Schöller, Alfred

Bürgermeister Alfred Schöller

* 26.9.1921, Lanzendorf
† 19.4.2000, Lanzendorf

Alfred Schöller wurde 1921 als siebentes von zehn Kindern in die Familie von Johann Schöller, Werkmeister bei der Landesbahn, und dessen Ehefrau Emilie, geb. Šobra, in Lanzendorf geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule in Mistelbach, trat er im September 1935 als Lehrling in die Zentralmolkerei Mistelbach ein. Dem Lehrabschluss folgte 1938/39 eine Ausbildung an der Molkereischule Wolfpassing (Bezirk Scheibbs), die Schöller mit ausgezeichnetem Erfolg absolvierte. 1940 wurde er zunächst zum Reichsarbeitsdienst und anschließend in die Deutsche Wehrmacht eingezogen. Unteroffizier Schöller, der mit mehreren Tapferkeitsauszeichnungen dekoriert wurde, war von 1941 bis 1942 als Militärbote in Südfrankreich und danach an der Ostfront eingesetzt. Im August 1943 wurde er in Russland durch eine Granatenexplosion schwer verwundet und nach längeren Lazarettaufenthalten in Warschau bzw. in Stein a.d. Oder, kehrte er 1944 als Betriebsleiter-Stellvertreter in die Molkerei Mistelbach zurück.

In der Zeit unmittelbar nach Kriegsende war Schöller neben seiner Tätigkeit in der Molkerei auch Polizist bei der Mistelbacher Stadtpolizei, wie dies ein Ausweis datiert auf Juni 1945 belegt und diesem ist auch das Bild rechts entnommen. Im Oktober desselben Jahres heiratete er Jola Marie Liebhart und dieser Ehe enstammten vier Kinder. Bald nach dessen Gründung engagierte er sich im Österreichischen Gewerkschaftsbund, war ab 1946 Betriebsrat in der Molkerei Mistelbach und 1948 auch Gründungsmitglied und später Obmann der Mistelbacher Ortsgruppe der Gewerkschaft der Privatangestellten. Im Zuge der ersten Gemeindevertretungswahl nach dem Krieg im Jahr 1950, zog er für die ÖVP in den Lanzendorfer Gemeinderat ein. Hatte bei der ersten Wahl noch die SPÖ die Stimmenmehrheit erreicht, konnte sich bei der Wahl 1955 dann die ÖVP als Sieger durchsetzen, und von 1955 bis Ende des Jahres 1966, dem Zeitpunkt der Eingemeindung Lanzendorfs zu Mistelbach, war Schöller Bürgermeister der Gemeinde Lanzendorf. Aber damit endete sein kommunalpolitisches Engagement keineswegs, denn von 1967 bis 1975 wirkte er als Stadtrat für Straßenbau und Verkehrswesen der Stadt Mistelbach und Ortsvorsteher der Gemeinde Lanzendorf. Bereits ab 1972 war er Betriebsleiter und von 1975 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand, 1981, schließlich Direktor der Zentralmolkerei Mistelbach.

Bereits seit den 1980er Jahren befasste er sich mit lokalgeschichtlichen  Recherchen, veröffentlichte kleine Schriften (60 Jahre FF Lanzendorf, Festschrift Zentralmolkerei, etc.), und gemeinsam mit seiner Gattin Jolanda, und Johann Schön verfasste er die 1996 vom Dorferneuerungsverein herausgegebene Publikation „Lanzendorf: Einst und heute – eine kleine Ortschronik“. Neben seinem politischen Engagement war Schöller natürlich auch bei zahlreichen Lanzendorfer und Mistelbacher Vereinen aktiv und engagierte sich für die Gemeinschaft. Ein bleibendes Denkmal seines Wirkens ist die in den Jahren 1969-70 errichtete und dem hl. Florian geweihte Kirche in Lanzendorf. Die Vorarbeiten zu deren Planung begannen bereits mehr als zehn Jahre zuvor und als Obmann des Kapellenbauvereins war Schöller unermüdlicher Motor des Projekts, eifriger Spendensammler und Organisator der Einsätze der vielen freiwilligen Helfer. Gemeinsam mit Stadtpfarrer P. Volkmar Kraus, dem Architekten Albert Bürger und dem für die künstlerische Gestaltung verantwortlichen P. Ivo Schaible gilt er als einer der vier „Kirchenväter“ dieses neuerbauten Gotteshauses. Für seine großartige Leistung wurde er von Kardinal König mit dem Stephanus Orden in Silber, einer hohen Auszeichnung der Erzdiözese, geehrt.

1996 wurde ihm und weiteren Altbürgermeistern der Katastralgemeinden der Wappenring der Stadtgemeinde Mistelbach verliehen. Alfred Schöller erlag im Jahr 2000 einer Krebserkrankung und wurde auf dem Friedhof Mistelbach beerdigt. Aufgrund seiner großen Verdienste um das Gemeinwohl wurde noch im selben Jahr in Lanzendorf der Platz gegenüber seinem  Wohnhaus „Alfred Schöller-Platz“ benannt.

Quellen (und Anmerkungen):
-) Lebenslauf und Portraitfotos zur Verfügung gestellt von Dr. Alfred Schöller (Sohn)
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute, eine kleine Ortschronik (1996)
(in „Lanzendorf – einst und heute“ ist das Jahr der ersten Gemeinderatswahl irrtümlich mit 1949 angegeben, ein Fehler der dann auch im Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach – ein Lesebuch“ übernommen wurde. Tatsächlich fanden die ersten freien Gemeinderatswahlen niederösterreichweit am 7. Mai 1950 statt, zuvor wurden die Gemeinderäte auf Basis der Nationalrats- bzw. Landtagswahlergebnisse laut Vorschlag der Parteien durch die Landesregierung ernannt; im Lebenslauf ist der Einzug in den Gemeinderat mit 1949 angegeben, wobei es sich hierbei um einen durch eingangs erwähnten Fehler hervorgerufenen Irrtum handeln dürfte, denn Anhaltspunkte für eine Nachnominierung durch die LReg wurden nicht gefunden)
-) Mistelbacher Gemeindezeitung, 3/2000, S. 20 (Nachruf)

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

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Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach

Neben dem Ehrenbürgerrecht wurde 1958 mit dem Ehrenring der Stadt Mistelbach eine weitere Auszeichnung für um das Wohl der Stadt verdiente Persönlichkeiten geschaffen. Damals wurde dafür ein eigenes Ehrenstatut vom Gemeinderat beschlossen. Die Verleihung erfolgt gemeinsam mit einer Urkunde und an der Innenseite des Rings ist der Name des Geehrten eingraviert. Die Bilder des Ehrenrings (unten) wurden freundlicherweise von Ehrenringträger Bürgermeister a.D. Reg.Rat Dipl.-Päd. Alfred Weidlich zur Verfügung gestellt. Daneben wurden im Laufe der Zeit vom Gemeinderat auch der Wappenring und der Partnerschaftsring als weitere Ehrenzeichen eingeführt.

