Historische Mistelbacher Lokalzeitungen

Mistelbach kann seit dem Jahr 1881, mit Ausnahme einiger weniger Monate, auf eine durchgängige Lokalberichterstattung zurückblicken und diese Lokalzeitungen stellen eine unglaublich wertvolle Quelle für historische Forschungen und auch für die Arbeit an diesem Blog dar. Eines der Ziele dieses Beitrages ist es Geschichtsinteressierten, die vielleicht selbst Nachforschungen betreiben möchten, eine Art Quellenübersicht, der in der Österreichischen Nationalbibliothek verfügbaren Mistelbacher Lokalzeitungen, zu verschaffen.

Die Geschichte des Lokalzeitungswesens ist natürlich eng mit jener der hiesigen Druckereibetriebe verbunden, und die erste Druckerei in Mistelbach wurde 1880 von dem aus Horn stammenden Buchdrucker Ferdinand Berger (Bild rechts), als Zweigniederlassung der heute noch in Horn bestehenden gleichnamigen Druckerei, gegründet.[1] Nachfolgend wird die Geschichte der Mistelbacher Lokalzeitungen bis zum Ende der 1950er Jahre dargestellt. Nicht behandelt werden die amtlichen Mitteilungen der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach (seit 1883) und jene der Stadtgemeinde (seit 1954), da es sich hierbei um Mitteilungsorgane der Verwaltung handelt.


Mistelbacher Bezirks-Bote (1881-1882)

Mit Beginn des Jahres 1881 erschien erstmalig der Mistelbacher Bezirks-Bote als dessen Herausgeber und Redakteur der vermutlich aus Wien stammende Viktor Grohmann verantwortlich zeichnete, der zuvor unter anderem die Regionalblätter Mödlinger Zeitung und Döblinger Zeitung gegründet hatte. Die Redaktion und Verwaltung des zunächst dreimal monatlich erscheinenden Blattes, das sich gemäß Eigendefinition als agrarisch und gemäßigt (deutsch-)national verstand, befand sich an der Adresse Hauptplatz 1 (heute: Erste Bank). Zum Zeitpunkt der Gründung gab es zwar bereits eine Druckerei in Mistelbach, aber der Druck dieser Zeitung erfolgte zunächst in häufig wechselnden Wiener Druckereien. Der Inhalt befasste sich großteils mit allgemeinen politischen Entwicklungen bzw. Ereignissen von überregionaler Bedeutung und da erst ein Korrespondentennetzwerk aufgebaut werden musste, fiel der Lokalnachrichtenteil eher schmal aus. Bereits ab Ende März 1881 erschien der Bezirks-Bote wöchentlich, immer sonntags[1a], und im Juni des selben Jahres wurde der Titel des Blattes auf „Bezirks-Bote für die politischen Bezirke Mistelbach und Großenzersdorf“ abgeändert[1b], wodurch sich natürlich auch der Wirkungskreis erweiterte. Ende November 1881 kam es dann offenbar zu einem Eigentümerwechsel und Redaktion sowie Administration des Blattes übersiedelten in die Wiener Innenstadt an den Sitz der Druckerei Ch. Reißer & M. Werthner. Als Grund für die Verlegung der Redaktion wird neben dem Eigentümerwechsel, auch der raschere und einfachere Postversand der Zeitung aus Wien angeführt. Fortan schien der leitende Angestellte dieser Druckerei, Josef Vorwahlner (Bild rechts), als Herausgeber und verantwortlicher Redakteur auf.[1c] Ein langes Leben war dieser ersten Lokalzeitung nicht beschieden, denn bereits Ende März 1882 musste die Zeitung mangels wirtschaftlichen Erfolges eingestellt werden.[1d]


Illustrirter Bezirks-Bote
(1882)

