Herzog Albrecht-Straße

Wann Mistelbach das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarktes erhielt und somit zum Markt erhoben wurde, ist nicht überliefert. Zweifellos muss es sich dabei um ein sehr altes Recht handeln, schließlich gab es bereits nahe der einstigen Burg auf dem Kirchenberg einen Marktplatz, der Anfang des 14. Jahrhunderts durch Anlage eines neuen, weitläufigen Marktes (=Hauptplatz) ersetzt wurde. Ein darüber hinausgehendes Privileg stellte das Recht zur Abhaltung eines Jahrmarktes dar, bei dem es sich, wie der Name bereits nahelegt, ursprünglich um ein einmaliges Ereignis im Jahresablauf handelte. Während bei den Wochenmärkten die Bauern aus der Umgebung ihre Waren anboten, brachte ein Jahrmarkt auswärtige fahrende Händler und in früherer Zeit auch Schausteller in den Ort und ein solches Ereignis zog die Bewohner der gesamten Region an. Die vielen Menschen, die zu diesen Anlässen herbeiströmten, bedeuteten für die hiesigen Wirtshäuser, Kaufleute und Handwerker gute Geschäfte und das Privileg zur Abhaltung solcher Jahrmärkte war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, dessen Verleihung damals dem Landesherrn vorbehalten war. Der Habsburger Herzog Albrecht III. (*1349, †1395), genannt „Albrecht mit dem Zopf“, regierte das Herzogtum Österreich von 1365 bis 1395, und verlieh dem Markt Mistelbach am 14. April 1372 erstmals das Recht zur Abhaltung eines Jahrmarktes zu Michaeli (29. September). Die Verleihung war der Dank des Herzogs für die treuen Dienste seines Oberstmarschalls Wernhard von Maissau, dem damaligen Besitzer des Marktes Mistelbach. Neben dem Michaelimarkt erhielt Mistelbach in den folgenden Jahrhunderten das Recht zur Abhaltung dreier weiterer Jahrmärkte: Pfingstmarkt (1597), Fastenmarkt (1614) und Adventmarkt (1626). Rund um diese Jahrmärkte wurden bis ins 20. Jahrhundert auch Spezialmärkte, bspw. Vieh- und Roßmärkte, abgehalten.

Jahrmarkt auf dem Mistelbacher Hauptplatz 1910Jahrmarkt auf dem Mistelbacher Hauptplatz 1910

Obwohl sie ihre einstige wirtschaftliche Bedeutung längst verloren haben, bestehen der Wochenmarkt und die vier Jahrmärkte bis heute.

Anfang der 2000er Jahre wurde mit der M-City (eröffnet 2005) ein neues Handelszentrum außerhalb des Stadtgebiets geschaffen, in dessen Umfeld sich in den Folgejahren weitere Handelsbetriebe angesiedelt haben. Bereits am 11. Dezember 2003 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat die zur M-City führende bzw. sie umlaufende Straße Herzog Albrecht-Straße zu benennen. Die Namensgebung soll an die Verleihung des ersten Jahrmarktrechts durch Herzog Albrecht III. erinnern, die einen ersten Schritt zur Etablierung Mistelbachs als regionales Handelszentrums darstellt. Im weiteren Sinne wurde damit zwischen altem (Hauptplatz) und neuem (M-City) Handelszentrum eine symbolische Brücke geschlagen.

Wo befindet sich die Herzog Albrecht-Straße?

 

Quellen:
-) Wortlaut der Urkunde aus 1372 abgedruckt in Bote aus Mistelbach, Nr. 12/1899, S. 6
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 243
-) Koch, Univ.-Prof. Dr. Bernhard: Die wirtschaftliche Entwicklung Mistelbachs (bis ins 18. Jahrhundert) In: Mitscha-Märheim, Univ.-Prof Dr. Herbert: Mistelbach Geschichte (1974),  S. 279 bzw.  Spreitzer, Prof. Hans: Von den Häusern, Straßen, Gassen und Plätzen Mistelbachs In: Mitscha-Märheim, Univ.-Prof Dr. Herbert: Mistelbach Geschichte (1974),  S. 203
-) Czacha, Don Clemens: Art. Mistelbach In: Verein für Landeskunde von Niederösterreich (Hrsg.): Topographie von Niederösterreich, Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 619
-) Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 11.12.2003

Bildnachweis: Foto aus der Sammlung von Frau Rehrmbacher

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