Nachfolgend eine chronologische Auflistung aller Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach. Als Jahr wird immer jenes der tatsächlichen Verleihung angegeben, dass vom Jahr der Beschlussfassung durch den Gemeinderat, bspw. im Falle einer Verleihung im Rahmen des Neujahrsempfangs, abweichen kann. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1958 Dr. Otto Löwenstein (*1895, †1986) – Hofrat bei der Finanzlandesdirektion Wien, Niederösterreich und Burgenland[1]
 
Friedrich Bollhammer (*1898, †1969) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Mädchen und Leiter des Heimatmuseums[2]
1960 Franz Lang (*1892, †1965) – Gärtnermeister und Stadtrat a.D.[3]
 
Franz Pazdera (*1900, †1978) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Knaben und Vizebürgermeister[4]
1963 Dr. Ludwig Lang (*1902, †1989) – Leiter der Pädagogischen Abteilung bzw. später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht[5]
 
Mag. Karl Haider (*1918, †2002) – Landesschulratsdirektor[6]
1967 Dr. Leopold Speiser (*1922, †1998) – Bezirkshauptmann und später Landesamtsdirektor[7]
1970 Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim (*1900, †1976) – Archäologe und Frühgeschichtsforscher, Universitätsprofessor an der Universität Wien[8]
 
Dr. Adolf März (*1918, †1987) – Ministerialrat und später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht[9]
 
Dr. Agnes Niegl (*1913, †2008) – Ministerialrätin und später (erste) Sektionschefin im Bundesministerium für Unterricht[10]
1972 P. Volkmar Kraus SDS (*1913, †1983) – Stadtpfarrer[11]
1977 Mag. Karl Müller (*1912, †1996) – Bezirkshauptmann[12]
1980 Dr. Franz Loicht (*1933) – Ministerialrat im Ministerium für Bildung und Kultur[13]
1983 Dr. Hans Zeger (*1920) – Leiter der Abteilung für landwirtschaftliches Schulwesen bei der nö. Landregierung[14]
1988 P. Franz Seifert SDS (*1926, †2005) – Stadtpfarrer[15]
1989 Ernst Höger (*1945) – Landesrat für Gemeinde- und Wohnbauwesen und Landeshauptmannstellvertreter[16]
1996 P. Martin Bauer SDS (*1943) – Stadtpfarrer[17]
1999 Dr. Herbert Foitik (*1939, †2009) – Bezirkshauptmann[18]
 
Georg Stangl (*1927, †2006) – Landtagsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.[19]
 
Vinzenz Staffel (*1931, †2005) – pens. Gemeindebediensteter, Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter a.D. und Bezirksfeuerwehrkommandant a.D.[20]
 
Andreas Grum (*1937) – pens. Werkmeister und langjähriger Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach[21]
2004 Heinrich Kuba (*1937) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Stadtrat a.D.[22]
2006 Friedrich Duda (*1939) – Kaufmann i.R. und Vizebürgermeister a.D.[23]
2010 Alfred Englisch (*1945) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.[24]
 
P. Hermann Jedinger SDS (*1945) – Stadtpfarrer[25]
2011 Dipl.-Ing. Werner Kummerer (*1948) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.[26]
2016 Alfred Weidlich (*1948) – Berufsschuldirektor i.R. und Bürgermeister (1989-1997)[27]

Quellen (und Anmerkungen):
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27f
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart

1 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 11.04.1958, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 46/47, April/Mai 1958, S. 1ff
2 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 17.10.1958, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 46/47, September/Dezember 1958, S. 4ff
3 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 15.06.1960 ?
4 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 28.10.1960, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 77/78, Dezember 1960, S. 2f
5 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 24.06.1963, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 100, Juli 1963, S. 2
6 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 24.06.1963, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 100, Juli 1963, S. 2
7 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 03.07.1967, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 127, September 1967, S. 4
8 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 25.02.1970, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 149, März 1970, S. 2f
9 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 01.10.1970, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 153, Oktober 1970, S. 4f
10 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 01.10.1970, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 153, Oktober 1970, S. 4f
11 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 30.06.1972, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 167, Juli 1972, S. 3f
12 Beschluss Gemeinderatssitzung vom 16.11.1977, Verleihung 16.01.1978, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 203, Feber 1978, S. 6
13 Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 217, Oktober 1980, S. 26
14 Beschluss Gemeinderatssitzung vom 21.6.1983, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 217, Oktober 1980, S. 26
15 Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 4/1988 (Oktober), S. 5
16 Beschluss Gemeinderatssitzung Ende 1988, Verleihung 09.01.1989, Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/1989 (Februar), S. 3
17 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 9/1996 (August), S. 22
18 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 6
19 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 6
20 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 9
21 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 9
22 Verleihungsbeschluss Oktober 2003, Verleihung Jänner 2004, Stadt-Gemeinde-Zeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/2004 (Jänner), S. 9
23 Verleihungsbeschluss Ende 2005, Verleihung Jänner 2006, Stadt-Gemeinde-Zeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/2006 (Jänner), S. 5
24 Verleihungsbeschluss Ende 2009, Verleihung Jänner 2010, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2010 (Jänner), S. 6
25 Verleihungsbeschluss Ende 2009, Verleihung Jänner 2010, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2010 (Jänner), S. 6
26 Verleihungsbeschluss Ende 2010, Verleihung Jänner 2011, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2011 (Februar), S. 6
27 Verleihungsbeschluss 14.10.2015 (Gemeinderatsprotokoll), Verleihung 08.01.2016, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2016 (Februar), S. 5

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Differtenweg

1997 benannt nach der im Saarland gelegenen, ehemals selbstständigen, deutschen Gemeinde Differten, die 1974 als Ortsteil der Gemeinde Wadgassen angegliedert wurde. Im Jahr 1971 begannen die freundschaftlichen Kontakte zwischen den Freiwilligen Feuerwehren Mistelbach und Differten, als die Mistelbacher Florianijünger anlässlich der Teilnahme an einem Feuerwehrwettkampf in Saarlouis im nahegelegenen Differten untergebracht waren. Seit damals gab es immer wieder freundschaftliche Begegnungen im Rahmen verschiedener (internationaler) Wettkämpfe und die FF Differten nahm auch an dem 1974 in Mistelbach abgehaltenen niederösterreichischen Landesfeuerwehrleistungsbewerb teil. Am 27. Mai 1978 wurde die Partnerschaft der beiden Wehren im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Differten durch ein Freundschaftsabkommen offiziell begründet. Die Namensgebung erfolgte gleichzeitig mit der Benennung der umliegenden Gassen Welsbergweg, Bienenbüttelgasse und Hegerstraße, die allesamt einen Feuerwehrbezug aufweisen.

Wo liegt Differten?

 

Wo befindet sich der Differtenweg?

 

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 237
-) Chronik der Feuerwehr Differten von anno 1894 bis zum Jahre 2000

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Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal von Franz Riedling (Download)

Pfarrer Franz Riedling (*1856, †1920)[1], der von 1885 bis 1898 die Pfarre Eibesthal betreute und als einer der Initiatoren der Eibesthaler Passionsspiele gilt, veröffentlichte 1909 im Rahmen einer im Wiener Diözesanblatt erschienenen Beitragsreihe Regesten[2] zur Geschichte der Pfarre Eibesthal. Ergänzt sind die Regesten um Notizen und ausführliche Erläuterungen, sodass dieses Werk wohl als erste umfassende Aufarbeitung der Geschichte Eibesthals gelten kann. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Riedling anlässlich seines Abschieds von Eibesthal zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.[3] Anschließend war er Pfarrer in Prinzendorf und Dechant des Dekanats Wilfersdorf und später bis zu seinem Tod Pfarrer in Schwechat. Er verfasste auch zahlreiche weitere Abhandlungen über die Geschichte verschiedener Pfarren der Erzdiözese Wien, die ebenfalls im Wiener Diözesanblatt veröffentlicht wurden.

Seine auf mehrere Ausgaben des Diözesanblattes verteilte Beitragsserie zur Geschichte der Pfarre Eibesthal wurde zur Veröffentlichung im Rahmen dieses Blog zu einem pdf-Dokument zugesammengefasst, das auch mittels Volltextsuche durchsucht werden kann.

