Klezl von Norberg, Dr. Alfons

Hofrat Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg

* 8.8.1858, Hietzing bei Wien
† 22.12.1942, Wien

Alfons von Klezl wurde 1858 als Sohn des Eduard von Klezl, k.k. Hofrat im Ministerium des Äußeren und dessen Gattin Therese, geb. Freiin von Testa, in der damals noch selbstständigen niederösterreichischen Gemeinde Hietzing bei Wien geboren.1

Er entstammt einer Familie, die auf eine lange Tradition als Beamte im diplomatischen Dienst zurückblicken kann und deren Mitglieder über viele Jahre in der österreichischen Vertretung in Konstantinopel, der sogenannten Internuntiatur, ihren Dienst leisteten. Bereits sein Urgroßvater Franz Klezl sen. (*1737, †1809) absolvierte die k.k. Orientalische Akademie und soll bereits zeitweilig in der Hauptstadt des Osmanischen Reichs tätig gewesen sein, ehe er später als k.k. Grenzdolmetscher in Peterwardein und Lemberg tätig war. Auch sein Großvater Franz Klezl jun. (*1772, †1826) besuchte die Orientalische Akademie und wurde später als Internuntiatur-Dolmetscher in Konstantinopel eingesetzt und aufgrund seiner treuen und verdienstvollen Leistungen in dieser Funktion wurde er 1826 von Kaiser Franz I. in den erblichen Adelsstand erhoben und somit durften sich er und seine Nachfahren nunmehr „Edler von Klezl“ (bzw. kurz schlicht „von Klezl“) nennen. In eben diesem Jahr schloss der Vater, Eduard von Klezl (*1805, †1874), an der orientalischen Akademie seine Ausbildung ab und folgte seinem Vater auch an die Internuntiatur nach, wo er schließlich bis zum k.k. Legationsrat aufstieg und von 1850 bis 1853 sogar die vertretungsweise Leitung der österreichischen Gesandschaft innehatte. Anschließend wurde er nach kurzer Dienstleistung in Griechenland, schließlich als Ministerialrat in das Ministerium des Äußeren nach Wien zurückberufen. In Konstantinopel hatte Eduard von Klezl auch seine Gattin, die Tochter des Legationssekretärs der Internuntiatur, Freiherrn Anton von Testa, kennengelernt und der dort geschlossenen Ehe entstammten sechs Kinder (vier Töchter und zwei Söhne). Alfons von Klezl war das jüngste dieser Kinder und während seine Schwestern allesamt in Konstantinopel das Licht der Welt erblickten, wurden er und sein Bruder nach der Rückkehr nach Österreich in Hietzing geboren. Im Ruhestand wurde sein Vater, Eduard von Klezl, aufgrund seiner Verdienste im diplomatischen Dienst, unter Verleihung des Prädikats „von Norberg“ im Jahre 1874 von Kaiser Franz Josef I. in den Freiherrenstand erhoben.2 Übrigens waren darüber hinaus auch weitere Mitglieder der Familie von Klezl im diplomatischen Dienst in Konstantinopel tätig.3

Alfons Freiherr Klezl von Norberg absolvierte das Wiener Schottengymnasium, wo er zu Ende des Schuljahres 1876/77 die Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte.4 Im Anschluss nahm er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien auf. Er dürfte dieses jedoch für seinen Militärdienst, den er als Einjährig-Freiwilliger im Feldjäger-Batallion Nr. 21 leistete, unterbrochen haben. Im Dezember 1879 wurde er schließlich als Leutnant der Reserve ausgemustert und dem Reservestand des Feldjäger-Batallions Nr. 27 zugeteilt. Während noch laufendem Studium, allerdings wohl nach absolvierter erster Staatsprüfung, trat er 1880 in den Landesdienst ein und wurde zur Dienstleistung der niederösterreichischen Statthalterei in Wien zugeteilt. Seine Studien schloss Freiherr Klezl von Norberg schließlich 1882 mit der Promotion zum Dr.iur. ab und war danach bis 1886 als Praktikant bei der Bezirkshauptmannschaft Sechshaus (heute Teil des XV. Wiener Gemeindebezirks) tätig. In den Jahren 1886 bis 1888 diente er schließlich als Konzipist bei der Bezirkshauptmannschaft Horn und danach zum Abschluss seines Aufenthalts im Waldviertel 1888 kurzzeitig als Lokalkommissär für agrarische Operationen in Allentsteig. Danach war Dr. Klezl von Norberg ab April des Jahres 1889 als Bezirks-Kommissär bei der Bezirkshauptmannschaft Groß Enzersdorf tätig, ehe er von 1892-1895 in selber Funktion an der Bezirkshauptmannschaft Krems wirkte. Im Zeitraum 1895-1899 wurde er zur Dienstleistung in das Präsidialbureau bzw. das Department für Kultuswesen der niederösterreichischen Statthalterei berufen und stand schließlich von 1899 bis 1909 dem Verwaltungsbezirk Mistelbach als Bezirkshauptmann vor.

Während seiner Amtszeit als Bezirkshauptmann von Mistelbach erfolgte die langwierige Planung und der Bau des Bezirkskrankenhauses (Eröffnung 1909), zu dessen Errichtung er neben seiner Tätigkeit als oberstes Verwaltungsorgan des Bezirks auch als Initiator und Obmann des 1901 gegründeten „Vereins zur Erbauung des öffentlichen Krankenhauses in Mistelbach“ tatkräftig, insbesondere als eifriger Spendensammler, beitrug. 1907 wurde im Rahmen eines Musikabends zugunsten des Krankenhausbaufonds ein von Heinrich Kosnapfl komponierter und dem Bezirkshauptmann gewidmeter „Freiherr von Norberg-Marsch“ uraufgeführt, der auch bei einem Wiener Verlag in Druck gelegt wurde, und dessen Verkaufserlös ebenfalls dem Krankenhausbau zugute kam.5 Weiters war Bezirkshauptmann Klezl von Norberg von 1904 bis 1910 auch Obmann des landwirtschaftlichen Bezirksvereines Mistelbach6 und wurde im Jahre 1904 zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach ernannt.7

Besuch von Erzherzog Leopold Salvator in der Pinselfabrik Mühl im Jahre 1906: 3. v.l. Erzherzog Leopold Salvator, in der Bildmitte Fabriksgünder Ignaz Mühl sen. und seine beiden Söhne, 2. v.r. (siehe rotes X) Freiherr Klezl von Norberg, ganz rechts: Bgm. Thomas FreundBesuch von Erzherzog Leopold Salvator in der Pinselfabrik Mühl im Jahre 19068: 3. v.l. Erzherzog Leopold Salvator, in der Bildmitte Fabriksgünder Ignaz Mühl sen. und seine beiden Söhne, 2. v.r. (siehe rotes X) Freiherr Klezl von Norberg, ganz rechts: Bgm. Thomas Freund

Wenige Wochen nach der Grundsteinlegung für den Krankenhausbau beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) am 16. September 1908 Dr. Klezl von Norberg für sein verdienstvolles Wirken als langjähriger Bezirkshautpmann und seinen Einsatz bei der Errichtung des Bezirkskrankenhauses zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach zu ernennen.9 Neben Mistelbach verliehen ihm auch die Gemeinden Olgersdorf (1902), Eibesthal (1904) (Ehrenbürger der Katastralgemeinden) und Neudorf bei Staatz (1909) die Ehrenbürgerwürde.10

1909 folgte sein allseits bedauerter Abschied aus Mistelbach, da Dr. Klezl von Norberg zu höheren Weihen in die niederösterreichischen Statthalterei nach Wien berufen wurde. Die Mistelbacher Bevölkerung verabschiedete sich mit einem imposanten Fackelzug zu Ehren des populären Bezirkshauptmanns, der in ein großes Abschiedsfest im Gasthaus „Zum weißen Rössl“ überging und die Gemeinden des Bezirks würdigten seine Verdienste in einer gemeinsamen Dankadresse.11 Zunächst als Statthaltereirat, und später als Hofrat hatte er von 1909 bis März 1918, dem Zeitpunkt seines Übertritts in den Ruhestand, die Leitung des Departments für Kultuswesen in der niederösterreichischen Statthalterei inne. Ende der 1920er Jahre verfasste er eine juristische Abhandlung zur umstrittenen „Dispensehe“, der Wiederverheiratung geschiedener Katholiken, einer Rechtsthematik in der Zeit vor Einführung der Zivilehe.12

Der während und nach seiner Laufbahn mit zahlreichen Orden und Auszeichnungen dekorierte Beamte blieb zeit seines Lebens unverheiratet und kinderlos. Hofrat Freiherr Klezl von Norberg verstarb am 22. Dezember 1942 im Alter von 84 Jahren und wurde in der Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof bestattet.

Bildnachweis:
-) sämtliche Bilder: Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
Zum Bild des Besuchs von Erzherzog Leopold Salvator ist anzumerken, dass sich dieses im 1999 erschienenen Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch“ (S. 260) fälschlicherweise mit der Bildunterschrift „Besuch von Erzherzog Franz Salvator in der Pinselfabrik Mühl“ abgedruckt findet

Quellen:
-) Standesblatt des Präsidiums der niederösterreichschen Statthalterei zu Klezl von Norberg, K 2/02-0049, Niederösterreichisches Landesarchiv
-) Reichspost, 8. August 1928 (35. Jg. – Nr. 219), S. 4 (ONB: ANNO)

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Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972

Im nachfolgenden Beitrag sollen die historischen Hintergründe und schließlich das nicht ganz friktionsfreie Werden der Großgemeinde Mistelbach, die seit dem 1.1.1972 aus den zehn Katastralgemeinden Ebendorf, Eibesthal, Frättingsdorf, Hörersdorf, Hüttendorf, Kettlasbrunn, Lanzendorf, Mistelbach, Paasdorf und Siebenhirten besteht, veranschaulicht werden.

Frühere Versuche Gemeindezusammenlegungen durchzusetzen1

Schon bei der Entstehung der Gemeinden als selbstständige und unabhängige Körperschaften und kleinste Verwaltungseinheit im Staatsgefüge durch das im Gefolge der Revolution von 1848 erlassene provisorische Gemeindegesetz vom 17. März 1849, wurde durch dieses Gesetz auch bereits die Möglichkeit für den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zu einer Ortsgemeinde geschaffen. Seitens des Ministerium des Inneren bzw. der Landesverwaltung war man schon zum Zeitpunkt als dieses Gesetzes erlassen wurde, bestrebt möglichst wenige und dafür große Gemeinden zu schaffen, und das für unsere Gegend zuständige Kreisamt für das Viertel des unter dem Manhartsberg (=Weinviertel) in Korneuburg legte einen Entwurf vor, der die 564 Gemeinden in diesem Viertel mittels Zusammenschlüssen auf 138 zu reduzieren trachtete. Dieser Entwurf beinhaltete damals etwa den Vorschlag die Gemeinden Siebenhirten, Hörersdorf und Frättingsdorf zur neuen Großgemeinde Hörersdorf zusammenzulegen bzw. alternativ sollten sich Hüttendorf, Hörersdorf und Frättingsdorf mit Asparn a.d. Zaya vereinigen und Lanzendorf und Siebenhirten sollten mit Mistelbach fusioniert werden. Dieses Ansinnen seitens der Landesverwaltung stieß jedoch allgemein auf heftige Ablehnung, denn augenscheinlich wollten die Gemeinden ihre eben gewonnene Selbstständigkeit und Freiheit nicht in größeren Gemeindeverbänden verlieren und dieser Vorschlag ließ außerdem seit Jahrhunderten gepflogene Rivalitäten und Animositäten zwischen Nachbarorten außer Acht. Darüber hinaus sah das provisorische Gemeindegesetz auch klar vor, dass Gemeinden sofern sie in der Lage waren die im Gesetz angeführten Aufgaben zu erledigen, nicht gegen ihren Willen mit anderen vereinigt werden konnten und somit war dieses Vorhaben bereits im Voraus zum Scheitern verurteilt und alleine in den Gerichtsbezirken Mistelbach, Poysdorf, Feldsberg, Laa a.d. Thaya und Zistersdorf, die zur kurzlebigen Bezirkshauptmannschaft Poysdorf gehörten (ab 1868 befand sich der Sitz der Bezirkshauptmannschaft dann in Mistelbach) entstanden schließlich 110 Gemeinden.2

Im Zuge einer Änderung der Gemeindewahlordnung im Jahre 1904 wurde auch über die strukturelle, wirtschaftliche und demografische Zusammensetzung der Gemeinden debattiert und damit erschien das Thema Gemeindezusammenlegungen nach mehr als 50 Jahren erneut auf der Agenda der Landesregierung. Die damaligen Pläne sahen vor, die Anzahl der niederösterreichweit bestehenden Gemeinde auf 438 zu reduzieren, doch erneut scheiterten diese Bestrebungen an politischen Widerständen.