Im Mai 1882 trat der Gründer des „Bezirks-Bote“, Viktor Grohmann, erneut als Initiator eines neuen Blattes in Erscheinung. In der am 14. Mai 1882 erschienen ersten Ausgabe seiner neuen Zeitung namens „Illustrirter Bezirks-Bote für die politischen Bezirke Mistelbach und Groß-Enzersdorf“ zeigte sich Grohmann darüber enttäuscht, dass die neuen Eigentümer den „Bezirks-Bote“ schon nach wenigen Monaten eingestellt hatten und überzeugt von der Notwendigkeit einer Lokalzeitung, wagte er erneut die Gründung eines Blattes. Die Redaktion befand sich wieder an der Adresse Hauptplatz 1 (heute: Erste Bank) und als Chef-Redakteur wird Viktor Grohmann genannt. Als Herausgeber scheint ein gewisser L. Becker auf und den Druck der Zeitung besorgte die Druckerei L. W. Seidel & Sohn in Wien. Wie der Name bereits nahelegt fand sich auf der Titelseite stets eine großformatige Illustration, meist von Ereignissen ohne Lokalbezug, einmal jedoch auch von einer herrschaftlichen Jagd in Neudorf bei Staatz. Nur sieben Ausgaben dieser Zeitung finden sich in den Beständen der Bibliothek der Universität Wien (in der Nationalbibliothek bzw. Landesbibliothek findet sich gar keine Spur dazu) und es scheint daher wahrscheinlich, dass diese Zeitung bereits im Juni 1882 wieder eingestellt wurde.


Untermanhartsberger Kreis-Blatt
(1882-1888)

Am 20. September 1882 erschien die Erstausgabe, dieser ersten in Mistelbach gedruckten Zeitung, deren vollständiger Titel „Untermanhartsberger Kreis-Blatt für die politischen Bezirke Mistelbach, Groß-Enzersdorf, Ober-Hollabrunn, Korneuburg und den Gerichts-Bezirk Kirchberg am Wagram“ lautete. Herausgeber und Redakteur war Franz Schwedt, und die Redaktion dieses zweimal monatlich erscheinenden, stramm (deutsch-)nationalen Blattes befand sich im Haus Hauptplatz Nr. 34 (heute: Bäckerei Geier). Den Druck besorgte die eingangs schon erwähnte Mistelbacher Niederlassung der Druckerei Ferdinand Berger, die von Julius Fibich geleitet wurde und ihren Sitz an der Adresse Hauptplatz Nr. 38 (heute: ’s Lenz) hatte. Im Frühjahr 1884 erwarb Fibich die Druckerei von Berger[2], doch im darauffolgenden Jahr dürfte es aufgrund der Gründung der „Mistelbacher Zeitung“ zwischen Buchdrucker Fibich und Herausgeber Schwedt zu Unstimmigkeiten gekommen sein, denn ab April 1885 wurde die Zeitung fortan in der Druckerei Kreisl & Gröger in Wien gedruckt. Im Juli 1886 verlegte Fibich seine Buchdruckerei schließlich in die Bahnstraße 21 (Konskriptionsnummer 483; heute: ehemals Möbel Schindler)[3] und im Jänner 1887 erwarb Karl Krapfenbauer die Druckerei[4]. Ab Oktober 1887 wurde das „Untermanhartsberger Kreis-Blatt“ dann wieder von Krapfenbauer in Mistelbach gedruckt. Ideologisch stand die Zeitung der Bewegung des radikalen Deutschnationalen Georg Ritter von Schönerer nahe und aus diesem Grunde hatte sie im Frühjahr 1888 mehrfach mit Beschlagnahmungen ihrer Ausgaben durch die Behörden zu kämpfen. Grundlage für die Beschlagnahmung und Vernichtung der Ausgaben war, dass das k.k. Kreisgericht Korneuburg als zuständiges Pressgericht in einigen Artikeln des „Untermanhartsberger Kreis-Blattes“ die Tatbestände der Herabwürdigung gerichtlicher Urteile, die sich gegen Schönerer richteten, und das Vergehen gegen die öffentliche Ordnung – unter anderem wegen antisemitischer Ausfälle – verwirklicht sah.[5] Letztmalig erschien die Zeitung am 15. Juli 1888, da Herausgeber Franz Schwedt an Typhus erkrankte und ein Monat später, am 14. August, an den Folgen dieser Infektionskrankheit verstarb.[6]


