10 Jahre „mi-history.at“

Von Thomas Kruspel 26. August 2026 Aus

Exakt heute vor 10 Jahren, am 26. August 2016 wurde der erste Beitrag auf diesem Blog veröffentlicht. Eigentlich nicht als Langzeitprojekt konzipiert, entwickelte der Blog und insbesondere die Ausführlichkeit der einzelnen Beiträge eine damals nicht absehbare Eigendynamik. In den vergangenen zehn Jahren konnten mittels dieses Projekts lokalgeschichtliche Inhalte in verständlicher Form einem interessierten Publikum zugänglich gemacht werden, bislang kaum beachtete bzw. unbekannte Aspekte der Mistelbacher Geschichte behandelt werden und zum Teil lang tradierte Fehlinformationen richtiggestellt werden. Genaue diese Arbeit wird auch weiterhin fortgesetzt werden, immerhin gilt es noch einige Themen abzuarbeiten.

Der erste Beitrag war damals dem Gründer des Mistelbacher Heimatmuseums und Verfassers der ersten Stadtgeschichte Karl Fitzka gewidmet. Der Beitrag zum 10. Geburtstag von mi-history.at ist einem anderen verdienten Heimatforscher gewidmet: Hans Spreitzer. Seine Leistungen sind herausragend, aber leider hat Prof. Spreitzer nicht den Stellenwert der ihm in der Geschichtsschreibung Mistelbachs gebührt. Allzu oft wird auch heute noch der zweifellos verdiente Karl Fitzka bemüht und damit der Wissensstand von vor 125 Jahren, statt sich mit den fundierten und auf aussagekräftigerem Quellenmaterial beruhenden Arbeiten von Prof. Spreitzer auseinanderzusetzen. Ein Grund hierfür ist zweifellos, dass es Spreitzer durch seinen allzu frühen Tod nicht vergönnt war seine Forschungsarbeiten in einem mehrbändigen Werk zu veröffentlichen. Glücklicherweise wurde immerhin ein Teil seiner meist als Artikelserien in Lokalzeitungen bzw. Beiträgen in Schriftenreihen erschienen Arbeiten unter der redaktionellen Gesamtleitung von Univ.-Prof. Dr. Mitscha-Märheim anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Stadterhebung im Buch „Mistelbach Geschichte“ veröffentlicht. Die Arbeiten Spreitzers sind nicht nur wichtige Grundlage vieler auf diesem Blog veröffentlichter Beiträge, sondern tatsächlich auch ein Grund warum es diesen überhaupt gibt. Denn vor mehr als zehn Jahren entdeckte der Autor viele von Spreitzer verfasste Beitragsreihen zu historischen Themen in den Lokalblättern der 1950er und 1960er Jahre in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek. In Mistelbach bzw. konkret im Museumsarchiv der Stadt sind diese Lokalzeitungen kaum vorhanden, weshalb viele dieser Arbeiten in Vergessenheit gerieten. Da Spreitzers Abhandlungen von bestechender Qualität und Prägnanz sind, fasste der Verfasser den Entschluss auf Basis dieses reichhaltigen heimatgeschichtlichen Schatzes eine Webseite mit Beiträgen zur Geschichte der Stadt Mistelbach ins Leben zu rufen. Davon, dass es Prof. Spreitzer ein Anliegen war lokalgeschichtliche Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zeugen die von ihm gegründeten bzw. redaktionell geleiteten Schriftenreihen „Heimat im Weinland“ und „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart„. Würde Spreitzer in unserer heutigen Zeit leben, würde er zweifellos auch die Möglichkeiten des Internets nutzen, um zur Geschichte Mistelbach zu publizieren.

Eine prominente Persönlichkeit aus der Mistelbacher Geschichte möchte sich aus Anlass des 10-jährigen-Jubiläums von mi-history.at mit einer kurzen Grußbotschaft zu Wort melden:

Spreitzer, Hans

Von Thomas Kruspel 26. August 2026 Aus

Stadtrat Ministerialrat Professor Hans Spreitzer

geb. 7.3.1915, Reintal
gest. 8.8.1979, Mistelbach

Johann Spreitzer wurde als Sohn des Landwirts Johann Spreitzer und dessen Gattin Maria (geb. Ertl) 1915 in Reintal (Bezirk Mistelbach) geboren.1 Er wuchs mit zwei jüngeren Brüdern auf und besuchte die Volksschule in seinem Heimatort und daran anschließend die Bürgerschule in Wien. Da er ein hervorragender Schüler war, war es ihm vergönnt seinen Bildungsweg an der privaten Lehrerbildungsanstalt der christlichen Schulbrüder in Strebersdorf fortzusetzen – für einen Bauernsohn und unter den damals herrschenden wirtschaftlichen Verhältnissen alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Im Jahre 1934 legte er dort die Reifeprüfung mit ausgezeichnetem Erfolg ab, allerdings war es in den 1930er Jahren aufgrund von Sparmaßnahmen für Absolventen von Lehrerbildungsanstalten nahezu unmöglich eine Stelle als Lehrer zu finden. Spreitzer fand also nur vorübergehende Anstellung als Hospitant und von März 1935 bis Mai 1937 als Probelehrer an verschiedenen Schulen im Bezirk Mistelbach.

Trotz der 1937 mit ausgezeichnetem Erfolg abgelegten Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen bestand absehbar keine Aussicht auf eine feste Stelle als Lehrer, und er dachte die Zeit als Einjährig-Freiwilliger beim Österreichischen Bundesheer zu überbrücken und rückte im September 1937 ein. Wenige Monate später kam es zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich und zum sogenannten „Anschluss“ und somit war er nunmehr Soldat der Deutschen Wehrmacht. Die Nationalsozialisten und die Führung der Wehrmacht planten bereits damals ihre Angriffskriege, und als es ab Mitte 1938 zu außenpolitischen Spannungen – die sogenannte „Sudetenkrise“ – kam, musste Spreitzer offenbar über seine ursprünglich beim österreichischen Bundesheer eingegangene zeitliche Verpflichtung hinaus beim Militär bleiben. Sein Soldatendasein mündete nahtlos im Einsatz im Zweiten Weltkrieg während dem er zunächst als Unteroffizier bei der 4. Maschinengewehr-Kompanie des Infanterie-Ersatz-Bataillon I/135 bzw. später bei der 8. Kompanie des Infanterieregiment 326 diente. Ab 1943 war er dann zeitweilig bei der Aserbaidschanischen Legion, einem Wehrmachtsverband, der sich aus gefangengenommenen Soldaten der Roten Armee aus der Kaukasusregion rekrutierte, eingesetzt. Im Jänner 1943 während Kämpfen im Kaukasus erkrankte Spreitzer an Typhus und es folgten Lazarettaufenthalt im polnischen Lublin bzw. in Regensburg.2 Während eines Fronturlaubs schloss er am 22. Mai 1943 den Bund der Ehe mit der ebenfalls aus Reintal stammenden Anna Köllner (1919-2015).3 Zuletzt diente er im Rang eines Feldwebels in einem der zu Kriegsende häufig kurzfristig und improvisiert aufgestellten „Alarm-Bataillone“, bevor er am 27. April 1945 im bayrischen Unterallgäu von den US-Streitkräften gefangen genommen wurde. In weiterer Folge wurde er in französische Kriegsgefangenschaft überstellt und war ab 1. August 1945 im Kriegsgefangenenlager Saaralben (franz. Sarralbe) in Lothringen interniert. Am 31. Dezember 1945 wurde Spreitzer schließlich aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte in die Heimat zurück.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr, also bereits ab Jänner 1946 war Spreitzer als Lehrer im Bezirk Mistelbach tätig – nähere Angaben zu seiner ersten Station als Lehrer sind nicht überliefert, bevor er dann von März bis August 1946 als provisorischer Leiter der Schule in Bernhardsthal eingesetzt war.4 Ab Herbst 1946 unterrichtete er als Lehrer an der Knabenhauptschule Mistelbach und im Jahr darauf legte er abermals mit ausgezeichnetem Erfolg die Lehrbefähigungsprüfung für Hauptschulen in den Fächern Deutsch, Erdkunde und Geschichte ab.5 Bald darauf wurde er auch Mitarbeiter in der Kanzlei des Bezirksschulrats und ab 1. September 1951 schließlich zur Dienstleistung in das Bundesministerium für Unterricht einberufen. Dort wirkte er in der Abteilung für das allgemein bildende Pflichtschulwesen und Lehrerbildung, die unter der Leitung von Ministerialrat Dr. Ludwig Lang (Ehrenringträger der Stadt Mistelbach) stand, dessen enger Mitarbeiter Spreitzer wurde. Als Referent für Volksschulen, Hauptschulen und Polytechnische Lehrgänge war Spreitzer maßgeblich an der umfassenden und bedeutenden Bildungsreform des Jahres 1962 beteiligt. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem auch die Mitwirkung an der Erstellung der Lehrpläne, sowie an den im täglichen Schulgebrauch wichtigen Handausgaben dieser Lehrpläne bzw. den dazugehörigen Kommentaren. Auch die Lehrerbildung und -fortbildung, die ihm stets ein besonderes Anliegen war, zählte zu seinen Tätigkeitsbereichen und im Jahre 1962 wurde er außerdem zum Professor an der Lehrerbildungsanstalt St. Pölten ernannt.6

Die berufliche Veränderung des Jahres 1951 und der damit einhergehende Dienstort Wien brachte Jahrzehnte des Pendels mit sich und damals – vor der Zeit der Schnellbahn – war der Autobus das schnellste Verkehrsmittel nach Wien. Dass er dies jeden Tag auf sich nahm, ist Ausdruck seiner engen Verbundenheit zum Weinviertel und zu seinem neuen Heimatort Mistelbach. Im Jahre 1972 wurde Spreitzer schließlich zum Ministerialrat befördert und mit der Leitung der Abteilung für das allgemeine Pflichtschulwesen betraut, aber blieb darüber hinaus weiterhin auch in den Sektionen Lehrerbildung und Schulplanung tätig.

