Neugasse

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im Westen Mistelbachs, entlang der Wienerstraße (heute: Josef Dunkl-Straße), das städtische Gaswerk (1902) und der Landesbahnhof (1906) errichtet. In den Jahren nach der Eröffnung dieser bedeutenden Infrastruktureinrichtungen folgte die weitere bauliche Erschließung des neuen Stadtteils und in der Sitzung vom 6. November 1910 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat, dass die „rechts von der Wienerstraße abzweigende neue Straße“ den Namen „Neugasse“ erhalten sollte.

Wo befindet sich die Neugasse?

Quellen:
-) Mistelbacher Bote, Nr. 46/1910, S.3f

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Schillinggasse (Kettlasbrunn)

Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in der Katastralgemeinde Kettlasbrunn durch Gemeinderatsbeschluss vom 14.12.2004 wurde zur Erinnerung an die wenige Jahre zuvor vom Euro abgelöste österreichische Währung eine im Ort gelegene Sackgasse Schillinggasse benannt. Dass es mit dem von 1938 bis 1954 hier wirkenden Pfarrer Karl Schilling auch einen Kettlasbrunner Ehrenbürger dieses Namens gab, war dem mit der Ausarbeitung der Namensvorschläge betrauten Komitee um die damalige Ortsvorsteherin Annemarie Dietrich bekannt, spielte jedoch bei der Namensgebung keine Rolle.

Wo befindet sich die Schillinggasse?

Quellen:
-) Gemeinderatsprotokoll vom 14.12.2004
-) Auskunft Fr. Annemarie Dietrich

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„Dokumentationsreihe alter Ansichten, Bilder und Kommentare“ in der Mistelbacher Rundschau

1974 erschien erstmalig die Zeitung „Mistelbacher Rundschau“ mittels der die SPÖ Gemeinderatsfraktion Mistelbach seither regelmäßig über ihre politische Arbeit, die Tätigkeit ihrer Organisationen und das Geschehen in der Stadt informiert. Seit 2002 findet sich darin unter dem Titel „Dokumentationsreihe alter Ansichten, Bilder und Kommentare“ – eine Kultur- und Bildungsinitiative der SPÖ Gemeinderatsfraktion Mistelbach auch eine von Vzbgm. a.D. Reg. Rat Alfred Englisch gestaltete Beitragsreihe, die sich verschiedenen Themen der Geschichte Mistelbachs und seiner Katastralgemeinden widmet.

Übersicht über die bis Ende 2018 erschienenen geschichtliche Beiträge in der Mistelbacher Rundschau

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Ehrenbürger der Katastralgemeinden

In den bisher erschienenen Publikationen zur Geschichte der einzelnen Kastralgemeinden finden sich meist nur rudimentäre Angaben zu den Ehrenbürgern dieser ehemals selbstständigen Gemeinden bzw. oftmals wurde dieses Thema überhaupt nicht behandelt. Die löbliche Ausnahme bildet das Werk zur Geschichte Siebenhirtens von Prälat Franz Stubenvoll, dass eine vollständige Auflistung der Ehrenbürger beinhaltet.
Mittels aufwändiger Recherche in alten Lokalzeitungen konnten diese Aufzeichnungen nun ergänzt werden, doch auch die nachfolgende Darstellung kann natürlich keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Die Fragezeichen beim Verleihungsjahr bedeuten, dass zwar die Ernennung gesichert ist, allerdings Informationen zum genauen Zeitpunkt der Verleihung fehlen. Hinweise zur Ergänzung dieser Auflistung werden natürlich gerne entgegengenommen.

Ebendorf

? Dr. Josef Mitscha Ritter von Märheim (*1828, †1907) – Jurist, Bankfachmann, Landtagsabgeordneter und Gutsbesitzer [1]
? Wenzel Panaček (*1860, †1934) – Schulleiter und Gemeindesekretär [2]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
 
Ferdinand Fallenbiegl (*1856, †1933) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1891-1919)[3]
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

 

Eibesthal

? Josef Karl sen. (*1831, †1915) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1882-1894)[4]
1898 Franz Riedling (*1856, †1920) – Pfarrer in Eibesthal, später in Prinzendorf und Dechant des Dekanats Wilfersdorf [5]
1904 Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg (*1858, †1942) – Bezirkshauptmann[6]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1920 Leopold Strobl (*1851, †1927) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1906-1919)[7]
 
Johann Kummenecker (*1841, †1926) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1894-1906)[7a]
1923 Josef Sperling (*1863, †1950) – Pfarrer[8]
 
Rudolf Wedra (*1863, †1934) – Oberlehrer i. R., gew. Reichsratsabgeordneter und Mitglied der prov. bzw. konstituierenden Nationalversammlung von Deutschösterreich[9]
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
1948 Franz Kletzer (*1858, †1949) – Wirtschaftsbesitzer[10a]
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde
 
Jakob Fried (*1885, †1967) – Prälat[10]
1953 Ferdinand Fried (*1873, †1958) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1945-1950)[11]

 

Frättingsdorf[12]