Mistelbacher Zeitung
(1885-1886)

Die erste Ausgabe der „Mistelbacher Zeitung“ erschien am 5. April 1885 und als Herausgeber und Redakteur fungierte der Buchdrucker Julius Fibich (Bild rechts), dessen Betrieb sich an der Adresse Hauptplatz 38 befand. Ab 1886 führte die Zeitung den Untertitel Politische Zeitschrift für deutsch-nationale Volksinteressen” und dieser Zusatz unterstreicht die nationale Ausrichtung des Blattes. Mit der „Mistelbacher Zeitung“ gab es nun neben dem „Untermanhartsberger Kreis-Blatt“ in den Jahren 1885/86 zwei nationale Lokalzeitungen, und die ehemaligen Geschäftspartner Schwedt und Fibich lieferten einander einen harten Konkurrenzkampf, bei dem sie auch vor persönlichen Untergriffen nicht zurückscheuten. So hielt beispielsweise Fibich dem Konkurrenten Schwedt vor, entgegen seiner deutschnationalen Einstellung, tatsächlich tschechischer Abstammung zu sein. Im Kampf um die Leserschaft unterlag offenbar die Mistelbacher Zeitung, deren letzte Ausgabe (vermutlich) am 15. März 1886 erschien.


Mistelbacher Bote (1888-1938 & 1945-1958)

Der „Bote aus Mistelbach“ wurde von Joseph Glier, dem Direktor der Knaben Volks- und Bürgerschule, gegründet und die Erstausgabe erschien am 1. September 1888. Den Druck besorgte Karl Krapfenbauer, der im Jahr 1887 die in der Bahnstraße gelegene Buchdruckerei Fibich erworben hatte, und diese im Dezember 1890 an die Adresse Oberhoferstraße 6 (heute: Lindas Moden) verlegte.[7] Vom ersten Erscheinen bis 1906 lautete der Untertitel des Bote aus Mistelbach wie folgt: „Zeitschrift für Politik, Volks- und Landwirtschaft, Gewerbe und Vereinsleben – Organ der Bezirksfeuerwehr-Verbände Feldsberg, Laa, Mistelbach, Poysdorf und Zistersdorf“. Im November 1890 übernahm Krapfenbauer die Herausgabe und Redaktion der Zeitung, Eigentümer dürfte jedoch weiterhin Glier gewesen sein. Mit Beginn des Jahres 1897 scheint dann Ferdinand Schuldmeier als neuer Herausgeber und Schriftleiter auf.


Für die Verwaltung des Blattes war Johann Siedler verantwortlich, der nach dem Tode Krapfenbauers 1899 die Druckerei im Auftrag der Witwe des Verstorbenen kurzzeitig bis zur Übernahme durch Fritz Kränzle jun., weiterführte. Kränzle übernahm im Mai 1899 die Leitung der Druckerei und erwarb den Betrieb schließlich im November desselben Jahres.[8] Wenig später, mit Beginn des Jahres 1900, änderte sich der Erscheinungsmodus des Blattes von bisher zweimal monatlich auf drei Ausgaben pro Monat, bevor die Zeitung ab 1903 wöchentlich, immer freitags erschien. Kränzle erweiterte den Betrieb 1902 durch den Erwerb der Druckerei Rippl in Laa[9], und im April 1904 übersiedelte die Mistelbacher Buchdruckerei samt Zeitungsredaktion an die Adresse Museumsgasse 2 (heute: ehemals Tempes)[10], bevor bald danach, nämlich im Frühjahr 1906, die Rückübersiedlung an die alte Adresse, Oberhoferstraße 6, erfolgte.

