Das Werden der Großgemeinde Mistelbach 1966-1972

Von Thomas Kruspel 16. September 2021 Aus

Im nachfolgenden Beitrag sollen die historischen Hintergründe und schließlich das nicht ganz friktionsfreie Werden der Großgemeinde Mistelbach, die seit dem 1.1.1972 aus den zehn Katastralgemeinden Ebendorf, Eibesthal, Frättingsdorf, Hörersdorf, Hüttendorf, Kettlasbrunn, Lanzendorf, Mistelbach, Paasdorf und Siebenhirten besteht, veranschaulicht werden.

Frühere Versuche Gemeindezusammenlegungen durchzusetzen1

Schon bei der Entstehung der Gemeinden als selbstständige und unabhängige Körperschaften und kleinste Verwaltungseinheit im Staatsgefüge durch das im Gefolge der Revolution von 1848 erlassene provisorische Gemeindegesetz vom 17. März 1849, wurde durch dieses Gesetz auch bereits die Möglichkeit für den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zu einer Ortsgemeinde geschaffen. Seitens des Ministeriums des Inneren bzw. der Landesverwaltung war man schon zum Zeitpunkt als dieses Gesetzes erlassen wurde, bestrebt möglichst wenige und dafür große Gemeinden zu schaffen, und das für unsere Gegend zuständige Kreisamt für das Viertel des unter dem Manhartsberg (=Weinviertel) in Korneuburg legte einen Entwurf vor, der die 564 Gemeinden in diesem Viertel mittels Zusammenschlüssen auf 138 zu reduzieren trachtete. Dieser Entwurf beinhaltete damals etwa den Vorschlag die Gemeinden Siebenhirten, Hörersdorf und Frättingsdorf zur neuen Großgemeinde Hörersdorf zusammenzulegen bzw. alternativ sollten sich Hüttendorf, Hörersdorf und Frättingsdorf mit Asparn a.d. Zaya vereinigen und Lanzendorf und Siebenhirten sollten mit Mistelbach fusioniert werden. Dieses Ansinnen seitens der Landesverwaltung stieß jedoch allgemein auf heftige Ablehnung, denn augenscheinlich wollten die Gemeinden ihre eben gewonnene Selbstständigkeit und Freiheit nicht in größeren Gemeindeverbänden verlieren und dieser Vorschlag ließ außerdem seit Jahrhunderten gepflogene Rivalitäten und Animositäten zwischen Nachbarorten außer Acht. Darüber hinaus sah das provisorische Gemeindegesetz auch klar vor, dass Gemeinden sofern sie in der Lage waren die im Gesetz angeführten Aufgaben zu erledigen, nicht gegen ihren Willen mit anderen vereinigt werden konnten und somit war dieses Vorhaben bereits im Voraus zum Scheitern verurteilt und alleine in den Gerichtsbezirken Mistelbach, Poysdorf, Feldsberg, Laa a.d. Thaya und Zistersdorf, die zur kurzlebigen Bezirkshauptmannschaft Poysdorf gehörten (ab 1868 befand sich der Sitz der Bezirkshauptmannschaft dann in Mistelbach) entstanden schließlich 110 Gemeinden.2

Im Zuge einer Änderung der Gemeindewahlordnung im Jahre 1904 wurde auch über die strukturelle, wirtschaftliche und demografische Zusammensetzung der Gemeinden debattiert und damit erschien das Thema Gemeindezusammenlegungen nach mehr als 50 Jahren erneut auf der Agenda der Landesregierung. Die damaligen Pläne sahen vor, die Anzahl der niederösterreichweit bestehenden Gemeinde auf 438 zu reduzieren, doch erneut scheiterten diese Bestrebungen an politischen Widerständen.

In der Zeit zwischen dem sogenannten Anschluss im März 1938 und dem Kriegsbeginn im Jahr darauf kam es unter den Nationalsozialisten nicht nur zur Eingemeindung zahlreicher Gemeinden im Umland der vormaligen österreichischen Hauptstadt zu „Groß-Wien“, sondern auch zu weiteren vereinzelten Gemeindefusionen, allerdings in anderen Teilen von „Niederdonau“. Diese zwangsweisen Zusammenlegungen orientierten sich ausschließlich an der Bevölkerungszahl und klammerten sonstige Aspekte, etwa wirtschaftliche, völlig aus. Hätte das „1000-jährige Reich“ in Österreich länger als sieben Jahre gewährt, wäre es wohl zu weiteren Gemeindezusammenlegungen gekommen, da die Gemeinden hierorts aufgrund der historischen Entwicklung wesentlich kleinteiliger strukturiert waren/sind, als im Deutschen Reich. Die unter dem NS-Regime erfolgten Zusammenlegungen wurden nach 1945 wieder rückgängig gemacht, wirkten jedoch als abschreckendes Beispiel noch lange negativ nach.

Niederösterreichische Kommunalstrukturverbesserung3

Als sich Anfang der 1960er Jahre der umfassende sozioökonomische Strukturwandel weg von der agrarisch geprägten Gesellschaft hin zur Produktions- und Dienstleistungsgesellschaft deutlich abzeichnete, hatte dies natürlich auch Auswirkungen auf die Gemeinden. Die Aufgabengebiete der Gemeinden wuchsen stetig an, ebenso die notwendigen Investitionen in Schaffung und Erhaltung der Infrastruktur (Straßenasphaltierung, Erhaltung von Schule bzw. Kindergarten, Kanalisierung, etc.), doch standen diesem steigenden Finanzbedarf keine entsprechenden finanziellen Mittel als Einnahmen gegenüber. Diese Entwicklung und auch die Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen durch die Gemeindeverfassungs-Novelle 1962 wurden von der Landesregierung als Bestätigung und Anlass genommen die Thematik Gemeindezusammenlegung ab Mitte der 1960er Jahre nun unter dem Titel „NÖ. Kommunalstrukturverbesserung“ zu forcieren. Über die Bezirkshauptmannschaften regte die Landesregierung freiwillige Gemeindezusammenlegungen an und den Gemeinden, die sich zu solchen Zusammenschlüssen bereit erklärten, wurden zusätzliche finanzielle Mittel in Aussicht gestellt. In jenen Fällen in denen die Vermittlungsversuche für das Zustandekommen von freiwilligen Zusammenschlüssen ohne Erfolg blieben, wurde nach Auslaufen der finanziellen Anreize mit Ende des Jahres 1970, der Druck seitens des Landes auf die nicht kooperationswilligen Gemeinden intensiviert und man beabsichtigte die neue Gemeindestruktur auch zwangsweise durchzusetzen. Schon die Erwägung dieses Vorgehens (und erst recht die Schaffung einer rechtlichen Grundlage dazu im November 1971) sorgte bei den betroffenen Gemeinden niederösterreichweit für Empörung und diese schlossen sich im Sommer des Jahres 1971 zum überparteilichen „Aktionskomitee der niederösterreichischen Bürgermeister“ zusammen. Diese Protestgemeinschaft hoffte durch Protestnoten an Bundeskanzler Kreisky bzw. Landeshauptmann Maurer die zwangsweisen Vereinigungen abwenden zu können bzw. beabsichtigte diese notwendigenfalls rechtlich zu bekämpfen. Letztlich blieben diese Bemühungen jedoch vergeblich und die in der Folge von einigen betroffenen Gemeinden beim Verfassungsgerichtshof eingebrachten Beschwerden hatten keinen Erfolg, ebenso wie diesbezüglich vorgebrachte Beschwerden bei der Europäischen Menschenrechtskommission. Als die Reform gegen alle Widerstände Anfang der 1970er Jahre im Wesentlichen abgeschlossen war, hatte sich die Zahl der niederösterreichischen Gemeinde von 1652 auf 559 reduziert. Zwar wurden einzelne Zusammenlegungen später wieder aus verschiedenen Gründen rückgängig gemacht, aber es wurde damit nachhaltig die Basis für eine effiziente Gemeindeverwaltung geschaffen.

Nachfolgend wird der Prozess der Gemeindezusammenlegung im Falle von Mistelbach und seinen heutigen Katastralgemeinden beschrieben.

1966-1970 freiwillige Gemeindezusammenlegung

In einem ersten Schritt wurde ein Zusammenschluss von Lanzendorf, Ebendorf, Hüttendorf und Siebenhirten mit Mistelbach angeregt. Kettlasbrunn sollte gemeinsam mit Bullendorf und Hobersdorf nach Wilfersdorf eingemeindet werden.

Lanzendorf und Ebendorf, die in unmittelbarer Nähe zu Mistelbach lagen und seit jeher auch Teil der Pfarre Mistelbach waren, wurden auf Basis von im Sommer 1966 gefassten einstimmigen Beschlüssen ihrer Gemeindevertretungen ab 1. Jänner 1967 mit Mistelbach vereinigt.4 Dem Ende ihrer Selbstständigkeit stimmten auch die Vertreter dieser Gemeinden nicht mit Begeisterung zu, sondern vielmehr sah man pragmatisch, dass man so für die künftigen Herausforderungen im Gemeinwesen besser gerüstet sei. Unter der Bevölkerung von Lanzendorf und Ebendorf stießen diese Beschlüsse keineswegs auf ungeteilte Zustimmung, doch schließlich fanden Ende des Jahres 1966 bereits die Wahlen für den neuen Mistelbacher Gemeinderat unter Beteiligung der Bevölkerung von Ebendorf und Lanzendorf statt. In Hüttendorf ging die am 29. August 1966 im Gemeinderat abgehaltene Abstimmung über eine freiwillige Vereinigung mit 8 Nein-Stimmen zu 7 Ja-Stimmen denkbar knapp aus und ein freiwilliger Zusammenschluss war damit gescheitert.5 Trotz des knappen Ausgangs der Abstimmung wurde auch in folgenden Jahren an diesem Beschluss festgehalten und ein freiwilliger Zusammenschluss nicht weiter erwogen. Auch eine Einbindung Siebenhirtens war bereits Teil dieser ersten, auf freiwilliger Vereinigung basierenden Pläne für eine Großgemeinde Mistelbach. Doch der Gemeinderat von Siebenhirten lehnte dieses Vorhaben ab, ebenso wie sich der Kettlasbrunner Gemeinderat gegen die oben bereits erwähnte Eingemeindung nach Wilfersdorf einstimmig aussprach.6

Die Anregung zur Vereinigung mit Mistelbach wurden in Folge auch auf Paasdorf und Eibesthal ausgeweitet, wobei auch deren Gemeindevertretungen einstimmig (im Falle von Paasdorf allerdings mit einigen Enthaltungen) gegen einen freiwilligen Zusammenschluss mit Mistelbach votierten.7 Neben Siebenhirten lehnten auch Hörersdorf und Frättingsdorf eine Vereinigung mit Mistelbach ab und unter Vermittlung von Landesrat Matthias Bierbaum fanden Beratungen über die Zusammenlegung dieser drei Gemeinden im Herbst des Jahres 1970 statt. Dass damit ein mehr als 120 Jahre alter Vorschlag aufgriffen wurde (siehe weiter oben) dürfte den Gemeindevertretern vermutlich nicht bewusst gewesen sein. Zwar fassten Hörersdorf und Frättingsdorf im November 1970 den Beschluss, sich gemeinsam mit Siebenhirten unter dem Namen Hörersdorf (dem künftigen Sitz der gemeinsamen Gemeindeverwaltung) mit Wirkung vom 1.1.1971 zusammenzuschließen, aber die Einbindung Siebenhirtens wurde durch einen bereits im Vorfeld der Beratungen mit 2/3-Mehrheit gefassten Beschluss des Siebenhirtner Gemeinderates, der sich gegen jedwede Vereinigung aussprach, vereitelt.8 Der Frättingsdorfer Gemeinderat regte bei der Beschlussfassung über die Zusammenlegung mit Hörersdorf und Siebenhirten übrigens den neuen Namen „Mistellauf“ an, da alle drei Gemeinden am Lauf des Mistelbachs gelegen seien.9 Zwar waren freiwillige Gemeindezusammenlegung bis Ablauf des Jahres 1970 möglich, da sich allerdings nur zwei der drei Gemeinden zu einem Zusammenschluss durchringen konnten und seitens der Landesregierung ohnehin die Schaffung deutlich größere Gemeindeeinheiten beabsichtigt war, wurde diese Initiative seitens der Landesverwaltung ignoriert und die gefassten Gemeinderatsbeschlüsse über die Zusammenlegung schließlich nicht vollzogen. In Hörersdorf und Frättingsdorf war man über diese Reaktion seitens des Landes verärgert und verwies bei weiteren Vorstößen in Bezug auf eine Vereinigung mit Mistelbach stets auf die im November 1970 gefassten (gültigen) Beschlüsse.10

Zwangsweise Zusammenlegung mit Jahresbeginn 1972

Eine im Juli 1971 in Eibesthal abgehaltene Volksbefragung bezüglich der „drohenden Zwangszusammenlegung“ brachte folgendes Ergebnis: für den Erhalt der Selbstständigkeit 373 Stimmen, für eine Zusammenlegung mit Mistelbach 48 Stimmen, für eine Zusammenlegung mit Wilfersdorf 12 Stimmen.11 Auch in Siebenhirten wurde am 4. Juli 1971 eine Volksbefragung durchgeführt, die folgendes Ergebnis brachte: von den 253 Wahlberechtigten übten 223 Personen ihr Stimmrecht aus (88,1% Beteiligung), davon sprachen sich 145 (65%) gegen und 76 (35%) für eine freiwillige Zusammenlegung mit einer anderen Gemeinde aus. Für den Fall, dass man doch zu einer Zusammenlegung gezwungen würde, stimmten 72 Personen für Hörersdorf und 68 für Mistelbach – der Rest äußerte keine Präferenz bzw. wollte sich mit einem solchen Szenario offenbar nicht auseinandersetzen.12 In Kettlasbrunn war der Gemeinderat bis zuletzt davon überzeugt, dass die Gemeinde aufgrund der vorhandenen Infrastruktur auch alleine erfolgreich weiterbestehen könne und man war der Auffassung, dass das bäuerlich geprägte Dorf auch von der Bevölkerungsstruktur nicht zu Wilfersdorf passe.13 Die ab Sommer 1971 vorgesehene Zusammenlegung mit Mistelbach wurde mit derselben Argumentation abgelehnt und schließlich sei auch die Mehrheit der Kettlasbrunner Bevölkerung gegen diese Zusammenlegung.14 Laut dem Raumordnungsprogramm war für die künftige Großgemeinde Mistelbach eine bestimmte Bevölkerungsanzahl vorgesehen und diese sollte um jeden Preis durch die Eingemeindung vieler kleinerer Ortschaften erreicht werden, weshalb auch weiter entfernte Orte wie Frättingsdorf und Kettlasbrunn einbezogen wurden, so die Kritiker der Zwangszusammenlegungen. Tatsächlich erhielten aufgrund eines angepassten Verteilungsschlüssels Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern deutlich höher dotierte Mittel aus dem Finanzausgleich zugeteilt und dass Mistelbach diesen Grenzwert nach den Zusammenlegungen knapp überschritt, dürfte wohl kein Zufall gewesen sein. Trotzdem wenig Aussicht auf Erfolg herrschte, kämpften insbesondere die Gemeinden Eibesthal, Siebenhirten, Frättingsdorf und Paasdorf bis Ende des Jahres 1971 gegen die mit Jahreswechsel bevorstehende Eingemeindung an.15 Diese Gemeinden, die sich auch dem bereits oben erwähnten „Aktionskomitee“ angeschlossen hatten, nahmen auch Kontakt mit Rechtsvertretern auf, mussten letztlich jedoch akzeptieren, dass der Beschwerdeweg vor den Verfassungsgerichtshof wenig aussichtsreich und ihr Kampf somit vergebens war.16

Mistelbachs Bürgermeister Franz Bayer übernahm interimistisch als Regierungskommissär die Verwaltung der ab 1.1.1972 neu nach Mistelbach eingemeindeten Gemeinden, bis im März 1972 der Gemeinderat der Großgemeinde neu gewählt wurde. Es dauerte ein wenig, bis sich alle Ortschaften samt ihren Einwohnern in der neuen Rolle als Teil eines größeren Ganzen zurechtfanden und manch einer machte gar unter Verwechslung von Ursache und Wirkung und Negierung allgemeiner tiefgreifender Entwicklungen diese Reform für den Niedergang von Strukturen in den nunmehrigen Katastralgemeinden verantwortlich. Knapp fünfzig Jahre nach Umsetzung dieser Reform ist deren Erfolg jedoch unbestreitbar.

Quellen:

von Schluetenberg, Dr. Innocenz

Von Thomas Kruspel 3. September 2021 Aus

Bezirksarzt Dr. Innocenz Edler von Schluetenberg

* 18.11.1832, Negau (Untersteiermark, heute: Slowenien)
† 10.2.1882, Wien

Innocenz Edler von Schluetenberg wurde 1832 als Sohn des Gutsherrn Cajetan von Schluetenberg und dessen Gattin Filizzine, geb. Seutscher im untersteirischen Negau geboren.17 Sein Vater war Pächter und Verwalter der Herrschaft Negau (Negova) und später auch Besitzer des unweit davon gelegenen Guts Tribein (Drvanja) und während des kurzen demokratischen Strohfeuers im Revolutionsjahr 1848/49 Abgeordneter des provisorischen Landtags des Herzogtums Steiermark.18 Bereits der aus Kärnten stammende Großvater Mathias Schluet wurde 1823 für seine langjährigen treuen Dienste in der k.k. illyrischen Dominienverwaltung in Laibach, insbesondere während der schwierigen Zeit der Franzosenkriege bzw. der Besatzung durch die Truppen Napoleons, durch kaiserlichen Entschluss mit dem Prädikat „Edler von Schluetenberg“ in den erblichen Adelsstand erhoben.19 Richtig lautete der Nachname der Familie daher „Schluet Edler von Schluetenberg“, allerdings schon der Großvater führte seinen Namen ausschließlich als „von Schluetenberg“, also unter Weglassung des ursprünglichen Familiennamens, von dem sich das Adelsprädikat ableitete und dies wurde später auch von offizieller Seite zumindest für eine andere Linie der Familie so bestätigt.20

Das Wappen der Edlen von Schluetenberg, wie es in einer überarbeiteten Auflage von J. Siebmachers Wappenbuch abgebildet ist.

Das Wappen der Edlen von Schluetenberg, wie es in einer überarbeiteten Auflage von J. Siebmachers Wappenbuch abgebildet ist.21

Jedenfalls vom Wintersemester 1850/51 bis Sommersemester 1855 studierte Innocenz von Schluetenberg an der medizinischen Fakultät der Universität Wien und während dieser Zeit wohnte er an verschiedenen Adressen in der Josefstadt.22 Der Beginn seines Studiums im Jahre 1850 im Alter von 18 Jahren erscheint plausibel, allerdings kann ein etwaig früherer Studienbeginn aufgrund der Tatsache, dass die übersichtlichen Studienkataloge erst für den Zeitraum ab 1850 vorhanden sind, nicht ausgeschlossen werden. Für die damalige Zeit laut Mitarbeitern des Universitätsarchivs nicht ungewöhnlich, wurde er jedoch erst 1858, also drei Jahre nach Ende seiner Studien, zum Doktor der Medizin promoviert.23 Die Chirurgie war damals ein separat geführtes Studienfach, und auch in diesem erwarb von Schluetenberg das Doktorat und konnte somit auch damals bereits als „Doktor der gesamten Heilkunde“ gelten. 1862 wurde er als Mitglied in das Doktorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien aufgenommen.24 Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Zusammenschluss von an der Universität Lehrenden (=Professorenkollegium), sondern um ein Gremium im damaligen Organisationsgefüge der Universitäten, das sich aus den graduierten Doktoren der jeweiligen Fakultät zusammensetzte und das beispielsweise bei der Wahl des Dekans (bzw. Rektors) und bei Prüfungen/Promotionen bestimmte Aufgaben wahrnahm.25

Im Jahre 1858 wurde die Arztstelle in Mistelbach vakant und Dr. von Schluetenberg zog nach Mistelbach und erwarb das in barockem Stil erbaute Eckhaus Oserstraße (Nr. 1)/Wiedenstraße (Nr. 4), auf dem bereits seit vielen Jahren die Mistelbacher (Wund)Ärzte bzw. Chirurgen ansässig waren, von seinem Vorgänger Dr. Franz Pechlaner.26 Dass dieses Haus Sitz der medizinischen Versorgung war hatte einen bestimmten Grund: Erst Ende des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Chirurgie von einem Handwerk zu einer akademischen Ausbildung und die Ausübung des chirurgischen Gewerbes in Mistelbach war nach altem Gewerberecht an dieses Haus gebunden („radiziert“) und diese alten Rechte wirkten bis weit ins 19. Jahrhundert fort und banden später auch die chirurgisch tätigen Ärzte. Am 21. Juni 1862 ehelichte Dr. von Schluetenberg die Tochter des Wilfersdorfer Postmeisters Antonia Gruber in der Pfarrkirche Wilfersdorf27 und dieser Ehe entstammten eine Tochter und ein Sohn.

Neben seiner gewöhnlichen Tätigkeit als Arzt hatte Dr. von Schluetenberg auch zahlreiche weitere ärztliche Ämter inne: Gemeinde-Armenarzt von Mistelbach, ab Eröffnung der Bahnstrecke 1870 war er auch Bahnarzt28 und Mitte der 1860er Jahre scheint Dr. von Schluetenberg weiters als zuständiger Badearzt im damals wohl entstandenen „Eisenbad“ Ladendorf, einem Wannenheilbad, dessen eisen- und schwefelhaltiges Quellwasser besonders zur Linderung von „Frauenkrankheiten“ angepriesen wurde, und das mit Unterbrechungen bis in die 1930er Jahre existierte.29 Größte berufliche Herausforderung war mit Sicherheit die durch preußische Truppen im Sommer des Jahres 1866 eingeschleppte Cholera-Epidemie, die binnen kurzer Zeit 131 Todesopfer unter der Mistelbacher Bevölkerung forderte.30 Fitzka lobte Dr. von Schluetenberg in seiner „Geschichte der Stadt Mistelbach“ als „menschenfreundlichen und opferwilligen Arzt und Diagnostiker ersten Ranges„, der auch abseits seines Berufs eifrig und uneigennützig zum Wohle der Stadt wirkte.31

Jedenfalls von 1867 bis 1870 gehörte er dem Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) an32, der sich während der Amtszeit von Bürgermeister Josef Strasser mehrheitlich aus Personen zusammensetze, die der liberalen Partei nahestanden. Schließlich prägte die Deutschliberale Partei („Verfassungstreue“) ab Ende der 1860er Jahre auch auf Landes- und Reichsebene maßgeblich das politische Geschehen und nachdem zuvor mittels bürokratischer Hürden versuchte wurde die politische Arbeit eines Vorgängervereins zu vereiteln33, sammelten sich die liberalen politischen Kräfte im Bezirk Mistelbach schließlich im 1872 gegründeten „Deutschen Verein“. Von Schluetenberg wurde zum ersten Obmann dieses politischen Vereins gewählt, lehnte die Annahme dieses Amtes jedoch ab und gehörte stattdessen dem Ausschuss des Vereins an bzw. engagierte sich in der Folge auch immer wieder als Vertreter der vor Wahlen gebildeten liberalen Wahlkomitees.34 Über Jahre hinweg war er auch als Obmann des Ortsschulrates tätig und während seiner Obmannschaft wurde 1873 das neue Volks- und Bürgerschulgebäude in der Bahnstraße (spätere Mädchenschule, heute Teil des Pflichtschulzentrums) errichtet.35 Von der Gründung im Jahre 1869 bis 1871 gehörte er weiters dem Direktorium der städtischen Sparkasse an.36 Im Oktober 1867 zählte Dr. von Schluetenberg zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Turnvereins in Mistelbach, gehörte als Turnrat auch dem ersten gewählten Vereinsvorstand an und leitete in den ersten Monaten des Bestehens des Vereins auch die wöchentlichen Turnübungen.37 In den 1870er Jahren war Dr. von Schluetenberg darüber hinaus in der Interessensvertretung seines Berufsstandes aktiv und zwar als Obmann der Mistelbacher Sektion des „Vereins der Ärzte in Niederösterreich“.38

Aufgrund seiner oben geschilderten Verdienste um das Gemeinwohl und die vorbildliche medizinische Betreuung der Mistelbacher Bevölkerung fasste der Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) am 13. Juli 1871 den einstimmigen Beschluss Dr. von Schluetenberg zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde Mistelbach zu ernennen.39 Die Verleihung dürfte anlässlich seines Abschieds aus Mistelbach erfolgt sein, denn im Sommer des Jahres 1871 kam es zu einer Neuorganisation des Sanitätswesens in Niederösterreich und er wurde zum Bezirksarzt für den Sanitätsbezirk Waidhofen a.d. Thaya berufen40 und war für die Dauer seines Aufenthalts auch ärztlicher Leiter des dortigen Krankenhauses41. Doch als wenige Monate später im Februar 1872 die Stelle des Mistelbacher Bezirksarztes aufgrund des Ablebens von Dr. Komoraus (Feldsberg) frei wurde, kehrte Dr. von Schluetenberg auf eigenen Wunsch in dieser Funktion nach Mistelbach zurück.42 Anlässlich der Übersiedlung nach Waidhofen a.d. Thaya verkaufte Familie von Schluetenberg im Sommer des Jahres 1871 ihren bisherigen Wohnsitz und Praxisstandort und mit diesem Verkauf endet auch die mehr als hundertfünfzig Jahre zurückreichende medizinische Nutzung des Eckhauses Oserstraße Nr. 1/Wiedenstraße Nr. 4.43 An welcher Adresse Dr. von Schluetenberg nach seiner Rückkehr wohnte bzw. ordinierte konnte nicht geklärt werden.

Im Herbst 1881 zwang ihn eine schwere Erkrankung, die beinahe zu seiner Erblindung führte, zur Aufgabe des Arztberufs 44 und er übersiedelte gemeinsam mit seiner Familie nach Wien, wo er sich im Stadtteil Landstraße niederließ. Dr. von Schluetenberg verstarb nach längerem Leiden am 10. Februar 1882 im Alter von nur 49 Jahren an Kehlkopftuberkulose. Seine sterblichen Überreste wurden zwei Tage nach seinem Ableben auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.45

Quellen:

Städtner, Maria

Von Thomas Kruspel 29. August 2021 Aus

Maria Städtner

* 3.11.1851, Kettlasbrunn
† 2.3.1928, Mistelbach

Maria Städtner wurde 1851 als Tochter des Landwirts Mathias Städtner und dessen Gattin Anna, geb. Schimmer, in Kettlasbrunn geboren.39 Der Familienname findet sich im Laufe der Jahre in wechselnder Schreibweise beispielsweise auch in Form von „Stettner“ oder „Stättner“. Später setzte sich die Schreibweise „Städtner“ durch und so wurde der Name letztlich auch auf ihrem Grab festgehalten. Ein letztes Mal sorgte die korrekte Schreibweise des Namens im Zuge der im Jahre 2004 erfolgte Straßenbenennung für Verwirrung (siehe Städtnerstraße).

Am 22. Februar 1876 ehelichte Maria Städtner ihren Cousin Josef Städtner.46 Das nahe Verwandtschaftsverhältnis der Eheleute stellte in diesem Fall grundsätzlich ein Ehehindernis dar, doch unter Berufung auf besondere Umstände (bspw. auch dynastische Gründe für die Angehörigen der regierenden Herrscherhäuser) konnte ein Dispens (=Ausnahmebewilligung) erwirkt werden. Die Gewährung solcher Ausnahmen wurde seitens der katholischen Kirche speziell gegen Ende des 19. Jahrhunderts allerdings eher restriktiv gehandhabt, aber laut dem Trauungsbucheintrag gelang es der Familie Städtner sowohl eine zivilrechtliche Genehmigung seitens der niederösterreichischen Statthalterei, als auch eine solche nach kanonischem Recht durch die apostolische Nuntiatur bzw. den Papst zu erhalten. Hierfür bedurfte es besonderer Gründe, allerdings ist unklar auf welche sich die Familie Städtner im konkreten Fall berief. Da beide Ehegatten jeweils die einzigen überlebenden Kinder ihrer Eltern waren, vereinigten sie durch ihre Ehe zwei große landwirtschaftliche Betriebe und verfügten damit über umfangreichen Grundbesitz. Der Ehe entstammten vier Töchter und ein Sohn, die jedoch alle als Säuglinge bzw. im Kindesalter an damals grassierenden und oftmals tödlich verlaufenden „Kinderkrankheiten“ wie Diphtherie und Scharlach oder etwa an Atemwegsentzündungen erkrankten und diesen erlagen. Nachdem Städtners Ehemann Anfang Mai 1907 verstarb, verkaufte sie in der Folge sukzessive den nunmehr ihr alleine gehörenden umfangreichen landwirtschaftlichen Grundbesitz und wurde so sehr vermögend.47 Außerdem zog sie vom ehemals gemeinsamen Wohnsitz auf Haus Nr. 113, in das ebenfalls ihr gehörige Haus Nr. 67 um, dass sie zu einer Villa ausbauen ließ.

Städtners Villa auf einer Ortsansicht aufgenommen vom Kirchturm aus um etwa 1909 - heute führt die Städnerstraße an diesem Haus vorbeiStädtners Villa auf einer Ortsansicht aufgenommen vom Kirchturm aus um etwa 1909 – heute führt die Städnerstraße an diesem Haus vorbei

Manchen Angaben zufolge soll sie gar die wohlhabendste Frau im gesamten Bezirk gewesen sein. Der Reichtum der kinderlosen Witwe weckte Begehrlichkeiten und so traten Vertreter von Gemeinde, Kirche und Vereinen mit verschiedenen Bitten an Frau Städtner heran. Die einfache Bauernwitwe war in finanziellen Dingen naiv und unbeholfen, dafür allerdings sehr großzügig – eine Kombination die sich zu Ende ihres Lebens rächen sollte. Doch auch schon zu Lebzeiten ihres Gatten zeigte sich das Ehepaar Städtner etwa 1902 beim Einbau einer neuen Turmuhr in der Pfarrkirche als großzügige Spender.48 Ihre Schwiegermutter – die Stiefmutter ihres Gatten – Agnes Städtner, geb. Pribitzer (1825-1900), begründete offenbar die Familientradition der Freigiebigkeit gegenüber der Pfarre indem sie dieser 1895 400 Gulden (österreichischer Währung)  für die Anschaffung des heute noch jährlich am Karsamstag zu bewundernden und kunsthistorisch bedeutsamen „Heiligen Grabes“ in Jugendstil-Ausführung stiftete. Mit dieser Spende deckte sie knapp 80% der Anschaffungskosten des im nordmährischen Olmütz hergestellten beleuchtbaren Glasperlenkunstwerks.49

Maria Städtners freigiebiges Wirken für Pfarre, Gemeinde, Schule und Vereine in Kettlasbrunn sei durch nachfolgende chronologische Auflistung dokumentiert:50

1907 -) finanzierte sie gemeinsam mit zwei anderen Kettlasbrunner Familien die Renovierung der an der Straße nach Schrick gelegenen „Scheibenkapelle“51
1908 -) aus Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I. ließ sie die heute noch bestehende Kaiserbüste errichten52;
-) stiftete sie einen neuen Baldachin (Himmel) für die Pfarre53
-) außerdem spendete sie namhafte Beträge für die Anschaffung einer neuen Weihnachtskrippe, drei Stück Goldbrokatantipedien (Altarvorhänge) sowie für drei Dalmatiken (liturgische Gewänder) und lud die Erstkommunionkinder zu einem ausgiebigen Frühstück in den Pfarrhof ein54
1909 -) sorgte sie für eine gepflasterte Wasserrinne im Kirchengassl und damit für eine erhebliche Verbesserung dieses Weges, der zuvor bei Regengüssen stets stark in Mitleidenschaft gezogen worden war55;
-) spendete sie sechs Leuchter aus Messing für den Hochaltar und drei Altarvorhänge (Antipendien) aus roter, bestickter Leinwand56;
-) stiftete sie ein neues Kreuz mit Laterne für den Friedhof;
-) stiftete sie dem im Jahr zuvor gegründeten Militärveteranenverein eine Fahne und fungierte als Fahnenpatin57. Die Aktivitäten dieses Vereins unterstützte sie auch in den folgenden Jahren durch laufende finanzielle Zuwendungen.58
1910 -) sorgte sie für die Erneuerung der (linksseitigen) Kirchenfenster59, und stiftete eine neue Monstranz und große Luster für die Pfarrkirche60;
-) ließ sie die Sebastianistatue bei ihrer Villa errichten61;
-) weiters ließ sie zehn Laternen (Kitsonleuchten = Petroleumlampen) zum Zwecke der Ortsbeleuchtung errichten, für deren laufenden und künftigen Betrieb sie auch ein entsprechendes Kapital bei der Gemeinde erlegte62
1911 -) stiftet sie ein Skioptikon (=Projektionsgerät, „Laterna magica“) samt 65 kolorierten Bildern für die Schule63;
-) ließ sie die Fenster auf der Epistelseite (rechte Seite) der Kirche erneuern64
1912 -) spendete sie der Pfarre zwei Fahnen (St. Sebastian und St. Jakob)65;
-) sponserte sie eine Feier aus Anlass des Kaisergeburtstags66
1913 -) sponserte sie eine Feier anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Völkerschlacht bei Leipzig67
1914 -) anlässlich des 25-jährigen Gründungsfests der Feuerwehr spendete deren Ehrenmitglied Frau Städtner der Feuerwehr eine neue Fahne und natürlich fungierte sie bei deren Weihe auch als Fahnenpatin68;
-) stiftete sie ein Harmonium für die Schule
-) trug sie den größten Teil der Errichtungskosten einer Gemeinde-Brückenwaage, die neben dem damaligen Zeughaus bzw. hinter dem Gemeindegasthaus aufgestellt wurde69
1916 -) stiftete sie einigen Altarschmuck und Kästen für dessen Aufbewahrung
1918 -) nachdem die Kirchenglocken für Kriegszwecke abgeliefert werden mussten, sorgte sie für die Wiederherstellung des Turmschlags, sodass wieder ein regelmäßiger Stundenschlag möglich war70

Die 1908 von Maria Städtner gestiftete Kaiserbüste in KettlasbrunnDie 1908 von Maria Städtner gestiftete Kaiserbüste in Kettlasbrunn

Möglicherweise war neben Philanthropie und Hilfsbereitschaft ein weiteres Motiv für ihre Freigiebigkeit der Wunsch den Namen Städtner von einem Makel „reinzuwaschen“, und zwar in Zusammenhang mit einem Ereignis, dass schon einige Jahre zurücklag, jedoch aufgrund der damaligen Geschehnissen bzw. der Tatsache, dass der Fall offenbar ungeklärt blieb, sicherlich im kollektiven Gedächtnis des Ortes weiterlebte. Am 1. Oktober 1868 wurde Josef Städtner, der gemeinsame Onkel des Ehepaares Städtner, erschlagen im Hof seines Bruders Johann (Vater von Städtners Ehemann) aufgefunden.
Angeblich herrschte zwischen Josef und seinem Bruder Johann ein feindseliges Verhältnis, eine Tatsache, die auch im Dorf gemeinhin bekannt war und somit wundert es nicht, dass sich unmittelbar nach dem Mord das Gerücht verbreitete, dass Johann Städtner der Täter sei. In einem Gerichtsprozess in Korneuburg wurden die Brüder des Mordopfers, Johann und Mathias Städtner (die Väter von Maria Städtner und ihrem Gatten), als Beschuldigte geführt. Ersterer wurde des Mordes angeklagt und zweiterer aufgrund falscher Zeugenaussage um seinen Bruder zu einem Alibi zu verhelfen. Im Zuge der Untersuchung bzw. des Prozesses im März 1869 wurden auch mehrere Zeugen aus Kettlasbrunn einvernommen, die mit ihren Aussagen den Angaben des Beschuldigten betreffend den Fundort der Leiche widersprachen. Mathias Städtner, der Vater von Maria Städtner, wurde freigesprochen, Johann Städtner (der Vater von Städtners Ehemann) wurde hingegen des Totschlags für schuldig befunden und zu einer mehrjährigen schweren Kerkerstrafe verurteilt.71 Die Verteidigung ging jedoch in Berufung und einige Monate später wurde das Urteil aufgehoben und Johann Städtner ging frei.72 Welche Gründe zur Aufhebung des Urteils geführt haben bzw. ob der gewaltsame Tod von Josef Städtner letztlich geklärt werden konnte, ist unklar. Doch lässt sich aus dem Prozess bzw. der Zeugeneinvernahme etwas über die Stellung der Familie Städtner im Sozialgefüge des Ortes herauslesen. Während des Prozesses wurde etwa auch der damalige Bürgermeister Dominik Bachmayer 73 einvernommen und allgemein zur Familie Städtner befragt, worauf er, um Neutralität bemüht, angab, er könne nichts Negatives über die Familie sagen, allerdings  seien sie „eigene Leute“. Wenn also die Mitglieder der Familie Städtner schon vor diesem Vorfall als eigenbrötlerisch und anders angesehen wurde, so hat sich deren Ansehen bzw. Stellung im Gemeinschaftsleben durch diesen Mordfall wohl keinesfalls verbessert – eher dürfte das Gegenteil der Fall gewesen sein. Vielleicht liegt hierin auch der Grund für die Heirat Städtners innerhalb der Familie.

Tatsächlich beschränkte sich Städtners Wohltätigkeit nicht nur auf Kettlasbrunn, sondern auch andere Orte bzw. Einrichtungen profitierten von Ihrer Großzügigkeit. So stiftete sie etwa für die Kapelle des 1909 eröffneten Mistelbacher Bezirkskrankenhauses ein mit Glasmalerei verziertes Fenster74 und war auch großzügige Unterstützerin des während des 1. Weltkriegs an verschiedenen Standorten in Mistelbach bestehenden Vereinsreservespitals des Roten Kreuzes. Als Beispiele für ihr soziales Engagement können ihre Unterstützung für das Rote Kreuz und den Versorgungsfonds für Kriegswitwen und -waisen des Bezirks während und nach dem 1. Weltkrieg  gelten, sowie die in den Jahren 1912 und 1913 von ihr finanzierten Ausflüge für Kinder aus dem Bezirkswaisenhaus Mistelbach nach Kettlasbrunn, bei dem die Kinder auch verköstigt wurden und im Garten ihrer Villa spielen durften.75 Darüber hinaus engagierte sich in der Kriegsfürsorge und spendete kleine Aufmerksamkeiten als Weihnachtsgeschenke für die Soldaten im Felde und Schuhe für bedürftige Kinder, deren Väter eingerückt waren.76 In den Kriegswintern 1914/15 und 1915/16 wurde in der Kettlasbrunner Schule von den Mädchen und jungen Frauen des Orts wärmende Kleidung (Socken, Fäustlinge, Ohrenwärmer, Leibbinden, Pulswärmer etc.) für die Frontsoldaten hergestellt. Städtner unterstützte dieses patriotische Projekt immer wieder durch großzügige Materialspenden77 und aus diesem Grund wurde ihr im Juli 1916 der allerhöchste Dank für die Unterstützung dieser Fürsorgeaktion seitens des k.k. Ministers für Kultur und Unterricht ausgesprochen.78

Besonders profitierte auch die Gemeinde Bullendorf von Städtners Freigiebigkeit. Zuvor bestand hier nur eine kleine Kapelle und der Neubau einer Filialkirche der Pfarre Wilfersdorf wurde von Frau Städtner durch Sach- und Geldspenden großzügig unterstützt. Unter anderem erklärte Städtner sich anlässlich der Planung des Neubaus im Jahre 1910 bereit für diese Kirche einen Hochaltar samt Bild und sechs Leuchtern zu spenden.79 Der Baubeginn der Kirche verzögerte sich jedoch etwas, und schließlich sorgte der Erste Weltkrieg dafür, dass die neue Kirche erst im September 1919 endgültig fertiggestellt und geweiht werden konnte.80 Als Dank für ihre großzügige finanzielle Hilfe beim Bau der neuen Kirche wurde Städtner bereits im September 1911 das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Bullendorf verliehen.81 Außerdem  stiftete Städtner dem katholisch-deutschen Burschenverein „Edelweiß“ in Bullendorf im Jahre 1913 eine Fahne und war als Fahnenpatin besonderer Ehrengast bei der im Rahmen des Gründungsfests erfolgten Fahnenweihe.82

7. September 1913: Maria Städtner (rotes X) bei der Fahnenweihe des Burschenvereins "Edelweiß" in Bullendorf
7. September 1913: Fahnenpatin Maria Städtner (rotes X) bei der Weihe der neuen Fahne des Burschenvereins „Edelweiß“ in Bullendorf

 

Die Kirche von Bullendorf zu deren Errichtung Maria Städtner einen erheblichen finanziellen Beitrag leisteteDie Kirche von Bullendorf zu deren Errichtung Maria Städtner einen erheblichen finanziellen Beitrag leistete

Der von Maria Städtner gestiftete Hochaltar in der Bullendorfer Kirche. An der linken Seite findet sich eine übermalte Inschrift, die auf die Stifterin hinweist.Der von Maria Städtner gestiftete Hochaltar in der Bullendorfer Kirche. An der linken Seite findet sich eine übermalte Inschrift, die auf die Stifterin hinweist.83

Schon zuvor hatte zum Dank für ihre großzügige finanzielle Hilfe der Kettlasbrunner Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) am 3. Mai 1910 den Beschluss gefasst Maria Städtner zur Ehrenbürgerin zu ernennen. Die feierliche Überreichung einer entsprechenden Urkunde erfolgte schließlich im Juli desselben Jahres.84 Als Dank für die zuteilgewordene Ehrenbürgerwürde ließ Städtner eine Straßenbeleuchtungsanlage errichten, die noch vor Ablauf des Jahres 1910 in Betrieb genommen werden konnte. Weiters wurde Städtner in Würdigung ihrer Unterstützung vom Militärveteranenverein und der Freiwilligen Feuerwehr zum Ehrenmitglied ernannt. Auch seitens der katholischen Kirche wurde sie 1909 durch die Verleihung des päpstlichen Ehrenkreuzes „ecclesia et pontifice“, der höchsten Auszeichnung, die eine Frau bis in die 1990er Jahre seitens der Katholischen Kirche verliehen bekommen konnte, geehrt.85

Das Verhältnis der großen Gönnerin der Pfarre zu den im Laufe der Jahre in Kettlasbrunn wirkenden Pfarrern war jedoch nicht immer ganz friktionsfrei. Gemäß dem Grundsatz „wer zahlt schafft an“ spielte Städtner in der Pfarre eine gewichtige Rolle und trat gegenüber den hochwürdigen Herren sehr selbstbewusst und bestimmt auf.
So kam es etwa zu Streitigkeiten bzgl. der Renovierung der alten, aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammenden, Sebastiani-Statue, die Städtner verhindern wollte, da sie eine neue Statue zu Ehren des Kirchenpatrons errichten wollte und dies schließlich auch in die Tat umsetzte. Der Pfarrer ließ sich jedoch nicht davon abhalten die alte Statue restaurieren zu lassen, was zur Folge hatte, dass Städtner auch aufgrund persönlicher Animositäten erfolgreich Druck auf die Gemeindevertretung und die Vereine ausübte, der Einweihung der renovierten Statue am neuen Standort fernzubleiben. Teilweise wurden die auch auf persönlicher Ebene geführten Konflikte zwischen einem Pfarrer und Städtner auch vor Gericht ausgetragen. Die finanzielle Situation der Pfarrer war damals davon abhängig wie die Pfarre ausgestattet war, denn von deren Einkünften, etwa aus Grundverpachtung, Kollekte, etc., musste der laufende Betrieb der Kirche, Renovierungen und der Lebensunterhalt des Pfarrers (und etwaigen sonstigen geistlichen Personals (zB Kapläne)) bestritten werden. Offenbar war es so, dass es im Laufe der Jahre Pfarrer (bzw. provisorische Leiter der Pfarre) gab, die sich von Städtner finanziell „aushalten“ ließen und ihr in vielen pfarrlichen Belangen freie Hand gewährten. Sie war auch im Besitz eines Schlüssels zum Pfarrhof und konnte über diesen bzw. den zugehörigen Garten, die unmittelbar neben ihrer Villa lagen, teils recht frei verfügen. Kam jedoch ein Pfarrer nach Kettlasbrunn der nicht auf ihre Unterstützung angewiesen war bzw. sich nicht von ihr abhängig machen wollte und sich ihrem Willen widersetzte, dann kam es zu den teils oben bereits geschilderten Konflikten.

Die 1910 von Maria Städtner gestiftete neue Sebastiani-StatueDie 1910 von Maria Städtner gestiftete neue Sebastiani-Statue

Eine für ihr weiteres Leben schicksalhafte Bekanntschaft machte Städtner im Jahr 1913 als der ursprünglich aus dem Münsterland (Deutsches Reich) stammende und dem Orden der Steyler Missionare angehörende Priester Gerhard Altemöller (*1860, †1937) als Pfarrer in Kettlasbrunn investiert wurde. Zwar wechselte dieser schon Anfang 1915 als Pfarrer nach Wilfersdorf, wo er bis zu seiner Pensionierung wirkte, allerdings blieb er Städtner auch im nahegelegenen Wilfersdorf verbunden. Altemöller gehörte allem Anschein und den Angaben seines Nachfolgers in der Pfarrchronik nach zu jener Gruppe von Pfarrern, die sich von Städtner finanziell „aushalten“ ließen und auch die 1919 endlich fertiggestellt Bullendorfer Kirche gehörte zu seinem späteren Pfarrgebiet.

Städtners Freigiebigkeit, die sie während des Ersten Weltkriegs auch durch die Zeichnung von Kriegsanleihen in hohen Beträgen zeigte, die jedoch nach dem verlorenen Krieg wertlos waren und die einsetzende Geldentwertung, die Anfang der 1920er Jahre ihren Höhepunkt fand, führten schließlich dazu, dass von ihrem einst großen Vermögen nur mehr wenig übrig blieb. Schließlich verkaufte Städtner ihren letzten Besitz in Form ihrer beiden Häuser ca. 1921 an Pfarrer Altemöller und dieser nahm sie in den Wilfersdorfer Pfarrhof auf, wo sie ihren Lebensabend verbringen wollte. Ihre Lebensumstände dort wurden 1923 in mehreren Artikel in dem regionalen sozialdemokratischen Wochenblatt „Volksbote“ thematisiert und dieser Bericht wurde wenig später auch in der bundesweit erscheinenden sozialdemokratischen „Arbeiter-Zeitung“86 bzw. anderen regionalen sozialdemokratischen Wochenblättern87 abgedruckt. Darin wird geschildert, dass Städtner im Pfarrhof in einer kleinen ungeheizten Kammer hausen musste, körperlich verwahrlost sei und auch nur sehr spärliche Verpflegung erhalte. Laut der sozialdemokratischen Presse sei sie auch mit der Angst vor dem Fegefeuer zum einem deutlich unter Wert erfolgen Verkauf ihrer Häuser an Pfarrer Altemöller gedrängt worden. Zur Beschreibung des Charakters des Wilfersdorfer Pfarrers wurde auf Gerichtsprozesse verwiesen in die Altemöller in der Vergangenheit verwickelt gewesen sein soll, und die sich angeblich um den Tatbestand der Wucher bzw. Preistreiberei gedreht haben sollen. In der Zwischenkriegszeit standen sich die katholische Kirche, die eng mit der christlich-sozialen Partei verbunden war und mittels derer Geistliche auch höchste politische Ämter bekleideten, und die Sozialdemokratische Partei Deutschösterreichs (SDAP) als politische Antagonisten feindselig gegenüber. Grundsätzlich ist den Schilderungen der Parteipresse jedweder politischen Richtung stets mit skeptischer Vorsicht zu begegnen, da in der Zwischenkriegszeit sehr aggressiv agitiert wurde und der Wahrheitsgehalt der Aussagen nicht (mehr) überprüfbar ist. Nach Städtners Ableben wurden die oben erwähnten Vorwürfe zu ihren Lebensverhältnissen im Wilfersdorfer Pfarrhof und die Umstände ihrer Einlieferung ins Mistelbacher Krankenhaus im „Volksbote“88 unter der Schlagzeile „Von der reichen Villenbesitzerin zur bettelarmen Ausnehmerin“ erneut sehr scharf kritisiert und Pfarrer Altemöller sah sich zur Veröffentlichung einer Gegendarstellung des Sachverhalts (aus seiner Sicht) in der christlich-sozialen Wochenzeitung „Neues Wochenblatt für das Viertel unter dem Manhartsberg“ gezwungen.89 Laut seiner Schilderung hätte Städtner ihm ihre beiden Häuser bereits während seiner Zeit als Pfarrer in Kettlasbrunn mehrfach als Geschenk angeboten, dies habe er stets abgelehnt. Später habe er die Häuser nur gekauft, um der Frau in ihrer schwierigen finanziellen Situation zu helfen, da es ihr damals bereits an Geld für Lebensmittel mangelte und er sie mitversorgt habe. Auch die Vorwürfe bzgl. der schlechten Unterbringung bzw. Verpflegung wies er zurück: Frau Städtner sei freiwillig zu ihm in den Pfarrhof gezogen und habe Hilfe bei der Körperhygiene stets schroff abgelehnt, ebenso wie die angebotene Kost, zugunsten der von ihr bevorzugten einfacher, einseitiger Küche. Auch habe er sie stets vor ihrem leichtfertigen und naiven Handeln in finanziellen Fragen gewarnt und zur Sparsamkeit gemahnt, allerdings sei er damit nicht durchgedrungen. Jedenfalls hatte Altemöller die Häuser vermietet bis er nach seinem Übertritt in den Ruhestand 1935 selbst in die Kettlasbrunner Villa einzog. Nach seinem Tode vermachte er die Städtner-Villa der Pfarre Kettlasbrunn, allerdings wurde das Haus zunächst weiterhin von Altemöllers Haushälterin bewohnt, da er dieser ein über seinen Tod hinaus gültiges lebenslanges Wohnrecht eingeräumt hatte.

Am 2. März 1928 verstarb Maria Städtner im Alter von 76 Jahren an Altersschwäche (Herzlähmung) im Mistelbacher Krankenhaus, in das sie einige Tage zuvor eingeliefert worden war. Ihre sterblichen Überreste wurden nach Kettlasbrunn überführt, wo diese drei Tage später im Rahmen eines feierlichen Begräbnisses mit allen Ehren auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt wurden.90 Das Grab existiert nicht mehr, allerdings erinnert heute eine an der Aufbahrungshalle angebrachte Gedenktafel an das wohltätige Wirken von Maria Städtner.

Gedenktafel für Maria Städtner an der AufbahrungshalleGedenktafel für Maria Städtner an der Aufbahrungshalle

Im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen in Kettlasbrunn im Jahre 2004 wurde auch die Benennung der Städtnerstraße zur Erinnerung an die große Gönnerin des Ortes und Ehrenbürgerin Maria Städtner beschlossen.

Wo befindet sich die Städtnerstraße?

 

Bildnachweis:
-) Fotos Denkmäler und Gedenktafel in Kettlasbrunn und Kirche Bullendorf © 2021 Thomas Kruspel
-) Foto Feierlichkeit Bullendorf (Besitzerin Frau Elfriede Kindl) bzw. Dank an das Team der Topothek Wilfersdorf /Bullendorf
-) Verwendung der Ansichtskarte von Kettlasbrunn mit freundlicher Genehmigung des Besitzers Herrn Stadtrat a.D. Josef Rath bzw. Dank an das Team der Topothek Mistelbach/Kettlasbrunn

Quellen:

Städtnerstraße (Kettlasbrunn)

Von Thomas Kruspel 30. Juli 2021 Aus

Im Zuge der Einführung offizieller Straßennamen in Kettlasbrunn mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderats vom 14. Dezember 2004 wurde diese Straße nach Frau Maria Städtner, Ehrenbürgerin Kettlasbrunns und große Gönnerin der Gemeinde und Pfarre, benannt. Gemäß dem oben angeführten Beschluss lautete der Straßenname zunächst jedoch „Stättnerstraße“ und wurde erst im Jahre 2009 zu „Städtnerstraße“ korrigiert. Die Straße führt am einstigen Wohnsitz von Frau Städtner und der von ihr davor errichteten Sebastiani-Statue vorbei, ehe sie sich in ihrem Verlauf zur Hintausstraße und Grenze des Ortsgebiets wandelt.

Wo befindet sich die Städtnerstraße?

 

Quellen:
-) Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 14.12.2004
-) Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 3.7.2009

Am Gassl (Siebenhirten)

Von Thomas Kruspel 29. Juli 2021 Aus

Der von der Dorfstraße abzweigende und für den Verkehr gesperrte Fußweg „Am Gassl“ entstand zur Mitte des 19. Jahrhunderts (etwa zwischen 1821 und 1862), nachdem der hier einst einen kleinen Bogen machende Mistelbach umgeleitet und das alte Bachbett zugeschüttet wurde.56 Der Verlauf der Mistel wurde so verändert, dass diese oberhalb des Gemeindegasthauses abzweigte und nunmehr vor der Häuserzeile zwischen Gasthaus (Nr. 81/Dorfstr. 11) und Viehhalterhaus (Nr. 66/Dorfstr. 6) verlief und zwischen „neuem“ Bachbett und der Front dieser Häuser wurde ausreichend Platz für einen Fahrweg belassen. Es handelte sich dabei um eine frühe Maßnahme der Mistelregulierung, ehe der Bach Ende der 1920er Jahre im gesamten Gemeindegebiet begradigt und in ein trapezförmiges Korsett gezwängt wurde. Vielleicht nutzte man für diese frühe Korrektur des Bachlaufs die große Trockenheit während des Jahres 1834, als das Bachbett über Monate hinweg völlig ausgetrocknet war.91

Nachfolgend die Darstellung des Verlaufs der Mistel im Franzeischen Kastaster aus dem Jahre 1821. Das Gemeindewirtshaus ist auf dieser Darstellung als öffentliches Gebäude rot und mit der Hausnr. 81 eingezeichnet.

Untenstehend der heutige Verlauf des Bachs (links) vor dem Gasthaus (Dorfstr. 12 (inkl. dem angebauten Feuerwehrhaus Nr. 11)) und im Vergleich zu obiger Karte ist gut zu erkennen, dass das der heutige Weg in seinem Verlauf genau dem einstigen Bachlauf entspricht.

 

Seit jeher wurde dieser Weg schlicht als „Gassl“ bezeichnet und so erhielten im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Siebenhirten im Jahre 2001 einige der daran angrenzenden Häuser die Adressbezeichnung „Am Gassl“.92

Quellen:

Lang, Franz

Von Thomas Kruspel 28. Juli 2021 Aus

Stadtrat Franz Lang

Stadtrat Franz Lang

* 24.2.1892, Mistelbach
† 29.11.1965, Mistelbach

Franz Lang wurde 1892 als Sohn des Gärtners der hiesigen Landessiechenanstalt Alois Lang und dessen Gattin Katharina, geb. Deisch, in Mistelbach geboren.93 Sein Vater, der aus Prag zuzog und bald nach der Eröffnung des Siechenhauses (1886) hierherkam, schuf auch die Pläne für die in den 1890ern durch den „Verschönerungsverein 1885“ angelegten Parkanlagen (Stadtpark bzw. Liechtensteinanlage (Kirchenberg).94 Zusammen mit seinen Eltern und zwei älteren Brüdern wuchs Lang in einer Dienstwohnung in der Landessiechenanstalt, die sich einst auf dem Areal des heutigen Pflege- und Betreuungszentrums Mistelbach (Franziskusheim) befand, auf. Nach der Pflichtschulbildung an der Mistelbacher Volks- und Bürgerschule ergriff er wie sein Vater den Beruf des Gärtners und folgte diesem, wohl noch vor dem Ersten Weltkrieg, auch als Gärtner der Landessiechenanstalt nach.95

In den vom k. u. k. Kriegsministerium herausgegebenen Verlustlisten findet sich im März 1918 ein in Mistelbach geborener Franz Lang angeführt, allerdings unter Angabe des Geburtsjahrgangs 1891.96 Da im Jahr 1891 in Mistelbach jedoch keine Person dieses Namens geboren wurde, dürfte es sich hierbei wohl um einen Fehler handeln und es erscheint als sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei tatsächlich um den 1892 geborenen Franz Lang handelt, der Gegenstand dieses Beitrags ist. Demzufolge dürfte Franz Lang bei der 4. Kompanie des Infanterieregiments Nr. 84 gedient haben und Anfang 1918 nahe der russischen Stadt Nowosil in Kriegsgefangenschaft geraten sein. Die Meldung seiner Gefangennahme dürfte allerdings erst mit Verspätung eingetroffen bzw. veröffentlicht worden sein, denn zum Zeitpunkt der Bekanntmachung, Ende März 1918, war der mit Russland geschlossene Friedensvertrag bereits seit einigen Wochen in Kraft. Seine Kriegsteilnahme ist auch durch die im April 1940 erfolgte Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer belegt, mittels der die „Helden“ aus dem Ersten Weltkrieg geehrt und deren Mut und Opferbereitschaft als Vorbild für die aktuelle Kriegergeneration angepriesen wurde.97

Nach seiner Heimkehr kehrte Lang wieder an seinen Posten bei der Mistelbacher Landessiechenanstalt zurück und schloss am 20. Juli 1922 den Bund der Ehe mit Hermine Simperler und dieser Verbindung entstammten ein Sohn (Franz, *1922) und eine Tochter (Emma, *1924).98 Auch mit seiner jungen Familie wohnte er zunächst in einer Dienstwohnung in der Landessiechenanstalt und im Juli 1939 erwarb er schließlich das unweit seines Dienstorts gelegene Haus Liechtensteinstraße Nr. 42 (Ecke Südtirolerplatz/Liechtensteinstraße) in der ehemaligen Flüchtlingssiedlung.99

1921 trat Lang dem 1864 gegründeten Männergesangsverein Mistelbach bei und führte diesen ab 1923 als Obmann zu neuer Blüte.100 Im Jahre 1934 kam es zu einer Fusion dieses Vereins mit dem zeitgleich bestehenden Musik- und Gesangsverein und Lang wurde zum Obmann der neuen Vereinigung gewählt, ein Amt, das er bis zur endgültigen Einstellung der Vereinstätigkeit im Frühjahr 1945 innehatte.101 Lang war weiters bei der „Mistelbacher Urania“, einer Volksbildungseinrichtung (Vorläufer der Volkshochschulen) engagiert102 und insbesondere auch im „Verschönerungsverein 1885“ aktiv und ab Anfang der 1930er Jahre auch dessen Obmann.103 In letzterer Funktion war er stets bemüht das Stadt- und Straßenbild seiner Heimatstadt ansehnlicher zu gestalten und die Aufstellung der 1945 abgebrochenen Statue des griechischen Gottes Hermes vor der damaligen gewerblichen Fortbildungsschule (heute: Polytechnische Schule) war seinem rastlosen Wirken geschuldet. Bei der Aufstellung dieser Hermes-Statue galt es Widerstände zu überwinden, denn einige Gemeindevertreter nahmen Anstoß an der Nacktheit des Dargestellten. Nach einiger Verzögerung und zähem Ringen wurde die Statue schließlich mit einem die Scham bedeckenden Bruchband aufgestellt. Bei diesem Kompromiss handelte es sich in den Augen von Lang um einen Kunstfrevel, dem er nur zähneknirschend zustimmte. Gemeinsam mit Fritz Bollhammer war Lang übrigens auch Autor der 1934 vom Verschönerungsverein herausgegebenen Werbebroschüre „Die Stadt Mistelbach an der Ostbahn, im Viertel unter dem Manhartsberg (Nordöstliches Weinland)“, die den ersten Versuch darstellte Mistelbach auch touristisch zu positionieren. Darüber hinaus war Lang (mindestens) zwischen 1929 und 1933 als gewählter Vertreter im „Bund der niederösterreichischen Landesangestellten“ in der Berufsvertretung aktiv.104

Aufgrund seines vielseitigen Engagements im Gemeinschaftsleben der Stadt wundert es kaum, dass er bald auch auf dem Feld der Kommunalpolitik aktiv wurde und so zog er anlässlich der Gemeinderatswahl im November 1929 als Kandidat der „Ständepartei“ in den Mistelbacher Gemeinderat ein. In Mistelbach hatten sich die Großdeutschen vor dieser Wahl in zwei Gruppen aufgespalten: die „Ständepartei“, den bürgerlicher Teil der Großdeutschen (hauptsächlich bestehend aus Gewerbetreibenden und Beamten) und den „deutschvölkischen Block“, der wie der Name nahelegt, einen radikalen Deutschnationalismus verfolgte und von Anhängern der NSDAP angeführt wurde. Als Vertreter des Gemeinderates wurde Lang in den Verwaltungsausschuss des Bezirks-Krankenhauses und in den Ortsschulrat (1932-1939) entsandt. Im Juni 1931 wurde er schließlich zum Obmann der III. Sektion (Feuerwehr- und Friedhofsangelegenheiten) gewählt105, und obwohl er nicht dem Gemeindevorstand angehörte, soll neben Vizebürgermeister Dr. Steinbauer, auch Gemeinderat Lang in der Folge den häufig kränkelnden und bereits betagten Bürgermeister Josef Dunkl vertreten haben.106 Lang gehörte dem Gemeinderat (ab 1934 „Gemeindetag“) bis zu dessen Auflösung durch Beschluss der neuen nationalsozialistischen Machthaber am 13. März 1938 an.

