Österreichischer Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe (1903 u. 1908)

Im Oktober 1903 erschien erstmalig der Österreichische Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe, herausgegeben im Volkswirtschaftlichen Verlag A. Dorn und gedruckt von der k.k. Hof- und Staatsdruckerei Wien. Das auf Anregung des k.k. Handelsministeriums erstellte Verzeichnis umfasste zehn Bände, in denen die in der österreichischen Reichshälfte der Doppelmonarchie ansässigen Betriebe nach Orten gegliedert angeführt sind. Die Daten basierten auf den Katastern der Handels- und Gewerbekammern bzw. einer 1902 durchgeführten Betriebszählung und mittels Erlass wurden auch die Gemeindevorstände zur Mitwirkung verpflichtet. Letzteres sorgte für eine besonders hohe Datenqualität und dafür, dass mehr als 25.000 Personen indirekt an dem Projekt beteiligt waren und die bereitgestellten Informationen wurden von einem 40-köpfigen Redaktionsteam verarbeitet. Aufgrund der Verzögerung durch die allgemeine Betriebszählung, des immensen Aufwandes bei der Datenerfassung und sprachlicher Barrieren im Vielvölkerstaat mussten die Herausgeber Dr. Alexander von Dorn und Moriz Pozsonyi die Veröffentlichung mehrfach verschieben, bis schließlich im Juni 1903 der finale Redaktionsschluss erfolgte.

Die im Jahr 1908 in zwanzig Bänden erschienene zweite, aktualisierte Auflage bildete gleichzeitig auch das Ende dieser Publikation.

Dieses eindrucksvolle Verzeichnis ist heute in den Online-Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek (ONB) (1903, 1908) bzw. des Niederösterreichischen Landesarchivs (1903 – Band 2: Niederösterreich) verfügbar und liefert ein interessantes Abbild des lokalen Wirtschaftslebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Nachfolgend die Einträge aus den beiden Auflagen zu Mistelbach und seinen heutigen Katastralgemeinden:

Mistelbach

19031 19082











Ebendorf

19033 19084

Eibesthal

19035 19086

Frättingsdorf

19037 19088

Hörersdorf

19039 190810

Hüttendorf

190311 190812

Kettlasbrunn

190313 190814

Lanzendorf

190315 190816

Paasdorf

190317 190818

Siebenhirten

190319 190820
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Maulbertschweg

In der Sitzung vom 14. November 1974 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine in der Siedlung „Am Stadtwald“ neu angelegte Gasse nach dem Maler Franz Anton Maulbertsch (*1724, †1796) zu benennen. Maulbertsch gilt als einer der herausragendesten Künstler des Spätbarock in Österreich und ist besonders für seine Freskengemälde bekannt. Auch das Fresko in der Bibliothek des hiesigen Barnabitenkollegiums wurde von ihm im Jahr 1760 geschaffen.

Ausschnitt des Freskos von Maulbertsch in der Bibliothek des Barnabitenkollegiums

Zur Entstehungsgeschichte des Freskos bzw. den darin dargestellten Motiven sei auf die folgende detaillierte Abhandlung verwiesen:
Hosch, Hubert: Franz Anton Maulbertsch als Maler in Bibliotheksräumen, Teil III Barnabitenkloster Mistelbach (2013) (online verfügbar auf http://www.freieskunstforum.de)

Wo befindet sich der Maulbertschweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 249 (hier als „Maulpertschweg“ bezeichnet)
-) Eintrag zu Maulbertsch im Austria-Forum (austria-forum.org)

Foto: Thomas Kruspel (2015)

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Pazderagasse

Mit Beschluss des Gemeinderates vom 15. Dezember 1980 wurde diese neu angelegte Gasse nach dem ehemaligen Mistelbacher Vizebürgermeister und Direktor der Volks- und Hauptschule für Knaben Oberschulrat Franz Pazdera benannt.

Wo befindet sich die Pazderagasse?

