Matuschek, Wenzel

k.k. Landesgerichtsrat Wenzel Matuschek

* 11.8.1825, Tremles (Böhmen)
† 10.3.1908, Wien

Wenzel Matuschek wurde als Sohn des Braumeisters Johann Matuschek und dessen Gattin Petronilla, geb. Komarek, 1825 in dem an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren gelegenen Kleinstadt Tremles, geboren. Bald nach seiner Geburt übersiedelte die Familie aus beruflichen Gründen nach Waidhofen a.d. Thaya, wo er aufwuchs.1 Zu seiner Ausbildung liegen keine Informationen vor, allerdings ist klar, dass ein juristisches Studium Voraussetzung für seine spätere Laufbahn war. Wo Matuschek dieses absolvierte ist hingegen unklar, da für die für die Zeit vor 1850 im Archiv der Universität Wien keine Studienkataloge bzw. Nationale der Studierenden vorliegen.

1846 findet er dann erstmals als Kanzleipraktikant beim Magistrat seiner Heimatstadt Waidhofen an der Thaya Erwähnung.2 Zehn Jahre später, 1856 war er weiterhin in Waidhofen tätig, nunmehr allerdings als Kanzlist beim hiesigen k.k. Bezirksamt.3 Bald darauf wechselte Matuschek dann an das k.k. Bezirksamt Zistersdorf, jedenfalls scheint er dort bereits 1858 als Aktuar (rechtskundiger Verwaltungsbeamter – Protokollführer) auf und zwar bis 1865.4 Hier ehelichte er am 8. Juni 1859 Ernestine Berger, die Tochter des Zistersdorfer Notars,5 und dieser Verbindung entstammten sechs Kinder.

1865 kam Matuschek schließlich als Adjunkt ans k.k. Bezirksamt Mistelbach6 und nach der Neuorganisation des Verwaltungs- bzw. Gerichtswesen im Jahre 1868 war er ab diesem Zeitpunkt in selber Funktion am aus dem Bezirksamt hervorgegangenen k.k. Bezirksgericht Mistelbach tätig.7 Aufgrund seines umtriebigen Wesens war Matuschek bald nachdem er nach Mistelbach kam Triebfeder und Mittelpunkt des geselligen Lebens in Mistelbach und auch in vielen Vereinen engagiert, so etwa 1867 als Gründungsmitglied des hiesigen Deutschen Turnvereins.8 Später war er über mehrere Jahre auch Vorstand des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Mistelbach und wurde 1890 aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied desselben ernannt.9 Doch auch für das Wirtschaftsleben von Mistelbach setze Matuschek bedeutende Initiativen, die letzlich auch wesentliche Schritte auf dem Weg zur Stadterhebung waren. Als Matuschek 1865 nach Mistelbach dürfte es zwar den seit Jahrhunderten bestehenden Wochenmarkt zur Versorgung der Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln gegeben haben, dieser war allerdings von untergeordneter Bedeutung und im Getreidehandel spielte Mistelbach (auch in Ermangelung großer Mühlbetriebe) faktisch keine Rolle.10 Auf Anregung von Matuschek wurde noch im Jahr seiner Ankunft durch Zusammenschluss einiger Bürger eine private Marktgesellschaft begründet, die einen Wochenmarkt in größerem Stil abhielt und die dort angebotenen landwirtschaftlichen Produkte der Bauern der Umgebung aufkaufte, um diese dann nach Lundenburg weiterzuverkaufen. Dieses Vorgehen hatte folgende positive Auswirkungen: der Wirtschaftstandort Mistelbach wurde durch den neuen Markt aufgewertet, die Bauern der Umgebung wurden nach Mistelbach gelockt und belebten bei ihren Aufenthalten die lokale Wirtschaft und beim Weiterverkauf des Getreides im großen Stil konnten Gewinne erzielt werden. An der Spitze dieser Marktgesellschaft stand übrigens der spätere Bürgermeister Josef Strasser, zu dessen engsten Mitstreitern und Ideengebern Matuschek werden sollte, und der sich durch seine Rolle in der Marktgesellschaft auch für höhere öffentliche Ämter empfahl. Der neue Wochenmarkt war ein großer Erfolg, dem allerdings bereits durch den Einmarsch der Preußen im folgenden Jahr ein vorläufiges Ende bereitet wurde. Angelockt vom regen Marktgeschehen ließen sich in weiterer Folge mehrere Landproduktehändler in Mistelbach nieder und das Ziel Mistelbach als Getreideumschlagplatz zu etablieren war damit erreicht. Die Marktgesellschaft ging später vollständig in den Besitz von Johann Schwarz sen. über, der hieraus seine bedeutende Fruchthandlung (Franz Josef-Straße Nr. 13-15) entwickelte. Aufgrund der Erfahrung mit der genossenschaftsartig organisierten Marktgesellschaft und dem was mit auf diese Weise akkumulierten Kapital bewegt werden konnte, regte Matuschek 1868 die Gründung einer Sparkasse an und lud die Bewohner des Marktes in den Saal des alten Rathauses um für diese Idee zu werben. Die auf diese Weise angeregte und vom nunmehrigen Bürgermeister Josef Strasser in Form einer Städtischen Sparkasse (= im Besitz der Gemeinde) durchgeführte Sparkassen-Gründung war für die weitere Entwicklung Mistelbachs von unschätzbarer Bedeutung, denn nur mit Hilfe dieses Instituts konnten zahlreiche gemeinnützige Einrichtungen und Projekte der Stadt in den knapp 130 Jahren ihres Bestehens finanziert werden.11