Franz Lang als Mitglied des Gemeindetages im Jahre 1935 (rotes x)Franz Lang als Mitglied des Gemeindetages im Jahre 1935 (rotes x)

Nachdem das Dollfuß-Regime KPÖ, NSDAP und SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs) verboten hatte, wurden die verbliebenen politischen Kräfte (Christlich-soziale und Rest-Großdeutsche) in der Einheitspartei „Vaterländische Front“ (V.F.) gesammelt, der auch Lang angehörte. Ab 1937 scheint er als Hauptgruppenleiter, also Obmann, der Vaterländischen Front in Mistelbach auf.107 Inwiefern Lang als ehemaliger Anhänger der Großdeutschen sich tatsächlich für die „Vaterländische Idee“ (= der Erhalt der Selbstständigkeit Österreichs auf Basis christlich-ständischer Ordnung) bzw. den Führerkult um Dollfuß begeisterte oder die Betätigung in der V.F. eher aus opportunistischen Gründen erfolgte, bleibt unklar. Letzteres legt die Schilderung der oben bereits erwähnten Schwierigkeiten bei der Aufstellung der Hermes Statue unter dem Titel „Vom Leidensweg eines Kunstwerks“ in einem im Juli 1939 erschienenen Zeitungsartikel in der Regionalzeitung Grenzwacht nahe. Darin ist zu lesen, dass gerade in jener Zeit als er noch für dessen Aufstellung kämpfte, sich die Ermordung von Dollfuß durch nationalsozialistische Putschisten im Juli 1934 ereignete und im Zug eines vom Regime propagierten Totenkults rund um den ermordeten Führer des Ständestaats, tauchte auch bald die Idee auf, anstelle des Bildnisses von Hermes eine Dollfuß-Büste auf dem Conrad Hötzendorf-Platz (heute: Europaplatz) aufzustellen. Dies gefährdete Langs Plan für die Gestaltung des Platzes und laut eigenen Angaben habe er die Organisation rund um die angeregte Dollfuß-Büste lediglich an sich gezogen, um diese zu vereiteln. Und tatsächlich stand wenig später statt Dollfuß der „bedeckte“ Hermes auf dem Platz vor der gewerblichen Fortbildungsschule. Unter den Nationalsozialisten, die sich in ihrem Körperkult durchaus an den Schönheitsidealen der Antike orientierten, wurde schließlich das Bruchband entfernt und die Statue zeigte sich nunmehr in ihrem Originalzustand. Die (angebliche) Sabotage der Sammlung für eine Dollfuß-Büste dürfte wohl hauptsächlich aus eigensinnigen Beweggründen, nämlich zum Zwecke der Durchsetzung seiner Idee für die Gestaltung des Platzes erfolgt sein. Inwiefern dabei auch politische Beweggründe eine Rolle spielten ist fraglich, zweifellos versuchte Lang sich durch die im Artikel geschilderten Begebenheiten den neuen nationalsozialistischen Machthabern anzubiedern bzw. seine Rolle als führender Funktionär in der den Nazis verhassten Vaterländischen Front zu relativieren.108

Das von Lang initiierte und 1945 abgebrochene Hermes-Denkmal vor der gewerblichen Fortbildungsschule (heute: Polytechnische Schule)Das von Lang initiierte und 1945 abgebrochene Hermes-Denkmal vor der gewerblichen Fortbildungsschule (später Berufsschule, heute: Polytechnische Schule)

Seinen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP stellte er jedenfalls bereits im Juni 1938. Doch da es damals natürlich eine Vielzahl an Interessenten gab, galt eine Aufnahmesperre und erst mit 1. Jänner 1940 wurde Lang daher mit der Mitgliedsnummer 8,507.321 in die Partei aufgenommen.109 Wäre er in den Augen der Nationalsozialisten tatsächlich ein „Vaterländischer“ gewesen, wäre er wohl kaum in die NSDAP aufgenommen worden. Im Gegenteil: als Leiter der Vaterländischen Front in Mistelbach hätte er zweifellos Repressalien zu befürchten gehabt, wäre seine „nationale“ Gesinnung nicht über jeden Zweifel erhaben gewesen. Die bald nach dem Anschluss eingeführte nationalsozialistische Gemeindeordnung verwirklichte das Führerprinzip auch auf Gemeindeebene in der Person des Bürgermeisters, der die alleinige Entscheidungsgewalt innehatte und nicht mehr auf die Zustimmung oder Mitwirkung eines Kollegial- bzw. Kontrollorgans angewiesen war. Dem nationalsozialistischen Bürgermeister waren jedoch zwei Gremien beigegeben, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen bzw. beraten sollten. Einerseits die Beigeordneten (in Städten auch Stadträte genannt), die den Bürgermeister bei der Wahrnehmung der administrativen Verwaltungsaufgaben unterstützten bzw. ihn gegebenenfalls vertraten und die Gemeinderäte (in Städten Ratsherren genannt) die eine Art Sprachrohr zum Volk bildeten und über die Anliegen der Bürger an die Gemeindeverwaltung heranzutragen waren bzw. deren Meinung bei bestimmten Vorhaben anzuhören war. Entgegen anderslautender Angaben wurde Lang nicht erst 1944 von NS-Bürgermeister Huber als Ersatz für einen zur Wehrmacht eingezogenen Gemeinderat berufen und somit zum Ratsherrn ernannt, sondern er scheint in dieser Funktion bereits 1942 auf. Als Ratsherr wirkte Lang bis zum Untergang des NS-Regimes.110 Jedenfalls 1939 scheint Franz Lang außerdem Gemeindegruppenführer der Mistelbacher Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes – des zivilen Luftschutzverbandes, der die Bevölkerung auf das richtige Verhalten bei Luftangriffen bzw. den Umgang mit den Folgen (Verletzte, Brände, Gas, etc.) vorbereiten sollte, auf.111

Neben seiner Beschäftigung als angestellter Gärtner beim Landessiechenhaus hatte sich Lang gegen Ende des Krieges einen Betrieb als selbstständiger (Handels-)Gärtner gegenüber seines Dienstorts, unterhalb der Liechtensteinstraße (heute: Wohnhausanlage), aufgebaut. Dieses weitläufige Ackergrundstück, das jedenfalls bis zur Landesbahnstrecke reichte, hatte er bereits im Jahre 1930 käuflich erworben.112 Ob mit der erfolgreichen Selbstständigkeit sein Beschäftigungsverhältnis als Landesangestellter endete, oder ob dieses fortdauerte und/oder seine Mitgliedschaft in der NSDAP nach dem Krieg diesbezüglich negative Konsequenzen hatte, ist unklar.113 Nach 1945 wurden die ehemaligen Mitglieder der NSDAP registriert und besonders belastete Nazis mussten sich in einem Verfahren vor sogenannten Volksgerichten verantworten. In einem Bericht aus der ÖVP-Zeitung „Volks-Presse“, heißt es, dass die damals kommunistisch-sozialistisch dominierte Stadtregierung im September 1945 beschloss: „Herrn Gärtner Lang die Gärtnerei bis zur gerichtlichen Erledigung seiner Parteiangelegenheit zu führen“.114 Auch in einem anlässlich seines 70. Geburtstags erschienenen Portraits heißt es dort etwas kryptisch: „In den ersten Nachkriegsjahren musste Lang sein Lebenswerk gegen mißgünstige Zeitgenossen verteidigen.“115 Da im Landesarchiv Wien, dass die Volksgerichts-Akten vom Oberlandesgericht Wien übernommen hat, kein Akt zu einem Verfahren betreffend Lang vorhanden ist, scheint es kein Verfahren vor dem Volksgericht gegen ihn gegeben zu haben. Möglich wäre allerdings, dass Lang angezeigt wurde und die Voruntersuchung aufgrund falscher Anschuldigung bzw. in Ermangelung vorwerfbarer Handlungen eingestellt wurde. Schließlich war Lang weder illegales Mitglied, noch Funktionär der NSDAP und auch dürfte er keine Verbrechen gegen die Menschenwürde verübt haben (die drei wesentlichen Punkte zu denen Prozesse vor den Volksgerichten geführt wurden). Weder die Tätigkeit als Ratsherr der Stadt, das kein Parteiamt darstellte und mit dem auch keinerlei Entscheidungsgewalt verbunden war, noch das Engagement im Reichsluftschutzbund, stellen eine ausreichende Grundlage für ein gerichtliches Verfahren dar. Zwar wurde der Reichsluftschutzbund 1944 in die NSDAP überführt, und Lang hätte somit als Funktionär angesehen werden können, doch auch dies scheint selbst für eine Voruntersuchung eine zu dürftige Ausgangsposition gewesen zu sein. Lang dürfte die Führung seines Betriebs also bald wieder übernommen zu haben. Trotzdem sich in der Unternehmerschaft Mistelbachs viele andere, teils hochrangige Nationalsozialisten fanden, ist kein anderer Fall überliefert in dem die Gemeinde ein anderes privates Unternehmen zeitweilig übernommen und geführt hätte.

Der langjährige Dienstort von Franz Lang: das einstige Landessiechenhaus in der Liechtensteinstraße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erkennbar die Beete der Gärtnerei Lang. Aufgenommen 1965, dem Sterbejahr Langs.Der langjährige Dienstort von Franz Lang: das einstige Landessiechenhaus in der Liechtensteinstraße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erkennbar die Beete der Gärtnerei Lang. Aufgenommen 1965, dem Sterbejahr Langs.

Bei den ersten Gemeinderatswahlen nach dem Krieg im Mai 1950 wurde Lang als Kandidat der Österreichischen Volkspartei in den Mistelbacher Gemeinderat gewählt. Im Zuge der konstituierenden Gemeinderatssitzung hatten ihn seine Parteikollegen auch als Bürgermeisterkandidaten vorgeschlagen, Lang hatte dies jedoch abgelehnt.116 Allerdings wurde Lang als geschäftsführender Gemeinderat (=Stadtrat) gewählt und war als Markt-, Feuerwehr-, Friedhofs- und Parkreferent, Vorsitzender der für diese Bereiche zuständigen Sektion. Besondere Verdienste erwarb sich Stadtrat Lang beim Bau der 1957 eröffneten Markthalle („Sauhalle“, Vorgängerbau des Stadtsaals), dem 1960 eingeweihten Neubau des heutigen Feuerwehr- und Garagengebäudes und im Bereich der Friedhofsgestaltung bzw. -verwaltung. Doch beschränkte sich Lang keineswegs auf diese Themenfelder, sondern regte auch in vielen anderen Gebieten der Gemeindearbeit Verbesserungen an, die bereitwillig aufgegriffen und umgesetzt wurden.117 Darüber hinaus war Stadtrat Lang auch Ansprechpartner für die Siedler in der Totenhauersiedlung, die aufgrund der Abgeschiedenheit bzw. Entfernung zum Stadtgebiet mit besonderen Herausforderungen (bspw. Wasserversorgung) konfrontiert waren. Ab 1952 gehörte Lang auch dem Verwaltungsrat der Sparkasse der Stadt Mistelbach an, ab 1957 dem Vorstand dieser Institution und ab 1958 bekleidete er schließlich das Amt des Vorsitzenden des Vorstandes.118 In letzterer Funktion war er maßgeblich an der Sicherstellung der Finanzierung zahlreicher Gemeindeprojekte über die Grenzen seiner Zuständigkeit als Stadtrat hinaus, beteiligt.119 Nach insgesamt 20 Jahren in der Gemeindevertretung, zog er sich 1960 aus dieser Funktion zurück120 und anlässlich seines Ausscheidens aus dem Gemeinderat beschloss selbiger am 15. Juni 1960 ihm für sein langjähriges verdienstvolles Wirken im öffentlichen Leben den Ehrenring der Stadt Mistelbach zu verleihen.121

Auch im Vereinsleben nach dem Zweiten Weltkrieg war Stadtrat Lang an führender Stelle tätig: er war Mitglied im Ortsbauernrat, Obmannstellvertreter des Jagdausschusses und gehörte dem Ausschuss zur Wiedergründung des Musik- und Gesangsvereins an und wurde auch zu dessen Ehrenobmann ernannt. Äußerst aktiv war er außerdem im Verein „Volkshochschule – Kultur- und Verschönerungsverein“, dem Nachfolger zweier Vereine bei denen er bereits in der Zwischenkriegszeit aktiv war. 1955 initiierte Stadtrat Lang das jährlich um Allerheiligen stattfindende „Heldengedenken“ auf dem Friedhof – die Gedenkfeier der Stadt für die Toten beider Weltkriege.122 Auch in der Vertretung seines Berufsstandes, war er auf Bezirks- und Landesebene in der Landes-Gartenbauvereinigung für Niederösterreich123, sowie in der nö. Landwirtschaftskammer, engagiert. Laut einem Zeitungsbericht gedachte Gärtnermeister Lang sich 1962, anlässlich seines 70. Geburtstags, aus dem Berufsleben zurückzuziehen, allerdings findet sich Langs Gärtnereibetrieb noch 1965, im Sterbejahr des Betriebsgründers, in Gewerbeadressbüchern, ehe die Geschäftstätigkeit endgültig endete.124 Altstadtrat Langs letzter Dienst am Gemeinwesen dürfte wohl seine Mitarbeit an der 1964 anlässlich des 90-Jahr-Jubiläums der Stadterhebung erschienenen „Mistelbacher Chronik 1914-1964“, die im Rahmen der Reihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“ veröffentlicht wurde, gewesen sein.125

Franz Lang verstarb am 29. November 1965 und wurde fünf Tage später auf dem Mistelbacher Friedhof bestattet. 1974 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat den Franz Lang-Weg im Gedenken an das gemeinnützige Wirken von Stadtrat Lang zu benennen.

Wo befindet sich der Franz Lang-Weg?

 

Bildnachweis:
Portrait Lang: Volks-Post, Nr. 8/1962, S. 4
Gemeinderat 1935 & Hermesdenkmal (gewerbliche Fortbildungsschule): Stadt-Museumsarchiv Mistelbach
Landessiechenhaus: aus der Sammlung von Frau Rehrmbacher

Quellen:
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 15/1960, S. 1f (Anm.: hier wird der Zeitpunkt des Zusammenschlusses der beiden Gesangsvereine fälschlicherweise mit 1929 angegeben.)
-) Volks-Post, Nr. 8/1962, S. 4
-) Mitteilung der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 117 (Dezember 1965), S. 3

Zickl, Alexander

Von Thomas Kruspel 22. Juli 2021 Aus

Stadtsekretär Alexander Zickl

* 26.2.1862, Gaunersdorf (Gaweinstal)
† 13.11.1943, Mistelbach

Alexander Zickl wurde 1862 als Sohn des Franz Zickl, Wirtschaftsbesitzer und über 21 Jahre hindurch Bürgermeister der Marktgemeinde Gaunersdorf, und dessen Gattin Theresia, geb. Gartner in Gaunersdorf – wie der Name Gaweinstals vor 1917 lautete – geboren.115 Gemeinsam mit fünf Brüdern und einer Schwester wuchs er an seinem Geburtsort auf und sein Bruder Leopold Zickl sollte später das Gasthaus beim 1906 eröffneten Landesbahnhof Mistelbach (heute: GH Diesner) errichten und dieses über viele Jahre erfolgreich führen.116 Nach der grundlegenden Schulbildung absolvierte er die Mittelschule (Gymnasium oder Realschule)119, allerdings ist unklar an welchem Ort und auch über seinen Berufseinstieg ist nichts überliefert.

Als Zickl im Oktober 1886 Josefa Klaus, die Tochter eines Goldarbeiters aus der Gegend des damals ungarischen Kaschau (Košice) in Mistelbach heiratete, wird er im Trauungsbuch als Hilfsbeamter bei der k.k. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach geführt.126 Die Ehe sollte kinderlos bleiben. Danach dürfte er einige Zeit als Angestellter („Privatbeamter“) tätig gewesen sein, bevor er 1890 nach dem Ableben des bisherigen Gemeindesekretärs (auch Stadtsekretär genannt) dieses Amt übernahm und in den Dienst der Gemeinde trat.127 Als Gemeinde- bzw. Stadtsekretär wurde damals der Leiter der Verwaltung bezeichnet und somit entspricht dieses Amt etwa dem heutigen Stadtamtsdirektor.

Zickl wurde 1898 in das 14-köpfige Kuratorium gewählt, dass unter der Leitung eines Dreigespanns bestehend aus dem Finanzbeamten Fitzka, Propst Reidinger und Bezirksschulinspektor Trautzl seitens der Stadtgemeinde mit dem Aufbau des städtischen Heimatmuseums beauftragt wurde.128 Nach dem Ableben von Fitzka übernahm Zickl 1915 die (ehrenamtliche) Leitung des Museums, die er bis 1929 innehatte, und schließlich an seinen Nachfolger Fritz Bollhammer übergab.129 Doch blieb er dem Museum natürlich weiterhin verbunden und übernahm im 1930 gegründeten Verein „Freunde des Heimatmuseums der Stadt Mistelbach“ das Amt des Obmann-Stellvertreters.130 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekleidete Stadtsekretär Zickl in dem von Bezirkshauptmann Freiherr Klezl von Norberg initiierten und geleiteten „Verein zur Erbauung eines öffentlichen Krankenhauses in Mistelbach“, dessen vorrangiges Ziel die Aufbringung finanzieller Mittel zur Realisierung dieser dringend notwendigen medizinischen Einrichtung war, das Amt des Schriftführers. Darüber hinaus war er auch als Schützenrat im hiesigen Schützenverein aktiv131, zählte zu den Initiatoren des 1919 gegründeten Mistelbacher Haus- und Grundbesitzervereins und war auch dessen Obmannstellvertreter132 und weiters maßgeblich an der 1897 erfolgten Gründung des Vereins der niederösterreichischen Gemeindebeamten beteiligt, in dem er auch das Amt des Schriftführers bekleidete.133 Außerdem war er langjähriges Mitglied im Verschönerungsverein Mistelbach, dem er zumindest im Zeitraum 1908 bis 1912 auch als Obmann vorstand134 Doch schon vor seiner Obmannschaft war er eine der treibenden Kräfte im Verein und die von diesem geschaffenen Parkanlagen (Liechtensteinanlage am Kirchenberg, Stadtpark und Landesbahnpark) entstanden unter maßgeblicher Beteiligung Zickls.

Stadtsekretär Zickl hatte bereits 1890 das Haus Bahnstraße Nr. 1 an der Ecke zur Mitschastraße erworben, das er 1904 abtragen ließ. Nach dem Abbruch wurde das Grundstück geteilt und 1905 ein aus zwei Teilen bestehendes prachtvolles Wohn- und Geschäftshaus (Bahnstraße Nr. 1 und 1a) errichtet.135 Während der Aushubarbeiten anlässlich der Errichtung des Neubaus stieß man auf 25 Stück steinerne Kugeln (jede 3,19 kg schwer), mit denen wohl mittels Wurfmaschinen einst die den Markt umlaufende Befestigung bzw. das nahegelegene Wiedentor beschossen wurde bzw. werden sollte, und die, so vermutete man damals, eine Hinterlassenschaft eines feindlichen Einfalls aus dem an derartigen Ereignissen reichen 15. Jahrhundert darstellen.136 Tatsächlich war das Haus Bahnstraße Nr. 1, aber auch Standort eines weiteren interessanten steinernen Zeitzeugnisses, und zwar des „Mensch im Stein„. Diese (zunächst) fälschlicherweise als Rechtsdenkmal interpretierte steinerne Skulptur, befindet sich bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz des städtischen Heimatmuseums und gelangte durch Zickl in dessen Bestände. Der Eckteil (Bahnstraße 1) dieses im Stil des Historismus der Gründerzeit samt opulenten Verzierungen ausgeführten Doppelbaus gehörte Baumeister Dunkl, der zweifellos für die Errichtung verantwortlich zeichnete. Doch bereits drei Jahre nach der Fertigstellung ging dieser Teil in den Besitz der Familie Freund über. Der rechte, etwas kleinere Teil des einheitlich gestalteten Wohn- und Geschäftshauskomplexes mit der Adresse Bahnstraße 1a stand bis 1917, ehe er das Gebäude an die mährische Eskomptebank veräußerte, im Besitz von Alexander Zickl.137 Der beeindruckende Prachtbau am Beginn der Bahnstraße, der sich bis zur früheren Mädchenschule erstreckte, brannte während der Kampfhandlungen um Mistelbach im April 1945 völlig aus und wurde später abgebrochen. Nach dem Neubau befand sich auf Bahnstraße 1 die Buchhandlung Selinger (heute: Hafner Wittek und Pflege-daheim) und auf Bahnstraße 1a war die Sparkasse Mistelbach untergebracht, in deren Besitz sich das Haus bereits seit 1925 befand. Schließlich war hier ab Mitte der 1960er Jahre für Jahrzehnte die Geschäftsstelle der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse ansässig, ehe eine Möbelhandlung einzog. Wie dargelegt fand die Teilung des Gebäudes bereits bei dessen Errichtung statt und trotzdem sich lediglich der rechte Teil des Hauses im Besitz von Stadtsekretär Zickl fand, findet sich in geschichtlichen Beiträgen jüngeren Datums fälschlicherweise immer die Bezeichnung „Zickl-Haus“ für den gesamten Bau. Zum Zeitpunkt des Abbruchs der Brandruine 1947 wurde das Eckhaus in Zeitungsberichten im Mistelbacher Bote richtigerweise stets als „Freund-Haus“ bezeichnet.138

Links das prachtvolle (Doppel-)Wohn- und Geschäftshaus Bahnstraße 1 und 1a im Kreuzungsbereich Mitschastraße/Bahnstraße - Aufnahme: etwa um 1910Links das prachtvolle (Doppel-)Wohn- und Geschäftshaus Bahnstraße 1 und 1a im Kreuzungsbereich Mitschastraße/Bahnstraße – Aufnahme: etwa um 1910

Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1930 ist am Dach die Trennlinie zwischen den einheitlich gestalteten Häusern Bahnstraße 1 und 1a erkennbar.Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1930 ist am Dach die Trennlinie zwischen den einheitlich gestalteten Häusern Bahnstraße 1 und 1a erkennbar.

 

Die Ruine der im Krieg ausgebrannten einstigen Prachtbauten Bahnstr. Nr. 1 und 1a im Jahre 1947 (aus Perspektive der Hafnertraße)
Die Ruine der im Krieg ausgebrannten einstigen Prachtbauten Bahnstr. Nr. 1 und 1a im Jahre 1947 (aus Perspektive der Hafnertraße)

Krankheitsbedingt schied Zickl im Juni 1919 aus dem Dienst der Stadt und trat in den Ruhestand über.139 Im Jahre 1929 wurde Zickl für sein verdienstvolles Wirken als langjährigem Leiter der Gemeindeverwaltung und sein vielseitiges Engagement zum Wohle Mistelbachs mit Beschluss des Gemeinderates vom 22. Juni 1929 zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach ernannt.140 Schließlich wurde er auch im Bereich der Gemeindepolitik aktiv und zog nach den Gemeinderatswahlen Ende November des Jahres 1929 als Kandidat der „Ständepartei“ in den Mistelbacher Gemeinderat ein. Die Anhänger der vormaligen Großdeutschen Volkspartei, die durch den Aufstieg der NSDAP zusehends an Bedeutung verlor, spalteten sich in Mistelbach vor der Gemeinderatswahl 1929 in zwei Gruppierungen: den „deutschvölkischen Block“ unter der Führung von Anhängern der Nationalsozialisten, und die „Ständepartei“, die den bürgerlichen Teil der Großdeutschen repräsentierte und viele Gewerbetreibende und Beamte auf ihrer Kandidatenliste vereinte. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich im Sommer 1933, wurden den Nationalsozialisten auch die Mandate, die sie in öffentlichen Vertretungskörpern innehatten, entzogen. Auf eine hierdurch freigewordene Stelle im Gemeindevorstand (=geschäftsführende Gemeinderäte=Stadtrat) rückte Zickl nach und gehörte dem Gemeinderat (ab 1934: „Gemeindetag“) in dieser Funktion bis zu dessen Auflösung unmittelbar nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 an.141

Alexander Zickl (sitzend 3. v.l., siehe rotes X) als Mitglied des Gemeindetages im Jahre 1935Alexander Zickl (sitzend 3. v.l., siehe rotes X) als Mitglied des Gemeindetages im Jahre 1935

Mit 77 Jahren beantragte Zickl im Februar 1939 die Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Dies ist insofern außergewöhnlich, als es sich bei der NSDAP um eine Partei handelte, die insbesondere die Jugend bzw. jüngere Erwachsene begeisterte und Zickl dürfte wie Recherchen in der NSDAP-Mitgliederkarte belegen wohl das älteste Mitglied dieser Partei in Mistelbach gewesen sein. Er war ein betagter, sehr wohlhabender und hoch angesehener Bürger der Stadt, und die Entscheidung für den Beitritt kann in seinem Fall zweifellos nicht auf opportunistische Beweggründe bzw. Gruppenzwang zurückgeführt werden. Betont deutschnational war Zickl öffentlich zuvor nicht in Erscheinung getreten, aber entweder konnte sich der alte Stadtsekretär tatsächlich für die Ideen des Nationalsozialismus begeistern oder er war von der Schaffung Großdeutschlands durch die Annexion Österreichs und des Sudetenlandes und der damals herrschenden Euphorie derart beeindruckt, dass er sich zu einem Beitritt entschloss. Mit dieser Ansicht war er keineswegs alleine und aufgrund zahlreicher Aufnahmeanträge verhängte die NSDAP, wie schon nach der Machtübernahme in Deutschland einige Jahre zuvor, eine zeitweilige Aufnahmesperre. Die Aufnahmegesuche wurden später chronologisch abgearbeitet und bis zu ihrer tatsächlichen Aufnahme waren die Antragsteller keine Parteimitglieder, sondern wurden als “Parteianwärter” bezeichnet. Zickl wurde schließlich am 1. Jänner 1941 mit der Mitgliedsnummer 9,042.828 in die NSDAP aufgenommen.142

Der Stadtsekretär i. R. und vormalige Stadtrat Alexander Zickl verstarb am 13. November 1943 nach längerem schweren Leiden im Alter von 81 Jahren und seine sterblichen Überreste wurden auf dem städtischen Friedhof beigesetzt.

Bildnachweise:
-) Portrait Zickl: Portraittafel des Sparkasse-Vorstands – Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
-) Gruppenfoto des Gemeinderats von 1935 – Stadtmuseumsarchiv Mistelbach
-) Ansichtskarte Bahnstraße (um 1910): aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer
-) beide Fotos Haus Bahnstraße Nr. 1 – Göstl Archiv

Quellen:

Matuschek, Wenzel

Von Thomas Kruspel 21. Juli 2021 Aus

k.k. Landesgerichtsrat Wenzel Matuschek

* 11.8.1825, Tremles (Böhmen)
† 10.3.1908, Wien

Wenzel Matuschek wurde als Sohn des Braumeisters Johann Matuschek und dessen Gattin Petronilla, geb. Komarek, 1825 in dem an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren gelegenen Kleinstadt Tremles, geboren. Bald nach seiner Geburt übersiedelte die Familie aus beruflichen Gründen nach Waidhofen a.d. Thaya, wo er aufwuchs.143 Zu seiner Ausbildung liegen keine Informationen vor, allerdings ist klar, dass ein juristisches Studium Voraussetzung für seine spätere Laufbahn war. Wo Matuschek dieses absolvierte ist hingegen unklar, da für die Zeit vor 1850 im Archiv der Universität Wien keine Studienkataloge bzw. Nationale der Studierenden vorliegen.

1846 findet er dann erstmals als Kanzleipraktikant beim Magistrat seiner Heimatstadt Waidhofen an der Thaya Erwähnung.144 Zehn Jahre später, 1856 war er weiterhin in Waidhofen tätig, nunmehr allerdings als Kanzlist beim hiesigen k.k. Bezirksamt.145 Bald darauf wechselte Matuschek dann an das k.k. Bezirksamt Zistersdorf, jedenfalls scheint er dort bereits 1858 als Aktuar (rechtskundiger Verwaltungsbeamter – Protokollführer) auf und zwar bis 1865.146 Hier ehelichte er am 8. Juni 1859 Ernestine Berger, die Tochter des Zistersdorfer Notars,147 und dieser Verbindung entstammten sechs Kinder.

1865 kam Matuschek schließlich als Adjunkt ans k.k. Bezirksamt Mistelbach148 und nach der Neuorganisation des Verwaltungs- bzw. Gerichtswesen im Jahre 1868 war er ab diesem Zeitpunkt in selber Funktion am aus dem Bezirksamt hervorgegangenen k.k. Bezirksgericht Mistelbach tätig.149 Aufgrund seines umtriebigen Wesens war Matuschek bald, nachdem er nach Mistelbach kam Triebfeder und Mittelpunkt des geselligen Lebens in Mistelbach und auch in vielen Vereinen engagiert, so etwa 1867 als Gründungsmitglied des hiesigen Deutschen Turnvereins.150 Später war er über mehrere Jahre auch Vorstand des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Mistelbach und wurde 1890 aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied desselben ernannt.151 Doch auch für das Wirtschaftsleben von Mistelbach setze Matuschek bedeutende Initiativen, die letztlich auch wesentliche Schritte auf dem Weg zur Stadterhebung waren. Als Matuschek 1865 nach Mistelbach dürfte es zwar den seit Jahrhunderten bestehenden Wochenmarkt zur Versorgung der Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln gegeben haben, dieser war allerdings von untergeordneter Bedeutung und im Getreidehandel spielte Mistelbach (auch in Ermangelung großer Mühlbetriebe) faktisch keine Rolle.152 Auf Anregung von Matuschek wurde noch im Jahr 1865 durch Zusammenschluss einiger Bürger eine private Marktgesellschaft begründet, die einen Wochenmarkt in größerem Stil abhielt und die dort angebotenen landwirtschaftlichen Produkte der Bauern der Umgebung aufkaufte, um diese dann nach Lundenburg weiterzuverkaufen. Dieses Vorgehen hatte folgende positive Auswirkungen: der Wirtschaftsstandort Mistelbach wurde durch den neuen Markt aufgewertet, die Bauern der Umgebung wurden nach Mistelbach gelockt und belebten bei ihren Aufenthalten die lokale Wirtschaft und beim Weiterverkauf des Getreides im großen Stil konnten Gewinne erzielt werden. An der Spitze dieser Marktgesellschaft stand übrigens der spätere Bürgermeister Josef Strasser, zu dessen engsten Mitstreitern und Ideengebern Matuschek werden sollte, und der sich durch seine Rolle in der Marktgesellschaft auch für höhere öffentliche Ämter empfahl. Der neue Wochenmarkt war ein großer Erfolg, dem allerdings bereits durch den Einmarsch der Preußen im folgenden Jahr ein vorläufiges Ende bereitet wurde. Angelockt vom regen Marktgeschehen ließen sich in weiterer Folge mehrere Landproduktehändler in Mistelbach nieder und das Ziel Mistelbach als Getreideumschlagplatz zu etablieren war damit erreicht. Die Marktgesellschaft ging später vollständig in den Besitz von Johann Schwarz sen. über, der hieraus seine bedeutende Fruchthandlung (Franz Josef-Straße Nr. 13-15) entwickelte. Aufgrund der Erfahrung mit der genossenschaftsartig organisierten Marktgesellschaft und dem, was mit auf diese Weise akkumulierten Kapital bewegt werden konnte, regte Matuschek 1868 die Gründung einer Sparkasse an und lud die Bewohner des Marktes in den Saal des alten Rathauses um für diese Idee zu werben. Die auf diese Weise angeregte und vom nunmehrigen Bürgermeister Josef Strasser in Form einer Städtischen Sparkasse (= im Besitz der Gemeinde) durchgeführte Sparkassen-Gründung war für die weitere Entwicklung Mistelbachs von unschätzbarer Bedeutung, denn nur mithilfe dieses Instituts konnten zahlreiche gemeinnützige Einrichtungen und Projekte der Stadt in den knapp 130 Jahren ihres Bestehens finanziert werden.153

Im Jänner 1874 wurde Matuschek dann als Bezirksrichter an das Bezirksgericht Haslach in Oberösterreich berufen.154 Nachdem die Stelle des Bezirksrichters in Mistelbach vakant wurde, kehrte er 1878 über eigenes Ansuchen als Bezirksrichter wieder an seinen ehemaligen Dienstort zurück, wo er bis zu seiner Pension dem hiesigen Bezirksgericht vorstand.155 1894 wurde ihm der Titel eines wirklichen k.k. Landesgerichtsrats verliehen156, ehe er mit 31. Oktober 1897 in den Ruhestand übertrat.157 Aus letzterem Anlass beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss, angeblich auch auf Anregung zahlreicher Gemeinden des Bezirks, Matuschek als Dank für sein gewissenhaftes und vorbildliches Wirken als Bezirksrichter und sein Engagement in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens der Stadt und des Bezirks zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach zu ernennen.158

Nach seinem Übertritt in den Ruhestand übersiedelte er nach Wien und wohnte zunächst in Meidling159 bzw. später in Penzing160, wo er am 10. März 1908 im Alter von 82 Jahren an Altersschwäche verstarb und zwei Tage später auf dem Penzinger Friedhof bestattet wurde.161

Quellen:

Im Gedenken an OSR Hubert Loibl (1940-2021)

Von Thomas Kruspel 20. Juli 2021 Aus

OSR Hubert LoiblAm Freitag, 16.7.2021 ist Oberschulrat Hubert Loibl in die Ewigkeit abberufen worden. Seit seinem Übertritt in den Ruhestand im Jahre 1999 war er im Stadt-Museumsarchiv aktiv und bis zuletzt mit der Leitung dieser Sammlung betraut.
Als Teil eines engagierten Teams von ehrenamtlichen Mitarbeitern hat er seit der Jahrtausendwende maßgeblich daran mitgewirkt die verstreuten Bestände des ehemaligen Heimatmuseums im Gebäude des vormaligen Wasserwerks wieder zusammenzuführen und selbige zu katalogisieren – eine Mammutaufgabe. Stets hat er danach getrachtet die  Sammlung um interessante Stücke zu erweitern und darüber hinaus wurden regelmäßig und erfolgreich Ausstellungen veranstaltet.

Dem pensionierten Lehrer Loibl war die Vermittlung von Geschichte und deren Bewahren für nachfolgende Generationen ein besonderes Anliegen und so war er bei Anfragen zur Geschichte Mistelbachs bzw. den Objekten der Sammlung stets hilfs- und auskunftsbereit gegenüber allen Interessierten. Auch der Autor dieses Blogs ist OSR Loibl zu großem Dank verpflichtet für seine Hilfsbereitschaft und Geduld bei vielen teils spontanen Besuchen und Anrufen im Stadt-Museumsarchivs, deren Gegenstand nicht immer einfach zu lösende Spezialfragen zur Mistelbacher Geschichte waren, und für die tatkräftige Hilfe bei der Suche in den Beständen des Archivs.

Möge ihm die Erde leicht sein.

Aschinger, Dr. Adolf

Von Thomas Kruspel 19. Juli 2021 Aus

Präsident der Finanzlandesdirektion Dr. Adolf Aschinger

geb. 4.2.1901, Linz
gest. 31.10.1961, Eferding

Adolf Aschinger wurde 1901 als sechster von sieben Söhnen des Bäckermeisters Josef Aschinger und dessen Gattin Susanna, geb. Pichler, in Linz an der Donau geboren.162 Er besuchte ab dem Schuljahr 1915 das k.k. Staatsgymnasium in Linz163, an welchem er auch die Reifeprüfung ablegt haben dürfte. Da Aschinger erst ab dem Schuljahr 1915 und als Schüler der dritten Klasse aufscheint, ist unklar, ob er zuvor ein anderes Gymnasium absolvierte oder aber aus der Bürgerschule ans Gymnasium wechselte. Im Anschluss studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wechselte jedoch später an die Universität Innsbruck, wo er am 6.12.1924 zum Doktor der Rechte promoviert wurde.164 Während seiner Studienzeit wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindungen Norica Wien und Leopoldina Innsbruck, die beide dem Cartellverband angehören.

1928 ehelichte er Maria Anton, die Tochter eines Gendarmerie-Bezirkskommandanten, in Linz-Urfahr und dieser Ehe entstammten zwei Söhne.165 Anfang der 1930er Jahre dürfte Aschinger mit seiner Familie in Mauer bei Wien, das damals noch zu Niederösterreich gehörte, wohnhaft gewesen sein.166

Dr. Aschinger trat 1925 in den Staatsdienst ein und war ab Juli 1928 beim Rechnungshof tätig, ehe er Ende des Jahres 1933 ins Bundesministerium für Finanzen berufen wurde. Hier wurde Aschinger zunächst in der Budgetsektion eingesetzt, bevor er 1935 ins Präsidialbüro wechselte, wo er 1937 zum Sektionsrat ernannt wurde und als Sekretär des Finanzministers wirkte. Natürlich bedeutete auch für den Spitzenbeamten Aschinger der „Anschluss“ im Frühjahr des Jahres 1938 eine Zäsur in seiner Karriere. Wie fast alle Spitzenbeamten wurde er zunächst suspendiert und musste sich einem Verfahren nach der Berufsbeamten-Verordnung unterziehen. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Mitgliedern des Präsidialbüros ging dieses Verfahren für ihn jedoch vergleichsweise glimpflich aus und er wurde in die Liegenschaftsverwaltung beim (Amt des) Oberfinanzpräsidenten für Wien versetzt.167 Mit 25.2.1943 wurde Dr. Aschinger schließlich zum Kriegsdienst eingezogen.

Bald nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurde Dr. Aschinger mit der Leitung der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und das Burgenland betraut168 und nach anfänglichem Widerstand im Dezember 1946 schließlich auch offiziell zum Präsidenten der Finanzlandesdirektion ernannt.169 Dieses Amt sollte er bis zu seinem plötzlichen Ableben im Jahre 1961 innehaben. Der 1945 begonnene rasche Wiederaufbau bzw. die Reorganisation der Finanzverwaltung und der dazugehörigen Finanz- und Zollämter in der Ostregion ist seinem Einsatz und Organisationstalent zu verdanken und für diese Leistungen wurde er mit zahlreichen, hohen Ehrungen ausgezeichnet. 1957 wurde das neue Finanzamtsgebäude in der Mitschastraße eröffnet und zum Dank für seine Bemühungen rund um die Realisierung dieses Neubaus fasste der Mistelbacher Gemeinderat in der Sitzung vom 28. März 1957 einstimmig den Beschluss Dr. Aschinger zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach zu ernennen.170 Die Verleihung der Ehrenbürgerurkunde fand im Anschluss an die Weihe des neuen Amtsgebäudes am 13. April 1957 im Sitzungssaal des Rathauses statt.171 Darüber hinaus war Dr. Aschinger auch Ehrenbürger der Stadt Gänserndorf.

Überraschend verstarb Dr. Aschinger am 31. Oktober 1961 im 61. Lebensjahr und wurde am 7. November 1961 auf dem St. Barbara Friedhof in Linz zur letzten Ruhe gebettet.

Quellen:
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 45/1961, S. 3 (fälschlicherweise wird hier der 30.10.1961 als Sterbetag angegeben, korrekt ist jedoch der 31.10.1961)
-) Protokolle des Ministerrates der Zweiten Republik: Kabinett Figl I, Band 2, 16. April 1946 bis 9. Juli 1946, S. 634 (Kurzbiografie im Personenregister)
-) Protokolle des Ministerrates der Zweiten Republik: Kabinett Figl I, Band 4, 21. November 1946 bis 11. Februar 1947, S. 574 (Kurzbiografie im Personenregister)

Schloßbergstraße

Von Thomas Kruspel 15. Juli 2021 Aus

Die Schloßbergstraße wurde ursprünglich als Friedhofstraße bezeichnet und verband den Kreuzungsbereich Hochgasse/Neustiftgasse mit der Liechtensteinstraße auf Höhe der Landessiechenanstalt (heute: Pflege- und Betreuungszentrum Mistelbach „Franziskusheim“). Sie dürfte seit etwa 1896 bestanden haben, denn in diesem Jahr wurde das an der Kreuzung mit der Hochgasse gelegene neue Notspital eröffnet, das bald darauf die Adresse Friedhofstraße Nr. 4 erhielt (später Hochgasse Nr. 6).172 Ein sogenanntes Notspital diente in damaliger Zeit hauptsächlich als Quarantäne-Einrichtung für an Infektionskrankheiten leidende Personen.

Diese Straße verband also die beiden wichtigsten damals in der Stadt bestehenden (sozial-)medizinischen Einrichtungen, und ihren früheren Namen „Friedhofstraße“, den sie seit der Einführung der Straßennamen 1898 trug, war der Tatsache geschuldet, dass sie entlang des wenige Jahre zuvor neu angelegten Friedhofs verlief. Tatsächlich dürfte es sich mehr um einen Weg als um eine befestigte Straße gehandelt haben und für viele Jahre sollte das Gelände, durch das sie führte, unbebaut bleiben. Der Name der angrenzenden „Sandgrubengasse“ gibt Aufschluss darüber, was hier in früherer Zeit zu finden war. Erst der immer weiter fortschreitende Ausbau des Krankenhauses und die Anfang der 1950er Jahre beginnende Errichtung der Schloßbergsiedlung sollten die Umgebung und damit das Straßenbild verändern.

Noch bevor im Jahre 1908 mit dem Bau des Bezirkskrankenhauses begonnen wurde, entschloss man sich aus nachvollziehbaren Gründen dieser am Krankenhaus vorbeiführenden Straße, einen weniger morbiden Namen zu geben und in der Sitzung vom 1. Feber 1908 beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) den Namen in „Schloßbergstraße“ abzuändern.173 Schloß- und Kirchenberg sind grundsätzlich synonyme Bezeichnungen für die Erhebung, um die sich die Stadt Mistelbach bildete. An dessen höchstem Punkt bestehen zwei etwa gleich hohe Plateaus, jenes auf dem sich die Pfarrkirche erhebt und jenes auf dem sich einst die im 15. Jahrhundert abgekommene Burg bzw. das Schloss der Herren von Mistelbach befand. Bei letztgenannter Erhebung, die umgangssprachlich fälschlicherweise auch als Tumulus bezeichnet wird, handelt es sich also um den Schloßberg im eigentlichen Sinne und da die Straße in unmittelbarer Nähe verlief bzw. von der Liechtensteinstraße hierherführte, dürfte dieser Name gewählt worden sein.

Eine im Frühjahr bzw. Sommer 1914 begonnene Erweiterung des Friedhofsareals (die Gräberfelder K, L, M, N und auch bereits zu Beginn des Krieges geplante Anlage des „Heldenfriedhofs“)174 trennte die Schloßbergstraße in zwei Teile: den heute noch bestehenden Teil zwischen Liechtensteinstraße und dem Parkplatz beim Friedhof und einen zweiten, sehr kurzen Abschnitt auf der anderen Seite des Friedhofs, der hierdurch jedoch bedeutungslos geworden war (siehe auch gelbe Markierung in untenstehender Karte). Dies zeigt sich auch darin, dass das im Kreuzungsbereich mit der Hochgasse befindliche ehemalige Notspital nachträglich die Adresse Hochgasse Nr. 6 (statt zuvor Friedhofstraße Nr. 4) erhielt. Der jenseitige Teil der Schloßbergstraße ist allerdings nicht mit der Hochgasse zu verwechseln, die entlang der ehemaligen Friedhofsgärtnerei bzw. der neuen Verabschiedungshalle zum Friedhofstor auf dieser Seite führt. Die Schloßbergstraße verlief dahinter, also zwischen der Verabschiedungshalle und dem heutigen „Heldenfriedhof“ (auf dessen Gelände sich von  1891 bis 1907 der alte jüdische Friedhof befand).175 Gemäß dem Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) über die Friedhofserweiterung sollte die Schloßbergstraße verlegt und an der neuen Friedhofsmauer entlang verlaufen bis zur Einmündung in den Eibesthaler Feldweg (heute Christine Nöstlinger-Weg)176. Noch heute besteht als Rest dieses kaum befestigten Weges, ein schmaler Grundstreifen zwischen Friedhofsmauer und den angrenzenden Grundstücken, der jedoch im Zuge der Anlage der Schloßbergsiedlung samt der Straße „Am Schloßberg“ in den 1950er Jahren seinen Zweck verlor und abgeschnitten wurde.

Wo befindet sich die Schloßbergstraße?

Markierung: die heutige Schloßbergstraße
Markierung: der durch die Friedhofserweiterung abgekommene Teil der Schloßbergstraße, der in die Neustiftgasse mündete

Quellen:

Ziegelofengasse (Lanzendorf)

Von Thomas Kruspel 8. Juni 2021 Aus

Wie fast überall im Weinviertel gab es auch in Lanzendorf im Laufe der Jahrhunderte mehrere Ziegelproduktionsstätten in Form von Lehmgruben und Ziegelöfen. Fünf ehemalige Standorte werden in der Publikation „Ziegelöfen und Lehmabbaue der politischen Bezirke Mistelbach und Gänserndorf“ von Christian F. Ramml angeführt, wobei der Autor auch Hinweise auf weitere mögliche, jedoch ungeklärte Produktionsstätten in bzw. um Lanzendorf dokumentiert.

Südwestlich außerhalb des Ortsgebiets, und zwar auf dem bewaldeten Gelände hinter der Tischlerei Ranftler, befand sich einst der „Stacher“-Ziegelofen, dem die dorthin führende Straße ihren Namen zu verdanken hat. Bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts werden hier Ziegelschuppen erwähnt, damals im Besitz von Mathias und Theresia Frank und diese gingen 1868 in den Besitz von Leopold und Theresia Stacher über. Durch Stacher wurde der Betrieb mittels Ankauf umliegender Gründe erheblich erweitert. In die Schlagzeilen geriet der Ziegelofen der Familie Stacher Anfang des Jahres 1900 als hier ein Streit rund um ein Kartenspiel zwischen zwei betrunkenen Ziegelarbeitern mit einer tödlichen Messerattacke endete.177 Dieser Zwischenfall kann auch als Ausdruck für die soziale Verwahrlosung der meist zugewanderten Ziegelarbeiter angesehen werden, die damals für äußert kargen Lohn schwer schuften mussten und samt ihren Familien ein elendes Dasein fristeten. 1901 übernahmen schließlich die Söhne des Ehepaares Stacher die Ziegelei und jedenfalls bis 1924 scheint diese laut dem Eintrag in einem Gewerbeadressbuch aktiv gewesen zu sein.178 Da sie in der Ausgabe des Jahres 1928 jedoch nicht mehr aufscheint, ist anzunehmen, dass der Betrieb Mitte der 1920er Jahre eingestellt worden sein dürfte.179

Von den oben erwähnten weiteren Ziegeleien auf Lanzendorfer Gemeindegebiet bestand zuletzt zeitgleich nur mehr jene der Familie Mitscha-Märheim, die sich etwas weiter außerhalb des Ortes, nahe der an der heutigen Umfahrungsstraße gelegenen Halle befand und hier endete die Ziegelproduktion etwa Anfang/Mitte der 1930er Jahre.180

Auf dem weitläufigen Areal des einstigen Stacher-Ziegelofens, das heute zum oben erwähnten Tischlereibetrieb gehört, finden sich auch heute noch bauliche Überreste des Ziegelofens und ein alter Trockenschuppen als Zeugnisse der einst hier ansässigen Ziegelei. Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 27. Juni 1979 wurde die von der Lanzendorfer Hauptstraße zum ehemaligen „Stacher“-Ziegelofen führende Straße „Ziegelofengasse“ benannt.181

Wo befindet sich die Ziegelofengasse?

 

Quellen:
-) Ramml, Christian Ferdinand: Ziegelöfen und Lehmabbaue der politischen Bezirke Mistelbach und Gänserndorf (Niederösterreich): Geschichte
und Geologie – Archiv für Lagerstättenforschung, Band 27 (2014), S. 322ff

Franz Lang-Weg

Von Thomas Kruspel 2. Juni 2021 Aus

Die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem ehemaligen Übungsgelände der Garnison Mistelbach entstandene Totenhauer-Siedlung lag weit außerhalb des Stadtgebiets, dessen nördliche Grenze damals etwa auf Höhe der Steinernen Brücke (Kreuzungsbereich Waldstraße/Oberhoferstraße) lag.182 Der mit der Abgeschiedenheit einhergehenden Probleme, etwa in Bezug auf die Wasser-, Gas- und Stromversorgung, wurde man sich, ob der damals drückenden Wohnraumnot, leider erst im Nachhinein bewusst.183 Besonders in den ersten Jahren nach der Errichtung fungierte der langjährige Stadtrat Franz Lang als Ansprechpartner seitens der Gemeinde für die Anliegen der Siedlungsbewohner.184 Erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte dehnte sich die Stadt sukzessive weiter in Richtung Norden aus und durch die weitere Aufschließung von Baugründen in der Stadtwald-Siedlung Anfang der 1970er Jahre erfolgte letztendlich der Lückenschluss zur Totenhauer-Siedlung. Franz Langs Leistungen für das Gemeinwohl der Stadt waren äußerst vielfältig und beschränken sich keineswegs nur auf seine Hilfe für die Siedler, aber in Form der Benennung einer in unmittelbarer Nachbarschaft zur Totenhauer-Siedlung gelegenen Straße sah man die Gelegenheit dauerhaft an Stadtrat Lang und sein Wirken zu erinnern. Daher beschloss der Mistelbacher Gemeinderat in der Sitzung vom 14. November 1974 diese Straße  „Franz Lang-Weg“ zu benennen.185

Wo befindet sich der Franz Lang-Weg?

 

Quellen:

Landesbahnpark (Liechtensteinpark)

Von Thomas Kruspel 1. Juni 2021 Aus

Gasthäuser und auch schattenspendende Grünanlagen waren im Umfeld von Bahnhöfen früher weitverbreitet, konnte man sich doch dort während Zwischenaufenthalten von Reisestrapazen erholen bzw. Wartezeiten überbrücken. Auch beim Bahnhof der am 14. November 1906 offiziell eröffneten Landesbahn (Ernstbrunn-Mistelbach-Hohenau und Mistelbach-Gaunersdorf (heute: Gaweinstal)) wurde eine Bahnhofsrestauration von Leopold Zickl (dem Bruder des Stadtsekretärs Alexander Zickl) eröffnet und man beabsichtigte die Errichtung einer Parkanlage zwischen Staats- und Landesbahnhof, die aufgrund ihrer Lage von Passagieren beider Bahnlinien genutzt werden konnte.

Zwecks Errichtung einer solchen Anlage beim Landesbahnhof beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) bereits im Juli 1906 an Fürst Liechtenstein, dem das durch die Wiener Straße (heute: Josef Dunkl-Straße) geteilte Grundstück entlang der Landesbahnstraße gehörte, heranzutreten.186 Man verständigte sich schließlich auf eine pachtweise Überlassung der Gründe und die Gestaltung des Parks erfolgte 1908 durch den hiesigen Verschönerungsverein, der mit Planung (Professor Dr. Henne – Höhere Obst- und Gartenbauschule Eisgrub) und Ausführung (Stadtgärtner Siebek) fachkundige Experten betraute.187 In dem Ende 1907 gefassten Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) mittels dem die Ausgestaltung der Parkanlage durch Sachleistungen seitens der Stadt unterstützt wurde, findet sich auch erstmals der Name „Liechtenstein-Parkanlage“. Das Ansinnen der Errichtung eines Teiches wurden seitens des Gemeindeausschusses aus Rücksicht auf den Wasserverbrauch allerdings abgelehnt.188

Auf dieser Aufnahme ist gut erkennbar, dass sich der Landesbahn-/Liechtensteinpark einst auf beiden Seiten der heutigen Josef Dunk-Straße (Bildmitte) erstreckteAuf dieser Aufnahme ist gut erkennbar, dass sich der Landesbahn-/Liechtensteinpark einst auf beiden Seiten der heutigen Josef Dunkl-Straße (Bildmitte) erstreckte

Das Jahr 1908 stand ganz im Zeichen des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I. und dem Monarchen wurde auf vielfältige Weise gehuldigt. In diesem Jahr gab es allerdings auch weiteren Anlass zu Feierlichkeiten, und zwar das 50-jährige Regierungsjubiläum von Fürst Johann II. von Liechtenstein. Da Mistelbach einst zur Herrschaft der Familie Liechtenstein gehörte und sie in der Gemeinde weiterhin über weitreichenden Besitz verfügte, trat Fürst Johann II. auch weiterhin als großzügiger Förderer des Gemeinwesens der Stadt auf. Das damals jüngste Beispiel war die unbefristete und günstige pachtweise Überlassung des oben erwähnten Grundstücks. Explizit aufgrund beider Regierungsjubiläen beschloss der Mistelbacher Verschönerungsverein in seiner Generalversammlung am 28. April 1908 dem neu errichteten Park den Namen „Jubiläums-Anlage 1908“ zu geben, der auf einem damals errichteten Gedenkstein festgehalten wurde.189 In weiterer Folge setzten sich jedoch die synonym gebrauchten Bezeichnungen Landesbahnpark und Liechtensteinpark für diese Grünanlage durch.

Der südliche (heute noch bestehende Teil) des Landesbahnparks - im Hintergrund rechts ist auch der Jubiläumsgedenkstein erkennbarDer südliche (heute noch bestehende) Teil des Landesbahnparks – im Hintergrund rechts ist auch der Jubiläumsgedenkstein erkennbar

 

Der Gedenkstein mit der kaum mehr lesbaren Inschrift „Jubiläumsanlage 1908“

Der Gedenkstein mit der heute kaum mehr lesbaren Inschrift „Jubiläumsanlage 1908“, der anlässlich der in diesem Jahre begangenen Regierungsjubiläen des Kaisers und des Fürsten Johann II.von Liechtenstein errichtet wurde

Schon zu Beginn des Schubertjahres 1928, in dem sich der Todestag des berühmten Komponisten Franz Schubert zum hundertsten Mal jährte, ersuchte der Mistelbacher Gesangs- und Musikverein die Gemeindevertretung heran um Zurverfügungstellung eines Platzes zwecks Pflanzung einer Schubertlinde.190 Die Errichtung eines Gedenksteins war laut diesem Bericht zum damaligen Zeitpunkt offenbar noch nicht geplant. Im Zuge eines entsprechend musikalisch umrahmten Festakts rund um Schuberts Todestag, wurde am 25. November 1928 im nördlichen (=jenseits der heutigen Josef Dunkl-Straße gelegenen) Teil des Parks, eine Schubertlinde gepflanzt und ein Gedenkstein zur Erinnerung an den großen Wiener Komponisten gesetzt.191

Darüber hinaus fasste der Mistelbacher Gemeinderat wenige Tage später, am 1. Dezember 1928, den Beschluss: „beide Teil des Landesbahnparks in Schubertpark umzubenennen“.192 Der Beschluss wurde vorbehaltlich der Zustimmung durch den Fürsten Liechtenstein gefasst, und diese dürfte wohl nicht gegeben gewesen sein. Weder wurden die im Beschluss angedachten „Schubertpark“-Tafeln aufgestellt, noch scheint der Name Schubertpark ansonsten jemals wieder auf. Selbst in einer vom Verschönerungsverein im Jahre 1934 (also wenige Jahre nach diesem Beschluss) herausgegebenen Werbebroschüre für die Stadt, die von Fritz Bollhammer (Chormeister im Zeitpunkt der Aufstellung des Gedenksteins) und Franz Lang, zweier im Musikleben der Stadt äußerst engagierten Persönlichkeiten, verfasst wurde, wird der Park als „Jubiläums-Anlage“ bezeichnet.193

Der Schubertgedenkstein an seinem heutigen Standort im Stadtpark
Der Schubertgedenkstein an seinem heutigen Standort im Stadtpark

Neben dem nördlichen Teil des Landesbahnparks, der an den Bahnhof der Ostbahnstrecke (Bundesbahn) angrenzt, wurden 1964/65 zwei Wohnhäuser mit Eigentumswohnungen durch die Wohnbaugenossenschaft „Frieden“ errichtet. Die Bewohner dieser Häuser schlossen sich unter dem Namen „Friedensgemeinschaft“ zusammen und erwarben als Eigentümergemeinschaft 1967 den an die Wohnhausanlage angrenzenden Teil des Landesbahnparks aus dem fürstlichen Besitz. Die „Friedensgemeinschaft“ errichtete in weiterer Folge auf dem nunmehr nicht mehr öffentlich zugänglichen Gelände Blechgaragen und einen Kinderspielplatz. Der Baumbestand des Parks blieb jedoch zu Erholungszwecken und als Schutz gegen Rußemissionen der beiden Bahnstrecken im Wesentlichen erhalten.194 Aufgrund des Übergangs dieses Teils des Parks in Privatbesitz und dessen bevorstehender Umgestaltung wurde der Schubertgedenkstein noch 1967 vom Kultur- und Verschönerungsverein gemeinsam mit dem Musik- und Gesangsverein restauriert und an seinen heutigen Standort im Stadtpark, nahe dem Bahnübergang in der Parkgasse, versetzt.195

Der heute in Privatbesitz befindliche nördliche Teil des Landesbahnparks mit dem Schubert Gedenkstein an seinem usprünglichen Standort auf einer Aufnahme vor 1967Der heute in Privatbesitz befindliche nördliche Teil des Landesbahnparks mit dem Schubert Gedenkstein an seinem ursprünglichen Standort auf einer Aufnahme vor 1967

Das Pachtverhältnis zwischen Gemeinde und fürstlicher Verwaltung bezüglich des verbliebenen Teils der Parkanlage ist weiterhin aufrecht und seit vielen Jahren befindet sich hier auch ein öffentlicher Spielplatz. 2012 wurde hier außerdem das umstrittene Michael Jackson-Denkmal, zunächst in Form einer Büste, später als Statue, errichtet.

Quellen:

Bildnachweise:
-) Ansichtskarten: aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer
-) Fotos der Gedenksteine: © Thomas Kruspel (2015)

Landesbahnstraße

Von Thomas Kruspel 29. Mai 2021 Aus

Die Landesbahnstraße entstand 1906 als Zufahrtsstraße zu dem in diesem Jahr eröffneten Landesbahnhof und sie dient seit Anbeginn auch als Verbindungsstraße zum Bahnhof der Bundesbahn (vormals Staatsbahnhof). Ihren Namen erhielt diese Straße mittels Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) vom 6. November 1910.