1950 fanden erstmals nach dem Krieg Gemeinderatswahlen in Niederösterreich statt und im Zuge dieser Wahl wurde auch Hans Spreitzer für die Österreichische Volkspartei in den Gemeinderat gewählt und er sollte diesem Gremium bis 1971 – also insgesamt 21 Jahre – angehören.7 Im Jahr 1960 wurde er darüber hinaus in den Stadtrat gewählt, dem er für zehn Jahre angehörte und seiner beruflichen Expertise entsprechend leitete er in dieser Zeit die Sektion (nach heutiger Diktion „Ausschuss“) „Schule, Kultur und Personal“. Die Schaffung der Gemeindezeitung (ursprünglich „Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach“) im Jahre 1953 geht auf seine Initiative zurück und darüber hinaus initiierte er 1962 auch die heimatkundliche Beilage zur Gemeindezeitung mit dem Namen „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart„. Wenig überraschend übernahm er auch die redaktionelle Leitung dieser Schriftenreihe, schließlich war er bereits seit 1950 leitender Redakteur der heimatkundliche Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft, die er mit Unterstützung des damaligen Bezirkshauptmann Dr. Karl Mattes ins Leben gerufen hatte und die seit dem Jahr 1960 unter dem Titel „Heimat im Weinland“ erscheint. Beide Schriftenreihen bestehen bis zum heutigen Tag und Spreitzer hatte die redaktionelle Leitung beider Publikationen bis zu seinem Tode inne. Darüber hinaus war er natürlich auch eifriger Verfasser von darin veröffentlichten Beiträgen und durch die Arbeit für „Heimat im Weinland“ beschränkten sich seine heimatkundlichen keineswegs auf Mistelbach, sondern auf zahlreiche Orte und historische Begegebenheiten im gesamten Bezirk. Von besonderem Interesse war für ihn natürlich die Geschichte seines Geburtsorts und während eine in den 1950er Jahren begonnenen Chronik des Orts unvollendet und unveröffentlicht blieb, wurde eine von ihm verfasste umfassende Häuserchronik dieses Orts, als eine Art Blättersammlung im selben Jahrzehnt veröffentlicht, ehe sie 2019 dann auch inhaltlich ergänzt in Buchform herausgebracht wurde.8 Spreitzers lokalgeschichtliche Arbeit zeichnet sich durch Genauigkeit, Quellen- und Faktentreue (keine Mutmaßungen und Spekulationen), kritisches Hinterfragen von Quellen aus, die unzählige Stunden der Recherchearbeit bedeutete. Seine Beiträge und Artikel weisen einen unfassbaren Detailgrad auf, sind dabei äußerst prägnant abgefasst und eine der wichtigsten und wertvollsten Quellen für diesen Blog. Zweifellos sind die Abhandlungen Spreitzers, die mit Abstand am häufigsten zitierten Quellen auf diesem Blog. Das hinter Spreitzers lokalgeschichtlichem Werk stehende Arbeitspensum ist schlicht ehrfurchtgebietend, umso mehr, wenn man sich vor Augen hält, dass damals im Gegensatz zu heute sehr viele Archivbesuche für diese Arbeit notwendig waren und wie er dies neben beruflicher Tätigkeit, Familie und politischem Engagement zuwege brachte ist nahezu unerklärlich. Da sein heimatgeschichtliches Werk nicht in Buchform, sondern hauptsächlich in Artikelserien in Lokalzeitungen bzw. Beiträgen in Schriftenreihen erschienen ist, sind die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit leider ein wenig in Vergessenheit geraten bzw. nur wenigen Personen zugänglich. Glücklicherweise ändert die fortschreitende Digitalisierung der Zeitungsbestände der Österreichischen Nationalbibliothek gerade diesen Umstand – siehe etwa laufende Digitalisierung neuer Jahrgänge des „Mistelbacher Bote“ auf Austrian Newspapers Online (ANNO). Die Schriftenreihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“ wurde übrigens mit der Intention gegründet, um für ein anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Stadterhebung geplantes umfangreiches Werk zur Geschichte Mistelbachs Vorarbeit zu leisten. 1974 erschien dann auch der erste und gleichzeitig leider einzige Band, der von Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim redigiert wurde und zu dem Spreitzer mehrere umfangreiche Beiträge beisteuerte, die Teile seiner bisher bereits erschienenen Arbeiten zusammenfassten.

Als wären seinen heimatkundliche Veröffentlichungen nicht genug Freizeitbeschäftigung entfaltete er darüber hinaus auch im pädagogischen Bereich eine umfassende publizistische Tätigkeit und war unter anderem ab 1967 Hauptschriftleiter der Fachzeitschrift „Erziehung und Unterricht“.

Der im April 1955 gewählte Mistelbacher Gemeinderat, dem auch Hans Spreitzer angehörte (siehe roter Pfeil)
Der im April 1955 gewählte Mistelbacher Gemeinderat, dem auch Hans Spreitzer angehörte (siehe roter Pfeil)

Spreitzer bekleidete auch zahlreiche Ämter innerhalb der Mistelbacher Volkspartei bzw. ihrer Teilorganisationen, sowohl auf Bezirks- als auch auf Gemeindeebene. So war er etwa ab 1958 Pressereferent der Bezirksparteileitung9, ab 1960 für viele Jahre Obmann der Mistelbacher Ortsgruppe des Österreichischer Arbeiter- und Angestelltenbund (ÖAAB) – einer Teilorganisation der ÖVP – und ab 1961 auch Obmannstellvertreter der Mistelbacher ÖVP10.

Bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Mistelbach immer wieder Bestrebungen Standort einer höheren Bildungsanstalt zu werden, aber leider vereitelten verschiedene Umstände diese mehrfachen Versuche. Dass dies mit der Errichtung des musisch-pädagogischen Gymnasiums (heute BORG Mistelbach) in Mistelbach im Jahre 1963 endlich gelang, war ein Meilenstein für die Entwicklung der Stadt und es bedurfte großer Anstrengungen und des Einsatzes vieler. Unter allen Personen, die dazu einen Beitrag leisteten, ist Ministerialrat Hans Spreitzer im Urteil seiner Zeitgenossen als jener zu nennen, der sich um diese Errungenschaft am meisten verdient gemacht hat. Als Pädagoge und Ministeriumsbeamter setzte er unermüdlich seine Expertise und seine Kontakte ein, um dies zu ermöglichen. Ebenso bemühte er sich einige Jahre später erfolgreich um die Ansiedlung der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen (heute BAfEP), die schließlich im Jahre 1970 in Mistelbach eröffnet werden konnte.

In Anerkennung seiner Verdienste um den geschilderten Ausbau des Bildungswesens der Stadt, seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Gemeinde- und Stadtrat und aufgrund seines großen Engagements betreffend die Erforschung der Geschichte Mistelbachs beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 30. Juni 1972 Ministerialrat Spreitzer zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach zu ernennen.11

Prof. Hans Spreitzer nimmt im Jahre 1975 Gratulationen zu seinem 60. Geburtstag entgegen - rechts im Bild Bürgermeister Franz Bayer
Prof. Hans Spreitzer nimmt im Jahre 1975 Gratulationen zu seinem 60. Geburtstag entgegen – rechts im Bild Bürgermeister Franz Bayer

Im Juni 1979 trat Ministerialrat Spreitzer in den Ruhestand über, doch bedauerlicherweise war ihm kein langer Ruhestand vergönnt und durch seinen vorzeitigen Tod wurde Mistelbach einiger weiterer bedeutender geschichtlicher Abhandlungen beraubt, die der unermüdliche Heimatforscher Spreitzer zweifellos noch geschaffen hätte.

Seit mehreren Jahren an Diabetes leidend und aus diesem Grund auch herzkrank, verstarb Prof. Spreitzer am 8. August 1979 an den Folgen einer erlittenen Herzattacke und wurde am 14. August unter großer Anteilnahme auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.12 Mittels Gemeinderatsbeschluss vom 26. September 1979 wurde Spreitzers Grab zum Ehrengrab auf Friedhofsdauer erklärt.

Spreitzers Ehrengrab auf dem Mistelbacher Friedhof
Spreitzers Ehrengrab auf dem Mistelbacher Friedhof

Am 12. Dezember 1980 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine Straße in der Siedlung „am Pulverturm“ nach dem verdienten, im Jahr zuvor verstorbenen Ehrenbürger „Spreitzergasse“ zu benennen.13

Wo befindet sich die Spreitzergasse?

Bildnachweis:

-) Portrait Spreitzer: Heimat im Weinland – Heimatkundliches Beiblatt zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, Nr. 3/1990, S. 28 (mit KI (magichour.at) bearbeitet)
-) Gemeinderat 1955: Göstl-Archiv
-) Spreitzer im Jahre 1975: Wilhelm Mliko, Fotoarchiv Mliko im Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
-) Grab Spreitzer: Thomas Kruspel, 2021

Quellen:

-) Niederösterreichische Nachrichten – Der Weinviertler, Nr. 11/1975, S. 13
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 9/1965, S. 1
-) Erziehung und Unterricht, Heft 7/1979, S. 433 (Abscheid von Hans Spreitzer) (Anm.: in diesem Nachruf wird Spreitzers Geburtsjahr fälschlicherweise mit 1916 angeführt. Hieraus leitet sich auch die fehlerhafte Angabe auf ÖsterreichWiki ab.)
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 34/1979, S. 1f
-) Zelesnik, Robert: „Gedenken und Dank an Ministerialrat Hans Spreitzer“ In: Unsere Heimat, Heft 3/1979, S. 157f

  1. Pfarre Reintal: Taufbuch (1915-1938), Fol. 1
    Eintrag Taufbuch Pfarre Reintal ↩︎
  2. Bundesarchiv, Zentrale Personenkartei der Deutschen Dienststelle (WASt), Karteikarte Johann Spreitzer, Bundesarchivsignatur: B 563-1 KARTEI_S_2257_328 bzw. ↩︎
  3. Donauwacht, Nr. 23/1943, S. 7 (ONB: ANNO) ↩︎
  4. Zelesnik, Robert Franz: Heimatbuch der Marktgemeinde Bernhardsthal (1976), S. 383 (online verfügbar auf der Webseite des Museums Bernhardsthal) ↩︎
  5. Niederösterreichisches Lehrerbuch 1954, S. 164 (Anm.: obwohl Spreitzer zum Zeitpunkt des Erscheinens bereits seit drei Jahren im Bildungsministerium tätig war, wird er hier weiterhin als Lehrer an der Knabenhauptschule angeführt wurde. Hintergrund ist, dass er weiterhin beim NÖ Landesschulrat beschäftigt und erst im Jahre 1962 tatsächlich in den Bundesdienst übernommen wurde) ↩︎
  6. Weinviertler Nachrichten, Nr. 6/1962, S. 2 ↩︎
  7. Mehrfach findet sich die Information Spreitzer habe bis zum Jahr 1972 dem Gemeinderat angehört, etwa hier: Die Bürgermeister Mistelbachs ab 1850, die Stadträte und Gemeinderäte Mistelbachs seit der Stadterhebung im Jahre 1874 (1982) In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band III, S. 111; Aufgrund der Gemeindefusionen mit Beginn des Jahres 1972 fanden außerhalb des regulären Zeitraums Gemeinderatswahlen statt. Es scheint allerdings so zu sein, dass Spreitzer sein Mandat bereits Ende 1971 zurückgelegt hat, denn in der Würdigung seiner Leistungen im Gemeinderatsbeschluss mittels dem er zum Ehrenbürger ernannt wurde, findet sich die Information, dass er „nur“ bis 1971 dem Gemeinderat angehört. Diese Beschluss wurde am 30.6.1972 gefasst und wir können wohl davon ausgehen, dass damals noch allen Beteiligten sehr gut erinnerlich war, wann Speitzer aus dem Gemeinderat ausschied – siehe FN 11 zu diesem Beschluss. In einigen als Quellen angeführten Nachrufen findet sich die Dauer in Übereinstimmung mit dem Wortlaut des Gemeinderatsbeschlusses angegeben. ↩︎
  8. Wimmer, Ingrid und Gerhard: Hofrat Professor Hans Spreitzer und seine Häuserchronik von Reintal (2019) ↩︎
  9. Volks-Presse, Nr. 20/1958 (17. Mai 1958), S. 7 ↩︎
  10. Volks-Presse, Nr. 9/1961 (4. März 1961), S. 6 ↩︎
  11. Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 30.06.1972, Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 167, Juli 1972, S. 3f;
    Weinviertler Nachrichten, Nr. 31/1972, S. 1;
    Weinviertler Nachrichten, Nr. 37/1972, S. 3 ↩︎
  12. Weinviertler Nachrichten, Nr. 34/1979, S. 3 ↩︎
  13. Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 254 ↩︎

Spreitzergasse

Von Thomas Kruspel 23. August 2026 Aus

Am 12. Dezember 1980 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine Straße in der Siedlung „am Pulverturm“ vielseitig um das Wohl der Stadt verdienten Ehrenbürger und vormaligen Stadtrat Prof. Hans Spreitzer „Spreitzergasse“ zu benennen.1

Wo befindet sich die Spreitzergasse?