 

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 252 (hier fälschlich als „Pazderaweg“ bezeichnet)

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Der Schneider von Eibesthal – die Geschichte eines Justizmordes

„Eibesthaler, Eibesthaler,
hab’n a enge Gass’n;
hab’n an armen Schneider g’henkt,
den Diab hab’ns rennen lass’n.“

Obiger Spottvers, der Schimpfname „Schneiderhänger“ für die Eibesthaler und der zwischen Mistelbach und Eibesthal gelegene Schneiderberg erinnern an einen Justizmord, der sich samt seiner Vor- bzw. Nachgeschichte im Zeitraum September 1569 bis April 1570 in diesem Dorf ereignete. Bei der Geschichte des unschuldigen Schneiders Hans Rothaller, der unter Folter starb und dessen Leiche anschließend gehenkt wurde, handelt es sich nicht um eine Sage, sondern um ein historisches Ereignis, dass sich tatsächlich zugetragen hat. Nicht nur mündlich wurden die Geschehnisse von damals durch Generationen hinweg überliefert, sondern wie sich im Zuge der Recherchen herausstellte, schon sehr früh auch schriftlich festgehalten. In diesem Beitrag soll die Publikationsgeschichte dieses Gerichts- bzw. Kriminalfalles in umgekehrter chronologischer Reihenfolge dargestellt und die verfügbaren Quellen beleuchtet werden.

1932 veröffentlichte der damalige Kustos des Mistelbacher Heimatmuseums Carl Benesch eine auf Basis im Museum vorhandener Dokumente verfasste Darstellung der Geschichte, die im Mistelbacher Bote in zwei Teilen abgedruckt wurde.1

Zusammenfassung der Geschichte von Benesch aus dem Jahr 1932
(ergänzt um erläuternde Anmerkungen des Blog-Autors)

Bemerkenswert dabei ist die Vorsicht mit der Benesch die Geschichte behandelt – siehe seine Vor- und Nachbemerkung und die Tatsache, dass er die Namen der damaligen Richter verschweigt (in der oben verfügbaren Zusammenfassung wurden die Namen als Anmerkung ergänzt). Dies zeigt, dass die Angelegenheit, obwohl sie Anfang der 1930er Jahre bereits mehr  als 360 Jahre zurücklag, im kollektiven Gedächtnis des Dorfes und der Umgebung noch sehr präsent war und die Schuld, die einige Einwohner auf sich geladen hatten, als unbequemer Teil der Eibesthaler Geschichte gesehen wurde. Provokationen von Auswärtigen durch die Bezeichnung Schneiderhänger oder etwa mit einem Fahrzeug durch das Dorf zu fahren an dem hinten ein Strick baumelte, wurden von den Eibesthalern noch vor nicht allzu langer Zeit mit handfesten Argumenten beantwortet.

Möglicherweise nahm Benesch den einen Jahr zuvor, 1931, von Robert Penz veröffentlichten Artikel „Die Schneidergeschichte von Eibesthal im Jahr 1569 – Ein Justizmord in alter Zeit“ in der vom Verein für Landeskunde herausgegebenen Zeitschrift „Unsere Heimat“ zum Anlass sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Penz stützte sich bei seinem Text auf eine im Pfarrhof Eibesthal aufbewahrte Abschrift dieser Geschichte, die nach seiner Einschätzung wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert stammte und vermutlich eine Kopie einer älteren Aufzeichnung darstellte.2 Abgesehen von geringfügigen Unterschieden bspw. betreffend die Namensschreibweisen der handelnden Personen, abweichende Geldbeträge und die widersprüchliche Datumsangabe bei Benesch (siehe Anmerkung bei dieser Fassung), stimmen die Versionen obgleich sie offenkundig auf unterschiedlichen Quellen basieren, inhaltlich überein. Der Artikel von Penz rief einige in „Unsere Heimat“ veröffentlichte Einsendungen hervor, unter anderem vom Volkskundler Anton Mailly, der in der Beschreibung, dass die Leiche als sie von den Richtern berührt wurde, zu bluten begann, Spuren der aus dem Mittelalter bzw. der Zeit davor datierenden Rechtspraxis des Bahrrechts erkannte.3 Beim Bahrrecht wurde die Schuld eines Mörders als erwiesen angesehen, wenn bei Berührung der Leiche durch den Beschuldigten, diese zu bluten begann. Inbesondere wegen dieser Spur des Bahrrechts hatte Mailly die Schneider-Geschichte bereits in sein 1927 erschienenes Büchlein „Sagen aus dem Bezirk Mistelbach“ aufgenommen.4

In den von Mailly herausgegebenen Büchern „Niederösterreichische Sagen“ (1926) und „Sagen aus dem Bezirk Mistelbach“ (1927) findet sich auch die Sage von der Hinrichtung eines Schneiders in Siebenhirten, der mittels einem Strohband gehenkt worden sein soll. Mailly schreibt in den Anmerkungen im Anhang seiner „Niederösterreichische Sagen“ bzw. seiner Einsendung „Zur Schneidergeschichte von Eibesthal“, über diese mündlich überlieferte Erzählung, dass es sich hierbei wohl um eine Adaption eines bekannten Schildaschwanks in Anlehnung an die Geschichte aus Eibesthal handelt.5 Demgemäß dürfte die Geschichte aus Siebenhirten, für die auch sonst keine Quellen vorliegen, keinen eigenständigen historischen Kern aufweisen.

