Koch, Dr. Bernhard

Von Thomas Kruspel 6. Februar 2017 Aus

Entwurf für ein Gemälde in der Direktion des Münzkabinetts im Kunsthistorischen Museum Wien

Hofrat Univ.-Prof. Dr. Bernhard Koch

geb.18.7.1920, Mistelbach
gest. 26.5.1994, Wien

Dr. Bernhard Koch wurde als Sohn des Fleischhauer- und Selchermeisters Bernhard Koch und dessen Gattin Rosa, geb. Eybel, in Mistelbach geboren.1 Er entstammt der Mistelbacher Fleischhauer-Dynastie Koch, die dieses Handwerk nachweislich bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in Mistelbach ausübte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dann neuerlich etwa ab Beginn der 1950er Jahre war der Betrieb jedoch verpachtet. Ab 1875 waren die Koch Fleischhauer im Haus Marktgasse Nr. 4 ansässig und so bürgerte sich für die Marktgasse die umgangssprachliche Bezeichnung „Kochgassl“ ein, die auch heute noch älteren Mistelbachern ein Begriff ist. Die Fleischerei befand sich am Ende der Gasse bei deren Einmündung in die Franz Josef-Straße (heute: Würstelstand), und 1966 wurde das Gebäude abgetragen, um die ursprünglich schmale Marktgasse auf ihre heutige Größe zu verbreitern. Kochs Vater gehörte von 1928 bis 1938 als Vertreter der Christlich-Sozialen dem Mistelbacher Gemeinderat an und Bernhard Koch zählte zu den ersten Pfadfindern der 1930 vom Salvatorianerpater Otto Bader gegründeten Mistelbacher Pfadfindergruppe.2

Bernhard Koch (roter Pfeil) als Mitglied der Mistelbacher Pfadfinder im Gründungsjahr 1930Bernhard Koch (roter Pfeil) als Mitglied der Mistelbacher Pfadfinder im Gründungsjahr 1930

Nach dem Besuch der Volksschule und der ersten Klasse der Hauptschule in Mistelbach, wechselte Bernhard Koch 1931 an das Bundesrealgymnasium in Mödling, wo er im Mai 1938 die Reifeprüfung ablegte. Im Herbst desselben Jahres begann er ein Studium an der philosophischen Fakultät der Universität Wien in den Fächern Geografie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Anfang Dezember 1940 wurde Koch zur deutschen Wehrmacht einberufen, wo er bei verschiedenen Truppenteilen der 262. Infanterie-Division seine Ausbildung absolvierte bzw. als einfacher Schütze an der Ostfront eingesetzt wurde. Nachdem er als Soldat der 12. Kompanie des Infanterie-Regiments 486 um die Jahreswende 1941/42 – vermutlich bei Kämpfen vor Moskau – Erfrierungen an den Füßen erlitten hatte, die auch von Entzündungen an den Waden und einer Furunkulose begleitet waren, folgten Lazarettaufenthalte in Krakau und Wien. Danach war Koch zunächst Teil der in Wels stationierten Genesungs-Kompanie des Grenadier-Ersatz-Bataillon I/486, ehe er wieder zu seiner Stammkompanie und damit an den östlichen Kriegsschauplatz zurückkehrte.3 Im weiteren Verlauf des Krieges geriet er in russische Gefangenschaft, aus der er jedoch bereits im August 1945 wieder freikam. So konnte er im Wintersemester 1945 sein Studium fortsetzen und gleichzeitig mit der Wiederaufnahme des Studiums besuchte er auch den Kurs des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, den er 1948 mit der Staatsprüfung abschloss. Bereits im Juli 1946 wurde er an der Universität Wien zum Dr.phil. promoviert und seine Dissertation trug den Titel „Wirtschaftsgeschichte Mistelbachs im 17. und 18. Jahrhundert“.

Ab 1946 war er als wissenschaftliche Hilfskraft bzw. im wissenschaftlichen Dienst an der Bundessammlung von Medaillen, Münzen und Geldzeichen des Kunsthistorischen Museums Wien, dem sogenannten Wiener Münzkabinett, tätig. Im Jahr 1954 wurde er zum Kustos ernannt und ab 1968 als Direktor mit der Leitung dieser Sammlung betraut. Ab 1973 war er Vertreter des Direktors des Kunsthistorischen Museums und in den Jahren 1976/77 auch interimistischer Leiter der ägyptisch-orientalischen Sammlung dieser Institution. Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit war das österreichische Münzwesen des Mittelalters, und zu diesem Thema veröffentlichte er zahlreiche Publikationen, wobei sich insbesondere seine Monografie zum Wiener Pfennig als Standardwerk etablierte.

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Koch in den 1980er Jahren

Ab 1973 war er auch als Universitätsdozent an der Universität Wien tätig und überdies Lehrbeauftragter für Münz- und Medaillenkunde an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Mit Ende des Jahres 1985 trat er als Direktor des Münzkabinetts in den Ruhestand, aber natürlich endete damit nicht seine wissenschaftliche Tätigkeit und im darauffolgenden Jahr wurde ihm der Berufstitel „ordentlicher Universitätsprofessor“ verliehen. Seine hervorragenden Leistungen im Bereich der Numismatik wurden durch zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt, so war er etwa Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften und unter anderem Träger des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse. Über Jahrzehnte engagierte er sich in verschiedenen Funktionen im Vorstand der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft, der er von 1985 bis zu seinem Tode als Präsident vorstand. Auch der Jury des Finanzministeriums, die mit der Auswahl der Entwürfe für in Österreich herausgegebene Gedenkmünzen betraut war, gehörte er an.

Gedenkmedaille, die Dr. Koch anlässlich seines Übertritts in den Ruhestand gewidmet wurdeGedenkmedaille, die Dr. Koch anlässlich seines Übertritts in den Ruhestand gewidmet wurde

Zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise den Feierlichkeiten zu 100 Jahre Stadterhebung (1974) oder dem 100 Jahr-Jubiläum der Sparkasse Mistelbach verfasste er wirtschafts- bzw. geldgeschichtliche Beiträge über seine Geburtsstadt, die in Festpublikationen bzw. der heimatkundlichen Schriftenreihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“ veröffentlicht wurden. Weiters stammt der im Jahr 1976 zu Mistelbach veröffentlichte Beitrag in der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Buchreihe „Österreichisches Städtebuch“ von Dr. Koch.

