Czacha, Clemens

Don Clemens Cžácha

Don Clemens Cžácha* 18.8.1869, Lichtberg bei Natternbach, (Oberösterr.)1
† 24.5.1917, ebendort2

Der spätere Ordensgeistliche Don Clemens wurde 1869 als Johann Ludwig Cžácha in die Familie des Müllermeisters Johann Martin Cžácha und dessen Gattin Maria, geb. Péšta, in Lichtberg geboren. Seit jeher gehörte sein Geburtsort, die aus wenigen Gebäuden bestehende Rotte Lichtberg, zur Pfarre Natternbach, war jedoch trotz der räumlichen Nähe zu diesem Ort (unfreiwillig) von Ende des 18. Jahrhunderts bis 1938 Teil der Gemeinde Neukirchen am Walde. Die Familie Cžácha3 (auch Czácha, Cácha bzw. Čacha geschrieben) erbaute um 1860 das Haus Lichtberg Nr. 4, die am Natternbach gelegene Cžácha-Mühle.4 Seine Eltern stammten aus Südböhmen und waren tschechischer Nationalität, wie auch die Angabe seiner Muttersprache mit Tschechisch auf Cžáchas Nationale im Archiv der Universität Wien nahe legt.

Er besuchte die Unterstufe des bischöflichen Gymnasiums auf dem Freinberg (das heutige Aloisium) in Linz und war wahrscheinlich Zögling im dortigen Knabenseminar. Später wechselte Cžácha an das k.k. Staatsgymnasium in Linz, wo er die Reifeprüfung ablegte. Im Wintersemester 1892/93 trat er in das bischöfliche Clerial-Seminar in St. Pölten ein und nahm an der dortigen Theologischen Lehranstalt sein Studium auf.5 1894 erfolgte Cžáchas Eintritt in die Kongregation der Regularkleriker vom heiligen Paulus – so der vollständige Name des Barnabitenordens – und er ging als Novize in das Barnabitenkollegium St. Michael in der Wiener Innenstadt.6 Er wählte den Ordensnamen Clemens, legte 1895 die einfache Profess ab und setzte mit Beginn des Wintersemesters 1895/96 sein Studium an der theologischen Fakultät der Universität Wien fort.7 Nach dem Abschluss des Studiums empfing Don Clemens am 25. Juli 1897 im Wiener Stephansdom die Priesterweihe und feierte am Tag darauf in der Hof- und Stadtpfarrkirche St. Michael seine Primiz.8 1897 legte Cžácha auch die ewige Profess ab und wurde im September diesen Jahres als Cooperator (=Kaplan) in die vom Barnabitenorden betreute Pfarre Mistelbach entsandt.9

Dem Gründungscuratorium und auch dem Arbeitsausschuss des 1898 gegründeten Mistelbacher Heimatmuseums gehörte der damalige Pfarrer und Propst des Mistelbacher Barnabitenkollegiums Don Franz Sales Reidinger an.10 Der Schluss liegt nahe, dass sich Propst Reidinger bei der Arbeit im Museum von seinem Kaplan unterstützen bzw. vertreten ließ, da Cžácha sich während seiner Mistelbacher Zeit umfassende Kenntnisse der Geschichte der Stadt aneignete. Erster Beleg dafür sind einige im Frühjahr 1899 im „Bote aus Mistelbach“ erschienene kurze Beiträge zur Geschichte Mistelbachs bzw. zu im Museum vorhandenen Urkunden („Der Tulverhof im oberen Dorf“, „Freibrief über die Jahrmärkte zu Mistelbach aus dem Jahre 1372“,  „Das Kreuzwirtshaus und das Gasthaus zum weißen Ross“), die mit Cz. bzw. C. unterfertigt waren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Don Clemens Czácha zugerechnet werden müssen.11

In Mistelbach wirkte Cžácha weiters als Präses des hiesigen katholischen Gesellenvereins12 und auch als Religionslehrer an der Mädchen Volks- und Bürgerschule13. Nach mehr als zwei Jahren in Mistelbach14 wurde Don Clemens im Jänner 1900 wieder zurück an die Pfarre St. Michael in Wien berufen.15 Dort scheint er als Pfarrkurat auf, und wirkte später auch als Bürgerschul- bzw. Christenlehr-Katechet und Vice-Lokalpräses des katholischen Gesellen-Hauptvereins.16