Mit Juli 1906 änderte sich die Eigentümerstruktur erneut, denn der bisherige Eigentümer Fritz Kränzle jun. schied aus dem Unternehmen aus und übernahm eine Druckerei im nordböhmischen Aussig. An seine Stelle traten sein Vater Fritz Kränzle sen., früherer Buchdruckereibesitzer im böhmischen Saaz, und Karl Hornung, der im Jahr 1903 die Buchdruckerei in Saaz von Kränzle sen. erworben hatte.[11] Obwohl Hornung bereits zum Zeitpunkt seines Einstiegs in Mistelbach aus dem Saazer Unternehmen ausschied, wurde der Firmenname „Karl Hornung & Comp.“ mindestens bis ins Jahr 1928 beibehalten.[12] Am Firmennamen der Mistelbacher Buchdruckerei änderte sich zunächst nichts und das Unternehmen samt Filiale in Laa wurde weiterhin unter der Firma Fritz Kränzle geführt. Im Frühjahr 1906 trat der Zeitungsgründer und -eigentümer Josef Glier als Schuldirektor in den Ruhestand und, wenig später, ehe er nach Graz übersiedelte, dürfte er die Zeitung an die Druckereinhaber verkauft haben. Dafür spricht auch der „Relaunch“ zu Beginn des Jahres 1907, bei dem nicht nur das Format, sondern auch der Titel der Zeitung auf „Mistelbacher Bote“ geändert wurde und ab diesem Zeitpunkt umfasste das Blatt auch eine Beilage mit dem Titel „Laaer Nachrichten“. Mithilfe der zahlreich eingesandten Berichte zum Ortsgeschehen durch beinahe die gesamte Lehrerschaft des Bezirks konnte vor dem 1. Weltkrieg eine Auflage von etwa 4000 Stück erreicht werden.[13] Die berühmteste Abonnentin war zweifellos die Zarin Eleonore von Bulgarien – eine geborene Prinzessin Reuß (zu Köstritz), die vor ihrer Verehelichung mit Zar Ferdinand I. im Jahr 1908, auf Schloss Ernstbrunn lebte, und die sich den Mistelbacher Bote an den Zarenhof nach Sofia senden ließ. 1908 wurde Karl Hornung Alleineigentümer des Unternehmens, dass nunmehr seinen Namen trug, und Schriftleiter & Herausgeber Schuldmeier wurde im Oktober 1909 durch Johann Eibl abgelöst. Eibl hatte die Leitung des Blattes bis 1915 inne, bevor schließlich Hornung selbst diese Aufgabe bis zu seinem Tode 1932 übernahm.[14] Unmittelbar nach Hornungs Tod übernahm Stadtsektretär Alois Gindl die Schriftleitung des „Mistelbacher Bote“ für die zweite Jahreshälfte 1932. Das Unternehmen, dessen Laaer Filiale bereits 1919 verkauft worden war, verblieb im Besitz der Familie Hornung und der von den Erben eingesetzte, aus Wien stammende Geschäftsführer Leopold Pomaisl führte ab 1. Jänner 1933 die Druckerei und war gleichzeitig ab diesem Zeitpunkt Herausgeber und Schriftleiter des „Mistelbacher Bote“. Er hatte diese Funktion bis zur Eingliederung des „Mistelbacher Bote“ in das NS-Kreisblatt „Grenzwacht“ im September 1938 und der damit einhergehenden Einstellung des Blattes, inne. Weiterhin und zwar bis in Zeit nach dem Krieg war er Geschäftsführer der Druckerei Hornung.