In einer weiteren Einsendung zur Eibesthaler Schneider-Geschichte, die 1932 in „Unsere Heimat“ veröffentlicht wurde, bestätigte ein Herr Dr. Prettenhofer die von Mailly erkannten Spuren des Bahrrechts und er erläuterte dessen Bedeutung und Praxis näher.6

Bereits 1878 war im Znaimer Wochenblatt unter dem Titel „Wie die Eibesthaler gebändigt wurden – eine kulturhistorische Skizze“ eine von den bisher erwähnten Fassungen abweichende Version der Schneider-Geschichte veröffentlicht worden. Der Verfasser „Dr. W.“ ist nicht näher bekannt und ebenso auf welche Quellen er sich stützte. Wie der Titel bereits nahelegt wird in dieser Version der Geschichte auch ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen und dem Wesen der Eibesthaler gezogen, deren Charakter – höflich ausgedrückt – als eher rau dargestellt wird. Die Geschichte weicht in mancherlei Hinsicht von den oben dargestellten Fassungen ab – nachfolgend eine kurze Zusammenfassung: Hans Rothaller, ein in Eibesthal ansässiger Botengänger (zwischen Mistelbach und Wien), wird von dem aus Wien stammenden Hans Moser beschuldigt dort 1000 Taler gestohlen zu haben und Moser meldet dies dem Eibesthaler Richter und seinen Geschworenen, die statt den Verdächtigen dem zuständigen Gericht in Falkenstein zu übergeben, die Untersuchung selbst in die Hand nahmen. Auch hier verstirbt Rothaller unter Folter und ebenso findet auch das Bahrrecht explizite Erwähnung. Statt in Falkenstein wollen die Eibesthaler den Toten auf dem in ihrem Ort befindlichen und dem Herrn von Fünfkirchen gehörenden Galgen henken. Der Verwalter des Herrn von Fünfkirchen gestattet dies, unter der Bedingung, dass die Frau des Rothaller, die von den Eibesthalern in einer Scheune gefangen gehalten wurde, freigelassen werde. Schließlich stellt sich heraus, dass der tatsächliche Täter Hans Moser war, der Rothaller den Diebsthal in die Schuhe geschoben hatte. Auch die Verletzung der Gerichtszuständigkeit kam ans Tageslicht und laut den Schilderungen wurde der Fall zu einem großen Justizskandal, der eingehend untersucht wurde und mit ernsten Strafen für alle Beteiligen, auch für den Grundherrn Fünfkirchen, dem das Fehlverhalten seines Verwalters Knörl zugerechnet wurde, endete. Da die Eibesthaler die Annahme ihrer Strafe aber verweigerten wurde laut dieser Erzählung die Hälfte der männlichen Eibesthaler Bevölkerung von Landsknechten nach Wien eskortiert, wo sie in Eisen gelegt mehrere Monate am Festungsbau arbeiten mussten. Dies soll den Trotz der Eibesthaler gebrochen haben und zum Abschluss des Artikels wird der Mistelbacher Dechant Faschang zitiert, der wenige Zeit später berichtet haben soll: „Alleluja! Die Eibesthaler sind lenksam und still wie die Schafe!“7

Im Stadtmuseumsarchiv Mistelbach befindet sich eine handschriftliche Fassung der Geschichte datierend aus dem Jahr 1803, die laut den darin gemachten Angaben ein Protokoll aus dem Besitz des zur Zeit des Geschehens herrschenden Fürsten Wolfgang von Liechtenstein wiedergibt.8 Dieses Dokument entspricht der Fassung von Penz bzw. Benesch, vermutlich bildete es sogar die Quelle für die Fassung von letzterem. Die Tatsache, dass es sich hier offenbar um die Abschrift eines alten Protokolls der Herrschaft Liechtenstein handelt, ist ein weiteres Indiz für die Authentizität der überlieferten Geschichte.