Aus der 1963 mit der AHS-Professorin Dr. Edith Schlemmer geschlossenen Ehe entstammt ein Sohn und gemeinsam mit seiner Familie wohnte Dr. Koch in einer Wohnung im 4. Wiener Gemeindebezirk. Nach seinem unerwarteten Ableben im Mai 1994 wurde er im Familiengrab auf dem Mistelbacher Friedhof beerdigt. 2001 beschloss der Gemeinderat der Stadt Mistelbach eine Straße nach Dr. Koch zu benennen, und somit wurde just zu jener Zeit als die informelle Bezeichnung „Kochgassl“ immer mehr in Vergessenheit geriet, zufällig eine „offizielle“ Koch-Gasse, die Dr. Bernhard Koch-Gasse, geschaffen.

Wo befindet sich die Dr. Bernhard Koch-Gasse?

 

Bildnachweise:
-) gezeichnetes Portrait: Numismatische Zeitung, Jg. 103, 1995, S. 7-8
-) Foto Pfadfinder Mistelbach: Göstl-Archiv

Quellen:
-) Prof. Hans Spreitzer: Das Kochgassl in Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Heimatkundliche Beilage der Stadtgemeinde Mistelbach, Band I (1962-1969), S. 281f
-) Mitteilungsblatt der Museen Österreichs. Ergänzungsheft 8, 1965, S. 106 ff.
-) Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft, Bd. XXX – Nr. 3, 1990, S. 41
-) Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft, Bd. XXXIV – Nr. 3, 1994, S. 45f
-) Jungwirth, Helmut: Nachruf Hofrat i.R. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Koch in: Unsere Heimat – Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich, Jahrgang 65/1994, S. 287ff (Online in den Beständen der Landesbibliothek)
-) Numismatische Zeitung, Jg. 103, 1995, S. 7-8
-) Wien Geschichte Wiki: Dr. Bernhard Koch
-) Bibliographie von Univ.-Prof. Dr. Bernhard Koch auf der Webseite des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien

 

 

Trestler, Johann

Von Thomas Kruspel 17. Januar 2017 Aus

Meisterringer Hans Trestler

geb. 27.10.1887, Martinsdorf (bei Gaweinstal)
gest. 30.8.1926, Wien

Johann Trestler wurde als Sohn des aus Mistelbach stammenden Kleinhäuslers Anton Trestler, und dessen Gattin Johanna, geb. Mittermaier, in Martinsdorf geboren.4 Dort, im Heimatort seiner Mutter, verbrachte er gemeinsam mit seiner Familie die ersten Lebensjahre, bis diese spätestens 18975, also in seinem zehnten Lebensjahr, nach Mistelbach übersiedelte. Dies wird auch durch einen Nachruf im Mistelbacher Bote bestätigt, im dem erwähnt wird, dass er den Großteil seiner Jugend hier verbrachte und laut überlieferten Erzählungen seines Freundes und Ringerkollegen, Franz Doberl, soll Trestler bereits in jungen Jahren über eine unbändige Kraft verfügt haben.6 Somit dürfte er auch seine Installateur-Lehre hier absolviert haben und gemäß dem damals gültigen Heimatrecht besaß er jedenfalls auch noch 1915 das Heimatrecht der Stadt und war „nach Mistelbach zuständig“.7 Nach dem Lehrabschluss führte ihn sein Weg zunächst nach Deutschland, wo er erstmals mit dem Ringsport in Berührung kam.

Danach zog er in die Reichshauptstadt Wien, wo er seinen erlernten Beruf ausübte, und ab 1910 im Amateurringsport (griechisch-römischer Stil) zunächst beim Wiener Ringsportklub aktiv war. Nach der Auflösung dieses Vereins gehörte er dem A. S. C. Cyganiewicz bzw. später dem Wiener Sportklub an und war zu dieser Zeit auch bereits als Amateurtrainer tätig. In den folgenden Jahren gewann er unter anderem die Mittelgewichts-Meisterschaften von Wien, Niederösterreich, der Steiermark8, jene der österreichischen Athletik-Union und auch die österreichische Staatsmeisterschaft. 1912 vertrat er Österreich (=die österreichische Reichshälfte der Monarchie) im Ringwettkampf (Halbschwergewicht) bei den Olympischen Spielen in Stockholm, wo er allerdings aufgrund einer Handverletzung bereits in der 2. Runde ausschied. Weiters belegte er 1912 den 1. Platz bei der „inoffiziellen“ Europameisterschaft in Wien (es gab in diesem Jahr insgesamt vier Bewerbe allein im deutschsprachigen Raum, die den Titel Ringer-Europameisterschaft für sich beanspruchten) und den 2. Platz bei der Weltmeisterschaft 1913 in Breslau. Bereits 1912 nahm er auch erfolgreich an sogenannten Körper- und Muskelschönheitskonkurrenzen, dem Vorläufer des heutigen Bodybuildings, teil. Zu jener Zeit wohnte er im 20. Wiener Gemeindebezirk, wo er 1912 in der Pfarre Zwischenbrücken mit der Hilfsarbeiterin Josefine Schneider den Bund der Ehe schloss.9

Trestler im Jahre 1912 als Teilnehmer bei einer "Körper- und Muskelschönheitskonkurrenz" in WienTrestler im Jahre 1912 als Teilnehmer bei einer „Körper- und Muskelschönheitskonkurrenz“ in Wien

Wenige Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Juli 1914 feierte er als Sieger beim Länder-Ringkampfmatch Bayern gegen Österreich seinen letzten großen Erfolg als Amateursportler10, bevor er bald nach Kriegsbeginn zu einer Maschinengewehrabteilung des k.u.k. Infanterieregiments „Hoch- und Deutschmeister“ Nr. 4  einberufen wurde. Bereits wenige Wochen später im September kursierten Zeitungsmeldungen, die von einer zweifachen Schussverletzung Trestlers und einem Lazarettaufenthalt in Agram (heute: Zagreb) berichteten.11Tatsächlich war er jedoch durch einen Schrapnellsplitter gestreift und lediglich leicht verletzt worden und konnte deshalb schon nach kurzer Zeit an die serbische Front zurückkehren.12 Im November 1914 wurde er schließlich einen Schuss in den linken Unterarm verwundet und es folgte ein Genesungsaufenthalt im in der Wiener Stiftskaserne eingerichteten Reservespital.13 Erst im Mai 1916 kehrte er wieder zu seiner Einheit zurück, die sich mittlerweile an der russischen Front befand.14 Zu Unterhaltungszwecken und zur Ablenkung vom Frontalltag organisierte er während dieser Zeit auch gelegentlich Ringkämpfe zwischen Ringern aus den Infanterieregimentern Nr. 4 und Nr. 84.