Im Jänner 1874 wurde Matuschek dann als Bezirksrichter an das Bezirksgericht Haslach in Oberösterreich berufen.12 Nachdem die Stelle des Bezirksrichters in Mistelbach vakant wurde, kehrte er 1878 über eigenes Ansuchen als Bezirksrichter wieder an seinen ehemaligen Dienstort zurück, wo er bis zu seiner Pension dem hiesigen Bezirksgericht vorstand.13 1894 wurde ihm der Titel eines wirklichen k.k. Landesgerichtsrats verliehen14, ehe er mit 31. Oktober 1897 in den Ruhestand übertrat.15 Aus letzterem Anlass beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss, angeblich auch auf Anregung zahlreicher Gemeinden des Bezirks, Matuschek als Dank für sein gewissenhaftes und vorbildliches Wirken als Bezirksrichter und sein Engagement in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens der Stadt und des Bezirks zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach zu ernennen.16

Nach seinem Übertritt in den Ruhestand übersiedelte er nach Wien und wohnte zunächst in Meidling17 bzw. später in Penzing18, wo er am 10. März 1908 im Alter von 82 Jahren an Altersschwäche verstarb und zwei Tage später auf dem Penzinger Friedhof bestattet wurde.19

Quellen:

  1. Bereits 1826 scheint die Familie Matuschek mit einem Eintrag im Taufbuch der Pfarre Waidhofen a.d. Thaya auf. Pfarre Waidhofen/Thaya: Taufbuch (1824-1835), Fol. 57
    Eintrag Taufbuch Pfarre Waidhofen/Thaya
  2. Gochnat, Carl von: Niederösterreichischer Dominien-Schematismus für das Jahr 1846, S. 164 (Online bei Google Books)
  3. Personal- und Concretalstand der k.k. Statthalterei der Kreis- und Bezirksämter in Österreich unter der Enns (1856), S. 33 (Online bei Google Books)
  4. Personal- und Concretalstand der k.k. Statthalterei der Kreis- und Bezirksämter in Österreich unter der Enns (1859), S. 31 (Online bei Google Books) (Anm.: diese Personalstandverzeichnisse erschienen in der Regel bereits zu Ende des vorangegangenen Jahres, weshalb angenommen werden kann, dass Matuschek jedenfalls bereits ab 1858 in Zistersdorf wirkte);
    Personal- und Concretalstand der k.k. Statthalterei der Kreis- und Bezirksämter in Österreich unter der Enns (1861), S. 20 (Online bei Google Books);
    Personal- und Concretalstand der k.k. Statthalterei der Kreis- und Bezirksämter in Österreich unter der Enns (1862), S. 28 (Online bei Google Books);
    Niederösterr. Amtskalender 1865, S. 393
  5. Pfarre Zistersdorf: Trauungsbuch (1837-1861), Fol. 235
    Eintrag Traungsbuch Pfarre Zistersdorf (matricula.eu)
  6. Niederösterr. Amtskalender 1866, S. 215;
    Niederösterr. Amtskalender 1867, S. 296
  7. Neue Freie Presse, 18. August 1868 (Nr. 1424), S. 4 (ONB: ANNO)
  8. Mistelbacher Bote, 1928, Nr. 31, S. 4
  9. Wiener Landwirtschaftliche Zeitung, 5. Juli 1890 (Jg. 40, Nr. 54), S. 436 (ONB: ANNO)
  10. In einigen Quellen ist zu lesen, dass Mistelbach vor Etablierung der Marktgesellschaft 1865 keinen Wochenmarkt gehabt hätte (Bote aus Mistelbach, Nr. 22/1897, S. 6;  Mistelbacher Zeitung, Nr. 7/1885, S. 2; Bote aus Mistelbach, 50/1904, S. 2)
    Da Mistelbach bald nach seiner Gründung  das Recht zur  Abhaltung eines Wochenmarktes erhielt (der genaue Zeitpunkt ist nicht überliefert) und ein Wochenmarkt für die Versorgung mit Lebensmitteln alternativlos war, wird die Angabe, dass in Mistelbach zuvor kein Wochenmarkt bestanden haben soll, dahingehend interpretiert, dass ein solcher wohl mit Sicherheit bestand, dieser aber für den Fruchthandel und über Mistelbach hinaus keine Bedeutung hatte. Das Anfang der 1860er Jahre der montägliche Wochenmarkt jedenfalls (noch) existierte ist auch durch folgende Quelle belegt: Matzenauer, Eduard: Nieder-österreichischer Gemeinde-Schematismus (mit Ausnahme der Gross-Commune Wien) mit statistisch-topographischen Notizen für die Wahlperiode 1861-1863 (1862), S. 177 (Online verfügbar in den Beständen der ONB)
  11. Bote aus Mistelbach, Nr. 22/1897, S. 6
  12. Allgemeine Österreichische Gerichtszeitung, 30. Januar 1874 (Jg. IX, Nr. 8), S. 32 (ONB: ANNO)
  13. Gerichtshalle, 20. Dezember 1877 (Jg. XXI, Nr. 102), S. 500 (ONB: ANNO)
  14. Bote aus Mistelbach, Nr. 15/1894, S. 4
  15. Verordnungsblatt des k.k. Justizministeriums, XIII. Jahrgang 1897, S. 279 (Onlinebestände der ONB)
  16. Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 238
  17. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungsanzeiger nebst Handles- und Gewerbe-Adreßbuch für die k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien (1899), Band II, S. 735 (Online in den Beständen der Wien Bibliothek)
  18. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungsanzeiger nebst Handles- und Gewerbe-Adreßbuch für die k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien (1908), Band II, S. 705 (Online in den Beständen der Wien Bibliothek)
  19. Pfarre Penzing: Sterbebuch (1908), Fol. 224
    Eintrag Sterbebuch Pfarre Wien-Penzing (matricula.eu)
Dieser Beitrag wurde unter Persönlichkeiten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.