? Johann Schreiber (*1872, †1955) – Schmiedemeister[12a]
1886 Wilhelm Hubmayer (*?, †?) – Stationsvorstand der Staatsbahnstation Frättingsdorf[13]
1899 Johann Bažant (*1848, †1920) – Bezirkshauptmann[14]
1904 Johann Helnwein (*1843, †1919) – Pfarrer und Dechant in Laa a.d. Thaya[15]
1910 Martin Steingassner (1838, †1917) – Ziegelfabrikant[16]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1919 Leopold Welzl (*1862, †1957) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1907-1919)[17]
1922 Adolf Schaffer (*1859, †1946) – Schuldirektor und Gründungsmitglieder der Feuerwehr Frättingsdorf[18]
1931 Georg Zohmann (*1857, †1937) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1895-1907)
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und Bauernbundpräsident
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde
1954 Georg Seidl (*1896, †1968) – Nationalratsabgeordneter[18a]
 
Heinrich Widmayer (*1891, †1977) – Nationalratsabgeordneter[18a]
1963 Josef Hilgarth (*1898, †1975) – Landesrat
 
Dipl.-Ing. Adolf Roppolt (*1897, †1984) – Hofrat beim Landesbauamt
1971 Matthias Bierbaum (*1916, †1995) – Landesrat für Agrarwesen
 
Dipl.-Ing. Walter Thurner (*1920, †1996) – Baurat nö. Landesbauamt
 
Johann Neckam (*1919, †2000) – Landwirt, Bürgermeister von Frättingsdorf (1958-1971) und später Gemeinderat der Stadtgemeinde Mistelbach

 

Hörersdorf

1886 Wilhelm Hubmayer (*?, †?) – Stationsvorstand der Staatsbahnstation Frättingsdorf[19]
1899 Johann Bažant (*1848, 1920) – Bezirkshauptmann [20]
1910 Martin Steingassner (*1838, †1917) – Ziegelfabrikant [21]
1913 Theodor Stief (*1872, †1959) – Pfarrer und vormals Präfekt des erzbischöflichen Knabenseminars Oberhollabrunn[22]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1932 Viktor Klinger (*1883, †1950) – Pfarrer [23]
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde

 

Hüttendorf[24]

1912 Karl Viktor Bechmann (*1864, †1944) – Landesbaurat und Leiter der Landes-Bauabteilung 3
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1919 Don Sales Reidinger (*1857, †1935) – Pfarrer und späterer Provinzial des Barnabitenordens in Österreich[25]
 
Josef Schreiber (*1865, †1938) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1901-1919)[26]
1932 Dr. Karl Buresch (*1878, †1936) – Landeshauptmann, zwischenzeitlich Bundeskanzler und später Bundesminister
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft
 
Ferdinand Neudecker (*1870, †1951) – Landwirt und Gemeinderat a.D.
1953 Ludwig Lehner (*1873, †1956) – Hotelier in Innsbruck, zuvor auch Cafetier und Kinobesitzer[26a]

 

Kettlasbrunn

? Maria Zornig (*1891, †1975) – Lehrerin und provisorische Schulleiterin [27]
1900 Franz Skala (*1840, †1912) – Oberverwalter des liechtensteinischen Gutes in Wilfersdorf[28]
1903 Karl Bock (*1864, †1938) – Pfarrer, Gründer des landwirtschaftlichen Casinos und der Raiffeisenkasse[29]
1910 Karl Viktor Bechmann (*1864, †1944) – nö. Landesbaurat[30]
 
Maria Städtner (*1851, †1928) – Wirtschaftsbesitzerin und Gönnerin des Ortes und der Pfarre[31]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde
1954 Karl Schilling (*1906, †1994) – Pfarrer und später u.a. Pfarrer in Gänserndorf und Dechant des Dekanats Bockfließ[32]

 

Lanzendorf[33]

? Franz Schön (*1855, †1951) – Bürgermeister (1895-1919)
? Josef Kraus (*1882, †1965) – Bäckermeister und langjähriger Feuerwehrhauptmann
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
 
(durch Beschluss des Gemeindeverwalters (Ehrenbürger Josef Elbling) wurden diese Ehrenbürgerschaftsverleihungen 1938 aberkannt[34])
1951 Josef Elbling (*1873, †1957) – Bürgermeister (1924-1945)[35]
1956 Josef Pukl (*1879, †1965) – pens. Bahnarbeiter und Gemeindesekretär[35a]
1966 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Leiter der Agrarbezirksbehörde und davor Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach
 
Dipl.-Ing. Wilhelm Handler (*?, †?) – Leiter der Kulturtechnischen Abteilung der NÖ Agrarbezirksbehörde
 
Dipl.-Ing. Johann Pikal (*?, †?) – Projektierung und Bauleitung Güterweg „Triftweg“

 

Paasdorf[36]

? Josef Wegert (*1880, †1964) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1931-1938 & 1945-1948)
1895 Ignaz Seltenhammer (*1832, †1902) – Wirtschaftsbesitzer und langjähriger Gemeinderat[37]
1909 Johann Kastenhofer (*1849, †1929) – Pfarrer[38]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1919 Leopold Rosner (*1859, †1934) – Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister (1899-1912 & 1916-1919)
[39]
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
1949 Engelbert Kainz (*1874, †1954) – Landwirt[39a]
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde

 

Siebenhirten[40]

1898 Wenzel Wurm (*1847, †1914) – Pfarrer[42]
1907 Franz Guganeder (*1863, †1944) – Schulleiter[42]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten
1919 Anton Trischack (*1856, †1940) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1906-1919)
1929 Franz Stark (*1880, †1939) – Pfarrer
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister
1949 Josef Trischak (*1869, †1952) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1919-1938)
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde
1955 Jakob Strebl (*1904, †1992) – Volksschuldirektor[42a]
1956 Johann Neydhart (*1891, †1977) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1945-1955)

