Grubenmühlstraße (Lanzendorf)

Entlang der Zaya existierten einst zahlreiche Mühlen und auf dem Gebiet der heutigen Großgemeinde Mistelbach befanden sich einige Getreidemühlen. Dazu zählte auch die Lanzendorfer Grubmühle die am Weg nach Ebendorf gelegen war und von der sich der heutige Name dieser Straße ableitet.

Westlich von Lanzendorf (vor der „Schiffermühle“) teilte sich die Zaya in zwei Flussarme: den Gießbach und den Mühlbach. Diese beiden nebeneinander verlaufenden Arme der Zaya vereinigten sich hinter der Ebendorfer Rohrmühle wieder in ein Bachbett, waren jedoch auf der Strecke des zweigeteilten Verlaufs immer wieder durch Kanäle miteinander verbunden. Heute verläuft die Zaya im Bachbett des einstigen Gießbachs und während der Mühlbach-Seitenarm im Gebiet der Katastralgemeinde Lanzendorf trockengelegt wurde, besteht dieser in Ebendorf bis heute und zweigt nunmehr unmittelbar nach der Misteleinmündung ab. Entlang dem heute nicht mehr existenten Lanzendorfer Teil des Mühlbachs, an der Adresse Grubenmühlstraße Nr. 29/31/31a-b (schräg vis-a-vis vom ehemaligen Gelände der Winzergenossenschaft), befand sich die Grubmühle.1 Die älteste urkundliche Erwähnung dieser Mühle findet sich in einem Urbar der Herrschaft Wilfersdorf und reicht zurück bis ins Jahr 1395. Aus einer Auflistung der Besitzer und Pächter der Grubmühle, erstellt von Hans Spreitzer, geht hervor, dass sich die Mühle auch immer wieder im Besitz von wohlhabenden Mistelbacher Bürgern befand und es dürfte sich um die „Hausmühle“ der liechtensteinischen Marktgemeinde Mistelbach gehandelt haben.2

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde ein Wirtshaus nahe der Mühle errichtet, schließlich galt es für die Kunden der Mühle häufig Wartezeiten zu überbrücken. Doch auch Prostitution soll hier ausgeübt worden sein, zumindest laut den Schilderungen eines in den 1980er Jahren erschienen Buches über die Weinviertler Mühlen.3 Eine Angabe konkreter Quellen zu diesem „Nebengewerbe“ fehlt zwar in der Publikation, allerdings tauchen Mühlen, wohl auch aufgrund ihrer meist abgeschiedenen Lage, bis in die Antike zurückreichend immer wieder als Orte auf in deren Umgebung Prostitution ausgeübt wurde und allgemein galt der Berufsstand der Müller in früherer Zeit oft als anrüchig und ehrlos.4 Laut Mitscha-Märheim gehörte das sogenannte „Öhrlwirtshaus“ oder „Lamplwirtshaus“ im Gegensatz zu anderen (jüngeren) Darstellungen zunächst nicht zur Mühle, sondern war vom damaligen Besitzer der Herrschaft Ebendorf 1726 erbaut worden.5 Auch Spreitzer erwähnt es in seinem Beitrag zur Mühle nicht und somit dürfte außer der Nachbarschaft und gemeinsamer Kundschaft zunächst keine weitere Verbindung zwischen Mühle und Wirtshaus bestanden haben. 1815 kam die Mühle in den Besitz der Zayamühlen-Dynastie Binder (ihr gehörten auch die nachfolgend gelegene Schloßmühle und Rohrmühle) und 1826 erwarb der Müllermeister Johann Binder auch das Wirtshaus, dass er verpachtete. Das Wirtshaus hatte sich im Laufe der Jahre jedoch zu einem Treffpunkt von Kriminellen entwickelt und hier wurde auch mit aus der Mühle gestohlenen Erzeugnissen gehandelt. Durch diese für Geschäft und Ruf abträgliche Entwicklung sah sich Binder genötigt das Wirtshaus (vermutlich in den 1840er Jahren) abzureißen. 1874 übernahm Rupert Fürnkranz, ein Vertreter der Asparner Müllerdynastie Fürnkranz, die Mühle und nachdem er sie bereits 1885 offenbar erfolglos zum Verkauf angeboten hatte6, erwarb 1887 der Ebendorfer Gutsbesitzer Dr. Josef Ritter Mitscha von Märheim die Grubmühle. Dieser Kauf scheint strategischer Natur gewesen zu sein, denn Mitscha von Märheim ließ den Mahlbetrieb wenig später einstellen. Schließlich war er bereits zuvor in den Besitz der Schloßmühle gelangt und durch die Stilllegung der Grubmühle konnte ein Konkurrenzbetrieb in unmittelbarer Umgebung ausgeschalten werden und durch den Erwerb des mit der vorgelagerten Mühle verbundenen Wasserrechts war auch eine bessere Nutzung der Wasserkraft in der Schloßmühle möglich.

Der nunmehr Grubenhof genannte Gebäudekomplex wurde fortan zur Unterbringung von Saisonarbeitskräften der Gutsverwaltung des Schlosses Ebendorf genutzt und war zuletzt dem Verfall preisgegeben. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts dürfte das Mühlgebäude schließlich abgetragen worden sein und auf dem Gelände wurden später zwei Einfamilienhäuser errichtet. Übrig blieb als einziger Teil des Mühlensembles ein altes rückwärtig gelegenes einstöckiges Wohnhaus, dass jedoch in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre der Errichtung einer Wohnhausanlage weichen musste.

Zur Mühle gehörten einst Wohn- und Wirtschaftsgebäude (Stadel, Ställe, Keller), ein Teich und mehrere in einem Haus untergebrachte Fischtanks, Gärten, Wiesen und Äcker.7 Fotos der Grubmühle sind nicht überliefert, nachfolgend daher eine Darstellung der Grubmühle und der dazugehörigen Anlagen auf dem franzeischen Kataster aus dem Jahre 1821:

Auf der obenstehenden Abbildung sind der u-förmige Mühlhof (Nr. 1), das bis vor kurzem bestandene Wohngebäude (Nr. 2), die Gärten (Nr. 3) und der Teich (Nr. 4) zu erkennen. Die letztgenannten Einrichtungen (2-4) befanden sich auf einer Art Insel, da der rechte Seitenarm der Zaya knapp 200 Meter oberhalb der Grubmühle nochmals geteilt wurde. Der untere gerade und künstlich angelegte Bachlauf führte unter der Mühle hindurch und trieb das Mühlrad an, während der obere eigentliche, natürliche Bachlauf als Umlaufgerinne diente. Da das oben erwähnte Wirtshaus auf dieser Darstellung nicht erkennbar ist, stellt sich die Frage, ob dieses zuletzt vielleicht in den Gebäudekomplex des Mühlhofes integriert war.

Der Weg zwischen Lanzendorf und Ebendorf hatte abgesehen von der Verbindung dieser beiden Orte keine übergeordnete verkehrstechnische Bedeutung und war daher bis Ende des 19. Jahrhunderts kaum ausgebaut. Somit war die Grubmühle insbesondere mit Fuhrwerk einst nur von Lanzendorf aus erreichbar. Vor der Errichtung der Ebendorfer Schule besuchten die Ebendorfer Kinder die Schule in Lanzendorf und der schlechte Zustand dieses als Feldweges, der aufgrund der nahegelegenen Au oft sumpfig war und von dem man insbesondere im Winter leicht abkommen konnte, war ein Grund für die Errichtung einer eigenen Schule. Nachdem Mitscha von Märheim die Ebendorfer Schule 1880 auf eigene Kosten errichtet hatte, ließ er schließlich 1886 den Weg nach Lanzendorf befahrbar ausbauen und wandelte die umliegende Au in eine Parkanlage mit mehreren Teichen um.8 Obzwar die namensstiftende Mühle stets „Grubmühl“ hieß, wurde im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Lanzendorf der an ihrem einstigen Standort vorbeiführende Verbindungsstraße nach Ebendorf mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 27. Juni 1979 der Name „Grubenmühlstraße“ gegeben.9

Wo befindet sich die Grubenmühlstraße?