Blick in die Landesbahnstraße (von der Josef Dunkl-Straße, Richtung Landesbahnhof), rechts die Bahnhofsrestauration von Leopold Zickl (heute: Gasthaus Diesner) und dahinter ein Wohnhaus für Bahnbedienstete

Blick in die Landesbahnstraße (von der Josef Dunkl-Straße aus, in Richtung Landesbahnhof), rechts die Bahnhofsrestauration von Leopold Zickl (heute: Gasthaus Diesner) und dahinter ein Wohnhaus für Bahnbedienstete. Die Aufnahme dürfte bald nach der Eröffnung des Bahnhofes 1906 entstanden sein.

 

Etwa 1907: Rechts neben dem Landesbahnpark (der sich einst auf beiden Seiten der Josef Dunkl-Straße erstreckte) verläuft die Landesbahnstraße

Etwa 1907/08: Rechts neben dem Landesbahnpark (der sich einst auf beiden Seiten der Josef Dunkl-Straße erstreckte) verläuft die Landesbahnstraße

Wo befindet sich die Landesbahnstraße?

 

Quellen:
-) Gemeindeausschusssitzung vom 6. November 1910 – Mistelbacher Bote, Nr. 46/1910, S. 3f

Bildnachweis: aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer

Kaffeehaus – Bahnstraße Nr. 5

Von Thomas Kruspel 27. Mai 2021 Aus

Nachfolgend ein Beitrag über die wechselvolle Geschichte des Hauses Bahnstraße Nr. 5:

Café Schindler (1900-1906)

Das Areal der heutigen Häuser Bahnstraße Nr. 5 und 7 bzw. der unmittelbar dahinterliegenden Grundstücke in der Gspanngasse gehörte ursprünglich zum weitläufigen Komplex des alten Mistelbacher Spitals. Wohl um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die einst zum Spital gehörigen Gründe veräußert und im eingangs erwähnten Bereich fand sich Ende des 19. Jahrhunderts ein Holzlagerplatz, zuletzt im Besitz des jüdischen Holzhändler Abeles. Dieser nutzte mittlerweile andere Betriebsgründe in Mistelbach und hatte daher das Gelände 1896 veräußert. Zwei Jahre später erwarb Baumeister Josef Dunkl jun. einen Teil dieser Gründe und errichtete 1899 darauf das Haus Bahnstraße (um die Jahrhundertwende auch „Eisenbahnstraße“ genannt) Nr. 5. Das Haus wurde als Kaffeehaus entworfen und gebaut und am 1. Jänner 1900 eröffnete Franz Schindler darin sein Kaffeehaus.196 Schindler war lediglich eingemietet und das Gebäude stand weiterhin im Besitz des späteren Bürgermeisters Dunkl.

Eröffnungsanzeige aus der Zeitung "Bote aus Mistelbach"Eröffnungsanzeige aus der Zeitung „Bote aus Mistelbach

Die Erwähnung in obiger Eröffnungsanzeige, dass es sich um das „erste Kaffeehaus in Mistelbach“ handle ist allerdings nicht korrekt. Zwar gab es zum damaligen Zeitpunkt kein anderes Kaffeehaus in der Stadt, aber schon zuvor, nämlich von etwa Mitte der 1850er bis jedenfalls Anfang der 1880er Jahre existierte in der Oberhoferstraße Nr. 16 (=KNr. 1) ein Kaffeehaus, das von der Familie Jechtl begründet wurde197, das von der Familie Jechtl begründet und von dieser bis in die 1870er Jahre geführt wurde.198 Mitte der 1880er dürfte sich das Kaffeehaus dann zu einem Gasthaus gewandelt haben, das bis in die 1970er Jahre bestand, zuletzt als Gasthaus Habich (nach den Vorbesitzern aber auch lange noch als „Antrey-Wirtshaus“ bekannt).199

 

Das Café Schindler um 1900/1901Das Kaffeehaus um 1900/01

Das Café Schindler orientierte sich am Stil der Wiener Kaffeehäuser, die damals ihre Hochblüte hatten, und ob des begrenzten Raumes im Erdgeschoss – eine bauliche Erweiterung erfolgte erst in den 1930er Jahren – sollen anfangs auch im 1. Stockwerk Lokalitäten für Vereine zur Verfügung gestanden haben.200 Im Juli 1903 legte Schindler die Gewerbekonzession für den Betrieb des Kaffeehauses zurück und selbiges wurde fortan von seiner Gattin Rosa Schindler geführt.201 Franz Schindler tritt danach nicht mehr in Erscheinung.

 

Café Rössler (1906-1911)

Im Februar 1906 kam es zu einem Betreiberwechsel: Heinrich Rössler (*1878, †1933) übernahm das Kaffeehaus von Frau Schindler und Rössler dehnte die täglichen Öffnungszeiten auf den Zeitraum zwischen halb 6 Uhr früh bis 2 Uhr nachts aus.202

Das Café Rössler zwischen 1906 und 1911Das Café Rössler zwischen 1906 und 1911

Zu einem richtigen Kaffeehaus gehörte damals das Billardspiel (Karambol), das schon im 19. Jahrhundert auch im Kaffeehaus Jechtl angeboten wurde und selbiges dürfte auch hier von Beginn an zur Ausstattung gehört haben. Der neue Eigentümer Rössler, laut Einschätzung des Berichterstatters im „Mistelbacher Bote“ vermutlich der beste Billardspieler des Bezirks203, konnte im April 1911 den  berühmten Wiener Billardkünstler Georg Pfeiler in seinem Lokal begrüßen.204 Der professionelle Billardspieler Pfeiler zählte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderts zu den besten Spielern Österreichs und war auch international für sein Kunstspiel bekannt.205 Im Café Rössler zeigte er sein Können und die besten Billardspieler Mistelbachs waren eingeladen sich bei Gewährung eines gewaltigen Punkte-Vorsprungs mit dem Meister zu messen. Wenig überraschend fanden sich in den nächsten Ausgaben des „Mistelbacher Bote“ keine Berichte über Sensationssiege von Herausforderern.

 

Bereich unmittelbar nach dem Eingang rechts im Lokal - Cafetier Heinrich Rössler führte gerade einen Stoß ausDer Bereich rechterhand des Eingangs zur Zeit des Café Rössler. Bis Ende der 1950er Jahre befand sich der Billardtisch in diesem Bereich des Kaffeehauses. Bei dem stoßausführenden Herrn dürfte es sich um den Cafetier Rössler selbst handeln.

 

Eine weitere Innenansicht aus dem Café Rössler - unmittelbar nach dem Eingang gerade ins Lokal fotografiert - die Kante des Billardtisches (siehe Bild darüber) ist am rechten Bildrand erkennbar, ebenso wie die Queues hinter dem OberEine weitere Innenansicht des Café Rössler – unmittelbar nach dem Eingang gerade ins Lokal fotografiert – die Kante des Billardtisches ist am rechten Bildrand erkennbar, ebenso wie die Queues hinter dem Ober; bei dem großgewachsenen Herrn hinter der Theke handelt es sich um den Cafetier Heinrich Rössler.

Heinrich Rössler übergab das Kaffeehaus im Juni 1911 an Alois Kiesling, und eröffnete im Oktober desselben Jahres in der Mitschastraße das erste Kino der Stadt Mistelbach.

 

Café Kiesling (1911-1919)

Im Juni 1911 erwarben Alois (*1883, †1972) und Anna Kiesling das vormalige Café Rössler206 Sie übernahmen jedoch nicht nur den Kaffeehausbetrieb, sondern kauften das Gebäude von Dunkl und waren damit die ersten Betreiber, die auch Eigentümer des Hauses waren.207 Kiesling stammte aus Wolkersdorf, wo sein Vater  von 1874 bis 1912 das Gasthaus beim Bahnhof (zuletzt Gasthaus Reich) betrieb. Nachdem Kiesling das Kaffeehaus 1919 an Heinrich Rabenseifner veräußert hatte, scheint ein Mann namens Alois Kiesling ab 26. August 1925 als Pächter des Hotel Rieder in der Bahnstraße auf und führte dieses bis 1931. Mit ziemlicher Sicherheit dürfte es sich dabei um den vormaligen Cafétier Kiesling gehandelt haben. Womit er sich zwischen dem Verkauf des Kaffeehauses und der Übernahme des Hotel Rieder verdingt hat ist unklar, allerdings ist durch sein reges Engagement im Mistelbacher Vereinsleben (Kriegsheimkehrerverband, Schützenverein, Musikverein) belegt, dass er auch in der dazwischen liegenden Zeit in Mistelbach ansässig war.

 

Café Rabenseifner (1919-1956)

Heinrich (*1884, †1967) und Hermine Rabenseifner folgten der Familie Kiesling mit 1. Juli 1919 als Eigentümer und Betreiber nach208. Zuvor hatte Rabenseifner das vis-á-vis gelegene traditionsreiche Gasthaus „Zum weißen Rössl“ geführt, dass sich zuvor seit 1799 im Familienbesitz befunden hatte. Unter Rabenseifner wurden größere Fenster eingebaut und 1932 erfolgte der Anbau des Spielzimmers (hinterer Trakt des Lokals)209, und dieser Zubau ist auch heute noch gut erkennbar, da er nur aus einem Erdgeschoss besteht. Die umfassende Neugestaltung des Jahres 1935210, wurde ein Jahrzehnt später während der Kämpfe um Mistelbach Mitte April 1945 zunichte gemacht und das Kaffeehaus laut einem Zeitungsbericht „arg zugerichtet“. Doch binnen weniger Monate konnte das Lokal wiederhergestellt und der Betrieb erneut aufgenommen werden.211 Die Ära Rabenseifner endete am 31. Oktober 1956.

 

Café Beck (1956-1958)

Ab 1. November 1956 scheint als Betreiberin eine Frau namens Ditta Beck auf212, zweifellos eine Verwandte der nunmehrigen Eigentümerin des Hauses Maria Beck (*1906, †2002), auf deren Namen auch die Konzession zum Betrieb des Kaffeehauses lautete.213 Das Lokal wurde nunmehr unter dem Namen Café Beck geführt, ehe es ab Frühjahr 1958 verpachtet wurde.

Ankündigung der Silvesterfeier im Café Beck zur Jahreswende 1956/57
(Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 50/1956, Anzeigenteil)

 

Café M. Heindl (1958-1968)

Michael und Inge Heindl pachteten das Kaffeehaus im April 1958 und eröffneten es nach einmonatiger Schließung, während der eine umfassende, moderne Neugestaltung des Lokals erfolgte.214 Wohl um Verwechslungen mit dem Stadtcafe von Lorenz Heindl in der Franz Josef-Straße zu vermeiden, war das Lokal weiterhin unter dem etablierten Namen Café Rabenseifner bekannt215 bzw. teils wurde es zur Abgrenzung auch „Heindl-Rabenseifner“ genannt.

Innenansicht des 1958 neueröffneten Café Heindl vom hinteren Bereich des Lokal Richtung EingangInnenansicht des 1958 neueröffneten Café M. Heindl vom hinteren Bereich des Lokal Richtung Eingang

Blick in den hinteren Bereich des Lokal: Spielzimmer mit Billardtischen und Fernseher an der Rückwand

Blick in den hinteren Bereich des Lokal: Spielzimmer mit Billardtischen und Fernseher an der Rückwand

Das Café Rabenseifner im Jahre 1967Das Café Heindl im Jahre 1967

Mit der Schließung des Café Heindl im März 1968 endete die 68 Jahre währende Nutzung des Gebäudes als Kaffeehaus – vorerst. Laut einem Bericht der Weinviertler Nachrichten wäre Heindl an der Weiterführung des Lokals und damit an einer Fortsetzung des Pachtverhältnisses interessiert gewesen, allerdings konnte er sich dem Vernehmen nach in finanziellen Belangen nicht mit der Eigentümerin einigen.216

 

Konsum (1968-1978)

1968 mietete sich die Konsumgenossenschaft Wien und Umgebung (KGW) – kurz „Konsum“ – ein und verlegte hierher das zuvor in der Franz Josef-Straße Nr. 54 beheimatete Verkaufsgeschäft, das an der neuen Adresse als Selbstbedienungsladen geführt wurde.217 1978 wurden die regionalen Konsumgenossenschaften unter dem Namen „Konsum Österreich“ fusioniert und der neue Dachverband erwarb das erst zwei Jahre zuvor neueröffnete „Plus-Kauf“ Warenhaus218 in der Mitschastraße (heute: BILLAplus). Statt der Filiale in der Bahnstraße wurde nunmehr ein Konsum-Großmarkt (KGM) in der vormaligen „Plus-Kauf“ Filiale eingerichtet.

Das vormalige Kaffeehaus als Geschäftslokal der KonsumgenossenschaftDas Kaffeehaus als Konsum Filiale (1970er Jahre)

 

TILA (ca. 1979-1982)

Danach, also etwa von 1979 bis 1982, befand sich an der Adresse Bahnstraße Nr. 5 ein Verkaufsgeschäft der Bekleidungsfabrik TILA, die in Mistelbach eine Produktionsstätte in der ehemaligen Pinselfabrik in der Bahnzeile unterhielt.

Das Erscheinungsbild nach der Schließung des Bekleidungsgeschäfts TILA, kurz bevor es sich zum Café Harlekin wandelteDas Erscheinungsbild nach der Schließung des Bekleidungsgeschäfts TILA, kurz bevor es sich zum Café Harlekin wandelte

Café Harlekin (seit 1983)

Am 1. Juli 1983 eröffneten Reinhard und Walter Kruspel hier schließlich das bis heute bestehende Café Harlekin und knüpften damit wieder an die Kaffeehaustradition dieses Hauses an. Später trennten sich die Wege der Gründer und durch die Umgestaltung der Thomas Freund-Gasse zur Fußgängerzone im Jahre 1990 wurde der Schanigarten in der heute bekannten Form möglich.

Das Innere des Café Harlekin kurz nach der Eröffnung im Sommer 1983Das Innere des Café Harlekin kurz nach der Eröffnung im Sommer 1983

 

Exkurs: Die Anfänge der Eis-Tradition

Die älteste Spur der Speiseeisherstellung in Mistelbach findet sich in einem Inserat aus dem Jahr 1882 in der Lokalzeitung „Illustrirter Bezirks-Bote„, in dem Ferdinand Scholz, der von 1874 bis 1884 auf Hauptplatz Nr. 11 (danach bis 1938 Fam. Löffler, heute: Volksbank) eine Delikatessen-Handlung betrieb219, „täglich frisches Gefrornes“ (sic!) anbot.220 Gefrorenes ist ein heute veralteter Ausdruck für Speiseeis. Im Kaffeehaus selbst ist die Herstellung von Speiseeis durch Heinrich Rabenseifner jedenfalls bereits in der Zwischenkriegszeit belegt.

Ein Ausschnitt einer humoristischen Mehrbild-Postkarte legt jedoch den Schluss nahe, dass die Tradition der Speiseeisherstellung wahrscheinlich schon auf Kiesling zurückgehen dürfte, möglicherweise sogar bereits auf Rössler. Untenstehende Postkarte entstand vermutlich Anfang der 1910er Jahre, denn derartige Jux-Postkarten waren in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg sehr populär. Aufgrund der Abbildung des Landesbahnhofs bzw. der ebenfalls erkennbaren Schießstätte im Bereich des heutigen Schützenwegs kann diese Karte jedenfalls erst nach 1906 entstanden sein.

Eine Jux-Postkarte geschrieben aus der Perspektive eines jungen Mädchens, vermutlich aus den 1910er Jahren vor Beginn des 1. WeltkriegsEine Jux-Postkarte, geschrieben aus der Perspektive eines jungen Mädchens, vermutlich aus der Zeit Anfang der 1910er Jahre; darunter der relevante Bildausschnitt, der einen Hinweis auf den Beginn der Speiseeisherstellung liefert

Die Bildunterschrift lautet: „Das ist die Bahnstraße mit unserer Schule und dem Cafehaus. Dort kriegt man auch Gefrorenes (Anm.: Speiseeis), nämlich im Cafehaus.“

Im Vordergrund die prachtvolle Zinshäuser Bahnstraße 1 (Josef Dunkl jun. bzw. später Fam. Freund) und 1a (Stadtsekretärs Alexander Zickl), die im 2. Weltkrieg zerstört wurden. Dahinter die Mädchenschule und ganz klein im Hintergrund – aufgrund des markanten Türmchens dennoch erkennbar – das Kaffeehaus.

Bildnachweise:
-) Kaffeehaus Schindler (Ausschnitt aus Mehrbildkarte), Außenansicht Café Rössler & Postkarte „Gruss aus Mistelbach“ aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer
-) Innenansichten Café Rössler – ausgestellt im Café Harlekin
-) Innenansichten Café Heindl – Mistelbacher-Laaer Zeitung, Nr. 29/1958, S. 4
-) Café Heindl – Göstl-Archiv
-) Bekleidungsgeschäft Tila & Innenansicht Harlekin – zur Verfügung gestellt von Reinhard Kruspel

Quellen:

Ziegelstätte (Kettlasbrunn)

Von Thomas Kruspel 18. Mai 2021 Aus

Lehmgruben und Ziegelöfen sind im Weinviertel aufgrund des lehmreichen Bodens weitverbreitet und beinahe jedes Dorf verfügte im Lauf der Jahrhunderte über mehrere solcher Ziegelproduktionsstätten. Bereits für das Jahr 1537 scheint die Existenz von zwei frühen Ziegelöfen in Kettlasbrunn durch Dokumente im niederösterreichischen Landesarchiv belegbar zu sein.221 In seiner Publikation „Ziegelöfen und Lehmabbaue der politischen Bezirke Mistelbach und Gänserndorf“ führt der Verfasser Herr Christian F. Ramml vier Ziegelöfen an, die im Laufe der Zeit hier bestanden, wobei ein Standort nicht näher überliefert ist. Die jüngste Ziegelei entstand 1904 als die Kettlasbrunner Familien Schwarzmayer (Nr. 26), Pribitzer (Nr. 61), J. Schwarzmann (Nr. 99), Rabenreither (Nr. 100) und M. Schwarzmann (Nr. 101) mittels Gesellschaftsvertrag die „Ziegeleigenossenschaft Kettlasbrunn“ gründeten. Deren Standort befand sich südlich des Dorfs am Ende der heutigen Straße „Ziegelstätte“, und der in die Genossenschaft eingebrachte Grundbesitz erstreckte sich von hier bis zu den Kellern der Blumenthalerstraße. 1916 erwarb Johann Pribitzer sämtliche Genossenschaftsanteile und gelangte somit in den Alleinbesitz der Ziegelei. Bis 1931 ist deren Betrieb belegt222, die Ziegelherstellung dürfte jedoch bald darauf, etwa zur Mitte dieses Jahrzehnts eingestellt worden sein223. Laut dem Häuserverzeichnis von OSR Leisser, dem Verfasser der Ortsgeschichte aus dem Jahr 1989, soll sich im Bereich des heutigen Hauses Postgasse Nr. 6 (zuvor Nr. 178) jedoch schon im 19. Jahrhundert ein Ziegelofen der Familie Rath befunden haben.224 Dieser Standort, damals unmittelbar am Ortsrand gelegen, würde erklären, weshalb das Gebiet bereits hier (dem Beginn der gegenständlichen Straße und in einiger Entfernung zum Genossenschaftsziegelofen) als „Ziegelgstetten“ bezeichnet wurde. Möglicherweise handelt es sich dabei gar um jenen Ziegelofen, dessen Lage bei Ramml nicht verortet werden konnte.225 Allerdings ist auf altem Kartenmaterial in diesem Gebiet kein Ziegelofen ersichtlich.

2004 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat im Zuge der Einführung von Straßennamen in der Katastralgemeinde Kettlasbrunn, die zur einstigen Ziegelei führende Straße in Anlehnung an die für dieses Areal umgangssprachlich gebräuchliche Bezeichnung „Ziegelstätte“ zu benennen.226 Neben dem Straßennamen erinnert heute lediglich die noch erkennbare Lehmabbaukante auf dem teilweise mit Einfamilienhäusern verbauten Gebiet an dessen einstige Nutzung zum Zwecke der Ziegelproduktion.

Wo befindet sich die Straße „Ziegelstätte“?

 

Quellen:
-) Ramml, Christian Ferdinand: Ziegelöfen und Lehmabbaue der politischen Bezirke Mistelbach und Gänserndorf (Niederösterreich): Geschichte und Geologie – Archiv für Lagerstättenforschung, Band 27 (2014), S. 321f

Försterweg

Von Thomas Kruspel 17. Mai 2021 Aus

Laut dem „Nachtrags-Häuserverzeichnis“ in Fitzkas Nachtrags- und Ergänzungsband zur Geschichte der Stadt Mistelbach reichte die Bebauung der linken Seite der Oberhoferstraße im Jahre 1912 bereits bis zur Einmündung der Franz Josef-Straße.227 In diesem oberen Bereich der Oberhoferstraße hatte der Mistelbacher Gemeindeförster Martin Sklenař jun. im Jahr 1900 sein Haus an der Adresse Oberhoferstraße Nr. 99 errichtet.228 Der Bauplatz für Nr. 97 kam als Garten zu Sklenařs Haus und auf der Parzelle für Nr. 95, zwischen Sklenař und dem Haus Oberhoferstraße Nr. 93 (damals Anton Platschka), wurde schließlich ein Verbindungsweg zwischen der Franz Josef-Straße und der Oberhoferstraße – der heutige Försterweg – geschaffen. Dieser laut damaligem Gemeindeausschuss-Beschluss „neueröffnete Verbindungsweg“ erhielt im September 1911 zunächst den Namen „Flurgasse“229, bevor 1913 der bisherige Name der unteren Waisenhausstraße (zwischen Waldstraße und Winzerschulgasse) „Feldgasse“ auf ihn übertragen wurde.230

Das Haus von Forstmeister Martin Sklenař jun. in der Oberhoferstraße Nr. 99, das an den Försterweg angrenzt, war bis 1957 auch Sitz der Forstverwaltung der Gemeinde. Der Hirschkopf über der Toreinfahrt weist noch heute auf den einstigen Wohnsitz des Gemeindeförsters hin.Das Haus von Forstmeister Martin Sklenař jun. in der Oberhoferstraße Nr. 99, das an den Försterweg angrenzt, war bis 1957 auch Sitz der Forstverwaltung der Gemeinde. Der Hirschkopf über der Toreinfahrt weist noch heute auf den einstigen Wohnsitz des Gemeindeförsters hin.

Von 1850 bis 1975, also 125 Jahre und über drei Generationen lag die Betreuung des Gemeindewaldes in den fachkundigen Händen der Försterfamilie Sklenař. Trotzdem sich der Wohnsitz des ab 1935 tätigen Forstmeisters Ing. Oskar Sklenař später andernorts befand, blieb die Forstverwaltung der Gemeinde bis Ende des Jahres 1957 in seinem Elternhaus in der Oberhoferstraße untergebracht, ehe deren Sitz ins Amtsgebäude auf dem Hauptplatz verlegt wurde.231

Am 30. Oktober 1978 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat den Verbindungsweg zwischen Oberhoferstraße und Franz Josef-Straße zur Erinnerung an den einst hier wohnhaften Gemeindeförster Martin Sklenař jun. bzw. die hier vormals beheimatete Forstverwaltung „Försterweg“ zu benennen.232

Da der als Einbahn geführte Försterweg eine reine Verbindungsstraße ist und nicht Teil einer Hausadresse, dürfte der Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) aus dem Jahr 1913 über die Benennung als „Feldgasse“ im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten sein und nachdem 1968 in der erweiterten Schloßbergsiedlung eine Straße „Feldgasse“ benannt wurde, gab es zwischen 1968 und 1978 also faktisch zwei Straßen mit gleichem Namen.

Wo befindet sich der Försterweg?

 

Bildnachweis: Thomas Kruspel (2018)

Quellen:

Feldgasse

Von Thomas Kruspel 10. Mai 2021 Aus

Im Zuge des Ausbaus der Schloßbergsiedlung wurde eine dort neu angelegte Straße mit Beschluss des Gemeinderates vom 17. Dezember 1968 „Feldgasse“ benannt.233 Tatsächlich handelt sich bereits um die dritte Gasse dieses Namens in der Geschichte der Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Haus mit der Konskriptionsnummer 151 in der Waldstraße abgebrochen und an dessen Stelle eine Verbindungsstraße zur Winzerschulgasse geschaffen. Diese Straße, die dem unteren Teil der heutigen Waisenhaustraße entspricht, erhielt mit Einführung der Straßennamen 1898 den Namen „Feldgasse“.234 Durch die Eröffnung des oberhalb dieses Straßenabschnitts gelegenen Bezirks-Waisenhauses im Jahre 1910 und dem etwa zeitgleich erfolgten Ausbau zur Bezirksstraße, und damit zur Hauptverkehrsverbindung nach Eibesthal, gewann diese Straße an Bedeutung und der neue Name „Waisenhausstraße“ wurde im Oktober 1913 schließlich auch auf die vormalige Feldgasse erstreckt. Mit demselben Beschluss des Gemeindeausschusses (=Gemeinderat) wurde der Name „Feldgasse“ auf den heutigen Försterweg, der zuvor „Flurgasse“ hieß, übertragen.235 Zweitere Namensgebung dürfte im Laufe der Jahre wohl in Vergessenheit geraten sein, was allerdings nicht weiter verwundert, handelt es sich doch nur um einen kurzen Verbindungsweg zwischen Franz Josef-Straße und Oberhoferstraße und dieser Straßenname war auch nie Teil einer Hausadresse. Da der Försterweg seinen heutigen Namen erst 1978 erhielt, gab es zwischen 1968 und 1978 faktisch zwei Straßen mit gleichem Namen, was jedoch aus oben angeführten Gründen scheinbar nicht weiter auffiel. Gemein war allen drei Straßen, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Benennung als „Feldgasse“, am Stadtrand lagen und zu landwirtschaftlich genutzten Feldern führten bzw. unmittelbar an solche angrenzten.

Wo befindet sich die Feldgasse?

 

Quellen:

Alfons Petzold-Straße

Von Thomas Kruspel 5. Mai 2021 Aus

Anfang der 1960er Jahre wurde neben dem damals neuen Altersheim in der Liechtensteinstraße (heute: Pflege- und Betreuungszentrum Mistelbach) eine neue Siedlung durch die „GEBÖS“ (Gemeinnützige Baugenossenschaft Österreichischer Siedler und Mieter) geschaffen.235 Mit Beschluss des Gemeinderats vom 12. November 1964 wurde die durch diese Siedlung verlaufende Straße nach dem österreichischen Schriftsteller Alfons Petzold (*1882, †1923) benannt.236 Die Namensgebung geschah zweifellos auf Anregung der SPÖ-Vertreter im Gemeinderat, schließlich wird Petzold innerhalb der Sozialdemokratie als Arbeiterdichter verehrt. Schon anlässlich seines frühen Todes zeigten sich auch die Mistelbacher Sozialdemokraten betroffen und veranstalteten im Februar 1923, also knapp ein Monat nach seinem Tod, eine „Petzold“-Gedenkfeier mit Rezitationen aus seinem Werk im Hotel Rathaus.237

Später wurde die Alfons Petzold-Straße über die Neustiftgasse hinaus erweitert.

Wo befindet sich die Alfons Petzold-Straße?

Quellen:

Herzog Albrecht-Straße

Von Thomas Kruspel 1. Mai 2021 Aus

Wann Mistelbach das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarktes erhielt und somit zum Markt erhoben wurde, ist nicht überliefert. Zweifellos muss es sich dabei um ein sehr altes Recht handeln, schließlich gab es bereits nahe der einstigen Burg auf dem Kirchenberg einen Marktplatz, der Anfang des 14. Jahrhunderts durch Anlage eines neuen, weitläufigen Marktes (=Hauptplatz) ersetzt wurde. Ein darüber hinausgehendes Privileg stellte das Recht zur Abhaltung eines Jahrmarktes dar, bei dem es sich, wie der Name bereits nahelegt, ursprünglich um ein einmaliges Ereignis im Jahresablauf handelte. Während bei den Wochenmärkten die Bauern aus der Umgebung ihre Waren anboten, brachte ein Jahrmarkt auswärtige fahrende Händler und in früherer Zeit auch Schausteller in den Ort und ein solches Ereignis zog die Bewohner der gesamten Region an. Die vielen Menschen, die zu diesen Anlässen herbeiströmten, bedeuteten für die hiesigen Wirtshäuser, Kaufleute und Handwerker gute Geschäfte und das Privileg zur Abhaltung solcher Jahrmärkte war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, dessen Verleihung damals dem Landesherrn vorbehalten war. Der Habsburger Herzog Albrecht III. (*1349, †1395), genannt „Albrecht mit dem Zopf“, regierte das Herzogtum Österreich von 1365 bis 1395, und verlieh dem Markt Mistelbach am 14. April 1372 erstmals das Recht zur Abhaltung eines Jahrmarktes zu Michaeli (29. September). Die Verleihung war der Dank des Herzogs für die treuen Dienste seines Oberstmarschalls Wernhard von Maissau, dem damaligen Besitzer des Marktes Mistelbach. Neben dem Michaelimarkt erhielt Mistelbach in den folgenden Jahrhunderten das Recht zur Abhaltung dreier weiterer Jahrmärkte: Pfingstmarkt (1597), Fastenmarkt (1614) und Adventmarkt (1626). Rund um diese Jahrmärkte wurden bis ins 20. Jahrhundert auch Spezialmärkte, bspw. Vieh- und Rossmärkte, abgehalten.

Die Urkunde über den durch Herzog Albrecht III. verliehenen Jahrmarkt befindet sich im StadtMuseumsarchivDie Urkunde über den durch Herzog Albrecht III. verliehenen Michaeli-Jahrmarkt befindet sich im StadtMuseumsarchiv

 

Jahrmarkt auf dem Mistelbacher Hauptplatz 1910Jahrmarkt auf dem Mistelbacher Hauptplatz 1910

Obwohl sie ihre einstige wirtschaftliche Bedeutung längst verloren haben, bestehen der Wochenmarkt und die vier Jahrmärkte bis heute.

Anfang der 2000er Jahre wurde mit der M-City (eröffnet 2005) ein neues Handelszentrum außerhalb des Stadtgebiets geschaffen, in dessen Umfeld sich in den Folgejahren weitere Handelsbetriebe angesiedelt haben. Bereits am 11. Dezember 2003 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat die zur M-City führende bzw. sie umlaufende Straße Herzog Albrecht-Straße zu benennen. Die Namensgebung soll an die Verleihung des ersten Jahrmarktrechts durch Herzog Albrecht III. erinnern, die einen ersten Schritt zur Etablierung Mistelbachs als regionales Handelszentrums darstellt. Im weiteren Sinne wurde damit zwischen altem (Hauptplatz) und neuem (M-City) Handelszentrum eine symbolische Brücke geschlagen.

Wo befindet sich die Herzog Albrecht-Straße?

 

Quellen:
-) Wortlaut der Urkunde aus 1372 abgedruckt in Bote aus Mistelbach, Nr. 12/1899, S. 6
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach (1901), S. 243
-) Koch, Univ.-Prof. Dr. Bernhard: Die wirtschaftliche Entwicklung Mistelbachs (bis ins 18. Jahrhundert) In: Mitscha-Märheim, Univ.-Prof Dr. Herbert (Hrsg.): Mistelbach Geschichte (1974),  S. 279 bzw.  Spreitzer, Prof. Hans: Von den Häusern, Straßen, Gassen und Plätzen Mistelbachs In: Mitscha-Märheim, Univ.-Prof Dr. Herbert (Hrsg.): Mistelbach Geschichte (1974),  S. 203
-) Czacha, Don Clemens: Art. Mistelbach In: Verein für Landeskunde von Niederösterreich (Hrsg.): Topographie von Niederösterreich, Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 619
-) Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 11.12.2003

Bildnachweis:
-) Jahrmarkt um 1910: aus der Sammlung von Frau Rehrmbacher
-) Abbildung der Urkunde über die Verleihung des Michaelimarkts aus Exl, Mag. Engelbert M. (Hrsg.): 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 169

Edisongasse

Von Thomas Kruspel 16. April 2021 Aus

Im November 1991 wurde im Gewerbegebiet an der Mitschastraße, hinter dem Baumarkt, das neu errichtete Bezirks-Fernmeldebauzentrum der staatlichen „Post- und Telegraphenverwaltung“ in Betrieb genommen und im darauffolgenden Juni in Anwesenheit des Generaldirektors auch offiziell eröffnet. Bereits in der Sitzung vom 6. März 1991 hatte der Mistelbacher Gemeinderat beschlossen die Zufahrtsstraße zu diesem Betriebsstandort nach dem US-amerikanischen Techniker und genialen Erfinder Thomas Alva Edison zu benennen, der die technische Entwicklung in vielen Bereichen, unter anderem auch in der Telekommunikation, maßgeblich vorantrieb. Nach der Umstrukturierung bzw. Privatisierung der Postbetriebe Ende der 1990er Jahre gehörte die in dieser Gasse befindliche Niederlassung zur A1 Telekom Austria.

Wo befindet sich die Edisongasse?

 

Quellen:
-) Englisch, Egon/Heisinger, Ludwig/Leithner, Johann/Kleibl, Karl: Die Geschichte der Post in Mistelbach – zum Jubiläum 150 Jahre Postamt Mistelbach 1849-1999 (1999), Band VII der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, S. 29
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert M. (Hrsg.): 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 238

Dr.-Brunauer-Gasse (Eibesthal)

Von Thomas Kruspel 9. April 2021 Aus

Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Eibesthal fasste der Mistelbacher Gemeinderat am 18. März 1983 den Beschluss, eine neben der Eibesthaler Pfarrkirche verlaufende Gasse nach dem langjährigen Pfarrer und Eibesthaler Ehrenbürger Dr. Anton Brunauer-Dabernig zu benennen. Laut Beschluss lautet der Name schlicht „Brunauer-Gasse“, doch hat sich der Straßenname im Laufe der Zeit zur heutigen Bezeichnung „Dr.-Brunauer-Gasse“ gewandelt. Nachdem Pfarrer Brunauer-Dabernig in Eibesthal oft schlicht als „Herr Doktor“ bezeichnet wurde, erscheint diese Ergänzung stimmig.

Wo befindet sich die Dr.-Brunauer-Gasse?

Neydhart, Johann

Von Thomas Kruspel 7. April 2021 Aus

Bürgermeister Johann Neydhart

* 29.7.1891, SiebenhirtenJohann Neydhart, Bürgermeister von Siebenhirten 1945 bis 1955
† 8.11.1977, Klosterneuburg

Johann Neydhart wurde 1891 als fünftes von acht Kindern des Landwirts Mathias Neydhart und dessen Gattin Anna, geb. Schodl, in Siebenhirten geboren.238 Neydharts Vater war auch in der Siebenhirtner Gemeindevertretung aktiv und gehörte in den 1890er Jahre dem Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) an.239 Der Name Neydhart (im Laufe der Jahrhunderte in wechselnder Schreibweise) lässt sich in Siebenhirten durch alte Urkunden jedenfalls bis ins Jahr 1414 zurückverfolgen.240 In der von Prälat Franz Stubenvoll verfassten Ortschronik finden sich in der Liste der Dorfrichter – Vorläufer des Bürgermeisters – auch folgende Personen, bei denen es sich wohl um Vorfahren bzw. Verwandte von Neydhart handelte: Matheus Neidhart (1608), Matthias Neidhart (1804-1812), Franz Neidhart sen. (1820), Franz Neidhart jun. (1826, 1830)

Sein Elternhaus, damals Nr. 59 (heute: Johann Neydhart-Weg Nr. 5), befand sich allerdings erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Familienbesitz241 und Neydhart wuchs hier mit einem Bruder (ein weiterer gleichnamiger Bruder starb vor seiner Geburt), und fünf Schwestern auf. Zweifellos absolvierte er die achtjährige Pflichtschulbildung in der damals zweiklassig geführten Volksschule in Siebenhirten. Da sein älterer Bruder Mathias die Wirtschaft der Familie übernahm in die er später einheiratete, war Johann Neydhart zum Nachfolger in der elterlichen Landwirtschaft (Halblehen) bestimmt. Weltpolitisches Geschehen stand dem jedoch zunächst entgegen, denn im Alter von 23 Jahren wurde er nach Ausbruch des 1. Weltkriegs zum k.k. Infanterieregiment Nr. 99 eingezogen und mit der 16. Kompanie dieser Einheit Ende Oktober 1914 an die Ostfront verlegt. Hier erlebte der Infanterist Neydhart kurz darauf seine Feuertaufe im Kampf gegen die Truppen des Zaren in der Schlacht am San in Galizien und wurde im August des Folgejahres verwundet.242 Da der Grad seiner Verwundung nicht überliefert ist, ist unklar, ob sein Kriegseinsatz damit endete oder er nach seiner Genesung wieder an die Front abrücken musste.

Im Zuge einer Doppeltrauung – gemeinsam mit einer seiner Schwestern – ehelichte er am 21. Februar 1922 Anna Maria Trischak (*1891, †1966), die Tochter eines Siebenhirtner Landwirts.243 Dieser Ehe entstammten eine Tochter und ein Sohn. Johann Neydhart jun. fiel 1944 im Alter von nur 18 Jahren in Frankreich und damit starb der männliche Stammhalter der Familie.244 Johann Neydhart selbst entrann 1938 nur knapp dem Tode als er gemeinsam mit seinem Nachbarn Johann Böhm in dessen Keller aufgrund der Bildung von Gärgas beinahe erstickt wäre.245

Ende Mai 1945 wurde Neydhart von der russischen Besatzungsmacht als Bürgermeister der Gemeinde Siebenhirten eingesetzt246, und in dieser Funktion später auch von dem durch den Drei-Parteien-Ausschuss der niederösterreichischen Landesregierung eingesetzten Gemeinderat offiziell bestätigt.247 Die erste Zeit seiner Tätigkeit als Bürgermeister war durch die Anwesenheit sowjetischer Soldaten im Dorf und der damit einhergehenden Begleiterscheinungen (Übergriffe, Willkür, Requirierungen) geprägt bzw. erschwert, und die Situation entspannte sich erst nachdem die Besatzungssoldaten 1946 aus Siebenhirten abgezogen wurden. Es galt die Kriegsschäden zu beseitigen, die Verwaltung und Versorgung wiederaufzubauen und Bürgermeister Neydhart schaffte dies allen Widrigkeiten der damaligen Zeit zum Trotz mit großem Erfolg. Bei den ersten Gemeinderatswahlen nach dem Krieg im Mai 1950 wurde er als Kandidat der Bauernbund-Liste (einer von zwei im Ort angetretenen ÖVP-Listen) in den Gemeinderat gewählt und schließlich im Amt bestätigt. Nach zehnjähriger Amtszeit als Bürgermeister hatte sich Neydhart entschlossen bei den Gemeinderatswahlen 1955 nicht erneut zu kandidieren und zog sich in weiterer Folge aus der Gemeindepolitik zurück. Die Ankündigung seines Rückzug bzw. die dadurch notwendige Nominierung eines Bürgermeisterkandidaten löste innerhalb der Siebenhirtner Volkspartei bzw. besser gesagt unter den ihr zugehörigen Bünden einige Spannungen aus, die letztlich auch dazu führten, dass die ÖVP bei der Gemeinderatswahl 1955 mit drei verschiedenen Listen antrat.248

Wenig überraschend war Neydhart bereits vor und auch nach seiner Zeit als Bürgermeister vielseitig im Vereins- und Gemeinschaftsleben des Dorfes engagiert: Seit seiner Jugend und letztlich mehr als 60 Jahre hindurch war er in der Chormusik der Pfarre aktiv.249 Weiters gehörte Neydhart seit 1908 der Freiwilligen Feuerwehr Siebenhirten an und war auch in diesem Verein über Jahrzehnte engagiert. Von 1933 bis 1937 war Neydhart außerdem Obmann der Siebenhirtner Milchgenossenschaft.250 Mit Sicherheit gehörte er auch bereits dem in der Zwischenkriegszeit bestehenden Militär-Veteranenverein an, schließlich war er später Obmann des in den 1950er Jahren gegründeten Siebenhirtner Ortsverbands des Österreichischen Kameradschaftsbundes.251 Von etwa 1950 bis 1964 war Johann Neydhart Pächter der Gemeindejagd und als ab 1965 eine Jagdgesellschaft als Pächter auftrat, deren Jagdleiter von 1965 bis 1971.252

1956 wurde ihm aus Anlass seines 65. Geburtstags und aufgrund seiner großen Verdienste als Bürgermeister während der Zeit der Besatzung und des Wiederaufbaus die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde verliehen.253 Auch seitens der Republik Österreich und des Bundeslandes Niederösterreich wurde Neydharts Einsatz für die Allgemeinheit in schwerer Zeit durch die Verleihung von Ehrenzeichen gewürdigt.254

Bereits 1952 hatten er und seine Gattin ihrer Tochter und dem Schwiegersohn das Haus überlassen, nachdem sie in ein im weitläufigen Vorgarten neu errichtetes kleineres Haus (Nr. 59a bzw. nunmehr Johann Neydhart-Weg Nr. 2) übersiedelt waren.255 Neydhart überlebte schließlich Gattin, Tochter und Schwiegersohn und da in der Häuserchronik der Ortsgeschichte von Prälat Stubenvoll ab 1975 andere Hausbesitzer aufscheinen256, liegt der Schluss nahe, dass er die letzten beiden Jahre seines Lebens vermutlich in einer Einrichtung für Senioren verbrachte. Gemäß einem Eintrag in den Pfarrmatriken, verstarb Johann Neydhart im November 1977 in Klosterneuburg, was ebenfalls für die im vorherigen Satz geäußerte Vermutung zu sprechen scheint. Seine sterblichen Überreste wurden im Familiengrab auf dem Siebenhirtner Ortsfriedhof beigesetzt.

Neydharts letzte Ruhestätte auf dem Siebenhirtner OrtsfriedhofNeydharts letzte Ruhestätte auf dem Siebenhirtner Ortsfriedhof

Im Zuge der Einführung von Straßennamen als Adressbezeichnung in der Katastralgemeinde Siebenhirten beschloss der Mistelbacher Gemeinderat am 7. März 2001 die Zufahrtsstraße zu Neydharts Geburtshaus in Erinnerung an den verdienten Altbürgermeister Johann Neydhart-Weg zu benennen.257 Somit tragen die beiden Häuser in denen Neydhart im Laufe seines Lebens wohnte heute seinen Namen in ihrer Adresse.

Wo befindet sich der Johann Neydhart-Weg?

 

Quellen:

Bildnachweis:
Portrait: Abb. 87 aus der Festschrift 200 Jahre Pfarre Siebenhirten (1984)
Foto Grab: Thomas Kruspel (2021)

Johann Neydhart-Weg (Siebenhirten)

Von Thomas Kruspel 6. April 2021 Aus

In der Sitzung vom 7. März 2001 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat im Zuge der Einführung von Straßenbezeichnungen in der Katastralgemeinde Siebenhirten eine Straße nach dem ehemaligen Siebenhirtner Bürgermeister und Ehrenbürger Johann Neydhart zu benennen. Es handelt sich dabei um die Zufahrtsstraße zu Neydharts einstigem Wohnsitz, wobei der ursprünglich vorgesehene u-förmige Straßenverlauf mit zweifacher Einmündung in die Dorfstraße bislang nicht realisiert wurde.

Wo befindet sich der Johann Neydhart-Weg?

 

Lustig, Philipp

Von Thomas Kruspel 3. April 2021 Aus

geschäftsführender Gemeinderat Philipp Lustig

* 4.6.1882, Spannberg
† 8.5.1938, Mistelbach

Philipp Lustig wurde 1882 als Sohn des Kaufmanns und Altwarenhändlers Nathan Lustig und dessen Gattin Berta (genannt „Mina“), geb. Sonnenmark in Spannberg im Bezirk Gänserndorf geboren. Seine Eltern stammten beide aus Mähren, väterlicherseits aus Eisgrub, und seit etwa 1873 war die jüdische Familie Lustig in Spannberg ansässig. Lustig wuchs mit neun Geschwistern (zwei weitere waren früh verstorben) im bäuerlich geprägten Spannberg auf und da die entsprechenden Bände der Schulchronik leider verloren gingen, kann nur angenommen werden, dass er hier wohl auch seine Pflichtschulbildung erhalten haben dürfte.

In weiterer Folge absolvierte er vermutlich andernorts eine Spenglerlehre, legte in diesem Handwerk erfolgreich die Meisterprüfung ab und eröffnete im Oktober 1907 eine Spenglerei im Haus seiner Eltern an der Adresse Spannberg Nr. 166.255 Im Jahr 1910 verlegte Lustig Wohnsitz und Betrieb von Spannberg nach Mistelbach und eröffnete seine Spenglerei im April 1910 an der Adresse Hauptplatz Nr. 12.256 Vermutlich ab 1912, jedenfalls jedoch noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs mietete er sich mit seiner Spenglerei schließlich in der weitläufigen Liegenschaft des Eckhauses Hauptplatz Nr. 27/Hafnerstraße Nr. 2 ein.257 Dieser Gebäudekomplex im Besitz der jüdischen Kaufmannsfamilie Weinmann beheimatete damals (wie auch heute) mehrere Geschäftslokale und jenes von Lustig befand sich etwa in der Mitte des der Hafnerstraße zugewandten Gebäudeteils (heute: ein Teil der Pizzeria Camillo). Das Geschäftslokal diente dem Handel mit Haushalts- und Küchenwaren, den sein Betrieb jedenfalls seit den 20er Jahren mitumfasste, und im Innenhof befand sich die Spenglerwerkstatt. Aber nicht nur die erwähnten Haushalts- und Küchenwaren bestanden damals zumeist aus Blech, Email bzw. sonstigen Metall und waren somit ein naheliegendes Zusatzgeschäft für Spengler, sondern auch viele für den Weinbau, insbesondere zur Schädlingsbekämpfung, benötigte Gerätschaften (Spritzen, Pumpen, Kessel, Wannen, etc.) auf deren Herstellung bzw. Reparatur sich Lustig spezialisiert hatte. Laut Angaben aus den 1920er bzw. 1930er Jahren beschäftigte er drei Arbeiter mit deren Hilfe er für das Spenglerhandwerk typische Arbeiten wie etwa die Herstellung und Montage von Dachrinnen, Blechdacheindeckungen bzw. den Einbau von Dachfenstern ausführte.258 Einen Großauftrag stellte sicherlich die 1928 von ihm vorgenommene Blecheindeckung der Turmzwiebel der Pfarrkirche von Kettlasbrunn dar.259 Vermutlich dürfte auch sein jüngerer Bruder David Lustig, dessen Beruf als Spenglergehilfe angegeben wurde, und der 1918 an der Front fiel, zumindest zeitweilig bei Lustig beschäftigt gewesen sein.

Bei dem zweiten Geschäft vom rechten Bildrand gesehen (siehe Markierung) handelt es sich um das Haushaltswarengeschäft bzw. die Spenglerei von Philpp LustigDas Geschäftslokal von Philipp Lustig in der Hafnerstraße Nr. 2 im Jahre 1928 (zweites Geschäft von rechts – siehe Markierung; erkennbar auch an den ausgestellten Blechwaren)

Auch Philipp Lustig diente im Ersten Weltkrieg als Soldat, wie Zeitungsberichte aus dem Jahr 1914 belegen.260 Unter anderem findet sich eine Kurzmeldung, die berichtet, dass die sechs Söhne und auch ein Schwiegersohn des Herrn Nathan Lustig aus Spannberg in die Armee einberufen wurden.261 Das Außergewöhnliche an dieser Meldung ist, dass sie ausgerechnet in der stramm deutsch-nationalen und antisemitischen „Österreichischen Land-Zeitung“ aus Krems erschien. In der damals herrschenden patriotischen Kriegsbegeisterung und des Zusammenhalts gegen einen äußeren Feind vergaßen offenbar sogar überzeugte Antisemiten kurzzeitig auf die seit Jahrzehnten gepflogenen Ressentiments gegenüber Juden. Im Juli 1916 findet sich erneut eine Meldung in derselben Zeitung, und zwar wird aus Mistelbach berichtet, dass „der hiesige Spenglermeister“ im Zuge eines Verwundetenaustausches aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt sei. Er sei zuvor in Kiew, Odessa, St. Petersburg und Moskau in Spitalsbehandlung gewesen und „spricht nicht lobend über die russischen Zustände“.262 Mangels Angabe eines Namens und da unklar ist, ob zu jener Zeit weitere Spenglermeister in Mistelbach tätig waren, kann nicht mit letzter Sicherheit daraus geschlossen werden, dass es sich um Philipp Lustig handelt. Einige Jahre vor dem Krieg scheinen im „Österreichischer Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe“ noch mehrere Spenglerbetriebe auf, 1920 bzw. bis Mitte der 1920er Jahre hingegen wird Lustig in diversen Gewerbeverzeichnissen als einziger Spenglermeister in Mistelbach geführt. Das Verschweigen des Namens mutet sonderbar an und könnte als ein bewusster gesetzter Akt interpretiert werden. Es würde der Ideologie des Blattes durchaus entsprechen, dass man sich zwar bemüßigt fühlte diese Neuigkeit zu vermelden, es allerdings vermeiden wollte den jüdischen Namen Lustig zu erwähnen. Leider findet sich im „Mistelbacher Bote“ keine derartige Meldung und auch eine Recherche zu Philipp Lustig in den vom k.u.k. Kriegsministeriums veröffentlichten Verlustlisten (in denen auch die Verwundeten angeführt werden) blieb ohne Ergebnis. Gegen die Vermutung, dass es sich bei erwähntem Spenglermeister um Lustig gehandelt haben könnte, spricht ein Inserat aus dem Jänner 1919 im Mistelbacher Bote in dem Lustig informiert, dass seine Spenglerei wieder in Betrieb sei und sämtliche Spenglerarbeiten übernehme.263 Diese Verlautbarung legt den Schluss nahe, dass Lustig bis Kriegsende gedient haben dürfte und unmittelbar nach seiner Heimkehr den Betrieb, der während seines Fronteinsatzes stillgelegt war, wieder eröffnete.264

Nach zehnjährigem Aufenthalt in der Stadt hatte Lustig Anspruch auf die Verleihung des Heimatrechts in der Gemeinde Mistelbach, das ihm im Mai 1920 mittels Gemeinderatsbeschluss zuerkannt wurde.265
Ein Bruder Lustigs war von 1921 bis 1932 Eigentümer des Hauses Gartengasse Nr. 22266, damals in unmittelbarer Nähe des israelitischen Tempels. Da dieser Bruder jedoch in Spannberg bzw. Dürnkrut lebte, wohnte Philipp Lustig hier gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Barbara („Wetti“/“Betti“) Pleininger (*1886, †1970).267 Pleininger, in anderen Quellen auch als seine „Lebensbegleiterin und Wirtschafterin“ bezeichnet, stammte ebenfalls aus Spannberg und war die katholische Tochter eines Schusters 268). Die Beziehung zwischen ihr und Lustig blieb kinderlos. 1931 erwarb Lustig das Haus Hafnerstraße Nr. 5 (heute: Optik Janner), das seinem Geschäftslokal gegenüberlag. Dieses Haus beherbergte zwei Geschäftslokale, und eines davon war seit Anfang des 20. Jahrhunderts an den jüdischen Kaufmann David Kasmacher vermietet, der hier eine Gemischtwarenhandlung betrieb und samt seiner Familie auch hier wohnte.269 Ende der 1920er bzw. Anfang der 1930er Jahre befand sich im linken Teil des Gebäudes das Geschäft des Mechaniker- bzw. Elektroinstallateurbetriebs von Karl Rösslers Witwe.270 Bald nach dem Erwerb des Hauses dürfte er seinen Wohnsitz hierher verlegt haben. Bestimmt hatte er den Vorsatz auch seinen Betrieb in das nunmehr ihm gehörige Haus zu verlegen, möglicherweise war er jedoch aufgrund laufender Verträge vorerst daran gehindert dieses Vorhaben zu verwirklichen, sodass sein Geschäft bis 1938 weiterhin an der Adresse Hafnerstr. 2 verblieb.

Diese in der NS-Zeit herausgegebene Postkarte nutzt eine Aufnahme aus der Zeit vor dem "Anschluss" (etwa 1935) und zeigt das Geschäft Lustigs in der Hafnerstraße 2 und das ihm gehörige Haus Hafnerstr. 5 in dem das Geschäft von David Kasmacher erkennbar ist.Diese in der NS-Zeit herausgegebene Postkarte nutzt eine Aufnahme aus der Zeit vor dem „Anschluss“ (etwa 1935) und zeigt das Geschäft Lustigs in der Hafnerstraße 2 und das ihm gehörige Haus Hafnerstr. 5 in dem das Geschäft von David Kasmacher erkennbar ist.

Im Jänner 1928 finden sich erste Belege für Lustigs Engagement in der Lokalorganisation (=Ortspartei in der damaligen Parteidiktion) der Sozialdemokratischen Partei, als er im Zuge der Generalversammlung zum Kontrollor (=Rechnungsprüfer) gewählt wurde.271 In der Zeit von 1930 bis jedenfalls 1933 hatte er die Funktion des Kassierstellvertreters der Lokalorganisation inne.272

Im Zuge der Gemeinderatswahl im November 1929 wurde Lustig als Vertreter der Sozialdemokraten in den Mistelbacher Gemeinderat gewählt und sein Einzug in den Gemeinderat wurde in der christlichsozialen und großdeutschen Regionalpresse von antisemitischen Kommentaren begleitet.273 Nachdem im November 1930 drei sozialdemokratische Gemeinderäte, darunter auch die beiden Vertreter der Partei im Gemeindevorstand (=geschäftsführende Gemeinderäte, heute Stadtrat genannt) ihre Mandate zurücklegten, sollte in der Gemeinderatssitzung vom 30. November 1930 die Ersatzwahl in dieses Gremium stattfinden. Die Sozialdemokraten nominierten als geschäftsführende Gemeinderäte Philipp Lustig und Leopold Kleindesner und diese wurden mit den Stimmen der sozialdemokratischen Mandatare und bei Enthaltung der bürgerlichen Majorität grundsätzlich auch gewählt.274 Nach der Wahl bemängelte die sozialdemokratische Fraktion jedoch, dass diese nicht formal korrekt erfolgt sei. Tatsächlich war die für eine derartige Wahl laut Geschäftsordnung vorgesehene Anwesenheit von drei Vierteln der Gemeinderatsmitglieder zum Zeitpunkt der Wahl nicht gegeben. Aus nachvollziehbaren Gründen hatten die Sozialdemokraten großes Interesse daran, dass ihre Vertreter im Gemeindevorstand formalrechtlich korrekt gewählt werden.  Das Verhältnis der Sozialdemokraten zur bürgerlichen Mehrheit (Christlichsoziale und Nationale) war jedoch äußerst angespannt und es existierte keine gemeinsame Gesprächsbasis, sodass diese Angelegenheit exemplarisch für die Stimmung im Gemeinderat während der Jahre der Ersten Republik gelten kann. Die Mehrheit nahm die Hinweise der Sozialdemokraten nicht ernst und erst aufgrund einer Beschwerde bei der Landeswahlbehörde275, der letztlich Folge gegeben wurde, ordnete die Landesbehörde eine Wiederholung der Wahl an. Diese erfolgte schließlich am 10. März 1931 und es wurden die sozialdemokratischen Gemeinderäte Lustig und Karl Stropek (statt zuvor Kleindesner) in den Gemeindevorstand, und damit zu geschäftsführenden Gemeinderäten (entspricht heute dem Stadtrat) gewählt.276 Ab 1930 gehörte Lustig auch dem Ortsschulrat an277 und 1932 wurde er als einer von mehreren Arbeitgebervertretern in den Vorstand der Gebietskrankenkasse für den Bezirk Mistelbach gewählt.278

Die gewaltsame Auseinandersetzung im Februar des Jahres 1934 mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits verbotenen Republikanischen Schutzbund nahm das Dollfuß-Regime zum Anlass für ein Verbot der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Teilorganisationen und entzog den gewählten Vertretern dieser Partei die Mandate in allen demokratischen Institutionen. Zwar war Lustig geschäftsführender Gemeinderat und somit einer der wichtigsten Vertreter seiner Partei in der Gemeindepolitik, allerdings hatte er in der Parteiorganisation keinerlei herausragende Stellung inne. Ob er daher, wie viele seiner Genossen in ganz Österreich, zumindest kurzzeitig Repressalien, wie etwa Untersuchungshaft, zu erleiden hatte, ist nicht bekannt. Beispielhaft sei hier das tragische Schicksal des hauptamtlichen Parteisekretärs Karl Stropek erwähnt, der gemeinsam mit Lustig in den Gemeindevorstand gewählt wurde, und der sich nach zweimonatiger Untersuchungshaft im Arrest des hiesigen Bezirksgerichts selbst das Leben nahm.

Aufgrund seiner exponierten Stellung als ehemaliger sozialdemokratischer Gemeinderat jüdischer Herkunft und Unternehmer war Lustig vermutlich besonders als Ziel des nationalsozialistischen Terrors, der unmittelbar mit dem „Anschluss“ einsetzte, prädestiniert. Der durch SA-Männer überwachte Boykott jüdischer Geschäfte bzw. eine absehbar drohende Arisierung seines Unternehmens bedeuteten für ihn zudem eine wirtschaftlich aussichtslose Lage. All dies und schließlich die Angst vor dem was noch kommen würde oder eine Vorahnung dessen, führten dazu, dass Lustig am 8. Mai 1938 in den Selbstmord flüchtete und sich erhängte.279 Ein Wiener Sterbevorsorgeverein kümmerte sich um die Kremierung und Beisetzung der sterblichen Überreste im Urnenhain der Feuerhalle Simmering. Zwanzig Jahre nach seinem Tod wurde das Urnengrab aufgelassen.280

Einige seiner Geschwister verstarben bereits vor 1938 eines natürlichen Todes bzw. fiel ein Bruder im 1. Weltkrieg. Jene fünf Geschwister, die die Herrschaft des Nationalsozialismus miterleben mussten, haben diese nicht überlebt: Ein Bruder flüchtete so wie Philipp Lustig in den Freitod und die anderen vier Geschwister wurden deportiert und ermordet.281

In seinem Testament hatte Lustig Barbara Pleininger als seine Universalerbin (mit Einschränkungen bzgl. der Nacherbschaft) bestimmt282 und diese übernahm das Geschäft, in dem sie seit vielen Jahren mitgearbeitet hatte, mit 8. Juni 1938, beschränkte sich jedoch fortan auf den Handel mit Haushalts- und Küchengeräten. Die Spenglerwerkstatt dürfte sie augenscheinlich an Matthias Strobl verkauft haben, der die Eröffnung seiner Spenglerei an der Adresse Hafnerstr. Nr. 2 mit 15. September 1938 mittels Zeitungsannonce mitteilte.283

Die im Mistelbacher Bote (Nr. 24/1938, S.7) veröffentlichte Anzeige der Geschäftsübernahme nach Abschluss der Verlassenschaftsverhandlung

Die im Mistelbacher Bote (Nr. 24/1938, S.7) veröffentlichte Anzeige der Geschäftsübernahme nach Abschluss der Verlassenschaftsverhandlung

Die Ankündigung der Fortführung „im arischen Sinne“ in obiger Anzeige war eine in Zusammenhang mit Arisierungen übliche Formulierung und ist bestimmt nicht als Ausdruck von Pleiningers Werthaltung zu verstehen. Nachdem Mistelbach bereits im September 1938 als „judenfrei“ galt und somit auch die Familie Kasmacher, die ihr Geschäft in weiser Voraussicht, bevor es arisiert werden konnte, liquidiert und Mistelbach verlassen hatte, war nun für Pleininger die Möglichkeit gegeben das Geschäft in das nunmehr ihr gehörende Haus Hafnerstraße Nr. 5 zu verlegen. Die Übersiedlung des Betriebs an die gegenüberliegende Adresse dürfte vermutlich noch in der zweiten Jahreshälfte 1938 bzw. spätestens im Frühjahr 1939 erfolgt sein. Barbara Pleininger führte den Handel mit Haushalts- und Küchenwaren, untergebracht im linksseitigen Geschäftslokal des Gebäudes, bis 1954.284 Danach dürfte sie das Geschäft an Elisabeth Matsch verpachtet haben, die in Branchenverzeichnissen bis 1961 mit einem Haushaltswaren- und Küchengerätegeschäft an dieser Adresse als ihre Nachfolgerin aufscheint.