Quellen:

  1. Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 254 ↩︎

Oberhoffer, Paul

Von Thomas Kruspel 11. Juli 2026 Aus

Marktrichter Paul Oberhoffer

Ölgemälde des Marktrichters Paul Oberhoffer aus dem Jahr 1701, dass sich heute im Stadtmuseumsarchiv befindet

geb. (um) 1624, Admont
gest. 10.9.1704, Mistelbach

Paul Oberhoffer wurde als Sohn des Landwirteehepaares Johann und Ursula Oberhoffer (vermutlich) 1624 im obersteirischen Admont geboren. Das Geburtsjahr ist aus der Altersangabe im pfarrlichen Sterbebucheintrag bzw. den damit übereinstimmenden Angaben auf einem Porträtgemälde abgeleitet.1

Taufbücher wurden in der Pfarre Admont  erst ab den 1630er Jahren geführt, weshalb das genaue Geburtsdatum nicht in Erfahrung gebracht werden kann und sich die bereits erwähnten Altersangaben einer Überprüfung entziehen. Seine Eltern waren Untertanen des Stifts Admont und mit dem Gehöft „Oberhof“, einem der ältesten Höfe der Gegend, der wahrscheinlich sogar zum ursprünglichen Stiftgut gehörte, belehnt. Der Familienname leitete sich offensichtlich von diesem Hof ab, und somit darf wohl angenommen werden, dass Oberhoffers Familie den Hof bereits seit einigen Generationen bewirtschaftete. Der alte Hof brannte 1873 ab und heute ist das Areal des Oberhofs verbaut und als „Oberhofsiedlung“ Teil des Ortsgebiets von Admont.2 Aus den Taufbüchern der Stiftspfarre Admont geht hervor, dass Oberhoffer jüngere Geschwister hatte, wir können allerdings wohl davon ausgehen, dass er auch ältere Geschwister – zumindest einen älteren Bruder – gehabt haben muss, der den Hof der Familie übernommen hat. Er erlernte den Beruf des Ledermachers (Gerber) und im Zuge der damals in den Handwerksberufen üblichen Wanderzeit für Gesellen dürfte Oberhoffer nach Mistelbach gekommen sein.

Am 7. Mai 1658 heiratete er hier Sophia Eybel, die Witwe nach dem im Jahr zuvor verstorbenen Lederermeister Johann Eybel3 und es scheint nicht unwahrscheinlich, dass Oberhofer zuvor bereits als Geselle bei Eybel beschäftigt war. Auch Johann Eybel soll ursprünglich aus der Steiermark gestammt haben und auch er hatte in den an der Adresse Liechtensteinstraße Nr. 2 (heute: Bestattung Pernold) ansässigen Ledererbetrieb eingeheiratet. Urkunden belegen, dass das Ledererhandwerk auf diesem Haus jedenfalls seit dem Jahr 1600 bestand, doch Prof. Hans Spreitzer vermutet, dass die Geschichte des Handwerks an diesem Standort länger zurückreichen dürfte. Die Ehe mit der Eybel-Witwe blieb kinderlos und als seine Gattin nach 23 Jahren Ehe im Jahre 1681 verstarb, ehelichte Oberhoffer Heĺlena Pruckner, die Tochter eines Hobersdorfer Schuhmachers.4 Schon sechs Monate nach der Eheschließung kam das erste Kind zur Welt – es sollte das erste von sieben Kindern sei. Bei der Geburt des jüngsten Kindes war Oberhoffer bereits 68 Jahre alt, doch überlebten von den zwei Söhnen und fünf Töchtern – wie damals leider keineswegs ungewöhnlich – viele nicht das Säuglings- bzw. Kleinkindalter.

Vor dem Jahr 1850 existierte das Amt des Marktrichters, dass als eine Art Vorläufer des Bürgermeisters angesehen werden kann. Der Marktrichter war einerseits gewählter Vertreter der Marktbewohner und andererseits Teil der herrschaftlichen Verwaltung und an deren Weisungen gebunden. Er war also ein wenig Diener zweier Herren und musste bei den oftmals gegensätzlichen Interessenlagen vermitteln. Die Bezeichnungen Marktrichter bzw. Marktgericht (oder Marktrat) für das Kollegialorgan, dem ersterer vorstand, zeugen davon, dass mit diesen Ämtern einst auch Aufgaben in der niederen Gerichtsbarkeit – also in der Rechtssprechung – verbunden waren. Aber schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts und damit rund 200 Jahre bevor Oberhoffer dieses Amt bekleidete war dies nicht mehr üblich und die Rechtssprechung lag ausschließlich bei den Grundherrschaften. Paul Oberhoffer, der mindestens seit 1676 dem Marktgericht (oder Marktrat) als Ratsmitglied (= Geschworener) angehörte, übte das Amt des Marktrichters von 1680 bis 1692 sowie von 1694 bis 1700 aus.5

Der Name Paul Oberhoffer bzw. sein Wirken als Marktrichter ist eng mit dem Prozess verbunden, den die Marktgemeinde Mistelbach mit dem Fürsten Liechtenstein um den rund 1000 Joch umfassenden Gemeindewald führte. Das Eigentum an den sogenannten „Dreizehn Holzleiten“ dürfte laut Prof. Mitscha-Märheim etwa Mitte des 15. Jahrhunderts von der Familie Liechtenstein entweder durch Kauf oder Schenkung auf die Gemeinde Mistelbach übergegangen sein.6 Laut der Denkschrift über den Waldprozess, von der später noch mehr zu erzählen sein wird, hat der Fürst 1606 begonnen die Mistelbacher an der Ausübung ihrer Eigentumsrechte zu hindern und um dieses Vorgehen zu rechtfertigen, bediente er sich einer List. Mithilfe seines Verwalters soll er Unterlagen – das sogenannte „Panbüchl“, das die Eigentumsrechte am Wald belegte, aus dem Besitz der Gemeinde entwendet haben. So schildert es die bereits erwähnte Denkschrift, die jedoch 80 Jahre nach dem angeblichen Entwenden der Unterlagen verfasst wurde und Prof. Hans Spreitzer hat in einer Abhandlung zu Oberhoffer schlüssig auf erhebliche Ungereimtheiten in dieser Darstellung hingewiesen.7 Fitzka stützte sich bei der Schilderung des Waldprozesses in seiner Geschichte der Stadt Mistelbach hingegen ausschließlich auf die Denkschrift und übernahm deren Angaben ohne sie zu hinterfragen. Doch zurück zum Ursprung des Waldprozesses: Die Mistelbacher ließen sich von den Verboten bzw. Drohungen des Fürsten Liechtenstein zunächst nicht von der Nutzung ihres Waldes abhalten und Strafen oder sonstige Konsequenzen blieben vorerst auch aus, da die Verwalter bzw. Förster des Fürsten offenbar ein Auge zudrückten und den Konflikt mit den Untertanen scheuten. Die wenig später losbrechenden Wirren des 30-jährigen Krieges, deren Höhepunkt der Einfall der Schweden in den 1640er Jahren darstellten, rückten diesen „kalten“ Konflikt dann ohnedies für Jahrzehnte in den Hintergrund.

Als sich die Lage wieder etwas stabilisiert hatte, setzte der nunmehrige Fürst Hartmann von Liechtenstein seine (vermeintlichen) Ansprüche auf den Gemeindewald energischer durch und forderte zunächst Geld für die Nutzung des Waldes bzw. verbot später jegliche Nutzung. Mitte der 1660er Jahre spitzte sich der Konflikt zwischen den Mistelbachern und der Herrschaft Liechtenstein schließlich zu, da neben dem Streit um die Entziehung des Waldes weitere Missstände für Unmut sorgten. Die Mistelbacher sahen sich durch:
-) übermäßigen Robot (=Arbeitsdienstleistung für die die Untertanen der Herrschaft zur Verfügung zu stehen hatten),
-) Abnahmeverpflichtungen von herrschaftlichem „Panwein“ durch die Gemeinde, der jedoch, da dieser überteuert und ungenießbar war nicht weiterverkauft werden konnte,
-) zu hohe Steuerbelastung der Gemeinde,
-) mangelhafter Instandhaltung der Wege und Stege für die die Herrschaft Maut einhebt,
-) Schlechterstellung bei Weiderechten gegenüber dem Vieh der Herrschaft
über Gebühr belastet und in ihren Rechten verletzt. Zu Beginn des Jahres 1666 suchten die Mistelbach schließlich den Rat des renommierten Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Georg Wochinitz, der eine ausführliche Beschwerdeschrift verfasste und im März 1666 überreichte eine große Anzahl an Mistelbacher Bürger – es sollen mehr als 100 gewesen sein – dieses Schriftstück dem Kaiser persönlich im Rahmen einer Audienz. Ungeachtet der etwas widersprüchlichen Quellenlage können wir wohl jedenfalls davon ausgehen, dass auch Oberhoffer bei dieser Audienz zugegen war.8 Bei Hofe kam der Auftritt in großer Zahl gar nicht gut an, doch man fürchtete, dass ein einzelner Vertreter oder eine kleine Abordnung als Rädelsführer in Arrest genommen würden.

Am 15. April 1666 begann dann schließlich eine Verhandlung an der elf Mistelbacher Bürger als Abgeordnete teilnahmen – unter ihnen befand sich auch Paul Oberhoffer. Die Teilnahme an der Verhandlung in Wien nahm einige Zeit in Anspruch und es ist wohl anzunehmen, dass sich die Vertreter Mistelbachs abwechselten um weiterhin ihren Berufen nachgehen zu können. Im März 1667 kam es zu einer ersten Entscheidung durch die niederösterreichische Regierung, die der Gemeinde in allen Beschwerdepunkten grundsätzlich recht gab, sie allerdings zur Klärung der beiden bedeutendsten Punkte, nämlich betreffend das Eigentum am Wald und die Steuerbelastung, lediglich auf den Prozessweg verwies. Dr. Wochinitz überzeugte die Gemeinde sich auf einen mit weiterem Aufwand und ungewissem Ausgang verbundenen Prozess einzulassen und im Gemeindearchiv wurde tatsächlich eine Urkunde gefunden, die die Mistelbacher Ansprüche auf den Wald untermauern sollte. Außerdem sollten die ältesten Bewohner der nahe am Wald gelegenen Ortschaft Hörersdorf im Zuge des Prozesses unter Eid über die (einstige) Nutzung des Waldes Auskunft geben. Zweifellos musste es für die Mistelbacher auch ermutigend gewirkt haben, dass die Eibesthaler rund zehn Jahre zuvor in einem ähnlichen Rechtsstreit – ebenfalls um Waldbesitz – gegen den Fürsten Liechtenstein obsiegt hatten.

Während dem laufenden Prozess zu den beiden noch offenen Streitpunkten setzte sich die Herrschaft über die Entscheidung der Landesregierung betreffend die Höhe des Entgelts für den Panwein hinweg und schickte Personal nach Mistelbach um die vermeintliche Schuld im Wege der Exekution einzutreiben. Nach einer Beschwerde der Gemeinde erhielt die Herrschaft den Befehl die Exekutionsmannschaft abzuberufen, und unwillig fügten sich die Amtsmänner des Fürsten dieser Anordnung. Als Rache nahmen sie Paul Oberhoffer und Jakob Zerritsch (ebenfalls Marktrichter zu jener Zeit und einer der maßgeblichen Führer im Prozess) unter Arrest und führten die beiden nach Wilfersdorf. Die als Faustpfand gehaltenen Mistelbacher Bürger mussten schließlich auf Befehl der Landesregierung freigelassen werden und bezüglich der Abnahme des Panweins fügte sich der Fürst schließlich in einen Vergleich. Ohne Rücksicht auf den laufenden Prozess trieb die Grundherrschaft die Steuer mit aller Gewalt ein und die Mistelbacher Bürger Jakob Zerritsch, Johann Gradtwohl, Gregor Plaß und – wohl wenig überraschend – Paul Oberhoffer, die sich diesen Maßnahmen widersetzten wurden in den Arrest nach Wilfersdorf abgeführt. Dieser Arrest dürfte etwas länger gedauert haben, sodass die Mistelbacher bereits erwogen den Prozess betreffend die Steuern zu beenden, in der Hoffnung damit die Freilassung der Mistelbacher Bürger zu erwirken. Schließlich kam es im Rahmen eines Vergleichs zur Minderung der Steuerlast, den der zuvor noch im Arrest festgehaltene Oberhoffer als einer der Vertreter der Marktgemeinde abschloss.