 

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Der „Rubensdiebstahl“ von Mistelbach

„Der Rubens von Mistelbach geraubt“ lautete eine Überschrift in der katholisch-konservativen Tageszeitung Reichspost vom 30. September 1922 und auch andere Blätter berichteten Ende September/Anfang Oktober 1922 zumindest in Randnotizen über den Diebstahl eines Gemäldes des Heiligen Sebastian aus der Mistelbacher Pfarrkirche.1 Dabei soll es sich um ein Werk des flämischen Meisters Peter Paul Rubens oder zumindest eines seiner frühen Schüler gehandelt haben. Die Einschätzung, dass es sich um ein Werk Rubens gehandelt habe basiert auf einer Notiz in der Pfarrchronik aus dem Jahr 1852 die vom damaligen Barnabiten-Propst Don Anton Maria Pfeiffer stammt. Pfeiffer soll ein Kunstkenner gewesen sein und die Eintragung steht in Zusammenhang mit der in diesem Jahr erfolgten Neugestaltung der Sebastianikapelle (Seitenaltar im linken Kirchenschiff) und bei dem gegenständlichen Kunstwerk handelte es sich um das Altarbild dieser Kapelle. 1914 wurde die Sebastianikapelle abermals renoviert und der akad. Maler Prof. Josef Reich wurde mit der Restaurierung des Gemäldes des hl. Sebastians betraut. Laut seiner fachkundigen Einschätzung soll es sich bei dem Bild hingegen um ein Werk von Tizian, Rubens großem Vorbild, gehandelt haben.2 Somit bleibt die Urheberschaft des Werks ungeklärt. Faktum ist allerdings, dass es sich um ein Werk von außergewöhnlichem künstlerischen (und damit wohl auch finanziellem) Wert gehandelt haben dürfte. Wie und wann das Bild in den Besitz der Pfarre kam, dazu ist nichts überliefert. Der namentlich nicht genannte Autor des oben bereits erwähnten Reichspost-Artikels vermutete eine Stiftung durch die Fürstenfamilie Liechtenstein und konstruierte auch eine Verbindung mit der einst dem heiligen Sebastian geweiht gewesenen Gruftkapelle, die bis 1784 zwischen der Pfarrkirche und der Katharinenkapelle (Karner) stand. Die Gruftkapelle, die unter der vermutlich ursprünglichen, im romanischen Stile erbauten, Pfarrkirche lag, war dem heiligen Sebastian geweiht, und erlangte Mitte des 18. Jahrhunderts als Ziel von Wallfahrten aufgrund einer wundertätigen Marienstatue unter dem Namen „Maria in der Gstetten“ (oder auch Maria in der Gruft) letztmalig Ruhm ehe sie den Reformen von Kaiser Josef II. zum Opfer fiel und abgetragen wurde. Ob das Bild einst tatsächlich in der Gruftkapelle hing bzw. ein Zusammenhang mit dem ebenfalls Ende des 15. Jahrhunderts vom Mistelbacher Marktrichter Schrembs gestifteten und für einige Jahrhunderte bestehenden Sebastiani-Benefizium existierte, kann nicht mehr geklärt werden.3

Der Diebstahl dürfte sich am Sonntag, den 17. September 1922, und zwar in den Nachmittagsstunden bzw. der Nacht dieses Tages ereignet haben. Es wurde vermutet, dass der oder die Täter sich versteckt in der Kirche einsperren ließen, um so ihre Missetat ungestört begehen zu können. Mit einem Messer wurde das Bild aus dem Rahmen geschnitten, wobei zunächst offenbar versucht wurde das gesamte Bild aus dem Rahmen zu schneiden, letztlich beschränkten die Kunstdiebe sich dann jedoch auf die Abbildung des Heiligen und ein an den Ecken abgerundeter Abschnitt im oberen Bereich des Bildes blieb im Rahmen zurück. Darauf ist ein Engel zu sehen der dem Heiligen Kranz und Palmzweig – zwei ikonographische Attribute von Märtyrern – überreichte.

Der klägliche Rest vom „Mistelbacher Rubens-Bild“Der klägliche Rest vom „Mistelbacher Rubens-Bild“

Die Täter entkamen schließlich mithilfe einer in der Kirche befindlichen Leiter auf die Kanzel und gelangten von hier durch das Aufbrechen einer  Türe in den Kirchenturm. Im Zuge des Messeläutens am nächsten Morgen entkamen sie offenbar unentdeckt ins Freie.4 Aufgrund der versteckten Lage in einem Seitenaltar wurde der Diebstahl erst eine Woche später durch Kirchenbesucher bemerkt und dies erklärt auch die Verzögerung mit der diese Nachricht in die Zeitungen gelangte. Den Tätern wird Fachkenntnis attestiert, da sie sich ganz gezielt diesem etwas versteckten, und auf den ersten Blick eher unscheinbaren Gemälde widmeten und andere wertvolle Gegenstände in der Kirche unberührt ließen. Aus diesem Grund wurde auch gemutmaßt, dass es sich um organisierten Kunstraub mit Verbindungen in den Kunsthandel gehandelt haben könnte.

Die Tat konnte nie aufgeklärt werden, und ebenso wie die Urheberschaft des Werks bleibt auch die Frage weshalb der oder die Täter letztlich nicht das gesamte Bild aus dem Rahmen schnitten bis heute unbeantwortet.

Zwecks Veranschaulichung, nachfolgend Darstellungen des heiligen Sebastian von den beiden oben erwähnten Meistern in bedeutenden Kunstsammlungen:

wikipedia/wiki-commons (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Sebastian-rubens.jpg)Peter Paul Rubens: St. Sebastian (Gemäldegalerie Berlin)

 

Tizian: St. Sebastian (Eremitage St. Petersburg)

Bildnachweis:
Rest des „Mistelbacher Rubens“: zur Verfügung gestellt von Frau Christa Jakob
wikipedia/wiki-commons (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Sebastian-rubens.jpg)
wikipedia/wiki-commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Titian_sebastian.jpg)

Quellen:

 

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Wedragasse (Eibesthal)

Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Eibesthal beschloss der Mistelbacher Gemeinderat mit Beschluss vom 18. März 1983 die zur ehemaligen Wedra-Villa führende Zufahrtsstraße nach deren einstigen Besitzer Rudolf Wedra – Eibesthaler Oberlehrer, Begründer der Passionsspiele und später Reichsratsabgeordneter – zu benennen.

Wo befindet sich die Wedragasse?

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Brunauer-Dabernig, Dr. Anton

Erzbischöflicher Konsistorialrat Dr. Anton Brunauer-Dabernig

* 21.4.1891, Lochen (Bezirk Braunau)Dr. Anton Brunauer-Dabernig Ende der 1960er Jahre
† 8.4.1973, Eibesthal

Anton Brunauer-Dabernig wurde als Sohn des Kaufmanns und Uhrmachers Anton Braunauer-Dabernig senior und dessen Gattin Elisabeth, geb. Stadler, in Lochen im oberösterreichischen Innviertel geboren.1 Der Doppelname stammt von seinem Vater, der als uneheliches Kind geboren wurde und später wurde dem Nachnamen der ledigen Mutter der Name seines Adoptivvaters vorangestellt. Beim Gebrauch des Namens schwankte sein Sohn je nach Kontext und Zeit zwischen der vollständigen Form und der Kurzvariante „Brunauer“. Um Verwirrungen zu vermeiden wird in diesem Beitrag stets der vollständige Name verwendet. Im Alter von zwölf Jahren verlor er seinen Vater der schon seit längerer Zeit an Tuberkulose litt.2 Der Tod des Ernährers der Familie bedeutete zweifellos eine schwierige wirtschaftliche Lage für die hinterbliebene Witwe, die bald darauf das Haus der Familie verkaufte, um für sich, ihren Sohn Anton und dessen fünf jüngere Schwestern das Auslangen zu finden. Mit Beginn des Schuljahres 1904/05, also im Alter von bereits 13 Jahren, trat Brunauer-Dabernig als Zögling in das Knabenseminar Kollegium Petrinum in Linz-Urfahr ein und besuchte das dort bestehende bischöfliche Privatgymnasium.3 Nach dem Absolvieren der acht Jahrgänge dieser Schule legte er hier Anfang Juli 1912 die Reifeprüfung erfolgreich ab4 und trat im Anschluss daran in den „Franziskaner“-Orden (Orden der minderen Brüder) ein.5