Der Stadt Mistelbach blieb Don Clemens jedoch weiterhin verbunden und natürlich entging ihm auch nicht das Erscheinen der im Herbst des Jahres 1901 von Karl Fitzka veröffentlichen Geschichte der Stadt Mistelbach. In einem Anfang Dezember des Jahres 1901 im „Bote aus Mistelbach“ veröffentlichten Brief lobte Cžácha Fitzkas Werk, kritisierte fachkundig jedoch einige Ausführungen bzw. Schlüsse Fitzkas bezüglich der frühesten Geschichte Mistelbachs, unter anderem, dass bereits im Jahr 991 hier eine Synode abgehalten worden wäre und die Gründung Mistelbachs bereits im 9. Jahrhundert erfolgt sei. Zwischen Cžácha und Fitzka entwickelte sich daraufhin ein mittels abgedruckter Einsendungen im „Bote aus Mistelbach“ ausgetragener Expertenstreit, der sich über mehrere Ausgaben hinweg entspann.17 Im Rückblick muss Don Clemens mit seiner Interpretation recht gegeben werden, der die Synode richtigerweise dem oberösterreichischen Mistelbach bei Wels zuordnete und die Gründung Mistelbachs erst ins 11. Jahrhundert verortete. Zwischen 1871 und 1927 wurde vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich die Topographie von Niederösterreich, ein umfassendes topographisch-historisches Werk, herausgegeben und der 1906 im Rahmen dieser Publikation veröffentlichte Beitrag zu Mistelbach stammt von Don Clemens Cžácha. Am Ende des ersten Briefes im Expertenstreit mit Fitzka, hatte Cžácha das Erscheinen einer von ihm verfassten Geschichte der Pfarre Mistelbach angekündigt. Eine solche Publikation ist nicht überliefert, und diese zweifellos während seiner Zeit in Mistelbach begonnene Arbeit bildete mit Sicherheit die Grundlage seines Beitrags für die Topographie.  Cžáchas Beitrag zur Geschichte Mistelbachs stellt eine weitere (und die erste wissenschaftlichen Standards entsprechende) Pionierarbeit der Mistelbacher Heimatforschung dar, die allerdings, da nicht als eigenständiges Werk erschienen, oft im Schatten der beiden Fitzka Bände steht.

Link zu Don Clemens Cžacha: Mistelbach in der Topographie von Niederösterreich (Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 609-666)

1908 wechselte Cžácha als Kaplan an die Pfarre Mariahilf und wurde Prokurat und Kanzler im Barnabitenkollegium zu Mariahilf. Von 1911 bis zu seinem Tode 1917 war er schließlich an der k. u. k. Hof- und Stadtpfarre St. Michael und dem dortigen Kollegium als Pfarrkurat bzw. Provinz- und Kollegiumskanzler tätig.18 Im August 1911, anlässlich des (vermeintlichen) 750-Jahr-Jubiläums der erstmaligen urkundlichen Erwähnung seiner Heimatgemeinde bzw. -pfarre Natternbach, veröffentlichte er unter dem Titel „Natternbach – Eine kleine Dorfgeschichte“ eine geschichtliche Abhandlung, die in einer vierteiligen Beitragsserie in der Illustrierten Unterhaltungsbeilage des Linzer Volksblattes erschien.19

Während des Ersten Weltkriegs wirkte Don Clemens auch in dem im Mariahilfer Barnabitenkollegium eingerichteten Vereins-Reservespital Nr. 5 des Roten Kreuzes und wurde hierfür 1915 mit der Militär Jubel-Medaille und dem Ehrenzeichen für Verdienste um das Rote Kreuz II. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.20 Darüber hinaus soll Cžácha ein Ehrendoktorat innegehabt haben und im Februar 1917 wurde ihm der Ehrentitel eines bischöflichen Notars (zu Königgrätz) verliehen.21

Bereits seit 1916 litt Cžácha an einem Herzleiden zu dem in weiterer Folge eine Nierenerkankung hinzukam, weshalb er sich nach Linz in Behandlung begab. Dort erlitt er am 14. März 1917 einen Schlaganfall und als er merkte, dass es dem Ende zuging, ließ er sich am 21. Mai zu seiner Mutter in sein Elternhaus nach Lichtberg bringen, wo er schließlich am 24. Mai 1917 an einer Gehirnblutung verstarb und drei Tage später am Friedhof Natternbach beigesetzt wurde.