Am 31. August 1677 kam endlich die langersehnte Entscheidung wonach der Fürst den Wald der Marktgemeinde zurückgeben müsse bzw. die freie Nutzung ihres Eigentums nicht beschränken dürfe. Der Fürst legte jedoch Revision gegen das Urteil ein und selbige wurde erst im Jänner 1679 endgültig abgelehnt. Am 5. April 1679 fand schließlich die Übergabe bzw. Einantwortung des Waldes im Rahmen einer gerichtlichen Tagsatzung im Mistelbacher Wald statt. Doch im Zuge dieses Termins kam es dann neuerlich zu einem Streit, da der Fürst das sogenannte „Vorholz“ – das nach Auffassung der Gemeinde Teil des prozessgegenständlichen Waldes war – für sich reklamierte bzw. die Nutzung durch die Gemeinde beeinspruchte. Obwohl der Wald immer als Einheit angesehen worden war ließen sich die Mistelbacher schließlich auf einen Vergleich ein und traten etwa 10% des Waldes an den Fürsten ab, da der 16 Jahre dauernde Prozess große Kosten, mühsame Reisen und Unannehmlichkeiten (Arrestaufenthalte) mit sich gebracht hatte und wählten damit das kleinere Übel. Die Rückreise von der Tagsatzung am 26. Jänner 1682 in Wien in deren Rahmen man den Vergleich schloss, verzögerte sich aufgrund eines außergewöhnlichen Hochwassers und beinahe wären die Mistelbacher Abgeordneten bei der Überquerung der Donau ertrunken.

Im Jahre 1686 – also vier Jahre nach Abschluss des Prozesses – wurde unter dem damaligen Marktrichter Paul Oberhoffer eine Denkschrift über den Waldprozess abgefasst und zum Schlusse selbiger werden besonders die Verdienste der Herren Paul Oberhoffer, Paul Piechler, Jakob Zerritsch, Johann Stigholzer, Joachim Hönig und Mathias Kundt lobend erwähnt, die sich am meisten für die gerechte Sache eingesetzt hätten. Dem mit großem Einsatz geführten Prozess, der der Gemeinde ihren wichtigsten Besitz gewahrt hatte, sollte jährlich mit der feierlichen Verlesung der Denkschrift gedacht werden. Tatsächlich kam es seither nur sehr sporadisch, und zwar lediglich in den Jahren 1698, 1729, 1750, 1761, 1779 und 1948 zur Verlesung derselben.9

Das heutige Mistelbach bestand bis zum Jahr 1850 aus zwei selbstständigen Gemeinden: der liechtensteinischen Marktgemeinde und der barnabitischen Pfarrholdengemeinde. Diese Teilung war durch das damalige Grundherrschaftsystem bedingt und das sich ein Ort aus mehreren Gemeinden zusammensetzte, war zwar nicht häufig, aber keineswegs außergewöhnlich (siehe zB auch Gaweinstal). Immer wieder kam es zu Streitigkeiten zwischen den beiden Gemeinden, wobei die Pfarrholdengemeinde deutlich kleiner war. Auch die Amtszeit Oberhoffers als Marktrichter war durch Streitigkeiten mit der Pfarrholdengemeinde bzw. dem Barnabitenpropst als ihrem Grundherren geprägt, denn seit jeher sorgte die Kostaufteilung bspw. betreffend Schule, Kirche, Erhaltung von Wegen und Eingriffe in die Vorrechte des Marktes für Streit und Klagen. Doch abseits von Streitigkeiten entstanden in Oberhoffers Amtszeit als Marktrichter auch bis heute das Bild der Stadt prägende Bauten: 1680/81 die Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz, sowie 1696 die zur Kirche führende Marktstiege.

 

Die in der Amtszeit von Oberhoffer erbaute Marktstiege im Jahre 1965. Die Stiege wird von Statuten des Hl. Martin und des Hl. Florian flankiert.
Die in der Amtszeit von Oberhoffer erbaute Marktstiege im Jahre 1965. Die Stiege wird von Statuten des Hl. Martin und des Hl. Florian flankiert.

Gemälde des Marktrichters Paul Oberhofer im Jahre 1701
Paul Oberhoffer in seinem 77. Lebensjahr auf einem Ölgemälde, das viele Jahre im Rathaus hing und sich nunmehr im StadtMuseumsarchiv befindet

Der verdiente Marktrichter Paul Oberhoffer verstarb am 10. September des Jahres 1704 im Alter von 80 Jahren.10

In Vergessenheit geriet Oberhoffer nicht – dafür sorgte obenstehendes Porträt, dass über Jahrhunderte in der Gemeindestube hing und zur Erinnerung an den gewesenen Marktrichter bedurfte es offenbar gar nicht der Arbeiten der Pioniere der Mistelbacher Geschichtsforschung Josef Glier (Ende der 1880er), Karl Fitzka und Clemens Czacha (beide ab Ende der 1890er Jahre). Ein unzweifelhafter Beleg für Oberhoffers Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung ist nämlich die Tatsache, dass 1884 und somit 14 Jahre vor der Einführung offizieller Straßennamen in Mistelbach die heutige Oberhoferstraße in einem Bericht des Untermanhartsberger Kreis-Blattes bereits als „Oberhoffer-Gasse“ bezeichnet wurde.11 Seit wann diese Bezeichnung gebräuchlich war, ist allerdings unklar. Vor der offiziellen Einführung von Straßennamen und eines Orientierungsnummernsystems im Jahr 1898 waren natürlich auch bereits informelle Straßenbezeichnungen gebräuchlich, außergewöhnlich ist jedoch die Benennung nach einer Person, etwas dass damals völlig unüblich war und für das es auch kein anderes Beispiel gibt. Im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen im Jahre 1898 wurde der Name schließlich übernommen12 und das zweite „f“ ging bereits wenige Jahre später verloren, sodass sich die heute gebräuchliche Schreibweise „Oberhoferstraße“ bald durchsetzte. Zur Frage der Schreibweise „Oberhoffer“ vs. „Oberhofer“ muss allerdings festgehalten werden, dass sich letztere auch bereits in den Pfarrmatriken findet.

Zum Abschluss ist es notwendig sich kritisch mit der Darstellung Oberhoffers bei Fitzka auseinanderzusetzen, da diese bis heute das Bild des einstigen Marktrichters prägt. Fitzka stützt sich bei seiner Schilderung ausschließlich auf die Gedenkschrift, die während der Amtszeit von Oberhoffer verfasst wurde und in der er und sein Wirken besonders hervorgehoben wurde. Es wurde bereits auf bestimmte Ungereimtheiten in der Denkschrift hingewiesen und darüber hinaus saß Fitzka auch manch weiterer Fehlinformation auf, zum Beispiel, wenn er zu Oberhoffer schreibt: „Der Nachlass war ganz unbedeutend. Oberhoffer hat sich für die Gemeinde geopfert.“13 Zweifellos hat sich Oberhoffer als langjähriger Marktrichter und durch seinen Einsatz im Prozess um den Gemeindewald – nicht zuletzt aufgrund der erduldeten Arreststrafen – große Verdienste um die Gemeinde Mistelbach erworben. Prof. Hans Spreitzer widerlegte allerdings bereits in den 1950er Jahren das von Fitzka gezeichnete Heldenbild Oberhoffers, der sich dabei völlig aufgeopfert und finanziell ruiniert hätte. Spreitzers Recherchen belegen, dass Oberhoffer keineswegs mittellos verstarb und seinen Erben durchaus stattlichen Besitz hinterließ. Außerdem sei Oberhoffer zunächst auch nicht unter den Prozessbefürwortern gewesen, und Spreitzer sieht es kritisch, dass ein Einzelner aus dem Kreis verdienter Männer derart hervorgehoben wird. Seiner Meinung nach sei die tatsächlich treibende Kraft auf Seiten der Mistelbacher hingegen vielmehr der bereits oben mehrfach erwähnte zeitweilige Marktrichter Jakob Zerritsch gewesen, der so wie Oberhoffer von Beruf Lederermeister war. Zerritsch hätte es seiner Einschätzung nach also mindestens ebenso, wenn nicht sogar noch mehr, verdient wie Oberhoffer gewürdigt zu werden. Spreitzer unterstellt Fitzka keine böse Absicht, aber indirekt doch, dass er Oberhoffer ganz bewusst in einer dem Zeitgeist entsprechenden romantisierenden Art und Weise zum Ideal des Bürgers und Gemeindevorstehers verklärte. Diesbezüglich begnügt sich Prof. Spreitzer allerdings nur mit Andeutungen und verweist auf einen geplanten ausführlichen Beitrag über den Waldprozess, der allerdings nie erschien.14

Der von Fitzka befeuerte Heldenmythos um Oberhoffer zeigte auch noch Jahrzehnte später Wirkung als der 1947 unter kommunistischem Einfluss stehende „Mistelbacher Bote“ an Oberhoffers Verdienste erinnerte, und ihn in ideologischer aufgeladener Sprache als „Kämpfer gegen fürstliche Willkür und Gewalt“ und wahren „Volksbürgermeister“ beschrieb.15

Auf Initiative Karl Fitzkas beschloss der Gemeinderat im Jahr 1910 die Errichtung eines Gedenksteins zur Erinnerung an den Waldprozess. Dieser Gedenkstein wurde am Beginn des Gemeindewalds bei der Jägerhütte (später: Waldschenke) aufgestellt und wenige Monate später wurde auf das Denkmal noch eine Büste des Marktrichters Oberhoffer aufgesetzt. Gedenkstein und Büste sind Werke des Mistelbacher Bildhauers Dominik Fill.16

Der Gründer des Mistelbacher Heimatmuseums Karl Fitzka vor dem von ihm angeregten Gedenkstein für den Waldprozess, auf dessen Spitze sich eine Büste des Marktrichters Paul Oberhoffer befindet
Der Gründer des Mistelbacher Heimatmuseums Karl Fitzka vor dem von ihm angeregten Gedenkstein für den Waldprozess, auf dessen Spitze sich eine Büste des Marktrichters Paul Oberhoffer befindet

 

Der Gedenkstein im Mistelbacher Wald im Jahre 2016
Der Gedenkstein im Mistelbacher Wald im Jahre 2016

 

Wo befindet sich die Oberhoferstraße?