Aufgrund der tristen und nahezu aussichtslosen wirtschaftlichen Situation nach dem verlorenen Weltkrieg, entschied er sich vorerst weiter in der Armee zu bleiben und diente in der „Volkswehr“ genannten Armee der jungen Republik. Für viele und wohl auch für ihn handelte es sich dabei um eine Übergangslösung, die ein sicheres Einkommen bescherte. Mindestens bis zum Sommer 1919 dürfte Trestler dem Wiener Volkswehrbatallion XX angehört haben, dies ist durch seine Teilnahme an einem Volkswehr-internen Leichtathletikwettbewerb belegt. Doch bereits während dieser Zeit hatte er die Entscheidung getroffen seine sportliche Leidenschaft nunmehr als Professionalist auszuüben und künftig seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten.15 Er debütierte als Profi im Februar 1919 bei einem Turnier in Wien-Favoriten, und schloss sich zunächst der Ringertruppe um Josef Steinbach an, die zahlreiche Turniere in Wien veranstaltete und mit der er in den folgenden Jahren ausgedehnte Tourneen durch Österreich, Tschechien, die Slowakei und Italien absolvierte. Neben vielen anderen nationalen und internationalen Erfolgen gewann er 1920 auch den großen Preis von Palermo und im Jahr darauf führte ihn eine erfolgreiche Tournee nach Nordafrika.16

Hans Trestler posiert für ein Foto, das 1919 in der illustrierten Zeitschrift "Das interessante Blatt" veröffentlicht wurdeHans Trestler posiert für ein Foto, das 1919 in der illustrierten Zeitschrift „Das interessante Blatt“ veröffentlicht wurde

Weitere Tourneen durch Deutschland und nach Kleinasien folgten und gemeinsam mit dem österreichischen Weltmeister Hans Kawan, nahm er 1924 auch an Bewerben in den südamerikanischen Metropolen Rio de Janeiro und Montevideo teil.17 1924 fanden in Mistelbach Ringkämpfe zwischen dem Lokalmatador Trestler und teils hochkarätigen Gegnern im Saal des Hotel Rathaus bzw. im dazugehörigen „Rathausgarten“ (heutiger Stadtpark) statt, die Massen an begeisterten Zuschauern anlockten.18

Während eines Turniers im August 1926 in Frankfurt am Main zog sich Trestler eine zunächst unscheinbare, kleine Verletzung am Knie zu, die sich jedoch zu einer Infektion auswuchs und die Ärzte in Deutschland sahen sich gezwungen das Bein zu amputieren. Er lehnte diese Maßnahme, die das Ende seiner Sportlaufbahn bedeutet hätte, jedoch ab und trat die Rückreise nach Wien an, um sich dort weiterbehandeln zu lassen. Als er in Wien ankam, war es dafür leider bereits zu spät und so verstarb Johann Trestler wenige Tage später im 39. Lebensjahr im Spital der Barmherzigen Brüder in Wien an den Folgen einer aus der Infektion resultierenden Blutvergiftung. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof zur letzten Ruhe gebettet und in Nachrufen wurde Trestler als wahrer Sportsmann und einer der technisch versiertesten Ringer Österreichs gerühmt, dem trotz seines Könnens bedauerlicherweise keine finanziellen Erfolge beschieden waren. Der plötzliche Tod des Familienvaters und Ernährers bedeutete für seine Witwe und den gemeinsamen Sohn Johann Ferdinand (1915-1945 (vermisst)) eine finanzielle Katastrophe, und knapp zweieinhalb Jahre später wurde Johann jun. im Alter von 13 Jahren durch den Tod seiner Mutter zum Vollwaisen19. In weiterer Folge kümmerten sich Johanna (eine Tante väterlicherseits) und Franz Ganselmayer, die in Mistelbach das Gasthaus „Zum schwarzen Adler“ (heute: Hypobank) als Pächter führten, um ihren verwaisten Neffen. In diesem Gasthaus hatte der 1931 gegründete20, und im Andenken an den Meisterringer Hans Trestler benannte Athletenklub „Trestler“, bis zu seiner Auflösung im Jahre 193321 seinen Vereinssitz.

Neben dem Ringsport, erstreckte sich die kurzlebige Vereinstätigkeit außerdem auf das Gewichtheben und die Kampfsportart Jiu-Jitsu22, und der A.C. Trestler trat mehrfach als Veranstalter von „Propagandaringkämpfen“ – also Schaukämpfe zwecks Werbung für den Ringsport – in Mistelbach und Umgebung in Erscheinung23. Auch der zu diesem Zeitpunkt 16-jährige Hans Trestler jun. war in der Ringersektion des Vereins aktiv und zeigte vielversprechendes Talent.24

Doch das Andenken an Trestler wurde in Mistelbach bereits vor Gründung des „Athletenklub Trestler“ hochgehalten, und zwar als am 7. Dezember 1928 im Saal des Gasthofes Frohner ein „Weltmeister Hans Trestler-Gedenkringen“ abgehalten wurde, dessen Sieger mit der „goldenen Trestler-Medaille“ ausgezeichnet wurde. Auch bei diesem Wettbewerb handelte es sich um eine Benefizveranstaltung zugunsten Trestlers Familie.25

Bildnachweis:
-) Doberl, Franz: Ein Leben auf der Ringermatte (1948), S. 45
-) Illustriertes (Österreichisches) Sportblatt, 6. April 1912, S. 15 (ONB-ANNO)
-) Das interessante Blatt, 10. April 1919, S. 3 (ONB-ANNO)

Quellen:

-) (Wiener) Sporttagblatt, 1. September 1926, S. 4 (ONB-ANNO)
-) Mistelbacher Bote, Nr. 37/1926, S. 2

Riedel, Ing. Hugo

Von Thomas Kruspel 2. Januar 2017 Aus

Landesbaudirektor Hofrat Ing. Hugo Riedel

geb. 12.2.1842, Römerstadt (Mähren)
gest. 24.11.1930, Wien

Hugo Riedel wurde als Sohn des Florian Riedel, Steuereinnehmer in Mährisch Schönberg, und dessen Gattin Karoline, geb. Rösner in Römerstadt in Mähren geboren. Sein Familienname findet sich sowohl in der Schreibweise Riedl, als auch Riedel, mehrheitlich jedoch in der zweiten Variante, die die richtige zu sein scheint. Er absolvierte die Oberrealschule in Olmütz und studierte anschließend von 1859 bis 1864 an der technischen Abteilung des k. k. polytechnischen Institutes in Wien, dem Vorläufer der heutigen Technischen Universität Wien.26 Gemeinsam mit anderen ehemaligen Olmützer Realschülern gründete er 1860, die heute noch bestehende Wiener akademische Burschenschaft „Libertas“. 27