Am 26.03.1998 beschloss der Gemeinderat zur Erinnerung an den einzigen jüdischen Stadtrat in Mistelbach und dessen bedauerliches Schicksal eine Straße am oberen Ende der Steinhübelsiedlung Philipp Lustig-Weg zu benennen.285

Wo befindet sich der Philipp Lustig-Weg?

 

Quellen (und Anmerkungen):
-) Eybel, Heinz /Jakob, Christa/Neuburger, Susanne: Verdrängt und Vergessen. Die jüdische Gemeinde in Mistelbach (2003), S.126, 194, 201
-) Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Mistelbach, Band II (2017), S. 510f (Anm.: Lustigs Bezug zum jüdischen Glauben ist unklar: Frau Prof. Höfler gibt zu Lustigs Biografie an, dieser sei aus dem Judentum ausgetreten (wobei unklar ist auf welche Quellen sich diese Angabe bezieht). Dem widerspricht jedoch die ebenfalls von ihr als Quelle angeführte Todfallsaufnahme durch den Notar Dr. Gärtner im Mai 1938 in der das Religionsbekenntnis Lustigs als „mosaisch“ angeführt wurde. Dank an Mag. Andreas Kloner für den Hinweis und die Übermittlung des Protokolls der Todfallsaufnahme.)
-) Höfler, Ida Olga: Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituelle Einrichtungen 1848-1939/45 – der politische Bezirk Gänserndorf, Band IV (2015), S. 1662f (Anm.: die Mitteilungen von Herrn Mag. Kloner und ebenso der Zeitpunkt der Verleihung des Heimatrechts belegen widerlegen die Annahme von Frau Prof. Höfler, dass Lustig erst 1912 nach Mistelbach übersiedelt sei)
-) Bayer, Franz/Spreitzer, Prof. Hans: „Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Heimatkundliche Schriftenreihe der Stadtgemeinde Mistelbach, Band I (1964), S. 173, 189 bzw. die aktualisierte Version „Die Bürgermeister Mistelbachs ab 1850, Die Stadträte und Gemeinderäte Mistelbachs seit der Stadterhebung im Jahre 1874“ In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Heimatkundliche Schriftenreihe der Stadtgemeinde Mistelbach, Band III (1982), S. 105;

Bildnachweis:
Fotos Hafnerstraße: digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Otmar Biringer aus der Sammlung von Herrn Lichtl

Baumgartner, Mag. Norbert

Von Thomas Kruspel 3. März 2021 Aus

Geistlicher Rat Mag. Norbert Baumgartner

Pfarrer Baumgartner im Jahre 1970
geb. 18.4.1934, Wien
gest. 25.4.1980, Wien

Norbert Baumgartner wurde 1934 in die in Wien-Döbling wohnhafte Familie von Ferdinand und Dr. Grete (geb. Tomek) Baumgartner geboren. Sein Vater betrieb eine Verlagsbuchhandlung, ursprünglich im 8. Bezirk, später im 19. Bezirk, und seine Mutter pausierte ihr Germanistik-Studium zunächst für die Familiengründung und Kinderziehung, promovierte jedoch schließlich 1943.

Baumgartner besuchte das Bundesgymnasium Wien-Döbling, wo er am 30. Juni 1952 die Reifeprüfung ablegte.286 Der spätere SPÖ-Innenminister Karl Blecha war einer seiner Klassenkameraden. Anschließend trat er im Wintersemester 1952/53 in das erzbischöfliche Priesterseminar ein und nahm das Studium der Theologie an der Universität Wien auf.287 Seine Entscheidung für eine geistliche Laufbahn fügt sich in das Bild der stark vom katholischen Glauben geprägten Familie Baumgartner, schließlich verlegte sein Vater hauptsächlich religiöse Literatur und auch Baumgartners älterer Bruder Ferdinand war drei Jahre vor ihm in das Priesterseminar eingetreten, entschied sich jedoch schlussendlich für einen profanen Lebensweg und wurde später Direktor der Universitätsbibliothek der Universität Wien.288

Das Studium schloss Baumgartner im Sommersemester 1957 erfolgreich mit dem Absolutorium (abs.theol.) ab, dem damals üblichen Abschluss für Studien, sofern man kein Doktorat anstrebte. Nachdem Ende der 1960er Jahre das Magisterium auch für Theologen eingeführt wurde, reichte Baumgartner eine Diplomarbeit nach, die die Voraussetzung für die Erlangung des Magister-Titels war, und spondierte zu Ende des Sommersemesters 1974 zum Magister der Theologie.289

Die Priesterweihe empfing er am 29. Juni 1957 und trat am 1. September desselben Jahres in der Stadtpfarre St. Christoph in Baden bei Wien seine erste Stelle als Kaplan an.290 Im Anschluss daran war er von September 1960 bis August 1961 Kaplan in der Stadtpfarre St. Othmar in Mödling291, und war später in seiner Laufbahn kurzzeitig in dieser Funktion auch in der Pfarre Wien-Erdberg tätig.292 Etwa von 1961 bis 1965 war er Sekretär und Zeremoniär bei Erzbischof-Koadjutor Dr. Franz Jáchym293 und ab September 1965 schließlich Kaplan in der Pfarre St. Leopold in Gersthof im 18. Wiener Gemeindebezirk sowie Religionsprofessor am Gymnasium & Realgymnasium 19 (GRG19 – Billrothstr. 26) im 19. Bezirk.294 An dieser Schule, die bis zum Schuljahr 1977/78 als Mädchengymnasium geführt wurde, wirkte er bis zu seinem Tod als engagierter Pädagoge und war auch als Lehrervertreter im Schulgemeinschaftsausschuss aktiv.

1970 wurde er zum Pfarrer in Kettlasbrunn berufen und seine berufliche Tätigkeit umfasste nun zwei räumlich getrennte Wirkungsbereiche: während der Woche war er in Wien bzw. zuletzt in  Klosterneuburg wohnhaft und unterrichtete als Religionsprofessor. An den Wochenenden und Feiertagen bzw. in den Ferien wirkte er mit vollem Einsatz als „Wochenendpfarrer“ in Kettlasbrunn.295

Pfarrer Baumgartner (rotes X) wird 1970 durch Bischofsvikar Prälat Stubenvoll in der Pfarre Kettlasbrunn feierlich installiert (Foto: W. Mliko)Pfarrer Baumgartner (rotes X) wird 1970 durch Bischofsvikar Prälat Stubenvoll in der Pfarre Kettlasbrunn feierlich installiert (Foto: W. Mliko)

Baumgartner schaffte es mit seiner humorvollen und gewinnenden Persönlichkeit, seiner Fähigkeit zu begeistern und seinem Organisationstalent die Kettlasbrunner Bevölkerung zu einer aktiven Pfarrgemeinschaft zu formen und zahlreiche Mitstreiter für die Umsetzung seiner Ideen zu gewinnen. Das erste Projekt, dass er an seinem neuen Dienstort in Angriff nahm war die Außenrenovierung der Pfarrkirche im Jahr nach seiner Ankunft. Zur Finanzierung dieses Vorhabens trug unter anderem der Reinerlös, der von ihm 1971 und 1972 organisierten und sehr erfolgreichen großen Faschingsumzüge im Ort, bei. Wie an diesem Beispiel bereits ersichtlich beschränkte sich Baumgartner keineswegs auf die Seelsorge, sondern brachte sich aktiv ins Gemeinschaftsleben des Dorfes ein und konnte so zahlreiche Projekte anstoßen und verwirklichen. 1973 gründete er den „Verein für Ortsverschönerung und Umweltschutz“, dem er bis zu seinem Ableben als Obmann vorstand.296 Der Verein realisierte beispielsweise die Neugestaltung des Kirchenbergs oder etwa die Renovierung der außerhalb des Ortes gelegenen „Pestsäule“, die auf seine Idee hin mit Mosaikbildern der vier Evangelisten versehen wurde.297 Auch der 1977 vollendete Neubau einer Aufbahrungshalle ging auf die Initiative von Pfarrer Baumgartner zurück. Ein großer Erfolg waren weiters die von ihm organisierten jährlichen Wallfahrten der Pfarrgemeinde. Es gelang ihm darüber hinaus eine Verbindung zwischen seinen beiden beruflichen Wirkungsbereichen herzustellen: So wirkten einige seiner Wiener Schüler und Schülerinnen auch bei der Gestaltung des Pfarrlebens in Kettlasbrunn mit und beteiligten sich etwa an Nikolofeiern, der Schulchor veranstaltete alljährlich ein Adventsingen bzw. wirkten Mitglieder dieses Chores bei der Aufführung von Singmessen in der Kettlasbrunner Pfarrkirche mit.298 Zu diesen Anlässen kümmerte sich Pfarrer Baumgartner um Quartiere für die Wiener Kinder und Jugendlichen und diese wurden von Kettlasbrunner Familien gastfreundlich aufgenommen. Anlässlich einer Pfarrvisitation zeigte sich Kardinal Dr. König vom Wirken Baumgartners derart beeindruckt, dass er ihn 1974 zum „Geistlichen Rat“ ernannte, ein Ehrentitel der Geistlichen sonst oftmals erst zu Ende ihrer Laufbahn verliehen wird.299

Mag. Norbert Baumgartner Anfang der 1970er JahreMag. Norbert Baumgartner Anfang der 1970er Jahre

Das nächste große Projekt wäre die bereits in Planung befindliche Innenrenovierung der Pfarrkirche gewesen, aber leider war es ihm nicht mehr vergönnt sein Werk zu vollenden. Das große Arbeitspensum, dass Pfarrer Baumgartner sich zumutete, forderte seinen Tribut: Während eines Schulausflugs in den Schönbrunner Tiergarten am 25. April 1980 erlitt er einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er wenige Stunden später im Krankenhaus zum göttlichen Heiland verstarb.300 Der plötzliche Tod des erst im 47. Lebensjahr stehenden, charismatischen Pfarrers und Lehrers war ein Schock für Kettlasbrunn und seine Wiener Schule. Sein Leichnam wurde am 30. April 1980 nach Kettlasbrunn überführt, aufgebahrt und Mitglieder der Pfarrgemeinde hielten die Totenwache. Am Tag darauf wurde das Requiem in der Pfarrkirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, seiner Lehrerkollegen und Schüler, von Erzbischof-Kodadjutor Dr. Franz Jáchym, dessen enger Mitarbeiter Baumgartner einst war, zelebriert.
Mag. Norbert Baumgartner wurde am 2. Mai 1980 im Familiengrab auf dem Klosterneuburger Martinsfriedhof beigesetzt.

Im Zuge der Einführung von Straßenbezeichnungen in Kettlasbrunn wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 14. Dezember 2004 die Mag. Baumgartner-Gasse zur Erinnerung an sein gedeihliches Wirken in dieser Katastralgemeinde nach ihm benannt.301

Wo befindet sich die Mag. Baumgartner-Gasse (Kettlasbrunn)?

Quellen:
-) Fotos: Wilhelm Mliko – Nachlass Fotoarchiv Mliko im Stadtmuseumsarchiv
-) Informationen aus dem Nationale des Studenten Norbert Baumgartner, lt. Auskunft des Archivs der Universität Wien
-) Wiener Kirchenzeitung, Nr. 19/1980, Jg. 131 (11. Mai 1980), S. 6
-) Leisser, Willibald: Kettlasbrunn im Weinviertel (1989), S. 75f

 

Philipp Lustig-Weg

Von Thomas Kruspel 1. März 2021 Aus

Mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 26. März 1998 wurde diese Straße am oberen Ende der Steinhübel-Siedlung nach dem ehemaligen Gemeinderat bzw. geschäftsführenden Gemeinderat (=Stadtrat) Philipp Lustig benannt. Tatsächlich dürfte die Geschichte dieses Weges aber bereits Jahrhunderte zurückreichen. Ende des 18. Jahrhunderts existierte die heute Richtung Eibesthal führende Waisenhaustraße noch nicht, allerdings zeigen die aus dieser Zeit stammenden Karten der Josephinischen Landesaufnahme, dass zwei Wege in den nahegelegenen Nachbarort führten und beide nahmen ihren Anfang etwa im Kreuzungsbereich Neustiftgasse/Hochgasse. Hier nahe dem vor Jahrhunderten abgekommenen Schloss der Herren von Mistelbach befand sich einst der „Alte Markt“, also das Zentrum Mistelbachs bevor an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert der Hauptplatz bereits in seinen heutigen Ausmaßen als „neuer Markt“ angelegt wurde. Dass wie beschrieben die beiden Wege nach Eibesthal hier ihren Anfang nehmen, kann wohl auch als Hinweis gesehen werden, dass diese Wege schon früh in der Geschichte Mistelbachs entstanden sind. Einer der beiden Wege zweigt kurz nach der beschriebenen Stelle von der Neustiftgasse links ab und dieser Weg, der im Ortsgebiet heute den Namen Christine Nöstlinger-Weg trägt, führt in etwa entlang der auf den historischen Karten verzeichneten Strecke als Güterweg in den Eibesthaler Unterort. Der zweite Weg führte über die Hochgasse in einen heute noch bestehenden Hohlweg, setzte sich entlang des heutigen Philipp Lustig-Wegs fort und zweigte dann via dem oberen Stück des Höhenwegs in jenen Weg ab, der der heute Richtung Eibesthal verlaufenden Straße entspricht.

Wo befindet sich der Philipp Lustig-Weg?

Schreiber, Andreas

Von Thomas Kruspel 28. Februar 2021 Aus

Gemeinderat Andreas Schreiber

* 19.12.1869, Mistelbach301
† 1.6.1950, Mistelbach

Andreas Schreiber wurde 1869 als Sohn des Gast- und Landwirts Andreas Schreiber und dessen dritter Gattin Klara, geb. Trestler, im Gasthaus „Zum goldenen Ochsen“ (Hauptplatz Nr. 6) geboren. Sein Vater war seit 1851 Besitzer dieser ältesten Gastwirtschaft der Stadt, deren Spuren bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen, und der zugehörigen Landwirtschaft.302 Schreiber senior, der in der Zeit von 1864 bis 1867 auch Bürgermeister der Stadt Mistelbach303 war, verstarb 1892 und sein gleichnamiger Sohn folgte ihm als Gastwirt im „goldenen Ochsen“ und auch als Landwirt nach. Zur Erbschaft nach dem Vater gehörte auch ein Ziegelofen, der weit außerhalb des Ortsgebiets in Richtung Siebenhirten lag.304

Das Gasthaus "Zum goldenen Ochsen" der Familie Schreiber am Mistelbacher Hauptplatz im Jahr 1900,Das Gasthaus „Zum goldenen Ochsen“ der Familie Schreiber am Mistelbacher Hauptplatz im Jahr 1900. Es scheint sehr wahrscheinlich, das sich unter den in den Fenstern des ersten Stockwerks erkennbaren Herren auch der Hausbesitzer Andreas Schreiber befindet. (Foto: Göstl-Archiv)

Am 12. Februar 1900 ehelichte er Anna Pfeil, die Tochter eines Mistelbacher Gerbereigehilfen, in der Pfarre Mariahilf in Wien305 und dieser Verbindung entstammten sieben Kinder, von denen drei jedoch bereits im Säuglingsalter verstarben306. Im selben Jahr verkaufte Schreiber das Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“ an die Gemeinde, die die Häuser Nr. 4 und 6 am Nordende des Hauptplatzes abbrach und an dieser Stelle das neue Amtsgebäude für Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft und Sparkasse errichtete. Auch im einstigen Spitalsviertel (etwa im Bereich Mitschastraße/Oserstraße/Thomas Freund-Gasse/Gspanngasse) kam es zu Ende des 19. Jahrhunderts zu einer räumlichen und baulichen Neuordnung und noch 1900 errichtete Schreiber hier an der Adresse Schulgasse (heute: Thomas Freund-Gasse) Nr. 6 ein Wohnhaus samt Wirtschaftsgebäuden.307 Schreiber widmete sich fortan (ausschließlich) der Landwirtschaft und gehörte zu den wohlhabendsten Bauern der Stadt.308 Wie lange er die oben erwähnte ererbte Ziegelei weiterbetrieb ist unklar, möglicherweise war deren Fortbetrieb nach der 1899 erfolgten Gründung des großen Ziegelwerks links der Bahnstrecke nicht mehr rentabel.

Er wurde 1905 als Kandidat der von Bürgermeister Thomas Freund angeführten „Vereinigten Bürgerpartei“ (Wahlbündnis aus Deutschnationalen & Christlichsozialen) in den Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) gewählt und erreichte im 1. Wahlkörper die meisten Stimmen.309 Bei der Ergänzungswahl Ende August 1908 wurde er erneut als Mitglied des Gemeindeausschusses bestätigt310 und gehörte schließlich von 1911 bis 1919 auch dem Gemeindevorstand (=Stadtrat) an, dessen Mitglieder, abgesehen vom Bürgermeister, damals als Gemeinderäte bezeichnet wurden.311 Nachdem Schreiber anlässlich der Reichsratswahl 1911 als Mitglied des Deutschfreiheitlichen Wahlausschusses aufscheint, ist seine politische Gesinnung als Deutschnationaler klar belegt und schon sein Aufstieg zum Gemeinderat nach der Gemeindeausschusswahl 1911, bei der die Deutschnationalen triumphierten, legte diesen Schluss nahe.312 Während seiner Zeit als Gemeinderat stand er der „Sektion für Bewirtschaftung der Gemeindeweingärten, Viehhirt und Stiererhaltung, Schutz der Bodenkultur“ des Gemeindeausschusses als Obmann vor.313 Während des Ersten Weltkriegs fanden keine Wahlen statt und somit erstreckte sich die Amtsperiode des zuletzt gewählten Gemeindeausschusses bis zu den ersten Gemeindewahlen in der neu gegründeten Republik im Jahr 1919, anlässlich derer sich Schreiber aus der Gemeindevertretung zurückzog. Weiters gehörte Schreiber von 1911 bis 1917 als von der Gemeinde entsandter Vertreter auch dem Ausschuss der Sparkasse Mistelbach an.314 Zu Beginn des Weltkriegs wurden die grundsätzlich musterungspflichtigen Mitglieder des Gemeindevorstands (=Bürgermeister und Gemeinderäte) zunächst von der Stellungspflicht enthoben, doch aufgrund des Kriegsverlaufs wurden auch sie im Februar 1916 schließlich der Musterung unterzogen und sollten alsbald einrücken.315 Auch Schreiber war für tauglich befunden worden, doch da er in seinem landwirtschaftlichen Betrieb unabkömmlich war und die Lebensmittelproduktion in der Heimat aufrechterhalten werden musste, konnte er sich durch ein Enthebungsgesuch dem Kriegsdienst entziehen.316

Bei der ersten Wahl zur neu geschaffenen niederösterreichischen Landwirtschaftskammer bzw. den Bezirksbauernkammern im Mai 1922 kandidierte Schreiber auf dem ersten Listenplatz des “Großdeutschen Hauer- und Bauernbundes” für den Gerichtsbezirk Mistelbach. Die großdeutschen Bauernvertreter blieben im Gerichtsbezirk Mistelbach allerdings selbst hinter den Bauernvertretern der Sozialdemokraten weit zurück, ganz zu schweigen vom klaren Sieger der Wahl – dem christlich-sozialen Niederösterreichischen Bauernbund, und somit konnte Schreiber kein Mandat erringen.317

Andreas Schreiber verstarb am 1. Juni 1950 und wurde zwei Tage später im Familiengrab auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.318

Schreibers letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher FriedhofSchreibers letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher Friedhof

Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren Schreibers Nachfahren noch in der Landwirtschaft tätig bzw. im Besitz von Ackerland in Mistelbach und langwierige Verhandlungen betreffend einen Grundankauf zwecks Ausbau der Industrieparkstraße zu einer durchgängigen Verbindungsstraße zwischen Mitschastraße und Ebendorfer Straße waren zunächst erfolglos geblieben. Schließlich konnte durch den damaligen Bürgermeister Ing. Resch eine Einigung erzielt werden, indem vereinbart wurde, dass eine Straße im Gemeindegebiet nach jener Person benannt werden sollte, der dieser Beitrag gewidmet ist. Daher beschloss der Gemeinderat im März 2001 einer bis dahin noch namenlosen Seitengasse am Ende der Bahnstraße den Namen Andreas Schreiber-Straße zu geben.319

Wo befindet sich die Andreas Schreiber-Straße?

 

Quellen (und Anmerkungen):

Andreas Schreiber-Straße

Von Thomas Kruspel 27. Januar 2021 Aus

Im Zuge von Grundankaufsverhandlungen der Stadtgemeinde mit einem Nachfahren von Andreas Schreiber wurde vereinbart eine Straße zum Gedenken an den einstigen Gemeinde- bzw. Stadtrat (1905-1919) zu benennen. Der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in der Sitzung vom 7. März 2001 die Namensgebung für diese am Ende der Bahnstraße gelegene Zufahrtsstraße.

Wo befindet sich die Andreas Schreiber-Straße?

Mag. Baumgartner-Gasse (Kettlasbrunn)

Von Thomas Kruspel 13. Januar 2021 Aus

Als mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 14. Dezember 2004 in Kettlasbrunn Straßenbezeichnungen eingeführt wurden, wurde diese Gasse nach dem ehemaligen Kettlasbrunner Pfarrer Mag. Norbert Baumgartner benannt.

Wo befindet sich die Mag. Baumgartner-Gasse?

Die Spanische Grippe in Mistelbach

Von Thomas Kruspel 5. Januar 2021 Aus

Zwar ist die Quellenlage eher bescheiden, aber dennoch können aus den vorhandenen Zeitdokumenten einige interessante Schlüsse zu den Auswirkungen der größten Pandemie des 20. Jahrhunderts in Mistelbach gezogen werden.

Der „Mistelbacher Bote“ berichtet in seiner Ausgabe vom 18. Oktober 1918 davon, dass die Spanische Grippe nun auch in Mistelbach angekommen sei. Es wird von vielen Erkrankungen berichtet und insbesondere Kinder seien sehr zahlreich betroffen, allerdings habe es laut diesem Bericht bislang kaum schwere Krankheitsverläufe gegeben.320

Das Virus fand damals in den durch den Ersten Weltkrieg bedingten Bewegungen von Menschenmassen, der schlechten Versorgungslage und den katastrophalen hygienischen Verhältnissen nach vier Kriegsjahren, insbesondere unter den Soldaten, ideale Verbreitungsbedingungen. Die Annahme, dass die Krankheit erstmalig durch verwundete Soldaten bzw. Kriegsgefangene nach Mistelbach gelangt sein könnte, erscheint durchaus plausibel. In dem auf mehrere Standorte (Krankenhaus, Kindergarten, Turnsaal, ehem. Notspital in der Hochgasse, später auch die Knabenschulgebäude) verteilten hiesigen Reservespital des Roten Kreuzes wurden neben den eigenen Verwundeten auch verletzte Kriegsgefangene versorgt. Im Jahr 1917 umfasste das Mistelbacher Reservespital insgesamt 541 Betten und es ist davon auszugehen, dass diese mit Fortdauer des Krieges auch in hohem Ausmaß belegt waren.321 Darüber hinaus befanden sich auch zumeist russische Kriegsgefangene in Mistelbach, die Zwangsarbeit in der Landwirtschaft verrichten mussten. Zwei italienische Kriegsgefangene, die am 21. Oktober 1918 im Reservespital verstarben, waren die ersten Todesopfer der Spanischen Grippe in Mistelbach. Bis Ende Oktober erlagen laut dem Sterbebuch der Pfarre fünf weitere italienische bzw. russische Kriegsgefangene dieser Krankheit im Vereins-Reservespital und im Mistelbacher Krankenhaus verstarben eine ältere Frau aus Schleinbach322 bzw. ein Kind aus Eibesthal. Unter der Mistelbacher Bevölkerung gab es im Oktober 1918 keine Todesopfer zu beklagen.323

Am 2. November 1918 berichtete der Mistelbacher Korrespondent der in Krems herausgegebenen „Österreichische Land-Zeitung“ in der Beilage „Unterm Manhartsberg“ (Anm. damalige Bezeichnung für das Weinviertel) davon, dass die Spanische Grippe nun auch in Mistelbach wüte.324 Kritisch bemerkt der Berichterstatter, dass pandemiebedingt zwar seit Anfang Oktober die Schulen geschlossen seien, aber etwa das Kino weiterhin geöffnet habe. Auch laut diesem Bericht habe es hier bislang noch keine bösartigen Krankheitsverläufe gegeben – die bis dahin verstorbenen Kriegsgefangenen bzw. auswärtigen Todesopfer wurden hier wohl bewusst ausgeklammert. Oftmals seien ganze Haushalte von der Erkrankung betroffen, doch sei das mittlerweile weit verbreitete Auftreten von Gliederschmerzen unter den bleichgesichtigen Kranken bereits als Zeichen für das Abklingen der Erkrankung zu deuten. Die Einschätzung bzw. Hoffnung des Berichterstatters, dass „die Seuche bereits im Abflauen“ sei, spiegelt sich in den Todesfällen des Monats November allerdings nicht wider, da in diesem Monat laut dem Sterbebuch der hiesigen Pfarre der Höchststand mit 23 Grippe-Todesfällen325 erreicht wurde. Unter diesen 23 Toten befanden sich: drei Soldaten, drei Kriegsgefangene, vier Flüchtlinge (Südtiroler Flüchtlingsstation), zehn (vermutlich) im Pfarrgebiet (Mistelbach, Lanzendorf, Ebendorf) wohnhafte Personen326 und drei Personen aus der weiteren Umgebung, die im Krankenhaus an den Folgen der Grippe verstarben. Im Dezember forderte die Pandemie fünf weitere Menschenleben (eine Person davon aus Mistelbach) und in den Monaten Jänner und April 1919 starb jeweils eine Person bzw. im März 1919 drei Personen an den Folgen dieser Erkrankung. Mit Ausnahme eines Todesopfers stammten alle im Frühjahr 1919 an der Grippe Verstorbenen aus Mistelbach.

Die obige Statistik zeigt bereits, dass die Zahl der Todesfälle in Mistelbach grundsätzlich durch die vorhandenen medizinischen bzw. sozialen Einrichtungen (Krankenhaus, Landessiechenanstalt, Waisenhaus), in denen Personen aus der näheren und weiteren Umgebung betreut bzw. untergebracht waren, verzerrt wird und diese nicht mit der Anzahl der Todesfälle unter den Bewohnern der Stadt gleichzusetzen ist. Damals erhöhten zusätzlich noch die in Mistelbach untergebrachten Südtiroler-Flüchtlinge und die zahlreichen verwundeten Soldaten und Kriegsgefangenen im Reserve-Spital die Zahl der in Mistelbach weilenden Personen und damit einhergehend stieg auch bereits zuvor die Zahl der nicht durch die Pandemie bedingten Todesfälle überproportional zur Einwohnerzahl der Stadt. Unabhängig davon woher die Toten stammten, wurde deren Ableben im Sterbebuch der Pfarre Mistelbach festgehalten. Die insgesamt fünfzehn Todesopfer unter den Einwohnern Mistelbachs deckten das gesamte Altersspektrum vom Säugling bis ins Greisenalter ab und auch in Ermangelung eines aufgrund der besonderen Umstände zu Kriegsende tauglichen Vergleichszeitraums, lässt deren vergleichsweise geringe Zahl wohl den Schluss zu, dass im Zeitraum November 1918 bis April 1919 keine signifikante Übersterblichkeit gegeben war.

Auch in den übrigen heutigen Katastralgemeinden gab es nur wenige Grippe-Tote zu beklagen, wie folgende auf Basis der Sterbebücher erstellte Übersicht zeigt:

Eibesthal: sieben Grippe-Tote im Zeitraum Oktober bis Dezember 1918 (drei davon verstarben in Mistelbach:  ein Kind (Okt.) und zwei Soldaten (Nov.) und diese werden oben bereits erwähnt und scheinen sowohl im Mistelbacher, als auch im Eibesthaler Sterbebuch auf.)327

Frättingsdorf: ein Grippe-Toter im November 1918328

Hörersdorf: vier Grippe-Todesfälle im Zeitraum November bis Dezember 1918329

Hüttendorf: keine Todesfälle in Zusammenhang mit der Spanischen Grippe.
Zwar gab es eine Influenza-Tote im August 1918, doch handelte es sich hierbei zweifellos um eine „gewöhnliche“ Grippe-Erkrankung mit Todesfolge, und nicht um einen frühen Fall der Spanischen Grippe, die sich erst später in der Region verbreitete.

Kettlasbrunn: ein Grippe-Toter im November 1918330; des Weiteren verstarb noch ein Kleinkind aus Kettlasbrunn im November 1918 im Mistelbacher Krankenhaus

Paasdorf: zwei Grippe-Todesfälle im Oktober bzw. November 1918331

Siebenhirten: Laut der Chronik von Prälat Stubenvoll erkrankten auch in Siebenhirten viele an der Spanischen Grippe, allerdings verlief die Erkrankung nur in zwei Fällen tödlich (beide im November 1918)332

Es ist fraglich, ob die Medizin bzw. konkret die Pathologie mit den ihr damals zur Verfügung stehenden technischen Mitteln auch tatsächlich alle an der Spanischen Grippe verstorbenen Menschen korrekt als solche identifizieren konnte. Schließlich zählten in damaliger Zeit Atemwegserkrankungen (Lungenentzündung, Bronchitis, Tuberkulose, …) allgemein zu den häufigsten Todesursachen und genau deren Auftreten im Zuge des Krankheitsverlaufs war dann die tatsächliche Todesursache der Opfer der Spanischen Grippe, wie klar aus den Einträgen im Sterbebuch hervorgeht. Bei den ersten drei Todesfällen wurde im Sterbebuch neben der Todesursache Lungenentzündung/Grippe in Klammern auch „morbus iberica“ (=spanische Krankheit) angemerkt, wohl um den als Todesursache neuen Terminus „Grippe“ näher zu beschreiben.  Erstaunlicherweise listete das von der Pfarre geführte Sterbebuch nicht nur Verstorbene der christlichen Konfessionen (inkl. russisch-orthodox) auf, tatsächlich finden sich darin auch Einträge zu zwei damals verstorbenen muslimischen Kriegsgefangenen aus Russland. Jüdische Opfer dieser Krankheit wären wohl in den Matriken der jüdischen Gemeinde Mistelbach festgehalten worden, allerdings gingen diese nach Auflösung der Gemeinde 1938 leider verloren, sodass etwaige jüdische Opfer der Spanischen Grippe in Mistelbach nicht nachverfolgt werden können. Allerdings finden sich in dem sehr umfangreichen und detailliert recherchierten Werk333 von Frau Prof. Ida Olga Höfler zu den Biografien der  jüdischen Bevölkerung des Bezirks Mistelbach keine Informationen zu an dieser Krankheit verstorbenen Personen unter der jüdischen Bevölkerung Mistelbachs.

Quellen (und Anmerkungen):

Kuntner, Emil

Von Thomas Kruspel 12. Oktober 2020 Aus

Landesrat Emil KuntnerLandesrat Emil Kuntner

* 31.5.1902, Breitenlee bei Wien (heute: Teil von Wien-Donaustadt)
† 12.4.1999, Wiener Neustadt

Kuntner wurde 1902 als Sohn des Emil Kuntner, eines Buchhalters in der Stadlauer Lackfabrik, und dessen Gattin Theresia, geb. Mörth, einer Schmiedemeisterstochter in der damals noch eigenständigen niederösterreichischen Gemeinde Breitenlee bei Wien (1938 nach Wien eingemeindet) geboren.334 Nachdem sein Vater 1907 an Tuberkulose verstorben war, wuchs er als einziges Kind seiner Eltern – ein jüngerer Bruder verstarb im Säuglingsalter – im Elternhaus der Mutter auf. Kuntner besuchte die Volksschule in Breitenlee und Hirschstetten und nach dem Absolvieren der Bürgerschule in Stadlau setzte er seine Ausbildung ab 1916 an der Lehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt fort. Da tägliches Pendeln große finanzielle und zeitliche Opfer bedeutet hätte, wohnte Kuntner den Großteil seiner Studienzeit in dem im Wiener Neustädter Neukloster untergebrachten Konvikt. Die autoritäre Führung und der stark konfessionelle Einfluss in Schule und Konvikt widerstrebten Kuntner und er wurde ein Anhänger des sozialdemokratischen Schulreformers Otto Glöckel, dessen Ideen ihn in seiner freisinnigen Weltanschauung bestärkten. Politische Betätigung war an der streng geführten Schule nicht möglich, doch schon bald nach der 1921 mit ausgezeichnetem Erfolg abgelegten Reifeprüfung, führte ihn sein Weg zur Sozialdemokratie.335

Ab 1922 war er als Volksschullehrer zunächst in Ringelsdorf, kurz darauf in Hohenau und ab 1923 bereits in Rabensburg336 tätig. Sein niedriges Junglehrergehalt, insbesondere in Zeiten der damals herrschenden Hyperinflation, besserte sich Kuntner auf, indem er privat zusätzlich Geigenunterricht erteilte.337 Am 24. August 1926 ehelichte er die aus Hohenau stammende und an der dortigen Schule tätige, vier Jahre ältere Lehrerkollegin Maria Hubinger in der Pfarre Maria Treu in Wien-Josefstadt.338 Nach dem Ablegen der Lehrbefähigungsprüfung für Bürgerschulen im Jahre 1927 unterrichtete Kuntner fortan an der Hohenauer Bürgerschule bzw. dem Nachfolger dieses Schultyps: der Hauptschule.339

Bereits 1921 trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP)340, der Vorläuferpartei der heutigen SPÖ, bei und während seiner Zeit in Rabensburg war er als Schriftführerstellvertreter (1925) bzw. Schriftführer (1926) der dortigen Lokalorganisation (=Ortspartei in der damaligen Parteidiktion) aktiv.341 Später nach seinem Wechsel an die Hohenauer Bürgerschule bekleidete er in der dortigen Lokalorganisation ebenfalls diese Funktion.342 Der damalige sozialdemokratische Bürgermeister von Hohenau und Landtagsabgeordnete Franz Popp, von Beruf ebenfalls in Wiener Neustadt ausgebildeter Lehrer, wurde zu Kuntners politischem Mentor. Kuntner zog im Zuge der Gemeinderatswahl 1929 für die Sozialdemokraten in den Gemeinderat ein und übernahm hier bereits in jungen Jahren die wichtige Funktion des Finanzreferenten der Gemeinde Hohenau.343 Kuntners erste Funktionsperiode als Gemeinderat endete jedoch bereits nach sechs Monaten, da die Mandatare der „Vereinigten Volkspartei“ – zu der sich Christlichsoziale und Großdeutsche zusammengeschlossen hatten – ihre Mandate niederlegten und so eine Auflösung des Gemeinderates durch die Landesregierung erzwangen. Doch die seitens der Bürgerlichen gegen den Bürgermeister erhobenen Vorwürfe des Amtsmissbrauchs, mit der sie ihre Mandatsniederlegung zu rechtfertigen suchten, erwiesen sich als haltlos und das wahltaktische Manöver in der Hoffnung die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten zu brechen, blieb erfolglos. Die Neuwahl Ende Juli 1930 brachte lediglich eine geringfügige Stimmenverschiebung, die auf die Mandatsverteilung keinerlei Auswirkung hatte und natürlich wurde Kuntner abermals in den Gemeinderat gewählt.344 In der Folge stieg Kuntner innerhalb der Partei 1931 zum geschäftsführenden Bezirksobmann der Bezirksorganisation Hohenau-Zistersdorf auf345, und gehörte ab 1932 dem neu gegründeten Gebietsausschuss der SDAP für das Marchfeld an.346 All dies endete jäh durch die Geschehnisse des 12. Februar 1934, als ausgehend von Linz der Widerstand des Republikanischen Schutzbundes – der sozialdemokratischen Wehrformation – gegen eine polizeiliche Hausdurchsuchung zu einem einige Tage währenden blutigen Bürgerkrieg eskalierte. Auf Anordnung des Landesgerichts für Strafsachen II in Wien wurden noch an jenem 12. Februar die führenden Sozialdemokraten in Hohenau, ebenso wie der Parteikader in allen anderen Teilen Österreichs, festgenommen.347 Kuntner wurde wegen Landesverrats in das Bezirksgericht Zistersdorf eingeliefert, da gegen ihn der Verdacht „der Beihilfe zum Waffenschmuggel“ erhoben wurde. Schon nach dem Verbot der NSDAP und der KPÖ im Jahr 1933 wurden unter dem nach Ausschaltung des Parlamentarismus diktatorisch regierenden Kanzler Dollfuß sogenannte Anhaltelager eingerichtet, in denen das Führungspersonal dieser Bewegungen, zumindest zeitweilig, festgehalten wurde. Nach dem auf die Februarkämpfe folgenden Verbot der sozialdemokratischen Partei und ihrer Organisationen entstanden, neben dem zum Synonym gewordenen Anhaltelager in Wöllersdorf (Bezirk Wiener Neustadt), österreichweit eine Vielzahl kleiner und kurzzeitig genutzter Anhaltelager. Auch in Zistersdorf war ein solches Anhaltelager im Frühjahr 1934 im Gasthof Wallner eingerichtet worden und Kuntner wurde im Anschluss an die monatelange Untersuchungshaft im Arrest des Bezirksgerichts dorthin überstellt und von 24. Mai bis 6. Juni 1934 unter Gendarmeriebewachung weiter festgehalten348. Aus Mangel an Beweisen wurde letztlich keine Anklage gegen ihn erhoben, doch auch nach seiner Freilassung stand Kuntner weiterhin unter Polizeiaufsicht.349

Während der Untersuchungshaft wurde er mit 1. April 1934 aus politischen Gründen als Lehrer zwangspensioniert und damit seiner Existenzgrundlage beraubt. Den engen Zusammenhalt der Wiener Neustädter Lehrer, auch in schwierigen Zeiten, zeigt jedoch die Tatsache, dass Kuntner aufgrund der Fürsprache des damaligen niederösterreichischen Landesschulinspektors Dr. Heinrich Güttenberger – seines ehemaligen Klassenvorstands in Wiener Neustadt – ab 1. Oktober 1934 als Hauptschullehrer an der Volks- und Hauptschule für Mädchen in Bruck a.d. Leitha wieder in den Schuldienst aufgenommen werden konnte.350 1936 übernahm er aufgrund der Erkrankung des Direktors der Brucker Knabenschule deren (provisorische) Leitung bis er am 13. März 1938, dem Tag nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich, seitens der neuen nationalsozialistischen Machthaber der Leitung enthoben wurde.351 In der Folge unterrichtete Kuntner wieder als Hauptschullehrer an der Mädchenschule, und übernahm während des Krieges zeitweilig auch deren provisorische Leitung, bevor er 1941 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Zunächst an der französischen Westküste eingesetzt, leistete er später an der 1943 von der deutschen Kriegsmarine in St. Wolfgang im Salzkammergut eingerichteten „Seeberufsfachschule“, die der Heranbildung von Marine-Unteroffizieren diente, seinen Dienst.352 Zu Kriegsende geriet Kuntner in amerikanische Kriegsgefangenschaft aus der er 1946 nach Bruck an der Leitha zurückkehrte, wo er seine Tätigkeit als Lehrer wieder aufnahm. Hier engagierte er sich in der Gewerkschaft der öffentlichen Angestellten und wurde 1948 als Vertreter der SPÖ in den Bezirksleitungsausschuss entsandt.353

Auf eigenes Ersuchen an den Landesschulrat konnte er im Februar 1949 wieder an die Hohenauer Hauptschule zurückkehren354 und übernahm mit Beginn des Schuljahres 1951/52, als eine Teilung der Schule in eine Knaben- und eine Mädchenhauptschule erfolgte, die Leitung der Knabenhauptschule.355 Nach seiner Rückkehr nach Hohenau engagierte er sich vielseitig in der Partei und ihren Teilorganisationen:
er beteiligte sich im Juni 1949 an der Wiedergründung des ursprünglich 1923 gegründeten Arbeiter-Gesangsvereins „Freiheit“ und war über viele Jahre dessen Chormeister356; ab 1951 war er langjähriger Obmann der Bezirksgruppe Gänserndorf des Sozialistischen Lehrerverein Österreichs357; er gehörte ab 1950 dem Ausschuss der Gänserndorfer Bezirks-SPÖ an358, war ab 1953 stellvertretender359 bzw. später geschäftsführender Obmann der Bezirksorganisation360;
Kuntner der bereits Anfang der 30er Jahre als Sportwart im Arbeitersportverein Hohenau aktiv war361, führte den Verein in den 1950er als Obmann und damit zu jener Zeit als dessen Fußballsektion in der Staatsliga B, der zweithöchsten Spielklasse, spielte.362 In weiterer Folge war er darüber hinaus als langjähriger Bezirksobmann der sozialistischen Gemeindevertreter und Mitglied im Kontrollausschuss des Gänserndorfer Bezirksfürsorgeverbandes aktiv.363

Im Zuge der ersten Gemeinderatswahlen nach dem Krieg, 1950, wurde Kuntner abermals in den Hohenauer Gemeinderat gewählt und in der konstituierenden Gemeinderatssitzung zum geschäftsführenden Gemeinderat (Vorsitz im Finanz- und Rechtsausschuss) und Vizebürgermeister gewählt.364 Nach dem plötzlichen Tod von Bürgermeister Thomas Hawlin im Juni 1954 wurde Kuntner schließlich am 14. Juli dieses Jahres zum Bürgermeister der Marktgemeinde Hohenau gewählt.365 Während seiner Amtszeit wurde die Infrastruktur der Gemeinde in Form von Wasserleitungs-, Kanal- und Straßenbau und dem Anlegen von Gehsteigen massiv ausgebaut und zahlreiche Projekte, wie etwa die Errichtung des Kinderbades, des Feuerwehrzeughauses und der Leichenhalle, sowie der Zubau zu Rathaus bzw. Hauptschule und der Ausbau des gemeindeeigenen Kinos konnten realisiert werden. Durch die Förderung des sozialen Wohnbaus und der Errichtung von Siedlungen verdoppelte sich die Anzahl der Gebäude in Hohenau während seiner Amtszeit.366

1960: Landeshauptmannstellvertreter Franz Popp (l.) mit seinem politischen Ziehsohn und Nachfolger als Schul- u. Kulturreferent der Landesregierung Emil Kuntner1960: Landeshauptmannstellvertreter Franz Popp (l.) mit seinem politischen Ziehsohn und Nachfolger als Schul- u. Kulturreferent der Landesregierung Emil Kuntner

Im Oktober 1954 wurde Kuntner als Kandidat der SPÖ auch in den niederösterreichischen Landtag gewählt und war ab diesem Zeitpunkt als Direktor der Knabenhauptschule beurlaubt. In Anerkennung seiner Verdienste als Lehrer und Direktor wurde ihm im Dezember 1956 durch eine der letzten Amtshandlungen des kurz darauf verstorbenen Bundespräsidenten Theodor Körner der Berufstitel Oberschulrat verliehen.367 Als sich sein Mentor Franz Popp, der 1945 zum Landeshauptmannstellvertreter aufgestiegen war, 1960 aus Altergründen aus der Landespolitik zurückzog, folgte ihm Kuntner als Mitglied der Landesregierung nach und übernahm auch die von ihm geführten Bereiche Bildung und Kultur. Als Landesrat368 war Kuntner für die Leitung des Schul- und des Kulturreferats, des Kindergartenreferats sowie für die Leitung des von seinem Vorgänger ins Leben gerufenen Schulbaufonds, mittels dem während Kuntners Amtszeit hunderte neue Schulgebäude in ganz Niederösterreich errichtet werden konnten, verantwortlich. Weiters oblag ihm die Umsetzung der 1962 auf Bundesebene beschlossenen, umfassenden Schulreformen in Niederösterreich. Als Kulturlandesrat förderte er den Ausbau der Heimatmuseen und die Kulturträger auf dem Land in Form der Chöre, Musikvereine und Theatergesellschaften.369 In den 1960er Jahren gehörte Kuntner auch dem Vorstand der SPÖ Niederösterreich an370 und war als Vertreter seiner Partei weiters Mitglied in verschiedenen Gremien in der Einflusssphäre des Landes, wie etwa im Aufsichtsrat der NIOGAS (heute: EVN), oder dem Kuratorium der Landeshypothekenanstalt für Niederösterreich an.371 Anfang Juni 1967, unmittelbar nach seinem 65. Geburtstag, und nach 13 Jahren an der Spitze der Gemeinde zog er sich aus der Kommunalpolitik zurück372, und beendete zu diesem Zeitpunkt auch offiziell seinen Dienst als Schulleiter, von dem er seit seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten beurlaubt war. Aufgrund seiner herausragenden Verdienste um das Wohl der Gemeinde wurde er anlässlich dieses halbrunden Geburtstages zum Ehrenbürger Hohenaus ernannt.373 Auch zahlreiche weitere Ehrungen, wie etwa die Verleihung der großen Victor Adler-Plakette durch seine Partei wurden ihm zu diesem Anlass zuteil.374

1967: Landesrat Kuntner (l.) bei der Verleihung der Ehrenbürgerurkunde durch den Mistelbacher Vizebürgermeister Leithner (r.)1967: Landesrat Kuntner (l.) bei der Überreichung der Ehrenbürgerurkunde durch den Mistelbacher Vizebürgermeister Johann Leithner (r.)

Während eines Besuchs im Mistelbacher Heimatmuseum im Jahr 1962 erörterte ihm der damalige Museumsleiter Direktor Fritz Bollhammer die Pläne für die Erweiterung und Erneuerung des damals im Barockschlössl untergebrachten Museums, die auch eine Sanierung des Gebäudes umfasste. Kuntner sicherte seine Unterstützung zu und wenige Jahre später konnte dieses umfangreiche Projekt dank großzügiger finanzieller Unterstützung seitens des Landes realisiert und das neue Heimatmuseum im Juni 1967 im Beisein des zuständigen Landesrates eröffnet werden.375 Auch den Ausbau der Pflichtschulen und den Weg Mistelbachs zur Schulstadt im östlichen Weinviertel unterstützte er nach Kräften. Anfang Juli 1967 beschloss daher der Mistelbacher Gemeinderat „in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die kulturellen und schulischen Belange der Stadtgemeinde Mistelbach und in Dankbarkeit für die Unterstützung bei der Neugestaltung des Heimatmuseums“ einstimmig die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Landesrat Kuntner.376 Aus ähnlichen Gründen wurde ihm im Jahr darauf auch das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gmünd verliehen377 und vermutlich wurden ihm noch viele weitere Auszeichnungen dieser Art zuteil.

Im Juli 1969 schied Kuntner schließlich nach knapp neun Jahren aus der Landesregierung und der aktiven Politik aus. Von 1971 bis 1984 folgt er einmal mehr seinem Freund und Mentor Franz Popp in einer Funktion nach, und zwar als Obmann der Absolventenvereinigung „Allzeitgetreu – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen“, der er seit Abschluss seiner Ausbildung, 1921, angehörte. Anlässlich seines Ausscheidens aus dem Vorstand dieses Vereins wurde er in Würdigung seiner Verdienste zum Ehrenobmann ernannt.378

Nach der Scheidung seiner ersten Ehe 1973, ehelichte er zwei Jahre später Regierungsrätin Edith Wildmann, geb. Schanzer (*1917, †2012). Auch seine zweite Gattin war ausgebildete Lehrerin, später Schuldirektorin und Bezirksschulinspektorin in Mödling und über Jahrzehnte als SPÖ-Mandatarin Mitglied des Mödlinger Gemeinderats und von 1980 bis 1985 Vizebürgermeisterin der Stadt.379 Hier in Mödling verbrachte Kuntner auch seine letzten Lebensjahre.

Das Porträt Kuntners im Sitzungssaal des Hohenauer RathausesDas Porträt Kuntners im Sitzungssaal des Hohenauer Rathauses

Laut dem 2001 in aktualisierter Form neu herausgegebenen Hohenauer Heimatbuch wurde seine einstige Wirkungsstätte, das Hauptschulgebäude, im Zuge der Wiedereröffnung nach einem umfassenden Umbau 1980 „Emil Kuntner-Hauptschule“ benannt.380 Weiters wurde Altbürgermeister Kuntner 1992, anlässlich seines 90. Geburtstags, auch der Ehrenring der Gemeinde Hohenau verliehen.

Auch heute noch ist der Name Kuntners auf dem (früheren) Hauptschulgebäude, in dem mittlerweile die Neue Mittelschule beheimatet ist, verewigt.Auch heute noch ist der Name Kuntners auf dem (früheren) Hauptschulgebäude, in dem mittlerweile die Neue Mittelschule beheimatet ist, verewigt.

Nach längerer Krankheit verstarb Emil Kuntner am 12. April 1999 im 97. Lebensjahr im Wiener Neustädter Krankenhaus und wurde am 27. April 1999 auf dem Mödlinger Friedhof bestattet. In der Sitzung vom 26. März 2009 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine im neu erschlossenen Siedlungsgebiet unterhalb der Dr. Körner-Straße angelegte Straße Emil Kuntner-Straße zu benennen.381

Wo befindet sich die Emil Kuntner-Straße?

 

Bildnachweise:
-) Fotoausschnitt Franz Popp und Emil Kuntner: Niederösterreichischer Volksbote Nr. 43/1960, S. 3
-) Foto Verleihung Ehrenbürgerurkunde: Bildbote – Nö. Volksbote Nr. 38/1967, S 3
-) Porträtgemälde Gemeindesitzungssaal: zur Verfügung gestellt vom Amtsleiter der Gemeinde Hohenau Herrn Erwin Gradner

Quellen:
-) Eintrag zu Emil Kuntner In: Biografisches Handbuch des NÖ Landtages und der NÖ Landesregierung 1921 – dato
-) Niederösterreichische Landeskorrespondenz, 28. April 1999, Blatt 10
-) Aglas, Erwin H.: Die Zweite Österreichische Republik und ihre Repräsentanten – politische Leistung im Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges (1960), S. 116, 233
-) Niederösterreichische Lehrerstimme – Mitteilungsblatt der Landesgruppe Niederösterreich des Sozialistischen Lehrervereines Österreichs, Jg. 17, Nr. 5, Mai 1962, S. 3f
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 23/1962, S. 3
-) Mitteilung des „Allzeitgetreu“ – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Jg. 62, Nr. 3, März 1967, S. 2 (Anm.: fälschlicherweise wird hier erwähnt, dass Kuntner erst ab 1924 als Volksschullehrer unterrichtete, ebenso falsch ist die Angabe Kuntner sei bereits 1946 Hauptschuldirektor in Hohenau geworden)
-) Volksbote, Nr. 21/1967, S. 1
-) Mitteilung des „Allzeitgetreu“ – Verein der in Wiener Neustadt und Baden herangebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Jg. 67, Nr. 2, April 1972, S. 1f (Anm.: fälschlicherweise wird hier angeführt Kuntner sei von 1956 is 1969 Bürgermeister von Hohenau gewesen)
-) Inform des Vereins „Allzeit getreu“ der Absolventen der Lehrerbildungsanstalt des musisch-pädagogischen Realgymnasiums und des Bundesoberstufenrealgymnasiums Wr. Neustadt, Jg. 92, Nr. 2, Juni 1999, S. 10 (Anm.: fälschlicherweise wird hier erwähnt, dass Kuntner erst ab 1924 als Volksschullehrer unterrichtete)
-) Schultes, Anton/Zelesnik, Robert/Kremsmayer, Ulla: Hohenau – Ein Heimatbuch (2001), S. 266

Ein Paasdorfer legt sich mit Bismarck an – eine Annonce mit Folgen im Jahr 1866

Von Thomas Kruspel 28. August 2020 Aus

Im Sommer des Jahres 1866 eskalierte der bereits seit einiger Zeit zwischen Österreich und Preußen schwelende Konflikt um die Vorherrschaft im Deutschen Bund schließlich zum deutschen Bruderkrieg. Am 14. Juni 1866, dem Tag der Kriegserklärung, wurde in der in Wien herausgegebenen und bei Gewerbetreibenden und Kleinbürgern populären, katholisch-zentralistisch ausgerichteten „Gemeinde-Zeitung“ folgende Einsendung veröffentlicht:367

„Geehrte Redaction!
Von Ihrem Patriotismus überzeugt, bitte ich um gefällige Aufnahme folgender Zeilen in Ihr sehr verbreitetes Blatt:
Nachdem der Herr Minister Bismarck sich der preußischen Landwehr anschließen und gegen Österreich kämpfen will, so gebe ich demjenigen Österreicher 20 Gulden (österr. Währung), der dem Unheilstifter und Verpester der Moral – Bismarck – eine Ohrfeige applizirt, und 50 Gulden (österr. Währung), dem, der ihm in offenem Kampfe seinen Glatzkopf durchlöchert.

Mit Hochachtung zeichnet
ergebenst
Franz Xav. Rößler, Realitätenbesitzer Nr. 79, Paasdorf bei Mistelbach N.-Oe., 8. Juni 1866“

Der Paasdorfer Kaufmann und Wirtschaftsbesitzer Franz Xaver Rößler, hätte sich wohl nicht träumen lassen, welche Konsequenzen diese in patriotischem Übermut in der aufgeheizten Stimmung des Säbelrasselns zwischen Österreich und Preußen verfasste Einsendung schon kurze Zeit später haben sollte. Anfang Juli erlitten Österreich und seine Verbündeten bei Königgrätz eine vernichtende Niederlage, die den Krieg frühzeitig entschieden hatte. Die Preußen stießen nach ihrem Triumph rasch weiter Richtung Wien vor und zogen am Morgen des 17. Juli 1866 von Paasdorf kommend in Mistelbach ein. Zu Kampfhandlungen in der Umgebung kam es nicht mehr, da sich die österreichischen Truppen zurückgezogen hatten und ab 22. Juli herrschte bereits Waffenstillstand, aufgrund des Beginns der Verhandlungen zum Vorfrieden von Nikolsburg. Vor dem Heranrücken der Preußen herrschte große Unsicherheit und viele Menschen flüchteten in die Keller und Wälder und versteckten ihre Wertsachen. Es zeigte sich jedoch, dass die Zivilbevölkerung von den Feindestruppen keine Übergriffe zu fürchten hatte. Trotzdem litt die Bevölkerung unter der wochenlang dauernden Einquartierung von tausenden Soldaten (zu Spitzenzeiten rund 9000(!) alleine in Mistelbach, Lanzendorf und Ebendorf) und der damit einhergehenden Verpflegung dieser Truppen, die alle Vorräte verschlang, und nicht zuletzt durch die eingeschleppte Cholera, die viele Menschenleben fordern sollte.382

Auch Rößler, der besonderen Grund zur Furcht vor den Preußen hatte, versteckte sich vorsichtshalber zunächst vor dem herannahenden Feind, doch wähnte er sich wohlmeinender Warnungen zum Trotz zu früh in Sicherheit und verließ sein Versteck. Die außergewöhnliche, jedoch unbedeutende Annonce wäre in den Kriegswirren zweifellos untergegangen, hätte nicht der Landwirt Mathias Fink aus Atzelsdorf dafür gesorgt, dass die Preußen Kenntnis von dieser Veröffentlichung erhielten. Seine geschäftliche Tätigkeit hatte Rößler immer wieder auch als Kläger vor Gericht geführt383 und da Finks Bruder Michael zwei Jahre zuvor einen Rechtsstreit gegen Rößler verloren hatte, der letztlich die gerichtliche Feilbietung der Wirtschaft der Familie Fink zur Folge hatte384, nutzte Mathias Fink diese Gelegenheit für seine Familie Rache zu nehmen385.

Am 29. Juli 1866, und bereits nach Abschluss des Vorfriedens, zogen der geschmähte preußische Kanzler Otto von Bismarck und der preußische König und nachmalige deutsche Kaiser Wilhelm I., auch durch Mistelbach und bei einem Halt vor dem Gasthaus „Zum Weißen Rössl“, also im Kreuzungsbereich Mitschastraße/Bahnstraße („Frohnerkreuzung“), hielten sie eine kurze Lagebesprechung mit Offizieren ab.386 Wenige Stunden zuvor war Bismarck während eines kurzen Zwischenstopps in Poysdorf nur knapp einem Schussattentat entgangen, dass von Angehörigen des verhinderten Schützen Franz Korschan – von den Preußen unbemerkt – in letzter Sekunde noch vereitelt werden konnte.387

Es ist wohl kein Zufall, dass Rößler genau an jenem Tag an dem Bismarck sich in Mistelbach aufhielt bzw. ihn sein Weg nach Ladendorf wohl auch durch Paasdorf führte,  in Gewahrsam genommen wurde. Er wurde bei der Feldarbeit festgenommen, nach Mistelbach gebracht und verhört. Anschließend wurde er geknebelt und auf einem Wagen nach Wilfersdorf gebracht. Die Nacht über sperrte man ihn dort in einen Keller vor dem Wachen postiert wurden und anderntags wurde er auf einem Pferd festgebunden Richtung Nikolsburg fortgebracht. Von hier aus durfte Rößler seinen Angehörigen schreiben, und teilte ihnen mit, dass er nach Berlin gebracht würde. Über Wochen folgte vorerst kein weiteres Lebenszeichen von ihm. Rößlers ungewisses Schicksal wurde von mehreren Zeitungen aufgegriffen388 und beschäftigte auch den niederösterreichischen Landesausschuss im Rahmen eines Berichts des Landtagsabgeordneten Czedik von Bründelsberg, der von den Zuständen während der Zeit der Besatzung bzw. Übergriffen der preußischen Truppen handelte389.

Tatsächlich wurde Rößler bis 2. August in Nikolsburg festgehalten und in den folgenden Wochen vom 2. Bataillon des pommer‘schen Infanterie-Regiments Nr. 61 bis nach Böhmisch Neustadtl an der österreichisch-preußischen Grenze als Kriegsgefangener mitgeschleppt. Außer zu den Mahlzeiten (nur Wasser und Brot) bzw. während der Verrichtung der Notdurft war Rößler permanent gefesselt und wurde von den Preußen geschlagen und beschimpft („Du österreichischer Hund, Du „Benedek“! – Anm: Benedek war der Heerführer der geschlagenen Truppen in der Schlacht bei Königgrätz). Zuletzt wurde er in der Wachstube des Rathauses von Böhmisch-Neustadtl gefangen gehalten und schließlich als die Preußen Richtung Görlitz über die Grenze abrückten, wurde Rößler von einem preußischen Offizier mit den Worten „er soll sich nachhause packen“ am 2. September 1866 nach mehr als einmonatigen Martyrium freigelassen.390 Auf seinem Rückweg wurde Rößler große Hilfe und Anteilnahme der Bevölkerung zuteil, sodass er bald darauf wieder seinen Heimatort erreichte.

Anderslautende Zeitungsberichte, etwa dass Rößler in der schlesischen Festung Glogau in Kerkerhaft gewesen sei391 und trotz der harten Marter mit seiner standhaften patriotischen Gesinnung die Preußen so beeindruckt habe, dass man ihn schließlich, nachdem ihm Kanzler Bismarck großmütig seine Beleidigung vergeben habe, laufen ließ, beruhen auf Fehlinformationen bzw. erscheinen als Versuch patriotischer Glorifizierung392. Es ist wohl eher auszuschließen, dass Bismarck in diesen für ihn und Preußen so bedeutenden Tagen mit solch einer Bagatelle belästigt worden wäre, sondern Rößlers Leidensgeschichte dürfte ebenso wie die kurzzeitige Verhaftung der Beamten des Mistelbacher Bezirksamts wegen Spionageverdachts393 auf den Übereifer preußischer Offiziere zurückzuführen sein. Offenbar wollte man an Rößler ein Exempel statuieren, doch wie dessen unspektakuläre und plötzliche Freilassung zeigt, wussten Rößlers Peiniger, auch in Anbetracht des kurz zuvor geschlossenen Prager Friedens, letztlich nicht was sie mit ihrem Gefangenen weiter anfangen sollten. Insofern scheint es auch unwahrscheinlich, dass die in einzelnen Zeitungsberichten erwähnten Interventionsversuche, des wenig zuvor kurzzeitig festgenommenen k.k. Bezirksvorstehers in Mistelbach Jakob Nebeski zu Rößlers Freilassung beigetragen haben.