 

Bildnachweis:
-) Portrait Oberhoffer: StadtMuseumsarchiv
-) Gedenkstein 1911: StadtMuseumsarchiv
-) Gedenkstein 2016: Thomas Kruspel (2016)

 

Quellen:

-) Spreitzer, Prof. Hans: „Das Bekleidungshandwerkt in Alt-Mistelbach“ (3. – 6. Fortsetzung) In: Mistelbacher Bote, Nr. 18/1956, S. 2,
Mistelbacher Bote, Nr. 19/1956, S. 2,
Mistelbacher Bote, Nr. 20/1956, S. 2,
Mistelbacher Bote, Nr. 21/1956, S. 2,
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 174ff
-) Thiel, Franz: „Familiennamen aus dem großen Waldprozess“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (ca. 1968), S. 489ff
-) Glier, Josef: Der politische Bezirk Mistelbach – ein Beitrag zur Heimathskunde für Schule und Haus (1889), S. 190ff (Online in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek)
-) Czacha, Don Clemens: Art. Mistelbach In: Verein für Landeskunde von Niederösterreich (Hrsg.): Topographie von Niederösterreich, Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 613f

  1. Pfarre Mistelbach: Sterbebuch (1701-1733), Fol. 18
    Eintrag Sterbebuch Pfarre Mistelbach (matricula online) ↩︎
  2. Ennstalwiki – Art. „Historische Gebäude in Admont“ ↩︎
  3. Pfarre Mistelbach: Trauungsbuch (1637-1662), Fol. 313
    Eintrag Trauungsbuch Pfarre Mistelbach (matricula online) ↩︎
  4. Pfarre Mistelbach: Trauungsbuch (1662-1701), Fol. 210
    Eintrag Trauungsbuch Pfarre Mistelbach (matricula online) ↩︎
  5. Spreitzer, Prof. Hans: „Die Mistelbacher Marktrichter“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (1964), S. 206f, 211 (Anm.: In Spreitzer, Prof. Hans: „Das Bekleidungshandwerkt in Alt-Mistelbach – 6. Fortsetzung“ (Mistelbacher Bote, Nr. 21/1956, S. 2) wird die Amtszeit Oberhoffers nur sehr vage angegeben und zum Teil widersprechen die dortigen Angaben der Darstellung im Beitrag „Die Mistelbacher Marktrichter“. Nachdem dieser rund acht Jahre später erschienen ist, muss der für eine seine penible Recherchearbeit bekannte Prof. Spreitzer zwischenzeitlich auf umfangreiches und eindeutigeres Quellenmaterial gestoßen sein und stets sollten die jüngsten Ergebnisse seiner Forschungsarbeit als maßgeblich betrachtet werden.)
    ↩︎
  6. Mitscha-Märheim, Univ.-Prof. Dr. Herbert: „Wie kamen die Mistelbacher zu ihrem Wald?“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band II (1972), S. 129-130 ↩︎
  7. Spreitzer, Prof. Hans: „Das Bekleidungshandwerk in Alt-Mistelbach“ (3. – 6. Fortsetzung) In: Mistelbacher Bote, Nr. 19/1956, S. 2 bzw. Mistelbacher Bote, Nr. 20/1956, S. 2 ↩︎
  8. Hierbei ist anzumerken, dass Glier in seiner 1889 erschienen Bezirkskunde sieben Mistelbacher Bürger nennt, die bei diese Audienz zugegen gewesen seien: Herbert Wolf, Georg Pauer, Hans Misch, Hans Prandstetter, Johann Steiner, Benedict Pach und Paul Oberhoffer – siehe Glier, Josef: Der politische Bezirk Mistelbach – ein Beitrag zur Heimathskunde für Schule und Haus (1889), S. 191 (Online in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek). Fitzka, der sich hingegen (ausschließlich) auf die überlieferte Denkschrift stützt, berichtet lediglich von „… eine[r] großen Anzahl von Bürgern, die Namen derselben sind nicht angegeben…“ – siehe Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 175;
    Thiel stützt sich auf Akten der liechtensteinischen Herrschaft und führt 120 Personen an die damals in Wien dabei gewesen sein sollen: Thiel, Franz: „Familiennamen aus dem großen Waldprozess“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I (ca. 1968), S. 489ff ↩︎
  9. Neben den hier angeführten Verlesungen: Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Mistelbach, Band I (2015), S. 370 – ist eine solche jedenfalls auch für das Jahr 1948 belegt: Mistelbacher Bote, Nr. 11/1948, S. 1 (ONB: ANNO) ↩︎
  10. Pfarre Mistelbach: Sterbebuch (1701-1733), Fol. 18
    Eintrag Sterbebuch Pfarre Mistelbach (matricula online) ↩︎
  11. Untermanhartsberger Kreis-Blatt, Nr. 7/1884 S. 3 ↩︎
  12. Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 238 ↩︎
  13. Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 230 ↩︎
  14. Spreitzer, Prof. Hans: „Das Bekleidungshandwerk in Alt-Mistelbach“ (3. – 4. Fortsetzung) In: Mistelbacher Bote, Nr. 19/1956, S. 2 bzw. Mistelbacher Bote, Nr. 20/1956, S. 2 ↩︎
  15. Mistelbacher Bote, Nr. 4/1947, S. 2 (ONB: ANNO) ↩︎
  16. Protokoll über die öffentliche Ausschußsitzung der Stadtgemeinde Mistelbach am 13. Mai 1910 In: Mistelbacher Bote, Nr. 24/1910, S. 3 (ONB: ANNO);
    Protokoll über die öffentliche Ausschußsitzung der Stadtgemeinde Mistelbach am 12. Oktober 1910 In: Mistelbacher Bote, Nr. 43/1910, S. 2 (ONB: ANNO);
    Protokoll über die öffentliche Ausschußsitzung der Stadtgemeinde Mistelbach am 20. Mai 1911 In: Mistelbacher Bote, Nr. 24/1911, S. 4 (ONB: ANNO) ↩︎

Josef Dunkl-Straße

Von Thomas Kruspel 1. Juli 2026 Aus

Seit jeher bildete die heutige Josef Dunkl-Straße in Verbindung mit der Bahnstraße die Ein- bzw. Ausfahrtsstraße Richtung Westen und sie ist damit Teil der Ost-West-Verkehrsachse durch die Stadt. Erst nach der Eröffnung der Bahnstrecke im Jahre 1870 wurde die bis dahin nur spärlich verbaute Bahnstraße sukzessive baulich erschlossen und in der Josef Dunkl-Straße entstanden erste Bauten schließlich in den 1890er Jahren.1 In letzterer zählten dazu Holzhandlungen mit großen Lagerplätzen (auf den heutigen Nr. 9 und 11: Josias Eißler und Söhne, auf Nr. 17 und 19: Ludwig Abeles/Berthold Pisk), die sich ursprünglich im Bereich der unteren Bahnstraße befanden und die aufgrund der wachsenden Stadt nun etwas weiter außerhalb neu angelegt wurden. Näheres zur Geschichte der Holzhandlung Josias Eißler findet sich übrigens im Beitrag zur Quergasse. Prof. Hans Spreitzer schreibt in einem 1955 in der Mistelbacher-Laaer Zeitung erschienenen Artikel unter dem Titel „Mistelbachs Straßen- und Gassennamen“, dass für die heutige Josef Dunkl-Straße früher (wann genau erwähnt er nicht) der heute anderweitig vergebene Name „Hüttendorfer Weg“ gebräuchlich gewesen sei.2 Natürlich führt die Straße Richtung Hüttendorf, doch den kürzesten Weg in den Nachbarort bildete der heutige „Hüttendorfer Weg“ – ein Feldweg der tatsächlich oberhalb des Hüttendorfer Wegs verläuft – also die Fortsetzung des Differtenwegs und der heute unter der Bezeichnung „Am Auweg“ im Kreuzungsbereich am Ortseingang von Hüttendorf endet. Für (schwere) Fuhrwerke war dieser über einen Höhenrücken führende Weg wohl nur mäßig geeignet, aber als Fußweg stellt er bis heute die schnellste Verbindung zwischen Hüttendorf und Mistelbach dar. In den 1890er Jahren findet sich für die bereits erwähnten Holzhandlungen gelegentlich die Adressbezeichnung „Paasdorferstraße“3, doch erhielt die heutige Josef Dunkl-Straße im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen und der Etablierung eines Orientierungsnummernsystems im Jahre 1898 den Namen „Wienerstraße“ (gelegentlich auch in der Schreibweise „Wiener Straße).4 Der Postverkehr führte in früherer Zeit tatsächlich über Hüttendorf, Paasdorf und weiter über das Kreuttal Richtung Wien – ähnlich der Bahnstrecke – und somit liegt es nahe, dass dieser Name auch bereits früher gebräuchlich war. Trotzdem einst auch die in Richtung Wilfersdorf, und damit zur Brünner Straße, führende Liechtensteinstraße zeitweilig als „Wiener Straße“ bezeichnet wurde, war die Route über die heutige Josef Dunkl-Straße bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der bedeutendste Verkehrsweg Richtung Wien.

Erst mit der Errichtung des Gaswerks im Jahre 1902 und der Eröffnung Landesbahn im Jahre 1906 nahm die bauliche Erschließung der damaligen Wienerstraße langsam an Fahrt auf. Ursprünglich endete die Bahnstraße linksseitig an jenem Punkt an dem die heutige Josef Dunkl-Straße abzweigt, also auf Höhe des Hauses Bahnstraße Nr. 41 (nunmehr Teil eines großen Wohnbaukomplexes), und ihre fortlaufende Nummerierung setzte sich dann mit der Bahnhofsrestauration (zuletzt Gasthaus Zur Linde) mit der Adresse Bahnstraße Nr. 43 fort. Somit entsprach die Adresse der heutigen Häuser Bahnstraße 43, 45 und 47 ursprünglich den Hausnummern 1, 3 und 5 in der Wienerstraße (Josef Dunkl-Straße). Dies änderte sich zu einem nicht näher überlieferten Zeitpunkt zwischen 1900 und 1912 sorgte dafür, dass sich die bis dahin vergebenen linksseitigen (= ungeraden) Hausnummern in der Wienerstraße nachträglich jeweils um die Zahl sechs reduzierten (z.B. wurde aus der Hausnummer 19, die Hausnummer 13).5

Anlässlich des 25-jährigen Amtsjubiläums von Bürgermeister Josef Dunkl jun. wurde im November 1936 die Wienerstraße in Josef-Dunkl-Straße umbenannt.6 Zahlreiche Bauwerke entlang dieser Straße (so wie beinahe alle bedeutenden Bauwerke in Mistelbach aus der Zeit zwischen 1890 und 1938) wurden von Dunkl, der im Zivilberuf Baumeister war, errichtet bzw. zum Teil auch geplant. Fälschlicherweise ging man bisher davon aus, dass die Benennung der Straße nach Dunkl erst nach dessen Tod im Jahre 1938 erfolgt sei.7

Einige bedeutende und zum Teil abgekommene Bauwerke in der Josef Dunkl-Straße werden nachfolgend aufgelistet:

Nr. 1: Anlässlich des 60-jährigen Bestandsjubiläums errichtete die Sparkasse Mistelbach im Jahre 1929 hier ein modern gestaltetes Wohngebäude für ihre Angestellten.8

Das Wohnhaus der Sparkasse Anfang der 1930er Jahre (damals noch Wienerstr. 1), im Hintergrund die Häuser Nr. 3 und Nr. 5
Das Wohnhaus der Sparkasse Anfang der 1930er Jahre (damals noch Wienerstr. 1), im Hintergrund die Häuser Nr. 3 und Nr. 5

Nr. 2: Das 1958 errichtete Gebäude der Arbeiterkammer, das seither mehrfach ausgebaut bzw. erweitert wurde.