Der junge Student Hugo Riedel (rotes X) im Kreise der Mitglieder seiner Burschenschaft im Sommersemester 1861

Seine erste Anstellung nach Abschluss des Studiums dürfte er beim technischen Dienst des Landes Österreichisch-Schlesien gefunden haben, zumindest ist diese ab dem Jahr 1866 belegt.28 Ab 1. August 1868 war Riedel dann als städtischer Ingenieur in Salzburg tätig, wo er bis zum Leiter des „Bau- und Zimentirungsamtes“ (sic!) aufstieg.29 Im März 1869 heiratete er die Baumeisterstochter Ernestine Zastera in Mährisch Troppau, und dieser Ehe entstammten zumindest zwei, während seiner Mistelbacher Zeit geborene, Kinder.30 Mit 1. Dezember des Jahres 1870 wechselte Ing. Riedel zum mährischen Landesbauamt nach Brünn, wo er fortan für bauliche Angelegenheit im Bezirk Znaim zuständig war. Im August 1872 trat er schließlich in den Dienst des niederösterreichischen „Landesausschusses“ (Vorläufer der heutigen Landesregierung) über und Riedel war als Landesingenieur mit Dienstort in Mistelbach für die Bereiche Straßenbau, Wasserbau sowie öffentliche Gebäude für das gesamte Weinviertel zuständig. Sein tatsächlicher Dienstbeginn in Mistelbach verzögerte sich augenscheinlich jedoch bis in den Herbst des Jahres 1872, da er seine Tätigkeit als  Leiter der 2. Sektion der mährischen Thaya-Regulierungskommission vorerst fortsetzten durfte, um einen geordneten Übergang zu ermöglichen.31 Das Straßennetz war insbesondere im Bezirk Mistelbach damals völlig unterentwickelt und demgemäß fand Riedel in diesem Bereich ein reiches Betätigungsfeld vor. Unter seiner Federführung kam es zum Ausbau des Straßennetzes und in vorbildlicher Weise sorgte in der Folge für den Erhalt der neu geschaffenen Straßen. Auch frühe Regulierungen von Thaya und Zaya sowie Taschelbach, Mistel und Poybach wurde während seiner Wirkenszeit durchgeführt bzw. vorbereitet. Ab Mitte der 1870er Jahre wurden in fast allen Gemeinden des Bezirks neue, zweckmäßige Schulgebäude errichtet und zu den bleibenden Leistungen seiner 18 Jahre währenden Zuständigkeit für die Region zählt zweifellos, dass fast alle dieser Bauten von Riedel entworfen wurden. Daneben beaufsichtigte er auch die Ausführung dieser Bauten und stand als Urheber der Pläne und ausgewiesener Experte den Baufirmen mit Rat und Hilfe zur Seite. 32

Als zu Beginn des Jahres 1886 das niederösterreichische Landes-Bauamt per Landtagsbeschluss geschaffen wurde, bedeutete dies natürlich eine Änderung der Aufgabenbereiche und bisherigen Strukturen. Die baulichen Angelegenheiten betreffend das Weinviertel waren nunmehr in der „Landes-Bauamts-Abtheilung Wien III“ organisiert und zu deren Leiter ernannte man den Ingenieur dritter Classe Hugo Riedel. Sein fachlicher bzw. örtlicher Zuständigkeitsbereich änderte sich also nicht, wohl aber sein Dienstort und daher verlegte die Familie Riedel Anfang 1886 ihren Wohnsitz von Mistelbach nach Wien.33 Ab 1887 scheint Riedel in Lehmanns Wohnungs-Anzeiger mit einer Adresse in Wien-Währing auf.34 Während seiner achtzehnjährigen Tätigkeit im Weinviertel – 14 Jahre davon arbeitete und lebte er in Mistelbach – erwarb er sich als technischer Fachberater der Stadt große Verdienste, engagierte sich unter anderem als Obmannstellvertreter im Stadt-Verschönerungsverein35 und gehörte nach der Gemeindevertretungswahl im Juli 1885 bis zu seinem bereits ein halbes Jahr später folgenden Abschied dem Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) als Mitglied an36. Während seiner Mistelbacher Zeit lebte Riedel zusammen mit seiner Familie im Haus Bahnstraße Nr. 31.

Ende des Jahres 1889 wurde Riedel zum Vorstand der Fachabteilung für Straßenbauangelegenheiten im niederösterreichischen Landesbauamt berufen37 und von Februar 190738 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand im November 190839, folgte schließlich der Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn – die Tätigkeit als Landes-Baudirektor. In einem Nachruf, der wortgleich in verschiedenen Zeitungen erschien, wird erwähnt, dass er sich im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit besonders durch große Straßenbauten in Niederösterreich und Salzburg „einen Namen gemacht hatte“.40

Bereits am 26. April 1885 war Ing. Riedel zum Ehrenbürger Mistelbachs ernannt worden41, und trotz des Abschieds von Mistelbach im darauffolgenden Jahr, blieb er der Stadt stets verbunden und darüber hinaus noch viele Jahre als kompetenter Berater und einflussreicher Unterstützer in (bau-)technischen Angelegenheiten erhalten. Am 24. August 1902 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat auch eine neu angelegte Straße nach ihrem Ehrenbürger Ing. Riedel zu benennen.42 Obwohl die richtige Schreibweise seines Namens Riedel lautete (so ist er auch auf seinem Grabstein zu lesen) heißt die nach ihm benannte Straße heute „Hugo Riedl-Straße“. Die beiden Bilder unterhalb zeigen, dass dies nicht immer so war, denn auf dem älteren, weißen Straßenschild heißt diese noch „Hugo Riedel-Straße“. Wann und wieso Herr Riedel in diesem Zusammenhang seines „e“ verlustigt ging, ist unklar.

