgende Auflistung wurden jedoch ausschließlich Verleger aufgenommen, deren Ansichtskarten nicht nur ihre eigenen Unternehmen zeigten.
Thomas Freund (etwa 1898 bis 1910?)
Bürgermeister Thomas Freund führte seit dem Jahr 1876 ein Kaufhaus im Kreuzungsbereich Hafnerstraße/Wiedenstraße und zu dem ungeheuer umfangreichen Warenangebot seines Geschäfts zählten auch Ansichtskarten. Neben Werbeansichtskarten für sein Geschäft sind aus seinem Verlag viele verschiedene Ansichten von Mistelbach und beispielsweise auch aus Ebendorf überliefert. Das Kaufhaus wurde unter dem Namen des Gründers von der Familie bis ins Jahr 1957 weitergeführt, Ansichtskarten dürften seit dem Ersten Weltkrieg jedoch keine mehr herausgegeben worden sein.
Johann Pemsel (zweite Hälfte 1890er)
übernahm 1896 das Kaufhaus von Franz Czinglar an der Adresse Hauptplatz Nr. 33. Eine wohl vor 1900 im Verlag Johann Pemsel erschienene Ansichtskarte ist überliefert. 120 Jahre betrieb die Familie Pemsel an dieser Adresse ein Geschäft, dass sich im Laufe der Zeit von einer Gemischtwarenhandlung zu einem Bekleidungsgeschäft entwickelte.
Zapletal & Comp. (1899 bis etwa 1903?)
Vom Fotografen Adolf Zapletal sind drei Ansichtskarten (Mistelbach, Lanzendorf und Ebendorf) überliefert. Zapletal war zuvor bereits seit vielen Jahren als Tapezierer in Mistelbach ansässig und besaß seit 1899 die Gewerbeberechtigung als Fotograf. Seine Tätigkeit als Fotograf bzw. Ansichtskartenverleger unter dem Namen „Zapletal & Comp.“ dürfte wohl nur von eher kurzer Dauer gewesen sein und überhaupt ist sein weiteres Schicksal unklar. Mehr zu Zapletal findet sich im Beitrag Fotografen in Mistelbach vor 1945
Marie Bieberle (1897 bis 1900?)
Der aus Ernstbrunn stammende Fotograf Franz Bieberle ließ sich 1893/94 in Mistelbach nieder, verstarb allerdings bereits 1897. Marie Bieberle führte das fotografische Atelier dann im Witwenfortbetrieb für ein paar Jahre weiter – wie lange ist unklar. Eine im Jahr 1899 gelaufene Ansichtskarte belegt, dass auch sie Ansichtskarten herausgab. Mehr zu Bieberle findet sich im Beitrag Fotografen in Mistelbach vor 1945
Leopold Forstner sen. (1901 bis etwa 1914)
Der Fotograf Leopold Forstner sen. kam im Jahre 1901 nach Mistelbach und verlegte viele seiner fotografischen Aufnahmen als Ansichtskarten und entfaltete in diesem Bereich bis etwa zum 1. Weltkrieg eine rege Geschäftstätigkeit. Obwohl das Unternehmen nach 1926 von seiner Witwe und Sohn bzw. Tochter weitergeführt wurde, finden sich aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg keine weiteren Ansichtskarten. Mehr zu Forstner findet sich im Beitrag Fotografen in Mistelbach vor 1945
Anton Kapitan (1905 bis 1925)
betrieb ab 1905 eine Buchhandlung im Haus Hafnerstraße Nr. 2 und war ein eifriger Ansichtskartenverleger.154 Besonders bekannt sind die von ihm um das Jahr 1910 herausgegebenen kolorierten Ansichten von Mistelbach. Er verstarb Anfang 1925 und seine Nachfolger als Unternehmer bzw. am Standort finden sich untenstehend.
Josef Plaschil (1906 bis etwa 1925)
Der Fotograf Josef Plaschil kam 1906 nach Mistelbach und eröffnete an der Adresse Hauptplatz Nr. 15 sein Atelier. In den ersten Jahren brachte er einige Aufnahmen von Mistelbach bzw. verschiedenen Orten in der Umgebung als Ansichtskarten heraus. Die Zahl der überlieferten Ansichtskarten ist allerdings überschaubar, und ab Mitte der 1920er Jahren finden sich kaum mehr von ihm erstellte Ansichtskarten, obwohl er sein Gewerbe als Fotograf bis in die 1950er Jahre ausübte. Mehr zu Plaschil findet sich im Beitrag Fotografen in Mistelbach vor 1945
Rosa Lehner (1925 bis 1936)
eröffnete im Jahre 1925 ihre Buchhandlung in der Hafnerstraße Nr. 2 und zwar in jenen Geschäftsräumlichkeiten, in denen zuvor Anton Kapitan sein Geschäft geführt hatte. Sie hatte jedoch nicht die Warenvorräte bzw. die Geschäftsausstattung von Kapitan übernommen und war somit lediglich Nachfolgerin an Ort und Stelle, aber nicht in wirtschaftlichem Sinne, wie sie in einem Inserat klarstellte (bzw. klarstellen musste). Die meisten überlieferten Ansichtskarten aus den 1920er Jahren stammen von ihr. 1936 verkaufte sie ihr Unternehmen an Ludmilla Kothbauer.155
Adolf Rempl (Mitte 1920er bis 1930er Jahre)
ließ sich ab 1919 als Buchbinder in Mistelbach nieder und übernahm die Buchbinderei samt Papierhandlung von Eduard Steinhauser an der Adresse Hauptplatz Nr. 21 (bis etwa 1913 hat diese an der Adresse Hauptplatz Nr. 19 befunden). Nach dem Tod von Anton Kapitan 1925 übernahm Rempl dessen Buchhandlung, die er in sein Geschäft am Hauptplatz überführte. Neben dem Weitervertrieb von Restbeständen aus dem Nachlass von Kapitan dürfte Rempl eigene Ansichtskarten wohl erst in den 1930er Jahren verlegt haben. Die Buchhandlung Rempl existierte bis Anfang der 1960er Jahre. 156
Josef Ferdiny (1930er Jahre)
Buchbindermeister Ferdiny übte sein Handwerk ab 1919 zunächst in Kellerräumlichkeiten am Südtiroler Platz bzw. ab 1932 an der Kreuzgasse Nr. 25 selbstständig aus und trat auch als Ansichtskartenverleger in Erscheinung. Jedenfalls ist eine von ihm herausgegebene Ansichtskarte aus dem Jahr 1930 überliefert, die die Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz zeigt.
Kothbauer & Co. (1936 bis 1950er Jahre?)
Im Februar 1936 übernahm Ludmilla Kothbauer die Papier- und Buchhandlung von Rosa Lehner und verlegte diese in das ihr gehörende, gegenüber liegende, Haus Hafnerstraße Nr. 7. Von November 1940 bis etwa 1942 war das Geschäft an Leopoldine Mayer, verehelichte Selinger, verpachtet. Die Papier- und Buchhandlung Kothbauer & Co. gab in den 1930er Jahren bzw. während des 2. Weltkriegs Ansichtskarten heraus. Ob bzw. wie lange die Tätigkeit als Ansichtskartenverlag nach dem Krieg fortgeführt wurde, ist unklar. Der Betrieb übersiedelte 1954 wenige Häuser weiter an die Adresse Hauptplatz Nr. 26 und bestand dort bis ins Jahr 1985.157
Leopoldine Selinger (1940er bis 1960er Jahre?)
führte ab 1. November 1940, zunächst noch unter ihrem Mädchennamen Leopoldine Mayer, die Buch- und Papierhandlung Kothbauer als Pächterin158, ehe sie schon bald darauf – vermutlich 1942 – eine eigene Buch- und Papierhandlung an der Adresse Bahnstraße Nr. 2 eröffnete.159 Im Jahr 1951 verlegte sie ihr Geschäft schräg gegenüber an die Adresse Bahnstraße Nr. 1.160 Aus den Kriegsjahren ist eine von Selinger herausgegebene Ansichtskarte überliefert, ob und wie lange danach noch weitere Ansichtskarten verlegt wurde ist nicht überliefert. Die Buchhandlung existierte bis Anfang der 2000er Jahre, zuletzt durch den Domverlag gepachtet, an dieser Adresse
Wilhelm Puchner (1947 bis 1960er?)
stammte ursprünglich aus Oberösterreich und übernahm 1947 das von der Witwe von Leopold Forstner jun. geführte „zweite“ Forstner Fotoatelier an der Adresse Hauptplatz Nr. 17.161 Nach dem Tod Puchners im Jahre 1960 wurde der Betrieb von der Witwe bzw. den Kindern weitergeführt und in weiterer Folge an die Adresse Hauptplatz Nr. 30 verlegt.
Quellen:
Schubertgasse
Eine der Gassen in der 1916 eröffneten Flüchtlingsstation südlich des Bezirkskrankenhauses erhielt mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 4. April 1925 den Namen „Schubertgasse“.162 Der Namensgeber Franz Schubert (*1797, †1828), zweifellos einer der bedeutendsten Komponisten Österreichs, war besonders bei den Musik- und Gesangsvereinen, die sich ab der Mitte des 19. Jahrhundert im gesamten deutschsprachigen Raum bildeten und das kulturelle Leben maßgeblich prägten, sehr populär. Diese Tatsache manifestiert sich auch in Schuberts Beinamen „Meister des deutschen Liedes“. Natürlich wurde Schubert auch von den Mitgliedern des 1864 gegründeten Mistelbacher Männergesangsvereins bzw. des 1892 gegründeten Musik- und Gesangsvereins verehrt. Daher verwundert es nicht, dass der Komponist nicht nur als Namenspate einer Straße in Erscheinung trat, sondern sich auch in anderen Formen im Stadtbild präsent ist beziehungsweise war.
„Schubertstüberl“
Einer der prägenden Akteure im Musikleben Mistelbachs an der Wende zum bzw. im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war der ursprünglich aus Langenlois stammende Zuckerbäcker Martin Bollhammer, der über viele Jahre auch dem Musik- und Gesangsverein als Obmann vorstand. Bollhammer war auch Mitglied des Wiener Männergesangsvereins und Vater des nachmaligen Schuldirektors und langjährigen Leiters des Heimatmuseums Fritz Bollhammer sowie des Staatsopernsängers Karl Bollhammer. Schon seit 1909 hatte Martin Bollhammer die Berechtigung in seiner Konditorei auch Heißgetränke zu verabreichen, aber erst Anfang 1926 scheint er seinen an der Adresse Hauptplatz Nr. 17 bestehenden Betrieb um ein Kaffeehaus – das Café Bollhammer – erweitert zu haben.163 Für das Kaffeehaus etablierte sich umgangssprachlich bald der Name „Schubertstüberl“ und in diesem Zusammenhang ist es wohl anzunehmen, dass sich im Lokal des großen Schubert-Verehrers Bollhammer an prominenter Stelle eine Büste oder ein Bild Schuberts befunden haben dürfte.
Feierlichkeiten Schubertjahr 1928 – Gedenkstein – Schubertlinde – kein (!) „Schubertpark“
Das Jahr 1928, als sich der 100. Todestag des Meisterkomponisten jährte, ging als Schubertjahr in die Geschichte ein und allerorts und selbstverständlich auch in Mistelbach wurde dem musikalischen Genie gehuldigt. Der Reigen der Feierlichkeiten begann am 19. November 1928 als die Knaben- und die Mädchenschule im Saal des Gasthauses Putz-Filippinetti eine gemeinsame Schubert-Gedächtnisfeier abhielten, bei der die Schüler und Schülerinnen Werke Schuberts zum Vortrag brachten. Am 25. November fanden schließlich die vom Musik- und Gesangsverein Mistelbach veranstalteten Feierlichkeiten zu Ehren Schuberts statt und selbige begannen bereits vormittags mit einem Konzert auf dem Hauptplatz. Im Anschluss daran marschierte ein Festzug in Richtung Landesbahnpark (=Liechtensteinpark), wo unter zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung und der Honoratioren der Stadt eine Schubertlinde gepflanzt und ein Gedenkstein enthüllt wurde. Wenig überraschend gelangte im Zuge Feierlichkeiten auch Schuberts bekanntestes Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore“ – dessen ursprünglicher Titel „Der Lindenbaum“ lautete – zum Vortrag.164 Früher war es üblich zur bleibenden Erinnerung an bedeutende Ereignisse einen Baum zu pflanzen und der Lindenbaum war für diese Zwecke besonders beliebt. Zeugnis davon geben anlässlich von Thron- bzw. Geburtstagsjubiläen der Herrscher gepflanzte „Kaiserlinden“ (siehe hierzu auch den Beitrag Kaiser Franz Joseph I. und Mistelbach) und insbesondere auch bezugnehmend auf das bereits erwähnte Lied wurden zu Schubert-Jubiläen ebenfalls häufig Lindenbäume gepflanzt.
Der Landesbahnpark erstreckte sich ursprünglich auf beiden Seiten der Josef Dunkl-Straße bzw. auf der gesamten Länge der Landesbahnstraße und wurde anfangs auch als Jubiläumsanlage bezeichnet bzw. ist bis heute der Name Liechtensteinpark gebräuchlich. Hintergrund dieses Namens ist die Tatsache, dass der Grund, auf dem sich der Park befindet, auch heute noch im Besitz der Fürstenfamilie Liechtenstein steht, und selbiger von der Gemeinde nach der Eröffnung der Landesbahnstrecke zwecks Errichtung einer Parkanlage lediglich unbefristet gepachtet wurde. Detailliert wird die Geschichte dieses Parks im Beitrag Landesbahnpark (Liechtensteinpark) dargestellt. Der Mistelbacher Gemeinderat fasste nach der Errichtung des Gedenksteins in der Sitzung vom 1. Dezember 1928 auch den Beschluss die Parkanlage in „Schubertpark“ umzubenennen.165 Dieser Beschluss erfolgte jedoch explizit vorbehaltlich der Zustimmung des Grundeigentümers, und diese dürfte augenscheinlich nicht gewährt worden sein, denn nach diesem Beschluss wurde dieser Park nie wieder als Schubertpark bezeichnet. Ob die Fürstenfamilie Anstoß an der schlichten Tatsache nahm, dass ihr Name aus der Bezeichnung des Parks verschwunden wäre – immerhin sollte der Park an das 50-jährige Regierungsjubiläum des großen Unterstützers Mistelbachs, Fürst Josef II. erinnern – oder andere Vorbehalte gegen die Umbenennung bestanden, ist unklar.
1967 erwarb die Eigentümergemeinschaft der knapp zwei Jahre zuvor nebenan errichteten Häuser der Wohnbaugenossenschaft Frieden, den kleineren, jenseits – also auf der Seite des Staats- bzw. Ostbahnhofs – gelegenen Teil der Parkanlage von der Familie Liechtenstein, um darauf Garagen und einen Spielplatz zu errichten. Damit wurde jener Teil in dem sich das Schubertdenkmal und die Schubertlinde befanden zu nicht mehr frei zugänglichem Privatgrund. Daher wurde der Schubertgedenkstein in den Mistelbacher Stadtpark versetzt, wo er bis heute steht.166 Auf dem abgekommenen Teil des Landesbahn-/Liechtensteinparks stehen übrigens heute noch mehrere alte Linden und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit befindet sich unter diesen auch die 1928 gesetzte Schubertlinde.
Der Schubertgedenkstein an seinem heutigen Standort im Stadtpark
Wo befindet sich die Schubertgasse?
Quellen:
Zayagasse
Während des Ersten Weltkriegs entstand unterhalb des Bezirkskrankenhauses mit der Flüchtlingsstation ein neuer, etwas außerhalb des bebauten Ortsgebiets gelegener Stadtteil. Die westlich, also stadteinwärts an die Flüchtlingsstation angrenzenden Äcker, hatte der Staat als Areal für eine allfällige Erweiterung der Flüchtlingsstation angekauft. Hierzu kam es nicht und in der großen Wohnungsnot nach Ende des Ersten Weltkriegs waren nicht nur die nach der Heimkehr der Flüchtlinge leerstehenden Häuser sehr begehrt, sondern es herrscht bald auch Bedarf an Baugründen für Einfamilienhäuser. Mitte der 1920er Jahre wurden also die erwähnten, mittlerweile in den Besitz der Gemeinde übergegangenen Grundstücke zu Baugründen aufgeschlossen und es entstand eine neue Siedlung im Bereich zwischen Zayagasse, Liechtensteinstraße, Michael Hofer-Zeile und Schillergasse. Gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 4. April 1925 erhielt die am Rande dieser Siedlung befindliche und entlang der Mistel verlaufende, zur Zaya führende, Straße den Namen „Zayagasse“.167 Natürlich existierte hier entlang der Mistel schon lange vor der Errichtung der Siedlung ein Feldweg, der den Landwirten als Zufahrtsweg zu ihren Feldern diente und das Erscheinungsbild eines Feldwegs sollte diese Straße wohl noch einige Jahre nach ihrer Benennung beibehalten. Interessanterweise trägt aber heute nicht nur der neben der Mistel verlaufende Straßenzug, sondern auch jener, der zur Liechtensteinstraße führt, den Namen „Zayagasse“. Im Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahre 1932, mit dem die Haydngasse ihren Namen erhielt, steht allerdings explizit zu lesen, dass diese sich von der Mitschastraße, über die Mistelbrücke bis zur Liechtensteinstraße erstreckt. Ob es jemals einen entsprechenden Änderungsbeschluss gab, oder ob sich diese den Beschlüssen widersprechende Benennung im Verlauf der Jahre einfach etablierte, ist unklar.
Die Zayagasse Anfang/Mitte der 1930er Jahre: von einer Straße kann wohl nicht gesprochen werden, eher von einem Feldweg mit sehr schlängelndem Verlauf. Gelbe Punktlinie: die Zayagasse entlang der Mistel; grüne Punktlinie: jener Teil der Zayagasse, der zur Liechtensteinstraße führt. Das Gelände, auf dem 1937 die Kaserne errichtet wurde, bestand damals noch aus Äckern.
Im November 1963 erfolgte der Baubeginn für die Wohnhausanlage Zayagasse 2-6168, auf einer bis dahin großteils unverbauten Fläche. Zuvor befand sich jedenfalls ab 1931 an dieser Stelle bzw. nahe dem Kreuzungsbereich Haydngasse/Zayagasse der Platz des kurz zuvor gegründeten „Mistelbacher Tennis-Klubs“, der auf obigem Bildausschnitt auch gut erkennbar ist.169 Einen „Lawn-Tennis-Verein“ gab es in Mistelbach allerdings bereits seit 1902170 – es existierten in den 1930er Jahren somit zwei Tennisvereine, wobei der ältere Verein zuletzt unter der Führung von Dr. Otto Stadler, einem der führenden Nationalsozialisten Mistelbachs, stand.171 Nachdem in der Vereinsführung und unter den Mitgliedern des „jüngeren“ Tennis-Klubs zumeist Juden aufscheinen, wurde dieser in der Literatur, die sich mit dem jüdischen Leben Mistelbachs befasst, als „jüdischer Tennisverein“ bezeichnet172, obwohl selbiger jedenfalls anfangs augenscheinlich allen Tennis-Interessierten offenstand.173 Es scheint durchaus plausibel, dass die Vereinsgründung eine Reaktion auf Entwicklungen des Lawn-Tennis-Vereins hin in eine völkische und antisemitische Richtung gewesen sein könnte. Möglicherweise waren Juden im alten Tennisverein nicht (mehr) erwünscht oder man hatte gar wie einige andere Mistelbacher Turn- und Sportvereine lange vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten einen Arierparagrafen in die Vereinsstatuten aufgenommen. Mit dem Jahr 1938 kam wenig verwunderlich das Ende des „Mistelbacher Tennis-Klubs“ und der Platz wurde in den 1950er Jahren als Stand- und Lagerplatz für den Wohnwagen bzw. die Fahrgeschäfte des in Mistelbach ansässigen Schaustellers Kastlunger genutzt.174
Die Fortsetzung der Zayagasse über die Landesbahnstrecke hinaus in Form eines Fußgänger- bzw. Radweges erhielt 2003 den Namen Hofrat Thurner-Promenade.
Wo befindet sich die Zayagasse?
Quellen:
Thurner, Dipl.-Ing. Walter
wirkl. Hofrat Dipl.-Ing. Walter Thurner
* 26.8.1920, Mistelbach
† 18.9.1996, Weidling bei Klosterneuburg
Walter Hans Thurner wurde als dritter von vier Söhnen in die Familie von Leopold Thurner, Sekretär des Bezirksarmenrates und in dieser Funktion auch Verwalter des Bezirkswaisenhauses175, und dessen Gattin Barbara im Jahre 1920 in Mistelbach geboren.176 Den Namen Thurner führte die Familie erst seit dem Jahr 1919, denn eigentlich hieß Thurners Vater Schebesta und nachträglich änderte das zu diesem Zeitpunkt bereits seit 11 Jahren verheiratete Ehepaar den gemeinsamen Namen auf Thurner – den „Mädchennamen“ der Mutter.177 Die Hintergründe für diese Namensänderung sind nicht bekannt, allerdings waren Namensänderungen von tschechischen bzw. slawischen Namen – und um einen solchen handelt es sich bei der eingedeutschten Form Schebesta (ursprünglich wohl Šebesta) – damals recht häufig. In Mistelbach herrschte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein betont deutschnationales Klima und unabhängig davon, ob sie nun politisch im nationalen Lager standen, legten viele Menschen dem Zeitgeist entsprechend Wert auf „deutsch“ bzw. „germanisch“ klingende Namen. Darüber hinaus waren in der jungen Republik Namensänderungen deutlich einfacher zu bewerkstelligen als zu Zeiten der Monarchie – es gab hier also so etwas wie einen Nachzieheffekt. Walter Thurner war somit der erste Sohn der Familie, der bereits mit dem geänderten Namen geboren wurde. Die Familie lebte jedenfalls ab der Geburt Walters an der Adresse Oserstraße Nr. 23, also in einer Wohnung in einem der sogenannten Meeß-Häuser.
Die Familie Thurner in der Nachkriegszeit – Die Brüder Walter (rotes X), Godfried, Heinrich und Hermann gemeinsam mit ihren Eltern Barbara und Leopold Thurner
Die familiären Verhältnisse, in denen Thurner aufwuchs, können wohl als kleinbürgerlich, und stark vom katholischen Glauben geprägt, bezeichnet werden. Außergewöhnlich für die damalige Zeit ist die Tatsache, dass es der Familie gelang allen vier Söhnen eine Laufbahn als Akademiker (Arzt, Priester, Mittelschullehrer und Diplom-Ingenieur) zu ermöglichen.178 Bei Thurners zweitältestem Bruder handelt es sich um Monsignore Heinrich Thurner, der von 1950 bis 1959 als Pfarrer von Paasdorf wirkte.179 Walter Thurner verlebte seine Kindheit in Mistelbach und besuchte hier auch die Volksschule. Als Pater Otto Bader 1930 ein St. Georgs-Pfadfinderkorps in Mistelbach gründete, zählte Thurner zum Kreis der ersten Pfadfinder.180
Walter Thurner (rotes X) zählte zu jenen 16 Buben mit denen P. Otto Bader (rechts neben Thurner) im Jahre 1930 die Pfadfindergruppe Mistelbach gründete
Doch bereits im folgenden Jahr führte ihn seine schulische Laufbahn fort aus seiner Heimatstadt – Mistelbach sollte erst Jahrzehnte später Standort einer höheren Schule werden – und zu seinem großen Bedauern damit auch weg von seinen Pfadfinderbrüdern. Im Schuljahr 1931/32 besuchte er die 1. Klasse des Bundesgymnasiums in der Kundmanngasse im 3. Wiener Gemeindebezirk und er wohnte in dem vom Salesianerorden geführten Knabeninternat „Salesianum“ in der unweit entfernt gelegenen Hagenmüllergasse.181 Ab dem Schuljahr 1932/33 besuchte Thurner dann schließlich das Gymnasium in Hollabrunn – wie bereits seine älteren Brüder vor ihm – und in den ersten Jahren war er auch Zögling des dort befindlichen erzbischöflichen Knabenseminars. Doch schon in den höheren Klassen wurde für ihn klar, dass er keine geistliche Laufbahn anstrebte und möglicherweise wollte er sich dem dort herrschenden strengen Regiment nicht weiter beugen und schied aus dem Knabenseminar aus. Während seiner Schulzeit in Hollabrunn wurde er 1937 Mitglied der katholischen Mittelschulverbindung „Arminia“ Hollabrunn, der auch sein um zehn Jahre älterer Bruder Godfried angehörte. „Arminia“ wurde nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 so wie de facto alle nicht-nationalsozialistischen Organisationen aufgelöst, und trotzdem sich Thurners Erfahrung als aktiver Verbindungsstudent daher auf eine kurze Zeit beschränkte, gehörte er „Arminia“, die nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererstand, zeit seines Lebens als sogenannter „Alter Herr“ an.182 Im Frühjahr 1939 legte Thurner am Hollabrunner Gymnasium erfolgreich die Reifeprüfung ab183 und wurde danach über den Sommer für einige Monate zum Reichsarbeitsdienst (RAD) eingezogen, bei dem junge Erwachsene beiderlei Geschlechts zur Arbeitsdienstleistung, zumeist als Erntehelfer oder Hilfskräfte bei arbeitsintensiven Großbauprojekten, verpflichtet wurden. Neben dem volkswirtschaftlichen Nutzen und der ideologischen Indoktrinierung im Sinne des Nationalsozialismus diente der Reichsarbeitsdienst aber auch bereits der militärischen Vorerziehung in Hinblick auf den für die männliche Jugend zumeist unmittelbar anschließenden Dienst in der Deutschen Wehrmacht. Thurner dürfte seine Dienstzeit in den Sommermonaten 1939 im RAD-Lager Pottenhofen bei St. Pölten verbracht haben.184 Noch als 19-jähriger Schüler hatte Thurner im März 1939 die Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei beantragt. Sowohl nach der Machtübernahme in Deutschland 1933, als auch nach dem sogenannten „Anschluss“ 1938 gab es einen Mitgliederansturm, und die Partei verhängte für einige Zeit Aufnahmesperren. Die Aufnahmeanträge wurden in Evidenz gehalten und nach Wegfall der Sperre chronologisch abgearbeitet. Bis zur formalen Aufnahme in die NSDAP galten diese Personen nicht als Mitglieder, sondern wurden als „Parteianwärter“ geführt. Walter Thurner wurde schließlich am 1. Jänner 1941 mit der Mitgliedsnr. 8,544.044 in die NSDAP aufgenommen.185
Mit Beginn des Wintersemesters 1939/40 nahm er ein Studium im Fach Bauingenieurswesen an der Technischen Hochschule Wien (=heutige TU Wien) auf, doch bereits nach einem Jahr wurde er im Oktober 1940 zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Thurner kam zur Luftwaffe und wurde der 5. Kompanie des Flieger-Ausbildungs-Regiments 62 zugeteilt und dürfte dort die damals etwa eineinhalb Jahre dauernde Ausbildung zum Flugzeugführer (=Pilot) absolviert haben.186 Ab 1943 scheint er dann bei der 10. bzw. später 8. Staffel des Kampfgeschwaders 2, das Bombenangriffe auf England flog, auf. Es handelte sich dabei um Stör- bzw. Vergeltungsangriffe, die sich zumeist gegen die britische Bevölkerung richteten – zu mehr war die zu diesem Zeitpunkt aufgrund strategischer Fehler bereits stark dezimierte und über alle Fronten verteilte deutsche Luftwaffe nicht mehr in der Lage. Die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 sollte nicht nur den Kriegsverlauf maßgeblich beeinflussen, sondern auch das Leben des Unteroffiziers Thurner. Die Angriffe auf Großbritannien hatte seine Einheit von Frankreich aus, unweit von den Landungszonen entfernt, geflogen. Es ist nicht überliefert, ob Thurner während eines Flugeinsatzes an diesem Tag abgeschossen wurde oder etwa durch die die Landung begleitenden Luftangriffe schwer verwundet wurde. Tatsache ist, dass Thurner am sogenannten „D-Day“ bei einem Abschuss bzw. Absturz (oder einem Granattreffer am Boden) sein rechter Fuß abgerissen wurde und er zunächst in einem Lazarett unweit des Landungsgeschehens entfernt behandelt wurde.187 Nachdem er diese schwere Verletzung überlebt und das Gehen mit einer Prothese wieder neu erlernt hatte, war der Krieg für ihn jedenfalls zu Ende und er durfte nachhause um sein Studium fortzusetzen.
In der Zeit unmittelbar nach Kriegsende waren weite Teilen der männlichen Bevölkerung – von Kindern und Greisen abgesehen – noch immer und zum Teil für weitere Jahre über ganz Europa verstreut bzw. in Kriegsgefangenschaft. Dadurch, dass er als Kriegsinvalide in der Heimat weilte, konnte Thurner im Dezember 1945 die Wiedergründung der Mistelbacher Pfadfinder initiieren und er übernahm die Führung der Gruppe. Auch die Pfadfinder wurden 1938 von den Nationalsozialisten aufgelöst und ihr Inventar bzw. die Ausrüstung hatte sich die Hitlerjugend einverleibt. Die ersten Heimstunden mit den fünf Buben, die den Grundstock für den Neubeginn der Mistelbacher Pfadfinder bildeten, hielt Thurner in der elterlichen Wohnung in der Oserstraße ab. Später konnte ein kleines Zimmer im Kolleg als Heim genutzt werden bzw. nachdem die ersten jungen Pfadfinder im April 1946 ihr Versprechen abgelegt hatten, gelang es im darauffolgenden Monat eine der am Südtirolerplatz befindlichen Baracken (=heutiger Spielplatz), die während der NS-Zeit für den „Bund deutscher Mädchen“ errichtet worden waren, zu beziehen. Die Gruppe erhielt großen Zulauf und im August 1946 führte Thurner eine Gruppe von 19 Mistelbacher Pfadfindern zu einem zweiwöchigen Lager nach Vorarlberg, das von den französischen Pfadfindern mit Unterstützung der französischen Besatzungsmacht veranstaltet wurde. Die Reise ans andere Ende Österreichs war damals zweifelsohne ein Abenteuer und eine große Herausforderung immerhin mussten zwei innerösterreichische (Zonen-)Grenzen passiert werden.188
Vermutlich 1946: Walter Thurner (rotes X) mit der Fuchsenpartulle – jenen fünf Buben, mit denen er die Pfadfinder in Mistelbach nach dem Krieg wiedergründete. v.l.n.r..: Josef Bader, Hermann Körbel, Hauptfeldmeister Walter Thurner, Franz Körbel, Robert Bauer, Julius Zimprich
Bald stellte es sich für Thurner jedoch als zunehmend schwierig heraus das Studium in Wien mit seinem Engagement bei den Pfadfindern in Mistelbach zeitlich in Einklang zu bringen und nachdem er die Gruppe ein Jahr geleitet hatte, gab er diese Aufgabe an Pater Volkmar Kraus weiter. Pater Volkmar konnte auf der von Thurner geschaffenen Basis aufbauen und unter seiner jahrelangen engagierten Führung wurden die Mistelbacher Pfadfinder schließlich zu dem, was sie über viele Jahrzehnte hinweg blieben: eine der größten und aktivsten Pfadfindergruppen Niederösterreichs. Auch wenn Thurners späterer Lebensweg ihn nur mehr sporadisch nach Mistelbach führte, blieb er den Mistelbacher Pfadfindern natürlich stets verbunden, und gehörte auch der Mistelbacher Pfadfinder-Gilde an. Bei den Pfadfinder-Gilden handelt es sich um Zusammenschlüsse von Menschen, die sich über die Jugend hinaus der Pfadfinderbewegung verbunden fühlen. Auch nach seiner Mistelbacher Zeit, vermutlich an seinem späteren Wohnort Weidling bei Klosterneuburg – dürfte er weiterhin in der Pfadfinderbewegung aktiv gewesen sein, zumindest wird in einem Nachruf darauf hingewiesen, dass er später auch Funktionen als Bezirksfeldmeister und Landeskorpssekretär bekleidete.189 Seine Erinnerungen an die Gründungszeit und die von ihm geleitete Wiedergründung sind auch wesentlicher Bestandteil der aus Anlass von Jubiläen herausgegebenen Festschriften der Mistelbacher Pfadfindergruppe.
Sein Studium im Fach Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule (heute Technische Universität) Wien schloss er 1950 als Diplom-Ingenieur ab.190 Thurners erste berufliche Station(en) nach dem Studium sind nicht überliefert, ab 1952 scheint er dann schließlich im Baudienst der niederösterreichischen Landesregierung auf. Thurner war dem Landesamt B/3 zugeteilt, in dessen Zuständigkeit die Bereiche Allgemeiner Wasserbau, Gewässerregulierung und Hochwasserschutz gehörten191 Am 3. Juli 1957 schloss er den Bund der Ehe mit der um 18 Jahre jüngeren Ingeborg Glas (*1938, †2018) aus Stockerau. Dieser Verbindung dürften zumindest zwei Kinder entstammen und zusammen mit seiner Familie lebte Thurner in Weidling bei Klosterneuburg.
1967 kam es auf Thurners Initiative hin zur Gründung des Gewässer-Dachverbands Marchfeld-Weinviertel in dem sich 13 Wasserverbände der Bezirke Mistelbach und Gänserndorf zwecks Bündelung von Ressourcen zur Erhaltung und Pflege der Gerinne zusammenschlossen. Im Laufe der Jahre traten dem Dachverband weitere Wasserverbände der Region bei und Anfang der 2000er Jahre war selbiger für Gerinne mit einer Gesamtlänge von 1300 Kilometern verantwortlich.192
Seit Jahrhunderten sorgten Hochwasser in dem das Ortsgebiet durchfließenden Mistel-Bach für große Schäden an den angrenzenden Gebäuden und darüber hinaus war auch die hygienische Situation problematisch, da der Bach zur Ableitung der Abwässer genutzt wurde und daher einer Kloake glich. Seit Jahrhunderten hatten Fleischhauer, Gerber und Färber ihre Betriebe unmittelbar am Bach errichtet, um so ihre Abfälle und Abwässer möglichst einfach „entsorgen“ zu können. Nachdem der Bach jedoch meist nur wenig Wasser führte und aufgrund von geringem Gefälle nur sehr gemächlich dahin floss, blieb der üble Gestank und der Unrat zurück, sodass der Bach eine ideale Brutstätte für Keime bildete. Die schlechte Wasserqualität hatte natürlich auch negative Auswirkungen auf die Brunnen der im Nahbereich des Bachbetts gelegenen Häuser und all diese Probleme werden bereits in einem 1884 im Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft veröffentlichten Sanitätsbericht thematisiert und als größter Missstand in hygienischer Hinsicht dargestellt.193 Eine Regulierung, also eine Begradigung und Betonierung des Bachbetts, sollte für eine raschere Fließgeschwindigkeit sorgen und damit auch bei Hochwasser Entlastung bringen und natürlich auch die stinkenden Abwässer rascher fortspülen. Nachdem das Projekt schon seit längerem geplant war, aber immer wieder verschoben werden musste, nahm man 1912 eine Regulierung des Bachs in Angriff.194 Zusätzlich zum Hochwasserschutzaspekt und den Vorteilen aus sanitärer Sicht, hatte die raschere Fließgeschwindigkeit auch einen Drainageeffekt wodurch bisher feuchte Wiesen und Sumpfgebiete entlang des Bachlaufs für die Landwirtschaft nutzbar wurden. Heute ist bekannt, dass diese bis in die 1970er Jahre gepflogenen Regulierungsmaßnahmen einerseits nicht den gewünschten Schutz vor Hochwasser bieten und andererseits eine negative Auswirkung auf den Grundwasserpegel haben.
Die Arbeiten an der Regulierung der Mistel im (damaligen) Gemeindegebiet dauerten bis 1915, doch zeichneten sich schon bald Probleme ab – wohl auch weil das Projekt entgegen ursprünglichen Plänen nur in einer abgespeckten Version realisiert wurde. Der Verlauf der Mistel wurde von der Gemeindegrenze kurz vor Siebenhirten bis zur Einmündung in die Zaya reguliert und im Zuge dieser Maßnahme kam es auch zu einer Regulierung einiger kleiner Zuflüsse (zB Seebrücklgraben). Die Regulierung brachte es außerdem mit sich, dass alle Brücken und Stege im Gemeindegebiet erneuert werden mussten. Schlechte Bodenverhältnisse, aggressive Abwässer, der gestiegene Bodendruck durch den zunehmenden Verkehr und außergewöhnlicher Wasserandrang, sorgten in den folgenden Jahrzehnten dafür, dass häufig Schäden am Gerinne und an der Böschungspflasterung auftraten. Die hieraus entstehenden laufenden Kosten stellten für den mit der Erhaltung betrauten Wasserverband „Zayakonkurrenzausschuss Mistelbach-Laa“ eine gehörige finanzielle Belastung dar, die dieser auf Dauer nicht bewältigen konnte. Also gab es bereits in den 1960er Jahren Gespräche seitens der Stadt mit den zuständigen Stellen des Landes bezüglich einer Verbauung des Mistelbachs. Nach Abwägung aller möglichen Varianten kam man schließlich zum Schluss, dass eine neuerliche Regulierung samt Eindeckung der Mistel langfristig gesehen den größten Nutzen bringen würde. Die Gesamtkosten hierfür beliefen sich auf 100 Millionen Schilling – eine gigantische Summe für die damalige Zeit, die von Bund, Land und Gemeinde gemeinsam gestemmt wurde. In den Jahren 1973-1982 wurde der Bach auf einer Länge von rund 1,8 Kilometern reguliert und eingedeckt und hierdurch wurden 15.000 m² an Fläche neu geschaffen. Zusammen mit bereits bestehendem Gemeindegrund stand nach Abschluss des Projekts eine Gesamtfläche von rund 25.000 m² Fläche zur Verfügung auf der etappenweise die „Grüne Straße“, eine Nord-Süd-Verkehrsachse für Fußgänger und Radfahrer und ein Naherholungsgebiet inmitten der Stadt, realisiert wurde. Somit gelang es einen notwendigen Zweckbau, als Chance zur zukunftsweisenden Neugestaltung des Stadtbildes zu nutzen.195
Hofrat Thurner war mit gemeinsam mit seinen Mitarbeitern mit der Bauleitung dieses Jahrhundertprojekts betraut und erwarb sich mit dessen vorbildlicher Realisierung große Verdienste um seine Heimatstadt. Über dieses Projekt veröffentlichte Hofrat Thurner unter dem Titel „Mistelbach in Mistelbach: Regulierung, Instandsetzung, Eindeckung 1973-1982“ auch einen Beitrag im Rahmen der Schriftenreihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart„. Zu dieser aus fachlicher Sicht sicherlich tadellosen Publikation muss allerdings angemerkt werden, dass die am Beginn stehenden allgemeinen Ausführungen zur Geschichte Mistelbachs nicht dem damaligen Forschungsstand entsprachen und zum Teil als haarsträubender Unsinn bezeichnet werden müssen.
In Zusammenhang mit der Regulierung der Mistel im Gemeindegebiet der damals noch selbständigen Gemeinde Frättingsdorf wurde Dipl.-Ing. Thurner 1971 zum Ehrenbürger von Frättingsdorf ernannt.196
Vermutlich im Jahre 1985 dürfte Hofrat Thurner in den Ruhestand übergetreten sein.197 Er verstarb am 18. September 1996 in seinem Haus in Weidling bei Klosterneuburg und wurde am 27. September 1996 auf dem Weidlinger Friedhof bestattet.198
Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderats vom 11. Dezember 2003 erhielt die bis dahin namenlose, entlang der Mistel verlaufende Verlängerung der „Grünen Straße“ zwischen Michael Hofer-Zeile und Industrieparkstraße den Namen „Walter Thurner-Promenade“ – auf den Straßenschildern findet sich allerdings die Bezeichnung „Hofrat Thurner-Promenade„.
Wo befindet sich die Hofrat Thurner-Promenade?
Bildnachweise:
-) Portrait: Ausschnitt aus dem Foto „Pfarre, 1978, 40-jähriges Priesterjubiläum, Thurner Heinrich Bild 10“ aus der Topothek Pillichsdorf (Besitzer Fam. Preyer – freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Franz Unger)
-) Foto Familie Thurner: Foto „Alltagsleben um 1945, Familie Thurner“ aus der Topothek Pillichsdorf (Besitzer Josef Muhsil – freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Franz Unger)
-) Pfadfinder Fotos: Göstl-Archiv
Quellen:
Quergasse
Aufmerksamen Beobachtern wird auffallen, dass in der Bahnstraße kein Haus mit der Nummer 18 existiert – stattdessen findet sich an dieser Stelle die Quergasse. Im Häuserverzeichnis in Fitzkas Geschichte der Stadt Mistelbach mit Stand vom Jahre 1900 scheint allerdings noch ein Haus mit der Adressbezeichnung Bahnstraße Nr. 18 (vormals Konskriptionsnr. 66)188 auf und selbiges stand damals im Besitz der Holzhandelsfirma Josias Eißler & Söhne.199 Doch befand sich der weitläufige Holzlagerplatz samt dem die Hausnummer 18 führenden Kanzleigebäude nicht direkt an der Bahnstraße, sondern etwas zurückversetzt und damit ungefähr auf dem Areal des Kindergartens, der hinteren Gewerbeschulgasse bzw. den dort befindlichen Häusern sowie des 1983 eröffneten, einstigen Berufsschul-Zubaus (jetzt Büroräumlichkeiten – Gewerbeschulgasse 2). Ein Zufahrtsweg zum Holzlagerplatz verlief damals auf dem Grund der Liegenschaft Bahnstraße Nr. 18, vorbei an einem Holzschupfen und einer Scheune, die um 1881 an das nebenan auf Bahnstraße Nr. 16 befindliche Gasthaus vermietet waren.
Die jüdische Familie Eißler stammte aus dem mährischen Bisenz und im Laufe der Jahre betätigten sich Mitglieder dieser Familie mit unterschiedlichen Firmen im Holzhandel bzw. der Möbelherstellung. Die Familie erlangte so großen Wohlstand und zählte bis zum Jahre 1938 zum Wiener Großbürgertum. Für Mistelbach bzw. die Darstellung des Entstehens der Quergasse ist zunächst die 1863 gegründete Firma Gebrüder Eißler, zu deren Gesellschaftern Josias Eißler zählte, relevant. Diese hatte ihren Sitz in Bisenz und neben einer Filiale in der Wiener Praterstraße scheinen 1866 folgende Niederlassungen im östlichen Niederösterreich auf: Poysdorf, Hohenau und Mistelbach.200 Ein Inserat der Mistelbacher Niederlassung in der 1937 anlässlich des Krankenhauszubaus veröffentlichten Festschrift weist den Zusatz „gegründet 1864“ auf und klärt somit den Zeitpunkt ab dem die Familie Eißler ihre Geschäftstätigkeit in Mistelbach entfaltete.201 Die Holzhandelsfirma Eißler zählte mit Sicherheit zu den ersten jüdischen Unternehmen, die sich hier niederließen und erst die Geschehnisse des Jahres 1938 beendeten die 74 Jahre währende, erfolgreiche wirtschaftliche Aktivität in Mistelbach. 1871 dürfte Josias Eißler aus der Firma „Gebrüder Eißler“ ausgetreten sein, um sein eigenes Unternehmen, und zwar die Firma „Josias Eißler & Söhne“ zu gründen. Die Hauptniederlassung dieses Unternehmens befand sich nun in der Wiener Singerstraße und die bereits zuvor bestandenen Niederlassungen in Poysdorf und Mistelbach wurden in den neuen Betrieb eingebracht und zwischenzeitlich hatte die Firma auch ein großes Netzwerk an Zweigniederlassungen in Böhmen und Mähren.202
Am 10. Mai 1881 fanden auch in Mistelbach Feierlichkeiten anlässlich der an diesem Tag stattfindenden Vermählung des Thronfolgers Kronprinz Rudolf mit Prinzessin Stephanie von Belgien statt. Das Festprogramm begann bereits am Morgen und endete in einer abendlichen Musikveranstaltung im Hotel Rathaus (heute: Erste Bank), die jedoch jäh vom Ruf „Feuer“ unterbrochen wurde.203 Der Brand war um etwa 23 Uhr auf dem Holzlagerplatz der Firma Eißler & Söhne ausgebrochen, und aufgrund des an diesem Abend herrschenden Sturmwindes griff das Feuer rasch um sich, sodass binnen weniger Minuten der größte Teil der Holzhandlung in Flammen stand. Es bestand die große Gefahr, dass sich dieser Brand rasch auf die umliegenden Gebäude und dann in der Stadt weiter ausbreiten würde. Auch ein Überspringen des Feuers auf Lanzendorf, in dessen Richtung sich aufgrund des Windes ein wahrer Funkenregen ergoss, war keineswegs auszuschließen. Da der Holzplatz bereits lichterloh in Flammen stand und nicht mehr zu retten war, galt es eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Den wackeren Männern der erst zwei Jahre zuvor gegründeten Freiwilligen Feuerwehr, von denen viele noch in ihrer Festkleidung zur Brandstelle eilten und den Flammen die Stirn boten, gelang es unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung eine Feuersbrunst zu verhindern. Um 3 Uhr morgens war schließlich, obwohl der ganze Holzplatz noch in Flammen stand, die Gefahr einer weiteren Ausbreitung gebannt. In Ermangelung eines Hauptmann-Stellvertreters übernahm Bürgermeister Josef Strasser während des Einsatzes diese Rolle und sicherte einen Abschnitt der angrenzenden Häuser. Er war bis 4 Uhr rastlos im Einsatz und seiner vielseitigen Tätigkeit und umsichtigen Führung ist es zu verdanken, dass sogar das von Flammen umgebene Wohn-/Kanzleigebäude am Holzplatz gerettet werden konnte. Die Mistelbacher Feuerwehr wurde bei der Brandbekämpfung durch die telegrafisch herbeigerufene Poysdorfer Feuerwehr unterstützt und auch die k.k. Staatsbahn hatte ihre Spritze, Wasservorräte und Personal zur Verfügung gestellt.204
Eine in der Wiener Feuerwehr-Zeitung veröffentlichte Skizze zum großen Brand in der Eißler’schen Holzhandlung. Diese gibt einen Überblick über das Erscheinungsbild der damals noch jungen (oberen) (Eisen-)Bahnstraße Anfang der 1880er Jahre und die Lage der Holzhandlung. Zwischen den Gebäuden F und G ist die einstige Zufahrt zum Holzlagerplatz erkennbar und hier befindet sich auch in etwa die heutige Quergasse. Verfasser des zugehörigen Berichts und vermutlich auch Urheber dieser Skizze war der Mistelbacher Feuerwehr-Hauptmann August Lubovienski
Die Firma Eißler & Söhne dankte der Feuerwehr und allen Helfern in einem Zeitungsinserat im „Mistelbacher Bezirks-Bote“ und knapp zwei Wochen nach dem Unglück konnte die Holzhandlung ihre Geschäftstätigkeit wiederaufnehmen.205 Ab 1894 hatte die Gemeinde Mistelbach den Holzlagerplatz von der Firma Eißler gepachtet und nutzte diesen als Gemeindemateriallagerplatz. Es handelte sich um eine Art Pachtkauf, der vorsah, dass die gesamte Liegenschaft nach Ablauf der zwölfjährigen Pachtdauer mit 30. Juni 1906 unentgeltlich in den Besitz der Gemeinde übergehen würde. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass von einem „neuen Pachtvertrag“ die Rede ist, was Interpretationsspielraum zulässt, ob bereits zuvor ein Pachtverhältnis mit der Stadt als Pachtnehmer betreffend diesen Platz bestanden hat.206 Da die Firma Eißler & Söhne allerdings erst 1895 die Grundstücke an der Adresse Wiener Straße (heute Josef Dunkl-Straße) Nr. 9 und 11 erwarb207, ist unklar, wo sie ihren Betrieb in der Zwischenzeit führte. Vielleicht bestand bereits vor dem Kauf der Gründe in der heutigen Josef Dunkl-Straße ein Pachtverhältnis oder es gab eine andere Übergangslösung.
Warum scheint dann im Häuserverzeichnis zu Fitzkas Ergänzungsband (Stand 1912) als Adresse für die Eißler’sche Holzhandlung die Adresse Wiener Straße (heute Josef Dunkl-Straße) 15 und 17 auf? Dieser Umstand bereitete dem Autor dieses Blogs einiges an Kopfzerbrechen – schließlich befand sich auf Haus Nr. 17 doch die Holzhandlung Abeles (Pisk). Die Lösung dieser Frage ist jedoch recht einfach: es gab eine Änderung bei den Hausnummern in der Wiener Straße (heute Josef Dunkl-Straße) und Bahnstraße. Ursprünglich endete die Bahnstraße linksseitig an jenem Punkt an dem die heutige Josef Dunkl-Straße abzweigt, also auf Höhe des Hauses Bahnstraße Nr. 41 (derzeit Baustelle), und ihre fortlaufende Nummerierung setzte sich dann mit der Bahnhofsrestauration (heute Gasthaus Zur Linde) mit der Adresse Bahnstraße Nr. 43 fort. Somit entsprach die Adresse der Häuser Bahnstraße 43, 45 und 47 den Hausnummern 1, 3 und 5 in der Wiener Straße.208 Daher kam es linksseitig zu einer Reduzierung der Hausnummern um drei Nummern, also die alte Nr. 15 entspricht der neuen Nr. 9 und die alte Nr. 17 der neuen Nr. 11 und bei Fitzkas Häuserliste sind alle Gebäude mit der Adresse im Zeitpunkt ihrer Erbauung angeführt. Da die Häuser Wiener Straße (heute: Josef Dunkl-Straße) 9 und 11 samt deren Eigentümerin, der Firma Eißler & Söhne, erst im Häuserverzeichnis zu Fitzkas 1912 verfassten zweiten Band (hier als Nr. 15 und 17) aufscheinen, ist belegt, dass dort erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts „hausnummerwürdige“ Gebäude errichtet wurden. Die nebeneinander gelegenen Grundstücke waren jedenfalls sehr weitläufig und erstreckten sich von der Wiener Straße (Josef Dunkl-Straße) bis an die (spätere) Landesbahnstrecke. Auch der Mistelbacher Standort der Firma Josias Eißler & Söhne wurde nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Österreich arisiert und gelangte schließlich 1939 in den Besitz der Stadtgemeinde Mistelbach209 und die nationalsozialistische Führung der Stadt beabsichtigte auf dem weitläufigen Areal dreizehn „Volkswohnhäuser“ mit jeweils vier Wohnungen zu errichten.210 Der Krieg bzw. dessen Ausgang vereitelte diese Pläne und 1948 kam es zu einem durch Erben der Familie Eißler angestrengten Rückstellungsverfahren211. Dieses Verfahren endete 1952 mit einem Vergleich, sodass gegen Zahlung einer Abfindungssumme die Gründe im Besitz der Stadt verblieben.212 Die Gemeinde schloss das Areal als Bauland auf und verkaufte 1953 die parzellierten Grundstücke213 auf denen Einfamilienhäuser errichtet wurden. Dies hatte eine Verlängerung der Oserstraße (Nr. 48 sowie 50-53), der Hamerlinggasse (Nr. 9-12) und der Mozartgasse (Nr. 1a und 1b) zur Folge.
Doch zurück zur Quergasse bzw. dem weiteren Schicksal des alten Holzlagerplatzes hinter der Bahnstraße. Nachdem das Grundstück im Sommer 1906 in den Besitz der Gemeinde übergegangen war, wurden Teile der Liegenschaft, also etwa Holzschuppen und Scheunen bzw. die im Kanzleigebäude befindliche Wohnung zunächst vermietet214 und man nutzte diese Räumlichkeiten teils auch zur Einquartierung von Soldaten bei damals in der Umgebung von Mistelbach abgehaltenen Manövern. Neben der Nutzung als Gemeindematerialplatz wurde im Bereich des heutigen Kindergartens ab 1907 auch Schotter abgebaut, der unter anderem für die im Jahre 1910 fertiggestellte neue Straße nach Eibesthal215, die als Waisenhausstraße in Mistelbach beginnt, verwendet wurde. Doch stammt der Niveauunterschied bzw. die klar erkennbare Abbaukante zur Alleegasse bzw. Bahnzeile nicht (nur) durch den Schotterabbau. Ein großer Teil des Geländes des Holzplatzes entstand erst einige Jahrhunderte zuvor durch Lehmabbau, für den einst hier befindlichen alten Gemeindeziegelofen.216 Es ist unklar, wann der Gemeindeziegelofen einige hundert Meter, und zwar in ungefähr in den Bereich der Wohnbauten hinter den Häusern Franz Josef-Straße Nr. 29 – 31 bzw. in die Nähe des heutigen Stadtsaals verlegt wurde, spätestens zu Beginn des 18. Jahrhunderts scheint er jedenfalls bereits am neuen Standort auf. Nach Auflassung des Gemeindeziegelofens wurde das weiterhin im Gemeindebesitz stehende Areal (=Grundparzelle 432), das im Wesentlichen die Fläche zwischen Bahnstraße, Franz Josef-Straße, Bahnzeile und teils über die Alleegasse hinaus umfasste, als Hutweide genutzt. Dies geht jedenfalls aus den Parzellenprotokollen des franzeischen Katasters, die etwa 1821 angelegt wurden, hervor.217
Eine Panoramaansicht Richtung Westen um 1908/09: rot markiert die ungefähre Lage des zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelassenen Lagerplatzes; gelb markiert die gut erkennbare Gemeindeschottergrube
Im Jahr 1908 ist in den Gemeindeausschussprotokollen bereits vom „aufgelassenen Holz- bzw. Materiallagerplatz der Gemeinde“ zu lesen, und in der Folge wurde der Platz zeitweilig als Standort für den regelmäßig in Mistelbach abgehaltenen Rindermarkt genutzt.218 In den Jahren 1905 bis 1912 kam es zu einer umfassenden Regulierung der Straßenzüge, die das Bild der Stadt im Wesentlichen bis heute prägt. Auch die an das Areal angrenzende Alleegasse bzw. die in ihrem Kreuzungsbereich befindlichen Teile der Bahnzeile wurden in ihrer heutigen Form erst durch Auflassung der Schottergrube, Abgrabung von Grundparzellen und Regulierung des Materiallagerplatzes geschaffen.219
Nach der Schleifung der zur Holzhandlung gehörenden Gebäude und Scheunen wurden bereits 1909 und abermals 1913 Teile des Materiallagerplatzes an die angrenzenden Grundeigentümer (hauptsächlich Bahnstraße Nr. 20, 22, 24 und 24a) verkauft, und nach Abschluss dieser Grundveräußerungen wurde entlang der nunmehrigen rückseitigen Grundstücksgrenze der genannten Liegenschaften die Errichtung einer Zufahrtsstraße für den neuen, deutlich verkleinerten Gemeindemateriallagerplatz vorgesehen. Dieser neue Platz lag etwa hinter den Grundstücken Bahnstraße 26, 26a und 28, also ungefähr im Bereich des Spielplatzes des heutigen Stadtkindergartens und bei der Zufahrtsstraße handelt es sich um den hinteren Teil der heutigen Gewerbeschulgasse. Der Rest des alten Materialplatzes nebst der Straßenböschung zur Alleegasse wurde für die Errichtung einer Parkanlage bestimmt, deren Ausgestaltung dem Verschönerungsverein übertragen wurde.220
Dieser Kartenausschnitt aus einem Bebauungsplan der Stadt zeigt die Bebauung im Jahre 1905. Die roten Linien markieren die im Zuge der Regulierung herzustellenden Straßenverläufe, die letztlich auch exakt so umgesetzt wurden.
Im Oktober 1913 beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss (= Gemeinderat) der auf dem Grundstück des ehemaligen Lagerplatzes entstandenen, und von der Bahnstraße zur geplanten Parkanlage führenden, Gasse den Namen „Parkgasse“ zu geben. Da jedoch schon seit 1898 eine Straße dieses Namens existierte, und zwar neben dem Stadtpark verlaufend, wurde der Name der Schießstattgasse (=heutige Museumsgasse) auf die „alte“ Parkgasse erstreckt, da selbige seit 1908 nunmehr zur neuen Schießstatt – westlich der Bahnstrecke – führte (für nähere Details siehe Schützenweg).221 Im Frühjahr 1914 wird von der Fertigstellung der neuen Parkanlage und des Spielplatzes am Materialplatz und von der Errichtung einer Treppe von der Alleegasse zur neuen Anlage berichtet.222
Angeblich 1925: Die zu Beginn der 1910er Jahre erbauten Villen an der rechten Straßenseite der Alleegasse – von rechts nach links: Hoch-Villa (Nr. 4), Schwarz-Villa (Nr. 6), (Hintergrund Villa in der Bahnzeile), nur teilweise abgebildet Pemsel-Villa (Nr. 8). Im Vordergrund gut erkennbar der Platz und die bepflanzte Böschung zur Alleegasse über die auch eine kleine Treppe zum Platz führt. Der spärliche Bewuchs der Böschung legt jedoch die Vermutung nahe, dass die Aufnahme bereits in der zweiten Hälfte der 1910er Jahre oder gar in die Zeit der Erstellung der „Park-Anlage“ zu verorten ist.
Ob die Ausgestaltung des neu geschaffenen Areals zu einem Park, der den Namen „Parkgasse“ gerechtfertigt hätte, aufgrund des wenig später ausbrechenden Weltkriegs nicht erfolgt ist oder ob tatsächlich nur die Bepflanzung der Böschung zur Alleegasse beabsichtigt war, ist unklar. Um die Alleegasse in ihrem heutigen Verlauf zu ermöglichen, wurde 1912 das Haus Franz Josef-Straße 11 (KNr. 353) bzw. 1917 das Haus Alleegasse 3 (KNr. 464) abgetragen, und daher reichte das freie Gelände nunmehr bis zur Franz Josef-Straße. Das Bedürfnis nach einer weiteren Parkanlage scheint jenem nach einem vielseitig nutzbaren großen Platz im Stadtzentrum – abseits des Hauptplatzes – gewichen zu sein und daher diente das Gelände, das Anfang der 1930er Jahre durch den Bau der Gewerbeschule (heute: Polytechnische Schule) etwas verkleinert wurde, als Turnplatz, Eislaufplatz, Spielplatz und Platz für Zirkusgastspiele223
1937: Faschingsfest auf dem Eislaufplatz hinter der 1931 erbauten gewerblichen Fortbildungsschule (heute Polytechnische Schule) bzw. auf dem späteren Standort des Stadtkindergartens; links ist die Grünanlage auf der Böschung zur Alleegasse gut erkennbar
Ende der 1940er gab es wie bereits ein Jahrzehnt zuvor Diskussionen über einen Postamtsneubau und tatsächlich wurde im Gemeinderat bereits im Oktober 1948 der Beschluss gefasst der Postdirektion den alten Materialplatz als Standort für die Errichtung eines Neubaus anzubieten. Allerdings schienen die Postdirektion und der Gemeinderat aneinander vorbeizureden, anders kann man sich die in den Gemeinderatssitzungsprotokollen dokumentierten und sich bis 1952 ziehenden, letztlich erfolglosen Verhandlungen zu diesem Thema wohl nicht erklären. Schließlich äußerte die Postdirektion als Standortwunsch den heutigen Standort in der Mitschastraße, doch sollten noch viele Jahre vergehen ehe im Jahre 1967 das Postamt dort tatsächlich eröffnet wurde.224
In den 1950er Jahren wurde der Platz schrittweise durch mehrere Zubauten der gewerblichen Fortbildungsschule (spätere Berufsschule) verbaut und damit wieder ungefähr bis an die Grenze des alten Holz- bzw. Materiallagerplatzes zurückgedrängt. Ein letzter Zubau wurde schließlich 1983 eröffnet, sodass das Berufschulareal vom Europaplatz (einst Conrad von Hötzendorf-Platz) bis zur heutigen Quergasse reichte. In die 1950er Jahre fällt auch der nach längerer Diskussion gefasste Beschluss die verbliebene Freifläche für die Errichtung des schließlich 1960 eröffneten Stadtkindergartens zu verwenden.225
Der 1913 vergebene Name Parkgasse geriet aus durchaus nachvollziehbaren Gründen in Vergessenheit bzw. blieb für den ursprünglich so benannten Straßenzug in Gebrauch. Da es sich um eine nachträglich angelegte Verbindungsgasse handelte, gab es auch kein Haus, das diese Adressbezeichnung trug. Als die Gspanngasse ihren heutigen Namen mit Beschluss der Gemeinderatssitzung vom 17. Oktober 1958 erhielt, wurde gleichzeitig deren alter Name „Quergasse“ auf die bloß vermeintlich namenlose Straße übertragen, die Gegenstand dieses Blogbeitrags ist.226 Im darauffolgenden Jahr wurde die nunmehrige Quergasse zur Einbahnstraße erklärt.227
Wo befindet sich die Quergasse?
Bildnachweis:
-) Fotos Faschingseislaufen bzw Villen Alleegasse: Göstl-Archiv
-) Brandskizze: Wiener Feuerwehr-Zeitung, 1. Juni 1881 (XI. Jg. – Nr. 11) (Google Books)
-) Westansicht der Stadt: aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Ausschnitt aus dem Regulierungsplan: aufgenommen im Stadt-Museumsarchiv
Quellen:
Überblick über einen Teil der Einwohnerschaft Mistelbachs im Jahre 1797
Listen von Hausbesitzern, wie sie uns für Mistelbach durch Fitzkas Geschichte der Stadt Mistelbach für die Jahre 1799 und 1900 überliefert sind, bilden nur einen kleinen Teil der damaligen Einwohnerschaft ab. Menschen ohne Haus- bzw. Grundbesitz im Ort: die Geistlichkeit, Lehrer, Handwerksgesellen, Tagelöhner, Pfründner in Sozialeinrichtungen wie dem Mistelbacher Spital, Kinder, Inwohner und Ausgedinger (=idR besitzlose Angehörige eines Bauern), Mägde und Knechte scheinen in diesen Listen nicht auf bzw. Frauen zumeist nur dann wenn sie im Erbwege Eigentümerin eines Hauses geworden sind. Detaillierter sind hingegen die früher von der Grundherrschaft penibel geführten Urbarien, einem Vorläufer der Grundbücher und einer Art Besitzstandsverzeichnis der Herrschaft. In diesen waren auch die Untertanen erfasst, die schließlich auch zur Leistung von Arbeitsdiensten („Robot“) zugunsten der Herrschaft verpflichtet waren und auch über dieses „Eigentumsrecht“ und seine Ableistung wurde Buch geführt. Diese Verzeichnisse konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf die bestifteten Bauern und ihre Familien, also auf die Zehent- und Robotpflichtigen, während Zugezogene, also „nicht nach Mistelbach zuständige“ zumeist Handwerker und Tagelöhner darin nicht erfasst waren.
Einen interessanten, weil anderen, allerdings ebenso unvollständigen Einblick in die Bevölkerungsstruktur gewährt eine Liste von Spendern aus Mistelbach, die durch ihre Geldspenden die Führung des Ersten Koalitionskriegs gegen Napoleon (1792-1797) unterstützen. Diese im September des Jahre 1797 in der Wiener Zeitung unter der Überschrift „Verzeichnis deren im Markt Mistelbach sich befindlichen Bürgern und Inwohnern dann Zünften, welche sich zu einem freywilligen Kriegsbeytrag erkläret, und auch abgereichet haben“ veröffentlichte Liste nennt rund 360 Spender quer durch alle Bevölkerungsschichten aus Mistelbach und deren Unterstützung für das bedrängte Vaterland reichte von Kleinstbeträgen von 2 Kreuzern bis zur größeren Spenden in Höhe von 9 Gulden. Auch in der Schule wurde gesammelt und die Lehrer, Katecheten sowie die Schuljugend beteiligten sich durch eine Gemeinschaftsspende, weshalb sie nicht einzeln angeführt werden. Selbiges gilt auch für die Zünfte der Schuhmacher, Seiler, Lederer, Tischler und Kürschner, die korporativ ebenfalls namhafte Beträge spendeten.228
Laut Schweickhardt lebten den 1830er Jahren in Mistelbach etwa 2500 Personen und wenn man davon ausgeht, dass es rund vier Jahrzehnte zuvor etwas weniger gewesen sein dürften, so scheint es plausibel, dass diese Liste etwa 15-20% der damaligen Bewohner umfasst. Es ist jedoch unklar, ob sich ausschließlich Bewohner des liechtensteinischen Markts an dieser Spendenaktion beteiligten oder auch Bewohner der unter barnabitischer Grundherrschaft stehenden Pfarrholdengemeinde.
Die in der Spenderliste angeführten Personen in alphabetischer Reihenfolge:
A
Ametschläger, Schmiedmeister
Amon Andrä, Hauer
Amon Anton Tischlergesell
Amon Johann, Hauer
Amon Leopold, Hauer
Amon Theresia
Antler Joseph, Hauer
Antreich Helena
Apel Christian, Eisenhändlersohn
Arthaber Johann Georg
Arthaber Josepha, Kaufmannstochter
Arthaber Juditha, Kaufmannstochter
Arthaber Klara, Handelsfrau
Arthaber Klara, Kaufmannstochter
Augustin Barbara
Augustin Friedrich, Nadlergesell
Augustin Jakob, Hauer
Augustin Joseph, Hauer
B
Bacher Martin
Bader Georg, Kleinhäusler/Inwohner
Bader Georg, Kupferschmidgesell
Bader Thomas, Zimmermeister
Beinhart, Hauer
Berger Franz, Kleinhäusler/Inwohner
Bernhard, Hafnermeister
Bichler Lorenz, Hauer
Bichler Mathias, Hauer
Bichler Michael, Hauer
Bichler Paul, Hauer
Bileck Jakob, Strickergesell
Bock Anna Maria
Brenner Mathias, Magistratsrath & Färbermeister
Brenner Michael, Hafnermeister
Brenner Theresia
Bruckner Johann, Hauer
Bruckner, Klampfer(=Messerschmiede)meister
Brunner Adam, Kleinhäusler/Inwohner
Brunner Franz, Hauer
Brunner Paul, Hauer
Bschließmayer, Hauer
D
Dichy Wenzel, Hutmachergesell
Diel Johann, Schuhknecht
Dietz Franz, Sattlersohn
Dietz, Sattlermeister
Donlovi Joseph, Eisenhandlungsdiener
Doppler, Kupferschmidmeister
E
Eckstein, Hauer
Eibel Michael, Hauer
Eigel Vinzenz, Handlungsdiener
F
Fabian, Tischlermeister
Faulhuber, Wagnermeister
Feitzinger, Buchbindermeister
Felkner Bernhard, Kleinhäusler/Inwohner
Fibig, Witwe Kleinhäusler/Inwohner
Fink Georg, Kleinhäusler/Inwohner
Fink Rosalia
Fischer Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Fottner, Hauer
Frank Franz, Hauer
Fürst
G
Gartner Theresia
Gaßl Anna Maria
Gebert Martin, Hauer
Georg Wanderer, Hauer
Gfrerer Michael, Hafnergesell
Gmeiner Elisabeth
Gotwald Anna Maria
Gruber Johann, Handlungsdiener
Gschlent, Schneidermeister
H
Haberler Georg, Kleinhäusler/Inwohner
Hacker Leopold, Hauer
Harbich Johann, Hauer
Harbich, Hauer
Harl Helena
Hartel Martin, Kleinhäusler/Inwohner
Harwich Magdalena
Hatschka Georg, Kleinhäusler/Inwohner
Hauer Theresia
Hauer, Wagnermeister
Hautzmayer, Zimmermeister
Hebert Barbara, Hauer
Hebert Franz, Hauer
Hebert Georg, Hauer
Heidler Thomas, Schlossergesell
Heimpl Anna Maria
Hellnwein, Hauer
Henhapel Franz, Tischlergesell
Herz Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Himmelhann
Hipp Franz, Schmidgesell
Hock Johann
Hofer Joseph, Sieberersohn
Hofer, Silberermeister
Höfling, Glasermeister
Hofmann, Hauer
Huber Jakob, Kleinhäusler/Inwohner
Huber Markus, Kleinhäusler/Inwohner
Hübel Mathias, Hauer
J
Jakowitz Anna Maria
Jechtel, Handschuhmachermeister
Jechtl Barbara
Jesner Sophia
K
Kainz Anton, Hauer
Kainz Ignaz, Gastwirt
Kainz Joseph, Fleischhauermeister
Kaltenbruner Alexander
Kaltenbruner Johann, Hauer
Kaltenbruner Joseph, Hauer
Kandler Ignaz, Schuhknecht
Kellner Franz, Kleinhäusler/Inwohner
Kellner Lorenz, Kleinhäusler/Inwohner
Kern Joseph, Hauer
Ketterer, Schuhmachermeister
Kirchlehner Bernhard, Lederersohn
Kirchlehner Bernhard, Magistratsrath & Lederermeister
Kirchlehner Leopold, Lederersohn
Kirchmauer, Witwe
Kirchmayer Barbara
Kisselek Franz, Schneidergesell
Klee, Hauer
Klingisch Georg, Hauer
Kofler Georg, Ledererknecht
Kölbel Ignaz, Grießler
Kölbl Johanna
Kölbl Theresia
Kolhamer Georg
Kolich Rosina
Kolich Theresia, Verwalterin im Barnabiten Kollegium
König Franz, Kleinhäusler/Inwohner
Köpfer, Goldarbeiter
Kottmayer Anton, Kleinhäusler/Inwohner
Kottmayer Leopold, Hauer
Kramer Konrad, Marktrichter
Kranz Mathias, Hauer
Kraußler Georg, Magistratsrath
Kraußler Joseph, Sieberersohn
Krenner Johann, Seifensiedergesell
Küml Antonia
Kümmel
Kutsch Anna Maria
Kutscher, Grießler
Küttner Anna Maria, Hutmachertochter
Küttner Eleonora, Hutmachertochter
Küttner Josepha, Hutmachertochter
Küttner Mathias, Hutmachersohn
Küttner, Hutmachermeister
L
Laab, Tischlermeister
Lachnit David, Kürschnersohn
Lachnit, Kürschnermeister
Langer Elisabeth
Langer, Hauer
Langer, Schuhmachermeister
Lausch, Schlossermeister
Leberfinger Mathias, Schustersohn
Leberfinger, Schuhmachermeister
Ledermann, Lederermeister
Lehner Martin, Hauer
Leitl Johann, Kleinhäusler/Inwohner
Loibl Florian, Hauer
Loibl Joseph, Hauer
Loibl Leopold
Loibl Martin junior
Loibl Mathias, Hauer
Loibl Michael, Hauer
Loibl Paul, Hauer
Lorenz Wolfgang, Posamentirergesell
M
Marchtrenker Martin, Hauer
Maurer Martin, Kleinhäusler/Inwohner
May, Färbermeister
Mayer Joseph
Mayer Rosalia
Mayer, Kässtecher
Meixner Johann, Hauer
Michel Bartholomä, Bäckerjung
Misch Franz, Hauer
Molas, Weißgerbermeister
Moser Johann, Hauer
Moßmayer, Hauer
Mozard Johann Michael, Badergesell
Müllner Friedrich, Schneidersohn
Müllner Theresia
Müllner, Witwe
Münich Johann Friedrich , Nadlergesell
Musch Franz, Kleinhäusler/Inwohner
Musch Gotthard, Hauer
Mutz Joseph, Hauer
Mutz Michael, Hauer
N
Nehamer, Eisenhändler
Neidhart
Neidhart Johann, Bürgersohn
Neidhart Mathias, Bürgersohn
Nekam Elisabeth
Nekam Katharina
Neuhauser Anna
Neuhauser, Gastwirt
Neuhofer Magdalena
Nowerka, Leinwandhändler
Nowerka, Witwe
O
Ohlinger Martin, Hauer
Ostermayer Georg, Kammmachermeister
Ott, Witwe Kleinhäusler/Inwohner
P
Pacher Anna Maria
Pacher Antonia
Pacher Franz, Hauer
Pacher Jakob, Hauer
Pacher Joseph, Hauer
Pacher Lorenz, Hauer
Pacher Martin, Hauer
Paluschka, Witwe
Pamer
Panschab Franz, Fleischhauersohn
Panschab Johann, Fleischhauersohn
Panschab Joseph, Fleischhauersohn
Panzer Helena
Patek, Hauer
Pelzelmayer Joseph, Hauer
Pelzlmayer Anton, Hauer
Penitschka, Hauer
Pezold Anton, Seilersohn
Pezold Helena
Pezold, Seilermeister
Pfann Andrä, Hauer
Pfann Joseph, Hauer
Pfeifer Alexander
Pfeiffer, Drechslermeister
Pichler Johann, Kleinhäusler/Inwohner
Piller, Grießler
Pillwein Markus, Hauer
Pillwein Sabina
Piringer Stephan
Piwalt Theresia
Platschka Franz, Kleinhäusler/Inwohner
Platschka Johann, Hauer
Platschka Leopold, Hauer
Platt Anton, Hauer
Platt Johann, Hauer
Plauer, Witwe
Pleyl Melchior, Sattlersohn
Pleyl, Sattlermeister
Pock Anna Maria
Poller, Maurermeister
Präs Magdalena, Kleinhäusler/Inwohner
Pucher Mathias, Kleinhäusler/Inwohner
Pum Anton, Hauer
Puntschert, Lebzeltermeister
Rachenzentner, Lebzeltermeister
Ramstorfer, Weißgerbermeister
R
Reidlinger Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Reidlinger Simon, Kleinhäusler/Inwohner
Reiser Theresia, Eisenhändlertochter
Rieder Klara, Kleinhäusler/Inwohner
Rigelbauer Franz, Hauer
Rößler Jakob, Schneidergesell
S
Schabmann, Hauer
Schacher Joseph, Hauer
Schacher Martin, Hauer
Schalk, Witwe Kleinhäusler/Inwohner
Schallamayer Franz, Schneidermeister
Schaller Rosalia
Scheiner
Schenk Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Scherf Johann, Spenglergesell
Scherzer Joseph, Strumpfstrickermeister
Scherzer Wenzel, Strickersohn
Schild Leopold, Hauer
Schleininger, Hauer
Schmidhofer Joseph
Schmidhofer Maria Anna
Schmidmayer Katharina
Schmidmayer Michael
Schmirl Joseph, Hafnergesell
Schnabel Johann, Ledererknecht
Schnir Rosalia
Schodl Anna Maria
Schodl Georg, Hauer
Schodl Jakob, Hauer
Schodl Joseph, Hauer
Schodl Michael, Hauer
Schön Antonia, Witwe
Schornbeck
Schornbeck, Strumpfstrickermeister
Schreiber Georg, Hauer
Schrickmayer Anna
Schrickmayer Klara
Schrickmayer, Schmiedmeister
Schubert Anton
Schubert Joseph Anton, Magistratsrath und Syndikus
Schwabl Theresia
Schwarz
Schwebskirchl Johann, Bäckersohn
Schwebskirchl, Bäckermeister
Sebacher Joseph, Apothekersubjekt
Seidelhuber Franz, Kleinhäusler/Inwohner
Seidlhuber Elisabeth
Selbach Ferdinand, Schneidermeister
Selbach Joseph, Schneidermeister
Simperl, Hauer
Solomon Johann, Kleinhäusler/Inwohner
Spies Anna Maria
Stacher Apolonia
Stadler Josepha, Apothekertochter
Stadler, Landschaftsapotheker
Staindl Michael, Kleinhäusler/Inwohner
Stank Mathias, Ledererknecht
Steinkellner, Witwe
Stichholzer Christina
Stichholzer Katharina
Stilitz Johann, Schneidergesell
Stocker Theresia
Stöger Adam, Kleinhäusler/Inwohner
Strasser Peter, Lederermeister
Strobel Alexander, Hauer
Strobel Franz
Strobel Franz, Hauer
Strobel Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Strobel Peter, Hauer
Strobl Leopold, Hauer
Sydy Joseph, Schuhknecht
T
Tatzer Andrä, Hauer
Tatzer Joseph, Hauer
Testler, Hauer
Thalhamer Sebastian, Wagnergesell
Theresia Gutmann
Tichel Joseph, Handschuhmachergesell
Tillbaum
Titzl Magdalena
Togl Sebastian, Ledererknecht
Tomer Tobias, Kleinhäusler/Inwohner
Trinkler Leopold, Hauer
Trögl Peter, Hauer
Türk Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Tuscheck Wenzel, Pferdeknecht
U
Uhl, Schlossermeister
Uiblein Ignaz, Färbersohn
W
Waberer Andrä, Hauer
Waberer Andrä, Inwohner
Waberer Barbara
Waberer Elisabeth
Waberer Jakob, Hauer
Waberer Johann, Hauer
Waberer Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Waberer Katharina
Waberer Lorenz, Hauer
Waberer Philipp, Hauer
Wadel Sebastian, Kleinhäusler/Inwohner
Wadl Joseph, Hafnergesell
Walter, Chirurg
Wanderer Florian, Kleinhäusler/Inwohner
Wanderer Georg, Kleinhäusler/Inwohner
Warschanek Anton
Weber Joseph, Sattlergesell
Weber, Bindermeister
Weghofer, Hauer
Weinmayer, Hauer
Weiser Joseph, Kleinhäusler/Inwohner
Weiß Jakob, Kleinhäusler/Inwohner
Weissenberger Benedikt, Ledererknecht
Wild Georg, Kleinhäusler/Inwohner
Wilfing Anton, Glasergesell
Willmann Gallus
Wimmer Johann, Hauer
Windhab Leopold, Schneidergesell
Wintersteiner Ferdinand, Handelsmann
Wintersteiner Ignaz
Wintersteiner Theresia, Kaufmannstochter
Wintersteiners Ferdinand, Kaufmannssohn
Wolf Eleonora
Wolf Theresia
Wolf, Kleinhäusler/Inwohner
Wolf, Seifensiedemeisterin
Z
Zankhel Sebastian, gewester fürstl. Liechtensteinischer Amtmann
Zehetmayer Anton, Kleinhäusler/Inwohner
Zehetmayer Joseph
Zenner, Gastwirt
Zirkl Katharina
Zisch Joseph, Hauer
Zisch Mathias, Kleinhäusler/Inwohner
Zollner, Kleinhäusler/Inwohner
Zweck Johann, Schneidersohn
Quellen:
Berggasse
Die Berggasse zählt zweifellos zu den ältesten Straßenzügen Mistelbachs – schließlich nahm die Besiedelung ihren Anfang rund um den Kirchenberg, den die Berggasse auf der der Stadt zugewandten Seite umfasst. Alle Aufstiege von der Stadt zur Kirche nehmen in der Berggasse ihren Anfang: die Pfarrstiege und die Marktstiege, der Steig am Ende der Barnabitenstraße sowie der im Bereich der Bruderhofgasse gelegene Weg.
Die beiden Stiegen, die in der Berggasse ihren Anfang nehmen: links die Marktstiege mit den Statuen des hl. Martin und hl. Florian; rechts die Pfarrstiege mit den Statuen des hl. Petrus und hl. Paulus
Doch nicht nur am Weg zur Kirche führte sprichwörtlich kein Weg an dieser langgezogene Gasse vorbei – eine herausragende Rolle kam ihr zweifellos als Verbindungsstraße zwischen dem geistlichen Machtzentrum – dem alten Pfarrhof, der einst anstelle des Kollegs stand – und dem weltlichen Machtzentrum – dem alten Marktplatz (im Bereich Kellergasse/Mittelgasse/Neustiftgasse/Kanalgasse/obere Neustiftgasse/Josefigasse) mit dem angrenzenden Schloss der Herren von Mistelbach, zu.
Trotz dieser prominenten Lage beherbergte die Berggasse, wie überhaupt das gesamte Kirchenbergareal, stets die ärmeren Bevölkerungsgruppen: Handwerksgesellen, Hilfsarbeiter, Tagelöhner samt ihren Familien wohnten hier zumeist in Kleinhäuser bzw. in zu Wohngebäuden umgebauten Presshäusern. Dazu passt, dass an der Adresse Berggasse Nr. 7 im Jahre 1865 das neu errichtete Gemeinde-Armenhaus eröffnet wurde. Anfangs zum Teil aus Mitteln des Pfarr-Armenfonds finanziert, übernahm die Gemeinde wenig später die Verwaltung und Kosten für den Betrieb dieser bis 1936 hier bestehenden Einrichtung, vollständig.
Der Name dieser Gasse ist aufgrund ihrer Lage naheliegend und daher sicherlich bereits Jahrhunderte vor der offiziellen Einführung von Straßennamen im Jahre 1898 gebräuchlich gewesen.
Wo befindet sich die Berggasse?
Bildnachweis:
Ansichtskarte aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
Quellen:
Spreitzer, Prof. Hans: „Von den Häusern, Straßen, Gassen und Plätzen Mistelbachs“ In: Mistelbach Geschichte I (1974), S. 186, 226;
Gemeindevertretung Mistelbach – Teil 1 (1850-1919)
Bereits im Jahr 1964 wurde anlässlich der Feierlichkeiten zu „90 Jahre Stadterhebung“ im Rahmen der Schriftenreihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“ eine Auflistung der Gemeinderäte der Stadt Mistelbach veröffentlicht. In Ermangelung von Quellenmaterial beschränkte man sich allerdings auf eine Rekonstruktion ab dem Jahr 1874 (dem Jahr der Stadterhebung) und die Autoren Prof. Hans Spreitzer und Bürgermeister Franz Bayer wiesen schon im Vorwort auf zahlreiche Lücken aufgrund der bescheidenen Quellenlage hin. Tatsächlich konnten durch umfangreiche Recherchen zu diesem Beitrag viele Lücken geschlossen bzw. so manches richtiggestellt werden. Nachdem eine Darstellung der Mistelbacher Gemeindevertretungen bzw. der Wahlen, die diesen in der Regel vorausgingen, recht umfangreich werden wird, erfolgt die Veröffentlichung in drei Teilen und wird sich vorerst auf den Zeitraum 1850 bis 2000 beschränken. Der vorliegende Beitrag behandelt den Zeitraum von 1850 bis 1919, also jener Gemeindevertretungen, die in die Zeit der Monarchie fielen. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-1861229
Die ersten Gemeindewahlen in Mistelbach begannen mit den Wahlen im 3. Wahlkörper, die am 2. Juli 1850 stattfanden. Von den 426 Wahlberechtigten in diesem Wahlkörper machten allerdings lediglich 40 Personen und damit weniger als 10 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Wahlen im 1. und 2. Wahlkörper fanden am Tag darauf statt und zeigten laut einem historischen Beitrag („Chroniken erzählen …“) im „Mistelbacher Bote“ hingegen eine starke Wahlbeteiligung.230 Weitere Details zur Wahl sind leider nicht überliefert, aber nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Hafner, Lebzelter
Gemeinderäte: Johann Brandstetter (auch Prandstetter), Bäcker; Josef Hummel, Wundarzt; Josef Biberich, Drechsler;
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Strasser sen., Lederer; Karl Hauk, Kaufmann; Karl Ruprecht, Kaufmann; Josef Küttner, Hutmacher; Lorenz Heindl, Wirtschaftsbesitzer; Johann Wolf, Greißler; Franz Diem, Fleischer; Franz Artner, Fleischer; Johann Michl (auch Michel), Sattler; Ignaz Tischer, Schneider; Ludwig Schmidt, Wundarzt; A. Schneider, Tischler; Karl Melbinger, Buchbinder; M. Heß, Viktualienhändler
1859 scheint Gemeinderat Josef Hummel als Wundarzt in Wilhelmsdorf bei Poysdorf auf und ein Wegzug aus dem Gemeindegebiet bedeutete jedenfalls das Ausscheiden aus dem Gemeindeausschuss. Hummel dürfte sich jedoch bereits deutlich früher aus Mistelbach verabschiedet haben. Diesen Schluss legt zumindest der zwischen Staatsverwaltung und Gemeinde geschlossene Vertrag betreffend die Errichtung des Gerichtsgebäudes (Hauptplatz Nr. 2) aus dem Jahr 1852 nahe. Seitens der Gemeinde wurde dieser Vertrag von den Mitgliedern des Gemeindevorstands (Bürgermeister und Gemeinderäte) unterzeichnet, und tatsächlich scheint Hummels Unterschrift hier nicht mehr auf, dafür aber jene von Johann Michl. Scheinbar dürfte also Johann Michel bereits Anfang der 1850er Jahre als Nachfolger von Hummel – nach dessen Wegzug – in den Gemeindevorstand gewählt worden sein.231
Da die 1850 gewählten Mitglieder des Gemeindeausschusses, und auch der Bürgermeister, ihre Ämter nur aus triftigen Gründen zurücklegen durften, ist ansonsten davon auszugehen, dass die weiteren Mitglieder des Gemeindeausschusses bis zur mehr als zehn Jahre später stattfindenden Wahl in ihren Ämtern verlieben.
1861-1864232
Bürgermeister: Johann Schwarz sen., Landwirt
1. Gemeinderat: Ferdinand Eisenhut, Landwirt
2. Gemeinderat: Josef Küttner, Hutmacher
3. Gemeinderat: Josef Fischer, Gastwirt und Fleischhauer;
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Karl Bruckner; Franz Czinglar sen., Kaufmann; Josef Schürz; Anton Schön; Franz Artner, Fleischhauer; Anton Steiner, Tischler; Karl Weingartshofer; Martin Schodl, Landwirt; Dominik Kothmayer; Michael Misch; Mathias Misch; Philipp Sünder; Josef Schmelzer; Johann Krames
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (6 aus dem 1., 6 aus dem 2. und 6 aus dem 3. Wahlkörper).
1864-1867233
Bürgermeister: Andreas Schreiber sen., Gastwirt
1. Gemeinderat: Martin Schodl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ferdinand Eisenhut, Wirtschaftsbesitzer
Dem Gemeindeausschuss dürfte jedenfalls auch der Kaufmann Franz Czinglar sen. angehört haben.234
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (6 aus dem 1., 6 aus dem 2. und 6 aus dem 3. Wahlkörper).
Im Jahr der Wahl kam es dann noch zu einem Wechsel an der Spitze der Gemeindevertretung und der 1. Gemeinderat Martin Schodl übernahm interimistisch das Amt des Bürgermeisters bis zur planmäßigen Neuwahl.
1867-1870235
Nachdem laut den Recherchen von Spreitzer/Bayer die Zeit von 1850 bis 1867 von einer bäuerlich-konservativen Mehrheit im Gemeindeausschuss geprägt war, ändert sich dies nun im Zuge der Wahl des Jahres 1867 bei der erstmals liberale Kräfte triumphierten und eine klare Mehrheit erringen konnten. Mehr als 20 Jahre sollten die Liberalen, die sich im Wesentlichen aus Gewerbetreibenden und Beamten zusammensetzten, unter der Führung von Bürgermeister Josef Strasser die Geschicke Mistelbachs bestimmen. Nach der Gemeindeausschusswahl konstituierte sich die neue Gemeindevertretung am 21. Juli 1867 wie folgt:
Bürgermeister: Josef Strasser, Lederer
1. Gemeinderat: Franz Czinglar sen., Kaufmann
2. Gemeinderat: Josef Edhofer, Bäcker
3. Gemeinderat: Martin Schodl, Wirtschaftsbesitzer
Dem Gemeindeausschuss gehörten weiters an: Dr. Innocenz von Schluetenberg, Arzt; Franz Kainz, Schuhmacher; Franz Koblischek sen., Kaufmann und Postmeister; Adalbert Hackl, Eisenhändler; August Lubovienski, Apotheker; Josef Eibl (Nr. 146), Landwirt; Georg Trestler; Ignaz Simperler; Karl Weingartshofer; Johann Schwarz sen., Fruchthändler; Franz Hafner, Lebzelter; Johann Krames; Josef Bacher; Franz Geyer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (6 aus dem 1., 6 aus dem 2. und 6 aus dem 3. Wahlkörper).
Die liberale Gesinnung des Gemeindeausschusses geht auch aus einer Zeitungsmeldung der „Neuen Freien Presse“ aus dem Oktober 1867 hervor, die davon berichet, dass sich dessen Mitglieder mit lediglich einer Ausnahme (Koblischek) für die Aufhebung des Konkordats von 1855 (Vertrag zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl betreffend die Stellung der katholischen Kirche) aussprachen und beabsichtigten in Kürze einen gleichlautenden formellen Beschluss im Gemeindeausschuss zu fassen.236
1870-1873237
Bürgermeister: Josef Strasser, Lederer
1. Gemeinderat: Franz Czinglar sen., Kaufmann
2. Gemeinderat: Josef Edhofer, Bäcker
3. Gemeinderat: Martin Schodl, Wirtschaftsbesitzer
4. Gemeinderat: Franz Koblischek sen., Kaufmann und Postmeister
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (6 aus dem 1., 6 aus dem 2. und 6 aus dem 3. Wahlkörper), zu diesen gehörte u.a. August Lubovienski
1873-1876238
Zum Ergebnis der Gemeindeausschusswahl vom 26. Juni 1873 liegen zwar keine detaillierten Informationen vor, allerdings wurden laut einem Bericht in der Zeitung „Neues Wiener Blatt“ ausschließlich Kandidaten der liberalen, verfassungstreuen Partei – also der „Strasser-Partei“ – gewählt.239 Zu diesem Schluss kommt auch der Eintrag von Spreitzer und Bayer zu dieser Wahl, der auch die nachstehend vorgenommene politische Zuordnung des Gemeindevorstands ermöglichte und darüber hinaus eine „beispiellos geringe Wahlbeteiligung“ erwähnt.240 Nach der konstituierenden Sitzung vom 6. Juli 1873 setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen241 :
Bürgermeister: Josef Strasser, Lederwarenfabrikant (liberal)
1. Gemeinderat: Josef Edhofer, Bäcker (liberal)
2. Gemeinderat: Franz Koblischek sen., Kaufmann und Postmeister (liberal)
3. Gemeinderat: Martin Schodl, Wirtschaftsbesitzer (konservativ)
4. Gemeinderat: Leopold Kipp, k.k. Notar (liberal)
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (6 aus dem 1., 6 aus dem 2. und 6 aus dem 3. Wahlkörper), zu diesen gehörte u.a. August Lubovienski
1876-1879242
War schon beim vorangegangenen Wahlgang eine äußerst niedrige Wahlbeteiligung zu beklagen, erreichte diese 1876 mit 59 Wählern in allen drei Wahlkörpern zusammen ihren absoluten Tiefpunkt. Die niedrige Wahlbeteiligung war natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass außer Strasser und seinen liberalen Gefolgsleuten keine Gegenpartei kandidierte. Dies ließ das Interesse an einer Beteiligung an der Wahl deutlich sinken.
Im 3. Wahlkörper wurden gewählt: Josef Strasser, Josef Edhofer, Leopold Kipp, Franz Schram, Mathias Neckam und Josef Spieß.
Im 2. Wahlkörper wurden gewählt: Michael Hacker, Franz Koblischek sen., Michael Hofecker, Leopold Hacker, Paul Frank (Frank war nachgerückt, nachdem der eigentlich gewählte August Lubovienski auf die Annahme der Wahl verzichtet hatte), Josef Dunkl sen.
Im 1. Wahlkörper wurden gewählt: Dr. Rudolf Schaschetzy, Georg Trestler, Franz Czinglar sen. (nachdem dieser auf die Wahl verzichtet hatte, rückte Franz Schodl nach), Josef Steininger, Adalbert Hackl und Michael Selbach
Es herrschte damals ein Persönlichkeitswahlrecht und es existierte keine Kandidatenliste, sondern die Wahlberechtigten konnten einfach mehrere Namen (idR wurden sechs Personen pro Wahlkörper gewählt) auf die Wahlzettel schreiben. Natürlich gab es Personen, die gemeinschaftlich mit anderen um die Wählergunst warben, und wenig überraschend kam es auch vor, dass Personen gewählt wurden, die an einer Betätigung im Gemeindeausschuss kein Interesse hatten. Grundsätzlich war man damals allerdings verpflichtet eine erfolgte Wahl anzunehmen und nur unter strengen Voraussetzungen wurde einem das Recht zugebilligt, auf das Mandat verzichten zu können. Beispielsweise konnte man die Annahme der Wahl verweigern, wenn man bereits in der Vergangenheit für zwei Perioden dem Gemeindeausschuss angehört hatte. Genau dies traf bei Lubovienski und Czinglar sen. zu und daher verzichteten sie auf ihre Mandate. Dadurch rückten die beiden im Wahlergebnis nächst gereihten Kandidaten nach und hierbei handelte es sich um Paul Frank und Franz Schodl.
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Strasser, Lederwarenfabrikant
1. Gemeinderat: Josef Edhofer, Bäcker
2. Gemeinderat: Franz Koblischek sen., Kaufmann und Postmeister
3. Gemeinderat: Michael Hacker, Wirtschaftsbesitzer
4. Gemeinderat: Leopold Kipp, k.k. Notar
Dem Gemeindeausschuss gehörten weiters an: Franz Schram, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Neckam, Wirtschaftsbesitzer; Josef Spieß, Wirtschaftsbesitzer; Michael Hofecker, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Hacker, Wirtschaftsbesitzer; Paul Frank; Josef Dunkl sen., Baumeister; Dr. Rudolf Schaschetzy, Advokat; Georg Trestler, Wirtschaftsbesitzer; Franz Schodl; Josef Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Adalbert Hackl, Eisenhändler; Michael Selbach, Riemer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (6 aus dem 1., 6 aus dem 2. und 6 aus dem 3. Wahlkörper).
1879-1882243
In einem Bericht der Zeitung „Die Presse“ über den Wahlausgang in Mistelbach steht zu lesen: „… trotz aller Agitation gegen den streng verfassungstreuen Bürgermeister Strasser, erlitt die Gegenpartei eine vollständige Niederlage und konnte mit keinem einzigen Kandidaten eine Majorität erzielen. Es wurde seitens der Gegenpartei Protest gegen die Wahl erhoben, der jedoch seitens der niederösterreichischen Statthalterei abgewiesen wurde.“
Unklar bleibt, um wen es sich bei der erwähnten „Gegenpartei“ handelte. War es der erste und zu diesem Zeitpunkt außergewöhnlich frühe Auftritt deutschnationaler Vertreter, die binnen des folgenden Jahrzehnts sukzessive die Mehrheit im Mistelbacher Gemeindeausschuss eroberten? Nahezu auszuschließen ist ein Comebackversuch konservativer Kräfte. Möglicherweise handelte es sich (zunächst noch) gar nicht um eine Gegenpartei im politisch-ideologischen Sinne, sondern vielleicht waren persönliche Differenzen die Ursache für die neu auftretende Konkurrenz.
Im Zeitraum 1879-1882 stellte sich der Gemeindeausschuss jedenfalls wie folgt dar:
Bürgermeister: Josef Strasser, Lederwarenfabrikant
1. Gemeinderat: Josef Edhofer, Bäcker
2. Gemeinderat: Franz Koblischek sen., Kaufmann und Postmeister
3. Gemeinderat: Michael Hacker, Wirtschaftsbesitzer
4. Gemeinderat: Leopold Kipp, k.k. Notar
5. Gemeinderat: Michael Selbach, Riemer
Dem Gemeindeausschuss gehörten weiters an: Rudolf Schaschetzy, Advokat; Adalbert Hackl, Eisenhändler; Franz Czinglar jun., Kaufmann; Josef Eibel, Glasermeister; Josef Eibel, Wirtschaftsbesitzer; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Anton Trestler, Wirtschaftsbesitzer; Georg Trestler, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Kothmeier, Wirtschaftsbesitzer; Josef Eibl, Wirtschaftsbesitzer; Franz Schram, Wirtschaftsbesitzer; Josef Dunkl sen., Maurer- und Zimmermeister;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (6 aus dem 1., 6 aus dem 2. und 6 aus dem 3. Wahlkörper).
1882-1885244
Bei der Gemeindeausschusswahl Ende Juni 1882 setzten sich neuerlich mehrheitlich Strasser und seine Liberalen durch.
Im dritten Wahlkörper wurden gewählt: Josef Strasser, Josef Edhofer, Michael Hofecker, Michael Hacker und Adalbert Hackl, Franz Koblischek sen.; als Ersatzleute: Paul Frank und Josef Weber
Im zweiten Wahlkörper wurden gewählt: Josef Hacker (Nr. 72), Josef Eibl (Nr. 148), Josef Eibl (Nr. 146), Martin Steininger, Martin Weiß und Josef Gössinger; als Ersatzleute: Friedrich Hacker und Josef Pölzlmayer
Im ersten Wahlkörper wurden gewählt: Heinrich Westermayer, Leopold Kipp, Josef Eibel, Josef Dunkl sen., Georg Trestler und Dr. Rudolf Schaschetzy; als Ersatzleute: Karl Ibel und Bernhard Steiner
Nach der konstituierenden Sitzung am 9. Juli 1882 setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Strasser, Lederwarenfabrikant
1. Gemeinderat: Franz Koblischek sen., Kaufmann und Postmeister
2. Gemeinderat: Josef Edhofer, Bäcker
3. Gemeinderat: Leopold Kipp, k.k. Notar
4. Gemeinderat: Michael Hacker, Wirtschaftsbesitzer
Dem Gemeindeausschuss gehörten weiters an: Michael Hofecker, Wirtschaftsbesitzer; Adalbert Hackl, Eisenhändler; Josef Hacker (Nr. 72), Wirtschaftsbesitzer; Josef Eibl (Nr. 148), Wirtschaftsbesitzer; Josef Eibl (Nr. 146), Wirtschaftsbesitzer; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Martin Weiß, Wirtschaftsbesitzer; Josef Gössinger, Schlossermeister; Heinrich Westermayer, Kaufmann; Josef Eibel, Glasermeister; Josef Dunkl sen., Maurer- und Zimmermeister; Georg Trestler, Wirtschaftsbesitzer; Dr. Rudolf Schaschetzy, Advokat;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern.
Ersatzmänner: Paul Frank, Josef Weber, Friedrich Hacker, Josef Pölzlmayer, Karl Ibel, Bernhard Steiner, Tischlermeister
1885-1888245
Bei der Gemeindeausschusswahl vom 18. Juni 1885 standen sich zwei Parteien gegenüber: die Liberalen um den langjährigen Bürgermeister Strasser und die Deutschnationalen. Es gab 18 Mandate in drei Wahlkörpern zu vergeben. Bei geringer Wahlbeteiligung entfielen zehn Mandate auf die Liberalen und acht Mandate auf die Deutschnationalen. Ein letztes Mal konnten Strasser und seine liberalen Gefolgsleute also noch die Mehrheit im Gemeindeausschuss erringen. Die Wiederwahl Strassers im Zuge der konstituierenden Sitzung gestaltete sich schwieriger als nach den letzten Wahlen – Strasser wurde lediglich mit 10 Stimmen – also mit einer Stimme Mehrheit – zum Bürgermeister gewählt. Angeblich soll er vor der Wahl die Annahme der Bürgermeisterstelle von einer einstimmigen Wahl abhängig gemacht haben und das Quorum nach der Wahl bzw. vor der konstituierenden Sitzung auf eine große Mehrheit revidiert haben. Letzten Endes musste er sich dann mit einer knappen einfachen Mehrheit zufriedengeben. Auch ansonsten gab es ein paar Besonderheiten bei dieser ersten Gemeindeausschusssitzung nach der Wahl: Bernhard Steiner der damals eigentlich zu den Liberalen um Strasser zählte, paktierte insgeheim mit der Gegenpartei (= den Deutschnationalen) und wurde mit deren Hilfe (und der eines weiteren Liberalen) zum 1. Gemeinderat gewählt. Dass er auf diese Art den von seinen Parteifreunden nominierten Kandidaten Edhofer ausstach, brachte ihm garantiert keine Sympathien ein. Tatsächlich verhielt er sich auch gegenüber den Deutschnationalen wortbrüchig, denn diesen hatte er seine Stimme für ihre Kandidaten zugesagt, sofern sie ihn bei der Wahl zum 1. Gemeinderat unterstützen. Die Deutschnationalen hielten die Vereinbarung ein, Steiner nicht. Doch sollte diese Begebenheit einer weiteren Annäherung Steiners an die Deutschnationalen nicht im Wege stehen, schließlich wurde er nach der Wahl 1888 als deren Kandidat zum Bürgermeister gewählt. Der 4. Gemeinderat wurde seitens der Mehrheitspartei offenbar den Deutschnationalen überlassen, da für diese Stelle ausschließlich Deutschnationale nominiert wurden. Schließlich setzte sich Josef Hacker gegen seinen parteiinternen Konkurrenten durch.
Im 3. Wahlkörper waren 570 Personen wahlberechtigt, es erschienen jedoch lediglich 291 Personen zur Wahl. Gewählt wurden folgende Personen: Josef Strasser, Josef Edhofer, Karl Ibel, Josef Dunkl sen., Bernhard Steiner, Josef Eibl; als Ersatzmänner: Franz Filippinetti, Ludwig Gspann
Von den 126 Wahlberechtigten im 2. Wahlkörper, machten 75 Personen von ihrem Wahlrecht Gebrauch und wählten folgende Personen in den Gemeindeausschuss: Martin Weiß, Michael Hofecker, Josef Eibl (Nr. 148), Josef Hacker, Anton Keltscher, Josef Gobitschek; als Ersatzmänner: Alois Koch, Martin Steininger
Im 1. Wahlkörper erschienen 29 von 43 Wählern und gewählt wurden: Hugo Riedel, Leopold Kipp, Heinrich Westermayer, Franz Czinglar jun., Thomas Freund, August Lubovienski; als Ersatzmänner: Karl Lehner, Johann Schwarz jun.
Nach der konstituierenden Sitzung vom 29. Juni 1885 setzte sich der Mistelbacher Gemeindeausschuss wie folgt zusammen246:
Bürgermeister: Josef Strasser, Lederwarenfabrikant (liberal)
1. Gemeinderat: Bernhard Steiner, Tischlermeister (liberal)
2. Gemeinderat: Leopold Kipp, k.k. Notar (liberal)
3. Gemeinderat: Josef Edhofer, Bäckermeister (liberal)
4. Gemeinderat: Josef Hacker, Wirtschaftsbesitzer (deutschnational)
Gemeindeausschüsse: Franz Czinglar jun., Kaufmann (deutschnational); Josef Dunkl sen., Maurer- und Zimmermeister (liberal); Josef Eibel (Nr. 36), Glasermeister (liberal); Josef Eibl (Nr. 148), Wirtschaftsbesitzer (deutschnational); Thomas Freund, Kaufmann (deutschnational); Josef Gobitschek, Pfaidler (=Hemdenmacher/-händler) (deutschnational); Michael Hofecker, Wirtschaftsbesitzer (deutschnational); Karl Ibel, Eisenhändler (liberal); Anton Keltscher, Schmiedemeister (liberal); August Lubovienski, Apotheker (deutschnational); Hugo Riedel, Landes-Ingenieur (liberal); Martin Weiß, Wirtschaftsbesitzer (deutschnational); Heinrich Westermayer, Kaufmann (liberal);
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 18 Mitgliedern (jeweils 6 aus jedem der 3 Wahlkörper).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Karl Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Johann Schwarz jun., Hausbesitzer; Alois Koch, Fleischhauer; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Franz Filippinetti, Rauchfangkehrermeister; Ludwig Gspann, pens. Volksschullehrer;
Laut einem Bericht im stramm deutsch-nationalen und somit Strasser kritisch gegenüberstehenden “Untermanhartsberger Kreis-Blatt” soll Strasser Anfang April 1886 aufgrund einer Nichtigkeit der Gemeindevertretung seinen Rücktritt als Bürgermeister mitgeteilt haben. Im Zuge einer außerordentlichen Gemeindeausschusssitzung wurde diese Abdankung jedoch nicht angenommen. Stattdessen stimmte die Mehrheit im Gemeindeausschuss, bei zwei Gegenstimmen (Lubovienski und Gobitschek), dafür den Bürgermeister für sechs Wochen, also bis Ende Mai 1886, zu beurlauben. Es sollte ihm damit augenscheinlich Gelegenheit gegeben werden diese Entscheidung nochmals zu überdenken. Das Untermanhartsberger Kreis-Blatt äußerte sich kritisch zur Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens, denn man könne einen gemäß eigener Erklärung zurückgetretenen Bürgermeister nicht beurlauben.247 Naturgemäß war Bürgermeister Strasser über die gegen ihn gerichtete Berichterstattung des „Untermanhartsberger Kreis-Blattes“ nicht erfreut. Das Blatt forderte ihn sogar auf, sollte es Unwahrheiten verbreitet haben, dagegen zu klagen und Berichtigung zu fordern. Hinweise zu einer gerichtlichen Auseinandersetzungen in diesem Fall liegen nicht vor.248
Nach Ablauf der Periode seiner Beurlaubung hat Strasser das Amt des Bürgermeisters wieder übernommen, was seitens des Untermanhartsberger Kreis-Blatts zynisch kommentiert wurde.249 Diese Episode zeigt, dass Strasser, der viele Jahre die uneingeschränkte Unterstützung in der Bevölkerung und im Gemeindeausschuss genoss, mit der Tatsache, dass er sich seit den 1885 abgehaltenen Wahlen lediglich auf eine sehr knappe Mehrheit stützte, nur schwer zurechtkam. Spätestens seit dieser Begebenheit dürfte er als Bürgermeister angezählt gewesen sein.