Das Gebäude der Arbeiterkammer zu Beginn der 1970er Jahre (Foto: Wilhelm Mliko/Stadtmuseumsarchiv)
Das Gebäude der Arbeiterkammer zu Beginn der 1970er Jahre (Foto: Wilhelm Mliko/Stadtmuseumsarchiv Mistelbach)

Nr. 4: Das 1906 erbaute und zum Bahnkomplex gehörende Gebäude der Streckenleitung, das später auch Wohngebäude für Eisenbahnerfamilien diente.9

Nr. 10 bzw 10a: 1897 ließ sich hier der Holzhändler und Vorsteher der Israeltischen Kultusgemeinde Mistelbach Ludwig Abeles eine Villa errichten. Diese verkaufte er 1917 an seinen Schwager Berthold Pisk, der selbige im Jahre 1937 an den Krankenhausleiter Primarius Dr. Otto Bsteh verkaufte.10 Während der Kampfhandlungen im April 1945 geriet die “Bsteh-Villa” in Brand und wurde völlig zerstört. Das Grundstück wurde in weiterer Folge geteilt und während auf Nr. 10a in den Jahren 1964-65 zwei Häuser der Wohnbaugenossenschaft Frieden errichtet wurden, entstand auf Nr. 10 das Geschäft des Büchsenmachers Zimmermann.11

Diese Ansichtskarte aus dem Jahr 1910 zeigt den Landesbahnpark, der sich einst auf beiden Seiten der heutigen Josef  Dunkl-Straße erstreckte. Im Vordergrund am linken Bildrand ist ein Teil der Villa mit der Hausnummer 10 zu erkennen.
Diese Ansichtskarte aus dem Jahr 1910 zeigt den Landesbahnpark, der sich einst auf beiden Seiten der heutigen Josef Dunkl-Straße erstreckte. Im Vordergrund am linken Bildrand ist ein Teil der Villa mit der Hausnummer 10 zu erkennen.

Landesbahnpark: diese 1908 errichtete Parkanlage erstreckte sich bis in die 1960er Jahre auf beiden Seiten der Straße. Mehr dazu bzw. zur Entstehung dieser Anlage findet sich im Beitrag Landesbahnpark

Nr. 12, 14, 16: Diese Wohnhäuser wurden von Baumeister Josef Dunkl etwa im Zeitraum 1906 bis 1912 errichtet.

Von rechts nach links: die Häuser Josef Dunkl-Straße 12, 14 und 16 auf einer vom Buchhändler Anton Kapitan herausgegebenen Ansichtskarte um 1910.

Nr. 24: Hier befand sich einst das 1902 errichtete städtische Gaswerk. Mittels Kohlevergasung wurde aus Steinkohle Leuchtgas hergestellt, dass zur Beleuchtung von Straßenlaternen, sowie in Wohnhäusern als Lichtquelle, zum Heizen sowie zum Kochen verwendet wurde. Mit der zunehmenden Verbreitung der Elektrizität als Lichtquelle in der Zwischenkriegszeit und mit dem sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Energiequelle durchsetzenden Erdgas zog die Stadt Mistelbach die Konsequenzen und veräußerte das Gaswerk 1957 an die NIOGAS (einen der Vorläufer der heutigen EVN) und Versorgung erfolgte nunmehr ausschließlich mit Erdgas. Das Gelände wird bis heute von EVN bzw. Netz NÖ genutzt, aber von den Gebäuden des Gaswerks existiert heute keines mehr. Die Geschichte des Gaswerks wird im Zuge des Beitrags zur Gaswerkstraße näher behandelt.

Wo befindet sich die Josef Dunkl-Straße?

Bildnachweis:

-) sämtliche Ansichtskarten: Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Foto der Arbeiterkammer: Wilhelm Mliko, Fotoarchiv Mliko im Stadtmuseumsarchiv Mistelbach

Quellen:

  1. Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Mistelbach, Band II (2017), S. 424, 451 ↩︎
  2. Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 38/1955, S. 2 ↩︎
  3. Bote aus Mistelbach, Nr. 16/1896, S. 14 (ONB: ANNO) ↩︎
  4. Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 238 ↩︎
  5. Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 277 – Das rund 30 Jahre nach der Einführung der Straßenbezeichnungen erbaute Haus Wienerstraße (Josef Dunkl-Straße) erhielt die Hausnummer 1, während in Fitzkas erstem Band noch das heutige Haus Bahnstraße Nr. 43 diese Nr. aufweist. Dadurch lässt sich auch die Verschiebung der Hausnummern betreffend die Bahnhofsrestauration (zuletzt Gasthaus Zur Linde) erklären, die in Fitzkas erstem Band noch die Adresse Bahnstraße 43 hat, heute jedoch die Adresse Bahnstraße 49 führt. Diese Adressänderung muss bereits vor 1912 erfolgt sein, weil das erst nach der Jahrhundertwende erbaute Haus Bahnstraße Nr. 47 (ursprünglich war für dieses Grundstück die Hausnr. Wiener Straße 5 vorgesehen) in Fitzkas zweitem Band bereits mit seiner heutigen Adresse aufscheint. Bei der nachträglichen Änderung der Häusernummerierung handelt es sich auch um keinen Einzelfall – siehe hierzu das Haus Oserstraße Nr. 15 im Beitrag zu den Meeß-Häusern ↩︎
  6. Mistelbacher Bote, Nr. 49/1938, S. 4 (ONB: ANNO) ↩︎
  7. Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 245;
    Spreitzer, Johann: „Mistelbachs Straßen- und Gassennamen“ In: Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 38/1955, S. 2 (Anm.: Spreitzer vermutete eine Bennung erst im Jahre 1945) ↩︎
  8. Festschrift 100 Jahre Sparkasse der Stadt Mistelbach In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart (1968), S. 518 ↩︎
  9. Englisch, Alfred (Stadt-Museumsarchiv Mistelbach): 150 Jahre Ostbahn in Mistelbach – 1870-2020 (2020), S. 95 ↩︎
  10. Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Mistelbach, Band II (2017), S. 424 ↩︎
  11. Bei Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: „Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988“, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, S. 47 findet sich die Information, dass die „Frieden“-Wohnhäuser in der Josef Dunkl-Straße 10a bereits 1962 erbaut worden seien. Dies ist falsch oder zumindest irreführend, denn fertiggestellt wurden sie jedenfalls erst 1964/65 – siehe hierzu die Ausführungen im Beitrag zum Landesbahnpark ↩︎

Steggasse

Von Thomas Kruspel 24. Juni 2026 Aus

Die Steggasse verbindet die Annagasse mit der Kreuzgasse und verläuft zum Teil entlang des alten Pfarrstadels und des Pfarrgartens. Sie begrenzt damit das in seiner heutigen Form Ende des 17. bzw. Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene Pfarrhofareal in nördlicher Richtung. Wie bereits erwähnt verläuft die Steggasse teils an der Mauer des Pfarrgartens und dessen Einfriedung wurde unter Pfarrer Jakob Lambert bereits in den 1590er Jahren errichtet.1

Vor der Überdeckung der Mistel im Ortsgebiet (1973-1982) und der bald darauf folgenden Schaffung der „Grünen Straße“ existierten mehrere Brücken, Stege und vor der Mistelregulierung sogar eine Furt, die eine Überquerung des Bachs ermöglichten. Wie der Name bereits nahelegt, führte die Steggasse über einen Steg und ein solcher war im Gegensatz zu Brücken ausschließlich für Fußgänger benutzbar. Die schmale Steggasse, die heute die „Grüne Straße“ kreuzt, war also seit jeher – mit Ausnahme der Möglichkeit von Zufahrten im Bereich des Pfarrstadels – nicht (durchgängig) befahrbar.

Ein alter Plan des Pfarrhofgeländes aus dem Jahr 1737: zur besseren Orientierung wurde neben der Steggasse (grün), auch die Berggasse, die Annagasse und die Kirchengasse farblich markiert.
Ein alter Plan des Pfarrhofgeländes aus dem Jahr 1737: zur besseren Orientierung wurde neben der Steggasse (grün), auch die Berggasse, die Annagasse und die Kirchengasse farblich markiert.

Obiger Plan zeigt den bis heute unveränderten Verlauf der Steggasse und belegt, dass auch damals an dieser Stelle ein kleiner Steg über die Mistel führte. Große verkehrstechnische Bedeutung kam dieser Überquerungsmöglichkeit wohl nicht zu, denn in unmittelbarer Umgebung gab es auch Brücken in der Kirchengasse und Barnabitenstraße sowie die Furt in der Wiedenstraße, wo sich ein weiterer Steg befand.

Auf einer von Feuerwehrhauptmann August Lubovienski angefertigten und in der Wiener Feuerwehr-Zeitung veröffentlichte Skizze zu einem Brand in der Kreuzgasse im Jahre 1881 findet sich in der Bildmitte der (aus Fließrichtung gesehenen) rechts der Mistel gelegenen Teil der Steggasse ("G.") samt der namensgebenden Überquerungshilfe.
Auf einer von Feuerwehrhauptmann August Lubovienski angefertigten und in der Wiener Feuerwehr-Zeitung veröffentlichte Skizze zu einem Brand in der Kreuzgasse im Jahre 1881 findet sich in der Bildmitte der (aus Fließrichtung) rechts der Mistel gelegene Teil der Steggasse („G.“) samt der namensgebenden Überquerungshilfe.

Offiziell erhielt die Steggasse ihren, zweifellos bereits zuvor gebräuchlichen, Namen im Zuge der Einführung der Straßenbezeichnungen samt Orientierungsnummern im Jahre 1898.2 Für Verbindungswege nicht unüblich gibt es kein Haus, dass die Adressbezeichnung Steggasse führt.

Wo befindet sich die Quergasse?

Bildnachweis:

-) Brandskizze: Wiener Feuerwehr-Zeitung, 1. Juni 1881 (XI. Jg. – Nr. 11) (Google Books)
-) Alter Plan des Klosterareals: Garms, Jörg: „Materialien zur Kunsttätigkeit der gegenreformatorischen Orden in Österreich und in anderen Ländern der Habsburgermonarchie bis 1800“ – III. Die Archive des Theatiner- und des Barnabitenordens. In: Römische Historische Mitteilungen 38 (1996), S. 269-306; Abb. 20

Quellen:

  1. Spreitzer, Hans: „Von den Häusern, Straßen, Gassen und Plätzen Mistelbachs“ In: Mistelbach Geschichte I (1974), S. 185 ↩︎
  2. Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 238 ↩︎

Der Stadtsaal und seine Vorgänger

Von Thomas Kruspel 11. Juni 2026 Aus

Das gesellschaftliche Leben in früherer Zeit fand vor allem in den Gasthäusern statt und Großveranstaltungen wurden vornehmlich in den geräumigen Sälen der auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblickenden Gasthäuser „zum weißen Rössl“ (Hafnerstraße, heute: Asia Restaurant) und „zur goldenen Krone“ (Oberhoferstraße, heute: Kronen-Kino) abgehalten. Unter den übrigen Mistelbacher Gasthäusern verfügten insbesondere das erst 1860 gegründete Gasthaus „zum Rebhuhn“ (Oserstraße, heute: GH Schilling) sowie die 1870 eröffnete Bahnhofsrestauration (zuletzt GH „zur Linde“) über geräumige Säle um beispielsweise große Tanzveranstaltungen abzuhalten.1 Eine besondere Rolle nahm jedoch das gemeindeeigene Gasthaus im alten Rathaus (heute: Erste Bank) ein. Im sogenannten „Rathaussaal“ – dem über Jahrhunderte größten Saal in Mistelbach – fanden neben den Sitzungen des Gemeinderats (zuvor Gemeindeausschuss bzw. Marktgericht) und sonstiger offiziellen Festakte, auch viele weitere große Veranstaltungen statt. Das alte Rathaus wurde 1874 abgetragen und die letzte große Feierlichkeit, die im ursprünglichen Rathaussaal stattfand, war die Festtafel anlässlich der Stadterhebung im Juni dieses Jahres. 1875 wurde schließlich der Nachfolgebau errichtet, und das dort untergebrachte Gasthaus nannte sich nunmehr „Hotel Rathaus“ . Selbstverständlich verfügte auch dieses über einen geräumigen Saal und zahlreiche weitere Nebenräume, die in Veranstaltungsankündigungen oftmals als „Rathauslokalitäten“ bezeichnet wurden. Einen Eindruck vom Rathaussaal bietet untenstehende Aufnahme anlässlich einer 1903 abgehaltenen Lehrlingsarbeiten-Ausstellung, die leider nur in schlechter Qualität überliefert ist (siehe auch Mistelbach in der Zeitung – Teil 1 (1901-1905). In den 1960er Jahren wurde das alte Rathaus abgebrochen und an seiner Stelle ein neues Gebäude für die Mistelbacher Sparkasse errichtet.

