Försterweg

Laut dem „Nachtrags-Häuserverzeichnis“ in Fitzkas Nachtrags- und Ergänzungsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach reichte die Bebauung der linken Seite der Oberhoferstraße im Jahre 1912 bereits bis zur Einmündung der Franz Josef-Straße.1 In diesem oberen Bereich der Oberhoferstraße hatte der Mistelbacher Gemeindeförster Martin Sklenař jun. im Jahr 1900 sein Haus an der Adresse Oberhoferstraße Nr. 99 errichtet.2 Der Bauplatz für Nr. 97 kam als Garten zu Sklenařs Haus und auf der Parzelle für Nr. 95, zwischen Sklenař und dem Haus Oberhoferstraße Nr. 93 (damals Anton Platschka), wurde schließlich ein Verbindungsweg zwischen der Franz Josef-Straße und der Oberhoferstraße – der heutige Försterweg – geschaffen. Dieser laut damaligem Gemeindeausschuss-Beschluss „neueröffnete Verbindungsweg“ erhielt im September 1911 zunächst den Namen „Flurgasse“3, bevor 1913 der bisherige Name der unteren Waisenhausstraße (zwischen Waldstraße und Winzerschulgasse) „Feldgasse“ auf ihn übertragen wurde.4

Das Haus von Forstmeister Martin Sklenař jun. in der Oberhoferstraße Nr. 99, das an den Försterweg angrenzt, war bis 1957 auch Sitz der Forstverwaltung der Gemeinde. Der Hirschkopf über der Toreinfahrt weist noch heute auf den einstigen Wohnsitz des Gemeindeförsters hin.Das Haus von Forstmeister Martin Sklenař jun. in der Oberhoferstraße Nr. 99, das an den Försterweg angrenzt, war bis 1957 auch Sitz der Forstverwaltung der Gemeinde. Der Hirschkopf über der Toreinfahrt weist noch heute auf den einstigen Wohnsitz des Gemeindeförsters hin.

Von 1850 bis 1975, also 125 Jahre und über drei Generationen lag die Betreuung des Gemeindewaldes in den fachkundigen Händen der Försterfamilie Sklenař. Trotzdem sich der Wohnsitz des ab 1935 tätigen Forstmeisters Ing. Oskar Sklenař später andernorts befand, blieb die Forstverwaltung der Gemeinde bis Ende des Jahres 1957 in seinem Elternhaus in der Oberhoferstraße untergebracht, ehe deren Sitz ins Amtsgebäude auf dem Hauptplatz verlegt wurde.5

Am 30. Oktober 1978 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat den Verbindungweg zwischen Oberhoferstraße und Franz Josef-Straße zur Erinnerung an den einst hier wohnhaften Gemeindeförster Martin Sklenař jun. bzw. die hier vormals beheimatete Forstverwaltung „Försterweg“ zu benennen.6

Da der als Einbahn geführte Försterweg eine reine Verbindungsstraße ist und nicht Teil einer Hausadresse, dürfte der Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) aus dem Jahr 1913 über die Benennung als „Feldgasse“ im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten sein und nachdem 1968 in der erweiterten Schloßbergsiedlung eine Straße „Feldgasse“ benannt wurde, gab es zwischen 1968 und 1978 also faktisch zwei Straßen mit gleichem Namen.

Wo befindet sich der Försterweg?

 

Bildnachweis: Thomas Kruspel (2018)

Quellen:

  1. Fitzka, Karl: Nachtrags- und Ergänzungsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach (1912), S. 233ff
  2. Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 277
  3. Verhandlungsschrift über die öffentliche Gemeindeausschusssitzung vom 5.9.1911 – Mistelbacher Bote, Nr. 37/1911, S. 3
  4. Verhandlungsschrift über die öffentliche Gemeindeausschusssitzung vom 31.10.1913 – Mistelbacher Bote, Nr. 43/1913, S. 5
  5. Mittteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 41/42, November/Dezember 1957, S. 7 (Anm.: Zwischen 1945 und 1955 waren weite Teile der Gemeindeverwaltung andernorts untergebracht, da ein großer Teil des Rathauses durch die sowjetischen Kommandantur belegt war. Nach dem Abzug der Besatzungsmacht war eine gründliche Renovierung der Räumlichkeiten notwendig und die Gemeindeverwaltung wurde im Sommer des Jahres 1957 wieder zentral am Hauptplatz zusammengefasst. Ob die geschilderte Raumnot nach 1945 der Grund dafür war, dass sich die Forstkanzlei hier befand, oder dies schon unter Martin Sklenař jun. der Fall war, ist unklar.)
  6. Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 238
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