Quellen:
-) Linzer Volksblatt, 1. Juni 1917 (Nr. 127), S. 3 (ONB: ANNO)
-) Cžáchas Nationale im Archiv der Universität Wien

  1. Pfarre Natternbach: Taufbuch (Duplikate) 1869 (ohne Seitennr.)
    Eintrag Taufbuch Pfarre Natternbach
  2. Pfarre Natternbach: Sterbefälle (Totenbuch) Duplikate 1917 (ohne Seitennr.)
    Eintrag Totenbuch Pfarre Natternbach
  3. Die in diesem Beitrag verwendete Schreibweise beruht auf der Eigenschreibweise seines Nachnamens laut Nationale im Archiv der Univeristät Wien.
  4. Wimmer, Gottfried: Natternbach – Heimatbuch (1987), S. 349
  5. Personalstand der Säcular- und Regular-Geistlichkeit der Diöcese St. Pölten 1893, S. 53
  6. Personalstand der Erzdiözese Wien (1895), S. 221;
  7. Personalstand der Erzdiözese Wien (1896), S. 227;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1897), S. 239
  8. Deutsches Volksblatt, 4. Juli 1897 (Nr. 3054), S. 4 (ONB: ANNO)
  9. Neues Wiener Journal, 17. September 1897 (Nr. 1402), S. 4 (ONB: ANNO)
  10. Bollhammer, Fritz: Die Geschichte des städtischen Heimatmuseums Mistelbach In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (1967), S. 263
  11. „Der Tulverhof im oberen Dorf – kurzer Beitrag über einen im Museum vorhandenen Kaufbrief“Bote aus Mistelbach, Nr. 9/1899, S. 6
    „Ein alter Gnadenbrief – Freibrief über die Jahrmärkte zu Mistelbach aus dem Jahre 1372“ – Bote aus Mistelbach, Nr. 12/1899, S. 6
    „Das Kreuzwirtshaus und das Gasthaus zum weißen Ross“Bote aus Mistelbach, Nr. 14/1899, S. 5
  12. Volksbote (Wähler), 10. Mai 1899 (Nr. 14), S. 4 (ONB: ANNO)
  13. Die Doppel-Volks-und Bürgerschule in Mistelbach – Zur Geschichte des 25-jährigen Bestandes (1898), S. 23;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1900), S. 225
  14. Personalstand der Erzdiözese Wien (1898), S. 215, 250;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1899), S. 221, 256;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1900), S. 225, 261
  15. Beiblatt zu Nr. 26 des „Vaterland“, Das Vaterland, 28. Jänner 1900, S. I (ONB: ANNO)
  16. Personalstand der Erzdiözese Wien (1901), S. 56, 266;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1902), S. 58, 265;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1903), S. 58, 265;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1904), S. 58, 270;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1905), S. 59, 279;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1906), S. 286;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1907), S. 291;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1908), S. 294;
  17. Bote aus Mistelbach, Nr. 35/1901, S. 3f;
    Bote aus Mistelbach, Nr. 36/1901, S. 3f;
    Bote aus Mistelbach, Nr. 37/1901, S. 3f;
    Bote aus Mistelbach, Nr. 1/1902, S. 4
  18. Personalstand der Erzdiözese Wien (1909), S. 81, 297;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1910), S. 82, 300;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1911), S. 60, 299;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1912), S. 94, 334;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1914), S. 93, 337;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1915), S. 93, 337;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1916), S. 315;
    Personalstand der Erzdiözese Wien (1917), S. 306;
  19. Illustrierte Unterhaltungsbeilage zum Linzer Volksblatt, 4. Jahrgang – Nr. 31, Sonntag, 30. Juli 1911, S. 1f (ONB: ANNO)
    Illustrierte Unterhaltungsbeilage zum Linzer Volksblatt, 4. Jahrgang – Nr. 32, Sonntag, 6. August 1911, S. 1f (ONB: ANNO)
    Illustrierte Unterhaltungsbeilage zum Linzer Volksblatt, 4. Jahrgang – Nr. 33, Sonntag, 13. August 1911, S. 1f (ONB: ANNO)
    Illustrierte Unterhaltungsbeilage zum Linzer Volksblatt, 4. Jahrgang – Nr. 34, Sonntag, 20. August 1911, S. 21f (ONB: ANNO)
  20. Linzer Volksblatt, 15. September 1915 (Nr. 228), S. 4 (ONB: ANNO)
  21. Obernhumer, Dr. Johann: Natternbach – 1147-1947 (1947), S. 63;
    Prager Abendblatt, 17. Februar 1917 (Nr. 39), S. 3 (ONB: ANNO)
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