Ein Blick in den Saal des "Hotel Rathaus" im Jahre 1903
Ein Blick in den Saal des „Hotel Rathaus“ im Jahre 1903

Einen weiteren großen Raum, der allerdings nur gelegentlich für Großveranstaltungen genutzt wurde, bot der Ende März 1889 eröffnete Turnsaal neben dem Schulgebäude. Im Zuge des Umbaus des Pflichtschulzentrums – heute befinden sich dort die Mistelbacher Mittelschulen – wurde dieses Gebäude rund 100 Jahre nach seine Errichtung abgetragen. Eine Innenansicht des Turnsaals bei einer Veranstaltung ist uns durch eine Illustration von der Weinausstellung des Jahres 1905 überliefert (siehe auch Mistelbach in der Zeitung – Teil 1 (1901-1905).

Innenansicht des Turnsaals bei der Weinausstellung des Jahres 1905. Der Saal wirkt auf diesem Bild sehr viel geräumiger, als er tatsächlich war.
Innenansicht des alten Turnsaals in der Thomas Freund-Gasse bei der Weinausstellung des Jahres 1905. Der Saal wirkt auf diesem Bild sehr viel geräumiger, als er tatsächlich war.

Wie bereits erwähnt, handelte es sich beim Rathaussaal lange Zeit um den größten Veranstaltungsraum der Stadt. Dies änderte sich jedenfalls als im Jahre 1929 das Gasthaus „zur goldenen Krone“ ausgebaut und um einen Kinosaal erweitert wurde. Dieser neue Saal konnte etwa 500 Personen fassen und war als nunmehr größter Saal der Stadt im Laufe der folgenden Jahrzehnte Schauplatz von Bällen, Turnübungen, Modenschauen, Festsitzungen des Gemeinderates, Vorträgen und weiteren Veranstaltungen.

„KdF-Halle“ in der Kaserne

1941 wurde die Mistelbacher Kaserne um ein 7 Hektar großes Areal auf dem der Kaserne gegenüberliegenden Ufer der Mistel erweitert. Auf diesem heute als „Garagengelände“ bekannten Teil der Kaserne wurden damals 26 Holzbaracken errichtet, die als Garagen und Lager genutzt wurden.2 Wenig später dürfte dort auch eine größere Halle errichtet worden sein, denn in den Jahren 1943-1944 finden sich mehrere Zeitungsberichte von Großveranstaltungen, die in der „KdF-Halle auf dem Gelände der Mistelbacher Kaserne“ stattfanden.3 Die Abkürzung „KdF“ steht für „Kraft durch Freude“ und dabei handelte es sich um eine Teilorganisation der „Deutschen Arbeitsfront“ – dem nationalsozialistischen Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Eine zentrale Aufgabe von “Kraft durch Freude” waren – selbstverständlich propagandistisch instrumentalisierte und ideologische indoktrinierte – Freizeitangebote an die „Volksgemeinschaft“. Sozusagen die „Spiele“ im „Brot und Spiele“ des NS-Staats. Die Palette der KdF-Angebote reichte von Urlaubsfahrten, Angeboten zur „Volksgesundheit“, einer großen Bandbreite an Sportangeboten, Konzerten und sonstige Unterhaltungsabenden bis hin zum „KdF-Wagen“ (dem späteren Volkswagen). Natürlich waren all diese Bestrebungen kein Selbstzweck, sondern durch Unterhaltung und Erholung sollten Produktivität und Leistungsbereitschaft der deutschen Arbeiterschaft sowie der Durchhaltewille der Bevölkerung während des Krieges aufrechterhalten werden.

Massenaufmärsche waren bei den Nationalsozialisten ein beliebtes Propagandamittel und häufig fanden große Versammlungen auf dem dafür bestens geeigneten weitläufigen Mistelbacher Hauptplatz statt. Es überrascht nicht, dass die lokalen NS-Organisationen gerne auch eine Halle für Großkundgebungen zur Verfügung gehabt hätten. Zweifellos wurden für derartige Großprojekte bereits damals die Pläne gewälzt, deren Realisierung zumeist für die Zeit nach dem vermeintlichen „Endsieg“ vorgesehen war. Die „KdF-Halle“ – sofern es sich tatsächlich um eine Halle und nicht nur eine großspurigen Bezeichnung für eine der großen Wehrmachts-Baracken handelte – dürfte schon aufgrund ihrer Lage am Gelände der Kaserne hauptsächlich Zwecken des Militärs gedient haben, und nur gelegentlich von den diversen Parteigliederungen und NS-Organisationen (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, NS-Frauenschaft, Kreisbauernschaft, KdF, etc.) genutzt worden sein. Hätte es sich – wie der Name grundsätzlich nahelegt – tatsächlich um eine lediglich für zivile Großveranstaltungen genutzte Halle gehandelt, wäre diese zweifelsohne propagandawirksam eröffnet worden. Betreffend die Größe der Halle findet sich in einem Veranstaltungsbericht aus dem Jahr 1944 die Information, dass sie mit 850 Teilnehmern bereits über ihre Kapazität gefüllt war.4 Über den genauen Standort am „Garagengelände“ und das weitere Schicksal dieser aufgrund ihrer Kurzlebigkeit in Vergessenheit geratenen Halle ist nichts überliefert.

Überlegungen zu einem Stadthaus in Mistelbach

Der ursprünglich 1884 gegründete und im Jahre 1946 wieder entstandene Verschönerungsverein der Stadt Mistelbach trat im August 1947 mit einer einwöchigen Ausstellung in der damaligen gewerblichen Fortbildungsschule (heute: Polytechnische Schule) unter dem Titel „Mistelbach gestern, heute, morgen (Mistelbach in Plan und Bild)“ in Erscheinung. Im Rahmen dieser Veranstaltung, die sich wie der Name nahe legt auch mit der künftigen Entwicklung der Stadt befasste, wurde unter anderem das Fehlen eines geeigneten Veranstaltungszentrums thematisiert. Daher wurde die Errichtung eines „Stadthauses“ angeregt und diese sollte in einer idealtypischen Form folgende Einrichtungen bieten:

-) einen großen Saal mit Fassungsvermögen von 800 bis 1000 Personen
-) Nebenräume für Gast- und Kaffeehausbetrieb, die bei entsprechenden Großveranstaltungen weitere 1000 Personen aufnehmen könnten
-) einen (abteilbaren) Stadtkeller, der ebenfalls 800 bis 1000 Personen fassen sollte und bspw. für Weinmärkte und -messen genutzt werden könnte
-) mehrere kleinere Räume für Tagungen, Vereinsbesprechungen, Vorträge und Kurse
-) außerdem sollte es Gästezimmer umfassen, weil es in Mistelbach an großen Beherbergungsbetriebe fehle

Der Verschönerungsverein hatte im Vorfeld die beiden Architekten Elly Schneider (die Tochter einer Mistelbacher Baumeisterfamilie) und Karl Karafiat (bis Anfang der 1950er Jahre am Bauamt der Stadt beschäftigt) ersucht sich Gedanken über mögliche Standorte und die Ausgestaltung eines solchen Stadthauses zu machen. Die dabei entstandenen Entwürfe wurden im Rahmen der Ausstellung präsentiert und es sollte damit ein konstruktiver Diskurs zu diesem Thema angestoßen werden. Als Standorte wurden der damals freie Platz hinter der Gewerbeschule (heute: hinterer Gebäudeteile der Polytechnischen Schule und Stadtkindergarten), der weitläufige Gebäudekomplex Hafnerstraße 2/Hauptplatz 27 samt den Häusern Hauptplatz 28 und Marktgasse 1-3 sowie die Grundstücke Hauptplatz 11-15 inkl. Kirchengasse 1-3 erwogen. Bei den meisten der genannten Häuser handelte es sich um Kriegsruinen und es bot sich damals die seltene Gelegenheit vergleichsweise unkompliziert ein großes Bauprojekt im Zentrum zu realisieren und brachliegende Flächen sinnvoll zu nutzen. Außerdem boten die beiden Standorte am Hauptplatz die Möglichkeit einer Baulinienbereinigung. Anzumerken ist, dass es sich bei einigen der genannten Liegenschaften um enteigneten jüdischen Besitz handelte und die Eigentumsverhältnisse erst gerichtlich geklärt werden mussten. Wie der Verschönerungsverein klarstellte, war an eine Realisierung eines solchen Vorhabens natürlich erst zu denken, wenn die Kriegsspuren in der Stadt behoben seien und Baumaterialien nicht mehr Mangelware sind. Letzterer Punkte sollte jedoch bis in die 1950er Jahre dauern und sorgte auch für Verzögerungen bei anderen Großbauten, bspw. dem Neubau der Eibesthaler Pfarrkirche. Der Bau und später der Betrieb sollten von einer eigens zu gründenden Stadthausgesellschaft – also einer eigenen Körperschaft – abgewickelt werden. Einen bedeutenden Aspekt bildete natürlich auch die Frage der Finanzierung dieses Vorhabens und hierfür wurde unter anderem eine Art „crowdfunding“ vorgeschlagen, bei dem die Mistelbacher Bevölkerung Anteilsscheine an der „Stadthaus“-Gesellschaft zeichnen sollten.5

Die Anregung dieser Diskussion – trotz der damals wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit – zeugte vom Weitblick des Verschönerungsvereins, der die Bevölkerung um Rückmeldungen zu diesem Vorschlag ersuchte. Das Projekt wurde nie umgesetzt und es finden sich abgesehen von dieser Veranstaltung auch keine weiteren Hinweise darauf, dass die Idee noch weiter verfolgt wurde. Die Ruinen im Zentrum erinnerten teils Jahrzehnte später noch an die Schrecken des Krieges und es sollte mehr als 40 Jahre dauern bis mit dem Stadtsaal eine Einrichtung geschaffen wurde, wie sie der Verschönerungsverein damals ersann.

Markthalle/Stadthalle

Jeden Montag fand in Mistelbach ein Ferkelmarkt statt, der seit den 1930er Jahren in einer zum Areal des Gemeindegasthauses „Hotel Rathaus“ gehörenden Scheune in der Franz Josef-Straße stattfand. Ab Ende der 1940er Jahre stieg der Ferkelauftrieb sehr stark an, sodass der Bau einer Markthalle erwogen wurde. Bereits 1934 gab es erste Gedanken zum Bau eines solchen Gebäudes, aber die schlechte wirtschaftliche Lage bzw. die politisch turbulenten Folgejahre verunmöglichten die Realisierung eines solchen Vorhabens. Anfang der 1950er Jahre war der lange Zeit währende Baustoffmangel der Nachkriegszeit endlich überwunden, sodass an ein derartiges Bauprojekt gedacht werden konnte. Daher fasste der Mistelbacher Gemeinderat im Jahre 1952 den Beschluss zur Errichtung einer Markthalle neben dem Stadtpark6, doch die Klärung von Fragen der Finanzierung bzw. der konkreten Ausgestaltung sollten die Umsetzung dieses Beschlusses verzögern. Der Bau sollte neben dem Stadtpark bzw. vor der städtischen Badeanstalt ausgeführt werden und das alte Zeughaus der Feuerwehr das dem Zugang von der Franz Josef-Straße im Wege stand, musste für den Bau der Halle weichen. Der Bau der Markthalle war von Beginn an umstritten, allerdings war der Ferkelmarkt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der regelmäßig eine Vielzahl an Bauern aus der Umgebung nach Mistelbach lockte und von diesen Besuchern profitierten Gewerbe und Handel in der Stadt.