Als Hugo Riedel im Sommer des Jahres 1886 aus beruflichen Gründen nach Wien übersiedelte, schied er zweifellos auch aus dem Mistelbacher Gemeindeausschuss aus. An seiner Stelle dürfte der als Ersatzmann im ersten Wahlkörper gewählte Karl Lehner in den Gemeindeausschuss nachgerückt sein.
1888-1891250
Bei den am 13. und 14. Juni 1888 stattgefundenen Gemeindeausschusswahlen gelang den Deutschnationalen ein großer Triumph, der gleichzeitig das Ende der Amtszeit des liberalen Bürgermeisters Strasser mit sich brachte. Alle Mandate in den drei Wahlkörpern gingen an die bisherige Opposition (Deutschnationale mit Unterstützung der Bauern), sodass sich die Liberalen im 1. Wahlkörper schließlich gar keiner Wahl mehr stellten.
Tatsächlich handelte es sich bei den Siegern der Wahl 1888 um die Kandidaten eines “antiliberalen” Wahlbündnisses, bestehend aus konservativ-klerikalen bäuerlichen Kandidaten und deutschnationalen Beamten und Gewerbetreibenden, das von letzteren angeführt wurde. Beide Gruppierungen standen den Liberalen, die von ihnen als “Judenpartei” bezeichnet wurden, feindselig gegenüber. Die konservative Kremser Zeitung berichtete mit Bezug auf die Mistelbacher Gemeindeausschusswahl von den “… durchgefallenen Kandidaten der Judenpartei…” einerseits und andererseits davon, dass es bei den Neugewählten “… durchwegs [um] Männer mit christlicher Gesinnung …” handle.251 Wichtig ist dabei das Wort Gesinnung: es wurde hiermit eine klare Abgrenzung zwischen liberal (jüdisch) und christlich (klerikal-konservativ und deutschnational) propagiert. Jüdische Kandidaten gab es bei den Liberalen in Mistelbach übrigens nicht, wohl aber natürlich auf Reichsratsebene bzw. unter den Herausgebern und Redakteuren dieser politischen Strömung nahestehender großer (Tages-)Zeitungen.
Im dritten Wahlkörper machten von 421 Wahlberechtigten 329 Personen von ihrem Wahlrecht Gebrauch und wählten: Johann Schwarz jun., Heinrich Westermayer, Thomas Freund, Franz Czinglar jun., Josef Eibl (Nr. 148) und Karl Simperler
Im zweiten Wahlkörper beteiligten sich von 119 Wahlberechtigten 79 Personen an der Wahl und wählten: Karl Lehner, Jakob Augustin, Josef Gobitschek, Martin Steininger, Felix Roller sen. und Josef Fally
Im ersten Wahlkörper nahmen 23 von 40 Wahlberechtigten ihr Wahlrecht wahr und wählten: Leopold Kipp, Rudolf Schaschetzy, Josef Edhofer, Bernhard Steiner, Karl Katschthaler und August Lubovienski
Die größte Zustimmung in allen drei Wahlkörpern erzielte der Kaufmann Heinrich Westermayer, was ihn zum Kandidaten für das Bürgermeisteramt prädestinierte und als weiterer Favorit galt der Bäckermeister Edhofer. Doch nachdem Westermayer erklärte für dieses Amt nicht zur Verfügung zu stehen, konstituierte sich der Gemeindeausschuss im Juni 1888 schließlich wie folgt252:
Bürgermeister: Bernhard Steiner, Tischlermeister
1. Gemeinderat: Heinrich Westermayer, Kaufmann
2. Gemeinderat: Leopold Kipp, k.k. Notar
3. Gemeinderat: August Lubovienski, Apotheker
4. Gemeinderat: Karl Lehner, Wirtschaftsbesitzer
5. Gemeinderat: Franz Czinglar jun., Kaufmann
Gemeindeausschüsse: Jakob Augustin, Wirtschaftsbesitzer; Josef Eibl, Wirtschaftsbesitzer (Nr. 148); Josef Edhofer, Bäckermeister; Josef Fally, Wirtschaftsbesitzer; Thomas Freund, Kaufmann; Josef Gobitschek, Pfaidler (=Hemdenmacher/-händler); Karl Katschthaler, Volksschullehrer; Felix Roller sen., Webermeister; Dr. Rudolf Schaschetzy, Advokat; Johann Schwarz jun., Hausbesitzer; Karl Simperler, Wirtschaftsbesitzer; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer;
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Steininger, Wirtschaftsbesitzer (Nr. 192); Mathias Nekam, Wirtschaftsbesitzer; Franz Schallgruber, Schmiedmeister; Alois Koch, Fleischer; Franz Mühl, Bürstenmacher; Emil Hackl, Eisenhändler;
Bereits am 7. Oktober 1888, also knapp drei Monate nach seiner Wahl, legte Bürgermeister Steiner sein Amt zurück, da er schon nach kurzer Zeit den Rückhalt im Gemeindeausschuss und insbesondere bei seinen deutsch-nationalen Gesinnungsgenossen verloren hatte. Beispielsweise wurde der von ihm eingebrachte Antrag seinem Amtsvorgänger Josef Strasser für seine 21-jährige Tätigkeit als Bürgermeister Dank auszusprechen von der Mehrheit abgelehnt – ein Affront nicht nur gegenüber dem verdienten Altbürgermeister. Wenig später wurde er erneut desavouiert, als eine von ihm gegebene Zusage für die Nutzung des Saales des Hotel Rathauses von der Mehrheit des Gemeindeausschusses widerrufen wurde. Auch sonst zeigten sich viele der bei der Wahl siegreichen Strasser-Gegner mit der Amtsführung Steiners unzufrieden und somit blieb ihm kaum eine andere Wahl als zu demissionieren. Zu seinem Nachfolger wurde schließlich Thomas Freund gewählt, der erst seit 1876 als Kaufmann in Mistelbach ansässig war und ursprünglich aus Laa a.d. Thaya stammte.253 Bestimmt hätte damals niemand gedacht, dass Freunds – wohl nur als Interregnum gedachte – Amtszeit als Bürgermeister letztlich 23 Jahre dauern würde.
Josef Gobitschek, der bereits seit einiger Zeit schwer herzkrank war, schied am 17. Juni 1889 freiwillig aus dem Leben.254 Welcher der Ersatzmänner ihm in den Gemeindeausschuss nachfolgte ist unklar.
1891-1894255
Im Zuge des Wahlkampfs kam es zu heftiger Agitation zwischen den beiden kandidierenden Gruppierungen: den Deutschnationalen und den Liberalen. Dabei hatte es zunächst seitens der Deutschnationalen ein Angebot an die Liberalen betreffend einem Wahlkompromiss – also eine Einigung auf gemeinsame Kandidaten – gegeben. Die Liberalen, die bei der letzten Wahl eine verheerende Niederlage erlitten hatten, zeigten sich grundsätzlich offen für Verhandlungen, blieben aber skeptisch, ob es sich bei diesem Angebot nicht um eine Wahlfinte handelte. Noch während der Verhandlungen zum Kompromiss dürfte das Vertrauen durch aggressive Agitation mit persönlichen Vorwürfen durch die Deutschnationalen zerstört worden sein. Laut dem den Liberalen nahestehenden „Bote aus Mistelbach“ soll das Kompromissangebot der Deutschnationalen damit in Zusammenhang gestanden sein, dass sie im Vorfeld den Bauern für ihre Stimmen bereits so viele Mandate zugesagt hatten, sodass die bäuerlichen Vertreter die Mehrheit im Gemeindeausschuss gestellt hätten. Dies gedachte man durch einen bürgerlichen Kompromiss mit den Liberalen zu verhindern, aber die Liberalen sahen sich schlussendlich in der Vermutung eines Wahlkampfmanövers bestätigt.256 Letztlich scheint man mit den Bauern doch handelseins geworden zu sein bzw. dürften die Sorgen vor einem Comebackversuch Strassers zu groß gewesen sein und daher ließ das Wahlkomitee rund um Bürgermeister Freund im Zuge des Wahlkampfes Plakate und Flugblätter verbreiten, die den Liberalen während ihrer bis 1888 währenden Vorherrschaft im Gemeindeausschuss Unregelmäßigkeit bzw. Verfehlungen bei der Finanzgebarung und der Führung der städtischen Sparkasse vorwarfen.257 Damit waren die Kompromissbemühungen natürlich gescheitert und einige Wochen nach der Wahl mussten sich Freund und vierzehn seiner Parteigänger in dieser Angelegenheit in Korneuburg vor Gericht verantworten. Freund konnte offenbar überzeugend vermitteln in diese Sache nicht involviert gewesen zu sein und als Bürgermeister gab er sich als über dem Parteigeplänkel stehend. In erster Instanz wurde Bürgermeister Freund freigesprochen, aber die vierzehn Mitangeklagten zunächst zu geringfügigen Geldstrafen verurteilt. In einem Berufungsverfahren wurde das erstinstanzliche Urteil lediglich insofern abgeändert, als drei weitere Personen freigesprochen wurden, ansonsten wurde der Urteilsspruch bestätigt.258
Tatsächlich konnten sich die Deutschnationalen erneut mit großer Mehrheit durchsetzen, sodass die Liberalen zwar im Gemeindeausschuss vertreten waren, allerdings konnte sich bei der Wahl der Gemeinderäte (also dem Gemeindevorstand) im Rahmen der konstituierenden Sitzung keines ihrer Mitglieder durchsetzen:
Bürgermeister: Thomas Freund, Kaufmann (deutschnational)
1. Gemeinderat: Franz Czinglar jun., Kaufmann (deutschnational)
2. Gemeinderat: Dr. Rudolf Schaschetzy, Advokat (deutschnational)
3. Gemeinderat: Heinrich Westermayer, Kaufmann (deutschnational)
4. Gemeinderat: Karl Lehner, Wirtschaftsbesitzer (deutschnational)
5. Gemeinderat: Johann Schwarz jun., Fruchthändler (deutschnational)
6. Gemeinderat: Josef Eibl (Nr. 148), Wirtschaftsbesitzer (deutschnational)
Weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Eibl (Nr. 146), Wirtschaftsbesitzer; Josef Fally, Wirtschaftsbesitzer; Josef Hacker, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Hacker, Wirtschaftsbesitzer; Franz Koblischek jun., k.k. Postmeister; Alois Koch, Fleischhauer; Johann Lechner, Kürschnermeister; Michael Ollinger, Wirtschaftsbesitzer; Franz Reumann, Fleischhauer; Felix Roller sen., Webermeister; Franz Schallgruber, Schmiedemeister; Karl Simperler, Wirtschaftsbesitzer; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Josef K. Strasser (Nr. 24 u. 25), Gerbermeister
Der Gemeindeausschuss bestand aus 21 Mitgliedern
Die Wahlen im Gemeindevorstand erfolgten allesamt mit 20 von 21 Stimmen, was tatsächlich wenig Interpretationsspielraum für liberale Mitglieder im Gemeindeausschuss lässt. Nach der konstituierenden Sitzung begaben sich die Mitglieder des Gemeindeausschusses zu einer kleinen Feier in den Rathausgarten (=Stadtpark). Im Gegensatz zu dieser friedlich verlaufenen Feier, scheint es dann später im Gemeindegasthaus (=Hotel Rathaus – heute: Erste Bank) noch zu einer Auseinandersetzung gekommen zu sein – hierzu heißt es in der deutschnationalen „Oesterreichischen Land-Zeitung“ wörtlich: “Es hatte nur ein kleines Nachspiel im Gastzimmer des Gemeindegasthauses, wo nach dem Eindringen einiger Gegner ein regelrechter Bürgerkrieg entstand.”259
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Jakob Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Steiniger (Nr. 192), Wirtschaftsbesitzer; Josef Loibl, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Neckam, Wirtschaftsbesitzer; Anton Schnaß, Gastwirt; Eduard Schindler, Seifensieder; Leopold Hobersdorfer, Schmiedmeister; Josef Steininger (Nr. 87), Wirtschaftsbesitzer; Josef Eibl (Nr. 17), Vergolder;
1894-1900260
Die Liberalen dürften aufgrund der aussichtslosen Ausgangslage von vorneherein auf eine Kandidatur verzichtet haben261 und in Ermangelung einer Gegenpartei konnten sich Freund und die Deutschnationalen alle Mandate sichern. In der Berichterstattung zur Wahl schlich sich bei der liberalen „Neuen Freien Presse“ ein kapitaler Fehler ein, da dort der Sieg von Freund als „glänzender Erfolg für die Fortschrittspartei“ – also für die Liberalen – vermeldet wurde.262 Dies sorgte für Spott bei der christlich-sozialen Tageszeitung „Reichspost“, doch erfahren wir aus diesem vor Antisemitismus strotzenden Zeitungsbericht, dass die liberale Zeitung „Wiener Tagblatt“ die bisherige (und im Zuge der Wahl bestätigte) Mistelbacher Gemeindevertretung als „antisemitisch“ bezeichnete.263 Dies belegt schon früh, dass obwohl aus dem nationalen Lager kommend, Freund bzw. die Gemeindevertretung, der er vorstand, in ihrer politischen Ausrichtung zwischen deutschnational und christlichsozial schwankte.
Im dritten Wahlkörper wurden folgende Personen gewählt: Thomas Freund, Franz Czinglar jun., Josef Eibl, Johann Schwarz jun., Karl Simperler, Josef Konrad Strasser, Michael Ollinger
Nach der konstituierenden Sitzung am 29. Juli 1894 setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen264:
Bürgermeister: Thomas Freund, Kaufmann
1. Gemeinderat: Franz Czinglar jun., Kaufmann
2. Gemeinderat: Johann Schwarz jun., Fruchthändler
3. Gemeinderat: Heinrich Westermayer, Kaufmann
4. Gemeinderat: Dr. Rudolf Schaschetzy, Advokat
5. Gemeinderat: Karl Lehner, Wirtschaftsbesitzer
6. Gemeinderat: Josef Eibl, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Eibl (Nr. 106), Wirtschaftsbesitzer; Josef Fally, Wirtschaftsbesitzer; Franz Filippinetti, Kaminfegermeister; Josef Hacker, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Hacker, Wirtschaftsbesitzer; Karl Ibel, Eisenhändler; Franz Koblischek jun., k.k. Postmeister; Alois Koch, Fleischhauer; Johann Lechner, Kürschnermeister; Michael Ollinger, Wirtschaftsbesitzer; Franz Schallgruber, Schmiedemeister; Karl Simperler, Wirtschaftsbesitzer; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Konrad Strasser (Nr. 24), Gerbermeister
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 21 Personen.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Schmelzer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Loibl, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Kothmaier, Wirtschaftsbesitzer; Michael Hofecker, Wirtschaftsbesitzer; Johann Fally, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Neckam, Wirtschaftsbesitzer; Gustav Edhofer, Hausbesitzer; Eduard Schindler, Seifensieder; Josef Dunkl jun., Baumeister
1900-1905265
Informationen zum Ausgang der Gemeindeausschusswahl 1900 sind uns lediglich aus einem Bericht im sozialdemokratischen Regionalblatt „Volksbote“ überliefert. Schließlich warb bei dieser Wahl zum ersten Mal auch ein sozialdemokratischer Kandidat im 3. Wahlkörper um Stimmen. Aufgrund des damaligen Wahlsystems waren jedoch lediglich drei Mistelbacher Arbeiter wahlberechtigt und daher handelte es sich bei dieser Kandidatur mehr um einen symbolischen Akt bzw. ein Ausloten des Wählerpotenzials. Im 3. Wahlkörper (der damals untersten Wählerklasse) dürften von 700 Wahlberechtigten lediglich etwas mehr als 400 Personen von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Die abgegebenen Stimmen verteilten sich wie folgt: auf die Bauernpartei entfielen 250 Stimmen, die Partei der Geschäftsleute erreichte 150 Stimmen und der sozialdemokratische Kandidat erhielt zwölf Stimmen. Die Strategie die Wähler im dritten Wahlkörper wieder mit Freibier und Gratiswürstel zu gewinnen, soll neuerlich großen Erfolg gebracht haben. Im zweiten und ersten Wahlkörper obsiegten ausschließlich die Kandidaten der „Freund-Partei“ – die seitens der Sozialdemokraten in einem größeren politischen Kontext großteils der Deutschen Volkspartei zugeordnet wurden. Erfolglos blieb die Agitation der Geistlichkeit, die die Bauernpartei massiv unterstützt hatte.266
Bürgermeister: Thomas Freund, Kaufmann
1. Gemeinderat: Franz Koblischek jun., k.k. Postmeister
2. Gemeinderat: Johann Schwarz jun., Fruchthändler
3. Gemeinderat: Heinrich Westermayer, Kaufmann
4. Gemeinderat: Jakob Augustin, Wirtschaftsbesitzer
5. Gemeinderat: Dr. Rudolf Schaschetzy, Advokat
6. Gemeinderat: Josef Konrad Strasser, Lederfabrikant
Dem Gemeindeausschuss gehörten weiters an: Josef Dunkl jun., Baumeister; Gustav Edhofer, Bäckermeister; Michael Eibl, Vergoldermeister; Adam Friedrich, Bürgerschullehrer; Matthias Grabler, Wirtschaftsbesitzer; Heinrich Gussenbauer, k.k. Bezirksrichter; Friedrich Hacker, Wirtschaftsbesitzer; Emil Hackl, Kaufmann; Michael Heindl, Bäckermeister; Ignaz Mühl jun., Pinselfabrikant; Leopold Penitschka, Wirtschaftsbesitzer; Felix Roller jun., Weinhändler; Matthias Schamann, Wirtschaftsbesitzer; Martin Waberer, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister Thomas Freund und die Mitglieder des Mistelbacher Gemeindeausschusses mit dem Gemeindesekretär im Jahre 1904267
– sitzend: v. l. n. r.: Ignaz Mühl jun., Josef Konrad Strasser, Franz Koblischek, Bgm. Thomas Freund, Heinrich Westermayr, Dr. Rudolf Schaschetzy, Michael Eibl (?); stehend: v. l. n. r.: Emil Hackl, Jakob Augustin (?), Gustav Edhofer, der spätere Bürgermeister Josef Dunkl, Heinrich Gussenbauer, Gemeindesekretär Alexander Zickl, Adam Friedrich, Mathias Grabler, Felix Roller, Michael Heindl, Friedrich Hacker, Martin Waberer, Mathias Schamann
Fototafel der Mitglieder des Gemeindeausschusses für die Periode 1900 bis 1905 – außerdem finden sich darauf auch der Stadtsekretär und der Gemeindeförster abgebildet
1905-1911268
Turnusgemäß wären die nächsten Gemeindeausschusswahlen erst im Jahre 1906 vorgesehen gewesen, aber der niederösterreichische Landtag beschloss im Juli 1904 eine Änderung der niederösterreichischen Gemeindeordnung, die Änderungen für die großen Orte – darunter auch Mistelbach – brachte (zu den Details siehe unten) und deshalb fanden die aufgrund des neuen Gesetzes notwendig gewordenen Wahlen bereits im September 1905 statt.
Bei dieser Wahl traten die Mistelbacher Christlichsozialen und Deutschnationalen gemeinsam in einem Wahlbündnis unter der Bezeichnung „Vereinigte Bürgerpartei“ oder „Freund-Partei“ – benannt nach ihrem Spitzenkandidaten – an. Außerdem traten liberale Kandidaten unter Führung des Weinhändlers und Ziegelwerksbesitzers Josef Fritsch jun. an, die als „Fritsch-Partei“ bzw. Wirtschaftspartei bezeichnet wurde, und im (neu geschaffenen) 4. Wahlkörper stellten sich auch sozialdemokratische Kandidaten zur Wahl.269
Im sozialdemokratischen Regionalblatt „Volksbote“ wird berichtet, dass im vierten Wahlkörper von den 599 abgegebenen Stimmen teils bis zu 133 Stimmen auf die sozialdemokratischen Kandidaten entfielen. Dies war zwar ein Achtungserfolg, aber von der absoluten Mehrheit, die laut dem damals gültigen Wahlrecht für ein Mandat notwendig war, weit entfernt. Weiters wurde der „Freund-Partei“ einmal mehr vorgeworfen, sich mittels leerer Versprechungen und vor allem durch ausgiebige Trink- und Fressgelage die Stimmen vieler einfältiger Wähler der „unteren“ Wahlkörper erkauft zu haben. Diese und andere unfaire Wahlkampfpraktiken der finanziell potenten „Freund-Partei“ wurden laut den Sozialdemokraten auch von der „Fritsch-Partei“ kritisiert.270
Die Kandidaten der „Vereinigten Bürgerpartei“ setzten sich jedoch klar in allen Wählerklassen durch. Auch Informationen zur Wahlbeteiligung sind überliefert271:
IV. Wahlkörper: von 744 Wahlberechtigten haben 599 gewählt (80,5%);
III. Wahlkörper: von 375 Wahlberechtigten haben 207 gewählt (55%);
II. Wahlkörper 215 abgegebene Stimmen;
I. Wahlkörper: von 230 Wahlberechtigten haben 184 gewählt (80%)
Bürgermeister: Thomas Freund, Kaufmann
1. Gemeinderat: Josef Dunkl jun., Baumeister
2. Gemeinderat: Josef Konrad Strasser, Lederfabrikant
3. Gemeinderat: Franz Mühl, Pinselfabrikant;
4. Gemeinderat: Jakob Augustin, Wirtschaftsbesitzer
5. Gemeinderat: Felix Roller jun., Weinhändler
6. Gemeinderat: Dr. Max Oberhuber, Rechtsanwalt
7. Gemeinderat: Gustav Edhofer, Bäckermeister
8. Gemeinderat: Michael Heindl, Bäckermeister
9. Gemeinderat: Mathias Grabler, Wirtschaftsbesitzer
Dem Gemeindeausschuss gehörten weiters als Gemeindebeiräte an: Mathias Schaman, Wirtschaftsbesitzer; Ignaz Mühl jun., Pinselfabrikant; Josef Pollak, Handschuhmachermeister; Josef Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Johann Burgmann, Privatier; Georg Pelzlmayer, Wirtschaftsbesitzer; Michael Ullram, Wirtschaftsbesitzer; Johann Pemsel, Kaufmann; Adam Friedrich, Bürgerschullehrer; Michael Eibl, Vergolder; Franz Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer; Franz Schallgruber, Schmiedemeister; Johann Kargl, Winzerschuldirektor; Andreas Schreiber jun., Wirtschaftsbesitzer; Martin Waberer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Strasser jun. (Nr. 421), Lederfabrikant; Andreas Bacher, Wirtschaftsbesitzer und Emil Hackl, Eisenhändler
Die Wahl von Ersatzmännern war gemäß der neuen Gemeindewahlordnung für bestimmte Gemeinden, darunter auch Mistelbach, nicht mehr vorgesehen.
Gemäß der Gemeindewahlordnung belief sich die Amtszeit der gewählten Vertreter auf sechs Jahre, allerdings war gemäß der neuen Gemeindeordnung in Gemeinden bestimmter Größe nach der Hälfte der Amtszeit die Hälfte der Mitglieder des Gemeindeausschusses neu zu wählen. Mistelbach zählte zu diesen Gemeinden und die Gemeindeausschussmitglieder, die ausschieden bzw. sich einer Neuwahl zu stellen hatten, wurden per Los bestimmt. Es war aber nicht der gesamte Gemeindeausschuss betroffen, sondern lediglich die in den ersten drei Wahlkörpern gewählten Ausschussmitglieder und auch der Bürgermeister war von dieser Regelung explizit ausgenommen.
Der Gemeindebeirat Emil Hackl musste infolge schwerer Erkrankung im Mai 1906 aus dem Gemeindeausschuss ausscheiden. Für Hackl, der im Jahr darauf seiner Krankheit erlag, wurde kein Ersatz in den Gemeindeausschuss berufen – das freie Mandat sollte in Übereinstimmung mit der neuen Gemeindeordnung erst mit den nächsten Ergänzungswahlen im Jahre 1908 neu besetzt werden.272
1908 kam es zu den ersten Ergänzungs- bzw. Ersatzwahlen gemäß der neuen Gemeindewahlordnung. Folgende Mitglieder des Gemeindeausschusses mussten sich aufgrund eines Losentscheids einer neuerlichen Wahl stellen273:
im dritten Wahlkörper: Michael Ulram, Josef Pollak, Michael Heindl, Johann Burgmann
im zweiten Wahlkörper: Johann Pemsel, Johann Kargl, Michael Eibl, Friedrich Adam
im ersten Wahlkörper: Andreas Bacher, Emil Hackl (bereits 1906 aus dem Gemeindeausschuss ausgeschieden – das Mandat wurde augenscheinlich nicht nachbesetzt), Franz Mühl, Andreas Schreiber jun.
Die Ersatzwahlen fanden von 27. bis 29. August 1908 statt und ein großer Teil der Personen, die bereits 1905 in den Gemeindeausschuss gewählt wurden, wurde im Amt bestätigt. Die neu in den Gemeindeausschuss eingezogenen Kandidaten sind in der nachfolgenden Übersicht der Wahlsieger im Vergleich zu den „wiedergewählten Kandidaten“ durch Fettdruck hervorgehoben. Gewählt wurden:274:
im dritten Wahlkörper: Michael Heindl, Bäckermeister; Johann Burgmann, Realitätenverkehrsanstalt-Inhaber; Josef Pollak, Handschuhmachermeister; Johann Fally, Wirtschaftsbesitzer
im zweiten Wahlkörper: Michael Eibl, Vergolder; Johann Kargl, Winzerschuldirektor; Adam Friedrich, Bürgerschuldirektor; Adolf Schödl sen., Fleischhauer
im ersten Wahlkörper: Franz Mühl, Pinselfabrikant; Andreas Schreiber jun., Wirtschaftsbesitzer; Ignaz Karl, Eisenhändler; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer
Ab dem September 1908 setzte sich der Gemeindeausschuss daher wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Thomas Freund, Kaufmann
1. Gemeinderat: Josef Dunkl jun., Baumeister (Deutschfreiheitlich)
2. Gemeinderat: Josef K. Straßer, Lederfabrikant (Deutschfreiheitlich)
3. Gemeinderat: Franz Mühl, Pinselfabrikant (Christlichsozial)
4. Gemeinderat: Jakob Augustin, Wirtschaftsbesitzer (Deutschfreiheitlich)
5. Gemeinderat: Felix Roller jun., Weinhändler (Deutschfreiheitlich)
6. Gemeinderat: Dr. Max Oberhuber, Rechtsanwalt (Deutschfreiheitlich)
7. Gemeinderat: Gustav Edhofer, Bäckermeister (Christlichsozial)
8. Gemeinderat: Michael Heindl, Bäckermeister (Christlichsozial)
9. Gemeinderat: Mathias Grabler, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial)
Dem Gemeindeausschuss gehörten weiters als Gemeindebeiräte an: Mathias Schaman (Christlichsozial), Ignaz Mühl jun., Pinselfabrikant; Josef Pollak, Handschuhmachermeister und Cafetier; Josef Steininger (Christlichsozial); Johann Burgmann, Realitätenverkehrsanstalt-Inhaber (Deutschfreiheitlich); Georg Pelzlmayer, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial); Johann Fally, Wirtschaftsbesitzer; Adolf Schödl sen., Fleischhauer (Deutschfreiheitlich?); Adam Friedrich, Bürgerschuldirektor; Michael Eibl, Vergolder (Christlichsozial); Franz Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial); Franz Schallgruber, Schmiedemeister; Johann Kargl, Winzerschuldirektor; Andreas Schreiber jun., Wirtschaftsbesitzer (Deutschfreiheitlich), Martin Waberer, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial); Josef Strasser jun. (Nr. 421), Lederfabrikant (Deutschfreiheitlich); Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer; Ignaz Karl, Eisenhändler (Deutschfreiheitlich)
Bei jenen Personen, bei denen keine „Partei“ angeführt ist, sind keine Informationen bzw. Indizien für ihre politische Zugehörigkeit überliefert.
1911-1919275
Eine Niederlage für Bürgermeister Freund, der im Zuge des Landtagswahlkampfs 1908 zu den Christlichsozialen gewechselt war, zeichnete sich bereits nach der Reichsratswahl im Juni ab, bei der die Christlichsozialen durch den Sieg des deutschfreiheitlichen (eine der vielen Strömungen bzw. Untergruppierungen der Deutschnationalen) Kandidaten, des pensionierten Eibesthaler Oberlehrers Rudolf Wedra, eine gewaltige Wahlschlappe erlitten. Durch seinen Parteiwechsel bzw. die Geschehnisse rund um seine angebliche „Kompromisskandidatur“ für den Landtag hatte Bürgermeister Freund den Zorn seiner vormaligen, sich nunmehr auch deutschfreiheitlich nennenden, Mistelbacher Gesinnungsgenossen auf sich gezogen und er erkannte, dass auch ihm ein Wahldebakel bei den Ergänzungswahlen zum Gemeindeausschuss im September drohte. Freund trat daher die Flucht nach vorne an und legte sein Amt als Bürgermeister sowie sein Mandat im Gemeindeausschuss am 2. August 1911 nieder. Die Amtsgeschäfte führte daraufhin der 1. Gemeinderat Josef Dunkl jun. weiter.276 Wie bereits bei der Reichsratswahl wurde auch im Vorfeld dieser Wahl eine heftige Agitation entwickelt, die abermals in Aufrufen zum Boykott bestimmter Geschäfte in Mistelbach einen unwürdigen Höhepunkt fand.
Der Gemeindeausschuss von Mistelbach setzte sich aus 28 Mitglieder zusammen, und nachdem sich im Jahre 1908 gemäß der oben bereits erwähnten „Hälfteregelung“ 12 Mitglieder einer Wiederwahl hatten stellen müssen, endete nunmehr die Amtsdauer der restlichen 16 Mandatare, die seit 1905 im Amt waren. Es gelangten bei der Ergänzungswahl 1911 daher 16 Mandate zur Besetzung – vier in jedem der vier Wahlkörper. Tatsächlich sollten die Deutschfreiheitlichen mit zehn von sechzehn Mandaten gegenüber sechs Mandaten für die Christlichsozialen klar als Wahlsieger und damit als die Mehrheitsfraktion im neuen Gemeindeausschuss hervorgehen.
Trotz des hitzigen Wahlkampfs verliefen die mit den Wahlen im 4. Wahlkörper am 12. September 1911 beginnenden Wahlgänge ohne Zwischenfälle. Im 4. Wahlkörper stellten sich Kandidaten der Deutschfreiheitlichen (=Deutschnationalen), die unter dem Namen „Wirtschaftspartei“ antraten, und der Christlichsozialen, sowie mit dem Mistelbacher Arbeiterführer Leopold Kleindesner auch ein Vertreter der Sozialdemokraten der Wahl. Im vierten Wahlkörper konnten sich mit Josef Dunkl jun., Felix Roller jun. und Johann Kocholl drei Vertreter der Deutschfreiheitlichen sowie der Christlichsoziale Franz Kothmayer durchsetzen, wobei dies letzterem erst durch im Wege einer Stichwahl gelang.
Am 14. September fand die Wahl im dritten Wahlkörper statt und bei schwacher Wahlbeteiligung wurden der Deutschfreiheitliche Josef Strasser jun. (Nr. 421) und die Christlichensozialen Philipp Winter jun., Michael Lang und Mathias Schamann gewählt.
Am 15. September 1911 wurden im zweiten Wahlkörper folgende Personen gewählt: die Deutschfreiheitlichen Othmar Schürer Ritter von Waldheim, Franz Haller und Josef Schmelzer sen. sowie der Christlichsoziale Georg Schacher. In diesem Wahlkörper beteiligten sich 250 Wähler an der Wahl.
Seinen Abschluss fand der Wahlreigen mit dem Wahlgang im ersten Wahlkörper am 16. September 1911, der folgendes Ergebnis zeitigte: die Deutschfreiheitlichen Dr. Fritz Höllrigl, Dr. Max Oberhuber und Josef K. Strasser und der Christlichsoziale Martin Waberer wurden gewählt. 218 Wähler machten in diesem Wahlkörper von ihrem Stimmrecht Gebrauch.
Die Christlichsozialen legten nach dieser Wahlniederlage bei der zuständigen niederösterreichischen Statthalterei Beschwerde gegen den Wahlausgang ein und so kam es, dass die konstituierende Sitzung erst nach Ablehnung des Protests und daher mit einiger Verzögerung am 30. November 1911 erfolgen konnte. Über diesen im Gefolge der Reichsratswahl geschehenen Machtwechsel, der sich im nachfolgendem Ergebnis widerspiegelt, wurde teils auch in großen Tageszeitungen berichtet. Der neue Bürgermeister wurde mit 27 von 28 Stimmen gewählt und der Gemeindeausschuss setzte sich nunmehr wie folgt zusammen:277
Bürgermeister: Josef Dunkl jun., Baumeister (Deutschfreiheitlich)
1. Gemeinderat: Josef Konrad Strasser, Lederfabrikant (Deutschfreiheitlich)
2. Gemeinderat: Franz Mühl, Pinselfabrikant (Christlichsozial)
3. Gemeinderat: Dr. Max Oberhuber, Rechtsanwalt (Deutschfreiheitlich)
4. Gemeinderat: Andreas Schreiber jun., Wirtschaftsbesitzer (Deutschfreiheitlich)
5. Gemeinderat: Felix Roller jun., Weinhändler (Deutschfreiheitlich)
6. Gemeinderat: Michael Heindl, Bäckermeister (Christlichsozial)
7. Gemeinderat: Ignaz Karl, Eisenhändler (Deutschfreiheitlich)
8. Gemeinderat: Josef Pollak, Handschuhmachermeister und Cafetier (Deutschfreiheitlich?)
9. Gemeinderat: Franz Kothmayer, Nutzviehhändler (Christlichsozial)
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss als Gemeindebeiräte an: Johann Kocholl, Steueroberverwalter (Deutschfreiheitlich); Philipp Winter jun., Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial); Michael Lang, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial); Mathias Schaman, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial); Dr. Othmar Schürer Ritter von Waldheim, Notar (Deutschfreiheitlich); Franz Haller, Gastwirt (Deutschfreiheitlich); Georg Schacher, Wirtschaftsbesitzer und Schuhmachermeister (Christlichsozial); Josef Schmelzer sen., Wirtschaftsbesitzer (Deutschfreiheitlich); Dr. Fritz Höllrigl, Krankenhausleiter (Deutschfreiheitlich); Martin Waberer, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial); Josef Strasser jun. (Nr. 421), Lederfabrikant (Deutschfreiheitlich); Michael Eibl, Vergolder (Christlichsozial); Adolf Schödl sen., Fleischhauermeister (Deutschfreiheitlich?); Johann Burgmann, Realitätenverkehrsanstalt-Inhaber (Deutschfreiheitlich); Johann Fally, Wirtschaftsbesitzer; Adam Friedrich, Bürgerschuldirektor; Johann Kargl, Winzerschuldirektor; Martin Steininger, Wirtschaftsbesitzer;
Bei jenen Personen bei denen keine „Partei“ angeführt ist, sind keine Informationen bzw. Indizien für ihre politische Zugehörigkeit überliefert.
Nachdem sich Gemeinderat Franz Mühl im Oktober 1913 aufgrund eines längeren Aufenthalts in Ungarn, wo sein Unternehmen eine Fabrik betrieb, zunächst bis Mai 1914 in seinem Amt beurlauben ließ, legte er Anfang Juli 1914 aufgrund dauerhafter Übersiedlung nach Ungarn seine Stelle als Gemeinderat nieder und schied aus dem Gemeindeausschuss aus. Mühl wurde 1908 in den Gemeindeausschuss gewählt und seine Amtszeit wäre demgemäß 1914 geendet. Damals ging man noch von regulären Gemeindeausschuss- bzw. Ergänzungswahlen im Herbst 1914 aus, im Zuge derer die vakante Stelle nachbesetzt worden wäre. Aufgrund des Krieges fanden jedoch keine Wahlen mehr statt und somit blieben die Mitglieder des Gemeindeausschusses weiter im Amt bzw. Mühls Stelle unbesetzt.278
In der Gemeindeausschusssitzung vom 8. Februar 1916 legte Franz Kothmayer sein Amt als Gemeinderat nieder und schied aus gesundheitlichen Gründen aus dem Gemeindeausschuss aus. Kothmayer war 1911 in den Gemeindeausschuss gewählt worden und seine Amtszeit hätte somit bis 1917 gedauert, doch nachdem bereits die 1914 anstehenden Ergänzungswahlen kriegsbedingt ausgefallen waren und die Amtszeit der Mandatare für die (damals noch nicht absehbare) Dauer des Krieges verlängert wurde, blieb der Sitz im Gemeindeausschuss vakant, ebenso wie die Stelle als Gemeinderat.279
Dr. Othmar Schürer Ritter von Waldheim trat aufgrund von parteiinternen Differenzen bei der Besetzung von lukrativen Posten im Zuge der Sparkassen-Ausschusswahl Anfang des Jahres 1918 aus der „Wirtschaftspartei“ aus, blieb aber weiterhin im Gemeindeausschuss.280 Es darf in diesem Zusammenhang nochmals festgehalten werden, dass die in diesem Beitrag erwähnten „Parteien“ mit den Parteien (Wahllisten) unseres heutigen Verständnisses nicht zu verwechseln sind. Früher wurde einzelne Personen gewählt und bei den „Parteien“ handelte es sich lediglich um lose Zusammenschlüsse von Einzelpersonen. Erst mit der Republiksgründung setzte sich das bis heute gebräuchliche Verhältnis- und Listenwahlrecht durch.
Bald nach der Ausrufung der Republik Deutschösterreich legte der Staatsrat Anfang Dezember 1918 in Form einer Vollzugsanweisung fest, dass für den Zeitraum bis zur Durchführung von Neuwahlen die Gemeindeausschüsse von Städten und Industrieorten in aliquotem Ausmaß durch Arbeitervertreter zu ergänzen seien, um sicherzustellen, dass auch die Interessen dieser Bevölkerungsgruppe vertreten werden. Die Gemeindevertretung war aufgerufen, gemeinsam mit der hiesigen Arbeiterschaft geeignete Personen zu nominieren, die dann durch die Bezirkshauptmannschaft zu Mitgliedern des Gemeindeausschusses ernannt werden sollten.281 Die Anzahl der in den Gemeindeausschuss aufzunehmenden Arbeitervertreter orientierte sich am Anteil der Arbeiter an der Gemeindebevölkerung und daher war man übereingekommen, dass vier Arbeitervertreter in den Gemeindeausschuss aufzunehmen waren. Der Mistelbacher Gemeindeausschuss setzte sich nach der letzten Wahl im Jahre 1911 aus 28 Mitgliedern zusammen, seither waren jedoch zwei Mitglieder ausgeschieden und die Mandate waren nicht nachbesetzt worden. Zu den bisher bereits vakanten zwei Sitzen, mussten also zwei weitere Mitglieder des Gemeindeausschusses ausscheiden, damit die vier Arbeitervertreter aufgenommen werden konnten. Bereits in der Sitzung vom 21. Dezember 1918 hatte Johann Burgmann auf sein Gemeindeausschussmandat zugunsten eines Arbeitervertreters verzichtet282 und auch Felix Roller jun., der bereits zuvor auf die Stelle als Gemeinderat verzichtet hatte, legte am 11. Februar 1919 nunmehr ebenso sein Gemeindeausschussmandat nieder.283 Die Aufnahme von Vertretern der Arbeiterschaft dauerte in Mistelbach vergleichsweise lange und die Zeitspanne zwischen dem ersten und dem zweiten Mandatsverzicht deutet darauf hin, dass um den Verzicht erst gerungen werden musste. Doch nach Rollers freiwilligem Ausscheiden zogen am 11. Februar 1919 schlussendlich vier Vertreter der Arbeiterschaft in den Gemeindeausschuss ein – es handelte sich um: Leopold Böckl, Kondukteur bei der nö. Landesbahn; Leopold Kleindesner, Werkführer in der Pinselfabrik; Emil Stix, Bahnmeister der Staatsbahn und Leopold Stubenvoll, Zimmererpolier. Leopold Kleindesner wurde zum Gemeinderat gewählt, die weiteren Arbeitervertreter gehörten dem Gemeindeausschuss als Gemeindebeiräte an.
Mit den ersten Gemeindewahlen mit allgemeinem und gleichem Wahlrecht endete am 22. Juni 1919 auch die seit 1850 währende Ära des Gemeindeausschusses als Organ der Gemeindevertretung.
Die Fortsetzung folgt im Beitrag „Gemeindevertretung Mistelbach – Teil 2 (1919-1950)“.
Bildnachweis:
-) Foto des Mistelbacher Gemeindeausschusses im Jahre 1904: Das interessante Blatt, 22. Dezember 1904, S. 3 u. S. 6 (ONB-ANNO) (Anm.: Zu den Abgebildeten siehe Fußnote weiter oben)
-) Fototafel der Gemeindevertretung für die Jahre 1900-1905: StadtMuseumsarchiv Mistelbach
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
Bayer, Franz/ Spreitzer, Hans: „Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung“ (1964) In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I, S. 166ff
Wegert, Josef
Bürgermeister Josef Wegert
* 13.10.1880, Paasdorf
† 9.2.1964, Paasdorf
Josef Wegert wurde 1880 als zweites Kind des Landwirte-Ehepaares Leopold und Theresia (geb. Schmatzberger) Wegert in Paasdorf geboren.284 Er wuchs hier gemeinsam mit zwei Brüdern und einer Schwester auf und erhielt seine Schulbildung zweifellos in der hiesigen Volksschule. Am 31. Mai 1908 schloss er mit der Paasdorfer Landwirtstochter Klara Kuselbauer (1881-1965) den Bund der Ehe285 und nach der Eheschließung bestätigte er der Vater deren knapp sechs Monate zuvor geborenen unehelichen Tochter zu sein und durch diesen Akt wurde der „Makel ihrer unehelichen Geburt“ nachträglich geheilt.286 Es erscheint allerdings fraglich, ob Wegert tatsächlich der leibliche Kindsvater war. Eine uneheliche (=“illegitime“) Geburt war damals in den katholisch-konservativ geprägten Dörfern eine große Schande und sorgte stets für Gerüchte und Spekulationen, wer denn der Vater sei. „Illegitime“ Geburten kamen insbesondere unter den ärmeren Schichten der Dorfbevölkerung (Mägde, Knechte, Kleinbauern und Tagelöhnern) häufiger vor, denen es oft schlicht an Geld für eine Hochzeit fehlte oder deren Dienstgeber von einer Heirat (und den damit begründeten Verpflichtungen ihres Personals) nichts wissen wollten. Sowohl die Familie Wegert als auch die Familie Kuselbauer zählten als „Halblehner“ – sie besaßen als Bauern ein halbes Lehen – wohl zur Mittelschicht des Dorfes. Das triftigste Argument, das an der Vaterschaft Wegerts zweifeln lässt, ist die Tatsache, dass Wegert und seine spätere Gattin die uneheliche Geburt einer gemeinsamen Tochter schlicht durch eine ein paar Monate früher erfolgte Eheschließung abwenden hätten können. Es sind keine Gründe (wie zB Minderjährigkeit etc.) gegeben, die gegen eine frühere Eheschließung gesprochen hätten. Es könnte daher auch so gewesen sein, dass Wegert Klara Kuselbauer ehelichte und sich nachträglich lediglich als Vater ausgab, um sie aus einer gesellschaftlich sehr misslichen Lage zu befreien. Ein solches Vorgehen war durchaus nicht ungewöhnlich und dem Brautwerber wurde für diese Hilfe in der Regel natürlich eine außergewöhnliche Ausstattung bzw. sofern keine anderen anspruchsberechtigten Kinder vorhanden waren, auch die Übernahme der Wirtschaft der Schwiegereltern in Aussicht gestellt. Letzteres war bei Wegert – trotz der Tatsache, dass es sich bei ihm „nur“ um den zweitgeborenen Sohn handelte – nicht notwendig und er übernahm die Wirtschaft seiner Eltern an der Adresse Paasdorf Nr. 150 (heute Schwemmzeile Nr. 41). Abgesehen von der bereits erwähnten und nachträglich „legitimierten“ Tochter entstammten der Ehe keine weiteren Kinder.
Dem Dienst in der k. u. k. Armee im Ersten Weltkrieg scheint er entgangen zu sein – vielleicht aufgrund Untauglichkeit, möglicherweise aber auch durch eine der mit Kriegsverlauf zusehends restriktiver werdenden Ausnahmen für Landwirte, deren Arbeitskraft schließlich die Ernährung von Volk und Armee sicherte.287 Nachdem er bereits seit 1914 dem Vorstand der im Jahre 1905 gegründeten Paasdorfer Milchgenossenschaft angehört hatte288, stand Wegert der Genossenschaft von 1917 bis 1922 als Obmann vor.289 Darüber hinaus zählte Wegert 1924 zu den Gründungsmitgliedern der Paasdorfer Ortsgruppe des „Deutschen Schulvereins“.290 Beim „Deutschen Schulverein“ handelte es sich um einen sogenannten Schutzverein, die sich Ende des 19. Jahrhunderts gegründet hatten, und deren Ziel die Unterstützung deutscher Minderheiten in den Kronländern bzw. später in den Nachfolgestaaten der Monarchie, sowie generell die Pflege des „Deutschtums“ war. Entsprechend dem Namen war insbesondere der Betrieb bzw. die Erhaltung von Schulen an Standorten, an denen es für eine staatliche Schule mit deutscher Unterrichtssprache zu wenige Kinder mit deutscher Muttersprache gab, ein Hauptanliegen. Tatsächlich wurden diese Vereine im Laufe der Jahre jedoch zu bedeutenden Trägern deutsch-völkischer Ideologie und trugen im Zusammenspiel mit anderen nationalistischen Organisationen wesentlich zum vergifteten Klima zwischen den Nationalitäten (besonders gegenüber den slawischen Völkern) in den letzten Jahrzehnten der Monarchie bei.
Schon Wegerts Vater war als Ersatzmann bei Gemeindeausschusswahlen Ende des 19. Jahrhunderts gewählt worden, und er selbst engagierte sich nach dem Ersten Weltkrieg in der Gemeindepolitik. Es ist unklar, ob Wegert bereits dem ersten 1919 gewählten Gemeinderat angehörte, da die damalige Gemeindevertretung nur fragmentarisch überliefert ist. Bereits zu Beginn des Jahres 1921 wurde der Paasdorfer Gemeinderat jedoch aus heute nicht mehr bekannten Gründen durch die Landesregierung aufgelöst und somit Neuwahlen angeordnet. Spätestens im Zuge dieser Wahlen gelangte Wegert als Kandidat einer gemeinsamen Liste von Großdeutschen und Sozialdemokraten in den Gemeinderat und diese politische Zweckgemeinschaft konnte sich mit einem Mandat Vorsprung die Mehrheit gegenüber den Christlichsozialen sichern. Wegert, der als Vertreter der Großdeutschen auf dieser Liste stand, wurde schließlich in der konstituierenden Sitzung vom 5. Mai 1921 zum Bürgermeister der Gemeinde Paasdorf gewählt. Bei den nächsten regulären Gemeinderatswahlen 1924 traten die Großdeutschen in Paasdorf dann nicht mehr in Erscheinung und augenscheinlich war man den Aufrufen in christlichsozialen Parteiblättern zwecks Bildung sogenannter „Einheitslisten“ gefolgt und hatte sich dieser Partei angeschlossen. Das Ergebnis der Wahl brachte einen klaren Sieg der Christlichsozialen gegen die Sozialdemokraten und neuerlich wurde Josef Wegert zum Bürgermeister gewählt – nunmehr als Christlichsozialer.291 Bei der Wahl 1929 kam es zu einer Spaltung im bäuerlich-konservativen Lager in Paasdorf und es traten mit der Christlichsozialen Partei und der Mittleren Bauernpartei zwei Wahllisten an, die um die Gunst der Wähler warben. Nach der Wahl bildete sich eine Koalition aus Mittlerer Bauernpartei und Sozialdemokraten und damit endete Wegerts (erste) Amtszeit als Bürgermeister, während der 1922 das Kriegerdenkmal errichtet, eine Genossenschaft für elektrisches Licht gegründet und die Straßenbeleuchtung elektrifiziert wurde. Die finanzielle Lage der Gemeinde war in der Zwischenkriegszeit jedenfalls sehr angespannt und Wegerts Art und Weise der Führung der Gemeindegeschäfte scheint durchaus umstritten gewesen zu sein, wie nicht nur kritische (und teils zweifellos parteipolitisch motivierte) Berichte im sozialdemokratischen Regionalblatt „Volksbote“ belegen, sondern auch durch die durch Neuwahlen und Parteispaltungen gekennzeichneten, unsteten Verhältnisse in Paasdorf erwiesen scheint. Schon wenige Monate nach der Wahl erzwangen die Christlichsozialen durch Rücklegung ihrer Mandate eine Auflösung des Gemeinderats durch die Landesregierung. Die Christlichsozialen errangen bei der folgenden Neuwahl im April 1930 wieder die Mehrheit und auch der Bürgermeister, der zuvor für die Mittlere Bauernpartei die Gemeinde geführt hatte, kehrte wieder in den Schoß der Christlichsozialen Partei zurück. Aber Ende des Jahres 1930 bzw. spätestens Anfang des Jahres 1931 endete dessen Amtszeit und Wegert feierte seine Rückkehr an die Spitze der Gemeinde. Von 1931 bis 1936 war Wegert außerdem Obmann des Ausschusses zur Verwaltung des Gemeindewaldes292. Im Zuge des im März 1938 erfolgten sogenannten „Anschlusses“ an das Deutsche Reich wurde Bürgermeister Wegert abgesetzt und der Schlossbesitzer Ing. Richard Claß als Gemeindeverwalter eingesetzt. Nicht in allen Katastralgemeinden der heutigen Großgemeinde Mistelbach kamen es unmittelbar nach dem „Anschluss“ zu einem Wechsel an der Spitze der Gemeindevertretung. Zum einen waren die Bürgermeister als Autorität in der Dorfgemeinschaft angesehen, und trotz Parteiangehörigkeit mit der überregionalen Politik oftmals nur lose verbunden – überdies fehlte es den Nazis schlicht an eigenen Leuten in den Dörfern. Im Falle Paasdorfs ist es also nicht ganz klar, ob Wegert – der (ursprünglich) selbst großdeutsch gesinnt war – abgesetzt wurde, weil sich zu einem so prononcierten Vertreter der Christlichsozialen bzw. der Vaterländischen Front entwickelt hatte, sodass er für die Nazis als Symbol der Dollfuß-/Schuschnigg-Ära untragbar war oder weil es in Paasdorf in Person des Schloss- und Gutsbesitzers Ing. Claß einen wohl bereits langjährigen Anhänger der Nationalsozialisten gab, auf den man zurückgreifen konnte. Von etwaigen Repressalien gegenüber Wegert ist jedenfalls nichts überliefert.
Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurde Wegert auf Vorschlag der neu gegründeten ÖVP von der niederösterreichischen Landesregierung in den provisorischen Gemeinderat berufen. Hier wurde er dann schließlich neuerlich zum Bürgermeister gewählt und aus Gemeinderatsprotokollen ist belegt, dass er dieses Amt jedenfalls bereits im September 1945 wieder bekleidete. Die großen Herausforderungen der schweren Nachkriegszeit zehrten an seinen Kräften und im Frühjahr 1948 legte Wegert sein Amt als Bürgermeister aus Altersgründen zurück, blieb allerdings weiterhin als Mandatar im provisorischen Gemeinderat, und zwar bis zum Jahr 1950, als erstmals in Niederösterreich wieder Gemeinderatswahlen abgehalten wurden. Im Amt als Bürgermeister folgte ihm Josef Heinisch, der mit einer Nichte Wegerts verheiratet war. Dass ein Altbürgermeister später nochmals Bürgermeister wird, war früher keineswegs unüblich und ist auch aus anderen Katastralgemeinden überliefert. Drei voneinander getrennte Amtsperioden, wie sie Wegert vorweisen konnte, sind jedoch außergewöhnlich und ein Paasdorfer Spezifikum, das aufgrund der weiterhin unsteten politischen Verhältnisse übrigens auch sein Nachfolger Heinisch zuwege brachte. In diesem Zusammenhang sei auf die ausführliche Darstellung im Beitrag Gemeindevertretung Paasdorf (1850-1971) verwiesen. Wegert war nicht nur Mitglied, sondern auch Funktionär des Niederösterreichischen Bauernbundes, der in der Zwischenkriegszeit eine Teilorganisation der Christlichsozialen Partei war bzw. seit 1945 Teil der Österreichischen Volkspartei ist.293
Laut einem Nachruf pflegte Wegert seinen Weingarten bis ins hohe Alter und diese Arbeit hielt ihn fit. Darüber hinaus wird er als vorbildlicher Landwirt gerühmt. Über Jahrzehnte hinweg und bis zu seinem 75. Lebensjahr war er in der Kirchenmusik aktiv, zuletzt als Geigenspieler bzw. früher auch als Bläser.294
Anlässlich des Jubiläums der Goldenen Hochzeit, das er mit seiner Gattin im Jahre 1958 feierte, wurde Altbürgermeister Wegert durch den Gemeinderat zum Ehrenbürger Paasdorfs ernannt.295 Am 9. Februar 1964 verstarb Josef Wegert im Alter von 83 Jahren und wurde drei Tage später am Aschermittwoch unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Paasdorfer Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.
Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in der Katastralgemeinde Paasdorf beschloss der Mistelbacher Gemeinderat am 26. März 1998 die Hintausstraße zur Schloßzeile „Josef Wegert-Straße“ zu benennen, um somit dem langjährigen Bürgermeister ein bleibendes Andenken zu bewahren.
Wo befindet sich die Josef Wegert-Straße (Paasdorf)?
Quellen:
Adolf Schärf-Straße
Als 2009 unterhalb der Dr. Körner-Straße ein neues Siedlungsgebiet geschaffen wurde, beschloss der Mistelbacher Gemeinderat die dort zu errichtenden Straßen nach Ehrenbürgern der Stadt Mistelbach zu benennen. Unter den Namenspaten befand sich auch Dr. Adolf Schärf (1890-1965), der von 1957 bis zu seinem Tod 1965 Bundespräsident der Republik Österreich war. Der im südmährischen Nikolsburg geborene Jurist war von 1918 bis 1934 Sekretär des sozialdemokratischen Abgeordnetenklubs im Nationalrat, ehe seine politische Karriere mit der Abschaffung der Demokratie und dem Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei durch Dollfuß jäh beendet wurde. Nach 1945 gehörte er den Konzentrationsregierungen der unmittelbaren Nachkriegszeit bzw. den darauffolgenden Regierungskoalitionen zwischen ÖVP und SPÖ als Vizekanzler an. Wie übrigens der Beitrag Ergebnisse der Bundespräsidentenwahlen in Mistelbach zeigt, konnte sich Dr. Schärf bei der Wahl 1957 von allen damals selbständigen und heute zur Großgemeinde Mistelbach gehörenden Katastralgemeinden lediglich in Ebendorf, Frättingsdorf und Lanzendorf (mit absoluter Mehrheit) als Sieger durchsetzen. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 1963 gelang ihm dies in Lanzendorf, Mistelbach und Paasdorf. Dass Schärf (wenn auch knapp) in Mistelbach obsiegte ist insofern außergewöhnlich, als es bis heute das einzige Mal darstellt, dass sich hier ein SPÖ-Kandidat bei gleichzeitigem Antritt eines Konkurrenten aus der ÖVP (damals immerhin der Staatsvertragskanzler Julius Raab) gegen diesen durchzusetzen vermochte.
Das „90 Jahr-Jubiläum der Stadterhebung“ wurde 1964 im Rahmen der 3. Mistelbacher Heimatwoche gefeiert und aus diesem Anlass waren am 13. Juni 1964 Bundespräsident Schärf und Landeshauptmann Figl als Ehrengäste in Mistelbach anwesend. Nachdem der Beschluss über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an die beiden verdienten Politiker bereits am 8. Mai 1964 erfolgt war, wurden ihnen im Rahmen einer Festsitzung des Gemeinderates im (Kino-)Saal des Gasthauses „Zur goldenen Krone“ die Ehrenbürgerurkunden überreicht.296
1964: Feierlichkeiten zu „90 Jahre Stadterhebung“ – v.l.n.r. die Festgäste Bundespräsident Schärf und Landeshauptmann Figl sowie Bürgermeister Bayer. Ort dieser Aufnahme ist die Oberhoferstraße.
Bereits für das Jahr 1947 ist (erstmalig?) ein Besuch des damaligen Vizekanzlers Dr. Schärf bei einer SPÖ-Bezirkskonferenz in Mistelbach belegt.297
Wie schon eingangs erwähnt beschloss der Mistelbacher Gemeinderat am 25. März 2009 einer Straße den Namen Adolf Schärf-Straße zu geben.298
Wo befindet sich die Adolf Schärf-Straße?
Bildnachweis:
-) StadtMuseumsarchiv Mistelbach
Quellen:
Ein Brauhaus in Mistelbach (… und wohl kein Brauhaus in Ebendorf)
Obwohl inmitten einer Weinbaugegend gelegen und trotz der Tatsache, dass der Weinbau auch in Mistelbach einst einen bedeutenden Wirtschaftszweig darstellte, wurde Bier, seitdem dieses Getränk in unseren Breiten bekannt war, zu allen Zeiten auch in Mistelbach konsumiert. Die Weinbauern waren darüber naturgemäß wenig erfreut, und wurden nicht müde die Vorzüge ihres Produkts gegenüber dem abschätzig als „gesottenes Wasser“ bezeichneten Bier herauszustreichen. Aufgrund des niedrigeren Preises im Vergleich zu Wein war dieses Getränk dennoch sehr beliebt.
Laut einem Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung von Mistelbach verfasst von Univ.-Prof. Dr. Bernhard Koch war es im Mittelalter allen Hausbesitzern gestattet Bier herzustellen und zu verkaufen. Die Herrschaften schränkten dieses Recht jedoch zusehends ein, sodass schließlich nur mehr sie selbst Bier brauen durften und auch der Ausschank durfte nur in bestimmten Schenkhäusern erfolgen. Unter Bier verstand man in unserer Gegend damals ausschließlich Weizenbier, da Gerste hier früher kaum angebaut wurde und sich diese Feldfrucht erst ab dem 18. Jahrhundert etablierte. Die Marktgemeinde Mistelbach (ohne die selbstständige Pfarrholdengemeinde) war nach dem Aussterben der Herren von Mistelbach über Umwege in den Besitz der Liechtensteiner gekommen, und deren Herrschafts- und Verwaltungszentrum für das östliche Weinviertel befand sich in Wilfersdorf. Daher bezog Mistelbach sein Bier aus den liechtensteinischen Brauhäusern in Wilfersdorf und Hohenau, sowie von den Brauereien der Herrschaften Asparn a.d. Zaya und Ernstbrunn. Da das Asparner Bier sehr beliebt war, hatte die Asparner Herrschaft in Mistelbach jedenfalls Anfang des 18. Jahrhunderts sogar einen Keller als Bierdepot angemietet. Natürlich musste für dieses Privileg ein Entgelt an die Liechtensteiner Herrschaftsverwaltung entrichtet werden und auch die Herrschaft Ernstbrunn soll in Mistelbach über ein Bierlager verfügt haben. Oftmals waren die Schenkhäuser bzw. Gemeinden zur Abnahme des Bieres ihrer Herrschaft verpflichtet – diese Pflicht wurde „Bierfürlegen“ genannt. Der liechtensteinische Markt Mistelbach war etwa 1637 verpflichtet, der Brauerei Wilfersdorf wöchentlich 16 Eimer Bier – ein Eimer sind rund 57 Liter – abzunehmen. Da die Qualität des Wilfersdorfer Bieres regelmäßig zu wünschen übrig ließ, wurde seitens der Bevölkerung trotz des Preisvorteils oft der Wein bevorzugt.299 Mistelbach war bis 1850 in zwei Gemeinden geteilt, den liechtensteinischen Markt und die Pfarrholdengemeinde (ursprünglich kaiserlicher Besitz), und in beiden Gemeinden soll je ein Bierhaus bestanden haben.
Obwohl Mistelbach wie bereits geschildert seit Ende des 14. Jahrhunderts kein Herrschaftssitz mehr war, ist erstaunlicherweise später, und zwar zu Beginn des 17. Jahrhunderts dennoch die Existenz eines Brauhauses belegt. Prof. Hans Spreitzer fand in einem alten Grundbuch den Hinweis, dass sich ein Brauhaus einst an der Adresse Waldstraße Nr. 23 (Konskr.Nr. 206) befunden hat. Es handelt sich hierbei um ein Eckhaus im Kreuzungsbereich Waldstraße/Mitterhofstraße, das rückwärtig an die Mistel angrenzt. Als damaliger Besitzer scheint der zeitweilige Marktrichter Vinzenz Präß, von Beruf Fleischhauer und einer der reichsten Mistelbacher Ende des 16. bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts, auf. Ein Teil von Präß‘ Reichtum und Grundbesitz bildete übrigens die Basis für den Wohlstand der Familie Devenne, da der Begründer der „Mistelbacher Linie“ dieser Familie, Michael Devenne, eine Urenkelin von Präß heiratete. Es ist unklar, wie lange das Brauhaus existierte, vielleicht stand das damals nach wie vor sehr exklusive Braurecht in Zusammenhang mit dem in unmittelbarer Nähe gelegenen Mitterhof (heute: MAMUZ), einem alten Freihof, dessen historische Wurzeln in die Zeit der Gründung Mistelbachs zurückreichen. Gegen eine derartige Verbindung (die bei Spreitzer und Koch erstaunlicherweise nicht einmal angedacht wird) spricht, dass ein Brauhaus in den zum Mitterhof überlieferten Dokumenten nie Erwähnung findet. Aber auch sonst gibt es kaum Spuren des Mistelbacher Brauhauses, was für eine eher kurze Bestandsdauer sprechen dürfte. Das Brauhaus scheint um 1620 abgekommen zu sein und an seiner Stelle wurden zwei halbe Hofstätten gestiftet, die später zu einer Hofstatt vereinigt wurden.300 Im 18. und 19. Jahrhundert existierten in weiteren umliegenden Orten, bspw. Ladendorf, Poysdorf und Zistersdorf Brauhäuser, sodass für eine Wiedererstehung des Mistelbacher Brauhauses wohl kein Bedarf bestand.
Laut Franz Thiel und Fritz Bollhammer finden sich jedoch bereits in den Jahren 1361 bzw. 1414 Erwähnungen von Hopfengärten in Mistelbach und Bollhammer mutmaßt, dass es wohl schon vor 1400 Brauhäuser in Mistelbach, Laa a.d. Thaya und Hohenau gegeben habe.301 Für diesen gewagten Schluss finden sich allerdings keine weiteren Anhaltspunkte.
In den 1890er Jahren, sicherlich befeuert durch den großen wirtschaftlichen Aufschwung Mistelbachs, hegten „einige maßgebende Personen der Stadt“ Gedanken betreffend die Gründung einer Brauerei in Mistelbach. Nachdem diese Idee bereits seit einigen Jahre gewälzt wurde, fanden sich schließlich am 4. Dezember 1897 dreiunddreißig Personen zu einer Versammlung im Hotel Rathaus ein, um über die Möglichkeit der Errichtung eines Brauhauses zu beraten. Es wurde beschlossen, einen Fonds zu bilden, aus dem die Kosten für die Vorarbeiten zu diesem Unterfangen beglichen werden sollten. Außerdem wurde beschlossen Untersuchungen bzgl. der Quantität und Qualität des verfügbaren Wassers durchführen zu lassen, die natürlich eine bedeutende Voraussetzung für den Erfolg eines solchen Unternehmens darstellten. Es muss angenommen werden, dass die Ergebnisse dieser Analysen nicht vielversprechend waren, denn von der Absicht in Mistelbach ein Brauhaus zu errichten war in der Folge nie wieder zu lesen.302
In Bollhammers Beitrag über Handwerk und Innungen im Heimatbuch des Verwaltungsbezirks Mistelbach – Band II findet sich die Information, dass zur Ebendorfer Herrschaft einst auch eine Schlossbrauerei gehört haben soll, die allerdings lediglich lokale Bedeutung gehabt hätte. Diese soll vor 1645, als durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg auch Schloss Ebendorf und das zugehörige Gut schwer beschädigt und verwüstet wurde, bestanden haben.303 Wohl bezugnehmend auf diese Quelle findet sich der Hinweis auf die Schlossbrauerei Ebendorf auch im von Engelbert Exl herausgegebenen Buch „Mistelbach 125 Jahre Stadt – Ein Lesebuch“ aus dem Jahr 1999.304 Auf welche Quellen sich Bollhammer bei seinen Ausführungen stützte ist wie auch betreffend den oben bereits erwähnten Hopfengarten im 14. Jahrhundert leider unbekannt. Die Authentizität dieser Information darf allerdings insofern angezweifelt werden, als im 1971 erschienenen Werk von Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim zur Herrschafts- und Ortsgeschichte von Ebendorf („Eine kleine Geschichte von Ebendorf bei Mistelbach“) eine Brauerei mit keinem Wort erwähnt wird. Mitscha-Märheim, der selbst aus der Familie entstammt, in deren Besitz sich das Schloss Ebendorf samt seiner Güter seit vielen Jahren befand, kannte wie kein anderer die Geschichte dieser Herrschaft und der einst hier existierenden Betriebe. Mit den Vorarbeiten für sein ursprünglich viel umfangreicher geplantes Buch zu Ebendorf hatte er bereits in der Zwischenkriegszeit begonnen, doch im Krieg gingen viele historische Unterlagen und ein großer Teil seiner Vorarbeiten unwiederbringlich verloren. Trotz dieser Widrigkeiten erscheint es mehr als unwahrscheinlich, dass der äußerst gewissenhafte Forscher Mitscha-Märheim ausgerechnet auf die Erwähnung der Brauerei vergessen hätte oder ihm diese bei seinen Recherchen entgangen wäre, zumal er auch detailliert die durch die Schweden angerichteten Zerstörungen beschreibt. Ohne Zweifel war ihm auch der 1959 erschienene zweite Band des Heimatbuchs und damit auch Bollhammers Beitrag bekannt, und die Tatsache, dass er die darin enthaltene, bisher nirgends sonst aufscheinende Erkenntnis betreffend eine Schlossbrauerei in Ebendorf nicht aufgriff, kann wohl dahingehend gedeutet werden, dass auch Mitscha-Märheim dieser Information keinen Glauben schenkte.
Auch in den sonstigen Katastralgemeinden der Großgemeinde Mistelbach dürften keine weiteren Brauhäuser existiert haben.
Quellen:
-) Thiel, Franz: „Unsere Brauhäuser“ In: „Heimat im Weinland – Heimatkundliches Beiblatt zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach“, Band X (1963), S. 169-172
-) Brautopo – Österreichische historische Brauereitopographie (besonderer Dank an Herrn Springer für die Auskunft bzgl. der Quelle betreffend die (vermeintliche) Schlossbrauerei Ebendorf)
Dr. Körner-Straße
Die Errichtung der 1870 eröffneten Staatseisenbahnstrecke läutete für Mistelbach in vielerlei Hinsicht ein neues Zeitalter ein, hatte aber auch buchstäblich einschneidende Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Landschaft. Nicht nur Felder wurden durch den Verlauf der Strecke geteilt, sondern zum Teil auch seit Jahrhunderten bestehende Wege abgeschnitten. Zwar konnte die Bahnstrecke zu Fuß mehr oder minder problemlos überwunden werden, mit für die Feldarbeit benötigten Fuhrwerken bzw. Zugtieren war dies nunmehr jedoch nur an einigen wenigen Stellen möglich. Diese Bahnübergänge fanden sich entlang der Strecke verteilt und waren mit einem Bahnwächter besetzt, der für die Sicherheit auf einem bestimmten Streckenabschnitt zu sorgen hatte. Auf Höhe der Kreuzung Dr. Körner-Straße und Oberhoferstraße mündete einst ein alter Feldweg, der die spätere Bahnstrecke schräg kreuzte und der zum alten Weg nach Hüttendorf führte. Nachdem dieser Weg nach Eröffnung der Bahnstrecke nicht mehr benutzbar sein würde und um insbesondere den Bauern den Zugang zu den jenseits der Bahnstrecke gelegenen Feldern zu ermöglichen wurde im Zuge des Bahnbaus ein neuer, gerade verlaufenden Weg von der Oberhoferstraße zur Bahnstrecke errichtet. Der damals geschaffene Weg entspricht exakt der heutigen Dr. Körner-Straße, doch es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis dieser Weg eine Straßenbezeichnung erhielt. Der hier errichtete Bahnübergang wurde mit dem Bahnwächterposten Nr. 34 besichert und die ersten Jahrzehnte, jedenfalls bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, versah hier das Ehepaar Brandmeier seinen Dienst als Bahnwächter (siehe hierzu auch Mistelbach in der Zeitung Teil 2 (1901-1904)).
Das Bahnwächter-Ehepaar Franz und Therese Brandmeier im Jahre 1902 vor ihrem Dienst- und Wohnsitz, dem Bahnwächterhäuschen Nr. 34 am Bahnübergang in der heutigen Dr. Körner-Straße
Zum Zeitpunkt des Bahnbaus, also Ende der 1860er Jahre war dieser neu geschaffene Weg noch recht weit außerhalb des bebauten Gebiets gelegen. Dies hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts bereits geändert und die Oberhoferstraße war bis zur Kreuzung mit der Franz Josef-Straße bereits (linksseitig) bebaut. 1908 dürfte der Direktor der Landeswinzerschule in Mistelbach, Johann Kargl, der selbst eine größere Landwirtschaft nebenbei betrieb, sich hier im Kreuzungsbereich Oberhoferstraße und Dr. Körner-Straße niedergelassen haben. Etwas zurückversetzt von der Oberhoferstraße, unter der heutigen Hausnummer 115-117, erbaute er eine kleine Villa samt einigen Gebäuden für seinen landwirtschaftlichen Betrieb.305 Die Kargl-Villa – die nicht mit dem ebenfalls im Besitz des Winzerschuldirektors stehenden und später ebenso bezeichneten Haus Winzerschulgasse Nr. 20 zu verwechseln ist – war also, abgesehen vom Bahnwächterhäuschen, das erste Gebäude, das entlang dieses Straßenzugs errichtet wurde und dessen weitläufiges Grundstück einen erheblichen Teil der linken Straßenseite einnahm. Anfang der 1920er Jahre ging das Anwesen dann schließlich in den Besitz des zugezogenen vormaligen Gutspächters Ökonomierat Rudolf Krehlik über, dessen Familie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hier lebte und später stand es viele Jahre im Besitz der Landwirtsfamilie Lehner.
Das nächste in der Dr. Körner-Straße errichtete Bauwerk, das bis heute maßgeblich ihr Erscheinungsbild prägt, war der im Mai 1946 eröffnete Friedhof für die gefallenen Soldaten der Roten Armee.306 Nach den im April bzw. Mai des Jahres 1945 im Weinviertel tobenden letzten Gefechten im Zweiten Weltkrieg wurden die getöteten Sowjetsoldaten entweder an ihrem Sterbeort begraben oder an prominenter Stelle – meist in den Ortszentren unter einem mehr oder minder improvisierten Denkmal – bestattet. Auch am Südende des Mistelbacher Hauptplatzes waren unmittelbar nach den Kämpfen viele Sowjetsoldaten begraben worden. Im Einvernehmen mit der Besatzungsmacht sollten die gefallenen Krieger exhumiert und gesammelt an einem Ort bestattet werden und hierfür wurde seitens der Stadtgemeinde der am Ortsrand gelegene Soldatenfriedhof geschaffen. In den folgenden Jahren wurden die Toten aus Mistelbach bzw. der Umgebung exhumiert und hier bestattet, sodass letztlich mehr als 900 russische Soldaten hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
In der Nachkriegszeit herrschte große Wohnungsnot und daher gab es in den 1950er Jahre regen Siedlungsbau, den der Mistelbacher Gemeinderat unter anderem durch seinen im Jahre 1957 gefassten Beschluss betreffend die Parzellierung der bislang unverbauten rechte Seite der heutigen Dr. Körner-Straße unterstützte.307 In den folgenden Jahren entstand eine für die damalige Zeit typische Doppelhaussiedlung und am 14. Oktober 1958 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat die dort befindliche Straße nach dem im Jahr zuvor verstorbenen Bundespräsidenten Dr. h.c. Theodor Körner (1873-1957) zu benennen.308 Körner war einst General in der k. u. k. Armee und hatte sich in der Zwischenkriegszeit den Sozialdemokraten angeschlossen, vertrat diese im Bundesrat und war Berater beim Aufbau des republikanischen Schutzbundes – der Wehrformation der Sozialdemokraten. Von 1945 bis 1951 war er Bürgermeister der Stadt Wien und nach dem Tod von Dr. Karl Renner wurde Körner 1951 der erste durch das Volk gewählte Bundespräsident – ein Amt das er bis zu seinem Tode ausüben sollte. Bundespräsident Körner war im Juni 1954 Ehrengast bei den Feierlichkeiten anlässlich „80 Jahre Stadterhebung“ und im Rahmen eines Festakts wurde er damals zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.309 Wie übrigens der Beitrag Ergebnisse der Bundespräsidentenwahlen in Mistelbach zeigt konnte sich Körner bei der Wahl 1951 von allen damals selbständigen und heute zur Großgemeinde Mistelbach gehörenden Katastralgemeinden lediglich in Lanzendorf im ersten Wahlgang mit relativer und im zweiten Wahlgang mit absoluter Mehrheit als Sieger durchsetzen.
Im Rahmen der Feierlichkeiten zu „80 Jahre Stadterhebung“ im Jahr 1954 konnte Bürgermeister Franz Bayer (Bildmitte) Bundespräsident Körner (l.) und Landeshauptmann Steinböck (r.) als Ehrengäste begrüßen.
Im Rahmen einer Festsitzung des Gemeinderats im (Kino)Saal des Gasthauses „Zur goldenen Krone“ wurde Bundespräsident Körner die Ehrenbürgerwürde verliehen. Auf diesem Foto ist die Übergabe des Ehrenbürgerdekrets an Körner (Bildmitte) durch Bürgermeister Bayer (links) festgehalten. Rechts im Vordergrund: Bezirkshauptmann Dr. Karl Mattes, der so wie auch Landeshauptmann Steinböck an diesem Tag ebenfalls zum Ehrenbürger ernannt wurde.
Auf der linken Straßenseite der Dr. Körner-Straße befanden sich bis zur Jahrtausendwende lediglich die ehemalige Kargl/Krehlik-Villa und der sowjetische Friedhof. Erst danach haben sich die Freiflächen auf dieser Straßenseite durch ein Einfamilienhaus, eine Wohnhausanlage sowie den 2019 eröffneten Generationenspielplatz sukzessive reduziert. Angelehnt an das Beispiel der Dr. Körner-Straße beschloss der Mistelbacher Gemeinderat im Jahre 2009 als das an diesen Straßenzug angrenzende, südlich gelegene Areal als Siedlungsgebiet aufgeschlossen wurde, die dort zu errichtenden Straßen nach weiteren Ehrenbürgern der Stadt Mistelbach zu benennen.310
Wo befindet sich die Dr. Körner-Straße?
Bildnachweis:
-) Bahnwächterhäuschen Nr. 34: Leopold Forstner – Illustrirtes Wiener Extrablatt, 19. Februar 1902 (Nr. 49), S. 5 (ONB: ANNO)
-) Bundespräsident Körner in Mistelbach: Göstl-Archiv
Quellen:
Haydngasse
Der Vorläufer dieser Straße als einfacher Verbindungsweg von der Mitschastraße zur Liechtensteinstraße dürfte wohl erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sein, wahrscheinlich zur Zeit der Mistelregulierung. Schließlich setzte die Entstehung dieses Weges das Vorhandensein einer Brücke über die Mistel voraus, und erst im Zuge der in den Jahren 1912-1915 erfolgten Mistelregulierung dürfte eine solche errichtet worden sein. Dafür, dass es bereits zuvor, also im 19. Jahrhundert, hier eine Brücke bzw. überhaupt einen hier verlaufenden Weg gegeben hätte, konnten keinerlei Indizien gefunden werden.
Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 30. April 1932 wurde diese Verbindungsstraße nach dem österreichischen Komponisten Joseph Haydn (1732-1809) benannt, dessen Geburtstag sich wenige Wochen zuvor zum zweihundertsten Mal jährte.310 Interessanterweise lautete der Beschluss im Wortlaut: „Den Straßenzug von der Mitschastraße bis zur Mistelbrücke und von dort zur Liechtensteinstraße Haydngasse zu benennen.“ Das ist insofern verwunderlich, als der Abschnitt zwischen (überdeckter) Mistel und Liechtensteinstraße eigentlich seit jeher als Teil der Zayagasse gilt. Der Beschluss für die Namensgebung der Zayagasse, die im Zuge der Aufschließung von Baugründen neben der ehemaligen Flüchtlingsstation im Jahre 1925 entstand, bezeichnete als Zayagasse lediglich den entlang der Mistel verlaufenden Straßenzug.311 Einen offiziellen Beschluss zu einer Namensänderung betreffend des gegenständlichen Abschnitts der Haydngasse dürfte es nicht gegeben haben, sondern in Unkenntnis der tatsächlichen Beschlüsse dürfte der Name Zayagasse schlicht auf diesen Straßenabschnitt erstreckt worden sein.312
Der Zeitpunkt der Benennung steht zweifellos mit dem Bau der Doppelhäuser Haydngasse Nr. 4/6 und 8/10 in Zusammenhang, schließlich brauchten diese Häuser in der zuvor unverbauten und namenlosen Straße eine Adresse. Auf der linken Seite (theoretisch ungerade Hausnummern) verlief die Straße zum Zeitpunkt der Entstehung auf ihrer gesamten Länge entlang des Gärtnereibetriebs Nowak und daran hat sich bis heute auch nichts geändert, abgesehen von der Tatsache, dass die Gärtnerei nunmehr seit vielen Jahrzehnten von der Familie Öhler geführt wird. Die rechte Seite der Haydngasse ist wiederum maßgeblich durch die seit 1937 hier bestehende und an die erwähnten Wohnhäuser anschließende Kaserne des österreichischen Bundesheeres geprägt.
Auf dieser Luftbildaufnahme aus der Zeit Mitte der 1930er Jahre (ca. 1932-1936) ist die Haydngasse gemäß dem Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1932 farblich eingezeichnet: Gelb der heute noch als Haydngasse bezeichnete Teil – von der Mitschastraße bis zur Einmündung in die Zayagasse und grün der gemäß diesem Beschluss auch zur Haydngasse gehörige Teil, der allerdings seit jeher als Verlängerung der Zayagasse angesehen wurde. Der links von der Mitschastraße gelegene Teil der Haydngasse entstand erst Jahrzehnte später.
Die Erzherzog Carl-Kaserne (seit 1967: Bolfras-Kaserne) in der Haydngasse. Das Kürzel N.D. für Niederdonau weist zwar auf die NS-Zeit hin, das für die Ansichtskarte verwendete Foto dürfte jedoch noch aus der Zeit vor dem sogenannten „Anschluss“ stammen, da auf dem Kasernengebäude der „Doppeladler mit Heiligenschein“ – das Wappen Österreichs von 1934-1938 – erkennbar ist.
Viele Jahre später, vermutlich in den 1970er Jahren wurde die Bezeichnung „Haydngasse“ auch auf den jenseits der Mitschastraße entstandenen Straßenzug erstreckt, der zum Teil dem Verlauf der Lokalbahnstrecke folgend bis zur Kreuzung mit der Gartengasse reicht.
Wo befindet sich die Haydngasse?
Bildnachweis:
-) Ansicht 1930er Jahre: Ausschnitt aus einer Ansichtskarte aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Ansichtskarte Kaserne: Göstl-Archiv
Quellen:
Ergebnis der Volksabstimmung Kernkraftwerk Zwentendorf
Am 5. November 1978 fand in Österreich die „Volksabstimmung über die friedliche Nutzung der Kernenergie“ statt, bekanntermaßen jedoch erst nach der Fertigstellung des Kernkraftwerks Zwentendorf – dem ersten von mehreren geplanten Kraftwerken. Bei dieser Abstimmung ging es jedoch nicht nur um die Nutzung von Kernenergie, sondern die Abstimmung war zum (Partei-)Politikum geworden, als der damals mit absoluter Mehrheit regierende sozialistische Bundeskanzler Kreisky in Verkennung der Stimmung in der Bevölkerung sein politisches Schicksal mit dem positiven Ausgang dieser Abstimmung verknüpft hatte. Die ÖVP, die dieser Form der Energiegewinnung grundsätzlich sehr wohlwollend gegenüberstand, vollzog, nachdem während ihrer Alleinregierung in den 1960er Jahren das österreichische Atomprogramm und der Bau des Kraftwerks beschlossen worden waren, eine programmatische Kehrtwende mit dem Ziel die sich bietende Chance Kreisky loszuwerden zu nutzen. Eine im Gesamtergebnis knappe Mehrheit von 50,5 % stimmte schließlich gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf, doch aufgrund des engen Ergebnisses wollte Kreisky von dem für den Fall einer Niederlage angekündigten Rücktritt nun nichts mehr wissen und blieb weitere Jahre im Amt. Das Kernkraftwerk wurde noch über viele Jahre in konservierendem Betrieb geführt, um im Falle einer Änderung der (politischen) Stimmungslage doch noch eine Inbetriebnahme zu ermöglichen, aber dazu kam es nicht und Zwentendorf gilt heute nicht nur in Österreich, sondern weltweit als Kuriosum der Nukleargeschichte und einziges Kernkraftwerk der Welt, dass nie auch nur ein Watt an Strom erzeugte.
Bei dieser ersten Volksabstimmung in der Geschichte der Zweiten Republik – übrigens dem einzigen in der österreichischen Bundesverfassung vorgesehenen direktdemokratischen Instrument, dessen Ergebnis im Gegensatz zu Volksbefragung und -begehren bindende Wirkung entfaltet – waren in der Großgemeinde Mistelbach 7000 Personen stimmberechtigt und von diesen haben 4749 (Wahlbeteiligung: 67,8 %) ihr Stimmrecht ausgeübt. Die 4532 gültig abgegebenen Stimmen verteilten sich wie folgt:
JA-Stimmen: 2263 (49,93 %)
NEIN-Stimmen: 2269 (50,07 %)
Das Ergebnis in Mistelbach war somit noch knapper als das bundesweite Votum und die Nein-Stimmen obsiegten hier mit einem hauchdünnen Vorsprung von lediglich sechs Stimmen. Interessant ist, dass Mistelbach, das ansonsten bei Landtags- bzw. Bundeswahlen verlässlich ein Spiegelbild des Ergebnisses des schwarzen Kernlands Niederösterreich abgibt, bei dieser Abstimmung vom Landestrend abwich. Niederösterreichweit stimmte eine Mehrheit von 50,8 % für „JA“ und damit gegen die (geänderte) ÖVP-Parteilinie.
Quelle:
-) Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 208 (Dezember 1978), S. 7
Hofrat Thurner-Promenade
Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderats vom 11. Dezember 2003 erhielt die bis dahin namenlose, entlang der Mistel verlaufende Verlängerung der „Grünen Straße“ zwischen Michael Hofer-Zeile und Industrieparkstraße den Namen „Walter Thurner-Promenade“. Tatsächlich findet sich auf den Straßenschildern jedoch die Bezeichnung „Hofrat Thurner-Promenade“ und daher wird dieser Weg – der Macht des Faktischen folgend – auch auf diesem Blog so bezeichnet. Hofrat Dipl.-Ing. Walter Thurner war bei der niederösterreichischen Landesregierung im Bereich Wasserbau tätig und unter maßgeblicher Mitwirkung des gebürtigen Mistelbachers erfolgte in den Jahren 1973-1982 die Regulierung und Überdeckung des Mistelbachs im Stadtgebiet. Das unansehnliche, triste Gerinne der Mistel war damit aus dem Stadtbild verschwunden und in weiterer Folge konnte mit der „Grünen Straße“, eine sich durch die ganze Stadt ziehende Nord-Süd-Achse für Fußgänger, Radfahrer und Erholungssuchende geschaffen werden. Den Weg, der die Mistel vom Ende ihrer Eindeckung bis zur Einmündung in die Zaya begleitet, benannte man eingedenk seiner großen Verdienste um dieses Jahrhundertprojekt nach Hofrat Thurner.
Wo befindet sich die Hofrat Thurner-Promenade?
Gemeindevertretung Kettlasbrunn (1850-1971)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Kettlasbrunn im Zeitraum 1850 bis 1971. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-1861313
Bürgermeister: Michael Kruder, Halblehner
Gemeinderäte: Andreas Dietrich, Ganzlehner; Josef Bayer (auch Beyer oder Peyer geschrieben), Hofstätter
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Georg Besau, Halblehner; R. Kruder, Halblehner; J. Fichtl, Halblehner; Michael Rolland, Halblehner; L. Feßl, Ganzlehner; Peter Schöfbeck, Kleinhäusler; J. Biwald, Halblehner; Josef Flaskal, Pfarrer; Johann Kruder, Halblehner
Da die 1850 gewählten Mitglieder des Gemeindeausschusses, und auch der Bürgermeister, ihre Ämter nur aus triftigen Gründen zurücklegen durften, scheint es wahrscheinlich, dass Bürgermeister Kruder sein Amt bis zu den nächsten Wahlen im Jahre 1861 innehatte.
Tatsächlich scheint es jedoch bereits Anfang der 1850er Jahre zu einer umfassenden Personalrochade im Kettlasbrunner Gemeindeausschuss gekommen zu sein. Dies legt jedenfalls ein im Beisein des damaligen Mistelbacher Notars Josef Bernatzik abgefasstes Protokoll über die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen der Gemeinde und dem Pfarrer bzw. dem Schullehrer betreffend deren Entlohnung, nahe. In diesem in der Topothek verfügbaren Dokument aus dem Oktober 1853 werden folgende bei diesem Termin anwesende Gemeindevertreter angeführt:
Bürgermeister: Michael Kruder
Gemeinderat: Andreas Dietrich
Gemeindeausschüsse: Josef Flaskal (selbst auch betroffene Streitpartei), Andreas Dietrich, Peter Schöfbeck, Philipp Kruder, Josef Schwarzmann, Franz Wimmer, Michael Rolland
Von den zwölf Mitgliedern des Gemeindeausschusses waren bei oben genannter Verhandlung also acht Personen anwesend, wobei darunter drei neue Namen (fett gedruckt) aufscheinen. Dies bedeutet natürlich, dass (mind.) drei der 1850 gewählten Vertreter zwischenzeitlich aus dem Gemeindeausschuss ausgeschieden sein mussten, wobei es laut den Pfarrmatriken zwischenzeitlich zu keinen Todesfällen gekommen ist.
1861-1864314
Bürgermeister: Josef Bayer (auch Beyer oder Peyer geschrieben)
1. Gemeinderat: Mathias Stettner
2. Gemeinderat: Josef Besau
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Christian Stoiber, Dominik Bachmayer, Anton Hugl, Franz Piringer, Vincenz Haidinger, Franz Krieghofer, Sebastian Wiesinger, Ferdinand Preyer, Peter Schöfbeck
1864-1867315
Bürgermeister: Dominik Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Piringer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Sebastian Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1867-1870316
Bürgermeister: Dominik Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Piringer, Wirtschaftsbesitzer;
2. Gemeinderat: Sebastian Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1870-1873317
Bürgermeister: Dominik Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Fichtl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Anton Hugl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1873-1876318
Bürgermeister: Josef Schwarzmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Besau, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Mathias Biwald, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1876-1879319
Bürgermeister: Josef Schwarzmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Fichtl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ignaz Rath, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1879-1883320
Bürgermeister: Ignaz Rath, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Dominik Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Philipp Kruder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1883-1885321
Bürgermeister: Dominik Bachmayer (unklar ob sen. oder jun.), Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Ignaz Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Sebastian Kruder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1885-1888322
Bürgermeister: Sebastian Kruder, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Eisenwagen, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Michael Grischani, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1888-1891323
Bürgermeister: Ignaz Rath, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Schwarzmann, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Philipp Kruder, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Leopold Ebersberger, Wirtschaftsbesitzer; Sebastian Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Amon, Wirtschaftsbesitzer; Michael Grischani, Wirtschaftsbesitzer; Sebastian Rath, Wirtschaftsbesitzer; Johann Ebersberger, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Schmid, Wirtschaftsbesitzer; Franz Klinghofer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Johann Biwald, Wirtschaftsbesitzer; Andreas Brehm, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Hörwein, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Hörwein, Wirtschaftsbesitzer; Franz Ebersberger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Dietrich, Wirtschaftsbesitzer; Matthias Halzl, Wirtschaftsbesitzer
Nach dem Ableben von Josef Schwarzmann am 31. März 1890 folgte Leopold Amon als 1. Gemeinderat im Sommer 1890.324
1891-1894325
Bürgermeister: Dominik Bachmayer jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Sebastian Kruder, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Lorenz Hammer, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Andreas Brehm, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Ebersberger, Wirtschaftsbesitzer; Johann Rolland, Wirtschaftsbesitzer; Josef Graf, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer; Ignaz Rath, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Hugl, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Biwald, Wirtschaftsbesitzer; Josef Dietrich, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Stich; Johann Müller, Wirtschaftsbesitzer; Laurenz Auli, Wirtschaftsbesitzer; Josef Bachmeier, Wirtschaftsbesitzer; Franz Piringer, Wirtschaftsbesitzer; Franz Klinghofer, Wirtschaftsbesitzer;
1894-1900326
Bürgermeister: Dominik Bachmayer jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Klinghofer, Wirtschaftsbesitzer;
2. Gemeinderat: Josef Graf, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Sebastian Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Stich, Wirtschaftsbesitzer; Johann Rolland, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Schwarzmann, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Kruder, Wirtschaftsbesitzer; Josef Rolland, Wirtschaftsbesitzer; Josef Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer; Franz Piringer, Wirtschaftsbesitzer; Franz Fichtl, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Püllwein, Wirtschaftsbesitzer; Georg Wimmer, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Schodl, Wirtschaftsbesitzer; Laurenz Auli, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Klinghofer, Wirtschaftsbesitzer; Franz Preyer, Wirtschaftsbesitzer
1900-1906327
Bürgermeister: Jakob Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Sebastian Rath, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Markus Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
Weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Leopold Hugl, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Klinghofer, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Auli, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schwarzmann, Wirtschaftsbesitzer; Johann Rolland, Wirtschaftsbesitzer; Dominik Bachmayer jun., Wirtschaftsbesitzer; Andreas Premm, Kleinhäusler; Georg Wimmer, Kleinhäusler; Josef Stich
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1906-1912328
Bürgermeister: Jakob Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Sebastian Rath, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ferdinand Klinghofer, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Josef Stich, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
1912-1919329
Bürgermeister: Leopold Hugl
1. Gemeinderat: Johann Pribitzer
2. Gemeinderat: Franz Bachmayer
3. Gemeinderat: Josef Biwald
Weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Diem, Anton Pausch, Thaddäus Kramer, Sebastian Rath, Alois Kruder, Karl Wimmer, Leopold Rath und Heinrich Bschließmayer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern (jeweils vier Personen aus drei Wahlkörpern), sowie dem gemäß § 17 der niederösterreichischen Gemeindeordnung zum Eintritt in denselben ohne Wahl berechtigten Johann Fürst von und zu Liechtenstein. Fürst Liechtenstein übte dieses Recht durch einen Vertreter – einen Beamten der fürstlichen Gutsverwaltung – aus.
Bei der Wahl 1906 kandidierten zwei Parteien, auf die jeweils die Hälfte der Mandate im Gemeindeausschuss entfiel. Altbürgermeister Jakob Bachmayer und Post-Oberoffizial Hieronymus Uhl wurden zwar gewählt, nahmen ihr Mandat jedoch nicht an, sodass schließlich andere Kandidaten in den Gemeindeausschuss einzogen.
1919-1924330
Das Ergebnis der Gemeinderatswahl im Jahre 1919 in Kettlasbrunn ist leider nicht überliefert, aber im nö. Landesarchiv konnten von den damals wahlwerbenden Parteien oder richtiger den kandidierenden Wahllisten ausgegebene Stimmzettel entdeckt werden, deren Verwendung bei der Wahl erlaubt war. Derartige Stimmzettel, die sämtliche Kandidaten der jeweiligen Liste anführten, sind von der „Bürger-, Wirtschafts- und Arbeiterpartei“ und der „christlichsozialen Bürger-Partei“ überliefert. Nachdem sich weder der spätere Bürgermeister Josef Bachmayer, noch der spätere geschäftsführende Gemeinderat Johann Dietrich auf einer der beiden Listen finden, bedeutet dies, dass mindestens eine weitere Liste bei dieser Wahl kandidiert haben muss. Lediglich der Gemeindevorstand dieser Periode ist gemäß den Angaben im Niederösterreichischen Amtskalender bekannt:
Bürgermeister: Josef Bachmayer, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Josef Stich, Wirtschaftsbesitzer (Bürger-, Wirtschafts- und Arbeiterpartei)
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Diem, Wirtschaftsbesitzer (christlichsoziale Bürger-Partei); Johann Dietrich, Friseur
Der Gemeinderat bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
Im Jänner 1922 legte Bürgermeister Bachmayer aus nicht überlieferten Gründen sein Amt zurück, allerdings wurde er in der darauffolgenden Sitzung am 9. Februar 1922 neuerlich mit 7 von 12 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.331
1924-1929332
Das Ergebnis der Gemeinderatswahl vom 30. November 1924 liegt im Detail leider nicht vor, es ist lediglich überliefert, dass mehrere christlichsoziale Wahllisten antraten. Diese Listen führten meist die Namen ihrer Spitzenkandidaten und das Ergebnis fiel wie folgt aus: „Klinghofer-Partei“ 5 Mandate, „Piringer-Partei“ 4 Mandate, eine nicht näher bezeichnete dritte Partei errang zwei Mandate und die „Gewerbepartei“ (auch „Findeispartei“ genannt) ein Mandat.
Bürgermeister: Franz Piringer
Vizebürgermeister: Josef Graf
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Klinghofer, Josef Dietrich, Leopold Schodl
weiters gehörten dem Gemeinderat an: Leopold Rath, Josef Bachmayer, Franz Fichtl, Leopold Preyer, Lorenz Dollhofer, Johann Rolland, ? Findeis
Der Gemeinderat bestand aus 12 Mitgliedern.
1929-1934333
Gemeinderatswahl 10. November 1929
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigte: 467; abgegebene gültige Stimmen: 328, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Einheitspartei | Christlichsoziale Bauern- und Arbeiterpartei | Christlichsoziale Arbeiterpartei | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 206 (62,8%) | 8 | 95 (29,0%) | 4 | 27 (8,2%) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung am 30. November 1929 setzte sich der Kettlasbrunner Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Piringer (Einheitspartei)
Vizebürgermeister: Josef Graf (Einheitspartei)
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Klinghofer (Einheitspartei), Lorenz Dollhofer (Christlichsoziale Bauern- und Arbeiterpartei), Leopold Schodl (Einheitspartei)
Gemeinderäte: Franz Rolland (Einheitspartei), Ferdinand Preyer (Einheitspartei), Leopold Rath (Einheitspartei), Josef Bachmayer (Einheitspartei), Franz Bachmayer (Nr. 58) (Christlichsoziale Bauern- und Arbeiterpartei), Josef Rabenreither (Christlichsoziale Bauern- und Arbeiterpartei), Franz Fichtl (Christlichsoziale Bauern- und Arbeiterpartei), Johann Dreiwurst (Christlichsoziale Arbeiterpartei)
1934-1938334
Bürgermeister: Franz Piringer
Bürgermeisterstellvertreter: Josef Graf
Über die weitere Zusammensetzung des Gemeindetages liegen keine Informationen vor.
1938-1945
Nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung blieb der bisherige Bürgermeister Franz Piringer als Gemeindeverwalter weiterhin mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut.335 Ab Anfang des Jahres 1939 wurde entsprechend der deutschen Gemeindeordnung folgende Gemeindeführung eingesetzt336:
Bürgermeister: Josef Graf, Landwirt, Nr. 64
Beigeordnete: Johann Schwarzmann, Landwirt, Nr. 17; Franz Fichtl, Landwirt, Nr. 182
1945-1950337
Für die Zeit von Kriegsende bis Dezember 1946 ist lediglich die Spitze der Gemeindevertretung überliefert338:
Bürgermeister: Ferdinand Preyer, Zimmerermeister (ÖVP)
Vizebürgermeister: Richard Wenisch (SPÖ)
Am 14. Dezember 1946 konstituierte sich ein neuer provisorischer Gemeinderat339:
Bürgermeister: Ferdinand Preyer, Zimmerermeister (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Hugl (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Dominik Bachmayer (SPÖ) und Leopold Müller (ÖVP), beide Bauern
Ab 1947 sind dann auch Protokolle der Gemeinderatssitzungen überliefert und zu Ende diesen Jahres stellte sich der provisorische Gemeinderat wie folgt dar:
Bürgermeister: Ferdinand Preyer (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Hugl (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Leopold Müller (ÖVP), Dominik Bachmayer (SPÖ)
Gemeinderäte: Franz Pausch (ÖVP), Lorenz Ebersberger (ÖVP), Georg Loibl (ÖVP), Josef Diem (ÖVP), Georg Wimmer (ÖVP), Josef Rathammer (SPÖ), Johann Dreiwurst (SPÖ),
Ab 1948 scheint dann auch Dominik Bachmayer als zweiter Vizebürgermeister auf.
Mit Beschluss vom 30. Juni 1949 ernannte die niederösterreichische Landesregierung den Landwirt Karl Fichtl als Ersatz für den ausgeschiedenen ÖVP-Mandatar Franz Pausch.
Mit Beschluss vom 8. März 1950 ernannte die niederösterreichische Landesregierung den Maurer Franz Kubina als Ersatz für den ausgeschiedenen SPÖ-Vertreter Johann Dreiwurst.
1950-1955340
Gemeinderatswahl 7. Mai 1950 341
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 507; abgegebene Stimmen: 476 (Wahlbeteiligung: 93,9%); ungültig: 6, gültig: 470, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | Kleinbauern, Arbeiter und Angestellte (2. ÖVP-Liste) |
SPÖ | Österreichischer Wirtschaftsbund | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 183 (38,9%) | 6 | 159 (33,8%) | 6 | 77 (16,4%) | 2 | 51 (10,9%) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung am 11. Juni 1950 setzte sich der Kettlasbrunner Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Hugl (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Diem
geschäftsführende Gemeinderäte: Karl Fichtl, Karl Aigner, Johann Nußböck
Gemeinderäte: Franz Klinghofer, Georg Loibl, Franz Bachmayer, Dominik Bachmayer (SPÖ), Josef Rathammer (SPÖ), Josef Hoffmann, Anton Schmid, Karl Strasser, Ferdinand Preyer, Franz Bold
Ab September 1950 scheint in den Gemeinderatsprotokollen Karl Aigner (zumindest) kurzzeitig als zweiter Vizebürgermeister auf. Nach dem Tod von Bürgermeister Hugl am 22. Dezember 1954, wurde in der Sitzung vom 8. Jänner 1955 Josef Hoffmann zum Bürgermeister gewählt. Auf das freigewordene Gemeinderatsmandat rückt Bernhard Theil für die ÖVP nach.
1955-1960342
Gemeinderatswahl 24. April 1955343
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 477; abgegebene Stimmen: 456 (Wahlbeteiligung: 95,6%); ungültig: 3, gültig: 453, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | (Wirtschafts-)Liste Johann Nussböck | SPÖ | Volksopposition (KPÖ) | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 276 (60,9%) | 10 | 84 (18,5%) | 3 | 68 (15,0%) | 2 | 25 (5,5%) | – |
Aufgrund einer Anfechtung wurde die Wahl vom 24. April für ungültig erklärt und seitens der Landesregierung wurde für den 23. Oktober 1955 eine Wahlwiederholung ausgeschrieben.344
Wiederholungswahl 23.10.1955345
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 477; abgegebene Stimmen: 441 (Wahlbeteiligung: 92,5%); ungültig: 5, gültig: 436, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | (Wirtschafts-)Liste Johann Nussböck | SPÖ | Volksopposition (KPÖ) | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 227 (52,0%) | 8 | 128 (29,4%) | 5 | 74 (17,0%) | 2 | 7 (1,6%) | – |
Die ursprüngliche konstituierende Sitzung vom 13. November 1955 wurde bei der Bezirkswahlbehörde angefochten und für ungültig erklärt. Daher fand erst am 23. Dezember 1955 die konstituierende Sitzung statt, die folgendes Ergebnis hatte:
Bürgermeister: Josef Preyer
Vizebürgermeister: Franz Bachmayer
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Rathammer (SPÖ), Johann Nussböck (Liste Johann Nussböck), Franz Rolland, Josef Klinghofer
Gemeinderäte: Franz Bold, Josef Kruder, Karl Preyer, Josef Diem, Bernhard Theil, Franz Kubina (SPÖ), Otto Klohna, Josef Hoffmann, Ferdinand Preyer
1960-1965346
Gemeinderatswahl 10. April 1960
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 451; abgegebene Stimmen: 439 (Wahlbeteiligung: 97,3%); ungültig: 0, gültig: 439, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | Wirtschaftsliste | SPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 200 (45,6%) | 7 | 198 (45,1%) | 7 | 41 (9,3%) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 27. April 1960 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Preyer (Wirtschaftsliste)
Vizebürgermeister: Franz Bachmayer
Gemeinderäte: Alois Kruder, Franz Rolland, Alois Schmid, Josef Kruder, Johann Schwarzmann, Josef Bachmayer, Josef Hoffmann, Eduard Bachmayer, Johann Nussböck (Wirtschaftsliste), Josef Graf, Franz Hugl, Karl Preyer, Josef Rathammer (SPÖ)
Jedenfalls ab März 1961 (für den Zeitraum Oktober 1960 bis Februar 1961 fehlen Aufzeichnungen) scheint Bürgermeister Josef Preyer in den Gemeinderatsprotokollen als suspendiert auf. Hintergrund dieser Suspendierung dürfte ein gegen den Bürgermeister laufendes strafgerichtliches Ermittlungsverfahren gewesen sein – näheres dazu weiter unten. Während der Zeit der Suspendierung führt der Vizebürgermeister Franz Bachmayer die Amtsgeschäfte, ehe der Gemeinderat mit Beschluss der Landesregierung vom 24. Juli 1961 aufgelöst wurde. Die Gründe für die Auflösung sind nicht weiter überliefert – eine selbst längerfristige Verhinderung bzw. ein Ausscheiden des Bürgermeisters hätte für sich genommen jedenfalls keinen ausreichenden Grund hierfür geliefert. Als Gemeindeverwalter wurde Leopold Stoiber von der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach eingesetzt, dem folgende Mitglieder des aufgelösten Gemeinderates als Beiräte zur Seite gestellt wurden: Ihm standen folgende Beiräte zur Seite: Franz Bachmayer, Josef Hoffmann, Josef Kruder, Johann Nußböck und Franz Rolland.347
Neuwahl des Gemeinderats am 19. November 1961348
zu vergebende Mandate: 15; die 406 abgegebenen gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | FPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 278 (68,5%) | 11 | 93 (22,9%) | 3 | 35 (8,6%) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 26. Dezember 1961 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Hoffmann (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Bachmayer (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Franz Hugl (ÖVP), Josef Graf (ÖVP), Johann Huber (SPÖ), Johann Schwarzmann (ÖVP)
Gemeinderäte: Alois Kruder (ÖVP), Georg Redl (SPÖ), Josef Bachmayer (ÖVP), Alois Schmid (ÖVP), Josef Preyer (FPÖ), Lorenz Halzl (ÖVP), Franz Kubina (SPÖ), Franz Graf (ÖVP), Karl Wimmer (ÖVP)
Seitens der ÖVP hoffte man die bei der Wahl 1960 in Erscheinung getretene Zersplitterung der Partei auf zwei Listen zu überwinden und wieder geeint aufzutreten.349 Es gelang der ÖVP vor der Wahl einen Teil der Wirtschaftsliste (Liste Preyer) für eine Kandidatur bei der ÖVP zu gewinnen, allerdings sollen diese gesondert als zweite ÖVP-Liste angetreten sein.350 Die Aufteilung der Stimmen und Mandate auf die beiden ÖVP-Listen ist nicht überliefert. Altbürgermeister Josef Preyer, der wie oben geschildert mindestens ab März 1961 aufgrund laufender gerichtlicher Ermittlungen als suspendiert aufschien, wurde zwar bei der Neuwahl wieder in den Gemeinderat gewählt, allerdings blieb die Suspendierung auch nach seiner neuerlichen Wahl in den Gemeinderat aufrecht. Anfang des Jahres 1962 wurde ihm schließlich sein Mandat durch die Landesregierung bescheidmäßig aberkannt, da Preyer zu einer Freiheitsstrafe – tatsächlich handelte es sich sogar um eine Kerkerstrafe – rechtskräftig verurteilt worden war. Am 23. März 1962 rückte daher Karl Strasser als FPÖ-Mandatar in den Gemeinderat nach.