Älteste Form der Straßenschilder, wie sie 1898 nach Wiener Vorbild in Mistelbach eingeführt wurden (Schrift und Umrandung waren ursprünglich jedoch rot)Älteste Form der Straßenschilder, wie sie 1898 nach Wiener Vorbild in Mistelbach eingeführt wurden (Schrift und Umrandung waren ursprünglich jedoch rot)

Die blauen Email-Straßen- und Hausschilder dürften vermutlich in der Zwischenkriegszeit eingeführt worden sein.Die blauen Email-Straßen- und Hausschilder dürften vermutlich in der Zwischenkriegszeit eingeführt worden sein.

Ing. Riedel, der auch Ehrenbürger der Gemeinde Traismauer war, verstarb im hohen Alter von 88 Jahren, 1930 in seiner Villa im Währinger Teil des Cottageviertels und wurde auf dem Döblinger Friedhof beerdigt.

Wo befindet sich die Hugo Riedl-Straße?

 

Quellen:

-) Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Heimatkundliche Beilage der Stadtgemeinde Mistelbach, Band I, S. 81f

Bilder:
-) Museumsarchiv Stadt Mistelbach
-) Peters, Dr. Hermann: Libertas – Die Geschichte einer Wiener Burschenschaft (1937)

Katschthaler, Karl

Von Thomas Kruspel 10. Dezember 2016 Aus

k.k. Weinbauinspektor Karl Katschthaler

geb. 12.7.1853, Innsbruck
gest. 24.2.1919, Mistelbach

Karl Katschthaler wurde 1853 als Sohn des Philipp Jakob Katschthaler, eines Kapellmeisters und Musiklehrers, und dessen Gattin Elisabeth, geb. Lutz, in der Tiroler Landeshauptstadt geboren.43 Dr. Johann Baptist Katschthaler, der von 1900 bis zu seinem Tode 1914 amtierende Fürsterzbischof von Salzburg und ab 1903 Kardinal, war sein Onkel, und später Taufpate seines Sohnes Rudolf44. In einem Nachruf wird der Besuch eines Unterrealgymnasiums erwähnt bzw. ist belegt, dass er im Schuljahr 1867/68 im Alter von bereits 14 Jahren die erste Klasse des fürsterzbischöflichen Collegiums Borromaeum, einer katholischen Privatschule, in Salzburg besuchte45. Der Besuch dieser Schule, die hauptsächlich der Heranbildung von Priesternachwuchs diente, und an der zu jener Zeit auch sein Onkel leitend tätig war, war nicht von großem Erfolg gekrönt – er beendete das Schuljahr als Klassenletzter und setzte seine Ausbildung in seiner Heimatstadt fort. Hier besuchte Katschthaler die Lehrerbildungsanstalt Innsbruck, die er 1872 mit der Reifeprüfung abschloss, und im Oktober desselben Jahres legte er die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen ab.46 Danach war er kurzzeitig als Volksschullehrer in Brixen (Südtirol) und später in Reidling (NÖ) tätig47, bevor er mit Anfang des Jahres 1875 an die Mistelbacher Schule wechselte48.

1879 heiratete er in der Wiener Michaelerkirche die Müllermeisterstochter Adelheid Binder aus Lanzendorf und dieser Ehe entstammten vier Kinder.49 Neben dem Lehrberuf begeisterte sich Katschthaler sehr für die Landwirtschaft und insbesondere den Obst- und Weinbau und da er als gebürtiger Innsbrucker aus einer Gegend ohne Weinbau stammte, erwarb er sich autodidaktisch Wissen auf diesem Gebiet und wurde im Nebenberuf Weinhauer. Ab 1884 war er langjähriger Sekretär und Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Bezirksvereins und wirkte in dieser Funktion auch als Gründer zahlreicher Raiffeisen-Kassenvereine und landwirtschaftlicher Kasinos in allen Teilen des Bezirks. Die aus Amerika eingeschleppte Reblaus bedeutete Anfang der 1890er Jahre eine Zäsur im europäischen Weinbau und bereits einige Jahre bevor diese Plage das Weinviertel erreichte, erkannte Katschthaler die große Gefahr und befasste sich intensiv mit der verheerenden Wirkung dieses Schädlings in anderen Ländern und der Abwendung der sich abzeichnenden Katastrophe. Er organisierte Studienreisen in andere Weinbauregionen der Monarchie50und erkannte, dass nur neue Rebsorten vor dem Befall durch die Reblaus geschützt waren. Es sah ein, dass die Umstellung des Weinbaus ein jahrelanger Prozess werden würde und um diesen in Gang zu setzen, legte er in Mistelbach einen Schnitt- und Versuchsweingarten für amerikanische Reben an, der bis 1907 bestand. Mit zahlreichen Vorträgen, Kursen und Publikationen versuchte Katschthaler die Weinbauern auf die Reblausplage vorzubereiten und sie auch im Kampf gegen die zu jener Zeit auftretenden Pflanzenkrankheiten wie beispielsweise Peronospora (falscher Mehltau) zu unterstützen. Beispielsweise unterwies er die Weinbauern im Spritzen der Reben mit Kupfervitriol gegen Peronospora oder dem Injizieren von Schwefelkohlenstoff gegen die Reblaus. Im Jahre 1895 als die Reblaus ihre furchtbare Wirkung im Weinviertel entfaltete und große Rebflächen und zahlreiche bäuerliche Existenzen vernichtete, wurde er vom Schuldienst beurlaubt und mit der technischen Leitung der staatlichen Reblausbekämpfung im politischen Bezirk Mistelbach betraut. In dieser schweren Zeit erwarb er sich große Verdienste um den hiesigen Weinbau, wofür er später unter anderem mit dem goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde und zum Ehrenbürger folgender Weinbauorte unserer Region ernannt wurde: Wetzelsdorf, Seefeld, Zellerndorf, Groß-Meiseldorf, Herrnbaumgarten und Falkenstein.
Die von ihm geleistete Aufklärungs- und Fortbildungsarbeit zeigte die Notwendigkeit der Verbesserung der Ausbildung der Landwirte auf und Katschthaler war 1898 maßgeblich an der Errichtung der Winzerschule in Mistelbach beteiligt.

Nach dem Tod seiner ersten Gattin Adelheid heiratete er 1901, die aus Stockerau stammende Caecilia Thomas.51 Aufgrund seiner Dienstbeflissenheit wurde er 1902 zum Weinbauinspektor II. Klasse ernannt und sein Zuständigkeitsbereich erweiterte sich um die politischen Bezirke Gänserndorf, Hollabrunn, Korneuburg und Floridsdorf – und umfasste somit das gesamte Weinviertel (damals Viertel unter dem Manhartsberg genannt).