Mit der Planung der Markthalle, die schließlich am 2. Oktober 1955 feierlich eröffnet werden konnte, war der Wiener Architekt Dr. Martin Cäsar beauftragt worden. Die Kosten der Errichtung beliefen sich schlussendlich auf rund 730.000 Schilling und überstiegen die Planungskosten erheblich, was für aufgeregte Berichterstattung in der Lokalpresse und Auseinandersetzungen im Gemeinderat sorgte. Letztlich war es notwendig ein weiteres Darlehen zur Bedeckung der Mehrkosten in Höhe von 160.000 Schilling aufzunehmen.7

Die Markthalle im Jahr 1962 an einem Ferkelmarkttag

Aufgrund der Nutzung für den „Ferkelmarkt“ bürgerte sich bald der despektierliche Name „Sauhalle“ ein. Allerdings war die neue Halle laut einhelliger Meinung viel zu schön ausgestaltet, um nur für den Ferkelmarkt genutzt zu werden, und daher erfolgte schon bald eine vielseitige Nutzung als Mehrzweckhalle. Beispielsweise nutzte der Kleintierzüchterverein die Markthalle für seine Ausstellungen und auch die Sportvereine nutzten die Halle als Trainingsraum in der Wintersaison.

Eine Ausstellung des Kleintierzüchtervereins in der Markthalle im Jahre 1968 und somit noch vor dem Umbau zur Stadthalle
Eine Ausstellung des Kleintierzüchtervereins in der Markthalle im Jahre 1968 und somit noch vor dem Umbau zur Stadthalle

1968 erfolgte dann der Ausbau der Markthalle zu einer richtigen Mehrzweckhalle, die ab diesem Zeitpunkt den Namen „Stadthalle“ trug – ein Versuch den alten, unliebsamen Namen hinter sich zu lassen. Anstoß für den großzügigen Umbau lieferten nicht zuletzt die Mistelbacher Sportvereine: der Aufstieg der Basketballmannschaft UKJ Mistelbach in die Staatsliga A sowie die Erfolge der Mistelbacher Hand- und Faustballmannschaften, denen die neue Halle bessere Möglichkeiten zur Ausübung ihres Sports bieten sollte. Die Halle wurde um den Zubau einer Publikumstribüne, sowie um einen rückwärtig gelegenen Heizraum, Lagerräume und Kabinen samt Sanitäreinrichtungen erweitert. Außerdem wurde ein spezieller sporttauglicher Bodenbelag verbaut, das Beleuchtungssystem erneuert und der Schankraum ausgebaut. Die Anschaffung einer transportablen Bühne sorgte dafür, dass die Halle auch für Konzerte und sonstige Aufführungen genutzt werden konnte. Die Umbauarbeiten wurden im Frühjahr 1969 abgeschlossen und für diese Umgestaltung waren im Zuge der Planung rund 1,5 Millionen Schilling veranschlagt worden. 1987 wurde die Stadthalle schließlich abgebrochen, um Platz für die Errichtung des Stadtsaals zu schaffen.8

Die seit Ende der 1960er Jahre in dieser Form bestehende Stadthalle, kurz vor ihrem Abbruch im Jahre 1987??
Die seit Ende der 1960er Jahre in dieser Form bestehende Stadthalle, kurz vor ihrem Abbruch im Jahre 1987
Die Rückansicht der Stadthalle im Jahre 1987
Die Rückansicht der Stadthalle im Jahre 1987

Der ab den 1960er Jahren einsetzende, kontinuierliche Rückgang an bäuerlichen Kleinbetrieben, von denen die meisten einst Schweinezucht betrieben, führte auch dazu, dass der Mistelbacher Ferkelmarkt im Laufe der Jahre an Bedeutung verlor. 1984 war der Ferkelauftrieb schließlich so gering, dass dieser traditionsreiche wöchentliche Markt in eine kleine Scheune in der Kirchengasse 7 verlegt wurde, ehe er im Folgejahr mangels Bedarfs eingestellt wurde.9

Stadtsaal

Trotz des 1968 erfolgten Umbaus genügte die Stadthalle, die in ihrem Grundriss aus den 1950er Jahren stammte und eigentlich als Markthalle konzipiert war, nicht den Anforderungen eines modernen Veranstaltungszentrums. 1985 beauftragte daher der Mistelbacher Gemeinderat das Institut für Gebäudelehre an der Technischen Universität Wien mit der Ausarbeitung einer Gebäudestudie für einen neuen Stadtsaal. Im Zuge dieser Studie wurde mehrere Standorte untersucht und verschiedene Entwürfe für dessen mögliche Ausgestaltung erarbeitet, die schließlich der Öffentlichkeit im Rahmen von Informationsveranstaltungen vorgestellt wurden. Der Standort im Stadtpark – also jener der bisherigen Stadthalle – wurde unter den in Betracht gezogenen Flächen aufgrund seiner zentralen Lage als am günstigsten bewertet und somit setzte sich dieser Standort klar durch. Ende 1986 wurden Entwürfe von drei Architekten präsentiert, von denen schließlich jener von Prof. Anton Schweighofer die größte Zustimmung fand. Sein Konzept eines von antiken Bauformen inspirierten „Gartentempels“ – der Name leitet sich vom Zusammenspiel mit dem unmittelbar angrenzenden Stadtpark ab – wies eine Nutzfläche von 1250 m² auf drei Ebenen auf und bot mit allen Räumlichkeiten inkl. Foyer ein Fassungsvermögen von 1000 Personen. Natürlich musste für diesen Bau die alte Stadthalle weichen, aber die dahinter gelegene alte städtische Badeanstalt aus dem Jahr 1899, die seit den 1960er Jahren immer wieder als Ausweichquartier für die unter Raumnot leidenden Schulen der Stadt diente und daher auch „Parkschule“ genannt wurde, wurde saniert und baulich in den neuen Stadtsaal integriert.10

Die nachfolgenden Bilder dokumentieren den Baufortschritt dieses Großprojekts:

Die einstige städtische Badeanstalt neben dem Stadtpark, die seit den 1960er Jahren als Schulraumreserve ("Parkschule") diente, wurde in den neuen Stadtsaal baulich integriert. Im Vordergrund die Aushubarbeiten für den Stadtsaalbau im September 1987
Die einstige städtische Badeanstalt neben dem Stadtpark, die seit den 1960er Jahren als Schulraumreserve („Parkschule“) diente, wurde in den neuen Stadtsaal baulich integriert. Im Vordergrund die Aushubarbeiten für den Stadtsaalbau im September 1987
Die Vorderseite des Stadtsaals im April 1988
Die Vorderseite des Stadtsaals im April 1988
Stand der Bauarbeiten im April 1988
Stand der Bauarbeiten im April 1988
Die dem Stadtpark zugewandte Seite des Stadtsaals im September 1988
Die dem Stadtpark zugewandte Seite des Stadtsaals im September 1988
Erneut die Stadtparkseite im November 1988
Erneut die Stadtparkseite im November 1988
Die Vorderseite des Stadtsaals im November 1988
Die Vorderseite des Stadtsaals im November 1988

Die Gesamtkosten für die Errichtung des Stadtsaals beliefen sich auf rund 75 Millionen Schilling, wobei es bei den Baukosten zu einer Steigerung von rund 20 % gegenüber den Plankosten kam. Die Mehrkosten wurden durch nachträglich vorgenommene Änderungen am Projekt (u.a. vollständige Unterkellerung, die ursprünglich nicht vorgesehene Unterbringung der Stadtbücherei, höherwertige Einrichtung) sowie Schwierigkeiten bei der Fundamentierung (man stieß auf unbekannte Keller) verursacht.11 Zwar fand die feierliche Eröffnung erst am 21. November 1989 im Beisein von Landeshauptmann Siegfried Ludwig statt, doch schon wenige Wochen zuvor war mit den Puppentheatertagen erstmals eine Veranstaltung im neuen Stadtsaal abgehalten worden.

Der Stadtsaal beherbergt neben der Stadtbücherei auch eine Jugendberatungsstelle und die Volkshochschule Mistelbach.
Der Stadtsaal beherbergt neben der Stadtbücherei auch eine Jugendberatungsstelle und die Volkshochschule Mistelbach.

Im Zuge der Feierlichkeiten zu „125 Jahre Stadt Mistelbach“ wurden im Juni 1999 die beiden Säle nach berühmten Künstlern aus Mistelbach benannt. Der große Saal wurde nach dem Dirigenten Oswald Kabasta benannt und der kleine Saal erhielt den Namen des Secessionskünstlers Wilhelm Bernatzik.12 In seiner Sitzung vom 12. Oktober 2016 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat den großen Saal in Alfred-Šramek-Saal umzubenennen. Die offizielle Neubenennung fand im Rahmen eines Festakts im März 2017 statt, der zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Kammersängers abgehalten wurde.13

Bildnachweis:
-) Foto Lehrlingsausstellung: Ilustrirtes Wiener Extrablatt, 5. Oktober 1903, S. 1 (ONB-ANNO)
-) Foto Weinausstellung: Neuigkeits-Welt-Blatt, 23. Februar 1905, 9. Bogen des Neuigkeits-Welt-Blatts (ONB-ANNO)
-) Bilder der alten Markt- bzw. Stadthalle sowie des Stadtsaalbaus: Göstl-Archiv

Quellen:

  1. einen guten Einblick in die damals verfügbaren Saallokalitäten ergibt ein Blick in den Ballkalender im Mistelbacher Bote in den Jahren 1888-1896 bzw. die Ankündigungen von Ballveranstaltungen im Untermanhartsberger Kreis-Blatt im Zeitraum 1882-1888 ↩︎
  2. Bader, Stefan/Hirsch, Matthias: Die Garnison Mistelbach – Geschichte einer Kaserne und ihrer Umgebung (2012), S. 104 ↩︎
  3. beispielsweise seien hier folgende Veranstaltungsberichte angeführt:
    Donauwacht, Nr. 29/1943, S. 5 (ONB: ANNO);
    Donauwacht, Nr. 46/1943, S. 5 (ONB: ANNO)
    Donauwacht, Nr. 13/1944, S. 6 (ONB: ANNO)
    Donauwacht, Nr. 26/1944, S. 6 (ONB: ANNO) ↩︎
  4. Donauwacht, Nr. 30/1944, S. 6f (ONB: ANNO) ↩︎
  5. Verschönerungsverein der Stadt Mistelbach (Hrsg.): Programmheft Ausstellung „Mistelbach gestern, heute, morgen (Mistelbach in Plan und Bild)“ (1947), S. 6-9;
    Mistelbacher Bote, Nr. 26/1947, S. 3 (ONB: ANNO) ↩︎
  6. Mistelbacher Bote, Nr. 26/1952, S. 3 (ONB: ANNO); ↩︎
  7. Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 45/1955, S. 1;
    Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 46/1955, S. 1;
    Mistelbacher Bote, Nr. 41/1955, S. 1 (ONB: ANNO); ↩︎
  8. Weinviertler Nachrichten, Nr. 28/1968, S. 2;
    Weinviertler Nachrichten, Nr. 6/1969, S. 3 ↩︎
  9. Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: „Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988“, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, S. 110 ↩︎
  10. Festschrift anlässlich der Stadtsaaleröffnung (1989) ↩︎
  11. Gemeindezeitung – amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistlelbach, Folge 9/1992 (Juli), S. 10;
    Mistelbacher Rundschau, 19. Jg. – Nr. 3 (Juli 1992) (ohne Seitennummerierung); ↩︎
  12. Festprogramm 125 Jahre Mistelbach (25-Stunden-Fest der Gemeinschaft) ↩︎
  13. Stadtgemeindezeitung Mistelbach – amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 2 (April) 2017, S. 7 ↩︎