Hier der Link zu Riedlings Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal
(Download: rechter Mausklick auf den Link und „Ziel speichern unter …“ auswählen oder nach dem Öffnen des Links rechts oben auf das Downloadsymbol klicken)

Quellen:
1 Pfarre Schwechat: Sterbebuch (1920-1933), Fol. 9
Eintrag Sterbebuch Pfarre Schwechat
2 Regesten: Spezielle Publikationsform im Bereich der Geschichtswissenschaft; „Zusammenfassung der Inhalte von Urkunden mit Datierung, kurzen Angaben (Kopfregesten) oder auch mit ausführlicher Nennung aller Namen.“
Art. Regesten auf aeiou.at – Österreich Lexikon
3 Reichspost, 28. Dezember 1898, S. 4 (ONB: ANNO)

Die Quellenangaben zu den Beiträgen im Wiener Diözesanblatt finden sich zusammengefasst am Ende des pdf-Dokuments.

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„Die Dummheit und Rohheit auf dem Land“ oder „die Ober-Trotteln von Mistelbach“

Die Zeitung „Hans Jörgel“ – besser bekannt als „Jörgel Briefe“, war eine humoristisch-satirische Wochenzeitschrift, die unter leicht variierendem Titel zwischen 1832 und 1913 in Wien erschien. Die Artikel und Berichte waren im Dialekt abgefasst, und folgende Geschichte über Mistelbach aus dem Jahr 1870 soll hier im Originaltext wiedergegeben wird:

„Wie groß die Dummheit und Roheit auf dem Land is, geht aus folgendem Vorfall hervor. Vor ungefähr 14 Tagen war in Mistelbach Jahrmarkt. Zufällig hat eine Wienerin an diesem Tag in Mistelbach zu thun gehabt, und diese war gekleidet, wie in Wien Tausende gekleidet sein, sie trug nämlich ein schwarzes Seidenkleid, eine grüne Tunik und eine türkische Jacke nebst einem Federhut. Die Trotteln von Mistelbach, die aber nie was andres gesehen haben müssen, als die Gugeln (Anm.: Kopftücher) der Bauernmenscher, sein über diesen Anzug so in Aufregung kommen, daß sie schaarenweis unter Geschrei und Gelächter hinter ihr nachgelossen sein, sogar die Wirthin, wo sie eingekehrt is, sammt ihren Kucheltrampeln. Die arme Frau hat sich in ein Gewölb und endlich in ein Kaffeehaus flüchten müssen, wo sich doch ein paar Gescheidte gefunden haben, um die verfolgte Wienerin gegen die Dummheit dieser Mistelbacher Trotteln in Schutz zu nehmen, die ich nach diesem Vorgang zu Ober-Trotteln von ganz Nieder-Österreich ernenn‘;
‘s is höchste Zeit, daß die Eisenbahn in diese Gegend kommt, damit sie diesen Erdäpfel-Hottentotten ein paar Waggons voll Hirn zuführt.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, im März 1870, war der Eisenbahnbau Wien-Mistelbach-Brünn bereits weit fortgeschritten und die neue Bahnstrecke konnte noch im selben Jahr eröffnet werden. Allerdings gelang es nicht herauszufinden, ob und wenn ja wieviele Waggonladungen Hirn seither in Mistelbach angekommen sind…

Quellen:
Hans Jörgel, 26. März 1870, S. 10 (ONB: ANNO)

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laufende Aktualisierungen

Den größten Aufwand bereitet die laufende Aktualisierung alter Beiträge, die kontinuierlich neben der Veröffentlichung neuer Beiträge stattfindet. Fehler werden ausgebessert, neue Erkenntnisse eingebettet oder Beiträge durch Bilder ergänzt.
Beispielsweise ist es gelungen den Beitrag zu Dr. Gustav Steinbauer nun mit Bildern zu seiner Tätigkeit bei den Nürnberger Prozessen etwas anschaulicher zu gestalten. Auch konnte der Beitrag zu den historischen Mistelbacher Lokalzeitungen um Bilder von Ferdinand Berger und Josef Vorwahlner bereichert werden und bspw. die Tatsache ergänzt werden, dass sich Fibichs bzw. später Krapfenbauers Buchdruckerei für ein paar Jahre in der Bahnstraße befand. Kurz nach der Veröffentlichung des Beitrags über die Mistelbacher Fotografen vor 1945 tauchte mit Josef Eibl ein weiterer, sehr umtriebiger Mistelbacher Fotograf auf, der dem Beitrag hinzugefügt wurde. Dem Beitrag zu Dr. Ernst Oser wurde eine Traueranzeige beigefügt.

Hierbei handelt es sich lediglich um eine exemplarische Aufzählung der jüngsten Änderungen, die die Arbeit im Hintergrund aufzeigen soll. Das Datum der Veröffentlichung bleibt auch bei nachträglichen Änderungen stets unverändert, obwohl tatsächlich kein Beitrag mehr in seinem Originalzustand online ist.

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Hochwasser in Lanzendorf 1994

Lanzendorf wurde kürzlich innerhalb weniger Wochen zweimal von heftigen, lokal begrenzten Starkregenfällen heimgesucht, die das Kanalsystem überforderten und zur Folge hatten, dass auch Schlamm- und Wassermassen von den Feldern ins Ortsgebiet eindrangen. Doch das schlimmste Hochwasser der letzten Jahrzehnte, wahrscheinlich sogar des gesamten 20. Jahrhunderts, brachte das Jahr 1994 und auch damals kam es binnen weniger Wochen zweimal zu extremen Überschwemmungen. Das erste Hochwasser ereignete sich am 26. Mai 1994 als in der Folge heftiger Gewitter, die in ganz Ostösterreich wüteten, viele Häuser in der Ziegelofengasse und Teilen der Lanzendorfer Hauptstraße durch Schlamm von den Feldern vermurt wurden und auch die Keller und Gärten der Siedlung am Wiesengrund wurden überschwemmt. Wenige Wochen später am 19. Juli 1994 kam es dann aufgrund mehrere Tage währender heftiger Regenfälle dazu, dass weder Kanalisation, noch Böden, weiteres Wasser aufnehmen konnten und sogar das ansonsten kleine Rinnsal Lanza trat über seine Ufer. Auch bei der Zaya fehlten damals nur wenige Zentimeter ehe sie sich über ihr Bachbett hinaus ausgebreitet hätte. Die Lanzendorfer Hauptstraße, Schricker Straße, Weinhebergasse und Ziegelofengasse standen unter Wasser (und Schlamm) und damals wie heute war die Freiwillige Feuerwehr unermüdlich im Einsatz, um die Wassermassen einzudämmen und bei den Aufräumarbeiten die Unmengen an Schlamm zu beseitigen. Um künftig ein Überlaufen der Bäche zu verhindern, wurden von Gemeinde und Land entlang der Zaya Retentionsbecken geschaffen und das Bachbett mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt.

Untenstehend ein paar Aufnahmen, die das Hochwasser vom 19. Juli 1994 dokumentieren.

Quellen:
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute (1996), Teil II, S. 29
Fotos: © Marianne Kruspel, 1994

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Alfred Schöller-Platz (Lanzendorf)

Benannt im Jahr 2000 nach dem langjährigen Lanzendorfer Bürgermeister, Stadtrat der Gemeinde Mistelbach, und Direktor der Mistelbacher Genossenschaftsmolkerei Alfred Schöller. Der zuvor namenlose, kleine Platz entlang der Lanzendorfer Hauptstraße, zwischen der Einmündung der Straßen „Lettenberg“ und „Am Sonnenberg“, befindet sich gegenüber dem ehemaligen Wohnsitz von Alfred Schöller (Lanzendorfer Hauptstraße 78). Die Namensgebung wurde bewusst so durchgeführt, dass sich keine Adressänderung für die Anrainer ergab.