1965-1970351
Gemeinderatswahl 1965352
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 422; abgegebene Stimmen: 401 (Wahlbeteiligung: 95,0%); ungültig: 2, gültig: 399, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 287 (71,9%) | 11 | 112 (28,1%) | 4 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 25. April 1965 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Bachmayer (ÖVP)
Vizebürgermeister: Johann Schwarzmann (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Laurenz Eisenwagen (ÖVP), Anton Kern (ÖVP), Franz Fichtl (ÖVP), Johann Huber (SPÖ)
Gemeinderäte: Franz Bachmayer (ÖVP), Alois Schmid (ÖVP), Johann Göstl (ÖVP), Martin Schreibvogel (ÖVP), Franz Hugl (ÖVP), Lorenz Halzl (ÖVP), Georg Redl (SPÖ), Franz Kubina (SPÖ), Anton Rath (SPÖ)
Für den am 16. April 1966 verstorbenen Franz Kubina rückte Johann Rathammer als SPÖ-Vertreter nach, der in der Sitzung vom 30. Mai 1966 angelobt wurde.
Nach dem Ableben des geschäftsführenden Gemeinderats Johann Huber im Juni 1968 wurde Alois Gruber als SPÖ-Vertreter in der Sitzung vom 31. August 1968 in den Gemeinderat aufgenommen und Johann Rathammer wurde in den Gemeindevorstand gewählt.
1970-1971353
Gemeinderatswahl 1970354
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 414; abgegebene Stimmen: 398 (Wahlbeteiligung: 96,1%); ungültig: 0, gültig: 398, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 245 (61,6%) | 9 | 153 (38,4%) | 6 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 4. Juli 1970 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Bachmayer (ÖVP)
Vizebürgermeister: Georg Redl (SPÖ)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Johann Schwarzmann (ÖVP), Lorenz Eisenwagen (ÖVP), Johann Göstl (ÖVP), Josef Rath (SPÖ)
Gemeinderäte: Franz Rolland (ÖVP), Alfred Auli (ÖVP), Josef Schodl (ÖVP), Alois Schmid (ÖVP), Franz Hugl (ÖVP), Johann Rathammer (SPÖ), Alois Gruber (SPÖ), Anton Rath (SPÖ), Franz Rath (SPÖ)
Mit 1. Jänner 1972 wurde Kettlasbrunn als Katastralgemeinde Teil der Großgemeinde Mistelbach. Nähere Hintergründe dazu im Beitrag „Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972„
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Kettlasbrunn
Eine erste Liste der Kettlasbrunner Bürgermeister erschien 1989 in der von Oberschulrat Willibald Leisser veröffentlichten Ortsgeschichte „Kettlasbrunn im Weinviertel – Ein Wallfahrtsort seit der Pestzeit“.355 Aufgrund der Rechercheergebnissen zu diesem Beitrag ergibt sich folgende Liste:
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1861 | Michael Kruder (*1797, †1866) |
| 1861-1864 | Josef Bayer (auch Beyer oder Peyer geschrieben) (*1808, †1893) |
| 1864-1874 | Dominik Bachmayer sen. (*1827, †1909) |
| 1874-1879 | Josef Schwarzmann (*1834, †1890) |
| 1879-1883 | Ignaz Rath (*1842, †1921) |
| 1883-1885 | Dominik Bachmayer (unklar ob sen. oder jun.) |
| 1885-1888 | Sebastian Kruder (*1836, †1922) |
| 1888-1891 | Ignaz Rath (*1842, †1921) |
| 1891-1901 | Dominik Bachmayer jun. (*1852, †1930) |
| 1901-1913 | ![]() Jakob Bachmayer (*1850, †1927) |
| 1913-1919 | Leopold Hugl (*1860, †1926) |
| 1919-1924 | Josef Bachmayer (*1884, †1936) |
| 1924-1938 | Franz Piringer (*1883, †1947), christlichsoziale Liste bzw. Einheitspartei |
| 1938-1945 | Josef Graf (*1882, †1956), NSDAP356 |
| 1945-1950 | ![]() Ferdinand Preyer (*1889, †1958), ÖVP |
| 1950-1954 | Franz Hugl (*1894, †1954), ÖVP |
| 1955 | Josef Hoffmann (*1907, †1977), ÖVP |
| 1955-1961 | ![]() Josef Preyer (*1923, †1984), 1955-1960: ÖVP; 1960-61: Wirtschaftsliste |
| 1961 | Leopold Stoiber (als Regierungskommissär (=Gemeindeverwalter) seitens der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach eingesetzt) |
| 1961-1965 | Josef Hoffmann (*1907, †1977), ÖVP |
| 1965-1971 | Josef Bachmayer (*1920, †1996), ÖVP |
Bildnachweis:
-) Portrait Jakob Bachmayer: Scan nach einem von Philipp Hödl zur Verfügung gestellten Original „Die Bürgermeister des Bezirks Mistelbach im Jahre 1902“
-) Portrait Ferdinand Preyer: Ausschnitt Foto „Freiwillige Feuerwehr Kettlasbrunn 1955“ Topothek Mistelbach (Nutzung mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Josef Rath †)
-) Portrait Josef Preyer: Ausschnitt Foto „Musterung 1956“ Topothek Mistelbach (Nutzung mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Josef Rath †)
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Ketttlasbrunn im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1947-1971
Gemeindevertretung Paasdorf (1850-1971)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Paasdorf im Zeitraum 1850 bis 1971. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-18611
Bürgermeister: Anton Würl, Halblehner
Gemeinderäte: Egid Fritsch, Fleischhauer; Anton Hadrian, Viertellehner
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: P. Popp, Bäcker; Mathias Schragner, Wirtschaftsbesitzer; J. Bernold, Hauer; J. Kainz, Hauer; Franz Rößler, Handelsmann; G. Lirzer, Wirtschaftsbesitzer; L. Westermaier, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schiller, Wirtschaftsbesitzer;
Das Gemeindeausschussmitglied Egid Fritsch verstarb 1855, ob bzw. wer ihm nachfolgte ist nicht überliefert.
1861-1864357
Bürgermeister: Anton Würl, Landwirt
1. Gemeinderat: Anton Hadrian, Landwirt
2. Gemeinderat: Mathias Rieder, Landwirt
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Kalz, Landwirt; Johann Hackler, Schullehrer; Leopold Seltenhammer, Landwirt; Johann Hermann, Wundarzt; Josef Schüller, Landwirt; Mathias Schragner, Landwirt; Lorenz Fürst, Landwirt; Michael Sommer, Landwirt; Georg Thurner, Landwirt
1864-1867358
Bürgermeister: Johann Hermann, Wundarzt und Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Hadrian, Landwirt
2. Gemeinderat: Franz Wittmann, Schuhmacher und Kaufmann (Krämer)
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper.
1867-1870359
Bürgermeister: Franz Wittmann, Schuhmacher und Kaufmann (Krämer)
1. Gemeinderat: Anton Hadrian, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Andreas Götz, Tischler
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper.
1870-1873360
Bürgermeister: Carl Popp, Bäckermeister
1. Gemeinderat: Franz Wittmann, Schuhmacher und Kaufmann (Krämer)
2. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Johann Hermann, Wundarzt und Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper.
1873-1876361
Bürgermeister: Josef Fritsch, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Carl Popp, Bäckermeister
2. Gemeinderat: Josef Donner, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper. Dem Gemeindeausschuss dürfte wohl auch Christian Lang angehört haben.
Aufgrund seiner Übersiedlung nach Mistelbach schied Fritsch aus dem Paasdorfer Gemeinderat aus und legte offenbar im Laufe des Jahres 1875 das Amt des Bürgermeisters zurück.362 Zu seinem Nachfolger wurde Christian Lang gewählt.
1876-1879363
Bürgermeister: Christian Lang, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Carl Popp, Bäckermeister
2. Gemeinderat: Josef Donner, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper.
1879-1882364
Bürgermeister: Josef Donner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Carl Popp, Bäckermeister
2. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Leopold Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper.
1882-1885365
Bürgermeister: Carl Popp, Bäckermeister
1. Gemeinderat: Josef Donner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Georg Seger, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper.
1885-1888366
Bürgermeister: Peter Stacher, Fleischhauer
1. Gemeinderat: Josef Donner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Georg Seger, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 gewählten Mitgliedern, und zwar je 4 aus jedem der drei Wahlkörper.
1888-1892367
Bürgermeister: Peter Stacher, Fleischhauer
1. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Bürbaum, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Martin Stacher, Wirtschaftsbesitzer; Georg Seger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Haimmer, Wirtschaftsbesitzer; Johann Freimüller, Wirtschaftsbesitzer; Johann Wittmann, Schumacher; Leopold Kuselbauer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Penitschka, Wirtschaftsbesitzer; Franz Sommer, Wirtschaftsbesitzer; Graf Adolf Thurn, Gutsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Leopold Rosner, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Höberth, Wirtschaftsbesitzer; Paul Thüringer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Hochhauser, Wirtschaftsbesitzer; Egyd Geyer, Wirtschaftsbesitzer; Johann Höfling, Wirtschaftsbesitzer
Augenscheinlich muss im Jahre 1889 ein Mitglied aus dem Gemeindeausschuss ausgeschieden sein, denn der erstgenannte Ersatzmann Leopold Rosner rückte in diesem Jahr in den Gemeindeausschuss nach.368
1892-1894369
Bürgermeister: Peter Stacher, Fleischhauer
1. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Bürbaum, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Georg Seger, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Rosner, Wirtschaftsbesitzer; Johann Wittmann, Wirtschaftsbesitzer; Josef Donner jun., Wirtschaftsbesitzer; Johann Freimüller, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Kuselbauer, Wirtschaftsbesitzer; Graf Adolf Thurn, Gutsbesitzer; Josef Benitschka, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Adam Grim, Wirtschaftsbeisitzer; Leopold Gabmeier, Wirtschaftsbesitzer; Josef Hochhauser, Wirtschaftsbesitzer Nr. 93; Johann Diewald, Wirtschaftsbesitzer; Josef Retzer, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Wegert, Wirtschaftsbesitzer.
1894-1900370
Bürgermeister: Peter Stacher, Fleischhauer
1. Gemeinderat: Josef Bürbaum, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Freimüller, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Leopold Kuselbauer, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Georg Seger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Donner jun., Wirtschaftsbesitzer; Leopold Rosner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Lang, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Höbert, Wirtschaftsbesitzer; Ignaz Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Retzer, Wirtschaftsbesitzer; Johann Wittmann, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Adam Grim, Schmiedemeister; Mathias Wurst, Wirtschaftsbesitzer; Michael Diewald, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Wegert, Wirtschaftsbesitzer; Johann Diewald, Wirtschaftsbesitzer; Johann Retzer, Wirtschaftsbesitzer
Bereits im Jahr 1895 kam es offenbar zu einem Wechsel an der Spitze der Gemeindevertretung: auf Stacher folgte Georg Seger als Bürgermeister.
1900-1906371
Die Gemeindewahl fand am 26. August 1900 statt, allerdings wurde die Wahl bei der niederösterreichischen Statthalterei beeinsprucht. Die vorgebrachten Einwände wurden jedoch vollumfänglich abgelehnt, sodass mit geringfügiger Verzögerung am 30. September die konstituierende Gemeindeausschusssitzung abgehalten werden konnte, die nachfolgendes Ergebnis brachte:
Bürgermeister: Leopold Rosner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Seger, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Lang, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer jun.
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen, von denen neben den oben angeführten Personen lediglich Martin Kothmayer überliefert ist.
1906-1912372
Bürgermeister: Leopold Rosner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Ignaz Seltenhammer jun., Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Lang, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen, von diesen sind weiters bekannt: Martin Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Johann Stacher, Wirtschaftsbesitzer; Johann Stöger, Wirtschaftsbesitzer; Wirtschaftsbesitzer; Johann Schulz, Wirtschaftsbesitzer; Adam Grim, Wirtschaftsbesitzer
1912-1919373
Laut einem Bericht im Mistelbacher Bote traten bei dieser Wahl zwei Parteien an, die jedoch keine ideologischen Unterschiede aufwiesen, sondern deren Kandidaten lediglich gegensätzliche wirtschaftliche und persönliche Interessen verfolgten bzw. deren Vorstellungen von der Entwicklung der Gemeinde sich unterschieden. Nach der Wahl herrschte jedoch wieder Eintracht und man wollte gemeinsam für das Wohl der Gemeinde arbeiten und das Verbindende vor das Trennende stellen.
Nach der konstituierenden Sitzung vom 21. Oktober 1912 setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Leopold Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer;
1. Gemeinderat: Leopold Rosner, Wirtschaftsbesitzer;
2. Gemeinderat: Josef Lang, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Martin Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Johann Stacher, Wirtschaftsbesitzer; Johann Stöger, Wirtschaftsbesitzer; Josef (oder Leopold?) Donner374, Wirtschaftsbesitzer; Johann Schulz, Wirtschaftsbesitzer; Adam Grim, Wirtschaftsbesitzer; Karl Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer; Karl Kuselbauer, Wirtschaftsbesitzer; Martin Kothmeier, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen.
Offenbar kam es bereits 1914 zu einem Wechsel an der Spitze der Gemeindevertretung, Leopold Rosner wurde Bürgermeister und Leopold Seltenhammer zum 1. Gemeinderat gewählt. Im Mai 1916 verstarb der vormalige Bürgermeister und nunmehrige 1. Gemeinderat Leopold Seltenhammer und diese Stelle blieb bis ins Jahr 1919 augenscheinlich vakant.
1919-1921375
Die erste Gemeinderatswahl 1919 bei der zwei Listen angetreten sind, brachte folgendes Ergebnis:
| Kleinbauern – „Häuslerliste“ | Liste der größeren Wirtschaftsbesitzer | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 179 | 8 | 148 | 6 |
Nachdem es in Paasdorf damals noch keine Lokalorganisation der Sozialdemokraten gab, trat bei der Wahl auch keine eigene sozialdemokratische Liste an. Allerdings fand sich unter den gewählten Kandidaten der „Häuslerliste“ ein sozialistisch organisierter Eisenbahner. Vermutlich dürfte es sich hierbei um Ferdinand Wimmer gehandelt haben.
Der Gemeindevorstand ist aus dem Niederösterreichischen Amtskalender überliefert:
Bürgermeister: Karl Rössler, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Josef Lehner, Wirtschaftsbesitzer
geschäftsführende Gemeinderäte: Karl Seltenhammer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Vogelmüller, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeinderat bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern, außer den obengenannten darunter wohl auch Ferdinand Wimmer.
1921-1924376
Zu Beginn des Jahr 1921 wurde der Paasdorfer Gemeinderat durch die Niederösterreichische Landesregierung aufgelöst, allerdings sind die Gründe, die diese Auflösung notwendig gemacht haben, nicht überliefert. Die Neuwahl des Gemeinderats wurde gemeinsam mit der Landtagswahl am 24. April 1921 abgehalten und das Ergebnis ist lediglich in Form der Mandatsverteilung überliefert. Die Christlichsozialen errangen 6 Mandate und eine gemeinsame Liste von Sozialdemokraten und Großdeutschen erreichte 8 Mandate.
Offenbar unmittelbar nach der Auflösung des Gemeinderates kam zu Beginn des Jahres 1921 zur Gründung der sozialdemokratischen Lokalorganisation in Paasdorf.377 Wie oben bereits erwähnt bildeten Sozialdemokraten und Großdeutsche eine gemeinsame Liste und von den erreichten acht Mandaten, dürften fünf von Sozialdemokraten und der Rest von Großdeutschen besetzt worden sein. Das Wahlbündnis bildete in weiterer Folge auch eine Koalition und nach der konstituierenden Sitzung am 5. Mai 1921 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Wegert (Großdeutsch)
Vizebürgermeister: Josef Lehner (Sozialdemokrat)
geschäftsführender Gemeinderat: Lambert Denk (Christlichsozial), Michael Geyer (Christlichsozial)
Der Gemeinderat bestand aus insgesamt 14 Mitgliedern, die weiteren Mitglieder sind leider nicht überliefert.
1924-1929378
Die Großdeutschen, die 1921 gemeinsam mit den Sozialdemokraten kandidiert hatten, traten bei dieser Wahl nicht mehr in Erscheinung bzw. hatten sich diese, wie deren prominentester Exponent – der bisherige Bürgermeister Wegert, den Christlichsozialen angeschlossen. In den christlichsozialen Parteiblätter fand sich vor Wahlen immer wieder der Aufruf zur Bildung sogenannter „Einheitsparteien“, also eines Zusammenschlusses von Christlichsozialen und Großdeutschen. Der Name Christlichsoziale Partei für die Wahlliste scheint im vorliegenden Fall jedoch auszuschließen, dass es sich hier um ein Wahlbündnis im eigentlichen Sinn gehandelt hat.
Das Ergebnis der Gemeinderatswahl vom 30. November 1924 ist nur fragmentarisch überliefert:
| Christlichsoziale Partei | Sozialdemokratische Partei | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| ? | 9 | 147 | 5 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 22. Dezember 1924 stellte sich der Gemeinderat wie folgt dar:
Bürgermeister: Josef Wegert (Christlichsozial)
Vizebürgermeister: Michael Geyer (Christlichsozial)
geschäftsführender Gemeinderat: Karl Rössler (Christlichsozial), Josef Thüringer (Sozialdemokrat)
Weiters gehörten dem Gemeinderat an: Franz Gründler (Christlichsozial), Lambert Denk (Christlichsozial), Josef Ullreich (Christlichsozial), Ignaz Seltenhammer (Christlichsozial), Josef Donner jun. (Christlichsozial), Johann Hochhauser (Christlichsozial), Josef Lehner (Sozialdemokrat), Josef Berthold (Sozialdemokrat), Karl Baumgartner (Sozialdemokrat), Fritz Lirzer (Sozialdemokrat)
1929-1934379
Gemeinderatswahl 1929
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigte: 556; abgegebene gültige Stimmen: 452, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Christlichsoziale Partei | Mittlere Bauernpartei | Sozialdemokratische Partei | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 204 (45,1 %) | 7 | 145 (32,1 %) | 5 | 103 (22,8 %) | 3 |
Nach der konstituierenden Sitzung im Dezember 1929 setzte sich der Paasdorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Karl Bürbaum (Mittlere Bauernpartei)
Vizebürgermeister: Josef Lehner (Sozialdemokrat)
Die weiteren Mitglieder des damaligen Gemeinderates sind nicht überliefert.
Die Mittlere Bauernpartei und die Sozialdemokraten hatten sich nach der Wahl zu einer Koalition zusammengeschlossen und teilten sich daher die Spitzenpositionen in der Gemeindevertretung. Die Christlichsozialen, als stimmenstärkste Partei, waren darüber wenig erfreut und wenige Wochen nach der Konstituierung – noch im Jänner 1930, nahmen die Christlichsozialen unter anderem einen Streit im Gemeinderat bezüglich der Versorgung der Bevölkerung mit elektrischem Licht zum Anlass ihre Mandate zurückzulegen und somit Neuwahlen zu erzwingen.380 Sie erhofften sich auch einen Vorteil durch die Abhaltung der Neuwahl gemeinsam mit der Landtagswahl.
Die Neuwahl des Gemeinderates am 13. April 1930 brachte folgendes Ergebnis:381
| Christlichsoziale Partei | Mittlere Bauernpartei | Sozialdemokratische Partei | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 240 (49,4 %) | 8 | 143 (29,4 %) | 4 | 103 (21,2 %) | 3 |
Die Taktik der Christlichsozialen, die unter anderem auch auf die Stimmen von bei der letzten Wahl nicht stimmberechtigten Gewerbetreibenden spekuliert hatten, war aufgegangen und sie konnten jenes Mandat, das ihnen die Mehrheit im Gemeinderat verschaffte, erobern. Seitens der Sozialdemokraten wurden (neuerlich) Versuche der Christlichsozialen beklagt, Stimmen mit Saufgelagen zu kaufen, aber man zeigte sich erfreut, dass diese Versuche nicht erfolgreich waren und das Wahlergebnis gehalten werden konnte.382
Bürgermeister: Karl Bürbaum (Christlichsozial)
Vizebürgermeister: Josef Donner
Von den weiteren Mitgliedern des damaligen Gemeinderates sind lediglich der bereits 1931 verstorbene Josef Maier383 sowie der Sozialdemokrat Mathias Barl überliefert384
Bereits vor der Neuwahl scheint Bürgermeister Bürbaum zu den Christlichsozialen gewechselt bzw. zurückgekehrt zu sein, die nun über eine Mehrheit im Gemeinderat verfügten, und konnte so an seinem Amt festhalten. Ende des Jahres 1930 bzw. spätestens zu Beginn des Jahres 1931 kam es dann jedoch zu einem Wechsel an der Spitze der Gemeinde und Josef Wegert übernahm wieder das Amt des Bürgermeisters.
1934-1938385
Bürgermeister: Josef Wegert, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Josef Donner, Wirtschaftsbesitzer
Über die weitere Zusammensetzung des Gemeindetages liegen keine Informationen vor.
1938-1945
Nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung wurde Gutsbesitzer Ing. Richard Claß als Gemeindeverwalter mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut. Ihm wurde ein provisorischer Gemeindetag, bestehend aus sieben Beiräten, beigegeben.386 Zu Beginn des Jahres 1939 wurde gemäß deutscher Gemeindeordnung folgende Gemeindeführung eingesetzt387:
Bürgermeister: Johann Stöger, Landwirt, Nr. 85
Beigeordnete: Karl Höberth, Landwirt, Nr. 37; Richard Claß, Gutsbesitzer, Nr. 1
1945-1950388
Die Zusammensetzung des provisorischen Gemeinderats ist 1945 erstmals durch ein Protokoll vom 16.9.1945 überliefert:
Bürgermeister: Josef Wegert (ÖVP)
Gemeinderäte: Ignaz Seltenhammer (ÖVP), Karl Röhsler sen. (ÖVP), Josef Ecker (ÖVP), Karl Lehner (ÖVP), Josef Donner (ÖVP), Ägydius Weinmayer (SPÖ), Leopold Reiskopf (SPÖ), Lorenz Neumeier (SPÖ), Mathias Barl (SPÖ), Koloman Reiskopf (KPÖ)
Welche der Gemeinderäte auch dem Gemeindevorstand angehörten (Vizebürgermeister bzw. geschäftsführende Gemeinderäte) ist leider nicht überliefert.
Ab Oktober 1946 scheint Ägydius Weinmayer als Vizebürgermeister auf.
Am 28. September 1946 verstarb Ignaz Seltenhammer, für ihn dürfte in der Sitzung vom 6. Oktober 1946 Franz Wurst als Vertreter der ÖVP nachgerückt sein.
Ab Anfang 1947 scheint zusätzlich zu Weinmayer auch der KPÖ-Vertreter Koloman Reiskopf als 2. Vizebürgermeister auf.
Für den verstorbenen Josef Donner rückte als Vertreter der Volkspartei in der Sitzung vom 6. Juli 1947 Josef Heinisch nach. Auch in der SPÖ-Fraktion gab es eine Personaländerung: am 6. Juli folgte Franz Schulz für den ausgeschiedenen Mathias Barl.
Nachdem Bürgermeister Josef Wegert sein Amt aus Altersgründen zurückgelegt hatte, wurde am 2. Mai 1948 Josef Heinisch als neuer Bürgermeister gewählt. Altbürgermeister Wegert gehörte jedoch weiterhin dem provisorischen Gemeinderat an. Im Zuge der Wahl des Bürgermeisters wurde auch der Vizebürgermeister neu gewählt und Weinmayer im Amt bestätigt – einen zweiten Vizebürgermeister (zuvor von der KPÖ gestellt) gab es nun nicht mehr.389 Wegert stand in mehr als zwanzig Jahren, insgesamt dreimal der Gemeinde Paasdorf als Bürgermeister vor. Dass ein Altbürgermeister später nochmals Bürgermeister wird, war früher keineswegs unüblich und derartiges ist nicht nur in Paasdorf, sondern in fast allen anderen Katastralgemeinden überliefert. Drei voneinander getrennte Amtsperioden sind jedoch außergewöhnlich und ein Paasdorfer Spezifikum, dass in einem kürzeren Zeitraum auch seinem Nachfolger Heinisch gelang.
Im Frühjahr 1950 kam es offenbar zu einem Wechsel betreffend das einzige Mandat, dass die Kommunisten im Paasdorfer Gemeinderat besaßen. Statt dem bisherigen KPÖ-Vertreter Koloman Reiskopf scheint nunmehr Michael Schiller neu im Gemeinderat auf.
1950-1955390
Gemeinderatswahl 7. Mai 1950 391
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 562; abgegebene Stimmen: 522 (Wahlbeteiligung: 92,9%); ungültig: 3, gültig: 519, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Österreichischer Wirtschaftsbund (ÖVP-Liste) | ÖVP | SPÖ | Linksblock (KPÖ) | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 186 (35,8 %) | 6 | 155 (29,9 %) | 4 | 143 (27,6 %) | 4 | 35 (6,7 %) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung am 27. Mai 1950 setzte sich der Paasdorfer Gemeinderat wie folgt zusammen392:
Bürgermeister: Josef Heinisch (ÖVP)
Vizebürgermeister: Ägydius Weinmeyer (SPÖ);
geschäftsführende Gemeinderäte: Franz Pretz (ÖVP), Franz Wurst (ÖVP), Johann Stacher (Wirtschaftsbund), Leopold Bürbaum (Wirtschaftsbund-ÖVP)
Gemeinderäte: Lorenz Neumayer (SPÖ), Johann Stöger (Wirtschaftsbund-ÖVP), Leopold Reiskopf (SPÖ), Josef Flandorfer (SPÖ), Hans Wilhelmer (Linksblock), Karl Geyer (Wirtschaftsbund-ÖVP), Josef Kober (Wirtschaftsbund-ÖVP), Eduard Weiß (Wirtschaftsbund-ÖVP), Karl Lehner (ÖVP)
Ab 30. Juli 1950 scheint neben Weinmeyer als zweiter Vizebürgermeister Johann Stacher als Vertreter des Österreichischen Wirtschaftsbunds auf.
Mit Beschluss der niederösterreichischen Landregierung vom 12. August 1954 wurde der Paasdorfer Gemeinderat aufgelöst. Als Gemeindeverwalter wurde Leopold Stoiber von der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach eingesetzt, der die Führung der Amtsgeschäfte mit 17. August 1954 übernahm. Als Beiräte wurden ihm folgende Personen beigegeben: Leopold Bürbaum (Wirtschaftsbund), Johann Diewald (ÖVP) und Johann Flandorfer (SPÖ)
Angeblich sollen die ÖVP-Vertreter versucht haben (ihren) Bürgermeister Heinisch abzuwählen, aber da dieser sich weigerte seine Absetzung zu akzeptieren, sei die Landesregierung gezwungen gewesen den Gemeinderat aufzulösen und in weiterer Folge Neuwahlen auszuschreiben. Gemäß der Berichterstattung im sozialdemokratischen Regionalblatt soll sich Heinisch auch in den Augen seiner Parteifreunde als unfähig zur Führung der Gemeindegeschäfte erwiesen haben.393 Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die ÖVP schließlich neuerlich mit Heinisch als Spitzenkandidaten in die Neuwahl ging. In der ÖVP-Parteipresse findet man zu den Umständen, die zur Auflösung geführt haben, ja geschweige denn zum Faktum, dass Neuwahlen in Paasdorf anberaumt wurden, erstaunlicherweise kein einziger Artikel, und in der Folge auch keinerlei Wahlagitation. Dies ist höchst ungewöhnlich und scheint durchaus auf parteiinterne Unstimmigkeiten hinzudeuten.
Die am 7. November 1954 abgehaltene Neuwahl brachte folgendes Ergebnis394:
| ÖVP | SPÖ | KPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 202 | 7 | 187 | 7 | 30 | 1 |
Bei der Wahl zum Bürgermeister in der konstituierenden Sitzung konnte zunächst kein Kandidat eine Mehrheit erzielen und erst in einem zweiten Wahlgang wurde der vormalige Bürgermeister Heinisch durch die Stimmen der ÖVP und jener des kommunistischen Vertreters neuerlich an die Spitze der Gemeindevertretung gewählt. Die Sozialisten waren über diese Vorgehensweise sehr erbost und warfen den Kommunisten, die im Wahlkampf heftig gegen die ÖVP und Bürgermeister Heinisch agitiert hatten, vor, nun umgefallen zu sein. Die SPÖ hatte wohl damit gerechnet, dass der Vertreter der KPÖ, dem aufgrund des Mandatsgleichstands der Großparteien die Rolle des Königsmachers zukam, den SPÖ-Kandidaten unterstützen würde und hatte sich vor der konstituierenden Sitzung bereits siegessicher gewähnt.395
Die konstituierende Sitzung Ende November 1954 brachte folgendes Ergebnis:
Bürgermeister: Josef Heinisch (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Flandorfer (SPÖ)
geschäftsführende Gemeinderäte: von diesen ist lediglich Michael Reiskopf (SPÖ) bekannt
Gemeinderäte: Karl Bernold, Josef Böck, Josef Dietrich (SPÖ), Johann Diewald (ÖVP), Johann Gleißner (SPÖ), Josef Gründler, Rudolf Kellner (SPÖ), Josef Richard (SPÖ), Johann Rössler (ÖVP), Leopold Schöfbeck (ÖVP), Lorenz Wendy (ÖVP), Franz Zandt (SPÖ)
1955-1960396
Gemeinderatswahl 24. April 1955397
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 576; abgegebene Stimmen: 515 (Wahlbeteiligung: 89,4%); ungültig: 2, gültig: 513, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ÖVP-Wirtschaftspartei | Volksopposition (KPÖ) | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 209 (40,7 %) | 7 | 146 (28,5 %) | 4 | 133 (25,9 %) | 4 | 25 (4,9 %) | – |
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Paasdorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Wilhelm Weinmayer (ÖVP-Wirtschaftspartei)
Vizebürgermeister: Karl Bürbaum (ÖVP-Wirtschaftspartei)
geschäftsführende Gemeinderäte: Johann Hösch (ÖVP), Lorenz Wendy (ÖVP), Josef Flandorfer (SPÖ), Michael Reiskopf (SPÖ)
Gemeinderäte: Josef Dietrich (SPÖ), Johann Diewald (ÖVP), Johann Gleißner (SPÖ), Josef Gründler (ÖVP), Josef Heinisch (ÖVP), Johann Rössler (ÖVP), Karl Seltenhammer (ÖVP-Wirtschaftspartei), Eduard Weiß (ÖVP-Wirtschaftspartei), Ernst Wendy (ÖVP)
In der Sitzung vom 20. November 1956 schied Michael Reiskopf aus dem Gemeinderat aus. Auf das freigewordene SPÖ-Mandat rückte Josef Richard nach, der in dieser Sitzung auch zum Nachfolger Reiskopfs als geschäftsführender Gemeinderat gewählt wurde.
In der Sitzung vom 12. Juli 1958 wurde die von Josef Flandorfer schriftlich mitgeteilte Mandatsniederlegung zur Kenntnis genommen. Zu seinem Nachfolger im Gemeindevorstand wurde in der Sitzung vom 4. November 1958 Josef Dietrich gewählt.
Auf das freigewordene Gemeinderatsmandat rückte Rudolf Kellner als Vertreter für die SPÖ in der Sitzung vom 30. Dezember 1958 nach.
Am 17. April 1959 legte Weinmayer sein Amt als Bürgermeister nieder und in weiterer Folge wurde Josef Heinisch neuerlich zum Bürgermeister gewählt. Weinmayer beabsichtigte auch sein Mandat als Gemeinderat niederzulegen, aber diesem Wunsch wurde von der Mehrheit im Gemeinderat nicht entsprochen, da man den bisherigen Bürgermeister zwecks Auskünften bis zum Ende der Periode im Gemeinderat haben wollte. Weinmayer blieb also Mitglied des Gemeinderates, war jedoch laut den Protokollen bis zum Ende der Periode bei keiner Sitzung mehr anwesend.
In der Sitzung vom 20. Juli 1959 wurde das Ersuchen um Mandatsniederlegung des ÖVP-Vertreters Johann Hösch zur Kenntnis genommen. Als geschäftsführender Gemeinderat folgte ihm in der Sitzung vom 15. September 1959 Johann Diewald, und auf das freigewordene ÖVP-Mandat rückte Richard Schubert nach.
Aufgrund Wegzugs aus der Gemeinde legte Johann Gleißner (SPÖ) sein Mandat in der Sitzung vom 3. März 1960 nieder. Zu einer Nachnominierung kam es offenbar aufgrund der einige Wochen später stattfindenden turnusmäßigen Gemeinderatswahl nicht mehr.
1960-1965398
Gemeinderatswahl 10. April 1960
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 514; abgegebene Stimmen: 483 (Wahlbeteiligung: 94,0%); ungültig: 7, gültig: 476, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | Mittlere Bauernpartei | SPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 206 (43,3 %) | 7 | 154 (32,3 %) | 5 | 116 (24,4 %) | 3 |
Bürgermeister: Leopold Bürbaum (Mittlere Bauernpartei)
Vizebürgermeister: Josef Dietrich (SPÖ)
Gemeinderäte: Johann Diewald (ÖVP), Josef Gründler (ÖVP), Josef Heinisch (ÖVP), Karl König (Mittlere Bauernpartei), Paul Kurz (Mittlere Bauernpartei), Josef Richard (SPÖ), Johann Rössler (ÖVP), Franz Schulz (Mittlere Bauernpartei), Franz Sommer (SPÖ), Paul Thüringer (ÖVP), Eduard Weiß (Mittlere Bauernpartei), Lorenz Wendy (ÖVP), Karl Bürbaum (ÖVP)
wer von den genannten als geschäftsführende Gemeinderäte fungiert hatten, ist nicht überliefert.
Nach der Wahl bildete sich eine Koalition aus Mittlerer Bauernpartei und SPÖ und die ÖVP als mandatsstärkste Partei war darüber naturgemäß wenig erfreut und weigerte sich durch einen Boykott der konstituierenden Sitzung die neue Mehrheit anzuerkennen. 399Bereits kurz nach der Wahl wurde eine Anzeige von privater Seite gegen Bürgermeister Bürbaum wegen einer angeblich falschen Zeugenaussage im Jahre 1956 eingebracht. Ein laufendes Gerichtsverfahren hatte gemäß der damals gültigen Gemeindeordnung eine Suspendierung des Mandats im Gemeinderat und als Bürgermeister zur Folge. Das Verfahren zog sich außergewöhnlich lange hin und erst nach knapp einem Jahr kam es zur Hauptverhandlung bei der Bürbaum freigesprochen wurde. Doch selbst nach dem Freispruch dauerte es einige Wochen bis die für die Aufhebung der Suspendierung benötigte Urteilsausfertigung übermittelt wurde. Während Bürbaums Suspendierung führte der sozialistische Vizebürgermeister Dietrich für dreizehn Monate die Amtsgeschäfte. Die Sozialisten vermuteten hinter den ungerechtfertigten Vorwürfen und der Anzeige ein Manöver der ÖVP und darüber hinaus, dass diese ihren Einfluss nutzte um das Verfahren zu verschleppen und Bürbaum somit möglichst lange vom Bürgermeisteramt fernzuhalten.400 Bald nachdem Bürbaum im Sommer 1961 wieder die Führung der Gemeinde übernommen hatte, begannen die ÖVP-Mandatare die Gemeinderatssitzungen zu boykottieren.401 Der unabhängige Bürgermeister Bürbaum wurde seitens der ÖVP schwer angegriffen und als willfähriger Handlanger der SPÖ dargestellt. Bald zeichnete sich ab, dass die ÖVP durch Mandatsniederlegung Neuwahlen erzwingen wollte. Fünf von acht ÖVP-Gemeinderäten ließen sich amtsärztlich eine Herzerkrankung bescheinigen, sodass ihnen eine Teilnahme an den Gemeinderatssitzungen nicht weiter möglich war und die Ersatzkandidaten der ÖVP ließen sich von der Liste streichen, damit es im Falle einer Mandatsniederlegung zu keiner Nachnominierung kommen kann. Dieses Vorgehen kündigte die ÖVP in ihrem Parteiblatt der „Volks-Post“ ganz freimütig an, unter Verweis, dass sie dieses Vorgehen von der SPÖ in Mistelbach gelernt hätte.402 Möglicherweise, weil sich nicht die gesamte ÖVP-Fraktion mit dieser Vorgehensweise einverstanden zeigte, kam es nicht zu der von der ÖVP ersehnten Auflösung des Gemeinderats wegen Arbeitsunfähigkeit. Möglicherweise aber auch, weil bei einer neuerlichen Untersuchung der Arzt seine ursprünglichen Befunde nicht aufrechterhalten konnte und die ÖVP-Mandatare offenbar von ihren Herzleiden plötzlich genesen waren.403
Im Sommer 1963 gelang es der ÖVP schließlich doch durch Mandatsniederlegung eine Auflösung des Gemeinderats zu erzwingen. Die Mehrheit im Gemeinderat hatte sich für die Einsetzung des bisherigen Bürgermeister Bürbaum als Gemeindeverwalter ausgesprochen, doch die ÖVP beharrte auf der Einsetzung eines Beamten der Bezirkshauptmannschaft und setzte sich schließlich damit durch. Dem Regierungskommissär Leopold Stoiber wurden zwei Beiräte beigegeben: Josef Dietrich seitens der SPÖ, sowie ein namentlich nicht überlieferter Vertreter der ÖVP.404
Gemeinderatswahl 10. November 1963405
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 493; gültige Stimmen: 450, die sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt verteilten:
| ÖVP | SPÖ | Mittlere Bauernpartei | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 196 (43,6%) | 7 | 163 (36,2%) | 5 | 91 (20,2%) | 3 |
Nach der Wahl im November 1963 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Karl König (ÖVP)
Vizebürgermeister: Leopold Bürbaum (Mittlere Bauernpartei)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Paul Kurz (Mittlere Bauernpartei), Paul Thüringer (ÖVP), Eduard Weiß (Mittlere Bauernpartei), Josef Dietrich (SPÖ)
Gemeinderäte: Karl Geyer (ÖVP), Josef Hochhauser (SPÖ), Franz Pretz (ÖVP), Karl Schiller (SPÖ), Leopold Schöfbeck (ÖVP), Josef Seimann (SPÖ), Johann Suchy (SPÖ), Otto Wegert (ÖVP), Ernst Wendy (ÖVP)
Im Vorfeld der Neuwahl war es der ÖVP gelungen, zwei Spitzenfunktionäre der Mittleren Bauernpartei abzuwerben, darunter den späteren Bürgermeister Karl König.406 Durch diese Unterstützung gelang es der ÖVP trotz Stimmverlust ihre sieben Mandate zu verteidigen. Die aus der Wahl gestärkt hervorgegangene SPÖ hatte sich eine Fortsetzung der Koalition mit der Mittleren Bauernpartei erhofft und sich Chancen auf das Bürgermeisteramt ausgerechnet. Nachdem jedoch ein Mandatar der Mittleren Bauernpartei für den ÖVP-Kandidaten votierte, ging die Bürgermeisterwahl zwischen Karl König (ÖVP) und Josef Dietrich (SPÖ) mit 8 Stimmen zu 7 Stimmen zugunsten des ÖVP-Kandidaten aus. Nun rächte es sich, dass die SPÖ keinen Kandidaten für das Amt des Vizebürgermeisters nominiert hatte, denn in dieses Amt wurde nun Leopold Bürbaum gewählt und die SPÖ ging betreffend die Spitzenvertreter der Gemeinde leer aus.407
1965-1970408
Gemeinderatswahl 1965409
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 484; abgegebene Stimmen: 452 (Wahlbeteiligung: 93,4%); ungültig: 5, gültig: 447, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | Liste Bürbaum | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 229 (51,2%) | 8 | 153 (34,2%) | 5 | 65 (14,5%) | 2 |
Nach der Wahl setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Karl König (ÖVP)
Vizebürgermeister: Johann Stöger (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Hochhauser (SPÖ), Robert Schiller (ÖVP), Karl Schiller (SPÖ), Karl Geyer (ÖVP)
Gemeinderäte: Leopold Bürbaum (Liste Bürbaum), Josef Dietrich (SPÖ), Josef Frank (Liste Bürbaum), Johann Kurzweil (SPÖ), Franz Pretz (ÖVP), Karl Röhsler (ÖVP), Johann Suchy (SPÖ), Paul Thüringer (ÖVP), Otto Wegert (ÖVP)
1970-1971410
Gemeinderatswahl 1970411
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 465; abgegebene Stimmen: 437 (Wahlbeteiligung: 94,0%); ungültig: 9, gültig: 428, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 258 (60,3%) | 9 | 170 (39,7%) | 6 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 27. April 1970 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Karl König (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Pretz (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Hochhauser (SPÖ), Karl Schiller (SPÖ), Anton Homolla (ÖVP), Karl Röhsler (ÖVP)
Gemeinderäte: Alois Rötzer (ÖVP), Otto Wegert (ÖVP), Paul Thüringer (ÖVP), Karl Geyer (ÖVP), Robert Schiller (ÖVP), Johann Kurzweil (SPÖ), Erich Voglmüller (SPÖ), Johann Suchy (SPÖ), Karl Diewald (SPÖ)
Mit 1. Jänner 1972 wurde Paasdorf als Katastralgemeinde Teil der Großgemeinde Mistelbach. Nähere Hintergründe dazu im Beitrag „Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Paasdorf
Eine Liste der Paasdorfer Bürgermeister erschien 1996 in der von Josef Muhsil veröffentlichten Ortsgeschichte „Notizen & Bilder zur Geschichte meines Heimatortes“.412 Gemäß den Rechercheergebnissen zu diesem Beitrag stellt sich die Liste der Paasdorfer Bürgermeister etwas abweichend, und zwar wie folgt dar:
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1864 | Anton Würl (*1812, †1866) |
| 1864-1867 | Johann Hermann (*1811, †1891) |
| 1867-1870 | Franz Wittmann (*1815, †1891) |
| 1870-1873 | Carl Popp (*1839, †?) |
| 1873-1875 | Josef Fritsch (*1840, †1916) |
| 1875-1879 | Christian Lang (*1829, †1919) |
| 1879-1882 | Josef Donner (*1829, †1898) |
| 1882-1885 | Carl Popp (*1839, †?) |
| 1885-1895 | Peter Stacher (*1855, †1924) |
| 1895-1900 | Georg Seger (*1848, †1921) |
| 1900-1912 | ![]() Leopold Rosner (*1859, †1934) |
| 1912-1914 | Leopold Seltenhammer (*1870, †1916) |
| 1914-1919 | ![]() Leopold Rosner (*1859, †1934) |
| 1919-1921 | Karl Rössler (*1883, †1966) |
| 1921-1929 | Josef Wegert (*1880, †1964), Großdeutsche Partei bzw. ab 1924 Christlichsoziale Partei |
| 1929-1931 | Karl Bürbaum (*1877, †1967), Mittlere Bauernpartei bzw. ab 1929 Christlichsoziale Partei |
| 1931-1938 | Josef Wegert (*1880, †1964), Christlichsoziale Partei |
| 1938 | Richard Claß (*1888, †1959), NSDAP413 |
| 1938-1945 | ![]() Johann Stöger (*1904, †1962), NSDAP414 |
| 1945-1948 | Josef Wegert (*1880, †1964) |
| 1948-1954 | ![]() Josef Heinisch (*1905, †?), ÖVP |
| 1954 | Leopold Stoiber (als Regierungskommissär (=Gemeindeverwalter) seitens der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach eingesetzt) |
| 1954-1955 | ![]() Josef Heinisch (*1905, †?), ÖVP |
| 1955-1959 | ![]() Wilhelm Weinmeyer (*1914, †1990), Wirtschaftsliste |
| 1959-1960 | ![]() Josef Heinisch (*1905, †?), ÖVP |
| 1960-1963 | ![]() Leopold Bürbaum (*1912, †1987), Mittlere Bauernpartei (von Sommer 1960 bis 1961 in der Amtsführung durch den Vizebürgermeister vertreten) |
| 1963 | Leopold Stoiber (als Regierungskommissär (=Gemeindeverwalter) seitens der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach eingesetzt) |
| 1963-1971 | ![]() Karl König (*1909, †1978), ÖVP |
Bildnachweis:
-) Portrait Leopold Rosner: Scan nach einem von Philipp Hödl zur Verfügung gestellten Original „Die Bürgermeister des Bezirks Mistelbach im Jahre 1902“
-) Portrait Johann Stöger – Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Bruno Rath)
-) Portrait Josef Heinisch – Ausschnitt aus dem Foto „Musterung Jahrgang 1941“ – Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Bruno Rath)
-) Portrait Leopold Weinmeyer – Ausschnitt aus dem Foto „Musterung Jahrgang 1940“ – Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Bruno Rath)
-) Portrait Leopold Bürbaum – Ausschnitt aus dem Foto „Musterung Jahrgang 1943“ – Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Bruno Rath)
-) Portrait Karl König – Ausschnitt aus dem Foto „Musterung Jahrgang 1945“ – Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Bruno Rath)
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Paasdorf im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1945-1971
Gemeindevertretung Hüttendorf (1850-1971)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Hüttendorf im Zeitraum 1850 bis 1971. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-1861358
Die Bürgermeisterwahl bzw. die konstituierende Sitzung soll am 27. Juni 1850 stattgefunden haben.360
Bürgermeister: Franz Greis, Wirtschaftsbesitzer
Gemeinderäte: S. Seiler, Wirtschaftsbesitzer; L. Meißl, Wirtschaftsbesitzer;
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Kautz, Müller; Franz Panzer, Wirtschaftsbesitzer; F. Stutter, Wirtschaftsbesitzer; L. Resch, Wirtschaftsbesitzer; F. Schelmgruber, Wirtschaftsbesitzer; Z. Strebl, Wirtschaftsbesitzer; G. Fischer, Wirtschaftsbesitzer; S. Riedl, Wirtschaftsbesitzer
Franz Greis scheint auch bereits in den Jahren vor 1850 als Ortsrichter (eine Art Vorläufer des Bürgermeistersamts) von Hüttendorf auf.
1861-1864388
Bürgermeister: Mathias Schöfböck, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Schuller, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Kaltenbrunner, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Franz Panzer, Wirtschaftsbesitzer; Franz Riedl, Wirtschaftsbesitzer; Josef Spieß, Wirtschaftsbesitzer; Josef Aulinger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Martin Gepp, Wirtschaftsbesitzer; Josef Zant, Wirtschaftsbesitzer; Josef Ried, Wirtschaftsbesitzer; Josef Heindl, Wirtschaftsbesitzer
1864-1867389
Bürgermeister: Josef Heindl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Martin Gepp, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Fischer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1867-1870390
Bürgermeister: Josef Kautz, Mühlenbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Greis, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Schuller, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Bei der Wahl des Jahres 1867 wird der Gemeindevorstand der vorherigen Periode abgestraft, da die Bevölkerung mit der Vergütung für die im Sommer 1866 von den preußischen Truppen verursachten Schäden – Requirierungen von Lebensmitteln und Nutztieren, Brennholz und Unterbringung – unzufrieden war.391
1869 legte Bürgermeister Kautz sein Amt zurück, und statt ihm wurde der bisherige 2. Gemeinderat Josef Schuller an die Spitze der Gemeindevertretung gewählt. Die dadurch vakant gewordene Stelle des 2. Gemeinderats blieb bis zur nächsten Wahl unbesetzt.
1870-1873392
Bürgermeister: Josef Schuller, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Fischer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Schmidt, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1873-1876397
Bürgermeister: Josef Schuller, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Nißler, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Anton Schuch, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper), von denen außer den oben genannten lediglich Mathias Resch bekannt ist.
1875 legte Josef Schuller sein Amt als Bürgermeister nieder, ihm folgte Mathias Resch
1876-1879409
Bürgermeister: Franz Schallengruber, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Panzer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Drechsler, Mühlenbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1879-1882410
Bürgermeister: Franz Schallengruber, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Panzer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Maier, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1882-1885411
Bürgermeister: Josef Schreiber sen., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Joseph Spieß, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Lehner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1885-1888412
Bürgermeister: Josef Schreiber sen., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Fischer jun., Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Simon Pacher, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper), neben den oben genannten befand sich darunter wohl auch Josef Greis.
Im März 1886 wurde Josef Greis an Stelle von Josef Schreiber sen. zum Bürgermeister in Hüttendorf gewählt.415
1888-1891416
Bürgermeister: Josef Greis, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Kautz, Mühlenbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Mayer, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Anton Reichelt, Wirtschaftsbesitzer; Michael Resch, Wirtschaftsbesitzer; Matthias Schöfböck, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Kissling, Wirtschaftsbesitzer; Josef Meier, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Schuch, Schmied; Josef Spieß, Wirtschaftsbesitzer; Matthias Resch, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Fischer, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Franz Edelmann, Wirtschaftsbesitzer; Simon Fallenbigl, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Heindl, Wirtschaftsbesitzer; Franz Weier, Wirtschaftsbesitzer; Michael Neudecker, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Kaltenbrunner, Wirtschaftsbesitzer
Dem im Oktober 1888 verstorbenen Leopold Mayer folgte im Amt des 2. Gemeinderats Joseph Spieß nach.
Offenbar war 1891 kurzzeitig Michael Resch Bürgermeister, zumindest laut Angaben im Niederösterreichischen Amtskalender. Nachdem dem damaligen Gemeindeausschuss tatsächlich eine Person dieses Namens angehörte, erscheint eine Verwechslung zwischen den Vornamen Michael und Mathias (dem folgenden Bürgermeister) zwar möglich, allerdings unwahrscheinlich.
Doch auch ein weiterer Name scheint als Bürgermeister in der Zeit vor der Wahl 1891 auf, denn ein Zeitungsbericht dieser Zeit zeugt von einer Auseinandersetzung im Zuge des Wahlkampfes, die ein juristisches Nachspiel hatte. Der „bisherige Bürgermeister Johann Panzer“ wurde im Zuge einer Wählerversammlung einer Fundverheimlichung (=Fundunterschlagung) bezichtigt und klagte daraufhin die Urheber dieser Behauptung. Die Angelegenheit endete nach Berufung mit einem Freispruch für die Beklagten, im Gegenzug nahm die Staatsanwaltschaft jedoch Ermittlungen betreffend die noch nicht verjährten Fundunterschlagung gegen Panzer auf. Deren Ausgang ist jedoch nicht überliefert.417 Dass es sich hierbei um eine Namensverwechslung handelt, scheint ob der Tatsache, dass der Name mehrmals im Bericht erwähnt wird, eher unwahrscheinlich, allerdings findet sich keine andere Spur eines Bürgermeisters namens Johann Panzer.
1891-1895418
Der „Bote aus Mistelbach“ berichtet über die Wahl der Gemeindevertretung, die Ende August bzw. Anfang September 1891 stattgefunden haben dürfte, dass dieser ein „ziemlich heftiger Wahlkampf“ vorangegangen sei. Der Gemeindeausschuss konstituierte sich bald darauf wie folgt:
Bürgermeister: Mathias Resch (Nr. 34), Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Spieß (Nr. 63), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Lehner (Nr. 60), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Anton Reichelt, Greißler; Johann Fischer (Nr. 72), Wirtschaftsbesitzer; Martin Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Fischer, Wirtschaftsbesitzer; Franz Müller, Wirtschaftsbesitzer; Michael Schöfböck, Wirtschaftsbesitzer; Anton Pleil, Wirtschaftsbesitzer; Josef Kaltenbrunner, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Kaltenbrunner, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Schöfböck, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Kruder, Wirtschaftsbesitzer; Josef Bacher, Wirtschaftsbesitzer; Josef Blangl, Wirtschaftsbesitzer; Josef Lehner (Nr. 25), Wirtschaftsbesitzer; Franz Weier, Wirtschaftsbesitzer;
1895-1900419
Bürgermeister: Mathias Resch (Nr. 34), Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Lehner (Nr. 60), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Lorenz Fischer, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Josef Lehner (Nr. 25), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Martin Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Anton Reichelt, Wirtschaftsbesitzer; Michael Neudecker, Wirtschaftsbesitzer; Josef Kaltenbrunner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Greis, Wirtschaftsbesitzer; Michael Resch, Wirtschaftsbesitzer; Josef Pleil, Wirtschaftsbesitzer; Johann Fischer (Nr. 72), Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Simon Seiler, Wirtschaftsbesitzer; Simon Stetter, Wirtschaftsbesitzer; Karl Zollner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schöfböck, Wirtschaftsbesitzer; Michael Schöfböck, Wirtschaftsbesitzer; Heinrich Schön, Wirtschaftsbesitzer
Im Verlauf des Jahres 1898 dürfte Bürgermeister Mathias Resch sein Amt niedergelegt haben, ihm folgte Johann Fischer.
Ab 1899 scheint als erster Gemeinderat schließlich Michael Neudecker statt Josef Lehner (Nr. 60) auf.
1902-1907420
Bürgermeister: Josef Schreiber jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Maier, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Michael Neudecker, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Josef Pleil, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen.
1907-1913421
Bürgermeister: Josef Schreiber jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Greis, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Michael Neudecker, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Josef Pleil, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen.
1913-1919422
Bürgermeister: Josef Schreiber jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Pleil, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Zant, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Josef Riener, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Personen.
Nach dem Tod von Josef Riener (Rinner) im Juni 1917 blieb die Stelle des 3. Gemeinderats bis zu den nächsten Wahlen im Jahre 1919 vakant.
1919-1924423
Zum Ergebnis der Gemeinderatswahl im Jahre 1919 in Hüttendorf liegen keinerlei Informationen vor. Lediglich der Gemeindevorstand dieser Periode ist gemäß den Angaben im Niederösterreichischen Amtskalender bekannt:
Bürgermeister: Leopold Pleil, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Josef Spieß, Wirtschaftsbesitzer
geschäftsführende Gemeinderäte: Matthias Pelzelmayer, Wirtschaftsbesitzer; Karl Fasching, Kondukteur (SPÖ)
Der Gemeinderat bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1922 folgte Matthias Pelzelmayer Josef Spieß im Amt des Vizebürgermeisters nach.
1924-1929
Das Ergebnis der Gemeinderatswahl vom 30. November 1924 liegt im Detail leider nicht vor, es ist lediglich überliefert, dass die Sozialdemokraten 60 Stimmen und 2 Mandate erzielten.424 Daneben waren jedenfalls eine später den Bürgermeister stellende „Bauernpartei“ sowie die christlichsoziale Partei im Gemeinderat vertreten, doch dürfte es sich bei beiden um bäuerlich geprägte, christlichsoziale Listen gehandelt haben. Ähnliches lässt sich auch noch aus dem Wahlergebnis des Jahres 1929 herauslesen, wobei es scheint, dass sich die Mandatsverhältnisse zu diesem Zeitpunkt gewendet haben.
Aus dem Österreichischen Amtskalender sind uns lediglich die Spitzenvertreter der Gemeinde für diese Periode bekannt425:
Bürgermeister: Leopold Pleil, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Robert Lehner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeinderat bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern und neben den obengenannten Personen sind außerdem der Sozialdemokrat Leopold Jelinek und ein Christlichsozialer namens Rupert Lehner überliefert.
Im Jahr 1928 kam es zu schweren Differenzen zwischen der den Bürgermeister stellenden Bauernpartei und Pfarrer Kunibert Hantz, der von der christlichsozialen Partei unterstützt wurde. Der Bürgermeister versuchte die Absetzung des Pfarrers zu erwirken, um so dessen politische Agitation von der Kanzel (die damals jedoch durchaus verbreitet war) zu beenden. Laut der Chronik von Altbürgermeister Greis sollen die Streitigkeiten zwischen Gemeindevertretung, Kirchenchor und Pfarrer erst mit dem Abschied des Letztgenannten aus Hüttendorf geendet haben.426 Tatsächlich dürften sich die Spannungen zum größten Teil nicht erst mit dem Abschied Hantzs im Jahr 1931, sondern bereits mit dem Sieg der Christlichsozialen bei der im Jahr darauf folgenden Gemeinderatswahl gelegt haben. Bürgermeister Pleil war später übrigens auch in juristische Auseinandersetzungen mit anderen christlichsozialen Politikern der Region verwickelt.427
1929-1934428
Gemeinderatswahl 1929
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigte: 358; abgegebene gültige Stimmen: 313, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Christliche Bauernbundpartei | Sozialdemokratische Arbeiterpartei | Christlichsoziale Bauernpartei | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 184 (60,7 %) | 8 | 73 (24,1 %) | 3 | 56 (18,5 %) | 2 |
Die Spitze der Gemeindevertretung setzte sich nach der Wahl wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Robert Lehner, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Franz Panzer, Wirtschaftsbesitzer
Die weiteren Mitglieder des damaligen Gemeinderates sind nicht überliefert.
Im Gegensatz zu den offiziellen Namen der beiden bäuerlichen Wahllisten ist die Bauernbundpartei, die die Mehrheit bei dieser Wahl errang, laut einem Bericht über das Wahlergebnis in der christlichsozialen Regionalzeitung „Neues Wochenblatt“ die tatsächliche Vertreterin der christlichsozialen Partei (in Form des Bauernbunds) gewesen und die sich explizit „christlichsozial“ nennende Bauernpartei, eine konkurrierende Liste aus dem bäuerlichen Milieu.429 Bei der Bauernpartei dürfte es sich wohl um die Reste jener Liste gehandelt haben, die in der vorherigen Periode den Bürgermeister stellte.
Betreffend den Wahlkampf beklagten die Sozialdemokraten in ihrem Organ, dem „Volksbote“, dass sich selbst Eisenbahner und damit sozialdemokratisches Stammklientel durch Zechgelage in den Kellern von den Bauern – also den Christlichsozialen – „kaufen“ ließen. Neben den Anfeindungen durch den politischen Gegner, werden auch interne Konflikte innerhalb der Arbeiterschaft bzw. der gewerkschaftlichen Bewegung angedeutet, die wohl einem größeren Erfolg im Wege standen.430
1934-1938431
Bürgermeister: Robert Lehner, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Franz Panzer, Wirtschaftsbesitzer
Über die weitere Zusammensetzung des Gemeindetages liegen keine Informationen vor.
Laut einer Meldung im Mistelbacher Bote im Jänner 1935 wurde Ferdinand Neudecker jun. in den Hüttendorfer Gemeindetag berufen, „… sodass dieser wieder vollständig sei“. Warum diese Ergänzung notwendig wurde bzw. statt wem er in den Gemeindetag einzog ist nicht angeführt.432
Im Oktober 1937 verstarb Bürgermeister Lehner unerwartet im 47. Lebensjahr 433 und Vizebürgermeister Franz Panzer führte interimistisch die Amtsgeschäfte, bis am 20. Jänner 1938 schließlich Michael Greis sen. zum Bürgermeister gewählt wurde.434
1938-1945
Nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung blieb der bisherige Bürgermeister Michael Greis sen. als Gemeindeverwalter mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut.435 Ab Anfang des Jahres 1939 wurde folgende Gemeindeführung offiziell eingesetzt436:
Bürgermeister: Michael Greis sen. (Nr. 58), Landwirt
Beigeordnete: Franz Martinez (Nr. 38), Bindermeister; Ferdinand Spieß (Nr. 69), Landwirt
1945-1950437
Unmittelbar nach Kriegsende wurde der Sozialdemokrat Leopold Jelinek als Bürgermeister eingesetzt.438
Für das Frühjahr 1946 liegt ein Bericht über die Zusammensetzung des Gemeinderats vor: 6 Mandate für die ÖVP und 5 Mandate für die SPÖ, sowie die Namen der Spitzen der Gemeindevertretung439:
Bürgermeister: Leopold Jelinek (SPÖ)
Vizebürgermeister: Johann Riener (ÖVP), Johann Gail (SPÖ)
Außergewöhnlich ist, dass es trotz ÖVP-Mehrheit einen SPÖ-Bürgermeister gab. Dies bzw. der Umstand, dass sich die Zusammensetzung der Gemeinderäte in Niederösterreich zwischen 1945 und 1950 an den Ergebnissen der Nationalrats- bzw. Landtagswahlen in den jeweiligen Gemeinden orientierte, ist möglicherweise auch der Grund für die Absetzung Jelineks, der am 30. Oktober 1947 auf Verfügung der Landesregierung zurücktreten musste.440 Daher konstituierte sich am 30. Oktober 1947 der provisorische Gemeinderat in Hüttendorf, bestehend aus 6 Vertretern der ÖVP und 5 Vertretern der SPÖ, wie folgt neu441:
Bürgermeister: Franz Pelzelmeyer (ÖVP)
Vizebürgermeister: Johann Gail (SPÖ)
geschäftsführender Gemeinderat: Franz Heisinger (ÖVP)
Gemeinderäte: Josef Schamann (ÖVP), Ferdinand Neudecker jun. (ÖVP), Leopold Zant (ÖVP), Johann Lehner (ÖVP), Karl Fasching (SPÖ), Josef Nießler (SPÖ), Karl Franz (SPÖ), Leopold Jelinek (SPÖ)
Für den offenbar Ende 1947 aus dem Gemeinderat ausgeschiedenen Altbürgermeister Jelinek dürfte mit einiger Verzögerung Johann Harter als SPÖ-Mandatar durch die Landesregierung ernannt worden sein.
Entsprechend der damals gültigen Gemeindeordnung musste Vizebürgermeister Johann Gail musste mit 30. März 1949 aus dem Gemeinderat ausscheiden, da er zuvor aus der SPÖ ausgeschlossen worden war. Bei der im nächsten Jahr stattfindenden ersten Gemeinderatswahl kandidierte er für die ÖVP und kehrte so in den Gemeinderat zurück (siehe weiter unten). Statt Gail zog im März 1949 Emil Stadler als SPÖ-Vertreter in den Gemeinderat ein.442 Laut den überlieferten Gemeinderatsprotokollen dürfte die SPÖ nach dem Ausscheiden Gails nicht mehr den Vizebürgermeister gestellt haben. Allerdings ist unabhängig von der Parteizugehörigkeit unklar, wer dieses Amt in weiterer Folge übernommen hat.
Mit 20. Jänner 1949 schied Karl Fasching aus dem Gemeinderat aus, und auf das freigewordene Mandat wurde als Vertreter der SPÖ Josef Nissler (Nr. 89) durch die Landesregierung bestellt.
Ab 29. April 1949 gehörte Eduard Spieß als Vertreter der ÖVP dem Gemeinderat als Nachfolger für den ausgeschiedenen Franz Heisinger an.
Ende September 1949 kam es dann zu einer umfassenden Personalrochade innerhalb der SPÖ-Fraktion, bei der drei ihrer fünf Mandate neu besetzt wurden. Statt Josef Nissler, Josef Nießler und Johann Harter zogen Johann Gruber, Georg Kastner und Leopold Greis für die SPÖ in den Gemeinderat ein.
1950-1955443
Gemeinderatswahl 7. Mai 1950 444
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 368; abgegebene Stimmen: 310 (Wahlbeteiligung: 84,2 %); ungültig: 12, gültig: 298, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 209 (70,1 %) | 9 | 89 (29,9 %) | 4 |
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Hüttendorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Pelzelmayer (ÖVP)
Vizebürgermeister: Eduard Spieß (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Johann Gruber (SPÖ), Michael Greis jun. (ÖVP)
Gemeinderäte: Johann Gail (ÖVP), Josef Schaman (ÖVP), Leopold Schwarzenberger (SPÖ), Lorenz Fischer (ÖVP), Hermann Gruber (SPÖ), Leopold Zant (ÖVP), Josef Gottwald (ÖVP), Ferdinand Neudecker jun. (ÖVP), Karl Franz (SPÖ)
Laut einem überlieferten Gemeinderatsprotokoll vom 20. Mai 1951 wurde Leopold Pithan als Vertreter der SPÖ in den Gemeinderat aufgenommen. Er dürfte ersatzweise für Karl Franz nachgerückt sein.
In der Sitzung vom 19. Juni 1952 legte der geschäftsführende Gemeinderat Michael Greis jun. sein Mandat nieder und schied aus dem Gemeinderat aus. Das Mandat von Greis blieb für längere Zeit vakant, da Ferdinand Spieß, der in der Sitzung vom 13. Februar 1953 angelobt hätte werden sollen, kurzfristig auf das Mandat verzichtete. Beinahe ein weiteres Jahr sollte vergehen, bis die ÖVP das freigewordene Mandat am 31. Jänner 1954 in der Person von Franz Fybi nachbesetzen konnte. Fybi wurde auch zum 2. geschäftsführenden Gemeinderat gewählt, eine Stelle, die augenscheinlich rund eineinhalb Jahre vakant geblieben war.
1955-1960445
Gemeinderatswahl 24. April 1955446
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 355; abgegebene Stimmen: 309 (Wahlbeteiligung: 87,0 %); ungültig: 7, gültig: 302, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | Liste der kleinen Landwirte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 177 (57,3 %) | 9 | 112 (36,2 %) | 6 | 13 (4,2 %) | – |
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Hüttendorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Eduard Spieß (ÖVP)
Vizebürgermeister: Anton Pleil (ÖVP)
Gemeinderäte: Johann Gruber (SPÖ), Matthias Panzer (ÖVP), Franz Fybi (ÖVP), Josef Spieß (SPÖ), Georg Kastner (SPÖ), Leopold Schwarzenberger (SPÖ), Josef Kraft (SPÖ), Michael Greis jun. (ÖVP), Leopold Pithan (SPÖ), Leopold Pleil (Nr. 81) (ÖVP), Leopold Hruscha (ÖVP), Leopold Zant (ÖVP), Ferdinand Spieß (ÖVP)
Welche der angeführten Gemeinderäte in dieser Periode als geschäftsführende Gemeinderäte fungierten, konnte leider nicht eruiert werden.
1960-1965447
Gemeinderatswahl 10. April 1960
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 358; abgegebene Stimmen: 318 (Wahlbeteiligung: 88,8 %); ungültig: 11, gültig: 307, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 164 (53,4 %) | 8 | 143 (46,6 %) | 7 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 27. April 1960 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Michael Greis jun. (Nr. 58) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Ferdinand Spieß (Nr. 69) (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Johann Gruber (SPÖ); Johann Masen (Nr. 164) (SPÖ); Franz Fybi (Nr. 66) (ÖVP); Matthias Sparrer (Nr. 153) (ÖVP)
Gemeinderäte: Leopold Schwarzenberger (Nr. 122) (SPÖ); Leopold Pithan (Nr. 113) (SPÖ); Leopold Greis (Nr. 185) (SPÖ); Josef Kraft (Nr. 55) (SPÖ); Josef Spieß (Nr. 80) (SPÖ), Leopold Pleil (Nr. 83) (ÖVP); Wenzel Neubauer (Nr. 56) (ÖVP); Matthias Panzer (Nr. 5) (ÖVP); Richard Pleil (Nr. 68) (ÖVP)
Michael Greis jun. war bereits das vierte Mitglied der Familie Greis und zwar in vier aufeinander folgenden Generationen, das das Amt des Hüttendorfer Bürgermeisters innehatte. Zuvor hatten bereits sein Urgroßvater Franz Greis (1850-1861 und zuvor bereits Ortsrichter), sein Großvater Josef Greis (1886-1891) sowie sein Vater Michael Greis sen. (1938-1945) als Bürgermeister gewirkt.
Johann Gruber legt sein Gemeinderatsmandat mit 13. Mai 1962 zurück, und als Vertreter für die SPÖ rückte Leopold Mostbauer nach.
1965-1970448
Gemeinderatswahl 1965449
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 348; abgegebene Stimmen: 318 (Wahlbeteiligung: 91,4%); ungültig: 15, gültig: 303, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 189 (62,4%) | 9 | 114 (37,6%) | 6 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 25. April 1965 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Michael Greis jun. (Nr. 58) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Fybi (Nr. 66) (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Karl Trischak (Nr. 72) (ÖVP); Erich Thaler (Nr. 24) (ÖVP); Johann Gruber (Nr. 95) (SPÖ); Leopold Mostbauer (Nr. 177) (SPÖ)
Gemeinderäte: Franz Pleil (Nr. 1) (ÖVP); Walter Lehner (Nr. 15) (ÖVP); Josef Lehner (Nr. 91) (ÖVP); Richard Pleil (Nr. 68) (ÖVP); Leopold Rinner (Nr. 85) (ÖVP); Leopold Greis (Nr. 185) (SPÖ); Josef Spieß (Nr. 80) (SPÖ); Anton Marchart (Nr. 187) (SPÖ); Anton Schwab (Nr. 179) (SPÖ)
1970-1971450
Gemeinderatswahl 1970451
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 370; abgegebene Stimmen: 328 (Wahlbeteiligung: 88,6%); ungültig: 4, gültig: 324, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 215 (66,4%) | 10 | 109 (33,6%) | 5 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 27. April 1970 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Erich Thaler (Nr. 24) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Pleil (Nr. 1) (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Walter Lehner (Nr. 15) (ÖVP); Lorenz Fischer (Nr. 70) (ÖVP), Anton Schwab (Nr. 179) (SPÖ); Leopold Greis (Nr. 186) (SPÖ)
Gemeinderäte: Leopold Mostbauer (Nr. 177) (SPÖ), Michael Greis jun. (Nr. 58) (ÖVP); Franz Graf (Nr. 36) (ÖVP); Karl Trischak (Nr. 72) (ÖVP); Josef Fally (Nr. 125) (ÖVP); Josef Spieß (Nr. 42) (SPÖ); Franz Schöfböck (Nr. 54) (ÖVP); Anton Marchart (Nr. 185) (SPÖ); Eysinger Gerhard (Nr. 126) (ÖVP)
Bei der Bürgermeisterwahl setzte sich Thaler mit 8 zu 7 Stimmen gegen den vormaligen Bürgermeister Greis knapp durch.
Mit 1. Jänner 1972 wurde Hüttendorf als Katastralgemeinde Teil der Großgemeinde Mistelbach. Nähere Hintergründe dazu im Beitrag „Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972„
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Hüttendorf
Eine Liste der Hüttendorfer Bürgermeister erschien 2005 in der von Altbürgermeister Michael Greis jun. veröffentlichten Ortsgeschichte von Hüttendorf.452 Diese Auflistung wurde offensichtlich unter Zuhilfenahme der Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender erstellt, allerdings ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass diese stets den Stand zu Ende des Vorjahres wiedergeben (siehe Anmerkung bei den Quellen). Gemäß den Rechercheergebnissen zu diesem Beitrag stellt sich die Liste der Hüttendorfer Bürgermeister etwas abweichend, und zwar wie folgt dar:
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1861 | Franz Greis (*1802, †1885) |
| 1861-1863 | Mathias Schöfböck (*1809, †1890) |
| 1863-1867 | Josef Heindl (*1813, †1880) |
| 1867-1869 | Josef Kautz |
| 1869-1875 | Josef Schuller (*1812, †1891) |
| 1875-1876 | Mathias Resch (*1836, †1908) |
| 1876-1882 | Franz Schallengruber (*1833, †1902) |
| 1882-1886 | Josef Schreiber sen. |
| 1886-1891 | Josef Greis (*1851, †1930) |
| 1891 | Michael Resch? / Johann Panzer? – unklar |
| 1891-1898 | Mathias Resch (*1836, †1908) |
| 1898-1902 | Johann Fischer (*1843, †1909) |
| 1902-1919 | ![]() Josef Schreiber jun. (*1865, †1938) |
| 1919-1929 | Leopold Pleil (*1880, †1951), „Bauernpartei“ |
| 1929-1937 | Robert Lehner (*1890, †1937), Christlichsoziale Partei |
| 1937-1938 | Franz Panzer (*1876, †1944) leitete als Vizebürgermeister nach dem Tod von Bürgermeister Lehner interimistisch die Amtsgeschäfte |
| 1938-1945 | Michael Greis sen. (*1882, †1946) |
| 1945-1947 | Leopold Jelinek (*1875, †1958), SPÖ |
| 1947-1955 | ![]() Franz Pelzelmayer (*1914, †2001), ÖVP |
| 1955-1960 | Eduard Spieß (*1902, †1993), ÖVP |
| 1960-1970 | ![]() Michael Greis jun. (*1917, †2012), ÖVP |
| 1970-1971 | ![]() Erich Thaler (*1939, †2025), ÖVP |
Bildnachweis:
-) Portrait Josef Schreiber: Tenger, Ignaz: Österreichischer Bürgermeister-Almanach – 1848 – 1908; Jubiläums-Widmung zur Feier des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k.u.k. a. M. Franz Josef I. (1908)
-) Portrait Franz Pelzelmeyer – Ausschnitt aus dem Foto „Hüttendorfer Ministranten 1950“ – Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Frau Christine Krenn)
-) Portrait Michael Greis jun. – Ausschnitt Titelseite Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Jänner 1997 (Folge 1/1997), S. 1
-) Portrait Erich Thaler – Ausschnitt Titelseite Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Jänner 1997 (Folge 1/1997), S. 1
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Hüttendorf im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1946-1971
Passionsweg (Eibesthal)
Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Eibesthal beschloss der Mistelbacher Gemeinderat in der Sitzung vom 18. März 1983 der am Kindergarten (= vormaligen Schule) vorbeiführenden Straße in Erinnerung an die Tradition der in den Jahren 1898 bis 1911 in Eibesthal stattgefundenen Passionsspiele den Namen „Passionsweg“ zu geben. Auch wenn die letzten Passionsspiele zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 70 Jahre zurücklagen und die Wiederbelebung dieser Tradition erst rund 15 Jahre später erfolgen sollte, war die Erinnerung an diese große Gemeinschaftsleistung im kollektiven Gedächtnis des Dorfes weiterhin vorhanden. Es ist daher zweifellos kein Zufall, dass eine Straße diesen Namen erhielt, die unweit des einstigen Standorts der Passionsspielhalle verläuft. Diese Halle war ein 1897/98 eigens dafür errichteter Holzbau im Ausmaß vom 30x20m, und obwohl alleine die Bühne rund ein Drittel des Raumes einnahm, bot die Halle dennoch Sitzplätze für bis zu 800 Zuschauer. Die in Richtung der heutigen Markusstraße gelegene Bühne war etwas tiefer gelegen und ermöglichte den Zuschauern so einen guten Überblick. Nach dem Ende der Passionsspiele verfiel die Halle zusehends und sie wurde schließlich im Jahre 1917 versteigert und abgetragen.423

Ausschnitte aus Ansichtskarten, die die Passionsspielhalle zeigen
Der hinter bzw. zwischen dem damaligen Schulgebäude und nahegelegenen Kellern befindliche einstige Standort der Halle konnte mithilfe einer alten Ansichtskarte genau rekonstruiert werden (siehe untenstehender Kartenausschnitt). Mehr zu den Eibesthaler Passionsspielen und zahlreiche Fotos finden sich unter dem gleichnamigen Beitrag: Eibesthaler Passionsspiele (1898-1911)
Wo befindet sich der Passionsweg?
■ Markierung: der Passionsweg
■ Markierung: der einstige Standort der Passionsspielhalle unweit vom Passionsweg
Quellen:
Gemeindevertretung Frättingsdorf (1850-1971)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Frättingsdorf im Zeitraum 1850 bis 1971. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-1861430
Bürgermeister: Ferdinand Schmid, Halblehner
Gemeinderäte: F. Schaudy, Halblehner; Thomas Groß, Viertellehner
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Oswald Fritz, Halblehner; L. Welzl, Viertellehner; J. Schmatzberger, Ganzlehner; Franz Pichler, Halblehner; F. Kober, Viertellehner; L. Heider, Halblehner; J. Stadlinger, Halblehner; Johannes Schneider, Viertellehner; M. Moser, Viertellehner
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Mitgliedern.
Da die 1850 gewählten Mitglieder des Gemeindeausschusses, und auch der Bürgermeister, ihre Ämter nur aus triftigen Gründen zurücklegen durften, scheint es wahrscheinlich, dass Bürgermeister Schmid sein Amt bis zu den nächsten Wahlen im Jahre 1861 innehatte.
1861-1864431
Bürgermeister: Franz Pichler
1. Gemeinderat: Jakob Schodl
2. Gemeinderat: Leopold Ulram
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Franz Kober, Johannes Schneider, Anton Schaudy, Josef Amon, Lambert Welzl
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1864-1867435
Bürgermeister: Franz Pichler, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Ulram, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Adam Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1867-1870437
Bürgermeister: Leopold Ulram, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Adam Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Jacob Schodl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1870-1873443
Bürgermeister: Leopold Ulram, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Jacob Schodl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Jacob Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1873-1876444
Bürgermeister: Leopold Ulram, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Jacob Schodl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Jacob Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1876-1879445
Bürgermeister: Carl Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Nekam, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Mathias Prinz, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1879-1882446
Bürgermeister: Carl Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Adam Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Joseph Groß, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1882-1885447
Bürgermeister: Carl Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Adam Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Joseph Groß, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1885-1888448
Bürgermeister: Adam Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Jacob Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Fritz, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern
1888-1892449
Bürgermeister: Johann Kießner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Schmid, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Matthias Zohmann, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Leopold Fritz, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Berger, Wirtschaftsbesitzer; Johann Nekam, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Welzl, Wirtschaftsbesitzer; Carl Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer
Als Ersatzmänner wurden gewählt:: Ferdinand Fiby, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Schaudy, Wirtschaftsbesitzer; Andreas Nekam, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schodl, Wirtschaftsbesitzer
1892-1895450
Bürgermeister: Johann Kießner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Ferdinand Welzl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Georg Zohmann, Wirtschaftsbesitzer;
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Johann Neckam, Wirtschaftsbesitzer; Stefan Schmid, Wirtschaftsbesitzer; Andreas Nekam, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Schmid, Wirtschaftsbesitzer; Oswald Groß, Wirtschaftsbesitzer;
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Wilhelm Weber, Gastwirt; Leopold Berger, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Pichler, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schodl, Wirtschaftsbesitzer
1895-1901451
Bürgermeister: Georg Zohmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Stephan Schmid, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Mathias Zohmann, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Fritz, Wirtschaftsbesitzer; Anton Seiberler, Wirtschaftsbesitzer; Andreas Nekam, Wirtschaftsbesitzer; Johann Kissner, Gastwirt;
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Michael Lahner, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Pichler, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schmatzberger, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Pichler, Wirtschaftsbesitzer;
Johann Neckam schreibt in seiner „Heimatgeschichte von Frättingsdorf“, dass bei der Wahl für diese Periode zwei Parteien angetreten seien, die eine heftige Agitation entfalteten. Allerdings findet sich bei ihm das Wahljahr fälschlicherweise mit 1894 statt 1895 angegeben.453 Auch darf der Begriff Parteien, nicht im heutigen Sinne verstanden werden, da bis zum Ende der Monarchie ein Persönlichkeitswahlrecht statt des heute üblichen Listenwahlrechts gebräuchlich war. Vielmehr sammelten sich Kandidaten rund um einflussreiche Persönlichkeiten des Orts, die aber letztlich jeder für sich gewählt werden mussten.
1901-1907454
Die Gemeindeausschusswahlen fanden am 20. Dezember 1900 statt, die konstituierende Sitzung jedoch erst am Dreikönigstag des Jahres 1901 und nach dieser setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Georg Zohmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Anton Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Leopold Neckam, Matthias Zohmann, Jakob Pichler, Andreas Neckam und Stephan Schmid
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern, sowie dem Ziegelwerksbesitzer Martin Steingassner, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1907-1913455
Im Vergleich zu den anderen Katastralgemeinden Mistelbachs wählte Frättingsdorf seit 1892 immer um ein Jahr später. Anders als in Frättingsdorf kehrte man in anderen Orten bei Abweichungen vom üblichen Wahlturnus spätestens bei den nächsten Wahlen wieder zum allgemein gültigen Wahlrhythmus zurück. Was ursprünglich der Anlass für diese Verschiebung war, ist unklar. Offenbar aufgrund von Vorfällen im hitzigen Wahlkampf im Zuge der Gemeindeausschusswahl 1907 weigerte sich der bisherige Bürgermeister Georg Zohmann seine neuerliche Wahl in dieses Amt anzunehmen. Aufgrund des von Mathias Zohmann gemeinsam mit anderen Personen eingelegten Protests bei der zuständigen Wahlbehörde soll es zu einer Wiederholung der Wahl gekommen sein. Aus den Angaben bei Neckam geht allerdings nicht klar hervor, ob die gesamte Gemeindeausschusswahl oder die lediglich die Gemeindevorstandswahl (u.a. Bürgermeisterwahl) wiederholt werden musste.456 Jedenfalls setzte sich der Gemeindeausschuss letztlich wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Leopold Welzl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Georg Zohmann, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Ferdinand Pichler, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern, darunter Mathias Zohmann, sowie dem Ziegelwerksbesitzer Martin Steingassner, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1913-1919457
Bürgermeister: Leopold Welzl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Oswald Groß, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Anton Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Leopold Nekam, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 gewählten Mitgliedern, sowie dem Ziegelwerksbesitzer Martin Steingassner, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1919-1924458
Gemeinderatswahl vom 22. Juni 1919459
Wahlberechtigt: 303 Personen; zu vergebende Mandate: 12; abgegebene Stimmen: 203 (Wahlbeteiligung: 67,0%); ungültige Stimmen: 3; die 200 gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Deutsche Wirtschaftspartei und Bauernbund | Wirtschaftspartei | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 121 (60,5 %) | 7 | 79 (39,5 %) | 5 |
Während sich etwa in Mistelbach und Lanzendorf Christlichsoziale und Deutschnationale zusammenschlossen, um geschlossen gegen die Sozialdemokraten aufzutreten, war die Ausgangslage in Frättingsdorf eine andere. Nachdem es zu erwarten war, dass die christlichsozialen Kräfte, die hier unter dem Namen „Deutsche Wirtschaftspartei und Bauernbund“ antraten, wohl eine deutliche Mehrheit erringen würden, schlossen sich Sozialdemokraten und Deutschnationale zu einem Wahlbündnis zusammen und kandidierten mit einer gemeinsamen Liste unter dem Namen „Wirtschaftspartei“. Von den fünf Kandidaten der Wirtschaftspartei, die in den Gemeinderat einzogen, dürfte lediglich Leopold Pichler den Deutschnationalen zuzuordnen sein, alle anderen scheinen Sozialdemokraten gewesen sein. Das fünfte Mandat war der „Wirtschaftspartei“ übrigens aufgrund von Stimmengleichstand betreffend dieses Mandat durch Losglück zugefallen. Eine sozialdemokratische Lokalorganisation (=Ortspartei) hatte sich in Frättingsdorf im Mai 1919 und damit wenige Wochen vor der Gemeinderatswahl gebildet.460
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Ferdinand Schaudy, Wirtschaftsbesitzer (dt. Wirtschaftspartei & Bauernbund)
Vizebürgermeister: Jakob Pichler, Wirtschaftsbesitzer (dt. Wirtschaftspartei & Bauernbund)
geschäftsführende Gemeinderäte: Leopold Pichler, Wirtschaftsbesitzer (Wirtschaftspartei); Johann Schreiber, Schmiedemeister (dt. Wirtschaftspartei & Bauernbund)
Gemeinderat insgesamt 12 Mitglieder, davon sind weiters bekannt: Anton Prokesch, Maschinist (Wirtschaftspartei); Franz Schuster, Ziegelarbeiter (Wirtschaftspartei); Johann Swoboda, Postmeister (Wirtschaftspartei); Matthias Neckam, Fabriksbeamter (Wirtschaftspartei)
Ersatzmänner der Wirtschaftspartei: Josef Kober, Hilfsarbeiter; Franz Haas, Landwirt; Raimund Weiß, Buchhalter; Karl Wagner, Ziegelarbeiter; Johann Babitsch, landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter
1924-1929461
Für die Gemeinderatswahl 1924 ist leider kein detailliertes Ergebnis überliefert, es ist allerdings bekannt, dass bei dieser Wahl jedenfalls drei Parteien angetreten sind. Nachdem Sozialdemokraten und Deutschnationale bei der ersten Wahl 1919 in einem Zweckbündnis gemeinsam angetreten waren, kandidierten die Parteien nunmehr jede für sich. Die Sozialdemokraten unter Führung des Obsthändlers Franz erreichten 55 Stimmen und 2 Mandate. Eine großdeutsche Liste unter dem Spitzenkandidaten Leopold Pichler, muss zumindest ein Mandat errungen haben. Klarer Sieger der Wahl dürften einmal mehr die Christlichsozialen, bzw. der Bauernbund, als deren Teilorganisation, gewesen sein.462
Nach der Wahl konnte man sich zunächst nicht auf einen Bürgermeister einigen. Außer einem nicht näher genannten Mitglied des Gemeinderats, der allerdings nicht das Vertrauen der Mehrheit genoss, soll sich zunächst niemand dazu bereiterklärt haben, das Amt des Bürgermeisters übernehmen zu wollen. Daher mussten die gewählten Gemeinderäte zweimal zusammentreten, ehe eine vollständige Konstituierung gelang463:
Bürgermeister: Ferdinand Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Jakob Pichler, Wirtschaftsbesitzer
geschäftsführender Gemeinderat: (Johann?) Nagl
Gemeinderäte: von den insgesamt 12 Mitgliedern des Gemeinderats, sind außer den beiden oben genannten lediglich Leopold Pichler (großdeutsch) und der Obsthändler Franz (Sozialdemokrat) bekannt.
Nachdem Bürgermeister Ferdinand Schaudy am 9. Juni 1925 überraschend verstorben war, wurde Josef Schaudy zu seinem Nachfolger gewählt.464
1929-1934465
Gemeinderatswahl 1929
Wahlberechtigt: 302 Personen; zu vergebende Mandate: 13; abgegebene gültige Stimmen: 256, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Einheitsliste | Sozialdemokratische Partei | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 173 (67,8 %) | 9 | 79 (30,1 %) | 4 |
Laut einem Bericht im sozialdemokratischen Regionalblatt „Volksbote“ soll der Kutscher Johann Pabitsch (vermutlich ident mit dem Ersatzkandidaten namens „Babitsch“ der Wirtschaftspartei bei der Wahl 1919) eifrig Unterschriften für den Antritt einer deutsch-nationalen Liste gesammelt haben. Es soll ihm zwar gelungen sein die notwendigen 30 Unterstützungserklärungen zu sammeln, allerdings wurden diese nicht fristgerecht eingereicht, weshalb die Bezirkshauptmannschaft den Wahlvorschlag zurückwies. Anschließend soll er eifrig für die unter dem Namen „Einheitsliste“ kandidierenden Christlichsozialen Wahlwerbung getrieben haben.466 In Anbetracht dieser Information, also dem kurzfristigen und knappen Scheitern der Kandidatur einer eigenständigen deutsch-nationalen Liste, erscheint es merkwürdig, dass der führende Frättingsdorfer Deutschnationale Leopold Pichler im Gemeinderat vertreten war. Gemäß dem Namen „Einheitsliste“ hatte man offenbar schon bei der Einreichung der Kandidatenliste das Ziel, die konservativen und nationalen Kräfte bei dieser Wahl zu bündeln.
Nach der konstituierenden Sitzung vom 1. Dezember 1929 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen467:
Bürgermeister: Josef Schaudy (Einheitsliste)
Vizebürgermeister: Leopold Pichler (Einheitsliste)
geschäftsführender Gemeinderat: Josef Prem (Sozialdemokrat), Anton Seiberler (Einheitsliste)
Am 27. Dezember 1930 verstarb Bürgermeister Josef Schaudy überraschend im Alter von erst 39 Jahren.468 Zu seinem Nachfolger wurde Anton Seiberler gewählt.
1934-1938469
Bürgermeister: Anton Seiberler, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeisterstellvertreter: Leopold Pichler, Wirtschaftsbesitzer
Die weiteren Gemeindevertreter im Gemeindetag sind nicht überliefert.
1938-1945
Nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung wurde Leopold Pichler als Gemeindeverwalter mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut.
470Ab Anfang des Jahres 1939 stellte sich die von den Nationalsozialisten eingesetzte Gemeindeführung wie folgt dar471:
Bürgermeister: Leopold Pichler, Landwirt, Nr. 69;
Beigeordnete: Leopold Wolf, Landwirt, Nr. 35; Johann Scheiner, Landwirt, Nr. 18
Aus Altersgründen legte Bürgermeister Pichler 1942 sein Amt nieder und die Führung der Gemeinde übernahm der Beigeordnete Johann Scheiner. Ob es bei diesem Provisorium blieb, oder ob Scheiner vor Kriegsende noch offiziell zum Bürgermeister ernannte wurde, ist nicht bekannt.472
1945-1950473
Das älteste in den Archivbeständen der Stadtgemeinde Mistelbach erhaltene, rudimentäre Protokoll einer Sitzung des provisorischen Gemeinderats von Frättingsdorf stammt vom 25. April 1946. Damals gehörten folgende Personen dem Gemeinderat an:
Hubert Dotzer (SPÖ), Martin Martinek (SPÖ), Josef Neckam, Michael Schwabauer (SPÖ), Johann Berger, Paul Schuster, Leopold Scheiner
Ab Oktober 1946 scheint zusätzlich Johann Nagl als Gemeinderat auf, sowie ab Jänner 1947 auch Anton Seiberler (ÖVP). Ab März 1947 gehörte weiters Johann Scheiner, der schließlich in weiterer Folge zum Bürgermeister gewählt wurde, dem Gemeinderat an. Einen Vizebürgermeister scheint es den Angaben im niederösterreichischen Amtskalender zufolge zunächst nicht gegeben zu haben. Laut der Darstellung von Neckam in seiner Ortsgeschichte war Johann Scheiner ab dem Rückzug von Pichler, also von 1942 an und bis zum Jahr 1950 Bürgermeister. Tatsächlich endete Scheiners Amtszeit erwiesenermaßen bereits 1948 und auch in Bezug auf andere Informationen muss festgestellt werden, dass die Angaben bei Neckam oft ungenau bzw. unvollständig sind. Daher sind wohl auch die Daten zu Amtszeit von Scheiner in Zweifel zu ziehen. Scheiner dürfte das Bürgermeisteramt jedenfalls von 1942 bis 1945 interimistisch und dann erneut von 1947 bis 1948 innegehabt haben. Die Unterbrechung scheint alleine schon durch die Tatsache gesichert, dass er in den wenigen überlieferten Gemeinderatsprotokollen aus den Jahren 1946 nicht aufscheint. Allerdings ist aus diesen auch nicht herauszulesen welche andere Person damals das Amt des Bürgermeisters innehatte, sodass mangels aussagekräftiger Quellen der Zeitraum 1945-1947 fraglich bleibt. Anlässlich der Übernahme des Bürgermeisteramts durch einen Vertreter der SPÖ im Jahre 1948 ist in der sozialdemokratischen Parteipresse zu lesen, dass die ÖVP zwei Jahre lang den Bürgermeister gestellt hatte. Ist das als Hinweis zu interpretieren, dass es schon zuvor einen sozialdemokratischen Bürgermeister nach dem Krieg gegeben hat? Diese Frage muss, wie es scheint, offenbleiben.
Ab März 1948 scheinen zusätzlich auch Josef Hacker (SPÖ), Anton Harmer (SPÖ), Ferdinand Schaudy (ÖVP), Oswald Fritz (ÖVP), Johann Pichler, Josef Dorfinger (SPÖ), Emil Ölschläger (ÖVP), Josef Matzer (ÖVP) auf. Dass die genannten Personen nicht statt, sondern zusätzlich zu den oben genannten Personen aufscheinen ist äußerst ungewöhnlich, da derart große (provisorische) Gemeinderäte sehr unüblich waren.
Nachdem die ÖVP zwei Jahre lang den Bürgermeister gestellt hatte, erreichte die SPÖ nach langjährigem Bemühen eine Neuzusammensetzung des provisorischen Gemeinderats, der sich am 23. August 1948 konstituiert. Die SPÖ stellte nun mit sechs Personen, die Mehrheit im aus 10 Mitgliedern bestehenden provisorischen Gemeinderat, und damit auch den Bürgermeister. Der provisorische Gemeinderat setzte sich wie folgt zusammen474:
Bürgermeister: Josef Hacker (SPÖ)
Vizebürgermeister: Josef Matzer (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Anton Harmer (SPÖ), Josef Dorfinger (SPÖ)
Gemeindräte: Michael Schwabauer (SPÖ), Hubert Dotzer (SPÖ), Jakob Pichler (SPÖ), Ferdinand Schaudy (ÖVP), Oswald Fritz (ÖVP), Emil Ölschläger (ÖVP)
Ab der Gemeinderatssitzung vom 10. Februar 1949 scheint nunmehr auch ein Vertreter der KPÖ, nämlich Ernst Üblauer, im provisorischen Gemeinderat auf. Damit stieg die Zahl der Mitglieder des Gemeinderates auf 11 Personen an – weitere Änderungen betreffend die personelle Zusammensetzung erfolgten nicht.
1950-1955475
Wahlergebnis 1950
Wahlberechtigt: 302; zu vergebende Mandate: 13; abgegebene Stimmen: 288 (Wahlbeteiligung: 95,4 %), davon ungültig: 3; Die 285 gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Partei wie folgt:
| SPÖ | ÖVP | Linksblock (KPÖ) | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 150 (52,6 %) | 7 | 133 (46,7 %) | 6 | 2 (0,7 %) | – |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 27. Mai 1950 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Hacker (SPÖ)
Vizebürgermeister: Anton Harmer (SPÖ),
geschäftsführender Gemeinderat: Johann Neckam (ÖVP), Josef Matzer (ÖVP), Josef Dorfinger (SPÖ)
Gemeinderäte: Johann Trost (SPÖ), Rudolf Brunnthaler (ÖVP), Oswald Fritz (ÖVP), Michael Schwabauer (SPÖ), Hubert Dotzer (SPÖ), Pichler Josef (ÖVP), Leopold Berger (ÖVP), Jakob Pichler (SPÖ),
In der Sitzung vom 20. Dezember 1953 wurde Bürgermeister Josef Hacker einstimmig das Gemeinderatsmandat und damit verbunden das Bürgermeisteramt aberkannt. Hintergrund war Hackers Ausschluss aus der SPÖ, denn das Ausscheiden aus der Partei, auf deren Wahlvorschlag ein Kandidat in den Gemeinderat gelangt war, war nach damaligem Rechtsstand mit der Aberkennung des Mandats verbunden. Die letztgültige Entscheidung über den Mandatsverlust eines Mitglieds des Gemeindevorstands lag im Streitfall jedoch beim Verfassungsgerichtshof, der bereits am 27. März 1954 erkannte, dass der Entzug des Mandats in Übereinstimmung mit der niederösterreichische Gemeindewahlordnung aus dem Jahr 1929 erfolgte und somit rechtskonform war.476 Hackers Ausschluss aus der SPÖ, obwohl offenbar bereits im Dezember 1953 erfolgt, erlangte seine Rechtskraft (wohl aufgrund von Einspruchsfristen) erst im Jänner 1954.
Vizebürgermeister Harmer führt die Geschäfte der Gemeinde interimistisch weiter, bis es am 14. Mai 1954 zu einer Neuwahl des Gemeindevorstands kam:
Bürgermeister: Anton Harmer (SPÖ)
Vizebürgermeister: Johann Neckam (ÖVP)
geschäftsführender Gemeinderat: Jakob Pichler (SPÖ), Josef Matzer (ÖVP),
Mit Ausnahme des für den ausgeschiedenen Altbürgermeister Hacker als SPÖ-Vertreter nachrückenden Franz Gaa gab es betreffend der weiteren Mitglieder des Gemeinderats keine weiteren Änderungen.
1955-1958477
Wahlergebnis 1955
Wahlberechtigt: 296; zu vergebende Mandate: 13; abgegebene Stimmen: 282 (Wahlbeteiligung: 95,3 %), davon ungültig: 12; Die 270 gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Partei wie folgt:
| SPÖ | ÖVP | Volksopposition (KPÖ) | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 140 (51,9 %) | 7 | 126 (46,7 %) | 6 | 4 (1,5 %) |
– |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 9. Mai 1955 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Anton Harmer (SPÖ)
Vizebürgermeister: Jakob Pichler (SPÖ)
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Dorfinger (SPÖ), Johann Neckam (ÖVP), Josef Matzer (ÖVP)
Gemeinderäte: Franz Schön (Nr. 29) (ÖVP), Oswald Fritz (Nr. 37) (ÖVP), Heinrich Schreiber (Nr. 44) (ÖVP), Leopold Berger (Nr. 59) (ÖVP), Hubert Dotzer (Nr. 108) (SPÖ), Alois Kosch (Nr. 93) (SPÖ), Robert Kosch (Nr. 91) (SPÖ), Franz Gaa (Nr. 95) (SPÖ)
Ab Juni 1957 scheint als neuer Gemeinderat Franz Schuster (SPÖ), allerdings ist aufgrund lediglich lückenhaft überlieferter Protokolle unklar seit wann und statt wem er dem Gemeinderat angehörte.
Bereits ab 1956 kam es zu schwerwiegenden Differenzen zwischen den beiden Gemeinderatsfraktionen, denn betreffend finanzieller Angelegenheiten (Budgetgestaltung, Hebesätze für die Grundsteuer, Infrastrukturinvestitionen, etc.) waren die Parteien gegensätzlicher Ansicht und insbesondere auf der persönlichen Ebene lag zwischen den Vertretern der Parteien einiges im Argen und das Misstrauen war groß. Nachdem unter Missachtung der geltenden Gemeindeordnung bereits seit sieben Monaten keine Gemeinderatssitzung mehr abgehalten worden war, nahm die ÖVP-Fraktion unter Führung von Johann Neckam Anfang 1957 dies zum Anlass und legte geschlossen ihre Mandate nieder. Dadurch war die Landesregierung gezwungen den Gemeinderat wegen Arbeitsunfähigkeit aufzulösen und Neuwahlen anzuordnen. Schon zuvor hatte sich eine Entfremdung zwischen der SPÖ-Fraktion und ihrem Bürgermeister abgezeichnet, die letztlich darin gipfelte, dass Letzterer kurz nach Auflösung des Gemeinderats aus der SPÖ austrat. Bis zur Neuwahl bzw. Neukonstituierung wurden die Geschäfte von dem durch die Bezirkshauptmannschaft eingesetzten Regierungskommissär Leopold Stoiber geführt. Als Beiräte waren ihm je ein Vertreter der beiden Parteien, und zwar Johann Neckam (ÖVP) und Robert Kosch (SPÖ) beigegeben.478
1958-1960479
Die Neuwahl vom 18. Mai 1958 brachte folgendes Ergebnis:
Wahlberechtigt: 292; zu vergebende Mandate: 13; Die 277 gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Partei wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 180 (65,0 %) | 9 | 97 (35,0 %) | 4 |
Nach der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 7. Juni 1958 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Johann Neckam (ÖVP)
Vizebügermeister: Anton Seiberler (ÖVP)
Gemeinderäte: Robert Kosch (SPÖ), Heinrich Schreiber (ÖVP), Leopold Berger (ÖVP), Josef Berger (ÖVP), Josef Fiby (ÖVP), Leopold Hiller (ÖVP), Jakob Maier (ÖVP), Johann Schodl (ÖVP), Hubert Dotzer (SPÖ), Johann Dorfinger (SPÖ), Franz Schuster (SPÖ)
Die Zusammensetzung des Gemeindevorstands, abseits von Bürgermeister und Vizebürgermeister – also die geschäftsführenden Gemeinderäte – für diese Amtsperiode sind nicht überliefert.
Johann Dorfinger teilte in der Sitzung vom 19. September 1959 mit, dass er aus der SPÖ ausgetreten sei, sein Mandat jedoch weiterhin ausüben werde. Er gehörte dem Gemeinderat jedenfalls bis zum Ende dieser Periode an. Ob er sich mit seiner Partei wieder aussöhnte oder ob er als Parteiloser im Gemeinderat verblieb, ist unklar. Letzteres war aufgrund der damals geltenden Gemeindewahlordnung eigentlich nicht möglich, denn wie der Fall Hacker zeigte, führte der Parteiausschluss bzw. -austritt automatisch zum Mandatsverlust. Diese dem ansonsten in den gesetzlichen Vertretungskörpern üblichen Grundsatz des freien Mandats widersprechende Bestimmung blieb in Niederösterreich bis zu einer 2. Novelle der nö. Gemeindewahlordnung im Jahre 1973 in Geltung.
1960-1965480
Wahlergebnis 1960
Wahlberechtigt: 266; zu vergebende Mandate: 13; abgegebene Stimmen: 244 (Wahlbeteiligung: 91,7 %), davon ungültig: 1; Die 243 gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Partei wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 174 (71,6 %) | 10 | 69 (28,4 %) | 3 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 7. Mai 1960 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Johann Neckam (ÖVP)
Vizebürgermeister: Leopold Berger (Nr. 59) (ÖVP)
geschäftsführender Gemeinderäte: Heinrich Schreiber (Nr. 44) (ÖVP), Josef Fiby (Nr. 65) (ÖVP), Josef Hacker (Nr. 1) (SPÖ)
Gemeinderäte: Leopold Dorfinger (Nr. 8) (ÖVP), Josef Berger (Nr. 16) (ÖVP), Johann Schodl (Nr. 20) (ÖVP), Johann Weninger ( Nr. 36) (ÖVP), Anton Seiberler (Nr. 47) (ÖVP), Leopold Hiller (Nr. 48) (ÖVP), Hubert Dotzer sen. (Nr. 108) (SPÖ), Alois Kosch (Nr. 91) (SPÖ)
Der aus seiner Partei ausgeschlossene Altbürgermeister Josef Hacker dürfte sich mit der SPÖ wieder ausgesöhnt haben und zog rund zwölf Jahre nach seinem Parteiausschluss, und dem damit verbundenen unfreiwilligen Abschied aus der Gemeindepolitik, wieder in den Frättingsdorfer Gemeinderat ein.
1965-1970481
Wahlergebnis 1965
Wahlberechtigt: 268; zu vergebende Mandate: 13; abgegebene Stimmen: 249 (Wahlbeteiligung:92,9%), davon ungültig: 4; Die 245 gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Partei wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 181 (73,9 %) | 10 | 64 (26,1 %) | 3 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 24. April 1965 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Johann Neckam (ÖVP)
Vizebürgermeister: Leopold Berger (Nr. 59) (ÖVP)
geschäftsführender Gemeinderäte: Hubert Dotzer (Nr. 108) (SPÖ), Johann Neckam (Nr. 24) (ÖVP), Josef Fiby (Nr. 65) (ÖVP)
Gemeinderäte: Johann Schreiber (Nr. 79) (ÖVP), Josef Hacker (Nr. 1) (SPÖ), Johann Schodl (Nr. 20) (ÖVP), Michael Schwabauer (Nr. 12) (SPÖ), Josef Pichler (Nr. 69) (ÖVP), Josef Schaden (Nr. 112) (ÖVP), Anton Seiberler (Nr. 47) (ÖVP), Johann Fiby (ÖVP),
1970-1971482
Wahlergebnis 1970
Wahlberechtigt: 248; zu vergebende Mandate: 13; abgegebene Stimmen: 219 (Wahlbeteiligung: 88,3 %), davon ungültig: 2; Die 217 gültigen Stimmen verteilten sich auf die wahlwerbenden Partei wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 171 (78,8 %) | 11 | 46 (21,2 %) | 2 |
Der Gemeinderat setzte sich nach seiner konstituierenden Sitzung wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Johann Neckam, Landwirt (ÖVP)
Vizebürgermeister: Anton Seiberler Nr. 47, Landwirt (ÖVP)
geschäftsführender Gemeinderäte: Josef Hacker Nr. 1, Landwirt (SPÖ), Johann Neckam, Nr. 24 Kaufmann (ÖVP); Leopold Berger (Nr. 59), Landwirt (ÖVP)
Gemeinderäte: Josef Schaden (Nr. 112), Monteur (ÖVP); Josef Pflüger (Nr. 4), Molkereiarbeiter (ÖVP); Johann Schreiber (Nr. 97), Schmiedemeister (ÖVP); Hermann Schodl (Nr. 20), Landwirt (ÖVP); Rudolf Rabl (Nr. 109), Maurer (ÖVP); Josef Berger (Nr. 16), Landwirt (ÖVP); Ernst Hirmer (Nr. 81), Staplerfahrer (SPÖ)
Der geschäftsführende Gemeinderat und vormalige Bürgermeister Josef Hacker verstarb Ende des Sommers 1971, und aufgrund der unmittelbar bevorstehenden Gemeindezusammenlegung verzichtete die SPÖ-Fraktion auf die Nominierung eines Nachfolgers – sowohl für das Amt des geschäftsführenden Gemeinderats, als auch für das frei gewordene Gemeinderatsmandat.