In dem überantworteten Wirkungsbereich organisierte Katschthaler unzählige Vorträge, Lehrgänge und Exkursionen, verfasste Leitfäden, Behelfe und Beiträge in diversen Fachzeitungen und wurde 1913 zum Weinbauinspektor I. Klasse befördert. Sein Bemühen galt auch den „Brünnerstraßler“ besser zu vermarkten und zu diesem Zweck organisierte er insgesamt zehn Weinausstellungen, die Letzte im Jahre 1918. Das musikalische Talent seines Vaters war auch bei ihm ausgeprägt, und es ist ein von ihm komponierter Ausstellungsmarsch in den Beständen des Museumsarchivs erhalten geblieben.52 Auch in der Kommunalpolitik engagierte er sich und gehörte von 1888 bis 1891 dem Mistelbacher Gemeinderat an. Weiters war er langjähriger Zentralausschussrat der Landwirtschaftsgesellschaft Wien, Direktor der Mistelbacher Vorschusskasse und Obmann des Verschönerungsvereins der Stadt Mistelbach53. Die Familie Katschthaler führte auch einen Heurigenbetrieb im Hof ihres Hauses in der Liechtensteinstraße 7, der unter seinem Sohn Rudolf, im Hauptberuf Verwalter der Landesiechenanstalt, zu den beliebtesten Treffpunkten in den frühen 1920er Jahren gehörte.

heurigen-katschthalerHeurigen Katschthaler im Hof des Hauses Liechtensteinstraße 7

karl-katschthaler-2

1919 erlag Karl Katschthaler schließlich einem Herzleiden, an dem er bereits längere Zeit litt und wurde auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.54

Traueranzeige aus dem Mistelbacher Bote

Im Jahr 2004 beschloss der Gemeinderat der Stadt Mistelbach der Zufahrtsstraße zur Bezirksbauernkammer und HTL Mistelbach den Namen Karl Katschthaler-Straße zu geben.


Wo befindet sich die Karl Katschthaler-Straße?


Quellen (& Anmerkungen):

-) Stubenvoll, Franz: Siebenhirten bei Mistelbach – Geschichte des Ortes, seiner Herrschaften und seiner Pfarre (1986), Band I, S. 366f
-) Allgemeine Wein-Zeitung, Nr. 10/1919, S. 75
-) Allgemeine Wein-Zeitung, Nr. 13/1919, S. 99 (Anm.: Die Übersiedlung nach Mistelbach erfolgte um viele Jahre früher, wie anderen oben angeführten Quellen (Angabe in „Die Doppel-Volks- und Bürgerschule“ & Trauungsbucheintrag Pfarre St. Michael) eindeutig belegen.)
-) Wiener Landwirtschaftliche Zeitung, Nr. 21/1919, S. 171 (ONB: ANNO)
-) Eminger, Erwin: Weinbauinspektor Karl Katschthaler in Heimat im Weinland – Heimatkundliche Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach (1980), S. 216f (Anm.: Eminger bezieht sich auf falsche Angaben zum Zeitpunkt seiner Übersiedlung nach Mistelbach, die sich im Nachruf der Allgemeinen Wein-Zeitung finden)
-) Publikationen von Karl Katschthaler in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek (ONB)

Bildnachweis:
-) Steiner, Oskar: Mistelbach in alten Ansichten (1983)
-) Wiener Landwirtschaftliche Zeitung, Nr. 27/1919, S. 218 (ONB: ANNO)

Ergebnisse der Bundespräsidentenwahlen in Mistelbach

Von Thomas Kruspel 18. November 2016 Aus

Update: der nachfolgende Beitrag wurde im Oktober 2023 aktualisiert

Seit 1951 wird der österreichische Bundespräsident durch das Volk gewählt und nachfolgend werden die Ergebnisse der Bundespräsidentenwahlen in der Großgemeinde Mistelbach dargestellt. Zu beachten ist, dass mit Beginn des Jahres 1967 zunächst Lanzendorf und Ebendorf eingemeindet wurden, und 1972 entstand schließlich die Großgemeinde Mistelbach in ihrer heutigen Form, als die Gemeinden Hüttendorf, Eibesthal, Paasdorf, Siebenhirten, Hörersdorf, Frättingsdorf und Kettlasbrunn mit Mistelbach vereint wurden.

Betreffend einzelner teilweise leicht über hundert Prozent liegender Wahlbeteiligungen, wurde auf Nachfrage bei der zuständigen Abteilung im Bundesministerium für Inneres mitgeteilt, dass dies durch Stimmabgabe mittels Wahlkarten begründet sei. Bezüglich der Wahlbeteiligung ist es auch wichtig zu erwähnen, dass bis 1982 eine allgemeine Wahlpflicht bei der Bundespräsidentenwahl herrschte. Obwohl sich Präsidenten, die sich einer Wiederwahl stellten, oftmals als unabhängig deklarierten, wurden diese in den nachfolgenden Tabellen dennoch jener Partei zugeordnet, die sie bei Ihrer ersten Wahl unterstützte, um diese deutlich von den tatsächlich unabhängigen Kandidaten abzugrenzen.

Bundespräsidentenwahl 1951

1. Wahlgang (6. Mai 1951)

Ort Wahl-ber. Abgeg. Stimmen Wahl-beteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Heinrich Gleißner (ÖVP) Dr.h.c. Theodor Körner (SPÖ) Dr. Burghard Breitner (VdU) Gottlieb Fiala (KPÖ) Dr. Johannes Ude (unabhängig) Ludovica Hainisch (unabhängig)
Ebendorf 258 257 99,6% 4 253 116 45,8% 114 45,1% 6 2,4% 17 6,7% 0 0,0% 0 0,0%
Eibesthal 551 532 96,6% 5 527 460 87,3% 48 9,1% 19 3,6% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0%
Frättingsdorf 308 297 96,4% 0 297 151 50,8% 130 43,8% 14 4,7% 2 0,7% 0 0,0% 0 0,0%
Hörersdorf 318 315 99,1% 6 309 233 75,4% 67 21,7% 6 1,9% 3 1,0% 0 0,0% 0 0,0%
Hüttendorf 370 355 95,9% 0 355 212 59,7% 121 34,1% 14 3,9% 8 2,3% 0 0,0% 0 0,0%
Kettlasbrunn 494 483 97,8% 2 481 329 68,4% 117 24,3% 18 3,7% 16 3,3% 1 0,2% 0 0,0%
Lanzendorf 342 335 98,0% 10 325 137 42,2% 158 48,6% 9 2,8% 21 6,5% 0 0,0% 0 0,0%
Mistelbach 3626 3602 99,3% 56 3546 1621 45,7% 1374 38,7% 340 9,6% 210 5,9% 1 0,0% 0 0,0%
Paasdorf 582 555 95,4% 11 544 300 55,1% 175 32,2% 24 4,4% 45 8,3% 0 0,0% 0 0,0%
Siebenhirten 311 290 93,% 4 286 234 81,8% 43 15,0% 2 0,7% 7 2,4% 0,0% 0 0,0%
Gesamt 7160 7021 98,1% 98 6923 3793 54,8% 2347 33,9% 452 6,5% 329 4,8% 2 0,0% 0 0,0%