Er wählte den Ordensnamen „Bernardin“, zog in das Haus des Ordens in Salzburg und studierte an der dortigen theologischen Fakultät aus der knapp 50 Jahre später die Universität Salzburg hervorgehen sollte. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Theologiestudiums empfing Brunauer-Dabernig am 3. September 1916 in Salzburg das Sakrament der Priesterweihe und feierte fünf Tage später die Primiz in seinem Heimatort Lochen.6 Als Geistlicher war er vom Militärdienst im damals herrschenden Ersten Weltkrieg befreit, und ab dem Sommer 1918 scheint er im Innsbrucker Ordenskloster als Lehramtskandidat auf und schloss ein entsprechendes Studium an der Innsbrucker Universität im Jahre 1923 mit der Promotion zum Dr.phil. ab.7 Auch in Rom soll Brunauer-Dabernig einige Zeit wissenschaftlich gearbeitet haben, allerdings sind die Quellen hierzu uneindeutig. Laut einem Nachruf in der Wiener Kirchenzeitung soll er in Rom auch studiert haben8, anderen Angaben zufolge einige Zeit an einem vatikanischen Institut tätig gewesen sein9. Sofern diese Informationen zutreffend sind, dürfte dies zeitlich in die Zeit seines Doktoratstudiums zu verorten sein. Nach dem Abschluss seiner Studien blieb er bis etwa 1925 in Innsbruck, wobei er immer wieder verschiedene Aufgaben im Gebiet der Ordensprovinz (Tirol-Salzburg), bspw. in der Volksmission, übernahm.10 Nach seiner Rückkehr in die Stadt Salzburg ab etwa 1925 wirkte Brunauer-Dabernig in der Arbeiterseelsorge, als Diözesan-Präses der Kolping-Familie und als Lektor an der theologischen Fakultät und er wurde als begabter Prediger auch über die Grenzen seiner Ordensprovinz hinaus geschätzt.11

Anfang des Jahres 1928 wurde Dr. Brunauer-Dabernig von Kardinal Piffl zum Generaldirektor des „Katholischen Schulvereins für Österreich“ und damit nach Wien berufen.12 Zweck dieser Organisation war es Einfluss auf die Schulpolitik im Sinne der Kirche zu nehmen und außerdem fungierte der Verein als Trägergesellschaft katholischer Privatschulen. Er lebte fortan im Konvent des Ordens am Franziskanerplatz in der Wiener Innenstadt13 und wurde 1930 auch als Notar an das erzbischöfliche Diözesangericht berufen.14 Im November des Jahres 1931 erkrankte er schwer und musste sich mehreren Operationen an Blinddarm und Galle unterziehen15, doch Brunauer-Dabernig, der am Krankenbett auch vom Kardinal besucht wurde16, erholte sich bald darauf wieder.

Im Herbst des Jahres 1934 trat Dr. Brunauer-Dabernig aus nicht überlieferten Gründen nach mehr als 20 Jahren aus dem Franziskaner-Orden aus und wurde nunmehr als Weltgeistlicher in die Erzdiözese Wien aufgenommen.17 Er bekleidete weiterhin das Amt des Generaldirektors des katholischen Schulvereins bis dessen Aufgaben im Frühjahr des Jahres 1936 auf andere Organisationen übertragen wurden und der Verein seine Tätigkeit einstellte.18 Im Anschluss wurde Dr. Brunauer-Dabernig für wenige Wochen als Kooperator in die Pfarre Pillichsdorf entsandt19, bevor er in selber Funktion in die Pfarre St. Johann von Nepomuk in Wien-Leopoldstadt wechselte.20 Mit 1. Juli 1939 wurde er zum Lokalprovisor in Eibesthal berufen21 und mit 1. Februar 1940 schließlich zum Pfarrer von Eibesthal investiert22. Noch 1937 scheint er weiterhin als Notar, zuletzt mit dem Titel eines erzbischöflichen Gerichtsrats, beim Diözesangericht auf, doch wohl spätestens mit dem Wechsel nach Eibesthal dürfte diese Tätigkeit geendet haben.23

Schwere Not brachten die Kriegstage im April des Jahres 1945 mit sich als heftige Kämpfe in und um Eibesthal wüteten. Es gelang Pfarrer Brunauer-Dabernig gerade noch rechtzeitig das Allerheiligste aus der Pfarrkirche zu retten, ehe diese schwer durch den Beschuss von Stalinorgeln getroffen wurde und später völlig ausbrannte bzw. einstürzte (siehe hierzu den Beitrag Alte Pfarrkirche von Eibesthal). Mutig nahm er in dieser Zeit seine Pflichten als Seelsorger wahr und leistete sterbenden Soldaten Beistand, spendete den Verzweifelten und Verängstigten Trost und setzte sich in der Folge auch gegen die Gewalt und Willkür der sowjetischen Truppen gegenüber der Bevölkerung ein.24

1967: Dr. Brunauer-Dabernig (Bildmitte) bei der Weihe des Eibesthaler Heimkehrerdenkmals1967: Dr. Brunauer-Dabernig (Bildmitte) bei der Weihe des Eibesthaler Heimkehrerdenkmals

Im Zuge der Kämpfe um Eibesthal im Frühjahr 1945 spendete Dr. Brunauer-Dabernig einem sterbenden italienischen Soldaten das Sterbesakrament und die von ihm getragene  Stola wurde dabei mit dem Blut des Soldaten getränkt. Er bewahrte diese zur Erinnerung an die Schrecken des Krieges auf und trug sie bei der obenstehend abgebildeten Einweihung des Gedenksteins der Heimkehrer aus den beiden Weltkriegen im Jahre 1967.25

Nachdem wie bereits oben erwähnt die Eibesthaler Pfarrkirche im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde, bedeutete der Wiederaufbau des Pfarrlebens in Ermangelung eines Gotteshauses natürlich eine besondere Herausforderung und verschiedene Räumlichkeiten mussten als Übergangslösungen dienen. Demgemäß wurde der Neubau der Pfarrkirche bald in Angriff genommen und während der gebürtige Eibesthaler Prälat Fried der große Gönner, Förderer und Initiator des Kirchenneubaus war, war Dr. Brunauer-Dabernig der stille Arbeiter und Organisator dieses gewaltigen Projekts, dass nach einiger Verzögerung aufgrund von Baustoffmangel schließlich im Jahre 1951 fesrtiggestellt konnte.26

In den 1950er und 1960er Jahren bekleidete er auf Ebene des Dekanats Wilfersdorf das Amt des Dekanatskämmerers und unterstützte in dieser Funktion den Dechant bei der kirchlichen Vermögensverwaltung.27 Für sein langjähriges Wirken und seine Verdienste um die Gemeinde wurde Dr. Brunauer-Dabernig mit Beschluss des Eibesthaler Gemeinderats vom 1. September 1951 zum Ehrenbürger ernannt.28 Dass die Gemeinden früher nicht immer den Überblick über die von Ihnen vergebenen Ehrungen hatten, zeigt ein Gemeinderatsbeschluss vom 7. September 1971 der Dr. Brunauer-Dabernig aus Anlass seines bevorstehenden 80. Geburtstags die Ehrenbürgerschaft verlieh, vorbehaltlich dessen, dass ihm selbiges nicht schon bereits verliehen worden war.29 Auch mit zahlreichen kirchlichen Ehrentiteln wurden Brunauer-Dabernigs Verdienste gewürdigt: so dürfte er früh (bereits während seiner Zeit in Wien) zum Ehrenkanonikus ernannt worden sein und 1966 wurde ihm für das nach 1945 aufgebaute und als mustergültig geltende aktive Pfarrleben in Eibesthal seitens der Diözese der Titel eines erzbischöflichen Konsistorialrates verliehen.30

1971: Pfarrer Dr. Brunauer-Dabernig gratuliert Bürgermeister Josef Strobl zu dessen 50. Geburtstag1971: Pfarrer Dr. Brunauer-Dabernig gratuliert Bürgermeister Josef Strobl zu dessen 50. Geburtstag

Dr. Brunauer-Dabernig war begeisterter Sammler (Briefmarken, Flaschen und Bücher) und auch das Holzschnitzen zählte zu seinen Leidenschaften. An der Fassade des Pfarrkellers ist heute noch eine von ihm geschnitzte Marienstatute zu sehen und auch Brautpaaren die er traute, schenkte er solche von ihm geschaffenen Statuen.31
Bis zu seinem Tod, und damit knapp 44 Jahre lang, wirkte er trotzdem er schon seit einiger Zeit unter gesundheitlichen Problemen litt unermüdlich als Pfarrer von Eibesthal, und prägte den Ort und dessen Bevölkerung nicht nur durch die den Neubau der Pfarrkirche nachhaltig.32 Die letzten Wochen bereits schwer leidend verstarb Dr. Anton Brunauer-Dabernig um die Mittagszeit des 8. April 1973 im 82. Lebensjahr und wurde am 12. April im Priestergrab auf dem Eibesthaler Friedhof unter großer Anteilnahme – es dürfte eine der größten Beerdigungen in der Geschichte von Eibesthal gewesen sein – beigesetzt.