 

Nachfolgend ein paar Anmerkungen zu (teils vermeintlichen) Massenverleihungen des Ehrenbürgerschaftsrechts:
-) Die Information, dass sämtliche Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach dem Wiener Weihbischof, Dr. Godfried Marschall, 1910 die Ehrenbürgerschaft verliehen hätten – wie dies von mehreren Wiener Tageszeitungen berichtet wurde – ist falsch. Ihm wurde damals von einer Bürgermeisterdelegation lediglich eine schön gefertige Dankadresse überreicht.[43]
-) 1916 verliehen sämtliche Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach Bezirkshauptmann Franz Dokaupil und Bezirksoberkommissär Alois Wolf die Ehrenbürgerschaft.[44]
-) Laut einem Bericht der „Arbeiter Zeitung“ soll Bezirkshauptmann Dr. Kwizda 1932 die Bürgermeister des Verwaltungsbezirks Mistelbach aufgefordert haben Dr. Karl Buresch, anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums als Landeshauptmann, zum Ehrenbürger zu ernennen.[45] Dieser Aufforderung scheinen laut Berichten der „Reichspost“ bzw. der „Illustrierten Kronen-Zeitung“ 81 Gemeinden nachgekommen zu sein[46], wobei sich eigenartigerweise keinerlei Erwähnung dieser Ehrung im „Mistelbacher Bote“ findet. Die Stadt Mistelbach gehörte jedenfalls nicht zu diesen 81 Gemeinden[46a], allerdings ist es möglich, dass sich neben Hüttendorf noch weitere Katastralgemeinden unter den 81 Gemeinden befanden.
-) 1934 verliehen alle Gemeinden des Gerichtsbezirks Mistelbach Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß, Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg und Landeshauptmann Josef Reither die Ehrenbürgerschaft[47]
-) Anlässlich seines 60. Geburtstages 1950, verliehen 100 Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach Bundesminister Josef Kraus das Ehrenbürgerrecht.[48] Zum damaligen Zeitpunkt zählte der Bezirk Mistelbach 127 Ortsgemeinden und einige davon (zB Mistelbach) hatten ihm diese Ehre bereits früher zuteil werden lassen. Es ist also recht wahrscheinlich, dass Kraus Ehrenbürger (beinahe) aller Mistelbacher Katastralgemeinden war, in die obige Auflistung wurden jedoch nur Katastralgemeinden aufgenommen, bei denen die Ehrenbürgeschaft auch tatsächlich durch Quellen belegt ist.
-) Unter den 25 Gemeinden des Gerichtsbezirks Mistelbach, die Bezirkshauptmann Dr. Karl Mattes im März 1951 das Ehrenbügerrecht verliehen, befanden sich auch die Katastralgemeinden Eibesthal, Frättingsdorf, Hörersdorf, Kettlasbrunn, Paasdorf und Siebenhirten[49]