 

2. Wahlgang (27. Mai 1951)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Heinrich Gleißner (ÖVP) Dr. h.c. Theodor Körner (SPÖ)
Ebendorf 258 254 98,4% 0 254 120 47,2% 134 52,8%
Eibesthal 551 537 97,5% 6 531 468 88,1% 63 11,9%
Frättingsdorf 308 306 99,4% 8 298 155 52,0% 143 48,0%
Hörersdorf 318 320 100,6% 7 313 233 74,4% 80 25,6%
Hüttendorf 370 360 97,3% 5 355 222 62,5% 133 37,5%
Kettlasbrunn 494 483 97,8% 4 479 328 68,5% 151 31,5%
Lanzendorf 342 334 97,7% 8 326 149 45,7% 177 54,3%
Mistelbach 3626 3639 100,4% 85 3554 1789 50,3% 1765 49,7%
Paasdorf 582 569 97,8% 11 558 311 55,7% 247 44,3%
Siebenhirten 311 299 96,1% 4 295 237 80,3% 58 19,7%
Gesamt 7160 7101 99,2% 138 6963 4012 57,6% 2992 42,4%

 

Bundespräsidentenwahl 1957

(5. Mai 1957)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Wolfgang Denk (ÖVP) Dr. Adolf Schärf (SPÖ)
Ebendorf 246 244 99,2% 1 243 120 49,4% 123 50,62%
Eibesthal 509 498 97,8% 3 495 436 88,1% 59 11,92%
Frättingsdorf 294 290 98,6% 2 288 134 46,5% 154 53,47%
Hörersdorf 341 324 95,0% 3 321 221 68,8% 100 31,15%
Hüttendorf 361 364 100,8% 2 362 201 55,5% 161 44,48%
Kettlasbrunn 465 456 98,1% 0 456 302 66,2% 154 33,77%
Lanzendorf 326 321 98,5% 8 313 152 48,6% 161 51,44%
Mistelbach 3660 3779 103,3% 48 3731 1929 51,7% 1802 48,30%
Paasdorf 556 531 95,5% 5 526 292 55,5% 234 44,49%
Siebenhirten 305 297 97,4% 5 292 248 84,9% 44 15,07%
Gesamt 7063 7104 98,1% 77 7027 4035 57,4% 2992 33,9%

 

Bundespräsidentenwahl 1963

(28. April 1963)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dipl-Ing. Julius Raab (ÖVP) Dr. Adolf Schärf (SPÖ) Dr. Josef Kimmel (EFP)
Ebendorf 232 223 96,1% 11 212 103 48,6% 105 49,5% 4 1,9%
Eibesthal 498 486 97,6% 2 484 391 80,8% 84 17,4% 9 1,9%
Frättingsdorf 268 264 98,5% 6 248 146 58,9% 102 41,1% 0 0,0%
Hörersdorf 319 299 93,7% 6 293 199 67,9% 87 29,7% 7 2,4%
Hüttendorf 345 342 99,1% 11 331 173 52,3% 154 46,5% 4 1,2%
Kettlasbrunn 434 423 97,5% 5 418 236 56,5% 176 42,1% 5 1,4%
Lanzendorf 343 328 95,6% 8 320 143 44,7% 163 50,9% 14 4,4%
Mistelbach 3871 3845 99,3% 110 3735 1736 46,5% 1880 50,3% 119 3,2%
Paasdorf 496 472 95,2% 10 462 201 43,5% 251 54,3% 10 2,2%
Siebenhirten 280 272 97,1% 2 270 226 83,7% 44 16,3% 0 0,0%
Gesamt 7086 6954 98,1% 171 6773 3554 52,5% 2992 45,0% 173 2,6%

 

Bundespräsidentenwahl 1965

(23. Mai 1965)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Alfons Gorbach (ÖVP) Franz Jonas (SPÖ)
Ebendorf 232 222 95,7% 5 217 115 53,0% 102 47,0%
Eibesthal 494 487 98,6% 4 483 386 79,9% 97 20,1%
Frättingsdorf 267 247 92,5% 4 243 143 58,8% 100 41,2%
Hörersdorf 308 300 97,4% 6 294 219 74,5% 75 25,5%
Hüttendorf 348 346 99,4% 5 341 210 61,6% 131 38,4%
Kettlasbrunn 421 411 97,6% 6 405 254 62,7% 151 37,3%
Lanzendorf 333 319 95,8% 4 315 158 50,2% 157 49,8%
Mistelbach 3817 3838 100,6% 65 3773 2061 54,6% 1712 45,4%
Paasdorf 480 468 97,5% 5 465 251 54,0% 212 45,6%
Siebenhirten 271 261 96,3% 4 257 208 80,9% 49 19,1%
Gesamt 6971 6899 99,0% 108 6793 4005 59,0% 2786 41,0%

 

Bundespräsidentenwahl 1971

(25. April 1971)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Kurt Waldheim (ÖVP) Franz Jonas (SPÖ)
Eibesthal 489 480 98,2% 4 476 383 80,5% 93 19,5%
Frättingsdorf 231 224 97,0% 2 222 129 58,1% 93 41,9%
Hörersdorf 293 287 98,0% 3 284 193 68,0% 91 32,0%
Hüttendorf 367 362 98,6% 6 356 192 53,9% 164 46,1%
Kettlasbrunn 407 399 98,0% 2 397 218 54,9% 179 45,1%
Mistelbach 4384 4464 101,8% 69 4395 2377 54,1% 2018 45,9%
Paasdorf 467 452 96,8% 6 446 243 54,5% 203 45,5%
Siebenhirten 255 257 100,8% 1 256 190 74,2% 66 25,8%
Gesamt 6893 6925 100,5% 93 6832 3925 57,5% 2907 57,5%