1973: Dr. Brunauer-Dabernigs sterbliche Überreste auf dem Weg zur Beisetzung im Priestergrab auf dem Eibesthaler Friedhof1973: Dr. Brunauer-Dabernigs sterbliche Überreste auf dem Weg zur Beisetzung im Priestergrab auf dem Eibesthaler Friedhof

Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Eibesthal fasste der Mistelbacher Gemeinderat am 18. März 1983 den Beschluss einer neben der von ihm geschaffenen Eibesthaler Pfarrkirche verlaufenden Gasse den Namen (Dr.-)Brunauer-Gasse zu geben.

 

Wo befindet sich die Dr.-Brunauer-Gasse?

 

Bildnachweise:
sämtliche Fotos: Wilhelm Mliko – Stadtmuseumsarchiv Mistelbach

Quellen:

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Roller, Felix

Gemeinderat Ökonomierat Felix Roller

* 18.6.1871, MistelbachFelix Roller im Jahre 1905
† 8.8.1957, Mistelbach

Felix Roller wurde als Sohn des Webermeisters Felix Roller sen. und dessen Gattin Franziska, geb. Brožek, in Mistelbach geboren.1 Seine Eltern stammten aus Böhmen und sein Vater hatte sich 1852 als Webermeister in Ebendorf niedergelassen. 1857 erwarb Roller senior das Haus Hauptplatz Nr. 9 und verlegte Wohnsitz und Betrieb an diese Adresse.2 Vorausblickend dürfte er die Entwicklungen in der Handweberei, die sich durch die zunehmende Industrialisierung im Niedergang befand, erkannt haben und diversifizierte seine Geschäftstätigkeit indem er 1875 zusätzlich in den Weinhandel einstieg. Als Felix Roller elf Jahre alt war, verlor er seine Mutter, die an Komplikationen bei der Geburt seines jüngsten Bruders Franz verstarb, und gemeinsam mit seinen älteren Geschwistern kümmerte er sich um die jüngeren Geschwister und insbesondere die Betreuung und Erziehung des jüngsten Bruders bewerkstelligten die Geschwister gemeinsam. Zusammen mit drei Brüdern und drei Schwestern, unter denen es allerdings große Altersunterschiede gab, wuchs er in Mistelbach auf und erlernte später das Weberhandwerk im väterlichen Betrieb. Als er das Familienunternehmen bestehend aus Weberei und Weinhandel 1895 übernahm, dürfte letzterer bereits die wesentlich bedeutendere Rolle gespielt haben. Nichtsdestotrotz wird er in den Taufbucheinträgen seiner Töchter, zuletzt im Jahr 1900, als Webermeister angeführt.3 Bald darauf dürfte er den Geschäftszweig der handwerklichen Weberei, dessen ganze Branche bereits im Verschwinden begriffen war, an den in Mistelbach ansässigen Tuchmachermeister Emanuel Kallina verkauft haben, denn bereits im Österreichischen Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe des Jahres 1903 (bzw. 1908) scheint dieser als einziger Weber in Mistelbach auf und Roller wird ausschließlich als Weinhändler erwähnt.4

Am 15. September 1895 heiratete er die Landwirtstochter Maria Trestler (1876-1941) in Mistelbach und dieser Ehe entstammten zwei Töchter.5

Die Familie Roller (Felix Roller samt Gattin Marie und den Töchtern Therese und Maria Hilda) in den ihr gehörigen Weingärten oberhalb der Liechtensteinstraße (etwa im Bereich des heutigen Krankenhauszubaus)Die Familie Roller (Felix Roller samt Gattin Marie und den Töchtern Therese und Maria) in den ihr gehörigen Weingärten oberhalb der Liechtensteinstraße (etwa im Bereich des heutigen Krankenhauszubaus)

Die weitläufigen Weingärten der Familie Roller am Kirchenberg wurden um 1910 sogar auf Ansichtskarten verewigt.Die weitläufigen Weingärten der Familie Roller am Kirchenberg wurden um 1910 sogar auf Ansichtskarten verewigt.

Das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Roller an der Adresse Hauptplatz Nr. 9 (heute: Schuhhaus Artner) etwa 1938/39 während einer NS-FeierDas Wohn- und Geschäftshaus der Familie Roller an der Adresse Hauptplatz Nr. 9 (heute: Schuhhaus Artner) etwa 1938/39 während einer NS-Feier

Nachdem schon Rollers Vater dem Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) im Zeitraum 1888 bis 1894 angehörte, wurde auch Roller selbst im Jahre 1900 als Gemeindebeirat („einfaches“ Mitglied des Gemeindeausschusses) in den Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) gewählt.6 In der Zeit vor der Republiksgründung wurden bei Wahlen stets Personen gewählt und nicht etwa Parteilisten, sodass Parteien im heutigen Verständnis insbesondere auf Gemeindeebene eine eher untergeordnete Rolle spielten. Eine gesonderte Kandidatur war nicht notwendig, denn wer die damals im Wesentlichen an die Steuerleistung anknüpfende Voraussetzung für das aktive Wahlrecht erfüllte, konnte auch gewählt werden – ja musste so dies geschah die Wahl auch tatsächlich annehmen, sofern nicht Ausnahmegründe geltend gemacht werden konnten. Nichtsdestotrotz wirkten die großen politischen Strömungen auch bis auf die Ebene der Gemeindepolitik hinein und Wahlwerber mit ähnlichen ideologischen Ansichten und politischen Zielsetzungen bildeten mehr oder minder lose Zusammenschlüsse zum Zwecke gemeinsamer Wahlwerbung. Felix Roller gehörte zu den Deutsch-Nationalen, die damals mit Thomas Freund bereits seit zwei Jahren den Mistelbacher Bürgermeister stellten und sich auch bei der Wahl im Jahre 1900 gegen die Christlich-Sozialen und Liberalen mehrheitlich durchsetzen konnten.

Mit der Einführung des 4. Wahlkörpers in bestimmten, größeren Gemeinden in Niederösterreich vor der Gemeindeausschusswahl des Jahres 1905, wurde das (jedoch nach wie vor ungleiche) Wahlrecht nun auf weite Teile der männlichen Bevölkerung und somit auch auf die Arbeiterschaft ausgedehnt. Als Reaktion darauf traten in Mistelbach die deutsch-nationalen und christlich-sozialen Kandidaten als „Vereinigte Bürgerpartei“ gemeinsam auf, um beim erstmaligen Antreten von sozialdemokratischen Kandidaten kein Risiko einzugehen, und deren Einzug in den Gemeindeausschuss konnte ebenso wie jener der Liberalen erfolgreich verhindert werden. Als Vertreter der „Bürgerpartei“, die nach dem damaligen Bürgermeister auch „Freundpartei“ genannt wurde, wurde Roller nach dieser Wahl in den Gemeindevorstand gewählt und war als Gemeinderat (= heutiger Stadtrat) für die Leitung der für Schule und Unterricht zuständigen Sektion (=Ausschuss) verantwortlich.7 Darüber hinaus war er als Gemeindekämmerer bei der Haushaltsplanung involviert und bekleidete das Amt des Marktkommissärs, der seitens des Gemeindeausschusses auf die Einhaltung der Marktordnung während der Jahr- und Wochenmärkte zu achten hatte.8 Das Zweckbündnis zwischen Deutsch-Nationalen und Christlich-Sozialen bekam schon bei der Landtagswahl 1908 deutliche Risse und bei der Reichsratswahl 1911  bekämpften die beiden politischen Lager einander äußerst heftig. Die Deutsch-Freiheitlichen (die zu dieser Zeit in Mistelbach vorherrschende Strömung in der damals wie heute chronisch zersplitterten Deutsch-Nationalen-Bewegung) obsiegten nicht nur bei der Reichsratswahl mit ihrem Kandidaten Rudolf Wedra, sondern triumphierten auch bei der im selben Jahr abgehaltenen Gemeindeausschuss-Ergänzungswahl, bei der sie unter dem Namen „Wirtschafspartei“ antraten. Deren Kandidat Roller konnte nach Josef Dunkl, dem neugewählten Bürgermeister, die meisten Wählerstimmen auf sich vereinigen und wurde somit klar wiedergewählt.9 Auf Grund einer letztlich abgewiesenen Wahlanfechtung konnte die Konstituierung des Gemeindeausschusses erst mit zweimonatiger Verzögerung erfolgen, aber Anfang Dezember 1911 wurde Roller schließlich erneut in den Gemeindevorstand gewählt und leitete als Obmann fortan die Sektion (=Ausschuss) für Unterrichts-, Humanitäts- und Armenanstalten.10 Nachdem sich die Sparkasse Mistelbach im Eigentum der Stadt befand, war auch deren Leitung eng mit der politischen Führung der Gemeinde verknüpft und die Leitungsgremien wurden vom Gemeindeausschuss beschickt. Im Dezember 1911 wurde Roller in den Sparkassenausschuss entsandt und bei dessen konstituierender Sitzung auch in der Funktion des Kanzleivorstands in das fünfköpfige Direktorium dieser Institution gewählt.11 Turnusgemäß abzuhaltende Wahlen für alle Gebietskörperschaften fanden während des Ersten Weltkriegs nicht statt, doch als die sechsjährige Amtszeit des Sparkassenausschusses im Dezember des Jahres 1917 endete, kam es zu großen Unstimmigkeiten zwischen den Mitgliedern des Gemeindeausschusses betreffend die Neuwahl des Sparkassenausschusses und Roller, der zwar mit einer Stimme Mehrheit wiedergewählt wurde, verzichtete schließlich auf die Annahme dieses Amt.12