In der Zeit zwischen dem sogenannten Anschluss im März 1938 und dem Kriegsbeginn im Jahr darauf kam es unter den Nationalsozialisten nicht nur zur Eingemeindung zahlreicher Gemeinden im Umland der vormaligen österreichischen Hauptstadt zu „Groß-Wien“, sondern auch zu weiteren vereinzelten Gemeindefusionen, allerdings in anderen Teilen von „Niederdonau“. Diese zwangsweisen Zusammenlegungen orientierten sich ausschließlich an der Bevölkerungzahl und klammerten sonstige Aspekte, etwa wirtschaftliche, völlig aus. Hätte das „1000-jährige Reich“ in Österreich länger als sieben Jahre gewährt, wäre es wohl zu weiteren Gemeindezusammenlegungen gekommen, da die Gemeinden hierorts aufgrund der historischen Entwicklung wesentlich kleinteiliger strukturiert waren/sind, als im Deutschen Reich. Die unter dem NS-Regime erfolgten Zusammenlegungen wurden nach 1945 wieder rückgängig gemacht, wirkten jedoch als abschreckendes Beispiel noch lange negativ nach.

Niederösterreichische Kommunalstrukturverbesserung3

Als sich Anfang der 1960er Jahre der umfassende sozio-ökonomische Strukturwandel weg von der agrarisch geprägten Gesellschaft hin zur Produktions- und Dienstleistungsgesellschaft deutlich abzeichnete, hatte dies natürlich auch Auswirkungen auf die Gemeinden. Die Aufgabengebiete der Gemeinden wuchsen stetig an, ebenso die notwendigen Investitionen in Schaffung und Erhaltung der Infrastruktur (Straßenasphaltierung, Erhaltung von Schule bzw. Kindergarten, Kanalisierung, etc.), doch standen diesem steigenden Finanzbedarf keine entsprechenden finanziellen Mittel als Einnahmen gegenüber. Diese Entwicklung und auch die Änderung der rechtlichen Rahmenbedigungen durch die Gemeindeverfassungs-Novelle 1962 wurden von der Landesregierung als Bestätigung und Anlass genommen die Thematik Gemeindezusammenlegung ab Mitte der 1960er Jahre nun unter dem Titel „NÖ. Kommunalstrukturverbesserung“ zu forcieren. Über die Bezirkshauptmannschaften regte die Landesregierung freiwillige Gemeindezusammenlegungen an und den Gemeinden, die sich zu solchen Zusammenschlüssen bereit erklärten, wurden zusätzliche finanzielle Mittel in Aussicht gestellt. In jenen Fällen in denen die Vermittlungsversuche für das Zustandekommen von freiwilligen Zusammenschlüssen ohne Erfolg blieben, wurde nach Auslaufen der finanziellen Anreize mit Ende des Jahres 1970, der Druck seitens des Landes auf die nicht kooperationswilligen Gemeinden intensiviert und man beabsichtigte die neue Gemeindestruktur auch zwangsweise durchzusetzen. Schon die Erwägung dieses Vorgehens (und erst recht die Schaffung einer rechtlichen Grundlage dazu im November 1971) sorgte bei den betroffenen Gemeinden niederösterreichweit für Empörung und diese schlossen sich im Sommer des Jahres 1971 zum überparteilichen „Aktionskomitee der niederösterreichischen Bürgermeister“ zusammen. Diese Protestgemeinschaft hoffte durch Protestnoten an Bundeskanzler Kreisky bzw. Landeshauptmann Maurer die zwangsweise Vereinigungen abwenden zu können bzw. beabsichtigte diese notwendigenfalls rechtlich zu bekämpfen. Letzlich blieben diese Bemühungen jedoch vergeblich und die in der Folge von einigen betroffenen Gemeinden beim Verfassungsgerichtshof eingebrachten Beschwerden hatten keinen Erfolg, ebenso wie diesbezüglich vorgebrachte Beschwerden bei der Europäischen Menschenrechtskommission. Als die Reform gegen alle Widerstände Anfang der 1970er Jahre im Wesentlichen abgeschlossen war, hatte sich die Zahl der niederösterreichischen Gemeinde von 1652 auf 559 reduziert. Zwar wurden einzelne Zusammenlegungen später wieder aus verschiedenen Gründen rückgängig gemacht, aber es wurde damit nachhaltig die Basis für eine effiziente Gemeindeverwaltung geschaffen.

Nachfolgend wird der Prozess der Gemeindezusammenlegung im Falle von Mistelbach und seinen heutigen Katastralgemeinden beschrieben.

1966-1970 freiwillige Gemeindezusammenlegung

In einem ersten Schritt wurde ein Zusammenschluss von Lanzendorf, Ebendorf, Hüttendorf und Siebenhirten mit Mistelbach angeregt. Kettlasbrunn sollte gemeinsam mit Bullendorf und Hobersdorf nach Wilfersdorf eingemeindet werden.

Lanzendorf und Ebendorf, die in unmittelbarer Nähe zu Mistelbach lagen und seit jeher auch Teil der Pfarre Mistelbach waren, wurden auf Basis von im Sommer 1966 gefassten einstimmigen Beschlüssen ihrer Gemeindevertretungen ab 1. Jänner 1967 mit Mistelbach vereinigt.4 Dem Ende ihrer Selbstständigkeit stimmten auch die Vertreter dieser Gemeinden nicht mit Begeisterung zu, sondern vielmehr sah man pragmatisch, dass man so für die künftigen Herauforderungen im Gemeinwesen besser gerüstet sei. Unter der Bevölkerung von Lanzendorf und Ebendorf stießen diese Beschlüsse keineswegs auf ungeteilte Zustimmung, doch schließlich fanden Ende des Jahres 1966 bereits die Wahlen für den neuen Mistelbacher Gemeinderat unter Beteiligung der Bevölkerung von Ebendorf und Lanzendorf statt. In Hüttendorf ging die am 29. August 1966 im Gemeinderat abgehaltene Abstimmung über eine freiwillige Vereinigung mit 8 Nein-Stimmen zu 7 Ja-Stimmen denkbar knapp aus und ein freiwilliger Zusammenschluss war damit gescheitert.5 Trotz des knappen Ausgangs der Abstimmung wurde auch in folgenden Jahren an diesem Beschluss festgehalten und ein freiwilliger Zusammenschluss nicht weiter erwogen. Auch eine Einbindung Siebenhirtens war bereits Teil dieser ersten auf freiwilliger Vereinigung basierenden Pläne für eine Großgemeinde Mistelbach. Doch der Gemeinderat von Siebenhirten lehnte dieses Vorhaben ab, ebenso wie sich der Kettlasbrunner Gemeinderat gegen die oben bereits erwähnte Eingemeindung nach Wilfersdorf einstimmig aussprach.6

Die Anregung zur Vereinigung mit Mistelbach wurden in Folge auch auf Paasdorf und Eibesthal ausgeweitet, wobei auch deren Gemeindevertretungen einstimmig (im Falle von Paasdorf allerdings mit einigen Enthaltungen) gegen einen freiwilligen Zusammenschluss mit Mistelbach votierten.7 Neben Siebenhirten lehnten auch Hörersdorf und Frättingsdorf eine Vereinigung mit Mistelbach ab und unter Vermittlung von Landesrat Matthias Bierbaum fanden Beratungen über die Zusammenlegung dieser drei Gemeinden im Herbst des Jahres 1970 statt. Dass damit ein mehr als 120 Jahre alter Vorschlag aufgriffen wurde (siehe weiter oben) dürfte den Gemeindevertretern vermutlich nicht bewusst gewesen sein. Zwar fassten Hörersdorf und Frättingsdorf im November 1970 den Beschluss sich gemeinsam mit Siebenhirten unter dem Namen Hörersdorf (dem künftigen Sitz der gemeinsamen Gemeindeverwaltung) mit Wirkung vom 1.1.1971 zusammenzuschließen, aber die Einbindung Siebenhirtens wurde durch einen bereits im Vorfeld der Beratungen mit 2/3-Mehrheit gefassten Beschluss des Siebenhirtner Gemeinderates, der sich gegen jedewede Vereinigung aussprach, vereitelt.8 Der Frättingsdorfer Gemeinderat regte bei der Beschlussfassung über die Zusammenlegung mit Hörersdorf und Siebenhirten übrigens den neuen Namen „Mistellauf“ an, da alle drei Gemeinden am Lauf des Mistelbachs gelegen seien.9 Zwar waren freiwillige Gemeindezusammenlegung bis Ablauf des Jahres 1970 möglich, da sich allerdings nur zwei der drei Gemeinden zu einem Zusammenschluss durchringen konnten und seitens der Landesregierung ohnehin die Schaffung deutlich größere Gemeindeinheiten beabsichtigt war, wurde diese Initiative seitens der Landesverwaltung ignoriert und die gefassten Gemeinderatsbeschlüsse über die Zusammenlegung schließlich nicht vollzogen. In Hörersdorf und Frättingsdorf war man über diese Reaktion seitens des Landes verärgert und verwies bei weiteren Vorstößen in Bezug auf eine Vereinigung mit Mistelbach stets auf die im November 1970 gefassten (gültigen) Beschlüsse.10