Quellen (und Anmerkungen):
1 Bote aus Mistelbach, Nr. 38/1904, S. 4
2 Kleine Volks-Zeitung, 10. April 1934, S. 6 (ONB: ANNO)
3 Mistelbacher Bote, Nr. 1/1917, S. 1
4 Bote aus Mistelbach, Nr. 15/1904, S. 6
5 Bote aus Mistelbach, Nr. 3/1899, S. 3;
Reichspost, 28. Dezember 1898, S. 4 (ONB: ANNO)
6 Bote aus Mistelbach, Nr. 50/1904, S. 6
7 Mistelbacher Bote, Nr. 3/1920, S. 3
7a Mistelbacher Bote, Nr. 3/1920, S. 3
8 Mistelbacher Bote, Nr. 11/1923, S. 3; Mistelbacher Bote, Nr. 12/1923, S. 2f; Dank an Josef Strobl für die Ergänzung der Lebensdaten
9 Mistelbacher Bote, Nr. 32/1923, S.2
10 Volks-Presse, Nr. 42/1951, S. 5
10a Mistelbacher Bote, Nr. 41/1948, S. 3
11 Volks-Presse, Nr. 4/1953, S. 8
12 Neckam, Johann sen.: Heimatgeschichte von Frättingsdorf – hrsg. vom Zeitgeschichtlichen Dokumentationsarchiv Asparn an der Zaya (1998), S. 191 (die Angabe der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Seidl und Widmayer ist bei Neckam fälschlicherweise mit 1952 angegeben)
12a Mistelbacher Bote, Nr. 13/1955, S. 5
13 Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Nr. 4/1886, S. 4
14 Standesblatt des Präsidiums der niederösterreichschen Statthalterei zu Johann Bažant, K 2/02-0033, Niederösterreichisches Landesarchiv
15 Bote aus Mistelbach, Nr. 14/1904, S. 6
16 (Neuigkeits) Welt Blatt, 24. November 1910, S. 29 (ONB: ANNO)
17 Mistelbacher Bote, Nr. 26/1919, S. 4
18 Mistelbacher Bote, Nr. 47/1922, S. 2
18a Mistelbacher Bote Nr. 1/1955, S. 5
19 Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Nr. 4/1886, S. 4
20 Standesblatt des Präsidiums der niederösterreichschen Statthalterei zu Johann Bažant, K 2/02-0033, Niederösterreichisches Landesarchiv
21 (Neuigkeits) Welt Blatt, 24. November 1910, S. 29 (ONB: ANNO)
22 Mistelbacher Bote, Nr. 13/1913, S. 5;
Grippel, Dr. Johann: Geschichte des fürsterzbischöflichen Knabenseminars der Erzdiözese Wien zu Oberhollabrunn (1906), S. 115;
Personalstand der Welt- und Ordensgeistlichkeit der Erzdiözese Wien – Stand vom 1. März 1961, S. 200
23 Reichspost, 7. Jänner 1932, S. 7 (ONB: ANNO)
24 Englisch, Alfred: Hüttendorf im Wandel der Zeit (2005)
25 Mistelbacher Bote, Nr. 6/1919, S. 2
26 Mistelbacher Bote, Nr. 10/1919, S. 3
26a Die tatsächliche Verleihung der Ehrenbürgerschaft fand erst 1955 in Innsbruck statt – lt. Archiv Reg. Rat Alfred Englisch
27 Jakob, Christa: Kulturdenkmäler, Band II: Ortsgemeinden Mistelbach, S. 404
28 Bote aus Mistelbach, Nr. 24/1900, S. 4
29 Bote aus Mistelbach, Nr. 22/1903, S. 5;
Grippel, Dr. Johann: Geschichte des fürsterzbischöflichen Knabenseminars der Erzdiözese Wien zu Oberhollabrunn (1906), S. 110
30 Mistelbacher Bote, Nr. 32/1910, S. 2
31 Mistelbacher Bote, Nr. 41/1910, S. 4;
Deutsches Volksblatt, 4. August 1910, S. 7 (ONB: ANNO)
32 Volks-Presse, Nr. 52/1954, S. 4
33 Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute, eine kleine Ortschronik (1996), Teil II, S. 33
34 Mistelbacher Bote, Nr. 23/1938, S. 6
35 Volks-Presse, Nr. 16/1951, S. 5;
laut einem Nachruf im Mistelbacher Bote, Nr. 12/1957, S. 4 soll die Verleihung erst 1953 erfolgt sein. In Hinblick auf den Bericht der Volks-Presse, die bereits 1951 von der Ehrenbürgerverleihung berichtete, dürfte es sich hierbei um eine fehlerhafte Angabe handeln.
35a Mistelbacher Bote, Nr. 7/1956, S. 4
36 Muhsil, Josef: Notizen & Bilder zur Geschichte meines Heimatortes (1996), S. 70
37 Bote aus Mistelbach, Nr. 32/1902, S. 8;
Bote aus Mistelbach, Nr. 28/1902, S. 4
38 Mistelbacher Bote, Nr. 34/1909, S. 4
39 Mistelbacher Bote, Nr. 29/1919, S. 3
39a Mistelbacher Bote, Nr. 7/1949, S. 4
40 Stubenvoll, Franz: Siebenhirten bei Mistelbach – Eine Geschichte des Ortes, seiner Herrschaft und seiner Pfarre (1986), Band 1, S. 193f
41 Bote aus Mistelbach, Nr. 15/1898, S. 5
42 Mistelbacher Bote, Nr. 36/1907, S. 3f
42a Mistelbacher Bote, Nr. 41/1955, S. 4
43 Beispiel für die Falschmeldung: Wiener Zeitung, 20. Mai 1910, S. 7 (ONB: ANNO);
Richtige Meldung: Die Neue Zeitung, 21. Mai 1910, S. 4 (ONB: ANNO)
44 Mistelbacher Bote, Nr. 24/1916, S. 3;
Wiener Zeitung, 18. Juni 1916, S. 9 (ONB: ANNO)
45 Arbeiter Zeitung, 5. Juni 1932, S. 7 (ONB: ANNO)
46 Reichspost, 10. Juni 1932, S. 4 (ONB: ANNO);
Illustrierte Kronen-Zeitung, 10. Juni 1932, S. 7 (ONB: ANNO)
46a Volksbote, 10. Juni 1932, S. 3f (ONB: ANNO)
47 Mistelbacher Bote, Nr. 47/1934, S. 3
48 Volks-Presse mit Ostbahnbote, Nr. 9/1950, S. 5
49 Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, Nr. 9/1951, S. 1

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Updates, Updates, Updates

Die Arbeit am Blog stand in den letzten zwei Monaten nicht still, auch wenn keine neuen Beiträge veröffentlicht wurden. Viel Recherchearbeit passierte in den vergangenen Wochen und deren interessante Ergebnisse werden bald in Form neuer Beiträge veröffentlicht.

Zum anderen wurden zahlreiche ältere Beiträge korrigiert, überarbeitet, um Bilder erweitert oder auf andere Art optimiert.
Hier eine kurze Übersicht:
-) Ehrenbürger der Stadt Mistelbach: alle bisher in der Literatur vorhandenen Auflistungen der Ehrenbürger Mistelbachs erwiesen sich als fehlerhaft, auch jene im Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach“, auf deren Basis der Beitrag für diesen Blog erstellt wurde. Deshalb wurden Belege für alle Verleihungen gesucht und in der aktualisierten Liste werden diese angeführt, um deren Richtigkeit zu belegen.