Neben der bereits eingangs erwähnten Abschrift in den Archivbeständen der Pfarre Eibesthal, die etwa Anfang des 19. Jahrhunderts angefertigt worden sein dürfte, sind laut Prälat Jakob Fried auch mehrere Eibesthaler Familien im Besitz alter handschriftlicher Abschriften der Geschichte die von Generation zu Generation weitervererbt werden. Auch im Besitz der Familie des aus Eibesthal stammenden Prälat Fried befand sich eine solche Abschrift, die nach einer in der Gemeindelade vorhandenen Fassung angefertigt wurde (diese enstpricht inhaltlich jener der Pfarre).9 Auf deren Basis veröffentlichte Fried 1946 eine freie literarische Aufbereitung der Schneider-Geschichte in Form einer Erzählung unter dem Titel „Ein Bauerngericht“.

Bereits Mailly schrieb in seinem 1931 eingesandten Beitrag „Zur Schneidergeschichte von Eibesthal“, dass ein von Lorenz Wessel verfasstes Werk zur gegenständlichen Geschichte Ende des 16. Jahrhunderts in Wien in Form fliegender Blätter im Umlauf gewesen sei.10 Maillys Annahme, dass dieses Werk nicht erhalten geblieben ist, konnte im Zuge der Recherche für diesen Beitrag und dank der fortschreitenden Digitalisierung von Bibliotheks- bzw. Archivbeständen glücklicherweise widerlegt werden. Der Meistersinger Lorenz Wessel (*1529, †1576) war ein aus Essen stammender Kürschnermeister, und als einer dieser im 15. und 16. Jahrhundert zunftartig organisierten Dichter und Sänger, in Teilen des heutigen Deutschlands und Österreichs unterwegs.11 Wessel hielt sich im Jahr 1570 einige Zeit in Wien auf, und hörte dort vermutlich von den Ereignissen in Eibesthal – schließlich hatte sich das „Wunder“ des am Galgen hängenden, nicht verwesenden Leichnams herumgesprochen und viele Schaulustige angelockt, und dies veranlasste ihn wohl im August 1570, wenige Monate nach der Beisetzung Rothallers, nach Mistelbach zu reisen. Hier verfasste er am 15. August 1570 sein diese Geschichte behandelndes Meisterlied unter dem Titel „Warhafftige newe Zeitung und grüntliche Beschreybung einer Gerichtshandlung, welche sich im Land Osterreich in einem Dorff, Eybenstal genent, nahent bey Mystelbach, hat zugetragen, wie Paurn oder Raths Herren daselbst einen unschuldigen und frummen Man von eines Diebstals wegen gefengklich haben einzogen, denselbigen in der strengen Frag verhalten, biss sie ihn gar zu todt haben gereckt, nach dem er vier tag todt gewesen ist haben sie in erst an einen galgen hencken lassen. Und wie hernach sein unschuld an tag ist kommen und was für straff die theter diser handlung empfangen und eingenommen haben und ist erbärmklich zu lesen unnd zu singen“.

Im Zuge der Recherchen konnte das Digitalisat eines 1571 in Augsburg gedruckten Exemplars dieses Meisterliedes in den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin entdeckt werden:

Digitalisat der Fassung von Lorenz Wessel vom August 1570 in den Online-Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin

Bei der am Ende des Stücks angegebenen Melodie „Pentzenawer“ handelt es sich um die damals sehr populäre und für viele Lieder genutzte Weise eines aus dem Jahr 1505 stammenden Stückes namens „Benzenauer“, das von der im Jahr zuvor erfolgten Belagerung und erfolgreichen Einnahme Kufsteins durch Kaiser Maximilian I. erzählt und den Namen des geschlagenen, tapferen Verteidigers der Festung trägt. Tatsächlich war diese bei den Meistersingern sehr beliebte Weise schon lange zuvor als „Hönweis“ verbreitet, und die Meistersinger, die sich in der Tradition des Minnesanges sahen, führten diese unter vielen weiteren Namen (u.a. „Bruder Veits Thon“) bekannte Melodie gar auf Wolfram von Eschenbach zurück.12

Die Melodie des „Benzenauer“ in Notendarstellung aus Rochus von Liliencron: „Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert“, Nachtragsband (1869) 13
Wikicommons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_historischen_Volkslieder_der_Deutschen_(Liliencron)_V_035.gif; books.google.com, Google Books-USA