 

Bundespräsidentenwahl 1974

(23. Juni 1974)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Alois Lugger (ÖVP) Dr. Rudolf Kirchschläger  (SPÖ)
Mistelbach 6852 6914 100,9% 114 6800 3855 56,7% 2945 43,3%

 

Bundespräsidentenwahl 1980

(18. Mai 1980)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Rudolf Kirchschläger (SPÖ) Dr. Wilfried Gredler (FPÖ) Dr. Norbert Burger (NDP)
Mistelbach 7174 7102 99,0% 878 6224 4915 79,0% 1123 18,0% 186 3,0%

 

Bundespräsidentenwahl 1986

1. Wahlgang (4. Mai 1986)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Kurt Waldheim (ÖVP) Dr. Kurt Steyrer  (SPÖ) Freda Meissner-Blau (Grüne) Dr. Otto Scrinzi (FPÖ)
Mistelbach 7396 7248 98,0% 160 7088 4075 57,5% 2678 37,8% 295 4,2% 40 0,6%

 

2. Wahlgang (8. Juni 1986)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Kurt Waldheim (ÖVP) Dr. Kurt Steyrer  (SPÖ)
Mistelbach 7396 7063 95,5% 204 6859 4148 60,5% 2711 39,5%

 

Bundespräsidentenwahl 1992

1. Wahlgang (26. April 1992)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Thomas Klestil (ÖVP) Dr. Rudolf Streicher  (SPÖ) Dr. Heide Schmidt (FPÖ) Robert Jungk  (Grüne)
Mistelbach 7909 7167 90,6% 214 6953 3489 50,2% 2494 35,9% 722 10,4% 248 3,6%

 

2. Wahlgang (24. Juni 1992)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Thomas Klestil (ÖVP) Dr. Rudolf Streicher  (SPÖ)
Mistelbach 7909 7035 88,9% 204 6831 4294 62,9% 2537 37,1%

 

Bundespräsidentenwahl 1998

(19. April 1998)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Thomas Klestil (ÖVP) Mag. Gertraud Knoll  (unabhängig) Ing. Richard Lugner  (Die Unabhängigen) Dr. Heide Schmidt  (LIF) Karl Nowak (Die Neutralen)
Mistelbach 8058 6752 83,8% 278 6474 4364 67,4% 861 13,3% 594 9,2% 560 8,6% 95 1,5%

 

Bundespräsidentenwahl 2004

(25. April 2004)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) Dr. Heinz Fischer  (SPÖ)
Mistelbach 8365 6896 82,4% 319 6577 3598 54,7% 2979 45,3%

 

Bundespräsidentenwahl 2010

(25. April 2010)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Heinz Fischer (SPÖ) Barbara Rosenkranz  (FPÖ) Dr. Rudolf Gehring (CPÖ)
Mistelbach 8866 5298 59,8% 582 4716 3642 77,2% 861 17,6% 242 5,1%

 

Bundespräsidentenwahl 2016

1. Wahlgang (24. April 2016)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Ing. Norbert Hofer (FPÖ) Dr. Irmgard Griss  (unabhängig) Dr. Alexander van der Bellen (Grüne) Dr. Andreas Khol  (ÖVP) Rudolf Hundstorfer (SPÖ) Ing. Richard Lugner (unabhängig)
Mistelbach 9125 6214 68,1% 188 6026 2222 36,9% 1115 18,5% 1051 17,4% 802 13,3% 683 11,3% 153 2,5%

2. Wahlgang (22. Mai 2016) – wurde durch verfassungsgerichtliches Erkenntnis aufgehoben

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Ing. Norbert Hofer (FPÖ) Dr. Alexander van der Bellen (Grüne)
Mistelbach 9125 6138 67,3% 297 5841 3246 55,6% 2595 44,4%

Wiederholung des 2. Wahlgang (4. Dezember 2016) – Endergebnis

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Ing. Norbert Hofer (FPÖ) Dr. Alexander van der Bellen (Grüne)
Mistelbach 9181 6483 70,6% 256 6227 3177 51,0% 3050 49,0%

Bundespräsidentenwahl 2022

(9. Oktober 2022)

Ort Wahlber. Abgeg. Stimmen Wahlbeteil. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Dr. Alexander van der Bellen (Grüne) Dr. Walter Rosenkranz (FPÖ) Dr. Tassilo Wallentin (parteilos) Dr. Dominik Wlazny (Bierpartei) Gerald Grosz (parteilos) Dr. Michael Brunner (MFG) Heinrich Staudinger (parteilos)
Mistelbach 9343 5856 62,7% 202 5654 3102 54,9% 994 17,6% 544 9,6% 491 8,6% 305 5,39% 137 2,42% 81 1,43%

 

Quelle: Amtliche Verlautbarung der Wahlergebnisse der Bundespräsidentenwahlen auf der Webseite des Bundesministeriums für Inneres

Geschichte der Stadt Mistelbach von Karl Fitzka

Von Thomas Kruspel 9. November 2016 Aus

Unglaublich welchen Weg so manches Buch hinter sich hat, denn wer hätte gedacht, dass sich ein Exemplar der Geschichte der Stadt Mistelbach von Karl Fitzka in der Bibliothek der US-amerikanischen Eliteuniversität Harvard befindet? Das 1901 in Mistelbach erschienene Buch gelangte offenbar auf irgendwelchen Wegen über den Atlantik und 1919 durch den Charles Minot Fund, einem durch einen Harvard Absolventen eingerichteten Fonds zum Zwecke des Bücherankaufs für die Harvard Universitätsbibliothek, in deren Bestände. Das Internetunternehmen Google scannt seit vielen Jahren bereits Bücher, deren Urheberrecht abgelaufen ist, in Bibliotheken weltweit und stellt diese digital auf Google Books online. Obwohl der Autor Karl Fitzka bereits seit mehr als 100 Jahren verstorben ist, ist das Buch aus kaum nachvollziehbaren Gründen in Europa leider nicht online verfügbar, aber in den USA und zufällig stieß der Autor dieses Blogs während eines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten auf dieses digitale Fundstück. Übrigens werden im Internet, als auch im Buchhandel teure (und schlechte) Buchversionen dieses Google Scans zum Verkauf angeboten.

In Übereinstimmung mit den Richtlinien von Google Books soll die digitale Version dieses Buches im Rahmen dieses Blogs allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

Karl Fitzka: Geschichte der Stadt Mistelbach
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