Die erste Ausgabe nach dem „Anschluss“ – ein Hakenkreuz prangt neben dem Titel

Im Juni 1945 erschien nach beinahe siebenjähriger Unterbrechung wieder ein von der Druckerei Hornung gedruckter „Mistelbacher Bote“, nunmehr immer samstags und mit dem Untertitel „Wochenblatt für demokratische Einigung im Verwaltungsbezirk Mistelbach“. Auch die Redaktion war wieder in den Räumlichkeiten der Druckerei untergebracht, und vom erstmaligen Wiedererscheinen bis zum März 1952 war der zeitweilige kommunistische Bürgermeister von Mistelbach Fritz Ferdiny Herausgeber und Schriftleiter dieser Zeitung. Die Bezirksparteileitungen von ÖVP, SPÖ und KPÖ durften je ein Mitglied in die Redaktion entsenden, doch die ÖVP zog ihren Redakteur bereits Anfang 1946 wieder ab, aufgrund von Differenzen über die politische Ausgewogenheit. Zweifellos stand die Zeitung durch Herausgeber Ferdiny und Redakteur Karl Defeny, der Ideologie der Besatzungsmacht nahe. Im Frühjahr 1952 war dann für wenige Wochen die Tochter Karl Hornungs und Miteigentümerin der Druckerei, Hedwig Hardung-Hardung, Herausgeberin, bevor Manfred Balzarik von Juni 1952 bis Oktober 1956 diese Funktion ausübte. Letzter Herausgeber und Redakteur des bis zuletzt im Flachdruckverfahren hergestellten Blattes war Fritz Kleindeßner. Am 30. August 1958, also beinahe auf den Tag genau siebzig Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen des „Mistelbacher Bote“ wurde dessen letzte Ausgabe veröffentlicht, da die Druckerei Hornung in deren Besitz die Zeitung stand, aufgrund wirtschaftlicher Probleme ihren Betrieb einstellen musste.

Aufgrund des langen Erscheinungszeitraums lassen sich die Einflüsse der zu den unterschiedlichen Zeiten vorherrschenden politischen Störmungen auf den Inhalt des Blattes gut herauslesen: zu Beginn war das Blatt eher liberal und bis zum Ende der Monarchie stets kaisertreu, bevor die Blattlinie zunehmend deutsch-national wurde – eine Tendenz die ihren Höhepunkt in der Zwischenkriegszeit fand, als die Zeitung vornehmlich als Sprachrohr völkischer Mistelbacher Vereine fungierte. Im Zuge der Machtergreifung des Dollfuß-Regimes schwenkte der „Mistelbacher Bote“ zumindest oberflächlich von deutsch-nationaler auf „vaterländische“ Ausrichtung um, und nach dem 1938 erfolgten „Anschluss“ prägte die nationalsozialistische Ideologie den Inhalt. Trotzdem kam wenig später das Ende der Zeitung und nach dem Wiedererstehen unter der Sowjetbesatzung war das Blatt zunächst kommunistisch beinflusst.


Grenzwacht/Donauwacht (1938-1945)

Die „Grenzwacht“ war das vom Faber Verlag in Krems herausgegebene NS-Kreisblatt, dass den Untertitel „Wochenblatt für den Kreis Mistelbach – Nachrichten der NSDAP“ trug und diese wöchentlich erscheinende Zeitung wurde erstmals Mitte September 1938 herausgegeben. Der allgemeine Nachrichtenteil der Zeitung stammte von der Redaktion des Faber Verlags und wurde um einen in der Druckerei Hornung hergestellten und von der örtlichen NSDAP-Kreisleitung redigierten Lokalteil für den „Kreis Mistelbach“ erweitert. Diese Kreisbeilage war Ersatz für die im Zuge der Reorganisation und Gleichschaltung des Lokalpressewesens eingestellten Blätter Mistelbacher Bote und Neue Laaer Zeitung. Die Verwaltung der Zeitung hatte ihren Sitz im ehemaligen Warenhaus Weinmann an der Adresse Hauptplatz (damals Adolf-Hitler-Platz) Nr. 27 (heute: Bäckerei/Bistro Heindl), das durch einen der führenden Mistelbacher Nationalsozialisten, Dr. Karl Schnaß, „arisiert“ wurde. Schnaß hatte die Schriftleitung des Blattes zu Beginn des Erscheines inne und die „Arisierung“ des Hauses soll im Auftrag der NSDAP stattgefunden haben und dieses sollte angeblich der repräsentative Sitz der Partei und ihrer Teilorganisationen werden, doch es kam zu Ungereimtheiten zwischen Schnaß und Parteistellen und der Plan wurde verworfen. Es ist davon auszugehen, dass auch der Kreisamtsleiter für das Pressewesen und langjährige Mistelbacher Ortsgruppenleiter Ing. Otto Strasser eine bedeutende Rolle bei der Herausgabe dieser Zeitung spielte.