Mit 1. Jänner 1972 wurde Frättingsdorf als Katastralgemeinde Teil der Großgemeinde Mistelbach. Nähere Hintergründe dazu im Beitrag „Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972„
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Frättingsdorf
Bisher existierte lediglich eine sehr rudimentäre und lückenhafte Auflistung der Bürgermeister der Gemeinde Frättingsdorf in der 1998 von Altbürgermeister Johann Neckam veröffentlichten „Heimatgeschichte von Frättingsdorf“.483 Diese konnte ergänzt und korrigiert werden, sodass sich nachfolgende Aufstellung ergibt:
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1861 | Franz Schmid |
| 1861-1867 | Franz Pichler |
| 1867-1875 | Leopold Ulram |
| 1875-1885 | Carl Schmatzberger |
| 1885-1888 | Adam Seiberler |
| 1888-1895 | Johann Kießner |
| 1895-1907 | ![]() Georg Zohmann (*1857, †1937) |
| 1907-1919 | ![]() Leopold Welzl (*1862, †1957) |
| 1919-1925 | Ferdinand Schaudy (*1882, †1925), Deutsche Wirtschaftspartei und Bauernbund (christlichsozial) |
| 1925-1930 | Josef Schaudy (*1891, †1930), Einheitsliste |
| 1931-1938 | ![]() Anton Seiberler, Einheitsliste |
| 1938-1942 | ![]() Leopold Pichler (*1878, †1957), NSDAP |
| 1942-1945 | ![]() Johann Scheiner |
| 1945-1947 | ungeklärt |
| 1947-1948 | ![]() Johann Scheiner, ÖVP |
| 1948-1953 | Josef Hacker, SPÖ |
| 1953-1957 | ![]() Anton Harmer, SPÖ |
| 1957-1958 | Leopold Stoiber (als Regierungskommissär (=Gemeindeverwalter) seitens der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach eingesetzt) |
| 1958-1971 | ![]() Johann Neckam (*1919, †2000), ÖVP |
Bildnachweis:
-) Foto Bgm. Georg Zohmann: Scan nach einem von Philipp Hödl zur Verfügung gestellten Original „Die Bürgermeister des Bezirks Mistelbach im Jahre 1902“
-) Portrait Leopold Welzl: Tenger, Ignaz: Österreichischer Bürgermeister-Almanach – 1848 – 1908; Jubiläums-Widmung zur Feier des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k.u.k. a. M. Franz Josef I. (1908)
-) Portrait Anton Seiberler: Ausschnitt Foto „Bei einer Feier von Pfarrer Körner in Frättingsdorf“, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Besitzers: Herbert Schmidt)
-) Portrait Leopold Pichler: das Foto stammt von der Webseite der FF Frättingsdorf und Nutzung des Foto erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Freiwilligen Feuerwehr Frättingsdorf
-) Portrait Johann Scheiner: Ausschnitt Foto „Bei einer Feier von Pfarrer Körner in Frättingsdorf“, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Besitzers: Herbert Schmidt)
-) Portrait Anton Harmer: Aglass, Erwin: Die Zweite Republik und ihre Repräsentanten – politische Leistung im Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges (1960), S. 763
-) Portrait Johann Neckam: das Foto stammt von der Webseite der FF Frättingsdorf und Nutzung des Foto erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Freiwilligen Feuerwehr Frättingsdorf
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Frättingsdorf im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1945-1971
Gemeindevertretung Siebenhirten (1850-1971)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Siebenhirten im Zeitraum 1850 bis 1971. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-18611
Bürgermeister: Josef Schaudy, Hofstätter
Gemeinderäte: M. Trischak, Viertellehner; G. Mayer, Dreiviertellehner;
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Simon Teimer, Halblehner; D. Fiby, Halblehner; L. Steingaßner, Halblehner; F. Schodl, Halblehner; M. Schiller, Halblehner; L. Vellner, Viertellehner; G. Bogner, Viertellehner; J. Gürschka, Viertellehner; J. Schaudy, Hofstätter
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Mitgliedern.
Laut der Siebenhirtner Ortsgeschichte von Prälat Stubenvoll soll Schaudy das Amt des Bürgermeisters am 12. Juni 1860 an seinen Nachfolger Josef Stubenvoll übergeben haben. Die ebenfalls in diesem Buch befindliche Information, dass bereits wieder 1860 Gemeindevertretungswahlen stattgefunden hätten, ist eine Fehlinformation, diese fanden erst 1861 statt.466
1861-1864484
Bürgermeister: Josef Stubenvoll
1. Gemeinderat: Josef Schaudy
2. Gemeinderat: Josef Tillich
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Johann Bogner, Franz Fiby, Franz Neidhardt, Franz Stubenvoll, Ignaz Strebl, Mathias Trischak, Johann Trischak, Johann Stadler, Anton Strebl – alle Landwirte;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1864-1867485
Bürgermeister: Josef Stubenvoll, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Tillich, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), und von den weiteren Mitgliedern ist lediglich Johann Bogner, Wirtschaftsbesitzer, überliefert.
Nach dem Tod von Josef Stubenvoll im Jahre 1866 übernahm Josef Schaudy neuerlich das Amt des Bürgermeisters für den Rest der Amtsperiode. In der Folge rückte Josef Tillich zum 1. Gemeinderat auf und als 2. Gemeinderat folgte Johann Bogner.
1867-1870486
Bürgermeister: Franz Fiby, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Stadler, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Mathias Heisinger, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1870-1873487
Bürgermeister: Johann Trischack, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ferdinand Ladner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1873-1876488
Bürgermeister: Johann Trischack, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ferdinand Ladner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1876-1879489
Bürgermeister: Johann Trischack, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Bogner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
Johann Bogner legte 1878 sein Amt als 2. Gemeinderat nieder, ihm folgte Franz Stubenvoll nach.
1879-1882490
Bürgermeister: Karl Heisinger, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Mathias Fiby, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Anton Strobl, Wirtschaftsbesitzer
Weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Franz Stubenvoll, Georg Bogner, Josef Tillich, Ägyd Gemeiner, Josef Stubenvoll
1882-1885491
Bürgermeister: Karl Heisinger, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Mathias Fiby, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Anton Strobl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
Im Ende des Jahres 1884 erschienenen Niederösterreichischen Amtskalender für das Jahr 1885 scheint Anton Strobl als Bürgermeister und als 2. Gemeinderat Anton Ströbl auf. Somit dürfte Strobl im Verlaufe des Jahres 1884 zum Bürgermeister gewählt worden sein. Die Gründe für das Ausscheiden bzw. die Amtsniederlegung von Heisinger sind nicht überliefert.
1885-1888492
Bürgermeister: Franz Stubenvoll, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Bogner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Trischak, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1888-1891493
Bürgermeister: Anton Strobl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Ströbl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Georg Bogner, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Ludwig Holzapfel, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Bogner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Tillich, Wirtschaftsbesitzer; Egyd Gmeiner, Wirtschaftsbesitzer; Michael Ladner, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Böhm, Wirtschaftsbesitzer; Matthias Trischak, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Fiby, Wirtschaftsbesitzer; Johann Meier, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Meier, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schaudy, Wirtschaftsbesitzer; Sebastian Rieder, Wirtschaftsbesitzer; Franz Heisinger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Mühlbauer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Stumvoll, Wirtschaftsbesitzer
1891-1894494
Im „Bote aus Mistelbach“ wird über die Wahl der Gemeindevertretung, die Ende August/Anfang September stattgefunden haben dürfte, berichtet, dass diese „… ganz glatt vor sich ging und [es] wurden die bewährtesten alten und einige neue Mitglieder gewählt.“ Der Gemeindeausschuss konstituierte sich bald darauf wie folgt:
Bürgermeister: Anton Strobl ( Nr. 46), Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Bogner (Nr. 40), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Stubenvoll (Nr. 14), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Mathias Trischak, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Neidhart, Wirtschaftsbesitzer; Karl Heisinger, Wirtschaftsbesitzer; Anton Trischak, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Fiby, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Böhm, Wirtschaftsbesitzer; Egidius Gemeiner, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Neidhart, Wirtschaftsbesitzer; Josef Mühlbauer, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Karl Schodl (Nr. 62), Wirtschaftsbesitzer; Johann Maier (Nr. 42), Wirtschaftsbesitzer; Ignaz Fiby (Nr. 20), Wirtschaftsbesitzer; Mathias Bogner (Nr. 22), Wirtschaftsbesitzer; Josef Schaudy (Nr. 69), Wirtschaftsbesitzer, Johann Trischak (Nr. 13), Wirtschaftsbesitzer
Im Sommer 1893 schied Josef Stubenvoll aus dem Gemeindevorstand aus und statt ihm wurde Mathias Fiby zum 2. Gemeinderat gewählt.495
Obwohl später im Jahresverlauf ohnedies Gemeindeausschusswahlen stattfanden, legte Bürgermeister Anton Strobl in den ersten Wochen des Jahres 1894 sein Amt als Bürgermeister zurück. Statt ihm wurde Georg Bogner zum Bürgermeister und Mathias Trischak zum 1. Gemeinderat gewählt.496
1894-1900497
Bürgermeister: Georg Bogner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Mathias Trischak, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Böhm, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Egidius Gemeiner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Stubenvoll, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Neidhart, Wirtschaftsbesitzer; Anton Trischak, Wirtschaftsbesitzer; Johann Trischak, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Fiby, Wirtschaftsbesitzer; Michael Ladner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Benitschka, Wirtschaftsbesitzer; Josef Mühlbauer, Wirtschaftsbesitzer;
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Johann Mayer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Trischak, Wirtschaftsbesitzer; Johann Fiby, Wirtschaftsbesitzer; Georg Böhm, Wirtschaftsbesitzer; Johann Mayer, Wirtschaftsbesitzer (Anm.: eine zweite Person gleichen Namens?); Josef Schaudy, Wirtschaftsbesitzer
1900-1906498
Bürgermeister: Georg Bogner, Wirtschaftsbesitzer;
1. Gemeinderat: Anton Trischack, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Joseph Mayer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1906-1913499
Die Gemeindeausschusswahl fand am 28. August 1906 statt und gegen das Ergebnis der Wahl wurde seitens der Minderheitspartei Protest bei der Statthalterei erhoben. Diesem wurde nicht stattgegeben, jedoch ergab sich dadurch eine Verzögerung bei der Konstituierung des Gemeindeausschusses, die erst am 8. Dezember 1906 – rund eine Woche nach der Entscheidung der Statthalterei – durchgeführt werden konnte. Der Gemeindeausschuss setzte sich daher wie folgt zusammen500:
Bürgermeister: Anton Trischack, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Stubenvoll, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Mayer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper), von diesen ist außer den oben Genannten lediglich Johann Trischack bekannt.
Nach dem Tod von Josef Mayer im März 1912 wurde Johann Trischack zum 2. Gemeinderat gewählt.501
1913-1919502
Die Gemeindeausschusswahl fand am 26. Dezember 1912 statt, sodass sich der Gemeindeausschuss erst zu Beginn des Jahres 1913 wie folgt konstituierte:
Bürgermeister: Anton Trischack, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Stubenvoll, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Stadler, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Johann Bogner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern. Neben den oben genannten Personen muss auch der spätere Bürgermeister Josef Trischack dem Gemeindeausschuss angehört haben.
Nach dem Tod von Josef Stadler im Mai 1916 blieb die Stelle des 2. Gemeinderats bis zur Gemeinderatswahl 1919 unbesetzt.
Im April 1919, und damit wenige Wochen vor den im Juni stattfindenden ersten Gemeinderatswahlen in der neuen Republik, wurde Bürgermeister Trischack krankheitsbedingt bzw. mit Rücksicht auf sein bereits fortgeschrittenes Alter, jedoch unter Anerkennung seiner Verdienste, seitens der nö. Landesregierung des Amtes enthoben. Daher wurde am 13. April 1919 Josef Trischack vom Gemeindeausschuss zum Bürgermeister gewählt.503
1919-1924504
Das Ergebnis der ersten Gemeinderatswahl im Jahre 1919 in Siebenhirten liegt leider nicht vor. Sehr wahrscheinlich dürfte nur eine Partei und zwar eine christliche Wirtschaftspartei kandidiert haben, dies legt jedenfalls die Art und Weise der Berichterstattung über die Kandidatur einer zweiten Partei bei den folgenden Wahlen nahe.
Bürgermeister: Josef Trischack, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Johann Bogner, Wirtschaftsbesitzer
geschäftsführende Gemeinderäte: Anton Strobl, Wirtschaftsbesitzer; Georg Weiß, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeinderat bestand aus 12 Mitgliedern.
1924-1929505
Leider liegt zur Gemeinderatswahl vom 30. November 1924 für Siebenhirten kein Detailergebnis vor. Es ist allerdings überliefert, dass sich im Vorfeld der Wahl neben der bisher die Gemeindepolitik dominierenden christlichen Wirtschaftspartei, eine zweite Partei aus Bauern, Kleinbauern und Pensionisten gebildet hat.506 Ob diese auch mit Vertretern in den Gemeinderat einzog, ist so wie die detaillierte Zusammensetzung des Gemeinderats für diese Periode nicht überliefert, lediglich die Spitze der Gemeindevertretung ist bekannt:
Bürgermeister: Josef Trischak, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Anton Ströbl
1929-1934507
Die Gemeinderatswahl vom 10. November 1929 brachte nachfolgendes Ergebnis:
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigte: 305; abgegebene gültige Stimmen: 251, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Christlichsoziale Partei | Landbund | Bauernbund | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 127 (50,6 %) | 7 | 79 (31,5 %) | 4 | 45 (17,9 %) | 2 |
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Trischak, Wirtschaftsbesitzer (Christlichsozial)
Vizebürgermeister: Georg Weiß (Christlichsozial)
Gemeinderäte: Josef Benitschka (Christlichsozial); Josef Bogner (Christlichsozial) Georg Böhm (Christlichsozial); Johann Hobersdorfer (Christlichsozial); Friedrich Trischack (Christlichsozial); Karl Mayer, Nr. 105 (Landbund); Adolf Mayer (Landbund); Franz Welzel (Landbund); Karl Leutner (Landbund); Josef Stubenvoll Nr. 32 (Bauernbund); Johann Böck Nr. 113 (Bauernbund)508 Wer von den vorstehend genannten Personen zu geschäftsführenden Gemeinderäten gewählt wurde, ist nicht überliefert.
1934-1938509
Für die Jahre 1934-1937 liegen lediglich die Informationen aus dem Österreichischen Amtskalender vor:
Bürgermeister: Josef Trischak
Bürgermeisterstellvertreter: Georg Weiß
1938-1945
Nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung wurde Georg Böhm als Gemeindeverwalter mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut.510 Ab Anfang des Jahres 1939 stellte sich die von den Nationalsozialisten eingesetzte Gemeindeführung wie folgt dar511:
Bürgermeister: Georg Böhm, Landwirt, Nr. 6;
Beigeordnete: Adolf Mayer, Landwirt, Nr. 42; Leopold Trischak, Landwirt, Nr. 7
Georg Böhm bekleidete das Amt des Bürgermeisters auch in den ersten Wochen der Besatzungszeit und legte dieses erst Ende Mai 1945 nieder.
1945-1950512
Johann Neydhart folgte Georg Böhm als Bürgermeister Ende Mai 1945 nach. Im August desselben Jahres scheint der provisorische Gemeinderat wie folgt auf:
Bürgermeister: Johann Neydhart (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Trischack (ÖVP)
Gemeinderäte: Josef Böhm, Martin Trischack, Karl Parsch
Ab dem Frühjahr 1946 gehörten die nachfolgend genannten Personen dem provisorischen Gemeinderat an, der sich nach einer konstituierenden Sitzung im Juni 1946 wie folgt gliederte:
Bürgermeister: Johann Neydhart (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Trischack (ÖVP)
geschäftsführender Gemeinderat: Karl Parsch
Gemeinderäte: Josef Trischack, Josef Schiller, Franz Griesmacher, Johann Bogner, Martin Trischack, Josef Böhm
Ab 1948 scheint statt dem offenbar ausgeschiedenen Franz Griesmacher nunmehr Leopold Schiller als Mitglied des provisorischen Gemeinderats auf.
Ab April 1949 scheint Josef Böhm zusätzlich als zweiter geschäftsführender Gemeinderat auf.
1950-1955513
Gemeinderatswahl 7. Mai 1950 514
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 305; abgegebene Stimmen: 277 (Wahlbeteiligung: 90,8 %); ungültig: 4, gültig: 273, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | Österreichischer Bauernbund (ÖVP-Liste) | SPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 128 (46,9 %) | 6 | 92 (33,7 %) | 5 | 53 (19,4 %) | 2 |
Bürgermeister: Johann Neydhart (ÖVP)
Vizebürgermeister: Karl Holzapfel515
Gemeinderäte: Josef Trischack, Matthias Trischack (SPÖ), Johann Bogner, Karl Ladner, Leopold Böhm, Franz Bogner, Rupert Ströbl, Josef Welzl, Ägydius Gemeiner, Josef Benitschka, Josef Fiby (SPÖ)516

Der Siebenhirtner Gemeinderat anlässlich eines Besuchs von Kardinal Innitzer 1952:
vorne sitzend Kardinal Theodor Innitzer;
1. Reihe stehend vlnr: Karl Holzapfel (Nr. 21), Bgm. Johann Neydhart (Nr. 59), der Fahrer des Kardinals, Pfarrer Hütter;
2. Reihe stehend vlnr: Josef Trischack (Nr. 13), Matthias Trischack (Nr. 120), Johann Bogner (Nr. 27);
3. Reihe stehend vlnr: Karl Ladner (Nr. 26), Leopold Böhm (Nr. 119), Franz Bogner (Nr. 40);
4. Reihe stehend vlnr: Rupert Ströbl (Nr. 17), Josef Welzl (Nr. 60), Ägydius Gemeiner (Nr. 20), Josef Benitschka (Nr. 4,) Josef Fiby (Nr. 43)
1955-1960517
Gemeinderatswahl 24. April 1955518
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 293; abgegebene Stimmen: 273 (Wahlbeteiligung: 93,2 %); ungültig: 85 gültig: 268, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | Österreichischer Bauernbund (ÖVP-Liste) | SPÖ | Wirtschaftspartei (ÖVP-Liste) | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 128 (47,8 %) | 7 | 63 (25,5 %) | 3 | 42 (15,7 %) | 2 | 35 (13,1 %) | 1 |
Nachdem Bürgermeister Neydhart angekündigte hatte bei der Gemeinderatswahl 1955 nicht mehr kandidieren zu wollen, kam es innerhalb der ÖVP zu heftigen Auseinandersetzungen betreffend die Erstellung der Kandidatenliste und natürlich darum, wer diese anführen sollte. Diese Uneinigkeit innerhalb der ÖVP führte dazu, dass diese schließlich mit drei (!) Listen bei der Wahl antrat. Bürgermeister Holzapfel dürfte es im Laufe der Amtsperiode jedoch gelungen sein die zerstrittene Partei wieder zu versöhnen und zu einen, da bei den folgenden Wahlen nur „eine“ ÖVP kandidierte.519
Nach der konstituierenden Sitzung vom 10. Mai 1955 setzte sich der Siebenhirtner Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Karl Holzapfel (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Bogner
geschäftsführende Gemeinderäte: Mathias Trischack (SPÖ), Josef Benitschka, Josef Welzel
Gemeinderäte: Ägydius Gemeiner, Josef Schiller, Heinrich Ströbl, Josef Fiby (SPÖ), Georg Böhm, Josef Trischack, Karl Mayer, Ludwig Stubenvoll
Eine Zuordnung der Gemeinderäte zu den einzelnen ÖVP-Listen war leider nicht möglich.
1960-1965520
Gemeinderatswahl 10. April 1960
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 290; abgegebene Stimmen: 274 (Wahlbeteiligung: 94,4 %); ungültig: 4, gültig: 270, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 231 (85,6 %) | 11 | 39 (14,4 %) | 2 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 28. Mai 1960 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Karl Holzapfel (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Bogner (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Ludwig Stubenvoll (ÖVP), Josef Welzel (ÖVP), Franz Trischack (ÖVP)
Gemeinderäte: Ägydius Gemeiner (ÖVP), Georg Böhm (ÖVP), Franz Ladner (ÖVP), Johann Trischak (SPÖ), Josef Fiby (SPÖ), Adolf Mayer (ÖVP), Mathias Benitschka (ÖVP), Josef Schiller (ÖVP)
In der Sitzung vom 1. Dezember 1960 rückte Johann Trischack für den verstorbenen Josef Schiller in den Gemeinderat nach.
1965-1970521
Gemeinderatswahl 1965522
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 270; abgegebene Stimmen: 258 (Wahlbeteiligung: 95,5 %); ungültig: 1, gültig: 257, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 208 (80,9 %) | 11 | 49 (19,1 %) | 2 |
In der konstituierenden Gemeinderatssitzung wurden zunächst Karl Holzapfel als Bürgermeister und Franz Bogner als Vizebürgermeister neuerlich in ihren Ämtern bestätigt.523 Doch bereits wenige später legte Holzapfel das Amt des Bürgermeisters nieder, sodass sich der Gemeinderat wie folgt neu konstituierte:
Bürgermeister: Franz Ladner (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Bogner (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Welzel (ÖVP), Ludwig Stubenvoll (ÖVP), Johann Trischack (Nr. 108) (ÖVP),
Gemeinderäte: Johann Trischak (Nr. 103) (SPÖ), Adolf Mayer (ÖVP), Josef Ladner (ÖVP), Josef Fiby (SPÖ), Josef Böhm (ÖVP), Leopold Schiller (ÖVP), Ägydius Gemeiner (ÖVP), Karl Holzapfel (ÖVP)
Altbürgermeister Karl Holzapfel teilte in der Sitzung vom 17.07.1965 die Niederlegung seines Gemeinderatsmandats mit. Für ihn rückt in der Sitzung vom 28.8.1965 Franz Körbel als Vertreter der ÖVP nach.
In der Sitzung vom 8. März 1966 wurde die schriftlich mitgeteilte Niederlegung des Gemeinderatsmandats von Josef Fiby zur Kenntnis genommen. Für die SPÖ rückte daher Franz Grohodolszky in der Sitzung vom 31. März 1966 in den Gemeinderat nach.
1970-1971524
Gemeinderatswahl 1970525
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 252; abgegebene Stimmen: 243 (Wahlbeteiligung: 96,4 %); ungültig: 1, gültig: 242, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 186 (76,9 %) | 10 | 56 (23,1 %) | 3 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 25. April 1970 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Ladner (ÖVP)
Vizebürgermeister: Johann Trischack (Nr. 108) (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Welzel (ÖVP), Ludwig Stubenvoll (ÖVP), Johann Trischak (Nr. 103) (SPÖ)
Gemeinderäte: Josef Böhm (ÖVP), Franz Körbel (ÖVP), Johann Schöfbeck (ÖVP), Adolf Mayer (ÖVP), Rudolf Böhm (ÖVP), Leopold Schiller (ÖVP), Josef Idinger (SPÖ), Johhann Meißl (SPÖ)
Nach dem Tode von Vizebürgermeister Johann Trischack Anfang November 1971 kommt es aufgrund der unmittelbar bevorstehenden Gemeindezusammenlegung zu keiner Ersatzwahl mehr.
Mit 1. Jänner 1972 wurde Siebenhirten als Katastralgemeinde Teil der Großgemeinde Mistelbach. Nähere Hintergründe dazu im Beitrag „Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972„
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Siebenhirten
Eine vollständige Auflistung der Bürgermeister der Gemeinde Siebenhirten findet sich in dem in den 1980er Jahren von Prälat Franz Stubenvoll veröffentlichten, ausführlichen Werk „Siebenhirten bei Mistelbach – Eine Geschichte des Ortes, seiner Herrschaft und seiner Pfarre“.526
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1860 | Josef Schaudy (*1807, †1892) |
| 1860-1866 | Josef Stubenvoll (*1816, †1866) |
| 1866-1867 | Josef Schaudy (*1807, †1892) |
| 1867-1870 | Franz Fiby (*1809, †1886) |
| 1870-1879 | Johann Tischack (*1824, †1908) |
| 1879-1884 | Karl Heisinger (*1837, †?) |
| 1884-1885 | ![]() Anton Strobl (*1840, †1914) |
| 1885-1888 | Franz Stubenvoll (*1827, †1898) |
| 1888-1894 | ![]() Anton Strobl (*1840, †1914) |
| 1894-1906 | ![]() Georg Bogner (*1843, †1910) |
| 1906-1919 | ![]() Anton Trischack (*1856, †1940) |
| 1919-1938 | ![]() Josef Trischack (*1869, †1952), Christlichsozial |
| 1938-1945 | ![]() Georg Böhm (*1890, †1967), NSDAP527 |
| 1945-1955 | ![]() Johann Neydhart (*1891, †1977), ÖVP |
| 1955-1965 | ![]() Karl Holzapfel (*1908, †1975), ÖVP |
| 1965-1971 | ![]() Franz Ladner (*1924, †2017), ÖVP |
Bildnachweis:
-) Gemeinderat 1952: Pfarrgemeinderat d. Pfarre zum hl. Rochus in Siebenhirten (Hrsg.): Festschrift 200 Jahre Pfarre Siebenhirten (1984), Bildteil Mitte, Abbildung 69
-) Portrait Anton Trischack: Tenger, Ignaz: Österreichischer Bürgermeister-Almanach – 1848 – 1908; Jubiläums-Widmung zur Feier des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k.u.k. a. M. Franz Josef I. (1908)
-) sämtliche weiteren Bürgermeisterportraits: Pfarrgemeinderat d. Pfarre zum hl. Rochus in Siebenhirten (Hrsg.): Festschrift 200 Jahre Pfarre Siebenhirten (1984), Abbildungen 82-89
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Siebenhirten im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1945-1971
Gemeindevertretung Eibesthal (1850-1971)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Eibesthal im Zeitraum 1850 bis 1971. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-18611
Bürgermeister: Ferdinand Karl sen., Wirtschaftsbesitzer
Gemeinderäte: Johann Loibl, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Lehner, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: M. Schwenk, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Eibel, Wirtschaftsbesitzer; Georg Zuschmann, Wirtschaftsbesitzer; Johann Hirtl, Wirtschaftsbesitzer; J. Steingaßner, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer; L. Czaby, Kleinhäusler; L. Mauer, Schuhmacher
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Mitgliedern.
Der Eibesthaler Gemeindeausschusses konstituierte sich Ende Juli 1850 und der in dieser Sitzung zum Bürgermeister gewählte Ferdinand Karl sen. bekleidete bereits seit 1848 das Amt des Ortsrichters, das als Vorgänger des Bürgermeisteramts angesehen werden kann.489 Nachdem die in der Revolution von 1848 errungenen demokratischen Rechte in den folgenden Jahren im Zuge des Neoabsolutismus wieder schrittweise zurückgenommen wurden, fanden bis 1861 keine weiteren Gemeindewahlen mehr statt. Die 1850 gewählten Personen blieben im Amt bzw. durften dieses nur aus triftigen Gründen niederlegen. Da keine gegenteiligen Informationen vorliegen, ist daher anzunehmen, dass Ferdinand Karl sen. bis 1861 das Amt des Bürgermeisters bekleidete.
1861-1864509
Bürgermeister: Georg Zuschmann, Landwirt
1. Gemeinderat: Ferdinand Karl (vermutlich sen.), Landwirt
2. Gemeinderat: Leopold Lehner, Landwirt
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Johann Loibl, Leopold Eibl, Leopold Schöfbeck, Johann Hirtl, Lorenz Schöbeck, Franz Schlemmer, Thaddäus Dietrich, Andreas Reisinger, Georg Strobl – alle Landwirte;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1864-1867510
Bürgermeister: Georg Zuschmann, Wirtschaftsbesitzer;
1. Gemeinderat: Leopold Lehner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1867-1870511
Bürgermeister: Ferdinand Karl jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Zuschmann, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Lehner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1870-1873512
Bürgermeister: Ferdinand Karl jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Strobl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Lorenz Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Andreas Weiß, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1873-1876514
Bürgermeister: Ferdinand Karl jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Ferdinand Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Schneider, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Georg Strobl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1876-1879515
Bürgermeister: Ferdinand Karl jun., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Strobl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Schneider, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Lorenz Öller, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Im November 1876 bzw. im April 1877 verstarben in Eibesthal zwei Personen namens Leopold Schneider, beide Landwirte und beide im Alter von 63 Jahren. Bei einem der beiden – dem 1877 verstorbenen Leopold Schneider, der im Haus Eibesthal Nr. 12 wohnhaft war – dürfte es sich wohl um den 2. Gemeinderat des Eibesthaler Gemeindeausschusses gehandelt haben. Im bereits Ende 1877 erschienenen Niederösterreichischen Amtskalender für das Jahr 1878 scheint Schneider nicht mehr auf und die Stelle des 2. Gemeinderates wird als „unbesetzt“ angeführt. Es erscheint allerdings merkwürdig, dass diese Stelle im Gemeindevorstand noch Monate nach dem Ableben des vorherigen Amtsinhabers weiterhin vakant war.
1879-1882518
Bürgermeister: Florian Fried, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ignaz Karl, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Michael Handl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1882-1885522
Bürgermeister: Josef Karl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Mathias Kummenecker, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ferdinand Köllner, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Lorenz Strobl, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Johann Pacher, Ignaz Karl, Markus Edelmann, Albert Frank, Stefan Wiener, Heinrich Fischer, Johann Hirtl und Leopold Schneider
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
1885-1888523
Bürgermeister: Josef Karl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Heinrich Fischer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Markus Edelmann, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Johann Hirtl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper). Von den weiteren Mitgliedern sind lediglich Leopold Strobl524 und wohl auch Stephan Wiener, beide Wirtschaftsbesitzer, überliefert.
Nach dem Ableben des 2. Gemeinderats Markus Edelmann im Mai 1886 übernahm Stephan Wiener, Wirtschaftsbesitzer, dieses Amt. Bei dem in den folgenden Perioden aufscheinenden Markus Edelmann dürfte es sich um einen gleichnamigen Neffen des Verstorbenen handeln.
1888-1891525
Bürgermeister: Josef Karl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Markus Edelmann, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Tobias Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Leopold Schneider (Nr. 31), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Albert Frank, Kleinhäusler; Andreas Weiß, Wirtschaftsbesitzer; Johann Fuhri, Schuhmacher; Leopold Strobl, Wirtschaftsbesitzer; Johann Kummenecker, Wirtschaftsbesitzer; Michael Eigner, Wirtschaftsbesitzer; Georg Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer; Josef Steingassner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Leopold Bachhammer, Kleinhäusler; Johann Fuhrmann, Kleinhäusler; Josef Steingassner, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Fried, Wirtschaftsbesitzer; Johann Scheiner, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
1891-1894528
Bürgermeister: Josef Karl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Kummenecker (Nr. 7), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Tobias Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Leopold Schneider (Nr. 31), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Andreas Weiß (Nr .150), Wirtschaftsbesitzer; Heinrich Fischer, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Bachhammer, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Köllner, Wirtschaftsbesitzer; Stefan Wiener, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Strobl, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Kummenecker, Wirtschaftsbesitzer; Josef Steingassner, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (6 aus dem 1. und 6 aus dem 2. Wahlkörper).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Anton Schiller, Wirtschaftsbesitzer; Johann Zehetner, Schuhmachermeister; Sylvester Eigner, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Fried, Wirtschaftsbesitzer; Johann Scheiner, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Luxbacher, Wirtschaftsbesitzer
1894-1900529
Bürgermeister: Johann Kummenecker, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Strobl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ferdinand Köllner, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Heinrich Fischer, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Markus Edelmann, Wirtschaftsbesitzer; Georg Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer; Sylvester Eigner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schneider, Wirtschaftsbesitzer; Tobias Schöbeck, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Schneider, Wirtschaftsbesitzer; Josef Steingaßner, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Kummenecker, Wirtschaftsbesitzer
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Leopold Köchl, Wirtschaftsbesitzer; Josef Dietzl, Wirtschaftsbesitzer; Lambert Dietrich, Wirtschaftsbesitzer; Josef Karl jun., Wirtschaftsbesitzer; Mathias Luxbacher, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Fried, Wirtschaftsbesitzer
1900-1906530
Die Gemeindeausschusswahl fand am 7. August und folgende Personen wurden gewählt531:
im III. Wahlkörper: Kletzer Franz, Wirtschaftsbesitzer, Karl Josef jun., Wirtschaftsbesitzer, Hammer Josef, Kaufmann, Ditzl Josef, Wirtschaftsbesitzer;
im II. Wahlkörper: Eigner Sylvester, Wirtschaftsbesitzer, Fried Thaddäus, Wirtschaftsbesitzer, Schneider Franz, Wirtschaftsbesitzer, Karl Franz, Wirtschaftsbesitzer;
im I. Wahlkörper: Strobl Leopold (Nr. 95), Wirtschaftsbesitzer, Kummenecker Johann, Wirtschaftsbesitzer, Schneider Leopold (Nr. 31), Wirtschaftsbesitzer, Schneider Josef (Nr. 56), Kaufmann
Nach der am 18. August 1900 stattgefundenen konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen532:
Bürgermeister: Johann Kummenecker, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Strobl (Nr. 95), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Leopold Schneider (Nr. 31), Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Sylvester Eigner, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Franz Kletzer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Hammer, Kaufmann; Josef Dietzl, Wirtschaftsbesitzer; Josef Karl jun., Wirtschaftsbesitzer; Thaddäus Fried, Wirtschaftsbesitzer; Franz Karl, Wirtschaftsbesitzer; Franz Schneider, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schneider (Nr. 56), Kaufmann
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (je 4 aus den drei Wahlkörpern).
1906-1912533
Bürgermeister: Leopold Strobl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Schneider, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Silvester Eigner, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Thaddäus Fried, Wirtschaftsbesitzer
Von den weiteren Mitgliedern des Gemeindeausschusses – den Gemeindebeiräten – ist lediglich Rudolf Wedra, Oberlehrer i.P. und Weinhändler überliefert.
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (je 4 aus den drei Wahlkörpern).
1912-1919534
Bürgermeister: Leopold Strobl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Kletzer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Markus Kettner, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Mathias Schöfbeck sen., Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand insgesamt aus 12 Mitgliedern (je 4 aus den drei Wahlkörpern).
1919-1924535
Das Ergebnis der ersten Gemeinderatswahl im Jahre 1919 in Eibesthal liegt leider nicht vor.
Bürgermeister: Mathias Schöfbeck sen., Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Karl Ludwig, Wirtschaftsbesitzer
geschäftsführende Gemeinderäte: Mathias Schöfbeck, Wirtschaftsbesitzer; Josef Fried, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeinderat bestand aus 12 Mitgliedern.
1924-1929536
Leider liegt zur Gemeinderatswahl vom 30. November 1924 für Eibesthal kein Detailergebnis vor. Es ist allerdings überliefert, dass zwei christliche Bauernparteien kandidierten und beide dürften mit Vertretern in den Gemeinderat eingezogen sein.537
Nach der konstituierenden Sitzung Anfang Jänner 1925 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen538:
Bürgermeister: Mathias Schöfbeck sen.
Vizebürgermeister: Heinrich Fischer
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Fried (Nr. 81), Leopold Graf (Nr. 122), Ferdinand Faber
Gemeinderäte: Jakob Karl, Johann Barisch, Heinrich Czaby, Johann Scheiner, Georg Schneider, Josef Karl (Nr. 35), Ferdinand Fried, Matthias Wilfing, Franz Frank
1929-1934539
Die Gemeinderatswahl vom 10. November 1929 brachte nachfolgendes Ergebnis:
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigte: 548; abgegebene gültige Stimmen: 353, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Christlichsoziale Bauernbundpartei | Kleine Wirtschaftspartei | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 197 (55,8 %) | 8 | 156 (44,2 %) | 7 |
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Mathias Schöfbeck sen.
Vizebürgermeister: Leopold Graf
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Fried, Heinrich Czaby, Johann Scheiner
Gemeinderäte: Josef Karl, Thaddäus Eigner, Ferdinand Fried, Michael Scheiner, Matthias Wilfing, Franz Strobl, Lambert Schön, Johann Kletzer, Jakob Strobl540
1934-1938541
Für die Jahre 1934-1937 liegen lediglich die Informationen aus dem Österreichischen Amtskalender vor:
Bürgermeister: Mathias Schöfbeck sen.
Bürgermeisterstellvertreter: Leopold Graf
Anfang 1938, also kurz bevor die Gemeindetage nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März desselben Jahres landesweit aufgelöst wurden, setzte sich der Gemeindetag wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Mathias Schöfbeck sen.
Bürgermeisterstellvertreter: Mathias Wilfing
Gemeindevertreter (=weiteren Mitglieder des Gemeindetages): Ferdinand Fried, Ferdinand Köllner, Franz Strobl (die ersten drei genannten dürften so etwas wie geschäftsführende Gemeinderäte gewesen sein – auch wenn die neue Gemeindeordnung derartiges nicht vorsah), Josef Karl, Andreas Grünwald, Georg Dietrich, Johann Schneider, Rudolf Schneider, Leopold Wallack, Leopold Kletzer, Johann Kummenecker, Ignaz Karl, Josef Schiller542
1938-1945
Nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung wurde Mathias Schöfbeck jun. als Gemeindeverwalter mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut und er löste somit seinen Vater an der Spitze der Gemeinde ab.543 Ab Anfang des Jahres 1939 stellte sich die von den Nationalsozialisten eingesetzte Gemeindeführung wie folgt dar544:
Bürgermeister: Mathias Schöfbeck jun., Fleischhauer
Beigeordnete: Mathias Wilfing (Nr. 110), Landwirt; Ferdinand Köllner (Nr. 32), Landwirt
Nach dem Tod von Mathias Schöfbeck jun. im Dezember 1942 leitete der Beigeordnete Ferdinand Köllner die Gemeindegeschäfte, bevor Johann Kummenecker seitens der NSDAP am 6. Juli 1943 für dieses Amt eingesetzt wurde.545 Bei Johann Kummenecker, der das Amt bis zum Zusammenbruch des NS-Staates innehatte, handelte es sich übrigens nicht um einen Sohn, sondern um den Neffen des gleichnamigen Bürgermeisters aus der Zeit 1894 bis 1906.
1945-1950546
Im September 1945 setzte sich der provisorische Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Ferdinand Fried (ÖVP)
Gemeinderäte: Josef Schöfbeck (Nr. 109) (ÖVP), Georg Dietrich (ÖVP), Johann Schneider (ÖVP), Franz Schober (ÖVP), Josef Schöfbeck (Nr. 4) (ÖVP), Adolf Prinz (ÖVP), Matthias Schöfbeck
Zu diesem Zeitpunkt bestand der Gemeinderat offenbar aus 8 Mitgliedern.
Anfgang 1946 bestand der Gemeinderat dann aus:
Bürgermeister: Ferdinand Fried (ÖVP)
Gemeinderäte: Josef Schöfbeck (Nr. 109) (ÖVP), Georg Dietrich (ÖVP), Emmerich Frank, Jakob Strobl (ÖVP), Lambert Schön (ÖVP), Franz Schober (ÖVP), Adolf Prinz (ÖVP), Matthias Schöfbeck (ÖVP)
Im Frühjahr 1946 wurden seitens der Landesregierung zusätzlich Johann Schneider (ÖVP), Markus Schöfbeck (SPÖ) und Sylvester Geyer (SPÖ) zu Gemeinderäten ernannt. Im Gegenzug schied Jakob Strobl aus dem Gemeinderat aus.
In der Gemeinderatssitzung vom 17. November 1946 wurde Lambert Schön zum Vizebürgermeister gewählt.
Im Herbst 1948 schied Johann Schneider aus dem Gemeinderat aus, für ihn folgte offenbar, allerdings mit einiger Verzögerung ab 1949 Georg Schneider als ÖVP-Vertreter nach.
1950-1955547
Gemeinderatswahl 7. Mai 1950 548
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 539; abgegebene Stimmen: 508 (Wahlbeteiligung: 94,2 %); ungültig: 2, gültig: 506, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | ÖVP – 2. Liste | SPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 333 (65,8 %) | 10 | 140 (27,7 %) | 4 | 33 (6,5 %) | 1 |
Bürgermeister: Leopold Kletzer (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Schöfbeck (Nr. 109) (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Johann Veigl (ÖVP), Leopold Karl (ÖVP), Anton Schiller (2. ÖVP Liste), Markus Schöfbeck (SPÖ)
Gemeinderäte: Mathias Graf (ÖVP), Mathias Schöfbeck (Nr. 161) (ÖVP), Adolf Prinz (ÖVP), Josef Zehetner (ÖVP), Leopold Scheiner (ÖVP), Jakob Strobl (ÖVP), Josef Schöfbeck (Nr. 4) (ÖVP), Johann Kletzer (2. ÖVP Liste), Leopold Schneider (2. ÖVP Liste)
1955-1960549
Gemeinderatswahl 24. April 1955550
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 528; abgegebene Stimmen: 499 (Wahlbeteiligung: 95,7 %); ungültig: 8, gültig: 491, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 460 (93,7 %) | 14 | 31 (6,3 %) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 10. Mai 1955 setzte sich der Eibesthaler Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Leopold Kletzer (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Schöfbeck (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Leopold Schneider (ÖVP), Leopold Scheiner (ÖVP), Matthias Graf (ÖVP), Georg Schneider (ÖVP)
Gemeinderäte: Adolf Prinz (ÖVP), Anton Schiller (ÖVP), Josef Strobl (ÖVP), Lambert Fried (ÖVP), Andreas Schöfbeck (ÖVP), Leopold Sedlak (ÖVP), Johann Boykovsky (ÖVP), Franz Schöfbeck (ÖVP), Markus Schöfbeck (SPÖ)
Im Juli 1957 schied Johann Boykovsky aufgrund seines Wegzugs aus Eibesthal aus dem Gemeinderat aus. Als Vertreter der ÖVP rückte Ferdinand Piwalt in der Sitzung vom 20. Juli 1957 in den Gemeinderat nach.
Nach dem Ableben des SPÖ-Mandatars Markus Schöfbeck Anfang Oktober 1957, wurde am 26. Oktober 1957 Josef Schöfbeck (Nr. 103) als neues Mitglied des Gemeinderats und einziger Vertreter der Sozialdemokraten angelobt.
1960-1965551
Gemeinderatswahl 10. April 1960
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 508; abgegebene Stimmen: 479 (Wahlbeteiligung: 94,3 %); ungültig: 1, gültig: 478, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 457 (95,6 %) | 15 | 21 (4,4 %) | – |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 25. April 1960 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Georg Schneider
Vizebürgermeister: Matthias Graf
Geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Strobl (Nr. 95), Lambert Fried, Lambert Schön, Johann Fried
Gemeinderäte: Ferdinand Grünwald, Georg Dietrich, Franz Schöfbeck, Andreas Schöfbeck, Josef Strobl (Nr. 210), Josef Strobl (Nr. 77), Adolf Ott, Leopold Wilfing, Josef Schöfbeck
In der Periode 1960 bis 1965 bestand der Gemeinderat ausschließlich aus Vertretern der ÖVP.
In der Gemeinderatssitzung vom 8. September 1962 legte Josef Strobl (Nr. 77) sein Mandat zurück und ihm folgte Josef Eigner nach.
1965-1970552
Gemeinderatswahl 1965553
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 497; abgegebene Stimmen: 479 (Wahlbeteiligung: 96,4 %); ungültig: 8, gültig: 471, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | ÖVP-Liste II | SPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 359 (76,2 %) | 12 | 64 (13,6 %) | 2 | 48 (10,2 %) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 23. April 1965 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Strobl (Nr. 95) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Lambert Schön (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Georg Schneider, Josef Schöfbeck (Nr. 147), Lambert Fried, Georg Dietrich
Gemeinderäte: Matthias Graf (ÖVP), Franz Schöfbeck (ÖVP), Johann Fried (ÖVP), Josef Eigner (ÖVP), Ferdinand Grünwald (ÖVP), Josef Strobl (Nr. 225) (ÖVP), Josef Schöfbeck (Nr. 109) (ÖVP II. Liste), Franz Grünwald (SPÖ)
Die 2. ÖVP Liste hatte bei der Gemeinderatswahl zwei Mandate errungen, allerdings fand sich auf der eingereichten Kandidatenliste nur eine Person, weshalb das zweite Mandat leer blieb. Daher waren nur 14 von 15 Gemeinderatsmandaten auch tatsächlich besetzt.
Josef Eigner teilte schriftlich die Niederlegung seines Mandats mit, was in der Sitzung vom 31. Jänner 1969 zur Kenntnis genommen wurde. In der Sitzung vom 11.Februar 1969 folgte ihm Ludwig Zehetner als Vertreter der ÖVP nach.
1970-1971554
Gemeinderatswahl 1970555
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 490; abgegebene Stimmen: 464 (Wahlbeteiligung: 94,7 %); ungültig: 3, gültig: 461, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | (ÖVP-)Wirtschaftsliste Schöfbeck | SPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 368 (79,9 %) | 13 | 51 (11,0 %) | 1 | 42 (9,1 %) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 21. April 1970 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Strobl (Nr. 95) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Lambert Schön (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Georg Dietrich (ÖVP), Josef Schöfbeck (ÖVP), Johann Fried (ÖVP), Lambert Fried (ÖVP)
Gemeinderäte: Franz Stättner (ÖVP), Josef Strobl (Nr. 225) (ÖVP), Josef Dietrich (ÖVP), Ludwig Zehetner (ÖVP), Karl Grünbaum (ÖVP), Karl Draxler (ÖVP), Michael Strobl (ÖVP), Ernst Schöfbeck (ÖVP Wirtschaftsliste – Schöfbeck), Anton Rauch (SPÖ)
Mit 1. Jänner 1972 wurde Eibesthal als Katastralgemeinde Teil der Großgemeinde Mistelbach. Nähere Hintergründe dazu im Beitrag „Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972„
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Eibesthal
Eine erste vollständige Auflistung veröffentlichte Prof. Hans Spreitzer 1972 in seinem Beitrag zur Geschichte Eibesthals in der Schriftenreihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart„.556 Ein Abgleich dieser Liste mit den Rechercheergebnissen im Zuge der Erstellung dieses Beitrags zeigte, dass diese einiger kleinerer Korrekturen bedurfte, und sich tatsächlich wie folgt darstellt:
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1861 | Ferdinand Karl sen. (*1802, †1888) |
| 1861-1867 | Georg Zuschmann (*1807, †1883) |
| 1867-1879 | ![]() Ferdinand Karl jun. (*1834, †1919) |
| 1879-1882 | Florian Fried (*1828, †1913) |
| 1882-1894 | Josef Karl (*1831, †1915) |
| 1894-1906 | ![]() Johann Kummenecker (*1841, †1926), christlichsozial557 |
| 1906-1919 | ![]() Leopold Strobl, (*1851, †1927) |
| 1919-1938 | ![]() Mathias Schöfbeck sen. (*1867, †1943), christlichsoziale Bauernbundpartei |
| 1938-1942 | ![]() Mathias Schöfbeck jun. (*1900, †1942), NSDAP558 |
| 1942-1943 | ![]() Ferdinand Köllner (*1884, †1951) – führte in seiner Funktion als 2. Beigeordneter interimistisch die Amtsgeschäfte |
| 1943-1945 | Johann Kummenecker (*1904, †1986), NSDAP559 |
| 1945-1950 | ![]() Ferdinand Fried (*1883, †1958), ÖVP |
| 1950-1960 | ![]() Leopold Kletzer (*1904, †1986), ÖVP |
| 1960-1965 | ![]() Georg Schneider (*1911, †1987), ÖVP |
| 1965-1971 | ![]() Josef Strobl (Nr. 95) (*1921, †1991), ÖVP |
Bildnachweis:
-) Foto Bgm. Johann Kummenecker (*1841, †1926): Scan nach einem von Philipp Hödl zur Verfügung gestellten Original „Die Bürgermeister des Bezirks Mistelbach im Jahre 1902“
-) Portrait Leopold Strobl: Tenger, Ignaz: Österreichischer Bürgermeister-Almanach – 1848 – 1908; Jubiläums-Widmung zur Feier des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k.u.k. a. M. Franz Josef I. (1908)
-) Portrait Schöfbeck sen.: „Fototafel Heimkehrer von Eibesthal aus dem Weltkrieg 1914-1918“ (Fotograf: Josef Plaschil) – zur Verfügung gestellt von den Herrn Leopold Arthold und Joe Strobl
-) Portrait Schöfbeck jun.: Ausschnitt Foto „Stelllung“, Topothek Mistelbach
-) Portrait Köllner: „Fototafel Heimkehrer von Eibesthal aus dem Weltkrieg 1914-1918“ (Fotograf: Josef Plaschil) – zur Verfügung gestellt von den Herrn Leopold Arthold und Joe Strobl
-) Portrait Fried: „Fototafel Heimkehrer von Eibesthal aus dem Weltkrieg 1914-1918“ (Fotograf: Josef Plaschil) – zur Verfügung gestellt von den Herrn Leopold Arthold und Joe Strobl
-) Portrait Kletzer: Ausschnitt Foto „Eibesthaler Kameradschaftsball 1961“, Topothek Mistelbach (Besitzer: Fam. Kern)
-) Portrait Schneider: Ausschnitt Foto „Eibesthaler Kameradschaftsball 1961“, Topothek Mistelbach (Besitzer: Fam. Kern)
-) Portrait Josef Strobl (Nr. 95): Ausschnitt Foto „Eibesthal Goldene Hochzeit“, Topothek Mistelbach (Besitzerin: Margarete Strobl)
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Eibesthal im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1945-1971
-) besonderer Dank an Joe Strobl für das Durchforsten der Eibesthaler Schulchronik bzw. alter Gemeindeunterlagen und die Zurverfügungstellung der Ergebnisse dieser Recherche
Gemeindevertretung Hörersdorf (1850-1971)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Hörersdorf im Zeitraum 1850 bis 1971. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-18611
Bürgermeister: Josef Rieder, Halblehner
Gemeinderäte: G. Leißer, Halblehner; M. Steingassner, Halblehner;
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Jakob Mechtler, Pfarrer; M. Wasinger, Schullehrer; G. Fiby, Halblehner; M. Weis, Halblehner; Martin Scheiner, Halblehner; L. Fally, Halblehner; M. Neckam, Halblehner; L. Heißinger, Halblehner; Anton Stacher, Halblehner
Wie die Recherchen von Frau Gertrude Schmidt belegen war Josef Rieder 1858 jedenfalls weiterhin im Amt.541 Da die 1850 gewählten Mitglieder des Gemeindeausschusses und auch der Bürgermeister ihre Ämter nur aus triftigen Gründen zurücklegen durften, kann wohl angenommen werden, dass er als Bürgermeister bis zu den nächsten Wahlen im Jahre 1861 wirkte.
1861-1864542
Bürgermeister: Martin Scheiner, Halblehner
1. Gemeinderat: Anton Stacher, Halblehner
2. Gemeinderat: Josef Steingassner
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Thalhammer, Jakob Wunsch, Franz Rieder, Martin Bösmüller jun., Martin Bösmüller sen., Bernhard Bösmüller, Oswald Fally sen., Mathias Schiffer, Anton Steingassner
1864-1867543
Bürgermeister: Oswald Fally sen., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Joseph Steingassner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Franz Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1867-1870544
Bürgermeister: Oswald Fally sen., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Joseph Steingassner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Franz Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1870-1873548
Bürgermeister: Oswald Fally sen., Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Joseph Steingassner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Franz Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
Nachdem Bürgermeister Oswald Fally senior Mitte Dezember des Jahres 1873 verstorben ist, kann trotz unbekanntem Wahltermin wohl dennoch angenommen werden, dass Fally als er verstarb das Amt des Bürgermeisters bereits abgegeben hatte.
1873-1876549
Bürgermeister: Johann Scheiner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Martin Bösmüller, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Anton Steingassner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1876-1879550
Bürgermeister: Jakob Wunsch, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Rieder, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Mathias Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1879-1882551
Bürgermeister: Mathias Rieder, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Bernhard Bösmüller, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Alexander Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1882-1885553
Bürgermeister: Mathias Rieder, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Bernhard Bösmüller, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Alexander Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1885-1888554
Bürgermeister: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Rieder, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Oswald Fally, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper).
1888-1892555
Bürgermeister: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Rieder (Nr. 9), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Oswald Fally, Wirtschaftsbesitzer;
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Amon, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Thalhammer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Fiby, Wirtschaftsbesitzer; Johann Bösmüller, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Weiß, Wirtschaftsbesitzer; Karl Binder, Wirtschaftsbesitzer; Josef Scheiner, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Schodl, Wirtschaftsbesitzer; Alexander Rieder, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Mitgliedern (entgegen den Angaben im niederösterreichischen Amtskalender jedenfalls seit dem Jahr 1888).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Rieder, Wirtschaftsbesitzer; Georg Wilfing, Wirtschaftsbesitzer; Georg Ehmayer, Wirtschaftsbesitzer; Andreas Gloner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Bogner, Wirtschaftsbesitzer; Franz Rieder, Wirtschaftsbesitzer
1892-1895560
Bürgermeister: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Rieder (Nr. 9), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Oswald Fally, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Mathias Rieder (Nr. 17), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Georg Ehmeyer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Rieder (Nr. 84), Wirtschaftsbesitzer; Josef Fiby, Wirtschaftsbesitzer; Johann Bösmüller (Nr. 80), Wirtschaftsbesitzer; Leopold Thalhammer, Wirtschaftsbesitzer; Martin Steingassner sen., Ziegelwerksbesitzer in Frättingsdorf; Johann Kopsch, Pfarrer; Johann Kienast, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Mitgliedern.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Anton Eder, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Stadlinger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Steingassner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Bösmüller I. (Nr. 33), Wirtschaftsbesitzer; Josef Bogner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Amon, Wirtschaftsbesitzer
1895-1900561
Bürgermeister: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Anton Rieder (Nr. 9), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Oswald Fally, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Mathias Rieder (Nr. 17), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Franz Rieder, Wirtschaftsbesitzer; Josef Amon, Wirtschaftsbesitzer; Alois Scheiner, Wirtschaftsbesitzer; Josef Bogner, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Thalhammer, Wirtschaftsbesitzer; Georg Ehmeyer, Wirtschaftsbesitzer; Johann Kienast, Wirtschaftsbesitzer; Josef Fiby, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Personen.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Johann Leißer, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Bößmüller, Wirtschaftsbesitzer; Anton Eder, Wirtschaftsbesitzer; Josef Bößmüller, Wirtschaftsbesitzer; Anton Fally, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Fiby, Wirtschaftsbesitzer;
1900-1906562
Bürgermeister: Oswald Fally, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Amon, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Bösmüller, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Franz Rieder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Personen.
1906-1912563
Bürgermeister: Johann Bösmüller (Nr. 51), Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Fiby, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Alois Scheiner, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Leopold Bösmüller, Wirtschaftsbesitzer
Weiters gehörten dem Gemeindeausschuss als Gemeindebeiräte an: Anton Bogner, Wirtschaftsbesitzer; Johann Bogner, Wirtschaftsbesitzer; Johann Bösmüller (Nr. 42), Wirtschaftsbesitzer; Josef Bösmüller, Wirtschaftsbesitzer; Anton Fally, Wirtschaftsbesitzer; Matthias Fally, Wirtschaftsbesitzer; Oswald Schittauf, Wirtschaftsbesitzer; Josef Steingassner, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Personen.
Erstaunlich ist, dass im Niederösterreichischen Amtskalender des Jahres 1913 (der bereits Ende des Jahres 1912 erschienen ist) ein gewisser Johann Bogner als Bürgermeister angeführt wird.564 Unklar ist, ob es sich dabei um ein Versehen handelt, oder ob Bösmüllers Amtszeit als Bürgermeister gerade im Jahr seiner Wiederwahl tatsächlich kurzzeitig unterbrochen wurde. Für gewöhnlich würde allerdings der erste Gemeinderat (oder einer der anderen Gemeinderäte) den Bürgermeister vertreten, sofern dieser an der Ausübung seines Amts gehindert gewesen wäre. Dieses Argument scheint eher für einen Irrtum zu sprechen, zumal sich auch in der damaligen Lokalpresse kein Hinweis zu einem kurzzeitigen Bürgermeisterwechsel findet und daher wurde Bogner auch nicht in die am Ende des Beitrags befindliche Bürgermeisterliste aufgenommen.
1912-1919565
Bürgermeister: Johann Bösmüller (Nr. 51), Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Fiby, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Bösmüller (Nr. 42), Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Anton Rieder (Nr. 41), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss als Gemeindebeiräte an: Ludwig Bösmüller, Oswald Schittauf, Anton Fally, Johann Fiby, Anton Rieder (Nr. 9), Michael Fritz, Josef Fally und Leopold Neckam
Der Gemeindeausschuss bestand aus 12 Personen.
1919-1924566
Bei der Gemeinderatswahl am 22. Juni 1919 waren in Hörersdorf 360 Personen wahlberechtigt, allerdings machten lediglich 196 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die schwache Wahlbeteiligung von nur 54% mag wohl auch in der Tatsache begründet sein, dass lediglich eine Partei kandidierte und zwar der Niederösterreichische Bauernbund. Bei 17 ungültigen Stimmen, entfielen somit 179 gültige Stimmen auf die Kandidaten des christlich-sozialen Bauernbundes.
Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Weiß (Nr. 49), Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Karpf, Wirtschaftsbesitzer; Franz Heusinger, Wirtschaftsbesitzer
Gemeinderäte: Anton Rieder, Ludwig Bösmüller, Oswald Schittauf, Josef Fally, Johann Fiby, Anton Fally, Josef Gail, Franz Weiß (Nr. 16)
Der Gemeinderat bestand aus 12 Mitgliedern.
1924-1929567
Bei der Gemeinderatswahl vom 30. November 1924 verteilen sich die gültig abgegebenen Stimmen wie folgt:
| Niederösterreichischer Bauernbund | Sozialdemokraten | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 279 (93,6%) | 12 | 19 (6,4%) | 0 |
Nach der konstituierenden Sitzung am 21. Dezember 1924 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Weiß (Nr. 49), Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeinderat an: Anton Rieder (Nr. 9), Franz Weiß (Nr. 16), Oswald Fally (Nr. 43), Ludwig Bösmüller (Nr. 10), Franz Heusinger (Nr. 76), Matthias Bogner (Nr. 44), Alois Scheiner (Nr. 48), Josef Bösmüller II. (Nr. 33)
Ersatzmänner: Oswald Schittauf (Nr. 66), Josef Bösmüller sen. (Nr. 80), Josef Gail (Nr. 94), Anton Fally (Nr. 28), Josef Neckam (Nr. 45), Martin Scheiner (Nr. 52), Johann Fiby (Nr. 74), Franz Amon (Nr. 14), Philipp Gloner (Nr. 7), Johann Neckam (Nr. 56), Franz Bittenauer (Nr. 91), Martin Scheiner (Nr. 37)
Der Gemeinderat bestand aus 12 Mitgliedern.
1929-1934568
Die Gemeinderatswahl vom 10. November 1929 brachte nachfolgendes Ergebnis:
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigte: 341; abgegebene gültige Stimmen: 303, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Christlich-Soziale Partei | Sozialdemokratische Arbeiterpartei | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 247 (81,5%) | 11 | 56 (18,5%) | 2 |
Entgegen vereinzelt anderslautender Angaben im sozialdemokratischen Regionalblatt „Volksbote“ handelte es sich 1929 offenbar bereits um den zweiten Versuch der Sozialdemokraten in den Hörersdorfer Gemeinderat einzuziehen.569 Es gelang ihnen diesmal zwei Mandate zu erringen und damit die seit 1919 bestehende Alleinherrschaft des Bauernbundes im Gemeinderat zu brechen. Die Christlich-Sozialen – 1929 hatten sich die katholisch-konservativen Kandidaten des Bauernbundes unter dieser Bezeichnung gesammelt – waren darüber, dass es nun eine zweite Partei im Gemeinderat gab, offenbar wenig erfreut. Im „Volksbote“ beklagten die Sozialdemokraten, dass sie seitens der Mehrheitsfraktion von der Mitwirkung an der Gemeindearbeit ausgeschlossen würden bzw. ihnen keine Einsicht in die Gemeindebücher gewährt werde.570
Nach der konstituierenden Sitzung am 1. Dezember 1929 setzte sich der Hörersdorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Weiß (Nr. 49), Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
Die weiteren Mitgliedern des damaligen Gemeinderates sind nicht überliefert.
1934-1938571
Bürgermeister: Franz Weiß, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeisterstellvertreter: Leopold Neckam, Wirtschaftsbesitzer
Über die weitere Zusammensetzung des Gemeindetages liegen keine Informationen vor.
1938-1945
Bürgermeister Weiß blieb auch nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung als Gemeindeverwalter mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut.572 Ab Anfang des Jahres 1939 wurde folgende Gemeindeführung eingesetzt573:
Bürgermeister: Franz Weiß, Landwirt
Beigeordnete: Franz Heusinger (Nr. 76), Landwirt; Leopold Eichelberger (Nr. 18), Landwirt
Weiß bekleidete das Amt des Bürgermeisters bis 1940, als er von Josef Schmatzberger abgelöst wurde. Als Bürgermeisterstellvertreter scheint 1942, vermutlich aber bereits seit 1940, Leopold Eichelberger auf.574
1945-1950
Unmittelbar nach Kriegsende wurde Josef Thalhammer (ÖVP) als Bürgermeister eingesetzt, er bekleidete dieses Amt bis zum November 1945.575 In der sozialdemokratischen Regionalzeitung „Volkstribüne“ findet sich der Hinweis, dass sein Rücktritt als Bürgermeister mit Vorwürfen Lebensmittel der Ablieferung hinterzogen zu haben in Zusammenhang stehe. Thalhammer gehörte nach Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister, jedoch weiterhin dem Gemeinderat an, was auf Seiten der Sozialdemokraten für Fassungslosigkeit sorgte.576
Mit 2. Juni 1946 konstituierte sich der provisorische Gemeinderat für Hörersdorf wie folgt:
Bürgermeister: Josef Bösmüller II. (Nr. 33) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Anton Scheiner (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Franz Pernold (SPÖ)
Gemeinderäte: Anton Bogner (ÖVP), Josef Thalhammer (ÖVP), Franz Amon (ÖVP), Josef Bogner (ÖVP), Oswald Fiby (ÖVP), Franz Stubenvoll (SPÖ), Anton Karpf (ÖVP), Matthias Bogner (ÖVP)
Mit 17. November 1947 konstituierte sich der provisorische Gemeinderat für Hörersdorf wie folgt577:
Bürgermeister: Josef Bösmüller II. (Nr. 33) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Anton Scheiner (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Anton Karpf (ÖVP), Franz Pernold (SPÖ)
Gemeinderäte: Franz Amon (ÖVP), Anton Bogner (ÖVP), Josef Thalhammer (ÖVP), Josef Bogner (ÖVP), Oswald Fiby (ÖVP), Franz Stubenvoll (SPÖ), Matthias Bogner (ÖVP)
Da es im Vergleich zum vorherigen provisorischen Gemeinderat keine personelle Veränderung gab ist der Sinn dieser Neukonstituierung unklar. Möglicherweise war diese jedoch durch die Erweiterung des Gemeindevorstandes, also die Schaffung eines weiteren geschäftsführenden Gemeinderates notwendig.
Bis zu den ersten Gemeinderatswahlen im Jahre 1950 schied Franz Stubenvoll aus dem Gemeinderat aus, ihm folgte als Vertreter der SPÖ Franz Ströbl nach.
1950-1955579
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 317; abgegebene Stimmen: 301 (Wahlbeteiligung: 95,0%); ungültig: 7, gültig: 294, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 200 (68,0%) | 9 | 94 (32,0%) | 4 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 22. Mai 1950 setzte sich der Hörersdorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Bösmüller II. (Nr. 33) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Martin Scheiner (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Franz Ströbl (SPÖ), Anton Bogner (ÖVP)
Gemeinderäte: Franz Bittenauer (SPÖ), Josef Bösmüller (Nr. 42) (ÖVP), Johann Bösmüller (ÖVP), Ludwig Bösmüller (ÖVP), Josef Bogner (ÖVP), Oswald Fiby (ÖVP), Ferdinand Gahr (SPÖ), Franz Pernold (SPÖ), Johann Rieder (ÖVP)
Nach dem Tod von Bürgermeister Josef Bösmüller II. (Nr. 33) im November 1950 wurden in der Gemeinderatssitzung vom 26. November 1950 Martin Scheiner zum Bürgermeister und Oswald Fiby zum Vizebürgermeister gewählt. Auf das vakant gewordene ÖVP-Mandat im Gemeinderat rückte Karl Koppensteiner nach. Aufgrund eines Formalfehlers musste die Wahl des Bürgermeisters am 9. Dezember 1950 wiederholt werden, die allerdings dasselbe Ergebnis brachte.
1955-1960580
Gemeinderatswahl 24. April 1955581
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 334; abgegebene Stimmen: 317 (Wahlbeteiligung: 94,9%); ungültig: 7, gültig: 310, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 220 (71,0%) | 9 | 90 (29,0%) | 4 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 14. Mai 1955 setzte sich der Hörersdorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Bösmüller jun. (Nr. 80) (ÖVP)
Vizebürgermeister: (Altbgm.) Martin Scheiner (ÖVP)
geschäftsführende Gemeinderäte: Franz Ströbl (SPÖ), Oswald Fiby (ÖVP)
Gemeinderäte: Josef Amon (ÖVP), Albin Bittenauer (SPÖ), Johann Bösmüller (ÖVP), Josef Bösmüller (Nr.33), (ÖVP) Josef Bogner (ÖVP), Karl Frantz (SPÖ), Ferdinand Gahr (SPÖ), Franz Gloner (ÖVP), Roman Gschwindl (ÖVP)
Mit Schreiben vom 25. Jänner 1958 teilte Karl Frantz dem Gemeinderat seinen Austritt aus der SPÖ und die Niederlegung seines Mandats mit. Dies wurde in der Sitzung vom 9. Februar 1958 zur Kenntnis genommen und für die SPÖ rückte Leopold Schneider in den Gemeinderat nach.
1960-1965582
Gemeinderatswahl 10. April 1960
zu vergebende Mandate: 14; Wahlberechtigt: 381; abgegebene Stimmen: 304 (Wahlbeteiligung: 79,8%); ungültig: 2, gültig: 302, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | Wirtschaftspartei | SPÖ | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 164 (54,3%) | 7 | 95 (31,5%) | 4 | 42 (14,2%) | 2 |
Bei der Gemeinderatswahl 1965 kandidierte neben ÖVP und SPÖ, auch die „Wirtschaftspartei“ – offenbar eine zweite ÖVP-nahe Liste. Die beiden Listen dürften jedoch bald nach der Wahl wieder zueinander gefunden haben, da in den Gemeinderatsprotokollen später elf ÖVP-Mandatare angeführt werden.
Nach der konstituierenden Sitzung vom 28. April 1960 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Bösmüller jun. (Nr. 80) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Amon (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Weiß (Wirtschaftspartei), Oswald Fiby (ÖVP), Josef Bösmüller III. (Nr. 33) (ÖVP)
Gemeinderäte: Albin Bittenauer (SPÖ), Ludwig Bösmüller (Wirtschaftspartei), Anton Scheiner (ÖVP), Lambert Schmatzberger (ÖVP), Leopold Schneider (SPÖ), Josef Thalhammer (ÖVP), Alois Treimer (Wirtschaftspartei), Herbert Weiß (Wirtschaftspartei)
1965-1970583
Gemeinderatswahl 1965584
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 306; abgegebene Stimmen: 270 (Wahlbeteiligung: 88,2%); ungültig: 2, gültig: 268, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 197 (73,5%) | 10 | 71 (26,5%) | 3 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 22. April 1965 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Bösmüller jun. (Nr. 80) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Amon (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Oswald Fiby (ÖVP), Josef Bösmüller III. (Nr. 33) (ÖVP), Oswald Leisser (SPÖ)
Gemeinderäte: Albin Bittenauer (SPÖ), Walter Koppensteiner (ÖVP), Martin Scheiner (ÖVP), Anton Scheiner (ÖVP), Anton Bogner (ÖVP), Anton Schmid (SPÖ), Ludwig Strebl (ÖVP), Gottfried Steingassner (ÖVP)
1970-1971585
Gemeinderatswahl 1970586
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 288; abgegebene Stimmen: 267 (Wahlbeteiligung: 92,7%); ungültig: 2, gültig: 265, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 197 (74,3%) | 10 | 68 (25,7%) | 3 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 21. April 1970 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Josef Bösmüller III. (Nr. 33) (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Amon (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Anton Scheiner (ÖVP), Herbert Weiß (ÖVP), Leopold Zieger (SPÖ)
Gemeinderäte: Anton Schmid (SPÖ), Franz Bogner (ÖVP), Walter Koppensteiner (ÖVP), Josef Steingassner (ÖVP), Martin Scheiner (ÖVP), Ludwig Strebl (ÖVP), Johann Bittner (ÖVP), Herbert Böhm (SPÖ)
Leider konnte nicht alle Gemeinderäte den beiden im Gemeinderat vertretenen Parteien zugeordnet werden.
Mit 1. Jänner 1972 wurde Hörersdorf als Katastralgemeinde Teil der Großgemeinde Mistelbach. Nähere Hintergründe dazu im Beitrag „Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972„
Übersicht über die Hörersdorfer Bürgermeister
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1861 | Josef Rieder (*1804, †1883) (betreffend den Zeitraum 1858 bis 1861 siehe Anmerkung am Beginn des Beitrag) |
| 1861-1863 | Martin Scheiner (*1818, †1895) |
| 1863-1874 | Oswald Fally sen. (*1813, †1873) |
| 1874-1876 | Johann Scheiner |
| 1876-1879 | Jakob Wunsch |
| 1879-1885 | Mathias Rieder (*1825, †1899) |
| 1885-1900 | Leopold Neckam (*1844, †1908) |
| 1900-1906 | ![]() Oswald Fally (*1854, †1936) |
| 1906-1919 | ![]() Johann Bösmüller (*1859, †1943) |
| 1919-1940 | ![]() Franz Weiß (*1876, †1954), Bauernbund/Christlichsozial |
| 1940-1945 | Josef Schmatzberger (*1891, †1974), NSDAP |
| 1945-1946 | ![]() Josef Thalhammer (*1905, †1992), ÖVP |
| 1946-1950 | ![]() Josef Bösmüller II. (Nr. 33) (*1892, †1950), ÖVP |
| 1950-1955 | ![]() Martin Scheiner (*1902, †1996), ÖVP |
| 1955-1970 | ![]() Josef Bösmüller jun. (Nr. 80) (*1912, †1970), ÖVP587 |
| 1970-1971 | ![]() Josef Bösmüller III. (Nr. 33) (*1923, †1995), ÖVP |
Bildnachweis:
-) Portrait Oswald Fally: Ausschnitt Sterbebild, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Besitzerin: Gertrude Schmidt)
-) Portrait Johann Bösmüller: Tenger, Ignaz: Österreichischer Bürgermeister-Almanach – 1848 – 1908; Jubiläums-Widmung zur Feier des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k.u.k. a. M. Franz Josef I. (1908)
-) Portrait Franz Weiß: Ausschnitt Sterbebild, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Besitzerin: Gertrude Schmidt)
-) Portrait Josef Thalhammer: Ausschnitt „Hochzeit Maria Scheiner und Josef Thalhammer“, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Besitzers: Gottfried Steingassner)
-) Portrait Josef Bösmüller senior (Nr. 33): Ausschnitt Foto „Freiwillige Feuerwehr Hörersdorf 1924“, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Besitzers: Gottfried Steingassner)
-) Portrait Martin Scheiner: Ausschnitt Foto „Teilnehmer der Landwirtschaftlichen Fortbildungsschule“, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Besitzerin: Leopoldine Steingassner)
-) Portrait Josef Bösmüller jun. (Nr. 80): Aglas, Erwin: Die Zweite Österreichische Republik und ihre Repräsentanten – politische Leistung im Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges (1960), S. 140
-) Portrait Josef Bösmüller III. (Nr. 33): „Josef Bösmüller – Hörersdorf“, Topothek Mistelbach (Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Besitzerin: Marlen Amon)
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Niederösterreichischen bzw. Österreichischen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Hörersdorf im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1946-1971
Gemeindevertretung Ebendorf (1850-1966)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Ebendorf im Zeitraum 1850 bis 1966. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-18611
Bürgermeister: Georg Sinnreich, Viertellehner
Gemeinderäte: P. Hartl, Ganzlehner; Anton Binder, Müller
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: J. Schefbeck, Halblehner; G. Schmidt, Ganzlehner; J. Sedelmeier, Viertellehner; L. Osofski, Schmied; Dominik Brodmann, Viertellehner
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
Nachdem die in der Revolution von 1848 errungenen demokratischen Rechte in den folgenden Jahren im Zuge des Neoabsolutismus wieder schrittweise zurückgenommen wurden, fanden bis 1861 keine weiteren Gemeindewahlen mehr statt. Die 1850 gewählten Personen blieben im Amt bzw. durften dieses nur aus triftigen Gründen niederlegen. Univ.-Prof. Dr. Mitscha-Märheim schreibt, dass Sinnreichs Amtszeit als Bürgermeister nur bis 1858 währte. Allerdings führt er dessen Nachfolger Brodmann – vermutlich in Ermangelung von Quellen – auch erst ab 1864 als Bürgermeister an (tatsächlich jedoch bereits ab 1861).542 Möglicherweise folgte Brodmann direkt auf Sinnreich – leider gibt es keine Quellen zu diesem Zeitraum.
1861-1864550
Bürgermeister: Dominik Brodmann, Landwirt
1. Gemeinderat: Josef Donhauser, Gutsverwalter
2. Gemeinderat: Dominik Sünder, Landwirt
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Weiß, Ferdinand Fallenbiegl sen., Ferdinand Stadler, Georg Pleyl, Mathias Weiner – alle Landwirte;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
1864-1867551
Bürgermeister: Dominik Brodmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Weiß, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Mathias Weiner, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie einem gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigten Vertreter des Barnabitenkollegiums in Mistelbach.
1867-1870568
Bürgermeister: Dominik Brodmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Carl Huber, Gastwirt
2. Gemeinderat: Ferdinand Fallenbiegl sen., Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie einem gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigten Vertreter des Barnabitenkollegiums in Mistelbach.
1870-1873569
Bürgermeister: Dominik Brodmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Carl Huber, Gastwirt
2. Gemeinderat: Ferdinand Fallenbiegl sen., Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie einem gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigten Vertreter des Barnabitenkollegiums in Mistelbach. Nachdem er das Gut Ebendorf erworben hatte ging dieses Recht 1871 auf Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim über (Fälschlicherweise wird diese Änderung im Nö. Amtskalender erst ab 1877 angeführt).
1873-1876571
Bürgermeister: Joseph Wimmer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Carl Huber, Gastwirt
2. Gemeinderat: Ferdinand Fallenbiegl sen., Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1876-1879572
Bürgermeister: Joseph Wimmer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Pleil, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Carl Hirtl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß § 17 der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1879-1882575
Bürgermeister: Joseph Wimmer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Pleil, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Carl Hirtl, Wirtschaftsbesitzer
Dem Gemeindeausschuss gehörten an: Balthasar Veigl (Nr. 7), Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Fallenbiegl (Nr. 8), Wirtschaftsbesitzer; Josef Höller (Nr. 71), Wirtschaftsbesitzer; Mathias Gail (Nr. 62), Wirtschaftsbesitzer; Anton Frank (Nr. 52), Wirtschaftsbesitzer, und Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1882-1885580
Bürgermeister: Mathias Weiner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Joseph Wimmer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Georg Sünder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1885-1888581
Bürgermeister: Lorenz Brodmann, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Mathias Weiner (Nr. 40), Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Balthasar Veigl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1888-1891583
Bürgermeister: Franz Lehner, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Sinnreich, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Matthias Weiner (Nr. 29), Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Lambert Bloderer, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Brodmann, Wirtschaftsbesitzer; Matthias Weiner (Nr. 40), Wirtschaftsbesitzer; Josef Binder (Nr. 10), Wirtschaftsbesitzer; Vincenz Schimmer, Wirtschaftsbesitzer; sowie Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß § 17 der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Johann Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Sidy, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Fallenbiegl (Nr. 8), Wirtschaftsbesitzer; Josef Wimmer, Wirtschaftsbesitzer
1891-1894584
Bürgermeister: Ferdinand Fallenbiegl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Sünder, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Binder, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Franz Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Georg Sinnreich, Wirtschaftsbesitzer; Lambert Bloderer, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Bader, Wirtschaftsbesitzer; Josef Weiß, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus 8 gewählten Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper), sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Johann Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer; Josef Sidy, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Holzer, Wirtschaftsbesitzer; Vincenz Schimmer, Wirtschaftsbesitzer
1894-1900586
Bürgermeister: Ferdinand Fallenbiegl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Sünder, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Binder, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Johann Wiesinger, Wirtschaftsbesitzer; Franz Trögl, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Bader, Wirtschaftsbesitzer; Josef Sidy, Wirtschaftsbesitzer; Josef Weiß, Wirtschaftsbesitzer; Ferdinand Stadler, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus 9 gewählten Mitgliedern, sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Leopold Riepl, Wirtschaftsbesitzer; Mathias Weiner, Wirtschaftsbesitzer; Iganz Bloderer, Wirtschaftsbesitzer
1900-1906587
Bürgermeister: Ferdinand Fallenbiegl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Georg Sünder, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Binder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 9 gewählten Mitgliedern, sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
1906-1912588
Bürgermeister: Ferdinand Fallenbiegl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Lehner, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Weiß, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Lambert Veigl, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 9 gewählten Mitgliedern, sowie Gutsbesitzer Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war. Nach dem Ableben von Dr. Joseph Ritter Mitscha von Märheim im Jahre 1907 ging dieses Recht auf Dr. Hermann Ritter Mitscha von Märheim über.
1912-1919589
Bürgermeister: Ferdinand Fallenbiegl, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Trögl, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Weiß, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Josef Veigl, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss als Gemeindebeiräte an: Franz Lehner, Wirtschaftsbesitzer; Johann Weinmayer (Nr. 58), Wirtschaftsbesitzer; Karl Sünder, Wirtschaftsbesitzer; Lorenz Grischany, Wirtschaftsbesitzer; Matthias Loibl, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand aus 9 gewählten Mitgliedern, sowie Gutsbesitzer Dr. Hermann Ritter Mitscha von Märheim, der gemäß der damals gültigen nö. Gemeindeordnung zum Eintritt ohne Wahl berechtigt war.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Ferdinand Stadler, Rupert Holzer, Josef Hirtl, Matthias Gail, Josef Weiner und Josef Schimmer
1919-1924590
Das Ergebnis der ersten Gemeinderatswahl im Jahre 1919 in Ebendorf liegt leider nicht vor.
Bürgermeister: Josef Veigl, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Karl Sünder, Wirtschaftsbesitzer
geschäftsführende Gemeinderäte: Matthias Gail, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Richard, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeinderat bestand aus 10 Mitgliedern.
1924-1929
Zum Ergebnis der Gemeinderatswahl vom 30. November 1924 liegen für Ebendorf leider keinerlei Informationen vor. Nachdem anzunehmen ist, dass so wie 1929 Bürgermeister Veigl auch in den Jahren zuvor mit einer eigenen Liste antrat und damit weder Christlich-Soziale noch Sozialdemokraten in Ebendorf angetreten sind, scheinen die Ergebnisse dieser Wahl auch nicht in deren Parteiblättern auf.
Aus dem Österreichischen Amtskalender sind uns lediglich die Spitzenvertreter der Gemeinde für diese Periode bekannt591:
Bürgermeister: Josef Veigl, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Karl Sünder, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeinderat bestand aus 10 Mitgliedern.
1929-1934592
Die Gemeinderatswahl vom 10. November 1929 brachte nachfolgendes Ergebnis:
zu vergebende Mandate: 11; Wahlberechtigte: 236; abgegebene gültige Stimmen: 167, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| „Veigl-Partei“ | Kleine Wirtschaftspartei | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 125 (74,9 %) | 8 | 42 (25,1 %) | 3 |
Zwar war bereits im Dezember 1921 eine sozialdemokratische Lokalorganisation in Ebendorf gegründet worden593, allerdings trat diese 1929 (und wohl auch im Jahr 1924) nicht mit einer Liste bei der Gemeinderatswahl an. Trotzdem sie in Ebendorf nicht kandidierten erhielten die Sozialdemokraten bei dieser Wahl 46 Stimmen, die letztlich als ungültig zu werten waren. Wie war das möglich? Es war damals üblich, dass die Parteien eigene Stimmzettel verteilten, deren Verwendung neben den amtlichen Stimmzetteln erlaubt war und so dürfte es zu diesen ungültigen Stimmen für die Sozialdemokraten gekommen sein. Diese Tatsache erklärt auch die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich große Differenz von 69 Stimmen zwischen der Zahl der Wahlberechtigten und den abgegebenen gültigen Stimmen. Durch das Nichtantreten bzw. fehlende Kommunikation mit ihren potenziellen Wählern verschenkten die Sozialdemokraten hier rund 21 % der Stimmen und (mindestens) zwei sichere Mandate, die sie ohne jeglichen Wahlkampfaufwand erhalten hätten.594
Bürgermeister: Josef Veigl, Wirtschaftsbesitzer
Vizebürgermeister: Leopold Weiner
geschäftsführende Gemeinderäte:
Von den weiteren neun Mitgliedern des damaligen Gemeinderates sind lediglich überliefert.
1934-1938595
Bürgermeister: Josef Veigl, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeisterstellvertreter: Leopold Weiner
Über die weitere Zusammensetzung des Gemeindetages liegen keine Informationen vor.
1938-1945
Bürgermeister Veigl blieb auch nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung als Gemeindeverwalter mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut.596 Ab Anfang des Jahres 1939 setzte sich die Gemeindeführung dann wie folgt zusammen597:
Bürgermeister: Franz Gössinger (Nr. 4), Landwirt
Beigeordnete: Martin Lehner (Nr. 9), Gast- und Landwirt – auch Bürgermeisterstellvertreter; Georg Veigl (Nr. 7), Landwirt
1945-1950
Nach Kriegsende 1945 bis zum Frühjahr 1947 war Karl Weinmayer (ÖVP) Bürgermeister von Ebendorf. Seitens der SPÖ wurden in deren Parteiblatt „Volkstribüne“ immer wieder schwere Vorwürfe betreffend Veruntreuungen und Amtsmissbrauch gegenüber Weinmayer erhoben. Diese Anschuldigungen dürften schließlich dazu geführt haben, dass ihm auch die eigene Partei die Unterstützung versagte und Weinmayer abgesetzt wurde. Doch selbst nach seiner Absetzung wurde Weinmayer seitens der Sozialdemokraten Urkundenfälschung vorgeworfen, denn er soll sich unrechtmäßig Zugang zum Dienstsiegel der Gemeinde verschafft haben und selbiges eigenmächtig zur (nachträglichen) Bestätigung von Dokumenten benutzt haben.598
Ab dem Frühjahr 1947 bis 1950 scheinen dann folgende Personen an der Spitze der Gemeinde auf599:
Bürgermeister: Jakob Richard (ÖVP)
Vizebürgermeister: August Burisch (SPÖ)
geschäftsführende Gemeinderäte: Georg Sidy (SPÖ), Josef Weiner (KPÖ);
Die weiteren Gemeinderäte sowie deren Anzahl sind nicht überliefert.
1950-1955600
Gemeinderatswahl 7. Mai 1950 601
zu vergebende Mandate: 11; Wahlberechtigt: 247; abgegebene Stimmen: 226 (Wahlbeteiligung: 91,5%); ungültig: -, gültig: 226, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | Linksblock (KPÖ) | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 119 (52,7 %) | 6 | 86 (38,0 %) | 4 | 21 (9,3 %) | 1 |
Abgesehen vom Bürgermeister ist die Zusammensetzung des Gemeinderates erst ab dem Juli 1953 überliefert, sodass allfällige personelle Änderungen in den ersten drei Jahren der Amtsperiode nicht nachvollziehbar sind. Ebenso ist unbekannt, wer dem Gemeindevorstand angehörte.
Bürgermeister: Jakob Richard (ÖVP)
Gemeinderäte: Franz Bloderer (ÖVP), August Burisch (SPÖ), Anton Binder (ÖVP), Georg Sidy (SPÖ), Franz Klimesch (SPÖ), Josef Gindl (SPÖ), Rudolf Pichler (Linksblock), Robert Lehner (ÖVP), Rudolf Koppitz (ÖVP), Georg Sinnreich (ÖVP)
1955-1960602
Gemeinderatswahl 24. April 1955603
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 258; abgegebene Stimmen: 247 (Wahlbeteiligung: 95,7 %); ungültig: 2, gültig: 245, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | Volksopposition (KPÖ) | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 147 (60,0 %) | 8 | 79 (32,2 %) | 4 | 19 (7,8 %) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 15. Juni 1955 setzte sich der Ebendorfer Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Jakob Richard (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Bloderer (ÖVP)
Gemeinderäte: Franz Klimesch (SPÖ), Anton Binder (ÖVP), Georg Sinnreich (ÖVP), Jaroslav Boycek (ÖVP), Josef Hollaus (ÖVP), Robert Lehner (ÖVP), Leopold Weiner (ÖVP), August Burisch (SPÖ), Franz Honsa (SPÖ), Johann Bauer (SPÖ), Frieda Pichler (Volksopposition)
Frieda Pichler (Volksopposition – KPÖ) ist neben der ebenfalls im Jahr 1955 in Lanzendorf in den Gemeinderat gewählten Sozialdemokratin Maria Achatz, die erste Frau die auf dem Gebiet der späteren Großgemeinde Mistelbach in den Gemeinderat gewählt wurde und dies 15 Jahre (!) bevor eine Frau erstmals in den Mistelbacher Gemeinderat einzog.
Ende Mai 1957 schied Jaroslav Boycek aus dem Gemeinderat aus und auf das frei gewordene Mandat der ÖVP folgte Rudolf Schmid nach.
Ab März 1958 findet sich bei Frieda Pichler in den Gemeinderatsprotokollen der Vermerk „vom Bürgermeister beurlaubt“, und ab Juni 1958 scheint statt ihr schließlich Franz Janka als Vertreter der unter dem Listennamen „Volksopposition“ bei den Wahlen angetretenen Kommunisten auf. Weitere Informationen zu den Umständen, die zum Ausscheiden Pichlers aus dem Gemeinderat geführt haben, liegen nicht vor. Ihr Nachfolger Franz Janka entwickelte jedenfalls eine sehr aktive Öffentlichkeitsarbeit, indem er in den Jahren 1958 bis 1960 mehr oder minder regelmäßig ein politisches Informationsblatt mit dem Titel „Nachrichten aus der Gemeinde Ebendorf“ herausgab. Es dürfte sich dabei um das erste lokale Parteiblatt auf dem Gebiet der späteren Großgemeinde Mistelbach gehandelt haben, denn von anderen Parteien sind keine derartigen ortsspezifischen Publikationen aus jener Zeit überliefert.
1960-1965604
Gemeinderatswahl 10. April 1960
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 246; abgegebene Stimmen: 227 (Wahlbeteiligung: 92,3 %); ungültig: 2, gültig: 225, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | Kommunisten und Linkssozialisten | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 136 (60,4 %) | 8 | 78 (34,7 %) | 5 | 11 (4,9 %) | – |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 19. Mai 1960 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Jakob Richard (ÖVP)
Vizebürgermeister: Franz Bloderer (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: August Burisch (SPÖ) – ansonsten unklar, wer außerdem dem Gemeindevorstand angehörte
Gemeinderäte: Franz Klimesch (SPÖ), Anton Binder (ÖVP), Josef Hollaus (ÖVP), Leopold Weiner (ÖVP), Franz Honsa (SPÖ), Hanno Mitscha-Märheim (ÖVP), Ferdinand Fallenbiegl (ÖVP), Rudolf Schmid (ÖVP), Josef Burisch (SPÖ), Johann Gindl (SPÖ)
Nach dem Ableben von August Burisch wurde Johann Bauer jun. mit der Sitzung vom 9. Mai 1961 als Vertreter der SPÖ als Gemeinderat angelobt. Das Amt des geschäftsführenden Gemeinderates, das Burisch innegehabt hatte, übernahm Franz Klimesch.
Nachdem Leopold Weiner mit 27. November 1964 aus dem Gemeinderat ausgeschieden war, rückte Franz Draxler als Vertreter der Volkspartei in den Gemeinderat nach.
1965-1966605
Gemeinderatswahl 1965606
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 234; abgegebene Stimmen: 224 (Wahlbeteiligung: 95,7 %); ungültig: 1, gültig: 223, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 145 (65,0 %) | 9 | 78 (35,0 %) | 4 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 9. Juni 1965 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Hanno Mitscha-Märheim (ÖVP)
Vizebürgermeister: Rudolf Schmid (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Anton Binder (ÖVP), Ernst Trunner (ÖVP), Johann Bauer (SPÖ)
Gemeinderäte: Josef Burisch (SPÖ), Johann Gindl (SPÖ), Johann Paar (ÖVP), Josef Hollaus (ÖVP), Franz Draxler (ÖVP), Ignaz Bloderer (SPÖ), Ferdinand Fallenbiegl (ÖVP), Josef Gössinger (ÖVP)
In der Gemeinderatssitzung vom 23. Jänner 1966 wird Heinz Burisch als Nachfolger für den Ende 1965 aufgrund Wegzugs ausgeschiedenen Johann Bauer angelobt. Auf Vorschlag der SPÖ-Fraktion wird Heinz Burisch darüber hinaus zum geschäftsführenden Gemeinderat gewählt.
Der Gemeinderat von Ebendorf etwa im ersten Halbjahr 1966607:
1. Reihe (sitzend) vlnr: Ernst Trunner, Vzbgm. Rudolf Schmid, Bgm. Hanno Mitscha-Märheim, Anton Binder, Heinz Burisch
2. Reihe vlnr: Ferdinand Fallenbiegl, Josef Hollaus, Franz Draxler, Johann Gindl,
3. Reihe vlnr: Josef Gössinger, Ignaz Bloderer, Johann Paar, Josef Burisch
Mit 2. August 1966 legte Ernst Trunner sein Gemeinderatsmandat nieder, da er aus beruflichen Gründen aus Ebendorf wegzog. In der Gemeinderatssitzung vom 25. September 1966 folgte Georg Weis (Nr. 59) ihm als Vertreter der ÖVP in den Gemeinderat nach. Das von Trunner innegehabte Amt des geschäftsführenden Gemeinderates übernahm Ignaz Bloderer.
Bereits im November 1966 wurde aufgrund der bevorstehenden Eingemeindung eine Neuwahl des Mistelbacher Gemeinderates unter Einbeziehung der Bevölkerung von Lanzendorf und Ebendorf abgehalten, sodass als Ebendorf mit 1. Jänner 1967 Teil der Gemeinde Mistelbach wurde, auch der neu zusammengesetzte Mistelbacher Gemeinderat seine Arbeit aufnehmen konnte.
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Ebendorf
Eine erste Auflistung veröffentlichte Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim in seinem 1971 erschienenen Buch „Eine kleine Geschichte von Ebendorf bei Mistelbach“.608. Diese wurde im Zuge der Erstellung dieses Beitrags überarbeitet, ergänzt und in manchen Fällen korrigiert, sodass sich folgende Liste ergibt:
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1858 | Georg Sinnreich |
| 1858-1861 | ? – betreffend diese Lücke darf auf die Anmerkungen bei der Periode 1850-1861 am Beginn des Beitrags verwiesen werden. |
| 1861-1873 | Dominik Brodmann |
| 1873-1882 | Joseph Wimmer |
| 1882-1885 | Mathias Weiner |
| 1885-1888 | Lorenz Brodmann |
| 1888-1891 | Franz Lehner |
| 1891-1919 | ![]() Ökonomierat Ferdinand Fallenbiegl (*1856, †1933) |
| 1919-1938 | ![]() Josef Veigl (*1879, †1949), „Veigl-Partei“ |
| 1938-1945 | ![]() Franz Gössinger (*1897, †1962), NSDAP609 |
| 1945-1947 | Karl Weinmayer, ÖVP |
| 1947-1965 | ![]() Jakob Richard (*1902, †1995), ÖVP |
| 1965-1966 | ![]() Hanno Mitscha-Märheim (*1930, †1994), ÖVP |
Bildnachweis:
-) letzter Ebendorfer Gemeinderat 1966: Mitscha-Märheim, Univ.-Prof. Dr. Herbert: Eine kleine Geschichte von Ebendorf bei Mistelbach (1971), S.
-) Portrait Fallenbiegl: Tenger, Ignaz: Österreichischer Bürgermeister-Almanach – 1848 – 1908; Jubiläums-Widmung zur Feier des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k.u.k. a. M. Franz Josef I. (1908)
-) Portrait Veigl: Ausschnitt Foto „Gründer FF Ebendorf“, Topothek Mistelbach (Besitzer: Franz Bloderer)
-) Portrait Gössinger: Ausschnitt Foto „Musterung 1943“, Topothek Mistelbach (Besitzer: Georg Henz)
-) Portrait Richard: Aglas, Erwin: Die Zweite Österreichische Republik und ihre Repräsentanten – politische Leistung im Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges (1960), S. 280
-) Portrait Mitscha-Märheim: Ausschnitt Foto „Ehrung Feuerwehr“, Topothek Mistelbach (Besitzer: Popofsits)
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Ebendorf im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1953-1966
Gemeindevertretung Lanzendorf (1850-1966)
Dieser Beitrag ist der Versuch der Rekonstruktion der Gemeindevertretungen unter Berücksichtigung der Wahlperioden und Einbeziehung der überlieferten Ergebnisse der Gemeindewahlen während der Zeit der Existenz der selbstständigen Gemeinde Lanzendorf im Zeitraum 1850 bis 1966. Zwecks Begriffserläuterung bzw. Darstellung der Entwicklung der gewählten Organe der Gemeindevertretung im Laufe der Zeit und des damit verbundenen Wahlrechts wird ein gesonderter Beitrag auf diesem Blog erscheinen.
1850-18611
Bürgermeister: Josef Kothmayer, Halblehner
Gemeinderäte: F. Faber, Halbblehner; Georg Panzer, Schuhmacher
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: F. Klingisch, Viertellehner; F. Kothmayer, Dreiviertellehner; F. Kothmayer sen., Ganzlehner; Jacob Kothmayer, Halblehner; Jacob Kothmayer sen., Ganzlehner; L. Matz, Viertellehner; G. Schiller, Viertellehner; M. Sedelmeier, Viertellehner; F. Strobl, Dreiviertellehner;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1861-1864572
Bürgermeister: Josef Kothmayer, Landwirt
1. Gemeinderat: Georg Panzer, Schuhmacher
2. Gemeinderat: Jakob Kothmayer, Landwirt
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Josef Bauer, Landwirt; Andreas Gspan, Fassbinder; Georg Kainz, Landwirt; Franz Kothmayer, Landwirt; Josef Kothmayer, Landwirt; Franz Newald, Landwirt; Lorenz Richter, Landwirt; Paul Schön, Landwirt; Josef Strobl, Landwirt;
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1864-1867573
Bürgermeister: Georg Panzer, Schuhmacher
1. Gemeinderat: Franz Binder, Müller
2. Gemeinderat: Paul Schön, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern (4 aus dem 1. und 4 aus dem 2. Wahlkörper)
1867-1870592
Bürgermeister: Georg Panzer, Schuhmacher
1. Gemeinderat: Joseph Bauer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Michael Rieth, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
1870-1873593
Bürgermeister: Franz Schön, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Joseph Bauer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Franz Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
1873-1876594
Bürgermeister: Franz Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Michael Rieth, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Lambert Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
1876-1879595
Bürgermeister: Leopold Stacher, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Michael Rieth, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Franz Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
1879-1882596
Bürgermeister: Leopold Stacher, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Sieber, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
1882-1885600
Bürgermeister: Michael Rieth, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Leopold Stacher, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Sieber, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 8 Mitgliedern.
1885-1888601
Bürgermeister: Lambert Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Lorenz Schön, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Josef Faber, Wirtschaftsbesitzer
Von den insgesamt 8 Mitgliedern des Gemeindeausschusses ist außer den obengenannten Personen lediglich der Wirtschaftsbesitzer Franz Schön überliefert.
1888-1892603
Bürgermeister: Lambert Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Franz Klingisch, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Johann Sieber, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Jakob Tatzer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schweinwerther, Wirtschaftsbesitzer; Franz Kainz, Wirtschaftsbesitzer; Franz Förster, Wirtschaftsbesitzer; Franz Schön, Wirtschaftsbesitzer; Leopold Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
Entgegen der Angabe im niederösterreichischen Amtskalender dürften dem Gemeindeausschuss jedenfalls bereits ab 1888 9 statt 8 Mitglieder angehört haben.
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Mathias Sieber, Wirtschaftsbesitzer; Paul Kusselbauer, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schöffböck, Hausbesitzer
1892-1896604
Bürgermeister: Lambert Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Koch, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Ernest Nekam, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Leopold Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer Nr. 70; Franz Schön, Wirtschaftsbesitzer; Josef Faber, Wirtschaftsbesitzer; Paul Kußelbauer, Wirtschaftsbesitzer; Jakob Tatzer, Wirtschaftsbesitzer Nr. 75; Franz Kainz, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus 9 Mitgliedern (siehe Anmerkung zur Periode 1888-1892).
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Josef Tatzer, Wirtschaftsbesitzer Nr. 67; Mathias Sieber, Wirtschaftsbesitzer; Johann Schiller, Wirtschaftsbesitzer
1896-1900606
Bürgermeister: Franz Schön, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Faber, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Franz Klingisch, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss an: Johann Sieber, Wirtschaftsbesitzer; Josef Schweinwerther, Wirtschaftsbesitzer; Johann Koch, Wirtschaftsbesitzer; Lambert Kothmayer sen., Wirtschaftsbesitzer; Ernest Nekam, Wirtschaftsbesitzer; Franz Forster Wirtschaftsbesitzer;
Als Ersatzmänner wurden gewählt: Matthäus Schön, Wirtschaftsbesitzer; Johann Parsch, Schuhmacher; Ernest Eigner, Wirtschaftsbesitzer;
Der Gemeindeausschuss bestand bereits seit 1888 und nicht erst wie im Niederösterreichischen Amtskalender ab 1898 angegeben aus insgesamt 9 Mitgliedern bestanden zu haben.
1900-1906608
Bürgermeister: Franz Schön, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Josef Faber, Wirtschaftsbesitzer
2. Gemeinderat: Franz Klingisch, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 9 Mitgliedern.
1906-1913610
Bürgermeister: Franz Schön, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Parsch, Schuhmachermeister
2. Gemeinderat: Michael Schiller, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Florian Pretz, Wirtschaftsbesitzer
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
1913-1919611
Die Gemeindeausschusswahl fand am 26. Jänner 1913 statt und es wurden in drei Wahlkörpern jeweils vier Kandidaten gewählt. Nach der konstituierenden Sitzung setzte sich der Gemeindeausschuss wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Franz Schön, Wirtschaftsbesitzer
1. Gemeinderat: Johann Parsch, Schuhmachermeister
2. Gemeinderat: Michael Schiller, Wirtschaftsbesitzer
3. Gemeinderat: Florian Pretz, Wirtschaftsbesitzer
weiters gehörten dem Gemeindeausschuss als Gemeindebeiräte an: Johann Koch, Hermann Körbel, Leopold Kothmayer, Josef Meißl, Leopold Schiller, Martin Schiller, Matthias Schön, Leopold Stacher
Der Gemeindeausschuss bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
Bei der Wahl 1913 dürften erstmals auch sozialdemokratische Kandidaten (zumindest scheinen einige davon später als Mandatare dieser Partei auf) angetreten sein. Da im Gegensatz zu den Reichsratswahlen, wo seit 1907 das allgemeine und gleiche Männerwahlrecht galt, auf Gemeindeebene bis zum Untergang der Monarchie das die ärmeren Bevölkerungsschichten ausschließende bzw. benachteiligende Kurienwahlrecht herrschte, war dieses Antreten nicht erfolgreich.
1919-1924612
Das Ergebnis der Gemeinderatswahl 1919 ist leider nicht überliefert. Da sich in Lanzendorf erst 1922 eine sozialdemokratische Lokalorganisation gründete613, war diese Partei bei den ersten Gemeinderatswahlen 1919 jedenfalls nicht angetreten.
Bürgermeister: Peter Kraus, Müllermeister
Vizebürgermeister: Leopold Kothmayer, Wirtschaftsbesitzer
Von den weiteren zehn Mitgliedern des Gemeinderates sind lediglich die nachfolgend genannten Herren bekannt: Hermann Körbel, Eduard Kothmayer, Martin Schiller, Leopold Stacher, August Tatzer
Der Gemeinderat bestand aus insgesamt 12 Mitgliedern.
Im Juni 1924 legte Bürgermeister Kraus sein Amt aufgrund von Arbeitsüberlastung nieder, er gehörte jedoch weiterhin dem Gemeinderat an.614 Als sein Nachfolger wurde der bisherige Vizebürgermeister Leopold Kothmayer gewählt, der dieses Amt bis zur turnusgemäßen Neuwahl des Gemeinderats im November des selben Jahres ausübte.615
1924-1929616
Die Gemeinderatswahl am 30. November 1924 brachte nachfolgendes Ergebnis:
Wirtschaftspartei: 9 Mandate; Sozialdemokraten: 67 Stimmen und 3 Mandate617
Vielerorts schlossen sich Christlich-Soziale und Großdeutsche unter dem Listennamen „Wirtschaftspartei“ zusammen, um geschlossen gegen die Sozialdemokraten aufzutreten. Denn obwohl in Lanzendorf eigentlich kein Wahlsieg der Sozialdemokraten zu erwarten war, einte die Sorge/Angst vor einem roten Bürgermeister ihre politischen Gegner.
Die konstituierende Sitzung fand am 26. Dezember 1924 statt und brachte folgendes Ergebnis:
Bürgermeister: Josef Elbling (Wirtschaftspartei)
Vizebürgermeister: Jakob Tatzer (Wirtschaftspartei)
geschäftsführende Gemeinderäte: Johann Schweinwerther (Wirtschaftspartei), Anton Vielnascher (Sozialdemokratische Partei)
Gemeinderäte: Josef Achatz (Sozialdemokratische Partei), Johann Fallnbigl (Wirtschaftspartei), Leopold Klinisch (Wirtschaftspartei), Franz Koch (Wirtschaftspartei), Paul Kuselbauer (Wirtschaftspartei), Paul Lind (Sozialdemokratische Partei), Josef Pausch (Wirtschaftspartei), Josef Schöfbeck (Wirtschaftspartei)
Der Gemeinderat bestand aus insgesamt12 Mitgliedern.
1929-1934618
Die Gemeinderatswahl vom 10. November 1929 brachte nachfolgendes Ergebnis:
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigte: 307; abgegebene gültige Stimmen: 263, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| Wirtschaftspartei | Sozialdemokraten | Landbund und Großdeutsche Volkspartei | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 172 (65,4%) | 9 | 67 (25,5%) | 3 | 24 (9,1%) | 1 |
Unter dem Namen „Landbund und Großdeutsche Volkspartei“ kandidierten in Lanzendorf die Anhänger bzw. Vertreter der Heimwehr. Seitens der Sozialdemokraten wurde kritisiert, dass die „Hahnenschwanzler“ versuchten gesinnungslose Wähler mit Wein, Wurst und Speck „zu kaufen“.619 Nachdem sie jedoch nur ein Mandat erzielen konnten, scheint diese Strategie nicht allzu erfolgreich gewesen zu sein, und das Ergebnis blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Nachdem das bei dieser Wahl neu hinzugekommene 13. Mandat an den Landbund ging, ergab sich für Wirtschaftspartei und Sozialdemokraten mandatsmäßig keine Veränderung gegenüber der Wahl im Jahr 1924.620
Bürgermeister: Josef Elbling (Wirtschaftspartei)
Vizebürgermeister: Johann Schweinwerther (Wirtschaftspartei)
geschäftsführende Gemeinderäte: Franz Koch (Wirtschaftspartei); Josef Achatz (Sozialdemokratische Partei)
Von den weiteren neun Mitgliedern des damaligen Gemeinderates sind lediglich Paul Lind und Josef Kopp (beide: Sozialdemokratische Partei) überliefert.
1934-1938621
Bürgermeister: Josef Elbling
Bürgermeisterstellvertreter: Johann Schweinwerther
Über die weitere Zusammensetzung des Gemeindetages liegen keine Informationen vor.
1938-1945
Bürgermeister Elbling führte nach dem sogenannten „Anschluss“ und der Auflösung des Gemeindetags durch Beschluss der von den Nationalsozialisten eingesetzten Landesregierung zunächst als Gemeindeverwalter weiterhin die Amtsgeschäfte,622 bevor er Anfang des Jahres 1939 neuerlich zum Bürgermeister ernannt wurde.
Die Gemeindevertretung setzte sich ab diesem Zeitpunkt wie folgt zusammen623:
Bürgermeister: Josef Elbling, Landwirt, Nr. 126
Beigeordnete: Josef Schwediauer, Obermüller, Nr. 17 (auch Bürgermeisterstellvertreter)624; Franz Stubenvoll, Landwirt, Nr. 42
Elbling war der einzige Bürgermeister der einst selbstständigen Gemeinden der späteren Großgemeinde Mistelbach, der in den 1920er Jahren demokratisch gewählt wurde und auch während der gesamten Dauer der NS-Herrschaft im Amt blieb.
1945-1950
Unmittelbar nach Einmarsch der sowjetischen Truppen wurden Josef Schön und Leopold Klinisch (beide später ÖVP) von der Besatzungsmacht als Bürgermeister-Doppelspitze eingesetzt.625
Von 1946 bis 1948 scheinen dann folgende Personen an der Spitze der Gemeinde auf626:
Bürgermeister: Rudolf Kothmayer, Landwirt (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Kothmayer (KPÖ)
Gemeinderäte: Paul Lind (KPÖ); Die weiteren Gemeinderäte sind nicht überliefert, lediglich die Mandatsverteilung ist bekannt: ÖVP 5 Mandate, SPÖ 4 Mandate, KPÖ 2 Mandate627 – somit gehörten dem Gemeinderat 11 Personen an.