Folgende Änderungen ergaben sich dadurch:

Neue (bisher „unbekannte“) Ehrenbürger: Bezirkshauptmann Franz Dokaupil und Bezirksoberkommissär Alois Wolf (beide 1916)

„falsche“ Ehrenbürger, die aus der Liste wieder gelöscht wurden:
Bei Pinselfabrikant Franz Mühl handelte es sich um keinen Ehrenbürger, ihm wurde 1910 nur das Bürgerrecht der Stadt verliehen;
Ebenso war Weihbischof Dr. Godfried Marschall nicht Ehrenbürger sämtlicher Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach, auch wenn dies einige Tageszeitungen 1910 behaupteten. Tatsächlich überreichte ihm eine Delegation der Gemeinden des Bezirks lediglich eine schön gefertigte Dankadresse.

falsche Jahreszahl: die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Staatsrat Josef Kraus und Bundeswirtschaftsrat Georg Seidl fand nicht 1954, sondern 1937 statt

Auch das Thema der Aberkennung gewisser Ehrenbürgerrechte während der Zeit des Nationalsozialismus bzw. deren „Wiederinstandsetzung“ 1954 wird nun im Beitrag behandelt.

-) Ehrenringträger der Stadt Mistelbach: bei der ursprünglichen Liste wurde leider auf Vzbgm. a.D. Fritz Duda vergessen, dies wurde nun korrigiert und sämtliche Verleihungen des Ehrenrings mit Belegen versehen. Weiters werden nun auch die Ehrenringe erwähnt, die die Gemeinde während der Zwischenkriegszeit der FF Mistelbach für langjährige Mitglieder zur Verfügung stellte.

-) Mistelbacher Fotografen vor 1945: ein Foto des Fotografen Alfred Wolfram wurde online gestellt. Bereits vor einiger Zeit konnte als weiterer in Mistelbach tätiger Fotograf Josef Eibl hinzugefügt werden und neue Erkenntnisse zu Plaschil und Forstner wurden eingearbeitet.

-) Historische Mistelbacher Lokalzeitungen: In der Lücke zwischen dem Ende des „Bezirks-Bote“ und dem Erscheinen des „Untermanhartsberger Kreis-Blattes“ erschien wie sich nun herausstellte eine weitere kurzlebige Mistelbacher Zeitung mit dem Namen „Illustriter Bezirks-Bote“

… und zahlreiche weitere kleinere Korrekturen.

Weitere Aktualisierungen bestehender Beiträge werden in den nächsten Wochen stattfinden.

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Schöller, Alfred

Bürgermeister Alfred Schöller

* 26.9.1921, Lanzendorf
† 19.4.2000, Lanzendorf

Alfred Schöller wurde 1921 als siebentes von zehn Kindern in die Familie von Johann Schöller, Werkmeister bei der Landesbahn, und dessen Ehefrau Emilie, geb. Šobra, in Lanzendorf geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule in Mistelbach, trat er im September 1935 als Lehrling in die Zentralmolkerei Mistelbach ein. Dem Lehrabschluss folgte 1938/39 eine Ausbildung an der Molkereischule Wolfpassing (Bezirk Scheibbs), die Schöller mit ausgezeichnetem Erfolg absolvierte. 1940 wurde er zunächst zum Reichsarbeitsdienst und anschließend in die Deutsche Wehrmacht eingezogen. Unteroffizier Schöller, der mit mehreren Tapferkeitsauszeichnungen dekoriert wurde, war von 1941 bis 1942 als Militärbote in Südfrankreich und danach an der Ostfront eingesetzt. Im August 1943 wurde er in Russland durch eine Granatenexplosion schwer verwundet und nach längeren Lazarettaufenthalten in Warschau bzw. in Stein a.d. Oder, kehrte er 1944 als Betriebsleiter-Stellvertreter in die Molkerei Mistelbach zurück.

In der Zeit unmittelbar nach Kriegsende war Schöller neben seiner Tätigkeit in der Molkerei auch Polizist bei der Mistelbacher Stadtpolizei, wie dies ein Ausweis datiert auf Juni 1945 belegt und diesem ist auch das Bild rechts entnommen. Im Oktober desselben Jahres heiratete er Jola Marie Liebhart und dieser Ehe enstammten vier Kinder. Bald nach dessen Gründung engagierte er sich im Österreichischen Gewerkschaftsbund, war ab 1946 Betriebsrat in der Molkerei Mistelbach und 1948 auch Gründungsmitglied und später Obmann der Mistelbacher Ortsgruppe der Gewerkschaft der Privatangestellten. Im Zuge der ersten Gemeindevertretungswahl nach dem Krieg im Jahr 1950, zog er für die ÖVP in den Lanzendorfer Gemeinderat ein. Hatte bei der ersten Wahl noch die SPÖ die Stimmenmehrheit erreicht, konnte sich bei der Wahl 1955 dann die ÖVP als Sieger durchsetzen, und von 1955 bis Ende des Jahres 1966, dem Zeitpunkt der Eingemeindung Lanzendorfs zu Mistelbach, war Schöller Bürgermeister der Gemeinde Lanzendorf. Aber damit endete sein kommunalpolitisches Engagement keineswegs, denn von 1967 bis 1975 wirkte er als Stadtrat für Straßenbau und Verkehrswesen der Stadt Mistelbach und Ortsvorsteher der Gemeinde Lanzendorf. Bereits ab 1972 war er Betriebsleiter und von 1975 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand, 1981, schließlich Direktor der Zentralmolkerei Mistelbach.