Zwangsweise Zusammenlegung mit Jahresbeginn 1972

Eine im Juli 1971 in Eibesthal abgehaltene Volksbefragung bezüglich der „drohenden Zwangszusammenlegung“ brachte folgendes Ergebnis: für den Erhalt der Selbstständigkeit 373 Stimmen, für eine Zusammenlegung mit Mistelbach 48 Stimmen, für eine Zusammenlegung mit Wilfersdorf 12 Stimmen.11 Auch in Siebenhirten wurde am 4. Juli 1971 eine Volksbefragung durchgeführt, die folgendes Ergebnis brachte: von den 253 Wahlberechtigten übten 223 Personen ihr Stimmrecht aus (88,1% Beteiligung), davon sprachen sich 145 (65%) gegen und 76 (35%) für eine freiwillige Zusammenlegung mit einer anderen Gemeinde aus. Für den Fall, dass man doch zu einer Zusammenlegung gezwungen würde stimmten 72 Personen für Hörersdorf und 68 für Mistelbach – der Rest äußerte keine Präferenz bzw. wollte sich mit einem solchen Szenario offenbar nicht auseinandersetzen.12 In Kettlasbrunn war der Gemeinderat bis zuletzt davon überzeugt, dass die Gemeinde aufgrund der vorhandenen Infrastruktur auch alleine erfolgreich weiterbestehen könne und man war der Auffassung, dass das bäuerlich geprägte Dorf auch von der Bevölkerungstruktur nicht zu Wilfersdorf passe.13 Die ab Sommer 1971 vorgesehene Zusammenlegung mit Mistelbach wurde mit der selben Argumentation abgelehnt und schließlich sei auch die Mehrheit der Kettlasbrunner Bevölkerung gegen diese Zusammenlegung.14 Laut dem Raumordnungsprogramm war für die künftige Großgemeinde Mistelbach eine bestimmte Bevölkerungsanzahl vorgesehen und diese sollte um jeden Preis durch die Eingemeindung vieler kleinerer Ortschaften erreicht werden, weshalb auch weiter entfernte Orte wie Frättingsdorf und Kettlasbrunn einbezogen wurden, so die Kritiker der Zwangszusammenlegungen. Tatsächlich erhielten aufgrund eines angepassten Verteilungsschlüssels Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern deutlich höher dotierte Mittel aus dem Finanzausgleich zugeteilt und das Mistelbach diesen Grenzwert nach den Zusammenlegungen knapp überschritt dürfte wohl kein Zufall gewesen sein. Trotzdem wenig Aussicht auf Erfolg herrschte kämpften insbesondere die Gemeinden Eibesthal, Siebenhirten, Frättingsdorf und Paasdorf bis Ende des Jahres 1971 gegen die mit Jahreswechsel bevorstehende Eingemeindung an.15 Diese Gemeinden, die sich auch dem bereits oben erwähnten „Aktionskomitee“ angeschlossen hatten, nahmen auch Kontakt mit Rechtsvertretern auf, mussten letztlich jedoch akzeptieren, dass der Beschwerdeweg vor den Verfassungsgerichtshof wenig aussichtsreich und ihr Kampf somit vergebens war.16

Mistelbachs Bürgermeister Franz Bayer übernahm interimistisch als Regierungskommissär die Verwaltung der ab 1.1.1972 neu nach Mistelbach eingemeindeten Gemeinden bis im März 1972 der Gemeinderat der Großgemeinde neu gewählt wurde. Es dauerte ein wenig bis sich alle Ortschaften samt ihren Einwohnern in der neuen Rolle als Teil eines größeren Ganzen zurechtfanden und manch einer machte gar unter Verwechslung von Ursache und Wirkung und Negierung allgemeiner tiefgreifender Entwicklungen diese Reform für den Niedergang von Strukturen in den nunmehrigen Katastralgemeinden verantwortlich. Knapp fünfzig Jahre nach Umsetzung dieser Reform ist deren Erfolg jedoch unbestreitbar.

Quellen:

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von Schluetenberg, Innocenz

Bezirksarzt Dr. Innocenz Edler von Schluetenberg

* 18.11.1832, Negau (Untersteiermark, heute: Slowenien)
† 10.2.1882, Wien

Innocenz Edler von Schluetenberg wurde 1832 als Sohn des Gutsherrn Cajetan von Schluetenberg und dessen Gattin Filizzine, geb. Seutscher im untersteirischen Negau geboren.1 Sein Vater war Pächter und Verwalter der Herrschaft Negau (Negova) und später auch Besitzer des unweit davon gelegenen Guts Tribein (Drvanja) und während des kurzen demokratischen Strohfeuers im Revolutionsjahr 1848/49 Abgeordneter des provisorischen Landtags des Herzogtums Steiermark.2 Bereits der aus Kärnten stammende Großvater Mathias Schluet wurde 1823 für seine langjährigen treuen Dienste in der k.k. illyrischen Dominienverwaltung in Laibach, insbesondere während der schwierigen Zeit der Franzosenkriege bzw. der Besatzung durch die Truppen Napoleons, durch kaiserlichen Entschluss mit dem Prädikat „Edler von Schluetenberg“ in den erblichen Adelsstand erhoben.3 Richtig lautete der Nachname der Familie daher „Schluet Edler von Schluetenberg“, allerdings schon der Großvater führte seinen Namen ausschließlich als „von Schluetenberg“, also unter Weglassung des ursprünglichen Familiennamens von dem sich das Adelsprädikat ableitete und dies wurde später auch von offizieller Seite zumindest für eine andere Linie der Familie so bestätigt.4

Das Wappen der Edlen von Schluetenberg, wie es in einer überarbeiteten Auflage von J. Siebmachers Wappenbuch abgebildet ist.

Das Wappen der Edlen von Schluetenberg, wie es in einer überarbeiteten Auflage von J. Siebmachers Wappenbuch abgebildet ist.5

Jedenfalls vom Wintersemester 1850/51 bis Sommersemester 1855 studierte Innocenz von Schluetenberg an der medizinischen Fakultät der Universität Wien und während dieser Zeit wohnte er an verschiedenen Adressen in der Josefstadt.6 Der Beginn seines Studiums im Jahre 1850 im Alter von 18 Jahren erscheint plausibel, allerdings kann ein etwaig früherer Studienbeginn aufgrund der Tatsache, dass die übersichtlichen Studienkataloge erst für den Zeitraum ab 1850 vorhanden sind, nicht ausgeschlossen werden. Für die damalige Zeit laut Mitarbeitern des Universitätsarchivs nicht ungewöhnlich, wurde er jedoch erst 1858, also drei Jahre nach Ende seiner Studien, zum Doktor der Medizin promoviert.7 Die Chirurgie war damals ein separat geführtes Studienfach, und auch in diesem erwarb von Schluetenberg das Doktorat und konnte somit auch damals bereits als „Doktor der gesamten Heilkunde“ gelten. 1862 wurde er als Mitglied in das Doktorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien aufgenommen.8 Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Zusammenschluss von an der Universität Lehrenden (=Professorenkollegium), sondern um ein Gremium im damaligen Organisationsgefüge der Universitäten, das sich aus den graduierten Doktoren der jeweiligen Fakultät zusammensetzte und das beispielsweise bei der Wahl des Dekans (bzw. Rektors) und bei Prüfungen/Promotionen bestimmte Aufgaben wahrnahm.9

Im Jahre 1858 wurde die Arztstelle in Mistelbach vakant und Dr. von Schluetenberg zog nach Mistelbach und erwarb das in barockem Stil erbaute Eckhaus Oserstraße (Nr. 1)/Wiedenstraße (Nr. 4), auf dem bereits seit vielen Jahren die Mistelbacher (Wund)Ärzte bzw. Chirurgen ansässig waren, von seinem Vorgänger Dr. Franz Pechlaner.10 Dass dieses Haus Sitz der medizinischen Versorgung war hatte einen bestimmten Grund: Erst Ende des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Chirurgie von einem Handwerk zu einer akademischen Ausbildung und die Ausübung des chirurgischen Gewerbes in Mistelbach war nach altem Gewerberecht an dieses Haus gebunden („radiziert“) und diese alten Rechte wirkten bis weit ins 19. Jahrhundert fort und banden später auch die chirurgisch tätigen Ärzte. Am 21. Juni 1862 ehelichte Dr. von Schluetenberg die Tochter des Wilfersdorfer Postmeisters Antonia Gruber in der Pfarrkirche Wilfersdorf11 und dieser Ehe entstammten eine Tochter und ein Sohn.

Neben seiner gewöhnlichen Tätigkeit als Arzt hatte Dr. von Schluetenberg auch zahlreiche weitere ärztliche Ämter inne: Gemeinde-Armenarzt von Mistelbach, ab Eröffnung der Bahnstrecke 1870 war er auch Bahnarzt12 und Mitte der 1860er Jahre scheint Dr. von Schluetenberg weiters als zuständiger Badearzt im damals wohl entstandenen „Eisenbad“ Ladendorf, einem Wannenheilbad, dessen eisen- und schwefelhaltiges Quellwasser besonders zur Linderung von „Frauenkrankheiten“ angespriesen wurde, und das mit Unterbrechnungen bis in die 1930er Jahre existierte.13 Größte berufliche Herausforderung war mit Sicherheit die durch preußische Truppen im Sommer des Jahres 1866 eingeschleppte Cholera-Epidemie, die binnen kurzer Zeit 131 Todesopfer unter der Mistelbacher Bevölkerung forderte.14 Fitzka lobte Dr. von Schluetenberg in seiner „Geschichte der Stadt Mistelbach“ als „menschfreundlichen und opferwilligen Arzt und Diagnostiker ersten Ranges„, der auch abseits seines Berufs eifrig und uneigennützig zum Wohle der Stadt wirkte.15

Jedenfalls von 1867 bis 1870 gehörte er dem Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) an16, der sich während der Amtszeit von Bürgermeister Josef Strasser mehrheitlich aus Personen zusammensetze, die der liberalen Partei nahestanden. Schließlich prägte die Deutschliberale Partei („Verfassungstreue“) ab Ende der 1860er Jahre auch auf Landes- und Reichsebene maßgeblich das politische Geschehen und nachdem zuvor mittels bürokratischer Hürden versuchte wurde die politische Arbeit eines Vorgängervereins zu vereiteln17, sammelten sich die liberalen politischen Kräfte im Bezirk Mistelbach schließlich im 1872 gegründeten „Deutschen Verein“. Von Schluetenberg wurde zum ersten Obmann dieses politischen Vereins gewählt, lehnte die Annahme dieses Amtes jedoch ab und gehörte stattdessen dem Ausschuss des Vereins an bzw. engagierte sich in der Folge auch immer wieder als Vertreter der vor Wahlen gebildeten liberalen Wahlkomitees.18 Über Jahre hinweg war er auch als Obmann des Ortsschulrates tätig und während seiner Obmannschaft wurde 1873 das neue Volks- und Bürgerschulgebäude in der Bahnstraße (spätere Mädchenschule, heute Teil des Pflichtschulzentrums) errichtet.19 Von der Gründung im Jahre 1869 bis 1871 gehörte er weiters dem Direktorium der städtischen Sparkasse an.20 Im Oktober 1867 zählte Dr. von Schluetenberg zu den Gündungsmitgliedern des Deutschen Turnvereins in Mistelbach, gehörte als Turnrat auch dem ersten gewählten Vereinsvorstand an und leitete in den ersten Monaten des Bestehens des Vereins auch die wöchentlichen Turnübungen.21 In den 1870er Jahren war Dr. von Schlutenberg darüber hinaus in der Interessensvertretung seines Berufsstandes aktiv und zwar als Obmann der Mistelbacher Sektion des „Vereins der Ärzte in Niederösterreich“.22

Aufgrund seiner oben geschilderten Verdienste um das Gemeinwohl und die vorbildliche medizinische Betreuung der Mistelbacher Bevölkerung fasste der Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) am 13. Juli 1871 den einstimmigen Beschluss Dr. von Schluetenberg zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde Mistelbach zu ernennen.23 Die Verleihung dürfte anlässlich seines Abschieds aus Mistelbach erfolgt sein, denn im Sommer des Jahres 1871 kam es zu einer Neuorganisation des Sanitätswesens in Niederösterreich und er wurde zum Bezirksarzt für den Sanitätsbezirk Waidhofen a.d. Thaya berufen24 und war für die Dauer seines Aufenthalts auch ärztlicher Leiter des dortigen Krankenhauses25. Doch als wenige Monate später im Februar 1872 die Stelle des Mistelbacher Bezirksarztes aufgrund des Ablebens von Dr. Komoraus (Feldsberg) frei wurde, kehrte Dr. von Schluetenberg auf eigenen Wunsch in dieser Funktion nach Mistelbach zurück.26 Anlässlich der Übersiedlung nach Waidhofen a.d. Thaya verkaufte Familie von Schluetenberg im Sommer des Jahres 1871 ihren bisherigen Wohnsitz und Praxistandort und mit diesem Verkauf endet auch die mehr als hundertfünfzig Jahre zurückreichende medizinische Nutzung des Eckhauses Oserstraße Nr. 1/Wiedenstraße Nr. 4.27 An welcher Adresse Dr. von Schluetenberg nach seiner Rückkehr wohnte bzw. ordinierte konnte nicht geklärt werden.