Die SPÖ war bei den nach dem Krieg abgehaltenen Nationalrats- und Landtagswahlen in Lanzendorf als stimmenstärkste Partei hervorgegangen und da sich an diesen Wahlergebnissen grundsätzlich auch die Zusammensetzung des provisorischen Gemeinderates orientierte, stellten die Sozialdemokraten – wie für die stimmenstärkste Partei üblich – den Anspruch auf das Amt des Bürgermeisters. Diese relative Mehrheit spiegelte sich in der Mandatsverteilung, die auf einer Vereinbarung der drei Ortsparteien und damit auch der Zustimmung der SPÖ beruhte, allerdings nicht wider (siehe oben) und ein ungewöhnliches Zweckbündnis zwischen ÖVP und KPÖ im Lanzendorfer Gemeinderat verwehrte der SPÖ nicht nur das Amt des Bürgermeisters, sondern auch jenes des Vizebürgermeisters. Dies sorgte naturgemäß für großen Unmut auf Seiten der SPÖ-Mandatare. Aus diesem Grund und aus Protest gegen die Amtsführung von Bürgermeister Kothmayer legten Anfang September 1948 die Mitglieder der SPÖ-Fraktion im Gemeinderat ihre Mandate nieder und somit war die Landesregierung gezwungen den Gemeinderat wegen Handlungsunfähigkeit aufzulösen.628 Bürgermeister Kothmayer war somit abgesetzt und seitens der Landesregierung wurde Alois Schmerold (SPÖ) als Gemeindeverwalter eingesetzt, der die Gemeindegeschäfte bis zur Neukonstituierung des Gemeinderates führen sollte.629 Aufgrund des Widerstands der anderen beiden Fraktionen, die mehreren Einladungen zu einer konstituierenden Sitzung nicht Folge leisteten, verzögerte sich die Neubildung des Gemeinderats über einige Wochen.
Schließlich konnte am 30. Jänner 1949 letztlich doch die konstituierende Sitzung abgehalten werden und der neue provisorische Gemeinderat bestand aus 8 SPÖ-Mandataren, 5 ÖVP-Mandataren sowie 2 KPÖ-Mandataren. Dieser Gemeinderat, in dem die SPÖ über eine absolute Mehrheit verfügte, setzte sich personell wie folgt zusammen630:
Bürgermeister: Alois Ulz (SPÖ)
Vizebürgermeister: Josef Baronbeck (SPÖ)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Alois Schmerold (SPÖ), Josef Kummerer (SPÖ), Franz Newald (SPÖ)
Gemeinderäte: Leopold Klinisch (ÖVP), Josef Kothmayer (KPÖ), Rudolf Kothmayer (ÖVP), Paul Lind (KPÖ), Anton Rath (SPÖ), Martin Schiller (ÖVP), Josef Schön (ÖVP), Josef Schwarz (SPÖ), Karl Stacher (ÖVP), Josef Vielnascher (SPÖ)
Die Vertreter der KPÖ und ÖVP waren zwar bei dieser konstituierenden Sitzung anwesend, verzichteten allerdings auf Wahlvorschläge für die ihnen zustehenden Mitglieder im Gemeindevorstand, und brachten so ihren Unwillen zur Beteiligung an der Gemeindearbeit unter SPÖ-Führung zum Ausdruck, sodass ausschließlich SPÖ-Mandatare gewählt wurden. Die ÖVP- und KPÖ-Vertreter erklärten in der darauffolgenden Gemeinderatssitzung jegliche Mitarbeit im Gemeinderat auszusetzen, bis ein Mitte Februar 1949 in der sozialdemokratischen Regionalzeitung „Volksbote“ erschienener Artikel widerrufen würde. Dies dürfte geschehen sein oder man verständigte sich anderweitig, denn ab März beteiligten sich wieder alle Parteien aktiv an der Gemeindearbeit bis im Jahr darauf der Gemeinderat erstmals wieder durch die Bevölkerung gewählt wurde.
1950-1955631
Gemeinderatswahl 7. Mai 1950 632
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 336; abgegebene Stimmen: 319 (Wahlbeteiligung: 94,5 %); ungültig: 18, gültig: 301, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| SPÖ | ÖVP | Linksblock (KPÖ) | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 157 (52,1 %) | 7 | 114 (37,9 %) | 5 | 30 (10 %) | 1 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 23. Mai 1950 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Alois Ulz (SPÖ)
Vizebürgermeister: Josef Baronbeck (SPÖ)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Alois Schmerold (SPÖ), Alfred Schöller (ÖVP), Josef Schön (ÖVP)
Gemeinderäte: Franz Bauer (ÖVP), Karl Körbl (ÖVP), Josef Kothmayer (KPÖ), Josef Kummerer (SPÖ), Franz Newald (SPÖ), Johann Paar (SPÖ), Josef Schwarz (SPÖ), Karl Stacher (ÖVP)
Im August 1951 legte Bürgermeister Alois Ulz sein Amt sowie das Gemeinderatsmandat aus gesundheitlichen Gründen zurück und zu seinem Nachfolger wählte der Lanzendorfer Gemeinderat am 25. August 1951 Josef Baronbeck bzw. zum Vizebürgermeister Johann Paar.633 Durch das Ausscheiden von Alois Ulz rückte Hermann Tatzer für die SPÖ in den Gemeinderat nach.
Am 18. Februar 1953 wird Bürgermeister Josef Baronbeck auf Anordnung der Sowjet-Kommandantur verhaftet, weil er sich weigerte auf Gemeindekosten einen Anschlagkasten für das KP-Propagandablatt und offizielle Organ der sowjetischen Besatzungsmacht „Österreichische Zeitung“ zu errichten. Der gesamte Lanzendorfer Gemeinderat begab sich daraufhin nach Mistelbach, um Protest gegen diesen Willkürakt der Besatzungsmacht einzulegen. Nach Interventionen durch Landes- und Bundesbehörden bzw. deren Repräsentanten wird Bürgermeister Baronbeck, dessen Verhaftung in Zeiten des beginnenden Kalten Kriegs sogar als Randnotiz in einigen US-Zeitungen ihren Nachhall fand, bereits am Tag darauf wieder freigelassen.634
Mit 12. Dezember 1953 zog sich Alois Schmerold aus dem Gemeindevorstand zurück, verblieb allerdings weiter im Gemeinderat. In der Funktion als geschäftsführender Gemeinderat folgte ihm Josef Schwarz nach.
Mit 14. Februar 1954 schied Josef Kothmayer aus dem Gemeinderat aus, ihm folgt Otto Vogler als Mandatar der KPÖ nach.
1955-1960635
Gemeinderatswahl 24. April 1955636
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 340; abgegebene Stimmen: 308 (Wahlbeteiligung: 90,6 %); ungültig: 11, gültig: 297, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | Volksopposition (KPÖ) | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 152 (51,2 %) | 8 | 136 (45,8 %) | 7 | 9 (3 %) | – |
Unter Führung von Alfred Schöller gelang es der ÖVP bei der Wahl 1955 die Mandatsmehrheit zu erringen und nach sieben Jahren das Bürgermeisteramt zurückzuerobern.
Bürgermeister: Alfred Schöller (ÖVP)
Vizebürgermeister: Karl Körbl (ÖVP)
Gemeinderäte: Maria Achatz (SPÖ), Josef Elbling jun. (ÖVP), Leopold Ellend (ÖVP), Josef Huber (SPÖ), Franz Newald (SPÖ), Johann Paar (SPÖ), Walter Pukl (ÖVP), Martin Schiller (ÖVP), Josef Schwarz (SPÖ), Johann Sieber (SPÖ), Karl Stacher (ÖVP), Franz Stubenvoll (ÖVP), Hermann Tatzer (SPÖ)
Die SPÖ-Mandatarin Maria Achatz ist neben der ebenfalls im Jahr 1955 in Ebendorf in den Gemeinderat gewählten Frieda Pichler (KPÖ/Volksopposition), die erste Frau, die auf dem Gebiet der späteren Großgemeinde Mistelbach in einen Gemeinderat gewählt wurde und dies 15 Jahre (!) bevor eine Frau erstmals in den Mistelbacher Gemeinderat einzog. Nachdem Pichler vorzeitig aus dem Gemeinderat ausgeschieden war, ist Achatz jedenfalls die einzige Frau, die eine volle Amtszeit hindurch einem Gemeinderat der ehemals selbstständigen Katastralgemeinden angehörte.
1960-1965
Gemeinderatswahl 10. April 1960637
zu vergebende Mandate: 15; Wahlberechtigt: 336; abgegebene Stimmen: 324 (Wahlbeteiligung: 96,4 %) ; ungültig: 6, gültig: 318, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| SPÖ | ÖVP | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 159 (50 %) | 8 | 159 (50 %) | 7 |
Aufgrund des Stimmengleichstands wurde zunächst mittels Los das für die Mehrheit im Gemeinderat entscheidende 8. Mandat der SPÖ zugesprochen. Die ÖVP rief jedoch in weiterer Folge die Bezirkswahlbehörde an und ersuchte um Prüfung der als ungültig gewerteten Stimmen und schließlich wurden zunächst als ungültig gewertete Stimmen für die ÖVP letztendlich doch als gültig gewertet, womit das 8. Mandat der ÖVP zufiel.
Die gemäß dem richtiggestellten Wahlergebnis vom 10. April 1960 gewählten Mandatare waren:
ÖVP: Alfred Schöller, Karl Körbl, Walter Pukl, Josef Elbling jun., Johann Schön, Leopold Ellend, Josef Wiesinger, Leopold Strobl,
SPÖ: Josef Baronbeck, Josef Schwarz, Johann Bauer, Hermann Tatzer, Franz Schön, Josef Huber, Johann Weinerek
Die SPÖ Gemeinderäte blieben der konstituierenden Gemeinderatssitzung im Juni 1960 fern, bei der Alfred Schöller von den anwesenden ÖVP-Vertretern zum Bürgermeister gewählt wurde. Durch ihr Fernbleiben verhinderten die gewählten SPÖ-Mandatare eine ordnungsgemäße Konstituierung und erzwangen damit indirekt die Auflösung des Gemeinderates durch die Landesregierung. Daher wurde im Sommer 1960 Dr. Kaufmann von der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach als Regierungskommissär mit der Führung der Gemeindeverwaltung betraut und eine Neuwahl zu Beginn des Jahres 1961 anberaumt.638
Innerhalb der ÖVP kam es zu Differenzen und Altbürgermeister Rudolf Kothmayer trat bei der Neuwahl mit einer eigenen Liste an. Wie das Wahlergebnis zeigt, hatte dieses Antreten mangels Wählerzuspruchs nur wenig Auswirkungen und das taktische Kalkül der SPÖ, die diese Neuwahl in der Hoffnung auf eine Mehrheitsverschiebung angestrebt hatte, erfüllte sich in keinster Weise, sondern hatte tatsächlich das Gegenteil zur Folge. Der Wahlkampf zwischen ÖVP und SPÖ wurde mit großer Härte geführt und hatte sogar ein juristisches Nachspiel.
Gemeinderatswahl 15. Jänner 1961639
abgegebene gültige Stimmen: 331, diese verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | Liste Kothmayer („Freie Bauernpartei“) | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 192 (58 %) | 9 | 129 (39 %) | 6 | 10 (3 %) | – |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 2. Februar 1961 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Alfred Schöller (ÖVP)
Vizebürgermeister: Karl Körbl (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Walter Pukl (ÖVP), Franz Friedl (ÖVP), Josef Baronbeck (SPÖ), Josef Schwarz (SPÖ)
Gemeinderäte: Johann Bauer (SPÖ), Josef Elbling jun. (ÖVP), Leopold Ellend (ÖVP), Josef Huber (SPÖ), Franz Schön (SPÖ), Johann Schön (ÖVP), Leopold Strobl (ÖVP), Hermann Tatzer (SPÖ), Josef Wiesinger (ÖVP)
Josef Baronbeck schied mit 21. Juli 1961 aus dem Gemeindevorstand aus und statt ihm wurde Franz Schön am 3. August 1961 als geschäftsführender Gemeinderat der SPÖ gewählt. Baronbeck blieb weiterhin im Gemeinderat. In derselben Sitzung kam es zu einem weiteren Wechsel innerhalb der SPÖ-Fraktion: Johann Weinerek folgte auf Johann Bauer, der sein Mandat niedergelegt hatte.
Nach dem Ableben von Vizebürgermeister Karl Körbl wurde in der Sitzung vom 11. November 1964 Josef Elbling jun. zum Vizebürgermeister gewählt. Auf das freigewordene Mandat rückte Friedrich Tanzler als Vertreter für die Volkspartei nach.
1965-1966640
Gemeinderatswahl 1965641
zu vergebende Mandate: 13; Wahlberechtigt: 335; abgegebene Stimmen: 311 (Wahlbeteiligung: 92,8 %); ungültig: 10, gültig: 301, letztere verteilten sich auf die wahlwerbenden Parteien wie folgt:
| ÖVP | SPÖ | ||
|---|---|---|---|
| Stimmen | Mandate | Stimmen | Mandate |
| 195 (64,8 %) | 9 | 106 (35,2 %) | 4 |
Nach der konstituierenden Sitzung vom 21. April 1965 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
Bürgermeister: Alfred Schöller (ÖVP)
Vizebürgermeister: Josef Elbling jun. (ÖVP)
Geschäftsführende Gemeinderäte: Josef Wiesinger (ÖVP), Josef Schwarz (SPÖ)
Gemeinderäte: Leopold Ellend (ÖVP), Josef Kober (ÖVP), Johann Rath (ÖVP), Franz Schön (SPÖ), Johann Schön (ÖVP), Leopold Strobl (ÖVP), Hermann Tatzer (SPÖ), Josef Trestler (ÖVP), Johann Weinerek (SPÖ)
In der Sitzung vom 18. Dezember 1965 verzichtet Josef Schwarz (SPÖ) auf seine Funktion als geschäftsführender Gemeinderat, ihm folgte Franz Schön. Schwarz gehörte jedoch weiterhin dem Gemeinderat an.
Nach dem Ableben von Vizebürgermeister Elbling wurde in der Sitzung vom 19. September 1966 Josef Trestler zum neuen Vizebürgermeister gewählt. Auf das freigewordene Mandat rückte für die ÖVP Josef Strobl in den Gemeinderat nach.

Der letzte Gemeinderat von Lanzendorf Ende des Jahres 1966 aus „Lanzendorf – einst und heute, eine kleine Ortschronik“ (1996)
(Foto: © Franz K. Obendorfer – Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Franz Obendorfer)
Die letzte Sitzung des Lanzendorfer Gemeinderates fand am 28. Dezember 1966 statt. Bereits im November wurde aufgrund der bevorstehenden Eingemeindung eine Neuwahl des Mistelbacher Gemeinderates unter Einbeziehung der Bevölkerung von Lanzendorf und Ebendorf abgehalten, sodass als Lanzendorf mit 1. Jänner 1967 Teil der Gemeinde Mistelbach wurde, auch der neu zusammengesetzte Mistelbacher Gemeinderat seine Arbeit aufnehmen konnte.
Übersicht über die Bürgermeister der Gemeinde Lanzendorf
Eine erste Auflistung veröffentlichte Prof. Hans Spreitzer in einem Beitrag zur Geschichte Lanzendorfs 1970 in der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart642. Diese wurde später auch in die 1996 erschienene Publikation von Altbürgermeister Schöller übernommen. Allerdings ist diese Liste unvollständig bzw. bezüglich der Zeitpunkte der Amtswechsel ungenau.643
| Amtszeit | Bürgermeister |
|---|---|
| 1850-1863 | Josef Kothmayer |
| 1863-1870 | Georg Panzer |
| 1870-1873 | Franz Schön |
| 1873-1876 | Franz Kothmayer |
| 1876-1882 | Leopold Stacher |
| 1882-1885 | Michael Rieth |
| 1885-1896 | Lambert Kothmayer |
| 1896-1919 | ![]() Franz Schön jun. (*1855, †1951) |
| 1919-1924 | Peter Kraus (*1883, †1942), (Wirtschaftspartei?) |
| 1924 | Leopold Kothmayer, Wirtschaftspartei |
| 1924-1945 | Josef Elbling (*1873, †1957), Wirtschaftspartei |
| 1945-1946 | Josef Schön & Leopold Klinisch (*1888, †1966) |
| 1946-1948 | Rudolf Kothmayer, ÖVP |
| 1948-1949 | Alois Schmerold, SPÖ (als Gemeindeverwalter seitens der nö. Landesregierung eingesetzt) |
| 1949-1951 | Alois Ulz, SPÖ |
| 1951-1955 | ![]() Josef Baronbeck (*1906, †1970), SPÖ |
| 1955-1960 | ![]() Alfred Schöller (*1921, †2000), ÖVP |
| 1960-1961 | Dr. Kaufmann (als Regierungskommissär (=Gemeindeverwalter) seitens der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach eingesetzt) |
| 1961-1966 | ![]() Alfred Schöller (*1921, †2000), ÖVP |
Bildnachweis:
-) letzter Lanzendorfer Gemeinderat 1966: Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute, eine kleine Ortschronik (1996), Teil II, S. 20; Foto: Franz K. Obendorfer – Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Franz Obendorfer (Sohn)
-) Foto Bgm. Johann Schön: Scan nach einem von Philipp Hödl zur Verfügung gestellten Original
-) Portraitfoto Bgm. Alfred Schöller: zur Verfügung gestellt von Dr. Alfred Schöller (Sohn)
Quellen (und Anmerkungen):
Zu dem als Quelle sehr wichtigen Amtskalender ist anzumerken, dass dieser immer bereits im Oktober/November des Vorjahres in Druck gelegt wurde – ein wesentliches Faktum bei der Verwendung dieser Quelle zwecks Rekonstruktion der Amtszeit der Gemeindevertreter.
-) Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Lanzendorf im Archiv der Stadtgemeinde Mistelbach für den Zeitraum 1949-1966
Älteste bildliche Darstellungen von Mistelbach
Georg Matthäus Vischers Darstellung 1670
Die älteste bildliche Darstellung von Mistelbach findet sich auf der vom Topografen und Kartografen Georg Matthäus Vischer 1670 geschaffenen Karte mit dem Titel „Archiducatus Austriae Inferioris Accuratissima Geographica Descriptio“. Diese Karte und die etwas später veröffentlichten Kupferstiche von bedeutenden Orten und Schlössern (zB Ebendorf und Paasdorf) wurden bereits im Beitrag Mistelbach und seine Katastralgemeinden in Vischers Niederösterreich Karte u. Topographie behandelt. Nachdem von Mistelbach leider kein Detail-Kupferstich vorliegt, soll nachfolgend die Darstellung Mistelbachs auf Vischers Karte einer eingehenden Betrachtung unterzogen werden.
So wird Mistelbach auf Vischers Karte dargestellt. Der durchbrochene weiße Kreis zeigt laut Legende an, dass es sich um einen „Markt“, also einen Ort mit Marktrecht handelt. Unterhalb Mistelbachs verläuft die Zaya.
Mit den tatsächlichen Gegebenheiten ist diese Darstellung nicht in Einklang zu bringen.
Es muss festgestellt werden, dass diese Darstellung Mistelbachs in Bezug auf die Anordnung der Gebäude, insbesondere unter Berücksichtigung des Elements der Perspektive, keinerlei Sinn ergibt. Außer Zweifel steht, dass es sich hier um eine vereinfachte Gesamtansicht des Ortes handelt, und nicht, wie an anderer Stelle fälschlicherweise gemutmaßt wurde, um eine Darstellung der alten Mistelbacher Burg594, die zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr existierte.
Eine Bemerkung von Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim löst das Rätsel um die merkwürdige, unstimmige Darstellung: in der Beschreibung des Schlosses Ebendorf in seinem 1971 erschienenen Buch „Eine kleine Geschichte von Ebendorf bei Mistelbach“ merkt er an, dass Ebendorf – auf der Karte durch das Schloss dargestellt – spiegelverkehrt abgebildet worden ist.621 Und tatsächlich: vergleicht man die Detailansicht vom Schloss mit der Darstellung auf der Karte fällt diese Unstimmigkeit auf. Während bei Paasdorf die Darstellungen übereinstimmen, wurde, wie unten stehender Bildausschnitt zeigt auch die Ortsansicht von Mistelbach offensichtlich spiegelverkehrt gestochen bzw. in weiterer Folge gedruckt. Derartige Fehler kamen im Druckereigewerbe einst öfters vor, musste doch jeder Text und jedes Bild zunächst spiegelverkehrt gesetzt bzw. gestochen werden, um dann in richtiger Anordnung auf dem gedruckten Blatt zu landen.
Spiegelt man den Ausschnitt aus der Karte ergibt sich naturgemäß ein völlig anderes und im konkreten Fall stimmiges Bild, das eine Ansicht aus (süd)westlicher Richtung zeigt.
Von rechts nach links: der spitze Turm außerhalb der Befestigung – die Spitalskirche (1); in der Bildmitte die Pfarrkirche (2) ohne Turmhelm und ohne Darstellung der Lage auf dem Kirchenberg; beim Turm mit Turmhelm handelt es sich um den alten Rathausturm (3) am Hauptplatz.
Der Kirchturm war über Jahrhunderte hinweg im Vergleich zu heute recht niedrig und verfügte lange Zeit über keinen oder nur einen sehr kleinen pyramidenförmigen Turmhelm. Frühere Versuche einen Turmhelm zu errichten wurden zum Teil durch Blitzschläge zunichtegemacht.622 Auch Ende des 17. Jahrhunderts als Vischer Niederösterreich bereiste, zeigte sich der Turm ohne Abschluss. Eine Abbildung des Kirchturms (ohne Helm) findet sich übrigens auch noch Anfang des 19. Jahrhunderts in Schweickhardts Topographie. Abgesehen von der Ost-West-Ausrichtung ist die Kirche auch durch ein am Dachgiebel des Kirchenschiffs angebrachtes kleines Kreuz erkennbar, das bis heute existiert. Das große Haus links neben dem Rathausturm, das man bei der falschen Originaldarstellung auf der Karte für das allerdings erst rund 30 Jahre später fertiggestellte Kolleg halten könnte, dürfte wohl kein reales Vorbild haben, und einfach der Illustration gedient haben. Seine Lage entspräche übrigens in etwa jener des Barockschlössls, doch wurde auch dieses erst in den 1730er Jahren an einem zuvor leeren Platz errichtet. In der gespiegelten Form stimmt die Abbildung mit der rund 40 Jahre später angefertigten Ansicht von Werner (siehe weiter unten) klar überein, weshalb bezüglich der spiegelverkehrten Darstellung auf der Karte kein Zweifel besteht.
Friedrich Bernhard Werners Darstellung 1711
Der aus Niederschlesien stammende Friedrich Bernhard Werner (1690-1776) zählt zu den produktivsten Zeichnern topografischer Ansichten des 18. Jahrhunderts, von dem über 3000 Ansichten überliefert sind. Er war viele Jahre auf Wanderschaft und bereiste weite Teile Europas. Seine ersten Reisejahre führten ihn von seiner Heimat Schlesien über Sachsen und Franken nach Bayern und schließlich durch Süd- und Osttirol, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich auch nach Niederösterreich.623 Von Krems reiste Werner nach Hollabrunn und kam über Poysdorf schließlich am 16. Februar 1711 nach Mistelbach, wo er folgendes in seinem Reisetagebuch vermerkte: „Müstelbach der schönste Marckt in unter östereich ist viel schöner, auch grösser als sonsten ein gemaines Städtl, ein schöner undt wohl erbauter Platz“.632 Wie aus diesem Eintrag zu schließen ist, dürfte Mistelbach einen sehr positiven Eindruck auf ihn gemacht haben, und nachdem Werner schon weit gereist war (auch in Unterösterreich = Niederösterreich), sind seine Worte ein umso schöneres Lob für den damals kleinen Markt. Nach seinem Aufenthalt in Mistelbach setzte er seine Reise südwärts Richtung Wiener Neustadt fort. In den Jahren 1708/09 bis 1715 entstand das sogenannte „Linzer Reisebuch“ – so benannt, weil es sich das Original seit Jahren im Besitz des Oberösterreichischen Landesarchivs befindet – mit 418 Ansichten bzw. Skizzen. Es handelt sich dabei nicht um das Originalskizzenbuch, das er bei seiner Reise dabei hatte, sondern Werner hat seine Skizzen und Notizen offenbar später in dieses Buch übertragen.635 Darin befindet sich auch die nachfolgende Ansicht Mistelbachs:
Die Darstellung Mistelbachs auf einer aus dem Jahre 1711 stammenden Federskizze von Friedrich Bernhard Werner, mit folgender Bildbeschreibung: „N: 1 die Pfarrkirchen welche die Michaeler bedienen, 2 ihr Kloster oder Collegio, 3 Platz Thurm, 4 Hospital“636
Auf dieser Ansicht aus südwestlicher Richtung findet sich unter 1. die Pfarrkirche, deren Höhenlage im Verhältnis zum davor abgebildeten Kollegsgebäude („Kloster“ – Nr. 2) recht akkurat dargestellt wurde, allerdings ohne, dass der Grund für diesen Höhenunterschied – nämlich der Kirchenberg zu erkennen wäre. Bei der Bezeichnung „Michaeler“ handelt es sich um ein Missverständnis, denn Inhaber der Mistelbacher Pfarre war seit 1661 der Barnabiten-Orden, und die erste Pfarre die dieser Orden in Österreich übernommen hatte, war die Hofpfarrkirche St. Michael (Michaelerkirche) in Wien. Werner krönte den Turm der Mistelbacher Pfarrkirche übrigens durch seine Standard-Turmspitze, die mit Sicherheit nicht dem damaligen Erscheinungsbild des Turms entsprach. Bei 3. handelt es sich um den alten Rathausturm, der samt dem alten Rathausgebäude 1875 abgebrochen wurde. Besonders interessant ist die Darstellung des außerhalb der Befestigung gelegenen Spitalsviertels („Hospital“ – Nr. 4) mit der alten Spitalskirche im Zentrum. Beim Mistelbacher Spital handelt es sich um eine im 14. Jahrhundert durch die Herren von Mistelbach gestiftete Sozialeinrichtung, die von den Liechtensteinern weitergeführt wurde und bis ins 20. Jahrhundert existierte. Möglicherweise ist links von der von 1904 abgebrochenen und später etwas versetzt neu erbauten Spitalskirche (Elisabethkirche) am Rande der Ortsumfriedung („Stadtmauer“) sogar das „Wiedentor“ (auch unteres Markttor genannt) erkennbar.
Bildnachweise:
-) Vischers Niederösterreich-Karte auf der Webseite der Niederösterreichischen Landesbibliothek
-) Werner-Skizze: Kopie im Göstl-Archiv bzw. Stadt-Museumsarchiv
Quellen:
Mistelbacher Notgeld
In Österreich-Ungarn war die Krone seit 1892 das gesetzliche Zahlungsmittel und eine Krone setzte sich aus 100 Heller zusammen. In Folge der Auflösung der Monarchie blieb die Kronenwährung nicht nur in Österreich, sondern auch in den anderen Nachfolgestaaten zunächst weiter in Verwendung. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg herrschte ein großer Mangel an Kleingeld, der mehrere Ursachen hatte:
-) während des Krieges waren alle verfügbaren Metalle in der Rüstungsindustrie verwendet worden, weshalb während des Krieges kein neues Kleingeld (Hellermünzen) geprägt wurde. Nachdem jedoch gerade beim Kleingeld ein hoher Verschleiß bzw. Verlust auftritt, lag grundsätzlich eine Unterversorgung mit Hartgeld vor.
-) in der bald nach Kriegsende einsetzenden Inflation überstieg der Materialwert der Münzen bald ihren Nominalwert, was ebenso dafür sorgte, dass diese kaum mehr in Umlauf waren
-) wie oben bereits erwähnt blieb die Kronenwährung zunächst Zahlungsmittel in allen Nachfolgestaaten der Monarchie. Die Banknoten wurden durch Abstempeln markiert, sodass diese nur mehr in den jeweiligen Ländern Gültigkeit hatten. Bei den Münzen, war eine entsprechende Markierung nicht so einfach möglich, sodass diese zunächst weiterhin in verschiedenen Ländern Gültigkeit hatten. Nachdem sich der Wert der landesspezifischen Kronenwährungen schon bald sehr unterschiedlich entwickelt hatte, führte dies natürlich dazu, dass das Kleingeld teils in andere Länder abfloss, etwa in jene, in denen es eine höhere Kaufkraft aufwies.
Um den Kleingeldmangel, der insbesondere den Handel vor ernstzunehmende Probleme stellte zu bekämpfen, kamen einige Landeshauptstädte 1919 auf die Idee „Kassenscheine“ im Werte von 10- und 20-Heller herauszugeben, die gegen Kronen ein- und auch wieder retourgetauscht werden konnten.622 Die Idee breitete sich bald auch im Rest Österreichs aus, doch zeitigte sie nicht den gewünschten Erfolg. Denn die Ausgabe des Notgelds rief Sammler auf den Plan, die dieses ähnlich den Briefmarken mit Begeisterung sammelten und ob der begrenzten Stückzahlen und der Regionalität eine Wertsteigerung erwarteten. Somit wurde auch das Ersatzgeld dem Wirtschaftskreislauf entzogen, doch wurde seitens der Gemeinden bald erkannt, dass sich durch die Ausgabe von am besten möglichst künstlerisch gestalteten Scheinen Geld für die Gemeindekasse lukrieren lässt.641 Hunderte Gemeinden gaben in der Folge Notgeldscheine heraus und verkauften diese mit Aufschlag an die Sammler, und durch die zeitlich begrenzte Gültigkeit mussten die Scheine in aller Regel nicht wieder retourgetauscht werden. Aufgrund ihres geringen Nominalwertes hätten diese mit der zu Beginn der 1920er Jahre einsetzenden Hyperinflation jedoch ohnedies ihren Wert verloren. Das Ersatzgeld war ein sehr gutes Geschäft, und sobald eine Gemeinde Notgeld ausgab und darüber in den Zeitungen berichtet wurde, gingen zahlreiche Bestellungen von Sammlern bzw. Zwischenhändlern im Gemeindeamt ein. Es kam sogar soweit, dass viele Zeitungen sich weigerten im Nachrichtenteil darüber zu berichten, wenn Gemeinden Notgeld einführten, sofern sie nicht eine Vergütung dafür erhielten.644 Diese Sammelmanie und das Geld das dabei im Spiel war, öffnete natürlich Tür und Tor für Betrügereien aller Arten und die Landesregierungen bzw. der Fiskus sah sich gezwungen diesem Gelddrucken der Gemeinden einen Riegel vorzuschieben. Ein Nachteil des Gemeinde-Notgelds war natürlich, dass mit diesem abseits von Sammlergeschäften, nicht gemeindeübergreifend gehandelt werden konnte. Zum Teil gab es daher auch Notgeld, das von den Bundesländern herausgegeben wurde, und teils parallel zum Gemeinde-Notgeld in Umlauf war bzw. dieses ersetzte.
Auf dem Höhepunkt des Notgeld-Hypes sprang auch die Stadt Mistelbach auf diesen Trend auf, und gab im Frühsommer 1920 ihr Notgeld in Form von Scheinen zu 10-, 20- und 50-Heller heraus, deren Gültigkeit bereits mit Ablauf des Jahres 1920 endete. Die am 12. Juni 1920 erstmalig ausgegebenen645 Notgeldscheine wurden vom akademischen Maler Josef Zlatuschka aus Wien gestaltet und wurden von der gleichfalls in Wien ansässigen Druckerei Waldheim-Eberle & Co. hergestellt. Schon in der Berichterstattung des Mistelbacher Bote über die Herausgabe des Ersatzgeldes wird explizit deren künstlerisch gelungene Gestaltung gerühmt und erwähnt, dass die Scheine von Sammlern bereits heiß begehrt würden.646 Es darf daher angenommen werden, dass damit hauptsächlich Sammler angesprochen werden sollten und die Scheine im Wirtschaftsleben der Stadt kaum eine Rolle spielten.647 Die Mistelbacher Notgeldscheine erschienen in drei augenscheinlich zeitgleich herausgegebenen Serien (A, B und C), die abgesehen vom jeweiligen Serien-Buchstaben und einer unterschiedlichen Farbgebung (A: violett, B: orange, C: grün) exakt gleich ausgestaltet sind. Die Notgeldscheine wurden in großer Auflage gedruckt und mehr als hundert Jahre nach ihrer Ausgabe existieren noch zahlreiche Exemplare davon, sodass sie selbst unter Sammlern keinen großen Wert aufweisen.
Nachfolgend Abbildungen eines vollständigen Satzes der Notgeldscheine der Serie A:
Der 10-Heller-Schein zeigt ein bekanntes Motiv: den Blick auf die Pfarrkirche durch die Kirchengasse. Auch die Unterschriften von Bürgermeister Josef Dunkl jun. und Vizebürgermeister Johann Kocholl findet sich auf der Vorderseite jedes Scheins
Die Rückseite aller Notgeldscheine zeigt einen Blick über die Stadt aus westlicher Richtung
Der 20-Heller-Schein zeigt die Pestsäule („Totenleuchte“) an ihrem damaligen Standort auf dem Kirchenberg („Franz Josefs-Höhe“), während sie sich nun seit dem Jahre 1985 auf dem Europaplatz vor der Polytechnischen Schule befindet
Außerdem findet sich auf der Rückseite der Scheine das Wappen der Stadt Mistelbach. Allerdings in einer etwas eigenwilligen Interpretation: die Mistelpflanze scheint etwas überdimensioniert und der Ast, aus dem die Mistel wächst, fehlt in der Darstellung
Der 50-Heller-Schein zeigt die Mariensäule an ihrem alten Standort vor dem Notspital im Kreuzungsbereich Neustiftgasse/Hochgasse/Kellergasse. In den 1950er Jahren wurde die Mariensäule an ihren heutigen Standort am Marienplatz versetzt, und stattdessen die sogenannte Adventsäule aufgestellt
Weiters finden sich auf der Rückseite aller Scheine zwei für die Geschichte der Stadt wichtige Ereignisse vermerkt: die Erbauung der Spitalskirche St. Elisabeth durch die Herren von Mistelbach, die allerdings nicht wie man damals annahm 1016, sondern erst 1316 erfolgte, sowie die Stadterhebung durch Kaiser Franz Joseph I im Jahre 1874
Um die unterschiedliche Farbgebung zu veranschaulichen, sind nachfolgend als Beispiel auch die 10-Heller-Scheine der Serien B und C abgebildet.
Bildnachweis:
-) Notgeldscheine aus der Sammlung von Thomas Kruspel
Quellen:
Kolpingstraße
Adolph Kolping wurde 1813 in Kerpen bei Köln geboren und aus einfachen Verhältnissen stammend erlernte er zunächst den Beruf des Schuhmachers. Erst später ermöglichten ihm Gönner ein Studium und damit eine Laufbahn als Geistlicher. Aufgrund seiner eigenen Biografie wusste er um die furchtbaren wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in denen die einfachen Handwerker und die Arbeiter in den ab Beginn des 19. Jahrhunderts aufkommenden Fabriken leben mussten. Nach Abschluss ihrer Ausbildung gingen die Gesellen damals für längere Zeit auf Wanderschaft, die einen festen Bestandteil des Werdegangs eines Handwerkers bildete, und auch Kolping machte diese Erfahrung. Fernab von Familie und Freunden in der Fremde hatten es die jungen Handwerker besonders schwer leistbare und adäquate Unterkunft sowie sozialen Anschluss zu finden. Nach seiner Priesterweihe 1845 kam Kolping als Kaplan nach Elberfeld (heute ein Ortsteil von Wuppertal) und hier wurde er im von einem seiner Priesterkollegen kurz zuvor gegründeten Gesellenverein aktiv. Er erkannte, dass ein solcher Verein den jungen Männern Unterkunft und Gemeinschaft bieten konnte und als er einige Jahre später nach Köln berufen wurde, gründete er dort seinen ersten „Katholischen Gesellenverein“, und es gelang ihm kurze Zeit später dank zahlreicher Spenden ein sogenanntes Gesellenhospiz zu eröffnen. Dieses Haus sollte nicht nur Unterkunft und Verpflegung, sondern darüber hinaus familiären und geistlichen Rückhalt bieten. Er setzte sich mit großem Erfolg für die Gründung von Gesellenvereinen im deutschen Sprachraum ein und die Idee verbreitete sich rasch und hatte hunderte Vereinsgründungen zur Folge. Das Ziel jungen Menschen außerhalb ihres Elternhauses eine Art Ersatzfamilie zu bieten und ihre Entwicklung zu fördern, war und ist bis heute eine Hauptaufgabe der Kolpingbewegung und dies äußert sich auch in der Bezeichnung Kolpingsfamilie – so heißen die Gemeinschaften aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern vor Ort – und dem früher üblichen Namen Kolpingsöhne für die dort lebenden Handwerksburschen. Passend dazu wurde Kolping als „Gesellenvater“ bekannt und gilt als einer jener katholischen Geistlichen, die sich früh mit der „sozialen Frage“ auseinandersetzten. Kolpings Idee wirkt weit über seinen frühen Tod im Jahre 1865 hinaus bis heute und die von ihm begründete Bewegung – auch Kolpingwerk genannt – ist mittlerweile in einer Vielzahl von Bereichen im Sozialwesen aktiv und zählt zu den größten christlichen Sozialverbänden.
1894 wurde auch in Mistelbach ein katholischer Gesellenverein nach dem Vorbilde Kolpings gegründet648, dessen zeitweiliger Präses („geistlicher Begleiter“) der Barnabitenpater Don Clemens Czacha war649. Die Gründung des Gesellenvereins ist wohl auch als Reaktion auf die wenige Wochen zuvor erfolgte Konstituierung eines sozialdemokratischen Arbeitervereins in Mistelbach zu verstehen. Laut dem Bericht eines sozialdemokratischen Lokalblatts aus dem Jahre 1903 soll der katholische Gesellenverein jedoch schon nach wenigen Jahren wieder erloschen sein.650 Allerdings findet sich im Juni 1904 ein letztes Lebenszeichen des Vereins, als dieser mittels einer Ankündigung im Mistelbacher Bote zu einer Feier anlässlich des 10-jährigens Gründungstags einlud653, sodass das Kolpingwerk in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mistelbach nicht mehr in Erscheinung trat.
1954 sollte sich schließlich Gelegenheit für einen Neustart ergeben, als der damalige Bürgermeister Franz Bayer seinen ehemaligen Schulkollegen aus dem Hollabrunner Knabenseminar und damaligen Zentralpräses des Kolpingwerks Josef Gegenbauer traf und mit ihm die Möglichkeit der Errichtung eines Kolpinghauses für Lehrlinge und Gesellen in Mistelbach besprach. Der die Pfarre Mistelbach innehabende Salvatorianerorden stellte den Baugrund zur Verfügung und es bildete sich ein Kreis von alten Kolpingsöhnen, unter der Führung des Mistelbacher Sattlermeister Georg Göstl sen. – Vater des späteren Stadtrates Georg Göstl – der bereits 1920 erfolglos die Gründung eines Gesellenvereins versucht hatte. Diese Gemeinschaft bildete die Basis für die Kolpingsfamilie Mistelbach und das Amt des Präses, also des geistlichen Leiters, übernahm der damalige Kaplan und spätere Stadtpfarrer Pater Volkmar Kraus. Bereits am 8. September 1955 konnte die feierliche Grundsteinlegung erfolgen654, doch stand das Projekt zwischenzeitlich aus finanziellen Gründen immer wieder kurz vor dem Scheitern, und Pater Volkmar bat in seinen Gebeten um die Fürbitte des Gründers der Salvatorianer, Franziskus Maria vom Kreuze Jordan, der in seiner Jugend selbst Kolpingsohn gewesen war. Schon das Datum für die Grundsteinlegung wurde aus Dankbarkeit auf den Todestag des Ordensgründers gelegt und das Haus erhielt schließlich auch den Namen „Kolpinghaus Pater Jordan“.655 Der Grund auf dem das Kolpinghaus errichtet wurde, befand sich seit Jahrhunderten im Besitz der Mistelbacher Pfarre, und die Barnabiten, die die Pfarre vor den Savlatorianern innehatten, betrieben hier einstmals eine Lehmgrube samt Ziegelofen. Das Gebäude wurde am oberen Ende dieses weitläufigen Areals errichtet, dass schon seit einigen Jahren den kirchennahen Jugendvereinen (Pfadfinder, Basketballer der UKJ, etc.) als Sport- und Spielplatz diente.
Die Segnung des Grundsteins durch Prälat Jakob Fried am 8. September 1955
Der Rohbau konnte bereits vor dem Winter 1955/56 fertiggestellt werden
Zur Veranschaulichung was unter einem Kolpinghaus zu verstehen ist bzw. wie das Kolpingwerk seine Einrichtungen selbst sah, nachstehend eine aus den 1950er Jahren stammende Beschreibung aus dem Kolpingsblatt, dem Organ des österreichischen Kolpingwerks:
„Was ist ein Kolpinghaus?
Es ist kein Internat – dort herrscht das Schema.
Es ist keine Kaserne – dort herrscht das Kommando.
Es ist keine Erziehungsanstalt – dort ist jeder Zögling ein psychologisch interessanter Fall.
Es ist keine Stätte – wo man nur schläft.
Es ist kein Hotel – wo man nur zahlt.
Das Kolpinghaus ist das Vaterhaus in der Fremde„
Zunächst schritten die Bauarbeiten rasch voran und schon im Herbst 1955 konnte der Rohbau fertiggestellt werden, allerdings gab es dann Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Baustahl und Dachziegeln, die zu erheblichen Verzögerungen führten. Außerdem war das Vorhaben zu Baubeginn keineswegs ausfinanziert und so konnte der Baufortschritt nur nach Maßgabe der vorhandenen finanziellen Mittel erfolgen. Schließlich konnten sämtliche Arbeiten im Frühjahr 1957 abgeschlossen werden und die Eröffnung und Einweihung des „Kolpinghauses Pater Jordan“ erfolgte am 1. Mai 1957 durch Erzbischof Dr. Franz König und im Beisein von Bundeskanzler Julius Raab – einem großen Förderer des Kolpingwerks. Das Kolpinghaus umfasste folgende Einrichtungen: 7 Vier-Bett-Zimmer und 4 Drei-Bett-Zimmer im Obergeschoß sowie einen Gemeinschaftswaschraum; im Erdgeschoß: Gemeinschaftsräume, das Büro des Präses und die Wohnung des Heimleiters. Im (Halb-)Kellergeschoß: Küche, Speisesaal, Waschküche und sonstige Wirtschaftsräume. Überdies war im Keller ein Raum für die Pfadfinder eingerichtet, der über einen gesonderten Eingang verfügte. Darüber hinaus verfügte das Kolpinghaus über einen Balkon, einen Garten samt Terrasse und bot Raum zu sportlicher Betätigung auf dem direkt daneben befindlichen Spiel- und Sportplatz der Pfarre („alter Pfadfinderplatz“).656 Das Gebäude wurde nach Plänen von Dr. Viktor Kraft, der auch durch zahlreiche andere von ihm entworfene Bauwerke bis heute das Stadtbild prägt, durch Baumeister Ing. Geyer erbaut.
Etwa 1957: Die treibende Kraft hinter der Errichtung des Kolpinghauses: der spätere Stadtpfarrer P. Volkmar Kraus gemeinsam mit Polier Karl Burisch auf der Baustelle
Das Kolpinghaus (Ostseite, sportplatzseitig) in der Pater Helde-Straße Nr. 10 im Jahr seiner Fertigstellung 1957
Zunächst stand das Kolpinghaus hier noch allein auf weiter Flur, doch kurz nach seiner Fertigstellung begann in der Umgebung reger Siedlungsbau (zuerst „KOSMOS“-Siedlung und weitere folgten) und im Zuge der hierfür notwendigen Parzellierung und Errichtung von Straßen erhielt das Kolpinghaus die Adresse Pater Helde-Straße Nr. 10. Somit erinnert nicht nur der Name des Hauses an den Gründer des Salvatorianerordens, sondern auch in der Adresse findet sich der Name eines weiteren Salvatorianers, und zwar des in Mistelbach von russischen Soldaten getöteten P. Titus Helde. In erster Linie diente das Kolpinghaus zur Unterbringung von Lehrlingen aus der Umgebung, während sie die Gewerbeschule (Vorläufer der Berufsschule) in Mistelbach besuchten, bzw. bot es auch jenen auswärtigen Lehrlingen und Gesellen Unterkunft, die in Mistelbach ihre Lehre absolvierten bzw. arbeiteten. Erst Anfang 1966 sollte ein eigenes Internat für die Schüler der Berufsschule unweit des Kolpinghauses errichtet werden und dies brachte mit sich, dass statt Lehrlingen und Gesellen vermehrt Schüler hier Quartier fanden. Schließlich war es Mistelbach nach jahrelangem Ringen gelungen mit der 1963 erfolgten Eröffnung des musisch-pädagogischen Realgymnasiums (heute BORG) endlich Standort einer höheren Schule zu werden und dies war erst der Beginn der Entwicklung Mistelbachs zur Schulstadt. Den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragend öffnete sich das Kolpingwerk, dessen Angebote sich bis in die 1960er Jahre ausschließlich an junge Burschen und Männer richtete, nun auch für Mädchen und Frauen und überhaupt erweiterte sich der Wirkungskreis des Kolpingwerks in den folgenden Jahrzehnten auch in andere Bereiche im Sozialwesen.
Eine neue Rolle erhielt das Kolpinghaus 1970 als mit dem Schuljahr 1970/71 in Mistelbach die Bundesbildungsanstalt für Kindergärtnerinnen mit zwei Jahrgängen in ihr erstes Schuljahr startete und es erstmals auch Schülerinnen als Quartier offenstand. Das Bundesschulzentrum wurde erst Jahre später 1978 geschaffen und bis dahin war die neue Schule im Gebäude der ehemaligen Badeanstalt im Stadtpark untergebracht. Dieses Gebäude, das zuvor bereits von der Volksschule aufgrund der herrschenden Raumnot als eines von mehreren Ausweichquartieren genutzt wurde (der Volksschulneubau in der Bahnzeile wurde erst 1971 eröffnet) hatte den Namen „Parkschule“. Nachdem das Kolpingheim schon zuvor einige Volksschulklassen beheimatete657 wurden in weiterer Folge auch Klassen der Kindergärtnerinnenschule hier untergebracht und darüber hinaus, sollte es als Internat für die Schülerinnen dieser Anstalt, die aus dem gesamten östlichen Weinviertel kamen, dienen.658
1978: Eröffnung eines zweiten Kolpinghauses als Mädchen-Familienwohnheim in der Pater Helde-Straße Nr. 17
Zusätzlich zu den oben bereits erwähnten Schulen wurde in Mistelbach 1976 auch eine Handelsakademie und -schule eröffnet und der Bedarf an Internatsplätzen, insbesondere für Mädchen stieg. Diesem Umstand Rechnung tragend wurde 1976 mit dem Bau eines Mädchen-Familienwohnheims des Kolpingwerks nahe dem Bundesschulzentrum und unweit des ersten Kolpinghauses an der Adresse Pater Helde-Straße Nr. 17 begonnen. Die Weihe im Rahmen der Eröffnung dieser zweiten Kolpingeinrichtung in Mistelbach nahm Erzbischof Koadjutor Dr. Franz Jachym am 9. Juni 1978 im Beisein zahlreicher Vertreter aus Politik sowie aus dem Bildungsministerium vor. Altbürgermeister Franz Bayer, der Initiator des ersten Kolpinghauses in Mistelbach, erhielt im Rahmen der Eröffnungsfeier das goldene Ehrenzeichen des Kolpingwerks Niederösterreich. Das Mädchen-Familienwohnheim bot Platz für 80 Mädchen, die in Gruppen zu je 20 mit einer Heimleiterin gemeinsam lebten. Ziel dieser Aufteilung in kleine Gruppen und der zahlreich vorhandenen Gemeinschaftseinrichtungen war es nicht nur ein Wohnheim, sondern ein „Familienheim“ zu bieten.659 Das Gebäude wurde nach den Plänen von Prof. Kajaba durch die Baufirma Menzel ausgeführt.660 Nachdem diese Einrichtung anfänglich ausschließlich Mädchen aufgenommen hatte, steht das nunmehrige „Kolpinghaus für SchülerInnen Mistelbach“ bereits seit eigenen Jahren beiden Geschlechtern offen.
Nachdem die Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen ab 1976 im neuen Bundesschulzentrum untergebracht war und das neue Mädchen-Familienwohnheim bereits seit Ostern 1978 bezugsfertig war, zog mit Beginn des Schuljahres 1978/79 die neun Jahre zuvor als selbstständige Schule gegründete und aufgrund der herrschenden Raumnot bisher auf mehrere Standorte verteilte allgemeine Sonderschule Mistelbach mit sieben Klassen in das zweckmäßig umgebaute Kolpinghaus in der Pater Helde-Straße Nr. 10 ein.661 Nach Fertigstellung der umfassenden Umbauten an den Schulgebäuden in der Thomas Freund-Gasse im Jahre 1990 übersiedelte die Sonderschule in das neue Pflichtschulzentrum. Die Räumlichkeiten im ersten Kolpinghaus übernahm mit dem „VKKJ – Verantwortung und Kompetenz für besondere Kinder und Jugendliche“, ein privater, gemeinnütziger Verein, der dort ein Ambulatorium für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen einrichtete und betrieb. 25 Jahre war das VKKJ-Ambulatorium hier ansässig ehe diese Einrichtung 2017 in ein neu erbautes Gebäude in der Andreas Schreiber-Straße übersiedelte. Seither werden die Räumlichkeiten wieder von Kolping genutzt, und zwar im Rahmen des „fit4job“-Projekts, dass jungen Menschen mit sonderpädagogischen Förderbedarf beim Berufseinstieg helfen soll.
Die Westseite des Kolpinghauses im Jahre 1979 als darin die allgemeine Sonderschule Mistelbach untergebracht war
Nach zweijähriger Bauzeit konnte am 14. April 2000 schließlich die dritte Kolpingeinrichtung – ein Wohnhaus samt Werkstätte für Menschen mit besonderen Bedürfnissen – im Beisein der Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop feierlich eröffnet werden. Auch diese dritte Einrichtung befindet sich in der Pater Helde-Straße, und zwar unter Hausnummer 21. Als Patin dieser Einrichtung fungierte Frau Hannelore Freibauer, die Gattin des vormaligen Mistelbacher Bürgermeisters und damaligen Präsidenten des niederösterreichischen Landtags Mag. Edmund Freibauer. Die Einrichtung bot ab ihrer Eröffnung 50 Personen einen geschützten Arbeitsplatz und drei Wohngemeinschaften für je 10 Personen sowie zwei Schwerstbehindertengruppen für je 6 Personen.662 Darüber hinaus bietet Kolping Österreich von Gewalt bedrohten Frauen seit 1991 auch in Mistelbach in Form eines Frauenhauses einen Ort der Zuflucht an.
Die im Jahr 2000 eröffnete, jüngste Kolpingeinrichtung in Mistelbach: Wohnhaus und Werkstätte für Menschen mit besonderen Bedürfnissen
Darüber hinaus bietet Kolping von häuslicher Gewalt bedrohten Frauen und Kindern seit 1991 auch in Mistelbach in Form eines Frauenhauses einen Ort der Zuflucht. 2015 wurde ein neues Siedlungsgebiet beim Elisabethweg aufgeschlossen, das unmittelbar an die jüngste der drei Kolpingeinrichtungen angrenzte. Daher beschloss der Mistelbacher Gemeinderat in der Sitzung vom 1. Juli 2015 eine dort neu geschaffene Straße zum Gedenken an den Begründer dieser Sozialorganisation Kolpingstraße zu benennen.
Wo befindet sich die Kolpingstraße?
Bildnachweis:
-) P. Volkmar Kraus auf der Baustelle des Kolpinghauses: Stadt-Museumsarchiv
-) Bilder Grundsteinlegung, Rohbau und Kolpinghaus im Jahre 1957: Österreichisches Kolpingsblatt, Nr. 5/6 (Mai/Juni) 1957, S. 4-5
-) Foto Kolpinghaus 1979: Göstl-Archiv
-) Bild Mädchen-Familienwohnheim: Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 206 – Juli 1978, Bildbogen
-) Kolping Wohnheim und Werkstätte: Thomas Kruspel, 2023
Quellen:
Raue Sitten am Lanzendorfer Kirtag
Schon seit einigen Jahren gibt es in Mistelbach keinen Kirtag mehr und an dessen Stelle ist nunmehr das Stadtfest getreten in das die Tradition des „Ladumtragens“, das alle zwei Jahre im Zuge des Hauerkirtags stattfand, integriert wurde. Schon viele Jahrzehnte zuvor endete die Kirtagstradition in Lanzendorf und in der Großgemeinde Mistelbach wird einzig in Hörersdorf die Tradition des Kirtags und zwar in der überlieferten Form des Burschenkirtags noch hochgehalten. Das Wort „Kirtag“ ist eine mundartliche Verkürzung des Wortes „Kirchtag“, also des Kirchweihfests, das jährlich rund um den Tag der Weihe der Ortskirche abgehalten wurde. Der Kirtag war das größte Fest im Jahresverlauf und es wurde Sonntag und Montag ausgelassen gefeiert, wobei die Feierlichkeiten zumeist am darauffolgenden Sonntag mit einem „Nachkirtag“ ausklangen. Weniger vom religiösen Hintergrund des Fests bzw. vom Geist der christlichen Nächstenliebe geprägt war hingegen die früher weit verbreitete „Tradition“ exzessiver Raufereien bei Kirtagen. Der Ausspruch „Ausghalt’n die Paasdorfer tanzen“ ist jedenfalls schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt und verweist darauf, dass die Paasdorfer auch beim Besuch auswärtiger Kirtage auf eigens nur für sie gespielte Tänze bestanden und diesen Anspruch gegebenenfalls auch handfest durchzusetzen wussten. Schon in einem Bericht im „Bote aus Mistelbach“ über eine Schlägerei im Rahmen einer Tanzveranstaltung im Jahre 1898 meinte der Berichterstatter unter Bezug auf das obenstehende geflügelte Wort, dass es wohl besser „Ausghalt’n die Paasdorfer raufen“ heißen sollte, da die Paasdorfer passionierte Raufbolde seien, bei denen solche Auseinandersetzung selten ohne schwere Verletzungen bzw. eine Messerstecherei ausgehen würde.651 Das Tanzen war bei den spärlichen Festtagen im Jahr, die Anlass dazu boten, eine der wenigen gesellschaftlich institutionalisierten und akzeptierten Annäherungsmöglichkeiten zwischen den Geschlechtern und dies erklärt auch, weshalb den Burschen das Vorrecht auf bestimmte Tänze derart wichtig war. Der Besuch der Kirtage der umliegenden Orte war damals üblich und zwischen der männlichen Jugend aus der Umgebung und den ortsansässigen Burschen kam es häufig zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Doch auch innerhalb größerer Orte kam es zu handfesten Konflikten zwischen der männlichen Jugend verschiedener Ortsteile, schließlich gab es früher auch in manchen der heutigen Katastralgemeinden zwei Gasthäuser, die eigene Kirtagsveranstaltungen feierten und bei denen die Jugend dieses Ortsteils natürlich das Heimrecht für sich beanspruchte. Diese „Kirtagstradition“ sollte nicht bloß als harmlose Rauferei unter erheblichem Alkoholeinfluss abgetan werden, dazu arteten diese Konflikt allzu oft zu Massenschlägereien mit schweren Verletzungen und bedeutendem Sachschaden aus. Von den Behörden und der Gendarmerie wurden die „Raufereien“ in der Regel jedoch geduldet. Dies änderte sich erst 1938 mit dem „Anschluss“ als deutsche Zucht und Ordnung auch in der nunmehrigen Ostmark Einzug hielten. Wenig später wurden die jungen Männer reihenweise an die Front geschickt, und damit hatten sich die Kirtagsraufereien ohnedies erübrigt. Natürlich gab es auch nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder Raufereien bei Kirtagsfesten, aber die „Tradition“ der Kirtagsrauferei wie sie vor dem Krieg gepflogen wurde und die daraus entstandenen Gewaltexzesse gab es in der Form glücklicherweise nicht mehr.
Im Jahre 1958 findet sich ein Artikel in der Mistelbacher-Laaer Zeitung, der über den schwachen Besuch des Lanzendorfer Kirtags und den im Vergleich zu früherer Zeit verhaltenen Bierkonsum in diesem Jahr klagte. 1958 wurde der Kirtag, der natürlich im Gemeindewirtshaus (1969 von der Fam. Schuster gekauft) stattfand, offenbar erstmalig von der Lanzendorfer Feuerwehr organisiert. Damit endete die Tradition des Burschenkirtags, bei der die Burschen eines Jahrgangs sich gemeinsam um die Organisation des Kirtags kümmerten, was durchaus mit einer finanziellen Vorschussleistung bzw. einem gewissen Risiko verbunden war. Dazu waren die Lanzendorfer Burschen 1958 augenscheinlich nicht mehr bereit bzw. dazu nicht in der Lage, weshalb die Feuerwehr diese Aufgabe übernahm. Der ungenannte Autor des Artikels in der Mistelbacher-Laaer Zeitung blickt nach diesem mäßig verlaufenen Kirtag, wehmütig zurück und berichtet über ein zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 80 Jahre zurückliegendes Ereignis652:
„Kommen die Kirtage mit der Zeit ab? Manche glauben es. Das, was es einmal war, wird es sicher nicht mehr. Auch Lanzendorf blickt auf eine große Vergangenheit zurück, wenn auch nicht immer alles in Ordnung war. Gerauft wurde nämlich dort ziemlich häufig und nicht einmal wurde dem jeweiligen Wirt die Einrichtung demoliert. Ganz arg scheint es 1876 (oder 1879) gewesen zu sein. Nach der mündlichen Überlieferung brach nach dem “Dreintanzen” in einem Extratanz eine Keilerei los, die immer größeren Umfang annahm. Während sich ein Teil im “Stellungskrieg” mit Flaschen und Gläsern beschoß, bildete sich auf der Tanzbühne ein unentwirrbarer Klumpen von Gegnern. Die Exekutive foderte die Mistelbacher Feuerwehr an, deren Strahl wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirkte und die schließlich abziehen musste, um nicht ebenfalls “gedroschen” zu werden. (Die heutige Mistelbacher Feuerwehr, die zu den besten des Landes gehört, wurde auf eine solche Verwendung hin noch nicht beurteilt.) Hierauf wurde eine Kompagnie Infanterie eingesetzt, die von Manövern in der Nähe Mistelbachs abkommandiert, im Eilmarsch herankam. Auch die Soldaten waren erfolglos. Die Rauferei, die etliche Verletzte und einen Toten im Gefolge hatte, wurde schließlich doch beendet und zwar durch die “Weiber”. Dem Vernehmen nach sind die Lanzendorfer Frauen korporativ ausgerückt, haben ihre Männer einzeln herausgefischt und “hamblatt’”.“
Bei der inhaltlichen Bewertung von Geschichten, die mündlich über einen längeren Zeitraum überliefert wurden, ist grundsätzlich Vorsicht angebracht. In größeren, überregionalen Zeitungen fand die beschriebene Gegebenheit jedenfalls keinen Niederschlag und erst 1881 erschien das erste Lokalblatt für Mistelbach (siehe Historische Mistelbacher Lokalzeitungen). Die Prüfung der Authentizität kann sich daher nur auf bestimmte nachprüfbare Fakten beschränken. Traditionell dürfte der Lanzendorfer Kirtag etwa in der ersten Augusthälfte stattgefunden haben663, und es ist sehr wahrscheinlich, dass der Kirtag (oder zumindest der Nachkirtag) auch zur Zeit des geschilderten Ereignisses etwa Mitte August stattfand. Tatsächlich fanden Ende August bzw. Anfang September 1876 große Manöver im Raum Nikolsburg statt, deren Aufmarschgebiet sich bis in unsere Gegend bzw. bis ins Marchfeld zog. Rund 50.000 Soldaten verschiedenster Waffengattungen übten großräumige Gefechte zwischen zwei Armeekorps, und sogar der Kaiser inspizierte die Manöver in der Gegend zwischen Zistersdorf und Schrick. Zeitweilig war die Führung des südlichen Armeekorps in Wilfersdorf bzw. Poysdorf untergebracht und in Mistelbach befand sich das Hauptdepot für die Verpflegung dieses Korps. Darüber hinaus waren Versorgungseinheiten auch in Wilfersdorf, Poysdorf und Staatz stationiert.664 Da für dieses große Manöver zweifellos einige Vorbereitungsarbeiten zu leisten waren und auch die Anreise dieser großen Anzahl an Truppeneinheiten bestimmt einige Tage in Anspruch nahm, ist jedenfalls anzunehmen, dass bereits Mitte August – und damit zum Zeitpunkt an dem für gewöhnlich der Lanzendorfer Kirtag gefeiert wurde – Truppenteile in Mistelbach und Umgebung anwesend waren. In einem anderen Punkt gibt es allerdings eine Unstimmigkeit, denn die Freiwillige Feuerwehr Mistelbach wurde erst 1879 gegründet und in diesem Jahr fanden keine Manöver in der Umgebung statt. Natürlich gab es auch schon vor der Gründung der Feuerwehr Feuerlöschrequisiten, darunter auch eine Spritze, die von der Gemeinde in einem Zeughaus gelagert wurden und im Brandfall waren alle Einwohner verpflichtet bei der Brandbekämpfung mitzuhelfen. In Lanzendorf gründete sich übrigens erst 1925 eine eigene Freiwillige Feuerwehr. Eine Recherche im Sterbebuch der Pfarre Mistelbach (zu der auch Lanzendorf gehört) brachte für das Jahr 1876 (bzw. 1879) keinen Beleg für einen gewaltsamen Tod im fraglichen Zeitraum. Möglicherweise stammte das Opfer aus einem anderen Ort und/oder erlag erst später seinen Verletzungen.
Wie nicht anders zu erwarten, lässt sich knapp 150 Jahre später durch Prüfung einzelner Fakten heute nicht mehr feststellen, ob sich die Geschichte tatsächlich wie geschildert ereignet hat oder ob sie im Laufe der Jahre „ausgeschmückt“ wurde. Dass weder der Einsatz der Feuerwehr, noch das Militär die Lanzendorfer zur Räson zu bringen vermochte, sondern nur die Furcht vor ihren Frauen mutet doch sehr anekdotenhaft an.
Abschließend ein paar Fotos etwa aus dem Jahr 1951 als es in Lanzendorf noch einen von den Burschen der Ortschaft organisierten Kirtag gab:
Die Kirtagsburschen ziehen mit Musikbegleitung durch den Ort (1. Kirtagsbursch v. r.: Walter Kruspel). Im Hintergrund die an der Lanzendorfer Hauptstraße gelegene alte Kapelle Mariahilf.
Mehrmals wurde beim Zug durch den Ort Halt gemacht um den Honoratioren des Ortes Reverenz zu erweisen und natürlich für Tanz …
… und zwecks Stärkung mit einem Glas Wein (der mittlere der drei Burschen Walter Kruspel)
Bildnachweis:
zVg von Marianne Kruspel
Quellen:
Barnabitenstraße
Nach einem rund drei Jahrzehnte währenden Rechtsstreit konnte der Barnabitenorden, die ihm von Kaiser Ferdinand II. geschenkte, zuvor landesfürstliche, Pfarre Mistelbach schließlich 1661 in Besitz nehmen.665 Bis 1923 und damit mehr als 260 Jahre hindurch waren die Barnabiten Inhaber der Pfarre und bleibendes Zeugnis ihrer Präsenz in Mistelbach ist das Ende des 17. Jahrhunderts erbaute Kollegsgebäude („Kloster“) am Fuße des Kirchenbergs. Ein gesonderter Blogbeitrag wird sich näher mit dem Wirken des Barnabitenordens in Mistelbach befassen. Vor der Errichtung des repräsentativen Kollegs befand sich an dieser Stelle, belegtermaßen seit Ende des 15. Jahrhunderts, der Pfarrhof und vor diesem lag einst ein weitläufiger Platz, der sich weit über den heutigen Marienplatz hinaus, auch auf das rechtsseitige Mistelufer, erstreckte.666
Laut Prof. Spreitzer umfasste dieser rechteckige Platz den Bereich zwischen der linken Häuserzeile der Wiedenstraße und der rechten Häuserzeile der Barnabitenstraße, beziehungsweise zwischen (altem) Pfarrhof und Oserstraße, die die Grenze zum angrenzenden Spitalskomplex bildete. Dieser Platz war das Zentrum der Pfarrholdengemeinde – der zweiten Gemeinde, die damals neben dem liechtensteinischen Markt (=das Areal um den Hauptplatz) existierte – und selbiger dürfte im Zuge einer umfassenden Neuordnung des Ortsgebiets Anfang des 14. Jahrhunderts, also gemeinsam mit der Anlage des Spitalsviertels und des neuen Marktplatzes (=Hauptplatz) geschaffen worden sein. Für das 16. Jahrhundert ist jedenfalls die Bebauung des Areals zwischen Barnabitenstraße und Wiedenstraße mit einigen Häusern (Wiedenstraße Nr. 4, 6, 8, 10, 12, 14) bereits belegt, und diese Häuser wiesen aufgrund ihrer Lage zwei Hausnummern auf: an der Vorderseite eine gerade Nummer in der Wiedenstraße und „hintaus“ ungerade Nummern in der Barnabitenstraße.667
Die also im 16. Jahrhundert in ihrem heutigen Verlauf entstandene Barnabitenstraße führte vom Spitalsviertel (rund um den Kreuzungsbereich Mitschastraße/Oserstraße) zum 1700 fertiggestellten Barnabitenkolleg und stellte (unter Einbeziehung der Oserstraße) eine Verbindung zwischen den als „langer Zagel“ (Mitschastraße) und „kurzer Zagel“ (Liechtensteinstraße) bezeichneten Straßen her. Doch endet diese Straße nicht an der Kreuzung mit der Liechtensteinstraße, sondern sie führt rechts am Kloster vorbei bis an den Fuß des Kirchenbergs, wo sie vor einem alten, zur Kirche führenden, Fußsteig endet.
Die obere Barnabitenstraße etwa zu Anfang des 20. Jahrhunderts vom Fuße des Kirchenbergs aus aufgenommen. In der Bildmitte ist im Hintergrund das Johannes-Benefizium erkennbar.
Wie aus alten Plänen und Skizzen im Archiv des Barnabitenordens hervorgeht, bestand an jener Stelle, an der die Barnabitenstraße die Mistel kreuzt, jedenfalls bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine fahrbare Brücke, während die Wiedenstraße lediglich einen Steg bzw. eine Furt aufwies. Die Barnabitenstraße war und ist bis heute Teil der Ost-West-Verkehrsachse durch die Stadt und damit eine wichtige Durchzugsstraße. Die Tatsache, dass der Verkehr (inkl. der Post) Richtung Wien bis ins 19. Jahrhundert über Wilfersdorf und weiter via der „Kaiserstraße“ genannten Brünnerstraße verlief, unterstreicht die große Bedeutung der Barnabitenstraße bzw. der Liechtensteinstraße. Schon seit vielen Jahren wird die Barnabitenstraße als Einbahn Richtung stadtauswärts geführt und sie teilt sich somit die Last des Durchzugsverkehrs mit der teils als Einbahn in die andere Richtung geführten Wiedenstraße.
Die Brücke der Barnabitenstraße während der Arbeiten zur Mistel-Regulierung im Jahre 1912 – im Hintergrund Wohnhaus und Lederfabrik der Familie Strasser in der Liechtensteinstraße
Die untere Barnabitenstraße samt Brücke über die Mistel im Bereich des heutigen Marienplatzes im Jahre 1948. Aufgenommen aus der Perspektive eines der höheren Stockwerke des Klosters.
Wahrscheinlich schon seit langer Zeit, jedenfalls aber bereits im Jahre 1881 war der Name „Barnabitengasse“ für diese Straße gebräuchlich668, und somit wurde im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen mit Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) vom 13. April 1898 dieser Straße schließlich offiziell der Name Barnabitenstraße gegeben.669 Auch der heutige Marienplatz hieß übrigens bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts Barnabitenplatz, ehe er durch Gemeinderatsbeschluss vom 20. Dezember 1954 umbenannt wurde.
Wo befindet sich die Barnabitenstraße?
Bildnachweis:
-) sämtliche Fotos: Göstl-Archiv
Quellen:
Bezirks-Katholikentage in Mistelbach
Mitte des 19. Jahrhunderts fand der erste Katholikentag als Protestkundgebung gegen die Unterdrückung der Katholiken in einigen protestantisch dominierten deutschen Staaten statt. Diese fortan turnusmäßig und stets an wechselnden Orten abgehaltene Zusammenkunft entwickelte sich zur öffentlichen Bekenntnisfeier, war Ausdruck von Volksfrömmigkeit und Festtag des katholischen Verbands- und Vereinswesens sowie eine Machtdemonstration der katholischen Kirche. Nach den anfangs gesamtdeutschen Katholikentagen fand, nach Verwirklichung des kleindeutschen Nationalstaats, ab dem Jahre 1877 nunmehr ein eigenständiger Österreichischer Katholikentag statt. Im kleineren Rahmen, also auf Bezirksebene, sind derartige Kundgebungen erstmalig Ende des 19. Jahrhunderts belegt und auch in der Erzdiözese Wien befasste man sich schon im Jahre 1913 mit der Idee der Abhaltung von Bezirks-Katholikentagen. Die große materielle Not in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verhinderte die Abhaltung eines regulären Katholikentags, wie er zuletzt 1913 stattgefunden hatte, und daher besann man sich in der Erzdiözese Wien (und natürlich auch in anderen Diözesen) wieder auf die Idee diese Feste im kleineren Rahmen, also auf Diözesan- bzw. Bezirksebene, abzuhalten. 1920 fand erstmalig ein Diözesan-Katholikentag in Wien statt und auch die ersten Bezirks-Katholikentage wurden in Teilen der Hauptstadt bzw. in der Provinz abgehalten. Im Mai 1920 fand in unserer Gegend der erste Bezirks-Katholikentag in Poysdorf statt, der eine Teilnehmerzahl von etwa 6.000 Personen aufwies.669 Für das Jahr 1922 wurde neuerlich ein Diözesan-Katholikentag in Wien und Bezirks-Katholikentage in allen Gebieten der Diözese geplant und erstmals war auch die Abhaltung eines Katholikentages in Mistelbach vorgesehen.670 Die Katholikentage hatten aber ob der in der ersten Republik engen Verbindung zwischen Kirche und den Vertretern der christlich-sozialen Partei stets auch politischen Charakter und sind daher zweifellos als politische Machtdemonstrationen anzusehen bzw. wurden als Plattform für (partei)politische Reden genutzt. Man wehrte sich zwar gegen den Vorwurf, die Katholikentage seien Wählerversammlungen (=Wahlkampfveranstaltungen im damaligen Sprachgebrauch), der politische Aspekt dieser Kundgebungen wurde jedoch von den damaligen Spitzenvertretern von Kirche und christlich-sozialer Partei, etwa dem damaligen Kanzler und Priester Dr. Ignaz Seipel, selbstbewusst gar nicht erst bestritten.671
Bezirks-Katholikentag 1922672
Am 29. Juni 1922, zum Festtag Peter und Paul, fand der erste Katholikentag in Mistelbach statt zu deren Teilnahme die Gläubigen aus den Gerichtsbezirken Mistelbach, Laa a.d. Thaya, Poysdorf, Zistersdorf, Matzen, Wolkersdorf und Korneuburg aufgerufen waren. 30.000 Personen sollen bei der Festveranstaltung am Hauptplatz anwesend gewesen sein, eine Anzahl, die die Erwartungen der Organisatoren deutlich übertraf, und in der Berichterstattung des „Mistelbacher Bote“ wurde vermutet, dass wohl noch nie zuvor so viele Menschen in Mistelbach versammelt waren. Um den Transport der zahlreichen Teilnehmer zu bewerkstelligen wurden Sonderzüge auf den Lokalbahnstrecken eingerichtet bzw. verstärkte Züge auf der Staatsbahnstrecke geführt. Bereits am Vortag begannen die Festlichkeiten mit einem Begrüßungsabend der beim Katholikentag zahlreich vertretenen Mitglieder der katholischen Studentenverbindungen des Cartellverbands (CV) unter Leitung des Hörersdorfer Pfarrers Viktor Klinger. Ursprünglich war als Zelebrant Kanzler Dr. Seipel vorgesehen, der jedoch verhindert war und deshalb wurde die Messe vom Mistelbacher Barnabiten-Propst und Stadtpfarrer Don Ludwig Schneck gehalten und der bereits erwähnte Pfarrer Klinger hielt die Festpredigt. Nach der Festmesse vor der Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz folgten die Versammlungen der verschiedenen Teilnehmergruppen (Männer, Frauen, Burschen, Mädchen sowie christliche Arbeiterorganisation) in den großen Gasthöfen der Stadt, die meist von einem Geistlichen und einem christlich-sozialen Politiker geführt wurden. Die Versammlungen zielten auf eine Festigung und Ausbau der Standesorganisationen ab und unter anderem wurden Entschließungen zur Gründung weiterer katholischer Vereine und Organisationen (zB Volksbund, katholisch-deutsche Burschenvereine bzw. Gründung eines Gauverbands der Burschenvereine) gefasst. Am Nachmittag sammelten sich diese Gruppen dann an unterschiedlichen Plätzen der Stadt von wo sie zum Hauptplatz bewegten, um sich dort zu einem gemeinsamen Festzug zu vereinen. Dieser imposante Festzug, der sich aus mehreren Musikkapellen, rund 30 Fahnen und 20.000 Personen zusammengesetzt haben soll, holte Kardinal Dr. Friedrich Gustav Piffl vom Bahnhof ab und geleitete ihn anschließend zum Hauptplatz wo die Festversammlung stattfand. Nach Begrüßungsworten von Loosdorfer Gutsherrn Piatti, dem Präsident des Katholikentages, folgten hauptsächlich politische Reden christlich-sozialer Politiker und Bundesminister Schmitz übermittelte die Grüße des leider verhinderten Kanzlers Seipel. Den Höhepunkte bildete selbstverständlich die Ansprache des Kardinals, die ebenfalls mehr politischen als religiösen Inhalt aufwies, und der von ihm zu Abschluss erteilte Segen. Nach dem Ende der Festveranstaltung auf dem Hauptplatz wurde der Oberhirte noch zum Kolleg begleitet, wo die zahlreichen Teilnehmer unter Ovationen an dem auf der Balustrade stehenden Kardinal vorüberzogen. Danach stattete Kardinal Piffl seinem „persönlichen Freund“ Bürgermeister Josef Dunkl einen Besuch ab, bei dem er mehrfach seine große Zufriedenheit über den gelungenen Verlauf dieser Festveranstaltung kundtat. Mit dem Abendzug kehrte Dr. Piffl schließlich wieder nach Wien zurück. Den offiziellen Abschluss des Festprogramms bildete ein von den katholischen Studentenverbindungen des CV im Saale des Gasthauses Putz (heute: Schillingwirt) veranstalteter Kommers, der aus allen Bevölkerungskreisen zahlreich besucht wurde.
Teilnehmerkarte für den Bezirks-Katholikentag in Mistelbach im Jahre 1922
Vom Bezirks-Katholikentag 1922 waren bisher keine fotografischen Aufnahmen bekannt. Im Nachlass des Heimatforscher Georg Göstl, dem sogenannten Göstl-Archiv, findet sich allerdings nachstehende Fotografie zu der es nur rudimentäre Angaben gibt (Zeitpunkt Anfang 1920er Jahre) und die frappant an die weiter unten folgenden Fotos vom Katholikentag 1929 erinnert. Ein Abgleich mit den Fotos aus dem Jahr 1929 brachte jedoch die Erkenntnis, dass es sich definitiv nicht um ein Foto aus diesem Jahr handelt. Tatsächlich ist dies gut an den Bäumen im Bildhintergrund zu erkennen, die auf den Fotos aus dem Jahre 1929 noch kahl sind (bei kühler Witterung Anfang Mai durchaus möglich) im Gegensatz zu den bereits in vollem Blätterkleid stehenden Bäume auf den Aufnahmen dieser Aufnahme und wie für Ende Juni auch nicht anders zu erwarten.
Wahrscheinlich handelt es sich bei obenstehendem Foto um eine Aufnahme vom Katholikentag 1922 und das wohl einzige überlieferte Foto dieses Ereignisses (Foto: Josef Plaschil)
Bezirks-Katholikentag 1929673
Der zweite Bezirks-Katholikentag in Mistelbach fand am 5. Mai 1929 statt und dieser war als besondere Huldigung für Papst Pius XI. gestaltet, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Priesterjubiläum feierte. Dieses Mal waren zur Teilnahme sämtliche Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach, sowie die Pfarren der Dekanate Altlichtenwarth, Pyrawarth, Wilfersdorf und Zistersdorf eingeladen, da für diese Mistelbach teils leichter erreichbar war, als deren Bezirkshauptstadt Gänserndorf, wo vier Tage später ein Katholikentag stattfand.674 Erneut wurden Sonderzüge eingerichtet und auch das Programm entsprach exakt jenem des sieben Jahre zuvor abgehaltenen Katholikentags. Die Festmesse wurde diesmal von Prälat Dr. Franz Hlawati in Vertretung von Kardinal Piffl zelebriert und die Festpredigt hielt Stadtpfarrer P. Rhabanus Neumeier. Danach folgten die üblichen Versammlungen der Teilnehmergruppen („Standesversammlungen“ – Mädchen, Frauen, Burschen, Männer, Arbeiter) in den großen Gasthöfen der Stadt, bei denen Referenten über die Aufgaben und Pflichten der jeweiligen Stände sprachen. Bei der Versammlung der Burschen im Gasthof Filippinetti sollen 700 Teilnehmer vor Ort gewesen sein, bei jener der Männer über dreihundert. Nachmittags formierte sich der Festzug nach Ständen getrennt in den Straßen um die Elisabethkirche und zog in nachfolgender Marschordnung durch die Stadt und schließlich zum Hauptplatz: Musik, Feuerwehr, Veteranenvereine, Zunftfahnen, Burschenvereine, Mädchenvereine, Lehrervereine, Studentenschaft, Präsidium und Ehrengäste, Frauenvereine, Männervereine. Vereinsmäßig nicht organisierte Personen schlossen sich den jeweiligen Standeszügen an. Zur Festversammlung auf dem Hauptplatz, die wie der gesamte Katholikentag ein „Bekenntnis zur Treue und Anhänglichkeit zur Kirche“ sein sollte, versammelten sich laut Zeitungsberichten mehr als 10.000 Menschen. Nach den Begrüßungsworten lokaler Honoratioren folgten politische Ansprachen christlich-sozialer Politiker, Worte anlässlich des 50-jährigen Priesterjubiläums des Papstes und der Aufruf von Prälat Hlawati gemäß dem Wunsch des Heiligen Vaters in der Katholischen Aktion mitzuarbeiten. Am späten Nachmittag fand schließlich wieder ein Festkommers der katholisch-deutschen Studentenschaft des Cartellverbands im großen Saal des Gasthof „Zur goldenen Krone“ statt. Wie bereits 1922 hatten die Vertreter katholischer Studentenverbindungen in großer Anzahl an diesem Katholikentag teilgenommen haben und Unterrichtsminister Dr. Czermak und andere anwesende christlich-soziale Mandatare, von denen einige katholischen Studentenverbindungen angehörten, nahmen an dieser Abschlussveranstaltung teil.
Seitens des Präsidiums des Katholikentages, angeführt von dessen Präsidenten Bezirksschulinspektor Regierungsrat Schramm, wurde nach dem erfolgreichen Abschluss der Feierlichkeiten via der apostolischen Nuntiatur ein Glückwunsch-Telegramm an den Heiligen Vater gerichtet, auf das schließlich nachfolgende Antwort übermittelt wurde:
„Seine Heiligkeit, erfreut über die ehrerbietigen Glückwünsche und die Huldigung der zum Katholikentag in Mistelbach versammelten Tausenden von Gläubigen, spendet denselben von Herzen seinen Apostolischen Segen zu ausdauernder Arbeite für die große katholische Sache.
Card. Gasparri“675
Programm und Aufruf zur Teilnahme am Bezirks-Katholikentag 1929 auf der Titelseite des Mistelbacher Bote
Einzug zur Festmesse: Dieses Foto zeigt vermutlich den Einzug der Vereine (hier Mädchenbund), die sich am Morgen vor dem Kolleg versammelt hatten und korporativ zur Festmesse am Hauptplatz einzogen
Einzug zur Festmesse: Geistliche Schwestern ziehen hier gerade von der Barnabitenstraße in die Oserstraße und dann weiter Richtung Hauptplatz zur Festmesse. Das Foto wurde aus einem Fenster des Gasthauses Filippinetti (heute: Schillingwirt) aufgenommen.
Festmesse: Dieses Bild zeigt den damaligen Stadtpfarrer P. Rhabanus Neumeier, der die Festpredigt hielt
Festmesse: Wie auf diesem Bild ersichtlich ist, nahmen zahlreiche Vertreter von Studentenverbindungen des Cartellverbands (CV) in Form von Chargierten in der studentischen Festtracht am Katholikentag teil. In der Bildmitte ist Prälat Dr. Franz Hlawati zu sehen, der die Messe zelebrierte. Als Superior des Ordens der Barmherzigen Schwestern, dürfte er ein sogenannter „infulierter Prälat“ gewesen sein, also ein Prälat dem durch päpstliche Erlaubnis das Tragen der bischöflicher Insignien – hier die Mitra – erlaubt war.
Einzug zur Festmesse oder Festzug: Unter den vielen Vereinen und Organisationen die am Fest teilnahmen waren auch die Pfadfinder vertreten, die hier in der Hafnerstraße Richtung Hauptplatz marschieren. Woher diese Pfadfindergruppe stammte ist jedoch unklar, denn in Mistelbach wurden die Pfadfinder erst 1930 gegründet und auch in Laa a.d. Thaya traten die Pfadfinder erst im Herbst des Jahres 1929 erstmals öffentlich auf. (Amateuraufnahme aus dem Nachlass der Familie Schödl)
Festmesse?: Auf dieser Amateuraufnahme ist erkennbar, dass die Menschenmenge auf dem Hauptplatz nicht so dicht war, wie sie teilweise auf den professionellen Aufnahmen (bewusst?) dargestellt wird (Amateuraufnahme aus dem Nachlass der Familie Schödl)
Auszug nach der Messe?: Den Festzug begleiteten auch mehrere Musikkapellen, unter anderem die Stadtkapelle Mistelbach, die zuvor auch die Festmesse musikalisch umrahmte.
Vermutlich eine Aufnahme von der nachmittäglichen Festversammlung auf dem Hauptplatz
Bezirks-Katholikentag 1951676
Der dritte und bislang letzte Bezirks-Katholikentag in Mistelbach fand am Sonntag, 10. Juni 1951 unter dem Motto: “Christus gestern, Christus heute, Christus morgen, Christus in Ewigkeit” statt. Zur Teilnahme waren die Gläubigen der Dekanate Ernstbrunn, Gaubtisch, Laa a.d. Thaya, Pirawarth, Pillichsdorf, Staatz und Wilfersdorf aufgerufen. Ein Teil des Verwaltungsbezirks fehlte diesmal und zwar hielten die Dekanate Poysdorf und Altlichtenwarth ihren Katholikentag drei Wochen später in Poysdorf ab.677 Seitens der sowjetischen Besatzungsmacht wurde diese Veranstaltung mit Argusaugen beobachtet, da man kirchlichen Großveranstaltungen grundsätzlich kritisch gegenüberstand und hinter diesen gegen die Besatzer gerichtete Demonstrationen vermutete.678 Am Morgen des Festtages standen dichte Wolken über Mistelbach und ob die Veranstaltung wie geplant auf dem Hauptplatz abgehalten werden könnte war mehr als ungewiss. Doch die Massen strömten dennoch herbei und wurden belohnt – die Sonne vertrieb die Regenwolken. Erzbischof-Koadjutor Dr. Franz Jachym war von Landwirtschaftsminister Josef Kraus, Bezirkshauptmann Dr. Karl Mattes und dem Präsidenten des Katholikentages, Bürgermeister Franz Bayer empfangen und zum abermals vor der Dreifaltigkeitssäule aufgebauten Altar geleitet worden. Dr. Jachym zelebrierte die Messe und Pater Volkmar übernahm die Funktion des Vorbeters und -sängers am Mikrofon, während die musikalische Begleitung durch die Stadtkapelle besorgt wurde. Im Zuge der Messe erfolgte auch die vom Mistelbacher Zweigverein des ÖAMTC organisierte St. Christophorus Fahrzeugweihe, bei der mehr als 300 Fahrzeuge vom Roller über Motorräder und PKW, bis LKW, schwere Traktoren und Sonderfahrzeuge von Dr. Jachym gesegnet wurden.679 Danach fanden wieder die üblichen Standesversammlungen in den Gasthöfen bzw. im Saal des Internats der landwirtschaftlichen Fachschule statt, und diese waren derart gut besucht, dass die vorgesehenen Säle zu klein waren und die Versammlungen kurzerhand ins Freie verlegt werden mussten. Nachmittags um 14 Uhr erfolgte die Aufstellung zum Festzug in der „Straße des 12. Februar 1934“ (damaliger Name der Franz Josef-Straße) vor der Gewerbeschule. Nach dem kurzen Festzug der via Bahnstraße und Hafnerstraße direkt zum Hauptplatz führte, folgte dort der als „Bekenntnisfeier“ bezeichnete Festakt. Im Gegensatz zu den Katholikentagen der Zwischenkriegszeit folgten keine Ansprachen von Politikern, sondern lediglich von Geistlichen und Funktionären katholischer Verbände und mit den Schlussworten und dem sakramentalen Segen von Erzbischof-Koadjutor Jachym fand der Festakt seinen Abschluss. Das gute Wetter hielt genau für die Dauer der Veranstaltung an, denn knapp eine Viertelstunde nach Schluss der Feier ging ein Regenguss nieder. Die mit deutlich über 10.000 Personen angegebene Anzahl von Teilnehmern bei der Festkundgebung am Nachmittag scheint in Anbetracht der Tatsache, dass die vom Roten Kreuz für die Veranstaltung eingerichtete Rettungsstelle den ganzen Tag über 250 Mal Hilfe leisten musste – von leichteren bis zu schwereren Fällen (Überhitzungen und Herzanfälle) – durchaus plausibel.680
Dr. Jachym vor dem Kolleg mit der zum Katholikentag versammelten Geistlichkeit
Der festlich geschmückte Hauptplatz mit den zur Weihe bereits bereitstehenden Kraftfahrzeugen
Eine Aufnahme vom Rathausturm zeigt die zur Festmesse versammelten Menschenmassen und die am Südende des Hauptplatzes für die St. Christophorus-Weihe bereitgestellten Kraftfahrzeugen
Erzbischof-Koadjutor Jachym bei der Fahrzeugweihe
Vereinzelt existieren auch Farbfotos von diesem Festtag, wie dieses, dass den Altar vor der Dreifaltigkeitssäule zeigt
Erzbischof-Koadjutor Dr. Franz Jachym segnet die Teilnehmer des Katholikentags bei seinem Auszug, möglicherweise nach Ende der Bekenntnisfeier
Sammlung zum Festzug in der „Straße des 12. Februar 1934“ (Franz Josef-Straße) im Bereich vor der Gewerbeschule (heute Polytechnische Schule)
Das letzte Foto stammt ebenfalls aus dem Göstl-Archiv und ist lediglich mit „1948 unklar“ beschriftet. Göstl dürfte einen Zusammenhang mit der 1948 abgehaltenen Gewerbeausstellung vermutet haben. Tatsächlich lassen sich aber im Vergleich zu den anderen Fotos vom Katholikentag 1951 viele der Fahnen wiedererkennen und bei genauerer Betrachtung sind auch die weißen Festabzeichen erkennbar. Nachdem auch der abgebildete Ort auch mit dem Treffpunkt für die Sammlung zum Festzug übereinstimmt, dürfte es sich wohl um ein Foto des Katholikentages 1951 handeln.
Bildnachweise:
Fotos: Göstl-Archiv (Katholikentag 1922, Katholikentag 1951), zVg von Frau Kalser (Amateuraufnahmen der Familie Schödl vom Katholikentag 1929), zVg von Herrn Dr. Stoiber (Profiaufnahmen vom Katholikentag 1929), zVg von Herrn RegRat Englisch (Festzug zum Hauptplatz Katholikentag 1929 – Barnabitenstraße, „Frohnerkreuzung“ und Festversammlung 1929), Stadt-Museumsarchiv (Teilnehmerkarte Katholikentag 1922), Programm und Aufruf Katholikentag 1929: Mistelbacher Bote, Nr. 17/1929, S. 1 (ONB: ANNO)
Quellen:
Meeß-Häuser – Liechtensteinstraße 8 und 10 & Oserstraße 15, 17, 19, 21 und 23
Als Meeß-Häuser (umgangssprachlich zumeist fälschlicherweise „Mess-Häuser“ genannt) sind älteren Mistelbachern die Häuser Liechtensteinstraße Nr. 8 und 10 bekannt. Diese Häuser wurden 1908 (Nr. 10)681 bzw. 1909 (Nr. 8)682 vom Bautechniker Otto Meeß (*1861, †?) errichtet. Meeß, dessen Beruf gelegentlich auch als Architekt angegeben wurde, stammte ursprünglich aus Karlsruhe, war jedoch jedenfalls seit dem Jahr 1890 in Wien ansässig.683 Er wohnte in Hernals684 und heiratete dort 1892 Henriette Saulik (*1866, †1956), die Tochter eines Bürstenmachers.685 In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts scheint Meeß als Bauherr einiger Bauprojekte in Wien-Ottakring auf686, und 1905 war er bereits im Besitz von drei Häusern in Ottakring bzw. eines Hauses in Währing.687 Doch dürfte er sich bei diesen Projekten finanziell übernommen haben, denn im Mai 1905 wurde ein langwieriges Konkursverfahren über sein Vermögen vor dem Wiener Landesgericht eröffnet, dass schließlich zwei Jahre später mangels Vermögens eingestellt werden musste.688
Dieser wirtschaftliche Rückschlag, der natürlich auch den Verlust seiner Immobilien bedeutete, zwang ihn offenbar seine selbständige bzw. freiberufliche Tätigkeit gegen ein unselbstständiges Beschäftigungsverhältnis zu tauschen und ab März 1908 tritt er als Geschäftsführer der neueröffneten Mistelbacher Filiale des Hernalser Zimmereibetriebs Johann Horak hierorts erstmalig in Erscheinung.689 Gemeinsam mit seiner Gattin war er nach Mistelbach übersiedelt und hier wohnhaft, obwohl sie bis etwa 1913 weiterhin auch einen Wohnsitz in Wien unterhielten.690 Doch offenbar konnte und wollte er sich, trotz des erlittenen Rückschlags, nicht ganz aus dem Immobiliengeschäft zurückziehen, denn bereits wenige Wochen nach seiner Ankunft in Mistelbach taucht der Name Meeß bereits in Zusammenhang mit dem Bau der eingangs erwähnten Wohnhäuser in der Liechtensteinstraße auf. Allerdings scheint nicht Otto Meeß, sondern stets dessen Gattin Henriette als Grund- bzw. Hausbesitzerin bei diversen Eingaben an die Gemeinde auf.691 Man kommt nicht umhin anzunehmen, dass die rechtliche Konstruktion das Eigentum seiner Gattin zu überlassen, durch seinen vorherigen Konkurs bedingt ist. Nachdem das Konkursverfahren mangels Vermögens eingestellt wurde, wäre es im Falle, dass Meeß wieder zu Vermögen gekommen wäre, zu einem Wiederaufleben der (Rest)Forderungen seiner Gläubiger gekommen. Die Nennung von Frau Meeß in Zusammenhang mit den Mistelbacher Immobilienprojekten dürfte schließlich zur vereinzelt geäußerten Annahme geführt haben, Frau Meeß sei Architektin bzw. Planerin dieser Bauten gewesen.692 Dem war jedoch nicht so, sie dürfte aus oben genannten Gründen vielmehr als „Strohfrau“ für die Bauprojekte ihres Gatten agiert haben. Dafür spricht schließlich auch die Tatsache, dass trotzdem die Häuser formell im Eigentum von Henriette Meeß standen, bei späteren Verkaufsanzeigen stets Otto Meeß als Kontaktperson angeführt wurde.693
Rechts im Bild die beiden zweistöckigen Meeß-Häuser Liechtensteinstraße Nr. 8 und 10. Nachdem die neben Nr. 8 in die Liechtensteinstraße einmündende Karl Fitzka-Gasse auf dem Foto noch in keinster Weise zu erkennen ist, dürfte die Aufnahme aus der Zeit zwischen 1909 und 1912 stammen.
Das Haus Liechtensteinstraße Nr. 8 umfasste 15 Wohnungen mit Gasleitungen und Wasseranschlüssen am Gang694 und das unmittelbar zuvor errichtete Haus Nr. 10 dürfte wohl ähnlich ausgestattet gewesen sein. Noch vor Fertigstellung seiner beiden Wohnbauten in der Liechtensteinstraße, wagte sich Meeß bereits an das nächste Bauprojekt, und zwar die Errichtung von Wohnhäusern in der Oserstraße. Auch diese Häuser sollten später als „Meeß-Häuser“ bezeichnet werden, allerdings hielt sich diese Bezeichnung nicht so lange im kollektiven Gedächtnis, wie etwa bei jenen in der Liechtensteinstraße. Die Gründe an der linken Seite der Oserstraße zwischen Schulgasse (heute: Thomas Freund-Gasse) und Gartengasse gehörten damals Bürgermeister Thomas Freund, der sie 1909 als Baugründe aufschließen ließ und anschließend an Meeß verkauft haben dürfte.695 Die ersten beiden Häuser Oserstraße Nr. 15 und 17 waren jedenfalls bereits im Oktober 1910 fertiggestellt worden696 und diesen sollten in den Jahren 1911 und 1912 noch drei weitere Häuser (Nr. 19, 21, 23) folgen.697
Die in den Jahren 1910-1912 erbauten Meeß-Häuser in der Oserstraße, kurz nach ihrer Errichtung …
… und in ihrem heutigen Erscheinungsbild
Im Dachgesims des in der Mitte dieser Häuserreihe gelegenen Hauses Nr. 19 findet sich das Jahr der Erbauung (Anno 1911) sowie der Name der Besitzerin in Form eines Steinreliefs verewigt. Die Bezeichnung als „Henrietten-Heim“ ist allerdings nicht als Name einer (sozialen) Einrichtung oder ähnlichem zu missinterpretieren, sondern es war um die Jahrhundertwende durchaus üblich prachtvollen Bauten bzw. Villen Frauennamen (die Namen ihrer Besitzerin oder Bewohnerin) in Verbindung mit den Begriffen Heim, Haus oder Villa zu geben. Ein anderes Mistelbacher Beispiel dafür ist das wenige Jahre zuvor erbaute Haus an der Adresse in der Hugo Riedl-Straße Nr. 11 auf dem einst „Villa Therese“ zu lesen war (siehe Abbildung im Beitrag zur Hugo Riedl-Straße).
Das Dachgesims des Hauses Oserstraße Nr. 19 nennt den Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Hauses und sein Name leitete sich von jenem der einstigen Besitzerin Henriette Meeß ab
Ein 1911 von Otto Meeß gestelltes Ersuchen um Konzessionersteilung betreffend das Gewerbe der Realitätenvermittlung im politischen Bezirk Mistelbach wurde seitens des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) in Ermangelung eines Bedarfs für die Stadt Mistelbach negativ beurteilt.698 Im selben Jahr versuchte Meeß „ein stockhohes Eck- und Mittelhaus in der Oserstraße“ (vermutlich Nr. 15 und 17) zu verkaufen und hatte über einen längeren Zeitraum im Mistelbacher Bote bzw. zeitweilig auch in überregionalen Zeitungen Verkaufsanzeigen inseriert.699 Im Häuserverzeichnis in Fitzkas Ergänzungsband, dass den Hausbestand aus dem Jahr 1912 wiedergibt, scheint als Besitzerin der Häuser Oserstraße Nr. 15 und Liechtensteinstraße Nr. 8 bereits eine Frau Louise Markl auf, weshalb der Verkauf der Häuser im Jahre 1911 erfolgt sein dürfte.700 1912 scheint Henriette Meeß noch als Besitzerin der Häuser Liechtensteintraße 10 und Oserstraße 17, 19, 21 und 23 auf.701 Doch schon im Oktober 1912 kam es auf Betreiben der Mistelbacher Sparkasse zur gerichtlichen Versteigerung der Häuser Oserstraße 15, 19, 21 und 23702 und im Jahre 1915 schließlich auch zur Versteigerung des Hauses Oserstraße 17703. Interessant, dass es auch zur Versteigerung des Hauses Oserstraße 15 (korrekte heutige Hausnummer), dass sich ja wie bereits geschildert nicht mehr im Besitz der Familie Meeß befand. Augenscheinlich hatte sich Otto Meeß erneut verkalkuliert und konnte die bei der städtischen Sparkasse aufgenommenen Schulden zur Realisierung dieses Immobilienprojekts nicht mehr bedienen. Somit scheint der Familie Meeß lediglich ihr erstes Wohnhaus Liechtensteinstraße Nr. 10 verblieben zu sein – zumindest finden sich keine gegenteiligen Hinweise.
Nachdem die Immobilienprojekte offenbar nicht wie geplant verlaufen waren und ihm kein Leben als Privatier, der von den Verkaufserlösen bzw. Mieteinnahmen seiner Häuser lebt, ermöglichten, musste Otto Meeß seinen Unterhalt wieder mit Erwerbsarbeit bestreiten und daher scheint er ab Anfang der 1920er Jahre als Ziegeleiverwalter (offenbar bei der Mistelbacher Ziegelwerksgesellschaft) auf.704 Ein Bericht über das Jubiläum der goldenen Hochzeit des Ehepaares Meeß im Jahre 1942 ist die letzte öffentliche Erwähnung der beiden.705 Nachdem Henriette Meeß 1956 in Mistelbach verstarb, ist davon auszugehen, dass auch ihr Gatte, dessen Todesjahr nicht bekannt ist, ebenfalls bis zu seinem Tode in Mistelbach lebte. Durch die Erbauung dieser prachtvollen Wohnhäuser prägt das Ehepaar Meeß bis heute das Erscheinungsbild der Liechtensteinstraße sowie der Oserstraße und durch die umgangssprachliche Benennung nach deren Erbauer hat sich der Name Meeß mehr als hundert Jahre im Sprachgebrauch der Bevölkerung erhalten.
Bildnachweise:
-) alte Ansichtskarten (Oserstraße und Liechtensteinstraße): Stadt-Museumsarchiv Mistelbach
-) Foto Dachgesims „Henrietten-Heim“: Thomas Kruspel, 2015
-) Häuser Oserstraße: Thomas Kruspel, 2023
Quellen:
Der Großbrand in Eibesthal im Jahre 1904
Wohl aufgrund der bevorstehenden Weihe der neuerbauten Eibesthaler Pfarrkirche erschien im Sommer 1951 im “Mistelbacher Bote” eine mehrteilige Artikelreihe unter dem Titel “Aus der Geschichte des Ortes Eibesthal”. Leider wird der Verfasser dieser gut aufbereiteten Beitragsreihe nicht angeführt. In der 3. Fortsetzung (Mistelbacher Bote, Nr. 28/1951 (14. Juli 1951), S. 2 (ONB: ANNO)) dieser Artikelserie wird der Großbrand in Eibesthal im Jahre 1904 ausführlich beschrieben und die anschauliche Darstellung der damaligen Geschehnisse soll an dieser Stelle wiedergegeben werden:
„Eine schwere Katastrophe brach am 29. März 1904 über den Ort Eibesthal herein. Noch heute berichten unsere Großeltern von dem Riesenbrand. Um ¼ 5 Uhr nachmittags brach in der Scheune des Hauses Nr. 155 ein Großfeuer aus, das durch spielende Kinder angefacht worden war. Vom Mittelorte aus gesehen meinte man, die kleine Zeile, eine östlich zum Straßenzuge sich parallel ziehende Häuserreihe, stehe in Flammen. Mehrere Männer der Freiwilligen Feuerwehr trafen bald nach Ausbruch des Feuers beim Zeughaus ein und versuchten, so gut es eben auf dem holprigen Wege ging, die Spritzen der kleinen Zeile zuzuschieben. Der tief durchfurchte Feldweg, der mit Zugtieren fast unpassierbar war, wurde von den wenigen Männern mit der Karrenspritze genommen; ein Bauer raste mit seinen Pferden aus der Straße daher, die zweite Spritze zu holen. Auf der Höhe der kleinen Zeile angelangt, musste man mit Schrecken erkennen, dass man den falschen Weg eingeschlagen hatte: Es brannte nicht auf der kleinen Zeile, sondern seitlich im Oberdorf. Dieses dreht sich derart gegen Osten, daß vom Mittelorte aus gesehen, die kleine Zeile und das Oberdorf in der Richtung sich decken. Dieser Umweg hatte eine schwer ins Gewicht fallende Zeitverzögerung gebracht. Der herrschende Südoststurm hatte, als die Feuerwehr endlich auf dem Brandplatz erschien, die Flammen über mindestens 20 Objekte gejagt. Alle Strohbedachung längs der östlichen Seite des Oberdorfes war entzündet, der Feldfahrweg zwischen den einzelnen Häusern absolut unpassierbar. Der heulende Sturm peitschte die Stichflammen am Erdboden dahin, Rauch, Qualm und Höllenglut erfüllte alle Hofteile, Gassen und Gässchen. Die Feuerwehr musste vor allem versuchen, den Riesenbrand einzudämmen, ansonsten eine ganze Flucht von Häusern der westlichen Straßenseite in Flammen ausgegangen wäre. Ein Augenzeuge aus dieser Zeit weiß zu berichten: „Weiber und Kinder standen jammernd, schreiend und betend auf der noch sicheren Straße: dort stürmte eine Kuh daher, ihrer Bande ledig, mitten hinein in den klagenden Haufen, dort eine zweite, dritte, ängstlich brüllend, in tollem Kreisen einen Ausweg aus dem Höllenpfuhle suchend. Nur mit großer Mühe gelang es einigen beherzten Männern, die scheuen Tiere einzufangen. “Weiber, Kinder, hinaus ins sichere Feld! Fort von hier, auf dass das Unglück nicht noch größer werde!” erschallte es von den zuckenden Lippen der Männer, denn wahrlich, die Gefahr war groß und vorderhand bei dem grässlichen Sturm an einen Stillstand der Flammen gar nicht zu denken.