Mit diesem verschollen geglaubten Werk, dass wenige Monate nach der Beerdigung Rothallers niedergeschrieben wurde, liegt ein authentischer Bericht des Geschehens aus jener Zeit vor. Der Vergleich des Inhalts dieses Dokuments mit den überlieferten Fassungen zeigt die inhaltliche Übereinstimmung und damit, dass die bis heute bekannte Erzählung über 450 Jahre richtig überliefert wurde und sich wie beschrieben tatsächlich ereignet hat. Dies ist umso bemerkenswerter, als die ältesten bisher bekannten Quellen aus der Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts stammen, bei denen es sich vermutlich bereits um Abschriften von Abschriften, usw. handelt. Einzig die im Znaimer Wochenblatt veröffentlichte Version, die zwar auch im Kern – Diebstahl, Leidensgeschichte und Tod des unschuldigen Rothaller – übereinstimmt, weicht in den Rahmenbedingungen bzw. Folgen von der Geschichte ab, und es fehlen bei dieser Version auch Angaben zur Quelle auf die sich die Erzählung stützt. Allerdings wird wie in dieser Fassung auch bei Wessel ein Verwalter namens Knöell (Knörl) erwähnt, dem in beiden Versionen mangels Einschreitens gegen das Vorgehen der Eibesthaler Versäumnisse betreffend die Pflicht gegenüber seiner Herrschaft vorgeworfen werden.

Wie bei den anderen Fassungen zu lesen ist, beteiligten sich auch die Eibesthaler (namentlich Schöfbeck und Moser) am martern des armen Rothaller, und dies offenbar sehr eifrig, sodass vom Henker folgende Aussage in Wessels Überlieferung dokumentiert ist:
„Die Eybenstaller sein
fleyssiger in der Sache,
dann all die Knechte mein.“

Laut den Angaben bei Wessel dürfte Rothaller am 3. Februar 1570 der Folter erlegen sein.14 In der Fassung von Benesch ist zu lesen, Rothaller sei am Mistelbacher Galgenberg gehenkt worden, im Meisterlied von 1570 heißt es hingegen, dass ein Galgen aufgestellt wurde, wo vorher keiner war: „am Kirchenberg“, der wohl seither unter dem Namen Schneiderberg bekannt ist. Auf untenstehendem Kartenausschnitt aus der Franzisco-Josephinische Landesaufnahme (1869-1887) scheint jedoch auch eine Flurbezeichnung Kirchbergen zwischen Eibesthal und Wilfersdorf auf. Der ehemalige Galgenstandort Mistelbachs hat sich im Flurnamen „Galgengrund“ erhalten und befand sich am selben Höhenzug wie der Schneiderberg, allerdings doch etwas entfernt, nämlich linkerhand an der heutigen Straße nach Wilfersdorf (auf der gegenüberliegenden Seite der M-City).

Im Meisterlied ist weiters festgehalten, dass neben der Bestrafung der beteiligten Eibesthaler durch die kaiserlichen Kommission auch „Pan und Acht“ („Bann und Acht“ – (höhere) Gerichtsbarkeit15) verloren gingen. Es scheint also, dass Eibesthal durch die Causa Rothaller seine eigenständige Gerichtsbarkeit verlor.

Quellen:

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Fasanweg

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 1. Juli 1997. In Anlehnung an die Anfang der 1980er Jahre erfolgte Straßenbenennung in der „Gartensiedlung I“ erhielt auch diese Gasse einen Namen mit jagdlichem Bezug.

Wo befindet sich der Fasanweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 238

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Jägergasse

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich die Jägergasse?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 244

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Hubertusweg

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich der Hubertusweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 244

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Fuchsengasse

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich die Fuchsengasse?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 240

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Rebhuhngasse

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich die Rebhuhngasse?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 253

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Czacha, Clemens

Don Clemens Cžácha

Don Clemens Cžácha* 18.8.1869, Lichtberg bei Natternbach, (Oberösterr.)1
† 24.5.1917, ebendort2

Der spätere Ordensgeistliche Don Clemens wurde 1869 als Johann Ludwig Cžácha in die Familie des Müllermeisters Johann Martin Cžácha und dessen Gattin Maria, geb. Péšta, in Lichtberg geboren. Seit jeher gehörte sein Geburtsort, die aus wenigen Gebäuden bestehende Rotte Lichtberg, zur Pfarre Natternbach, war jedoch trotz der räumlichen Nähe zu diesem Ort (unfreiwillig) von Ende des 18. Jahrhunderts bis 1938 Teil der Gemeinde Neukirchen am Walde. Die Familie Cžácha3 (auch Czácha, Cácha bzw. Čacha geschrieben) erbaute um 1860 das Haus Lichtberg Nr. 4, die am Natternbach gelegene Cžácha-Mühle.4 Seine Eltern stammten aus Südböhmen und waren tschechischer Nationalität, wie auch die Angabe seiner Muttersprache mit Tschechisch auf Cžáchas Nationale im Archiv der Universität Wien nahe legt.