Gedenkstein am Alfred Schöller-Platz

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

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Ehrenbürger der Stadt Mistelbach

Nachfolgend eine chronologische Auflistung jener Personen, denen das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Als Jahr wird immer jenes der tatsächlichen Verleihung angegeben, dass vom Jahr der Beschlussfassung durch den Gemeinderat, bspw. im Falle einer Verleihung im Rahmen des Neujahrsempfangs, abweichen kann. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1871 Dr. Innocenz Schluet Edler von Schluetenberg (*1832, †1882) – Bezirksarzt[1]
1873 Alois Freiherr Czedik von Bründlsberg und Eysenberg (*1830, †1924) – Landtags- und Reichsratsabgeordneter[2]
1875 Sigmund Freiherr Conrad von Eybesfeld (*1821, †1898) – Statthalter von Niederösterreich[3]
1885 Ing. Hugo Riedel (*1842, †1930) – Landesingenieur und später nö. Landesbaudirektor[4]
1893 Dr. Ernst Oser (*1845, †1902) – Statthaltereirat und früherer Bezirkshauptmann[5]
 
Karl Fitzka (*1833, †1915) – Steueramtsvorsteher und später Gründer des Heimatmuseums[6]
1897 Wenzel Matuschek (*1825, †1908) – Bezirksgerichtsvorsteher[7]
1901 Franz Richter (*1849, †1922) – Landtags- und Reichsratsabgeordneter[8]
 
Erich Graf von Kielmansegg (*1847, †1923) – Statthalter von Niederösterreich und zuvor interimistischer Ministerpräsident[9]
1904 Josef Strasser (*1830, †1909) – Lederfabrikant i.R. und Bürgermeister (1867-1888)[10]
1908 Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg (*1858, †1942) – Bezirkshauptmann[11]
 
August Lubovienski (*1832, †1912) – Apotheker i.R. und erster Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach[12]
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann[13]
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten[14]
1917 Dr. Friedrich Bruno Graf zu Castell-Rüdenhausen (*1877, †1923) – Vorstand des Präsidalbureaus der niederösterreichischen Statthalterei und später Landesamtsdirektor[15]
 
Manfred Graf Collalto (*1870, †1940) – Gutsherr in Staatz und Vorstand der Verwaltung der k.k. Flüchtlingsstation Mistelbach und der Flüchtlingsniederlassung Asparn a.d. Zaya[16]
1919 Josef Dunkl jun. (*1866, †1938) – Baumeister und Bürgermeister (1911-1938)[17]
1927 Thomas Freund (*1850, †1937) – Kaufmann i.R., Landtagsabgeordneter a.D. und Bürgermeister (1888-1911) [18]
1929 Alexander Zickl (*1862, †1943) – Gemeindesekretär i.R., Leiter des Heimatmuseums und Gemeinderat bzw. später Stadtrat[19]
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes[20]**
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer[21]**
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister[22]**
1937 Josef Kraus (*1890, †1971) – Mitglied des Staatsrates und des Bundestages und später Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft[23]**
 
Georg Seidl (*1896, †1968) – Bundeswirtschaftsrat und davor bzw. später Nationalratsabgeordneter[24]**
1950 Dr. Karl Renner (*1870, †1950) – Bundespräsident und erster Staatskanzler[25]
1954 Theodor Körner (*1873, †1957) – Bundespräsident[26]
 
Johann Steinböck (*1894, †1962) – Landeshauptmann[27]
 
Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde[28]
1957 Dr. Adolf Aschinger (*1901, †1961) – Präsident der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und das Burgenland[29]
1958 Josef Hilgarth (*1898, †1975) – Landtagsabgeordneter und später Landesrat[30]
1960 Univ.-Prof. Dr. Otto Bsteh (*1896, †1968) – Primararzt und Leiter des Krankenhauses[31]
1963 Dr. Max Neugebauer (*1900, †1971) – Nationalratsabgeordneter und amtsführender Präsident des Wiener Stadtschulrates[32]
 
Ernst Schoiber (*1908, †1990) – amtsführender Präsident des niederösterreichischen Landesschulrates[33]
1964 Dr. Adolf Schärf (*1890, †1965) – Bundespräsident[34]
 
Dipl.-Ing. Leopold Figl (*1902, †1965)) – Landeshauptmann und Bundeskanzler a. D.[35]
1967 Emil Kuntner (*1902, †1999) – Landesrat[36]
1972 Prof. Hans Spreitzer (*1915, †1979) – Ministerialrat im Bildungsministerium, Stadtrat a.D. und Heimatforscher[37]
1975 Franz Bayer (*1909, †1992) – Krankenhausverwalter und Bürgermeister (1950-1975)[38]
1989 Mag. Siegfried Ludwig (*1926, †2013) – Landeshauptmann[39]
1999 Mag. Edmund Freibauer (*1937) – Präsident des nö. Landtags und Bürgermeister (1975-1989)[40]
 
Johann Leithner (*1928, †2006) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.[41]
2006 Dr. Erwin Pröll (*1946) – Landeshauptmann[42]
2015 P. Hermann Jedinger, SDS (*1949) – Stadtpfarrer[43]

Entgegen einiger anderslautender überregionaler Zeitungsberichte wurde Weihbishof Dr. Godfried Marschall 1910 nicht zum Ehrenbürger aller Gemeinde des Verwaltungsbezirks Mistelbach ernannt, sondern es wurde ihm lediglich eine schön gefertigte Dankadresse von einer Bürgermeisterdelegation feierlich überreicht.

**Im Juni 1938 beschloss der als Gemeindeverwalter eingesetzte NS-Bürgermeister Adolf Schödl, die Aberkennung der Ehrenbürgerrechte von Dollfuß, Starhemberg und Reither (verliehen 1934), sowie von Seidl und Kraus (verliehen 1937).[44] In der Gemeinderatssitzung vom 4. Juni 1954 beschloss der Gemeinderat einstimmig: „…, dass Ehrenbürgererennungen, die vor dem 13.3.1938 vom Gemeinderat der Stadt Mistelbach ausgesprochen wurden und während des deutschen Regimes aberkannt wurden, wieder in Rechtskraft gesetzt werden.“[45]

Quellen (und Anmerkungen):
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27 (fälschlicherweise wird der Vorname von Graf Kielmansegg mit Erwin angegeben; die Verleihungen an Dokaupil und Wolf im Jahr 1916 fehlen; weiters sind bei Seidl und Kraus falsche Jahre der Verleihung angeführt)
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart
-) Spreitzer, Prof. Hans: „Die Mistelbacher Ehrenbürger“ In: Volks-Post Nr. 39/1961, S. 7 (bei dieser Auflistung fehlen Dokaupil, Wolf, Castell-Rüdenhausen, Collalto, Zickl, Dollfuß, Reither und Starhemberg)
-) Stadtgemeinde Mistelbach (Hrsg.): 100 Jahre Mistelbach