Zunächst waren die Mitglieder des Gemeindevorstandes (damals als Gemeinderäte bezeichnet = heutige Stadträte) von der Kriegsdienstleistung im Ersten Weltkrieg befreit, doch aufgrund der Fortdauer des Krieges und der damit einhergehenden Verluste wurden diese Ausnahmeregelungen sukzessive aufgehoben. 1915 wurde auch der Mistelbacher Bürgermeister und die Gemeinderäte gemustert und da Roller als tauglich befunden wurde und sein Enthebungsgesuch – zunächst – abgelehnt wurde, musste er zu Beginn des Jahres 1916 einrücken.13 Tatsächlich konnte er sich wenig später – wohl noch während der Ausbildungsphase – dem Militärdienst entziehen, ebenso wie auch der Rest des Gemeindevorstandes eine Einrückung trotz Tauglichkeit verhindern konnte. Diese Tatsache ist dadurch belegt, dass Roller (und seine Amtskollegen inkl. dem Bürgermeister) bei den bis Kriegsende folgenden Gemeindeausschusssitzungen stets als anwesend angeführt wurden. Nachdem Roller seit 1900 dem Gemeindeausschuss und seit 1905 als Gemeinderat dem Gemeindevorstand angehört hatte, legte er im Dezember 1918 seine Funktion als Gemeinderat zurück und im Februar 1919 schließlich sein Mandat im Gemeindeausschuss nieder.14 Hintergrund dieses Verzichts war ein Beschluss des Staatsrates der eben aus der Taufe gehobenen Republik, der vorsah, dass bereits vor den erst 1919 stattfindenden ersten allgemeinen und gleichen Wahlen Arbeitervertreter entsprechend ihrem Anteil an der Gemeindebevölkerung in Städten und Industrieorten in die Gemeindeausschüsse aufzunehmen waren, und es somit notwendig war Mandate „freizumachen“.15

Nach dem Ausscheiden aus seinen Funktionen im öffentlichen Leben konnte sich Roller voll und ganz auf seinen Betrieb konzentrieren und trotz der zunächst schwierigen Nachkriegsjahre konnte er rasch wieder an den Erfolg aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anknüpfen und sein Betrieb avancierte zum Weingroßhandel. Schon vor dem Krieg exportierte Roller Weine in viele Landesteile Österreich-Ungarns und auch ins Deutsche Reich und später konnte er an diese Exporterfolge nunmehr in den Nachfolgestaaten der Monarchie (zB Ungarn und Jugoslawien) anknüpfen. Von seinem großen wirtschaftlichen Erfolg zeugt auch die Tatsache, dass Roller ab den 1920er Jahren sukzessive alle verfügbaren Kellerflächen der Stadt anmietete bzw. ankaufte, darunter auch den großen Klosterkeller, und somit verfügte er in der Spitze über mehr als 600.000 Liter Lagerkapazität. Schon 1903 ließ Roller einen großen Keller („Presshauskeller“) in der Franz Josef-Straße Nr. 51 erbauen, der alleine rund 190.000 Liter Fassungsvermögen bot, und beim Anlegen einer für den Bau benötigten Kalkgrube wurde ein sensationeller archäologischer Siedlungsfund aus der mittleren Bronzezeit (1500 – 1300 v. Chr.) freigelegt, der in der Fachkreisen seither als „Rollerfund“ bekannt ist.16

Der von Roller Anfang des 20. Jahrhunderts in der Franz Josef-Straße errichtete große Weinkeller bei der Anlieferung eines neuen Fasses im Jahre 1925Der von Roller Anfang des 20. Jahrhunderts in der Franz Josef-Straße errichtete große Weinkeller bei der Anlieferung eines neuen Fasses im Jahre 1925. Die vor dem Fass abgebildeten Fassbinder mussten selbiges zerlegen und im Keller neu zusammensetzen.

ca. 1910: Roller im Kreise seiner Kellereiarbeiter im Hof des Kellers in der Franz Josef-Straße Nr. 51ca. 1910: Roller im Kreise seiner Mitarbeiter im Hof des Kellers in der Franz Josef-Straße Nr. 51

Roller war jedoch nicht nur Weinhändler, sondern auch selbst Landwirt und Weinbauer und als solcher gehörte er 1898 auch zu den Gründern der landwirtschaftlichen Genossenschaft Mistelbach, die im Jahr darauf ihr Lagerhaus am heutigen Standort eröffnete.  1917 hatten er und seine Gattin den Minichhof, einen landwirtschaftlichen Gutshof in der Gemeinde Haidershofen (Bez. Amstetten) nahe der Grenze zwischen Nieder- und Oberösterreich, erworben und bauten diesen zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb aus.17 Roller wurde aufgrund seiner Unterstützung der Gemeinde und Pfarre, unter anderem wohl beim Anschluss der Gemeinde an das Telefonnetz Mitte der 1920er, zum Ehrenbürger der Gemeinde Haidershofen ernannt.18 1951 veräußerte er diesen Besitz wieder. Im Jahre 1922 gründete er mit seinem Bruder Franz auch eine Firma zum Handel mit Brenn-, Schnitt- und Bauholz, wobei allerdings unklar ist, ob und wie lange dieses Unternehmen aktiv war.19 Im Sommer des Jahres 1935 wurde Roller, der auch in verschiedenen berufsständischen Fachgremien und -kommissionen tätig war, der Berufstitel Ökonomierat verliehen.

Oekonomierat Felix Roller im Jahre 1935Ökonomierat Felix Roller im Jahre 1935

Nachdem Rollers Gattin 1942 verstorben war, sollten ihn im April 1945 als der Zweite Weltkrieg kurz aber grausam im Weinviertel wütete noch weitere besonders tragische Schicksalsschläge ereilen. Unmittelbar nach der Eroberung Mistelbachs durch die Rote Armee, verübten deren Soldaten massenhaft Vergewaltigungen an der weiblichen Bevölkerung der Stadt, und aus Angst vor diesem Schicksal (oder nach dieser erlittenen Pein) flüchteten sich die beiden Töchter Rollers in den Selbstmord. Kurz darauf wurde Rollers Schwiegersohn Friedrich Haas, der Gesellschafter der Weinhandlung war und wohl auch zu Rollers Nachfolger als Firmenchef auserkoren war20, von den russischen Soldaten verhaftet und im Gasthaus Putz-Filippinetti festgehalten. Die Umstände seines wenig später folgenden Todes sind nicht ganz eindeutig – er soll hier Selbstmord durch Erhängen begangen haben. Die verscharrten sterblichen Überreste von Rollers Schwiegersohn wurden erst 1955 bei den Bauarbeiten zur Errichtung des Finanzamts, das zum Teil im Garten des oben erwähnten Gasthauses errichtet wurde, entdeckt.21 Zwar war Haas NSDAP-Mitglied, sogar bereits in der illegalen Zeit, doch lässt sich seine Verhaftung alleine durch die Parteimitgliedschaft nicht erklären, wie Beispiele anderer (teils hochrangiger) Nazis belegen. Der zweite verwitwete Schwiegersohn war der später noch lange Jahre in Mistelbach tätige Tierarzt Dr. Gottlieb. Neben der familiären Tragödie wurde in den Kriegstagen auch Rollers unternehmerische Existenz schwerst geschädigt, denn trotz des Krieges lagerten rund 2.900 Hektoliter Wein in seinen Kellern, die von den sowjetischen Soldaten geplündert wurden und vollständig deren Trunksucht und Zerstörungswut zum Opfer fielen. Auch hunderte Transportfässer wurden zerstört oder verschleppt. Während der Kampfhandlungen wurde außerdem der Wohn- und Geschäftssitz am Hauptplatz schwer beschädigt und als die Schäden ausgebessert waren, bezogen russische Offiziere darin Quartier und erst 1955 nach deren Abzug konnte Roller sein Haus wieder frei nutzen.22

Auch Rollers jüngster Bruder Franz zu dem er aus den eingangs geschilderten Umständen ein besonderes Verhältnis pflegte hatte während des Krieges bei einem Bombenangriff auf Wien seine Familie und die unternehmerische Existenz verloren und kehrte zu seinem Bruder nach Mistelbach zurück. Nach dem Krieg versuchten sie gemeinsam den Weinhandel wieder aufzubauen, doch von den im Krieg erlittenen Schäden konnte sich das Unternehmen nie mehr wirklich erholen.23 Felix Roller verstarb am 8. August 1957 an den Folgen eines Gehirnschlages und wurde in der Familiengruft auf dem Mistelbach Friedhof beigesetzt. Sein Bruder Franz Roller führte den Weinhandel noch bis zum Abschluss der Verlassenschaftsverhandlung und danach wurde das Unternehmen liquidiert.