Er besuchte die Unterstufe des bischöflichen Gymnasiums auf dem Freinberg (das heutige Aloisium) in Linz und war wahrscheinlich Zögling im dortigen Knabenseminar. Später wechselte Cžácha an das k.k. Staatsgymnasium in Linz, wo er die Reifeprüfung ablegte. Im Wintersemester 1892/93 trat er in das bischöfliche Clerial-Seminar in St. Pölten ein und nahm an der dortigen Theologischen Lehranstalt sein Studium auf.5 1894 erfolgte Cžáchas Eintritt in die Kongregation der Regularkleriker vom heiligen Paulus – so der vollständige Name des Barnabitenordens – und er ging als Novize in das Barnabitenkollegium St. Michael in der Wiener Innenstadt.6 Er wählte den Ordensnamen Clemens, legte 1895 die einfache Profess ab und setzte mit Beginn des Wintersemesters 1895/96 sein Studium an der theologischen Fakultät der Universität Wien fort.7 Nach dem Abschluss des Studiums empfing Don Clemens am 25. Juli 1897 im Wiener Stephansdom die Priesterweihe und feierte am Tag darauf in der Hof- und Stadtpfarrkirche St. Michael seine Primiz.8 1897 legte Cžácha auch die ewige Profess ab und wurde im September diesen Jahres als Cooperator (=Kaplan) in die vom Barnabitenorden betreute Pfarre Mistelbach entsandt.9

Dem Gründungscuratorium und auch dem Arbeitsausschuss des 1898 gegründeten Mistelbacher Heimatmuseums gehörte der damalige Pfarrer und Propst des Mistelbacher Barnabitenkollegiums Don Franz Sales Reidinger an.10 Der Schluss liegt nahe, dass sich Propst Reidinger bei der Arbeit im Museum von seinem Kaplan unterstützen bzw. vertreten ließ, da Cžácha sich während seiner Mistelbacher Zeit umfassende Kenntnisse der Geschichte der Stadt aneignete. Erster Beleg dafür sind einige im Frühjahr 1899 im „Bote aus Mistelbach“ erschienene kurze Beiträge zur Geschichte Mistelbachs bzw. zu im Museum vorhandenen Urkunden („Der Tulverhof im oberen Dorf“, „Freibrief über die Jahrmärkte zu Mistelbach aus dem Jahre 1372“,  „Das Kreuzwirtshaus und das Gasthaus zum weißen Ross“), die mit Cz. bzw. C. unterfertigt waren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Don Clemens Czácha zugerechnet werden müssen.11 Einige Monate nach seinem Abschied aus Mistelbach erschien ab Juli 1900 eine von ihm verfasste und ebenfalls im Bote aus Mistelbach veröffentlichte, mehrteilige Beitragsserie zur Geschichte der einst zur Grundherrschaft der Pfarre Mistelbach gehörenden Steinbruckmühle (heute: Zuckermühle, Hobersdorf) – diesmal unter Angabe seines vollständigen Namens.12

In Mistelbach wirkte Cžácha weiters als Präses des hiesigen katholischen Gesellenvereins13 und auch als Religionslehrer an der Mädchen Volks- und Bürgerschule14. Nach mehr als zwei Jahren in Mistelbach15 wurde Don Clemens im Jänner 1900 wieder zurück an die Pfarre St. Michael in Wien berufen.16 Dort scheint er als Pfarrkurat auf, und wirkte später auch als Bürgerschul- bzw. Christenlehr-Katechet und Vice-Lokalpräses des katholischen Gesellen-Hauptvereins.17