Auf Anordnung der Reichspressekammer wurde das Lokalzeitungswesen in der Ostmark neu und straff organisiert und sämtliche Regionalzeitungen des Faber Verlags mussten zur „Donauwacht“ zusammengefasst werden, die nunmehr „parteiamtliche Wochenzeitung“ war und in acht Kreisausgaben erschien.[15] Die erste Ausgabe der „Donauwacht“ erschien im März 1939 und später übernahm Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Franz Huber, bis zu seinem Einrücken zur Wehrmacht im September 1944 die Schriftleitung des Mistelbacher Lokalteils. Wenig später übersiedelte die Verwaltung des Blattes nach Krems und Verleger Dr. Herbert Faber schien als Redakteur auf, und auch der Druck der Zeitung erfolgte ab diesem Zeitpunkt vollständig in Krems. Bis zum Erscheinen der letzten Ausgabe am 30. März 1945 wurde die Zeitung als Propagandainstrument und für die Verbreitung von Durchhalteparolen des dem Untergang geweihten NS-Regimes benutzt.


Weinviertler
Zeitung/Weinviertler Nachrichten (1947-1985)

Die erste Ausgabe der „Weinviertler Zeitung“, eines wöchentlich, immer samstags erscheinenden Blattes, wurde am 13. Dezember 1947 veröffentlicht. Eigentümer, Herausgeber und Redakteur der grundsätzlich unabhängigen, aber dem bürgerlichen Lager nahestehenden Zeitung war Eduard Buritsch, der in der Hafnerstraße 8 (heute: Reisebüro Columbus), ein Schreibbüro führte, in dem auch die Redaktion untergebracht war. Die Herstellung der Zeitung, die bereits im Juni 1948 ihren Namen in „Mistelbacher Zeitung“ änderte erfolgte in einer Druckerei in Wien-Hernals bzw. später in Hainburg.


Im Mai 1949 übersiedelte die Redaktion gemeinsam mit dem Schreibbüro von Buritsch in die Bahnstraße Nr. 24a (heute: Friseur Schnittstelle), und im August desselben Jahres änderte sich nicht nur erneut der Name auf „Mistelbacher-Laaer Zeitung“, sondern ab diesem Zeitpunkt wurde das Blatt vom dem in Krems ansässigen Faber Verlag gedruckt. Schließlich erwarb der Faber Verlag im Oktober 1952 die Zeitung von Buritsch, und dieser Eigentümerwechsel war wenig später mit einem erneuten Umzug an die Adresse Hauptplatz 29 (heute: Palmers) verbunden und von diesem Zeitpunkt an dürfte Johann Defeny Schriftleiter des Blattes gewesen sein. 1955 übersiedelte die Redaktion erneut an die Adresse Museumsgasse 2 (heute: ehemals Tempes), bevor im Mai 1958 ein dreiköpfiges Redaktionskomitee unter der Führung des Hauptschuldirektors Prof. Anton Gössinger, die Leitung des Blattes von Defeny übernahm. Neben Gössinger gehörte auch Margarete Handler Redaktionskomitee an, das seinen Sitz ab diesem Zeitpunkt in der Kreuzgasse 27 hatte.