Im Herbst 1881 zwang ihn eine schwere Erkrankung, die beinahe zu seiner Erblindung führte, zur Aufgabe des Arztberufs 28 und er übersiedelte gemeinsam mit seiner Familie nach Wien, wo er sich im Stadtteil Landstraße niederließ. Dr. von Schluetenberg verstarb nach längerem Leiden am 10. Feburar 1882 im Alter von nur 49 Jahren an Kehlkopftuberkulose. Seine sterblichen Überreste wurden zwei Tage nach seinem Ableben auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.29

Quellen:

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Städtner, Maria

Maria Städtner – Kettlasbrunner Wohltäterin

* 3.11.1851, Kettlasbrunn
† 2.3.1928, Mistelbach

Maria Städtner wurde 1851 als Tochter des Landwirts Mathias Städtner und dessen Gattin Anna, geb. Schimmer, in Kettlasbrunn geboren.1 Der Familienname findet sich im Laufe der Jahre in wechselnder Schreibweise beipielsweise auch in Form von „Stettner“ oder „Stättner“. Später setzte sich die Schreibweise „Städtner“ durch und so wurde der Name letztlich auch auf ihrem Grab festgehalten. Ein letztes Mal sorgte die korrekte Schreibweise des Namens im Zuge der im Jahre 2004 erfolgte Straßenbenennung für Verwirrung (siehe Städtnerstraße).

Am 22. Februar 1876 ehelichte Maria Städtner ihren Cousin Josef Städtner.2 Das nahe Verwandtschaftsverhältnis der Eheleute stellte in diesem Fall grundsätzlich ein Ehehindernis dar, doch unter Berufung auf besondere Umstände (bspw. auch dynastische Gründe für die Angehörigen der regierenden Herrscherhäuser) konnte ein Dispens (=Ausnahmebewilligung) erwirkt werden. Die Gewährung solcher Ausnahmen wurde seitens der katholischen Kirche speziell gegen Ende des 19. Jahrhunderts allerdings eher restriktiv gehandhabt, aber laut dem Trauungsbucheintrag gelang es der Familie Städtner sowohl eine zivilrechtliche Genehmigung seitens der niederösterreichischen Statthalterei, als auch eine solche nach kanonischem Recht durch die apostolische Nuntiatur bzw. den Papst zu erhalten. Hierfür bedurfte es besonderer Gründe, allerdings ist unklar auf welche sich die Familie Städtner im konkreten Fall berief. Da beide Ehegatten jeweils die einzigen überlebenden Kinder ihrer Eltern waren, vereinigten sie durch ihre Ehe zwei große landwirtschaftliche Betriebe und verfügten damit über umfangreichen Grundbesitz. Der Ehe entstammten vier Töchter und ein Sohn, die jedoch alle als Säuglinge bzw. im Kindesalter an damals grassierenden und oftmals tödlich verlaufenden „Kinderkrankheiten“ wie Diphterie und Scharlach oder etwa an Atemwegsentzündungen erkrankten und diesen erlagen.

Nachdem Städtners Ehemann Anfang Mai 1907 verstarb, verkaufte sie in der Folge sukzessive den nunmehr ihr alleine gehörenden umfangreichen landwirtschaftlichen Grundbesitz und wurde so sehr vermögend.3 Außerdem zog sie vom ehemals gemeinsamen Wohnsitz auf Haus Nr. 113, in das ebenfalls ihr gehörige Haus Nr. 67 um, dass sie zu einer Villa ausbauen ließ. Manchen Angaben zufolge soll sie gar die wohlhabendste Frau im gesamten Bezirk gewesen sein. Der Reichtum der kinderlosen Witwe weckte Begehrlichkeiten und so traten Vertreter von Gemeinde, Kirche und Vereinen mit verschiedenen Bitten an Frau Städtner heran. Die einfache Bauernwitwe war in finanziellen Dingen naiv und unbeholfen, im Gegenzug dafür allerdings sehr großzügig – eine Kombination die sich zu Ende ihres Lebens rächen sollte. Doch auch schon Lebzeiten ihres Gatten zeigte sich das Ehepaar Städtner etwa 1902 beim Einbau einer neuen Turmuhr in der Pfarrkirche als großzügige Spender.4

Maria Städtners freigiebiges Wirken für Pfarre, Gemeinde, Schule und Vereine in Kettlasbrunn sei durch nachfolgende chronologische Auflistung dokumentiert:5

 

1907 -) finanzierte sie gemeinsam mit  zwei anderen Kettlasbrunner Familien die Renovierung der an der Straße nach Schrick gelegenen „Scheibenkapelle“6
1908 -) aus Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I. ließ sie die heute noch bestehende Kaiserbüste errichten7;
-) stiftete sie einen neuen Baldachin (Himmel) für die Pfarre8
1909 -) sorgte sie für eine gepflasterte Wasserrinne im Kirchengassl und damit für eine erhebliche Verbesserung dieses Weges, der zuvor bei Regengüßen stets stark in Mitleidenschaft gezogen worden war9;
-) spendete sie sechs Leuchter aus Messing für den Hochaltar und drei Altarvorhänge (Antipendien) aus roter, bestickter Leinwand10;
-) stiftete sie ein neues Kreuz mit Laterne für den Friedhof;
-) stiftete sie dem im Jahr zuvor gegründeten Militärveteranenverein eine Fahne und fungierte als Fahnenpatin11
1910 -) sorgte sie für die Erneuerung der (linksseitigen) Kirchenfenster12, und stiftete eine neue Monstranz und große Luster für die Pfarrkirche13;
-) ließ sie die Sebastianistatue bei ihrer Villa errichten14;
-) weiters ließ sie zehn Laternen (Kitsonleuchten = Petroleumlampen) zum Zwecke der Ortsbeleuchtung errichten, für deren laufenden und künftigen Betrieb sie auch ein entsprechendes Kapital bei der Gemeinde erlegte15
1911 -) stiftet sie ein Skioptikon (=Projektionsgerät, „Laterna magica“) samt 65 kolorierten Bildern für die Schule16;
-) ließ sie die Fenster auf der Epistelseite (rechte Seite) der Kirche erneuern17
1912 -) spendete sie der Pfarre zwei Fahnen (St. Sebastian und St. Jakob)18;
-) sponserte sie eine Feier aus Anlass des Kaisergeburtstags19
1913 -) sponserte sie eine Feier anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Völkerschlacht bei Leipzig20
1914 -) anlässlich des 25-jährigen Gründungsfests der Feuerwehr spendete deren Ehrenmitglied Frau Städtner der Feuerwehr eine neue Fahne und natürlich fungierte sie bei deren Weihe auch als Fahnenpatin21;
-) stiftete sie ein Harmonium für die Schule
1916 -) stiftete sie einigen Altarschmuck und Kästen für dessen Aufbewahrung
1918 -) nachdem die Kirchenglocken für Kriegszwecke abgeliefert werden mussten, sorgte sie für die Wiederherstellung des Turmschlags, sodass wieder ein regelmäßiger Stundenschlag möglich war22

Die 1908 von Maria Städtner gestiftete Kaiserbüste in KettlasbrunnDie 1908 von Maria Städtner gestiftete Kaiserbüste in Kettlasbrunn

Möglicherweise war neben Philanthropie und Hilfsbereitschaft ein weiteres Motiv für ihre Freigiebigkeit der Wunsch den Namen Städtner von einem Makel „reinzuwaschen“, und zwar in Zusammenhang mit einem Ereignis, dass schon einige Jahre zurücklag, jedoch aufgrund der damaligen Geschehnissen bzw. der Tatsache, dass der Fall offenbar ungeklärt blieb, sicherlich im kollektiven Gedächtnis des Ortes weiterlebte. Am 1. Oktober 1868 wurde Josef Städtner, der gemeinsame Onkel des Ehepaares Städtner, erschlagen im Hof seines Bruders Johann (Vater von Städtners Ehemann) aufgefunden.
Angeblich herrschte zwischen Josef und seinem Bruder Johann ein feindseliges Verhältnis, eine Tatsache, die auch im Dorf gemeinhin bekannt war und somit wundert es nicht, dass sich unmittelbar nach dem Mord das Gerücht verbreitete, dass Johann Städtner der Täter sei. In einem Gerichtsprozess in Korneuburg wurden die Brüder des Mordopfers, Johann und Mathias Städtner (die Väter von Maria Städtner und ihrem Gatten), als Beschuldigte geführt. Ersterer wurde des Mordes angeklagt und zweiterer aufgrund falscher Zeugenaussage um seinen Bruder zu einem Alibi zu verhelfen. Im Zuge der Untersuchung bzw. des Prozesses im März 1869 wurden auch mehrere Zeugen aus Kettlasbrunn einvernommen, die mit ihren Aussagen den Angaben des Beschuldigten betreffend den Fundort der Leiche widersprachen. Mathias Städtner, der Vater von Maria Städtner, wurde freigesprochen, Johann Städtner (der Vater von Städtners Ehemann) wurde hingegen des Totschlags für schuldig befunden und zu einer mehrjährigen schweren Kerkerstrafe verurteilt.23 Die Verteidigung ging jedoch in Berufung und einige Monate später wurde das Urteil aufgehoben und Johann Städtner ging frei.24 Welche Gründe zur Aufhebung des Urteils geführt haben bzw. ob der gewaltsame Tod von Josef Städtner letztlich geklärt werden konnte, ist unklar. Doch lässt sich aus dem Prozess bzw. der Zeugeneinvernahme etwas über die Stellung der Familie Städtner im Sozialgefüge des Ortes herauslesen. Während des Prozesses wurde etwa auch der damalige Bürgermeister Dominik Bachmeyer 25 einvernommen und allgemein zur Familie Städtner befragt, worauf er, um Neutralität bemüht, angab, er könne nichts Negatives über die Familie sagen, allerdings  seien sie „eigene Leute“. Wenn also die Mitglieder der Familie Städtner schon vor diesem Vorfall als eigenbrötlerisch und anders angesehen wurde, so hat sich deren Ansehen bzw. Stellung im Gemeinschaftsleben durch diesen Mordfall wohl keinesfalls verbessert – eher dürfte das Gegenteil der Fall gewesen sein. Vielleicht liegt hierin auch der Grund für die Heirat Städtners innerhalb der Familie.

Tatsächlich beschränkte sich Städtners Wohltätigkeit nicht nur auf Kettlasbrunn, sondern auch andere Orte bzw. Einrichtungen profitierten von Ihrer Großzügigkeit. So stiftete sie etwa für die Kapelle des 1909 eröffneten Mistelbacher Bezirkskrankenhauses ein mit Glasmalerei verziertes Fenster26 und war auch großzügige Unterstützerin des während des 1. Weltkriegs an verschiedenen Standorten in Mistelbach bestehenden Vereinsreservespitals des Roten Kreuzes. Als Beispiele für ihr soziales Engagement können ihre Unterstützung für das Rote Kreuz, den Versorgungsfonds für Kriegswitwen und -waisen des Bezirks und der 1912 von ihr finanzierte Ausflug für Kinder aus dem Bezirkswaisenhaus Mistelbach nach Kettlasbrunn gelten, bei dem die Kinder auch verköstigt wurden und im Garten ihrer Villa spielen durften.27

Besonders profitierte auch die Gemeinde Bullendorf von Städtners Freigiebigkeit. Zuvor bestand hier nur eine kleine Kapelle und der Neubau einer Filialkirche der Pfarre Wilfersdorf wurde von Frau Städtner großzügig unterstützt. Städtner erklärte sich anlässlich der Planung des Neubaus im Jahre 1910 bereit für diese Kirche einen Altar samt Bild und sechs Leuchter zu spenden.28 Der Baubeginn der Kirche verzögerte sich jedoch etwas, und schließlich sorgte der Erste Weltkrieg dafür, dass die neue Kirche erst im September 1919 endgültig fertiggestellt und geweiht werden konnte.29 Für ihre großzügige finanzielle Hilfe beim Bau der neuen Kirche wurde Städtner (vermutlich bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs) das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Bullendorf verliehen.