Der Stadt Mistelbach blieb Don Clemens jedoch weiterhin verbunden und natürlich entging ihm auch nicht das Erscheinen der im Herbst des Jahres 1901 von Karl Fitzka veröffentlichen Geschichte der Stadt Mistelbach. In einem Anfang Dezember des Jahres 1901 im „Bote aus Mistelbach“ veröffentlichten Brief lobte Cžácha Fitzkas Werk, kritisierte fachkundig jedoch einige Ausführungen bzw. Schlüsse Fitzkas bezüglich der frühesten Geschichte Mistelbachs, unter anderem, dass bereits im Jahr 991 hier eine Synode abgehalten worden wäre und die Gründung Mistelbachs bereits im 9. Jahrhundert erfolgt sei. Zwischen Cžácha und Fitzka entwickelte sich daraufhin ein mittels abgedruckter Einsendungen im „Bote aus Mistelbach“ ausgetragener Expertenstreit, der sich über mehrere Ausgaben hinweg entspann.18 Im Rückblick muss Don Clemens mit seiner Interpretation recht gegeben werden, der die Synode richtigerweise dem oberösterreichischen Mistelbach bei Wels zuordnete und die Gründung Mistelbachs erst ins 11. Jahrhundert verortete. Zwischen 1871 und 1927 wurde vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich die Topographie von Niederösterreich, ein umfassendes topographisch-historisches Werk, herausgegeben und der 1906 im Rahmen dieser Publikation veröffentlichte Beitrag zu Mistelbach stammt von Don Clemens Cžácha. Am Ende des ersten Briefes im Expertenstreit mit Fitzka, hatte Cžácha das Erscheinen einer von ihm verfassten Geschichte der Pfarre Mistelbach angekündigt. Eine solche Publikation ist nicht überliefert, und diese zweifellos während seiner Zeit in Mistelbach begonnene Arbeit bildete mit Sicherheit die Grundlage seines Beitrags für die Topographie.  Cžáchas Beitrag zur Geschichte Mistelbachs stellt eine weitere (und die erste wissenschaftlichen Standards entsprechende) Pionierarbeit der Mistelbacher Heimatforschung dar, die allerdings, da nicht als eigenständiges Werk erschienen, oft im Schatten der beiden Fitzka Bände steht.

Link zu Don Clemens Cžacha: Mistelbach in der Topographie von Niederösterreich (Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 609-666)

1908 wechselte Cžácha als Kaplan an die Pfarre Mariahilf und wurde Prokurat und Kanzler im Barnabitenkollegium zu Mariahilf. Von 1911 bis zu seinem Tode 1917 war er schließlich an der k. u. k. Hof- und Stadtpfarre St. Michael und dem dortigen Kollegium als Pfarrkurat bzw. Provinz- und Kollegiumskanzler tätig.19 Im August 1911, anlässlich des (vermeintlichen) 750-Jahr-Jubiläums der erstmaligen urkundlichen Erwähnung seiner Heimatgemeinde bzw. -pfarre Natternbach, veröffentlichte er unter dem Titel „Natternbach – Eine kleine Dorfgeschichte“ eine geschichtliche Abhandlung, die in einer vierteiligen Beitragsserie in der Illustrierten Unterhaltungsbeilage des Linzer Volksblattes erschien.20

Während des Ersten Weltkriegs wirkte Don Clemens auch in dem im Mariahilfer Barnabitenkollegium eingerichteten Vereins-Reservespital Nr. 5 des Roten Kreuzes und wurde hierfür 1915 mit der Militär Jubel-Medaille und dem Ehrenzeichen für Verdienste um das Rote Kreuz II. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.21 Darüber hinaus soll Cžácha ein Ehrendoktorat innegehabt haben und im Februar 1917 wurde ihm der Ehrentitel eines bischöflichen Notars (zu Königgrätz) verliehen.22

Bereits seit 1916 litt Cžácha an einem Herzleiden zu dem in weiterer Folge eine Nierenerkankung hinzukam, weshalb er sich nach Linz in Behandlung begab. Dort erlitt er am 14. März 1917 einen Schlaganfall und als er merkte, dass es dem Ende zuging, ließ er sich am 21. Mai zu seiner Mutter in sein Elternhaus nach Lichtberg bringen, wo er schließlich am 24. Mai 1917 an einer Gehirnblutung verstarb und drei Tage später am Friedhof Natternbach beigesetzt wurde.

Quellen:
-) Linzer Volksblatt, 1. Juni 1917 (Nr. 127), S. 3 (ONB: ANNO)
-) Cžáchas Nationale im Archiv der Universität Wien

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