Die Gruft der Familie Roller auf dem Mistelbacher FriedhofDie Gruft der Familie Roller auf dem Mistelbacher Friedhof

Auf Anregung von Franz Roller beschloss der Mistelbacher Gemeinderat 1958 den in der Nordostecke des Hauptplatzes gelegenen Verbindungsweg zwischen Oberhoferstraße und Mistelsteig nach dem im Jahr zuvor verstorbenen langjährigen Gemeindevertreter und Vorstandsmitglied der städtischen Sparkasse Felix Roller, Rollerweg zu benennen. Im Protokoll dieser Sitzung findet sich die Anmerkung, dass Roller sich durch die kostenlose Grundabtretung für die Errichtung dieses Weges große Verdienste erworben habe. Wie im Beitrag zum Rollerweg detailliert geschildert wird, bleibt ungeklärt in welcher Weise Roller konkret zur Wiedereröffnung dieses alten Verbindungswegs beitrug.

Wo befindet sich der Rollerweg?

 

Bildnachweise:
Portraitfotos: Stadt-Museumsarchiv Mistelbach
Fotos Weinkeller Franz Josef-Straße und Haus Hauptplatz Nr. 9: Göstl-Archiv
Familienfoto Roller: Eminger, Erwin: „Bei Schweiß und Mühe nur gedeih‘ ich recht …“ – Zeitbilder zur Geschichte des Weinbaus von 1900 bis 1970 aus dem östlichen Weinviertel (2000), S. 168
Grab: Thomas Kruspel 2018

Quellen:
-) Sonderbeilage des Mistelbacher Bote aus dem September 1935 aus Anlass 60 Jahre Weinkellerei Roller und 40jährigem Berufsjubiläum Felix Roller
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 4/1963, S. 4
-) Bayer, Franz/Spreitzer, Prof. Hans: Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (1964), S. 169f, 193 (Anm.: die Angabe zur Amtszeit von Roller sen. als Mitglied des Gemeindeausschussses ist nicht korrekt, dieser schied bereits 1894 aus der Gemeindevertretung aus – siehe: Bote aus Mistelbach, Nr. 50/1904, S. 3)
-) Eminger, Erwin: Felix Roller jun. – Vom Weber zum Weinhändler In: Heimat im Weinland, Band XV (2011), S. 40-42 (Eminger übernimmt die fehlerhaften Angaben zum Zeitpunkt der Übernahme des väterlichen Unternehmens bzw. des Verkaufs der Weberei aus dem weiter oben angeführten Bericht der Weinviertler Nachrichten).

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Ergebnis der Volksabstimmung über den EU-Beitritt Österreichs 1994

Am 12. Juni 1994 war die österreichische Bevölkerung dazu aufgerufen über eine Verfassungsänderung abzustimmen, die den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union ermöglichen sollte. Nachdem die vom Nationalrat bereits beschlossene Änderung der Verfassung durch die Volksabstimmung bestätigt wurde, erfolgte Österreichs Beitritt zur EU am 1. Jänner 1995. Nachfolgend das Ergebnis der Volksabstimmung in der Großgemeinde Mistelbach. Mit Ausnahme von Siebenhirten war damals in allen Katastralgemeinden eine klare Mehrheit für den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union.

abgegeb. Stimmen ungültig gültig JA-Stimmen % NEIN-Stimmen %
Mistelbach 3724 51 3673 2638 71,8% 1035 28,2%
Ebendorf 343 6 337 244 72,4% 93 27,6%
Eibesthal 506 7 499 276 55,3% 223 44,7%
Frättingsdorf 212 7 205 145 70,7% 60 29,3%
Hörersdorf 280 4 276 181 65,6% 124 33,6%
Hüttendorf 333 2 331 190 57,4% 141 42,6%
Kettlasbrunn 372 3 369 245 66,4% 124 33,6%
Lanzendorf 598 5 593 422 71,2% 171 28,8%
Paasdorf 447 11 436 280 64,2% 156 35,8%
Siebenhirten 294 5 289 140 48,4% 149 51,6%
Gesamt 7109 101 7008 4761 67,9% 2247 32,1%

Quelle:
Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 7/1994, S. 1

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Weiß, Theresia

Theresia Weiß

* 28.12.1917, Asparn a.d. Zaya
† 9.2.1977, Asparn a.d. Zaya

Theresia Weiß wurde 1917 als Tochter des ursprünglich aus Frättingsdorf stammenden Landwirte-Ehepaares Ferdinand und Theresia (geb. Fritz) Pichler in Asparn an der Zaya geboren.1 Gemeinsam mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder wuchs sie hier auf und absolvierte ihre Pflichtschulbildung. Später dürfte sie bis zu ihrer Verehelichung in der elterlichen Wirtschaft mitgearbeitet haben. Am 1. August 1943 schloss sie den Bund der Ehe mit dem aus Garmanns stammenden Lagerhausangestellten Alois Weiß (1914-1944) in Asparn.2 Zum Zeitpunkt der Eheschließung diente Weiß als Unteroffizier in der deutschen Wehrmacht und die Hochzeit erfolgte während eines Fronturlaubes. Schon wenige Monate nach der Trauung, im März 1944, fiel Weiß bei Kämpfen mit Partisanen in der Nähe des kroatischen Dorfs Krasno-Polje. Tief getroffen vom Tod ihres Mannes fasste sie den Entschluss ihr Leben in den Dienst der katholischen Kirche zu stellen.

Noch im Mai 1945, also unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs wurde in Wien die „Wiener Diözesanschule für Seelsorgehilfe und Caritas“ (später „Seminar für kirchliche Frauenberufe“ genannt) gegründet und erster Sitz dieser Schule war das Salesianerkloster am Wiener Rennweg. Im Oktober 1945 startete dort der erste Ausbildungsjahrgang zur Seelsorgehelferin (=Pastoralassistentin) und an diesem nahm Theresia Weiß teil.3 Die vier Semester dauernde Ausbildung bereitete die Teilnehmerinnen auf spätere Tätigkeiten im Bereich Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Sakramentspastoral, Religionsunterricht an Pflichtschulen und Caritasarbeit vor. Im Juni 1947 absolvierte sie die Abschlussprüfung vor der diözesanen Prüfungskommission erfolgreich und Kardinal Innitzer nahm ihr und den anderen Absolventinnen das Berufsversprechen ab bzw. erteilte ihnen den kirchlichen Sendungsauftrag. Das Berufsversprechen umfasste unter anderem die Verpflichtung zur Ehelosigkeit und zu mehrjähriger Dienstleistung an jenem Dienstort an den sie der Bischof hinschicken würde. Zunächst war Weiß als Jugendsekretärin für die Landjugend in der Diözesanführung in Wien tätig4 und zu ihren Aufgaben zählte unter anderem die Organisation von Kursen für die Katholische Jugend. Im Zuge der Betreuung von Führungskursen für Jungscharführerinnen im Bildungszentrum der Erzdiözese in Neuwaldegg kam es zu einer ersten Zusammenarbeit mit dem Priester Dr. Martin Stur. Eine Bekanntschaft die für ihr weiteres Lebens von prägender Bedeutung war. Weiß und Stur ergänzten einander sehr gut in ihren Arbeitsweisen, verfolgten die selben Ziele in ihrer Bildungsarbeit und vermochten die Jugend für ihre Ideen begeistern.5