Die Kirche von Bullendorf zu deren Errichtung Maria Städtner einen erheblichen finanziellen Beitrag leisteteDie Kirche von Bullendorf zu deren Errichtung Maria Städtner einen erheblichen finanziellen Beitrag leistete

Schon zuvor hatte zum Dank für ihre großzügige finanzielle Hilfe der Kettlasbrunner Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) am 3. Mai 1910 den Beschluss gefasst Maria Städtner zur Ehrenbürgerin zu ernennen. Die feierliche Überreichnung einer entsprechenden Urkunde erfolgte schließlich im Juli desselben Jahres.30 Als Dank für die zuteilgewordene Ehrenbürgerwürde ließ Städtner eine Straßenbeleuchtungsanlage errichten, die noch vor Ablauf des Jahres 1910 in Betrieb genommen werden konnte. Weiters wurde Städtner in Würdigung ihrer Unterstützung vom Militärveteranenverein und der Freiwilligen Feuerwehr zum Ehrenmitglied ernannt. Auch seitens der katholischen Kirche wurde sie 1909 durch die Verleihung des päpstlichen Ehrenkreuzes „ecclesia et pontifice“, der höchten Auszeichnung, die eine Frau bis in die 1990er Jahre seitens der Katholischen Kirche verliehen bekommen konnte, geehrt.31

Das Verhältnis der großen Gönnerin der Pfarre zu den im Laufe der Jahre in Kettlasbrunn wirkenden Pfarrern war jedoch nicht immer ganz friktionsfrei. Gemäß dem Grundsatz „wer zahlt schafft an“ spielte Städtner in der Pfarrre eine gewichtige Rolle und trat gegenüber den hochwürdigen Herren sehr selbstbewusst und bestimmt auf.
So kam es etwa zu Streitigkeiten bzgl. der Renovierung der alten, aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammenden, Sebastiani-Statue, die Städtner verhindern wollte, da sie eine neue Statue zu Ehren des Kirchenpatrons errichten wollte und dies schließlich auch in die Tat umsetzte. Der Pfarrer ließ sich jedoch nicht davon abhalten die alte Statue restaurieren zu lassen, was zur Folge hatte, dass Städtner auch aufgrund persönlicher Animositäten erfolgreich Druck auf die Gemeindevertretung und die Vereine ausübte, der Einweihung der renovierten Statute am neuen Standort fernzubleiben. Teilweise wurden die auch auf persönlicher Ebene geführten Konflikte zwischen einem Pfarrer und Städtner auch vor Gericht ausgetragen. Die finanzielle Situation der Pfarrer war damals davon abhängig wie die Pfarre ausgestattet war, denn von deren Einkünften, etwa aus Grundverpachtung, Kollekte, etc., musste der laufende Betrieb der Kirche, Renovierungen und der Lebensunterhalt des Pfarrers (und etwaigen sonstigen geistlichen Personals (zB Kapläne)) bestritten werden. Offenbar war es so, dass es im Laufe der Jahre Pfarrer (bzw. provisorische Leiter der Pfarre) gab, die sich von Städtner finanziell „aushalten“ ließen und ihr in vielen pfarrlichen Belangen freie Hand gewährten. Sie war auch im Besitz eines Schlüssels zum Pfarrhof und konnte über diesen bzw. den zugehörigen Garten, die unmittelbar neben ihrer Villa lagen, teils recht frei verfügen. Kam jedoch ein Pfarrer nach Kettlasbrunn der nicht auf ihre Unterstützung angewiesen war bzw. sich nicht von ihr abhängig machen wollte und sich ihrem Willen widersetzte, dann kam es zu den teils oben bereits geschilderten Konflikten.

Die 1910 von Maria Städtner gestiftete neue Sebastiani-StatueDie 1910 von Maria Städtner gestiftete neue Sebastiani-Statue

Eine für ihr weiteres Leben schicksalhafte Bekanntschaft machte Städtner ihm Jahr 1913 als der ursprünglich aus dem Münsterland (Deutsches Reich) stammende und dem Orden der Steyler Missionare angehörende Priester Gerhard Altemöller (*1860, †1937) als Pfarrer in Kettlasbrunn investiert wurde. Zwar wechselte dieser schon Anfang 1915 als Pfarrer nach Wilfersdorf, wo er bis zu seiner Pensionierung wirkte, allerdings blieb er Städtner auch im nahegelegenen Wilfersdorf verbunden. Altemöller gehörte allem Anschein und den Angaben seines Nachfolgers in der Pfarrchronik nach zu jener Gruppe von Pfarrern, die sich von Städtner finanziell „aushalten“ ließen und auch die 1919 endlich fertiggestellt Bullendorfer Kirche gehörte zu seinem späteren Pfarrgebiet.

Städtners Freigiebigkeit, die sie während des Ersten Weltkriegs auch durch die Zeichnung von Kriegsanleihen in hohen Beträgen zeigte, die jedoch nach dem verlorenen Krieg wertlos waren und die einsetzende Geldentwertung, die Anfang der 1920er Jahre ihren Höhepunkt fand, führten schließlich dazu, dass von ihrem einst großen Vermögen nur mehr wenig übrig blieb. Schließlich verkaufte Städtner ihren letzten Besitz in Form ihrer beiden Häuser ca. 1921 an Pfarrer Altemöller und dieser nahm sie in den Wilfersdorfer Pfarrhof auf, wo sie ihren Lebensabend verbringen wollte. Ihre Lebensumstände dort wurden 1923 in einem Artikel in dem regionalen sozialdemokratischen Wochenblatt „Volksbote“ thematisiert und dieser Bericht wurde wenig später auch in der bundesweit erscheinenden sozialdemokratischen „Arbeiter-Zeitung“32 bzw. anderen regionalen sozialdemokratischen Wochenblättern33 abgedruckt. Darin wird geschildert, dass Städtner im Pfarrhof in einer kleinen ungeheizten Kammer hausen musste, körperlich verwahrlost sei und auch nur sehr spärliche Verpflegung erhalte. Laut der sozialdemokratischen Presse sei sie auch mit der Angst vor dem Fegefeuer zum einem deutlich unter Wert erfolgen Verkauf ihrer Häuser an Pfarrer Altemöller gedrängt worden. Zur Beschreibung des Charakters des Wilfersdorfer Pfarrers wurde auf Gerichtsprozesse verwiesen in die Altemöller in der Vergangenheit verwickelt gewesen sein soll, und die sich angeblich um den Tatbestand der Wucher bzw. Preistreiberei gedreht haben sollen. In der Zwischenkriegszeit standen sich die katholische Kirche, die eng mit der christlich-sozialen Partei verbunden war und mittels derer Geistliche auch höchste politische Ämter bekleideten, und die Sozialdemokratische Partei Deutschösterreichs (SDAP) als politische Antagonisten feindselig gegenüber. Grundsätzlich ist den Schilderungen der Parteipresse jedweder politischen Richtung stets mit skeptischer Vorsicht zu begegnen, da in der Zwischenkriegszeit sehr aggressiv agitiert wurde und der Wahrheitsgehalt der Aussagen nicht (mehr) überprüfbar ist. Nach Städtners Ableben wurden die oben erwähnten Vorwürfe zu ihren Lebensverhältnissen im Wilfersdorfer Pfarrhof und die Umstände ihrer Einlieferung ins Mistelbacher Krankenhaus im „Volksbote“34 unter der Schlagzeile „Von der reichen Villenbesitzerin zur bettelarmen Ausnehmerin“ erneut sehr scharf kritisiert und Pfarrer Altemöller sah sich zur Veröffentlichung einer Gegendarstellung des Sachverhalts (aus seiner Sicht) in der christlich-sozialen Wochenzeitung „Neues Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg“ gezwungen.35 Laut seiner Schilderung hätte Städtner ihm ihre beiden Häuser bereits während seiner Zeit als Pfarrer in Kettlasbrunn mehrfach als Geschenk angeboten, dies habe er stets abgelehnt. Später habe er die Häuser nur gekauft, um der Frau in ihrer schwierigen finanziellen Situation zu helfen, da es ihr damals bereits an Geld für Lebensmittel mangelte und er sie mitversorgt habe. Auch die Vorwürfe bzgl. der schlechten Unterbringung bzw. Verpflegung wies er zurück: Frau Städtner sei freiwillig zu ihm in den Pfarrhof gezogen und habe Hilfe bei der Körperhygiene stets schroff abgelehnt, ebenso wie die angebotene Kost, zugunsten der von ihr bevorzugten einfacher, einseitiger Küche. Auch habe er sie stets vor ihrem leichtfertigen und naiven Handeln in finanziellen Fragen gewarnt und zur Sparsamkeit gemahnt, allerdings sei er damit nicht durchgedrungen. Jedenfalls hatte Altemöller die Häuser vermietet bis er nach seinem Übertritt in den Ruhestand 1935 selbst in die Kettlasbrunner Villa einzog. Nach seinem Tode wohnte Altemöllers Haushälterin in der Städtner-Villa, da er dieser auch ein über seinen Tod hinaus gültiges lebenslanges Wohnrecht eingeräumt hatte.

Am 2. März 1928 verstarb Maria Städtner im Alter von 76 Jahren an Altersschwäche (Herzlähmung) im Mistelbacher Krankenhaus, in das sie einige Tage zuvor eingeliefert worden war. Ihre sterblichen Überreste wurden nach Kettlasbrunn überführt, wo diese drei Tage später im Rahmen eines feierlichen Begräbnisses mit allen Ehren auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt wurden.36 Das Grab existiert nicht mehr, allerdings erinnert heute eine an der Aufbahrungshalle angebrachte Gedenktafel an das wohltätige Wirken von Maria Städtner.

Gedenktafel für Maria Städtner an der AufbahrungshalleGedenktafel für Maria Städtner an der Aufbahrungshalle

Im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen in Kettlasbrunn im Jahre 2004 wurde auch die Benennung der Städtnerstraße zur Erinnerung an die große Gönnerin des Ortes und Ehrenbürgerin Maria Städtner beschlossen.

Wo befindet sich die Städtnerstraße?

 

Bildnachweis:
sämtliche Bilder © Thomas Kruspel

Quellen:

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Städtnerstraße (Kettlasbrunn)

Im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen in Kettlasbrunn mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderats vom 14. Dezember 2004 wurde diese Straße nach Frau Maria Städtner, Ehrenbürgerin Kettlasbrunns und große Gönnerin der Gemeinde und Pfarre, benannt. Gemäß dem oben angeführten Beschluss lautete der Straßenname zunächst jedoch „Stättnerstraße“ und wurde erst im Jahre 2009 zu „Städtnerstraße“ korrigiert. Die Straße führt am einstigen Wohnsitz von Frau Städtner und der von ihr davor errichteten Sebastiani-Statute vorbei, ehe sie sich in ihrem Verlauf zur Hintausstraße und Grenze des Ortsgebiets wandelt.

Wo befindet sich die Städtnerstraße?