In fast allen brennenden Stallungen waren noch die Haustiere, da ja beim Ausbruche des Feuers außer einigen kränklichen Frauen und kleineren Kindern niemand zu Hause war, Männer und Burschen befanden sich vielfach noch draußen im Felde bei den Arbeiten. Die verfügbaren männlichen Kräfte mussten auf die Rettung der bedrohten Haustiere bedacht sein. In einer Reihe von Häusern mussten die verschlossenen Haus- und Hoftüren eingerannt werden, um zu den Ställen zu kommen. Das war ein hartes Stück Arbeit. Die Höfe und Treppen mit stickendem Rauch erfüllt, neben den Ställen der brennende Düngerhaufen, zu Häupten das brennende Haus, der brennende Stallboden, nach vorne hin unsägliche Hitze und qualmender Rauch von Seite der mit Futtervorräten gefüllten und nun in Flammen stehenden Scheuer – dieser Feuerpfad musste Haus für Haus von mutigen Männern und Burschen genommen werden, ehe unter unsäglichen Anstrengungen man endlich in den mit Qualm erfüllten Stall kam. So mancher Beherzte musste aber, seines freien Atems beraubt, wieder unverrichteter Dinge zurück, stürzte auf der Treppe zusammen und wurde unter Mühe und Not von anderen Wackeren auf die Straße geschafft. In einer 1/4 Stunde war das Vieh mit den unbeschreiblichsten Anstrengungen geborgen worden. Aus einem brennenden Hause wurden Kinder, welche sich in ihrer Angst eingesperrt hatten, herausgeholt. Ein 17-jähriges Mädchen versuchte im eigenen Hause zu retten, was zu retten noch möglich war, fing aber mit seinen Kleidern Feuer. Die Flammen konnten von einem Feuerwehrmann noch rechtzeitig erstickt werden. Derselbe Wehrmann rettete auch einem armen Weibe das Leben. Diese Frau wollte ihre einzige Ziege aus dem brennenden Stalle retten. Die Flammen schlugen aber derart in den Stall hinein, dass sie nicht mehr zurück konnte und jämmerlich um Hilfe schrie. Der Wehrmann wagte sein Leben und brachte glücklich Weib und Ziege in Sicherheit. Leider war auch ein Menschenleben zu beklagen. Der Kleinhäusler Sebastian Schwenk, der beim Ausbruch des Brandes im Felde arbeitete, kam ins Dorf, als sein Häuschen, der Stall und die Scheuer in Flammen stand. Die einjährige Kalbin gelang es ihm, noch aus dem Stall zu schaffen. Als er in allzu großem Wagemut noch die Schweine bergen wollte, fingen seine Kleider Feuer und brennend stürzte er hinaus auf den Fahrweg, wo ihn die Flammen zu Boden schlugen. Sein Sohn, sowie noch andere Personen, versuchten dem Brennenden nahe zu kommen. Doch links und rechts zu beiden Seiten des nur 3 Meter breiten Fahrweges standen Strohobjekte in hellen Flammen, welche, vom Winde getrieben, den Weg in eine Feuerzeile verwandelten. Ein mehrmaliger Anlauf in diesen Feuerrachen wurde gewagt, doch alles vergebens. Der Rettungsversuch hätte vielleicht noch andere Opfer verschlungen. Ungefähr nach einer Stunde trafen Feuerwehren aus den umliegenden Ortschaften ein. Bei 70 Objekte standen bereits in Flammen, eine weitere Menge von Objekten war schon bedroht. Als der Abend hereinbrach, kamen aus den umliegenden Orten in großen Haufen Leute herbeigeströmt, zu Fuß, zu Rad, per Wagen oder Fiaker, um das grässliche Schauspiel in Augenschein zu nehmen. Die Plätze, Wege und Straßen füllten sich mit Leuten, von denen die wenigsten zu den Spritzen traten, sie waren ja gekommen um zu staunen, sich zu entsetzen, aber nicht um zu helfen. Abends traf der Herr Bezirkshauptmann Freiherr Alfons Klezl von Norberg auf der Brandstätte ein, besichtigte dieselbe eingehend, ließ sich über den entstandenen Schaden berichten und versprach den Abgebrannten seine Unterstützung. Der damalige Oberlehrer Rudolf Wedra veranstaltete Sammlungen in Wien und in vielen Gemeinden Niederösterreichs. Eibesthal war ja durch die Passionsspiele weit und breit bekannt. Die Sammlungen brachten einen so hohen Geldbetrag zustande, so dass sämtliche vom Brandunglück betroffene Eibesthaler ihre Häuser wieder aufbauen konnten, und zwar größer und schöner, als sie vorher waren.“
Im Illustrirten Wiener Extrablatt finden sich folgende Abbildungen der durch die Brandkatastrophe entstandenen Schäden:
Foto: Juritsch
Illustrirtes Wiener Extrablatt, 6. April 1904 (33. Jg. – Nr. 96), S. 5 (ONB: ANNO)
„Der Mensch im Stein“ – kein (!) Rechtsdenkmal
Ein häufiges Problem der Lokalgeschichtsforschung ist es, dass Informationen oftmals ungeprüft und lediglich auf eine einzelne Quelle gestützt übernommen werden. Im Falle Mistelbachs kommt hinzu, dass immer wieder auf die vor mehr als hundert Jahren erschienenen Bände der „Geschichte der Stadt Mistelbach“ von Karl Fitzka, zurückgegriffen wird, obwohl seither viele Publikationen erschienen sind, die Fitzkas Darstellungen widersprechen bzw. richtigstellen oder neue Informationen aufgreifen. Zum Teil sind diese von fachkundiger Hand verfassten geschichtlichen Beiträge allerdings nicht in Buchform erschienen, sondern als Beiträge in heimatkundlichen Schriftenreihen (Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Heimat im Weinland) oder in Form vom Artikelserien in Lokalzeitungen erschienen und daher heute weniger bekannt bzw. etwas schwieriger zugänglich. Besonders hartnäckig hält sich eine falsche Information betreffend eine im Stadt-Museumsarchiv befindliche Steinskulptur, die auch in Publikationen der jüngsten Vergangenheit – einmal mehr unter Berufung auf die Angaben bei Fitzka – fälschlicherweise als Rechtsdenkmal („Schandbock“) bezeichnet wird.706 Nachfolgend soll das Publikationsgeschehen rund um diese Skulptur dargestellt und alle verfügbaren Informationen zusammengefasst werden. Dabei wird sich zeigen, dass bereits vor mehr als hundert Jahren die Fehleinschätzung zur Bedeutung dieser Skulptur seitens des Urhebers derselben revidiert und richtiggestellt wurde – eine Tatsache, die in Mistelbach allerdings leider nicht zur Kenntnis genommen wurde.
In den 1891 erschienenen „Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien“ (Band XXVIII) veröffentlichte Dr. Karl Lind einen Beitrag zum Thema „Einige ältere Kirchen in Niederösterreich“ und in diesem wird unter anderem auch die 1904 abgebrochene alte Mistelbacher Spitalskirche beschrieben. Anlässlich eines Lokalaugenscheins im Zuge der Arbeit an diesem Beitrag dürfte der Autor auf eine in nächster Nähe zur Spitalskirche befindliche Steinskulptur aufmerksam gemacht worden sein, und auch diese wird in dem Beitrag mit einer Skizze abgebildet und wie folgt beschrieben:
„An der Ecke eines Privathauses befindet sich eine merkwürdige Sculptur, man könnte sie ein Wahrzeichen des Ortes nenne. Sie hat die Gestaltung einer zusammenkauernden Figur, der Kopf mit lockigem Haupthaar ist ganz deutlich zu erkennen. Füsse und Hände sind ausser allem Verhältnisse klein, der Leib nicht dargestellt, sondern ein fast viereckig behauener Steinklotz“707
Die älteste bildliche Darstellung der Steinskulptur an einer Hausecke aus „Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien“ des Jahres 1891
In dem 1899 erschienenen Buch „Wahrzeichen Niederösterreichs“ von Dr. Anton Kerschbaumer wird die Beschreibung und Abbildung aus der Publikation des Alterthums-Vereins Wien exakt gleich wiedergegeben.708 Die obige Beschreibung bzw. bildliche Darstellung scheint insofern irreführend als sich die Figur tatsächlich nicht an der Außenseite einer Haus-/Mauerecke, sondern an deren Innenseite bzw. hofseitig befand und diese versteckte Lage dürfte auch dafür verantwortlich sein, dass die Skulptur in Mistelbach tatsächlich kaum bekannt war. Deshalb erscheint die in Dr. Linds Beitrag getätigte Behauptung es handle sich um ein Wahrzeichen Mistelbachs keineswegs nachvollziehbar. Es ist unklar, ob die vorstehend genannten Veröffentlichungen in Mistelbach registriert wurden, schließlich kam es erst 1898 zur Gründung des städtischen Museums und in der Folge zu einem ersten Aufarbeiten der Geschichte der Stadt. Ein gesteigertes Interesse an der Skulptur dürften sie jedenfalls nicht verursacht haben, schließlich gab es außer der Beschreibung bislang auch keinerlei Einschätzung worum es sich bei diesem Steindenkmal überhaupt handelt.
Im Zeitraum 1903-1906 wurden im Rahmen einer Beitragsreihe teilweise unter dem Titel „Landeskundliche Mitteilungen“ bzw. „Landes- und ortskundliche Mitteilungen“ regelmäßig heimatkundliche Beiträge in der Zeitung „Der Bote aus dem Waldviertel“ veröffentlicht. Der Autor dieser Beiträge war Franz Xaver Kießling, der sich nach einer Erkrankung aus seiner beruflichen Tätigkeit als Ingenieur zurückziehen musste und sich seither intensiv als Heimatforscher betätigte. Kießling war glühender Deutsch-Nationaler, „Schönerianer“, fanatischer Antisemit, und geradezu besessen von allem was mit den Germanen zu tun hatte. Diese Obsession Kießlings, der im Wiener Turnverein früh einen beispielgebenden Arierparagrafen durchsetzte, führte auch zu seinen Bestrebungen germanische Bräuche bzw. pseudoreligiöse Riten innerhalb der deutsch-nationalen Bewegung zu etablieren. In einem Anfang Juni 1904 erschienenen Beitrag widmete sich Kießling unter Bezugnahme auf die Schilderungen in den Mitteilungen des Alterthums-Vereins Wien und Kerschbaumers „Wahrzeichen Niederösterreichs“ der gegenständlichen Steinskulptur. Laut eigenem Bekunden betrieb er zu jener Zeit eine Studie zu mittelalterlichen Rechtsdenkmälern und daher versuchte er nähere Informationen zu dieser Steinskulptur einzuholen. Er schrieb darin, dass er vor einigen Jahren Mistelbach besucht habe und ihm dieses Denkmal bei seinem Besuch nicht untergekommen sei.709 Er hatte auch versucht Erkundigungen zu dieser Figur in Mistelbach einzuholen, aber sein Mistelbacher Kontakt (ein nicht namentlich genanntes Mitglied des hiesigen Deutschen Turnvereins) vermeldete lediglich, dass eine solche Figur in Mistelbach nicht existiere bzw. nichts darüber bekannt sei. Daher äußerte Kießling Zweifel, ob es sich nicht um eine Verwechslung der Örtlichkeit handelte oder alternativ vermutete er, dass das Denkmal mittlerweile abgekommen sei. Aufgrund der oben abgebildeten Zeichnung vermutete Kießling hinter der gestauchten quaderförmigen Figur, die Darstellung einer Person, die auf einem Straf- bzw. Schandbock gespannt war. Der Bock (auch Stock genannt) war eine Holzkonstruktion (Holzklotz oder -gestell) mit Ausnehmungen für Arme, Beine und den Kopf, die den Verurteilten in eine unangenehme gebückte bzw. hockende Körperhaltung zwang. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert waren derartige „Ehrenstrafen“ durchaus üblich und der Bock/Stock soll eine Strafe für Männer gewesen sein, die sich Raufereien, üble Nachrede, Ehezänkereien, Ungehorsam gegenüber der Ortsobrigkeit, etc. zu Schulden kommen ließen. Ähnlich der Schandfiedel (Halsgeige), bei der Kopf und Hände in ein Brett eingezwängt wurden und die bei den oben genannten Delikten für die Bestrafung von Frauen vorgesehen war, handelte sich um eine Bestrafung, die an einem öffentlichen Ort abgebüßt werden musste. Gerade die Öffentlichkeit und die damit verbundene Schande und Demütigung war ein wesentlicher Teil dieser meist einige Stunden dauernden Tortur. Daher wurden derart bestrafte Personen an prominenten Plätzen, etwa dem Marktplatz bzw. an der Prangersäule oder an sonst stark frequentierten Plätzen und Straßen, zur Schau gestellt. Die obige Zeichnung der Skulptur, die die Anbringung an einer Hausecke nahelegt, dürfte Kießling auf die Idee gebracht haben, dass es sich bei dem Steinbildnis um ein Rechtsdenkmal (ähnlich einem Pranger) handelte mit dem eine Häuserecke markiert worden sein könnte, an der die geschilderte Strafe verbüßt werden musste.710 Wie sich in einem Nachtrag in der folgenden Ausgabe herausstellte, waren die Informationen seines Mistelbacher Vertrauten nicht korrekt und Kießling hatte zwischenzeitlich einen Brief vom Leiter des Mistelbacher Museums Karl Fitzka erhalten in dem dieser erläuterte, dass sich das gegenständliche Steinbildnis nicht an einer Straßenecke befinde, sondern sich ursprünglich an der „inneren Garten- und Hof-Mauer des ebenerdigen Hauses in der Bahnstraße Nr. 1“ befunden habe. Aber schon vor Jahren sei die Skulptur vom Besitzer des Hauses dem städtischen Museum übergeben worden. Nachdem nun der Verbleib der Figur geklärt war, blieb Kießling bei seiner Rechtsdenkmal-These und vermutete den Ursprung des Steinbildnisses im 16. oder 17. Jahrhundert.711 Ein drittes und letztes Mal findet sich in der Beitragsreihe dann noch ein Verweis auf die Mistelbacher Skulptur, und zwar in Zusammenhang mit einem kurzen Beitrag mit dem Titel „Über Schandsteine und Schand-Ecken“. Kießling vermutete in einer Fußnote zu diesem Beitrag, dass auch dieses Steinbildnis einst über einer solchen „Schandecke“ angebracht war. Er mutmaßt weiter, dass das Denkmal von einem späteren Hausbesitzer abmontiert worden sein dürfte, schließlich konnte ein solches Bildnis in späterer Zeit als ehrenrührig empfunden worden sein bzw. Anlass für Spott geboten haben. So sei es dann schließlich an seinen letzten Standort – die Innenseite einer Garten- bzw. Hofmauer gekommen.712
Links neben dem 1873 errichteten Schulgebäude in der Bahnstraße (heute Teil des Gebäudekomplexes der Mittelschulen) das alte bis ca. 1904 bestehende Gebäude mit der für ein Eckhaus üblichen Doppeladresse Bahnstraße 1/Mitschastraße 2
Der Blick vom Schulgebäude in der Bahnstraße über die Dächer des Wiedenviertels hinweg auf die am Kirchenberg thronende Pfarrkirche. Auf dieser Aufnahme aus der Zeit zwischen 1898 und 1904 (möglicherweise 1903) ist am unteren Bildrand teilweise das Haus Bahnstraße Nr. 1 und ein Teil des Gartens, sowie die diesen umgebende Mauer abgebildet. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Skulptur bereits in den Beständen des Museums und es ist ersichtlich, dass die Gartenmauer, in die die Skulptur einst eingemauert gewesen sein soll, recht niedrig war und ihre Innenseite ansonsten ohne jegliche sonstige Zierde gestaltet war.
Fitzka meldete sich jedoch nicht nur bei Kießling, sondern informierte auch die „k.k. Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der kunst- und historischen Denkmale“ in Wien darüber, dass sich die Skulptur mittlerweile in den Beständen des damals im Rathaus untergebrachten Mistelbacher Heimatmuseums befand.713 Die Kommission ersuchte daraufhin um Übermittlung zweier Fotografien (Front- und Seitenansicht) und diesem Ersuchen leistete Fitzka selbstverständlich umgehend Folge.
Wahrscheinlich die älteste fotografische Darstellung der Skulptur und möglicherweise eines der Fotos, die für die oben erwähnte Zentral-Kommission angefertigt wurden
Vorderansicht der Steinskulptur – Höhe: 45 cm, Breite: 27 cm
Seitenansicht der Steinskulptur – Tiefe: 21 cm; beim rauen Teil rechts handelt es sich um Mörtelreste aus der Zeit als die Figur Teil einer Mauer war
Fitzka griff die Deutung Kießlings in seiner im „Mistelbacher Bote“ erschienenen Artikelserie „Nachträge und Ergänzungen zur Geschichte der Stadt Mistelbach“ unter dem Titel „Ein altertümliches Rechtsdenkmal“ 1907 auf und lieferte eine Zusammenfassung der zu diesem Steinbildnis bekannten Informationen bzw. auf Kießlings Einschätzung gestützt Beschreibungen von Gerätschaften zur Bestrafung.714 Die in den Jahren 1907-1908 veröffentlichten Nachträge und Ergänzungen wurden später zu einem 1912 vollendeten, jedoch erst 1913 erschienenen „Nachtrags- und Ergänzungsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach“ (Band II) zusammengefasst.715 Schon in Fitzkas auszugsweise als Replik auf Kießlings Beitrag im „Bote aus dem Waldviertel“ abgedruckten Brief schreibt er, dass es sich um eine Figur aus Marmor handle. Allerdings um keinen echten Marmor, sondern sogenannten „salzburgischen Marmor“. Dabei handelt es sich um im Flachgau abgebauten hochwertigen Kalkstein, der aufgrund seiner hohen Dichte eine marmorähnliche Polierfähigkeit aufweist und daher bei Bildhauern sehr beliebt war.716 Die Farbe der Steinfigur schwankt je nach Lichteinfall zwischen rosa und beige. Fitzka gibt den Zeitpunkt an dem die Steinskulptur dem Museum durch den Besitzer des Hauses Bahnstraße 1/Mitschastr. 2, Stadtsekretär Alexander Zickl, übergeben wurde mit dem Jahr 1899 an.717 Zickl, der 1915 nach dem Tod Fitzkas die Leitung des städtischen Museums übernahm, sorgte also dafür, dass diese Skulptur bereits einige Jahre vor dem um etwa 1904 erfolgten Abbruch des alten Hauses Bahnstraße 1 und dessen Neuerrichtung als prachtvolles Wohn- und Geschäftshaus in die Bestände des Mistelbacher Heimatmuseums kam. Den Hausbesitzern des Jahres 1900 sind in Fitzkas Geschichte der Stadt Mistelbach auch jene im Jahr 1799 gegenübergestellt und damals scheint als Besitzer des Eckhauses Bahnstraße/Mitschastraße (=Konskr. Nr. 379) ein Maurermeister namens Franz Poller auf718 und Fitzka mutmaßt, dass dieser die Steinskulptur aufgrund des wertvollen Materials in sein Haus integriert haben könnte. Fitzka schildert die Standortgeschichte soweit nachvollziehbar wie folgt: der Interpretation Kießlings vertrauend vermutete er, dass sich das Bildnis einst an einer Häuserecke befand, ob dies tatsächlich die Ecke Bahnstraße/Mitschastraße gewesen sei – lässt er offen. Erwiesenermaßen sei sie dann an der Innenseite der Gartenmauer des Hauses Bahnstraße 1 eingemauert gewesen und später in die Hofmauer desselben Hauses versetzt worden. Dies war der letzte Standort der Skulptur, ehe sie dem Heimatmuseum übergeben wurde.
In falscher Deutung des rauen, kreisförmigen Endes über dem Kopf der Figur bzw. einer Fehlinterpretation der gezeichneten Darstellung aus 1891 ließ Fitzka einen spitzen steinernen „Aufsatz“ für die Skulptur anfertigen.
Die in Fitzkas Nachtrags- und Ergänzungsband veröffentlichte Fotografie des Denkmals mit der „falschen Spitze“
Es ist erstaunlich, dass trotzdem sich die Figur offenbar bereits 1899 in den Beständen des städtischen Museums befand, selbige weder von Fitzka in seiner 1901 erschienenen Geschichte der Stadt Mistelbach, noch im von Don Clemens Cžácha verfassten Mistelbach-Beitrag im Rahmen der Topographie des Vereins für Landeskunde Erwähnung findet. Dies deutet darauf hin, dass man offenbar so rein gar nichts mit der Skulptur anzufangen wusste.
1914, also im Jahr nachdem Fitzkas zweiter Band zur Geschichte Mistelbachs erschienen war, veröffentlichte Kießling einen Teil seiner zuvor im „Bote aus dem Waldviertel“ erschienen Beiträge in Buchform unter dem Titel: „Altertümische Kreuz- und Quer-Züge“.719 Darin fasst er auf den Seiten 85-86 nochmals die bisherigen Erkenntnisse zu diesem Steinbildnis inklusive seiner Deutung der Skulptur als Rechtsdenkmal zusammen. Ebenso erneuerte er seine Datierung auf das 16. – 17. Jahrhundert und widersprach damit einer offenbar von Fitzka geäußerten (oder nur übermittelten) Vermutung, die das Steinbildnis ins 12. – 13. Jahrhundert verortete und zwar mit der Begründung, dass derartige Darstellungen im deutschen Sprachraum zu jener Zeit schlicht nicht gegeben habe. Durch seine Behandlung der Skulptur hatte er ihr jedenfalls einiges an Aufmerksamkeit beschert, denn unter Bezugnahme auf Korrespondenz mit Fitzka schreibt er, dass selbige seither das Interesse vieler Fachleute auf dem Gebiet der Archäologie und Altertumskunde gefunden habe, die Experten aber keine Erklärung zu ihrer Bedeutung bzw. Herkunft gehabt hätten.720 Die wirklich bedeutende neue Information findet sich allerdings erst im Anhang, in dem er zu verschiedenen Beiträgen Nachtragsnotizen liefert und hier ist auf Seite 627 zu lesen: „Zu Seite 85: Mistelbach (Merkwürdige Skulptur): Gelegentlich einer Besichtigung der Burg Lichtenstein (sic!) bei Mödling, im Laufe des Monats Mai 1909, bemerkte der Verfasser eine „Skulptur“, die der zu Mistelbach ähnlich erscheint. Sie befindet sich auf dem Kapitäle einer aus Stein gemeißelten Säule, die das linksseitige Gewände einer Tür bildet, die aus dem im ersten Stockwerke gelegenen Büchereizimmer auf einen kleinen Söller hinausführt, der in der Richtung gegen den Gasthof Hodwagner angebracht ist. Möglicherweise ist auch das Mistelbacher, für manche Forscher noch rätselhafte Bildwerk, als ein dem 15. Jahrhunderte zuzuzählendes „Kapitäl“ anzusprechen. …“721 Es erstaunt, dass Kiesling diese wesentliche Erkenntnis, auf die er offenbar schon fünf Jahre vor Erscheinen des Buches gestoßen ist, nicht direkt in den Beitrag aufnahm, sondern selbige im sehr umfangreichen und zahlreiche Nachträge enthaltenden Anhang versteckt. Bedeutsam ist allerdings vielmehr der Inhalt, und zwar, dass der Urheber der „Rechtsdenkmaltheorie“ diese selbst verworfen hat und als erster nunmehr die Skulptur als Teil einer Säule interpretierte. Durch die Tatsache, dass dieses Buch zu spät erschien, um noch in Fitzkas zweiten Band einfließen zu können und den Umstand, dass diese bedeutende Information im Anhang versteckt war, wurde sie in Mistelbach leider nicht zur Kenntnis genommen.
Die nächste Erwähnung findet die Figur in einem Artikel des „Mistelbacher Bote“ zu Beginn des Jahres 1924, wo der Volkskundler Anton Mailly selbige unter dem Titel „Mistelbacher Skulptur“ wie folgt beschreibt und interpretiert:
„Die sogenannte „Mistelbacher Skulptur“ im Museum zu Mistelbach hat die Gestalt einer wie etwa in einem barocken Block eingezwängten Figur, von der nur der Kopf und die verkümmerten Hände und Beine sichtbar sind. Der gelockte Kopf hat ein knabenhaftes Aussehen. Oberhalb des Kopfes ist das Standbild glatt und wagrecht (sic!) abgemeißelt. Die sonderbare Kopfbedeckung wurde in neuerer Zeit in der Meinung angebracht, daß sie zur Vervollständigung der Figur gehöre, weil sie für ein Rechtssymbol (einen in Bock gespannten Mann) gehalten wurde. Das jugendliche, schalkartige Gesicht und vor allem die Platte sprechen schon gegen diese Annahme. Die Figur ist eine gewöhnliche Sockelfigur einer Säule, eines Pfeilers oder eines Bogens gewesen, wie man solche originelle Darstellungen, die den Druck einer schweren Last gar trefflich zum Ausdruck bringen in alten Klöstern, Kirchen und Burgen oft findet. Als Beispiele hiefür könnte man unter anderen den knieenden Mann im Millstätter Klostergang, der auf dem Kopfe eine Säule trägt, und den Träger eines Bogens im Kreuzgang zu Königslutter erwähnen.
Anton Mailly (Wien)“722
Mailly veröffentlichte 1927 ein kleines Büchlein mit dem Titel „Sagen aus dem Bezirk Mistelbach“ und es erscheint wahrscheinlich, dass er bei den Recherchen zu diesem Werk auf die Steinskulptur aufmerksam wurde und sich veranlasst sah eine Richtigstellung bezüglich deren Bedeutung zu veröffentlichen. Doch leider blieb auch Maillys Richtigstellung nicht dauerhaft im Geschichtsgedächtnis der Stadt bzw. fand offenbar nicht den Weg in die Aufzeichnungen des Heimatmuseums.
Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim, der seit den 1930er Jahre selbst im Heimatmuseum als wissenschaftlicher Berater wirkte, widmete der Skulptur, die er als „Mensch im Stein“ titulierte im Jahre 1976 einen Beitrag in der heimatkundlichen Schriftenreihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“ in dem er (in Unkenntnis der Richtigstellung Kießlings und der Darstellung Maillys) selbst zu dem Schluss kam, dass es sich um die Sockelskulptur einer Säule („Säulenfuß“) handelte. Die 16 cm messende kreisrunde, raue Fläche über der Figur deutete für ihn klar darauf hin und würde daher für eine Säule ebensolcher Stärke sprechen. Unter Beiziehung von Experten kam er zu dem Schluss, dass es sich um ein Bildnis aus der (Spät)Renaissance handeln dürfte, und zwar vermutlich um den (Sockel-)Fuß eines Portal-/Türpfeilers aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Mitscha-Märheim stellt die bemerkenswerte und durchaus plausible These auf, dass es sich hierbei um einen Überrest der alten, romanischen Pfarrkirche handeln könnte, die zuletzt als Wallfahrtskirche genutzt wurde und Ende des 18. Jahrhunderts abgetragen werden musste (mehr dazu im Beitrag Wallfahrtsort Mistelbach). Er mutmaßt, dass die Figur einst einen Torpfeiler beim Abgang in die unterhalb der alten Pfarrkirche gelegene Gruftkapelle gestützt haben könnte und interpretiert die Figur folgendermaßen: „Der in seine Sündenlast eingeschlossene tote Mensch blickt aus seiner Gruft sehnsuchtsvoll auf Vergebung und Erlösung hoffend dem göttlichen Gericht am Jüngsten Tag entgegen.“ Diese Deutung würde jedenfalls zum düsteren und morbiden, von zahlreichen Schädeln und Knochen geprägten, Erscheinungsbild der Gruftkapelle gepasst haben. Nachdem die Datierung in die Zeit des 30-jährigen Krieges fällt, dessen Schrecken und Verwüstungen auch Mistelbach heimsuchte, scheint es laut Mitscha-Märheim durchaus denkbar, dass vom damaligen Dechant und Pfarrer Paul Pörsi Reparaturen, wie etwa die Wiederherstellung eines Portals, in Auftrag gegeben werden mussten. 723 Wie viele andere Wallfahrtskirchen musste auch die Gruftkapelle mit der samt der darüber befindlichen Kirche 1783 aufgrund eines kaiserlichen Erlasses abgebrochen werden. Möglicherweise war der bei Fitzka erwähnte Maurermeister Poller an den Abbrucharbeiten der alten Pfarrkirche beteiligt und sicherte sich dieses Bildnis, dass er als Zierrat in seine Gartenmauer einbaute. Wenn dem so war, so ist es ihm zu verdanken, dass ein Stück Bausubstanz der alten Pfarrkirche bzw. der Gruftkapelle die Jahrhunderte überdauert hat.
Die Skulptur im Jahre 2019 im Stadt-Museumsarchiv
Bildnachweise:
-) älteste Abbildung 1891: Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien, Band XXVIII (1891), S. 60 (online bei Google Books)
-) altes Haus Bahnstraße 1: Stadt-Museumsarchiv Mistelbach
-) Ansicht Innenhof Bahnstraße 1: zVg von Frau Christa Jakob aus der Dokumentation „Verdrängt und Vergessen- Die jüdische Gemeinde in Mistelbach“ (Buch und Dauerausstellung)
-) vermutlich älteste Fotografie: Stadt-Museumsarchiv Mistelbach
-) Front und Seitenansicht der Skulptur: Göstl-Archiv
-) Foto der Skulptur mit „Aufsatz“: Stadt-Museumsarchiv Mistelbach bzw. Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1912), zw. S. 66-67
-) Foto 2019: Thomas Kruspel, 2019
Quellen:
Wedra, Rudolf
Reichsratsabgeordneter Kommerzialrat Rudolf Wedra
* 21.3.1863, Littau, Mähren
† 15.3.1934, Hanfthal
Rudolf Wedra wurde als Sohn des Schuhmachermeisters und Wirtschaftsbesitzers Stefan Wedra und dessen Gattin Johanna, geb. Wachler, 1863 im mährischen Littau geboren.724 Sein Vater war zwischen den 1860er Jahren und 1900 mehrere Perioden hindurch erster Gemeinderat und damit Bürgermeisterstellvertreter der Stadt Littau.725 Nach dem Besuch von Volksschule und Unterrealschule absolvierte Rudolf Wedra die vier Jahrgänge umfassende Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt im nordböhmischen Trautenau, wo er 1883 die Reifeprüfung erfolgreich ablegte. Vermutlich leistete er im Anschluss seinen Militärdienst, denn erst ab 1885 ist eine Tätigkeit als Lehrer belegt. Seine erste Station als Probelehrer führte ihn nach Altlichtenwarth und am 3. April 1886 legte er in Wien, damals auch die Hauptstadt des Kronlandes „Österreich unter der Enns“ (=Niederösterreich), erfolgreich die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen ab. An seinem ersten Dienstort lernte Wedra seine spätere Ehefrau, die Landwirtstochter Maria Marchhart (*1865, †1937), kennen, mit der er schließlich am 2. August 1887 in der Pfarre St. Johann Nepomuk in Wien-Leopoldstadt den Bund der Ehe schloss.726 Doch dem Ehepaar Wedra war kein Familienglück beschieden, da in den folgenden Jahren die fünf dieser Ehe entstammenden Kinder allesamt im Säuglings- bzw. frühen Kleinkindalter verstarben.727 Kurz nachdem 1893 das letzte Kind Wedras verstorben war, wurden drei Kinder der Familie Gillich aus Altlichtenwarth, dem Heimatort von Wedras Gattin und seinem vormaligen Dienstort, binnen eines Jahres zu Vollwaisen728 und die Wedras nahmen sich der Gillich-Kinder Josef (7 Jahre)729, Maria (5 Jahre)730 und Theresia (2 Jahre)731 als Zieheltern an. Zwar scheint keine formalrechtliche Adoption erfolgt zu sein, denn eine Änderung des Namens der Kinder blieb aus, aber die Wedras zogen die Gillich-Kinder in der Folge wie ihre eigenen Kinder groß.732 Immer wieder findet sich in verschiedenen Zeitungsberichten auch die Information, dass es sich bei den Kindern um Nichten bzw. einen Neffen Wedras gehandelt hätte, allerdings konnte im Zuge der Recherchen für diesen Beitrag kein wie auch immer geartetes, tatsächliches Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Familien Gillich und Wedra bzw. Marchhart festgestellt werden.733
Bereits vor seiner Eheschließung im Sommer 1887 wechselte Wedra als Unterlehrer an die Volksschule im nahegelegenen Hohenau, bevor er schließlich 1888 als Oberlehrer (=Schulleiter) an die drei Klassen umfassende Volksschule nach Eibesthal kam.734 Seine Gattin Maria war ab 1890 als Industrielehrerin (=Handarbeitslehrerin) ebenfalls an dieser Schule tätig. An seinem neuen Dienstort entfaltete Wedra in vielen Bereichen sehr rege Aktivitäten: Er zählte 1889 zu den Initiatoren der Gründung der Raiffeisenkasse Eibesthal, die zu den ersten im Weinviertel zählte, und übernahm ab dem Zeitpunkt der Gründung über 18 Jahre hinweg – unentgeltlich – das Amt des Zahlmeisters.735 Ende der 1880er bzw. in den 1890er Jahren litt der Weinbau in unserer Gegend unter der eingeschleppten Reblaus und Pflanzenkrankheiten wie der Peronospora (falscher Mehltau) und Oberlehrer Wedra versuchte den Eibesthaler Weinbauern mittels Vorträgen und Schulungen das notwendige Wissen für den Kampf gegen diese Plagen zu vermitteln und leistete somit einen Beitrag zur Abwehr dieser existenziellen Bedrohungen für den Hauerstand. Nachdem Wedra sich bereits während seiner Hohenauer Zeit bei der dortigen Freiwilligen Feuerwehr engagiert hatte, wurde er unmittelbar nach seiner Ankunft auch bei der drei Jahre zuvor gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Eibesthal aktiv und war von 1895 bis 1903 Hauptmannstellvertreter dieser Wehr.736 Außerdem gehörte er dem Ausschuss des Feuerwehrbezirksverbands Mistelbach (= ehemaliger Gerichtsbezirk Mistelbach) an und stand dem Bezirksverband von 1899 bis 1903 auch als Obmann vor.737 Darüber hinaus erfüllte er auch seine Aufgaben als Schulleiter mustergültig und ließ auf eigene Kosten einen Schulgarten sowie einen Schnittweingarten und kleine Nebengebäude (Wagenschupfen, Stall, …) zum Schulhaus errichten.738
Wie für die damalige Zeit üblich übernahm Wedra als Dorflehrer auch die Leitung der Kirchenmusik als sogenannter „Regens chori“ und diente als Organist, wodurch sich natürlich eine enge Zusammenarbeit mit dem damaligen Pfarrer von Eibesthal, Franz Riedling, ergab. Auf Anregung des Pfarrers studierte Wedra ab Beginn der 1890er Jahre mit seinen Schulkindern im Dialekt geschriebene Krippenspiele ein, die an den Weihnachtsfeiertagen im Schulgebäude aufgeführt wurden. Es ist Wedras großer Leidenschaft und seinem Einsatz für dieses Projekt geschuldet, dass diese Aufführungen bald auch Besucher aus den Nachbarorten anlockten und der zunehmende Erfolg ließ in Pfarrer Riedling die Idee reifen, ob aus diesen kleinen Anfängen nicht etwas Großes, nämlich geistliche Festspiele in Form eines Passionsspiels, entstehen könnte. Die Einnahmen aus solch einem Vorhaben würden vielleicht auch den Traum des Pfarrers von einem Neubau der alten, feuchten und ohnedies zu kleinen Eibesthaler Kirche ermöglichen. Auch für die Idee der Etablierung von Passionsspielen fand Riedling in Wedra einen begeisterten Verbündeten. Die Bevölkerung war hingegen zunächst nur schwer von dieser Idee zu überzeugen, aber nach mühsamer Überzeugungsarbeit konnten Pfarrer und Lehrer mit vereinten Kräften siebzig der wohlhabenderen Ortsangehörigen dafür gewinnen, die zu Beginn eines solchen Großprojekts anfallenden Kosten vorzufinanzieren.739 Die Eibesthaler Passionsspiele fanden zwischen den Jahren 1898 bis 1911 insgesamt neun Mal mit wechselhaftem wirtschaftlichen Erfolg (dazu noch später mehr) statt. Nachdem zu Beginn die Leidensgeschichte aufgeführt wurde, wurden später auch andere Begebenheiten aus dem Leben des Jesus von Nazareth bzw. biblische Szenen dargeboten und somit ist die damals verwendete Bezeichnung „Geistliche Festspiele“ tatsächlich passender. Sogar eine rund 800 Personen fassende Festspielhalle wurde eigens zu diesem Zweck in Form einer Holzkonstruktion errichtet. Bis 1905 wirkte Oberlehrer Wedra als Spielleiter und damit als Hauptverantwortlicher der Aufführungen, die im Laufe ihres Bestehens auch von zahlreicher Prominenz aus der Reichshauptstadt (Bgm. Dr. Lueger, Kardinal Nagl, Erzherzöge, etc.), sowie teils von internationalen Gästen besucht wurden. Sein Ausscheiden, das wohl auch gesundheitlichen Rücksichten geschuldet war, hätte beinahe auch das Ende der Passionsspiele bedeutet, doch glücklicherweise bildete sich nach einiger Zeit der Inaktivität, 1907 ein Komitee das sich erfolgreich um die Fortführung der Festspiele bemühte.740
Nachfolgend zwei Bilder aus der Zeit, während der Wedra als Spielleiter wirkte:
„Das Heilige Abendmahl“ aus einer Aufführung im Jahre 1899
„Die Kreuzigung Christi“ aus einer Aufführung im Jahre 1904
Am 29. März 1904 wütete im Eibesthaler Oberort ein durch den an diesem Tag herrschenden Sturm begünstigter, verheerender Brand bei dem zweiunddreißig Kleinbauernfamilien ihre Wohnhäuser verloren und auch zahlreiche Wirtschaftsgebäude teils samt Nutzvieh, Futtervorräten und landwirtschaftlichen Geräten, wurden vernichtet. (Näheres zu dieser Brandkatastrophe im Beitrag „Der Großbrand in Eibesthal im Jahre 1904„) Ein Todesopfer war zu beklagen, doch es standen auch jene, die mit dem Leben davon gekommen waren vor dem Nichts, da ein Großteil der betroffenen Familien überhaupt nicht oder nur unzureichend versichert war. Unter rastlosem Einsatz organisierte Wedra zusammen mit der Gemeindevertretung und dem Pfarrer von Eibesthal eine Hilfsaktion und mittels der dabei gesammelten Geld- und Sachspenden konnte den Brandopfern geholfen und der Wiederaufbau ihrer Häuser bewerkstelligt werden.741
Wedras große Leidenschaft galt der Musik und sein diesbezüglicher Wirkungsbereich beschränkte sich nicht nur auf Eibesthal, sondern auch im Musikleben der nahegelegenen Stadt Mistelbach war er als Mitglied beider damals dort bestehenden Musikvereine742: „Verein der Musikfreunde“, der sich ab 1908 „Gesangs- und Musikverein Mistelbach“ nannte und dessen Obmannstellvertreter Wedra von 1908 bis 1910 war743, und Männergesangsverein Mistelbach aktiv (1934 fusionierten diese beiden Vereine schließlich). Er war für seine „abgrundtiefe“ Bassstimme bekannt und betätigte sich gelegentlich auch als Komponist. Wedra erteilte in Eibesthal während seiner Zeit als Lehrer auch privaten Musikunterricht und war somit für die Heranbildung des musikalischen Nachwuchses im Ort verantwortlich. Außerdem war er auch Mitglied im Wiener Männergesangsverein, und zwar schon lange bevor ihn seine politische Karriere nach Wien führte. Er war es auch der sich tatkräftig dafür einsetzte, dass die Maifahrt des Wiener Männergesangsvereins im Jahre 1909 nach Mistelbach führte.744 Mehr zu diesem Großereignis im Beitrag Mistelbach in der Zeitung – Teil 3 (1908-1918). An dieser Stelle gilt es festzuhalten, dass neben vielen anderen Bereichen auch das Sängerwesen damals ideologisiert und stark deutsch-national geprägt war. Auch nach dem Ende seiner Tätigkeit als Leiter der Kirchenmusik, vermutlich anlässlich seines Übertritts in den Ruhestand, gehörte Wedra weiter dem Eibesthaler Kirchenchor an und zwar bis zu seinem Abschied aus diesem Ort.745
Bevor Wedras politisches Engagement nachfolgend näher beleuchtet wird, ist es notwendig, ein wenig auf seine Herkunft einzugehen, die seine politischen Ansichten sicherlich maßgeblich geprägt hat. Während die Deutschen in Littau zur Mitte des 19. Jahrhunderts, also zur Zeit der Geburt Wedras, klar die Bevölkerungsmehrheit stellten, wandelte sich dieses Verhältnis, sodass die Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts mehrheitlich von Tschechen bewohnt wurde. In dieser Zeit tobte in der Monarchie bereits der Nationalitätenkonflikt, im Besonderen zwischen Deutschen und Tschechen bzw. ihren jeweiligen nationalistischen Exponenten, der sich unter anderem an Fragen von Amtssprache und Unterrichtssprache vor allem in den Gebieten an der Sprachgrenze entzündete und der die Monarchie in den letzten Jahrzehnten ihres Bestehens politisch lähmte. Letztlich ging es wie in allen Nationalitätenkonflikten darum, wer die älteren Anrechte auf bestimmte Gebiete hatte, die sich dann in der Wahrnehmung der Volksgruppen entweder als „Verteidigung gegen (schleichende) Tschechisierung“ oder „Beendigung Jahrhunderte währender Unterdrückung der tschechischen Nation“ bzw. „Rückabwicklung der Germanisierung“ manifestierte. Insgesamt sahen sich die Deutschen in der Monarchie aufgrund der politischen Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ihrer privilegierten Stellung bzw. dem Bestand ihrer seit Jahrhunderten bewohnten Siedlungsgebiete bedroht und zur Unterstützung der „Grenzlanddeutschen“ wurden sogenannte Schutzvereine gebildet, die bspw. deutschsprachige Schulen an Orten finanzierten, in denen (nunmehr) lediglich deutsche Minderheiten existierten, und die sich stark für das Deutschtum einsetzten. Diese stark national ausgerichteten, nicht selten auch bereits auf Basis völkischer Ideologie agitierenden, Vereine trugen gemeinsam mit der forsch auftretenden tschechischen Nationalbewegung zur immer weiteren Eskalation des Konflikts bei. Wie eingangs bereits geschildert war Wedras Vater in der Gemeindepolitik seiner Heimatstadt engagiert und zusätzlich in zahlreichen deutschen Schutzvereinen aktiv, etwa als Obmann der Littauer Ortsgruppe des „Bundes der Deutschen Nordmährens“ oder als Mitglied im „Deutschen Schulverein“ und weiterer nationaler Vereine.746 Die demografische Veränderung in seiner Heimatstadt nahm er als “Verlust der Heimat” wahr, wie er dies in verschiedenen Reden immer wieder eindrücklich darlegte747, und diese einschneidende Erfahrung war zweifellos die bedeutendste Triebfeder seines späteren politischen Handelns. Mit Sicherheit haben auch die politische Sozialisierung in einem deutsch-nationalen Elternhaus bzw. der väterliche Einfluss maßgeblich zu Wedras politischer (Vor-)Prägung als Deutsch-Nationaler beigetragen.
Wedra bezeichnet sich selbst als einen treuen Katholiken und wurde, insbesondere ob seines Einsatzes für die Eibesthaler Passionsspiele von Zeitgenossen daher zunächst politisch eher in der Nähe der Christlich-Sozialen gesehen. Zweifellos jedoch stets deutschbewusst – ganz dem damaligen Zeitgeist entsprechend – zeigt sich sein politisches Wesen erst eher spät. In einer medial viel beachteten, wütenden Rede bei einer Volksversammlung im Vorfeld des Lehrertages des niederösterreichischen Landeslehrervereins 1901 in Klosterneuburg wetterte er heftig gegen die Schulpolitik der damals in Niederösterreich (inkl. Wien) regierenden Christlich-Sozialen bzw. deren Umgang mit den Lehrern. Die Schule war damals ideologisches Kampfgebiet, denn als „freisinnig“ bzw. „freiheitlich“ bezeichnete Lehrer (= Sozialdemokraten und Deutsch-Nationale) kämpften seit vielen Jahren dafür den Einfluss der Kirche aus den Schulen zurückzudrängen. Die christlich-soziale Partei, die der katholischen Kirche sehr nahe stand, nutzte ihren Einfluss um politisch anders gesinnte Lehrer zu maßregeln und trachtete deren Einfluss als Teil der Intelligenz auf dem Land einzuschränken. In der Lehrerschaft gärte es ohnedies bereits aufgrund sich seit Jahren verschärfender Missstände: schlechte Bezahlung im Vergleich zu anderen Beamten, der Einschränkung der Zuverdienstmöglichkeiten während der Ferienzeit, der unzureichenden Ruhestandsversorgung, und darüber hinaus empfanden die Lehrer, dass ihr oftmals vielfältiges gemeinnütziges Wirken in den Ortschaften (als Chronist, bei Raiffeisenkasse, Feuerwehr, Chormusik, …) zu wenig geschätzt und gewürdigt werde. Wedras wutentbrannte Rede entzündete sich insbesondere an einer kurz zuvor stattgefundenen Diskussion im niederösterreichischen Landtag in der es um die Maßregelung von Lehrerkollegen aus politischen Gründen ging und bei der seitens der Christlich-Sozialen eine Beschränkung der Lehrer in ihren Grundrechten (zB den Auftritt bzw. die Teilnahme bei politischen Veranstaltungen) angedacht wurde. Im Zuge dieser Debatte äußerten sich führende Christlich-soziale, darunter auch der Wiener Bürgermeister Lueger, abschätzig über die von den politisch motivierten Maßregelungen betroffenen Lehrer. Diese Ereignisse und deren mediale Darstellung in der christlich-sozialen Parteipresse brachte für Wedra das Fass zum Überlaufen und er traf mit seinen von großem Applaus begleiteten Ausführungen den Nerv zahlreicher Lehrerkollegen.748
Dieser erste öffentliche politische Auftritt Wedras markiert einen Wendepunkt in seinem Leben, denn er zog damit den Zorn einflussreicher Christlich-Sozialer auf sich und wurde in der dieser Partei nahestehenden Presse heftig angegriffen. Auch in seinem beruflichen Alltag dürfte er danach einigen Schikanen ausgesetzt gewesen sein. Der vielbeachtete Auftritt beim Lehrertag – seine Rede wurde in allen großen Zeitungen teils wörtlich wiedergegeben – hatte jedoch auch Konsequenzen für die von ihm initiierten Passionsspiele, denn die Christlich-Sozialen und die von ihnen beherrschten Medien wollten ihm sein Verhalten durch einen Boykott dieser Veranstaltung spüren lassen. Da der Ort viel investiert hatte, stand Wedra damit natürlich unter Druck, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass eben genau die Leser christlich-sozialer Zeitungen die maßgebliche Zielgruppe für „geistliche Festspiele“ waren.749 Die Saison 1901 endete jedenfalls mit einem Defizit und nachdem die Spiele von 1898 bis 1901 jährlich stattgefunden hatten, war das Pausieren in den Jahren 1902-1903 wohl auch eine Folgeerscheinung des Boykotts, und der Beginn eines unregelmäßigen Spielbetriebs in den Folgejahren. Diese Erfahrungen in Folge seines Auftritts beim Lehrertrag ließen ihn zweifellos zu einem entschiedenen Gegner der Christlich-Sozialen werden und festigte die in ihm, die wohl ohnedies bereits angelegte deutsch-freiheitliche Gesinnung.
Ende April 1906 wurde Wedra auf eigenes Ersuchen in den Ruhestand versetzt, aufgrund eines wohl durch Überarbeitung zugezogenen Nervenleidens („hochgradige Nervosität“).750 Allerdings erholte er sich aufgrund seiner guten Konstitution bald wieder und widmete sich fortan dem Aufbau seines Weinhandels, den er bzw. seine Gattin bereits seit 1904 betrieben.751 Er handelte nicht nur mit Weinen, sondern trieb auch seit einigen Jahren selbst Weinbau und baute seinen Besitz an Weingärten sukzessive aus.752 Entsprechendes Fachwissen dürfte er sich im Zuge seines eingangs bereits geschilderten Engagements im Kampf gegen die Reblaus schon in den 1890er Jahren angeeignet haben. Sein Weinhandel, mit dem er von 1910 bis Ende Juli 1924 im Handelsregister eingetragen war florierte753 und in der Folge ließ er die sogenannte Wedra-Villa samt einem großen Kellerei- und Weinhandelsbetrieb erbauen.
Nach seinem Übertritt in den vorzeitigen Ruhestand konnte sich Wedra auch ohne Furcht vor beruflichen Konsequenzen politisch engagieren und er wurde bei den Gemeindeausschusswahlen des Jahres 1906 als Gemeindebeirat in den Eibesthaler Gemeindeausschuss (=heutiger Gemeinderat) gewählt. Dieses Mandat übte er jedenfalls bis zu seiner Wahl in den Reichsrat im Jahre 1911, vermutlich jedoch sogar bis über diesen Zeitpunkt hinaus bis zum Ablauf der sechsjährigen Amtsperiode, aus. Nicht Listen oder Parteien, sondern einzelne Persönlichkeiten konnten damals gewählt werden, und somit spielten politische Ideologien insbesondere in kleinen Dörfern, wie etwa Eibesthal, faktisch keine Rolle.
Wedras politische Arbeit erstreckte sich zunächst auf die Betätigung in den deutschen Schutzvereinen, und so war er 1908 etwa an der neuerlichen Gründung einer Mistelbacher Ortsgruppe des „Deutschen Schulvereins“ beteiligt754, nachdem eine solche zuvor bereits in den 1890er Jahren für einige Zeit existiert hatte. Ebenso kam es im Frühjahr 1908 auch zur Gründung einer Ortsgruppe des “Bundes der Deutschen in Niederösterreich”755 und ab deren Gründung hatte Wedra das Amt des Obmanns inne756. Der Schutzverein „Bund der Deutschen in Niederösterreich“ war 1903 von Georg Ritter von Schönerer, dem Führer der radikalen Deutschnationalen, explizit zur Abwehr des tschechischen Einflusses auf Niederösterreich ins Leben gerufen worden. Wedra zählte jedoch nicht zu den Anhängern Schönerers, der sich übrigens bereits 1906 im Streit von diesem Bund trennte, und kann wohl eher zu den gemäßigten Deutsch-Nationalen gezählt werden. Als 1909 ein Gau (=Bezirksverband) des „Bundes der Deutschen in Niederösterreich“ für Mistelbach gegründet wurde, übernahm Wedra zunächst das Amt des Obmannstellvertreters auf Bezirksebene757, ehe er kaum ein halbes Jahr später bereits als Obmann genannt wird.758 Übrigens existierte auch eine selbständig organisierte Mädchen- und Frauen-Ortsgruppe in Mistelbach759, und 1910 gelang unter seiner Federführung auch die Gründung einer Ortsgruppe in Eibesthal, wobei Wedra hier lediglich die Funktion eines Beirates übernahm760. Obwohl Wedra auch einigen weiteren Schutzvereinen, etwa dem Schulverein Südmark, angehörte und sich in anderen lokalen deutsch-nationalen Vereinigungen (zB „Deutscher Ortsvolksrat Mistelbach“; regelmäßiger Redner beim Deutschen Turnverein Mistelbach) engagierte, bildete die Arbeit für den „Bund der Deutschen in Niederösterreich“, den Schwerpunkt seiner damaligen nationalen politischen Arbeit und aufgrund der Tatsache, dass er immer wieder auch als „Bundesrat“ tituliert wird, dürfte er wohl auch auf Verbandsebene Funktionen innegehabt haben.761
Der Brennpunkt des Nationalitätenkampfes im Bezirk Mistelbach war die Ortschaft Unter-Themenau in dem nur eine kleine deutsche Minderheit lebte. Nachdem neben den Deutschen hier ursprünglich vor Jahrhunderten angesiedelte Kroaten und Slowaken gelebt hatten, wuchs die Bevölkerung des Dorfes Ende des 19. Jahrhunderts massiv durch Zuzug tschechischer Arbeiter, die in der liechtensteinische Glasurziegelfabrik Arbeit fanden. Demgemäß sank der Anteil der deutschen Bevölkerung zusehends und lag zur Jahrhundertwende bei etwa zehn Prozent. Seitens deutsch-nationaler Kreise wurde der zunehmende Zuzug von Tschechen in diese (und andere) Grenzorte, die seit jeher Teil Niederösterreichs waren, als nationale Expansionsbestrebungen seitens der Tschechen gesehen. Als negatives Beispiel wurde Wien angesehen, wo die tschechische Bevölkerung über Jahrzehnte massiv angewachsen war und das gerade die Wiener Sokolvereine – die tschechisch-nationale Turnbewegung – im August des Jahres 1909 eine Großveranstaltung in Unter-Themenau abhalten wollten, wurde als Provokation angesehen. Für zusätzliche Brisanz sorgte die Tatsache, dass in Unter-Themenau kurz zuvor eine tschechische Schule errichtet worden war, der allerdings aufgrund eines Beschlusses der niederösterreichischen Landesregierung bald darauf das Öffentlichkeitsrecht entzogen wurde. Einem Unterstützungsaufruf der deutschen Vereine in Unter-Themenau folgend sollte zeitgleich zur Sokol-Kundgebung eine Gegenveranstaltung abgehalten werden, die sowohl von christlich-sozialen als auch deutsch-nationale Politikern unterstützt und besucht wurde. Auch Wedra beteiligt sich als Funktionär des „Bundes der Deutschen in Niederösterreich“ an der Organisation des Gegenprotests und nahm in seinem Heimatbezirk natürlich auch an vorderster Front teil. Die im Vorfeld befürchteten gewaltsamen Zusammenstöße blieben zwar aus, wohl aber nur aufgrund eines seitens des Mistelbacher Bezirkshauptmanns angeordneten massiven Gendarmerieaufgebots, dass die beiden Lager trennte. Dennoch entwickelte sich phasenweise eine sehr aufgeheizte und aggressive Stimmung und Wedra und seine Kollegen waren bemüht ihre Gefolgsleute zu beruhigen, um eine Eskalation zu vermeiden.762 Die deutsch-nationalen Schutzvereine und ihre Vertreter zeigten sich enttäuscht, dass nur etwa 600 Personen mobilisiert werden konnten, und empfanden den „Tag von Unter-Themenau“ als Niederlage. Allerdings dürfte diese „Niederlage“ bzw. generell die Berichterstattung über diesen Vorfall, als eine Art Weckruf gewirkt haben, der das Mobilisierungspotential für die „nationale Sache“ weit über die üblichen Kreise hinaus erweitert haben dürfte. Unter-Themenau (Poštorná) ist heute ein Vorort von Lundenburg (Břeclav) und musste 1919 gemeinsam mit Feldsberg, Garschönthal, Bischofswarth und Ober-Themenau (die allesamt seit Jahrhunderten ein Teil Niederösterreichs waren), gemäß dem Vertrag von St. Germain aus verkehrstechnischen Gründen an die neu gegründete Tschechoslowakei abgetreten werden.
Wedras oben geschilderte und auf vielfältige Weise erlangte Bekanntheit und das hohe Ansehen, das er weit über Eibesthal bzw. die Region um Mistelbach hinaus genoss, ließen in ihm weitere politische Ambitionen reifen. Durch das Ableben des christlich-sozialen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Ignaz Withalm aus Gaweinstal – ein Großvater des späteren ÖVP-Vizekanzlers Hermann Withalm – ergab sich unerwartet die Möglichkeit einer Kandidatur. Aufgrund des damals vorherrschenden Persönlichkeitswahlrechts, gab es im Gegensatz zum heutigen Listenwahlrecht, keine automatisch nachrückenden Mandatare und somit waren im Falle des Ausscheidens eines Abgeordneten Ersatzwahlen abzuhalten. Wie aus der Doppelfunktion Withalms hervorgeht, war es damals möglich sowohl dem Landtag als auch dem Reichsrat anzugehören und somit war auch eine gleichzeitige Kandidatur für beide Mandate möglich. Nachdem Withalm im September 1910 verstorben war, waren Ergänzungswahltermine für seine Wahlkreise (Landtag: Landgemeinden Mistelbach-Poysdorf; Reichsrat: Landgemeinden Mistelbach-Matzen) für das Frühjahr 1911 angesetzt worden. Doch schon vor der offiziellen Ausschreibung der Ersatzwahlen hatte sich Wedra als selbständiger deutsch-nationaler Wahlwerber in Stellung gebracht und hatte bereits im November 1910 mehrere Wählerversammlungen an verschiedenen Orten abgehalten.763 Seine politische Ausrichtung war zwar hinlänglich bekannt, aber er kandidierte ohne von irgendeiner Partei oder Wahlkomitees nominiert worden zu sein. Wedra wird im Zuge des Wahlkampfes teils als deutsch-sozialer764, aber mehrheitlich als deutsch-freiheitlicher Kandidat tituliert. Die unterschiedlichen politischen Strömungen innerhalb der Deutsch-Nationalen unterschieden sich etwa in ihrer Haltung zu einem eigenständigen österreichischen Staat bzw. zum Herrscherhaus, zur römisch-katholischen Kirche und der Ausprägung des Antisemitismus. Der permanente (zum Teil auch begriffliche) Wandel der sich innerhalb des nationalen Lagers vollzog und die Tatsache, dass sich die Fraktionen zum Teil in erbitterter Feindschaft gegenüberstanden, verunmöglicht eine konkrete politische Einordnung aus heutiger Sicht. Der Begriff „deutsch-freiheitlich“ diente damals wie auch heute noch als Überbegriff für die deutsch-nationale Bewegung mit ihren diversen Strömungen und Wedra kann, wenn man sein gesamtes politisches Wirken betrachtet, vermutlich als gemäßigter Deutsch-Nationaler bezeichnet werden.
Im Zuge des Wahlkampfs positionierte sich Wedra als Vertreter der Gewerbetreibenden, Kleinbauern, Lehrer und Beamten und seine Wahlkampfauftritte in den Wahlkreisen brachten ihm durchaus Zustimmung und Anerkennung. Obwohl er sich – für einen deutsch-nationalen Politiker ungewöhnlich, aber zu seiner Biografie natürlich passend – für den Religionsunterricht und religiöse Übungen in der Schule aussprach, stieß er auf starken Widerstand der in den ländlichen Gemeinden einflussreichen Geistlichkeit, die für den christlich-sozialen Gegenkandidaten, den Asparner Bürgermeister Josef Bogendorfer, warben.765

Rudolf Wedra im Jahr 1911, als er die große politische Bühne betrat
Nachdem der Reichsrat im Frühjahr des Jahres 1911 vorzeitig aufgelöst und Neuwahlen angesetzt wurden, war eine gesonderte Ergänzungswahl für das Mandat des Abgeordnetenhauses des Reichsrats nicht notwendig. Somit kam es im April 1911 lediglich zur Ersatzwahl betreffend das vakant gewordene Landtagsmandat und das Reichsratsmandat sollte im Zuge der für Juni anberaumten Neuwahlen nachbesetzt werden. Unabhängig von der Landtagswahl und deren späteren Ausgang meldete Wedra jedenfalls seine Kandidatur für die Reichsratswahl bereits Anfang April 1911 an.766 Vielleicht ist die Meldung der Kandidatur für den Reichsrat auch einem Eingeständnis der schlechten Ausgangslage für die Landtagswahl geschuldet. Denn trotz grundsätzlichen Wohlwollens sah er sich einer Übermacht der Christlich-Sozialen gegenüber und auch die Tatsache, dass er als selbständiger Kandidat keine organisierte Unterstützung hatte war ein gewaltiger Nachteil, aber auch eine lehrreiche Lektion in Sachen Wahlkampf. Dementsprechend fiel auch das Ergebnis der Landtagswahl im Landgemeinden-Wahlbezirk Poysdorf-Mistelbach aus: Wedra erhielt lediglich 75 von 4171 abgegebenen gültigen Stimmen, oder anders ausgedrückt 1,8 %, während der christlich-soziale Kandidat Bogendorfer triumphierte.767
Nach diesem ernüchternden Wahlausgang erkannte Wedra, dass er sich unbedingt die Unterstützung der Wahlkomitees des traditionell in viele Fraktionen zersplitterten deutsch-nationalen Lagers sichern musste, um überhaupt Chancen zu haben. Natürlich bot die politische Gemengelage im Zuge der Neuwahl des Abgeordnetenhauses des Reichsrats eine völlig andere Ausgangslage als die auf einen Wahlkreis beschränkte Ersatzwahl und es bot sich die Möglichkeit Teil der großen Wahlbewegung des nationalen Lagers zu sein. Es gelang ihm schließlich in mühsamer Überzeugungsarbeit bei zahlreichen Wahlmännerversammlungen in der Region sich große Unterstützung zu sichern und im Zuge einer Versammlung der Deutsch-Nationalen Niederösterreichs, die am 19. April 1911 in Wien stattfand, wurde Wedra als Kandidat für die Reichsratswahl nominiert.768 Ursprünglich beabsichtigte er eine Kandidatur im 54. niederösterreichischen Reichsratswahlkreis (Landgemeinden Mistelbach-Matzen), dem vormaligen Wahlkreis Withalms, schließlich hatte er seinen bereits seit einigen Monaten laufenden Wahlkampf darauf ausgerichtet. Im Zuge dieser Nominierungsveranstaltung wurde er jedoch für den 38. Städtewahlkreis (Städte Mistelbach, Bruck/Leitha, Retz, Oberhollabrunn, Poysdorf, Zistersdorf, Hainburg, Feldsberg und Laa/Thaya) aufgestellt769 und wie hieraus klar ersichtlich ist, waren Städte (und andere größere Gemeinden, wie zB Poysdorf) und Landgemeinden nach dem damals gültigen Wahlrecht in unterschiedliche Wahlkreise eingeteilt. Es galt das Mehrheitswahlrecht, also pro Wahlkreis wurde nur ein Abgeordnetensitz vergeben, und zwar an jenen Kandidaten, der die absolute Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnte.
Durch den Wechsel des Wahlkreises hieß sein Gegner nun nicht Bogendorfer (der auch für den Reichsrat kandidierte), sondern Dr. Albert Geßmann – ein ganz anderes politisches Kaliber. Geßmann zählte zu den Gründern der christlich-sozialen Partei, gehörte seit 1891 dem Reichsrat an, war zeitweilig Minister gewesen und seit 1910 Führer des christlich-sozialen Verbands (=Klub) im Reichsrat. Geßmann hatte zwar keinen heimatlichen Bezug zu diesem Wahlkreis, war allerdings nach den umfassenden Änderungen des Wahlrechts und der Schaffung dieses Wahlkreises im Jahre 1907 hier mit großem Erfolg gewählt worden. Auch heute ist es noch üblich, dass die Spitzenkader einer Partei auf „sicheren“ Plätzen kandidieren und das Weinviertel galt als schwarzes Kernland und daher als eine Bank. Der Reichsratswahlkampf 1911 wurde auch auf lokaler Ebene mit erbitterter Härte geführt, und selbst die Mistelbacher Barnabiten mischten sich zugunsten der Christlich-Sozialen in den Wahlkampf ein. Es kam sogar zu Boykottdrohungen bzw. -aufrufen im Geschäftsleben der Stadt, und die Geschehnisse in diesem Wahlkampf hatten in Form mehrerer Privatanklagen schließlich ein gerichtliches Nachspiel.770
Eine Werbeeinschaltung für den Kandidaten Wedra im Mistelbacher Bote771
Der erste Wahlgang am 13. Juni 1911 brachte nachfolgendes Ergebnis772:
| Kandidat | Stimmenanteil in % |
|---|---|
| Dr. Albert Geßmann (christlich-sozial) | 46,3% |
| Rudolf Wedra (deutsch-freiheitlich) | 37,1% |
| Adolf Laser (sozialdemokratisch) | 16,6% |
Nachdem es Geßmann nicht gelungen war die absolute Mehrheit zu erlangen, musste er in eine Stichwahl mit dem Zweitplatzierten Wedra, die am 20. Juni 1911 abgehalten wurde. Die aus dem Rennen ausgeschiedenen Sozialdemokraten mobilisierten nunmehr für Wedra, da ihnen Geßmann als Führer der Christlich-Sozialen besonders verhasst war und mit vereinten Kräften gelang es Sozialdemokraten und Deutschnationalen für eine Sensation zu sorgen.
Der zweite Wahlgang am 20. Juni 1911 brachte folgendes Ergebnis773:
| Kandidat | Stimmenanteil in % |
|---|---|
| Rudolf Wedra (deutsch-freiheitlich) | 52,6% |
| Dr. Albert Geßmann (christlich-sozial) | 47,4% |
Insgesamt verlief die Wahl für die Christlich-Sozialen wenig erfreulich, doch die Niederlage des Parteiführers Geßmann im Mistelbacher Wahlkreis war ein Debakel und hatte mit dem Rückzug Geßmanns aus der Politik erhebliche Auswirkungen weit über den Regionalwahlkreis hinaus. Die Begeisterung von Wedras Anhängern über dessen Wahlsieg war riesig, viele Häuser in Mistelbach zeigten sich in schwarz-rot-goldenem Fahnenschmuck, und bei der abendlichen Siegesfeier im Hotel Rathaus wurde Wedra mit begeisterten Ovationen gefeiert. Die Eibesthaler Feuerwehrmusikkapelle zog mit Fackeln nach Mistelbach und brachte dem Wahlsieger mehrere Ständchen dar bzw. sorgte diese später für die musikalische Umrahmung der Feier. Doch auch in der Mistelbacher Gemeindepolitik hatte dieses politische Erdbeben Auswirkungen und führte schließlich zum Rücktritt von Bürgermeister Thomas Freund. Der ursprünglich Deutsch-Nationale Freund, der seit mehr als 20 Jahren das Amt des Bürgermeisters bekleidete, war im Zuge des Landtagswahlkampfes 1908 zu den Christlich-Sozialen übergetreten und vertrat diese seither im Landtag. Dieser Wechsel hatte natürlich für Unmut bei seinen früheren Gesinnungsgenossen geführt und seinen Rückhalt im Gemeindeausschuss geschwächt. Nach dem Wahlsieg Wedras musste Freund, der sich für seinen christlich-sozialen Parteikollegen Geßmann stark eingesetzt hatte, erkennen, dass er aufgrund der geänderten politischen Stimmungslage, nicht mehr das Vertrauen der Mehrheit im Gemeindeausschuss genoss und er zog hieraus die Konsequenzen.
Der Reichsratsabgeordnete Rudolf Wedra bei der Eröffnung der groß angelegten Feierlichkeiten zu „500 Jahre Bestätigung der Marktprivilegien der Stadt Laa“ im Jahre 1912
Im Reichsrat schloss sich Wedra dem Parlamentsklub „Deutscher Nationalverband“, dem erst kurz zuvor gegründeten Sammelbecken der deutsch-nationalen Politiker im Reichsrat, an. Sein Betritt zu diesem Klub im Falle einer erfolgreichen Wahl, war übrigens Bedingung für seine Nominierung durch die oben erwähnte Wahlmännerversammlung gewesen. Allerdings gab es innerhalb dieses Verbands zahlreiche Untergruppierungen der unterschiedlichen deutsch-nationalen Strömungen und Wedra gehörte im Laufe seiner Tätigkeit als Abgeordneter verschiedenen Vereinigungen an:
Ab Oktober 1912 der jungdeutschen Vereinigung (die sich ab 1914 Deutschvölkische Vereinigung nannte) und ab September 1916 bis zu deren Auflösung im Oktober 1917 zusätzlich der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft“ – einer Sammlungsbewegung innerhalb der Sammlungsbewegung. Das Ende der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft“ läutete schließlich auch das Ende des „Deutschen Nationalverbands“ ein und es kam zu einer neuerlichen Aufsplittung des deutsch-nationalen Lagers, und in weiterer Folge zur Gründung der „Deutschnationalen Partei“, zu deren Gründern auch Wedra später zählte.774 Im Zuge der Konstituierung des Abgeordnetenhauses im Herbst des Jahres 1911 wurde Wedra in den Weinkulturausschuss und den Geschäftsordnungsausschuss gewählt.775
Wie bereits dargestellt war das deutsch-nationale Lager traditionell tief gespalten und Wedra beteiligte sich an Einigungsversuchen bzw. den Bestrebungen einen politischen Verband auf Landesebene zu schaffen. Daher beteiligte er sich 1913 maßgeblich an der Gründung des „Niederösterreichischen Volksbundes“ und war später auch dessen Obmann.776 1915 gelang dann ein bedeutender Schritt zu Einigung durch die Schaffung der „Deutsch-Nationalen Vereinigung Niederösterreichs“, innerhalb der sich die deutsch-freiheitlichen Parteien Niederösterreichs zusammenschlossen und bei dessen Gründung Wedra als Obmann gewählt wurde.777 Der Reichsrat wurde im Frühjahr 1914, also bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkrieg, wegen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der heillos zerstrittenen Abgeordneten der verschiedenen Nationalitäten, durch den Kaiser vertagt. Die Vertagung dauerte mit Ausnahme einer kurzen Phase im Frühjahr bzw. Sommer 1918 bis zum Ende des Krieges bzw. der Monarchie an.
Nachdem sich der Zerfall der Monarchie bereits deutlich abzeichnete versammelten sich am 21. Oktober 1918 die 1911 gewählten deutschen Reichsratsabgeordneten zur konstituierenden Sitzung der „provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich“ im Niederösterreichischen Landhaus in der Wiener Herrengasse. Dieses Gremium schuf in den folgenden Wochen den neuen Staat Deutschösterreich (erst ab Herbst 1919: Österreich) in Form einer Republik, wählte eine provisorische Staatsregierung und traf Vorbereitungen für die konstituierende Nationalversammlung, die ab Februar 1919 tagte.
Die provisorische Nationalversammlung am 21. Oktober 1918, wahrscheinlich handelt es sich bei der mit dem roten Pfeil markierten Person um Wedra (Foto: Charles Scolik jun.)
Bei der Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung im Februar 1919 führte Wedra die Liste der deutsch-nationalen Kandidaten im Wahlkreis für das Viertel unter dem Manhartsberg (=das heutige Weinviertel) an. In der Republik galt im Gegensatz zur Monarchie das bis heute gültige Listen- und Verhältniswahlrecht und er wurde als einziger Vertreter der Deutschnationalen aus diesem Wahlkreis in die Nationalversammlung gewählt.778 Den Eibesthaler Wählern hat Wedra seine Wahl jedenfalls nicht zu verdanken, denn hier erhielt er lediglich 80 von 490 Stimmen, also knapp 16%, während die überwiegende Mehrheit christlich-sozial wählte.779 In der konstituierenden Nationalversammlung schlossen sich die deutsch-nationalen Abgeordneten, darunter natürlich auch Wedra, zum Parlamentsklub “Großdeutsche Vereinigung” zusammen, aus der im Sommer 1920 die Großdeutsche Volkspartei hervorgehen sollte. Nachdem die konstituierende Nationalversammlung das Bundesverfassungsgesetz 1920 beschlossen hatte und damit auf Bundesebene neue gesetzgebende Organe (Nationalrat und Bundesrat) geschaffen wurden, hatte die Nationalversammlung ihren Zweck erfüllt und wurde aufgelöst. Für die erste Nationalratswahl im Oktober 1920 verzichtete Wedra auf eine neuerliche Kandidatur und zog sich aus der Politik zurück.780
Karikatur aus dem sozialdemokratischen Blatt „Volksbote“ im Jahr 1919781: Wedra „hoch zu Ross“ auf einem Spielzeugpferd im Kreise weiterer „illustrer“ deutsch-nationaler Abgeordneter (Viktor Wutte, Leopold Stocker, Leopold Waber, Hans Schürff). Besonders auffällig: das an der Seite baumelnde Programm „Autonomie von Mistelbach“ und der Fliegenpracker mit dem Schriftzug „Los von Wien“ in Anspielung an das deutschnationale Mantra „Los von Rom“.
Tatsächlich gehörte Wedra nicht nur dem Gründungsgremium der neuen Republik an, sondern auch der provisorischen Landesversammlung für Niederösterreich. Die Landesversammlung setzte sich aus den Landtagsabgeordneten, die bei der letzten Wahl 1908 gewählt wurden (allerdings ohne die ständischen Vertreter von Kirche, Großgrundbesitz und Handelskammern), und den bei der letzten Reichsratswahl 1911 in Niederösterreich gewählten Abgeordneten, zusammen. Insgesamt sollten der provisorischen Landesversammlung somit 120 Personen angehören, von denen sich allerdings zunächst lediglich 71 (unter ihnen auch Wedra) am 5. November 1918 zur konstituierenden Sitzung dieses Gremiums im Landtagssitzungssaal im niederösterreichischen Landhaus in der Herrengasse einfanden.782 Vordringlichste Aufgabe der provisorischen Landesversammlung war es, die bisherige landesfürstliche Verwaltung in die Hände einer zu wählenden Landesregierung, mit einem Landeshauptmann an der Spitze, zu übertragen.783 Neben der Klärung drängender Fragen, wie der Versorgung mit Nahrungsmitteln und der Grenzziehung zu den neuen Nachbarstaaten, war es außerdem notwendig eine Landtagswahlordnung zu beschließen und weitere Vorkehrungen für die Abhaltung einer Landtagswahl zu treffen. Nach Erfüllung dieser Aufgaben löste sich die provisorische Landesversammlung am 2. Mai 1919 damit und wenige Tage vor der Landtagswahl auf.784 Aufgrund seiner Zugehörigkeit zur provisorischen Landesversammlung zählte im Dezember 1918 zu den Gründern des deutschnationalen Landtagsklubs im niederösterreichischen Landtag und wurde zu dessen Schriftführer gewählt.785 Auch die Einigungsarbeit innerhalb des deutsch-nationalen Lagers setzte er in der jungen Republik fort und Wedra wurde in die vorläufige Leitung des „Zusammenschlusses der deutschnationalen Parteigruppen Niederösterreichs“ gewählt.786
Aus Anlass seines 60. Geburtstags beschloss der Eibesthaler Gemeinderat 1923 dem vormaligen Abgeordneten des Reichsrats bzw. der National- und Landesversammlung aufgrund seiner vielfältigen Verdienste um das Gemeinwohl in Eibesthal das Ehrenbürgerrecht zu verleihen787 und in Würdigung seiner erfolgreichen wirtschaftlichen Tätigkeit wurde ihm einige Zeit später außerdem der Titel eines Kommerzialrates verliehen.788
Nach dem Rückzug aus der Politik hatte sich Wedra wieder intensiv seinen Geschäften im Weinhandel gewidmet und er zählte im November 1923 zu den Gründern der „Österreichische Weinproduzenten und -händler Aktiengesellschaft“ (ÖWA), wobei er ab der Gründung auch dem Verwaltungsrat dieses Unternehmens angehörte. Zweck dieses geschäftlichen Zusammenschlusses zahlreicher bedeutender Weinhändler war die gemeinsame Erschließung neuer Absatzmärkte.789 Doch bereits im Mai 1924 schlitterte der Weingroßhändler Friedrich Teltscher, der maßgeblich an der „Österreichische Weinproduzenten und -händler Aktiengesellschaft“ beteiligt war, in die Insolvenz bzw. wurde er kurz darauf wegen des Verdachts auf betrügerische Krida festgenommen. Der gewaltige Finanzbetrug rund um Teltscher, bei dem es um zig Milliarden Kronen ging, und der damit verbundene Ausfall eines Hauptanteilseigners stürzte die ÖWA in erhebliche finanzielle Turbulenzen, und nur die Aufnahme von Krediten in Milliardenhöhe verhinderte den unmittelbar drohenden Zusammenbruch. Im Frühjahr 1925 wurde Wedra als Direktionsmitglied der „Österreichische Weinproduzenten und Händler AG“ eingetragen790, allerdings war absehbar, dass das Unternehmen, dass seit Anbeginn unter einer gewaltigen Schuldenlast und der gesamtwirtschaftlich schwierigen Lage litt, keine erfolgreiche Tätigkeit mehr entfalten würde. Es scheint vielmehr, dass versucht wurde die Firma geordnet zu liquidieren, was schließlich auch im Februar 1926 geschah.791
Wedra dürfte mit Teltscher auch abseits der ÖWA geschäftlich verbunden gewesen sein und er zählte wie viele andere zu den Opfern dieses Betrugsskandals. Durch die dabei erlittenen, offenbar massiven Verluste, schlitterte er selbst in die Insolvenz und über Wedras Vermögen und das seiner Gattin wurde schließlich im Herbst 1924 ein Ausgleichsverfahren eröffnet.792 Durch den bereits kurz zuvor erfolgten Verkauf seiner Eibesthaler Villa und der freiwilligen Versteigerung der Ausstattung seines Weinhandelsgeschäfts und seines Hausrates, in Verbindung mit erheblichem Forderungsverzicht seitens der Gläubiger, konnte schließlich ein außergerichtlicher Ausgleich erzielt werden und die über das Ehepaar Wedra eröffneten Ausgleichsverfahren wurden geschlossen.793 Seit Ende der 1930er Jahre befindet sich die Wedra-Villa samt Weinkellerei im Besitz der Fleischhauerfamilie Schöfbeck, und während der Weinhandel 1984 aufgegeben wurde, besteht der Fleischereibetrieb bis heute hier.794
Die wirtschaftliche Verflechtung eines ehemaligen deutsch-nationalen Politikers mit einem jüdischen Weinhändler, der durch betrügerische Machenschaften diesen in wirtschaftliche Schieflage brachte, sorgte bei den (einstigen) politischen Gegnern für Spott und Häme. In den in diesem Zusammenhang erschienenen Artikeln wurde Wedra als strammer Antisemit oder gar als „Judenfresser“ dargestellt, und eine derartige Einstellung war unter den Deutsch-Nationalen tatsächlich eher die Regel als die Ausnahme. Dokumentierte antisemitische Agitation seitens Wedra wurde im Zuge der Recherche zu diesem Beitrag allerdings kaum vorgefunden795, von manchen Hardlinern wurde er allerdings gar als „Anhängsel“ von Juden dargestellt796 bzw. behaupteten christlich-soziale Blätter, dass nach deren Boykott (siehe hierzu weiter oben Wedras Auftritt in Klosterneuburg), die „Judenzeitungen“ für die Eibesthaler Passionsspiele geworben hätten, um den Christlich-Sozialen (die sich damals auch explizit Antisemiten nannten) eins auszuwischen.797 Wie oben bereits geschildert profilierte sich Wedra vor allem im „Volkstumskampf“ mit den Tschechen und da sich die Juden in Böhmen und Mähren in der Nationalitätenfrage größtenteils als Deutsche bekannten könnte sie Wedra in diesem Kontext durchaus als wichtige Verbündete angesehen haben. In der Berichterstattung über Wedras Verwicklungen in diesen Betrugsfall finden sich auch Behauptungen, dass er für einige der lokalen Bankinstitute in Mistelbach (die von ihm mitbegründete Lehrer-Spar und Vorschusskasse – aus der später die Volksbank hervorgehen sollte – und die Raiffeisenkasse (Eibesthal und/oder Mistelbach?)) Gelder angelegt hätte, die nun ebenfalls verloren seien. Außerdem seien auch die Gelder einiger Bauernbündler verloren gegangen.798
Der Abschied Wedras aus Eibesthal im September 1924 war überschattet von dessen finanziellen Problemen und erfolgte völlig sang- und klanglos. Kein Bericht über eine offizielle Verabschiedung, keine Feier oder ähnliches – die einzige Spur ist eine Abschiedsanzeige im Mistelbacher Bote.799 Dies deutet darauf hin, dass der Pleitier Wedra durch seinen wirtschaftlichen Niedergang im Ansehen der Menschen stark eingebüßt hatte und vermutlich ist auch ein Zusammenhang mit jenen Geldern zu sehen, die angeblich im Vertrauen auf Wedra investiert und nunmehr verloren waren. Dies erscheint besonders bitter in Anbetracht der Tatsache, dass Wedra noch im Jahr zuvor mit großem Zeremoniell zum Ehrenbürger ernannt worden war, und seine Gattin wenige Monate zuvor im April 1924 noch als Glockenpatin bei der Weihe der neuen Kirchenglocken (Ersatz für die im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgelieferten Glocken) fungierte.800 Von politischen Gegner wurde sein hastiger und unrühmlicher Abschied gar als Flucht gedeutet vor jenen die im Zuge des Finanzskandals geschädigt worden waren. Nach seinem Abschied aus Eibesthal lebten Wedra und seine Gattin in einer Wohnung in der Wassergasse im dritten Wiener Gemeindebezirk.
Erstaunlicherweise findet sich Wedra kurz nachdem er selbst ein Ausgleichsverfahren über sich ergehen lassen musste, auf der von der Handelskammer herausgegebenen Liste der Ausgleichsverwalter und war hier für das Fachgebiet Weinbau bzw. -handel in der Periode 1925 bis 1930 gelistet.801 Tatsächlich dürfte er auch noch in der Folgeperiode auf dieser Liste gestanden habe, ehe er Wien 1933 verließ. Zwar sind seine Fachkenntnisse in diesem Gebiet unbestritten, aber dass jemand, über den wenige Wochen zuvor noch ein Ausgleichsverfahren eröffnet worden war, nun selbst als Ausgleichsverwalter tätig sein sollte, sorgte für einige Irritation. Wohl nicht zu Unrecht wurde hier das Zuschanzen der durchaus lukrativen Tätigkeit als Ausgleichsverwalter für einen Gesinnungsgenossen vermutet.802 Vielleicht konnte er die Erfahrungen als Ausgleichsverwalter bereits einige Monate später im Zuge seiner Tätigkeit als Direktionsmitglied der hoch verschuldeten „Österreichische Weinproduzenten und -händler Aktiengesellschaft“ einsetzen, schließlich ging es bei der Führung dieser Gesellschaft augenscheinlich auch um die geordnete Abwicklung des Unternehmens.
1928: Die letzte bekannte Aufnahme Wedras zeigt ihn im Kreise der noch lebenden Mitglieder des ehemaligen „Deutschen Nationalverbands“ im Reichsrat – 10 Jahre nach der Republiksgründung
Als Rudolf Wedra und seine Gattin 1933 Wien verließen, zogen sie zum Ehepaar Frank nach Hanfthal. Ihre Ziehtochter Therese hatte den Lehrer Rudolf Frank geheiratet, der seit 1923 als Oberlehrer in Hanfthal wirkte803 und an deren Wohnsitz im Hanfthaler Schulhaus fand das mittlerweile betagte und vermutlich zum Teil bereits pflegebedürftige Ehepaar Wedra nun Aufnahme. Der Schwiegersohn Rudolf Frank war als Sohn eines liechtensteinischen Hegers in Eibesthal aufgewachsen und einst selbst Schüler Wedras, und es scheint durchaus plausibel, dass er Einfluss auf dessen spätere Berufswahl hatte bzw. ihn auf seinem Weg zum Lehrerberuf unterstützte.
Nach langem schweren Leiden erlag Wedra am 15. März 1934 den Folgen einer Gehirnblutung und wurde zwei Tage später im Hanfthaler Ortsfriedhof beigesetzt.804 Trotz des eher unrühmlichen Abschieds aus Eibesthal wurde seitens des Eibesthaler Lokalberichterstatters ein seine Verdienste würdigender Nachruf im Mistelbacher Bote veröffentlicht.805
Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Eibesthal im Jahre 1983 beschloss der Mistelbacher Gemeinderatt, die zur ehemaligen Wedra-Villa führende Zufahrtsstraße im Gedenken an den Initiator der Passionsspiele und Ehrenbürger Eibesthals Wedragasse zu benennen.
Wo befindet sich die Wedragasse (Eibesthal)?
Bildnachweise:
Portrait: biografischer Beitrag zu Wedra auf der Webseite des Österreichischen Parlaments
Passionsspielszenen:
Das interessante Blatt, 22. Juni 1899, S. 4 (ONB: ANNO)
Wiener Bilder, 31. August 1904, S. 4 (ONB: ANNO)
Portrait 1911: Das interessante Blatt, 29. Juni 1911, S. 5 (ONB: ANNO)
Feierlichkeit in Laa 1912: Fürnkranz, Dr. Rudolf: „Das große Fest 1912“, Kulturhefte Laa Nr. 6 (November 1988), S. 6
provisorische Nationalversammlung: Charles Scolik jun. – Das interessante Blatt, 31. Oktober 1918 (37. Jg. – Nr. 44), S. 3 (ONB: ANNO)
Karikatur: Volksbote – Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg, 12. Juli 1919 (Nr. 28), S. 3
Wedra im Kreise der Mitglieder des ehemaligene Deutschen Nationalverbands: Wiener Bilder, 15. Juli 1928 (33. Jg. – Nr. 29), S. 11 (ONB: ANNO)
Quellen:
-) allgemeine Biografische Infos: Der Bezirksbote für den politischen Bezirk Bruck an der Leitha, 13. Jg. – Nr. 299 (16. Juli 1911), S. 2 (ONB: ANNO)
-) zur Reichsratswahl 1911: Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1912), S. 206ff
Sklenař, Försterfamilie
Von 1850 bis 1975, also 125 Jahre lang und in drei Generationen, bekleideten Mitglieder der Familie Sklenař das Amt des Mistelbacher Gemeindeförsters und waren somit für die Pflege einer der wichtigsten natürlichen Ressourcen im Besitz der Gemeinde verantwortlich. Nachfolgend eine kurze biografische Darstellung der Sklenař Förster und ihrer Leistungen im Dienste der Stadt. Obwohl sich auch der später in Mistelbach wohnhafte berühmte Bienenköniginnenzüchter Guido Sklenar ursprünglich Sklenař schrieb, bestand kein verwandtschaftliches Verhältnis zur gleichnamigen Försterdynastie. Auch bei der Försterfamilie ging der „Hatschek“ im Familiennamen, der eine deutlich andere Aussprache signalisiert, im Laufe der Zeit jedenfalls in den schriftlichen Quellen „verloren“.
Martin Sklenař sen. (*1821, †1897761) stammte aus Holleschau in Mähren und war zunächst Forstgehilfe („Jägerjung“) bei der Herrschaft Asparn an der Zaya. Am 14. Oktober 1850 wurde er als Revierförster („Gemeindejäger“) bei der Gemeinde Mistelbach angestellt und ab Beginn des Jahres 1851 wurde ihm die Mistelbacher Jagd für die Dauer des Dienstverhältnisses unentgeltlich überlassen.806 Schon 1850 heiratete er Franziska Ehrenreich, die Tochter des Schafmeisters der Gutsverwaltung Asparn807 und das Ehepaar erwarb 1859 das Haus Wiedenstraße Nr. 14808. Nach dem Tod seiner ersten Gattin ehelichte Sklenař 1863 die aus Wilfersdorf stammende Kaufmannstochter Theresia Himmelbauer809 Mit Ende des Jahres 1894 trat Sklenař in den Ruhestand über und verstarb drei Jahre später.810
Martin Sklenař jun. (*1870811, †1940)
folgte seinem gleichnamigen Vater beruflich nach und war ab 1884 zunächst als Praktikant und später als Adjunkt bei der Mistelbacher Forstverwaltung beschäftigt. Erste forstwirtschaftliche Prüfungen legte er 1888 ab812 und nachdem sein Vater Ende des Jahres 1894 in den Ruhestand übergetreten war, folgte er ihm als Leiter der Forstverwaltung nach.813 Im selben Jahr ehelichte er Magdalena Hofecker, die Tochter eines Mistelbacher Landwirts814 und gemeinsam erbauten sie im Jahr 1900 das Haus an der Adresse Oberhoferstraße Nr. 99, in dem später auch die Forstverwaltung untergebracht war. Zur Erinnerung an die einst hier wohnhafte Oberförster Martin Sklenař wurde 1978 der neben diesem Haus verlaufende Verbindungsweg zwischen Oberhoferstraße und Franz Josef-Straße mittels Gemeinderatsbeschluss „Försterweg“ benannt.815
Das Haus von Forstmeister Martin Sklenař jun. in der Oberhoferstraße Nr. 99, das an den Försterweg angrenzt, war bis 1957 auch Sitz der Forstverwaltung der Gemeinde. Der Hirschkopf über der Toreinfahrt weist noch heute auf den einstigen Wohnsitz des Gemeindeförsters hin.
Der Kirchenberg diente einst als Hutweide und war daher in früherer Zeit nahezu ohne Baumbewuchs – also etwas was man gemeinhin als „Gstettn“ bezeichnet. Diese Bezeichnung für den Kirchenberg findet sich übrigens auch in Zusammenhang mit der einst hier befindlichen Wallfahrtskirche “Maria in der Gstetten” dokumentiert (siehe den Beitrag Mistelbach Wallfahrtsort). Erst nachdem das Areal, das sich einst großteils im Besitz der Fürstenfamilie Liechtenstein befand, der Gemeinde übergeben wurde, schritt man in den 1880er Jahren unter Federführung des Verschönerungsvereins zur Schaffung einer Parkanlage. Beginnend mit dem „Liechtenstein-Anlage“ benannten Park rund um die einstige Burganlage wurden zahlreiche Waldbäume, Akazien und Sträucher vom damaligen Forst-Adjunkt Sklenař jun. angepflanzt und von hier nahm die weitere Begrünung des Kirchenbergs ihren Ausgang.
Doch auch ein weiteres Naherholungsgebiet verdankt die Stadt Martin Sklenař jun. und zwar den Stadtwald – vor dem Zweiten Weltkrieg zumeist als Stadtwäldchen bezeichnet – der nach einer alten Flurbezeichnung auch Totenhauer (Wald) genannt wird. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem einige Kilometer weiter nördlich gelegenen großen Mistelbacher Gemeindewald, obgleich beide Gebiete durch einen langgezogenen Grüngürtel entlang der Viehtrift (ebenfalls ein Werk Sklenařs) miteinander verbunden sind. Diese begriffliche Trennung ist insofern wichtig, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Stadtwald in seiner heutigen Form noch nicht oder lediglich als Jungwald existierte, auch der große Gemeindewald häufig als Stadtwald bezeichnet wurde. Das bebaute Stadtgebiet endete damals im Bereich der Steinernen Brücke (=Brücke beim Kreuzungsbereich Oberhoferstraße/Waldstraße/Grüne Straße) und nördlich davon, im Gebiet der heutigen Stadtwaldsiedlung, befanden sich ausgedehnte Viehweiden. Ähnlich dem Kirchenberg fanden sich daher auch hier einstmals kaum Sträucher oder Bäume und das weitläufige Weidegebiet wurde unter anderem durch die einst hier gelegene liechtensteinische Schäferei – den Schafflerhof – genutzt. Die Aufforstung des Totenhauers ist das Werk Sklenařs, der in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts beginnend dieses Gebiet sukzessive bepflanzte.816 Bereits 1904 hatte der hiesige Verschönerungsverein die Pflanzung einer Allee, vom Stadtrand entlang der Viehtrift über den Totenhauerwald hinaus zum Gemeindewald angeregt. 1906 wurde schließlich ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss gefasst817 und die Durchführung erfolgte unter fachkundiger Leitung von Forstmeister Sklenař. Seither gibt es einen durchgängigen Grüngürtel, der etwa ab der Kirche Maria Rast bis in den Gemeindewald führt. Einer gewissen Romantik bzw. einem gesteigerten Erholungsbedürfnis Rechnung tragend wurden Ausflüge in den Wald Ende des 19. Jahrhunderts sehr populär und somit ist die Schaffung des Totenhauer Waldes neben forstwirtschaftlichen Überlegungen, bestimmt auch aus diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Die in der Folge immer zahlreicher werdenden Waldbesucher wollten auch verpflegt werden und deshalb eröffnete Forstmeister Sklenař im Juni 1906 in der im Besitz der Gemeinde befindlichen ersten Jägerhütte im Gemeindewald das Ausflugslokal „Restauration zur Waldhütte“, wo den Ausflüglern Getränke und kalte Speisen gereicht wurden.818 Schon bald etablierte sich jedoch die Bezeichnung Waldschenke für dieses Lokal819 und auch heute noch findet sich an dieser Stelle (so gerade ein Pächter vorhanden ist) eine Gaststätte mit demselben Namen. Die Waldschenke im Gemeindewald entwickelte sich in der Folge zu einem beliebten Ausflugsziel und der Deutsche Turnverein errichtete wenige Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gleich neben dem Lokal einen Waldturn- und Spielplatz, auf dem regelmäßig Turnübungen abgehalten werden sollten.820
Eröffnungsanzeige der ersten Waldschenke im Mistelbacher Gemeindewald aus dem Jahre 1906821
Die von Sklenar begründete erste Waldschenke im Mistelbacher Wald unmittelbar nach ihrer Eröffnung im Jahr 1906
Laut dem Buch „Mistelbach in alten Ansichten Band II“ angeblich die Waldschenke im Mistelbacher Wald etwa zu Beginn der 1910er Jahre. In der Bildmitte (rotes X) vermutlich Oberförster Martin Sklenař, rechts neben ihm in schwarz gekleidet Bürgermeister Freund
Dem aufmerksamen Beobachter werden einige Unterschiede zwischen den beiden obigen Fotos auffallen, obgleich sie dasselbe Gebäude zeigen sollen und nur wenige Jahre zwischen deren Aufnahme liegen dürften. Nachdem die erste Aufnahme von einer im Jahr 1908 gelaufenen Ansichtskarte stammt, dürfte es sich um zweifellos um das ältere der beiden Bilder handeln, insbesondere da bei zweiterem Bild konkrete und gesicherte Anhaltspunkte zur Datierung fehlen. Nicht nur die Aufnahmeperspektive ist ein andere (darüber hinaus ist eine falsche Spiegelung eines der Bilder aber auch nicht auszuschließen), sondern jedenfalls auch betreffend den Dachstuhl sind Unterschiede augenscheinlich. Letztere lassen sich vermutlich durch einen Brand in der Waldschenke im Jahre 1909 erklären, in dessen Zuge der Dachstuhl der Hütte abbrannte und ein Mann in den Flammen auf tragische Weise ums Leben kam.822 Schwieriger zu erklären sind allerdings die Unterschiede in dem die Hütte umgebenden Baumbestand – die Bäume scheinen auf der oberen, älteren Aufnahme deutlich dicker und dichter zu sein, als auf der unteren, späteren Aufnahme. Auch erscheint das Gebäude auf dem obigen älteren Bild deutlich größer. Handelt es sich entgegen den Angaben im Buch „Mistelbach in alten Ansichten, Band II“823 beim unteren Bild vielleicht doch um ein Foto der zweiten, erst 1920 gegründeten Waldschenke im Totenhauer (der späteren Martinsklause)? Der junge Baumbestand könnte dies durchaus nahelegen. Die Beschreibung auf der unteren Ansichtskarte „Gastwirtschaft „zur Waldhütte“ im Mistelbacher Stadtwald“, ist aufgrund der oben geschilderten sehr wechselhaften Verwendung des Begriffs „Stadtwald“ leider nicht eindeutig. Zwar wurde ursprünglich die Jägerhütte im Gemeindewald als „Gaststätte zur Waldhütte“ bezeichnet, aber 1921 taucht die ansonsten unübliche Bezeichnung „Waldhütte“ auch einmal für die Waldschenke im Totenhauer auf.824 Eher unwahrscheinlich scheint hingegen eine weitere Möglichkeit nämlich, dass es sich bei der ersten Aufnahme mit der Beschreibung „Schutzhütte im Mistelbacher Stadtwald“ gar nicht um die erste Jägerhütte (=Waldschenke) im Gemeindewald, sondern um eine andere (die zweite?) Jägerhütte im Gemeindewald handeln könnte.
Ab 1912 erhielt Sklenař jedenfalls auch die Konzession zur Durchführung von Personentransporten mittels großem Pferde-Stellwagen zu der von ihm gepachteten Jägerhütte im großen Wald.825 und das Fahrangebot war natürlich ebenso wie auch der Saisonbetrieb der Waldschenke auf den Zeitraum April bis September beschränkt. In dieser Zeit hatte die Waldschenke stets an Sonn- und Feiertagen, sowie teilweise auch wochentags geöffnet, wobei sich die Öffnungszeiten im Laufe der Jahre natürlich immer wieder änderten. Aufgrund seiner Verdienste bei der vollständigen Aufforstung der Viehtrift und der Grundstücke am Totenhauer wurde Sklenař seitens des Gemeindeausschusses 1912 der Titel eines Oberförsters samt einer Gehaltsaufbesserung verliehen. Für das Frühjahr 1913 wurden hochtrabende Pläne bezüglich des Neubaus einer Waldschutzhütte in Fitzkas Nachtrag- und Ergänzungsband zur Geschichte Mistelbachs angekündigt, und zwar sollte diese Schutzhütte Platz für 500 Personen bieten.826 Vermutlich hätte diese anstelle der Waldschenke errichtet werden sollen, aber die Pläne für das Projekt, das hauptsächlich großteils über Spenden finanziert werden sollte, dürften sich bald zerschlagen haben und spätestens der wenig später entfesselte Erste Weltkrieg hätte einem derartigen Projekt wohl ohnedies ein Ende bereitet. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte Oberförster Sklenař entlang des zum Totenhauer führenden Teils der Viehtrift im Abstand von je sieben Metern eine Eiche für jeden im 1. Weltkrieg gefallenen Sohn der Stadt. Ursprünglich war auch angedacht an die Bäume, wenn sie entsprechend groß gewachsen waren, Tafeln mit den Namen der Krieger anzubringen.827 Noch heute bestehen viele dieser regelmäßig angeordneten Eichenbäume im Grüngürtel entlang der Viehtrift, das Vorhaben diese mit Namenstafeln zu versehen wurde jedoch nie in die Tat umgesetzt.
Die Jägerhütte, die die alte Waldschenke beherbergte, wurde im Laufe der Jahre immer wieder neu errichtet, behielt dabei allerdings stets ihre rustikale Schlichtheit. Heute befindet sich an ihrer Stelle das 1958 fertiggestellte Forsthaus der Stadtgemeinde Mistelbach828 und durch die in diesem Gebäude untergebrachte Waldschenke lebt die von Sklenař begründete Tradition eines Ausflugslokals im Mistelbacher Wald seit bald 120 Jahren fort. Bis 1939 und somit über mehr als drei Jahrzehnte war Martin Sklenař jun. Pächter der Waldschenke, wobei er das Lokal teilweise durch einen seiner Heger führen ließ.829 Während seiner Dienstzeit stand Oberförster Sklenař, selbst begeisterter Waidmann, den jeweiligen Jagdpächtern stets als Jagdbetreuer und Fachmann für Wald und Wild zur Verfügung.
Nachdem das Stadtwäldchen nunmehr bereits gediehen war und als Naherholungsgebiet genutzt werden konnte, errichtete Oberförster Sklenař 1919 auf eigene Kosten und eigenem Grund eine Waldschenke im Totenhauer. Seitens der Gemeinde hatte man keine Einwände gegen eine zweite Waldschenke830, seinem Ansuchen dadurch die gemeindeeigene Waldschenke im Gemeindewald zu ersetzen bzw. diese an den Standort im Totenhauer zu verlegen stimmte man allerdings nicht zu.831 Somit gab es nunmehr zwei Waldschenken, denn auch jene im Gemeindewald wurde wie weiter oben beschrieben weiterhin von Sklenař gepachtet und betrieben. Zum oben bereits geschilderten missverständlichen Gebrauch des Wortes Stadtwald, gesellt sich nunmehr die Tatsache hinzu, dass die beiden Ausflugslokale denselben Namen „Waldschenke“ tragen, allerdings ist durch eine recht konsequente Verwendung der Zusätze Stadtwäldchen bzw. Totenhauer oder Stadtwald (Gemeindewald bzw. großer Wald) in er zeitgenössischen Berichterstattung zumeist nachvollziehbar um welchem Standort es sich handelt832 Nachdem Sklenař zunächst einen Erdkeller und darauf eine (Holz-)Hütte erbaut hatte833, konnte er seine Waldschenke im Totenhauer (den Vorläufer der späteren Martinsklause) im Mai endlich 1920 eröffnen.834
Der Totenhauer Wald und mit ihm die dortige Waldschenke wurden ein äußerst beliebter Ausflugs- und Veranstaltungsort (Vereinsfeiern, Konzerte, Sonnwendfeiern, …) 835, und sogar dem Kegelspiel konnte dort gefrönt werden.836 Trotz der Nähe zur Stadt wurden auch hierher Fahrten ab dem Hauptplatz angeboten. Wie geschildert befand sich dieses später erheblich ausgebaute Ausflugslokal – im Gegensatz zur Waldschenke im Gemeindewald, die Sklenař weiterhin gepachtet hatte – in seinem Besitz und ab 1933 bis jedenfalls 1939 hatte er die Waldschenke im Totenhauer an den Gastwirt Filippinetti verpachtet837 Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und vermutlich in Zusammenhang mit der Entwicklung vom Ausflugslokal zum vollwertigen Gasthaus im Gefolge der Errichtung der nahegelegenen Totenhauersiedlung Anfang der 1950er Jahre dürfte der Gasthof unter Bezugnahme auf seinen Begründer den Namen „Martinsklause“ erhalten haben.838 Jedenfalls dürfte die Martinsklause bis Ende der 1960er Jahre weiterhin im Besitz der Familie Sklenař gewesen sein.839
Die von Martin Sklenař begründete Martinsklause in den 1960er Jahren
Mit Ablauf des Jahres 1934 trat Oberförster Martin Sklenař nach 40-jähriger Dienstzeit in den Ruhestand über und er verstarb nach längerer Krankheit am 24. Juni 1940 im 70. Lebensjahr.
Nachdem Sklenařs Verdienste ausführlich gewürdigt wurden, soll gegen Ende des Beitrags zu seiner Person noch ein Vorfall aus dem Jahr 1902 rund um einem Kirschendiebsthal thematisiert werden, der aufzeigt, dass der Oberförster selbst bei kleinen Eingriffen in seine Besitzrechte alles andere als zimperlich vorging. Als Sklenař, zufällig in Begleitung des Bürgermeisters und mehrerer weiterer Mitglieder der Gemeindevertretung, auf dem Heimweg aus dem Wald entdeckte, dass zwei Frauen aus dem ärmeren Teil der Bevölkerung, sich an von ihm gepachteten Kirschenbäumen bedienten, verlor er völlig die Fassung und verprügelte beide auf brutale Weise. Niemand aus der honorigen Begleiterschaft des Rasenden, versuchte diesen zu bremsen bzw. einzuschreiten, lediglich der zufällig an der Szenerie vorbeifahrende Gemeinderat Strasser versuchte erfolglos Sklenař zur Vernunft zu mahnen. Die Sache hatte ein Nachspiel vor dem hiesigen Bezirksgericht und im Zuge des von Sklenař angestrengten Prozesses wegen Diebstahls wurden zwar die beiden Frauen wegen einfachen Diebstahls zu geringen Arreststrafen verurteilt, allerdings wurde Forstmeister Sklenař aufgrund des Gewaltexzesses zu deutlich höheren Strafen (Arrest- und Geldstrafe), sowie zur Leistung von Schmerzensgeld und Übernahme der Prozesskosten verurteilt. 840 Diese Begebenheit ist (bislang) lediglich durch die Berichterstattung im sozialdemokratischen „Volksbote“, in der der Förster als eingefleischter Christlich-Sozialer dargestellt wird, dokumentiert und natürlich beinhaltet diese damit auch eine politische Komponente. Obwohl am grundsätzlichen Sachverhalt der Körperverletzung und der daraus folgenden Verurteilung wohl nicht zu zweifeln ist, ist insbesondere in Ermangelung weiterer Quellen, bei ideologisch aufgeladener Berichterstattung wie im vorliegenden Fall stets eine kritische Quellenwürdigung angebracht.
Ing. Oskar Sklenař (*1910841, †1998)
Nach der Pflichtschulbildung absolvierte Oskar Sklenař, der Sohn von Martin Sklenař jun., die einjährige Försterschule und daran anschließend die Höhere Forstlehranstalt für österreichische Alpenländer (=Forstakademie) in Bruck a.d. Mur. Nach der Forstpraxis in verschiedenen Forstbetrieben des Bezirks legte er im Herbst 1934 die Staatsprüfung für Forstwirte ab. Mit dem Beginn des Jahres 1935 folgte er seinem Vater als Leiter des Forstbetriebs der Stadt nach und übte dieses Amt, unterbrochen lediglich in den Jahren 1940-1945 aufgrund von Kriegsdienst und britischer Gefangenschaft, bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand im Juni 1975 aus.842 Sklenař war Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und wurde am 1. Mai 1938 mit der Mitgliedsnummer 6,251.055 in die Partei aufgenommen. Personen, die bereits vor 1938 und somit während der Verbotszeit Mitglied der NSDAP waren – sogenannte „Illegale“ – wurden mit 1. Mai 1938 kumulativ „neu“ und mit einem für sie reservierten Mitgliedsnummerblock in die Partei aufgenommen, da während der Illegalität natürlich keine offizielle Standesführung existierte.843 1947 ehelichte Oskar Sklenař die Kriegerwitwe Katharina Franz (geb. Sobek) und gemeinsam mit seiner Gattin und deren Schwester Leopoldine Sobek lebte er im Haus Karl Fitzka-Gasse Nr. 9.
Während seiner Amtszeit erfolgte die Umstellung der Bewirtschaftung der Wälder von Brennholz- auf die Nutzholzwirtschaft und die Rationalisierung der Forstarbeit durch Einsatz von Maschinen und Einführung effizienterer Arbeitsmethoden. Als Forstfachmann war er über die Grenzen Österreichs auch in Deutschland anerkannt und immer wieder war der von ihm geführte Mistelbacher Wald, in dem auch von ihm geleitete forstwirtschaftliche Versuche durchgeführt wurden, Ziel von Exkursionen aus dem Ausland. Weiters war Sklenař als Experte für die Mittelwaldbewirtschaftung an der Entwicklung neuer forstwirtschaftlicher Maschinen beteiligt, etwa gemeinsam mit der Firma Heger. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Ing. Sklenař 1971 schließlich zum Oberforstmeister ernannt.844
Neben seiner Tätigkeit für die Stadt Mistelbach war Ing. Sklenař jedenfalls von 1948 bis 1965 Forstverwalter der damals noch selbstständigen Gemeinde Hüttendorf.845 Außerdem war er über viele Jahre hinweg forstwirtschaftlicher Berater zahlreicher Agrargemeinschaften aus den Gemeinden rund um den Mistelbacher Wald (u.a. Kleinhadersdorf und Ketzelsdorf).
In seiner Freizeit engagierte sich Oberforstmeister Sklenař seit deren Gründung Mitte der 1950er Jahre in der Volkshochschule Mistelbach und wirkte dort als Leiter des Arbeitskreises Vorträge und Obmannstellvertreter. Für seinen Berufsstand wenig überraschend war er auch als Waidmann aktiv, und damit ebenso wie seine Vorfahren Mitglied im Mistelbacher Schützenverein bzw. über einige Zeit auch Obmann dieser traditionsreichen Vereinigung. Darüber hinaus übernahm er auch Funktionen im niederösterreichischen Landesjagdverband.846
Das mittlerweile abgekommene Grab der Familie Sklenař auf dem Mistelbacher Friedhof (leider unter nicht optimalen Lichtbedingungen aufgenommen)
Am 3. August 1998 starb mit Oberforstmeister Ing. Oskar Sklenař der letzte Vertreter der Mistelbacher Försterdynastie Sklenař.