Als Dr. Stur 1951 mit der Leitung des neu gegründeten  „Katholischen Volksbildungsheimes“ in Ulrichskirchen betraut wurde, begleitete Weiß ihn bei dieser neuen Aufgabe. Zwei Jahre später wurde das Volksbildungsheim schließlich nach Großrußbach verlegt. Getrennt nach Geschlechtern wurde die bäuerliche Jugend der Region in Kursen auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet und im katholischen Sinne weltanschaulich geprägt.6 Während Weiß in den Kursen für Burschen nur im Bereich „Bäuerliche Sachkultur“ unterrichte, umfasste ihre Vortragstätigkeit bei den Mädchen-Kursen weite Teile des Unterrichts. Die Mädchen sollten möglichst gut für ihre Aufgaben in Ehe & Familie bzw. die Arbeit am Bauernhof vorbereitet werden und wurden daher etwa in den Bereichen: Bauernkunde,  Haus- und Gartenarbeit, Kochen, Handarbeiten, Erziehung, Lebensgestaltung – aber auch in den Fächern Religiöse Bildung, Gesellschaftskunde, Brauchtum, Literarische Bildung und Heimatkunde unterrichtet. In bestimmten Fächern wie etwa Säuglings- und Krankenpflege, Schriftverekehr und Umgangsformen wurden externe Fachreferenten bzw. Lehrer aus der Umgebung beigezogen. Den jungen Mädchen sollte im Rahmen dieser Kurse Selbstbewusstsein und Kraft für die ihnen bevorstehenden Aufgaben mitgegeben werden und ihnen weiters ein positives Standesbewusstein in Bezug auf ihre bäuerliche Herkunft und deren Traditionen vermittelt werden.7 Besonderes Anliegen war Weiß die bereits oben erwähnte „bäuerliche Sachkultur“ – ein umfangreiches Themengebiet, dass von Dorfbild und Hausbau, über bäuerliche Handarbeiten, Alltags- und Festgestaltung bis hin zur Herstellung und Pflege von Bekleidung reichte. Unter diesem Titel veröffentliche sie auch ein Skriptum, dass 1957 seitens des Ministeriums ausgezeichnet wurde, und auf dem ihre praktisch orientierte und anschauliche Kulturvermittlung inhaltlich basierte.8

Doch war die Zusammenarbeit mit Dr. Stur nicht immer einfach, da er seine Mitarbeiter mit Pedanterie, Starrsinn und Kontrollzwang oft in den Wahnsinn treiben konnte. Nach dem ersten Kurs (damals noch in Ulrichskirchen) war Weiß nervlich  völlig überlastet, da es ihr nicht gelang den perfektionistischen Ansprüchen von Stur zu genügen und sie dies sehr belastete. Zur Behandlung unterzog sie sich einer Elektroshock-Therapie bei der ihr Arm jedoch irreparabel verletzt wurde.9 Es war allerdings keineswegs so, dass Weiß sich nicht auch durchzusetzen wusste und ob der jahrzehntelangen Zusammenarbeit entwicklte sie auch großen Einfluss auf Stur und sie fanden trotz mancher Gegensätze schließlich einen Weg für ein gedeihliches Miteinander.10

1964 legte Dr. Stur nach dreizehn Jahren die Leitung des Bildungshauses zurück und wurde Pfarrer in Paasdorf. Theresia Weiß – seine Haushälterin, treue Mitarbeiterin und Umsetzerin seiner Ideen – begleitete ihn auch an seinen neuen Dienstort und wirkte hier als Pastoralassistentin. Gerade bei der Tätigkeit als Pfarrer ist ein guter Zugang zu den Menschen in der Gemeinde wichtig, doch hierbei hatte Stur aufgrund seines distanzierten Wesens und eines gewissen Standesbewussteins als promovierter Akademiker, seine Schwierigkeiten. Schon in Großrußbach hatte sich Weiß mit ihrer volksnahen Art als Kontakt zu den Leuten und Umsetzerin seiner Ideen bewährt und diese Rolle übernahm sie nun auch in Paasdorf.11

Im Frühjahr 1966 gründete sich auf ihre und Dr. Sturs Initiative ein aus etwa 30 Personen bestehendes „Komitee zur Dorfverschönerung“, und dabei soll es sich um den ersten derartigen Zusammenschluss in einer ländlichen Gemeinde in Niederösterreich gehandelt haben. Das Komitee arbeitete unter tatkräftiger Beteiligung von Weiß sehr fleißig und in den folgenden Jahren konnte viele Ideen des Zweigespanns Stur und Weiß zur Hebung der Lebensqualität und Pflege der Dorfkultur in Paasdorf mustergültig umgesetzt werden: Parkanlagen (Brunnengarten), Schaffung von Gehsteigen im Ortsgebiet, Aufstellen von Sitzbänken, zahlreiche Baum- und Strauchpflanzungen, Baumpflanzung und Pflege des Cholerafriedhofs, Anlage von Spiel- und Sportplätzen, Renovierung von Marterln, die Revitalisierung des Kellerrundplatzes und dessen Nutzung als Veranstaltungsort (auch dies war eine Initiative von Stur und Weiß), etc. 12 Erst 1971 und damit sechs Jahre nach Beginn seiner Tätigkeit konstituierte sich die Dorfverschönerung in der Form eines Vereins und Theresia Weiß bekleidete ab diesem Zeitpunkt das Amt der Schriftührerin13 Auch bei der Organisation von Veranstaltungen, Vorträgen und Ausstellungen war sie stets führend beteiligt und wurde somit zu einer zentralen Figur im Gemeinschaftsleben in Paasdorf und prägte den Ort und seine Bevölkerung in den dreizehn Jahren ihres Wirkens nachhaltig. Zur Fortsetzung ihrer Bildungsarbeit gründete sie 1970 schließlich das Bildungswerk der Pfarre Paasdorf. Neben der sehr intensiven Arbeit in den Bereichen Dorfverschönerung und  Kulturvermittlung (u.a. bäuerliche Kultur & Traditionen) zählte auch die Betreuung der Jungschar zu den Aufgaben, die sie neben der Unterstützung für Pfarrer Stur, sehr eigenständig gestalten konnte.14

Theresia Weiß verstarb am 9. Februar 1977 und wurde 8 Tage später im Familiegrab auf dem Asparner Friedhof beigesetzt. 1980 widmete der Verschönerungsverein Paasdorf seiner Gründerin einen Gedenkstein und auch der 1999 errichtete Urbanusbildstock am alten Postweg wurde zur Erinnerung an Monsignore Dr. Stur und Frau Weiß errichtet15

Der Theresia Weiß gewidmete Gedenkstein im Park bei der Paasdorfer PfarrkircheDer Theresia Weiß gewidmete Gedenkstein im Park bei der Paasdorfer Pfarrkirche

Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 26. März 1998 wurde eine Straße in einem neu aufgeschlossenen Siedlungsgebiet zur Erinnerung an die Gründerin und führende Persönlichkeit des Dorfverschönerungsvereins  Theresia Weiß-Ring benannt.16 Ihr wurde damit die Ehre zuteil, die erste Frau zu sein nach der eine Verkehrsfläche in der Großgemeinde Mistelbach benannt wurde.

 

Wo befindet sich der Theresia Weiß-Ring?

 

Bildnachweis:

Portrait: Ausschnitt aus deinem Gruppenfoto der 2. Vollversammlung am 8. Mai 1957 im bäuerlichen Bildungshof Pöckstein – dankenswerterweise zur Verfüfung gestellt von Herrn Dir. Franz Knittelfelder (Bildungshaus Großrußbach)
Gedenkstein: Thomas Kruspel 2020

Quellen: 

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Kainz, Engelbert

Engelbert Kainz

* 28.6.1874, Siebenhirten
† 18.3.1954, Paasdorf

Engelbert Kainz wurde im Jahre 1874 als Sohn des Leopold Kainz und dessen Gattin Elisabeth, geb. Donner, in Siebenhirten geboren.1 Seine aus Paasdorf stammenden Eltern standen damals als Knecht und Magd bei Siebenhirtner Bauern im Dienst.2 Der Familienname Kainz scheint in Paasdorf ab dem Ende des 17. Jahrhunderts auf, doch entwickelten sich die Schicksale der Mitglieder dieser Familie im Laufe der Jahre und Jahrhunderte sehr unterschiedlich. Während etwa ein Teil der Familie zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Gemischtwarenhandlung führte, lebte und arbeitete der Familienzweig dem Engelbert Kainz entstammte stets in sehr bescheidenen Verhältnissen. Schon in jungen Jahren, spätestens 1879 wie durch die Geburt seines Bruders Ägydius belegt ist3, übersiedelte Engelbert Kainz mit seinen Eltern wieder zurück nach Paasdorf, wo er aufwuchs.