 

Quellen:
-) Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 14.12.2004
-) Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 3.7.2009

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Am Gassl (Siebenhirten)

Der von der Dorfstraße abzweigende und für den Verkehr gesperrte Fußweg „Am Gassl“ entstand zur Mitte des 19. Jahrhunderts (etwa zwischen 1821 und 1862), nachdem der hier einst einen kleinen Bogen machende Mistelbach umgeleitet und das alte Bachbett zugeschüttet wurde.1 Der Verlauf der Mistel wurde so verändert, dass diese oberhalb des Gemeindegasthauses abzweigte und nunmehr vor der Häuserzeile zwischen Gasthaus (Nr. 81/Dorfstr. 11) und Viehhalterhaus (Nr. 66/Dorfstr. 6) verlief und zwischen „neuem“ Bachbett und der Front dieser Häuser wurde ausreichend Platz für einen Fahrweg belassen. Es handelte sich dabei um eine frühe Maßnahme der Mistelregulierung, ehe der Bach Ende der 1920er Jahre im gesamten Gemeindegebiet begradigt und in ein trapezförmiges Korsett gezwängt wurde. Vielleicht nutzte man für diese frühe Korrektur des Bachlaufs die große Trockenheit während des Jahres 1834, als das Bachbett über Monate hinweg völlig ausgetrocknet war.2

Nachfolgend die Darstellung des Verlaufs der Mistel im Franzeischen Kastaster aus dem Jahre 1821. Das Gemeindewirtshaus ist auf dieser Darstellung als öffentliches Gebäude rot und mit der Hausnr. 81 eingezeichnet.

Untenstehend der heutige Verlauf des Bachs (links) vor dem Gasthaus (Dorfstr. 12 (inkl. dem angebauten Feuerwehrhaus Nr. 11)) und im Vergleich zu obiger Karte ist gut zu erkennen, dass das der heutige Weg in seinem Verlauf genau dem einstigen Bachlauf entspricht.

 

Seit jeher wurde dieser Weg schlicht als „Gassl“ bezeichnet und so erhielten im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Siebenhirten im Jahre 2001 einige der daran angrenzenden Häuser die Adressbezeichnung „Am Gassl“.3

Quellen:

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Lang, Franz

Stadtrat Franz Lang

Stadtrat Franz Lang

* 24.2.1892, Mistelbach
† 29.11.1965, Mistelbach

Franz Lang wurde 1892 als Sohn des Gärtners der hiesigen Landessiechenanstalt Alois Lang und dessen Gattin Katharina, geb. Deisch, in Mistelbach geboren.1 Sein Vater, der aus Prag zuzog und bald nach der Eröffnung des Siechenhauses hierher kam, schuf auch die Pläne für die in den 1890ern durch den „Verschönerungsverein 1885“ angelegten Parkanlagen (Stadtpark bzw. Liechtensteinanlage (Kirchenberg)).2 Zusammen mit seinen Eltern und zwei älteren Brüdern wuchs Lang in einer Dienstwohnung in der Landessiechenanstalt, die sich einst auf dem Areal des heutigen Pflege- und Betreuungszentrums Mistelbach (Franziskusheim) befand, auf. Nach der Pflichtschulbildung an der Mistelbacher Volks- und Bürgerschule ergriff er wie sein Vater den Beruf des Gärtners und folgte diesem, wohl noch vor dem Ersten Weltkrieg, auch als Gärtner der Landessiechenanstalt nach.3

In den vom k. u. k. Kriegsministerium herausgegebenen Verlustlisten findet sich im März 1918 ein in Mistelbach geborener Franz Lang angeführt, allerdings unter Angabe des Geburtsjahrgangs 1891.4 Da im Jahr 1891 in Mistelbach jedoch keine Person dieses Namens geboren wurde, dürfte es sich hierbei wohl um einen Fehler handeln und es erscheint daher als sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei eigentlich um den 1892 geborenen Franz Lang handelt, der Gegenstand dieses Beitrags ist. Demzufolge dürfte Franz Lang bei der 4. Kompanie des Infanterieregiments Nr. 84 gedient haben und Anfang 1918 nahe der russischen Stadt Nowosil in Kriegsgefangenschaft geraten sein. Die Meldung seiner Gefangennahme dürfte allerdings erst mit Verspätung eingetroffen bzw. veröffentlicht worden sein, denn zum Zeitpunkt der Bekanntmachung, Ende März 1918, war der mit Russland geschlossene Friedensvertrag bereits seit einigen Wochen in Kraft.

Nach seiner Heimkehr kehrte Lang wieder an seinen Posten bei der Mistelbacher Landessiechenanstalt zurück und schloss am 20. Juli 1922 den Bund der Ehe mit Hermine Simperler und dieser Verbindung entstammte mindestens ein Sohn.5 Auch mit seiner neugegründeten Familie wohnte er zunächst in einer Dienstwohnung in der Landessiechenanstalt, erst später (etwa in den 1930er Jahren) übersiedelte er in das unweit seines Dienstorts gelegene Haus Liechtensteinstraße Nr. 42 in der ehemaligen Flüchtlingssiedlung.6

1921 trat Lang dem 1864 gegründeten Männergesangsverein Mistelbach bei und führte diesen ab 1923 als Obmann zu neuer Blüte.7 Im Jahre 1934 kam es zu einer Fusion dieses Vereins mit dem zeitgleich bestehenden Musik- und Gesangsverein und Lang wurde zum Obmann der neuen Vereinigung gewählt, ein Amt, das er bis zur endgültigen Einstellung der Vereinstätigkeit im Frühjahr 1945 innehatte.8 Lang war weiters bei der „Mistelbacher Urania“, einer Volksbildungseinrichtung (Vorläufer der Volkshochschulen) engagiert9 und insbesondere auch im „Verschönerungverein 1885“ aktiv und ab Anfang der 1930er Jahre auch dessen Obmann.10 In letzterer Funktion war er stets bemüht das Stadt- und Straßenbild seiner Heimatstadt ansehnlicher zu gestalten und die Aufstellung der 1945 abgebrochenen Statue des griechischen Gottes Hermes vor der damaligen gewerblichen Fortbildungsschule (heute: Polytechnische Schule) war seinem rastlosen Wirken geschuldet. Bei der Aufstellung dieser Hermes-Statue galt es Widerstände zu überwinden, denn einige Gemeindevertreter nahmen Anstoß an der Nacktheit des Dargestellten. Nach einiger Verzögerung und zähem Ringen wurde die Statue schließlich mit einem die Scham bedeckenden Bruchband aufgestellt. Bei diesem Kompromiss handelte es sich in den Augen von Lang um einen Kunstfrevel, dem er nur zähneknirschend zustimmte. Gemeinsam mit Fritz Bollhammer war Lang übrigens auch Autor der 1934 vom Verschönerungsverein herausgegebenen Werbebroschüre „Die Stadt Mistelbach an der Ostbahn, im Viertel unter dem Manhartsberg (Nordöstliches Weinland)“, die den ersten Versuch darstellte Mistelbach auch touristisch zu positionieren. Darüber hinaus war Lang (mindestens) zwischen 1929 und 1933 als gewählter Vertreter im „Bund der niederösterreichischen Landesangestellten“ in der Berufsvertretung aktiv.11

Aufgrund seines vielseitigen Engagements im Gemeinschaftsleben der Stadt wundert es kaum, dass er bald auch auf dem Feld der Kommunalpolitik aktiv wurde und so zog er anlässlich der Gemeinderatswahl im November 1929 als Kandidat der „Ständepartei“ in den Mistelbacher Gemeinderat ein. In Mistelbach hatte sich die Großdeutsche Volkspartei vor dieser Wahl in zwei Gruppen aufgespalten: die „Ständepartei“, den bürgerlicher Teil der Großdeutschen (hauptsächlich bestehend aus Gewerbetreibenden und Beamten) und den „Völkischen Block“, der wie der Name nahelegt einen radikalen Deutschnationalismus verfolgte und aus Anhängern der NSDAP bestand. Als Vertreter des Gemeinderates wurde Lang in den Verwaltungsausschuss des Bezirks-Krankenhauses und in den Ortsschulrat (1932-1939) entsandt. Im Juni 1931 wurde er schließlich zum Obmann der III. Sektion (Feuerwehr- und Friedhofsangelegenheiten) gewählt12, und obwohl er nicht dem Gemeindevorstand angehörte, soll neben Vizebürgermeister Dr. Steinbauer, auch Gemeinderat Lang in der Folge den häufig kränkelnden und bereits betagten Bürgermeister Josef Dunkl vertreten haben.13 Lang gehörte dem Gemeinderat (ab 1934 „Gemeindetag“) bis zu dessen Auflösung durch Beschluss der Landesregierung am 13. März 1938 an.

Franz Lang als Mitglied des Gemeindetages im Jahre 1935 (rotes x)Franz Lang als Mitglied des Gemeindetages im Jahre 1935 (rotes x)

Nach dem Verbot der NSDAP und der SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs) wurden die verbliebenen politischen Kräfte in der Sammelbewegung „Vaterländische Front“ vereint, der auch Lang angehörte. Als ehemaliger Anhänger der Großdeutschen dürfte sich seine Begeisterung für die „Vaterländische Idee“ (= der Erhalt der Selbstständigkeit Österreichs auf Basis christlich-ständischer Ordnung) bzw. den Führerkult um Dollfuß in Grenzen gehalten haben. So schildert er etwa in einem im Juli 1939 erschienenen Zeitungsartikel in der Regionalzeitung Grenzwacht die oben bereits beschriebenen Schwierigkeiten bei der  Aufstellung der Hermes Statue unter dem Titel „Vom Leidensweg eines Kunstwerks“. Darin ist zu lesen, dass gerade in jener Zeit als er noch für dessen Aufstellung kämpfte, sich die Ermordung von Dollfuß durch nationalsozialistische Putschisten im Juli 1934 ereignete und im Zug eines vom Regime propagierten Totenkults rund um den ermordeten Führer des Ständestaats, tauchte auch bald die Idee auf anstelle des Bildnisses von Hermes eine Dollfuß-Büste auf dem Conrad Hötzendorf-Platz aufzustellen. Dies gefährdete Langs Plan für die Gestaltung des Platzes und laut eigenen Angaben habe er die Organsation rund um die angeregte Dollfuß-Büste lediglich an sich gezogen, um diese zu vereiteln. Und tatsächlich stand wenig später statt Dollfuß der „bedeckte“ Hermes auf dem Platz vor der gewerblichen Fortbildungsschule. Unter den Nationalsozialisten, die sich in ihrem Körperkult durchaus an den Schönheitsidealen der Antike orientierten, wurde schließlich das Bruchband entfernt und die Statute zeigte sich nunmehr in ihrem Originalzustand. Die (angebliche) Sabotage der Sammlung für eine Dollfuß-Büste dürfte wohl hauptsächlich aus eigensinnigen Beweggründen, nämlich zum Zwecke der Durchsetzung seiner Idee für die Gestaltung des Platzes erfolgt sein. Inwiefern dabei auch politische Beweggründe eine Rolle spielten, oder ob es sich bei den im Artikel geschilderten Begebenheiten um einen Anbiederungsversuch an die neuen Machthaber handelte, muss unklar bleiben.14

Das von Lang initiierte und 1945 abgebrochene Hermes-Denkmal vor der gewerblichen Fortbildungsschule (heute: Polytechnische Schule)Das von Lang initiierte und 1945 abgebrochene Hermes-Denkmal vor der gewerblichen Fortbildungsschule (später Berufsschule, heute: Polytechnische Schule)