Bildnachweise:
-) Haus Oberhoferstraße Nr. 99: Thomas Kruspel, 2018
-) Ansichtskarte der Waldschenke: Göstl-Archiv
-) Ansichtskarte der Waldschenke: Jakob, Christa/Steiner, Oskar: Mistelbach in alten Ansichten, Band 2 (2001), S. 67
-) Ansichtskarte Martinsklause (1960er Jahre) aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Portrait Martin Sklenař jun.: Fototafel „Gemeindevertretung 1900-1905“ – zwar gehörte er nicht der Gemeindevertretung an, aber der Gemeinde-Sekretär und der Gemeinde-Förster waren neben den Mitgliedern der Gemeindeausschusses (=damaliger Gemeinderat) abgebildet – StadtMuseumsarchiv Mistelbach
-) Portrait Oskar Sklenař: Wilhelm Mliko – Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
-) Sklenař-Grab: Thomas Kruspel, 2018
Quellen:
Feuerwehrgasse (Frättingsdorf)
In Frättingsdorf kam es erst 1909, und damit vergleichsweise spät, zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr – siehe hierzu auch die zeitgenössische Berichterstattung über das Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Frättingsdorf vom 9. Juli 1909 im Beitrag Mistelbach in der Zeitung Teil 1 1903-1909. Zu diesem Zeitpunkt bestanden bereits in allen heutigen Katastralgemeinden von Mistelbach zum Teil schon seit vielen Jahren Feuerwehren, mit Ausnahme der besonders nahe gelegenen und eng mit Mistelbach verbundenen Orte Lanzendorf und Ebendorf, wo sich erst in den 1920er Jahren eigene Wehren bildeten. Die späte Gründung erstaunt umso mehr, da es sich doch bei Frättingsdorf um den einzigen Industriestandort unter den Katastralgemeinden handelte, der mit seiner Ziegelfabrik noch dazu einen Industriebetrieb von bedeutender Größe beheimatete, bei dem Feuer einen elementaren Bestandteil des Produktionsprozesses bildete. Warum es in Frättingsdorf erst so spät zur Errichtung einer Feuerwehr kam, nachdem die Bezirkshauptmannschaft bereits 1906 die wenigen verbliebenen feuerwehrlosen Orte nachdrücklich zur Errichtung solcher Vereine aufgefordert hatte, ist unklar.843 Die Frättingsdorfer Feuerwehr wurde ab ihrer Gründung von der Familie Steingassner, den Besitzern der Ziegelfabrik, finanziell großzügig unterstützt und Frau Mizzi Steingassner, die Tochter des Firmenchefs, fungierte als Fahnenpatin bei der im Rahmen des Gründungsfests vorgenommenen Fahnenweihe.
Das erste Zeughaus der Freiwilligen Feuerwehr Frättingsdorf dürfte noch im Gründungsjahr errichtet worden sein und selbiges befand sich an der Kreuzung der heutigen Straßen Laternengasse und Marterlweg. Der damals etwas hinter dem Ort gelegene Standort dürfte wohl aufgrund seiner direkten Lage am Mistelbach und der dadurch einfach sichergestellten Versorgung mit Wasser gewählt worden sein.
Das alte Zeughaus der Freiwilligen Feuerwehr Frättingsdorf
Ende der 1980er Jahren war man innerhalb der Frättingsdorfer Feuerwehr übereingekommen, dass ein den geänderten Anforderungen entsprechendes, modernes Zeughaus benötigt wird. Bald wurden die Planungen konkreter und betreffend die Standortfrage fiel die Entscheidung nach intensiven Diskussionen schließlich zugunsten einer Errichtung hinter dem alten Gemeindehaus an der Verbindungsgasse zwischen der Dorfstraße (Anton Haas-Straße bzw. Holzleitenstraße) und der Hintausstraße (Werkstattstraße) aus. Im Herbst 1990 konnte schließlich mit den großteils in Eigenregie vorgenommenen Arbeiten begonnen werden und im Verlaufe der etwa zweieinhalb Jahre währenden Bauzeit wurde auch die nebenan gelegene alte Gemeindescheune renoviert, die seither als zusätzlicher Lagerraum dient. 847
Das neue Feuerwehrhaus konnte schließlich im Mai 1993 feierlich eröffnet werden848 und im Jahr darauf wurde auch das alte Gemeindehaus abgebrochen und an seiner Stelle ein neues Gemeindezentrum mit Postamt und Nahversorger errichtet.849 Das alte Zeughaus wird seither als Lagerraum durch den Dorfverschönerungsverein genutzt.850
Das 1993 eröffnete neue Feuerwehrhaus, von dem sich der Name der Feuerwehrgasse ableitet
Im Zuge der Einführung von Straßenbezeichnungen in Frättingsdorf beschloss der Mistelbacher Gemeinderat am 6. Mai 2002 der am Feuerwehrhaus vorbeiführenden Straße den Namen Feuerwehrgasse zu geben.851
Wo befindet sich die Feuerwehrgasse (Frättingsdorf)?
Quellen:
Mühlweg (Siebenhirten)
Die älteste schriftliche Erwähnung dieses Weges findet sich laut dem umfangreichen Werk von Prälat Stubenvoll zur Geschichte Siebenhirtens auf einem Flurplan aus dem Jahr 1727 der ihn als „Schönmühlweg“ bezeichnet, um 1787 scheint er dann auch als „Millweg“ (“Mill” → Mühl) auf.852 Damit wird auch die Bedeutung dieses Weges, der zu den nächstgelegenen Getreidemühlen entlang der Zaya im Bereich Asparn und Hüttendorf führte, klar. Nachdem die Mühlen dort schon lange vor der ersten Erwähnung dieses Wegnamens bestanden und eine verkehrstechnische Anbindung an Getreidemühlen von großer Bedeutung war, kann zweifellos davon ausgegangen werden, dass der Weg unter diesem Namen bereits lange zuvor bestand. Bei der in einer Namensvariante erwähnten Schönmühle handelt es sich um den zwischen Hüttendorf und Asparn/Zaya gelegenen und heute als Lindenhof bekannten Gutshof, der über Jahrhunderte eine Getreidemühle war und noch heute als eines der am vollständigsten erhaltenen Mühlenensembles in diesem Abschnitt der Zaya gilt. Die Schönmühle stand bereits auf dem Gemeindegebiet von Asparn und befand sich (wie auch zahlreiche andere Mühlen flußauf- und abwärts) lange Zeit im Besitz der Familie Breuner – der Asparner Herrschaft.853 Diese verfügte in Siebenhirten zwar nur über sehr wenig Grundbesitz bzw. Untertanen, hatte aber dennoch das Landgericht und die Dorfobrigkeit für den Ort inne. Dieser Einfluss mag neben der räumlichen Nähe auch dazu beitragen haben, dass die an der Zaya gelegenen Mühlen der Herrschaft Asparn bevorzugtes Ziel der Getreidelieferungen der Siebenhirtner Bauern waren und sich so diese Bezeichnung etablierte. Der Mühlweg teilte sich außerhalb des Siebenhirtner Ortsgebiets in einen linken Zweig, der über die Hohlwegkellergasse nach Hüttendorf führte und in einen rechten Zweig der zwischen Schön- und Entenfellnermühle in die Straße zwischen Hüttendorf und Asparn einmündete. Obwohl es auch direkt in Hüttendorf eine Mühle gegeben hat, dürfte wohl der letztgenannte Zweig der eigentliche und für die Namensgebung maßgebliche “Mühlweg” gewesen sein.
Auf obigem Ausschnitt aus der Josephinischen Landesaufnahme (der Niederösterreich-Teil entstand 1773-1881) ist der in seiner Nord-Süd-Ausrichtung relativ gerade verlaufende Verbindungsweg zwischen Siebenhirten und Hüttendorf in der Bildmitte erkennbar. Etwas dünner eingezeichnet, die Abzweigung, die zur Schön-Mühle führte (aus Sicht des Betrachters links daneben). Unter Anwendung einer höheren Zoomstufe ist erkennbar, dass entlang des Weges gleich außerhalb von Siebenhirten einige als (Wein)Keller zu deutende Gebäude verzeichnet sind. Dies ist insofern bemerkenswert als es sich um eine kleine Kellergasse gehandelt haben dürfte, von der heute keine Spur mehr besteht.
Die Bedeutsamkeit dieses Weges ist auch durch die Tatsache belegt, dass an dessen Kreuzung mit der 1870 eröffneten Staatsbahnstrecke ein Bahnwächterhaus (Nr. 36) samt einem beschrankten und für die Überfuhr mit Wagen tauglichen Bahnübergang errichtet wurde. Der ehemalige Mühlweg verlor später seine Bedeutung und dürfte der Kommassierung ab Mitte des 20. Jahrhunderts zum Opfer gefallen sein, denn heute besteht der Weg nicht mehr. Auch der Bahnübergang wurde stillgelegt und stattdessen etwas weiter nördlich beim Metzenweg eine sichere Bahnunterführung geschaffen. Im Zuge der Einführung von Straßennamen als Adressbezeichnung in der Katastralgemeinde Siebenhirten beschloss der Mistelbacher Gemeinderat am 7. März 2001 dieser nunmehr lediglich bis zur Bahnstrecke reichenden Gasse auch offiziell den überlieferten Namen „Mühlweg“ zu geben.854
Wo befindet sich der Mühlweg?
Quellen:
Devenne, Bürgerfamilie
Am Schicksal des Mistelbacher Zweigs der Familie Devenne (in verschiedenen Schreibweisen überliefert: Devenna, De Venne, von der Venne, etc.) lässt sich über mehrere Generationen hinweg der Aufstieg und Fall einer wohlhabenden Bürgerfamilie im 17. bzw. 18. Jahrhundert beobachten. Die Mitglieder dieser Familie prägten Mistelbach in ihrer Zeit nicht nur als Unternehmer und gewählte Gemeindevertreter (Ratsbürger bzw. Marktrichter), sondern darüber hinaus durch den Bau des Barockschlössls, das der letzte Vertreter dieser Familie als seinen Wohnsitz erbauen ließ.
Michael Devenne (1611-1664)
Die Geschichte der Devenne in Mistelbach beginnt mit Michael Devenne, der als Apothekergeselle nach Mistelbach kam, wo er am 12. Mai 1641 Maria Schütz (Schücz), die Witwe des sieben Monate zuvor verstorbenen Apothekers Johann Baptist Schütz, ehelichte.855 Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es in Mistelbach eine Landschaftsapotheke, die von der damaligen politischen Vertretung des Landes – den Landständen – errichtet und betrieben wurde und die das östliche Weinviertel versorgen sollte. Diese befand sich zur Zeit als Devenne hierherkam im Besitz von Hans Simon Kelter (Khelter, Käldterer) und jedenfalls zu Beginn des 17. Jahrhunderts existierte auch eine zweite Apotheke im Besitz von Johann B. Schütz. Die Witwe Schütz war die Tochter des Apothekers Kelter und somit hatte Devenne durch die Eheschließung mit ihr nicht nur in eine Apotheke eingeheiratet, sondern hatte auch die Aussicht die Landschaftsapotheke seines Schwiegervaters mit seiner zu vereinigen. Im Zuge der einige Jahre dauernden Abhandlung der Verlassenschaft nach dem Tod von Kelter im Jahre 1646 dürfte dies auch so geschehen sein und in den folgenden Jahrhunderten bestand stets nur eine Apotheke in Mistelbach.856 Prof. Spreitzer mutmaßt wohl zu Recht, dass Devenne wahrscheinlich bereits einige Zeit bei seinem künftigen Schwiegervater oder dem ersten Ehegatten seiner Frau beschäftigt gewesen sein dürfte bzw. im Zuge der damals in vielen Berufen üblichen Wanderschaft nach Mistelbach gekommen war. Apotheken zählten damals als Gewerbe und beim Beruf des Apothekers handelte es sich also um einen Lehrberuf.
Michael Devenne wurde am 30. September 1611 in Regensburg protestantisch getauft und sein Vater Cornelius Devenne war zunächst Spitalsschreiber und später Spitalsverwalter und Stadtgerichtsbeisitzer in Regensburg. Der Großvater von Michael Devenne, der Maler Hieronymus Devenne, stammte aus der Stadt Mechelen im Herzogtum Brabant, damals Teil der im Besitz der spanischen Habsburger stehenden Niederlande (heute: Belgien), und hatte 1564 in eine Regensburger Bürgerfamilie eingeheiratet. Michael Devenne hatte neun Geschwister, die allesamt angesehene Stellungen erlangten, und auch einer seiner Brüder, Cornelius jun., wurde Apotheker in Regensburg.857
Wappen der „Devene“ aus Regensburg im großen Weiglschen Wappenbuch des Jahres 1734 – in den Farben Rot und Silber gehalten858
Aus der Ehe mit Maria, verwitwete Schütz bzw. geb. Kelter, entstammten drei Kinder: die 1643 geborene Tochter Anna Maria, die später im Alter von 16 Jahren den um 30 Jahre älteren Witwer und Oberbeamten der Liechtensteinischen Herrschaftsverwaltung in Wilfersdorf, Peter Antreich, ehelichte; den 1648 geborenen Sohn Martin Andreas – zu dem später noch ausführlich berichtet wird; die 1651 geborene Tochter Susanna Elisabeth, die später Johann Martin Dracht, kaiserlichen Land- und Stadtgerichtsbesitzer zu Wien, heiratete. 1653 erwarben Michael und Maria Devenne das Haus Hauptplatz Nr. 5 (Konskr.Nr. 70), dass 1900 dem Bau des neuen Amtsgebäudes (Rathaus und Bezirkshauptmannschaft) weichen musste. Unklar ist, ob sich die Apotheke schon zuvor – eventuell eingemietet – hier befand bzw. seit wann, da leider Informationen zu den Standorten der Apotheke(n) in früherer Zeit fehlen. Wie eingangs beschrieben war der Apothekerberuf damals ein Gewerbe, doch gab es bereits damals erste Bestrebungen, die Qualifikation für diesen wichtigen Beruf zu vereinheitlichen und jede Apotheke musste von einem an der Universität geprüften Apotheker geführt werden.859 Im Laufe der folgenden Jahrhunderte war es dann notwendig, nach absolvierter Lehre, für eine gewisse Zeit auch Kurse an der Universität zu besuchen und Prüfungen abzulegen, ehe gegen Mitte des 19. Jahrhunderts das Pharmaziestudium als verpflichtende Berufsvoraussetzung geschaffen wurde. Auch Devenne unterzog sich am 4. November 1653 erfolgreich einer solchen Prüfung vor einem Gremium der medizinischen Fakultät der Universität Wien.
Das Haus Hauptplatz Nr. 5 (rotes X) in dem sich jedenfalls in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Mistelbacher Apotheke befand. Es musste 1900 dem Neubau des Rathauses weichen. Diese Foto das Anfang der 1870er Jahre entstand, zeigt den nördlichen Hauptplatz noch mit dem Alten Rathaus (heute: Erste Bank), das 1874 abgebrochen wurde.
Am 11. Dezember 1664 wurde Michael Devenne860 in Mistelbach begraben und 1666 heiratete seine Witwe, nunmehr in dritter Ehe den dritten Apotheker, und zwar Mathias Graß (Groß), der ebenfalls aus Bayern stammte.
Martin Andreas Devenne (1648-1701)
Martin Andreas Devenne wurde am 11. November 1648 in Mistelbach getauft861, nachdem sein Vater Michael Devenne, dessen Familie in Regensburg eigentlich evangelisch war, augenscheinlich zum katholischen Glauben konvertiert war. Laut den Angaben bei Spreitzer scheint er zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters, also im Alter von 16 Jahren, bereits in der Lehre zum Kaufmann gestanden haben. Eine Ausbildung zum geprüften Apotheker dürfte er in der Folge nicht absolviert haben, wie später noch dargelegt werden sollte. Am 7. Februar 1673 ehelichte er, der im Trauungsbuch als Handelsmann bezeichnet wird, Maria Secunda, die Tochter des verstorbenen „kaiserlichen Traid- und Fleischaufschlagnehmers“ in Mistelbach Jacob Stepperger.862 Dieser Ehe entstammten zwölf Kinder, acht Söhne und vier Töchter, von denen allerdings wohl nur sechs Kinder überlebt haben dürften und als Taufpaten dieser Kinder fungierten die angesehensten und wohlhabendsten Bewohner der Stadt. Noch im Jahr ihrer Eheschließung erwarben Martin Andreas und Maria Secunda Devenne 1673 das Haus Hauptplatz Nr. 37 (Konskr.Nr. 56) (heute: Raiffeisenbank) samt den zugehörigen Gründen. Auf diesem Haus betrieb Martin Andreas Devenne sein Handelsgeschäft und da spätere Besitzer hier Eisenwarenhandlungen betrieben, liegt die Vermutung nahe, dass auch Devenne in diesem Geschäftsbereich tätig war bzw. diese Geschäftstradition begründete.863
Dieses Foto aus dem Jahr 1874 zeigt das Haus Hauptplatz Nr. 37 (rote Markierung) in dem Martin Andreas Devenne Ende des 17. Jahrhunderts eine Eisenwarenhandlung betrieb (heute: Raiffeisenbank)
Nach dem Tod der Mutter und des Stiefvaters seiner Gattin erbte das Ehepaar Devenne das Haus Museumsgasse Nr. 3 (heute: Malermeister Bacher), samt zugehörigem Stadel, Garten und Ziegelstadel. Solche Ziegelstadel wurden einst dazu genutzt um luftgetrocknete Lehmziegel herzustellen, und damit dürfte der Grundstock für die spätere Tätigkeit der Familie Devenne im Bereich der Ziegelherstellung gelegt worden sein. Auch das Amt seines verstorbenen Schwiegervaters als Traid-(=Getreide-) und Fleischaufschlagseinnehmer (=Steuereinnehmer für diese Waren), dürfte er bald nach 1670 übernommen haben. Die Heirat mit der Tochter vorherigen Amtsinhabers und die Schwägerschaft mit dem Wilfersdorfer Oberbeamten dürfte ihn für dieses Amt empfohlen haben, wie Spreitzer vermutet.
Durch Erbschaft vermehrte sich sein Besitz neuerlich und zwar gelangte nach dem Tod seines Stiefvaters Graß sein Vaterhaus an der Adresse Hauptplatz Nr. 5 samt der dort befindlichen Apotheke in sein Eigentum und Martin Andreas Devenne wurde mit 24. Jänner 1685 zum Landschaftsapotheker in Mistelbach bestellt. Im Bestellungsrevers nennt er sich selbst einen fürstlichen Ratsbürger, und dies bedeutet er gehörte dem Marktrat (auch „Marktgericht“ genannt) an, dem damaligen gewählten Vertretungs- bzw. Verwaltungsgremium der Marktgemeinde. Da er selbst nicht über die entsprechende Ausbildung verfügte, verpflichtete er sich in diesem Dokument, die ihm durch Testament zugefallene Apotheke durch einen geprüften Apotheker als Provisor führen zu lassen. Im September 1687 verkaufte das Ehepaar Devenne schließlich das Haus Hauptplatz Nr. 37, auf dem es ein Handelsgewerbe geführt hatte, dem Eisenhändler Mathias Antreich aus Poysdorf. Die Devennes finden sich danach auf das von seiten der Familie der Gattin ererbte Haus Museumsgasse Nr. 3, dass bis 1704 im Besitz der Familie blieb. Neben seiner Tätigkeit als Apothekenbesitzer war Martin Andreas Devenne wirtschaftlich vielseitig tätig: um 1694 scheint er als Pächter der Mistelbacher Maut auf; bis 1698 hatte er auch den Handel mit Juchtenleder, dass insbesondere zur Herstellung von Schuhen und Stiefel genutzt wurde, inne; außerdem dürfte er wohl einen oder mehrere Ziegelöfen besessen haben, denn für den Bau des Barnabitenkollegiums (Kloster) lieferte er 1698 24.200 gebrannte Mauerziegel. Es gibt Hinweise, dass ihm der Ziegelofen, der sich einst am Standort des heutigen Stadtkindergartens in der Gewerbeschulgasse befand, gehörte.864 1699, im Zuge der Korrespondenz bezüglich einer Beanstandung seiner Führung der Apotheke nach einer Visitation, bekundete Devenne die Absicht sich so lange einen Provisor für die Apotheke zu halten, bis sein Sohn (Ferdinand Maximilian) im medizinischen Studium soweit unterwiesen und von der Universität zur Führung entsprechend approbiert worden sei. Die korrekte Führung der Apotheke wurde durch den Viertelsmedikus Dr. Achazi und das Markgericht bestätigt und damit war die Angelegenheit erledigt.865
Martin Andreas Devenne verstarb im Alter von 53 Jahren und wurde am 30. September 1701 in Mistelbach zu Grabe getragen.866 Die Witwe und die jüngeren Kinder des Paares scheinen in der Folge nicht mehr in Mistelbach auf, weshalb angenommen werden kann, dass sich die hinterbliebene Gattin auswärts erneut vermählt haben dürfte.
Ferdinand Maximilian Devenne (1681-ca.1759)
Ferdinand Maximilian Devenne (oft auch nur Maximilian oder Max genannt) wurde am 2. Februar 1681 in Mistelbach getauft867 und durch eine Seuche, die im Frühsommer des Jahres 1686 binnen weniger Tage vier seiner Geschwister (darunter drei ältere Brüder) hinwegraffte, dürfte er schließlich zum ältesten überlebenden Sohn von Martin Andreas Devenne geworden sein.868 Ein medizinisches Studium, dass sein Vater in einer Korrespondenz mit der niederösterreichischen Landschaft im Jahre 1699 für ihn ins Auge gefasst hat, scheint sich nicht verwirklicht zu haben. Augenscheinlich interessierte er sich mehr für das Steuereinnehmeramt seines Vaters als für den Apothekerberuf und so ging die in der Familie vererbte Landschaftsapotheke nach dem Ableben von Martin Andreas Devenne schließlich 1702 in den Besitz des bisherigen Provisors über, der im Jahr darauf zum neuen Landschaftsapotheker bestellt wurde. In der Folge kam die Apotheke zunächst auf Haus Hauptplatz Nr. 23, bald darauf auf Hauptplatz Nr. 31 und um 1740 schließlich an ihren heutigen Standort Hauptplatz Nr. 36.869
Am 29. Jänner 1708 vermählte sich Maximilian Devenne in Mistelbach mit Anna Maria Eva, der Tochter des Petrus Georg Wadl aus Wilfersdorf und dieser Ehe entstammten acht Kinder. Von 1716 bis etwa 1723 scheint er mehrfach als Pächter der (Wasser-)gefälle entlang der Zaya im Abschnitt von Hüttendorf bis Wilfersdorf 870 auf. Er war damit berechtigt von den dort ansässigen Müllern Abgaben einzuheben. 1719 scheint er als “bestellter Weinaufschlag-Einnehmer”, also so etwas wie ein Zollabschnittsleiter für den Handel mit Wein.871 In den Jahren 1724 bis 1738 wird er mehrfach als Oberaufschläger angeführt und 1747 bzw. 1750 als „k.k. Ober-Collectant des Mistelbacher k.k. Aufschlagsamtes“ bezeichnet.872 Der Heimatforscher Franz Thiel berichtet unter Bezug auf Wilfersdorfer Herrschaftsakten davon, dass sich Devenne Steuergelder unterschlagen haben soll und 1750 daher mit Schimpf und Schande des Amtes als Steuereinnehmer enthoben wurde. Allerdings können die konkreten Gründe bzw. Umstände seines Ausscheidens aus dem Amt des Steuereinnehmers aufgrund der kryptischen Angaben bei Thiel kaum als endgültig geklärt betrachtet werden. (Ferdinand) Max Devenne kämpfte leidenschaftlich für sein Recht und führte im Laufe seines Lebens mehrere teils langwierige Prozesse. Über zehn Jahre hinweg zog sich etwa ein Rechtsstreit mit seiner Schwester Katharina, in dem es um die Verlassenschaft nach seinem Vater ging.873 Aber insbesondere aus seiner beruflichen Tätigkeit als Steuereinnehmer ergaben sich zahlreiche Prozesse betreffend ihm vorenthaltener Abgaben und Mautgebühren. Um zurückgehaltene Aufschläge für Fleisch, Getreide und Pferde ging es auch in einem bereits seit längerer Zeit schwelenden Konflikt mit dem Barnabitenkolleg in Mistelbach, der ab 1738 vor Gericht ausgetragen wurde. Der mehrere Jahre währende Rechtsstreit ging schließlich zu Gunsten von Devenne aus, allerdings wurde dem Barnabitenkolleg letztlich ein Zahlungsaufschub bzw. eine Begleichung der Außenstände in kleinen Raten und über eine lange Laufzeit zugestanden. Schon zuvor gab es Grundstreitigkeiten zwischen Devenne und den Barnabiten, doch mit diesem Rechtsstreit bzw. dessen Ergebnis hatte Devenne den Unmut des Barnabitenordens auf sich gezogen, der 1743 gegen Devenne eine Klage einbrachte betreffend eines Grundkaufs durch seinen Vater der 60 Jahre zurücklag. Es handelte sich um einen mangelnde (grundbücherliche) Besicherung im Zuge des Ankaufs eines Ackers und die Causa endete in einem Vergleich im Zuge dessen Devenne auf einen Teil der gestundeten Schulden des Barnabitenkollegiums aus dem vorangegangenen Rechtsstreit verzichtete.874
Auch in der Gemeindevertretung, dem sogenannten Marktrat, war (Ferdinand) Max Devenne aktiv und scheint wie schon sein Vater (jedenfalls) 1724 als Ratsbürger auf.875 Die überlieferten Informationen zur Amtszeit der Marktrichter sind leider lückenhaft, für 1729-1734 und 1747-1748 ist (Ferdinand) Max Devenne jedoch jedenfalls als Mistelbacher Marktrichter überliefert. Dieses Amt brachte einen Interessenkonflikt mit sich, da der Amtsinhaber einerseits Oberhaupt der Marktgemeinde und damit Vertreter deren Interessen war bzw. andererseits Vollzugsorgan der Liechtensteinischen Grundherrschaft und dabei auch selbst Untertan war. Laut den von Thiel eingesehenen Akten der Herrschaft Wilfersdorf sollen sich die Mistelbacher 1732 darüber beklagt haben, dass der Marktrichter Devenne sein Amt eigennützig verwalte, sich bei jeder Gelegenheit Geld verschaffe, eigenmächtig Rechnung lege und Holz aus dem Gemeindewald beanspruche. Bedingt durch mangelnde Kontrolle waren Misswirtschaft und Veruntreuungen im Bereich der Gemeindefinanzen auch unter seinen Vorgängern und Nachfolgern verbreitet, doch dürfte Devenne selbst das damals übliche Maß überschritten haben. Bei einer weiteren Kandidatur für das Amt des Marktrichters im Jahre 1755 unterlag er einem Konkurrenten.
Devenne besaß mehrere Zinshäuschen (kleine Mietshäuser), Holzgärten, Weingärten, Wiesen und Äcker und verfügte auch über Grundbesitz in Wilfersdorf. 1724 errichtete er über einem ihm gehörigen Keller in der Museumsgasse ein Presshaus und erwarb in den Folgejahren die umliegenden Gründe bzw. gelang es ihm durch Ankäufe von hintaus gelegenen Gartengründen an der Nordseite des Hauptplatzes eine Verbindung zu seinem Haus Hauptplatz Nr. 5 herzustellen. 1731/32 erwirkte er bei der Marktgemeinde bzw. der Herrschaft für das Grundstück in der Museumsgasse und für die darauf aufzuführenden Aufbauten eine Befreiung von allen öffentlichen Lasten (Steuern, Abgaben, Robot, etc.). Im Gegenzug für dieses Privileg, damals als „Begabungsinstrument“ bezeichnet, verpflichtete sich Devenne zu einer Abschlagszahlung. Die Abgabenfreiheit hatte auch für sämtliche Besitznachfolger Gültigkeit und die Urkunde hierüber befand sich laut Fitzka noch im Jahre 1900 im Besitz von Frau Gspann, der damaligen Eigentümerin des Schlössls. Heute gilt dieses Dokument leider als verschollen. Spreitzer wies durch seine Veröffentlichungen zur Familie Devenne schlüssig nach, dass das Schlössl-Ensemble (Museumsgasse Nr. 4), bestehend aus Presshaus, Scheune, Stall, „Vorhöfl“, Wohngebäude und einer diese Gebäude umgebenden Einfriedungsmauer zwischen 1730 und 1740 von Maximilian Devenne erbaut wurde. Eine erste urkundliche Erwähnung des „neuen Wohngebäudes“ von Devenne stammt aus dem Jahre 1742.876 Den Bau des Schlössl als repräsentativen Sitz soll Devenne in der Hoffnung auf eine Erhebung in den Adelsstand errichten haben lassen, schließlich hatte es Devenne zu erheblichem Wohlstand gebracht und bekleidete zahlreiche (öffentliche) Ämter. Es war zweifellos praktisch, dass die Vorarbeiten für die Errichtung des Barockschlössls – die Grundkäufe von der Marktgemeinde bzw. der Herrschaft und die Abgabenbefreiung des Grundstücks – in jene Zeit fielen, in der er als Marktrichter der Gemeinde vorstand.877
Laut Feststellung des Österreichischen Bundesdenkmalamtes aus dem Jahr 1963 wurde das Barockschlössl von einem durch den großen Barockbaumeister Johann Lucas von Hildebrandt beeinflussten unbekannten Barockbaumeister geschaffen.878 Doch liegt eine durchaus schlüssige These betreffend den Baumeister des Barockschlössls vor: Dr. Wilhelm Gegorg Rizzi vermutet das Franz Anton Pilgram der zur Zeit der Erbauung des Barockschlössls das nahegelegene Schloss Prinzendorf, ursprünglich als Konvent für den Kamaldulenser Orden konzipiert, erbaute, auch das Barockschlössl im Auftrag von Devenne geschaffen haben könnte. Es erscheint durchaus wahrscheinlich, dass der angesehene Barockbaumeister Pilgram, der über seinen Onkel auch in Kontakt mit Hildebrandt stand, die Gelegenheit für einen Nebenauftrag nutzte.879
Im Vordergrund das als „Jagdschlösschen“ bezeichnete Barockschlössl samt den es umgebenden Nebengebäuden etwa um 1910
Ansicht aus dem Innenhof aufgenommen im Jahre 1952
Das Schlössl in der Außenansicht im Jahre 1952
Bei Fitzka findet sich die mündlich überlieferte Information, dass schon vor dem Schlössl an selber Stelle ein bedeutendes Haus gestanden habe, in dem bereits Rudolf I. auf seiner Weiterreise nach der Marchfeldschlacht übernachtet haben soll.880 Leider wird trotzdem viele Dinge die bei Fitzka zu lesen sind, in den letzten 120 Jahren bereits widerlegt wurden, immer noch, auch in jüngster Zeit auf diese teilweise falschen bzw. veralteten Informationen zurückgegriffen. Spreitzer hat schon Ende der 1950er eindeutig nachgewiesen, dass das Schlössl auf einem zuvor “öden Flecken” erbaut wurde, und dass sich vor der Errichtung durch Max Devenne hier kein (herrschaftliches) Gebäude befand. Rudolf I. soll tatsächlich in Mistelbach gewesen sein, zumindest scheint seine Anwesenheit durch Zeugenschaft in einer Urkunde belegt, und sollte er tatsächlich hier übernachtet haben, dann wohl in der vor Jahrhunderten abgekommenen Burg neben der Pfarrkirche.881
Steinernes Wappen über dem Eingang in den Hauptsaal des 1. Stockwerks im Barockschlössl
Detailansicht des Wappens der Familie Devenne (dieses entspricht der obigen Darstellung aus dem Wappenbuch)
Die oben beschriebenen kostenintensiven Rechtsstreitigkeiten bzw. der dabei errungene Pyhrrussieg im Streit mit dem Barnabiten und zweifellos auch die Errichtung des Schlössls dürften Devenne finanziell überfordert haben.882 Wahrscheinlich waren die sich abzeichnenden finanziellen Probleme auch der Grund für die Untreuevorwürfe betreffend seine Tätigkeit als Marktrichter und Steuereinnehmer. Devenne musste Teile seines Besitzes verkaufen und zuletzt sogar sein Silber an das Barnabitenkolleg versetzen um seine Schulden bedienen zu können. Schlussendlich sah er sich 1756, auch aufgrund seines bereits hohen Alters, dazu gezwungen auf die ihm gerichtlich zugesprochene (Rest)forderung gegenüber den Barnabiten zu verzichten, um das versetzte Silber wieder auszulösen. Das Ende des finanziell heruntergekommenen vormaligen Marktrichters Ferdinand Max Devenne liegt im Dunkeln – er dürfte 1757 oder 1758 verstorben sein, allerdings nicht in Mistelbach, denn in den Pfarrbüchern findet sich kein Hinweis mehr zu ihm.883
Um die hinterlassenen Schulden abdecken zu können, wurde am 31. Jänner 1759 der Beschluss gefasst die Verlassenschaft im Lizitationswege verkauft.884 Der Witwe gelang es zwar das Haus Hauptplatz Nr. 5 aus der Erbmasse herauszukaufen, der restliche Besitz (Ziegelofen (zu dessen Lage widersprüchliche Informationen vorliegen), Schlössl samt Garten, Äcker etc.) ging jedoch in fremden Besitz über. 1767 verstarb schließlich die Witwe Anna Maria Devenne und als ihre Universalerbinnen (Töchter oder Enkelinnen) scheinen Anna Maria und Johanna auf, die das Haus Hauptplatz Nr. 5 an die Familie Raffesberg verkauften. Diese beiden Personen, sind die letzten bekannten Nachfahren der Devenne, und sie treten später in Mistelbach nicht mehr in Erscheinung. Der Mistelbacher Zweig der Devenne dürfte also mit dem Tod des vormaligen Marktrichters Ferdinand Max Devenne ausgestorben sein. Aufgrund der damals variierenden Namensschreibweisen wurde immer wieder spekuliert, ob es sich bei wenig später in Mistelbacher Pfarrmatriken auftauchenden Personen mit dem Familiennamen Defeni (zB dem Maurermeister Johann Defeni) um Nachkommen der Devenne handelt.885 Tatsächlich kann eine Verbindung zur Familie Devenne ausgeschlossen werden.
Das Barockschlössl befand sich in weiterer Folge dann im Privatbesitz mehrere Liechtensteinischer Herrschaftsbeamter, und kam über die Familie Küttner, im Heiratsweg in den Besitz der Lehrerfamilie Gspann. Der Immobilienhändler und Gemeinderat Johann Burgmann sollte während des Ersten Weltkriegs im Auftrag der Sparkasse den Ankauf von den Erben der Familie Gspann verhandeln, schlug aber selbst zu und schied aufgrund dieses Vorfalls in weiterer Folge aus dem Vorstand der Sparkasse aus. 1929 erwarb die Sparkasse das Haus von ihm gegen einen Leibrentenvertrag886 Ab 1931 befand sich hier für viele Jahrzehnte das Mistelbacher Heimatmuseum, und später auch die Städtische Bücherei. Seit den 1980er Jahren dient das Barockschlössl als Zentrum für Kulturveranstaltungen. In der Sitzung vom 14. November 1974 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine kleine Seitengasse in der erweiterten Stadtwald-Siedlung De Venne-Weg zu benennen.887
Wo befindet sich der De Venne-Weg?
Bildnachweis:
-) Fotos des Schlössls aus den Jahren 1952 und alte Ansichten Hauptplatz: Göstlarchiv
-) Ansichtskarten Barockschlössls (Jagdschlösschen) aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Wappen im Barockschlössl: Thomas Kruspel (2021)
Quellen:
-) Spreitzer, Hans: “Das Mistelbacher Museumsgebäude und die Devenna” – 7-teilige Beitragsreihe In: Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 18, 20, 22-25, 29/1957;
-) Spreitzer, Hans: „Von den Häusern, Straßen, Gassen und Plätzen Mistelbachs“ In: Mistelbach Geschichte I (1974), S. 215f
-) Thiel, Franz: „Die Familie de Venna in Mistelbach“ (1965) In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (1962-1969), S. 276, 278-281 (Anm.: die Angaben bei Thiel sind teilweise recht kryptisch und widersprechen in vielen Punkten den späteren Forschungsergebnissen von Prof. Spreitzer. Allerdings hatte Thiel bei seinen heimatkundlichen Forschungen in der Zwischenzeit auch Zugang zu Herrschaftsakten im damals in Wien befindlichen Hausarchiv der Fürstenfamilie Liechtenstein. Diese Bestände waren Spreitzer nicht zugänglich, da diese später für mehr als 60 Jahre im Fürstentum aufbewarht wurden und erst Anfang der 2000er Jahre nach Wien zurückkehrten.)
Schwechater Bierdepot – Hausgeschichte Oserstraße 9
Ursprünglich stand an der Stelle, an der sich heute die Elisabethkirche und die sie umgebende kleine Grünanlage befindet, das Haus mit der Konskriptionsnummer 375 (altes „Hausnummer“-System) zu dem auch ein angrenzendes Gartengrundstück gehörte. Dieses Haus bestand jedenfalls bereits vor 1600 und laut alten Verzeichnissen (Urbarien) der Liechtensteinischen Herrschaft handelte es sich gemäß dem damals gebräuchlichen Kategorisierungsschema für landwirtschaftliche Güter um eine halbe Hofstatt.859 Häufig findet sich in der Literatur die Information, dass es sich bei einer Hofstatt um ein Haus mit wenig bzw. lediglich geringfügigem landwirtschaftlichen Grundbesitz handelt. Die Sache ist jedoch etwas komplexer, da damals für die Einstufung ausschließlich Ackerland berücksichtigt wurde und auch nur jenes welches sich im Gemeindegebiet befand. Sogenannte Überlandäcker, also etwa in angrenzenden Gemeinden gelegene Gründe, und auch Weingärten und Wiesen zählten beispielsweise nicht zum dabei berücksichtigten landwirtschaftlichen Grundbesitz. Insofern können alleine auf Basis dieser Einteilung kaum Schlüsse betreffend die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eigentümer gezogen werden.
Gegenüber dem Haus Nr. 375 (bzw. der heutigen Elisabethkirche), an jener Stelle an der Mitte der 2010er Jahre eine Wohnhausanlage errichtet wurde, befand sich einst das alte Mistelbacher Spital, eine von den Herren von Mistelbach zu Beginn des 14. Jahrhunderts gestiftete Sozialeinrichtung, die bis 1932 existierte. Da sich auf den zum Spital gehörigen Gründen, die sich von der Gartengasse/Bahnstraße bis zum Beginn der Barnabitenstraße erstreckten, ansonsten lediglich Wirtschafts- und Nebengebäude befanden, vermutet Prof. Hans Spreitzer, dass es sich bei dem Haus, dass Gegenstand dieses Beitrags ist, möglicherweise in früherer Zeit um die Dienstwohnung des Spitalverwalters gehandelt haben könnte.874 Als ältesten Besitzer konnte Spreitzer den Kürschnermeister Niklas Müllner, der 1624 auf dieses Haus kam, ausfindig machen. Nach dessen Tod heiratete seine Witwe 1646 den aus Schlesien stammenden Kürschner Georg Klaiber (Kleber), der hier bis 1690 aufscheint. Danach folgte ab 1705 die Familie Selbach (auch Selba oder Selwach geschrieben), deren Vertreter sich zunächst als Schneider und später als Weinbauern verdingten und die laut Einträgen in den Pfarrmatriken bis Ende des 19. Jahrhunderts Besitzer dieses Hauses waren.888 1896 scheint hier schließlich laut einem Zeitungsinserat im „Bote aus Mistelbach“ der Anstreicher, Zimmer- und Dekorationsmaler Albert Voit auf, allerdings lässt dieses Inserat keine Rückschlüsse über die Besitzverhältnisse zu.889
Fitzkas Häuserverzeichnis listet das Haus im Jahre 1900 als Wohnhaus auf, dass zu diesem Zeitpunkt im Besitz des Kaufmanns und Gemeinderats Heinrich Westermayer stand, der jedoch auch andere Häuser in Mistelbach besaß und somit weder hier wohnte, noch sein Geschäft betrieb.890 Anfang des 20. Jahrhunderts wurde seitens der Gemeindeverwaltung ein Plan zur Regulierung bzw. zum Ausbau des Straßennetzes der Stadt gefasst. Zwecks Ausbau der Mitschastraße als südlicher Einfahrtsstraße sollte unter anderem der Abbruch der alten Elisabethkirche erfolgen, die sich nach heutigen Gegebenheiten etwa in der Mitte der Mitschastraße im Bereich zwischen Postamt und dem ehemaligen Lokal „Pizzeria Al Capone“ befunden hat, und an der sich die alte Mitschastraße vorbei zwängte. Auch die nahe gelegene Florianikapelle, die sich etwa im heutigen Kreuzungsbereich von Oser- und Mitschastraße befand, wurde aus diesem Grund abgebrochen. Die 1316 erbaute Kirche war Teil des bereits eingangs erwähnten Spitalskomplexes und bereits sehr baufällig. Um die Elisabethkirche nahe ihrem alten Standort wieder neu errichten zu können, hatte die Stadt das Eckhaus Mitschastraße Nr. 7/Oserstraße Nr. 9 (Konskr.Nr. 375) angekauft und ließ selbiges abtragen, um Platz für das neue Kirchengebäude zu schaffen. 1904 wurde die alte Elisabethkirche schließlich abgebrochen und bereits im Jahr darauf konnte der modern ausgeführte Neubau mit Unterstützung des Fürsten Liechtenstein, dessen Familie das Patronat über das Spital seit Jahrhunderten innehatte, fertiggestellt und 19. November 1905 feierlich geweiht werden. Auch die Errichtung einer kleinen Grünanlage rund um die Kirche war von Anbeginn vorgesehen. Der Rest des ehemals zum Haus Nr. 375 gehörigen Grundstücks wurde abgetrennt und sollte gemäß dem Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) im Lizitationswege veräußert werden.891 Doch offenbar war das Interesse an dem Grundstück zunächst eher gering bzw. wollten sich offenbar nicht jene Gebote finden, die sich die Gemeinde erwartet hatte.892
Zwei Jahre dauerte es bis sich 1908 schließlich in der Person von Victor Mautner Ritter von Markhof, Mitglied der berühmten Industriellendynastie und Besitzer der St. Marxer Brauerei, ein Käufer für das Grundstück fand, der hier 1909 ein Bierdepot seiner Brauerei errichten ließ.893 Nachdem die Kirche keine reguläre Adresse zugeteilt bekam, wurde die zuvor im abgetragenen Eckhaus vereinte doppelte Adressbezeichnung, nunmehr aufgeteilt: Das Bierdepot erhielt die Adresse Oserstraße 9 und die Ende der 1920er Jahre auf einem unbebauten Grundstück rechts neben der Kirche errichtete Steinbauervilla sollte später die Adresse Mitschastraße 7 erhalten. Beginnend in den 1880er Jahren eröffneten Brauereien in größeren Gasthäusern an verkehrstechnisch günstig gelegenen Orten sogenannte Bierdepots. Die Gasthäuser verfügten in der Regel über die benötigte Kühleinrichtung in Form von großen Eiskellern und wurden Vertriebspartner der Brauereien, bei denen die Gastwirte aus der Umgebung ihren Bierbedarf deckten. Der Flaschenbierverkauf an Privatpersonen sollte erst später eine, und bei Gesamtbetrachtung eher untergeordnete Rolle, spielen. Um die Jahrhundertwende beherbergten also einige Mistelbacher Gasthäuser (zB.: Gasthaus Massinger/Panzer (heute: „GH zur Linde“), Gasthaus Putz (heute: Schillingwirt), Gasthaus Schnass (heute: Spiel-/Schreibwaren Harrer), Gasthaus Kainz (heute: „Krone Restaurant“)) Bierdepots von böhmischen und Wiener Brauereien.894 Noch im Jahr 1904 informierte der Besitzer des Gasthauses Schnass („Zum goldenen Hirschen“, Hauptplatz Nr. 16), dass er zusätzlich zur der seit vielen Jahren innegehabten Vertretung der Liesinger Brauerei, nun auch jene der St. Marxer Brauerei übernommen habe.895 Doch bereits im Februar des darauffolgenden Jahres hatte die St. Marxer Brauerei ein eigenständiges Bierdepot, das zwar im Hof des Gasthauses „Zum Schwarzen Adler“ untergebracht war, aber von der Brauerei selbst mit eigenem Personal betrieben wurde, eröffnet.896 Der „Schwarze Adler“ befand sich an der Adresse Kaiser Franz Josef-Straße Nr. 17 (heute: HypoNÖ) und augenscheinlich nutzte man den hier vorhandenen großen Keller ins sogenannte „Schwarzbergl“ (Erhebung zwischen Franz Josef-Straße und Bahnzeile) als geräumiges und kühles Lager. Einen weiteren Vorteil bot die Tatsache, dass sich nebenan die Spedition Eybel befand und somit auch regelmäßige Lieferungen vom bzw. Retouren ins Wiener Stammhaus möglich waren.
Eröffnungsinserat im „Bote aus Mistelbach“ im Februar 1905
Auf dieser 1910 gelaufenen Ansichtskarte ist links gerade noch der Schriftzug (Bierdepot) „… der Brauerei St. Marx“ erkennbar (siehe vergrößertes Detail) und damit ist der Standort beim Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“ in der Franz Josef-Straße auch bildlich dokumentiert.
Als Leiter des Depots, zunächst am Standort Franz Josef-Straße und ab 1909 in der Oserstraße, scheint jedenfalls in den Jahren 1907 bis 1910 Heinrich Kosnapfl auf.897 Kosnapfl stammte aus Wien und war ein Cousin von Helene Mautner von Markhof, geb. Kosnapfl, der Gattin des Brauereibesitzers. Er war begeisterter Musiker und im gesellig-musikalischen Leben der Stadt sehr engagiert, und auch einige Jahre später, als er bereits in einer anderen Niederlassung in Wien wirkte, scheint sein Name gelegentlich bei Berichten über musikalische Veranstaltungen auf, sodass die Verbindung zu Mistelbach über die Zeit seiner beruflichen Tätigkeit hier augenscheinlich hinausging.
Als nun das neue Bierdepot der Brauerei St. Marx an der Adresse Oserstraße Nr. 9 im Jahre 1909 errichtet wurde, wäre wohl anzunehmen, dass damit die ursprüngliche Niederlassung an der Adresse Franz Josef-Straße Nr. 17 aufgegeben wurde. Allerdings scheint noch im Jahre 1913, als die Brauereien Simmering, St. Marx und Schwechat zu den „Vereinigten Brauereien – Schwechat, St. Marx, Simmering“ und somit die Braudynastien Meichl, Mautner-Markhof und Dreher vereint wurden, ein Hinweis in den Gewerbemeldungen im Amts-Blatt der k.k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach auf, der nahelegt, dass die Gewerbeberechtigung für den alten Standort bis zum Zeitpunkt der Fusion aktiv bestanden haben dürfte. Auch die Brauerei Schwechat (damals noch Klein-Schwechat) hatte bereits ab 1906 ein Bierdepot in Mistelbacher und zwar im Gasthaus „Zum goldenen Hirschen“ der Familie Schnass an der Adresse Hauptplatz Nr. 16 (heute: Harrer) eingerichtet.898 Schon bald nach der Fusion wurden die Brauereien St. Marx und Simmering geschlossen und ab Mitte der 1930er Jahre war die Familie Mautner-Markhof im Besitz der Aktienmehrheit und in weiterer Folge wurde der Name des Unternehmens auf Brauerei Schwechat AG geändert.
Bereits in den 1920er Jahren erfolgten kleinere Grundzukäufe und zahlreiche Aus- und Zubauten am Depot in der Oserstraße, von denen jene des Jahres 1929 die bedeutendsten und umfangreichsten waren: es wurde eine Wohnung für den Depotleiter errichtet (später sollte noch eine weitere Dienstwohnung für einen der Chauffeure hinzukommen), ein Holzlager, eine Garage, sowie die Vergrößerung und Modernisierung des Kühlraumes vorgenommen. Diese baulichen Veränderungen dokumentieren auch den technologischen Wandel der damaligen Zeit: statt Eiskellern (und dazugehörigen Eisteichen außerhalb der Stadt) erfolgte die Kühlung nun durch elektrische Kühlanlagen und statt den Pferdeställen wurden Garagen errichtet, weil die Lieferfahrten statt mit Pferd und Kutsche nunmehr mittels Lastkraftwagen erfolgten. Schon im Jahre 1918 wurde eine Zweigniederlassung des Mistelbacher Bierdepots in Ernstbrunn eingerichtet899 und in den 1930er Jahren folgte eine weitere Niederlassung in Drösing. 1927 übernahmen die Vereinigte Brauereien Simmering – Schwechat – St. Marx auch die Brauerei Hütteldorf, die im Jahr zuvor ein eigenes Bierlager in Mistelbach und zwar angrenzend an das Gasthaus bzw. Hotel Putz-Filippinetti (heute Gasthaus Schilling) erbaut hatte und diese modernen Kühlräume gehörten nunmehr ebenfalls zum Mistelbacher Bierdepot. In weiterer Folge, möglicherweise nach dem Ausbau der Kapazitäten im Haupthaus im Jahre 1929, dürfte das Gebäude an das Gasthaus Putz-Filippinetti verkauft worden sein.
Das Bierdepot der Hütteldorfer Brauerei (rote Markierung) unmittelbar neben dem Gasthaus Putz-Filippinetti auf einer Aufnahme aus der zweiten Hälfte der 1920er Jahre (bei einer hochaufgelösten Version des Bildes ist auch die Inschrift Brauerei Hütteldorf zu erkennen)
Während der kurzen aber heftig geführten Kampfhandlungen in Mistelbach im April des Jahres 1945 wurde auch das Schwechater Bierdepot beschädigt, doch konnten die Schäden bald behoben werden und durch die in den folgenden Jahren vorgenommenen Schließungen der Zweigniederlassung in Ernstbrunn, des Bierdepots in Zistersdorf und des ebenfalls zum Konzern gehörenden Bierdepots der Brauerei Nußdorf in Poysdorf wurde der Mistelbacher Standort bedeutend aufgewertet.900 Am 18. August 1953 ereignete sich nachts ein großer Brand im Mistelbacher Bierdepot, der durch einen Kurzschluss in der Elektrik eines Steyr LKWs in der Garage ausgelöst wurde. Die Feuerwehren von Mistelbach und Lanzendorf kämpften gegen die Flammen, doch wurden die Löscharbeiten durch Verschlammung des Bachbetts der Mistel, aus dem das Löschwasser herbeigeschafft werden sollte, erschwert. Auch der Tankwagen der Besatzungsmacht war im Einsatz und nach 45 Minuten konnte der Brand schließlich gelöscht werden.901 Die Garage, mehrere LKWs und rund 1000 Liter Bier wurden vom Feuer zerstört und der großteils durch Versicherung gedeckte Sachschaden belief sich auf 170.000 Schilling. Nachdem ein Neubau der Garagen notwendig war, wurde der Anlass genutzt das Gelände des Bierdepots durch Grundzukäufe (im Wesentlichen der Garten des Hauses Mitschastraße Nr. 7, damals noch im Besitz von Dr. Gustav Steinbauer) bedeutend zu erweitern und 1954 wurde der Garagenzubau und eine eigene Leergutrampe im hinteren Teil des erweiterten Geländes errichtet.
Anfang 1950er Jahre: Den Transport von der Zentrale in Schwechat in die Mistelbacher Niederlassung besorgte die ebenfalls in der Oserstraße ansässige Spedition Niecham
Die Verladerampe vor dem Kühlhaus (heute Gastraum bzw. Terrasse des Lokals „Altes Depot“) noch ohne das später errichtete Flugdach, etwa Anfang der 1950er Jahre vor dem Grundstückszukauf und dem Garagenausbau
Die Belegschaft des Schwechater Bierdepots in Mistelbach samt Fuhrpark im Jahre 1966 – in der Bildmitte Depotleiter Franz Dirr, weiters auf dem Bild: Franz Degen, Friedrich Rieder, Lambert Pernold, Othmar Höfling, Johann Pfarrhofer, Josef Mewald, Josef Renzhofer, Josef Traupmann und Karl Stuiber
Das Schwechater Bierdepot war beim Festzug anlässlich 100 Jahre Stadterhebung im Jahre 1974 mit einer traditionellen Bierkutsche vertreten
1990: Außenansicht nach bereits erfolgter Schließung des Bierdepots
Als Depotleiter konnten neben dem oben bereits erwähnten Heinrich Kosnapfl (1907-1910), noch folgende weitere Personen in Erfahrung gebracht werden: Andreas Teis (1920), August Riedel (mind. 1923-1924)902, Johann Langer (1924-mind. 1937)903, Vinzenz Chmelicek (um 1953)904 und Franz Dirr (1964-1975) – allesamt keine Mistelbacher. Nachdem die Brauerei Schwechat 1978 Teil des Brauunion-Konzerns wurde, hatten unternehmensinterne Umstrukturierungen zur Folge das Ende Jahres 1989 das Bierlager geschlossen wurde. Mit der Eröffnung des Lokals „Altes Depot“ am 4. Oktober 1991 in den Räumlichkeiten des Schwechater Bierdepots sorgt Reinhard Kruspel dafür, dass die Biertradition dieser Örtlichkeit auf andere Weise fortgeführt wird.
Bildnachweis:
-) Hotel/Gasthaus Putz: zVg von Herrn Fritz Petsch
-) Bierkutsche Festumzug 1974: Stadtmuseumsarchiv Mistelbach (zVg von Frau Gerlinde Zodtl)
-) Außenansicht Bierdepot nach der Schließung: Göstl-Archiv
-) Franz Josef-Straße um 1910: Verlag A. Kapitan (Mistelbach) – Sammlung des Autors
-) sonstige Bilder: im Besitz von Herrn Reinhard Kruspel
Quellen:
Grubenmühlstraße (Lanzendorf)
Entlang der Zaya existierten einst zahlreiche Mühlen und auf dem Gebiet der heutigen Großgemeinde Mistelbach befanden sich einige Getreidemühlen. Dazu zählte auch die Lanzendorfer Grubmühle, die am Weg nach Ebendorf gelegen war und von der sich der heutige Name dieser Straße ableitet.
Westlich von Lanzendorf (vor der „Schiffermühle“) teilte sich die Zaya einstmals in zwei Flussarme: den Gießbach und den Mühlbach. Diese beiden nebeneinander verlaufenden Arme der Zaya vereinigten sich hinter der Ebendorfer Rohrmühle wieder in ein Bachbett, waren jedoch auf der Strecke des zweigeteilten Verlaufs immer wieder durch Kanäle miteinander verbunden. Heute verläuft die Zaya im Bachbett des einstigen Gießbachs und während der Mühlbach-Seitenarm im Gebiet der Katastralgemeinde Lanzendorf trockengelegt wurde, besteht dieser in Ebendorf bis heute und zweigt nunmehr unmittelbar nach der Misteleinmündung ab. Entlang dem heute nicht mehr existenten Lanzendorfer Teil des Mühlbachs, an der Adresse Grubenmühlstraße Nr. 29/31/31a-b (schräg vis-a-vis vom ehemaligen Gelände der Winzergenossenschaft), befand sich die Grubmühle.905 Die älteste urkundliche Erwähnung dieser Mühle findet sich in einem Urbar der Herrschaft Wilfersdorf und reicht zurück bis ins Jahr 1395. Aus einer Auflistung der Besitzer und Pächter der Grubmühle, erstellt von Hans Spreitzer, geht hervor, dass sich die Mühle auch immer wieder im Besitz von wohlhabenden Mistelbacher Bürgern befand und es dürfte sich um die „Hausmühle“ der liechtensteinischen Marktgemeinde Mistelbach gehandelt haben.906
Anfang des 18. Jahrhunderts wurde ein Wirtshaus nahe der Mühle errichtet, schließlich galt es für die Kunden der Mühle häufig Wartezeiten zu überbrücken. Doch auch Prostitution soll hier ausgeübt worden sein, zumindest laut den Schilderungen eines in den 1980er Jahren erschienen Buches über die Weinviertler Mühlen.907 Eine Angabe konkreter Quellen zu diesem „Nebengewerbe“ fehlt zwar in der Publikation, allerdings tauchen Mühlen, wohl auch aufgrund ihrer meist abgeschiedenen Lage, bis in die Antike zurückreichend immer wieder als Orte auf in deren Umgebung Prostitution ausgeübt wurde und allgemein galt der Berufsstand der Müller in früherer Zeit oft als anrüchig und ehrlos.908 Laut Mitscha-Märheim gehörte das sogenannte „Öhrlwirtshaus“ oder „Lamplwirtshaus“ im Gegensatz zu anderen (jüngeren) Darstellungen zunächst nicht zur Mühle, sondern war vom damaligen Besitzer der Herrschaft Ebendorf 1726 erbaut worden.909 Auch Spreitzer erwähnt es in seinem Beitrag zur Mühle nicht und somit dürfte außer der Nachbarschaft und gemeinsamer Kundschaft zunächst keine weitere Verbindung zwischen Mühle und Wirtshaus bestanden haben. 1815 kam die Mühle in den Besitz der Zayamühlen-Dynastie Binder (ihr gehörten auch die nachfolgend gelegene Schlossmühle und Rohrmühle) und 1826 erwarb der Müllermeister Johann Binder auch das Wirtshaus, dass er verpachtete. Das Wirtshaus hatte sich im Laufe der Jahre jedoch zu einem Treffpunkt von Kriminellen entwickelt und hier wurde auch mit aus der Mühle gestohlenen Erzeugnissen gehandelt. Durch diese für Geschäft und Ruf abträgliche Entwicklung sah sich Binder genötigt, das Wirtshaus (vermutlich in den 1840er Jahren) abzureißen. 1874 übernahm Rupert Fürnkranz, ein Vertreter der Asparner Müllerdynastie Fürnkranz, die Mühle und nachdem er sie bereits 1885 offenbar erfolglos zum Verkauf angeboten hatte910, erwarb 1887 der Ebendorfer Gutsbesitzer Dr. Josef Ritter Mitscha von Märheim die Grubmühle. Dieser Kauf scheint strategischer Natur gewesen zu sein, denn Mitscha von Märheim ließ den Mahlbetrieb wenig später einstellen. Schließlich war er bereits zuvor in den Besitz der Schlossmühle gelangt und durch die Stilllegung der Grubmühle konnte ein Konkurrenzbetrieb in unmittelbarer Umgebung ausgeschalten werden und durch den Erwerb des mit der vorgelagerten Mühle verbundenen Wasserrechts war auch eine bessere Nutzung der Wasserkraft in der Schlossmühle möglich.
Der nach Stilllegung des Mühlbetriebs Grub(en)hof genannte Gebäudekomplex wurde fortan zur Unterbringung von Saisonarbeitskräften der Gutsverwaltung des Schlosses Ebendorf genutzt, vermutlich bis zum Zweiten Weltkrieg. Danach verfiel die Anlage zusehends und laut dem Bericht eines Nachfahrs der Familie Binder, der die Mühle im September 1958 besuchte, war sie bereits damals als Ruine zu bezeichnen und außerdem berichtete er davon, dass zu diesem Zeitpunkt bereits einige Nebengebäude abgetragen worden waren.911 Wenig später dürfte schließlich auch das Mühlengebäude sowie der Rest der Anlage geschliffen worden sein und auf dem straßenseitig gelegenen Teil des Areals wurden später zwei Einfamilienhäuser errichtet. Als einziger Teil des alten Mühlenensembles blieb ein altes rückwärtig gelegenes, einstöckiges Wohnhaus erhalten, das jedoch in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre der Errichtung einer Wohnhausanlage weichen musste.
Zur Mühle gehörten einst Wohn- und Wirtschaftsgebäude (Stadel, Ställe, Keller), ein Teich und mehrere in einem Haus untergebrachte Fischtanks, Gärten, Wiesen und Äcker.912 Fotos der Grubmühle sind nicht überliefert, nachfolgend daher eine Darstellung der Grubmühle und der dazugehörigen Anlagen auf dem franzeischen Kataster aus dem Jahre 1821:
Auf der obenstehenden Abbildung sind der u-förmige Mühlhof (Nr. 1), das bis vor kurzem bestandene Wohngebäude (Nr. 2), die Gärten (Nr. 3) und der Teich (Nr. 4) zu erkennen. Die letztgenannten Einrichtungen (2-4) befanden sich auf einer Art Insel, da der rechte Seitenarm der Zaya knapp 200 Meter oberhalb der Grubmühle nochmals geteilt wurde. Der untere gerade und künstlich angelegte Bachlauf führte unter der Mühle hindurch und trieb das Mühlrad an, während der obere eigentliche, natürliche Bachlauf als Umlaufgerinne diente. Da das oben erwähnte Wirtshaus auf dieser Darstellung nicht erkennbar ist, stellt sich die Frage, ob dieses zuletzt vielleicht in den Gebäudekomplex des Mühlhofes integriert war.
Der Weg zwischen Lanzendorf und Ebendorf hatte abgesehen von der Verbindung dieser beiden Orte keine übergeordnete verkehrstechnische Bedeutung und war daher bis Ende des 19. Jahrhunderts kaum ausgebaut. Somit war die Grubmühle mit Fuhrwerk einst nur von Lanzendorf aus erreichbar. Vor der Errichtung der Ebendorfer Schule besuchten die Ebendorfer Kinder die Schule in Lanzendorf und der schlechte Zustand dieses als Feldweges, der aufgrund der nahegelegenen Au oft sumpfig war und von dem man insbesondere im Winter leicht abkommen konnte, war ein Grund für die Errichtung einer eigenen Schule. Nachdem Mitscha von Märheim die Ebendorfer Schule 1880 auf eigene Kosten errichtet hatte, ließ er schließlich 1886 den Weg nach Lanzendorf befahrbar ausbauen und wandelte die umliegende Au in eine Parkanlage mit mehreren Teichen um.913 Obzwar die namensstiftende Mühle stets „Grubmühl“ hieß, wurde im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Lanzendorf der an ihrem einstigen Standort vorbeiführende Verbindungsstraße nach Ebendorf mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 27. Juni 1979 der Name „Grubenmühlstraße“ gegeben.914
Wo befindet sich die Grubenmühlstraße?
Quellen:
Der „Rubensdiebstahl“ von Mistelbach
„Der Rubens von Mistelbach geraubt“ lautete eine Überschrift in der katholisch-konservativen Tageszeitung Reichspost vom 30. September 1922 und auch andere Blätter berichteten Ende September/Anfang Oktober 1922 zumindest in Randnotizen über den Diebstahl eines Gemäldes des Heiligen Sebastian aus der Mistelbacher Pfarrkirche.915 Dabei soll es sich um ein Werk des flämischen Meisters Peter Paul Rubens oder zumindest eines seiner frühen Schüler gehandelt haben. Die Einschätzung, dass es sich um ein Werk Rubens gehandelt habe basiert auf einer Notiz in der Pfarrchronik aus dem Jahr 1852 die vom damaligen Barnabiten-Propst Don Anton Maria Pfeiffer stammt. Pfeiffer soll ein Kunstkenner gewesen sein und die Eintragung steht in Zusammenhang mit der in diesem Jahr erfolgten Neugestaltung der Sebastianikapelle (Seitenaltar im linken Kirchenschiff) und bei dem gegenständlichen Kunstwerk handelte es sich um das Altarbild dieser Kapelle. 1914 wurde die Sebastianikapelle abermals renoviert und der akad. Maler Prof. Josef Reich wurde mit der Restaurierung des Gemäldes des hl. Sebastians betraut. Laut seiner fachkundigen Einschätzung soll es sich bei dem Bild hingegen um ein Werk von Tizian, Rubens großem Vorbild, gehandelt haben.916 Somit bleibt die Urheberschaft des Werks ungeklärt. Faktum ist allerdings, dass es sich um ein Werk von außergewöhnlichem künstlerischen (und damit wohl auch finanziellem) Wert gehandelt haben dürfte. Wie und wann das Bild in den Besitz der Pfarre kam, dazu ist nichts überliefert. Der namentlich nicht genannte Autor des oben bereits erwähnten Reichspost-Artikels vermutete eine Stiftung durch die Fürstenfamilie Liechtenstein und konstruierte auch eine Verbindung mit der einst dem heiligen Sebastian geweiht gewesenen Gruftkapelle, die bis 1784 zwischen der Pfarrkirche und der Katharinenkapelle (Karner) stand. Die Gruftkapelle, die unter der vermutlich ursprünglichen, im romanischen Stile erbauten, Pfarrkirche lag, war dem heiligen Sebastian geweiht, und erlangte Mitte des 18. Jahrhunderts als Ziel von Wallfahrten aufgrund einer wundertätigen Marienstatue unter dem Namen „Maria in der Gstetten“ (oder auch Maria in der Gruft) letztmalig Ruhm ehe sie den Reformen von Kaiser Josef II. zum Opfer fiel und abgetragen wurde. Ob das Bild einst tatsächlich in der Gruftkapelle hing bzw. ein Zusammenhang mit dem ebenfalls Ende des 15. Jahrhunderts vom Mistelbacher Marktrichter Schrembs gestifteten und für einige Jahrhunderte bestehenden Sebastiani-Benefizium existierte, kann nicht mehr geklärt werden.917
Der Diebstahl dürfte sich am Sonntag, dem 17. September 1922, und zwar in den Nachmittagsstunden bzw. der Nacht dieses Tages ereignet haben. Es wurde vermutet, dass der oder die Täter sich versteckt in der Kirche einsperren ließen, um so ihre Missetat ungestört begehen zu können. Mit einem Messer wurde das Bild aus dem Rahmen geschnitten, wobei zunächst offenbar versucht wurde das gesamte Bild aus dem Rahmen zu schneiden, letztlich beschränkten die Kunstdiebe sich dann jedoch auf die Abbildung des Heiligen und ein an den Ecken abgerundeter Abschnitt im oberen Bereich des Bildes blieb im Rahmen zurück. Darauf ist ein Engel zu sehen der dem Heiligen Kranz und Palmzweig – zwei ikonografische Attribute von Märtyrern – überreichte.
Der klägliche Rest vom „Mistelbacher Rubens-Bild“
Die Täter entkamen schließlich mithilfe einer in der Kirche befindlichen Leiter auf die Kanzel und gelangten von hier durch das Aufbrechen einer Türe in den Kirchenturm. Im Zuge des Messeläutens am nächsten Morgen entkamen sie offenbar unentdeckt ins Freie.918 Aufgrund der versteckten Lage in einem Seitenaltar wurde der Diebstahl erst eine Woche später durch Kirchenbesucher bemerkt und dies erklärt auch die Verzögerung mit der diese Nachricht in die Zeitungen gelangte. Den Tätern wird Fachkenntnis attestiert, da sie sich ganz gezielt diesem etwas versteckten, und auf den ersten Blick eher unscheinbaren Gemälde widmeten und andere wertvolle Gegenstände in der Kirche unberührt ließen. Aus diesem Grund wurde auch gemutmaßt, dass es sich um organisierten Kunstraub mit Verbindungen in den Kunsthandel gehandelt haben könnte.
Die Tat konnte nie aufgeklärt werden, und ebenso wie die Urheberschaft des Werks bleibt auch die Frage weshalb der oder die Täter letztlich nicht das gesamte Bild aus dem Rahmen schnitten bis heute unbeantwortet.
Zwecks Veranschaulichung, nachfolgend Darstellungen des heiligen Sebastian von den beiden oben erwähnten Meistern in bedeutenden Kunstsammlungen:
Peter Paul Rubens: St. Sebastian (Gemäldegalerie Berlin)
Peter Paul Rubens, Public domain, via Wikimedia Commons
Tizian: St. Sebastian (Eremitage St. Petersburg)
Titian, Public domain, via Wikimedia Commons
Bildnachweis:
Rest des „Mistelbacher Rubens“: zur Verfügung gestellt von Frau Christa Jakob
wikipedia/wiki-commons (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Sebastian-rubens.jpg)
wikipedia/wiki-commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Titian_sebastian.jpg)
Quellen:
Wedragasse (Eibesthal)
Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Eibesthal beschloss der Mistelbacher Gemeinderat mit Beschluss vom 18. März 1983 die zur ehemaligen Wedra-Villa führende Zufahrtsstraße nach deren einstigen Besitzer Rudolf Wedra – Eibesthaler Oberlehrer, Begründer der Passionsspiele und später Reichsratsabgeordneter – zu benennen.
Wo befindet sich die Wedragasse?
Brunauer-Dabernig, Dr. Anton
Erzbischöflicher Konsistorialrat Dr. Anton Brunauer-Dabernig
geb. 21.10.1891, Lochen (Bezirk Braunau)
gest. 8.4.1973, Eibesthal
Anton Brunauer-Dabernig wurde als Sohn des Kaufmanns und Uhrmachers Anton Braunauer-Dabernig senior und dessen Gattin Elisabeth, geb. Stadler, in Lochen im oberösterreichischen Innviertel geboren.919 Der Doppelname stammt von seinem Vater, der als uneheliches Kind geboren wurde und später wurde dem Nachnamen der ledigen Mutter der Name seines Adoptivvaters vorangestellt. Beim Gebrauch des Namens schwankte sein Sohn je nach Kontext und Zeit zwischen der vollständigen Form und der Kurzvariante „Brunauer“. Um Verwirrungen zu vermeiden wird in diesem Beitrag stets der vollständige Name verwendet. Im Alter von zwölf Jahren verlor er seinen Vater der schon seit längerer Zeit an Tuberkulose litt.920 Der Tod des Ernährers der Familie bedeutete zweifellos eine schwierige wirtschaftliche Lage für die hinterbliebene Witwe, die bald darauf das Haus der Familie verkaufte, um für sich, ihren Sohn Anton und dessen fünf jüngere Schwestern das Auslangen zu finden. Mit Beginn des Schuljahres 1904/05, also im Alter von bereits 13 Jahren, trat Brunauer-Dabernig als Zögling in das Knabenseminar Kollegium Petrinum in Linz-Urfahr ein und besuchte das dort bestehende bischöfliche Privatgymnasium.921 Nach dem Absolvieren der acht Jahrgänge dieser Schule legte er hier Anfang Juli 1912 die Reifeprüfung erfolgreich ab922 und trat im Anschluss daran in den „Franziskaner“-Orden (Orden der minderen Brüder) ein.923
Er wählte den Ordensnamen „Bernardin“, zog in das Haus des Ordens in Salzburg und studierte an der dortigen theologischen Fakultät aus der knapp 50 Jahre später die Universität Salzburg hervorgehen sollte. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Theologiestudiums empfing Brunauer-Dabernig am 3. September 1916 in Salzburg das Sakrament der Priesterweihe und feierte fünf Tage später die Primiz in seinem Heimatort Lochen.924 Als Geistlicher war er vom Militärdienst im damals herrschenden Ersten Weltkrieg befreit, und ab dem Sommer 1918 scheint er im Innsbrucker Ordenskloster als Lehramtskandidat auf und schloss ein entsprechendes Studium an der Innsbrucker Universität im Jahre 1923 mit der Promotion zum Dr.phil. ab.925 Auch in Rom soll Brunauer-Dabernig einige Zeit wissenschaftlich gearbeitet haben, allerdings sind die vorliegenden Quellen hierzu leider unklar. Laut einem Nachruf in der Wiener Kirchenzeitung soll er in Rom auch studiert haben926, anderen Angaben zufolge einige Zeit an einem vatikanischen Institut tätig gewesen sein927. Sofern diese Informationen zutreffend sind, dürfte dies zeitlich in die Zeit seines Doktoratstudiums zu verorten sein. Nach dem Abschluss seiner Studien blieb er bis etwa 1925 in Innsbruck, wobei er immer wieder verschiedene Aufgaben im Gebiet der Ordensprovinz (Tirol-Salzburg), bspw. in der Volksmission, übernahm.928 Nach seiner Rückkehr in die Stadt Salzburg ab etwa 1925 wirkte Brunauer-Dabernig in der Arbeiterseelsorge, als Diözesan-Präses der Kolping-Familie und als Lektor an der theologischen Fakultät und er wurde als begabter Prediger auch über die Grenzen seiner Ordensprovinz hinaus geschätzt.929
Anfang des Jahres 1928 wurde Dr. Brunauer-Dabernig von Kardinal Piffl zum Generaldirektor des „Katholischen Schulvereins für Österreich“ und damit nach Wien berufen.930 Zweck dieser Organisation war es Einfluss auf die Schulpolitik im Sinne der Kirche zu nehmen und außerdem fungierte der Verein als Trägergesellschaft katholischer Privatschulen. Er lebte fortan im Konvent des Ordens am Franziskanerplatz in der Wiener Innenstadt931 und wurde 1930 auch als Notar an das erzbischöfliche Diözesangericht berufen.932 Im November des Jahres 1931 erkrankte er schwer und musste sich mehreren Operationen an Blinddarm und Galle unterziehen933, doch Brunauer-Dabernig, der am Krankenbett auch vom Kardinal besucht wurde934, erholte sich bald darauf wieder.
Im Herbst des Jahres 1934 trat Dr. Brunauer-Dabernig aus nicht überlieferten Gründen nach mehr als 20 Jahren aus dem Franziskaner-Orden aus und wurde nunmehr als Weltgeistlicher in die Erzdiözese Wien aufgenommen.935 Er bekleidete weiterhin das Amt des Generaldirektors des katholischen Schulvereins, bis dessen Aufgaben im Frühjahr des Jahres 1936 auf andere Organisationen übertragen wurden und der Verein seine Tätigkeit einstellte.936 Im Anschluss wurde Dr. Brunauer-Dabernig für wenige Wochen als Kooperator in die Pfarre Pillichsdorf entsandt937, bevor er in selber Funktion in die Pfarre St. Johann von Nepomuk in Wien-Leopoldstadt wechselte.938 Mit 1. Juli 1939 wurde er zum Lokalprovisor in Eibesthal berufen939 und mit 1. Februar 1940 schließlich zum Pfarrer von Eibesthal investiert940. Noch 1937 scheint er weiterhin als Notar, zuletzt mit dem Titel eines erzbischöflichen Gerichtsrats, beim Diözesangericht auf, doch wohl spätestens mit dem Wechsel nach Eibesthal dürfte diese Tätigkeit geendet haben.941
Schwere Not brachten die Kriegstage im April des Jahres 1945 mit sich als heftige Kämpfe in und um Eibesthal wüteten. Es gelang Pfarrer Brunauer-Dabernig gerade noch rechtzeitig das Allerheiligste aus der Pfarrkirche zu retten, ehe diese schwer durch den Beschuss von Stalinorgeln getroffen wurde und später völlig ausbrannte bzw. einstürzte (siehe hierzu den Beitrag Alte Pfarrkirche von Eibesthal). Mutig nahm er in dieser Zeit seine Pflichten als Seelsorger wahr und leistete sterbenden Soldaten Beistand, spendete den Verzweifelten und Verängstigten Trost und setzte sich in der Folge auch gegen die Gewalt und Willkür der sowjetischen Truppen gegenüber der Bevölkerung ein.942
1967: Dr. Brunauer-Dabernig (Bildmitte) bei der Weihe des Eibesthaler Heimkehrerdenkmals
Im Zuge der Kämpfe um Eibesthal im Frühjahr 1945 spendete Dr. Brunauer-Dabernig einem sterbenden italienischen Soldaten das Sterbesakrament und die von ihm getragene Stola wurde dabei mit dem Blut des Soldaten getränkt. Er bewahrte diese zur Erinnerung an die Schrecken des Krieges auf und trug sie bei der obenstehend abgebildeten Einweihung des Gedenksteins der Heimkehrer aus den beiden Weltkriegen im Jahre 1967.943
Nachdem wie bereits oben erwähnt die Eibesthaler Pfarrkirche im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde, bedeutete der Wiederaufbau des Pfarrlebens in Ermangelung eines Gotteshauses natürlich eine besondere Herausforderung und verschiedene Räumlichkeiten mussten als Übergangslösungen dienen. Demgemäß wurde der Neubau der Pfarrkirche bald in Angriff genommen und während der gebürtige Eibesthaler Prälat Fried der große Gönner, Förderer und Initiator des Kirchenneubaus war, war Dr. Brunauer-Dabernig der stille Arbeiter und Organisator dieses gewaltigen Projekts, dass nach einiger Verzögerung aufgrund von Baustoffmangel schließlich im Jahre 1951 fertiggestellt konnte.944
In den 1950er und 1960er Jahren bekleidete er auf Ebene des Dekanats Wilfersdorf das Amt des Dekanatskämmerers und unterstützte in dieser Funktion den Dechant bei der kirchlichen Vermögensverwaltung.945 Für sein langjähriges Wirken und seine Verdienste um die Gemeinde wurde Dr. Brunauer-Dabernig mit Beschluss des Eibesthaler Gemeinderats vom 1. September 1951 zum Ehrenbürger ernannt.946 Dass die Gemeinden früher nicht immer den Überblick über die von Ihnen vergebenen Ehrungen hatten, zeigt ein Gemeinderatsbeschluss vom 7. September 1971 der Dr. Brunauer-Dabernig aus Anlass seines bevorstehenden 80. Geburtstags die Ehrenbürgerschaft verlieh, vorbehaltlich dessen, dass ihm selbige nicht bereits verliehen worden war.947 Auch mit zahlreichen kirchlichen Ehrentiteln wurden Brunauer-Dabernigs Verdienste gewürdigt: so dürfte er früh (bereits während seiner Zeit in Wien) zum Ehrenkanonikus ernannt worden sein und 1966 wurde ihm für das nach 1945 aufgebaute und als mustergültig geltende aktive Pfarrleben in Eibesthal seitens der Diözese der Titel eines erzbischöflichen Konsistorialrates verliehen.948
1971: Pfarrer Dr. Brunauer-Dabernig gratuliert Bürgermeister Josef Strobl zu dessen 50. Geburtstag
Dr. Brunauer-Dabernig war begeisterter Sammler (Briefmarken, Flaschen und Bücher) und auch das Holzschnitzen zählte zu seinen Leidenschaften. An der Fassade des Pfarrkellers ist heute noch eine von ihm geschnitzte Marienstatue zu sehen und auch Brautpaaren die er traute, schenkte er solche von ihm geschaffenen Statuen.949
Bis zu seinem Tod, und damit knapp 44 Jahre lang, wirkte er trotzdem er schon seit einiger Zeit unter gesundheitlichen Problemen litt unermüdlich als Pfarrer von Eibesthal, und prägte den Ort und dessen Bevölkerung nicht nur durch die den Neubau der Pfarrkirche nachhaltig.950 Die letzten Wochen bereits schwer leidend verstarb Dr. Anton Brunauer-Dabernig um die Mittagszeit des 8. April 1973 im 82. Lebensjahr und wurde am 12. April im Priestergrab auf dem Eibesthaler Friedhof unter großer Anteilnahme – es dürfte eine der größten Beerdigungen in der Geschichte von Eibesthal gewesen sein – beigesetzt.
1973: Dr. Brunauer-Dabernigs sterbliche Überreste auf dem Weg zur Beisetzung im Priestergrab auf dem Eibesthaler Friedhof
Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Eibesthal fasste der Mistelbacher Gemeinderat am 18. März 1983 den Beschluss einer neben der von ihm geschaffenen Eibesthaler Pfarrkirche verlaufenden Gasse den Namen (Dr.-)Brunauer-Gasse zu geben.
Wo befindet sich die Dr.-Brunauer-Gasse?
Bildnachweise:
sämtliche Fotos: Wilhelm Mliko – Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
Quellen:
Roller, Felix
Gemeinderat Ökonomierat Felix Roller
* 18.6.1871, Mistelbach
† 8.8.1957, Mistelbach
Felix Roller wurde als Sohn des Webermeisters Felix Roller sen. und dessen Gattin Franziska, geb. Brožek, in Mistelbach geboren.944 Seine Eltern stammten aus Böhmen und sein Vater hatte sich 1852 als Webermeister in Ebendorf niedergelassen. 1857 erwarb Roller senior das Haus Hauptplatz Nr. 9 und verlegte Wohnsitz und Betrieb an diese Adresse.948 Vorausblickend dürfte er die Entwicklungen in der Handweberei, die sich durch die zunehmende Industrialisierung im Niedergang befand, erkannt haben und diversifizierte seine Geschäftstätigkeit, indem er 1875 zusätzlich in den Weinhandel einstieg. Als Felix Roller elf Jahre alt war, verlor er seine Mutter, die an Komplikationen bei der Geburt seines jüngsten Bruders Franz verstarb, und gemeinsam mit seinen älteren Geschwistern kümmerte er sich um die jüngeren Geschwister und insbesondere die Betreuung und Erziehung des jüngsten Bruders bewerkstelligten die Geschwister gemeinsam. Zusammen mit drei Brüdern und drei Schwestern, unter denen es allerdings große Altersunterschiede gab, wuchs er in Mistelbach auf und erlernte später das Weberhandwerk im väterlichen Betrieb. Als er das Familienunternehmen bestehend aus Weberei und Weinhandel 1895 übernahm, dürfte letzterer bereits die wesentlich bedeutendere Rolle gespielt haben. Nichtsdestotrotz wird er in den Taufbucheinträgen seiner Töchter, zuletzt im Jahr 1900, als Webermeister angeführt.951 Bald darauf dürfte er den Geschäftszweig der handwerklichen Weberei, dessen ganze Branche bereits im Verschwinden begriffen war, an den in Mistelbach ansässigen Tuchmachermeister Emanuel Kallina verkauft haben, denn bereits im Österreichischen Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe des Jahres 1903 (bzw. 1908) scheint dieser als einziger Weber in Mistelbach auf und Roller wird ausschließlich als Weinhändler erwähnt.952
Am 15. September 1895 heiratete er die Landwirtstochter Maria Trestler (1876-1941) in Mistelbach und dieser Ehe entstammten zwei Töchter.953
Die Familie Roller (Felix Roller samt Gattin Marie und den Töchtern Therese und Maria) in den ihr gehörigen Weingärten oberhalb der Liechtensteinstraße (etwa im Bereich des heutigen Krankenhauszubaus)
Die weitläufigen Weingärten der Familie Roller am Kirchenberg wurden um 1910 sogar auf Ansichtskarten verewigt.
Das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Roller an der Adresse Hauptplatz Nr. 9 (heute: Schuhhaus Artner) etwa 1938/39 während einer NS-Feier
Nachdem schon Rollers Vater dem Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) im Zeitraum 1888 bis 1894 angehörte, wurde auch Roller selbst im Jahre 1900 als Gemeindebeirat („einfaches“ Mitglied des Gemeindeausschusses) in den Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) gewählt.954 In der Zeit vor der Republiksgründung wurden bei Wahlen stets Personen gewählt und nicht etwa Parteilisten, sodass Parteien im heutigen Verständnis insbesondere auf Gemeindeebene eine eher untergeordnete Rolle spielten. Eine gesonderte Kandidatur war nicht notwendig, denn wer die damals im Wesentlichen an die Steuerleistung anknüpfende Voraussetzung für das aktive Wahlrecht erfüllte, konnte auch gewählt werden – ja musste, so dies geschah, die Wahl auch tatsächlich annehmen, sofern nicht Ausnahmegründe geltend gemacht werden konnten. Nichtsdestotrotz wirkten die großen politischen Strömungen auch bis auf die Ebene der Gemeindepolitik hinein und Wahlwerber mit ähnlichen ideologischen Ansichten und politischen Zielsetzungen bildeten mehr oder minder lose Zusammenschlüsse zum Zwecke gemeinsamer Wahlwerbung. Felix Roller gehörte zu den Deutsch-Nationalen („Gewerbepartei“), die damals mit Thomas Freund bereits seit zwei Jahren den Mistelbacher Bürgermeister stellten und sich auch bei der Wahl im Jahre 1900 gegen die Christlich-Sozialen („Bauernpartei“) und Liberalen mehrheitlich durchsetzen konnten.
Mit der Einführung des 4. Wahlkörpers in bestimmten, größeren Gemeinden in Niederösterreich vor der Gemeindeausschusswahl des Jahres 1905, wurde das (jedoch nach wie vor ungleiche) Wahlrecht nun auf weite Teile der männlichen Bevölkerung und somit auch auf die Arbeiterschaft ausgedehnt. Als Reaktion darauf traten in Mistelbach die deutsch-nationalen und christlich-sozialen Kandidaten als „Vereinigte Bürgerpartei“ gemeinsam auf, um beim erstmaligen Antreten von sozialdemokratischen Kandidaten kein Risiko einzugehen, und deren Einzug in den Gemeindeausschuss konnte ebenso wie jener der Liberalen erfolgreich verhindert werden. Als Vertreter der „Bürgerpartei“, die nach dem damaligen Bürgermeister auch „Freundpartei“ genannt wurde, wurde Roller nach dieser Wahl in den Gemeindevorstand gewählt und war als Gemeinderat (= heutiger Stadtrat) für die Leitung der für Schule und Unterricht zuständigen Sektion (=Ausschuss) verantwortlich.955 Darüber hinaus war er als Gemeindekämmerer bei der Haushaltsplanung involviert und bekleidete das Amt des Marktkommissärs, der seitens des Gemeindeausschusses auf die Einhaltung der Marktordnung während der Jahr- und Wochenmärkte zu achten hatte.956 Das Zweckbündnis zwischen Deutsch-Nationalen und Christlich-Sozialen bekam schon bei der Landtagswahl 1908 deutliche Risse und bei der Reichsratswahl 1911 bekämpften die beiden politischen Lager einander äußerst heftig. Die Deutsch-Freiheitlichen (die zu dieser Zeit in Mistelbach vorherrschende Strömung in der damals wie heute chronisch zersplitterten Deutsch-Nationalen-Bewegung) obsiegten nicht nur bei der Reichsratswahl mit ihrem Kandidaten Rudolf Wedra, sondern triumphierten auch bei der im selben Jahr abgehaltenen Gemeindeausschuss-Ergänzungswahl, bei der sie unter dem Namen „Wirtschaftspartei“ antraten. Deren Kandidat Roller konnte nach Josef Dunkl, dem neugewählten Bürgermeister, die meisten Wählerstimmen auf sich vereinigen und wurde somit klar wiedergewählt.957 Aufgrund einer letztlich abgewiesenen Wahlanfechtung konnte die Konstituierung des Gemeindeausschusses erst mit zweimonatiger Verzögerung erfolgen, aber Anfang Dezember 1911 wurde Roller schließlich erneut in den Gemeindevorstand gewählt und leitete als Obmann fortan die Sektion (=Ausschuss) für Unterrichts-, Humanitäts- und Armenanstalten.958 Nachdem sich die Sparkasse Mistelbach im Eigentum der Stadt befand, war auch deren Leitung eng mit der politischen Führung der Gemeinde verknüpft und die Leitungsgremien wurden vom Gemeindeausschuss beschickt. Im Dezember 1911 wurde Roller in den Sparkassenausschuss entsandt und bei dessen konstituierender Sitzung auch in der Funktion des Kanzleivorstands in das fünfköpfige Direktorium dieser Institution gewählt.959 Turnusgemäß abzuhaltende Wahlen für alle Gebietskörperschaften fanden während des Ersten Weltkriegs nicht statt, doch als die sechsjährige Amtszeit des Sparkassenausschusses im Dezember des Jahres 1917 endete, kam es zu großen Unstimmigkeiten zwischen den Mitgliedern des Gemeindeausschusses betreffend die Neuwahl des Sparkassenausschusses und Roller, der zwar mit einer Stimme Mehrheit wiedergewählt wurde, verzichtete schließlich auf die Annahme dieses Amt.960
Zunächst waren die Mitglieder des Gemeindevorstandes (damals als Gemeinderäte bezeichnet = heutige Stadträte) von der Kriegsdienstleistung im Ersten Weltkrieg befreit, doch aufgrund der Fortdauer des Krieges und der damit einhergehenden Verluste wurden diese Ausnahmeregelungen sukzessive aufgehoben. 1915 wurde auch der Mistelbacher Bürgermeister und die Gemeinderäte gemustert und da Roller als tauglich befunden wurde und sein Enthebungsgesuch – zunächst – abgelehnt wurde, musste er zu Beginn des Jahres 1916 einrücken.961 Tatsächlich konnte er sich wenig später – wohl noch während der Ausbildungsphase – dem Militärdienst entziehen, ebenso wie auch der Rest des Gemeindevorstandes eine Einrückung trotz Tauglichkeit verhindern konnte. Diese Tatsache ist dadurch belegt, dass Roller (und seine Amtskollegen inkl. dem Bürgermeister) bei den bis Kriegsende folgenden Gemeindeausschusssitzungen stets als anwesend angeführt wurden. Nachdem Roller seit 1900 dem Gemeindeausschuss und seit 1905 als Gemeinderat dem Gemeindevorstand angehört hatte, legte er im Dezember 1918 seine Funktion als Gemeinderat zurück und im Februar 1919 schließlich sein Mandat im Gemeindeausschuss nieder.962 Hintergrund dieses Verzichts war ein Beschluss des Staatsrates der eben aus der Taufe gehobenen Republik, der vorsah, dass bereits vor den erst 1919 stattfindenden ersten allgemeinen und gleichen Wahlen Arbeitervertreter entsprechend ihrem Anteil an der Gemeindebevölkerung in Städten und Industrieorten in die Gemeindeausschüsse aufzunehmen waren, und es somit notwendig war Mandate „freizumachen“.963
Nach dem Ausscheiden aus seinen Funktionen im öffentlichen Leben konnte sich Roller voll und ganz auf seinen Betrieb konzentrieren und trotz der zunächst schwierigen Nachkriegsjahre konnte er rasch wieder an den Erfolg aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anknüpfen und sein Betrieb avancierte zum Weingroßhandel. Schon vor dem Krieg exportierte Roller Weine in viele Landesteile Österreich-Ungarns und auch ins Deutsche Reich und später konnte er an diese Exporterfolge nunmehr in den Nachfolgestaaten der Monarchie (zB Ungarn und Jugoslawien) anknüpfen. Von seinem großen wirtschaftlichen Erfolg zeugt auch die Tatsache, dass Roller ab den 1920er Jahren sukzessive alle verfügbaren Kellerflächen der Stadt anmietete bzw. ankaufte, darunter auch den großen Klosterkeller, und somit verfügte er in der Spitze über mehr als 600.000 Liter Lagerkapazität. Schon 1903 ließ Roller einen großen Keller („Presshauskeller“) in der Franz Josef-Straße Nr. 51 erbauen, der alleine rund 190.000 Liter Fassungsvermögen bot, und beim Anlegen einer für den Bau benötigten Kalkgrube wurde ein sensationeller archäologischer Siedlungsfund aus der mittleren Bronzezeit (1500 – 1300 v. Chr.) freigelegt, der in Fachkreisen seither als „Rollerfund“ bekannt ist.964
Der von Roller Anfang des 20. Jahrhunderts in der Franz Josef-Straße errichtete große Weinkeller bei der Anlieferung eines neuen Fasses im Jahre 1925. Die vor dem Fass abgebildeten Fassbinder mussten selbiges zerlegen und im Keller neu zusammensetzen.
ca. 1910: Roller (sitzend) im Kreise seiner Mitarbeiter im Hof des Kellers in der Franz Josef-Straße Nr. 51
Roller war jedoch nicht nur Weinhändler, sondern auch selbst Landwirt und Weinbauer und als solcher gehörte er 1898 auch zu den Gründern der landwirtschaftlichen Genossenschaft Mistelbach, die im Jahr darauf ihr Lagerhaus am heutigen Standort eröffnete. 1917 hatten er und seine Gattin den Minichhof, einen landwirtschaftlichen Gutshof in der Gemeinde Haidershofen (Bez. Amstetten) nahe der Grenze zwischen Nieder- und Oberösterreich, erworben und bauten diesen zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb aus.965 Im Mai 1937 wurde Roller seitens der Gemeindevertretung von Haidershofen anlässlich des 20-jährigen Jubiläums als Besitzer des Minichhofes, für seine vorbildliche Leitung des Gutes sowie aufgrund seiner großen Verdienste um Gemeinde und Pfarre zum Ehrenbürger der Gemeinde Haidershofen ernannt.966 1951 veräußerte er diesen Besitz wieder. Im Jahre 1922 gründete er mit seinem Bruder Franz auch eine Firma zum Handel mit Brenn-, Schnitt- und Bauholz, wobei allerdings unklar ist, ob und wie lange dieses Unternehmen aktiv war.967 Im Sommer des Jahres 1935 wurde Roller, der auch in verschiedenen berufsständischen Fachgremien und -kommissionen tätig war, der Berufstitel Ökonomierat verliehen.
Ökonomierat Felix Roller im Jahre 1935
Nachdem Rollers Gattin 1942 verstorben war, sollten ihn im April 1945 als der Zweite Weltkrieg kurz aber grausam im Weinviertel wütete noch weitere besonders tragische Schicksalsschläge ereilen. Unmittelbar nach der Eroberung Mistelbachs durch die Rote Armee, verübten deren Soldaten massenhaft Vergewaltigungen an der weiblichen Bevölkerung der Stadt, und aus Angst vor diesem Schicksal (oder nach dieser erlittenen Pein) flüchteten sich die beiden Töchter Rollers in den Selbstmord. Kurz darauf wurde Rollers Schwiegersohn Friedrich Haas, der Gesellschafter der Weinhandlung war und wohl auch zu Rollers Nachfolger als Firmenchef auserkoren war968, von den russischen Soldaten verhaftet und im Gasthaus Putz-Filippinetti festgehalten. Die Umstände seines wenig später folgenden Todes sind nicht ganz eindeutig – er soll hier Selbstmord durch Erhängen begangen haben. Die verscharrten sterblichen Überreste von Rollers Schwiegersohn wurden erst 1955 bei den Bauarbeiten zur Errichtung des Finanzamts, das zum Teil im Garten des oben erwähnten Gasthauses errichtet wurde, entdeckt.969 Zwar war Haas NSDAP-Mitglied, sogar bereits in der illegalen Zeit, doch lässt sich seine Verhaftung alleine durch die Parteimitgliedschaft nicht erklären, wie Beispiele anderer (teils hochrangiger) Nazis belegen. Der zweite verwitwete Schwiegersohn war der später noch lange Jahre in Mistelbach tätige Tierarzt Dr. Gottlieb. Neben der familiären Tragödie wurde in den Kriegstagen auch Rollers unternehmerische Existenz schwerst geschädigt, denn trotz des Krieges lagerten rund 2.900 Hektoliter Wein in seinen Kellern, die von den sowjetischen Soldaten geplündert wurden und vollständig deren Trunksucht und Zerstörungswut zum Opfer fielen. Auch hunderte Transportfässer wurden zerstört oder verschleppt. Während der Kampfhandlungen wurde außerdem der Wohn- und Geschäftssitz am Hauptplatz schwer beschädigt und als die Schäden ausgebessert waren, bezogen russische Offiziere darin Quartier und erst 1955 nach deren Abzug konnte Roller sein Haus wieder frei nutzen.970
Auch Rollers jüngster Bruder Franz, zu dem er aus den eingangs geschilderten Umständen ein besonderes Verhältnis pflegte, hatte während des Krieges bei einem Bombenangriff auf Wien seine Familie und die unternehmerische Existenz verloren und kehrte zu seinem Bruder nach Mistelbach zurück. Nach dem Krieg versuchten sie gemeinsam den Weinhandel wieder aufzubauen, doch von den im Krieg erlittenen Schäden konnte sich das Unternehmen nie mehr wirklich erholen.971 Felix Roller verstarb am 8. August 1957 an den Folgen eines Gehirnschlages und wurde in der Familiengruft auf dem Mistelbach Friedhof beigesetzt. Sein Bruder Franz Roller führte den Weinhandel noch bis zum Abschluss der Verlassenschaftsverhandlung und danach wurde das Unternehmen liquidiert.
Die Gruft der Familie Roller auf dem Mistelbacher Friedhof
Auf Anregung von Franz Roller beschloss der Mistelbacher Gemeinderat 1958 den in der Nordostecke des Hauptplatzes gelegenen Verbindungsweg zwischen Oberhoferstraße und Mistelsteig nach dem im Jahr zuvor verstorbenen langjährigen Gemeindevertreter und Vorstandsmitglied der städtischen Sparkasse Felix Roller, Rollerweg zu benennen. Im Protokoll dieser Sitzung findet sich die Anmerkung, dass Roller sich durch die kostenlose Grundabtretung für die Errichtung dieses Weges große Verdienste erworben habe.
Wo befindet sich der Rollerweg?
Bildnachweise:
Portraitfotos: Stadt-Museumsarchiv Mistelbach
Fotos Weinkeller Franz Josef-Straße und Haus Hauptplatz Nr. 9: Göstl-Archiv
Familienfoto Roller: Eminger, Erwin: „Bei Schweiß und Mühe nur gedeih‘ ich recht …“ – Zeitbilder zur Geschichte des Weinbaus von 1900 bis 1970 aus dem östlichen Weinviertel (2000), S. 168
Grab: Thomas Kruspel 2018
Quellen:
-) Sonderbeilage des Mistelbacher Bote aus dem September 1935 aus Anlass 60 Jahre Weinkellerei Roller und 40jährigem Berufsjubiläum Felix Roller
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 4/1963, S. 4
-) Bayer, Franz/Spreitzer, Prof. Hans: Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (1964), S. 169f, 193 (Anm.: die Angabe zur Amtszeit von Roller sen. als Mitglied des Gemeindeausschusses ist nicht korrekt, dieser schied bereits 1894 aus der Gemeindevertretung aus – siehe: Bote aus Mistelbach, Nr. 50/1904, S. 3)
-) Eminger, Erwin: Felix Roller jun. – Vom Weber zum Weinhändler In: Heimat im Weinland, Band XV (2011), S. 40-42 (Eminger übernimmt die fehlerhaften Angaben zum Zeitpunkt der Übernahme des väterlichen Unternehmens bzw. des Verkaufs der Weberei aus dem weiter oben angeführten Bericht der Weinviertler Nachrichten).
Ergebnis der Volksabstimmung über den EU-Beitritt Österreichs 1994
Am 12. Juni 1994 war die österreichische Bevölkerung dazu aufgerufen über eine Verfassungsänderung abzustimmen, die den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union ermöglichen sollte. Nachdem die vom Nationalrat bereits beschlossene Änderung der Verfassung durch die Volksabstimmung bestätigt wurde, erfolgte Österreichs Beitritt zur EU am 1. Jänner 1995. Nachfolgend das Ergebnis der Volksabstimmung in der Großgemeinde Mistelbach. Mit Ausnahme von Siebenhirten war damals in allen Katastralgemeinden eine klare Mehrheit für den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union.
| abgegeb. Stimmen | ungültig | gültig | JA-Stimmen | % | NEIN-Stimmen | % | |
| Mistelbach | 3724 | 51 | 3673 | 2638 | 71,8% | 1035 | 28,2% |
| Ebendorf | 343 | 6 | 337 | 244 | 72,4% | 93 | 27,6% |
| Eibesthal | 506 | 7 | 499 | 276 | 55,3% | 223 | 44,7% |
| Frättingsdorf | 212 | 7 | 205 | 145 | 70,7% | 60 | 29,3% |
| Hörersdorf | 280 | 4 | 276 | 181 | 65,6% | 124 | 33,6% |
| Hüttendorf | 333 | 2 | 331 | 190 | 57,4% | 141 | 42,6% |
| Kettlasbrunn | 372 | 3 | 369 | 245 | 66,4% | 124 | 33,6% |
| Lanzendorf | 598 | 5 | 593 | 422 | 71,2% | 171 | 28,8% |
| Paasdorf | 447 | 11 | 436 | 280 | 64,2% | 156 | 35,8% |
| Siebenhirten | 294 | 5 | 289 | 140 | 48,4% | 149 | 51,6% |
| Gesamt | 7109 | 101 | 7008 | 4761 | 67,9% | 2247 | 32,1% |
Quelle:
Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 7/1994, S. 1
Weiß, Theresia
Theresia Weiß
* 28.12.1917, Asparn a.d. Zaya
† 9.2.1977, Asparn a.d. Zaya
Theresia Weiß wurde 1917 als Tochter des ursprünglich aus Frättingsdorf stammenden Landwirte-Ehepaares Ferdinand und Theresia (geb. Fritz) Pichler in Asparn an der Zaya geboren.970 Gemeinsam mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder wuchs sie hier auf und absolvierte ihre Pflichtschulbildung. Später dürfte sie bis zu ihrer Verehelichung in der elterlichen Wirtschaft mitgearbeitet haben. Am 1. August 1943 schloss sie den Bund der Ehe mit dem aus Garmanns stammenden Lagerhausangestellten Alois Weiß (1914-1944) in Asparn.971 Zum Zeitpunkt der Eheschließung diente Weiß als Unteroffizier in der deutschen Wehrmacht und die Hochzeit erfolgte während eines Fronturlaubes. Schon wenige Monate nach der Trauung, im März 1944, fiel Weiß bei Kämpfen mit Partisanen in der Nähe des kroatischen Dorfs Krasno-Polje. Tief getroffen vom Tod ihres Mannes fasste sie den Entschluss ihr Leben in den Dienst der katholischen Kirche zu stellen.