Am 24. Jänner 1899 ehelichte er die aus dem südmährischen Grusbach stammende, jedoch in Atzelsdorf als Dienstmagd beschäftigte, Maria Ertl (1874-1960) in der Paasdorfer Pfarrkirche. Kainz wird im Zeitpunkt der Eheschließung als Pferdeknecht der Gutsverwaltung des Grafen Skrbensky geführt.4 Der Ehe entstammte eine Tochter und im Zeitpunkt von deren Geburt im Jahre 1903 scheint er als „Kleinhäusler“ (= Landwirt mit nur geringem Grundbesitz) an der Adresse Paasdorf Nr. 28 (heute im Bereich der Schloßzeile) auf5 und auch im Jahre 1937 wird sein Berufsstand derart bezeichnet6.

Am Ersten Weltkrieg nahm Kainz als Soldat der 2. Feldkompanie im Landsturm-Infanterie-Regiment Nr. 23 teil, wie durch in der Zeitung veröffentlichte Grüße aus dem Felde belegt ist.7 Rund 30 Jahre engagierte sich Kainz als Kirchenvater, also als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Pfarre, der gemeinsam mit dem Pfarrer das Vermögen der Pfarre verwaltete. Aufgrund dieses jahrzehntelangen uneigennützigen Wirkens wurde ihm aus Anlass der Feier der Goldenen Hochzeit im Jahre 1949 vom Paasdorfer Gemeinderat die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde verliehen. Seitens der Pfarre wurde ihm aus diesem Anlass und eingedenk seiner Verdienste der Titel „Ehrenkirchenvater“ verliehen.8

Die letzten Jahre seines Lebens schwer an Rheuma leidend, verstarb Engelbert Kainz 1954 im 80. Lebensjahr und wurde auf dem Paasdorfer Ortsfriedhof bestattet.9

Die letzte Ruhestätte von Engelbert Kainz, seiner Gattin, Tochter und SchwiegersohnDie letzte Ruhestätte von Engelbert Kainz und seinen nächsten Angehörigen (Gattin, Tochter und Schwiegersohn) auf dem Paasdorfer Friedhof

Am 26. März 1998 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine Straße im an der Atzelsdorfer Straße gelegenen Siedlungsgebiet in Erinnerung an den Paasdorfer Ehrenbürger Kainzstraße zu benennen.

Wo befindet sich die Kainzstraße?

 

Bildnachweis:
Foto Grab der Familie Kainz – Thomas Kruspel (2022)

Quellen:

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Kainzstraße (Paasdorf)

Diese in einer Siedlung neu angelegte Straße wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderats vom 26. März 1998 nach dem Paasdorfer Ehrenbürger und langjährigen Kirchenvater (=ehrenamtlicher Verwalter des Vermögens der Pfarre) Engelbert Kainz benannt.

Wo befindet sich die Kainzstraße?

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Gewerbestand im Jahre 1879 in Mistelbach, Eibesthal und Paasdorf

Im Welt-Adressenbuch des Jahres 1879 herausgegeben von Meyer & Bilitz finden sich zu Mistelbach und seinen Katastralgemeinde nachfolgende Einträge zu den damals bestehenden Gewerbebetrieben. Es gilt zu beachten, dass diese Einträge zweifellos nicht vollständig sind und natürlich gab es damals auch in den nicht erwähnten Katastralgemeinden Gewerbebetriebe.

Mistelbach1

Advokaten: Dr. Ackermann Ferdinand
Dr. Schaschetzy Rudolf
Ärzte: Schläfrig Jonas
von Schluetenberg Innocenz
Anstreicher: Seitz Josef
Walzl
Apotheker: Lubovienski August (prot. Firma)
Badeanstalt: Actiengesellschaft
Bäcker: Binder J.
Edhofer J.
Nikl F.
Baumeister: Dunkl Josef
Binder: Cäsar Carl
Schäffer J.
Branntwein- und Liqueurerzeugung: Schwarz Johann
Buchbinder: Mölwinger Johann
Büchsenmacher: Binder Franz
Bürstenbinder: Mühl J.
Eisenhändler: Hackl Adalbert (prot. Firma)
Färber: Brenner Bernhard
Fleischhändler: Artner Franz
Koch A.
Reimann F.
Zugmann Lorenz
Friseur: Bauer Josef
Gärber: Strasser Josef
Gastwirte: Burgmann Johann
Eibl Johann
Hobersdorfer Julius
Jechtl Johann
Kainz Theresia
Koch Barbara
Medunn Franz
Putz Carl
Rabenseifner C.
Schnass Anton
Schodl Michael
Schreiber Andreas
Stankowitz Martin
Getreidehändler: Brünner J.
Glaser und Glashändler: Eibl Josef
Griesler: Faber Johann
Fally Ignaz
Fritz Michael
Hobersdorfer Leopold
Kreis J.
Meissl Josef
Pollak Wenzel
Rausch Anna
Schodl Franz
Schodl Johann
Stankowitz Martin
Trappel Philipp
Großgrundbesitz: Barnabiten-Collegium
Holzhändler: Eissler Josias & Söhne (prot. Firma)
Hobersdorfer Leopold
Kohn Jacob & Josef (prot. Firma)
Hufschmiede: Hobersdorfer
Kelza Anton
Hutmacher: Prohaska W.
Kaffeesieder: Jechtl J.
Kammmacher: Kramer J.
Kleiderhändler: Brener L. (auch Schneider)
Kürschner: Glisch J.
Kastner L.
Pegerisch J.
Kupferschmied: Schaden A.
Lebzelter und Wachszieher: Hafner F.
Lederhändler: Strasser Josef
Mehlhändler: Bauer Jacob
Brünner J.
Messerschmied: Dworzak W.
Modewaren: Czinglar Franz (prot. Firma)
Möbelhändler: Steiner Bernhard
Notar: Kipp Leopold
Nürnbergerwaren: Hackl Adalbert (prot. Firma)
Papier-, Schreib- und Zeichnen-Requisiten: Mölwinger J.
Riemer und Sattler: Frank F.
Selbach J.
Schlosser: Gössinger Josef
Lausch Franz
Nemetz Josef
Ramstofer Leopold
Schneider: Gärntner Anton
Batscharek Mathias
Gröger Vincenz
Kappler Michael
Langer Josef
Pfeiffer Franz
Schiefer Josef
Schutzkerl Franz
Steppanek Johann
Teschauer Nicolaus
Waberer Georg,
Schuhmacher: Bachbauer Georg
Beschliessmayer Mathias
Gröger Franz
Heindl Leopold
Knauer Johann
Kohn Franz
Löwenrosen Leopold
Meduna Franz
Pleyl Anton
Schlager Carl
Schödl Leopold
Sudolsky F.
Simperler Franz
Trestler C.
Trestler Martin,
Vetter Leopold
Seiler: Gimanatzi St.
Klapner L.
Sparcassa: Mistelbacher Sparcasse
Spengler: Uebl Carl
Tapezierer: Seitz J.
Tischler: Steiner Anton (prot. Firma)
Uhrmacher: Nadworik W.
Vergolder: Skribani F.
Vermischtwarenhändler: Czinglar Franz (prot. Firma)
Freund Thomas (prot. Firma)
Koblischek Franz (prot. Firma)
Rund Carl (prot. Firma)
Wasner G. (prot. Firma)
Westermeyer Heinrich (prot. Firma)
Wagner: Cretschy Franz

Eibesthal2

Bäcker: Newald Alois
Binder: Götzl Michael
Fleischhauer: Fried Franz
Gastwirte: Geier Leopold
Hufschmiede: Grünwald Franz
Schmiedeck Franz
Schneider: Frank Albert
Kand Josef
Menzl Josef
Schuhmacher: Fuhri Johann
Newald Franz
Zehetner Johann
Tischler: Handl Michael
Vermischtwarenhändler: Fried Thaddäus
Schöfbeck Theres.
Viem Johann

Paasdorf3

Arzt: Herrmann Johann
Fleischhauer: Rabenseifner Eduard
Gastwirte: Hochhauser Leopold
Rand Lorenz
Griesler: Rabenseifner Eduard
Wittmann Franz
Wittmann J.
Hufschmiede: Grim A.
Wanderer J.
Mühlen: Rainer Anna
Schneider: Knoth C.
Reiss Th.
Schuhmacher: Dohlinger Michael
Kainz Franz
Wittmann Johann
Schnittwarenhändler: Drill Adolf
Thierarzt und Curschmied: Wanderer Johann
Tischler: Gabmeier G.
Götz A.
Zimmermeister: Berthold Josef
Rand Lorenz

An weiteren Katastralgemeinden finden sich schließlich Hüttendorf und Lanzendorf, bei denen lediglich die dortigen Mühlbetriebe angegeben sind:
Hüttendorf4: Kautz Josef (prot. Firma)
Lanzendorf5: Binder Franz (prot. Firma) & Chimani Stefan (prot. Firma)

 

Quellen:

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