Seinen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP stellte er jedenfalls bereits im Juni 1938. Doch da es damals natürlich eine Vielzahl an Interessenten gab, galt eine Aufnahmesperre und erst mit 1. Jänner 1940 wurde Lang daher mit der Mitgliedsnummer 8,507.321 in die Partei aufgenommen.15 Die bald nach dem Anschluss eingeführte nationalsozialistische Gemeindeordnung verwirklichte das Führerprinzip auch auf Gemeindeebene in der Person des Bürgermeisters und mit lediglich beratender Funktion waren diesem Gemeinderäte – bei Städten Ratsherren genannt – beigegeben. Im Frühjahr 1944 wurde Lang vom NS-Bürgermeister Huber bzw. dem Kreisbeauftragten der NSDAP als Ersatz für einen zur Wehrmacht eingezogenen Vertreter dieses Beratergremiums, zum Ratsherrn ernannt und er hatte diese Funktion bis zum Untergang des NS-Regimes inne.16

Neben seiner Beschäftigung als angestellter Gärtner beim Landessiechenhaus in der Liechtensteinstraße, hatte sich Lang gegen Ende des Krieges einen Betrieb als selbstständiger (Handels-)Gärtner an seinem Wohnsitz in der Liechtensteinstr. 42 (Ecke Südtirolerplatz/Liechtensteinstraße) aufgebaut. Ob mit der erfolgreichen Selbstständigkeit sein Beschäftigungsverhältnis als Landesangestellter endete, oder ob dieses fortdauerte und/oder seine Mitgliedschaft in der NSDAP hierauf negative Auswirkungen hatte, ist unklar. Nach 1945 wurden die ehemaligen Mitglieder der NSDAP registiert und mussten sich in einem Verfahren nach dem Verbotsgesetz vom 8. Mai 1945 vor sogenannten Volksgerichten verantworten. Je nachdem was diesen Personen zu Last gelegt wurde, ergaben sich unterschiedliche Konsequenzen: Berufsverbote, der Verlust staatsbürgerlicher Rechte bzw. Geld-, Haft- und auch vereinzelt auch Todesstrafen. Augenscheinlich musste sich auch Lang in einem solchen Gerichtsverfahren verantworten, dies legt jedenfalls ein Bericht aus der ÖVP-Zeitung Volks-Presse nahe, der davon berichtet, dass die damals kommunistisch-sozialistisch dominierte Stadtregierung im September 1945 beschloss: „Herrn Gärtner Lang die Gärtnerei bis zur gerichtlichen Erledigung seiner Parteiangelegenheit zu führen“.17 Auch in einem anlässlich seines 70. Geburtstags erschienenen Portraits heißt es dort etwas kryptisch: „In den ersten Nachkriegsjahren musste Lang sein Lebenswerk gegen mißgünstige Zeitgenossen verteidigen.“18 Da Lang allerdings weder illegales Mitglied, noch Funktionär der NSDAP war, dürfte das Verfahren gegen ihn rasch eingestellt worden sein und als Minderbelasteter scheint er die Führung seines Betriebs bald wieder übernommen zu haben. Trotzdem sich in der Unternehmerschaft Mistelbachs viele andere, teils hochrangige Nationalsozialisten fanden, ist kein anderer Fall überliefert in dem die Gemeinde ein anderes privates Unternehmen zeitweilig übernommen und geführt hätte.

Bei den ersten Gemeinderatswahlen nach dem Krieg im Mai 1950 wurde Lang als Kandidat der Österreichischen Volkspartei in den Mistelbacher Gemeinderat gewählt. Im Zuge der konstituierenden Gemeinderatssitzung hatten ihn seine Parteikollegen auch als Bürgermeisterkandidaten vorgeschlagen, Lang hatte dies jedoch abgelehnt.19 Allerdings wurde Lang als geschäftsführender Gemeinderat (=Stadtrat) gewählt und war als Markt-, Feuerwehr-, Friedhofs- und Parkreferent, Vorsitzender der für diese Bereiche zuständigen Sektion. Besondere Verdienste erwarb sich Stadtrat Lang beim Bau der 1957 eröffneten Markthalle („Sauhalle“, Vorgängerbau des Stadtsaals), dem 1960 eingeweihten Neubau des heutigen Feuerwehr- und Garagengebäudes und im Bereich der Friedhofsgestaltung bzw. -verwaltung. Doch beschränkte sich Lang keineswegs auf diese Themenfelder, sondern regte auch in vielen anderen Gebieten der Gemeindearbeit Verbesserungen an, die bereitwillig aufgegriffen und umgesetzt wurden.20 Darüber hinaus war Stadtrat Lang auch Ansprechpartner für die Siedler in der Totenhauersiedlung, die aufgrund der Abgeschiedenheit bzw. Entfernung zum Stadtgebiet mit besonderen Herausforderungen (bspw. Wasserversorgung) konfrontiert waren. Ab 1952 gehörte Lang auch dem Verwaltungsrat der Sparkasse der Stadt Mistelbach an, ab 1957 dem Vorstand dieser Institution und ab 1958 bekleidete er schließlich das Amt des Vorsitzenden des Vorstandes.21 In letzterer Funktion war er maßgeblich an der Sicherstellung der Finanzierung zahlreicher Gemeindeprojekte über die Grenzen seiner Zuständigkeit als Stadtrat hinaus, beteiligt.22 Nach insgesamt 20 Jahren in der Gemeindevertretung, zog er sich 1960 aus dieser Funktion zurück23 und anlässlich seines Ausscheidens aus dem Gemeinderat beschloss selbiger am 15. Juni 1960 ihm für sein langjähriges verdienstvolles Wirken im öffentlichen Leben den Ehrenring der Stadt Mistelbach zu verleihen.24

Auch im Vereinsleben nach dem Zweiten Weltkrieg war Stadtrat Lang an führender Stelle tätig: er war Mitglied im Ortsbauernrat, Obmannstellvertreter des Jagdausschusses und gehörte dem Ausschuß zur Wiedergründung des Musik- und Gesangsvereins an und wurde auch zu dessen Ehrenobmann ernannt. Äußerst aktiv war er außerdem im Verein „Volkshochschule – Kultur- und Verschönerungsverein“, dem Nachfolger zweier Vereine bei denen er bereits in der Zwischenkriegszeit aktiv war. Ende der 1950er Jahre initiierte er das jährlich um Allerheiligen stattfindende „Heldengedenken“ auf dem Friedhof.25 Auch in der Vertretung seines Berufsstandes, war er auf Bezirks- und Landesebene in der Landes-Gartenbauvereinigung für Niederösterreich, sowie in der nö. Landwirtschaftskammer, engagiert. Laut einem Zeitungsbericht gedachte Gärtnermeister Lang sich 1962, anlässlich seines 70. Geburtstags, aus dem Berufsleben zurückzuziehen, allerdings findet sich Langs Gärtnereibetrieb noch im Sterbejahr des Betriebsgründers in Gewerbeadressbüchern, ehe die Geschäftstätigkeit endgültig endete.26

Franz Lang verstarb am 29. November 1965 und wurde fünf Tage später auf dem Mistelbacher Friedhof bestattet. 1974 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat den Franz Lang-Weg im Gedenken an das gemeinnützige Wirken von Stadtrat Lang zu benennen.

Wo befindet sich der Franz Lang-Weg?

Bildnachweis:
Portrait Lang: Volks-Post, Nr. 8/1962, S. 4
Gemeinderat 1935 & Hermesdenkmal (gewerbliche Fortbildungsschule): Stadt-Museumsarchiv Mistelbach

Quellen:
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 15/1960, S. 1f (Anm.: hier wird der Zeitpunkt des Zusammenschlusses  der beiden Gesangsvereine fälschlicherweise mit 1929 angegeben.)
-) Volks-Post, Nr. 8/1962, S. 4
-) Mitteilung der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 117 (Dezember 1965), S. 3

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Zickl, Alexander

Stadtsekretär Alexander Zickl

* 26.2.1862, Gaunersdorf (Gaweinstal)
† 13.11.1943, Mistelbach

Alexander Zickl wurde 1862 als Sohn des Franz Zickl, Wirtschaftsbesitzer und langjähriger Bürgermeister der Marktgemeinde Gaunersdorf, und dessen Gattin Theresia, geb. Gartner in Gaunersdorf – wie der Name Gaweinstals vor 1917 lautete – geboren.1 Gemeinsam mit fünf Brüdern und einer Schwester wuchs er an seinem Geburtsort auf und sein Bruder Leopold Zickl sollte später das Gasthaus beim 1906 eröffneten Landesbahnhof Mistelbach (heute: GH Diesner) errichten und dieses über viele Jahre erfolgreich führen.2

Als Zickl im Oktober 1886 Josefa Klaus, die Tochter eines Goldarbeiters aus der Gegend des damals ungarischen Kaschau (Košice) in Mistelbach heiratete, wird er im Trauungsbuch als Hilfsbeamter bei der k.k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach geführt.3 Die Ehe sollte kinderlos bleiben. Danach dürfte er einige Zeit als Angestellter („Privatbeamter“) tätig gewesen sein, bevor er 1890 nach dem Ableben des bisherigen Gemeindesekretärs (auch Stadtsekretär genannt) dieses Amt übernahm und in den Dienst der Gemeinde trat.4 Als Gemeinde- bzw. Stadtsekretär wurde damals der Leiter der Verwaltung bezeichnet und somit entspricht dieses Amt etwa dem heutigen Stadtamtsdirektor.

Zickl wurde 1898 in das 14-köpfige Kuratorium gewählt, dass unter der Leitung eines Dreigespanns bestehend aus Finanzrat Fitzka, Propst Reidinger und Bezirksschulinspektor Trautzl seitens der Stadtgemeinde mit dem Aufbau des städtischen Heimatmuseums beauftragt wurde.5 Nach dem Ableben von Fitzka übernahm Zickl 1915 die (ehrenamtliche) Leitung des Museums, die er bis 1929 innehatte, und schließlich an seinen Nachfolger Fritz Bollhammer übergab.6 Doch blieb er dem Museum natürlich weiterhin verbunden und übernahm im 1930 gegründeten Verein „Freunde des Heimatmuseums der Stadt Mistelbach“ das Amt des Obmann-Stellvertreters.7 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekleidete Stadtsekretär Zickl in dem von Bezirkshauptmann Freiherr Klezl von Norberg initiierten und geleiteten „Verein zur Erbauung eines öffentlichen Krankenhauses in Mistelbach“, dessen vorrangiges Ziel die Aufbringung finanzieller Mittel zur Realisierung dieser dringend notwendigen medizinischen Einrichtung war, das Amt des Schriftführers. Darüber hinaus war er auch im hiesigen Schützenverein aktiv und maßgeblich an der 1897 erfolgten Gründung des Vereins der niederösterreichischen Gemeindebeamten beteiligt, in dem er auch das Amt des Schriftführers bekleidete.8

Augenscheinlich hatte es Stadtsekretär Zickl zu großem Wohlstand gebracht, als dessen Ausdruck das 1905 von ihm errichtete Geschäfts- und Wohnhauses an der Ecke Mitschastraße/Bahnstraße (Bahnstraße Nr. 1), gelten kann, das in opulentem Jugendstil ausgeführt wurde.9 Während der Aushubarbeiten für diesen Bau stieß man auf 25 Stück steinerne Kugeln (jede 3,19 kg schwer), mit denen wohl mittels Wurfmaschinen einst die den Markt umlaufende Befestigung bzw. das nahegelegene Wiedentor beschossen wurde bzw. werden sollte, und die, so vermutete man damals, eine Hinterlassenschaft eines feindlichen Einfalls aus dem an derartigen Ereignissen reichen 15. Jahrhundert darstellen.10 Tatsächlich war das Haus Bahnstraße Nr. 1, aber auch Standort eines weiteren interessanten steinernen Zeitzeugnisses und zwar des „Mannes in Stein“. Diese (zunächst) fälschlicherweise als Rechtsdenkmal interpretierte steinerne Skulptur, befindet sich bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz des städtischen Heimatmuseums und gelangte wohl durch Zickl in dessen Bestände. Der gewaltige Prachtbau am Beginn der Bahnstraße, der sich bis zur früheren Mädchenschule erstreckte, brannte während der Kampfhandlungen um Mistelbach im April 1945 allerdings völlig aus und wurde später abgebrochen. An seiner Stelle befinden sich heute die beiden Häuser Bahnstraße 1 (vormals Buchhandlung Selinger, heute: Hafner Wittek und Pflege-daheim) und 1a (vormals Sparkasse bzw. Gebietskrankenkasse, heute: Liboswar Möbel).