1 Verleihung: 13.07.1871, Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 218
2 Verleihung: 16.09.1873, Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 219
3 Verleihung: 31.10.1875, Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 216
4 Verleihung: 26.04.1885, Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 225; Mistelbacher Zeitung, Nr. 3/1885, S. 3
5 Verleihung: 21.01.1893, Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 227; Deutsches Volksblatt, 24. Jänner 1893 (Abendausgabe), S. 3 (ONB: ANNO)
6 Verleihung: 21.01.1893, Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 227; Deutsches Volksblatt, 24. Jänner 1893 (Abendausgabe), S. 3 (ONB: ANNO)
7 Verleihung: 31.10.1897, Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 238; Bote aus Mistelbach, Nr. 22/1897, S. 6
8 Verleihung: 22.01.1901, Wiener Zeitung, 24. Jänner 1901, S. 3 (ONB: ANNO)
9 Verleihung: 29.09.1901, Wiener Abendpost (Beilage zur Wiener Zeitung), 18. Oktober 1901, S. 6 (ONB: ANNO)
10 Verleihung: 30.11.1904, Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1913), S.?
11 Verleihung: 16.09.1908, Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1913), S.?; Neue Freie Presse, 20. September 1908, S. 12 (ONB: ANNO)
12 Verleihung: 27.09.1908, Fitzka, Karl: Ergänzungs- und Nachtragsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1913), S.?
13 Überreichung der Ehrenurkunden: 14.06.1916, Mistelbacher Bote, Nr. 24/1916, S. 3; Wiener Zeitung, 18. Juni 1916, S. 9 (ONB: ANNO)
14 Überreichung der Ehrenurkunden: 14.06.1916, Mistelbacher Bote, Nr. 24/1916, S. 3; Wiener Zeitung, 18. Juni 1916, S. 9 (ONB: ANNO)
15 Verleihung: 28.02.1917, Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, S. 2f
16 Verleihung: 28.02.1917, Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, S. 2f
17 Verleihung: 04.06.1919, Mistelbacher Bote Nr., ??/1919, S. ?
18 Verleihung: 19.02.1927, Reichspost 2. März 1927, S. 6 (ONB: ANNO)
19 Verleihung: 22.06.1929, Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, S. 15
20 Verleihung: 30.05.1934, Mistelbacher Bote Nr., 23/1934, S. 3
21 Verleihung: 30.05.1934, Mistelbacher Bote Nr., 23/1934, S. 3
22 Verleihung: 30.05.1934, Mistelbacher Bote Nr., 23/1934, S. 3
23 Verleihung: 30.11.1937, Mistelbacher Bote Nr., 43/1937, S. 4
24 Verleihung: 30.11.1937, Mistelbacher Bote Nr., 43/1937, S. 4
25 Verleihung: 08.12.1950, Volks-Presse, Nr. 50/1950, S. 5
26 Verleihung: 04.06.1954, Mistelbacher Bote, Nr. 26/1954, S. 3
27 Verleihung: 04.06.1954, Mistelbacher Bote, Nr. 26/1954, S. 3
28 Verleihung: 04.06.1954, Mistelbacher Bote, Nr. 26/1954, S. 3
29 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 29.3.1957, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 34, April 1957, S. 2f
30 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 17.10.1958, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 51/54, September/Dezember 1958, S. 4ff
31
32 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 24.6.1963, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 100, Juli 1963, S. 2
33 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 24.6.1963, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 100, Juli 1963, S. 2
34 Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 107, Mai 1964, S. 2
35 Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 107, Mai 1964, S. 2
36 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 03.07.1967, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 127, September 1967, S. 4
37 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 30.06.1972, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 167, Juli 1972, S. 3f
38 Beschluss Gemeinderatssitzung 20.05.1975, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 188, Juli 1975, S. 1
39 Beschluss Gemeinderatssitzung 16.12.1988, Verleihung 09.01.1989, Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/1989 (Februar), S. 3
40 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 5
41 Mistelbacher Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 5/1999 (Juni), S. 5
42 Verleihungsbeschluss Ende 2005, Verleihung Jänner 2006, Stadt-Gemeinde-Zeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 1/2006 (Jänner), S. 5
43 Verleihung 08.01.2016, StadtGemeinde Zeitung Mistelbach, Folge 1/2015 (Feber), S. 4
44 Mistelbacher Bote, Nr. 24/1938, S. 4
45 Mistelbacher Bote, Nr. 26/1954, S. 4

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Mistelbacher Fotografen vor 1945

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Frühformen der Fotografie erfunden, und durch stete Weiterentwicklung trat diese Technik ab den 1850er bzw. 1860er Jahren, zunächst in der Form der Portraitfotografie, ihren bis heute währenden Siegeszug an. Die ältesten überlieferten fotografischen Aufnahmen zur Geschichte der Stadt Mistelbach stammen aus den 1870er Jahren, jedoch sind die Urheber dieser frühesten Bilddokumente leider nicht bekannt. Der vorliegende Beitrag versucht den Menschen hinter der Linse nachzuspüren, denen wir die historischen Aufnahmen Mistelbachs und seiner Bewohner verdanken.

Die Problematik bei alten Fotos liegt oftmals darin, dass die abgebildeten Personen nicht mehr bekannt sind und nicht selten auch Angaben zu Anlass und Zeitpunkt der Aufnahme fehlen. Auf alten Hartkartonfotos, insbesondere bei Portraitfotos im Format „Carte de Visite“ (CdV), ist aber meist der für die Aufnahme verantwortliche Fotograf vermerkt und daher ist es auch Intention dieses Beitrags mittels der folgenden (vermutlich unvollständigen) Auflistung der in Mistelbach bis zum Jahr 1945 tätigen Fotografen, Hilfestellung zur zeitlichen Einordnung zu bieten.

Erste Fotografen

Der früheste auffindbare Hinweis und die gleichzeitig einzige Erwähnung eines Fotografen namens E. Pohlmann aus Mistelbach findet sich in einer Ausgabe der Tageszeitung „Fremdenblatt“ aus dem Jahr 1868.[1] Zu jener Zeit war es in (Wiener) Tageszeitungen üblich, dass in sogenannten „Fremdenlisten“, die in Hotels bzw. Gasthöfen der Stadt abgestiegenen Gäste nach Unterkünften aufgelistet wurden und in eben solch einer Liste wird ein gewisser „E. Pohlmann, Photograph, Mistelbach“ erwähnt, der am 18. Jänner 1868 im Hotel zur Grünen Traube in Wien-Wieden einkehrte. Bereits 1864 wird im Fremdenblatt die selbe Person als Gast der Grünen Traube erwähnt, damals allerdings ohne Angabe des Herkunftsortes, sodass nicht eindeutig klar ist, ob er vielleicht schon damals in Mistelbach wirkte.[2] Grundsätzlich kann der in diesen Listen angegebene Ort für den tatsächlichen Herkunftsort oder aber für jenen Ort stehen aus dem die Anreise erfolgte, also die letzte Reisestation vor der Ankunft in Wien. 1866 scheint in Wien auf der Neuen Wieden ein Fotograf namens Eduard Bollmann und Ende der 1870er Jahre im damals noch eigenständigen Ort Währing bei Wien ein Fotograf namens Eduard Pollmann auf.[3] Ob es sich beim eingangs erwähnten „E. Pohlmann“ und „Eduard Bollmann bzw. Pollmann“ um dieselbe Person gehandelt haben könnte, bleibt offen.