Ende Oktober 1958 fusionierte die „Mistelbacher-Laaer Zeitung“ gemeinsam mit der ebenfalls im Eigentum des Faber Verlags befindlichen „Zistersdorfer-Hohenauer Zeitung“ zu den damit neu geschaffenen „Weinviertler Nachrichten“. Bis Ende April 1984, also 26 Jahre, wirkte OSR Prof. Anton Gössinger als Schriftleiter dieser Weinviertler Institution, deren Redaktion später viele Jahre an der Adresse Hauptpatz Nr. 6 (in einem Teil des Rathauses) untergebracht war.[16] Im Mai 1985 wurde das Blatt in eine der Regionalausgaben der „Neuen Landeszeitung für alle Niederösterreicher“ bzw. später kurz „Die Neue“ genannt, umgewandelt und diese schließlich 1990 mit der Regionalausgabe der „Niederösterreichischen Nachrichten“ vereint.

Regionalblätter

Zum Abschluss seien auch die regionalen Zeitungen der politischen Bewegungen: “Neues Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg” (christlich-sozial), “Der Wähler” bzw. “Marchfeldbote” und später “Volksbote” (sozialdemokratisch) und die “Grenzwacht” bzw. “Neue Grenzwacht” (großdeutsch) erwähnt, die eine wichtige Quelle für das Geschehen in der Zeit vor 1933 bzw. 1938 darstellen und die natürlich ebenfalls über Ereignisse in Mistelbach und Umgebung berichten. Diesen Zeitungen fehlt aber im Gegensatz zu den oben behandelten Blättern der konkrete Mistelbach-Bezug, um diese als “Mistelbacher Zeitungen” bezeichnen zu können.

Quellen (und Anmerkungen):
1 Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Nr. 10/1884, S.8 – (Anm. Anzeige der Betriebsübernahme in der als Gründungsdatum der Druckerei das Jahr 1880 angegeben ist)
1a Mistelbacher Bezirks-Bote, Nr. 9/1881, S. 1
1b Bezirks-Bote für die politischen Bezirke Mistelbach und Groß-Enzersdorf, Nr. 22/1881, S. 1
1c Bezirks-Bote für die politischen Bezirke Mistelabch und Groß-Enzersdorf, Nr. 44/1881, S. 1f
1d Bezirks-Bote für die politischen Bezirke Mistelbach und Groß-Enzersdorf, Nr. 13/1882, S. 1
2 Buchdrucker-Zeitung, 20. März 1884, S.4 (ONB: ANNO);
Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Nr. 10/1884, S.8 – Anzeige der Betriebsübernahme
3 Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Z. 15/1886, S.7
4 Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Z. 3/1887, S.7
5 Untermanhartsberger Kreis-Blatt, 1. Brachmond (Juni) 1888, S.1
6 Der Bote aus dem Waldviertel, 1. September 1888, S.3 (ONB: ANNO);
Sterbebuch Pfarre Staatz (1880-1898), Fol.62 – Eintrag Sterbebuch Pfarre Staatz
7 Bote aus Mistelbach, Nr. 24/1890, letzte Seite, (Übersiedlungsanzeige)
8 Bote aus Mistelbach, Nr. 22/1899, S.12
9 Fürnkranz, Rudolf: Landesfürstliche Stadt Laa an der Thaya: 1800 – 2000, 200 Jahre Erfolgsgeschichte (2009), S.264f
10 Bote aus Mistelbach, Nr. 15/1904, S. 16
11 Pilsner Tagblatt, 25. Juni 1903, S.7 (ONB:ANNO);
Buchdrucker-Zeitung 17. September 1903, S.6 (ONB: ANNO);
Bote aus Mistelbach, Nr. 47/1906, S.16;
Buchdrucker-Zeitung, 3. Jänner 1907, S.8 (ONB: ANNO)
12 Prager Tagblatt, 28. November 1928, S.3 (ONB: ANNO)
13 Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 35/1958, S.1 (Anm.: auch im „Nachruf“ der Konkurrenz findet sich die falsche Angabe zur Übernahme durch Hornung)
14 Buchdrucker-Zeitung, 20. August 1908, S.5 (ONB: ANNO)
16 Durstmüller, Anton – Frank, Norbert: 500 Jahre Druck in Österreich : die Entwicklungsgeschichte der graphischen Gewerbe von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd 3. Die österreichischen graphischen Gewerbe zwischen 1918 und 1982 (1989), S.334
17 Weinviertler Nachrichten, Nr.17/1984, S.3