Bereits seit den 1980er Jahren befasste er sich mit lokalgeschichtlichen  Recherchen, veröffentlichte kleine Schriften (60 Jahre FF Lanzendorf, Festschrift Zentralmolkerei, etc.), und gemeinsam mit seiner Gattin Jolanda, und Johann Schön verfasste er die 1996 vom Dorferneuerungsverein herausgegebene Publikation „Lanzendorf: Einst und heute – eine kleine Ortschronik“. Neben seinem politischen Engagement war Schöller natürlich auch bei zahlreichen Lanzendorfer und Mistelbacher Vereinen aktiv und engagierte sich für die Gemeinschaft. Ein bleibendes Denkmal seines Wirkens ist die in den Jahren 1969-70 errichtete und dem hl. Florian geweihte Kirche in Lanzendorf. Die Vorarbeiten zu deren Planung begannen bereits mehr als zehn Jahre zuvor und als Obmann des Kapellenbauvereins war Schöller unermüdlicher Motor des Projekts, eifriger Spendensammler und Organisator der Einsätze der vielen freiwilligen Helfer. Gemeinsam mit Stadtpfarrer P. Volkmar Kraus, dem Architekten Albert Bürger und dem für die künstlerische Gestaltung verantwortlichen P. Ivo Schaible gilt er als einer der vier „Kirchenväter“ dieses neuerbauten Gotteshauses. Für seine großartige Leistung wurde er von Kardinal König mit dem Stephanus Orden in Silber, einer hohen Auszeichnung der Erzdiözese, geehrt.

1996 wurde ihm und weiteren Altbürgermeistern der Katastralgemeinden der Wappenring der Stadtgemeinde Mistelbach verliehen. Alfred Schöller erlag im Jahr 2000 einer Krebserkrankung und wurde auf dem Friedhof Mistelbach beerdigt. Aufgrund seiner großen Verdienste um das Gemeinwohl wurde noch im selben Jahr in Lanzendorf der Platz gegenüber seinem  Wohnhaus „Alfred Schöller-Platz“ benannt.

Quellen (und Anmerkungen):
-) Lebenslauf und Portraitfotos zur Verfügung gestellt von Dr. Alfred Schöller (Sohn)
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute, eine kleine Ortschronik (1996)
(in „Lanzendorf – einst und heute“ ist das Jahr der ersten Gemeinderatswahl irrtümlich mit 1949 angegeben, ein Fehler der dann auch im Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach – ein Lesebuch“ übernommen wurde. Tatsächlich fanden die ersten freien Gemeinderatswahlen niederösterreichweit am 7. Mai 1950 statt, zuvor wurden die Gemeinderäte auf Basis der Nationalrats- bzw. Landtagswahlergebnisse laut Vorschlag der Parteien durch die Landesregierung ernannt; im Lebenslauf ist der Einzug in den Gemeinderat mit 1949 angegeben, wobei es sich hierbei um einen durch eingangs erwähnten Fehler hervorgerufenen Irrtum handeln dürfte, denn Anhaltspunkte für eine Nachnominierung durch die LReg wurden nicht gefunden)
-) Mistelbacher Gemeindezeitung, 3/2000, S. 20 (Nachruf)

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

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Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach

Neben dem Ehrenbürgerrecht wurde 1958 mit dem Ehrenring der Stadt Mistelbach eine weitere Auszeichnung für um das Wohl der Stadt verdiente Persönlichkeiten geschaffen. Damals wurde dafür ein eigenes Ehrenstatut vom Gemeinderat beschlossen. Die Verleihung erfolgt gemeinsam mit einer Urkunde und an der Innenseite des Rings ist der Name des Geehrten eingraviert. Die Bilder des Ehrenrings (unten) wurden freundlicherweise von Ehrenringträger Bürgermeister a.D. Reg.Rat Dipl.-Päd. Alfred Weidlich zur Verfügung gestellt. Daneben wurden im Laufe der Zeit vom Gemeinderat auch der Wappenring und der Partnerschaftsring als weitere Ehrenzeichen eingeführt.

Nachfolgend eine chronologische Auflistung aller Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach. Als Jahr wird immer jenes der tatsächlichen Verleihung angegeben, dass vom Jahr der Beschlussfassung durch den Gemeinderat, bspw. im Falle einer Verleihung im Rahmen des Neujahrsempfangs, abweichen kann. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1958 Dr. Otto Löwenstein (*1895, †1986) – Hofrat bei der Finanzlandesdirektion Wien, Niederösterreich und Burgenland[1]
 
Friedrich Bollhammer (*1898, †1969) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Mädchen und Leiter des Heimatmuseums[2]
1960 Franz Lang (*1892, †1965) – Gärtnermeister und Stadtrat a.D.[3]
 
Franz Pazdera (*1900, †1978) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Knaben und Vizebürgermeister[4]
1963 Dr. Ludwig Lang (*1902, †1989) – Leiter der Pädagogischen Abteilung bzw. später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht[5]
 
Mag. Karl Haider (*1918, †2002) – Landesschulratsdirektor[6]
1967 Dr. Leopold Speiser (*1922, †1998) – Bezirkshauptmann und später Landesamtsdirektor[7]
1970 Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim (*1900, †1976) – Archäologe und Frühgeschichtsforscher, Universitätsprofessor an der Universität Wien[8]
 
Dr. Adolf März (*1918, †1987) – Ministerialrat und später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht[9]
 