Den Denunzianten Mathias Fink bestrafte das Schicksal und er verstarb kurz vor Rößlers Rückkehr an der Cholera.394 Den Strick, mit dem er geknebelt war, soll Rößler als Andenken an jene schicksalshaften Wochen im Sommer des Jahres 1866 aufbewahrt haben. Er verstarb 1876 im Alter von 57 Jahren in seinem Heimatort Paasdorf.395

1906 erschien unter dem Titel „Vierzig Jahre nach Custozza und Königgrätz“ im „Neuigkeits Welt Blatt“ – dem Nachfolgeblatt der Gemeinde-Zeitung – ein Beitrag über das damalige Kriegsgeschehen, und auch Rößlers damalige Einsendung wurde als Kuriosum nochmals abgedruckt.396 Die Preußen haben in Form des außerhalb des Ortes gelegenen Cholerafriedhofs, in dem 32 preußische Krieger beigesetzt wurden, bis heute Spuren in Paasdorf hinterlassen.

 

Quellen:

Emil Kuntner-Straße

Von Thomas Kruspel 4. August 2020 Aus

Der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in der Sitzung vom 26. März 2009, die in dem neu aufgeschlossenen Siedlungsgebiet südlich des sowjetischen Soldatenfriedhofs angelegten Straßen nach Ehrenbürgern der Stadt Mistelbach zu benennen. Unter anderem wurde eine dieser Straßen nach dem ehemaligen Landtagsabgeordneten und Landesrat Emil Kuntner benannt.

Wo befindet sich die Emil Kuntner-Straße?

 

Quellen:
-) Protokoll der Sitzung des Mistelbacher Gemeinderates vom 26.03.2009

Pazdera, Franz

Von Thomas Kruspel 7. Juli 2020 Aus

Vizebürgermeister Oberschulrat Franz PazderaOSR Franz Pazdera im Jahr 1955

* 27.6.1900, Brünn (Mähren)
† 17.1.1978, Mödling

Pazdera wurde am 27. Juni 1900 als Sohn des Bauleiters František Pazdera und dessen Gattin Amalie, geb. Oujezdsky, im später eingemeindeten Brünner Vorort Zábrdovice (Obrowitz) geboren und auf den Namen František (tschechisch für Franz) getauft.386 Seine Familie war tschechischer Nationalität und Pazdera wuchs in der damals von Deutschen und Tschechen bewohnten Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Mähren auf.

Nach Absolvierung der Schulpflicht in Form der damals 5-jährigen Volksschule und der 3-jährigen Bürgerschule in Brünn, besuchte er den einjährigen Lehrkurs an der Bürgerschule – die sogenannte „4. Klasse Bürgerschule“, die Bürgerschulabsolventen auf den Wechsel an eine höhere Schule bzw. eine sonstige weiterführende Ausbildung vorbereiten sollte. Anschließend studierte Pazdera ab September 1915 an der Staats-Lehrerbildungsanstalt in seiner Heimatstadt. Während der Beginn seiner Lehrerausbildung noch in der Monarchie lag, erfolgte der Abschluss mit der Reifeprüfung am 25.6.1919 bereits in der neugegründeten Tschechoslowakischen Republik. Über die Zeit unmittelbar nach Beendigung seiner Ausbildung bzw. die ersten beruflichen Stationen konnte leider nichts in Erfahrung gebracht werden.

Durch die starke Zuwanderung aus den Kronländern Böhmen und Mähren verfügte Wien seit Ende des 19. Jahrhunderts über eine große tschechische Bevölkerungsgruppe und der tschechische Schulverein Kosmenský richtete in Wien neben Sprachschulen, die die Kinder nachmittags neben dem regulären Unterricht besuchten, auch Privatschulen mit tschechischer Unterrichtssprache ein. Diesen wurde jedoch aufgrund des sich in den letzten Jahrzehnten der Monarchie zuspitzenden Nationalitätenkonflikts das Öffentlichkeitsrecht verweigert.397 Mit dem Staatsvertrag von St. Germain wurde jedoch auch das Recht der in Österreich ansässigen Minderheiten auf Unterricht an öffentlichen Schulen in deren Muttersprache festgeschrieben. Für die tschechische Minderheit erfolgte die Umsetzung auf Basis des 1920 zwischen der österreichischen und der tschechoslowakischen Regierung geschlossenen „Brünner Vertrags“, in dem die beiden Vertragsstaaten den Umgang mit den wechselseitig vorhandenen Minderheiten zu regeln suchten. In Folge dieser Vereinbarung wurden in Wien auch städtische Schulen mit tschechischer Unterrichtssprache eingerichtet, unter anderem im November 1920 eine Knaben- und Mädchenvolksschule mit tschechischer Unterrichtssprache in der Kuenburgasse 1 in Wien-Floridsdorf.398 Ab Februar 1922 unterrichtete Pazdera dort als Volksschullehrer bzw. an der Expositur dieser Schule, die im Gebäude der Stadlauer Bürgerschule in der Konstanziagasse 50 untergebracht war. Durch Remigration sank die Zahl der tschechischen Schüler und damit auch der Bedarf an Lehrkräften für diese Schulen. Bis 1925 ist Pazderas Tätigkeit an dieser tschechischsprachigen Volksschule belegt399, danach scheint er als Lehrer an regulären (=deutschsprachigen) Hauptschulen im 21. Bezirk auf: jedenfalls ab 1930 an der Hauptschule für Knaben und Mädchen in der Konstanziagasse 50 in Stadlau (bis 1938 Teil des 21. Bezirks)400 und im Jahr 1932 an der Hauptschule für Knaben Deublergasse 19 in Jedlesee.401.

Am 14. Mai 1933 heiratete Pazdera Ernestine Weiß402, die Tochter eines pensionierten Schuldirektors in Mödling, und dieser Ehe entstammten ein Sohn und eine Tochter. Nachdem er zuvor in Wien-Leopoldstadt bzw. im 21. Wiener Gemeindebezirk, teils in Dienstwohnungen, seinen Wohnsitz hatte, übersiedelte er nach der Hochzeit in das Haus seiner Schwiegereltern in Mödling. Ab 1935 scheint er dann als Lehrer an der Volksschule Johann Hofmannplatz 19 in Wien-Meidling auf.403 Nach Ablegen der Lehrbefähigungsprüfung für Hauptschulen wurde Franz Pazdera im September 1940 als provisorischer Hauptschullehrer an die Knabenhauptschule Mödling versetzt bzw. in weiterer Folge nach Guntramsdorf – beide Orte waren damals Teil des 24. Bezirks von Groß-Wien. Im März 1942 wurde er schließlich zur deutschen Wehrmacht eingezogen und leistete bis Kriegsende seinen Dienst als Sanitätsgefreiter.

Im September 1946 wurde Pazdera zunächst provisorisch mit der Leitung der Volks- und Hauptschule für Knaben in Mistelbach betraut, und nachdem er 1950 nunmehr als Direktor in dieser Funktion offiziell bestätigt wurde404, leitete er diese Schule bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand im Jahre 1963. Nebenberuflich unterrichtete er auch an der gewerblichen Berufsschule Mistelbach.405 Gleich nachdem er mit seiner Familie an den neuen Dienstort übersiedelt war, engagierte er sich in der hiesigen Lokalorganisation (=Ortspartei in der damaligen Parteidiktion) der Sozialistischen Partei Österreichs406 und übernahm bald parteiinterne Funktionen, etwa im Kontrollausschuss407 und war ab 1948 Kulturreferent und in dieser Eigenschaft von 1948-50 auch Obmann des roten Theatervereins „Bunte Bühne“408.

Bereits seit August 1946 boykottierten die ÖVP-Vertreter des Mistelbacher Gemeinderates dessen Sitzungen, aufgrund ihrer Ablehnung gegen das 1945 von der Besatzungsmacht eingesetzte, und von SPÖ und KPÖ seither gestützte Führungsduo Bürgermeister Max Ehm (SPÖ) und dessen Stellvertreter Fritz Ferdiny (KPÖ). Ehm, zwar SPÖ-Kandidat für die Wahl zum Nationalrat 1945, doch in der hiesigen Lokalorganisation nicht verwurzelt und angeblich vor 1945 auch nicht Parteimitglied, verlor ob seiner engen Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Vizebürgermeister bzw. aufgrund von Malversationsvorwürfen schließlich das Vertrauen seiner Genossen und auch die sozialistischen Gemeinderäte legten ihre Mandate zurück, was faktisch die Auflösung des Gemeinderates bedeutete.409 Erst 1950 fanden in Niederösterreich die ersten Gemeindewahlen statt und bis dahin wurden die provisorischen Gemeinderäte über Vorschlag der jeweiligen Ortsparteien von SPÖ, ÖVP und KPÖ durch die Landesregierung ernannt. Auf diesem Weg wurde Pazdera Mitglied der neuen Mistelbacher Gemeindevertretung410, die erstmalig am 25. Mai 1948 zusammentrat und ihn in ihrer konstituierenden Sitzung zum 4. geschäftsführenden Gemeinderat (=Stadtrat) zuständig für Schulwesen, wählte.411 Doch bald kam es erneut zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinderatsfraktionen, sodass der Mistelbacher Gemeinderat mit Beschluss vom 23.12.1949 von der Landesregierung aufgelöst und für die Dauer bis zu den Wahlen ein Gemeindeverwalter eingesetzt wurde.412 Im Zuge der ersten Gemeinderatswahlen im Mai 1950 wurde Pazdera als Spitzenkandidat der SPÖ schließlich auch von den Wählern in den Gemeinderat entsandt und dort zum zweiten Vizebürgermeister bzw. (erneut) zum Vorsitzenden der Sektion (=Ausschuss) für Schulwesen und Personalangelegenheiten gewählt – beide Ämter bekleidete er auch nach der Wahl 1955 bis zu seinem Ausscheiden aus der Gemeindevertretung 1960. Als Fraktionsführer war er lange Jahre auch für die Organisation und Koordination der politischen Arbeit seiner Partei im Gemeinderat verantwortlich. 

1957 - Vizebürgermeister Pazdera bei der Vertragsunterzeichnung des Gasliefervertrags und Verkaufs des städtischen Gaswerks an die NIOGAS (heute: EVN), Foto: © EVN-Archiv, Maria Enzersdorf1957 – Vizebürgermeister Pazdera bei der Vertragsunterzeichnung des Gasliefervertrags und Verkaufs des städtischen Gaswerks an die NIOGAS (heute: EVN),
Foto: © EVN-Archiv – EVN AG, Maria Enzersdorf

Ab Jänner 1955 stand Franz Pazdera für zwei Jahre der Mistelbacher Lokalorganisation der SPÖ als Obmann vor413 und war im Laufe der Jahre auch in der Bezirksorganisation aktiv, unter anderem 1948 als Obmannstellvertreter414, bzw. später als Mitglied im Bezirksausschuss und Bezirksbildungsreferent415. Er war in zahlreichen Vereinen engagiert, etwa im Kultur- und Verschönerungsverein, dessen Ausschuss er über Jahre hinweg angehörte416, und beteiligte sich 1953 auch an der Wiedergründung des Gesangs- und Musikvereins Mistelbach (dem späteren Stadtchor)417. Bereits im März 1947 zählte Direktor Pazdera zu den Gründern des Arbeitergesangsvereins Mistelbach und stand diesem auch als erster Obmann vor.418 Seiner Leidenschaft – dem Schachspiel, ging er im Rahmen des Arbeiterschachbundes Mistelbach nach, bei dessen Zusammenkünften er beispielsweise im Frühjahr 1947 am Demonstrierbrett Vorträge über Eröffnungen hielt.419 Auch an den Ende der 50er bzw. Anfang der 60er Jahre abgehaltenen Mistelbacher Schach-Stadtmeisterschaften nahm Pazdera mit Erfolg teil.420

OSR Pazdera 1954 als Kiebitz bei einer SchachpartieDirektor Pazdera 1954 als Kiebitz bei einer Schachpartie

Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat im April 1960 wirkte er zwei Perioden als Vizebürgermeister bzw. knapp zwölf Jahre als Obmann der Schulsektion und leistete der Stadt und ihrer Bevölkerung in diesen Funktionen hervorragende Dienste. Aus diesem Grund wurde Direktor Pazdera am 23.10.1960 im Rahmen der Eröffnungsfeier des Landeskindergartens in der Gewerbeschulgasse – für dessen Errichtung er sich besonders eingesetzt hatte – der Ehrenring der Stadt Mistelbach verliehen.421 Schon Ende 1956 war dem verdienten Schulmann Pazdera durch Entschließung des Bundespräsidenten der Berufstitel Oberschulrat verliehen worden.422

1950er Jahre: v.l.n.r. Lehrer Emil Bruckner, Direktor d. Knabenschule Franz Pazdera, Direktor der Mädchenschule Fritz Bollhammer mit Schülern1950er Jahre: v.l.n.r. Lehrer Emil Bruckner, Direktor der Knabenschule Franz Pazdera, Direktor der Mädchenschule Fritz Bollhammer mit Schülern

Nach längerem Krankenstand trat Direktor Pazdera mit 1. Mai 1964 in den dauernden Ruhestand über423 und übersiedelte wenig später zurück nach Mödling, in das Haus seiner Schwiegereltern.424 Kurz vor Weihnachten 1968 ereilte ihn ein schwerer Schicksalsschlag als seine Gattin unweit des gemeinsamen Wohnhauses beim queren eines Schutzweges von einem Fahrzeug erfasst wurde und wenige Tage nach dem Unfall, noch während der Weihnachtsfeiertage, ihren schweren Verletzungen im Mödlinger Krankenhaus erlag.425

Oberschulrat Pazdera verstarb am 17.01.1978 im 78. Lebensjahr in Mödling und wurde am 26.01.1978 auf dem dortigen städtischen Friedhof bestattet. Eingedenk seiner Verdienste um die Stadt Mistelbach wurde mit Beschluss des Gemeinderates vom 15.12.1980 die Pazderagasse nach ihm benannt.426

Oberschulrat Pazderas letzte Ruhestätte auf dem Mödlinger Friedhof (Foto: Wikimedia Commons/Karl Gruber / CC BY-SA-4.0)
Oberschulrat Pazderas letzte Ruhestätte auf dem Mödlinger Friedhof (Foto: Wikimedia Commons/Karl Gruber / CC BY-SA-4.0)

 

Wo befindet sich die Pazderagasse?

 

Bildnachweise:
-) Portraitausschnitt aus Foto zVg von Herrn Otmar Biringer
-) Foto mit Schachbrett bzw. Schülergruppe zVg von Herrn Walter Pazdera
-) Foto Vertragsunterzeichnung NIOGAS: Verwendung des Fotoausschnitts mit freundlicher Genehmigung des EVN-Archivs – EVN AG, Maria Enzersdorf

Quellen:
-) Auskunft Ing. Walter Pazdera (Sohn)
-) Standesblatt im Personalakt von Franz Pazdera im Niederösterreichischen Landesarchiv, St. Pölten
-) Mistelbacher Rundschau, Nr. 1 – März 1978, S. 3 (Nachruf)

 

Rollerweg

Von Thomas Kruspel 21. Mai 2020 Aus

Ein in der nordöstlichen Ecke des Hauptplatzes, am Beginn der Oberhoferstraße zwischen den Häusern Nr. 2 und 4, gelegener Verbindungsweg zum Mistelsteig bestand jedenfalls bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert. Dies ist durch das im Bote aus Mistelbach abgedruckte Protokoll der Gemeindeausschusssitzung vom 7. April 1906 belegt, in dem zu lesen ist, dass „Wegen der Wiedereröffnung des in früheren Zeiten bestandenen Verbindungsweges zwischen Oberhoferstraße und Mistelsteig mit der Hausbesitzerin Theresia Binder in Verhandlungen getreten werden soll“.427 Offenbar war dieser einst von der Allgemeinheit genutzte Weg nicht mehr öffentlich zugänglich. Da jedoch unter diesem Weg auch ein in die Mistel mündender, geziegelter Hauptkanal verlief, wurde in der Sitzung angeregt das Eigentumsrecht der Stadt an diesem Grund notwendigenfalls gerichtlich feststellen zu lassen. Zunächst schien sich im Juni 1906 eine Lösung abzuzeichnen428, letztlich konnte jedoch keine Einigung erzielt werden bzw. sich die Gemeinde nicht mit ihrer Rechtsansicht durchsetzen. Nach einer Änderung in den Besitzverhältnissen – der damalige Gemeinderat (=Stadtrat) Felix Roller hatte das Haus Oberhoferstraße Nr. 4 Ende September 1914 von der Familie Binder erworben – konnte die Angelegenheit wenige Wochen später einer Lösung zugeführt werden, indem die Besitzer der Häuser Oberhoferstraße Nr. 2 (Rund) und 4 (Roller), unentgeltlich Grund an die Gemeinde abtraten, sodass ein Weg mit einer Breite von etwa 2,4 Metern entstand.429 Die Gemeinde verpflichtete sich im Gegenzug zur Erhaltung des Weges und zur Übernahme des Großteils der Kosten für die Errichtung der Abgrenzung zu den anliegenden Grundstücken.430

Der noch namenlose Rollerweg (Blickrichtung Oberhoferstraße) auf einem 1945 entstandenen Aquarellgemälde der Malerin Auguste Mlczoch-GelbertDer damals noch namenlose Rollerweg (Blickrichtung Oberhoferstraße) in seinem ursprünglichen Zustand, dargestellt in einem Aquarellgemälde der Malerin Auguste Mlczoch-Gelbert aus dem Jahr 1945

Das Haus Oberhoferstraße Nr. 2 befand sich wie oben bereits erwähnt zunächst im Besitz der Familie Rund, bis 1920 der jüdische Gemischtwarenhändler Julius Frisch, der darin bereits seit 1903 sein Warenhaus betrieb, die Liegenschaft erwarb. 1938 „arisierte“ Friedrich Tempes die Liegenschaft samt Geschäft und 1950 kam es zur Rückstellung des Besitzes an die Hinterbliebenen der Familie Frisch, die nunmehr in der Schweiz lebten. Nach kurzzeitiger Pacht, konnte Tempes das Unternehmen schließlich käuflich erwerben.431 Schon unter seinem ursprünglichen Besitzer war der Verkauf von Bekleidung und Textilien ein Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit gewesen, und unter Tempes hatte sich der Betrieb zu einem reinen Bekleidungsgeschäft entwickelt. Nach dem Kauf baute Tempes das Geschäftslokal in den 1950er Jahren großzügig aus und unter anderem verfügte das Geschäft über die erste Schaufensterpassage Mistelbachs.


Ökonomierat Felix Roller (1871-1957)Ökonomierat Felix Roller

1958 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat den Verbindungsweg zwischen Oberhoferstraße und Mistelsteig nach dem im Jahr zuvor verstorbenen Weingroßhändler, langjährigen Gemeinde- bzw. Stadtrat und Vorstandsmitglied der städtischen Sparkasse, Ökonomierat Felix Roller zu benennen.432 Die Benennung erfolgte eingedenk der Tatsache, dass Roller mit der Grundabtretung maßgeblich zur Lösung dieser bereits mehrere Jahre anhängigen Problematik und schließlich der Schaffung dieses öffentlichen Weges beigetragen hat.433

 

Links der alte Verlauf des Rollerwegs (zw. Nr. 2 u. 4) auf einem Plan aus dem Jahr 1947, rechts der Verlauf seit 1965 (zw. 2-4 u. 6)

Der Verlauf des Rollerwegs zwischen den Häusern Oberhoferstraße 2 und 4 vor 1963 (links) und heute zwischen den Häusern 2-4 und 6 (rechts)

1963 beabsichtigte Tempes den weiteren Ausbau seines Unternehmens und hatte hierzu bereits zuvor das Haus Oberhoferstraße 4 erworben. Da jedoch zwischen seinen beiden Liegenschaften der Rollerweg verlief, ersuchte er die Stadtgemeinde um Zustimmung zur Verlegung des Weges um etwa 7 Meter, sodass dieser künftig zwischen den zusammengelegten Grundstücken Nr. 2-4 und Nr. 6 verlaufen sollte. Die Gemeinde stimmte der angedachten Verlegung und teilweisen Überbauung des Weges grundsätzlich zu434, die von Tempes angebotene Möglichkeit des Ausbaus des Weges zu einer für den Autoverkehr tauglichen Straße wurde laut einer Zeitzeugin von der Gemeindevertretung damals jedoch abgelehnt.435

 

1963: links Oberhoferstraße Nr. 6; das abgebrochene Haus Oberhoferstraße Nr. 4, ist nur mehr durch den Rest der Gebäudeecke in der Bildmitte erkennbar und diese lässt den ursprünglichen Verlauf des Rollerwegs entlang des Hauses Nr. 2 (rechts) erkennenEnde 1963: links Oberhoferstraße Nr. 6; das abgebrochene Haus Oberhoferstraße Nr. 4, ist nur mehr durch den Rest der Gebäudeecke in der Bildmitte erkennbar und diese lässt den ursprünglichen Verlauf des Rollerwegs entlang des Hauses Nr. 2 (rechts) erkennen

Im Februar 1965 konnte der Zubau des Geschäftslokals eröffnet werden436 und 1966 folgte schließlich die Übernahme des neuen Rollerwegs ins Gemeindeeigentum.437 Der Name „Rollerweg“ konnte sich nicht wirklich durchsetzen, denn obwohl Tempes das Geschäft 1982 an die Firma Kleiderbauer verkaufte438, war und ist diese Gasse teilweise bis heute umgangssprachlich als „Tempesgassl“ bekannt.

Straßenschild mit falscher Schreibweise – korrekt: „Rollerweg“

Der Rollerweg führte zu einer früher umgangssprachlich als „Rollerplatz“ bzw. „Rollerwiese“ bezeichneten Freifläche im Bereich Mistelsteig/Bruderhofgasse, die heute als Parkplatz genutzt wird. Dieses Grundstück gehörte Felix Roller, dessen Weinhandlung sich in unmittelbarer Nähe an der Adresse Hauptplatz Nr. 9 befand und die „hintaus“ an den Mistelsteig angrenzte. Der Rollerplatz wurde zum Teil auch für Veranstaltungen, zB Zirkusgastspiele, genutzt. Nach dem Tod von Roller verpachtete dessen Bruder Franz das Gelände ab 1959 an die Gemeinde439, bevor die „Rollerwiese“ schließlich im Jahr 1961 von der Gemeinde angekauft wurde440. Später erwarb der am Hauptplatz ansässige Auto- und Landmaschinenhändler Jandl das Grundstück und errichtete hier eine große Werkstatthalle. In Folge der Insolvenz dieses Unternehmens im Jahre 1992441 kam das Areal zwei Jahre später (neuerlich) in den Besitz der Stadtgemeinde.442 Nachdem das Gelände zunächst für einige Jahre ungenutzt geblieben war, wurde der Jugend in der leerstehenden Halle ab 1997 ein „Funpark“, eine Anlage für Skateboarder bzw. Inlineskater, zur Verfügung gestellt. Die Städte Mistelbach und Laa an der Thaya teilten sich die Skater-Anlage und während selbige im Frühjahr und Sommer in Laa im Freien genutzt wurde, war sie während der Monate Oktober bis März in der erwähnten Halle aufgebaut.443 2001 wurde die Halle abgetragen und seither wird das Grundstück als öffentlicher Parkplatz genutzt.444

Ansicht der Stadt in Richtung Westen 1908/1909 - rechts im Vordergrund ist eine große Freifläche erkennbar (siehe rote Markierung) und diese Wiese war als "Rollerplatz" bekannt. Allerdings umfasste der "Rollerplatz" nicht die gesamte freie Fläche, denn auf dieser wurde wenig später auch der untere Teil der Bruderhofgasse errichtet.Ansicht der Stadt in Richtung Westen 1908/1909 – rechts im Vordergrund ist eine große Freifläche erkennbar (siehe rote Markierung) und diese Wiese war als „Rollerplatz“ bekannt. Allerdings umfasste der „Rollerplatz“ nicht die gesamte freie Fläche, denn auf dieser wurde wenig später auch der untere Teil der Bruderhofgasse errichtet.

Der "Rollerplatz" Mistelsteig/Bruderhofgasse im Jahr 1938, vermutlich bei einem Schaureiten der berittenen SA. Im Hintergrund ist das Rathaus erkennbarDer „Rollerplatz“ Mistelsteig/Bruderhofgasse im Jahr 1938, vermutlich bei einem Schaureiten der berittenen SA bzw. des Nationalsozialistischen Reiterkorps. Im Hintergrund ist das Rathaus erkennbar

Wo befindet sich der Rollerweg?

 

Bildnachweise:
-) Rollerweg 1945 (Aquarell) und Tempes 1963: Göstl-Archiv
-) Rollerplatz 1938: Fotosammlung Frau Rehrmbacher
-) Rollerplatz 1908/09: aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Portrait Felix Roller: Beilage 50 Jahre Weinhandlung Roller zum Mistelbacher Bote 1935 im Stadtmuseumsarchiv

Quellen:

Florianiplatz

Von Thomas Kruspel 9. Januar 2020 Aus

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 9. März 1965 wurde der Platz vor dem Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach „Florianiplatz“ benannt.445 Noch Ende des 18. Jahrhunderts befanden sich die Feuerlöschrequisiten der Gemeinde in einer Hütte neben dem Gemeindebrunnen inmitten des südlichen Teils des Hauptplatzes.446 Später, vermutlich seit dem frühen 19. Jahrhundert und jedenfalls lange vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach im Jahre 1879, wurden die Feuerlöschgeräte der Gemeinde in einem eigens dafür errichteten Gebäude in der Franz Josef-Straße gelagert. Dieses alte Zeughaus befand sich links neben dem Eingang zum (späteren) Stadtpark und somit linksseitig auf dem Vorplatz des heutigen Stadtsaals.447 Für die Verlegung des Standorts dürfte auch die räumliche Nähe zum 1875 abgebrochenen Turm des Alten Rathauses (heute: Erste Bank), der früher auch als Feuerwachturm genutzt wurde, gesprochen haben. Das alte Zeughaus, dass später als Garage für den Fuhrpark der Gemeinde diente, wurde im Zuge der Errichtung der Markthalle – des Vorgängerbaus des Stadtsaals – Ende des Jahres 1955 abgetragen.448 Am 31. Mai 1931 (und nicht wie oftmals falsch angegeben 1930) bezog die Mistelbacher Feuerwehr nahe dem alten Standort, nunmehr allerdings rechter Hand vom alten Schießstattgebäude („Kasino“), ein neuerbautes Zeughaus.449

Ende der 1950er Jahre: Der damals noch namenlose Platz mit dem ehemaligen Schießstattgebäude (links) und dem alten, etwa 1930 erbauten Zeughaus

Ende der 1950er Jahre: Der damals noch namenlose Platz mit dem „Kasino“ (altes Schießstattgebäude (links)) und dem 1931 errichteten Vorgängerbau am Standort des heutigen Zeughauses

Ende der 1950er Jahre genügte auch dieses Gebäude nicht mehr den Anforderungen einer mit zahlreichen Fahrzeugen ausgerüsteten modernen Feuerwehr und am selben Standort wurde ein deutlich größeres Feuerwehrhaus, das zunächst auch der Unterbringung der gemeindeeigenen Fahrzeuge diente, errichtet. Eine Statue des heiligen Florian, des Schutzpatrons der Feuerwehr, ziert dieses im Rahmen des in Mistelbach abgehaltenen 44. Landes-Feuerwehrtages im Juni 1960 eingeweihte heutige Zeughaus. Die Statue war ursprünglich Teil der Florianikapelle, die einst im Kreuzungsbereich Oserstraße/Mitschastraße stand, und die 1904 zeitgleich mit der nahegelegenen alten Spitalskirche abgetragen wurde.450

 

Die St. Florian-Statue am Feuerwehrhaus

Die St. Florian-Statue am Feuerwehrhaus

 

Wo befindet sich der Florianiplatz?

 

Bildnachweis:
-) Ausschnitt einer Ansichtskarte aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer
-) Florianistatue: Thomas Kruspel, 2020

Quellen:

Österreichischer Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe (1903 u. 1908)

Von Thomas Kruspel 7. Dezember 2019 Aus

Im Oktober 1903 erschien erstmalig der Österreichische Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe, herausgegeben im Volkswirtschaftlichen Verlag A. Dorn und gedruckt von der k.k. Hof- und Staatsdruckerei Wien. Das auf Anregung des k.k. Handelsministeriums erstellte Verzeichnis umfasste zehn Bände, in denen die in der österreichischen Reichshälfte der Doppelmonarchie ansässigen Betriebe nach Orten gegliedert angeführt sind. Die Daten basierten auf den Katastern der Handels- und Gewerbekammern bzw. einer 1902 durchgeführten Betriebszählung und mittels Erlass wurden auch die Gemeindevorstände zur Mitwirkung verpflichtet. Letzteres sorgte für eine besonders hohe Datenqualität und dafür, dass mehr als 25.000 Personen indirekt an dem Projekt beteiligt waren und die bereitgestellten Informationen wurden von einem 40-köpfigen Redaktionsteam verarbeitet. Aufgrund der Verzögerung durch die allgemeine Betriebszählung, des immensen Aufwandes bei der Datenerfassung und sprachlicher Barrieren im Vielvölkerstaat mussten die Herausgeber Dr. Alexander von Dorn und Moriz Pozsonyi die Veröffentlichung mehrfach verschieben, bis schließlich im Juni 1903 der finale Redaktionsschluss erfolgte.

Die im Jahr 1908 in zwanzig Bänden erschienene zweite, aktualisierte Auflage bildete gleichzeitig auch das Ende dieser Publikation.

Dieses eindrucksvolle Verzeichnis ist heute in den Online-Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek (ONB) (1903, 1908) bzw. des Niederösterreichischen Landesarchivs (1903 – Band 2: Niederösterreich) verfügbar und liefert ein interessantes Abbild des lokalen Wirtschaftslebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Nachfolgend die Einträge aus den beiden Auflagen zu Mistelbach und seinen heutigen Katastralgemeinden:

Mistelbach

 

1903451 1908452
Advokaten: Dr. Ackermann Ferdinand
Dr. Schaschetzy Rudolf
Dr. Schmitz Franz
Dr. Oberhuber Max
Dr. Schmitz Franz
Ärzte: Dr. Grinschgl Josef
Schläfrig Jonas
Dr. Thein Rudolf
Dr. Toch Johann
Dr. Walleczek Friedrich
Dr. Grinschgl Josef
Schläfrig Jonas
Dr. Thein Rudolf
Dr. Toch Johann
Dr. Walleczek Friedrich
Ansichtskartenhändler: Kapitan Anton, Kautz Josef
Anstreicher: Hajek Anton
Jellinek Adolf
Pavelka Josef
Zajič Josef
Demek Josef
Hajek Anton
Jellinek Adolf
Rath Paul
Schabl Michael
Zajič Ferdinand
Apotheker: prot. Firma H. Klausmann (Inh. Klausmann Heinrich) prot. Firma H. Klausmann (Inh. Klausmann Heinrich)
Auskocher: Nagel Flora
Badeanstalt: Stadtgemeinde Mistelbach Stadtgemeinde Mistelbach
Bäcker: Blaschke Albert
Edhofer Gustav
Heindl Michael
Rohringer Matthias
Blaschke Albert
Edhofer Gustav
Heindl Michael
Rohringer Matthias
Baumaterialienhändler: Dunkl Josef jun.
Baumeister: Dunkl Josef jun. Dunkl Josef jun.
Bettfedernhändler: Rieglhaupt Eduard
Betonwarenerzeuger: Dunkl Josef jun.
Bienenzüchter: Habrich Franz Habrich Franz
Bierdepots: Massinger Therese
Adolf Ignaz Mautner & Sohn
Bierhändler: Schnass Karl
Binder: Fried Josef
Geyer Franz
Schäffer Johann
Geyer Franz
Palota Franz
Schäffer Johann
Branntweinerzeuger: Kastner Lambert
Trebitsch Bernhard
Branntweinschänker: Trebitsch Maria
Brennmaterialienhändler: Stätter Sebastian
Weber Josef
Stätter Sebastian
Brückenwaage: Gemeinde Mistelbach
Buchbinder: Eder Emerich Eder Emerich
Buchdrucker: Prot. Firma Fritz Kränzle (Inh. Kränzle Fritz) Prot. Firma Fritz Kränzle (Inh. Kränzle Fritz sen. u. Hornung Karl)
Buch-, Kunst- und Musikalienhändler: Kapitan Anton
Bürstenbinder: prot. Firma Ignaz & Franz Mühl (Inh. Mühl Ignaz und Franz)
Tischler Ferdinand
Braun Karl
prot. Firma Ignaz & Franz Mühl (Inh. Mühl Ignaz und Franz)
Tischler Ferdinand
Christbaumhändler: Hobersdorfer Leopold
Dachdecker: Bauer Josef
Brustmann Heinrich
Kraus Jakob
Bauer Josef
Brustmann Heinrich
Kraus Jakob
Dekorateure: Hawel Heinrich
Devotionalienhändler: Eder Emerich
Dienstvermittler: Willibacher Friedrich
Winter Amalia
Willibacher Barabara
Winter Amalia
Drechsler: Lewit Franz
Lokofsky Georg
Schuldmayer Lorenz
Weber Jakob
Grimm Franz
Lewit Franz
Lokofsky Georg
Misch Anton
Schuldmayer Lorenz
Urbanek Franz
Weber Eleonore
Druckschriftenhändler: Luchovsky Anton
Eisenwaren- und Geschirrhändler: prot. Firma Karl Ibel (Inh. Ibel Karl)
Karl Ignaz
prot. Firma Rudolf Krisch (Inh. Krisch Rudolf)
prot. Firma Karl Ibel (Inh. Ibel Karl)
Karl Ignaz
prot Firma Rudolf Krisch (Inh. Krisch Rudolf)
Schultes Franz
Trebitsch Bernhard
Essigerzeuger: Fritz Josef jun. Fritsch Josef jun.
Kastner Lambert
Färber: Wurm Karl Cerwinka Leopold
Wurm Karl
Fahrräderreparaturen: Lewit Franz
Fiaker: Goldberger Adolf
Zednik Anton
Flaschenbierfüller: Fried Peregrin
Flaschenbierhändler: Fried Peregrin
Kummer Johanna
Schnass Anna
Travnitzky Anton
Beck Antonie
Fried Peregrin
Kühtreiber Johann
Kummer Johann
Kummer Johanna
Luxbacher Marie
Nagel Flora
Simperler Karl
Travnitzky Anton
Waberer Josef
Fleischhändler: Zugmann Franz
Fleischer: Fournier Franz
Reumann August
prot. Firma Adolf Schödl (Inh: Adolf Schödl)
Zugmann Lorenz
prot. Firma Franz Fournier (Inh. Fournier Franz)
Höfling Ernst
Österreicher Anton
Rabenseifner Eduard
Reumann August
prot. Firma Adolf Schödl (Inh: Adolf Schödl)
Fleischselcher: Fournier Franz
Rabenseifner Eduard
Reumann August
prot. Firma Adolf Schödl (Inh: Adolf Schödl)
Zugmann Lorenz
prot. Firma Franz Fournier (Inh. Fournier Franz)
Höfling Ernst
Österreicher Anton
Rabenseifner Eduard
Reumann August
prot. Firma Adolf Schödl (Inh: Adolf Schödl)
Friseure und Raseure: Bauer Jakob
Kramer Johann jun.
Nebel Georg
Bauer Jakob
Bauer Jakob jun.
Fuhry Robert
Kramer Johann jun.
Nebel Georg
Steppat Karl Johann
Fruchthändler: Brünner Ignaz
Münz Samuel
Schwarz Johann
Gärtner: Nowak Franz
Gasthöfe: Eisenhut Anton
Eybel Johann
Haller Franz
Kainz Franz
Massinger Therese
Pöltl Leopold
Putz August
Rabenseifner Karl
Haller Franz
Kainz Franz
Massinger Therese
Neumayer Matthias
Pöltl Leopold
Putz August
Rabenseifner Karl
Rössler Heinrich
Stadtgemeinde Mistelbach
Gaswerke: Gemeinde Mistelbach
Gas- und Wasserleitungsinstallateure: Rössler Karl
Geflügelhändler: Bauer Jakob
Wikowitsch Karl
Gemischtwarenhändler: prot. Firma Franz Czinglar‘s Nachfolger Johann Pemsel (Inh. Pemsel Johann)
Eder Emerich
prot. Firma Thomas Freund (Inh. Freund Thomas)
Fried Peregrin,
prot. Firma E. Hackl (Inh. Hackl Emilian)
Heger Ferdinand
Kohn Heinrich
Kummer Johanna
Lewit Franz
Lobner Johann
prot. Firma Hermann Löffler (Inh. Löffler Hermann)
Mayer Anna
Meissl Barbara
Tischler Barabara
Travnitzky Anton
prot. Firma Leopold Weinmann (Inh. Weinmann Leopold)
prot. Firma Heinrich Westermayr (Inh. Westermayr Heinrich)
Wimmer Franz
Beck Antonie
Bollhammer Martin
prot. Firma Franz Czinglar‘s Nachfolger Johann Pemsel (Inh. Pemsel Johann)
Eder Emerich
Frankl Ignaz
prot. Firma Thomas Freund (Inh. Freund Thomas)
Fried Peregrin
prot. Firma Julius Frisch (Inh. Frisch Julius)
Gloser Wilhelm
Grabler Matthias
Grünberger Therese
prot. Firma E. Hackl (Inh. Hackl Therese)
prot. Firma Ferdinand Heger (Inh. Heger Ferdinand)
Heindl Michael
Kalina Emanuel
Karl Ignaz
Kasmacher David
Klemenz Johann
Kohn Heinrich
Kosak Julie
Kummer Johann
Lewit Franz
Lobner Johannprot. Firma Hermann Löffler (Inh. Löffler Hermann)
Luxbacher Marie
Mayer Marie
Meissl Barabara
Nagel Flora
Nikoll Karoline
Ollinger Ludmilla
Paschkes Heinrich
Prohaska Josef
Rössler Karl
Rohringer Mathias
Schabl Michael
Scheuch Barabara
Schindler Marie
Seiter Anton
Simperler Karl
Steiner Luise
Tischler Barbara
Travnitzky Anton
Trebitsch Marie
Trestler Marie
Waberer Josef
Weber Eleonore
prot. Firma Leopold Weinmann (Inh. Weinmann Leopold)
prot. Firma Heinrich Westermayr (Inh. Westermayr Heinrich)
Wimmer Franz
Winkler Karl
Gerberei- und Gerberrequisitenwarenhändler: prot. Firma J. K. Strasser & Bruder (Inh. Strasser Josef und Ludwig) prot. Firma J. K. Strasser & Bruder (Inh. Strasser Josef und Ludwig)
Geschirrhändler: Hobersdorfer Leopold Ibel Karl
prot. Firma Johann Inhauser (Inh. Inhauser Johann)
Plaschkes Leopold
Wagenknecht Josef
Getreidehändler: Münz Samuel
prot. Firma O. Schwarz & Sohn (Inh. Schwarz Johann)
Münz Samuel
prot. Firma O. Schwarz & Sohn (Inh. Schwarz Johann)
Glaser: Eibel Josef
Schöfmann Josef
prot. Firma Josef Eybel (Inh. Eybel Josef)
Schöfmann Josef
Gold- und Silberwarenhändler: Moller Richard
Navrata Wilhelm
Frankl Hermine
Moller Richard
Navrata Wilhelm
Schodl Josef
Grabkreuzehändler (u. Grabausschmückungsgegenständehändler): Obeth Johann Eibl Heinrich
Obeth Johann
Greißler: Bauer Hanna
Eisinger Bernhard
Gössinger Michael
Hobersdorfer Leopold
Kocher Johann
Münz Samuel
Scheuch Barbara
Schodl Emilie
Stubenvoll Ignaz
Trebitsch Josefa
Trebitsch Maria
Trestler Leopold
Eisinger Bernhard
Gössinger Michael
Kocher Johann
Münz Samuel
Schodl Emilie
Stubenvoll Ignaz
Trebitsch Josefa
Trebitsch Marie
Grünwaren- und Obsthändler: Gergela Josef
Pommer Josef
Gergela Josef
Hrbacek Anton
Krebs Josef
Meissnitzer Rosa
Hadern- und Knochenhändler: Plaschkes Leopold Kosak Adolf
Plaschkes Leopold
Handschuhmacher: Pollak Josef Pollak Josef
Hebammen: Honkicz Magdalena
Schüch Katharina
Stašek Anna
Wimmer Barbara
Honkicz Magdalena
Stašek Anna
Wimmer Barbara
Holzhändler: prot. Firma Ludwig Abeles (Inh. Abeles Ludwig u. Pisk Berthold)
prot. Firma Josias Eissler & Söhne (Inh. Eissler Max, Siegmund, Gustav und Hugo)
Fritsch Josef sen.
prot. Firma Ludwig Abeles (Inh. Abeles Ludwig u. Pisk Berthold)
prot. Firma Josias Eissler & Söhne (Inh. Eissler Max, Siegmund, Gustav und Hugo)
Stätter Sebastian
Hufschmiede: Caforek Anton
Heger Ferdinand
Hobersdorfer Leopold
Schallgruber Franz
Scheiner Josef
Caforek Anton
Heger Ferdinand
Schallgruber Franz
Scheiner Josef
Huthändler: Lechner Johann
Pegrisch Franz
Lechner Johann
Pegrisch Franz
Hutmacher: Prohaska Josef Prohaska Josef
Wolf Karl
Kleidermacher: Binder Leopold
Brichta Franz
Gatscharek Josef
Gloser Wilhelm
Gröger Franz
Gröger Vinzenz
Misch Leopold
Schmidt Josef
Schöfböck Josef
Schutzkerl Franz
Souček Gottlieb
Weinmann Leopold
Binder Leopold
Brichta Franz
Gatscharek Josef
Gloser Wilhelm
Gröger Franz
Kočal Johann
Misch Leopold
Piwald Matthias
Schmidt Josef
Schöfböck Josef
Schutzkerl Franz
Souček Gottlieb
Spieß Josef
Stepanek Johann
Velcowsky Franz
Weinmann Leopold
Winter Wenzel
Kleidermacher (Damen): Drmela Barbara
Himmer Anna
Höller Cäcilia
Hrachowina Franziska
Knauer Juliana
Krames Maria
Meissl Josefine
Schindler Emilie
Sklenař Helene
Brustmann Antonie
Drmela Barbara
Ertl Marianne
Feuchtinger Wilhelmine
Himmer Anna
Hrachowina Franziska
Knauer Juliana
Krames Maria
Lausch Ida
Meissl Josefine
Pukl Leopoldine
Schindler Emilie
Schröder Sidonie Marie
Sklenař Helene
Tischler Johanna
Kohlenhändler: Münz Samuel
Singer Ignaz Heinrich
Stätter Sebastian
Weber Josef sen.
Münz Samuel
Singer Ignaz Heinrich
Stätter Sebastian
Konsumverein: Allgemeiner Konsum- und Sparverein in Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.
Küchengerätehändler: Eibel Josef Eibel Josef
Kürschner: Lechner Johann
Pegrisch Franz
Lechner Johann
Pegrisch Franz
Kunstblumenhändler: Lehner Martin
Kunstdüngerhändler: Plaschkes Leopold Plaschkes Leopold
Kuper- und Eisenwarenhändler: Inhauser Johann
Lackierer: Göstl Georg
Schabl Michael
Landwirtschaftliche Genossenschaft: Landwirtschaftliche Genossenschaft in Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H. Landwirtschaftliche Genossenschaft in Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.
Landwirtschaftliche Pachtung: Dunkl Josef jun.
Landwirtschaftliche Maschinen- und Geräteerzeuger: Heger Ferdinand
Lederer: prot. Firma J. K. Straßer & Bruder
prot. Firma Josef Strasser & Sohn (Inh. Strasser Josef jun.)
Lehranstalten für Weißnähen und Kleidermachen: Billant Irene
Lehranstalten für französische Sprache: Billant Irene
Leichenbestattungsunternehmen: Eibl Heinrich
Leihbibliotheken: Kaptian Anton
Lohnfuhrwerker: Eibel Johann
Fritsch Josefa
Nicham Ferdinand
Degen Leopold
Eibel Johann
Meissl Viktor
Nicham Anna
Wolf Robert
Marktfieranten: Jellinek Fanni
Marschon Katharina (jetzt Lehner)
Nemetz Antonia
Nemetz Karl
Dworak Rosalia
Krebs Marie
Marschon Katharina (jetzt Lehner)
Nemetz Antonia
Nemetz Karl
Maurermeister: Heger Martin Haring Ignaz
Mechaniker: Hegmala Stephan
Rössler Karl
Hegmala Stephan
Rössler Karl
Mehlhändler: Blaschke Albert
Heindl Michael
Blaschke Albert
Messerschmiede: Dwořak Rosalia
Hartmann Heinrich
Dwořak Matthias
Fuchs Friedrich/td>
Milchhändler: Panzer Franz Panzer Franz
Möbelhändler: Judex Wenzel
Rieglhaupt Eduard
Zimprich Julius
Modistinnen: Ertel Marianne
Kaßol Maria
Mosziska MariaRiegelhaupt Josefine
Ertel Marianne
Kindler Katharina
Mosziska Marie
Schindler Marie
Munitionsgegenständehändler: Freund Thomas
Nähmaschinenhändler: Karl Ignaz
Rössler Karl
Karl Ignaz
Rössler Karl
Notare: Kipp Leopold Milan Ernst
Optikerwarenhändler: Moller Richard
Navrata Wilhelm
Moller Richard
Navrata Wilhelm
Schodl Josef
Papier- und Schreibrequisitenhändler: Kapitan Anton
Pelzwarenhändler: Wolf Karl
Perückenmacher: Bauer Jakob
Pfaidler: Löwenrosen Eleonora
Možiška Franziska
Jellinek Fanny
Pferdefleischer: Rabenseifner Eduard Rabenseifner Eduard
Pferdehändler: Eisinger Bernhard
Rabenseifner Eduard
Trebitsch Bernhard
Fuchs Jakob
Holzmann Jakob
Rabenseifner Eduard
Sami Max
prot. Firma Bernhard Trebitsch (Inh. Trebitsch Bernhard)
Photographen: Forstner Leopold Forstner Leopold
Plaschil Josef
Pinselerzeuger: Mühl Ignaz und Franz
Privatgeschäftevermittler: Burgmann Johann
Pulverschleiß: Pemsel Johann Pemsel Johann
Rahmenhändler: Tatzer Florian
Rauchfangkehrer: Filippinetti Franz Filippinetti Franz
Rauchrequisitenhändler: Sklenař Anna
Realitätenvermittler: Stosius Gustav Adolf Burgmann Johann
Riemer: Oblinger Martin Göstl Georg
Oblinger Martin
Särgehändler: Zimprich Julius
Sattler: Cernohorsky Jakob
Göstl GeorgOblinger Martin
Schabl Michael
Cernohorsky Jakob
Göstl Georg
Mayer Johann
Oblinger Martin
Schabl Michael
Schlosser: Gössinger Anton
Lansch Josef
Rössler Karl
Schultes Franz
Seiberler Karl
Gössinger Anton
Hegmala Stephan
Lansch Josef
Rössler Karl
Schultes Franz
Seiberler Karl
Schnittwarenhändler: Grulich Anna
Trebitsch Josefa
Jellinek Fanny
Trebitsch Josefa
Wurm Anna
Schuhmacher: Brückner Stephan
Geyer Ignaz
Gröger Franz jun
Gröger Franz sen.
Grohmann Johann
Herbst Josef
Kisswetter Karl
Kohn Franz
Krammer Eduard
Martin Karl
Misch Ferdinand
Nemetz Karl
Pleil Anton
Pohl Josef
Schacher Georg
Schlager Franz
Schlager Karl
Schüch Adolf
Schuldmayer Ferdinand
Stašek Johann
Stetter Johann
Stuttner Anton
Trestler Karl
Weigl Lorenz
Wernerth JosefWrzan Wenzel
Brückner Stephan
Geyer Alois
Geyer Ignaz
Gröger Anton
Gröger Franz jun.
Grohmann Johann
Herbst Josef
Kohn Franz
Krammer Eduard
Martin Karl
Misch Ferdinand
Nemetz Karl
Pleil Anton
Pohl Josef
Schacher Georg
Schlager Franz
Schlager Karl
Schuldmayer Ferdinand
Schwarz Karl
Seiter Anton
Simperler Franz
Stašek Johann
Staschek Wilhelm
Stetter Johann
Tatzer Florian
Tesař August
Waberer Karl
Weigl Lorenz
Wrzan Wenzel
Schuhwarenhändler: Löwenrosen Katharina
Stašek Anna
Löwenrosen Katharina
Schuhmacherzuegehörhändler: Schwarz Karl
Schuhoberteilerzeuger: Schwarz Karl
Schul- und Gebetsbuchverschleiß: Eder Emerich
Freund Thomas
prot. Firma Franz Czinglar‘s Nachfolger Johann Pemsel (Inh. Pemsel Johann)
Eder Emerich
Freund Thomas
prot. Firma Franz Czinglar‘s Nachfolger Johann Pemsel (Inh. Pemsel Johann)
Schwefeleinschlaghändler: Schäffer Barabara
Scheuch Barbara
Krebs Josef
Schäffer Barabara
Scheuch Barbara
Seifensieder: Schindler Eduard Schindler Eduard
Seiler: Holub Josef Holub Josef
Selchwarenhändler: Hartel Magdalena
Kosak Katharina
Hartel Magdalena
Janka Marie
Kosak Katharina
Siebmacher: Kowařik Anton Kowařik Rosa
Sodawassererzeuger: Fournier Karl
Schilling Franz
Fournier Karl
Kummer Johann
Schilling Franz
Sparkassen: Sparkassa Sparkassa
Spar- und Darlehenskassenvereine: Lehrer-Spar- u. Vorschuss-Genossenschaft in Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.
Spar- und Darlehenskassen-Verein für Mistelbach, reg. Genossenschaft m.u.H.
Spar- und Vorschußgenossenschaft für Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.
Spar- und Vorschußverein
Lehrer-Spar- u. Vorschuss-Genossenschaft in Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.
Spar- und Darlehenskassen-Verein für Mistelbach, reg. Genossenschaft m.u.H.
Spar- und Vorschußgenossenschaft für Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.
Spar- und Vorschußverein
Spediteure: Eybel Johann jun.
Heindl Johann
Nicham Ferdinand
Eybel Johann jun.
Heindl Johann
Nicham Anna
Spengler: Ibel Karl
Inhaus Johann
Ibel Karl
Inhauser Johann
Klement Johann
Wagenknecht Josef
Spielwarenhändler: Hobersdorfer Leopold
Spirituosen- und Essigerzeuger: Hoppe Barbara
Kastner Lambert
Trebitsch Bernhard
Kastner Lambert
Trebitsch Bernhard
Spirituosenhändler: Hobersdofer Leopold
Hoppe Barbara
prot. Firma Franz Czinglar‘s Nachfolger Johann Pemsel (Inh. Pemsel Johann)
Stubenvoll Ignaz
Eisinger Bernhard
Freund Thomas
Frisch Julius
Gerzabek Barabara
Heger Ferdinand
Kaschmacher David
Kohn Heinrich
Lobner Johann
Löffler Hermann
Mayer Marie
prot. Firma Franz Czinglar‘s Nachfolger Johann Pemsel (Inh. Pemsel Johann)
Steiner Luise
Stubenvoll Ignaz
Tischler Barbara
Travnitzky Anton
Weinmann Leopold
Wimmer Franz
Steinmetz: Obeth Johann Obeth Johann
Tabak-Trafik: Ernst Marie
Fried Peregrin
Grajvoski Marie
Jellinek Antonia
Kautz Josef
Fried Peregrin
Jellinek Antonia
Kautz Josef
Sklenař Anna
Steiner Luise
Travnitzky Anton
Tabak-Verlag: Kautz Josef Kautz Josef
Tapezierer: Hawel Heinrich
Schabl Michael
Hawel Heinrich
Schabl Michael
Tierärzte: Justus Josef Justus Josef
Tischler: Eibel Heinrich
Geppert Florian
Màslo Franz
Paller Julian jun.
Paller Julian sen.
Römer Franz
Willibacher Friedrich
Zajic Anton
Zimprich Julius
Eibel Heinrich
Geppert Florian
Leitner Franz
Màslo Franz
Paller Julian jun.
Paller Julian sen.
Riedler Franz
Römer Franz
Willibacher Friedrich
Willibacher Leopold
Zajic Anton
Zimprich Julius
Zwieb Eduard
Toiletteartikelhändler: Braun Karl
Uhrenhändler: Frankl Hermine Frankl Hermine
Uhrmacher: Moller Richard
Navrata Wilhelm
Schodl Josef Alfred
Moller Richard
Navrata Wilhelm
Schodl Josef Alfred
Vergolder: Eibl Michael Eibl Michael
Viehhändler: Eisenhut Anton
Eisinger Adelheid
Eisinger Bernhard
Rabenseifner Eduard
Trebitsch Isidor
Zugmann Franz
Eisinger Adelheid
Eisinger Bernhard
Rabenseifner Eduard
Trebitsch Isidor
Viktualienhändler: Brünner Ignaz
Grajovsky Marie
Meissnitzer Rosa
Rohringer Matthias
Binder Marie
Brünner Ignaz
Kornek Anna
Wäscher und Wäscheputzer: Glisch Marie
Leyer Pauline
Bachbauer Barbara
Glisch Marie
Leyer Pauline
Sellinger Therese
Wäschewarenhändler: Wolf Karl
Wagner: Gretschy Franz
Skoda Johann
Tretter Thomas
Gretschy Franz jun.
Korinek Johann
Rieder Josef
Skoda Johann
Tretter Thomas
Wasenmeister: Selinger Leopold Selinger Leopold
Weber: Kalina Emanuel Kalina Emanuel
Weinhändler: Fritsch Josef jun.
Kührer Anton
Kurz Karl
Roller Felix
prot. Firma Josef Fritsch jun. (Inh. Fritsch Josef)
Roller Felix
Weinsensale: Heitler Jakob
Suttner Anton
Träxler Andreas
Suttner Anton
Träxler Andreas
Weinsteinhändler: Kosak Adolf Kosak Adolf
Weiß- und Kunststickerei: Mayer Marie
Wildbrethändler: Bauer Jakob Bauer Jakob
Rieder Richard
Wirte: Luxbacher Franz
Reimann Josef
Schmid Josef
Schödl Anna
Zugmann Franz
Gemeinde Mistelbach
Luxbacher Franz
Meixner Rosalia
Mörth Elise
Reimann Josef
Rieder Richard
Schmid Josef
Schödl Anna
Schützengilde Mistelbach
Sklenař Martin
Wiesbauer Franz
Zickl Leopold
Zahnärzte: Dr. Lippel Gustav
Dr. Thein Gustav
Zeitungsherausgeber: Schuldmayer Ferdinand Schuldmayer Ferdinand
Zeitungsverschleiß: Jellinek Antonia Jellinek Antonia
Kautz Josef
Schmid Franz
Steiner Luise
Ziegeleien: Erste Ziegelwerks-Genossenschaft in Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H. Erste Ziegelwerks-Genossenschaft in Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.

prot. Firma Erste Ziegelwerksgesellschaft in Mistelbach

Zimmermaler: Eibl Michael
Hajek Anton
Jellinek Adolf
Zajič Josef
Eibel Michael
Hajek Anton
Jellinek Adolf
Rath Paul
Zajič Josef
Zimmermeister: Denner Franz Denner Franz
Zivilgeometer: Hoch Gustav
Zuckerbäcker: Bollhammer Martin
Jerzabek Josef
Bollhammer Martin
Seitz Lukas
Zuckerbäckerwarenhändler: Meissnitzer Rosa

 

Ebendorf

1903453

1908454

Bäcker: Neuhold Matthias Neuhold Matthias
Flaschenbierhändler: Neuhold Maria Neuhold Maria
Gemischwarenhändler: Neuhold Maria Huber Karl
Neuhold Maria
Krämer: Huber Karl
Kleidermacher: Sevečka Franz>
Milchhändler: Trögl Josef Trögl Josef
Müller: Hugl Josef
Steiskal Karl
Koppitz Moritz
Steiskal Karl
Schuhmacher: Höller Josef
Veigl Balthasar
Höller Josef
Veigl Franz
Spar- und Darlehenskassenverein Spar- und Darlehenskassenverein für Ebendorf, reg. Genossenschaft m.b.H. Spar- und Darlehenskassenverein für Ebendorf, reg. Genossenschaft m.b.H.
Spirituosenhändler: Neuhold Marie
Wirte: Huber Karl Huber Karl

Eibesthal

1903455 1908456
Bäcker: Pöschl Alois Pöschl Alois
Schweinberger Johann
Binder: Kaseka Johann Kaseka Johann
Eierhändler: Steingassner Josef Steingassner Josef
Flaschenbierhändler: Barisch Josef
Fleischer: Österreicher Anton
Gasthöfe: Zeiler Marie
Gemischtwarenhändler: Hammer Josef
Schneider Josef
Hammer Josef
Pöschl Alois
prot. Firma Josef Schneider (Inh. Schneider Josef)
Hebammen: Brambor Katharina
Zehentner Juliana
Hufschmiede: Grünwald Franz
Mock Michael
Grünwald Franz
Mock Michael
Kalenderhändler: Schneider Josef
Kleidermacher: Fried Josef
Kandl Josef
Fried Josef
Kandl Josef
Prinz Andreas
Kleidermacher (Damen): Berthold Marie
Schiller Marie
Kohlenhändler Schneider Josef
Milchhändler: Milchgenossenschaft in Eibesthal Milchgenossenschaft in Eibesthal
Obsthändler: Waberer Josef
Pferdewürstelverschleiß: Barisch Josef
Schuhmacher: Bauer Johann
Bauer Josef
Berthold Josef
Besau Jakob
Ehrnberger Ignaz
Furi Johann
Reichel Ferdinand
Bauer Johann
Bauer Josef
Berthold Josef
Besau Jakob
Ehrnberger Ignaz
Matzek
Spar- und Darlehenskassenverein: Spar- und Darlehenskasse für Eibesthal, reg. Genossenschaft m.b.H. Spar- und Darlehenskasse für Eibesthal, reg. Genossenschaft m.b.H.
Spirituosenhändler: Hammer Josef
Schneider Josef
Strohhändler: Waberer Josef
Tabak-Trafik: Barisch Josef
Hammer Josef
Zehetner Franz
Tischler: Schöfbeck Tobias
Schwenk Michael
Newald Franz
Schöfbeck Tobias
Schwenk Michael
Viktualienhändler: Pöschl Alois Pöschl Alois
Weinhändler: Zehetner Johann Wedra Rudolf
Weinsensale: Reisinger Johann
Wildbrethhändler: Hammer Josef
Wirte: Friedrich Johann
Zehetner Franz
Zehetner Franz
Zeiler Josef
Ziegeleien: Hammer Josef
Luxbacher Matthias
Hammer Josef
Luxbacher Matthias