-) Mistelbacher Bote, 30. August 1958, S.1 – (Anm.: der Zeitpunkt der Übernahme durch Hornung ist mit 1905 falsch angegeben)
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S.353 (Anm.: Fitzka schreibt, dass die Gründung der ersten Druckerei 1879 erfolgte, da sich bei ihm aber auch zahlreiche andere Fehler bzw. Unschärfen in seiner Darstellung der Geschichte der Druckerei bzw. jener des „Bote aus Mistelbach“ finden ist davon auszugehen, dass die Anzeige im Untermanhartsberger Kreis-Blatt das richtige Jahr (1880) nennt.)
-) Durstmüller, Anton/ Frank, Norbert: 500 Jahre Druck in Österreich: die Entwicklungsgeschichte der graphischen Gewerbe von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd 2. Die österreichischen graphischen Gewerbe zwischen Revolution und Weltkrieg : 1848 bis 1918 (1986) S.393f – Anm.: Leider zahlreiche falsche Angaben bzw. Ungenauigkeiten betreffend die Gründung bzw. Anfänge der Buchdruckerei in Mistelbach
-) Durstmüller, Anton/ Frank, Norbert: 500 Jahre Druck in Österreich : die Entwicklungsgeschichte der graphischen Gewerbe von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd 3. Die österreichischen graphischen Gewerbe zwischen 1918 und 1982 (1989), S.352; S.334;

-) In der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandene Ausgaben folgender Zeitungen (chronologisch):
Mistelbacher Bezirks-Bote (1881-1882), Hrsg.: V. Grohmann, Mistelbach; J. Vorwahlner, Wien
Untermanhartsberger Kreis-Blatt (1882-1888), Hrsg.: F. Schwedt
Mistelbacher Zeitung (1885-1886), Hrsg.: J. Fibich, Mistelbach
Bote aus Mistelbach (1888-1906), Hrsg.: J. Glier, Mistelbach; K. Krapfenbauer, Mistelbach; F. Kränzle, Mistelbach
Mistelbacher Bote (1907-1938), Hrsg.: K. Hornung, Mistelbach; L. Pomaißl, Mistelbach
Mistelbacher Bote (1945-1958), Hrsg.: F. Ferdiny, Mistelbach; M. Balzarik, Mistelbach
Grenzwacht/Donauwacht (1938-1945), Hrsg.: J. Faber, Krems
Weinviertler Zeitung/Mistelbacher Zeitung/Mistelbacher-Laaer Zeitung (1947-1958), Hrsg.: Ed. Buritsch, Mistelbach; J. Faber, Krems
Weinviertler Nachrichten (1958-1989), Hrsg.: J. Faber, Krems

-) In der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandene Ausgaben folgender Zeitungen:
Illustrirter Bezirks-Bote für die politischen Bezirke Mistelbach und Groß-Enzersdorf (1882), Hrsg.: L. Becker (Wien?)

Bildnachweise:
Foto Josef Vorwahlner: Buchdrucker-Zeitung, 12. Oktober 1916, S. 1 (ONB: ANNO)
Ferdinand Berger & Söhne (Hrsg.): 100 Jahre Druckerei Ferdinand Berger & Söhne – 1868 – 1968 (1968)

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