Dr. Agnes Niegl (*1913, †2008) – Ministerialrätin und später (erste) Sektionschefin im Bundesministerium für Unterricht[10]
1972 P. Volkmar Kraus SDS (*1913, †1983) – Stadtpfarrer[11]
1977 Mag. Karl Müller (*1912, †1996) – Bezirkshauptmann[12]
1980 Dr. Franz Loicht (*1933) – Ministerialrat im Ministerium für Bildung und Kultur[13]
1983 Dr. Hans Zeger (*1920, †1984) – Leiter der Abteilung für landwirtschaftliches Schulwesen bei der nö. Landregierung[14]
1988 P. Franz Seifert SDS (*1926, †2005) – Stadtpfarrer[15]
1989 Ernst Höger (*1945) – Landesrat für Gemeinde- und Wohnbauwesen und Landeshauptmannstellvertreter[16]
1996 P. Martin Bauer SDS (*1943) – Stadtpfarrer[17]
1999 Dr. Herbert Foitik (*1939, †2009) – Bezirkshauptmann[18]
 
Georg Stangl (*1927, †2006) – Landtagsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.[19]
 
Vinzenz Staffel (*1931, †2005) – pens. Gemeindebediensteter, Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter a.D. und Bezirksfeuerwehrkommandant a.D.[20]
 
Andreas Grum (*1937) – pens. Werkmeister und langjähriger Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach[21]
2004 Heinrich Kuba (*1937) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Stadtrat a.D.[22]
2006 Friedrich Duda (*1939) – Kaufmann i.R. und Vizebürgermeister a.D.[23]
2010 Alfred Englisch (*1945) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.[24]
 
P. Hermann Jedinger SDS (*1945) – Stadtpfarrer[25]
2011 Dipl.-Ing. Werner Kummerer (*1948) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.[26]
2016 Alfred Weidlich (*1948) – Berufsschuldirektor i.R. und Bürgermeister (1989-1997)[27]

In der Zwischenkriegszeit verlieh die Mistelbacher Feuerwehr an Mitglieder, die ihr seit 25 Jahren angehörten, Ehrenringe. Diese Ehrenringe wurden laut den damaligen Gemeinderatsprotokollen über Ersuchen der Feuerwehr von der Gemeinde zur Verfügung gestellt – es handelte sich dabei jedoch um keine Ehrung durch die Stadt Mistelbach.[28]

Quellen (und Anmerkungen):
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27f
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart

1 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 11.04.1958, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 46/47, April/Mai 1958, S. 1ff
2 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 17.10.1958, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 46/47, September/Dezember 1958, S. 4ff
3 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 15.06.1960; Nö. Volkspresse, Nr. 27/1960, S. 5
4 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 28.10.1960, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 77/78, Dezember 1960, S. 2f; Nö. Volkspresse, Nr. 44/1960, S. 3
5 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 24.06.1963, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 100, Juli 1963, S. 2
6 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 24.06.1963, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 100, Juli 1963, S. 2
7 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 03.07.1967, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 127, September 1967, S. 4
8 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 25.02.1970, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 149, März 1970, S. 2f
9 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 01.10.1970, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 153, Oktober 1970, S. 4f
10 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 01.10.1970, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 153, Oktober 1970, S. 4f
11 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 30.06.1972, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 167, Juli 1972, S. 3f
12 Beschluss Gemeinderatssitzung vom 16.11.1977, Verleihung 16.01.1978, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 203, Feber 1978, S. 6
13 Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 217, Oktober 1980, S. 26
14 Beschluss Gemeinderatssitzung vom 21.6.1983, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 217, Oktober 1980, S. 26
15 Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 4/1988 (Oktober), S. 5
16 Beschluss Gemeinderatssitzung Ende 1988, Verleihung 09.01.1989, Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/1989 (Februar), S. 3
17 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 9/1996 (August), S. 22
18 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 6
19 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 6
20 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 9
21 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 9
22 Verleihungsbeschluss Oktober 2003, Verleihung Jänner 2004, Stadt-Gemeinde-Zeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/2004 (Jänner), S. 9
23 Verleihungsbeschluss Ende 2005, Verleihung Jänner 2006, Stadt-Gemeinde-Zeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/2006 (Jänner), S. 5
24 Verleihungsbeschluss Ende 2009, Verleihung Jänner 2010, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2010 (Jänner), S. 6
25 Verleihungsbeschluss Ende 2009, Verleihung Jänner 2010, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2010 (Jänner), S. 6
26 Verleihungsbeschluss Ende 2010, Verleihung Jänner 2011, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2011 (Februar), S. 6
27 Verleihungsbeschluss 14.10.2015 (Gemeinderatsprotokoll), Verleihung 08.01.2016, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2016 (Februar), S. 5
28 Volksbote, Nr. 34/1920, S. 5; Mistelbacher Bote, Nr. 47/1933, S. 4

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Differtenweg

1997 benannt nach der im Saarland gelegenen, ehemals selbstständigen, deutschen Gemeinde Differten, die 1974 als Ortsteil der Gemeinde Wadgassen angegliedert wurde. Im Jahr 1971 begannen die freundschaftlichen Kontakte zwischen den Freiwilligen Feuerwehren Mistelbach und Differten, als die Mistelbacher Florianijünger anlässlich der Teilnahme an einem Feuerwehrwettkampf in Saarlouis im nahegelegenen Differten untergebracht waren. Seit damals gab es immer wieder freundschaftliche Begegnungen im Rahmen verschiedener (internationaler) Wettkämpfe und die FF Differten nahm auch an dem 1974 in Mistelbach abgehaltenen niederösterreichischen Landesfeuerwehrleistungsbewerb teil. Am 27. Mai 1978 wurde die Partnerschaft der beiden Wehren im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Differten durch ein Freundschaftsabkommen offiziell begründet. Die Namensgebung erfolgte gleichzeitig mit der Benennung der umliegenden Gassen Welsbergweg, Bienenbüttelgasse und Hegerstraße, die allesamt einen Feuerwehrbezug aufweisen.