Frättingsdorf

1903457 1908458
Architekten: Steingassner Josef
Baumeister: Steingassner Matthias Steingassner Josef
Steingassner Matthias
Dachdecker: Gahr Matthias Gahr Matthias
Eier- und Obsthändler: Fritz Leopold
Schmidt Stephan
Fritz Leopold
Schmidt Stephan
Gasthöfe: Gramanitsch Karl
Widermann Karl
Gemischtwarenhändler: Kiessner Johann
Loikasek Johann
Steingassner Martin jun.
Weber Wilhelm
Blösl Josefa
Gramanitsch Karl
Loikasek Johann
Steingassner Martin jun.
Weber Wilhelm
Grünwarenhändler Prokesch Marie
Hufschmiede: Nekam Matthias
Skoda Franz
Nekam Barbara
Schreiber Johann
Skoda Franz
Kleidermacher: Luxbacher Peter Maier Josef
Maurermeister: Beckert Friedrich
Schuhmacher: Swoboda Leopold Swoboda Leopold
Spirituosenhändler: Loikasek Johann
Tabak-Trafik: Weber Wilhelm Weber Wilhelm
Viktualienhändler: Schodl Franz Schödl Ignaz
Weinsensale: Schödl Ignaz
Wirte: Kiessner Johann
Luxbacher Johann
prot. Firma Martin Steingassner (Inh: Steingassner Martin)
Luxbacher Johann
prot. Firma Martin Steingassner (Inh: Steingassner Martin)
Ziegeleien: prot. Firma Martin Steingassner (Inh: Steingassner Martin) prot. Firma Martin Steingassner (Inh: Steingassner Martin)

Hörersdorf

1903459 1908460
Bäcker: Holzer Karl
Binder: Schneider Johann Schneider Johann
Branntweinschenker: Koppensteiner Karl
Voltin Katharina
Holzer Karl
Koppensteiner Rosalia
Butter- und Eierhändler: Bogner Josef
Gitter Therese
Bogner Josef
Gitter Therese
Flaschenbierhändler: Holzer Karl
Rieder Anton
Holzer Karl
Rieder Anton
Fleischer: Rieder Anton Rieder Anton
Gemischtwarenhändler: Koppensteiner Karl
Rieder Anton
Holzer Karl
Koppensteiner Rosalia
Rieder Anton
Greisler: Holzer Karl
Hebammen: Stätter Elisabeth Stätter Elisabeth
Kleidermacher Fritz Johann
Zant Johann
Fritz Johann
Zant Johann
Milchgenossenschaft: Milchgenossenschaft in Hörersdorf, reg. Genossenschaft m.b.H.
Schmiede: Welzl Josef Welzl Josef
Schnittwarenhändler: Freitag Anna
Toch Lotti
Schuhmacher: Böck Leopold
Grass Michael
Marchart Matthias
Stätter Andreas
Stubenvoll Edmund
Böck Leopold
Grass Michael
Marchart Matthias
Stätter Andreas
Stubenvoll Edmund
Spar- und Darlehenskassenverein: Spar- und Darlehenskassenverein für Hörersdorf und Frättingsdorf, reg. Genossenschaft m.b.H. Spar- und Darlehenskassenverein für Hörersdorf und Frättingsdorf, reg. Genossenschaft m.b.H.
Spirituosenhändler: Rieder Anton Holzer Karl
Rieder Anton
Tabak-Trafik: Holzer Karl
Koppensteiner Karl
Rieder Anton
Holzer Karl
Koppensteiner Karl
Rieder Anton
Tischler: Richter Zacharias Nowotny Franz
Richter Jakob
Viktualienhändler: Koppensteiner Karl Koppensteiner Rosalia
Wagner: Wagner Johann
Weinkellereien: Rieder Josef
Wirte: Krumpholz Pauline Rabenseifner Franz

Hüttendorf

1903461 1908462
Bäcker: Kocher Johann prot. Firma Johann Kocher (Inh. Kocher Johann)
Binder: Bojer Michael
Griesmacher Johann
Bürstenbinder: Braun Karl
Essighändler: Kastner Johann Kastner Johann
Flaschenbierhändler: Krenn Georg
Gasthöfe: Brust Alois
Gemischtwarenhändler: Krenn Georg Krenn Georg
Reichel Anton
Studenitsch Franz
Weiner Cäcilie
Greisler: Bojer Michael
Braun Matthias
Reichel Anton
Bojer Michael
Reichel Anton
Hufschmiede: Schuh Lorenz Schuh Josef
Kleidermacher: Thurner Georg
Welzl Josef
Welzl Josef
Milchgenossenschaft: Milchgenossenschaft in Hüttendorf
Müller: Hawlena Joachim
Kocher Johann
Kocher Johann
Uchatzky Franz
Schmiede: Hruša Franz Hruša Franz
Schuhmacher: Braun Matthias
Hütter Anton
Müller Josef
Reichelt Anton
Hütter Anton
Müller Josef
Studenitsch Franz
Spirituosenhändler Studenitsch Franz
Tabak-Trafik: Reichelt Anton Reichelt Anton
Viktualienhändler: Wolfram Therese Brust Alois
Wolfram Therese
Weinkellereien: Spieß Johann
Wirte: Kastner Johann Brust Alois
Zimmermeister: Kraft Josef Kraft Josef

Kettlasbrunn

1903463 1908464
Ansichtskartenverschleiß: Findeis Franz Findeis Franz
Bäcker: Ruczicka Karl Sulzer Georg
Binder: Huber Leopold Hoppe Georg
Huber Leopold
Branntweinschenker: Berger Hermann
Wimmer Franz
Berger David
Wimmer Franz
Dachdecker: Nirlich Josef Nirlich Josef
Flaschenbierhändler: Hörwein Franziska Berger David
Frommer Jakob
Fleischer: Krammer Johann Findeis Franz
Krammer Johann
Friseure und Raseure: Feigl Ignaz Feigl Ignaz
Glassl Anton
Gemischtwarenhändler: Berger Hermann
Frommer Jakob
Wimmer Franz
Berger David
Frommer Jakob
Ruczicka Karl
Wimmer Franz
Hebammen: Nierlich Theresia
Stadler Therese
Nierlich Theresia
Hufschmiede: Jetschminek Florian
Peterschelka Lorenz
Jetschminek Florian
Peterschelka Lorenz
Kalender- und Schulbücherverschleiß: Wimmer Franz
Kleidermacher: Grischani Michael
Merhulik Johann
Findeis Karl
Grischani Michael
Merhulik Johann
Kleinschlächter: Findeis Franz jun.
Milchgenossenschaft: Milchgenossenschaft Milchgenossenschaft in Kettlasbrunn, reg. Genossenschaft m.b.H.
Milchhändler: Rath Ignaz
Rohproduktenhändler: Berger David
Frommer Jakob
Schlosser: Huppert Ignaz Huppert Ignaz
Schuhmacher: Diem Josef
Krüder Josef
Ruschka Johann
Schulz Jakob
Weinmaier Franz
Diem Josef
Krüder Josef
Weinmaier Franz
Spar- und Darlehenskassenvereine: Spar- und Darlehenskassenverein für Kettlasbrunn, reg. Genossenschaft m.u.H. Spar- und Darlehenskassenverein für Kettlasbrunn, reg. Genossenschaft m.u.H.
Spirituosenhändler: Hörwein Franziska Berger David
Frommer Jakob
Tabak-Trafik: Berger Hermann
Wimmer Franz
Berger David
Wimmer Franz
Tischler: Schodl Lorenz Schodl Lorenz
Viehhändler: Findeis Franz Findeis Franz
Viktualienhändler: Hörwein Franziska
Ruczicka Karl
Sulzer Georg
Weinhändler: Neustifter Florian
Weinkellereien: Aust Franz
Postmann Katharina
Wiesinger Therese
Weinsensale: Berger David
Hammer Leopold
Wirte: Findeis Franz
Krammer Johann
Findeis Franz
Hammer Adolf
Krammer Johann
Ziegeleien: Rath Ignaz
Schwarzmann Matthias
Rath Ignaz
Schwarzmann Matthias

Lanzendorf

1903465 1908466
Bäcker: Kraus Johann Kraus Johann
Branntweinschenker: Trojan Rosalia Trojan Rosalia
Flaschenbierhändler: Baronbeck Johann Baronbeck Johann
Hrachowina Anna
Gasthöfe: Semler Johann
Gemischtwarenhändler: Trojan Rosalia Hrachowina Anna
Trojan Rosalia
Greisler: Kraus Johann prot. Firma Johann Kraus (Inh. Johann Kraus)
Heiligenbilderhändler: Tatzer Florian
Hufschmiede: Wiesinger Innozenz Wiesinger Innozenz
Marktfieranten: Bruckner Anna
Bruckner Antonie
Müller: Kothmayer Rudolf
Kraus Johann
Weislein Leopold
Kothmayer Rudolf
Kraus Johann
Weislein Leopold
Schuhmacher: Klinghofer Matthias
Parsch Johann
Parsch Michael
Wernerth Anna
Klinghofer Matthias
Parsch Johann
Parsch Michael
Weigl Johann
Spirituosenhändler: Hrachowina Anna
Kraus Johann
Tabak-Trafik: Trojan Rosalia
Wirte: Stacher Karl Semler Johann
Ziegeleien: Eigner Ernst
Kothmayer Rudolf
Stacher Leopold

Paasdorf

1903467 1908468
Bäcker: Mais Therese
Drechsler: Winkelmann Gustav
Flaschenbierfüller: Kainz Johann
Flaschenbierhändler: Waberer Josef
Fleischer: Stacher Peter Stacher Peter
Gemischtwarenhändler: prot. Firma Heinrich Eybel (Inh. Eybel Heinrich)
Kainz Johann
Wittmann Elisabeth
Wittmann Johann
prot. Firma Adolf Drill (Inh. Drill Adolf)
prot. Firma Heinrich Eybel (Inh. Eybel Heinrich)
Kainz Johann
Stacher Peter
Waberer Paul
Wittmann Elisabeth
Wittmann Marie
Hebammen: Linz Magdalena
Motoch Ida
Motoch Ida
Hufschmiede: Grimm Adam
Singer Matthias
Grimm Adam
Singer Matthias
Kalenderverschleiß: Eybel Heinrich
Kleidermacher: Hochhauser Josef Hochhauser Josef
Knott Alois
Thurner Georg
Krämer: Drill Adolf
Mehlhändler: Drill Adolf Drill Adolf
Milchgenossenschaft: Milchgenossenschaft in Paasdorf, reg. Genossenschaft m.b.H.
Milchrahmhändler: Hochhauser Johann
Pferdefleischselchwarenhändler: Schmied Ferdinand
Sattler: Horak Karl
Schuhmacher: Berthold Anton
Dallinger Michael
Kainz Franz
Withalm Adam
Wittmann Johann
Wohlmuth Josef
Berthold Anton
Brangl Johann
Dallinger Michael
Eckel Franz
Kainz Franz
Withalm Adam
Wohlmuth Josef
Spar- und Darlehenskassenvereine: Spar- und Darlehenskassenverein für Paasdorf, reg. Genossenschaft m.u.H. Spar- und Darlehenskassenverein für Paasdorf, reg. Genossenschaft m.u.H.
Spirituosenhändler: Drill Adolf
Eybel Heinrich
Kainz Johann
Wittmann Elisabeth
Wittmann Marie
Tabak-Trafik: Eibel Heinrich
Wittmann Elisabeth
Witmann Johann
Eibel Heinrich
Wittmann Elisabeth
Witmann Marie
Tischler: Seltenhammer Ignaz Ulrich Johann
Wagner: Teichtmann Martin
Wirte: Burgmann Ägydius
Maier Michael
Burgmann Ägydius
Gemeinde Paasdorf
Maier Michael
Sieber Josef
Zimmermeister: Berthold Josef Berthold Josef

Siebenhirten

1903469 1908470
Bäcker: Schodl Alois Schodl Alois
Binder: Griesmacher Franz Griesmacher Franz
Flaschenbierhändler: Schodl Alois
Strobl Franz
Gasthöfe: Schiller Josefa
Gemischtwarenhändler: Strobl Franz Schodl Alois
Strobl Franz
Greisler: Schodl Alois
Hufschmiede: Hobersdorfer Josef
Kielmayer Johann
Hauser Franz
Hobersdorfer Josef
Kleidermacher: Fritz Ignaz Fritz Ignaz
Milchhändler: Milchgenossenschaft in Siebenhirten bei Mistelbach, reg. Genossenschaft m.b.H.
Tillich Josef
Trischak Anton
Obsthändler: Stadler Josef
Weiss Michael
Stadler Josef
Weiss Michael
Schmiede: Jiras Johann Jiras Johann
Schuhmacher: Gürschka Martin
Welzl Franz
Bäck Johann
Gürschka Martin
Welzl Franz
Spar- und Darlehenskassenvereine: Spar- und Darlehens-Kassenverein für Siebenhirten, reg. Genossenschaft m.u.H. Spar- und Darlehens-Kassenverein für Siebenhirten, reg. Genossenschaft m.u.H.
Tabak-Trafik: Strobl Franz
Tischler: Leutner Josef Leutner Josef
Wirte: Leutner Josef
Wimmer Johann
Leutner Josef

Maulbertschweg

Von Thomas Kruspel 30. November 2019 Aus

In der Sitzung vom 14. November 1974 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine in der Siedlung „Am Stadtwald“ neu angelegte Gasse nach dem Maler Franz Anton Maulbertsch (*1724, †1796) zu benennen. Maulbertsch gilt als einer der herausragendsten Künstler des Spätbarock in Österreich und ist besonders für seine Freskengemälde bekannt. Auch das Fresko in der Bibliothek des hiesigen Barnabitenkollegiums wurde von ihm im Jahr 1760 geschaffen.

Ausschnitt des Freskos von Maulbertsch in der Bibliothek des Barnabitenkollegiums

Zur Entstehungsgeschichte des Freskos bzw. den darin dargestellten Motiven sei auf die folgende detaillierte Abhandlung verwiesen:
Hosch, Hubert: Franz Anton Maulbertsch als Maler in Bibliotheksräumen, Teil III Barnabitenkloster Mistelbach (2013) (online verfügbar auf http://www.freieskunstforum.de)

Wo befindet sich der Maulbertschweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 249 (hier als „Maulpertschweg“ bezeichnet)
-) Eintrag zu Maulbertsch im Austria-Forum (austria-forum.org)

Foto: Thomas Kruspel (2015)

Pazderagasse

Von Thomas Kruspel 20. November 2019 Aus

Mit Beschluss des Gemeinderates vom 15. Dezember 1980 wurde diese neu angelegte Gasse nach dem ehemaligen Mistelbacher Vizebürgermeister und Direktor der Volks- und Hauptschule für Knaben Oberschulrat Franz Pazdera benannt.

Wo befindet sich die Pazderagasse?

 

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 252 (hier fälschlich als „Pazderaweg“ bezeichnet)

Der Schneider von Eibesthal – die Geschichte eines Justizmordes

Von Thomas Kruspel 1. Oktober 2019 Aus

„Eibesthaler, Eibesthaler,
hab’n a enge Gass’n;
hab’n an armen Schneider g’henkt,
den Diab hab’ns rennen lass’n.“

Obiger Spottvers, der Schimpfname „Schneiderhänger“ für die Eibesthaler und der zwischen Mistelbach und Eibesthal gelegene Schneiderberg erinnern an einen Justizmord, der sich samt seiner Vor- bzw. Nachgeschichte im Zeitraum September 1569 bis April 1570 in diesem Dorf ereignete. Bei der Geschichte des unschuldigen Schneiders Hans Rothaller, der unter Folter starb und dessen Leiche anschließend am Galgen gehängt wurde, handelt es sich nicht um eine Sage, sondern um ein historisches Ereignis, dass sich tatsächlich zugetragen hat. Nicht nur mündlich wurden die Geschehnisse von damals durch Generationen hinweg überliefert, sondern wie sich im Zuge der Recherchen herausstellte, schon sehr früh auch schriftlich festgehalten. In diesem Beitrag soll die Publikationsgeschichte dieses Gerichts- bzw. Kriminalfalles in umgekehrter chronologischer Reihenfolge dargestellt und die verfügbaren Quellen beleuchtet werden.

1932 veröffentlichte der damalige Kustos des Mistelbacher Heimatmuseums Carl Benesch eine auf Basis im Museum vorhandener Dokumente verfasste Darstellung der Geschichte, die im Mistelbacher Bote in zwei Teilen abgedruckt wurde.471

Zusammenfassung der Geschichte von Benesch aus dem Jahr 1932
(ergänzt um erläuternde Anmerkungen des Blog-Autors)

Bemerkenswert dabei ist die Vorsicht mit der Benesch die Geschichte behandelt – siehe seine Vor- und Nachbemerkung und die Tatsache, dass er die Namen der damaligen Richter verschweigt (in der oben verfügbaren Zusammenfassung wurden die Namen als Anmerkung ergänzt). Dies zeigt, dass die Angelegenheit, obwohl sie Anfang der 1930er Jahre bereits mehr  als 360 Jahre zurücklag, im kollektiven Gedächtnis des Dorfes und der Umgebung noch sehr präsent war und die Schuld, die einige Einwohner auf sich geladen hatten, als unbequemer Teil der Eibesthaler Geschichte gesehen wurde. Provokationen von Auswärtigen durch die Bezeichnung Schneiderhänger oder etwa mit einem Fahrzeug durch das Dorf zu fahren, an dem hinten ein Strick baumelte, wurden von den Eibesthalern noch vor nicht allzu langer Zeit mit handfesten Argumenten beantwortet.

Möglicherweise nahm Benesch den einen Jahr zuvor, 1931, von Robert Penz veröffentlichten Artikel „Die Schneidergeschichte von Eibesthal im Jahr 1569 – Ein Justizmord in alter Zeit“ in der vom Verein für Landeskunde herausgegebenen Zeitschrift „Unsere Heimat“ zum Anlass sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Penz stützte sich bei seinem Text auf eine im Pfarrhof Eibesthal aufbewahrte Abschrift dieser Geschichte, die nach seiner Einschätzung wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert stammte und vermutlich eine Kopie einer älteren Aufzeichnung darstellte.472 Abgesehen von geringfügigen Unterschieden bspw. betreffend die Namensschreibweisen der handelnden Personen, abweichende Geldbeträge und die widersprüchliche Datumsangabe bei Benesch (siehe Anmerkung bei dieser Fassung), stimmen die Versionen, obgleich sie offenkundig auf unterschiedlichen Quellen basieren, inhaltlich überein. Der Artikel von Penz rief einige in „Unsere Heimat“ veröffentlichte Einsendungen hervor, unter anderem vom Volkskundler Anton Mailly, der in der Beschreibung, dass die Leiche als sie von den Richtern berührt wurde, zu bluten begann, Spuren der aus dem Mittelalter bzw. der Zeit davor datierenden Rechtspraxis des Bahrrechts erkannte.473 Beim Bahrrecht wurde die Schuld eines Mörders als erwiesen angesehen, wenn bei Berührung der Leiche durch den Beschuldigten, diese zu bluten begann. Insbesondere wegen dieser Spur des Bahrrechts hatte Mailly die Schneider-Geschichte bereits in sein 1927 erschienenes Büchlein „Sagen aus dem Bezirk Mistelbach“ aufgenommen.474

In den von Mailly herausgegebenen Büchern „Niederösterreichische Sagen“ (1926) und „Sagen aus dem Bezirk Mistelbach“ (1927) findet sich auch die Sage von der Hinrichtung eines Schneiders in Siebenhirten, der mittels eines Strohbands gehenkt worden sein soll. Mailly schreibt in den Anmerkungen im Anhang seiner „Niederösterreichische Sagen“ bzw. seiner Einsendung „Zur Schneidergeschichte von Eibesthal“, über diese mündlich überlieferte Erzählung, dass es sich hierbei wohl um eine Adaption eines bekannten Schildaschwanks in Anlehnung an die Geschichte aus Eibesthal handelt.475 Demgemäß dürfte die Geschichte aus Siebenhirten, für die auch sonst keine Quellen vorliegen, keinen eigenständigen historischen Kern aufweisen.

In einer weiteren Einsendung zur Eibesthaler Schneider-Geschichte, die 1932 in „Unsere Heimat“ veröffentlicht wurde, bestätigte ein Herr Dr. Prettenhofer die von Mailly erkannten Spuren des Bahrrechts und er erläuterte dessen Bedeutung und Praxis näher.476

Bereits 1878 war im Znaimer Wochenblatt unter dem Titel „Wie die Eibesthaler gebändigt wurden – eine kulturhistorische Skizze“ eine von den bisher erwähnten Fassungen abweichende Version der Schneider-Geschichte veröffentlicht worden. Der Verfasser „Dr. W.“ ist nicht näher bekannt und ebenso auf welche Quellen er sich stützte. Wie der Titel bereits nahelegt wird in dieser Version der Geschichte auch ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen und dem Wesen der Eibesthaler gezogen, deren Charakter – höflich ausgedrückt – als eher rau dargestellt wird. Die Geschichte weicht in mancherlei Hinsicht von den oben dargestellten Fassungen ab – nachfolgend eine kurze Zusammenfassung: Hans Rothaller, ein in Eibesthal ansässiger Botengänger (zwischen Mistelbach und Wien), wird von dem aus Wien stammenden Hans Moser beschuldigt dort 1000 Taler gestohlen zu haben und Moser meldet dies dem Eibesthaler Richter und seinen Geschworenen, die statt den Verdächtigen dem zuständigen Gericht in Falkenstein zu übergeben, die Untersuchung selbst in die Hand nahmen. Auch hier verstirbt Rothaller unter Folter und ebenso findet auch das Bahrrecht explizite Erwähnung. Statt in Falkenstein wollen die Eibesthaler den Toten auf dem in ihrem Ort befindlichen und dem Herrn von Fünfkirchen gehörenden Galgen henken. Der Verwalter des Herrn von Fünfkirchen gestattet dies, unter der Bedingung, dass die Frau des Rothaller, die von den Eibesthalern in einer Scheune gefangen gehalten wurde, freigelassen werde. Schließlich stellt sich heraus, dass der tatsächliche Täter Hans Moser war, der Rothaller den Diebstahl in die Schuhe geschoben hatte. Auch die Verletzung der Gerichtszuständigkeit kam ans Tageslicht und laut den Schilderungen wurde der Fall zu einem großen Justizskandal, der eingehend untersucht wurde und mit ernsten Strafen für alle Beteiligen, auch für den Grundherrn Fünfkirchen, dem das Fehlverhalten seines Verwalters Knörl zugerechnet wurde, endete. Da die Eibesthaler die Annahme ihrer Strafe aber verweigerten wurde laut dieser Erzählung die Hälfte der männlichen Eibesthaler Bevölkerung von Landsknechten nach Wien eskortiert, wo sie in Eisen gelegt mehrere Monate am Festungsbau arbeiten mussten. Dies soll den Trotz der Eibesthaler gebrochen haben und zum Abschluss des Artikels wird der Mistelbacher Dechant Faschang zitiert, der wenige Zeit später berichtet haben soll: „Alleluja! Die Eibesthaler sind lenksam und still wie die Schafe!“477

Im Stadtmuseumsarchiv Mistelbach befindet sich eine handschriftliche Fassung der Geschichte datierend aus dem Jahr 1803, die laut den darin gemachten Angaben ein Protokoll aus dem Besitz des zur Zeit des Geschehens herrschenden Fürsten Wolfgang von Liechtenstein wiedergibt.478 Dieses Dokument entspricht der Fassung von Penz bzw. Benesch, vermutlich bildete es sogar die Quelle für die Fassung von letzterem. Die Tatsache, dass es sich hier offenbar um die Abschrift eines alten Protokolls der Herrschaft Liechtenstein handelt, ist ein weiteres Indiz für die Authentizität der überlieferten Geschichte.

Neben der bereits eingangs erwähnten Abschrift in den Archivbeständen der Pfarre Eibesthal, die etwa Anfang des 19. Jahrhunderts angefertigt worden sein dürfte, sind laut Prälat Jakob Fried auch mehrere Eibesthaler Familien im Besitz alter handschriftlicher Abschriften der Geschichte, die von Generation zu Generation weitervererbt werden. Auch im Besitz der Familie des aus Eibesthal stammenden Prälat Fried befand sich eine solche Abschrift, die nach einer in der Gemeindelade vorhandenen Fassung angefertigt wurde (diese entspricht inhaltlich jener der Pfarre).479 Auf deren Basis veröffentlichte Fried 1946 eine freie literarische Aufbereitung der Schneider-Geschichte in Form einer Erzählung unter dem Titel „Ein Bauerngericht“.

Bereits Mailly schrieb in seinem 1931 eingesandten Beitrag „Zur Schneidergeschichte von Eibesthal“, dass ein von Lorenz Wessel verfasstes Werk zur gegenständlichen Geschichte Ende des 16. Jahrhunderts in Wien in Form fliegender Blätter im Umlauf gewesen sei.480 Maillys Annahme, dass dieses Werk nicht erhalten geblieben ist, konnte im Zuge der Recherche für diesen Beitrag und dank der fortschreitenden Digitalisierung von Bibliotheks- bzw. Archivbeständen glücklicherweise widerlegt werden. Der Meistersinger Lorenz Wessel (*1529, †1576) war ein aus Essen stammender Kürschnermeister, und als einer dieser im 15. und 16. Jahrhundert zunftartig organisierten Dichter und Sänger, in Teilen des heutigen Deutschlands und Österreichs unterwegs.481 Wessel hielt sich im Jahr 1570 einige Zeit in Wien auf, und hörte dort vermutlich von den Ereignissen in Eibesthal – schließlich hatte sich das „Wunder“ des am Galgen hängenden, nicht verwesenden Leichnams herumgesprochen und viele Schaulustige angelockt, und dies veranlasste ihn wohl im August 1570, wenige Monate nach der Beisetzung Rothallers, nach Mistelbach zu reisen. Hier verfasste er am 15. August 1570 sein diese Geschichte behandelndes Meisterlied unter dem Titel „Warhafftige newe Zeitung und grüntliche Beschreybung einer Gerichtshandlung, welche sich im Land Osterreich in einem Dorff, Eybenstal genent, nahent bey Mystelbach, hat zugetragen, wie Paurn oder Raths Herren daselbst einen unschuldigen und frummen Man von eines Diebstals wegen gefengklich haben einzogen, denselbigen in der strengen Frag verhalten, biss sie ihn gar zu todt haben gereckt, nach dem er vier tag todt gewesen ist haben sie in erst an einen galgen hencken lassen. Und wie hernach sein unschuld an tag ist kommen und was für straff die theter diser handlung empfangen und eingenommen haben und ist erbärmklich zu lesen unnd zu singen“.

Im Zuge der Recherchen konnte das Digitalisat eines 1571 in Augsburg gedruckten Exemplars dieses Meisterliedes in den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin entdeckt werden:

Digitalisat der Fassung von Lorenz Wessel vom August 1570 in den Online-Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin

Bei der am Ende des Stücks angegebenen Melodie „Pentzenawer“ handelt es sich um die damals sehr populäre und für viele Lieder genutzte Weise eines aus dem Jahr 1505 stammenden Stückes namens „Benzenauer“, das von der im Jahr zuvor erfolgten Belagerung und erfolgreichen Einnahme Kufsteins durch Kaiser Maximilian I. erzählt und den Namen des geschlagenen, tapferen Verteidigers der Festung trägt. Tatsächlich war diese bei den Meistersingern sehr beliebte Weise schon lange zuvor als „Hönweis“ verbreitet, und die Meistersinger, die sich in der Tradition des Minnesanges sahen, führten diese unter vielen weiteren Namen (u.a. „Bruder Veits Thon“) bekannte Melodie gar auf Wolfram von Eschenbach zurück.482

Die Melodie des „Benzenauer“ in Notendarstellung aus Rochus von Liliencron: „Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert“, Nachtragsband (1869) 483
Wikicommons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_historischen_Volkslieder_der_Deutschen_(Liliencron)_V_035.gif; books.google.com, Google Books-USA

Mit diesem verschollen geglaubten Werk, das wenige Monate nach der Beerdigung Rothallers niedergeschrieben wurde, liegt ein authentischer Bericht des Geschehens aus jener Zeit vor. Der Vergleich des Inhalts dieses Dokuments mit den überlieferten Fassungen zeigt die inhaltliche Übereinstimmung und damit, dass die bis heute bekannte Erzählung über 450 Jahre richtig überliefert wurde und sich wie beschrieben tatsächlich ereignet hat. Dies ist umso bemerkenswerter, als die ältesten bisher bekannten Quellen aus der Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts stammen, bei denen es sich vermutlich bereits um Abschriften von Abschriften, usw. handelt. Einzig die im Znaimer Wochenblatt veröffentlichte Version, die zwar auch im Kern – Diebstahl, Leidensgeschichte und Tod des unschuldigen Rothaller – übereinstimmt, weicht in den Rahmenbedingungen bzw. Folgen von der Geschichte ab, und es fehlen bei dieser Version auch Angaben zur Quelle, auf die sich die Erzählung stützt. Allerdings wird wie in dieser Fassung auch bei Wessel ein Verwalter namens Knöell (Knörl) erwähnt, dem in beiden Versionen mangels Einschreitens gegen das Vorgehen der Eibesthaler Versäumnisse betreffend die Pflicht gegenüber seiner Herrschaft vorgeworfen werden.

Wie bei den anderen Fassungen zu lesen ist, beteiligten sich auch die Eibesthaler (namentlich Schöfbeck und Moser) am Martern des armen Rothaller, und dies offenbar sehr eifrig, sodass vom Henker folgende Aussage in Wessels Überlieferung dokumentiert ist:
„Die Eybenstaller sein
fleyssiger in der Sache,
dann all die Knechte mein.“

Laut den Angaben bei Wessel dürfte Rothaller am 3. Februar 1570 der Folter erlegen sein.484 In der Fassung von Benesch ist zu lesen, Rothaller sei am Mistelbacher Galgenberg gehenkt worden, im Meisterlied von 1570 heißt es hingegen, dass ein Galgen aufgestellt wurde, wo vorher keiner war: „am Kirchenberg“, der wohl seither unter dem Namen Schneiderberg bekannt ist. Auf untenstehendem Kartenausschnitt aus der Franzisco-Josephinische Landesaufnahme (1869-1887) scheint jedoch auch eine Flurbezeichnung Kirchbergen zwischen Eibesthal und Wilfersdorf auf. Der ehemalige Galgenstandort Mistelbachs hat sich im Flurnamen „Galgengrund“ erhalten und befand sich am selben Höhenzug wie der Schneiderberg, allerdings doch etwas entfernt, nämlich linker Hand an der heutigen Straße nach Wilfersdorf (auf der gegenüberliegenden Seite der M-City).

Im Meisterlied ist weiters festgehalten, dass neben der Bestrafung der beteiligten Eibesthaler durch die kaiserliche Kommission auch „Pan und Acht“ („Bann und Acht“ – (höhere) Gerichtsbarkeit485) verloren gingen. Es scheint also, dass Eibesthal durch die Causa Rothaller seine eigenständige Gerichtsbarkeit verlor.

Quellen:

Fasanweg

Von Thomas Kruspel 10. September 2019 Aus

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 1. Juli 1997. In Anlehnung an die Anfang der 1980er Jahre erfolgte Straßenbenennung in der „Gartensiedlung I“ erhielt auch diese Gasse einen Namen mit jagdlichem Bezug.

Wo befindet sich der Fasanweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 238

Jägergasse

Von Thomas Kruspel 9. September 2019 Aus

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich die Jägergasse?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 244

Hubertusweg

Von Thomas Kruspel 9. September 2019 Aus

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich der Hubertusweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 244

Fuchsengasse

Von Thomas Kruspel 7. September 2019 Aus

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich die Fuchsengasse?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 240

Rebhuhngasse

Von Thomas Kruspel 5. September 2019 Aus

Diese Gasse erhielt ihren Namen durch Beschluss des Gemeinderates vom 14.12.1981. Bei der Benennung der Verkehrsflächen in der „Gartensiedlung I“ wurden Namen mit Bezug zum Jagdwesen gewählt.

Wo befindet sich die Rebhuhngasse?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 253

Czacha, Clemens

Von Thomas Kruspel 3. September 2019 Aus

Don Clemens Cžácha

Don Clemens Cžácha* 18.8.1869, Lichtberg bei Natternbach (Oberösterreich)486
† 24.5.1917, ebendort487

Der spätere Ordensgeistliche Don Clemens wurde 1869 als Johann Ludwig Cžácha in die Familie des Müllermeisters Johann Martin Cžácha und dessen Gattin Maria, geb. Péšta, in Lichtberg geboren. Seit jeher gehörte sein Geburtsort, die aus wenigen Gebäuden bestehende Rotte Lichtberg, zur Pfarre Natternbach, war jedoch trotz der räumlichen Nähe zu diesem Ort (unfreiwillig) von Ende des 18. Jahrhunderts bis 1938 Teil der Gemeinde Neukirchen am Walde. Die Familie Cžácha488 (auch Czácha, Cácha bzw. Čacha geschrieben) erbaute um 1860 das Haus Lichtberg Nr. 4, die am Natternbach gelegene Cžácha-Mühle.489 Seine Eltern stammten aus Südböhmen und waren tschechischer Nationalität, wie auch die Angabe seiner Muttersprache mit Tschechisch auf Cžáchas Nationale im Archiv der Universität Wien nahelegt.

Er besuchte die Unterstufe des bischöflichen Gymnasiums auf dem Freinberg (das heutige Aloisium) in Linz und war wahrscheinlich Zögling im dortigen Knabenseminar. Später wechselte Cžácha an das k.k. Staatsgymnasium in Linz, wo er die Reifeprüfung ablegte. Im Wintersemester 1892/93 trat er in das bischöfliche Clerial-Seminar in St. Pölten ein und nahm an der dortigen theologischen Lehranstalt sein Studium auf.490 1894 erfolgte Cžáchas Eintritt in die Kongregation der Regularkleriker vom heiligen Paulus – so der vollständige Name des Barnabitenordens – und er ging als Novize in das Barnabitenkollegium St. Michael in der Wiener Innenstadt.491 Er wählte den Ordensnamen Clemens, legte 1895 die einfache Profess ab und setzte mit Beginn des Wintersemesters 1895/96 sein Studium an der theologischen Fakultät der Universität Wien fort.492 Nach dem Abschluss des Studiums empfing Don Clemens am 25. Juli 1897 im Wiener Stephansdom die Priesterweihe und feierte am Tag darauf in der Hof- und Stadtpfarrkirche St. Michael seine Primiz.493 1897 legte Cžácha auch die ewige Profess ab und wurde im September dieses Jahres als Kooperator (=Kaplan) in die vom Barnabitenorden betreute Pfarre Mistelbach entsandt.494

Dem Gründungskuratorium und auch dem Arbeitsausschuss des 1898 gegründeten Mistelbacher Heimatmuseums gehörte der damalige Pfarrer und Propst des Mistelbacher Barnabitenkollegiums Don Franz Sales Reidinger an.495 Der Schluss liegt nahe, dass sich Propst Reidinger bei der Arbeit im Museum von seinem Kaplan unterstützen bzw. vertreten ließ, da Cžácha sich während seiner Mistelbacher Zeit umfassende Kenntnisse der Geschichte der Stadt aneignete. Erster Beleg dafür sind einige im Frühjahr 1899 im „Bote aus Mistelbach“ erschienene kurze Beiträge zur Geschichte Mistelbachs bzw. zu im Museum vorhandenen Urkunden („Der Tulverhof im oberen Dorf“, „Freibrief über die Jahrmärkte zu Mistelbach aus dem Jahre 1372“,  „Das Kreuzwirtshaus und das Gasthaus zum weißen Ross“), die mit Cz. bzw. C. unterfertigt waren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Don Clemens Czácha zugerechnet werden müssen.496 Einige Monate nach seinem Abschied aus Mistelbach erschien ab Juli 1900 eine von ihm verfasste und ebenfalls im Bote aus Mistelbach veröffentlichte, mehrteilige Beitragsserie zur Geschichte der einst zur Grundherrschaft der Pfarre Mistelbach gehörenden Steinbruckmühle (heute: Zuckermühle, Hobersdorf) – diesmal unter Angabe seines vollständigen Namens.497 1903 erschien in derselben Zeitung ein weiterer, unter der oben bereits erwähnten Abkürzung „Cz.“ veröffentlichter, ausführlicher Beitrag zur Geschichte der im Besitz der Pfarre befindlichen „Jungfrauenfahne“, bei der es sich ursprünglich um die 1848 gestiftete Fahne der Mistelbacher Nationalgarde handelte.498 

In Mistelbach wirkte Cžácha weiters als Präses (=geistlicher Leiter) des hiesigen katholischen Gesellenvereins499 und als Religionslehrer an der Mädchen Volks- und Bürgerschule500 bzw. im Jahre 1898 zusätzlich auch an der Volksschule in Lanzendorf.501 Nach mehr als zwei Jahren in Mistelbach502 wurde Don Clemens im Jänner 1900 wieder zurück an die Pfarre St. Michael in Wien berufen.503 Dort scheint er als Pfarrkurat auf, und wirkte später auch als Bürgerschul- bzw. Christenlehr-Katechet und Vice-Lokalpräses des katholischen Gesellen-Hauptvereins.504

Der Stadt Mistelbach blieb Don Clemens jedoch weiterhin verbunden und natürlich entging ihm auch nicht das Erscheinen der im Herbst des Jahres 1901 von Karl Fitzka veröffentlichen Geschichte der Stadt Mistelbach. In einem Anfang Dezember des Jahres 1901 im „Bote aus Mistelbach“ veröffentlichten Brief lobte Cžácha Fitzkas Werk, kritisierte fachkundig jedoch einige Ausführungen bzw. Schlüsse Fitzkas bezüglich der frühesten Geschichte Mistelbachs, unter anderem, dass bereits im Jahr 991 hier eine Synode abgehalten worden wäre und die Gründung Mistelbachs bereits im 9. Jahrhundert erfolgt sei. Zwischen Cžácha und Fitzka entwickelte sich daraufhin ein mittels abgedruckter Einsendungen im „Bote aus Mistelbach“ ausgetragener Expertenstreit, der sich über mehrere Ausgaben hinweg entspann.505 Im Rückblick muss Don Clemens mit seiner Interpretation recht gegeben werden, der die Synode richtigerweise dem oberösterreichischen Mistelbach bei Wels zuordnete und die Gründung Mistelbachs erst ins 11. Jahrhundert verortete. Zwischen 1871 und 1927 wurde vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich die Topographie von Niederösterreich, ein umfassendes topographisch-historisches Werk, herausgegeben und der 1906 im Rahmen dieser Publikation veröffentlichte Beitrag zu Mistelbach stammt von Don Clemens Cžácha. Am Ende des ersten Briefes im Expertenstreit mit Fitzka, hatte Cžácha das Erscheinen einer von ihm verfassten Geschichte der Pfarre Mistelbach angekündigt. Eine solche Publikation ist nicht überliefert, und diese zweifellos während seiner Zeit in Mistelbach begonnene Arbeit bildete mit Sicherheit die Grundlage seines Beitrags für die Topographie.  Cžáchas Beitrag zur Geschichte Mistelbachs stellt eine weitere (und die erste wissenschaftlichen Standards entsprechende) Pionierarbeit der Mistelbacher Heimatforschung dar, die allerdings, da nicht als eigenständiges Werk erschienen, oft im Schatten der beiden Fitzka Bände steht.

Link zu Don Clemens Cžacha: Mistelbach in der Topographie von Niederösterreich (Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 609-666)

1908 wechselte Cžácha als Kaplan an die Pfarre Mariahilf und wurde Prokurat und Kanzler im Barnabitenkollegium zu Mariahilf. Von 1911 bis zu seinem Tode 1917 war er schließlich an der k. u. k. Hof- und Stadtpfarre St. Michael und dem dortigen Kollegium als Pfarrkurat bzw. Provinz- und Kollegiumskanzler tätig.506 Im August 1911, anlässlich des (vermeintlichen) 750-Jahr-Jubiläums der erstmaligen urkundlichen Erwähnung seiner Heimatgemeinde bzw. -pfarre Natternbach, veröffentlichte er unter dem Titel „Natternbach – Eine kleine Dorfgeschichte“ eine geschichtliche Abhandlung, die in einer vierteiligen Beitragsserie in der Illustrierten Unterhaltungsbeilage des „Linzer Volksblattes“ erschien.507

Während des Ersten Weltkriegs wirkte Don Clemens auch in dem im Mariahilfer Barnabitenkollegium eingerichteten Vereins-Reservespital Nr. 5 des Roten Kreuzes und wurde hierfür 1915 mit der Militär Jubel-Medaille und dem Ehrenzeichen für Verdienste um das Rote Kreuz II. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.508 Darüber hinaus soll Cžácha ein Ehrendoktorat innegehabt haben und im Februar 1917 wurde ihm der Ehrentitel eines bischöflichen Notars (zu Königgrätz) verliehen.509

Bereits seit 1916 litt Cžácha an einem Herzleiden, zu dem in weiterer Folge eine Nierenerkrankung hinzukam, weshalb er sich nach Linz in Behandlung begab. Dort erlitt er am 14. März 1917 einen Schlaganfall und als er merkte, dass es dem Ende zuging, ließ er sich am 21. Mai zu seiner Mutter in sein Elternhaus nach Lichtberg bringen, wo er schließlich am 24. Mai 1917 an einer Gehirnblutung verstarb und drei Tage später am Friedhof Natternbach beigesetzt wurde.

Quellen:
-) Linzer Volksblatt, 1. Juni 1917 (Nr. 127), S. 3 (ONB: ANNO)
-) Cžáchas Nationale im Archiv der Universität Wien

Mistelbach und seine Katastralgemeinden in der „Topographie von Niederösterreich“ des Vereins für Landeskunde

Von Thomas Kruspel 1. September 2019 Aus

Der 1864 gegründete und bis heute bestehende „Verein für Landeskunde von Niederösterreich“ begann 1871 ein Mammutprojekt, nämlich die Herausgabe einer ausführlichen Topographie Niederösterreichs. Als Vorbild dienten die bisher erschienenen Topographien (u.a. Weiskern (1769), Schweickhardt (1831-1841)), die jedoch bereits sehr veraltet und in vielen Bereichen auch fehlerhaft waren. Das angestrebte Werk, das dem Kronprinzen Rudolf gewidmet war, sollte darüber hinaus wesentlich detaillierter sein als alle Vorgänger und unter Einhaltung moderner wissenschaftlicher Standards abgefasst werden.

Die Topographie erschien in Teillieferungen, die als Hefte bezeichnet wurden und meist aus mehreren Bögen bestanden, und im Stile einer Loseblattsammlung über eine fortlaufende Seitennummerierung verfügten. Der erste Teilband (Teil 1) widmete sich dem Land Niederösterreich allgemein (Landschaft, Klima, Kultur, Wirtschaft, Bevölkerung, etc.), während die folgenden Bände (Teil 2) sämtliche Orte in alphabetischer Reihenfolge behandeln sollten. Nach Abschluss des allgemeinen, ersten Teils bzw. später jeweils immer (einen oder) mehrere Buchstaben abschließend, wurden die meist über einen Zeitraum von mehreren Jahren erschienenen Hefte zu einem Band zusammengefasst und ein entsprechendes Vorwort samt Register nachgereicht. Der Erste Weltkrieg führte 1914 zur vorläufigen Einstellung des Projekts, das nach dem Krieg fortgeführt werden sollte. Doch die Papierknappheit nach dem verlorenen Weltkrieg, finanzielle Engpässe und die Tatsache, dass es nach dem Krieg weniger Beamte gab, die sich während ihrer Dienstzeit diesem Projekt widmen konnten, waren die Gründe, die die oft angekündigte Wiederaufnahme der Publikation immer wieder vereitelten. Schließlich konnte im Jahr 1927 beim Buchstaben P dort fortgesetzt werden, wo man dreizehn Jahre zuvor geendet hatte, allerdings folgten nur wenige weitere Hefte und das Erscheinen wurde in Band 8 inmitten des Beitrags zu St. Peter in der Au eingestellt.

Die redaktionelle Leitung der Topographie lag im Laufe des Erscheinens bei folgenden Personen:
1871-1887 Moritz Alois Ritter von Becker
1887-1894 Franz Schnürer
1894-1897 Anton Mayer
1897-1901 Dr. Albert Starzer
1901-1927 Dr. Max Vancsa

Von den Genannten bzw. ihrem jeweiligen Redaktionsteam stammt der Großteil der Artikel in der Topographie, aber auch viele externe Autoren, oftmals Geistliche und Lehrer, stellten Beiträge zur Verfügung.

Immer wieder gab es die Idee das Werk zu vervollständigen, und schließlich wurde Ende der 1980er Jahre tatsächlich der Versuch gewagt die Topographie unter dem Titel „Historisch-topographisches Lexikon von Niederösterreich“ wiederzubeleben. Beginnend mit dem Buchstaben P, bei dem die Topographie 1927 abrupt endete, sollte die Reihe fortgesetzt werden und die bereits erschienen Beiträge des achten Bandes wurden um aktuelle Daten und Ereignisse ergänzt und neu veröffentlicht. Doch schon nach der ersten Teillieferung (Paasdorf-Pframa) endete dieser Fortsetzungsversuch.

Über Mistelbach findet sich ein ausführlicher, gut recherchierter, knapp 60 Seiten umfassender Artikel, verfasst vom Barnabitenpater Don Clemens Cžácha. Cžácha war von 1897 bis 1900 in Mistelbach als Kaplan tätig und lieferte mit diesem Beitrag nach Fitzka die zweite detaillierte Aufarbeitung der Geschichte Mistelbachs.

Der Beitrag zu Mistelbach ist als pdf-Dokument auf mi-history.at online und kann über diesen Link abgerufen werden:
Don Clemens Cžácha: Art. Mistelbach in: Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 609-666
(Download: rechter Mausklick auf den Link und „Ziel speichern unter …“ auswählen oder nach dem Öffnen des Links rechts oben auf das Downloadsymbol klicken)

Die gesamte Topographie des Vereins für Landeskunde ist in den Online-Beständen des Niederösterreichischen Landesarchivs (unter Nachschlagewerke) verfügbar. Nachfolgend die direkten Links zu den Beiträgen zu Mistelbach und seinen Katastralgemeinden, unter Angabe des Autors und der Teillieferung mit der der jeweilige Beitrag erschien:

Moritz Alois Ritter von Becker: Art. Ebendorf in: Band II, Heft 10 (1883), S. 398-400 (Online NÖ Landesarchiv)
Moritz Alois Ritter von Becker: Art. Eibesthal in: Band II, Heft 14 u. 15 (1885), S. 517-521 (Online NÖ Landesarchiv)
Moritz Alois Ritter von Becker: Art. Frättingsdorf in: Band III, Heft 2 u. 3 (1888), S. 164-165 (Online NÖ Landesarchiv)
Dr. Albert Starzer/ Gustav Schimmer: Art. Hörersdorf in: Band IV, Heft 4- 6 (1896) S. 314 (Online NÖ Landesarchiv)
Dr. Albert Starzer/ Gustav Schimmer: Art. Hüttendorf in: Band IV, Heft 7-9 (1897), S. 438 (Online NÖ Landesarchiv)
Dr. Albert Starzer: Art. Kettlasbrunn in: Band V, Heft 1-3 (1898), S. 86-87
(Online NÖ Landesarchiv)
Dr. Albert Starzer: Art. Lanzendorf in: Band V, Heft 10-12 (1901), S. 669-670
(Online NÖ Landesarchiv)
Don Clemens Czacha: Art. Mistelbach in: Band VI, Heft 9-11 (1906), S. 609-666
(Online NÖ Landesarchiv)
Dr. Franz Heilsberg: Art. Paasdorf in: Band VIII, Heft 1 u. 2 (1914), S. 1-4
(Online NÖ Landesarchiv)

Da die Topographie 1927 inmitten des 8. Bandes (Buchstabe P) eingestellt wurde, existiert zur Katastralgemeinde Siebenhirten kein Beitrag.

 

Mistelbacher Bürgermeisterkette

Von Thomas Kruspel 6. August 2019 Aus

In der Sitzung vom 20. September 1907 beschloss der Niederösterreichische Landtag anlässlich des im darauffolgenden Jahr bevorstehenden 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. die Stiftung der sogenannten Bürgermeister-Medaille.510 Diese an einem blau-gelben Stoffband angebrachte, vergoldete Silbermedaille zeigt auf ihrer Vorderseite das Porträt des Kaisers mit den Jahreszahlen 1848-1908, umrandet von dem Schriftzug: „Die Grundfeste des freien Staates ist die freie Gemeinde“ – der ersten allgemeinen Bestimmung des im Jahr 1849 mittels kaiserlichem Patent erlassenen provisorischen Gemeindegesetzes. Auf der Rückseite ist das Wappen des Erzherzogtums Österreich unter der Enns abgebildet, mit dem Vermerk „gewidmet vom Land Nieder-Österreich“. Diese Medaille wurde allen im Jahr 1908 im Amt befindlichen niederösterreichischen Bürgermeistern verliehen. Im Beitrag „Bürgermeister im Jubiläumsjahr 1908“, der Ausschnitte aus dem ebenfalls anlässlich dieses Regierungsjubiläums erschienenen Bürgermeisteralmanachs zeigt, sind auch die Bürgermeister der heutigen Katastralgemeinden als Träger dieser Medaille abgebildet.

Vorderseite der vom Landtag gestifteten Bürgermeister-MedailleRückseite der vom Landtag gestifteten Bürgermeister-Medaille


Der damalige Mistelbacher Bürgermeister Thomas Freund, der im Jahr 1908 sein zwanzigjähriges Amtsjubiläum feierte, nahm diese Medaille als Anlass für die Anschaffung einer Bürgermeisterkette und lies auf eigene Kosten eine solche anfertigen. Auch andere Städte (u.a. Amstetten, Klosterneuburg, Waidhofen a.d. Ybbs) nutzen die Medaille als Basis für die Schaffung von Bürgermeisterketten. Im Februar 1908 beauftragte Freund die Gold- und Silberwarenfabrik Johann Bauer in Wien-Neubau mit der Herstellung dieser ebenfalls aus vergoldetem Silber bestehenden Kette.511

Die Bürgermeisterkette im Originalzustand auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1991Die Bürgermeisterkette im Originalzustand auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1991

Die folgend dargestellten Kettenglieder sind miteinander durch vergoldeten Silberdraht verbunden:

Den Abschluss der Kette, an der die Bürgermeister-Medaille befestigt ist, bildet eine Darstellung des Mistelbacher Wappens, umrandet von dem Schriftzug „Mistelpach“ in Anlehnung an die älteste überlieferte Darstellung eines Gemeindesiegels aus dem frühen 17. Jahrhundert. Auf der Rückseite findet sich folgende Gravur: Stifter der Kette Bürgermeister Thomas Freund 1888-1911

Das bis 1974 gebräuchliche Wappen der Stadt MistelbachRückseite des Wappenstücks der Kette


Auf Medaillons mit jeweils 4 cm Durchmesser sind die Dreifaltigkeitssäule, die Pfarrkirche, die Elisabethkirche und das Rathaus abgebildet. Die beiden letztgenannten Wahrzeichen wurden in der Amtszeit von Bürgermeister Freund erbaut.

DreifaltigkeitssäulePfarrkirche mit Karner

RathausElisabethkirche


Sechs einander jeweils paarweise gegenüberliegende Kettenglieder mit Farbeinfassungen: schwarz-gelb für das Kaisertum Österreich bzw. das Haus Habsburg, blau-gelb für das Land Niederösterreich, grün-gelb für die Stadt Mistelbach, bilden neben der am oberen Ende angebrachten Schließe, die weiteren Kettenglieder. Die Gesamtlänge der Kette misst rund 85 Zentimeter bei einem Gewicht von etwa 280 Gramm.

Bürgermeister Freund 1908 abgebildet im BürgermeisteralmanachIm Rahmen der Gemeinderatssitzung vom 26. April 1908 präsentierte Freund die Kette und übergab sie in den Besitz der Gemeinde.512 Im Bild rechts: Bürgermeister Freund im Jahr 1908 mit der von ihm gestifteten Bürgermeisterkette.

Bürgermeister Franz Bayer gab die Kette am 23. August 1950 in die Obhut des städtischen Museums, da er sie offenbar für nicht mehr zeitgemäß hielt. In dem im Barockschlössl untergebrachten Museum wurde die Bürgermeisterkette derart „sicher verwahrt“, dass sie jahrelang als verschollen galt und erst am 18. November 1983 in einem dort befindlichen barocken Tabernakelschrank wieder aufgefunden wurde.513 Seither wird sie zu besonderen, offiziellen Anlässen – bspw. dem jährlichen Neujahrsempfang – vom Bürgermeister getragen. Da der Glanz der Kette im Laufe der Jahrzehnte verblasst war und das Metall Patina angesetzt hatte, gab es bereits bald nach dem Wiederauffinden die Idee, die Kette restaurieren zu lassen. Dieses Vorhaben wurde jedoch aus finanziellen Gründen immer wieder aufgeschoben, bevor es schlussendlich 1998 unter Bürgermeister Resch realisiert werden konnte. Im Zuge dieser Restaurierung wurde auch das Aussehen der Kette etwas verändert, indem die Vergoldung des Stadtwappens und jene der die Wahrzeichen der Stadt zeigenden Medaillons entfernt wurde, sodass diese sich nun im Silberglanz zeigen.

Die Bürgermeisterkette in ihrem heutigen Erscheinungsbild, die Rückseite der Bürgermeister-Medaille zeigend:

Die Bürgermeisterkette im Jahr 2019, nach der Überarbeitung Anfang der 2000er Jahre und die Rückseite der Bürgermeister-Medaille zeigend

Fotos:
-) Göstl-Archiv
-) zVg von der Stadtgemeinde Mistelbach

Quellen:
-) Exl, Mag. Engelbert: „Die Mistelbacher Bürgermeisterkette“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 29f
-) Mistelbacher Bote, Nr. 18/1908, S. 3f
-) Auskunft Bgm. a.D. RegR Alfred Weidlich

Göstl, Georg

Von Thomas Kruspel 6. Juli 2019 Aus

Stadtrat Georg Göstl

Georg Göstl im Jahre 1989

* 13.4.1933, Mistelbach
† 7.4.1993, Mistelbach

Georg Göstl wurde als Sohn des Sattlermeisters Georg Göstl und dessen Gattin Theresia, geb. Veigl, in Mistelbach geboren. Auch sein ursprünglich aus Nodendorf stammender Großvater hieß Georg Göstl, war Riemer- und Sattlermeister, und gründete 1898 einen Sattlereibetrieb samt Wagenlackiererei in der Oserstraße Nr. 5, den er wenig später (vermutlich im September 1899514) an die Adresse Barnabitenstraße Nr. 4 verlegte. Göstl wuchs gemeinsam mit einer jüngeren Schwester auf und besuchte die Volks- und Hauptschule in Mistelbach. 1941, im Alter von neun Jahren, erkrankte er an einer schweren Lungen- und Rippenfellentzündung und die Folgen dieser Erkrankung sollten seine Gesundheit lebenslänglich beeinträchtigen. Seine Mutter zählte zum engsten Mitarbeiterkreis von Pater Titus Helde515 und durch seine Tätigkeit als Ministrant bei diesem 1945 von russischen Soldaten erschossenen Salvatorianer-Priester wurde er in seinem Glauben geprägt. Nach dem Abschluss der Pflichtschulbildung absolvierte er eine Lehre zum Sattler, Riemer und Lackierer im väterlichen Betrieb und legte die Meisterprüfung im Lackierergewerbe 1961 in Wien und jene für das Sattlergewerbe 1966 in Lilienfeld ab. Mit Jahresbeginn 1967 übernahm Göstl den Betrieb von seinem Vater, vergrößerte das Unternehmen und baute die Auto-Lackiererei aus. Sein privates Glück fand er in der 1958 mit Franziska geschlossenen Ehe, aus der drei Kinder entstammen.

Eröffnungsanzeige im "Bote aus Mistelbach", Dezember 1898 Das Geschäft in der Barnabitenstraße im Jahre 1990
Eröffnungsanzeige 1898 und das Geschäft im Jahr 1990

Ausgesprochen vielseitig war Göstls Engagement im öffentlichen Leben bzw. dem Vereinsleben der Stadt: seit 1946 war er begeistertes Mitglied der Mistelbacher Pfadfinder und kümmerte sich viele Jahre hindurch um die Beschaffung und Instandhaltung der Ausrüstung der Gruppen, 1990 gehörte er zu den Gründern der Pfadfindergilde und war erster Gildenmeister, beginnend in den 1960er Jahren organisierte Göstl rund zwei Jahrzehnte lang den Mistelbacher Handels- und Gewerbeball und war viele Jahre im Österreichischen Wirtschaftsbund und der Innungsvertretung, unter anderem als Ausschussmitglied der Bundesinnung, Landesinnungsmeister-Stellvertreter der Sattler und Bezirksvertrauensmann, aktiv, ab 1957 war er Finanzreferent für den Bau des Kolpingheimes und bis 1970 ehrenamtlicher Verwalter des Mädchenheimes der Kolpingfamilie, er war Mitglied des Sparkassenrates und der Hauerinnung, Organisator des Mittragens der Zunftfahnen bei der Fronleichnamsprozession und kümmerte sich auch um die Restaurierung dieser Fahnen. Darüber hinaus engagierte sich Göstl in der Pfarre und trug wesentlich zum Gelingen von Großprojekten wie Kirchenrenovierungen, Kirchenanstrahlung oder dem Neubau des Pfarrsaales bei. Er zeichnete sich durch große Hilfsbereitschaft aus, packte stets mit an, und wann immer ihm Missstände in Mistelbach auffielen, kümmerte er sich rastlos um deren Behebung – kurz gesagt: er fühlte Verantwortung für seine Stadt und nahm diese auch wahr. Bereits sein Vater war Obmann der Mistelbacher ÖVP und Ende der 1950er Jahre Gemeinderat516, und auch Georg Göstl jun. war bereits in jungen Jahren in der „Österreichischen Jugendbewegung“, der damaligen Jugendorganisation der ÖVP, engagiert und gehörte schließlich ab 1975 als Mandatar der ÖVP dem Gemeinderat an bzw. war ab 1990 bis zu seinem Tod Stadtrat für Finanzen. Mit dem von ihm erstellten und von seiner Partei durch mehrere Jahre hinweg herausgegebenen sehr populären Mistelbacher Telefonverzeichnis gelang ihm ein Marketing-Coup in Form eines praktischen Werbegeschenks.

Göstl interessierte sich sehr für die Geschichte seiner Heimatstadt, dokumentierte deren Entwicklung, und baute im Laufe der Jahre eine umfangreiche Sammlung hierzu auf. Aus dem zusammengetragenen Material sollten im Ruhestand geschichtliche Publikationen entstehen, doch dies war ihm leider nicht vergönnt. Noch heute befindet sich diese „Göstl-Archiv“ genannte Sammlung im Familienbesitz und ist eine bedeutende und reichhaltige Quelle zur Mistelbacher Geschichte – auch für diesen Blog. Im Jahr 1983 gab Göstl Faksimile-Nachdrucke der 1901 bzw. 1912 von Karl Fitzka veröffentlichten Bücher zur Geschichte der Stadt Mistelbach heraus. Ab Ende der 80er Jahre erschienen vom ihm verfasste kurze Beiträge zur Geschichte Mistelbachs – meist aus Anlass bestimmter Jubiläen – in der Mistelbacher Gemeindezeitung517, und aufgrund großer Publikumsnachfrage hielt er mehrfach einen Vortrag mit dem Titel „Aus der Geschichte Mistelbachs“.  Weiters war Göstl Mitautor der „Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988“, die 1989 als Band IV der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart veröffentlicht wurde.  Darüber  hinaus  war  er   maßgeblich an der Herausgabe der Anfang  der  1990er  Jahre von der Bezirks-ÖVP veröffentlichten „Jahrbücher für den Bezirk Mistelbach“ beteiligt, die das politische, kulturelle, gesellschaftliche und sportliche Geschehen in der Region dokumentierten.518

Georg Göstl im Jahr 1991 mit einem Stierriemen in seiner Werkstatt Georg Göstl im Jahr 1991 mit einem Stierriemen in seiner Werkstatt

Im November 1991 trat Göstl in den Ruhestand über und nach mehr als 90 Jahren endete die Geschäftstätigkeit der Familie Göstl an der Adresse Barnabitenstraße 4. Georg Göstl verstarb am 7. April 1993 wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag und wurde am 15. April im Familiengrab auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.
Der Gemeinderat der Stadt Mistelbach beschloss in der Sitzung vom 18.5.1999 zum Gedenken an sein verdienstvolles Wirken einer in der Kamptalsiedlung unterhalb des Wifi-Gebäudes gelegenen Straße den Namen Georg Göstl-Straße zu geben.