In der Zeitschrift „Photograpische Correspondenz“, dem Zentralorgan der photographischen Gesellschaft Wien, wird in einer Mitgliederauflistung nach Orten bereits 1876 auch ein Mitglied in Mistelbach ausgewiesen. Dabei handelte sich um den Amateurfotografen August Jira, der als Steuerbeamter in Mistelbach seinen Dienst versah.[4] Sofern zum damaligen Zeitpunkt ein Berufsfotograf in Mistelbach ansässig war, handelte es sich jedenfalls nicht um ein Mitglied dieser großen, sowohl aus Amateuren und Professionisten bestehenden Vereinigung. In einem Photographen Adressbuch aus dem Jahr 1879 findet sich zu Mistelbach, im Gegensatz bspw. zu Laa a.d. Thaya kein Eintrag.[5]

Wolfram (mind. 1881 – Ende 1890er)

Mindestens ab 1881 war Alfred Wolfram (*1853, †1917[6], Bild rechts) in Mistelbach als Fotograf tätig, denn in diesem Jahr findet sich folgende Anzeige in der Zeitschrift „Photographische Notizen“[7]: „Alfred Wolfram, Photograph, übernimmt Negativ- und Positiv-Retouche sowie das Ausfertigen der Bilder zu billigen Preisen. Mistelbach an der Staatsbahn“. 1885 erweiterte er seinen Betrieb um eine Niederlassung im mährischen Auspitz.[8] Im Dezember 1889 übernahm laut einer Anzeige in der Zeitung „Bote aus Mistelbach“ Paula Wolfram das Fotografie-Geschäft ihres nicht namentlich genannten Vaters[9]. Dabei konnte es sich jedoch unmöglich um eine Tochter von Alfred Wolfram gehandelt haben, denn in diesem Fall müsste er bereits mit 18 Jahren Vater geworden sein, und seine Tochter hätte wiederum im Alter von 18 Jahren das Geschäft übernehmen müssen und dies obwohl man zur damaligen Zeit erst im Alter von 24 Jahren als volljährig galt. Ein Enkel von Alfred Wolfram bestätigte, dass er keine Tochter namens Paula hatte und erst einige Jahre später in Bulgarien heiratete, wo er nach seiner Tätigkeit in Mistelbach für einige Jahre lebte. Der Nachfahre gab auch den Hinweis, dass Alfred Wolfram zwar keine Tochter, wohl aber eine Schwester namens Paula hatte und auch einen ebenfalls als Fotografen tätigen Bruder namens Eduard.

Tatsächlich dürfte aber bereits Alfred Wolframs Vater, der in der Militärverwaltung tätige Rechnungsoffizial Eduard Wolfram sen., nebenbei in der Fotografie aktiv gewesen sein. Ab 1866 scheint das Fotoatelier Killmann & Wolfram auf, zunächst in Wien-Landstraße, später dann wohl bereits unter Beteiligung von Eduard jun. in Ottakring bzw. Hernals.[10]
Der genaue Sachverhalt der Geschäftsübernahme durch Paula Wolfram lässt sich nach knapp 130 Jahren nicht mehr feststellen, aber folgende Hypothese scheint möglich: Eduard Wolfram sen. der sich seit 1880 im Ruhestand befand, übernahm den Betrieb seines Sohnes Alfred, als dieser gegen Ende der 1880er Jahre nach Bulgarien ging, und anschließend ging das Geschäft mit den Niederlassungen in Mistelbach und Auspitz auf dessen Tochter, Alfred Wolframs Schwester, Paula über. Da es 1901 laut Fitzka nur zwei Fotografen in Mistelbach gab[11] (Forstner und vermutlich Bieberle), dürfte Paula Wolfram die Mistelbacher Niederlassung gegen Ende der 1890er Jahre aufgegeben haben. Eine im Internet gefundene, handschriftlich auf 1897 datierte Aufnahme aus ihrem Atelier, auf der noch beide Niederlassungen vermerkt sind, ist bislang der letzte Beleg ihrer Tätigkeit in Mistelbach. Spuren von Paula Wolframs Tätigkeit in Auspitz finden sich noch durch die Veröffentlichung einer Fotografie in einer Zeitung im November 1900[12] und durch einen Eintrag in einem Photographen-Adressbuch aus dem Jahr 1901[13].

Alfred Wolfram kehrte mit seiner Familie wieder nach Österreich zurück und eröffnete um 1914 in Stammersdorf ein Fotoatelier, dass seine Gattin Johanna nach 1917 als Witwe weiterführte.[14] Eine letzte Spur zu Paula Wolfram findet sich im Jahr 1919 als sie als erste Frau in den Stadtrat von Auspitz gewählt wurde, allerdings wird ihr Beruf zu diesem Zeitpunkt mit Verkäuferin angegeben.[15]

 

Eibl (mind. 1891-1894)

In einer im September 1891 erschienen Anzeige in der Zeitung „Bote aus Mistelbach“ informierte der gebürtige Mistelbacher Josef Eibl (*1857, †1933)[16] darüber, dass er sein seit 1879 bestehendes Maler- & Vergolder-Geschäft, sowie seine photographische Anstalt, von der Adresse Hauptplatz Nr. 15 (Konskriptionsnr. 17) an die Adresse Hauptplatz Nr. 8 (Konskriptionsnr. 10) verlegte.[17]

Später folgte eine Übersiedlung nach Wien, denn von 1893 bis 1896 scheint seine Gattin Theresia (auch Therese; geb. Misch; *1855, †1899), mit einer Wohnadresse in Gaudenzdorf (Meidling) und als Betreiberin eines Fotoateliers in der Ottakringer Thaliastraße in „Lehmann’s Wohnungs-Anzeiger und Gewerbe-Adreßbuch“ auf. 1896 findet sich dann auch ihr Gatte an der selben Wohnadresse wieder und etwa zeitgleich beendeten sie ihre fotografische Tätigkeit in Ottakring und übernahmen das Fotoatelier „Mariette“ in der heutigen Schönbrunner Straße in Margareten, das Josef Eibl zuvor bereits seit 1894 gemeinsam mit Heinrich Reichert betrieben hatte. Die Adresse des Ateliers lautete damals Hundsthurmerstraße 124 (diese wurde 1898 in Schönbrunner Straße umbenannt) und genau in diesem Atelier wirkte knapp 20 Jahre zuvor Josef Plaschil sen., der weiter unten Erwähnung findet. Bald nach der Übernahme verlegte Eibl das Atelier kurzzeitig an seine Wohnadresse, im nur unweit entfernten gelegenen Meidlinger Teil der Schönbrunner Straße. Als er das Atelier „Mariette“ wenig später in den fünften Bezirk, in das Haus Schönbrunner Straße 118, also nahe der ursprünglichen Adresse, zurückverlegte, betrieb er in den folgenden Jahren (etwa 1898 bis 1901) weiterhin auch an seiner Wohnadresse, Schönbrunner Str. 190, ein Fotoatelier. Zeitweilig betrieb er auch eine Niederlassung in Baden, wie die Rückseite eines kürzlich aufgetauchten Hartkartonfotos belegt. 1910 übersiedelte das Atelier abermals innerhalb der Schönbrunner Straße, nämlich an die Hausnummer 100, und nach dem Tod von Josef Eibl 1933, führte seine zweite Gattin Anna, den Betrieb noch zwei Jahre als Witwenfortbetrieb weiter.[18]

Da aus seiner Mistelbacher Zeit leider keine Fotografien überliefert sind, werden nachfolgend Fotokartons seiner Wiener Ateliers gezeigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bieberle (1893-1913)

Franz Bieberle (*1862, †1897[19]) stammte aus Johnsdorf in Mähren und war zumindest seit 1891[20] als Fotograf in Ernstbrunn tätig. 1893/94 übersiedelte er dann nach Mistelbach, wo er sich an der Adresse Barnabitengasse 4 niederließ und dort auch sein Fotoatelier einrichtete[21]. Nach dem frühen Tod von Franz Bieberle, der 1897 an Tuberkulose starb, führte dessen Witwe Marie den Betrieb weiter und übersiedelte im September 1899 mit dem Atelier nur wenige Häuser weiter in die Oserstraße Nr. 5.[20] Erst 1913 scheint der Betrieb ein weiteres und letztes Mal auf, nämlich als die in Form eines Witwenfortbetriebs noch immer auf Franz Bieberle lautende Gewerbeberechtigung zurückgelegt wurde.[23] In Fitzkas Geschichte der Stadt Mistelbach werden im Jahr 1901 zwei Fotografen angeführt, einer davon ist definitiv der weiter unten behandelte Leopold Forstner und vermutlich handelte es sich beim zweiten Unternehmen um jenes der Witwe Marie Bieberle. In einem bereits bei Wolfram erwähnten, nach Orten gegliederten Photographen-Adressbuch aus dem Jahr 1901 fehlt Mistelbach leider komplett.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zapletal (1899-?)