Wo liegt Differten?

 

Wo befindet sich der Differtenweg?

 

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 237
-) Chronik der Feuerwehr Differten von anno 1894 bis zum Jahre 2000

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Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal von Franz Riedling (Download)

Pfarrer Franz Riedling (*1856, †1920)[1], der von 1885 bis 1898 die Pfarre Eibesthal betreute und als einer der Initiatoren der Eibesthaler Passionsspiele gilt, veröffentlichte 1909 im Rahmen einer im Wiener Diözesanblatt erschienenen Beitragsreihe Regesten[2] zur Geschichte der Pfarre Eibesthal. Ergänzt sind die Regesten um Notizen und ausführliche Erläuterungen, sodass dieses Werk wohl als erste umfassende Aufarbeitung der Geschichte Eibesthals gelten kann. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Riedling anlässlich seines Abschieds von Eibesthal zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.[3] Anschließend war er Pfarrer in Prinzendorf und Dechant des Dekanats Wilfersdorf und später bis zu seinem Tod Pfarrer in Schwechat. Er verfasste auch zahlreiche weitere Abhandlungen über die Geschichte verschiedener Pfarren der Erzdiözese Wien, die ebenfalls im Wiener Diözesanblatt veröffentlicht wurden.

Seine auf mehrere Ausgaben des Diözesanblattes verteilte Beitragsserie zur Geschichte der Pfarre Eibesthal wurde zur Veröffentlichung im Rahmen dieses Blog zu einem pdf-Dokument zugesammengefasst, das auch mittels Volltextsuche durchsucht werden kann.

Hier der Link zu Riedlings Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal
(Download: rechter Mausklick auf den Link und „Ziel speichern unter …“ auswählen oder nach dem Öffnen des Links rechts oben auf das Downloadsymbol klicken)

Quellen:
1 Pfarre Schwechat: Sterbebuch (1920-1933), Fol. 9
Eintrag Sterbebuch Pfarre Schwechat
2 Regesten: Spezielle Publikationsform im Bereich der Geschichtswissenschaft; „Zusammenfassung der Inhalte von Urkunden mit Datierung, kurzen Angaben (Kopfregesten) oder auch mit ausführlicher Nennung aller Namen.“
Art. Regesten auf aeiou.at – Österreich Lexikon
3 Reichspost, 28. Dezember 1898, S. 4 (ONB: ANNO)

Die Quellenangaben zu den Beiträgen im Wiener Diözesanblatt finden sich zusammengefasst am Ende des pdf-Dokuments.

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„Die Dummheit und Rohheit auf dem Land“ oder „die Ober-Trotteln von Mistelbach“

Die Zeitung „Hans Jörgel“ – besser bekannt als „Jörgel Briefe“, war eine humoristisch-satirische Wochenzeitschrift, die unter leicht variierendem Titel zwischen 1832 und 1913 in Wien erschien. Die Artikel und Berichte waren im Dialekt abgefasst, und folgende Geschichte über Mistelbach aus dem Jahr 1870 soll hier im Originaltext wiedergegeben wird:

„Wie groß die Dummheit und Roheit auf dem Land is, geht aus folgendem Vorfall hervor. Vor ungefähr 14 Tagen war in Mistelbach Jahrmarkt. Zufällig hat eine Wienerin an diesem Tag in Mistelbach zu thun gehabt, und diese war gekleidet, wie in Wien Tausende gekleidet sein, sie trug nämlich ein schwarzes Seidenkleid, eine grüne Tunik und eine türkische Jacke nebst einem Federhut. Die Trotteln von Mistelbach, die aber nie was andres gesehen haben müssen, als die Gugeln (Anm.: Kopftücher) der Bauernmenscher, sein über diesen Anzug so in Aufregung kommen, daß sie schaarenweis unter Geschrei und Gelächter hinter ihr nachgelossen sein, sogar die Wirthin, wo sie eingekehrt is, sammt ihren Kucheltrampeln. Die arme Frau hat sich in ein Gewölb und endlich in ein Kaffeehaus flüchten müssen, wo sich doch ein paar Gescheidte gefunden haben, um die verfolgte Wienerin gegen die Dummheit dieser Mistelbacher Trotteln in Schutz zu nehmen, die ich nach diesem Vorgang zu Ober-Trotteln von ganz Nieder-Österreich ernenn‘;
‘s is höchste Zeit, daß die Eisenbahn in diese Gegend kommt, damit sie diesen Erdäpfel-Hottentotten ein paar Waggons voll Hirn zuführt.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, im März 1870, war der Eisenbahnbau Wien-Mistelbach-Brünn bereits weit fortgeschritten und die neue Bahnstrecke konnte noch im selben Jahr eröffnet werden. Allerdings gelang es nicht herauszufinden, ob und wenn ja wieviele Waggonladungen Hirn seither in Mistelbach angekommen sind…

Quellen:
Hans Jörgel, 26. März 1870, S. 10 (ONB: ANNO)

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