Wo befindet sich die Georg Göstl-Straße?

 

Bildnachweis:
-) sämtliche Fotos Göstlarchiv
-) Anzeige aus dem „Bote aus Mistelbach“ 1899

Quellen (und Anmerkungen):
-) Gemeindezeitung – Amtliche Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 7/93 (Mai), S. 1f
-) Die Niederösterreichische Wirtschaft – Mitteilungen der Handelkammer Niederösterreich, 23. April 1993, Nr. 13/1993, S. 19
-) Auskunft Frau Franziska Göstl
-) Auszug aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 18.5.1999

 

Georg Göstl-Straße

Von Thomas Kruspel 6. Juli 2019 Aus

In der Sitzung vom 18.5.1999 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat die in der neu errichteten Kamptalwohnhaussiedlung gelegene Straße nach dem verdienstvollen Stadtrat Georg Göstl zu benennen.

Wo befindet sich die Georg Göstl-Straße?

„Ziegelöfen und Lehmabbaue der politischen Bezirke Mistelbach und Gänserndorf“ – Christian Ferdinand Ramml

Von Thomas Kruspel 25. Mai 2019 Aus

Der lehmreiche Weinviertler Boden begünstigte das Entstehen zahlreicher Ziegelöfen, die teils bereits vor Jahrhunderten und bis ins 20. Jahrhundert auch in sämtlichen Katastralgemeinden Mistelbachs existierten. Die bedeutendsten davon waren das Ziegelwerk Mistelbach, das sich einst auf dem Areal Volksschule – Siedlung Brennerweg – Sporthalle samt Sportplatz – Bundesschulzentrum erstreckte und die Ziegelfabrik der Familie Steingassner in Frättingsdorf.

2014 erschien das von Christian Ferdinand Ramml verfasste, umfangreiche Werk „Ziegelöfen und Lehmabbaue der politischen Bezirke Mistelbach und Gänserndorf (Niederösterreich) : Geschichte und Geologie“, das von der Geologischen Bundesanstalt im Rahmen einer Reihe des Archivs für Lagerstättenforschung veröffentlicht wurde. Detailreich wird darin auch die Geschichte der Ziegelöfen der Mistelbacher Katastralgemeinden erläutert und diese Dokumentation ist online frei verfügbar.

Die nachfolgenden Links führen direkt zu den Einträgen der jeweiligen Orte (das Laden kann aufgrund der Größe des Dokuments etwas dauern):

Ebendorf
Eibesthal
Frättingsdorf
Hörersdorf
Hüttendorf
Kettlasbrunn
Lanzendorf
Mistelbach
Paasdorf
Siebenhirten

Übersicht der Lage der Ziegelöfen in Hüttendorf und Paasdorf
Übersicht der Lage der Ziegelöfen in Eibesthal
Übersicht der Lage der Ziegelöfen in Mistelbach, Ebendorf, Lanzendorf und Kettlasbrunn
Übersicht der Lage der Ziegelöfen in Frättingsdorf, Hörersdorf und Siebenhirten

Bienenbüttelgasse

Von Thomas Kruspel 10. Mai 2019 Aus

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 1. Juli 1997 wurde diese Straße nach der in der Lüneburger Heide in Niedersachsen gelegenen, deutschen Gemeinde Bienenbüttel benannt. Seit 1974 verbindet die Freiwilligen Feuerwehren aus Mistelbach und Bienenbüttel eine aktive Partnerschaft, die sich aus freundschaftlichen Kontakten im Rahmen der niederösterreichischen Landesfeuerwehrwettkämpfe entwickelte, an denen die Wehr aus Bienenbüttel ab Beginn der 1970er Jahre mehrfach teilnahm.

Unter den 31 ausländischen Feuerwehren, die an den Landesfeuerwehrwettkämpfen im Jahr 1974 in Mistelbach teilnahmen, befand sich auch die Freiwillige Feuerwehr Bienenbüttel, die durch ihren Spielmannszug für besonderes Aufsehen sorgte. Am Vorabend der Abreise marschierte der Spielmannszug spielend von ihrem Quartier in Lanzendorf nach Mistelbach und gab ein spontanes Platzkonzert auf dem Hauptplatz, das bald zahlreiche Schaulustige anlockte. Bürgermeister Bayer und Feuerwehrkommandant Heger luden die Führung der FF Bienenbüttel daraufhin spontan zu einem Umtrunk in die Bürgermeisterkanzlei ein und diese kleine Episode dürfte den Beginn der Partnerschaft markieren. Die Namensgebung erfolgte gleichzeitig mit der Benennung der umliegenden Straßen Welsbergweg, Differtenweg und Hegerstraße, die allesamt einen Feuerwehrbezug aufweisen.

Wo liegt die Gemeinde Bienenbüttel?

Wo befindet sich die Bienenbüttelgasse?

 

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 236
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 29/1974, S. 2
-) Artikel „28 Sekunden – Freiwillige Feuerwehr Bienenbüttel hält Kontakt nach Mistelbach“ auf az-online.de

Bezirkshauptmänner des Verwaltungsbezirks Mistelbach im 19. und 20. Jahrhundert

Von Thomas Kruspel 6. April 2019 Aus

Bezirkshauptmannschaft Mistelbach519

Als Folge der Revolution des Jahres 1848/49 wurde unter anderem die Grundherrschaft abgeschafft und es entstand die Institution der freien und selbstständigen Gemeinde. Dadurch wurde die Neuordnung des Gerichts- und Verwaltungswesens notwendig und daher wurden 1850 die Bezirkshauptmannschaften geschaffen. Zum Standort dieser Behörde für unsere Gegend wurde Poysdorf ausgewählt, und Mistelbach wurde „nur“ Sitz eines Bezirksgerichts (1. Instanz) und eines Bezirks-Collegialgerichts (2. Instanz). Als wenig später die als Folge der Revolution gewährten verfassungsrechtlichen Zugeständnisse im Zuge des Neoabsolutismus in Österreich sukzessive wieder zurückgenommen wurden, darunter auch die Trennung von Gerichtsbarkeit und Verwaltung, wurden die Bezirkshauptmannschaften wieder aufgelöst und die Verwaltungsaufgaben den zu Bezirksämtern aufgewerteten Bezirksgerichten übertragen. Aufgrund der im Jahr 1867 eingeführten Verfassung wurde jedoch eine organisatorische Trennung von Verwaltung und Gerichtsbarkeit wieder notwendig und so wurden die Bezirkshauptmannschaften 1868 schließlich erneut eingerichtet. Bei der Standortwahl konnte sich diesmal Mistelbach durchsetzen und der Verwaltungsbezirk Mistelbach umfasste zunächst die Gerichtsbezirke Feldsberg (bzw. den später daraus hervorgegangenen Gerichtsbezirk Poysdorf), Mistelbach, Laa a.d. Thaya und Zistersdorf. Das Verwaltungsgebiet änderte sich im Laufe der Zeit: der Gerichtsbezirk Zistersdorf wurde 1899 der neu geschaffenen Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf zugeteilt, durch den Friedensvertrag von St. Germain gingen Feldsberg und einige weitere Gemeinden verloren, 1938 wurde das Gebiet um den Gerichtsbezirk Wokersdorf (jedoch ohne die Gemeinden Aderklaa, Deutsch-Wagram, Seyring, Süßenbrunn und Gerasdorf) erweitert.
Neben dem wenig später folgenden Bau der Staatseisenbahn, war die Errichtung der Bezirkshauptmannschaft sicherlich einer der großen Marksteine, die den rasanten Aufstieg Mistelbachs, der sich auch in der 1874 erfolgten Stadterhebung widerspiegelte, ermöglichten.

Nachfolgend werden chronologisch die Biografien der Bezirkshauptmänner des Verwaltungsbezirks Mistelbach im 19. und 20. Jahrhundert dargestellt, allerdings nur in Stichworten, da sich die Beamtenlaufbahnen in weiten Teilen sehr ähnlich sind.

Hofrat Wilhelm Peintinger520 (1868-1871)
* 16.12.1817, Retz521
† 20.7.1886, Kapfenberg522

erste berufliche Station im September 1842 als Civil- und Criminalgerichtspraktikant beim Magistrat Olmütz; Oktober 1842 bis September 1843 Justizactuar bei der Herrschaft Bisamberg; Oktober 1843 bis Jänner 1850 bei der Herrschaft Walpersdorf523, zunächst als Justizactuar, ab Oktober 1848 in der Funktion als Oberbeamter, seit 1845 zeitgleich auch Justiziär der Pfarrherrschaft Oberwölbling; 1850-1854 Staatsanwaltssubstitut bzw. Leiter der Staatsanwaltschaft am Bezirksgericht Waidhofen a.d. Thaya524; 1854 bis 1858 Bezirksvorsteher (=Vorsteher eines Bezirksamtes) in Allentsteig525, von März 1858 bis Februar 1859 in derselben Funktion in Laa a.d. Thaya und danach 1859-1868 Bezirksvorsteher in Oberhollabrunn526; 1868-1871 erster Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach527; 1871-1874 Bezirkshauptmann in Sechshaus (heute Teil des XV. Wiener Gemeindebezirks)528; 1874 Ernennung zum Statthaltereirat und ab diesem Zeitpunkt Referent und Mitglied der Landeskommission für Grundsteuer bei der nö. Statthalterei529; 1879 Rückübernahme in den politischen Dienst bei der Statthalterei; 1884 Pensionierung und Verleihung des Titels Hofrat530; danach übersiedelte er nach Kapfenberg, wo er nach seinem Tode auch beerdigt wurde;

Dr. Josef Ritter Pfusterschmid von Wallenau531 (1871-1883)
* 9.7.1822, Wien
† 25.3.1890, Wien

1843 Eintritt in den Dienst der niederösterreichischen Landesregierung; 1843-1845 Praktikant  beim Kreisamt für das Viertel unter dem Wienerwald in Wiener Neustadt;  1845-1849 bei der niederösterreichischen Statthalterei in Wien; 1849-1850 beim Kreisamt für das Viertel ober dem Wienerwald in St. Pölten; 1850-1853 Bezirksgericht St. Pölten; 1853-1854 Bezirksgericht Waidhofen a.d. Thaya; 1855-1860 Kreiskommissär am Kreisamt für das Viertel unter dem Manhartsberg in Korneuburg; 1860-1871 Adjunkt beim Bezirksamt bzw. der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen; 1871-1883 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach, danach Ruhestand532;
In seine Dienstzeit fiel die Stadterhebung Mistelbachs (1874), die er nach Kräften unterstützte.

Ehrenbürger: Laa a.d. Thaya (1883)533

Sektionschef Dr. Ernst Oser
534 (1883-1887)
* 23.10.1845, Grafenegg
† 25.9.1902, Wien

Matura am Stiftsgymnasium Melk; juridisch-politische Studien an der Universität Wien; 1869 Eintritt in den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich, und in der Folge Verwendung bei Behörden in Wien, Baden, Hernals und beim Landesschulrat; ab 1874 Bezirkskommissär bei der Bezirkshauptmannschaft Baden; November 1883 bis November 1887 Bezirkshauptmann in Mistelbach; danach Bezirkshauptmann in Baden bis Ende des Jahres 1889 und in dieser Eigenschaft auch mit der „Tragödie von Mayerling“ befasst und u.a. für die rasche und geheime Bestattung von Mary Vetsera verantwortlich;  ab Jänner 1890 mit der Leitung des Departments für „Volkswirtschaftliche und Landeskultur-Angelegenheiten, Unterrichtsstiftungen und Stipendien“ in der nö. Statthalterei betraut; ab Oktober 1896 bis zu seinem Tod Sektionschef im Ackerbauministerium; in Waldegg bei Wiener Neustadt bestattet;
Er unterstützte den Aufbau des Feuerwehrwesens im Bezirk und die Bildung und Tätigkeit der landwirtschaftlichen Bezirks- bzw. Ortsvereine535; auch setzte er sich für die Errichtung der Winzerschule an seinem ehemaligen Dienstort Mistelbach ein; 1898 wurde die Oserstraße nach ihm benannt;

Ehrenbürger: Mistelbach (1893) und Gumpoldskirchen (1894)

Hofrat Johann Bažant536 (1887-1899)
* 21.12.1848, Wien
† 7.10.1920, Wien537

1872 Eintritt in den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich; danach als Konzipist bei folgenden Behörden tätig: Bezirkshauptmannschaft Hernals, niederösterreichische Statthalterei in Wien, Bezirkshauptmannschaft Waidhofen a.d. Thaya, Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen; 1879-1885 als Bezirks-Kommissär der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach zugeteilt; 1880 heiratete er die Mistelbacher Gastwirtstochter Theresia Kainz538; 1885-1887 Rückkehr als Statthalterei-Sekretär in die niederösterreichische Statthalterei, wo er unter anderem für den Landesschulrat tätig war; 1887-1899 Bezirkshauptmann des Bezirks Mistelbach; 1899-1909 Bezirkshauptmann des Bezirks Floridsdorf-Umgebung (=Gerichtsbezirke Wolkersdorf u. Groß-Enzersdorf, Teile des Bezirks Gänserndorf und Floridsdorf); danach Übertritt in den Ruhestand; Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach (1899)539; er ruht auf dem Wiener Zentralfriedhof

Ehrenbürger: Frättingsdorf, Hörersdorf, Laa a.d. Thaya (alle 1899), Kirchstetten und Gänserndorf540

Hofrat Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg541 (1899-1909)
* 8.8.1858, Hietzing (Wien)542
† 22.12.1942, Wien

1880 Eintritt in den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich, und Tätigkeit am Sitz der Statthalterei in Wien; 1882 Promotion Dr.iur.; 1882-1886 Praktikant bei der Bezirkshauptmannschaft Sechshaus (heute Teil des XV. Wiener Gemeindebezirks); 1886-1888 Konzipist bei der Bezirkshauptmannschaft Horn; 1888 Lokalkommissär für agrarische Operation in Allentsteig; 1889 Bezirks-Kommissär in Groß Enzersdorf; 1892-1895 der Bezirkshauptmannschaft Krems zugeteilt; 1895-1899 Dienst im Präsidialbureau und im Department für Kultuswesen der niederösterreichischen Statthalterei; 1899-1909 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach; von 1909 bis zum Übertritt in den Ruhestand 1918: Leiter des Departments für Kultuswesen bei der niederösterreichischen Statthalterei; bestattet auf dem Hietzinger Friedhof; Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach (1904);

Während seiner Amtszeit erfolgte der Bau des Bezirkskrankenhauses, zu dessen Errichtung er auch als Obmann des „Vereins zur Erbauung des öffentlichen Krankenhauses in Mistelbach“ tatkräftig beitrug. 1907 wurde im Rahmen eines Musikabends zugunsten des Krankenhausbaufonds ein von Heinrich Kosnapfl komponierter und dem Bezirkshauptmann gewidmeter „Freiherr von Norberg-Marsch“ uraufgeführt, der auch in Wien in Druck gelegt wurde und dessen Reinerlös ebenfalls dem Krankenhausbau zugutekam.543

Ehrenbürger: Olgersdorf (1902), Eibesthal (1904), Mistelbach (1908), Neudorf bei Staatz (1909)544

Dr. Julius Montadon545 (1909-1913)
* 5.1.1863, Wien
† 26.2.1915, Wien

1886 Promotion Dr.iur. Universität Wien; danach Eintritt in den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich, und Verwendung am Sitz der Statthalterei in Wien; 1889-1899 bei der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten tätig; 1899-1903 Bezirkskommissär bei der Bezirkshauptmannschaft Baden; 1903-1909 Statthaltereisekretär in der niederösterreichischen Statthalterei; im April 1909 mit der Leitung der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach betraut, und im November desselben Jahres dann offiziell zum Bezirkshauptmann ernannt; nach mehreren durch ein schweres Gallensteinleiden bedingten Beurlaubungen wurde er im April 1913 wieder in die Statthalterei einberufen und übersiedelte nach Mödling; wenig später wurde Dr. Montadon mit der Leitung des Departments IV betraut und ab März 1914 mit der Leitung des Departments V; er verstarb in Folge einer Operation zur Behandlung seines chronischen Leidens in einem Wiener Sanatorium und wurde in der Familiengruft in Ebreichsdorf beigesetzt546

Ehrenbürger: Ober-Themenau (1911)547

Hofrat Franz Dokaupil548 (1913-1926)
* 25.3.1870, Wien
† 18.5.1939, Wien

Studium an der juridischen Fakultät der Universität Wien; 1894 Eintritt in den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich, und Verwendung am Sitz der Statthalterei in Wien; 1897-1898 der Bezirkshauptmannschaft Mödling zugeteilt; von 1898 bis 1902 bei der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach und nach kurzzeitigem Dienst in der niederösterreichischen Statthalterei im Jahr 1902-1903, danach wieder bis 1913 Bezirks-Kommissär in Mistelbach; ab April 1913 zunächst provisorisch, dann ab Jänner 1914 bis Ende Juni 1926 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach; Versetzung in den Ruhestand aufgrund eines Nervenleidens; bestattet auf dem Friedhof Wien-Ottakring; er dürfte auch auf einem der beiden in der Kriegsbegeisterung des Jahres 1914 entstandenen katholisch-patriotischen Wandgemälde im Presbyterium der Pfarrkirche dargestellt gewesen sein, allerdings wurden diese im Zuge der Kirchenrenovierung 1935 übermalt549;
In der Kriegszeit bemühte er sich um Schonung des Bezirks bei Requirierungen und während der nach Kriegsende herrschenden Lebensmittelknappheit lehnte Dokaupil den Vorschlag der Abriegelung gegenüber Wien ab, und half so der notleidenden Wiener Bevölkerung sich aus dem Umland mit Nahrung versorgen zu können.

Ehrenbürger: Ober-Themenau (1911)550, 1916 verliehen ihm auch sämtliche weiteren Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach das Ehrenbürgerrecht551, nachfolgend in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet: Altenmarkt, Althöflein, Altlichtenwarth, Altmanns, Altruppersdorf, Ameis, Asparn an der Zaya, Atzelsdorf, Bernhardsthal, Bischofswarth, Böhmischkrut (Großkrut), Bullendorf, Diepolz, Drasenhofen, Ebendorf, Ebersdorf an der Zaya, Eibesthal, Eichenbrunn, Enzersdorf bei Staatz, Erdberg, Ernsdorf bei Staatz, Ernstbrunn, Falkenstein,Fallbach, Feldsberg, Föllim, Frättingsdorf, Garschönthal, Gaubitsch, Gaunersdorf (Gaweinstal), Ginzersdorf, Gnadendorf, Grafensulz, Großharras, Hagenberg, Hagendorf, Hanfthal, Hausbrunn, Herrnbaumgarten, Herrnleis, Höbersbrunn, Hobersdorf, Hörersdorf, Hüttendorf, Katzelsdorf, Kettlasbrunn, Ketzelsdorf, Kirchstetten, Kleinbaumgarten, Kleinhadersdorf, Kleinschweinbarth, Klement, Kottingneusiedl, Laa an der Thaya, Ladendorf, Lanzendorf, Loosdorf, Michelstetten, Mistelbach, Neubau, Neudorf, Neuruppersdorf, Niederleis, Oberkreuzstetten, Oberschoderlee, Olgersdorf, Ottenthal, Paasdorf, Patzenthal, Patzmannsdorf, Pellendorf, Pottenhofen, Poysbrunn, Poysdorf, Pyhra, Rabensburg, Reinthal, Schletz, Schrattenberg, Schrick, Siebenhirten, Staatz, Steinebrunn, Stronsdorf, Stützenhofen, Ungerndorf, Unter-Themenau, Unterschoderlee, Unterstinkenbrunn, Waltersdorf bei Staatz, Walterskirchen, Wetzelsdorf, Wildendürnbach, Wilfersdorf, Wilhelmsdorf, Wultendorf, Wulzeshofen, Zlabern, Zwentendorf, Zwingendorf

 

Hofrat Dr. Karl Engelhart552 (1926-1929)
* 10.12.1882, Gloggnitz
† 21.2.1964, Wien

1903 Matura am Theresianum in Wien; 1909 Dr.iur. Promotion; danach Eintritt als Konzeptspraktikant in den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich, und kurze Verwendung am Sitz der Statthalterei in Wien; 1910-1912 bei der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen und 1912-1913 bei der Bezirkshauptmannschaft Horn; 1913 als Statthaltereikonzipist im Department VIII bei der niederösterreichischen Statthalterei; nach einem kurzen Einsatz bei der Bezirkshauptmannschaft Horn schließlich von 1914 bis 1922 der Bezirkshauptmannschaft Bruck a.d. Leitha zugeteilt; dort wirkte er 1917 auch als Vorstand der Barackenverwaltung des Flüchtlingslagers Bruck553; anschließend bis 1926 bei der Bezirkshauptmannschaft Neunkrichen dienstzugeteilt; von März 1926 bis 1929 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach; 1929-1935 Bezirkshauptmann in Floridsdorf-Umgebung (Gerichtsbezirke Wolkersdorf und Groß-Enzersdorf, Teile des Bezirks Gänserndorf und Floridsdorf); 1935 verlor er seinen Posten als Bezirkshauptmann aufgrund von nationalsozialistischer Betätigung – für eine Entlassung reichte seine Verfehlung nicht aus und so wurde er in das Referat 7 „Soziale Verwaltung und Elektrizitätswerke“ des Landesamts I versetzt – seit diesem Zeitpunkt galt er jedoch als illegales NS-Mitglied554; nach dem „Anschluss“ 1938 stieg er zunächst zum kommissarischen Stellvertreter des Regierungsdirektors des Gaus Niederdonau auf – laut eigener Darstellung fiel er jedoch aufgrund seines Einsatzes für aus politischen Gründen vom NS-Regime verfolgte Kollegen in Ungnade und wurde „kaltgestellt“ und fungierte fortan nur mehr als Referatsleiter in der Statthalterei555; 1942 scheint er als Dezernent bei der Abteilung Ia „Angelegenheiten der Gemeinden“ der Behörde des Reichsstatthalters in Niederdonau556 auf; von Juni bis August 1945 befand sich Dr. Engelhart in Untersuchungshaft aus der er aus gesundheitlichen Gründen jedoch entlassen wurde; Hintergrund dieser Untersuchungshaft war ein Prozess vor dem Volksgericht Wien im Jahr 1946 gegen Engelharts Gattin und seine Söhne wegen Denunziation angeklagt, da sie sich eines jüdischen Mieters aus einem im Familienbesitz befindlichen Zinshaus in Mödling derart entledigt haben, indem sie ihn bei der GESTAPO unter (falschen) Vorwänden anzeigten. Der gesundheitlich angeschlagene Mieter kam während der Haft zu Tode. Dr. Engelhart wurde der Mitwisserschaft in dieser Angelegenheit bezichtigt, allerdings konnten hierfür nicht ausreichend Anhaltspunkte festgestellt werden, sodass das Verfahren gegen ihn ausgeschieden wurde. Natürlich war auch bereits in diesem Verfahren Dr. Engelharts Verhältnis zur NSDAP Gegenstand der Verhandlung. Laut damaligen Informationsstand soll Engelhart ab 1938 Parteianwärter und ab 1942 schließlich Mitglied der NSDAP gewesen sein. 1947 tauchten jedoch neue Anhaltspunkte betreffend eine (bereits frühere) Mitgliedschaft Engelharts in der NSDAP während der Zeit der Illegalität und eine Mitgliedschaft in der SA-Reserve auf und somit wurde Dr. Engelhart wegen Hochverrats und Betrugs (aufgrund seiner falschen Angaben im Zuge der Registrierungspflicht für Nationalsozialisten) vor dem Volksgericht angeklagt – Informationen zum Ausgang dieses Verfahren fehlen leider; Engelhart trat zeitlebens als eifriger Komponist in Erscheinung und bereits in der Zwischenkriegszeit wurden einige seiner Kompositionen auch im Radio aufgeführt.557; komponierte unter anderem den NÖ Landesfeuerwehrmarsch558 Außerdem war Anfang der 1930er Jahre Bundesvorstandstellvertreter des Ostmark Sängerbundes559 und nach dem Krieg Vorstand des österreichischen Komponistenbundes; er wurde auf dem Friedhof in Mödling bestattet560;

Ehrenbürger: Achau, Alt-Kettenhof, Bruck a.d. Leitha (1916), Enzersdorf a.d. Fischa, Fischamend, Hennersdorf (1916), Himberg (1916) Höflein (1916), Kledering, Leopoldsdorf (1920), Mannersdorf, Maria Lanzendorf, Ober-Lanzendorf, Schwadorf, Schwechat (1916), Wolkersdorf561

Foto (Ausschnitt): Topothek Wolkersdorf, Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Besitzerin Frau Agnes Nowotny

Dr. Franz Julius Kwizda (Edler von Hochstern)562 (1929-1935)
* 28.12.1889 in KorneuburgBezirkshauptmann Dr. Kwizda 1932
† 6.3.1939, Bisamberg

1913 Promotion Dr.iur. Universität Wien; unmittelbar danach Eintritt in den den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich, und kurze Verwendung am Sitz der Statthalterei in Wien; 1914-1918 der Bezirkshauptmannschaft Gmünd zugeteilt; 1918-1921 Dienst bei der Bezirkshauptmannschaft Floridsdorf-Umgebung (Gerichtsbezirke Wolkersdorf u. Groß-Enzersdorf, Teile des Bezirks Gänserndorf und Floridsdorf); kurzzeitig bei der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf und im Anschluss daran von 1922-1928 der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg zugeteilt; 1929 bis September 1935 Bezirkshauptmann des Bezirks Mistelbach; danach ab 1935 Bezirkshauptmann Floridsdorf-Umgebung563 – aufgrund seines strikten Vorgehens gegen die Aktivitäten der illegalen Nationalsozialisten, wurde er nach dem „Anschluss“ seines Amtes enthoben.

Foto: Stadt-Museumsarchiv Mistelbach, aus dem Besitz von Herrn Mag. Karlheinz Brunhuber

Dr. Andreas Pomesberger564 (1935-1938)
* 28.5.1888, Thaya (Bez. Waidhofen a.d. Thaya)
† 18.5.1957, Wien

Matura: Staatsgymnasium Prachatitz (Südböhmen); 1908 Eintritt in den Dienst der k.k. Statthalterei in Niederösterreich; 1913 Promotion Dr.iur. Universität Wien; 1914 kurzzeitig der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg zugewiesen und danach von 1914-1918 der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach zugeteilt; 1918-1926 Bezirkshauptmannschaft Korneuburg; 1926-1931 Bezirkshauptmannschaft Bruck a.d. Leitha; 1931-1935 Konzeptsbeamter bei der Bezirkshauptmannschaft Floridsdorf-Umgebung (Gerichtsbezirke Wolkersdorf u. Groß-Enzersdorf, Teile des Bezirks Gänserndorf und Floridsdorf); 1935 bis Juni 1938 Bezirkshauptmann in Mistelbach; danach Justiziar im Gaujägermeisteramt des Gaus Niederdonau565; 1939 scheint er als Landrat (Bezirkshauptmann) in Gmünd auf und 1942 als Beamter bei der Abteilung IV „Landwirtschaft, Wirtschaft & Arbeit“ der Behörde des Reichsstatthalters in Niederdonau566; Mai 1945 bis 1947 Bezirkshauptmann des Bezirks Korneuburg und danach Ministerialrat im Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau567; Mitglied bei Schlaraffia Castell Cornoviae (Korneuburg)568; bestattet auf dem Friedhof Wien-Rodaun

Ehrenbürger: Atzelsdorf und Grafensulz (beide 1919);

Foto: Ausschnitt aus einem Foto anlässlich einer Festsitzung des Mistelbacher Gemeinderats 1936 – StadtMuseumsarchiv Mistelbach

Landräte während des NS-Regimes

Die Angleichung der Verwaltung der „Ostmark“ an das reichsdeutsche System erfolgte in zwei Schritten. Ab 1. Jänner 1939 änderten sich zunächst die formalen Bezeichnungen: aus dem Bezirk wurde der „(Land-)Kreis“, aus der Bezirkshauptmannschaft „der Landrat“ und auch der Bezirkshauptmann selbst, hieß fortan „Landrat“.569 Zur tatsächlichen Neustrukturierung kam es mit dem am 14. April 1939 in Kraft getretenen „Gesetz über den Aufbau der Verwaltung in der Ostmark“ („Ostmarkgesetz“).

SA-Oberführer Dkfm. Dr. Hubert Kuich570 (1938-1940)
* 14.10.1905, Kammer am Attersee
† 7.2.1940, Wien

Kam 1916 mit seiner Familie nach Mistelbach, als sein Vater Vorstand des Bahnbetriebsamts des Staatsbahnhofes Mistelbach wurde571; hier verbrachte er einen großen Teil seiner Jugend und wurde im Umfeld der deutsch-völkischen Vereine Mistelbachs sozialisiert (u.a. Mitglied der pennalen Burschenschaft Tafelrunde deutscher Studenten Wartburg Mistelbach); Ende der 20er Jahre Sponsion zum Diplomkaufmann Hochschule für Welthandel Wien; 1932 Promotion Dr.iur. Universität Innsbruck; zuvor im Heimatschutz (Heimwehr) aktiv, trat er 1930 in die SA ein, und sollte später bis zum SA-Oberführer aufsteigen; die Zulassung als Rechtsanwalt wurde ihm wenig später aufgrund seiner illegalen politischen Betätigung wieder entzogen; Im Juni 1933 erste Inhaftierung in Stein a.d. Donau aufgrund von nationalsozialistischer Betätigung – insgesamt war er in der Zeit vor dem „Anschluss“ 25 Monate in Anhaltelagern bzw. Gefängnissen inhaftiert; 1936/37 in der Illegalität zum Brigadeführer der SA-Standarte 2 in Wien befördert; 1937 aus gesundheitlichen Gründen, die in seiner Haftzeit begründet waren, ins Deutsche Reich abkommandiert und dort im Rahmen des Parteitages 1937 als einer von wenigen „österreichischen Kämpfern“ vom Führer persönlich empfangen; im Zuge des „Anschlusses“ 1938 kam Kuich wie viele andere geflüchtete Nazis in die nunmehrige „Ostmark“ zurück und beteiligte sich an der Gewahrsamnehmung führender Persönlichkeiten des Schuschnigg-Regimes; als „alter Kämpfer“ wurde er mit dem Posten des Personaldirektors der Wiener Straßenbahnen belohnt; doch bereits im Juli 1938 folgte er dem Ruf des Gauleiters von Niederdonau, der ihn zum Bezirkshauptmann in seiner früheren Heimatstadt Mistelbach ernannte; Ende August 1938 kam Kuichs Dienstwagen in der sogenannten Waldbergkurve (Linkskurve unterhalb des Schricker Bergs) von der Straße ab und wurde schwer beschädigt. Kuich und seine Begleiter blieben jedoch wie durch ein Wunder unverletzt und in Schrick und Umgebung (nicht in Mistelbach) war diese bis heute gefährliche Kurve seither umgangssprachlich auch unter dem Namen „Landratskurve“ bekannt.572 starb bei einem Leuchtgasunfall in seiner Wiener Wohnung und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet; Ende Jänner 1940 wurde ihm durch Beschluss des Führers der Blutorden verliehen, aufgrund des Ablebens nur wenige Tage später entfiel die Verleihungszeremonie und der Orden wurde posthum an die hinterbliebenen Verwandten ausgefolgt.

SS-Untersturmführer Reg.Rat Dr. Heinrich Welker573 (1940-1943)
* 21.5.1905, Offenburg, Deutsches Reich
† ?

aufgewachsen in Mannheim; Studien in Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe und Kiel; 1933 Eintritt in den Verwaltungsdienst in Kehl am Rhein; ab 1934 am Landratsamt in Bruchsal in Baden tätig, 1935 zum Regierungsrat ernannt, ab 1938 Landrat-Stellvertreter dort; 1939 zu besonderer Verwendung nach Neunkirchen und später zur Landeshauptmannschaft Niederdonau berufen; SA-Mitglied seit 1934, ab 1937 Parteimitglied der NSDAP und Sonderverwendung bei der SS; nach dem Tod von Kuich ab 1940 kommissarischer Landrat für den Landkreis Mistelbach bis Februar 1943 – seinem Einrücken zur Front574

SS-Hauptsturmführer Dr. Paul Hönigl575 (1943-1945)
* 18.10.1895, Ybbsitz576Landrat Dr. Paul Hönigl auf einem Portraitfoto aus dem Jahre 1938
† ?

1915 Kriegsmatura am Gymnasium Seitenstetten; im Anschluss Kriegsdienst beim Infanterieregiment Nr. 49, 1917 zum Leutnant der Reserve befördert; 1921 Promotion Dr.iur. Universität Wien; 1923 Eintritt in den Wiener Polizeidienst und Tätigkeit bei Polizeikommissariaten in verschiedenen Bezirken Wiens, im Sicherheitsbüro und ab 1928 in der Sicherheitswache; seit 1932 gehörte er der NSDAP und seit 1937 der SS an; Im September des Jahres 1933 kam es zu einem Disziplinarverfahren gegen Hönigl, damals Oberkommissär des Zentralinspektorats der Sicherheitswache, aufgrund einer von ihm gehaltenen Rede bei einer geheimen Versammlung der seit Juni 1933 verbotenen NSDAP – die Folge war eine zeitweilige Suspendierung vom Dienst577; bereits zuvor war er aus dem Kommando der Alarmabteilung abberufen und einem Kommissariat zugeteilt worden – dies geschah im Zuge eines umfassenden personellen Umbaus dieser Abteilung, die über weite Teile nationalsozialistisch gesinnt war, und damit als „politisch unzuverlässig“ galt; Nach dem gescheiterten Putschversuch der Nationalsozialisten am 25. Juli 1934 wurde Dr. Hönigl verhaftet und sein Vermögen beschlagnahmt. Ihm und anderen nationalsozialistisch gesinnten Polizei- bzw. Bundesheeroffizieren wurde eine Beteiligung am Umsturzversuch – kurz Hochverrat – vorgeworfen. Schließlich wurde er im März 1935 vom Militärgericht Wien des Hochverrats schuldig gesprochen und zu zwölf Jahren schwerem Kerker verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er gemeinsam mit drei Mitverschwörern zwischen Sommer 1933 und Frühjahr 1934 regelmäßig konspirative Treffen abgehalten und einen Plan zur Besetzung des Bundeskanzleramtes und anderer öffentlicher Einrichtungen, sowie zur Gefangennahme der Regierung ausgearbeitet hatte. Laut diesem „ersten“ Putschplan, der später von anderen aufgegriffen, umgearbeitet bzw. verfeinert und ausgeführt wurde, wäre Hönigl für die Besetzung der Marokkanerkaserne zuständig gewesen. Durch Weitergabe ihres Planes und der Werbung dafür unter Angehörigen von Polizei und Bundesheer hätten die Angeklagten dazu beigetragen den Umsturzversuch der Nationalsozialisten vom 25. Juli 1934 vorzubereiten und diesen unterstützt.578 Zur Verbüßung seiner Strafe wurde Hönigl in die Strafanstalt Stein a.d. Donau verbracht.579, allerdings wurde er in Folge des Berchtesgadener Abkommens im Februar 1938 frühzeitig aus der Haft entlassen. Nach dem sogenannten „Anschluss“ wurde er im für Arisierungen zuständigen Sonderdezernat IVd-8 („Entjudung und Sachschadenfeststellung“ – Vermögensstelle) des Reichsstatthalters in Niederdonau tätig; Oktober 1939 bis Oktober 1940 Mitarbeiter der Abteilung Innere Verwaltung beim Chef des Distrikts Krakau im besetzen Polen; danach kehrte Hönigl als Leiter an das Sonderdezernat IVd-8 zurück580; September 1939 Verleihung des Blutordens der NSDAP, der höchsten Auszeichnung der Partei581; Im Februar 1943, nach der Einberufung von Landrat Welker zum Kriegsdienst, wurde Dr. Hönigl neben seiner Tätigkeit  in der Reichsstatthalterei auch zum (kommissarischen) Landrat von Mistelbach ernannt582; Im Oktober 1944 übernahm er auch die kommissarische Leitung des Landratsamtes Gänserndorf; vor der herannahenden Roten Armee flüchtete Dr. Hönigl in Richtung Westen und wurde im Juni 1945 schließlich verhaftet und einige Monate später in das „Camp Marcus W. Orr“ (Lager Glasenbach), einem von den Amerikanern im salzburgischen Glasenbach eingerichteten Internierungslager für schwer belastete Nationalsozialisten, gebracht; Im Oktober 1946 Überstellung in das Landesgericht I Wien, wo er sich in einem Volksgerichtsprozess verantworten musste. Im Dezember 1947 Verurteilung wegen Hochverrats zu 18 Monaten schweren Kerkers, verschärft durch ein hartes Lager vierteljährlich, und Vermögensverfall. Durch die abgeleistete U-Haft galt die Freiheitsstrafe bereits als verbüßt und Hönigl wurde nach der Urteilsverkündung entlassen. Nach einiger Zeit der Arbeitslosigkeit verdingte er sich später als Hilfsarbeiter in Wien.

Foto: Akt des Gaupersonalamts des Reichsgaues Wien („Gauakten“) zu Hönigl (Aktnr. 30.099) – Österreichisches Staatsarchiv

Bezirkshauptmänner in der Zweiten Republik


Regierungsrat Walter Brunhuber
583
* 1.1.1906, Mödling
† 13.4.1976, Mistelbach

nach der Reifeprüfung am humanistischen Gymnasium in Klagenfurt studierte Brunhuber als Werkstudent Mathematik und Physik an der Universität Wien. Während seiner Studienzeit wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung Kürnberg Wien im CV. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und mangelnder Berufsperspektiven für Mathematiker sah er sich gezwungen sein Studium abzubrechen und trat im Juli 1933 in den Dienst der Finanzverwaltung ein. 1933-1936 Verwendung als Buchhalter in der Einhebungsstelle der Steueradministration Wien 1/16; mit Februar 1936 an die Bezirkssteuerbehörde Mistelbach versetzt; Seine mehrfache Weigerung in die NSDAP bzw. eine ihrer Teilorganisationen einzutreten, führte dazu, dass die Kreisleitung der NSDAP seine rasche Einziehung zur Wehrmacht forderte. Durch glückliche Umstände konnte er sich jedoch dem Wehrdienst entziehen. Wenige Tage nachdem die Rote Armee Mistelbach am 18. April 1945 eingenommen hatte, wurde Brunhuber aufgrund eines einstimmigen Vorschlags der politischen Parteien und der Wirtschaft von der Besatzungsmacht als kommissarischer Bezirkshauptmann eingesetzt. Mit Beschluss vom 1. Mai 1945 wurde seine Einsetzung als provisorischer Bezirkshauptmann von der niederösterreichischen Landesregierung bestätigt. Die Einsetzung von Dr. Strau als Bezirkshauptmann dürfte bereits mit Anfang Juni beschlossen worden sein, tatsächlich  konnte dieser seinen Dienst offenbar erst ab Juli 1945 antreten, sodass ihn Brunhuber bis zu diesem Zeitpunkt vertrat. Zusätzlich arbeitete er am Wiederaufbau des Finanzamts Mistelbach, mit dessen Leitung er ab Juli 1945 zeitweilig betraut war. Ab 1947 war er dort bis zu seiner Pensionierung als Leiter der Betriebsprüfungsabteilung tätig. Brunhuber ruht auf dem Mistelbacher Friedhof.

Foto: zur Verfügung gestellt von Herrn Mag. Karlheinz Brunhuber

Dr. Josef Strau584 (1945-1946)
* 11.7.1908, Groß Enzersdorf585
† 31.3.2004, Wien

nach dem Tod seines Vaters 1910 war der ebenfalls aus Groß-Enzersdorf stammende Rechtsanwalt, und spätere Landeshauptmann und Bundeskanzler, Dr. Karl Buresch sein Vormund586; 1927 Matura am Gymnasium Hollabrunn; ab dem Wintersemester 1927/28 studierte er zunächst drei Semester Theologie an der Universität Wien, bevor er an die juridische Fakultät wechselte; 1929 Aufnahme in den niederösterreichischen Landesdienst; 1933 Promotion Dr.iur. Universität Wien; 1935-1937 Konzeptsbeamter bei der Bezirkshauptmannschaft Gmünd587; im Juni 1938 vom NS-Regime des Dienstes enthoben und Entlassung im November 1938; danach Hilfskraft bei der Firma Laconia in Wien, doch Ende Februar 1939 bereits wieder als „politisch nicht tragbar“ gekündigt; Juli 1939 bis Dezember 1941 als Revisionsassistent bei der Deutsche Treuhand AG Wien beschäftigt; danach bis Kriegsende Militärdienst; ab Juli 1945 bis Mai 1946 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach; im Mai 1946 zur Dienstleistung im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft berufen588; danach als Rat an den Verwaltungsgerichtshof berufen, und später dessen Vizepräsident; letzte Ruhestätte: Hietzinger Friedhof;

Hofrat Dr. Karl Mattes589 (1946-1956)
* 30.11.1905, Grund (Bezirk Hollabrunn)
† 14.10.1969, Wien

1927 Matura am Gymnasium Hollabrunn (er und sein Amtsvorgänger Dr. Strau waren Klassenkameraden590); Mitglied der katholischen Studentenverbindung Aargau Wien im CV; 1933 Promotion Dr.iur. Universität Wien; 1934 Aufnahme in den niederösterreichischen Landesdienst und der Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn zugeteilt; im Mai 1938 vom NS-Regime des Dienstes enthoben und Aufnahme eines Verfahrens über seine Dienstausübung vor dem „Anschluss“; im Oktober 1938 wurde über ihn ein Aufenthaltsverbot in den Bezirken Hollabrunn, Horn und Mistelbach verhängt; November 1938 schließlich Entlassung aus dem Landesdienst; ab Ende 1939 Tätigkeit bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Kompaß in Wien bis eine weitere Beschäftigung dort im Mai 1941 vom nationalsozialistischen Rechtswahrerbund aus politischen Gründen untersagt wurde; zeitweilig unter Polizeiaufsicht, später kurzzeitige Untersuchungshaft und als wehrunwürdig erklärt; später angeblich bei der deutschen Treuhandverwaltung in Krakau tätig; im Juli 1944 schließlich doch zum Wehrdienst eingezogen, geriet er zu Ende des Krieges in russische Kriegsgefangenschaft; infolge Arbeitsunfähigkeit aufgrund schwerer Erkrankung bereits Ende August 1945 aus der Gefangenschaft entlassen; ab Oktober 1945 war er der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach zugeteilt; April 1946 bis Ende 1956 Bezirkshauptmann in Mistelbach; ab Anfang des Jahres 1957 bis zu seinem Tode Vorstand der niederösterreichischen Agrar-Bezirksbehörde in Wien; 1960-1965 Bürgermeister (ÖVP) der Gemeinde Pulkau; Träger des goldenen Ehrenringes der Gemeinde Pulkau; Dr. Mattes wurde auf dem Friedhof Pulkau bestattet; 2009 wurde die Karl Mattes-Straße nach ihm benannt;

Ehrenbürger: insgesamt 109 Gemeinden verliehen Dr. Mattes das Ehrenbürgerrecht, (davon alleine im Bezirk Mistelbach nachweislich 98 Gemeinden), nachfolgend sind diese soweit bekannt nach Jahreszahlen gegliedert angeführt:
Altenmarkt, Althöflein, Altmanns, Altruppersdorf, Ameis, Asparn, Atzelsdorf, Bernhardsthal, Bogenneusiedl, Bullendorf, Drasenhofen, Diepolz, Ebersdorf, Eibesbrunn, Eibesthal, Enzersdorf bei Staatz, Erdberg, Ernsdorf bei Staatz, Ernstbrunn, Falkenstein, Fallbach, Frättingsdorf, Friebritz, Föllim, Garmanns, Gaubitsch, Gaweinstal, Ginzersdorf, Gnadendorf, Grafensulz, Großebersdorf, Großharras, Großkrut, Guttenbrunn, Hagenberg, Hagendorf, Hanfthal, Hausbrunn, Herrnbaumgarten, Herrnleis, Hobersdorf, Hörersdorf, Hornsburg, Katzelsdorf, Kettlasbrunn, Ketzelsdorf, Kleinbaumgarten, Kleinhadersdorf, Kleinschweinbarth, Klement, Kottingneusiedl, Loosdorf, Michelstetten, Neubau, Neudorf, Neuruppersdorf, Niederleis, Oberkreuzstetten, Oberschoderlee, Olgersdorf, Ottenthal, Paasdorf, Patzenthal, Patzmannsdorf, Pellendorf, Pfösing, Pottenhofen, Poysbrunn, Poysdorf, Pürstendorf, Putzing, Pyhra, Rabensburg, Reinthal, Röhrabrunn, Schrattenberg, Schrick, Siebenhirten, Staatz, Steinebrunn, Stronegg, Stronsdorf, Stützenhofen, Ungerndorf, Unterschoderlee, Unterstinkenbrunn, Waltersdorf bei Staatz, Wenzersdorf, Wetzelsdorf, Wilhelmsdorf, Wultendorf, Wulzeshofen, Zlabern, Zwentendorf und Zwingendorf (alle 1951)591, Mistelbach (1954)592, Grund (1955)593, Eichenbrunn (1956)594, Lanzendorf (1966)595

Hofrat Dr. Alfred Kriegl596 (1957-1962)
* 7. 5.1910, Wien
† 11.6.1979, Wien

Matura am Gymnasium Kalksburg; Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien; 1934 Eintritt in den nö. Landesdienst; nach dem „Anschluss“ 1938 aus politischen Gründen zwangsweise zum Landratsamt des Regierungsbezirks Merseburg bei Halle a.d. Saale (Sachsen-Anhalt) versetzt; 1940-1945 Kriegsdienst; nach Kriegsende einige Monate als Staatskommissär für die Beziehungen der österreichischen Bundesländer bei der Tiroler Landesregierung tätig; Herbst 1945-1949 Dienst im Präsidium der nö. Landesregierung; 1949-1956 Bezirkshauptmann-Stellvertreter in Wiener Neustadt, während dieser Zeit auch Sachverständiger für Verkehrsunfälle bei den Kreisgerichten Wiener Neustadt und Eisenstadt, außerdem unterrichtete er Staatsrecht und Nationalökonomie an der Handelsakademie Wiener Neustadt; 1957 bis Ende 1962 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirkes Mistelbach; 1963-1964 Bezirkshauptmann im Verwaltungsbezirk Wien-Umgebung; ab Beginn des Jahres 1965 bis zur Pensionierung mit Jahresende 1973 Leiter des Landesamtes V/1 für „Gewerbe, Handel, Industrie und Buschenschankangelegenheiten“; am Wiener Zentralfriedhof bestattet; Dr. Kriegl hatte  von 1958 bis in die 1970er Jahre einen Wohnsitz in der Gemeinde Bernhardsthal, wo seine Gattin als Dentistin tätig war.

Leistungen während seiner Amtszeit als Bezirkshauptmann von Mistelbach: Errichtung von drei Altersheimen; treibende Kraft hinter der Errichtung des urgeschichtlichen Museums Asparn und weiters Gründer des Museumsvereins für den Bezirk; Gründung des Fremdenverkehrsvereins für den Bezirk; Planung und Baubeginn der Ringwasserleitung für 40 Gemeinden im Bezirk, mittels der die Wasserqualität deutlich gehoben werden konnte und in diesem Zusammenhang Anregung zur Gründung der Niederösterreichische Siedlungswasserbau Gesellschaft (NÖSIWAG) (heute: Wassersparte  der EVN AG); gründete den Bezirks-Krankenhausverband und sicherte damit den Bestand des Krankenhauses Mistelbach

Ehrenbürger: Gartenbrunn (Unterstinkenbrunn)

Hofrat Dr. Leopold Speiser597 (1963-1967)
* 16.2.1922, St. Margarethen an der SierningBezirkshauptmann Dr. Leopold Speiser
† 25.9.1998, Baden

Gymnasium St. Pölten; ab 1942 Kriegsdienst und anschließend russische Kriegsgefangenschaft bis Dezember 1946; nach Rückkehr aus der Gefangenschaft Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, 1950 Promotion Dr.iur.; Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.a.V. Norica Wien im ÖCV; bereits vor Studienabschluss Eintritt in den nö. Landesdienst; Tätigkeit an verschiedenen Bezirkshauptmannschaften; Juli 1961 bis Ende des Jahres 1962 Bezirkshauptmann in Bruck a.d. Leitha; Jänner 1963 bis Ende April 1967 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirkes Mistelbach; 1967-1974 Bezirkshauptmann in Baden; 1974-1979 Landesamtsdirektor-Stv., 1979 Landesamtsdirektor bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 1987; 1967 Verleihung des Ehrenrings der Stadtgemeinde Mistelbach; auf dem Stadtfriedhof Baden beerdigt;

Hofrat Mag. Karl Müller598 (1967-1977)
* 1.5.1912, Wien
† 19.1.1996, Mistelbach

Studium in Wien und Prag; Mitglied der katholischen Studentenverbindung Ferdinandea Prag (Heidelberg) im CV; nach Abschluss des rechtswissenschaftlichen Studiums als abs.iur. folgt eine Tätigkeit in der Privatwirtschaft; danach Eintritt in den öffentlichen Dienst und Zuweisung zum Landesamt im nordböhmischen Gablonz; ab 1941 Kriegsdienst in der deutschen Wehrmacht an West- und Ostfront; Eintritt in den nö. Landesdienst 1946, zunächst bei der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf; ab 1950 Bezirkshauptmannstellvertreter bei der Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn und ab Juli 1955 in selber Funktion in Baden; 1957-1967 Bezirkshauptmann des Bezirks Zwettl; April 1967 bis Ende des Jahres 1977 Bezirkshauptmann in Mistelbach; 1977 Verleihung des Ehrenrings der Stadtgemeinde Mistelbach; ruht auf dem Mistelbacher Friedhof

Hofrat Dr. Herbert Foitik599 (1978-2002)
* 2.9.1939, Wien
† 19.4.2009, Mistelbach

Matura am akademischen Gymnasium Wien; Jugendmeister im Tischtennis; Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien als Werkstudent; Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.H.V. Sängerschaft Waltharia Wien im ÖCV; nach Abschluss des Studiums zunächst bei der Handelskammer tätig; 1965 Eintritt in den Landesdienst, und als Jurist den Bezirkshauptmannschaften Wiener Neustadt bzw. Wien Umgebung zugeteilt; 1970-1973 Bezirkshauptmannstellvertreter in Gmünd; 1974-1977 Bezirkshauptmannstellvertreter in Gänserndorf; von Beginn des Jahres 1978 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand Ende 2002 Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach; 1999 Verleihung des Ehrenrings der Stadtgemeinde Mistelbach; beigesetzt auf dem Mistelbacher Friedhof

Quellen:

-) Heimatbuch des Verwaltungsbezirks Mistelbach – Band III, Der Bezirk Mistelbach und seine Gemeinden 1945 – 2005 (2005), S. 133
-) Die letzten Ruhestätten der in Wien bestatteten früheren Bezirkshauptmänner konnten meist mittels der Verstorbenensuche – Online Services Friedhöfe Wien eruiert werden.

Neugasse

Von Thomas Kruspel 21. Februar 2019 Aus

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im Westen Mistelbachs, entlang der Josef Dunkl-Straße, die damals „Wienerstraße“ hieß, das städtische Gaswerk (1902) und der Landesbahnhof (1906) errichtet. In den Jahren nach der Eröffnung dieser bedeutenden Infrastruktureinrichtungen folgte die weitere bauliche Erschließung des neuen Stadtteils und in der Sitzung vom 6. November 1910 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat, dass die „rechts von der Wienerstraße abzweigende neue Straße“ den Namen „Neugasse“ erhalten sollte.

Wo befindet sich die Neugasse?

Quellen:
-) Mistelbacher Bote, Nr. 46/1910, S.3f

Schillinggasse (Kettlasbrunn)

Von Thomas Kruspel 18. Februar 2019 Aus

Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in der Katastralgemeinde Kettlasbrunn durch Gemeinderatsbeschluss vom 14.12.2004 wurde zur Erinnerung an die wenige Jahre zuvor vom Euro abgelöste österreichische Währung eine im Ort gelegene Sackgasse Schillinggasse benannt. Dass es mit dem von 1938 bis 1954 hier wirkenden Pfarrer Karl Schilling auch einen Kettlasbrunner Ehrenbürger dieses Namens gab, war dem mit der Ausarbeitung der Namensvorschläge betrauten Komitee um die damalige Ortsvorsteherin Annemarie Dietrich bekannt, spielte jedoch bei der Namensgebung keine Rolle.

Wo befindet sich die Schillinggasse?

Quellen:
-) Gemeinderatsprotokoll vom 14.12.2004
-) Auskunft Fr. Annemarie Dietrich

„Dokumentationsreihe alter Ansichten, Bilder und Kommentare“ in der Mistelbacher Rundschau

Von Thomas Kruspel 12. Februar 2019 Aus

1974 erschien erstmalig die Zeitung „Mistelbacher Rundschau“ mittels der die SPÖ Gemeinderatsfraktion Mistelbach seither regelmäßig über ihre politische Arbeit, die Tätigkeit ihrer Teilorganisationen und das Geschehen in der Stadt informiert. Seit 2002 findet sich darin unter dem Titel „Dokumentationsreihe alter Ansichten, Bilder und Kommentare“ – eine Kultur- und Bildungsinitiative der SPÖ Gemeinderatsfraktion Mistelbach auch eine von Vizebgm. a.D. Reg. Rat Alfred Englisch gestaltete Beitragsreihe, die sich verschiedenen Themen der Geschichte Mistelbachs und seiner Katastralgemeinden widmet.

Übersicht über die bis Dezember 2023 erschienenen geschichtliche Beiträge in der Mistelbacher Rundschau

Ehrenbürger der Katastralgemeinden

Von Thomas Kruspel 3. Februar 2019 Aus

In den bisher erschienenen Publikationen zur Geschichte der einzelnen Katastralgemeinden finden sich meist nur rudimentäre Angaben zu den Ehrenbürgern dieser ehemals selbstständigen Gemeinden bzw. oftmals wurde dieses Thema überhaupt nicht behandelt. Die löbliche Ausnahme bildet das Werk zur Geschichte Siebenhirtens von Prälat Franz Stubenvoll, das eine vollständige Auflistung der Ehrenbürger beinhaltet.
Mittels aufwändiger Recherche in alten Lokalzeitungen und erhaltenen Gemeinderatsprotokollen konnten diese Aufzeichnungen nun ergänzt werden, doch auch die nachfolgende Darstellung kann natürlich keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Die Fragezeichen beim Verleihungsjahr bedeuten, dass zwar die Ernennung gesichert ist, allerdings Informationen zum genauen Zeitpunkt der Verleihung fehlen.

Ebendorf

1899/1900550 Dr. Josef Mitscha Ritter von Märheim (*1828, †1907) – Jurist, Bankfachmann, Landtagsabgeordneter und Gutsbesitzer600
1904601 Wenzel Panaček (*1860, †1934) – Schulleiter und Gemeindesekretär602
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

Ferdinand Fallenbiegl (*1856, †1933) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1891-1919)603

1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

1965 Jakob Richard (*1902, †1995) – Landwirt und Bürgermeister (1947-1965)604

 

Eibesthal

? Ferdinand Karl jun. (*1834, †1919) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1867-1879)605
1894 Josef Karl sen. (*1831, †1915) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1882-1894)606
1898 Franz Riedling (*1856, †1920) – Pfarrer in Eibesthal, später in Prinzendorf und Dechant des Dekanats Wilfersdorf607
1904 Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg (*1858, †1942) – Bezirkshauptmann608
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1920 Leopold Strobl (*1851, †1927) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1906-1919)609

Johann Kummenecker (*1841, †1926) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1894-1906)610

1923 Josef Sperling (*1863, †1950) – Pfarrer611Rudolf Wedra (*1863, †1934) – Oberlehrer i. R., gew. Reichsratsabgeordneter und Mitglied der prov. bzw. konstituierenden Nationalversammlung von Deutschösterreich612
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

Jakob Fried (*1885, †1967) – Prälat613

1937 Mathias Schöfbeck (*1867, †1943) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1919-1938)614
1948 Franz Kletzer (*1858, †1949) – Wirtschaftsbesitzer615
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde

Dr. Anton Brunauer-Dabernig (*1891, †1973) – Pfarrer616

1953 Ferdinand Fried (*1873, †1958) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1945-1950)617
1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und Bauernbundpräsident618
1971 Matthias Bierbaum (*1916, †1995) – Landesrat für Agrarwesen619

 

Frättingsdorf620

1886 Wilhelm Hubmayer (*?, †?) – Stationsvorstand der Staatsbahnstation Frättingsdorf621
1899 Johann Bažant (*1848, †1920) – Bezirkshauptmann622
1904 Johann Helnwein (*1843, †1919) – Pfarrer und Dechant in Laa a.d. Thaya623
1910 Martin Steingassner (1838, †1917) – Ziegelfabrikant624
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1919 Leopold Welzl (*1862, †1957) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1907-1919)625
1922 Adolf Schaffer (*1859, †1946) – Schuldirektor und Gründungsmitglied der Feuerwehr Frättingsdorf626
1931 Georg Zohmann (*1857, †1937) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1895-1907)
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und Bauernbundpräsident

Dr. Karl Renner (*1870, †1950) – Bundespräsident und erster Staatskanzler

1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde

Johann Schreiber (*1872, †1955) – Schmiedemeister627

1954 Georg Seidl (*1896, †1968) – Nationalratsabgeordneter628

Heinrich Widmayer (*1891, †1977) – Nationalratsabgeordneter629

1963 Josef Hilgarth (*1898, †1975) – Landesrat

Dipl.-Ing. Adolf Roppolt (*1897, †1984) – Hofrat beim Landesbauamt

1971 Matthias Bierbaum (*1916, †1995) – Landesrat für Agrarwesen630

Dipl.-Ing. Walter Thurner (*1920, †1996) – Baurat beim niederösterr. Landesbauamt631

Johann Neckam (*1919, †2000) – Landwirt, Bürgermeister von Frättingsdorf (1958-1971) und später Gemeinderat der Stadtgemeinde Mistelbach632

 

Hörersdorf

1886 Wilhelm Hubmayer (*?, †?) – Stationsvorstand der Staatsbahnstation Frättingsdorf633
1899 Johann Bažant (*1848, 1920) – Bezirkshauptmann 634
1910 Martin Steingassner (*1838, †1917) – Ziegelfabrikant635
1913 Theodor Stief (*1872, †1959) – Pfarrer und vormals Präfekt des erzbischöflichen Knabenseminars Hollabrunn636
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1932 Viktor Klinger (*1883, †1950) – Pfarrer 637
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und Bauernbundpräsident638

Franz Weiß (*1876, †1954) – Landwirt und Bürgermeister (1919-1940(?))639

1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde
1957 Ignaz Trischak (*1891, †1983) – Pfarrer640

 

Hüttendorf

1912 Karl Viktor Bechmann (*1864, †1944) – Landesbaurat und Leiter der Landes-Bauabteilung III641
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1919 Don Sales Reidinger (*1857, †1935) – Pfarrer und späterer Provinzial des Barnabitenordens in Österreich642Josef Schreiber (*1865, †1938) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1901-1919)643
1932 Dr. Karl Buresch (*1878, †1936) – Landeshauptmann, zwischenzeitlich Bundeskanzler und später Bundesminister
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft

Ferdinand Neudecker (*1870, †1951) – Landwirt und Gemeinderat a.D.