Zu dem 1861 in Pressburg geborenen Tapezierermeister und späteren Fotografen Adolf Zapletal findet sich erstmals 1888 eine Spur in Form einer Anzeige im Untermanhartsberger Kreis-Blatt, in der er darauf hinwies, dass er sein Tapezierer-Geschäft an die Adresse „Hauptplatz Nr. 33, Mistelbach“ verlegt habe.[24] Bis 1898 basierten die Adressbezeichnung auf den sogenannten Konskriptionsnummern – ohne offizielle Straßen- bzw. Platzbezeichnung,  und Nr. 33 entspräche der Adresse Hafnerstraße 7. Da also eine Durchnummerierung des Hauptplatzes im heutigen Sinne, früher nicht existierte, ist trotz des expliziten Zusatzes „Hauptplatz“ anzunehmen, dass sich das Geschäft in der damals noch namenlosen Hafnerstraße befand. Wenig später scheint Zapletal mit seinem Betrieb dann an wechselnden Adressen an der Ostseite des Mistelbacher Hauptplatzes (heutige Nr. 19, 20 21) auf und im Jahr 1899 wurde ihm von der Bezirkshauptmannschaft die Berechtigung zur Ausübung des Photographengewerbes erteilt.[25] Mit Ausnahme einer undatierten Aufnahme fand sich zu seinem photographischen Wirken bisher keinerlei weitere Überlieferung. Auch die Tatsache, dass bei der einzig bekannten Aufnahme kein Karton mit eigenem Firmensujet verwendet wurde, sondern einer jener im Amateurbereich populären „Souvenir“-Kartons, deutet wohl eher auf Kurzlebigkeit des Betrieb hin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Forstner (1900-1960er)

1900 kam der gebürtige Wiener Leopold Forstner sen. (*1869, †1926[26]), nach Mistelbach und eröffnete im Haus Wiedenstraße Nr. 6 (heute: Wohnhaus) sein Atelier.[27] Vor seiner Übersiedlung nach Mistelbach soll Forstner in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre ein Atelier am Wiener Währingergürtel geführt haben.[28] Robert Forstner, der spätere burgenländische Landesinnungsmeister der Fotografen erlernte das Fotografenhandwerk bei seinem Bruder Leopold in Mistelbach. Bei der Mistelbacher Handwerkerausstellung im Jahr 1912 gewann Forstner eine Goldmedaille. Von ihm stammen die meisten historischen Fotos, die die Entwicklung unserer Stadt dokumentieren und er verlegte auch Ansichtskarten mit Motiven aus Mistelbach bzw. den umliegenden Orten. Nach dem Tod von Leopold Forstner sen., 1926, führte dessen Witwe Adelheid (Adele) (*1872, †1964) den Betrieb gemeinsam mit Leopold Forstner jun. (*1903, †1945[29]), der in den Jahren 1918-1920 die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien absolviert hatte.[30], den Betrieb. Nach dem Tod ihres Sohnes im Jahr 1945 führte Frau Adele Forstner den Betrieb zunächst alleine weiter, bevor später ihre Tochter Maria, verehelichte Bott, in das Geschäft eintrat und dieses unter der Firma „Photoatelier Leopold Forstner’s Nachfahre M. Bott“ bis in die 1960er Jahre führte. Die Witwe von Leopold Forstner jun., Viktoria Forstner, eröffnete im November 1946 ein Fotatelier an der Adresse Hauptplatz Nr. 17 (heute: Juwelier „One more time“), das im Jahr darauf von Wilhelm Puchner übernommen wurde.[31] Ein geschäftliche Verbindung zwischen den beiden Forstner Ateliers gab es während der kurzen Zeit ihrer parallelen Existenz nicht – im Gegenteil, Adele Forstner distanzierte sich anlässlich der Eröffnung mittels eines Inserates deutlich von der neuen innerfamiliären Konkurrenz.[32]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Atelier von Leopold Forstner in der Wiedenstraße 6 während der NS-Zeit

 

Plaschil (1906-1950er)

1906 eröffnete der aus Wien stammende Josef Plaschil jun. (*1874, †1960[33]) sein Fotoatelier im Haus Hauptplatz Nr. 15 (heute: ehemals Bank Austria).[34] Bereits sein Vater Josef Plaschil sen. war ab den 1870er Jahren als Fotograf an wechselnden Standorten in Wien-Margareten (u.a. Hundsthurmerstraße 124), zwischenzeitlich in der Zeit vor bzw. während des Ersten Weltkrieges in Niederabsdorf bei Zisterdorf und anschließend wieder im 5. Wiener Gemeindebezirk tätig.[35] Es ist also davon auszugehen, dass Josef Plaschil jun. das Fotografenhandwerk im väterlichen Betrieb erlernte und 1888/89 besuchte er die Graphische Versuchs- und Lehranstalt in Wien.[36] Nach Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und Rückkehr aus fünfjähriger russischer Kriegsgefangenschaft konnte er 1920 sein Atelier wieder an der oben bereits angeführten Adresse eröffnen.[37] Auch in verschiedenen Standesvertretungsgremien war Plaschil aktiv: 1921 wurde er zum Vorsitzenden der behördlichen Gesellenprüfungskommission für den Bezirk Mistelbach bestellt und 1923 zum Vertrauensmann der nö. Photographengenossenschaft für den Kreis Mistelbach gewählt.[38] Mitte der 1930er Jahre befand sich sein Atelier an der Adresse Mitschastraße 12[39] (heute: Wohnhausanlage) und später angeblich an seiner Wohnadresse in der Roseggerstraße 1. Nach dem Krieg scheint er dann erstmals auf, als er im April 1946 mittels Anzeige im Mistelbacher Bote über eine Atelierschließung mit 1. Mai informierte[40], und dass über die Wiedereröffnung per Anzeige informiert werde und diese erfolgte im Dezember 1946[41]. Eine letzte Spur findet sich im Dezember des Jahres 1950 als Wilhelm Puchner, stellvertrend für alle Fotografen des Bezirks, „Altmeister“ Plaschil mit einem Bericht im Mistelbacher Bote anlässlich dessen 60-jährigen Berufsjubiläums gratulierte.[42] Im 1959 von der Fotografeninnung veröffentlichten Handbuch der Berufsphotographen Österreichs bzw. den Folgeausgaben scheint Plaschil nicht mehr auf.