Links das von Stadtsekretär Zickl erbaute prachtvolle Wohn- und Geschäftshaus Bahnstraße Nr. 1 - Aufnahme: etwa um 1910Links das von Stadtsekretär Zickl erbaute prachtvolle Wohn- und Geschäftshaus im Kreuzungsbereich Mitschastraße/Bahnstraße (Bahnstr. 1) – Aufnahme: etwa um 1910

Die Straßenfront (bahnstraßenseitig) des Eckhauses Mitschastraße/Bahnstraße im Jahre 1930Die Straßenfront (bahnstraßenseitig) des Eckhauses Mitschastraße/Bahnstraße im Jahre 1930

 

Die Ruine des im Krieg ausgebrannten Hauses Bahnstr. Nr. 1 im Jahre 1947 (aus Perspektive der Hafnertraße)
Die Ruine des im Krieg ausgebrannten einstigen Prachtbaus Bahnstr. Nr. 1 im Jahre 1947 (aus Perspektive der Hafnertraße)

Anlässlich seines Übertritts in den Ruhestand im Jahre 1929 wurde Zickl für sein verdienstvolles Wirken als leitender Beamter der Stadt mit Beschluss des Gemeinderates vom 22. Juni 1929 zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach ernannt.11 Nach den Gemeinderatswahlen Ende November des Jahres 1929 zog er als Kandidat der „Ständepartei“ in den Mistelbacher Gemeinderat ein. Die Anhänger der vormaligen Großdeutschen Volkspartei, die durch den Aufstieg der NSDAP zusehends an Bedeutung verlor, spalteten sich in Mistelbach vor der Gemeinderatswahl 1929 in zwei Gruppierungen: den „Völkischen Block“, der aus den Anhängern der Nationalsozialisten bestand, und die „Ständepartei“, die den bürgerlichen Teil der Großdeutschen repräsentierte und viele Gewerbetreibende und Beamte auf ihrer Kandidatenliste vereinte. Nach dem Verbot der  NSDAP in Österreich im Sommer 1933, wurde den Nationalsozialisten auch die Mandate, die sie in öffentlichen Vertretungskörpern innehatten, entzogen. Auf eine hierdurch freigewordene Stelle im Gemeindevorstand (=Stadtrat) rückte Zickl nach und gehörte dem Gemeinderat (ab 1934: „Gemeindetag“) in dieser Funktion bis zu dessen Auflösung unmittelbar nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 an.12

Der Stadtsekretär i. R. und vormalige Stadtrat Alexander Zickl verstarb am 13. November 1943 nach längerem schweren Leiden im Alter von 81 Jahren und seine sterblichen Überreste wurden auf dem städtischen Friedhof beigesetzt.

Bildnachweise:
-) Ansichtskarte Bahnstraße (um 1910): aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer
-) beide Fotos Haus Bahnstraße Nr. 1 – Göstl Archiv

Quellen:

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Matuschek, Wenzel

k.k. Landesgerichtsrat Wenzel Matuschek

* 11.8.1825, Tremles (Böhmen)
† 10.3.1908, Wien

Wenzel Matuschek wurde als Sohn des Braumeisters Johann Matuschek und dessen Gattin Petronilla, geb. Komarek, 1825 in dem an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren gelegenen Kleinstadt Tremles, geboren. Bald nach seiner Geburt übersiedelte die Familie aus beruflichen Gründen nach Waidhofen a.d. Thaya, wo er aufwuchs.1 Zu seiner Ausbildung liegen keine Informationen vor, allerdings ist klar, dass ein juristisches Studium Voraussetzung für seine spätere Laufbahn war. Wo Matuschek dieses absolvierte ist hingegen unklar, da für die für die Zeit vor 1850 im Archiv der Universität Wien keine Studienkataloge bzw. Nationale der Studierenden vorliegen.

1846 findet er dann erstmals als Kanzleipraktikant beim Magistrat seiner Heimatstadt Waidhofen an der Thaya Erwähnung.2 Zehn Jahre später, 1856 war er weiterhin in Waidhofen tätig, nunmehr allerdings als Kanzlist beim hiesigen k.k. Bezirksamt.3 Bald darauf wechselte Matuschek dann an das k.k. Bezirksamt Zistersdorf, jedenfalls scheint er dort bereits 1858 als Aktuar (rechtskundiger Verwaltungsbeamter – Protokollführer) auf und zwar bis 1865.4 Hier ehelichte er am 8. Juni 1859 Ernestine Berger, die Tochter des Zistersdorfer Notars,5 und dieser Verbindung entstammten sechs Kinder.

1865 kam Matuschek schließlich als Adjunkt ans k.k. Bezirksamt Mistelbach6 und nach der Neuorganisation des Verwaltungs- bzw. Gerichtswesen im Jahre 1868 war er ab diesem Zeitpunkt in selber Funktion am aus dem Bezirksamt hervorgegangenen k.k. Bezirksgericht Mistelbach tätig.7 Aufgrund seines umtriebigen Wesens war Matuschek bald nachdem er nach Mistelbach kam Triebfeder und Mittelpunkt des geselligen Lebens in Mistelbach und auch in vielen Vereinen engagiert, so etwa 1867 als Gründungsmitglied des hiesigen Deutschen Turnvereins.8 Später war er über mehrere Jahre auch Vorstand des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Mistelbach und wurde 1890 aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied desselben ernannt.9 Doch auch für das Wirtschaftsleben von Mistelbach setze Matuschek bedeutende Initiativen, die letzlich auch wesentliche Schritte auf dem Weg zur Stadterhebung waren. Als Matuschek 1865 nach Mistelbach dürfte es zwar den seit Jahrhunderten bestehenden Wochenmarkt zur Versorgung der Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln gegeben haben, dieser war allerdings von untergeordneter Bedeutung und im Getreidehandel spielte Mistelbach (auch in Ermangelung großer Mühlbetriebe) faktisch keine Rolle.10 Auf Anregung von Matuschek wurde noch im Jahr seiner Ankunft durch Zusammenschluss einiger Bürger eine private Marktgesellschaft begründet, die einen Wochenmarkt in größerem Stil abhielt und die dort angebotenen landwirtschaftlichen Produkte der Bauern der Umgebung aufkaufte, um diese dann nach Lundenburg weiterzuverkaufen. Dieses Vorgehen hatte folgende positive Auswirkungen: der Wirtschaftstandort Mistelbach wurde durch den neuen Markt aufgewertet, die Bauern der Umgebung wurden nach Mistelbach gelockt und belebten bei ihren Aufenthalten die lokale Wirtschaft und beim Weiterverkauf des Getreides im großen Stil konnten Gewinne erzielt werden. An der Spitze dieser Marktgesellschaft stand übrigens der spätere Bürgermeister Josef Strasser, zu dessen engsten Mitstreitern und Ideengebern Matuschek werden sollte, und der sich durch seine Rolle in der Marktgesellschaft auch für höhere öffentliche Ämter empfahl. Der neue Wochenmarkt war ein großer Erfolg, dem allerdings bereits durch den Einmarsch der Preußen im folgenden Jahr ein vorläufiges Ende bereitet wurde. Angelockt vom regen Marktgeschehen ließen sich in weiterer Folge mehrere Landproduktehändler in Mistelbach nieder und das Ziel Mistelbach als Getreideumschlagplatz zu etablieren war damit erreicht. Die Marktgesellschaft ging später vollständig in den Besitz von Johann Schwarz sen. über, der hieraus seine bedeutende Fruchthandlung (Franz Josef-Straße Nr. 13-15) entwickelte. Aufgrund der Erfahrung mit der genossenschaftsartig organisierten Marktgesellschaft und dem was mit auf diese Weise akkumulierten Kapital bewegt werden konnte, regte Matuschek 1868 die Gründung einer Sparkasse an und lud die Bewohner des Marktes in den Saal des alten Rathauses um für diese Idee zu werben. Die auf diese Weise angeregte und vom nunmehrigen Bürgermeister Josef Strasser in Form einer Städtischen Sparkasse (= im Besitz der Gemeinde) durchgeführte Sparkassen-Gründung war für die weitere Entwicklung Mistelbachs von unschätzbarer Bedeutung, denn nur mit Hilfe dieses Instituts konnten zahlreiche gemeinnützige Einrichtungen und Projekte der Stadt in den knapp 130 Jahren ihres Bestehens finanziert werden.11

Im Jänner 1874 wurde Matuschek dann als Bezirksrichter an das Bezirksgericht Haslach in Oberösterreich berufen.12 Nachdem die Stelle des Bezirksrichters in Mistelbach vakant wurde, kehrte er 1878 über eigenes Ansuchen als Bezirksrichter wieder an seinen ehemaligen Dienstort zurück, wo er bis zu seiner Pension dem hiesigen Bezirksgericht vorstand.13 1894 wurde ihm der Titel eines wirklichen k.k. Landesgerichtsrats verliehen14, ehe er mit 31. Oktober 1897 in den Ruhestand übertrat.15 Aus letzterem Anlass beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss, angeblich auch auf Anregung zahlreicher Gemeinden des Bezirks, Matuschek als Dank für sein gewissenhaftes und vorbildliches Wirken als Bezirksrichter und sein Engagement in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens der Stadt und des Bezirks zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach zu ernennen.16

Nach seinem Übertritt in den Ruhestand übersiedelte er nach Wien und wohnte zunächst in Meidling17 bzw. später in Penzing18, wo er am 10. März 1908 im Alter von 82 Jahren an Altersschwäche verstarb und zwei Tage später auf dem Penzinger Friedhof bestattet wurde.19

Quellen:

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Im Gedenken an OSR Hubert Loibl (1940-2021)

OSR Hubert LoiblAm Freitag, 16.7.2021 ist Oberschulrat Hubert Loibl in die Ewigkeit abberufen worden. Seit seinem Übertritt in den Ruhestand im Jahre 1999 war er im Stadt-Museumsarchiv aktiv und bis zuletzt mit der Leitung dieser Sammlung betraut.
Als Teil eines engagierten Teams von ehrenamtlichen Mitarbeitern hat er seit der Jahrtausendwende maßgeblich daran mitgewirkt die verstreuten Bestände des ehemaligen Heimatmuseums im Gebäude des vormaligen Wasserwerks wieder zusammenzuführen und selbige zu katalogisieren – eine Mammutaufgabe. Stets hat er danach getrachtet die  Sammlung um interessante Stücke zu erweitern und darüber hinaus wurden regelmäßig und erfolgreich Ausstellungen veranstaltet.

Dem pensionierten Lehrer Loibl war die Vermittlung von Geschichte und deren Bewahren für nachfolgende Generationen ein besonderes Anliegen und so war er bei Anfragen zur Geschichte Mistelbachs bzw. den Objekten der Sammlung stets hilfs- und auskunftsbereit gegenüber allen Interessierten. Auch der Autor dieses Blogs ist OSR Loibl zu großem Dank verpflichtet für seine Hilfsbereitschaft und Geduld bei vielen teils spontanen Besuchen und Anrufen im Stadt-Museumsarchivs, deren Gegenstand nicht immer einfach zu lösende Spezialfragen zur Mistelbacher Geschichte waren, und für die tatkräftige Hilfe bei der Suche in den Beständen des Archivs.

Möge ihm die Erde leicht sein.

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