Noch im Mai 1945, also unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs wurde in Wien die „Wiener Diözesanschule für Seelsorgehilfe und Caritas“ (später „Seminar für kirchliche Frauenberufe“ genannt) gegründet und erster Sitz dieser Schule war das Salesianerkloster am Wiener Rennweg. Im Oktober 1945 startete dort der erste Ausbildungsjahrgang zur Seelsorgehelferin (=Pastoralassistentin) und an diesem nahm Theresia Weiß teil.972 Die vier Semester dauernde Ausbildung bereitete die Teilnehmerinnen auf spätere Tätigkeiten im Bereich Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Sakramentspastoral, Religionsunterricht an Pflichtschulen und Caritasarbeit vor. Im Juni 1947 absolvierte sie die Abschlussprüfung vor der diözesanen Prüfungskommission erfolgreich und Kardinal Innitzer nahm ihr und den anderen Absolventinnen das Berufsversprechen ab bzw. erteilte ihnen den kirchlichen Sendungsauftrag. Das Berufsversprechen umfasste unter anderem die Verpflichtung zur Ehelosigkeit und zu mehrjähriger Dienstleistung an jenem Dienstort an den sie der Bischof hinschicken würde. Zunächst war Weiß als Jugendsekretärin für die Landjugend in der Diözesanführung in Wien tätig973 und zu ihren Aufgaben zählte unter anderem die Organisation von Kursen für die Katholische Jugend. Im Zuge der Betreuung von Führungskursen für Jungscharführerinnen im Bildungszentrum der Erzdiözese in Neuwaldegg kam es zu einer ersten Zusammenarbeit mit dem Priester Dr. Martin Stur. Eine Bekanntschaft die für ihr weiteres Lebens von prägender Bedeutung war. Weiß und Stur ergänzten einander sehr gut in ihren Arbeitsweisen, verfolgten dieselben Ziele in ihrer Bildungsarbeit und vermochten die Jugend für ihre Ideen begeistern.974
Als Dr. Stur 1951 mit der Leitung des neu gegründeten „Katholischen Volksbildungsheimes“ in Ulrichskirchen betraut wurde, begleitete Weiß ihn bei dieser neuen Aufgabe. Zwei Jahre später wurde das Volksbildungsheim schließlich nach Großrußbach verlegt. Getrennt nach Geschlechtern wurde die bäuerliche Jugend der Region in Kursen auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet und im katholischen Sinne weltanschaulich geprägt.975 Während Weiß in den Kursen für Burschen nur im Bereich „Bäuerliche Sachkultur“ unterrichte, umfasste ihre Vortragstätigkeit bei den Mädchen-Kursen weite Teile des Unterrichts. Die Mädchen sollten möglichst gut für ihre Aufgaben in Ehe & Familie bzw. die Arbeit am Bauernhof vorbereitet werden und wurden daher etwa in den Bereichen: Bauernkunde, Haus- und Gartenarbeit, Kochen, Handarbeiten, Erziehung, Lebensgestaltung – aber auch in den Fächern Religiöse Bildung, Gesellschaftskunde, Brauchtum, Literarische Bildung und Heimatkunde unterrichtet. In bestimmten Fächern wie etwa Säuglings- und Krankenpflege, Schriftverkehr und Umgangsformen wurden externe Fachreferenten bzw. Lehrer aus der Umgebung beigezogen. Den jungen Mädchen sollte im Rahmen dieser Kurse Selbstbewusstsein und Kraft für die ihnen bevorstehenden Aufgaben mitgegeben werden und ihnen weiters ein positives Standesbewusstsein in Bezug auf ihre bäuerliche Herkunft und deren Traditionen vermittelt werden.976 Besonderes Anliegen war Weiß die bereits oben erwähnte „bäuerliche Sachkultur“ – ein umfangreiches Themengebiet, dass von Dorfbild und Hausbau, über bäuerliche Handarbeiten, Alltags- und Festgestaltung bis hin zur Herstellung und Pflege von Bekleidung reichte. Unter diesem Titel veröffentliche sie auch ein Skriptum, dass 1957 seitens des Ministeriums ausgezeichnet wurde, und auf dem ihre praktisch orientierte und anschauliche Kulturvermittlung inhaltlich basierte.977
Doch war die Zusammenarbeit mit Dr. Stur nicht immer einfach, da er seine Mitarbeiter mit Pedanterie, Starrsinn und Kontrollzwang oft in den Wahnsinn treiben konnte. Nach dem ersten Kurs (damals noch in Ulrichskirchen) war Weiß nervlich völlig überlastet, da es ihr nicht gelang den perfektionistischen Ansprüchen von Stur zu genügen und sie dies sehr belastete. Zur Behandlung unterzog sie sich einer Elektroshock-Therapie bei der ihr Arm jedoch irreparabel verletzt wurde.978 Es war allerdings keineswegs so, dass Weiß sich nicht auch durchzusetzen wusste und ob der jahrzehntelangen Zusammenarbeit entwickelte sie auch großen Einfluss auf Stur und sie fanden trotz mancher Gegensätze schließlich einen Weg für ein gedeihliches Miteinander.979
1964 legte Dr. Stur nach dreizehn Jahren die Leitung des Bildungshauses zurück und wurde Pfarrer in Paasdorf. Theresia Weiß – seine Haushälterin, treue Mitarbeiterin und Umsetzerin seiner Ideen – begleitete ihn auch an seinen neuen Dienstort und wirkte hier als Pastoralassistentin. Gerade bei der Tätigkeit als Pfarrer ist ein guter Zugang zu den Menschen in der Gemeinde wichtig, doch hierbei hatte Stur aufgrund seines distanzierten Wesens und eines gewissen Standesbewusstseins als promovierter Akademiker, seine Schwierigkeiten. Schon in Großrußbach hatte sich Weiß mit ihrer volksnahen Art als Kontakt zu den Leuten und Umsetzerin seiner Ideen bewährt und diese Rolle übernahm sie nun auch in Paasdorf.980
Im Frühjahr 1966 gründete sich auf ihre und Dr. Sturs Initiative ein aus etwa 30 Personen bestehendes „Komitee zur Dorfverschönerung“, und dabei soll es sich um den ersten derartigen Zusammenschluss in einer ländlichen Gemeinde in Niederösterreich gehandelt haben. Das Komitee arbeitete unter tatkräftiger Beteiligung von Weiß sehr fleißig und in den folgenden Jahren konnte viele Ideen des Zweigespanns Stur und Weiß zur Hebung der Lebensqualität und Pflege der Dorfkultur in Paasdorf mustergültig umgesetzt werden: Parkanlagen (Brunnengarten), Schaffung von Gehsteigen im Ortsgebiet, Aufstellen von Sitzbänken, zahlreiche Baum- und Strauchpflanzungen, Baumpflanzung und Pflege des Cholerafriedhofs, Anlage von Spiel- und Sportplätzen, Renovierung von Marterln, die Revitalisierung des Kellerrundplatzes und dessen Nutzung als Veranstaltungsort (auch dies war eine Initiative von Stur und Weiß), etc. 981 Erst 1971 und damit sechs Jahre nach Beginn seiner Tätigkeit konstituierte sich die Dorfverschönerung in der Form eines Vereins und Theresia Weiß bekleidete ab diesem Zeitpunkt das Amt der Schriftführerin982 Auch bei der Organisation von Veranstaltungen, Vorträgen und Ausstellungen war sie stets führend beteiligt und wurde somit zu einer zentralen Figur im Gemeinschaftsleben in Paasdorf und prägte den Ort und seine Bevölkerung in den dreizehn Jahren ihres Wirkens nachhaltig. Zur Fortsetzung ihrer Bildungsarbeit gründete sie 1970 schließlich das Bildungswerk der Pfarre Paasdorf. Neben der sehr intensiven Arbeit in den Bereichen Dorfverschönerung und Kulturvermittlung (u.a. bäuerliche Kultur & Traditionen) zählte auch die Betreuung der Jungschar zu den Aufgaben, die sie neben der Unterstützung für Pfarrer Stur, sehr eigenständig gestalten konnte.983
Theresia Weiß verstarb am 9. Februar 1977 und wurde 8 Tage später im Familiengrab auf dem Asparner Friedhof beigesetzt. 1980 widmete der Verschönerungsverein Paasdorf seiner Gründerin einen Gedenkstein und auch der 1999 errichtete Urbanusbildstock am alten Postweg wurde zur Erinnerung an Monsignore Dr. Stur und Frau Weiß errichtet984
Der Theresia Weiß gewidmete Gedenkstein im Park bei der Paasdorfer Pfarrkirche
Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 26. März 1998 wurde eine Straße in einem neu aufgeschlossenen Siedlungsgebiet zur Erinnerung an die Gründerin und führende Persönlichkeit des Dorfverschönerungsvereins Theresia Weiß-Ring benannt.985 Ihr wurde damit die Ehre zuteil, die erste Frau zu sein, nach der eine Verkehrsfläche in der Großgemeinde Mistelbach benannt wurde.
Wo befindet sich der Theresia Weiß-Ring?
Bildnachweis:
Portrait: Ausschnitt aus deinem Gruppenfoto der 2. Vollversammlung am 8. Mai 1957 im bäuerlichen Bildungshof Pöckstein – dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von Herrn Dir. Franz Knittelfelder (Bildungshaus Großrußbach)
Gedenkstein: Thomas Kruspel 2020
Quellen:
Kainz, Engelbert
Engelbert Kainz
* 28.6.1874, Siebenhirten
† 18.3.1954, Paasdorf
Engelbert Kainz wurde im Jahre 1874 als Sohn des Leopold Kainz und dessen Gattin Elisabeth, geb. Donner, in Siebenhirten geboren.986 Seine aus Paasdorf stammenden Eltern standen damals als Knecht und Magd bei Siebenhirtner Bauern im Dienst.987 Der Familienname Kainz scheint in Paasdorf ab dem Ende des 17. Jahrhunderts auf, doch entwickelten sich die Schicksale der Mitglieder dieser Familie im Laufe der Jahre und Jahrhunderte sehr unterschiedlich. Während etwa ein Teil der Familie zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Gemischtwarenhandlung führte, lebte und arbeitete der Familienzweig dem Engelbert Kainz entstammte stets in sehr bescheidenen Verhältnissen. Schon in jungen Jahren, spätestens 1879 wie durch die Geburt seines Bruders Ägydius belegt ist988, übersiedelte Engelbert Kainz mit seinen Eltern wieder zurück nach Paasdorf, wo er aufwuchs.
Am 24. Jänner 1899 ehelichte er die aus dem südmährischen Grusbach stammende, jedoch in Atzelsdorf als Dienstmagd beschäftigte, Maria Ertl (1874-1960) in der Paasdorfer Pfarrkirche. Kainz wird im Zeitpunkt der Eheschließung als Pferdeknecht der Gutsverwaltung des Grafen Skrbensky geführt.989 Der Ehe entstammte eine Tochter und im Zeitpunkt von deren Geburt im Jahre 1903 scheint er als „Kleinhäusler“ (= Landwirt mit nur geringem Grundbesitz) an der Adresse Paasdorf Nr. 28 (heute im Bereich der Schloßzeile) auf990 und auch im Jahre 1937 wird sein Berufsstand derart bezeichnet991.
Am Ersten Weltkrieg nahm Kainz als Soldat der 2. Feldkompanie im Landsturm-Infanterie-Regiment Nr. 23 teil, wie durch in der Zeitung veröffentlichte Grüße aus dem Felde belegt ist.992 Rund 30 Jahre engagierte sich Kainz als Kirchenvater, also als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Pfarre, der gemeinsam mit dem Pfarrer das Vermögen der Pfarre verwaltete. Aufgrund dieses jahrzehntelangen uneigennützigen Wirkens wurde ihm aus Anlass der Feier der Goldenen Hochzeit im Jahre 1949 vom Paasdorfer Gemeinderat die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde verliehen. Seitens der Pfarre wurde ihm aus diesem Anlass und eingedenk seiner Verdienste der Titel „Ehrenkirchenvater“ verliehen.993
Die letzten Jahre seines Lebens schwer an Rheuma leidend, verstarb Engelbert Kainz 1954 im 80. Lebensjahr und wurde auf dem Paasdorfer Ortsfriedhof bestattet.994
Die letzte Ruhestätte von Engelbert Kainz und seinen nächsten Angehörigen (Gattin, Tochter und Schwiegersohn) auf dem Paasdorfer Friedhof
Am 26. März 1998 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine Straße im an der Atzelsdorfer Straße gelegenen Siedlungsgebiet in Erinnerung an den Paasdorfer Ehrenbürger Kainzstraße zu benennen.
Wo befindet sich die Kainzstraße?
Bildnachweis:
Foto Grab der Familie Kainz – Thomas Kruspel (2022)
Quellen:
Kainzstraße (Paasdorf)
Diese in einer Siedlung neu angelegte Straße wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderats vom 26. März 1998 nach dem Paasdorfer Ehrenbürger und langjährigen Kirchenvater (=ehrenamtlicher Verwalter des Vermögens der Pfarre) Engelbert Kainz benannt.
Wo befindet sich die Kainzstraße?
Gewerbestand im Jahre 1879 in Mistelbach, Eibesthal und Paasdorf
Im Welt-Adressenbuch des Jahres 1879 herausgegeben vom Verlag Meyer & Bilitz finden sich zu Mistelbach und seinen Katastralgemeinden nachfolgende Einträge zu den damals bestehenden Gewerbebetrieben. Es gilt zu beachten, dass diese Einträge zweifellos nicht vollständig sind und natürlich gab es damals auch in den nicht erwähnten Katastralgemeinden Gewerbebetriebe.
Mistelbach995
| Advokaten: | Dr. Ackermann Ferdinand Dr. Schaschetzy Rudolf |
| Ärzte: | Schläfrig Jonas von Schluetenberg Innocenz |
| Anstreicher: | Seitz Josef Walzl |
| Apotheker: | Lubovienski August (prot. Firma) |
| Badeanstalt: | Actiengesellschaft |
| Bäcker: | Binder J. Edhofer J. Nikl F. |
| Baumeister: | Dunkl Josef |
| Binder: | Cäsar Carl Schäffer J. |
| Branntwein- und Liqueurerzeugung: | Schwarz Johann |
| Buchbinder: | Mölwinger Johann |
| Büchsenmacher: | Binder Franz |
| Bürstenbinder: | Mühl J. |
| Eisenhändler: | Hackl Adalbert (prot. Firma) |
| Färber: | Brenner Bernhard |
| Fleischhändler: | Artner Franz Koch A. Reimann F. Zugmann Lorenz |
| Friseur: | Bauer Josef |
| Gärber: | Strasser Josef |
| Gastwirte: | Burgmann Johann Eibl Johann Hobersdorfer Julius Jechtl Johann Kainz Theresia Koch Barbara Medunn Franz Putz Carl Rabenseifner C. Schnass Anton Schodl Michael Schreiber Andreas Stankowitz Martin |
| Getreidehändler: | Brünner J. |
| Glaser und Glashändler: | Eibl Josef |
| Griesler (=Greißler): | Faber Johann Fally Ignaz Fritz Michael Hobersdorfer Leopold Kreis J. Meissl Josef Pollak Wenzel Rausch Anna Schodl Franz Schodl Johann Stankowitz Martin Trappel Philipp |
| Großgrundbesitz: | Barnabiten-Collegium |
| Holzhändler: | Eissler Josias & Söhne (prot. Firma) Hobersdorfer Leopold Kohn Jacob & Josef (prot. Firma) |
| Hufschmiede: | Hobersdorfer Kelza Anton |
| Hutmacher: | Prohaska W. |
| Kaffeesieder: | Jechtl J. |
| Kammmacher: | Kramer J. |
| Kleiderhändler: | Brener L. (auch Schneider) |
| Kürschner: | Glisch J. Kastner L. Pegerisch J. |
| Kupferschmied: | Schaden A. |
| Lebzelter und Wachszieher: | Hafner F. |
| Lederhändler: | Strasser Josef |
| Mehlhändler: | Bauer Jacob Brünner J. |
| Messerschmied: | Dworzak W. |
| Modewaren: | Czinglar Franz (prot. Firma) |
| Möbelhändler: | Steiner Bernhard |
| Notar: | Kipp Leopold |
| Nürnbergerwaren: | Hackl Adalbert (prot. Firma) |
| Papier-, Schreib- und Zeichnen-Requisiten: | Mölwinger J. |
| Riemer und Sattler: | Frank F. Selbach J. |
| Schlosser: | Gössinger Josef Lausch Franz Nemetz Josef Ramstofer Leopold |
| Schneider: | Gärntner Anton Batscharek Mathias Gröger Vincenz Kappler Michael Langer Josef Pfeiffer Franz Schiefer Josef Schutzkerl Franz Steppanek Johann Teschauer Nicolaus Waberer Georg, |
| Schuhmacher: | Bachbauer Georg Beschliessmayer Mathias Gröger Franz Heindl Leopold Knauer Johann Kohn Franz Löwenrosen Leopold Meduna Franz Pleyl Anton Schlager Carl Schödl Leopold Sudolsky F. Simperler Franz Trestler C. Trestler Martin, Vetter Leopold |
| Seiler: | Gimanatzi St. Klapner L. |
| Sparcassa: | Mistelbacher Sparcasse |
| Spengler: | Uebl Carl |
| Tapezierer: | Seitz J. |
| Tischler: | Steiner Anton (prot. Firma) |
| Uhrmacher: | Nadworik W. |
| Vergolder: | Skribani F. |
| Vermischtwarenhändler: | Czinglar Franz (prot. Firma) Freund Thomas (prot. Firma) Koblischek Franz (prot. Firma) Rund Carl (prot. Firma) Wasner G. (prot. Firma) Westermeyer Heinrich (prot. Firma) |
| Wagner: | Cretschy Franz |
Eibesthal996
| Bäcker: | Newald Alois |
| Binder: | Götzl Michael |
| Fleischhauer: | Fried Franz |
| Gastwirte: | Geier Leopold |
| Hufschmiede: | Grünwald Franz Schmiedeck Franz |
| Schneider: | Frank Albert Kand Josef Menzl Josef |
| Schuhmacher: | Fuhri Johann Newald Franz Zehetner Johann |
| Tischler: | Handl Michael |
| Vermischtwarenhändler: | Fried Thaddäus Schöfbeck Theres. Viem Johann |
Paasdorf997
| Arzt: | Herrmann Johann |
| Fleischhauer: | Rabenseifner Eduard |
| Gastwirte: | Hochhauser Leopold Rand Lorenz |
| Griesler: | Rabenseifner Eduard Wittmann Franz Wittmann J. |
| Hufschmiede: | Grim A. Wanderer J. |
| Mühlen: | Rainer Anna |
| Schneider: | Knoth C. Reiss Th. |
| Schuhmacher: | Dohlinger Michael Kainz Franz Wittmann Johann |
| Schnittwarenhändler: | Drill Adolf |
| Thierarzt und Curschmied: | Wanderer Johann |
| Tischler: | Gabmeier G. Götz A. |
| Zimmermeister: | Berthold Josef Rand Lorenz |
An weiteren Katastralgemeinden finden sich schließlich Hüttendorf und Lanzendorf, bei denen lediglich die dortigen Mühlbetriebe angegeben sind:
Hüttendorf998: Kautz Josef (prot. Firma)
Lanzendorf999: Binder Franz (prot. Firma) & Chimani Stefan (prot. Firma)
Quellen:
Hackler, Anton
k.k. Güterschätzmeister fürstl. Hofrat Anton Hackler
* 20.4.1790, Herrnbaumgarten
† 15.4.1871, Wien
Anton Hackler wurde 1790 als Sohn des bürgerlichen Handelsmanns für Kurrentwaren (=Textilien) und Wirtschaftsbesitzers Philipp Hackler und dessen Gattin Anna Maria, geb. Hager, in Herrnbaumgarten geboren.998 Aufgrund seiner späteren Berufslaufbahn ist anzunehmen, dass ihm während seiner Jugend eine höhere Schulbildung zuteilwurde. Am 11. Mai 1818 ehelichte er Franziska Seiberler (*1796, †1847) , die Tochter des Paasdorfer Herrschaftsverwalters Franz Seiberler in der Paasdorfer Pfarrkirche.1000 Dieser Ehe entstammten mindestens drei Kinder. Für das Jahr 1818 sind auch erste berufliche Spuren auffindbar, und zwar scheint Hackler als Verwalter der Herrschaft Walterskirchen auf, zu der auch Böhmischkrut (=Großkrut) und Althöflein gehörten und die sich damals im Besitz des Fürsten von Kohary befand.1001 Dieses Amt hatte er mindestens bis zum Jahr 1823 inne.1002 Auch einer seiner Brüder, Philipp Anton Hackler, war als Verwalter bzw. Amtmann bei verschiedenen Herrschaften tätig, unter anderem in Matzen und Prinzendorf, und stieg später auch zum Direktor bedeutender Güterverwaltungen auf.1003
1825 wird Hackler laut einem Dominien-Schematismus als Amtmann der dem Johanniter-Orden gehörenden Herrschaft in Mailberg angeführt.1004 Wie lange er in Mailberg beschäftigt war ist unklar, und da zwischenzeitlich keine Verzeichnisse der in Niederösterreich tätigen Herrschafts-Beamten erschienen, finden wir ihn erst 1834 bis 1844 als „Wirtschaftsrath“ der Herrschaft Dürnstein und damit im Dienste des Fürsten von Starhemberg wieder.1005 Parallel dazu scheint er jedenfalls ab 1842 auch als „Wirtschaftsrath“ der Herrschaft Paasdorf, die auch große Besitzungen in Schrick und Hüttendorf umfasste und sich im Besitz der Gräfin Harsch bzw. später des Freiherrn von Skrbensky befand, auf.1006 Als Wirtschaftsrath bezeichnete man damals einen fachkundigen Beamten der seitens der Besitzer mit deren Vertretung betreffend die Führung und Aufsicht über eine (oder mehrere) Grundherrschaften betraut wurde. Die Kontrolle der anderen Herrschaftsbeamten, der wirtschaftlichen Aufzeichnungen und Verträge, sowie Anordnungen zur effizienten wirtschaftlichen Führung gehörten zu seinen Aufgaben während regelmäßiger Visitationen, über die er anschließend den Besitzern Bericht zu erstatten hatte. Diese beide Ämter konnte er augenscheinlich auch von seinem Wohnsitz in Wien, wo er an verschiedenen Adressen in der Wiener Innenstadt, dem Vorort Wieden und zuletzt in Mariahilf wohnte, ausüben. Ab 1828 war Hackler zusätzlich auch als Gülten- und Güterschätzmeister beim „k.k. nö. Landrecht“ – einem Sondergerichtsstand des Adels – tätig und seine Aufgabe dort entsprach der eines gerichtlich beeideten Sachverständigen für die Bewertung landwirtschaftlicher Güter und die daraus erwirtschaftbaren (herrschaftlichen) Einkünfte (=Gülten).1007 In dieser Funktion stand er in späteren Jahrzehnten auch dem Landesgericht Wien zur Verfügung.1008 Als anerkannter Fachmann war Hackler Mitglied im Ausschuss der k.k. Landwirtschafts-Gesellschaft in Wien1009, und gehörte über viele Jahre auch dem Ausschuss des „Pensions-Instituts für Witwen und Waisen herrschaftlicher Wirtschaftsbeamter in Niederösterreich“ an.1010
Mit dem Ende der Grundherrschaft als Folge der Revolution von 1848 wandelte sich das Aufgabenfeld der vormals herrschaftlichen Beamten bzw. reduzierte sich deren Zahl, da die den Grundherrschaften seit Jahrhunderten übertragenen hoheitlichen Aufgaben in Verwaltung (bspw. Steuereinnahme für den Staat) und Rechtsprechung entfielen und nun von neu geschaffenen Behörden und Gerichten übernommen wurden. Ebenso entfiel die aufwändige Verwaltung der von den Untertanen zu leistenden Abgaben (Zehent) und Dienste (Robot). Abgesehen von der sich über Jahre hinziehenden finanziellen Ablösung der grundherrschaftlichen Rechte und Ansprüche hatten die Beamten der adeligen Familien und sonstigen Grundbesitzer nunmehr lediglich die Verwaltung der eigenen landwirtschaftlichen Güter zu besorgen. Es ist daher anzunehmen, dass mit dieser Zäsur im ländlichen Raum auch Hacklers Tätigkeit für die Herrschaft Paasdorf endete. Ab 1851 scheint Hackler dann als Direktor der gräflich sándor’schen Central-Güterverwaltung in Wien auf.1011 Die ungarische Magnatenfamilie Sándor (von Slavnica) zählte zu den reichsten Familien Ungarns und besaß umfangreiche Güter, zu denen nicht nur landwirtschaftliche Betriebe und Pferdegestüte, sondern etwa auch Bergwerke gehörten. Graf Moritz Sándor, der letzte männliche Spross dieser Familie, residierte in Wien und war ein abenteuerlustiger Draufgänger der für seine waghalsigen Reitkünste weithin bekannt war. Sein Übermut musste früher oder später ins Unglück führen und so zog er sich bei einem Reitunfall schwere Kopfverletzungen zu, die sich auch massiv auf sein Gehirn bzw. seine geistige Verfassung auswirkten. Daher wurde er mit Beschluss des Landesgerichts Wien vom 19. August 1851 wegen „gerichtlich erhobenen Wahnsinns“ unter Kuratel gestellt und der Direktor seiner Güterverwaltung Anton Hackler zu seinem Kurator bestellt.1012 Obwohl sich der Geisteszustand des Grafen nicht wesentlich gebessert hatte wurde die Kuratel 1858 aufgehoben, allerdings wurde sie einige Jahre danach erneut verhängt, doch zu einem Zeitpunkt zu dem sich Hackler bereits in den Ruhestand zurückgezogen haben dürfte. Graf Sándor war ein Schwiegersohn des ehemaligen Staatskanzlers Metternich und sein einziges Kind, Tochter Pauline, war dessen Lieblingsenkelin. Pauline war auch mit einem Mitglied der Familie Metternich – Richard, dem Halbbruder ihrer Mutter – verheiratet, der Österreich als Gesandter am sächsischen Königshof in Dresden vertrat. Das in wirtschaftlichen Angelegenheit unbedarfte junge Paar pflegte dort ein luxuriöses Leben und hielt ausschweifende Empfänge und Feste ab und hatte sich binnen kurzer Zeit hochverschuldet. Es spricht für das hohe Ansehen und die großer Fachkompetenz Hackler, dass dieser auf Anregung Metternichs als Wirtschaftsfachmann nach Dresden geschickt wurde um dessen Enkelin (und Schwiegertochter in Personalunion) und ihrem Gatten die Grundlagen vernünftiger finanzieller Gebarung und effizienter Verwaltung ihrer Güter beizubringen. Metternich dürfte Hacklers Kompetenz wohl als Kurator des Grafen Sándor kennen und schätzen gelernt haben, schließlich hatte er nach dem Unfall des Grafen die Vormundschaft seiner Enkeltochter Pauline übernommen und unzweifelhaft hatten die beiden Herren Kontakt bezüglich deren Unterhalt. Hacklers Mission in Dresden war erfolgreich: unter seiner Anleitung gelang es die Finanzen nachhaltig in Ordnung zu bringen und nach zwei Jahren waren der österreichische Gesandte und seine Gattin schuldenfrei.1013 Da Hackler später in sämtlichen Meldungen zu seinem Ableben als „pensionierter fürstlich metternichscher Hofrath“ ist zu vermuten, dass er diesen Titel zum Dank für die damals geleisteten Dienste erhalten hatte.1014 Nach diesem Intermezzo in Dresden wirkte Hackler jedenfalls bis zum Jahr 1860 weiterhin als Direktor der Zentral-Güterverwaltung des Grafen Sándor1015 und naturgemäß führten ihn geschäftliche Reisen auch immer wieder nach Ungarn bzw. in dessen Hauptstadt Budapest.1016
Als 1860 der Paasdorfer Friedhof außerhalb des Dorfes neu angelegt wurde, stiftete Hackler zunächst ein Kreuz mit einem aus Eisen gegossenen und vergoldeten Korpus Christi, das in der Mitte des neuen Friedhofs aufgestellt wurde.1017 Das heute auf dem Friedhof vorhandene Kreuz entspricht natürlich nicht mehr dem Original, aber mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte dies auf die zwischenzeitlich sicherlich mehrfach renovierte Christus-Figur zutreffen. Durch die Neuanlage des Friedhofs sah Hackler die Gelegenheit gekommen, um mit der Errichtung einer Friedhofskapelle samt darunterliegender Familiengruft dem Ort ein bleibendes Denkmal zu stiften und für sich und seine Familie eine standesgemäße letzte Ruhestätte zu schaffen. Schließlich hatte Hackler wie er in dem 1861 aufgesetzten Stiftbrief der Friedhofskapelle festhielt zu Paasdorf eine besondere Zuneigung1018, die sich wohl wie folgt begründen lässt: In der Paasdorfer Pfarrkirche hatte er den Bund der Ehe geschlossen, mit einer Frau, die als Tochter des Herrschaftsverwalters, wohl auch einige ihrer Jugendjahre in Paasdorf zugebracht haben dürfte und wie oben erwähnt war er über viele Jahre mit der Aufsicht über die Herrschaft Paasdorf betraut. Daneben gab es auch noch weitere familiäre Verbindungen zu Paasdorf: Hacklers älterer Bruder Johann hatte bereits 1805 nach Paasdorf eingeheiratet und lebte dort als Landwirt.1019 Dessen Sohn Johann Hackler jun., also Anton Hacklers Neffe, war von 1840 bis 1870 Oberlehrer in Paasdorf und hatte auch die mit Lehrerstelle oftmals verbundenen Ämter des „Regens chori“ (=Leiter der Kirchenmusik) und Mesners inne.1020
Vorderansicht der 1861 von Anton Hackler gestiftete Friedhofskapelle
Seitenansicht der Kapelle unter der sich die Gruft der Familie Hackler befindet
Um die Fläche des neuen Friedhofs nicht zu schmälern, kaufte Hackler ein anliegendes Stück Acker an und verleibte dieses dem Friedhof ein. Nachdem er ein entsprechendes Stiftungskapital zur Erhaltung der Kapelle hinterlegt hatte wurde der Bau seitens der Behörden und der Erzdiözese genehmigt und am 12. Oktober 1861 wurde die Kapelle eingeweiht. Die vom Gaweinstaler Baumeister Lehrl erbaute Kapelle wird im Inneren von einem großen den auferstandenen Heiland zeigenden Altarbild, das vom Wiener Künstler Carl Geiger geschaffen wurde, geziert. Im Türmchen hängt eine 153 kg schwere dem heiligen Anton von Padua (dem Namenspatron des Stifters) geweihte Glocke.1021 Laut Stiftungsbrief sollten jährlich am Sterbetag Hacklers und an Allerseelen eine Messe in der Kapelle gelesen werden, letztere fand gesichert jedenfalls noch bis vor wenigen Jahren statt.
Hackler war im Lauf seines Lebens mit einigen persönlichen Schicksalsschlägen konfrontiert: drei seiner Kinder starben in der Blüte ihrer Jugend1022 und auch seine Gattin ging ihm bereits im Jahre 1847 im Alter von 51 Jahren in die Ewigkeit voraus.1023 Im Dezember 1868 ließ er die exhumierten sterblichen Überreste seiner Gattin, zweier Kinder und seines Schwagers von Wien nach Paasdorf überführen und hier in der Gruft bestatten.1024 Anton Hackler verstarb am 15. April 1871 in seiner Wohnung am Wiener Getreidemarkt an Altersschwäche und wurde drei Tage später in der Gruft der von ihm erbauten Friedhofskapelle beigesetzt.1025
Nachdem etwa um 1990 die letzten Nachfahren Hacklers in Wien verstorben waren, fiel die Friedhofskapelle in den Besitz der Gemeinde und selbige wurde in den Folgejahren gründlich renoviert.1026 Im Zuge der Einführung von Straßenbezeichnungen in der Katastralgemeinde Paasdorf wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 10. Dezember 1998 beschlossen in Erinnerung an den Stifter der Kapelle, die zum Friedhof (bzw. daran vorbei-) führende Straße „Anton Hackler-Gasse“ zu benennen.
Wo befindet sich die Anton Hackler-Gasse?
Quellen:
Gewerbestand in Mistelbach im Jahr 1799
Auf Basis des in Fitzkas „Geschichte der Stadt Mistelbach“ veröffentlichten Häuserverzeichnisses (basierend auf herrschaftlichen Grundbüchern) konnte nachfolgende Übersicht über den Gewerbestand im Jahr 1799 erstellt werden1027:
| Apotheker | Stadler Ignaz | Hauptplatz 36 |
| Arzt | Kunkel Paul Wache Josef |
Wiedenstraße 4 Hauptplatz 10 |
| Bäcker | Heinrichmair Emeran Kurz Michael Schwebskirchl Johann |
Wiedenstraße 8 Wiedenstraße 11 Hauptplatz 30 |
| Bildhauer | Ochsner Rudolf | Marktgasse 1 |
| Buchbinder | Feitzinger Josef | Oberhoferstraße 12 |
| Büchsenmacher | Alber Ignaz | Berggasse 24 |
| Drechsler | Pfeifer Johann | Barnabitenstraße 4 |
| Eisenhändler | Nehammer Josef Preisel Michael |
Hauptplatz 38 Hauptplatz 37 |
| Färber | Brenner Mathias May Leopold |
Kirchengasse 14 Hauptplatz 29 |
| Faßbinder | Reich Lorenz Weber Josef |
Mitschastraße 28 Hafnerstraße 5 |
| Fleischhauer | Artner Johann Georg Kainz Josef Koch Josef |
Kreuzgasse 3 Hauptplatz 16 Kirchengasse 4 |
| Galanterie-Spengler | Köpf Johannes | Hauptplatz 9 |
| Glaser | Höfling Josef Pruß Franz jun. |
Hauptplatz 26 Wiedenstraße 5 |
| Greisler | Hamada Michael Kellinger Leopold Mayer Johannes Mayer Josef Müller Johannes Piller Johannes |
Hafnerstraße 7 Oberhoferstraße 18 Kreuzgasse 10 Hauptplatz 28 Hauptplatz 32 Oberhoferstraße 2 |
| Hafner | Bernhard Johann Brenner Michael |
Hauptplatz 12 Museumsgasse 3 |
| Handelsleute | Arthaber Klara Wintersteiner Ferdinand |
Hauptplatz 33 Hauptplatz 32 |
| Handschuhmacher | Jechtl Kaspar | Hauptplatz 18 |
| Hebammen | Wach Susanna | Berggasse 11 |
| Hosenschneider | Müller Friedrich Müller Johann |
Oberhoferstraße 4 Hauptplatz 38 |
| Hufschmiede | Ametschleger Ferdinand Priger Karl Schrickmair Balthasar |
Hauptplatz 40 Wiedenstraße 14 Hafnerstraße 4 |
| Hutmacher | Küttner Matthias | Museumgasse 4 |
| Kammmacher | Ostermair Georg | Kirchengasse 12 |
| Kupferschmiede | Doppler Karl | Hafnerstraße 6 |
| Kürschner | Kirchstorfer Franz Lachnit David Lachnit Franz Thaler Josef |
Berggasse 26 Oberhoferstraße 10 Hauptplatz 8 Wiedenstraße 12 |
| Lebzelter & Wachszieher | Puntschert Josef Rachenzentner Vincenz |
Kirchengasse 11 Hauptplatz 15 |
| Lederer | Kirchlehner Bernhard Ledermann Ignaz Strasser Peter |
Hauptplatz 22 Hauptplatz 11 Liechtensteinstraße 2 |
| Leinwandhändler | Noverka Dominik | Hauptplatz 21 |
| Maurermeister | Lehrl Ignaz Poller Franz |
Liechtensteinstraße 9 Bahnstraße 1 |
| Nachtwächter | Waberer Andreas | Oberhoferstraße 80 |
| Nadler | Brodschild Franz | Hafnerstraße 3 |
| Orgelmacher | Okenfuß Wenzel | Wiedenstraße 10 |
| Posamentierer | Sauli Andreas | Hauptplatz 13 |
| Riemer | Hack Johann | Oserstraße 2 |
| Sattler | Dietz Andreas Pleil Franz |
Hauptplatz 20 Hauptplatz 3 |
| Schlosser | Lausch Anton Uhl Andreas |
Marktgasse 4 Museumsgasse zwischen 2 u. 4 |
| Schneider | Gschlent Mathias Kußmann Paul Peringer Johann Schallamair Franz Zweck Andreas |
Oberhoferstraße 14 Kreuzgasse 7 Kreuzgasse 5 Waldstraße 4 Barnabitenstraße 10 |
| Schuhmacher | Langer Ignaz Lebersinger Lorenz Seiler Anton Selba Josef |
Hauptplatz 14 Hauptplatz 7 Liechtensteinstraße 11 Mitschastraße 14 |
| Seifensieder | Schreiber Melchior Übelein Karl Josef Wolf Katharina |
Wiedenstraße 3 Liechtensteinstraße 1 Oberhoferstraße 13 |
| Seiler | Pezelt Ignaz | Oberhoferstraße 8 |
| Sieberer | Hofer Ignaz Krausler Georg |
Marktgasse 3 Hauptplatz 25 |
| Spengler | Bruckner Johann | Hauptplatz 23 |
| Stärkemacher | Albrecht Anton | Barnabitenstraße 6 |
| Stricker | Scherzer Josef Schornbeck Michael |
Mitschastraße 16 Mitschastraße 18 |
| Tandler | Panzer Franz | Marktgasse 7 |
| Teichgräber | Schärf Johann | Oserstraße 4 |
| Tischler | Fabian Anton Frey Anton Lab Anton |
Oberhoferstraße 16 Liechtensteinstraße 3 Oserstraße 3 |
| Tuchhändler | Kappler Josef | Hauptplatz 24 |
| Wagner | Faulhuber Johann Hauer Florian |
Hauptplatz 39 Hafnerstraße 9 |
| Wasenmeister | Eder Johann | Bahnstraße 28 |
| Weber | Herzog Josef Schulz Johann |
Oserstraße 10 Liechtensteinstraße 7 |
| Weißgerber | Molak Franz Romsdorfer Georg |
Hauptplatz 31 Hafnerstraße 11 |
| Wirte | Eibl Georg Kainz Ignaz Kainz Josef Zechner Florian |
Hauptplatz 27 Oberhoferstraße 15 Hauptplatz 16 Hauptplatz 6 |
| Zeugschmiede | Schmidmair Michael | Waldstraße 41 |
| Zimmermeister | Bader Thomas Hautzmair Anton |
Liechtensteinstraße 14 Waldstraße 23 |
Zur Schießstätte
Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 12. Dezember 2018 erhielt die bis dahin namenlose unmittelbare Zufahrtsstraße zum 1981 eröffneten Schießplatz des Mistelbacher Schützenvereins den Namen „Zur Schießstätte“. Neben der Museumsgasse, die von 1898 bis Mitte der 1930er Jahre Schießstattgasse hieß, und dem Schützenweg, der sich auf dem ehemaligen Gelände der Schießstatt Nr. 4 befindet, handelt es sich damit bereits um die dritte Straßenbenennung in Zusammenhang mit dem Schützenwesen in Mistelbach. Weitere Informationen zur wechselvollen Geschichte des Mistelbacher Schützenvereins bzw. den verschiedenen Schießstätten im Lauf der Jahrhunderte finden sich im Beitrag zum Schützenweg.
Wo befindet sich die Straße „Zur Schießstätte“?
Schützenweg
Die Geschichte des Mistelbacher Schützenwesens reicht laut Fitzkas „Geschichte der Stadt Mistelbach“ wohl mindestens bis in das 16. Jahrhundert zurück, allerdings gilt festzuhalten, dass die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen und Festscheiben im Jahre 1866 von im Schießstattgebäude einquartierten preußischen Soldaten als Brennmaterial benutzt wurden und somit unwiederbringlich verloren gingen. Die älteste überlieferte Festscheibe stammte angeblich aus dem Jahre 1596 und 1619 wird laut Fitzka in Mistelbach ein Büchsenmacher erwähnt.1028 Der Ursprung dieser einst vielerorts vorhandenen „bürgerlichen Schützengesellschaften“, lag in den durch die Herrschaft angeordneten regelmäßigen und verpflichtenden Schießübungen zum Zwecke der Verteidigung. Schließlich mussten befestigte Anlagen (wie etwa die Schanze rund um die Pfarrkirche, deren Schießscharten zum Teil heute noch vorhanden sind) von der hiesigen Bevölkerung besetzt und verteidigt werden. Es gab damals nur kleine stehende Heere, denn Soldaten wurden oftmals erst im Bedarfsfall rekrutiert und auch durch lange Reisezeiten ergaben sich große Verzögerungen bei der Einsatzbereitschaft regulärer Truppen. Somit musste sich die Bevölkerung in Grenzregionen, wie dem Weinviertel, bei in früherer Zeit häufig auftretenden feindlichen Einfällen oftmals selbst verteidigen. Später wandelte sich das Schießen zu einer geselligen Freizeitbetätigung mit patriotischem Charakter.
Die erste überlieferte Schießstätte (Nr. 1) lag zwischen der heutigen Franz Josef-Straße und der (rechtsseitigen) Bahnzeile, etwa in Höhe des Notariats bzw. der dahinterliegenden Wohnhausanlage.1029 In diesem Gebiet befanden sich (mindestens) bis ins 17. Jahrhundert Lehmabbaustätten und Ziegelöfen.1030 Jedenfalls im Jahre 1740 dürfte sich die neue Schießstätte (Nr. 2) dann bereits im Bereich des heutigen Stadtparks (und über die Bahnstrecke hinaus) befunden haben, denn diese Jahreszahl soll in der Decke des Saales dieses Gebäudes verewigt gewesen sein. Wahrscheinlich aber liegen die Anfänge der Schießstätte Nr. 2 bereits im Jahre 1729, zumindest kann eine Festscheibe aus dem Jahr 1829 mit der ein 100-jähriges Jubiläum („Einhundert Jahr sind verflossen seit man hier vereint geschossen“) wohl in diese Richtung interpretiert werden (zum damaligen Zeitpunkt lagen ja auch die alten Aufzeichnungen noch vor). Laut Fitzka soll sich auch schon der Vorgängerbau des in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbauten Schießstattgebäudes an eben dieser Stelle befunden haben, allerdings befand sich laut anderen Quellen hier zuvor ein Ziegelofen des Marktrichters De Venna, was wohl gegen diese Annahme spricht.1031 Den zweifellos bereits vor der 1898 erfolgten offiziellen Einführung von Straßennamen gebräuchlichen Namen „Schießstattgasse“ trug die vom Rathaus hierher führende, heute Museumsgasse genannte, Straße bis Mitte der 1930er Jahre.
Ende der 1950er Jahre: links neben dem alten Feuerwehrhaus ist das alte Schießstattgebäude (Nr. II – später auch als „Kasino“ bezeichnet) zu erkennen.
Durch den Bau der Staatsbahnstrecke im Jahre 1869 wurde das Gelände des Schießstandes („Schießgarten“) durchtrennt und der Betrieb musste eingestellt werden. Das Gebäude der Schießstatt Nr. 2, auch „Kasino“ genannt, wurde später von anderen Vereinen1032 (kurzzeitig bspw. vom Deutschen Turnverein) bzw. dem jeweiligen Pächter des Rathaus-Gasthauses am Hauptplatz genutzt, da zu diesem ein Gastgarten („Rathausgarten“) im südlichen Teil des Stadtparks gehörte, der vom Kasino aus bewirtet wurde. 1959 wurde es gemeinsam mit dem alten Zeughaus abgebrochen und hier das im Jahr darauf eröffnete heutige Feuerwehrhaus errichtet.
Mit der seitens der Staatseisenbahngesellschaft bezahlten Ablöse wurde eine neue Schießstätte (Nr. 3) jenseits der Bahnstrecke, also im Bereich des heutigen Bundesschulzentrums bzw. der dortigen Sportanlage errichtet. Da die neue Lokalität weniger gemütlich und durch die Überquerung der Geleise auch mühseliger zu erreichen war, kam es nach der Verlegung der Schießstätte bald zum Erliegen der Aktivitäten der Schützen. Nach einem kurzzeitigen Aufblühen Mitte der 1880er Jahre wurde das Schießstattgebäude (Nr. 3) durch die Gemeinde zu einem Notspital (Quarantäne für Infektionskranke) adaptiert und von dieser angekauft. Im Jahre 1899 verkaufte die Stadtgemeinde das Areal schließlich an die in Gründung befindliche Ziegeleigenossenschaft und das hier errichtete Ziegelwerk, zuletzt im Besitz der Stadtgemeinde, war bis in die 1960er Jahre aktiv.
Nach dem neuerlichen Verlust der Schießstätte organisierten sich die Schützen 1899 unter dem Namen „Mistelbacher Schützengilde“ neu zusammen, doch beschränkten sie ihre Tätigkeit vorerst auf das Kapselschießen im Saal des Hotel Rathaus in den Wintermonaten. Durch regen Zulauf an Mitgliedern bestärkt, fasste man einige Zeit später wieder den Beschluss zur Errichtung eines Feuerschießstandes und 1906 konnte dieses aufwändige Vorhaben realisiert und im unverbauten Gebiet links der Bahnstrecke auf Höhe des heutigen Schützenweges eine neue Schießstätte (Nr. 4) errichtet werden.1033
Die außerhalb der Stadt gelegene Schießstatt Nr. 4 auf einer Ansicht um etwa 1910;
der unterhalb davon schräg verlaufende Feldweg ist heute die Pater Helde-Straße
Die „Skyline“ Mistelbachs mit Blick Richtung Westen um etwa 1910 – im Hintergrund ist die neue Schießstätte (Nr. 4) erkennbar.
Gruppenfoto anlässlich der Eröffnung der Schießstätte (Nr. 4) auf dem Gelände des heutigen Schützenwegs im Jahre 1906
Wie oben bereits erwähnt hieß die heutige Museumsgasse vormals Schießstattgasse, und nachdem sich die Schießstätte (Nr. 4) nun weiter außerhalb befand, wurde 1913 beschlossen diesen Straßennamen auch auf die (bisherige und heutige) Parkgasse auszudehnen, die zum Bahnübergang und der dahinterliegenden neuen Schießstätte hinführte.1034 Der neue Straßenname konnte sich jedoch nicht durchsetzen und geriet bald wieder in Vergessenheit. Die Schießstätte wurde während der Kampfhandlungen um Mistelbach im April 1945 völlig zerstört und die Besatzungsmächte verboten sämtliche Schützenvereine, da sie als militärische Organisationen qualifiziert wurden. Insbesondere im sowjetisch besetzten Teil des Landes war eine Wiedergründung der Vereine erst nach der Wiedererstehung des souveränen Staates Österreich 1955 möglich. Zunächst entstanden zwei getrennte Vereine: Ende 1955 die Schützengilde Mistelbach, die ihr Kapselschießen im „Gasthaus zum goldenen Kreuz“ (Fam. Neumayer) in der Wiedenstraße abhielt1035 und im Jänner 1956 der Schützenverein Mistelbach der sein Kapselschießen im Kino des Gasthauses „Zur goldenen Krone“ (Pächter: Franz Pollak) in der Oberhoferstraße veranstaltete1036. Was auch immer die Gründe für diese anfängliche Trennung in zwei Vereine war, sie wurde im Mai 1957 überwunden und die beiden Vereine fusionierten unter dem Namen Schützenverein Mistelbach.1037 Auch in den folgenden Jahren beschränkte man sich auf das sogenannte Zimmergewehrschießen (=Kapselschießen), dass in verschiedenen Gasthäusern der Stadt (Gasthaus „Zum Rebhuhn“ (Petsch-Filippinetti bzw. Schatz) und „Zur goldenen Krone“ (Heindl bzw. Pollak) gepflogen wurde.1038 Mitte der 1960er Jahre befasst man sich dann wieder mit der Frage der Neuerrichtung einer Schießstätte. Der alte Standort, der lediglich vom Fürsten Liechtenstein gepachtet war, kam aufgrund des zwischenzeitlich erfolgten Siedlungsbaus ringsum nun nicht mehr in Frage und so entschied man sich zwar in derselben Gegend zu verbleiben, aber die Schießstätte etwas weiter außerhalb im Bereich der heutigen Spreitzergasse neu zu errichten. Das Eröffnungsschießen auf Schießstatt Nr. 5 fand schließlich im Juni 1968 statt.1039
1968: die noch im Bau befindliche Schießstatt Nr. 5
Das Siedlungsgebiet westlich der Bahnstrecke Mitte/Ende der 1970er Jahre.
orange gestrichelte Linie: der heutige Schützenweg;
gelbes Kästchen: einstiger Standort der Schießstätte Nr. 4 (1906 bis 1945);
roter Pfeil: Schießstätte Nr. 5 (1968-ca. 1980);
Den Namen Schützenweg erhielt diese im Zuge des Siedlungsausbaus angelegte Straße mit Beschluss des Gemeinderates vom 8. Mai 19671040, schließlich befand sich die Straße auf dem Gelände der alten Schießstätte und sie sollte wenig später die Zufahrt zur einige hundert Meter außerhalb verlegten neuen Schießstätte bilden. Es war jedoch bereits damals aufgrund der zunehmenden Bautätigkeit in der benachbarten absehbar, dass eher früher als später das Ende dieser Schießstätte kommen würde. Daher wurde bereits 1981 im Bereich des Totenhauer Waldes, und damit in Nachbarschaft zum Übungsgelände des Bundesheeres, auf einem vier Hektar großen Areal die heutige moderne Schießstatt (Nr. 6) errichtet. Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderats vom 12. Dezember 2018 wurde übrigens der zum Schießplatz führenden Straße der Name „Zur Schießstätte“ gegeben.
Wo befindet sich der Schützenweg?
Bildnachweis:
-) historische Ansichtskarten bzw. Foto von der Eröffnung der Schießstätte 1906: aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer
-) Ansicht altes Zeughaus: Ausschnitt einer Ansichtskarte aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Luftaufnahme der Siedlung links der Bahnstrecke: Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
Quellen:
Anton Hackler-Gasse (Paasdorf)
Im Zuge der Einführung von Straßenbezeichnungen in der Katastralgemeinde Paasdorf wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 10. Dezember 1998 beschlossen, die zum Friedhof führende bzw. entlang der Bahnstrecke verlaufende Straße nach Anton Hackler, dem einstigen Wirtschaftsrat der Herrschaft Paasdorf, Gutsverwaltungsexperten und Stifter der hiesigen Friedhofskapelle, zu benennen.
Wo befindet sich die Anton Hackler-Gasse?
Michael Hofer-Zeile
Am 4. April 1925 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat die Einführung von Straßennamen in der ehemaligen Flüchtlingsstation bzw. der umliegend entstandenen neuen Siedlung. Zum Gedenken an den Architekten dieser als Villenkolonie ausgeführten Flüchtlingsunterkünfte, Ingenieur im Staatsbaudienst Michael Hofer, wurde die Straße, die die Siedlung gegen die Landesbahnstrecke hin abschließt „Michael Hofer-Zeile“ benannt. Seit auch das Gebiet östlich der Ebendorfer Straße bzw. unterhalb der Liechtensteinstraße zusehends verbaut wurde, trägt die Straße längs der Landesbahn auch jenseits der Ebendorfer Straße den Namen Hofers. Als Zeile wurden in früherer Zeit nur an einer Straßenseite verbaute Straßenzüge bezeichnet, die bspw. an einem Bach, Dorfanger oder wie hier an einer Bahnstrecke lagen (siehe etwa auch Bahnzeile).
Wo befindet sich die Michael Hofer-Zeile?
Hofer, Ing. Michael
Hofrat Ing. Michael Hofer
* 31.7.1879, Lichtenwörth (Bez. Wr. Neustadt)
† 10.1.1958, Wien
Michael Hofer wurde 1879 als Sohn des Müllermeisters und Wirtschaftsbesitzers Michael Hofer sen. und dessen Gattin Christina, geb. Lehn, in Lichtenwörth bei Wiener Neustadt geboren.1041 Die an der Warmen Fischa, außerhalb des Ortsgebiets von Lichtenwörth, gelegene Steinfeldmühle kam 1813 in den Besitz der Familie Hofer und wird bis heute von dieser geführt.1042 Seine Mutter entstammte der Bierbrauerfamilie Lehn, die die Piestinger Brauerei bald nach ihrer Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm und bis in die 1990er Jahre besaß. Der Vater, Michael Hofer sen., war erfolgreicher Unternehmer, Gönner der hiesigen Pfarre und engagierte sich auch im öffentlichen Leben unter anderem als erster Hauptmann der Lichtenwörther Freiwilligen Feuerwehr.1043 Zu seinem Andenken trägt die Richtung Wiener Neustadt bzw. zur Mühle führende Straße seit vielen Jahren den Namen „Michael Hofer-Straße“.
Michael Hofer jun. wuchs mit vier Schwestern und einem um ein Jahr älteren Bruder namens Carl auf, der dazu auserkoren war, dem Vater als Mühlenbesitzer nachzufolgen. Somit konnte er von 1890 bis 1897 die sieben Jahrgänge umfassende Landes-Oberrealschule in Wiener Neustadt besuchen1044, und legte hier im Sommer 1897 erfolgreich die Reifeprüfung ab. Bereits während der Schulzeit dürfte in ihm der Wunsch nach einer technischen Berufslaufbahn gereift sein, denn in der im Jahresbericht der Oberrealschule enthaltenen Liste der Maturanten des Jahres 1897 wird bei Hofer der Berufswunsch „Techniker“ angeführt.1045 Diesem Wunsch folgend inskribierte er sich mit Beginn des Wintersemesters 1897/98 an der Bauschule der Technischen Hochschule Wien (heute: Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien) für das Studienfach Hochbau. Bis zum Wintersemester 1903/04 besuchte er dort Lehrveranstaltungen und schloss sein Studium – vermutlich nach zwischenzeitlicher Ableistung des Militärdienstes – schließlich am 28. Juli 1905 mit der Zweiten Staatsprüfung erfolgreich ab.1046 Anfang November 1905 begann er seine Berufslaufbahn als Baupraktikant im Staatsbaudienst bei der k.k. niederösterreichischen Statthalterei in Wien. Der Staatsbaudienst für Niederösterreich, dessen Wiener Diensträume sich an der Mariahilferstraße befanden, war Teil der durch die Statthalterei ausgeübten gesamtstaatlichen Verwaltung und ist nicht zu verwechseln mit dem nö. Landesbauamt.
Schon zuvor, am 10. Oktober 1905, schloss Hofer mit Maria Muzzanelli (1880-1982), der aus Wiener Neustadt stammenden Tochter eines kaufmännischen Angestellten1047, den Bund der Ehe. Diese Verbindung blieb kinderlos. Bis zum Beginn des 1. Weltkriegs hatte Hofer die übliche Laufbahn im Staatsbaudienst absolviert und war in den Rang eines Bau-Ingenieurs aufgestiegen.1048 In dieser Funktion wurde er bald nach Kriegsausbruch damit beauftragt ein in Gmünd gelegenes Gelände bezüglich dessen Tauglichkeit zur Errichtung eines großangelegten Flüchtlingslagers zu begutachten, denn durch die gleich zu Beginn des Krieges erlittenen Gebietsverluste im Osten des Reichs (Bukowina und Galizien) wurden vielerorts rasch Quartiere für die große Zahl an Flüchtlingen geschaffen. Die ursprünglich vorgesehenen Äcker wurden von ihm als nicht geeignet angesehen, allerdings fiel Hofer bei seiner Besichtigung ein Areal nahe dem Gmünder Bahnhof der Franz-Josefs-Bahn auf, dass er für deutlich geeigneter hielt. Seiner Empfehlung zur Errichtung eines Barackenlagers an dieser Stelle wurde Folge geleistet und schließlich wurde er auch mit der Leitung der Ausführung dieses Bauvorhabens betraut.1049 Binnen kürzester Zeit konnte der Bau realisiert werden und bereits Anfang des Jahres 1915 wurden die ersten Flüchtlinge aufgenommen. Das Lager bestand während der gesamten Kriegsdauer und in der Spitze waren hier rund 30.000 Flüchtlinge, mehrheitlich aus Galizien und der Bukowina untergebracht, weshalb diese „Barackenstadt“ auch „Ukrainisch-Gmünd“ genannt wurde. Das Lager beherbergte ein Vielfaches der Einwohnerzahl von Gmünd und verfügte dementsprechend über eine eigene Infrastruktur (Kirche, Friedhof, Schule, Spital, Postamt, E-Werk, Schlachterei, Gendarmerieposten, Sommertheater, etc.). Aufgrund der kriegsbedingt herrschenden Personalknappheit wurde Hofer, nachdem er seinen unten näher geschilderten Auftrag in Mistelbach erfüllt hatte, gegen Ende des Jahres 1915 der Verwaltung dieses Flüchtlingslagers (k.k. Barackenverwaltung Gmünd) dienstzugeteilt und er fungierte ab Beginn des Jahres 1918 als einer von zwei Lagerleiter-Stellvertretern.1050 Kurzzeitig dürfte Hofer auch bei der Verwaltung des Flüchtlingslagers Mitterndorf eingesetzt gewesen sein, zumindest deuten die Angaben im Niederösterreichischen Amtskalender des Jahres 1916 (erschienen zu Ende des Jahres 1915) darauf hin.1051
Das unter der Leitung von Ing. Michael Hofer in kurzer Frist erbaute Barackenlager Gmünd umfasste 144 Wohnbaracken, die insgesamt bis zu 30.000 Personen aufnehmen konnten, und zahlreiche soziale, gewerbliche und technische Einrichtungen
Das Gebäude der Barackenverwaltung samt dessen Vorstand anlässlich eines Besuchs des nö. Statthalters – mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte auch Michael Hofer zu den darauf abgebildeten Personen zählen
Die Errichtung des Flüchtlingslagers in Gmünd bedeutete nicht nur einen Aufschwung für die lokale Wirtschaft, sondern die Gemeindevertreter erkannten früh auch die für die weitere Stadtentwicklung bedeutende Entscheidung von Hofer bezüglich Errichtung und Lage des Flüchtlingslagers, und verliehen ihm im Dezember 1916 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gmünd.1052 Das Lager wurde nach Ende des Ersten Weltkriegs für verschiedene Zwecke und immer wieder auch als Notunterkunft genutzt und im Laufe der Jahre entstand hier auf Grundlage der Infrastruktur des Flüchtlingslagers der Stadtteil Gmünd-Neustadt. Am 23. Oktober 1957 beschloss der Gmünder Gemeinderat eine Straße in der Neustadt in Erinnerung an den Mitbegründer dieses Stadtteils „Michael-Hofer-Gasse“ zu benennen.1053
Im September 1915 wurde auch in Mistelbach mit der Errichtung einer Flüchtlingsstation auf dem Areal unterhalb des Krankenhauses begonnen und mit der Planung und Bauleitung wurde Ing. Hofer, der sich durch seine Leistung in Gmünd empfohlen hatte, betraut.1054 Die Quartiere wurden für Flüchtlinge aus Südtirol errichtet, da nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 auf Seiten der Entente auch an der südwestlichen Reichsgrenze Kämpfe tobten und die Zivilbevölkerung im Kampfgebiet fliehen musste. Im Unterschied zu Gmünd war die Flüchtlingsstation in Mistelbach jedoch deutlich kleiner angelegt und auch in puncto Qualität der Unterbringung wurden neue Maßstäbe gesetzt, denn Hofer plante die Flüchtlingsunterkünfte im Stile einer für damalige Verhältnisse luxuriösen Villenkolonie. Schon im April 1916 wurden die ersten Flüchtlinge aufgenommen und ein Jahr nach Baubeginn war die Flüchtlingsstation mit 47 Ein- und Zweifamilienhäuser, die in der Spitze 750 Personen beherbergen sollten, drei Gemeinschaftsgebäuden (Schule, Verwaltungsgebäude, Restaurant) und zwei Magazine fertiggestellt.1055 Für Mistelbach bedeutete die Schaffung dieses neuen Stadtteils einen großen Entwicklungsschritt, schließlich wurde hier auf Staatskosten Wohnraum und Infrastruktur geschaffen, die nach der Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat, im Elend und der Wohnungsnot der Zwischenkriegszeit dringend gebraucht werden konnten. Die Flüchtlingsstation diente nach dem Krieg kurzzeitig der Unterbringung von Truppen der Volkswehr, der ersten Armee der jungen Republik, bzw. wurde ein Teil der Wohnhäuser später von der Wiener Polizei für Erholungsaufenthalte von Polizisten bzw. deren Angehörigen genutzt. Im Laufe der Zwischenkriegszeit gingen die Gebäude schrittweise in den Besitz der Stadt über und wurden von dieser an Privatpersonen verkauft. Westlich der Flüchtlingsstation wurden ab den 1920er Jahren weitere Grundstücke aufgeschlossen und im Zuge der Einführung von Straßennamen in der ehemaligen Flüchtlingsstation bzw. der sich daraus nun entwickelnden Siedlung beschloss der Mistelbacher Gemeinderat am 4. April 1925 die längs der Landesbahnstrecke verlaufende und die Siedlung südlich abschließende Gasse nach dem Architekten der Flüchtlingsstation „Michael Hofer-Zeile“ zu benennen. In der Begründung wird Hofers Einsatz dafür hervorgehoben, dass die Flüchtlingsstation nicht als Barackensiedlung, sondern in Form einer modernen Villenkolonie erbaut wurde.1056
Die in Form einer Villenkolonie erbaute Flüchtlingsstation samt dem Verwaltungsgebäude im Vordergrund – aus der Perspektive des gegenüberliegenden Krankenhauses gesehen.
Ansicht der Flüchtlingsstation aus südwestlicher Richtung
Eine Aufnahme der ehemaligen Flüchtlingsstation von südlicher Richtung, die auf der Ansichtskarte als Villenviertel bezeichnet wird. Bei der vor den ersten Häusern verlaufenden Straße (nächst der Landesbahnstrecke) handelt es sich um die Michael Hofer-Zeile
Nach dem Ende der Monarchie und der bald darauf folgenden Schließung des Flüchtlingslagers in Gmünd kehrte Hofer wieder nach Wien an seine Dienststelle, nunmehr Staatsbaudienst bei der niederösterreichischen Landesregierung, zurück.1057 Im Oktober 1933 trat seine Dienststelle kumulativ der Vaterländischen Front, der Einheitspartei des autoritären Dollfuß-Regimes, bei. Solcherart von oben angeordnete und orchestrierte Massenbeitritte ließen die Mitgliederzahlen dieser neuen „Volksbewegung“ auf mehrere Millionen ansteigen, lassen jedoch kaum Schlüsse auf die tatsächliche politische Einstellung einer Vielzahl der Mitglieder zu. Schon Mitte der 1930er Jahren zum Hofrat ernannt stieg Hofer im Zuge einer Organisationsreform 1937 schließlich zum Leiter des Referats 9A „Allgemeine technische Angelegenheiten des Bundesbaudienstes, Hochbau, etc.“ im Landesamt I der nö. Landesregierung auf1058 und hatte dieses Amt bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand inne.1059 In dieser Funktion, möglicherweise aber auch aufgrund persönlicher Verbundenheit zu Mistelbach, übernahm er als Vertreter des Landes die Obmannschaft im Bauausschuss betreffend den Zu- bzw. Ausbau des Bezirkskrankenhauses Mistelbach, der auch aufgrund seines Einsatzes nach nur wenigen Monaten Bauzeit fertiggestellt und im Oktober 1937 eröffnet werden konnte.1060 Im Jahr darauf führte Hofer bspw. auch die Bauleitung beim Bau eines neuen Gerichts- und Amtsgebäudes in Neunkirchen.1061 Hofer war nicht Mitglied der NSDAP, war jedoch laut eigenen Angaben in Personalfragebögen während den Jahren 1938-1945 Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und der ebenfalls der Partei angeschlossenen berufsständischen Vertretungen Nationalsozialistischer Bund Deutscher Technik (NSBDT) und Reichsbund der Deutschen Beamten (RDB).
1937: Hofrat Ing. Hofer (rotes X) hält anlässlich der Gleichenfeier des Krankenhausausbaus in Mistelbach eine Rede
Im Sommer 1946 scheint Hofrat Hofer noch als Leiter der Abteilung Hochbau beim Landesbauamt auf, seine Versetzung in den Ruhestand dürfte jedoch Ende 1946 bzw. spätestens in den ersten Monaten des Jahres 1947 erfolgt sein.1062 Hofrat Ing. Michael Hofer verstarb am 10. Jänner 1958 im 79. Lebensjahr in Wien und wurde im Familiengrab in Lichtenwörth bestattet.
Die letzte Ruhestätte von Hofrat Michael Hofer im Grab der Familie Hofer auf dem Lichtenwörther Friedhof
Wo befindet sich die Michael Hofer-Zeile?
Bildnachweis:
-) Ansichtskarten der Flüchtlingsstation Mistelbach aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer
-) Foto des Gebäudes der Barackenverwaltung Gmünd: Wiener Bilder, 10. Oktober 1915 (20. Jg. – Nr. 41), S. 10f (ONB: ANNO);
-) Foto Barackenlager Gmünd: Das interessante Blatt, 30. September 1915 (34. Jg. – Nr. 39, S. 7 (ONB: ANNO)
-) Familiengrab Hofer: dankenswerterweise zVg von Herrn Franz Ofner-Winkler (2022)
-) Das „Portrait“ (Fotoausschnitt) und das Foto der Gleichenfeier des Krankenhausausbaus 1937 entstammen dem Fotoalbum von Fr. Luise Bsteh (Stadtmuseumsarchiv Mistelbach) und sind auch in der Topothek Mistelbach unter diesem Eintrag (S. 47-48) veröffentlicht
Quellen:
-) Standesblatt Michael Hofer (Niederösterreichisches Landesarchiv)
-) Personalfragebögen zu Michael Hofer aus der NS-Zeit (Niederösterreichisches Landesarchiv)
-) diverse Ausgaben des Niederösterreichischen Amtskalenders, Niederösterreichischen Almanachs, Österreichischen Amtskalenders
Theresia Weiß-Ring (Paasdorf)
Mit Beschluss vom 26. März 1998 benannte der Mistelbacher Gemeinderat eine neue Straße in Paasdorf nach Theresia Weiß, der Gründerin des örtlichen Verschönerungsvereins, die das Ortsbild und das kulturelle Geschehen in der Katastralgemeinde nachhaltig prägte.
Wo befindet sich der Theresia Weiß-Ring?
Josef Strasser-Gasse
Diese Gasse entstand gemeinsam mit der Karl Fitzka-Gasse zu Beginn der 1910er Jahre als die zuvor im Besitz der Familie Strasser befindlichen Gründe zwischen Mistelufer und Mitschastraße baulich erschlossen wurden. Der berühmteste Vertreter der Familie Strasser, die unweit dieser Gasse, nämlich am Beginn der Liechtensteinstraße, mit ihrem Gerbereibetrieb ansässig war, ist Josef Strasser. Er stand der Gemeinde Mistelbach von 1867 bis 1888 als Bürgermeister vor und trug maßgeblich zum Aufschwung Mistelbachs bei, der sich auch in der Stadterhebung im Jahre 1874 widerspiegelt. Am 31. Oktober 1913 beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) diese Gasse nach dem verdienten Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt zu benennen. Zunächst wurden lediglich auf der linken Straßenseite (ungerade Hausnr.) Häuser errichtet, erst Jahrzehnte später erfolgte auch die Bebauung der rechten Straßenseite dieser Sackgasse.
Wo befindet sich die Josef Strasser-Gasse?
Quellen:
-) Verhandlungsschrift über die öffentliche Gemeindeausschusssitzung vom 31. Oktober 1913 In: Mistelbacher Bote, Nr. 45/1913, S. 5;
-) Spreitzer, Prof. Hans: Mistelbachs Straßen- und Gassennamen In: Mistelbacher Laaer Zeitung, Nr. 38/1955, S. 2f
De Venne-Weg
Devenne (auch Devenna bzw. verschiedenste andere Schreibweisen) lautete der Name einer im 17. und 18. Jahrhundert in Mistelbach ansässigen Bürgerfamilie, deren erster Vertreter aus Regensburg zuwanderte. Die Mitglieder dieser ursprünglich allerdings aus dem Brabant (heute ein Teil von Belgien) stammenden Familie brachten es hier als Apotheker, Handelsleute und Steuereinnehmer zu großem Wohlstand und der letzte (bekannte) Vertreter der Mistelbacher Linie, Ferdinand Maximilian Devenne, bekleidete auch das Amt des Marktrichters. Er war es auch, der Mitte des 18. Jahrhunderts das Barockschlössl als seinen Wohnsitz erbauen ließ und somit bleibende Spuren im Mistelbacher Stadtbild hinterlassen hat. In der Sitzung vom 14. November 1974 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine Gasse in der erweiterten Stadtwald-Siedlung nach der Familie des Erbauers des Barockschlössls zu benennen.
Wo befindet sich der De Venne-Weg?
Quellen:
-) Mitscha-Märheim, Univ.-Prof. Dr. Herbert: „Zur Herkunft der Familie des Mistelbacher Marktrichters Devenne“ In: Weinviertler Nachrichten, Nr. 16/1964, S. 5
-) Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 183, Jänner 1975, S. 5
Sobek, Leopoldine
Leopoldine Sobek
* 7.4.1904, Mistelbach
† 8.6.1996, Mistelbach
Leopoldine Sobek wurde 1904 als Tochter des Bahnbediensteten Franz Sobek und dessen Gattin Anna, geb. Bergauer, in Mistelbach geboren.1063 In den Einträgen der Pfarrbücher zu ihrer Familie findet sich der Familienname stets in der Schreibweise „Soubek“, später scheint jedoch ausschließlich die Schreibweise ohne „u“ auf.1064 Gemeinsam mit vier jüngeren Geschwistern, drei Schwestern und einem Bruder, wuchs sie am Wohnsitz der Familie im Haus Kreuzgasse Nr. 3 auf. Sobek absolvierte ihre Pflichtschulbildung in Mistelbach und nach einer Schneiderlehre, machte sie sich bereits 1924 im Alter von 20 Jahren als Schneidermeisterin selbstständig.1065
Für die damalige Zeit wenig überraschend war Sobeks Vater als Eisenbahner auch Sozialdemokrat und scheint zu Beginn der 1930er Jahre als Funktionär der Mistelbacher Lokalorganisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP) auf.1066 Ihre weltanschaulich-politische Prägung erhielt Leopoldine Sobek jedoch offenkundig nicht väterlicherseits, sondern durch ihre Mitgliedschaft im von völkischer Ideologie und Antisemitismus geprägten Deutschen Turnverein Mistelbach. Der Deutsche Turnverein war in der Zeit von Ende des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn der 1920er Jahre, de facto der einzige Verein in Mistelbach in dem man sich sportlich betätigen konnte. Zwar gab es vereinzelt auch schon andere Sportvereine (bspw. Tennisverein, Radfahrverein), doch waren diese Sportarten sehr exklusiv und bedurften teurer Ausrüstung. Im Deutschen Turnverein waren hingegen alle Klassen und Stände vertreten, ganz im Sinne der nationalen Idee der „Volksgemeinschaft“. Juden, die zuvor sehr wohl auch diesem Verein angehört hatten, waren bereits ab dem Jahr 1893 von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen. Es wundert also nicht, dass beim Deutschen Turnverein keineswegs die sportliche Betätigung im Vordergrund stand, sondern die Mission der deutschen Turnbewegung war vor allem auch die ideologische Erziehung und Charakterbildung im Sinne des deutschen Volkstums. Der Deutsche Turnverein nutzte seine Alleinstellung – erst während der 1. Republik entstanden auch sozialdemokratische und christlich-soziale Turnvereine in Mistelbach – und war sehr stark in der Jugendarbeit präsent und so wurden Generationen sport- und bewegungsbegeisterter Kinder und Jugendlicher bereits in jungen Jahren mit antisemitischer und deutsch-nationaler Ideologie indoktriniert. Die Deutschen Turnvereine waren ideologische Wegbereiter des Nationalsozialismus und viele Vereine, so etwa auch jener in Mistelbach, wurden 1934 nach einer Welle von Nazi-Terroranschlägen aufgrund ihrer Nähe zum Nationalsozialismus vom Dollfuß-Regime verboten. Etwa um die Zeit des 1. Weltkriegs, trat Sobek in jungen Jahren diesem Verein bei und blieb ihr ganzes Leben dem Turnen treu.1067 Besonders begeisterte sie sich für das Geräteturnen und sie nahm in der Zwischenkriegszeit bei Turnfesten in Österreich und im Deutschen Reich an Wettkämpfen teil. Jedenfalls war Sobek bereits Anfang der 1930er Jahre als Vorturnerin der Turnerinnenabteilung1068 aktiv und scheint 1933 auch als Leiterin der Mädchenabteilung des Vereins auf.1069 Diese Funktionen dürfte sie bis zum bereits oben erwähnten Verbot des Deutschen Turnvereins Mistelbach im Jahre 1934 bekleidet haben.
Der Umbruch in den Tagen des sogenannten „Anschlusses“ im März 1938 vollzog sich sehr rasch, und schon am Abend des 11. März, also bevor am nächsten Morgen Truppen der deutschen Wehrmacht die österreichische Grenze überschritten, rissen die Nationalsozialisten bereits vielerorts die Macht an sich – auch in Mistelbach. In ganz Österreich wurden daher die einmarschierenden deutschen Truppen schon am 12. März mit einem Meer von Hakenkreuzfahnen begrüßt. Dass es so wirkte, als hätte ganz Österreich nur auf den Einmarsch der Deutschen gewartet, dazu trugen viele fleißige Hände bei und in Mistelbach scheint Leopoldine Sobek ihren Beitrag dazu geleistet haben. Wie man sich noch heute hinter vorgehaltener Hand erzählt, soll Sobek die ganze Nacht von 11. auf den 12. März hindurch Fahnen genäht haben, und somit (gemeinsam mit anderen) maßgeblich dazu beigetragen haben, dass ganz Mistelbach am folgenden Tag bereits im „Hakenkreuzschmuck“ erstrahlte. Aufgrund ihrer Sozialisierung und weltanschaulichen Prägung im Deutschen Turnverein und ihres handwerklichen Könnens erscheint diese Erzählung sehr plausibel. Eine Mitgliedschaft Sobeks in der NSDAP lässt sich nicht belegen, denn in der überlieferten Mitgliederkartei findet sich kein Eintrag zu ihr.1070 Allerdings muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass diese Kartei zwar vor der Vernichtung in den letzten Tagen des NS-Regimes bewahrt werden konnte, aber nicht lückenlos ist und selbst zu einigen hochrangigen Nazis aus Mistelbach bzw. mit Mistelbach-Bezug – deren Mitgliedschaft eindeutig belegt ist – finden sich darin keine Einträge. Die in einer früheren Version dieses Beitrags hier geäußerte Einschätzung, dass eine Parteimitgliedschaft von Frauen eher unüblich war, ist nur bedingt richtig. Zwar machten Frauen nur einen vergleichsweise geringen Anteil an den NSDAP-Mitgliedern aus und waren von Leitungsaufgaben außerhalb der Frauenorganisation ausgeschlossen, aber tatsächlich ist auch für Mistelbach eine keineswegs unbedeutende Anzahl an weiblichen NSDAP-Mitgliedern belegt.1071 Laut Zeitzeugenberichten war Sobek, die zur Zeit der NS-Herrschaft bereits Mitte/Ende dreißig war, auch als Führerin beim Bund deutscher Mädel (BdM), der weiblichen Teilorganisation der Hitlerjugend, aktiv. Dies ist insofern ein wenig außergewöhnlich, als in den nationalsozialistischen Jugendorganisationen allgemein der Grundsatz „Jugend führt Jugend“ galt, der natürlich dem Ziel diente die Kinder und Jugendlichen durch Übernahme von Verantwortung und Fernhalten etwaiger anderer Einflüsse so eng wie möglich an das Regime und seine Ideologie zu binden. Da Sobek zeitlebens unverheiratet blieb, und somit keine familiären Verpflichtungen hatte, und in der nationalen Jugendarbeit aus ihrer Zeit beim Deutschen Turnverein über große Erfahrung verfügte, war ihre Mitwirkung in der nationalsozialistischen Jugendbewegung zweifellos willkommen. 1939 scheint sie dann außerdem in der Vertretung ihres Berufsstandes in der Handwerkskammer St. Pölten als Obermeisterin der Damenschneiderinneninnung für den Kreis Mistelbach auf.1072 Wenig später dürfte es jedoch zu einer Strukturänderung gekommen sein und die neue „Kreishandwerkschaft Mistelbach“ umfasste nunmehr die Kreise Mistelbach, Nikolsburg und Gänserndorf und das Amt der Obermeisterin wurde von einer anderen Person bekleidet.1073
Auf den Untergang des Nationalsozialismus, der in seinen letzten Wochen Krieg und Zerstörung auch ins Weinviertel brachte, folgte sowjetische Besatzung und große Not in der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der es an allem mangelte. Unter Verweis auf die herrschende Materialknappheit wurde 1945 seitens der an der Stadtregierung beteiligten Kommunisten, und mit Unterstützung der Besatzungsmacht, versucht Zentralwerkstätten in verschiedenen Wirtschaftszweigen einzurichten. Manche sahen darin den Versuch der Einführung eines kollektiven Wirtschaftssystems nach sowjetischem Vorbild. Tatsächlich wurden im Sommer 1945 laut einem kommunistischen Zeitungsbericht eine Zentralschneiderei und eine Schuhmacherzentrale in Mistelbach eingerichtet, in der alle Schneider bzw. Schuster der Stadt tätig waren.1074 Energisch kämpfte Schneidermeisterin Sobek gemeinsam mit ihrer Berufskollegin Maria Römer beim Bürgermeister und Bezirkshauptmann gegen diese zentralistischen Strukturen an.1075 Es ist unklar, wie lange die Zentralwerkstätten Bestand hatten, aber möglicherweise hatte Sobek durch ihren Protest daran Anteil, dass diese jedenfalls nicht zu einer dauerhaften Einrichtung wurden.
Aufgrund ihrer Nähe zum Nationalsozialismus konnten sich die deutschnationalen Turnvereine, die zuvor im „Deutschen Turnerbund (DTB)“ zusammgeschlossen waren, während der Besatzungszeit nicht einfach wiedergründen. Erst später konnten sie sich zum Teil wieder konstituieren und im Nachfolgeverband „Österreichischer Turnerbund (ÖTB)“, der bis heute der FPÖ nahesteht, sammeln. In Mistelbach kam es nicht dazu, da sich führende ehemalige Mitglieder des Deutschen Turnvereins Mistelbach, bereits zuvor der Turn- und Sportunion angeschlossen hatten. Die Turn- und Sportunion war Nachfolgeorganisation der christlich-deutschen Turnerschaft, und stand der ÖVP nahe. Auch Leopoldine Sobek gehörte Ende des Jahres 1948 zu den Gründern der Turn- und Sportunion Mistelbach. Über Jahrzehnte hinweg war sie später im Vorstand dieses Vereins engagiert, bekleidete das Amt der Obmann-Stellvertreterin und war bis 1990 (im Alter von 86 Jahren!) Vorturnerin und Leiterin der Damenriege. Schon 1974 wurde ihr als erstem Mitglied der Mistelbacher Turn- und Sportunion vom Verband das Ehrenzeichen in Gold für ihr jahrzehntelanges Wirken verliehen.
Leopoldine Sobek (rotes x) bei einem Ausflug der Turn- und Sportunion Mistelbach ins Burgenland im Jahre 1969
Nachdem sich die von ihr geführte Schneiderei zuvor in der Bahnstraße befunden hatte, verlegte sie diese später an die Adresse Karl-Fitzka-Gasse Nr. 9, wo sie gemeinsam mit ihrer Schwester und deren Gatten, Forstmeister Ing. Oskar Sklenař, lebte. 1964, nach vierzig Jahren beruflicher Selbstständigkeit, während der sie rund 30 Lehrmädchen ausbildete, trat Sobek in den Ruhestand über.1076 Bis ins hohe Alter körperlich ausgesprochen fit und als Vorturnerin aktiv, erlitt sie 1990 beim Schwimmen einen Schlaganfall, der sie dazu zwang ruhiger zu treten.1077 Am 8. Juni 1996 verstarb Leopoldine Sobek im Alter von 92 Jahren und ihre sterblichen Überreste wurden auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.
Sobeks letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher Friedhof
Der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in seiner Sitzung vom 21. September 2004, eingedenk von Sobeks Einsatz für die körperliche Ertüchtigung, die neben dem 2006 eröffneten Turnsaal in der Gartengasse verlaufende, neu geschaffene Straße Leopoldine Sobek-Gasse zu benennen.
Wo befindet sich die Leopoldine Sobek-Gasse?
Quellen:
-) Archiv Sportunion Mistelbach (Dank an Herrn Gerhard Öhler)
Alte Pfarrkirche von Eibesthal
Eibesthal dürfte seit der Etablierung diözesaner Strukturen in unserer Gegend im 11. Jahrhundert eine Filiale (später Vikariat) der Großpfarre Mistelbach gewesen sein, als solche scheint sie jedenfalls bereits in Urkunden aus der Mitte des 13. Jahrhunderts auf. Somit muss auch bereits früh eine Kapelle vorhanden gewesen sein, von der allerdings keine Spuren erhalten geblieben sind. Vermutlich bestand diese erste Kapelle aus Holz und wurde später durch einen massiveren Bau aus Stein an selber Stelle ersetzt. Diese wohl aus dem 14. Jahrhundert stammende steinerne Kapelle war im gotischen Stil erbaut und bildete später das Presbyterium (=Altarraum) des im Laufe der folgenden Jahrhunderte sukzessive erweiterten Kirchengebäudes. Am Presbyterium anliegend befand sich der ursprüngliche Kirchturm, der eine Glocke aus dem Jahre 1373 beherbergte. Vermutlich seit ihren Anfängen, jedenfalls seit dem Zeitpunkt als diese Glocke gegossen wurde, war die Eibesthaler Kirche der Heiligen Maria Magdalena geweiht.1078
1661 wurde Eibesthal zur Pfarre erhoben, blieb jedoch weiterhin im Einflussbereich der Pfarre Mistelbach bzw. des fortan dort wirkenden Barnabitenordens. Die Fertigstellung einer ersten bedeutenden Erweiterung durch Anbau eines Mittelschiffs an die Kapelle dürfte 1675 erfolgt sein. In Zusammenhang mit diesen beiden Ereignissen dürfte die Neuweihe stehen, die zwischen 1666 und 1675 stattgefunden haben muss, und als neuer Kirchenpatron scheint nunmehr der Heilige Markus auf.1079 Derartige Patronatswechsel sind zwar selten, allerdings auch nicht gänzlich ungewöhnlich (bspw. Patronatswechsel der Kettlasbrunner Pfarrkirche Ende des 18. Jahrhunderts). Die Hintergründe dazu sind jedoch leider nicht überliefert. Da der Wechsel gerade in jene Zeit fällt als kurz zuvor der Barnabitenorden die Mistelbacher Pfarre und auch die Zuständigkeit für Eibesthal übernahm, lautet eine Theorie, dass die Neuweihe von den neuen Pfarrherren durchgesetzt wurde, da der Heilige Markus in Oberitalien, dem Ursprungsort des Barnabitenordens, besonders verehrt wurde.1080 Die These, dass die Neuweihe und Änderung des Patroziniums Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Rückkehr der Eibesthaler zum katholischen Glauben, nach einer kurzen Phase des Protestantismus, in Zusammenhang stünde, erscheint hingegen nicht schlüssig, da die Rekatholisierung Eibesthals jedenfalls bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts einsetzte und bereits einige Jahrzehnte vor der Neuweihe abgeschlossen gewesen sein dürfte. Somit scheint der notwendige zeitliche Zusammenhang nicht gegeben.1081 Der Zeitpunkt der Neuweihe in Verbindung mit dem Umbau war allerdings wohl kein Zufall, denn vermutlich dürfte der alte Hauptaltar (den wohl das Bildnis Hl. Maria Magdalena zierte) für die vergrößerte Kirche nun zu klein gewesen sein, und da somit eine Neuanschaffung notwendig war, nutzte man diese Gelegenheit zum Wechsel des Kirchenpatrons. Die vormalige Kirchenpatronin wurde später in einem Glasfenster neben dem Seitenaltar verewigt1082 und der ihr geweihte Altar möglicherweise als Seitenaltar weiterverwendet. Schon wenige Jahrzehnte nach dem Anbau des Kirchenschiffs wurde dieses um 1700 aufgrund des Platzbedarfs erneut erweitert und 1743 erfolgte schließlich der Zubau einer Sakristei.1083
Der alte Kirchturm wurde aufgrund seiner Baufälligkeit zu einer Gefahr und als 1818 ein Teil des Turms einstürzte und auch das Gewölbe des Presbyteriums als einsturzgefährdet galt, wurde der Abbruch des alten und der Bau eines neuen Turms beschlossen und im Zuge dieser Arbeiten sollte das Kirchengebäude neuerlich ausgebaut werden. Das Gewölbe des Presbyteriums, dass beim Abbruch des Turms zum Teil einstürzte, wurde wiederhergestellt und das Gotteshaus durch einen Zubau an der rückwärtigen Seite erweitert, der eine Chorempore umfasste und über diesem Gebäudetrakt wurde der neue Kirchturm erbaut. Während der Bauzeit fanden die Gottesdienste zunächst kurzzeitig in der Sakristei und danach in einem Stadel statt und die Kirchenglocken wurden auf einem Gerüst auf dem Schenkberg aufgestellt. Im Zuge dieses Zu- bzw. Umbaus, der erst 1827 fertiggestellt werden konnte, wurde auch das Kirchendach mit Ziegeln neu eingedeckt (zuvor Holzschindeln). Der zunächst nur mit Schindeln gedeckte niedrige Helm des neuen Kirchenturms erhielt erst 1890 sein spitzes Blechdach und damit sein charakteristisches, den Ort bis zur Zerstörung 1945 prägendes, Erscheinungsbild.1084 Bereits 1814 war der einst die Kirche umgebende Friedhof an seinen heutigen Standort, und damit außerhalb des damaligen Ortsgebiets, verlegt worden.1085
Da das Mauerwerk der Kirche feucht war, hegte Pfarrer Franz Riedling schon zu Ende des 19. Jahrhunderts die Idee für einen Neubau. So sollten etwa auch die von Riedling initiierten Passionsspiele, die in Eibesthal in unregelmäßigen Abständen in den Jahren 1898 bis 1911 stattfanden, Mittel für einen Kirchenneubau lukrieren.1086 Doch ließ sich dieses Vorhaben aus finanziellen Gründen schließlich nicht realisieren.
Die alte Pfarrkirche wie sie von 1890 bis zu ihrer Zerstörung 1945 aussah, hier auf einer Aufnahme aus den 1930er Jahren
Um 1935: Rückansicht der Pfarrkirche auf der der älteste Teil des Bauwerks, das Presbyterium, gut erkennbar ist
Das Innere der alten Pfarrkirche wird in einem Zeitungsartikel anlässlich der Eröffnung des Nachfolgebaus wie folgte beschrieben1087: „Die Kirche war kein Prachtbau, aber doch war sie uns lieb und vertraut. Wenn der Besucher in sie eintrat, fühlte er sich sogleich heimisch und geborgen. Der erste Blick fiel auf den in gotischem Stil gehaltenen Holzaltar, der im ältesten Teil der Kirche, dem Presbyterium, stand. Dieses war durch ein schmiedeeisernes Speisgitter vom breiteren Mittelschiff getrennt. Durch kleine Fenster, die rot und blau gemalte Bildnisse von Heiligen trugen, fiel das Licht in den verhältnismäßig niederen Raum des Mittelschiffes. Weißgetünchte Wände, zwei einfache Deckengemälde, ein bunter Wandsockel gaben der Kirche ein sauberes Aussehen. Links und rechts an den Wänden standen je fünf Statuen, dazwischen die Bilder der Kreuzwegstationen und Gedenktafeln für die Gefallenen des Weltkrieges. An der linken Stirnseite des Mittelschiffes stand der Marienaltar, an der rechten die Kanzel. Unter dieser der Beichtstuhl, auf den eine sehr alte, wunderbar ergreifende Pietà gestellt war.“
Die Kämpfe in der näheren Umgebung von Eibesthal währten bereits zwei Tage als der Ort am 18. April 1945 vormittags durch „Stalinorgeln“ (Raketenwerfer) beschossen wurde und die Kirche erste Schäden erlitt. Am Tag darauf lag der Ort erneut unter Beschuss und kurz nachdem sich Truppenteile der Waffen-SS am frühen Nachmittag aus Eibesthal zurückgezogen hatten, schlugen plötzlich beim Choraufgang Flammen aus dem Kirchendach. An Löscharbeiten war während der andauernden Kampfhandlungen nicht zu denken und so kam es, dass das Gewölbe des Mittelschiffs und abends schließlich auch der Dachstuhl des Kirchenturms brennend in sich zusammenstürzten. Während das Presbyterium samt Hoch- und Marienaltar auf wundersame Weise verschont blieben, wurde alle sonstige Einrichtung: Bänke, Orgel, Bilder und Statuen ein Raub der Flammen. Die Monstranz mit dem Allerheiligsten konnte von Pfarrer Dr. Anton Brunauer-Dabernig noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Durch die Kampfhandlungen entstanden im Ort große Schäden und neben der Pfarrkirche wurden zahlreiche weitere Gebäude ein Raub der Flammen und unter der Zivilbevölkerung gab es Todesopfer zu beklagen. Wahrscheinlich durch verdeckte Glutnester brach drei Tage später erneut ein Feuer auf dem Dach des verschont gebliebenen Presbyteriums aus, das jedoch gelöscht werden konnte.1088
Die ausgebrannte Kirche im Jahre 1945
Rückansicht der zerstörten Pfarrkirche mit Resten des Dachstuhls des Presbyteriums
Die Kirchenruine war mit Schutt gefüllt und um sie herum lag eine Unzahl von zerborstenen Dachziegeln. Zunächst wurden die Sonntagsgottesdienste im Pfarrstadel abgehalten, bis die Dorfjugend vor dem Pfingstfest 1945 den Schutt aus der Ruine entfernte, sodass am Pfingstsonntag der erste Gottesdienst in der Kirchenruine stattfand. Auch ein Geläut wurde mit zwei Panzerplatten von Wracks im unteren Teil der Ruine des Turms improvisiert. Dieser Notbetrieb in der Ruine wurde für die schöne Jahreszeit aufrechterhalten, und ab Beginn des Winters wurde dann in einem leeren Klassenzimmer eine Notkapelle eingerichtet, die bis Ostern 1949 genutzt wurde.1089
Die mit Schutt gefüllte Kirchenruine
Das vom Schutt befreite Innere der zerstörten Kirche in der im Sommer 1945 wieder Messen unter freiem Himmel abgehalten wurden
Mit dem Abtragen der Kirchenruine wurde im Frühjahr 1946 begonnen und im Mai 1946 war dies vollständig geschehen. Die Pläne für die neue Kirche wurden von Architekt Hans Plank und Prälat Jakob Fried ausgearbeitet und im Herbst 1946 wurde mit den Aushubarbeiten für die Unterkirche, die auch als Veranstaltungsraum dienen sollte, begonnen. Der eigentliche Baubeginn verzögerte sich aufgrund des in der Zeit des Wiederaufbaus herrschenden Baustoffmangels um eineinhalb (!) Jahre, und konnte erst im April 1948 erfolgen. Nachdem die Grundmauern der Unterkirche fertiggestellt waren, konnte am 29. Juni 1948 die Grundsteinlegung für den Bau der Kirche durch Prälat Fried, der die treibende Kraft hinter dem Kirchenneubau war, erfolgen. Ab dem Frühjahr 1949 konnten die Gottesdienste fortan in der bereits fertiggestellten Unterkirche stattfinden und nach ihrer Fertigstellung wurde die neuerbaute Pfarrkirche schließlich am 15. August 1951 durch Kardinal Innitzer geweiht.1090
Die 1951 fertiggestellte neue Pfarrkirche von Eibesthal
Bildnachweis:
-) sämtliche historische Fotos der Eibesthaler Pfarrkirche: Göstl-Archiv
-) Foto der neuen Pfarrkirche: Thomas Kruspel (2018)
Quellen:
Leopoldine Sobek-Gasse
Schon seit langem waren die im Gebäude der beiden Neuen Mittelschulen (vormals Hauptschulen) in der Thomas Freund-Gasse für den Turnunterricht vorhandenen Räumlichkeiten unzureichend und aus Raumnot mussten viele Klassen auf die etwas entfernt gelegene Sporthalle in der Bahnzeile ausweichen. Durch die Errichtung eines neuen Turnsaals inkl. Freigelände in der nahegelegenen Gartengasse, der im Jahre 2006 eröffnet wurde, konnte diese Problematik gelöst und außerdem zusätzlicher Raum für die Sportvereine der Stadt geschaffen werden.1091
Neben dem Turnsaal entstand eine von der Gartengasse abzweigende und parallel zur Oserstraße verlaufende Gasse mit vielen Parkplätzen und diese Gasse wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 21. September 2004 nach der begeisterten Turnerin, und Mitbegründerin bzw. langjährigen Funktionärin der Sportunion Mistelbach, Leopoldine Sobek benannt.1092
Wo befindet sich die Leopoldine Sobek-Gasse?
Quellen:
Milchhausstraße (Kettlasbrunn)
Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die Idee genossenschaftlicher Organisation schließlich auch in unseren Breiten durch und im Februar 1888 wurde in Ebendorf eine „Spar- und Darlehenskasse“ nach dem Vorbild des vom Genossenschaftspionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Deutschland entwickelten Systems gegründet – der erste Zusammenschluss dieser Art im östlichen Weinviertel.1093 Bald darauf kam es zur Gründung zahlreicher weiterer Raiffeisenkassen und auch in Kettlasbrunn wurde 1891 eine solche Institution gegründet.1094 Im Gefolge dieser Gründungen wurde der Zusammenschluss in Form einer Genossenschaft von den Bauern nicht nur im Bereich der Finanzierung, sondern auch für die gemeinsame Vermarktung ihrer Erzeugnisse angewandt. Insbesondere für die Milchwirtschaft war diese Idee prädestiniert, da die Milch(-erzeugnisse) spezieller Lagerbedingungen (Hygiene und Kühlung) bedurfte und insbesondere da die Viehwirtschaft im Weinviertel, abseits herrschaftlicher Schäfereien in früherer Zeit, stets nur eine untergeordnete Rolle spielte und die einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe nur wenige Milchkühe besaßen. Trotz dieser kleinen Strukturen war der aus dem Milchverkauf erzielbare Erlös ein willkommener Zuverdienst und in der engeren Umgebung schlossen sich 1889 in Eibesthal erstmals die Landwirte zusammen um ihre Milch gemeinschaftlich an Molkereien in Wien zu verkaufen.1095
Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich in allen heutigen Katastralgemeinden Mistelbachs Milchgenossenschaften gegründet. Die bisherige Annahme, eine solche Gemeinschaft sei in Kettlasbrunn erst 1905 gegründet worden, kann durch das Aufscheinen einer hiesigen Milchgenossenschaft in einem Gewerbe-Adressbuch aus dem Jahr 1903, als widerlegt betrachtet werden.1096 1905 wandelte sich diese erste Milchgenossenschaft zur Molkereigenossenschaft und es erfolgte deren Eintragung als „registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ im Genossenschaftsfirmenbuch beim zuständigen Gericht in Korneuburg.1097 Eine Molkereigenossenschaft hatte über Sammlung, Lagerung und Transport der Milch zwecks gemeinschaftlichem Verkauf hinaus auch den Zweck und das Recht Milchprodukte (Butter, Käse, Molke) selbst herzustellen und zu vertreiben. Inwieweit die Herstellung von eigenen Milchprodukten überhaupt und insbesondere nach der Gründung der Mistelbacher Genossenschafts-Zentralmolkerei im Jahre 1927 wirtschaftlich war, ist jedoch fraglich. Aufgrund der oben bereits erwähnten besonderen Lagerbedürfnisse wurden allerorts eigene Milchhäuser errichtet und wie der Name bereits vermuten lässt, befand sich das Kettlasbrunner Milchhaus in der heutigen Milchhausstraße. Das erste (kleinere) Milchhaus, das wohl spätestens nach dem Wandel zur registrierten Genossenschaft entstanden sein dürfte, befand sich nächst der Einmündung in die Kettlasbrunner Hauptstraße, und zwar rechter Hand auf dem spitz zulaufenden Grundstück zwischen den Gerinnen von Kettlasbach und Gießbach, die unmittelbar dahinter zusammenfließen.
Blick auf Kettlasbrunn vom Kirchturm aus um etwa 1909:
der Pfeil markiert das alte (ursprüngliche) Milchhaus, etwas verdeckt durch Bäume. Dieses befand bei der Einmündung der Milchhaustraße in die Kettlasbrunner Hauptstraße.
Doch bald darauf, jedenfalls spätestens Anfang der 1920er Jahre1098, wurde auf der anderen Seite dieser Straße, und zwar an der Ecke zur Herrenzeile ein neues deutlich größeres Milchhaus errichtet. Aus naheliegenden Gründen wurden in den 1950er Jahren die Gebäude der Gemeinschafts-Kühlanlage des Ortes nebenan errichtet.1099 Zwar war die Milchwirtschaft im Weinviertel grundsätzlich stets von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung, allerdings ist an nachfolgender Statistik zum Rinderbestand in Kettlasbrunn deren Aufschwung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ebenso der später folgende völlige Bedeutungsverlust gut ablesbar1100:
| Jahr | Rindviehbestand in Kettlasbrunn |
|---|---|
| 1834 | 171 |
| 1934 | 517 |
| 1981 | 36 |
| 1987 | 6 |
Die umfassenden Umwälzungen, die sich in der Landwirtschaft ab den 1960er Jahren vollzogen, läuteten langsam aber sicher auch das Ende der Milchwirtschaft als Nebenerwerbszweig vieler Betriebe ein und die Milchgenossenschaften lösten sich meist in den 1970er bzw. 1980er Jahren auf. Auch die beiden Kettlasbrunner Milchhäuser existieren heute nicht mehr: an der Stelle des „neuen“ Milchhauses, das etwa 1989 abgebrochen wurde, steht heute ein Wohnhaus und an der Stelle des „alten“ Milchhauses befindet sich seit einigen Jahren der „offene Bücherschrank“ und ein Rastplatz.
Das „neue“ Milchhaus an der Einmündung der Milchhausstraße in die Herrenzeile im Jahr 1980 als die Milchgenossenschaft bereits aufgelöst war. An der Fassade ist schwach noch der Schriftzug „Gegründet im Jahre 1906“ zu erkennen. Wie durch mehrere Quellen jedoch eindeutig belegt, erfolgte die Gründung tatsächlich bereits 1905. Möglicherweise wurde das alte Milchhaus erst im Jahr nach der Gründung der Genossenschaft in Betrieb genommen.
Im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen in Kettlasbrunn im Jahre 2004 erhielt diese Gasse, den schon zuvor informell gebräuchlichen Namen „Milchhausstraße“.1101
Wo befindet sich die Milchhausstraße?
Bildnachweis:
Verwendung der Fotos mit freundlicher Genehmigung des Besitzers Herrn Stadtrat a.D. Josef Rath bzw. Dank an das Team der Topothek Mistelbach/Kettlasbrunn
Quellen:
Klezl von Norberg, Dr. Alfons
Hofrat Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg
* 8.8.1858, Hietzing bei Wien
† 22.12.1942, Wien
Alfons von Klezl wurde 1858 als Sohn des Eduard von Klezl, k.k. Hofrat im Ministerium des Äußeren und dessen Gattin Therese, geb. Freiin von Testa, in der damals noch selbstständigen niederösterreichischen Gemeinde Hietzing bei Wien geboren.1103
Er entstammt einer Familie, die auf eine lange Tradition als Beamte im diplomatischen Dienst zurückblicken kann und deren Mitglieder über viele Jahre in der österreichischen Vertretung in Konstantinopel, der sogenannten Internuntiatur, ihren Dienst leisteten. Bereits sein Urgroßvater Franz Klezl sen. (*1737, †1809) absolvierte die k.k. Orientalische Akademie und soll bereits zeitweilig in der Hauptstadt des Osmanischen Reichs tätig gewesen sein, ehe er später als k.k. Grenzdolmetscher in Peterwardein und Lemberg tätig war. Auch sein Großvater Franz Klezl jun. (*1772, †1826) besuchte die Orientalische Akademie und wurde später als Internuntiatur-Dolmetscher in Konstantinopel eingesetzt und aufgrund seiner treuen und verdienstvollen Leistungen in dieser Funktion wurde er 1826 von Kaiser Franz I. in den erblichen Adelsstand erhoben und somit durften sich er und seine Nachfahren nunmehr „Edler von Klezl“ (bzw. kurz schlicht „von Klezl“) nennen. In eben diesem Jahr schloss der Vater, Eduard von Klezl (*1805, †1874), an der orientalischen Akademie seine Ausbildung ab und folgte seinem Vater auch an die Internuntiatur in Konstantinopel nach, wo er schließlich bis zum k.k. Legationsrat aufstieg und von 1850 bis 1853 sogar die vertretungsweise Leitung der österreichischen Gesandtschaft innehatte. Anschließend wurde er nach kurzer Dienstleistung in Griechenland, schließlich als Ministerialrat in das Ministerium des Äußeren nach Wien zurückberufen. In Konstantinopel hatte Eduard von Klezl auch seine Gattin, die Tochter des Legationssekretärs der Internuntiatur, Freiherrn Anton von Testa, kennengelernt und der dort geschlossenen Ehe entstammten sechs Kinder (vier Töchter und zwei Söhne). Alfons von Klezl war das jüngste dieser Kinder und während seine Schwestern allesamt in Konstantinopel das Licht der Welt erblickten, wurden er und sein Bruder nach der Rückkehr nach Österreich in Hietzing geboren. Im Ruhestand wurde sein Vater, Eduard von Klezl, aufgrund seiner Verdienste im diplomatischen Dienst, unter Verleihung des Prädikats „von Norberg“ im Jahre 1874 von Kaiser Franz Josef I. in den Freiherrenstand erhoben.1104 Übrigens waren darüber hinaus auch weitere Mitglieder der Familie von Klezl im diplomatischen Dienst in Konstantinopel tätig.1105
Alfons Freiherr Klezl von Norberg absolvierte das Wiener Schottengymnasium, wo er zu Ende des Schuljahres 1876/77 die Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte.1106 Im Anschluss nahm er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien auf. Er dürfte dieses jedoch für seinen Militärdienst, den er als Einjährig-Freiwilliger im Feldjäger-Bataillon Nr. 21 leistete, unterbrochen haben. Im Dezember 1879 wurde er schließlich als Leutnant der Reserve ausgemustert und dem Reservestand des Feldjäger-Bataillons Nr. 27 zugeteilt. Während noch laufendem Studium, allerdings wohl nach absolvierter erster Staatsprüfung, trat er 1880 in den Landesdienst ein und wurde zur Dienstleistung der niederösterreichischen Statthalterei in Wien zugeteilt. Seine Studien schloss Freiherr Klezl von Norberg schließlich 1882 mit der Promotion zum Dr.iur. ab und war danach bis 1886 als Praktikant bei der Bezirkshauptmannschaft Sechshaus (heute Teil des XV. Wiener Gemeindebezirks) tätig. In den Jahren 1886 bis 1888 diente er schließlich als Konzipist bei der Bezirkshauptmannschaft Horn und danach zum Abschluss seines Aufenthalts im Waldviertel 1888 kurzzeitig als Lokalkommissär für agrarische Operationen in Allentsteig. Danach war Dr. Klezl von Norberg ab April des Jahres 1889 als Bezirks-Kommissär bei der Bezirkshauptmannschaft Groß Enzersdorf tätig, ehe er von 1892-1895 in selber Funktion an der Bezirkshauptmannschaft Krems wirkte. Im Zeitraum 1895-1899 wurde er zur Dienstleistung in das Präsidialbureau bzw. das Department für Kultuswesen der niederösterreichischen Statthalterei berufen und stand schließlich von 1899 bis 1909 dem Verwaltungsbezirk Mistelbach als Bezirkshauptmann vor.
Während seiner Amtszeit als Bezirkshauptmann von Mistelbach erfolgte die langwierige Planung und der Bau des Bezirkskrankenhauses (Eröffnung 1909), zu dessen Errichtung er neben seiner Tätigkeit als oberstes Verwaltungsorgan des Bezirks auch als Initiator und Obmann des 1901 gegründeten „Vereins zur Erbauung des öffentlichen Krankenhauses in Mistelbach“ tatkräftig, insbesondere als eifriger Spendensammler, beitrug.1107 1907 wurde im Rahmen eines Musikabends zugunsten des Krankenhausbaufonds ein von Heinrich Kosnapfl komponierter und dem Bezirkshauptmann gewidmeter „Freiherr von Norberg-Marsch“ uraufgeführt, der auch bei einem Wiener Verlag in Druck gelegt wurde, und dessen Verkaufserlös ebenfalls dem Krankenhausbau zugutekam.1108 Weiters war Bezirkshauptmann Klezl von Norberg von 1904 bis 1910 auch Obmann des landwirtschaftlichen Bezirksvereines Mistelbach1109 und wurde im Jahre 1904 zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach ernannt.1110 Als Bezirkshauptmann war er zugleich auch Vorsitzender des Bezirksschulrates und unterstützte die (leider lange vergeblichen) Bemühungen um die Errichtung einer Mittelschule in Mistelbach und gehörte dem Ausschuss des 1901 gegründeten „Vereins zur Gründung einer Mittelschule“ an.1111
Besuch von Erzherzog Leopold Salvator in der Pinselfabrik Mühl im Jahre 19061112: v.l.n.r.: Franz Mühl, der Adjutant des Erzherzogs, Erzherzog Leopold Salvator, Gemeinderat Josef Konrad Strasser, Firmengründer Ignaz Mühl sen., Ignaz Mühl jun., vermutlich die Gattin des Firmengründers oder eines seiner Söhne, Freiherr Klezl von Norberg (rotes X), Bgm. Thomas Freund
Wenige Wochen nach der Grundsteinlegung für den Krankenhausbau beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) am 16. September 1908 Dr. Klezl von Norberg für sein verdienstvolles Wirken als langjähriger Bezirkshauptmann und seinen Einsatz bei der Errichtung des Bezirkskrankenhauses zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach zu ernennen.1113 Neben Mistelbach verliehen ihm auch die Gemeinden Olgersdorf (1902), Eibesthal (1904) (Ehrenbürger der Katastralgemeinden) und Neudorf bei Staatz (1909) die Ehrenbürgerwürde.1114 Die Ehrenbürgerwürde von Eibesthal erhielt Bezirkshauptmann Dr. Klezl von Norberg insbesondere für die Unterstützung, die er dieser Gemeinde bzw. den durch die Brandkatastrophe des Jahres 1904 geschädigten Einwohnern zuteilwerden ließ.1115
1909 folgte sein allseits bedauerter Abschied aus Mistelbach, da Dr. Klezl von Norberg zu höheren Weihen in die niederösterreichische Statthalterei nach Wien berufen wurde. Die Mistelbacher Bevölkerung verabschiedete sich mit einem imposanten Fackelzug zu Ehren des populären Bezirkshauptmanns, der in ein großes Abschiedsfest im Gasthaus „Zum weißen Rössl“ überging und die Gemeinden des Bezirks würdigten seine Verdienste in einer gemeinsamen Dankadresse.1116 Zunächst als Statthaltereirat, und später als Hofrat hatte er von 1909 bis März 1918, dem Zeitpunkt seines Übertritts in den Ruhestand, die Leitung des Departments für Kultuswesen in der niederösterreichischen Statthalterei inne. Ende der 1920er Jahre verfasste er eine juristische Abhandlung zur umstrittenen „Dispensehe“, der Wiederverheiratung geschiedener Katholiken, einer nicht unbedeutenden Rechtsthematik in der Zeit vor Einführung der Zivilehe.1117
Der während und nach seiner Laufbahn mit zahlreichen Orden und Auszeichnungen dekorierte Beamte blieb zeit seines Lebens unverheiratet und kinderlos. Hofrat Freiherr Klezl von Norberg verstarb am 22. Dezember 1942 im Alter von 84 Jahren und wurde in der Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof bestattet.
Bildnachweis:
-) sämtliche Bilder: Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
Zum Bild des Besuchs von Erzherzog Leopold Salvator ist anzumerken, dass sich dieses im 1999 erschienenen Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch“ (S. 260) fälschlicherweise mit der Bildunterschrift „Besuch von Erzherzog Franz Salvator in der Pinselfabrik Mühl“ abgedruckt findet
Quellen:
-) Standesblatt des Präsidiums der niederösterreichischen Statthalterei zu Klezl von Norberg, K 2/02-0049, Niederösterreichisches Landesarchiv
-) Reichspost, 8. August 1928 (35. Jg. – Nr. 219), S. 4 (ONB: ANNO)

























































