Quellen & Anmerkungen:
1 Fremden-Blatt, 19. Jänner 1868, S. 11 (ONB-ANNO)
2 Fremden-Blatt, 15. Dezember 1864, S. 9 (ONB-ANNO)
3 Allgemeines Adress – Handbuch ausübender Photographen von Deutschland, den österr. Kaiserstaaten, der Schweiz und den Hauptstädten der angrenzenden Länder (1866), S. 69 (Online in den Beständen der Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB));
Fromme, Carl: Adressbuch für Photographie und verwandte Fächer (1879), S. 158
4 Photographische Correspondenz, Nr. 129, 1875, S. 19f (ONB: ANNO);
Photographische Correspondenz, Nr. 144, 1876, S. 65 (ONB: ANNO)
5 Fromme, Carl: Adressbuch für Photographie und verwandte Fächer (1879), S. 158
6 Pfarre Stammersdorf: Sterbebuch (1911-1932), Fol. 113
Eintrag Sterbebuch Pfarre Stammersdorf
7 Photographische Notizen (1881), S. 47
8 Auspitzer Nachrichten, Nr. 37/1885, S. 5
9 Bote aus Mistelbach, Nr. 23/1889, S. 5
10 Biobibliografie zur Fotografie in Österreich – Albertina Sammlungen Online: Eintrag Killmann & Wolfram
11 Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 354
12 Wiener Bilder, 18. November 1900, S. 8 (ONB: ANNO)
13 Zankl, A.: Adress-Buch der Photographen Österreichs (1901)
14 Starl, Timm: Lexikon zur Fotografie in Österreich 1839 bis 1945 (2005), S. 520
15 Novotna, Barbora: „Samospráva města Hustopeče 1918-1938“ (Stadtverwaltung von Auspitz 1918-1938)
16 Pfarre Mistelbach: Taufbuch (1849-1858), Fol. 223
Eintrag Taufbuch Pfarre Mistelbach (das Sterbejahr fand sich mittels der Verstorbenensuche der Wiener Friedhöfe, und durch das Geburts- und Sterbejahr seiner ebenfalls in diesem Gab bestatteten zweiten Gattin konnte er zweifelsfrei identifiziert werden)
17 Bote aus Mistelbach, Nr. 18/1891, S. 9
18 Biobibliografie zur Fotografie in Österreich – Albertina Sammlungen Online: Eintrag Eibl
Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- und Gewerbe-Adressbuch für die Bundeshauptstadt Wien, 1894, 36. Jg., Bd. 2, Namensverzeichnis, S. 189 Onlinebestand Wienbibliothek
Neues Wiener Journal, 17. Oktober 1894, S. 12 (ONB: ANNO)
Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- und Gewerbe-Adressbuch für die Bundeshauptstadt Wien, 1896, 38. Jg., Bd. 2, Namensverzeichnis, S. 201 Onlinebestand Wienbibliothek
(Da die jeweiligen Ausgaben des Lehmann bereits am Ende des vorhergehenden Jahres gedruckt wurden, ist es natürlich korrekt, dass die genannten Personen auch schon in diesem Jahr in Wien wohnhaft bzw. geschäftlich tätig waren. Als Quelle für die Verlegungen des Ateliers dienten auch die folgenden Jahrgänge des Lehmann.)
Österreichische Photographen-Zeitung, Heft 5, 1906, S. 79 (ONB: ANNO) (offenbar erfolgte die Rücklegung der Gewerbeberechtigung für die Filiale an seiner Wohnadresse erst 1906, allerdings finden sich tatsächlich nur in den Jahren 1898-1901 Spuren geschäftlicher Aktivität an dieser Adresse.)
Österreichische Photographen-Zeitung, Heft 5, 1910, S. 76 (ONB: ANNO)
Allgemeine photographische Zeitung, Heft 1, 1935, S. 8 (ONB: ANNO)
19 Pfarre Mistelbach: Sterbebuch (1890-1899), Fol. 122
Eintrag Sterbebuch Pfarre Mistelbach
20 Pfarre Wien-Maria Treu: Trauungsbuch (1888-1894), Fol. 198
Eintrag Trauungsbuch Pfarre Maria Treu
21 Pfarre Ernstbrunn: Taufbuch (1882-1898), Fol. 143
Eintrag Taufbuch Pfarre Ernstbrunn
Pfarre Mistelbach: Taufbuch (1883-1894), Fol. 382
Eintrag Taufbuch Pfarre Mistelbach
22 Bote aus Mistelbach, Nr. 17/1899, S. 11
23 Amts-Blatt der k.k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, Nr. 47/1913, S. 202
24 Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Nr. 9/1888, S. 8
25 Amts-Blatt der k.k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, Nr. 33/1899, S. 140
26 Pfarre Wien-St. Johann Nepomuk: Taufbuch (1868-1871), Fol. 91
Eintrag Taufbuch Pfarre St. Johann Nepomuk
Pfarre Mistelbach: Sterbebuch (1921-1934), Fol. 201
Eintrag Sterbebuch Pfarre Mistelbach
27 Amts-Blatt der k.k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, Nr. 44/1900 , S. 183
28 Biobibliografie zur Fotografie in Österreich – Albertina Sammlungen Online: Eintrag Leopold Forstner
29 Pfarre Mistelbach: Taufbuch (1899-1906), Fol. 250
Eintrag Taufbuch Pfarre Mistelbach
30 Starl, Timm: Lexikon zur Fotografie in Österreich 1839 bis 1945 (2005), S. 128f (in dem Eintrag werden die Biografien von Vater und Sohn vermischt)
31 Mistelbacher Bote, Nr. 46/1946, S. 4
32 Mistelbacher Bote, Nr. 49/1946, S. 4; Verschönerungsverein der Stadt Mistelbach (Hrsg.): „Mistelbach gestern, heute, morgen“ – Festschrift zur Ausstellung des Verschönerungsvereins der Stadt Mistelbach vom 17. bis 24. August 1947 (Anzeigenteil)
33 Pfarre Wien-St. Josef zu Margareten: Taufbuch (1874), Fol. 217
Eintrag Taufbuch Pfarre St. Josef zu Margareten
34 Bote aus Mistelbach, Nr. 39/1906, S. 9;
Amts-Blatt der k.k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, Nr. 47/1906, S. 186;
35 Biobibliografie zur Fotografie in Österreich – Albertina Sammlungen Online: Eintrag Josef Plaschil (dieser Eintrag vermischt die Biografien von Josef Plaschil jun. und sen.)
Pfarre Niederabsdorf: Sterbebuch (1899-1938), Fol. 102
Eintrag Sterbebuch Pfarre Niederabsdorf
Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- und Gewerbe-Adressbuch für die Bundeshauptstadt Wien, 1921/22, 63. Jg., Bd. 1, Branchenverzeichnis, S. 1559
36 Starl, Timm: Lexikon zur Fotografie in Österreich 1839 bis 1945 (2005), S. 375
37 Englisch, Alfred: Bewegung verändert (2013), S. 23
38 Sitzungs- und Geschäftsberichte der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie in Wien, 1921, S. 123 (Google Books)
Allgemeine photographische Zeitung, Heft 16, 1923, S. 14 (ONB: ANNO)
39 Detoni, Josef (Hrsg.): Österreichisches Photo-Adreßbuch (1934), S. 7
Detoni, Josef (Hrsg.): Österreichisches Photo-Adreßbuch (1937), S. 9
40 Mistelbacher Bote, Nr. 17/1946, S. 4
41 Mistelbacher Bote, Nr. 51/1946, S. 4
42 Mistelbacher Bote, Nr. 51/1950, S. 3
43 Handbuch der Berufsphotographen Österreichs (1959)

Bildnachweis:
Foto Atelier Forstner zVg von Herrn Reg.Rat Alfred Englisch

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