1953 Ludwig Lehner (*1873, †1956) – Hotelier in Innsbruck, zuvor auch Cafetier und Kinobesitzer644

 

Kettlasbrunn

? Maria Zornig (*1891, †1975) – Lehrerin und (provisorische) Schulleiterin645
1900 Franz Skala (*1840, †1912) – Oberverwalter des liechtensteinischen Gutes in Wilfersdorf646
1903 Karl Bock (*1864, †1938) – Pfarrer, Gründer des landwirtschaftlichen Casinos und der Raiffeisenkasse647
1910 Karl Viktor Bechmann (*1864, †1944) – nö. Landesbaurat648Maria Städtner (*1851, †1928) – Wirtschaftsbesitzerin und Gönnerin des Ortes und der Pfarre649
1912 Jakob Bachmayer (*1850, †1927) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1901-1912)650
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und Bauernbundpräsident651
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde652
1954 Karl Schilling (*1906, †1994) – Pfarrer und später u.a. Pfarrer in Gänserndorf und Dechant des Dekanats Bockfließ653

 

Lanzendorf654

? Franz Schön (*1855, †1951) – Bürgermeister (1895-1919)655
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

(durch Beschluss des Gemeindeverwalters Josef Elbling wurden diese Ehrenbürgerschaftsverleihungen 1938 aberkannt656)

1951 Josef Elbling (*1873, †1957) – Bürgermeister (1924-1945)657
1955 Josef Kraus (*1882, †1965) – Bäckermeister und langjähriger Feuerwehrhauptmann658
1956 Josef Pukl (*1879, †1965) – pens. Bahnarbeiter und Gemeindesekretär659
1966660 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Leiter der Agrarbezirksbehörde und davor Bezirkshauptmann des Verwaltungsbezirks Mistelbach

Dipl.-Ing. Wilhelm Handler (*?, †?) – Leiter der kulturtechnischen Abteilung der niederösterreichischen Agrarbezirksbehörde

Dipl.-Ing. Johann Pikal (*?, †?) – Agrar-Oberbaurat bei der niederösterreichischen Landesregierung

 

Paasdorf661

1895 Ignaz Seltenhammer (*1832, †1902) – Wirtschaftsbesitzer und langjähriger Gemeinderat662
1909 Johann Kastenhofer (*1849, †1929) – Pfarrer663
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1919 Leopold Rosner (*1859, †1934) – Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister (1899-1912 & 1916-1919)
664
1929 Ing. Hans Reiser (*1877, †?) – Landesoberbaurat der nö. Landesregierung und freiberuflicher Architekt665
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

1949 Engelbert Kainz (*1874, †1954) – Landwirt666
1950 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde667
1958 Josef Wegert (*1880, †1964) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1924-1929, 1931-1938 & 1945-1948)668

 

Siebenhirten669

1898 Wenzel Wurm (*1847, †1914) – Pfarrer670
1907 Franz Guganeder (*1863, †1944) – Schulleiter671
1910 Dipl.-Ing. Leopold Kratochwil (*1875, †1958) – Statthalterei-Ingenieur in Wien-Floridsdorf und Konservator der k.k. Zentralkommission für die Erhaltung und Erforschung der Kunst- und historischen Denkmale
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär bei der BH Mistelbach und später Bezirkshauptmann in St. Pölten

1919 Anton Trischack (*1856, †1940) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1906-1919)
1929 Franz Stark (*1880, †1939) – Pfarrer
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister

1949 Josef Trischak (*1869, †1952) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1919-1938)
1950 Josef Kraus (*1890, †1971) – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und Bauernbundpräsident672
1951 Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde
1955 Jakob Strebl (*1904, †1992) – Volksschuldirektor673
1956 Johann Neydhart (*1891, †1977) – Wirtschaftsbesitzer und Bürgermeister (1945-1955)

 

Nachfolgend ein paar Anmerkungen zu (teils vermeintlichen) Massenverleihungen des Ehrenbürgerschaftsrechts:
-) Die Information, dass sämtliche Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach dem Wiener Weihbischof, Dr. Godfried Marschall, 1910 die Ehrenbürgerschaft verliehen hätten – wie dies von mehreren Wiener Tageszeitungen berichtet wurde – ist falsch. Ihm wurde damals von einer Bürgermeisterdelegation lediglich eine schön gefertigte Dankadresse überreicht.674
-) 1916 verliehen sämtliche Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach Bezirkshauptmann Franz Dokaupil und Bezirksoberkommissär Alois Wolf die Ehrenbürgerschaft.675
-) Laut einem Bericht der „Arbeiter Zeitung“ soll Bezirkshauptmann Dr. Kwizda 1932 die Bürgermeister des Verwaltungsbezirks Mistelbach aufgefordert haben Dr. Karl Buresch, anlässlich dessen zehnjährigen Jubiläums als niederösterreichischer Landeshauptmann, zum Ehrenbürger zu ernennen.676 Dieser Aufforderung kamen 81 von 105 damals im Bezirk bestehenden Gemeinden nach.677, wobei sich eigenartigerweise keinerlei Erwähnung dieser Ehrung im „Mistelbacher Bote“ findet. Die Stadt Mistelbach gehörte jedenfalls nicht zu diesen 81 Gemeinden678, allerdings ist es möglich, dass sich neben Hüttendorf noch weitere Katastralgemeinden unter den 81 Gemeinden befanden.
-) 1934 verliehen alle Gemeinden des Gerichtsbezirks Mistelbach Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß, Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg und Landeshauptmann Josef Reither die Ehrenbürgerschaft679
-) Anlässlich seines 60. Geburtstags verliehen 100 von 127 Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach Landwirtschaftsminister Josef Kraus das Ehrenbürgerrecht.680 Mistelbach hatte Minister Kraus diese Ehre bereits früher zuteilwerden lassen und mit Ausnahme von Lanzendorf und Paasdorf befanden sich unter den oben angeführten einhundert Gemeinden, auch sämtliche weiteren heutigen Katastralgemeinden Mistelbachs.
-) Unter den 25 Gemeinden des Gerichtsbezirks Mistelbach, die Bezirkshauptmann Dr. Karl Mattes im März 1951 das Ehrenbürgerrecht verliehen, befanden sich auch die Katastralgemeinden Eibesthal, Frättingsdorf, Hörersdorf, Kettlasbrunn, Paasdorf und Siebenhirten681

Quellen (und Anmerkungen):

Updates, Updates, Updates

Von Thomas Kruspel 11. Dezember 2018 Aus

Die Arbeit am Blog stand in den letzten zwei Monaten nicht still, auch wenn keine neuen Beiträge veröffentlicht wurden. Viel Recherchearbeit passierte in den vergangenen Wochen und deren interessante Ergebnisse werden bald in Form neuer Beiträge veröffentlicht.

Zum anderen wurden zahlreiche ältere Beiträge korrigiert, überarbeitet, um Bilder erweitert oder auf andere Art optimiert.
Hier eine kurze Übersicht:
-) Ehrenbürger der Stadt Mistelbach: alle bisher in der Literatur vorhandenen Auflistungen der Ehrenbürger Mistelbachs erwiesen sich als fehlerhaft, auch jene im Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach“, auf deren Basis der Beitrag für diesen Blog erstellt wurde. Deshalb wurden Belege für alle Verleihungen gesucht und in der aktualisierten Liste werden diese angeführt, um deren Richtigkeit zu belegen.

Folgende Änderungen ergaben sich dadurch:

Neue (bisher „unbekannte“) Ehrenbürger: Bezirkshauptmann Franz Dokaupil und Bezirksoberkommissär Alois Wolf (beide 1916)

„falsche“ Ehrenbürger, die aus der Liste wieder gelöscht wurden:
Bei Pinselfabrikant Franz Mühl handelte es sich um keinen Ehrenbürger, ihm wurde 1910 nur das Bürgerrecht der Stadt verliehen;
Ebenso war Weihbischof Dr. Godfried Marschall nicht Ehrenbürger sämtlicher Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach, auch wenn dies einige Tageszeitungen 1910 behaupteten. Tatsächlich überreichte ihm eine Delegation der Gemeinden des Bezirks lediglich eine schön gefertigte Dankadresse.

falsche Jahreszahl: die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Staatsrat Josef Kraus und Bundeswirtschaftsrat Georg Seidl fand nicht 1954, sondern 1937 statt

Auch das Thema der Aberkennung gewisser Ehrenbürgerrechte während der Zeit des Nationalsozialismus bzw. deren „Wiederinstandsetzung“ 1954 wird nun im Beitrag behandelt.

-) Ehrenringträger der Stadt Mistelbach: bei der ursprünglichen Liste wurde leider auf Vzbgm. a.D. Fritz Duda vergessen, dies wurde korrigiert und sämtliche Verleihungen des Ehrenrings mit Belegen versehen. Weiters werden nun auch die Ehrenringe erwähnt, die die Gemeinde während der Zwischenkriegszeit der FF Mistelbach für langjährige Mitglieder zur Verfügung stellte.

-) Mistelbacher Fotografen vor 1945: ein Foto des Fotografen Alfred Wolfram wurde online gestellt. Bereits vor einiger Zeit konnte als weiterer in Mistelbach tätiger Fotograf Josef Eibl hinzugefügt werden und neue Erkenntnisse zu Plaschil und Forstner wurden eingearbeitet.

-) Historische Mistelbacher Lokalzeitungen: In der Lücke zwischen dem Ende des „Bezirks-Bote“ und dem Erscheinen des „Untermanhartsberger Kreis-Blattes“ erschien wie sich nun herausstellte eine weitere kurzlebige Mistelbacher Zeitung mit dem Namen „Illustriter Bezirks-Bote“

… und zahlreiche weitere kleinere Korrekturen.

Weitere Aktualisierungen bestehender Beiträge werden in den nächsten Wochen stattfinden.

Schöller, Alfred

Von Thomas Kruspel 29. September 2018 Aus

Bürgermeister Direktor Alfred Schöller

* 26.9.1921, Lanzendorf
† 19.4.2000, Lanzendorf

Alfred Schöller wurde 1921 als siebentes von zehn Kindern in die Familie von Johann Schöller, Werkmann bzw. später Werkmeister bei der Landesbahn, und dessen Ehefrau Emilie, geb. Šobra, in Lanzendorf geboren.610 Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule in Mistelbach, trat er im September 1935 als Lehrling in die Zentralmolkerei Mistelbach ein. Dem Lehrabschluss folgte 1938/39 eine Ausbildung an der Molkereischule Wolfpassing (Bezirk Scheibbs), die Schöller mit ausgezeichnetem Erfolg absolvierte. 1940 wurde er zunächst zum Reichsarbeitsdienst und anschließend in die Deutsche Wehrmacht eingezogen. Unteroffizier Schöller, der mit mehreren Tapferkeitsauszeichnungen dekoriert wurde629, war von 1941 bis 1942 als Militärbote in Südfrankreich und danach an der Ostfront eingesetzt. Im August 1943 wurde er in Russland durch eine Granatenexplosion schwer verwundet und nach längeren Lazarettaufenthalten in Warschau bzw. in Stein a.d. Oder, kehrte er 1944 als Betriebsleiter-Stellvertreter in die Molkerei Mistelbach zurück.

Alfred Schöller im Jahre 1945Alfred Schöller im Jahre 1945

In der Zeit unmittelbar nach Kriegsende war Schöller neben seiner Tätigkeit in der Molkerei auch Polizist bei der Mistelbacher Stadtpolizei, wie dies ein Ausweis datiert auf Juni 1945 belegt und diesem ist auch das obige Bild entnommen. Im Oktober desselben Jahres heiratete er Jola Marie Liebhart und dieser Ehe entstammten vier Kinder. Bald nach dessen Gründung engagierte er sich im Österreichischen Gewerkschaftsbund, war ab 1946 Betriebsrat in der Molkerei Mistelbach und 1948 auch Gründungsmitglied und später Obmann der Mistelbacher Ortsgruppe der Gewerkschaft der Privatangestellten. Im Zuge der ersten Gemeindevertretungswahl nach dem Krieg im Jahr 1950, zog er der ÖAAB-Mann Schöller für die ÖVP in den Lanzendorfer Gemeinderat ein. Die Wahlergebnisse nach dem Krieg waren in Lanzendorf stets knapp und nachdem die SPÖ 1950 bei den Gemeinderatswahlen noch die Stimmenmehrheit erreicht hatte, konnte sich bei der Wahl 1955 dann die ÖVP knapp als Sieger durchsetzen. Dieser Erfolg ist zweifellos ein Verdienst des Spitzenkandidaten Schöller und im Zuge der konstituierenden Gemeinderatssitzung wurde er zum Bürgermeister von Lanzendorf gewählt. Die folgende Gemeinderatswahl im Jahr 1960 brachte neuerlich ein knappes Ergebnis – beide Parteien erhielten die gleiche Stimmenanzahl – und somit wurde mittels Los entschieden, welcher Partei das über die Mehrheit entscheidende achte Mandat zufallen sollte. Das Los fiel zugunsten der SPÖ aus, doch im Nachgang beeinspruchte Schöller einen als ungültig gewerteten Stimmzettel bei der Landeswahlbehörde und somit wurde das entscheidende Mandat der SPÖ wieder entzogen und der ÖVP zugesprochen. In der Folge kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen SPÖ und ÖVP, und die SPÖ-Mandatare verweigerten daraufhin die Angelobung. Aufgrund dieser Tatsache war die Landesregierung gezwungen den Gemeinderat aufzulösen und Neuwahlen anzuberaumen. In der Zeit von Sommer 1960 bis Jänner 1961 wurden die Gemeindegeschäfte durch einen als Verwalter eingesetzten Beamten der Bezirkshauptmannschaft geführt. Im Zuge des turbulenten Wahlkampfs für diese Neuwahl kam es zu einer Abspaltung der ÖVP und zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen Schöller und der SPÖ, in der ersterer im Wesentlichen obsiegte. Die Neuwahl-Strategie der SPÖ ging nicht auf und es gelang der ÖVP bei der im Jänner 1961 erfolgten Wahl eine klare Mehrheit zu erringen.631 Abgesehen von dieser Unterbrechung war Schöller von 1955 bis Ende des Jahres 1966, dem Zeitpunkt der Eingemeindung Lanzendorfs zu Mistelbach, Bürgermeister der Gemeinde Lanzendorf. Während seiner Amtszeit konnten zahlreiche Infrastrukturprojekte erfolgreich umgesetzt werden: die Erweiterung und Verbesserung der Ortsbeleuchtung, Neubau und Staubfreimachung der Hauptstraße, Kanalisierung des oberen Ortsteils, Renovierung des Gemeindegasthauses, Sanierung der Feldwege sowie die Ausgestaltung des Kriegerdenkmals.633 Letzteres war Schöller, der im Krieg selbst schwer verwundet worden war, und vier seiner sechs Brüder im Krieg verloren hatte, zweifellos ein besonderes Anliegen.
Mit dem Ende der eigenständigen Gemeinde Lanzendorf endete sein kommunalpolitisches Engagement keineswegs, denn von 1967 bis 1975 wirkte Schöller als Stadtrat für Straßenbau und Verkehrswesen der Stadt Mistelbach und Ortsvorsteher der Katastralgemeinde Lanzendorf. Beruflich war er bereits ab 1972 Betriebsleiter und von 1975 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand, 1981, schließlich Direktor der Zentralmolkerei Mistelbach.

Stadtrat Schöller an seinem Schreibtisch im Jahre 1970Stadtrat Schöller an seinem Schreibtisch im Jahre 1970

Bereits seit den 1980er Jahren befasste er sich mit lokalgeschichtlichen Recherchen, veröffentlichte kleine Schriften (60 Jahre FF Lanzendorf, Festschrift Zentralmolkerei, etc.), und gemeinsam mit seiner Gattin Jolanda, und Johann Schön verfasste er die 1996 vom Dorferneuerungsverein herausgegebene Publikation „Lanzendorf: Einst und heute – eine kleine Ortschronik“. Neben seinem politischen Engagement war Schöller natürlich auch bei zahlreichen Lanzendorfer und Mistelbacher Vereinen aktiv und engagierte sich für die Gemeinschaft. Ein bleibendes Denkmal seines Wirkens ist die in den Jahren 1969-70 errichtete und dem hl. Florian geweihte Kirche in Lanzendorf. Die Vorarbeiten zu deren Planung begannen bereits mehr als zehn Jahre zuvor und als Obmann des Kapellenbauvereins war Schöller unermüdlicher Motor des Projekts, eifriger Spendensammler und Organisator der Einsätze der vielen freiwilligen Helfer. Gemeinsam mit Stadtpfarrer P. Volkmar Kraus, dem Architekten Albert Bürger und dem für die künstlerische Gestaltung verantwortlichen P. Ivo Schaible gilt er als einer der vier „Kirchenväter“ dieses neuerbauten Gotteshauses. Für seine großartige Leistung wurde er von Kardinal König mit dem Stephanus Orden in Silber, einer hohen Auszeichnung der Erzdiözese, geehrt.

1996 wurde ihm und weiteren Altbürgermeistern der Katastralgemeinden der Wappenring der Stadtgemeinde Mistelbach verliehen. Alfred Schöller erlag im Jahr 2000 einer Krebserkrankung und wurde auf dem Mistelbacher Friedhof beerdigt. In Würdigung Schöllers großer Verdienste um das Gemeinwohl wurde mit Beschluss des Gemeinderates vom 7. März 2001 der Platz gegenüber seinem Wohnhaus in Lanzendorf „Alfred Schöller-Platz“ benannt.

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

 

Bildnachweis:
Schöller im Jahr 1970: Wilhelm Mliko – Stadtmuseumsarchiv Mistelbach

Quellen (und Anmerkungen):
-) Lebenslauf und Portraitfotos zur Verfügung gestellt von Dr. Alfred Schöller (Sohn)
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute, eine kleine Ortschronik (1996)
(in „Lanzendorf – einst und heute“ ist das Jahr der ersten Gemeinderatswahl irrtümlich mit 1949 angegeben, ein Fehler, der dann auch im Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach – ein Lesebuch“ übernommen wurde. Tatsächlich fanden die ersten freien Gemeinderatswahlen niederösterreichweit am 7. Mai 1950 statt, zuvor wurden die Gemeinderäte auf Basis der Nationalrats- bzw. Landtagswahlergebnisse laut Vorschlag der Parteien durch die Landesregierung ernannt; im Lebenslauf ist der Einzug in den Gemeinderat mit 1949 angegeben, wobei es sich hierbei um einen durch eingangs erwähnten Fehler hervorgerufenen Irrtum handeln dürfte, denn Anhaltspunkte für eine Nachnominierung durch die Landesregierung wurden nicht gefunden – siehe hierzu auch Gemeindevertretung Lanzendorf (1850-1966))
-) Mistelbacher Gemeindezeitung, 3/2000, S. 20 (Nachruf)

Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach

Von Thomas Kruspel 28. August 2018 Aus

Neben dem Ehrenbürgerrecht wurde 1958 mit dem Ehrenring der Stadt Mistelbach eine weitere Auszeichnung für um das Wohl der Stadt verdiente Persönlichkeiten geschaffen. Damals wurde dafür ein eigenes Ehrenstatut vom Gemeinderat beschlossen. Die Verleihung erfolgt gemeinsam mit einer Urkunde und an der Innenseite des Rings ist der Name des Geehrten eingraviert. Die Bilder des Ehrenrings (unten) wurden freundlicherweise von Ehrenringträger Bürgermeister a.D. Reg.Rat Dipl.-Päd. Alfred Weidlich zur Verfügung gestellt. Daneben wurden im Laufe der Zeit vom Gemeinderat auch der Wappenring und der Partnerschaftsring als weitere Ehrenzeichen eingeführt.

Nachfolgend eine chronologische Auflistung aller Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach. Als Jahr wird immer jenes der tatsächlichen Verleihung angegeben, dass vom Jahr der Beschlussfassung durch den Gemeinderat, bspw. im Falle einer Verleihung im Rahmen des Neujahrsempfangs, abweichen kann. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1958 Dr. Otto Löwenstein (*1895, †1986) – Hofrat bei der Finanzlandesdirektion Wien, Niederösterreich und Burgenland634

Friedrich Bollhammer (*1898, †1969) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Mädchen und Leiter des Heimatmuseums675

1960 Franz Lang (*1892, †1965) – Gärtnermeister und Stadtrat a.D.682

Franz Pazdera (*1900, †1978) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Knaben und Vizebürgermeister a.D.683

1963 Dr. Ludwig Lang (*1902, †1989) – Leiter der Pädagogischen Abteilung bzw. später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht684

Mag. Karl Haider (*1918, †2002) – Landesschulratsdirektor[6]

1967 Dr. Leopold Speiser (*1922, †1998) – Bezirkshauptmann und später Landesamtsdirektor685
1970 Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim (*1900, †1976) – Archäologe und Frühgeschichtsforscher, Universitätsprofessor an der Universität Wien686

Dr. Adolf März (*1918, †1987) – Ministerialrat und später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht687

Dr. Agnes Niegl (*1913, †2008) – Ministerialrätin und später (erste) Sektionschefin im Bundesministerium für Unterricht688

1972 P. Volkmar Kraus SDS (*1913, †1983) – Stadtpfarrer689
1977 Mag. Karl Müller (*1912, †1996) – Bezirkshauptmann690
1980 Dr. Franz Loicht (*1933, †2022) – Ministerialrat im Ministerium für Bildung und Kultur691
1983 Dr. Hans Zeger (*1920, †1984) – Leiter der Abteilung für landwirtschaftliches Schulwesen bei der nö. Landregierung692
1988 P. Franz Seifert SDS (*1926, †2005) – Stadtpfarrer693
1989 Ernst Höger (*1945, †2019) – Landesrat für Gemeinde- und Wohnbauwesen und Landeshauptmannstellvertreter694
1996 P. Martin Bauer SDS (*1943) – Stadtpfarrer695
1999 Dr. Herbert Foitik (*1939, †2009) – Bezirkshauptmann696

Georg Stangl (*1927, †2006) – Landtagsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.697

Vinzenz Staffel (*1931, †2005) – pens. Gemeindebediensteter, Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter a.D. und Bezirksfeuerwehrkommandant a.D.698

Andreas Grum (*1937) – pens. Werkmeister und langjähriger Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach699

2004 Heinrich Kuba (*1937) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Stadtrat a.D.700
2006 Friedrich Duda (*1939) – Kaufmann i.R. und Vizebürgermeister a.D.701
2010 Alfred Englisch (*1945) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.702

P. Hermann Jedinger SDS (*1949, †2022) – Stadtpfarrer703

2011 Dipl.-Ing. Werner Kummerer (*1948, †2019) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.704
2016 Alfred Weidlich (*1948) – Berufsschuldirektor i.R. und Bürgermeister (1989-1997)705
2020 Alfred Pohl (*1963) – Schulqualitätsmanager in der Bildungsregion Mistelbach, Begründer und erster Direktor der HTL Mistelbach, Bürgermeister (2010-2019)706

In der Zwischenkriegszeit verlieh die Mistelbacher Feuerwehr an Mitglieder, die ihr seit 25 Jahren angehörten, Ehrenringe. Diese Ehrenringe wurden laut den damaligen Gemeinderatsprotokollen über Ersuchen der Feuerwehr von der Gemeinde zur Verfügung gestellt – es handelte sich dabei jedoch um keine Ehrung durch die Stadt Mistelbach.707

Quellen (und Anmerkungen):
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27f
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: „Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988“, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart

Differtenweg

Von Thomas Kruspel 18. August 2018 Aus

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 1. Juli 1997 benannt nach der im Saarland gelegenen, ehemals selbstständigen, deutschen Gemeinde Differten, die 1974 als Ortsteil der Gemeinde Wadgassen angegliedert wurde. Im Jahr 1971 begannen die freundschaftlichen Kontakte zwischen den Freiwilligen Feuerwehren Mistelbach und Differten, als die Mistelbacher Florianijünger anlässlich der Teilnahme an einem Feuerwehrwettkampf in Saarlouis, im nahegelegenen Differten untergebracht waren. Seit damals gab es immer wieder freundschaftliche Begegnungen im Rahmen verschiedener (internationaler) Wettkämpfe und die FF Differten nahm auch an dem 1974 in Mistelbach abgehaltenen niederösterreichischen Landesfeuerwehrleistungsbewerb teil. Am 27. Mai 1978 wurde die Partnerschaft der beiden Wehren im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Differten durch ein Freundschaftsabkommen offiziell begründet. Die Namensgebung erfolgte gleichzeitig mit der Benennung der umliegenden Gassen Welsbergweg, Bienenbüttelgasse und Hegerstraße, die allesamt einen Feuerwehrbezug aufweisen.

Wo liegt Differten?

 

Wo befindet sich der Differtenweg?

 

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 237
-) Chronik der Feuerwehr Differten von anno 1894 bis zum Jahre 2000

Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal von Franz Riedling

Von Thomas Kruspel 12. August 2018 Aus

Pfarrer Franz Riedling (*1856, †1920)697, der von 1885 bis 1898 die Pfarre Eibesthal betreute und als einer der Initiatoren der Eibesthaler Passionsspiele gilt, veröffentlichte 1909 im Rahmen einer im Wiener Diözesanblatt erschienenen Beitragsreihe Regesten699 zur Geschichte der Pfarre Eibesthal. Ergänzt sind die Regesten um Notizen und ausführliche Erläuterungen, sodass dieses Werk wohl als erste umfassende Aufarbeitung der Geschichte Eibesthals gelten kann. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Riedling anlässlich seines Abschieds von Eibesthal zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.703 Anschließend war er Pfarrer in Prinzendorf und Dechant des Dekanats Wilfersdorf und später bis zu seinem Tod Pfarrer in Schwechat. Er verfasste auch zahlreiche weitere Abhandlungen über die Geschichte verschiedener Pfarren der Erzdiözese Wien, die ebenfalls im Wiener Diözesanblatt veröffentlicht wurden.

Seine auf mehrere Ausgaben des Diözesanblattes verteilte Beitragsserie zur Geschichte der Pfarre Eibesthal wurde zur Veröffentlichung im Rahmen dieses Blog zu einem pdf-Dokument zusammengefasst, das auch mittels Volltextsuche durchsucht werden kann.

Hier der Link zu Riedlings Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal
(Download: rechter Mausklick auf den Link und „Ziel speichern unter …“ auswählen oder nach dem Öffnen des Links rechts oben auf das Downloadsymbol klicken)

Quellen:
Die Quellenangaben zu den Beiträgen im Wiener Diözesanblatt finden sich zusammengefasst am Ende des pdf-Dokuments.

„Die Dummheit und Rohheit auf dem Land“ oder „die Ober-Trotteln von Mistelbach“

Von Thomas Kruspel 3. August 2018 Aus

Die Zeitung „Hans Jörgel (von Gumpoldskirchen)“ – besser bekannt als „Jörgel Briefe“, war eine Wochenzeitschrift, die unter leicht variierendem Titel zwischen 1832 und 1913 in Wien erschien. Der Redaktion zugetragene lokale Begebenheiten und Ereignisse wurden in humoristisch-satirischer Weise aufbereitet und in Dialektform aus Sicht des fiktiven „Hans Jörgl aus Gumpoldskirchen“ nacherzählt. Folgende Geschichte über Mistelbach aus dem Jahr 1870 soll hier im Originaltext wiedergegeben wird:

„Wie groß die Dummheit und Roheit auf dem Land is, geht aus folgendem Vorfall hervor. Vor ungefähr 14 Tagen war in Mistelbach Jahrmarkt. Zufällig hat eine Wienerin an diesem Tag in Mistelbach zu thun gehabt, und diese war gekleidet, wie in Wien Tausende gekleidet sein, sie trug nämlich ein schwarzes Seidenkleid, eine grüne Tunik und eine türkische Jacke nebst einem Federhut. Die Trotteln von Mistelbach, die aber nie was andres gesehen haben müssen, als die Gugeln (Anm.: Kopftücher) der Bauernmenscher, sein über diesen Anzug so in Aufregung kommen, daß sie schaarenweis unter Geschrei und Gelächter hinter ihr nachgelossen sein, sogar die Wirthin, wo sie eingekehrt is, sammt ihren Kucheltrampeln. Die arme Frau hat sich in ein Gewölb und endlich in ein Kaffeehaus (Anm.: vermutlich Kaffeehaus Jechtl in der Oberhoferstraße) flüchten müssen, wo sich doch ein paar Gescheidte gefunden haben, um die verfolgte Wienerin gegen die Dummheit dieser Mistelbacher Trotteln in Schutz zu nehmen, die ich nach diesem Vorgang zu Ober-Trotteln von ganz Nieder-Österreich ernenn‘;
‘s is höchste Zeit, daß die Eisenbahn in diese Gegend kommt, damit sie diesen Erdäpfel-Hottentotten ein paar Waggons voll Hirn zuführt.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, im März 1870, war der Eisenbahnbau Wien-Mistelbach-Brünn bereits weit fortgeschritten und die neue Bahnstrecke konnte noch im selben Jahr eröffnet werden. Allerdings gelang es nicht herauszufinden, ob und wenn ja wie viele Waggonladungen Hirn seither in Mistelbach angekommen sind…

Einige Wochen später berichtet „Hans Jörgl“ dann, dass sich aufgrund seines Artikels sehr viele Mistelbacher gekränkt gefühlt hätten und er sah sich genötigt klarzustellen, dass seine harsche Kritik und die Bezeichnung „Obertrotteln“ selbstverständlich nur jenen Mistelbachern und Mistelbacherinnen galt, die sich gegenüber der Frau aus Wien, die allerdings eine gebürtige Mistelbacherin gewesen sein soll, so roh und unkorrekt verhalten hätten.

Quellen:
Hans Jörgel von Gumpoldskirchen, 26. März 1870, S. 10 (ONB: ANNO)
Hans Jörgel von Gumpoldskirchen, 23. April 1870, S. 8 (ONB: ANNO)

laufende Aktualisierungen

Von Thomas Kruspel 31. Juli 2018 Aus

Den größten Aufwand bereitet die laufende Aktualisierung alter Beiträge, die kontinuierlich neben der Veröffentlichung neuer Beiträge stattfindet. Fehler werden ausgebessert, neue Erkenntnisse eingebettet oder Beiträge durch Bilder ergänzt.
Beispielsweise ist es gelungen den Beitrag zu Dr. Gustav Steinbauer nun mit Bildern zu seiner Tätigkeit bei den Nürnberger Prozessen etwas anschaulicher zu gestalten. Auch konnte der Beitrag zu den historischen Mistelbacher Lokalzeitungen um Bilder von Ferdinand Berger und Josef Vorwahlner bereichert werden und bspw. die Tatsache ergänzt werden, dass sich Fibichs bzw. später Krapfenbauers Buchdruckerei für ein paar Jahre in der Bahnstraße befand. Kurz nach der Veröffentlichung des Beitrags über die Mistelbacher Fotografen vor 1945 tauchte mit Josef Eibl ein weiterer, sehr umtriebiger Mistelbacher Fotograf auf, der dem Beitrag hinzugefügt wurde. Dem Beitrag zu Dr. Ernst Oser wurde eine Traueranzeige beigefügt.

Hierbei handelt es sich lediglich um eine exemplarische Aufzählung der jüngsten Änderungen, die die Arbeit im Hintergrund aufzeigen soll. Das Datum der Veröffentlichung bleibt auch bei nachträglichen Änderungen stets unverändert, obwohl tatsächlich kein Beitrag mehr in seinem Originalzustand online ist.

Hochwasser in Lanzendorf 1994

Von Thomas Kruspel 25. Juli 2018 Aus

Lanzendorf wurde im Sommer 2018 innerhalb weniger Wochen zweimal von heftigen, lokal begrenzten Starkregenfällen heimgesucht, die das Kanalsystem überforderten und zur Folge hatten, dass auch Schlamm- und Wassermassen von den Feldern ins Ortsgebiet eindrangen. Doch das schlimmste Hochwasser der letzten Jahrzehnte, wahrscheinlich sogar des gesamten 20. Jahrhunderts, brachte das Jahr 1994 und auch damals kam es binnen weniger Wochen zweimal zu extremen Überschwemmungen. Das erste Hochwasser ereignete sich am 26. Mai 1994 als in der Folge heftiger Gewitter, die in ganz Ostösterreich wüteten, viele Häuser in der Ziegelofengasse und Teilen der Lanzendorfer Hauptstraße durch Schlamm von den Feldern vermurt wurden und auch die Keller und Gärten der Siedlung am Wiesengrund wurden überschwemmt. Wenige Wochen später, am 19. Juli 1994 kam es dann aufgrund mehrere Tage währender heftiger Regenfälle dazu, dass weder Kanalisation, noch Böden, weiteres Wasser aufnehmen konnten und sogar das ansonsten kleine Rinnsal Lanza trat über seine Ufer. Auch bei der Zaya fehlten damals nur wenige Zentimeter, ehe sie sich über ihr Bachbett hinaus ausgebreitet hätte. Die Lanzendorfer Hauptstraße, Schricker Straße, Weinhebergasse und Ziegelofengasse standen unter Wasser (und Schlamm) und damals wie heute war die Freiwillige Feuerwehr unermüdlich im Einsatz, um die Wassermassen einzudämmen und bei den Aufräumarbeiten die Unmengen an Schlamm zu beseitigen. Um künftig ein Überlaufen der Bäche zu verhindern, wurden von Gemeinde und Land entlang der Zaya Retentionsbecken geschaffen und das Bachbett mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt.

Untenstehend ein paar Aufnahmen, die das Hochwasser vom 19. Juli 1994 dokumentieren.

Quellen:
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute (1996), Teil II, S. 29
Fotos: © Marianne Kruspel, 1994

Alfred Schöller-Platz (Lanzendorf)

Von Thomas Kruspel 16. Juli 2018 Aus

Im Jahr 2000 nach dem langjährigen Lanzendorfer Bürgermeister, Stadtrat der Gemeinde Mistelbach, und Direktor der Mistelbacher Genossenschaftsmolkerei Alfred Schöller benannt. Der zuvor namenlose, kleine Platz entlang der Lanzendorfer Hauptstraße, zwischen der Einmündung der Straßen „Lettenberg“ und „Am Sonnenberg“, befindet sich gegenüber dem ehemaligen Wohnsitz von Alfred Schöller (Lanzendorfer Hauptstraße 78). Die Namensgebung wurde bewusst so durchgeführt, dass sich keine Adressänderung für die Anrainer ergab.

Gedenkstein am Alfred Schöller-Platz

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

Ehrenbürger der Stadt Mistelbach

Von Thomas Kruspel 4. Juli 2018 Aus

Nachfolgend eine chronologische Auflistung jener Personen, denen das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Als Jahr der Verleihung wird jenes angeführt, in dem die Beschlussfassung durch den Gemeinderat erfolgte. Oftmals erfolgte die Übergabe der Ehrenbürgerurkunde im Rahmen des Neujahrsempfangs, und damit erst im Folgejahr. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1871 Dr. Innocenz Edler von Schluetenberg (*1832, †1882) – Bezirksarzt708
1873 Alois Freiherr Czedik von Bründlsberg und Eysenberg (*1830, †1924) – Landtags- und Reichsratsabgeordneter709
1875 Sigmund Freiherr Conrad von Eybesfeld (*1821, †1898) – Statthalter von Niederösterreich710
1885 Ing. Hugo Riedel (*1842, †1930) – Landesingenieur und später nö. Landesbaudirektor711
1893 Dr. Ernst Oser (*1845, †1902) – Statthaltereirat und früherer Bezirkshauptmann712

Karl Fitzka (*1833, †1915) – Steueramtsvorsteher und später Gründer des Heimatmuseums713

1897 Wenzel Matuschek (*1825, †1908) – Bezirksgerichtsvorsteher714
1901 Franz Richter (*1849, †1922) – Landtags- u. Reichsratsabgeordneter715

Erich Graf von Kielmansegg (*1847, †1923) – Statthalter von Niederösterreich und zuvor interimistischer Ministerpräsident716

1904 Josef Strasser (*1830, †1909) – Lederfabrikant i.R. und Bürgermeister (1867-1888)717
1908 Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg (*1858, †1942) – Bezirkshauptmann718

August Lubovienski (*1832, †1912) – Apotheker i.R., Gründer und erster Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach719

1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann720

Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten721

1917 Dr. Friedrich Bruno Graf zu Castell-Rüdenhausen (*1877, †1923) – Vorstand des Präsidalbureaus der niederösterreichischen Statthalterei und später Landesamtsdirektor722

Manfred Graf Collalto (*1870, †1940) – Gutsherr in Staatz und Vorstand der Verwaltung der k.k. Flüchtlingsstation Mistelbach und der Flüchtlingsniederlassung Asparn a.d. Zaya723

1919 Josef Dunkl jun. (*1866, †1938) – Baumeister und Bürgermeister (1911-1938)724
1927 Thomas Freund (*1850, †1937) – Kaufmann i.R., Landtagsabgeordneter a.D. und Bürgermeister (1888-1911)725
1929 Alexander Zickl (*1862, †1943) – Gemeindesekretär i.R., Leiter des Heimatmuseums und Gemeinderat bzw. später Stadtrat726
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes727**

Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer728**

Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister729**

1937 Josef Kraus (*1890, †1971) – Mitglied des Staatsrates und des Bundestages und später Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft730**

Georg Seidl (*1896, †1968) – Bundeswirtschaftsrat und davor bzw. später Nationalratsabgeordneter731**

1950 Dr. Karl Renner (*1870, †1950) – Bundespräsident und erster Staatskanzler732
1954 Theodor Körner (*1873, †1957) – Bundespräsident733

Johann Steinböck (*1894, †1962) – Landeshauptmann734

Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde735

1957 Dr. Adolf Aschinger (*1901, †1961) – Präsident der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und das Burgenland736
1958 Josef Hilgarth (*1898, †1975) – Landtagsabgeordneter und später Landesrat737
1960 Univ.-Prof. Dr. Otto Bsteh (*1900, †1979) – Primararzt und Leiter des Krankenhauses738
1963 Dr. Max Neugebauer (*1900, †1971) – Nationalratsabgeordneter und amtsführender Präsident des Wiener Stadtschulrates739

Ernst Schoiber (*1908, †1990) – amtsführender Präsident des niederösterreichischen Landesschulrates740

1964 Dr. Adolf Schärf (*1890, †1965) – Bundespräsident741

Dipl.-Ing. Leopold Figl (*1902, †1965) – Landeshauptmann und Bundeskanzler a. D.742

1967 Emil Kuntner (*1902, †1999) – Landesrat743
1972 Prof. Hans Spreitzer (*1915, †1979) – Ministerialrat im Bildungsministerium, Stadtrat a.D. und Heimatforscher744
1975 Franz Bayer (*1909, †1992) – Krankenhausverwalter und Bürgermeister (1950-1975)745
1988 Mag. Siegfried Ludwig (*1926, †2013) – Landeshauptmann746
1999 Mag. Edmund Freibauer (*1937, †2022) – Präsident des nö. Landtags und Bürgermeister (1975-1989)747

Johann Leithner (*1928, †2006) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.748

2005 Dr. Erwin Pröll (*1946) – Landeshauptmann749
2014 P. Hermann Jedinger, SDS (*1949, †2022) – Stadtpfarrer750

Entgegen vereinzelter Berichte in Tageszeitungen751 wurde Weihbischof Dr. Godfried Marschall 1910 nicht zum Ehrenbürger aller Gemeinde des Verwaltungsbezirks Mistelbach ernannt, sondern es wurde ihm lediglich eine schön gefertigte Dankadresse von einer Bürgermeisterdelegation feierlich überreicht.752

**Im Juni 1938 beschloss der als Gemeindeverwalter eingesetzte NS-Bürgermeister Adolf Schödl, die Aberkennung der Ehrenbürgerrechte von Dollfuß, Starhemberg und Reither (verliehen 1934), sowie von Seidl und Kraus (verliehen 1937).753 In der Gemeinderatssitzung vom 4. Juni 1954 beschloss der Gemeinderat einstimmig: „…, dass Ehrenbürgerernennungen, die vor dem 13.3.1938 vom Gemeinderat der Stadt Mistelbach ausgesprochen wurden und während des deutschen Regimes aberkannt wurden, wieder in Rechtskraft gesetzt werden.“754

Quellen (und Anmerkungen):
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 218ff
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. II – Nachtrags- und Ergänzungsband (1912), S. 219f
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27 (fälschlicherweise wird der Vorname von Graf Kielmansegg mit Erwin angegeben; die Verleihungen an Dokaupil und Wolf im Jahr 1916 fehlen; weiters sind bei Seidl und Kraus falsche Jahre der Verleihung angeführt)
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: „Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988“, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart
-) Spreitzer, Prof. Hans: „Die Mistelbacher Ehrenbürger“ In: Volks-Post Nr. 39/1961, S. 7 (bei dieser Auflistung fehlen Dokaupil, Wolf, Castell-Rüdenhausen, Collalto, Zickl, Dollfuß, Reither und Starhemberg)
-) Stadtgemeinde Mistelbach (Hrsg.): 100 Jahre Mistelbach (Auch hier findet sich im Beitrag „Mistelbach-Chronik“ 1964-1974 verfasst von Franz Bayer, Rudolf Anker und Johanna Trischack, das falsche Verleihungsdatum bzgl. der Ehrenbürgerschaften für Kraus und Seidl)

Fotografen in Mistelbach vor 1945

Von Thomas Kruspel 8. Juni 2018 Aus

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Frühformen der Fotografie erfunden, und durch stete Weiterentwicklung trat diese Technik ab den 1850er bzw. 1860er Jahren, zunächst in der Form der Portraitfotografie, ihren bis heute währenden Siegeszug an. Die ältesten überlieferten fotografischen Aufnahmen zur Geschichte der Stadt Mistelbach stammen aus den 1870er Jahren, jedoch sind die Urheber dieser frühesten Bilddokumente leider nicht bekannt. Der vorliegende Beitrag versucht den Menschen hinter der Linse nachzuspüren, denen wir die historischen Aufnahmen Mistelbachs und seiner Bewohner verdanken.

Die Problematik bei alten Fotos liegt oftmals darin, dass die abgebildeten Personen nicht mehr bekannt sind und nicht selten auch Angaben zu Anlass und Zeitpunkt der Aufnahme fehlen. Auf alten Hartkartonfotos, insbesondere bei Portraitfotos im Format „Carte de Visite“ (CdV), ist aber meist der für die Aufnahme verantwortliche Fotograf vermerkt und daher ist es auch Intention dieses Beitrags mittels der folgenden (vermutlich unvollständigen) Auflistung der in Mistelbach bis zum Jahr 1945 tätigen Fotografen, Hilfestellung zur zeitlichen Einordnung zu bieten.

Erste Fotografen

Der früheste auffindbare Hinweis und die gleichzeitig einzige Erwähnung eines Fotografen namens E. Pohlmann aus Mistelbach findet sich in einer Ausgabe der Tageszeitung „Fremdenblatt“ aus dem Jahr 1868.713 Zu jener Zeit war es in (Wiener) Tageszeitungen üblich, dass in sogenannten „Fremdenlisten“, die in Hotels bzw. Gasthöfen der Stadt abgestiegenen Gäste nach Unterkünften aufgelistet wurden und in eben solch einer Liste wird ein gewisser „E. Pohlmann, Photograph, Mistelbach“ erwähnt, der am 18. Jänner 1868 im Hotel zur Grünen Traube in Wien-Wieden einkehrte. Bereits 1864 wird im Fremdenblatt dieselbe Person als Gast der Grünen Traube erwähnt, damals allerdings ohne Angabe des Herkunftsortes, sodass nicht eindeutig klar ist, ob er vielleicht schon damals in Mistelbach wirkte.721 Grundsätzlich kann der in diesen Listen angegebene Ort für den tatsächlichen Herkunftsort oder aber für jenen Ort stehen aus dem die Anreise erfolgte, also die letzte Reisestation vor der Ankunft in Wien. 1866 scheint in Wien auf der „Neuen Wieden“ ein Fotograf namens Eduard Bollmann und Ende der 1870er Jahre im damals noch eigenständigen Ort Währing bei Wien ein Fotograf namens Eduard Pollmann auf.723 Ob es sich beim eingangs erwähnten „E. Pohlmann“ und „Eduard Bollmann bzw. Pollmann“ um dieselbe Person gehandelt haben könnte, bleibt offen.

In der Zeitschrift „Photograpische Correspondenz“, dem Zentralorgan der photographischen Gesellschaft Wien, wird in einer Mitgliederauflistung nach Orten bereits 1876 auch ein Mitglied in Mistelbach ausgewiesen. Dabei handelte sich um den Amateurfotografen August Jira, der als Steuerbeamter in Mistelbach seinen Dienst versah.728 Sofern zum damaligen Zeitpunkt ein Berufsfotograf in Mistelbach ansässig war, handelte es sich jedenfalls nicht um ein Mitglied dieser großen, aus Amateuren und Professionalisten bestehenden Vereinigung. In einem Photographen Adressbuch aus dem Jahr 1879 findet sich zu Mistelbach, im Gegensatz bspw. zu Laa a.d. Thaya kein Eintrag.729

Wolfram (mind. 1881 – Ende 1890er)

Mindestens ab 1881 war Alfred Wolfram (*1853, †1917734) in Mistelbach als Fotograf tätig, denn in diesem Jahr findet sich folgende Anzeige in der Zeitschrift „Photographische Notizen“735: „Alfred Wolfram, Photograph, übernimmt Negativ- und Positiv-Retouche sowie das Ausfertigen der Bilder zu billigen Preisen. Mistelbach an der Staatsbahn“. 1885 erweiterte er seinen Betrieb um eine Niederlassung im mährischen Auspitz.736

Der in Mistelbach in den 1880er Jahren tätige und erste tatsächlich belegte Fotograf Alfred Wolfram auf einer Aufnahme aus dem Atelier seiner Familie (Vater und/oder Bruder) in Wien-OttakringDer in Mistelbach in den 1880er Jahren tätige und erste tatsächlich belegte Fotograf Alfred Wolfram auf einer Aufnahme aus dem Atelier seiner Familie (Vater und/oder Bruder) in Wien-Ottakring

Im Dezember 1889 übernahm laut einer Anzeige in der Zeitung „Bote aus Mistelbach“ Paula Wolfram das Fotografie-Geschäft ihres nicht namentlich genannten Vaters740. Dabei konnte es sich jedoch unmöglich um eine Tochter von Alfred Wolfram gehandelt haben, denn in diesem Fall müsste er bereits mit 18 Jahren Vater geworden sein, und seine Tochter hätte wiederum im Alter von 18 Jahren das Geschäft übernehmen müssen und dies, obwohl man zur damaligen Zeit erst im Alter von 24 Jahren als volljährig galt. Ein Enkel von Alfred Wolfram bestätigte, dass er keine Tochter namens Paula hatte und erst einige Jahre später in Bulgarien heiratete, wo er nach seiner Tätigkeit in Mistelbach für einige Zeit lebte. Der Nachfahre gab auch den Hinweis, dass Alfred Wolfram zwar keine Tochter, wohl aber eine Schwester namens Paula hatte und auch einen ebenfalls als Fotografen tätigen Bruder namens Eduard. Tatsächlich dürfte aber bereits Alfred Wolframs Vater, der in der Militärverwaltung tätige Rechnungsoffizial Eduard Wolfram sen., nebenbei in der Fotografie aktiv gewesen sein. Ab 1866 scheint das Fotoatelier Killmann & Wolfram auf, zunächst in Wien-Landstraße, später dann wohl bereits unter Beteiligung von Eduard jun. in Ottakring bzw. Hernals.742
Der genaue Sachverhalt der Geschäftsübernahme durch Paula Wolfram lässt sich nach knapp 130 Jahren nicht mehr feststellen, aber folgende Hypothese scheint möglich: Eduard Wolfram sen. der sich seit 1880 im Ruhestand befand, übernahm den Betrieb seines Sohnes Alfred, als dieser gegen Ende der 1880er Jahre nach Bulgarien ging, und anschließend ging das Geschäft mit den Niederlassungen in Mistelbach und Auspitz auf dessen Tochter, Alfred Wolframs Schwester, Paula über.

Die ursprüngliche Adresse des Betriebs ist leider nicht überliefert, Anfang Oktober 1893 informierte Paula Wolfram jedoch mittels Anzeige im „Bote aus Mistelbach“ darüber, dass Sie ihr photographisches Atelier nunmehr an der Adresse Hauptplatz Nr. 5 (Konskriptionsnr. 70) eingerichtet habe.744 Mit dieser Verlegung des Ateliers dürfte auch die im Frühjahr 1894 im Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft erwähnte Verleihung des Rechts zur Ausübung des Fotografengewerbes an Pauline Wolfram in Zusammenhang stehen.748 Zwischen der Verleihung oder sonstigen Veränderungen betreffend Gewerbeberechtigungen und deren Kundmachung im Amtsblatt kam es nicht selten zu mehrmonatigen Verzögerungen. Im Jahr 1900 wurden die Häuser Hauptplatz Nr. 4-6 abgetragen und an dieser Stelle das neue Rathaus errichtet. Unklar ist, ob der Abriss des Gebäudes gleichzeitig auch das Ende von Wolframs Tätigkeit in Mistelbach bedeutete, das zeitlich wohl jedenfalls um die Wende zum 20. Jahrhundert zu verorten ist. Laut Fitzka gab es im Jahr 1901 zwei Fotografenbetriebe in Mistelbach (einer davon Forstner)755, im Österreichischen Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe aus dem Jahr 1903 ist hingegen nur mehr ein Betrieb (Forstner) angeführt. Ob es sich bei dem zweiten im Jahr 1901 noch bestehenden Atelier also um jenes von Paula Wolfram oder aber um einen anderen Betrieb (Bieberle?) handelte, ist ungeklärt. Eine im Internet gefundene, handschriftlich auf 1897 datierte Aufnahme aus ihrem Atelier, auf der noch beide Niederlassungen vermerkt sind, ist bislang der letzte gesicherte Beleg ihres Wirkens in Mistelbach. Letzte Spuren von Paula Wolframs Tätigkeit als Fotografin in Auspitz finden sich durch einen Eintrag in einem Photographen-Adressbuch aus dem Jahr 1901756 bzw. durch Erwähnung im Österreichischen Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe aus dem Jahr 1903757. In der 1908 erschienenen Neuauflage dieses Verzeichnisses scheint Wolfram nicht mehr als Fotografin auf, jedoch wird eine Person selben Namens als Greißlerin angeführt.758

Alfred Wolfram kehrte mit seiner Familie wieder nach Österreich zurück und eröffnete um 1914 in Stammersdorf ein Fotoatelier, dass seine Gattin Johanna nach seinem Tod im Jahre 1917 weiterführte.759 Eine letzte Spur zu einer Frau namens Paula Wolfram findet sich als eine Person dieses namens im Jahr 1919 als erste Frau in den Stadtrat von Auspitz gewählt wurde, ihr Beruf zu diesem Zeitpunkt wird mit Verkäuferin angegeben.760

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Alfred WolframRückseite einer Hartkartonfotografie von Alfred Wolfram, ca. 1885-1889

Rückseite einer Harkartonfotografie von Paula Wolfram


Eibl (mind. 1880er – 1894)

In einer im September 1891 erschienenen Anzeige in der Zeitung „Bote aus Mistelbach“ informierte der gebürtige Mistelbacher Josef Eibl (*1857, †1933)[16] darüber, dass er sein seit 1879 bestehendes Maler- & Vergolder-Geschäft, sowie seine photographische Anstalt, von der Adresse Hauptplatz Nr. 15 (Konskriptionsnr. 17) an die Adresse Hauptplatz Nr. 8 (Konskriptionsnr. 10) verlegte.761

Von 1891 bis 1894 betrieb Josef Eibl sein Geschäft als Maler, Vergolder & Fotograf im Haus Hauptplatz Nr .8, der er kurz zuvor gemeinsam mit seiner Gattin erworben hatte.Von 1891 bis 1894 betrieb Josef Eibl sein Geschäft als Maler, Vergolder & Fotograf im Haus Hauptplatz Nr. 8, das er kurz zuvor gemeinsam mit seiner Gattin erworben hatte.

 

Zuvor, von 1879 bis 1891, war Eibl mit seinem Betrieb an der Adresse Hauptplatz Nr. 15 eingemietet und auch hier wohnhaft. 15 Jahre später eröffnete hier Josef Plaschil sein Atelier, und auch die letzten Spuren der Fotografenwitwe Bieberle finden sich an dieser Adresse (siehe weiter unten). Zuvor, von 1879 bis 1891, war Eibl mit seinem Betrieb an der Adresse Hauptplatz Nr. 15 eingemietet und auch hier wohnhaft. 15 Jahre später eröffnete hier Josef Plaschil sein Atelier, und auch die letzten Spuren der Fotografenwitwe Bieberle finden sich an dieser Adresse (siehe weiter unten). Das Foto zeigt das Haus Hauptplatz Nr. 15 im Jahre 1903.Zuvor, von 1879 bis 1891, war Eibl mit seinem Betrieb an der Adresse Hauptplatz Nr. 15 eingemietet und auch hier wohnhaft. 15 Jahre später eröffnete hier Josef Plaschil sein Atelier, und auch die letzten Spuren der Fotografenwitwe Bieberle finden sich an dieser Adresse (siehe weiter unten). Das Foto zeigt das Haus Hauptplatz Nr. 15 im Jahre 1903.

 

Der Mistelbacher Fotograf Josef Eibl etwa im Jahre 1880Der Mistelbacher Fotograf Josef Eibl etwa im Jahre 1880

Später folgte eine Übersiedlung nach Wien, denn von 1893 bis 1896 scheint seine Gattin Theresia (auch Therese; geb. Misch; *1855, †1899) als Betreiberin eines Fotoateliers in der Ottakringer Thaliastraße Nr. 48 in „Lehmann’s Wohnungs-Anzeiger und Gewerbe-Adreßbuch“ auf. Ab diesem Zeitpunkt wohnte das Ehepaar Eibl in der Meidlinger Schönbrunnerstraße Nr. 62 (=Gaudenzdorfer Hauptstraße) und betrieb an dieser Adresse ein weiteres fotografisches Atelier. Zusätzlich findet sich Josef Eibl ab 1894 gemeinsam mit Heinrich Rechert als Betreiber des Fotoatelier „Mariette“ in der Hundsthurmerstraße 124 (diese wurde 1898 in Schönbrunner Straße umbenannt). Dieses Atelier wurde knapp 20 Jahre zuvor von Josef Plaschil sen. geführt, der weiter unten Erwähnung findet. Ab Ende der 1890er Jahre wohnte das Ehepaar Eibl schließlich in der Sechshauser Straße Nr. 5, wobei das Atelier in der Meidlinger Schönbrunnerstr. 62 weiterhin bestand und offenbar als Filiale des Atelier Mariette geführt wurde. Im Jahr 1898 wurde die Hundsthurmerstraße in die Schönbrunnerstraße eingegliedert, somit änderten sich die Adressen bzw. Hausnummern der beiden Ateliers und lauteten nun wie folgt: Schönbrunner Straße 118 (zuvor Hundsthurmer Str. 124) und Schönbrunner Str. 190 (zuvor Meidling-Schönbrunnerstr. 62). Etwa 1900 führte Eibl kurzzeitig auch eine Niederlassung in Baden bei Wien an der Adresse Wassergasse Nr. 11. 1910 übersiedelte er sein Atelier innerhalb der Schönbrunner Straße, nämlich an die Hausnummer 100, und nach Eibls Ableben im Jahre 1933, führte seine zweite Gattin Anna, den Betrieb noch zwei Jahre als Witwenfortbetrieb weiter.762

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Josef Eibl vor 1896Rückseite einer Hartkartonfotografie von Josef EiblRückseite einer Hartkartonfotografie von Josef Eibl

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Josef EiblRückseite einer Hartkartonfotografie von Josef Eibl
Rückseite einer Hartkartonfotografie von Josef Eibl


Bieberle (1893-ca.1900)

Franz Bieberle (*1862, †1897763) stammte aus Johnsdorf in Mähren und war zumindest seit 1891764 als Fotograf in Ernstbrunn tätig. 1893/94 übersiedelte er dann nach Mistelbach, wo er sich an der Adresse Barnabitenstraße 4 niederließ und dort auch sein Fotoatelier einrichtete765. Nach dem frühen Tod von Franz Bieberle, der 1897 an Tuberkulose starb, führte dessen Witwe Marie den Betrieb weiter und übersiedelte im September 1899 mit dem Atelier nur wenige Häuser weiter in die Oserstraße Nr. 5.766 In Fitzkas Geschichte der Stadt Mistelbach wird im Jahr 1901 neben Leopold Forstner ein weiterer Fotografenbetrieb angeführt, wobei unklar ist, ob es dabei um das Unternehmen der Witwe Bieberle oder einen anderen Betrieb (Zapletal?, Wolfram?) gehandelt hat. In einem bereits bei Wolfram erwähnten, nach Orten gegliederten Photographen-Adressbuch aus dem Jahr 1901 fehlt Mistelbach leider767. Zu Beginn des Jahres 1902 findet sich im Bote aus Mistelbach schließlich ein Feilbietungsedikt, betreffend Frau Maria Bieberle, Private, wohnhaft Hauptplatz Nr. 15, in dem die (freiwillige) Versteigerung ihrer Wohnungs- und Kücheneinrichtung angekündigt wird.768 Es ist anzunehmen, dass die Betriebstätigkeit also bereits vor diesem Zeitpunkt endete und auch in den 1903 und 1908 erschienenen Ausgaben des Österreichischen Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe scheint Bieberle nicht mehr auf. Umso mehr verwundert es, dass laut Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft erst 1913, die in Form eines Witwenfortbetriebs noch immer auf Franz Bieberle lautende Gewerbeberechtigung zurückgelegt wurde.769

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Franz BieberleRückseite eines Hartkartonfotos von Franz Bieberle

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Franz Bieberle


Zapletal (1899-1902?)

Zu dem 1861 in Pressburg geborenen Tapezierermeister und späteren Fotografen Adolf Zapletal findet sich erstmals 1888 eine Spur in Form einer Anzeige im „Untermanhartsberger Kreis-Blatt“, in der er darauf hinwies, dass er sein Tapezierer-Geschäft an die Adresse „Hauptplatz Nr. 33, Mistelbach“ verlegt habe.770 Bis 1898 basierten die Adressbezeichnung auf den sogenannten Konskriptionsnummern – ohne offizielle Straßen- bzw. Platzbezeichnung, und Nr. 33 entspräche der Adresse Hafnerstraße 7. Da also eine Durchnummerierung des Hauptplatzes im heutigen Sinne, früher nicht existierte, ist trotz des expliziten Zusatzes „Hauptplatz“ anzunehmen, dass sich das Geschäft in der damals noch namenlosen Hafnerstraße befand. Wenig später scheint Zapletal mit seinem Betrieb dann an wechselnden Adressen an der Ostseite des Mistelbacher Hauptplatzes (heutige Nr. 19, 20 21) auf und im Jahr 1899 wurde ihm von der Bezirkshauptmannschaft die Berechtigung zur Ausübung des Photographengewerbes erteilt.771 Von seinem photographischen Wirken sind bislang lediglich eine undatierte Portraitaufnahme, eine ungelaufene Ansichtskarte aus Mistelbach, sowie zwei in den Jahren 1903/04 gelaufene Ansichtskarten mit Motiven aus Ebendorf bzw. Lanzendorf überliefert. Auch die Tatsache, dass bei der Portraitaufnahme kein Karton mit eigenem Firmensujet verwendet wurde, sondern einer jener im Amateurbereich populären „Souvenir“-Kartons, deutet wohl eher auf Kurzlebigkeit des Betriebs hin. Während auf der Ansichtskarte aus Mistelbach als Urheber „A. Zapletal“ angeführt ist, findet sich auf den Ansichtskarten aus den Katastralgemeinden die Angabe „Zapletal & Comp., Mistelbach“ ausgewiesen, was klar belegt, dass Zapletal (später) einen Geschäftspartner bzw. Teilhaber hatte. Die letzte klar datierbare, und zugleich mysteriöse Spur von ihm findet sich bereits in einem Bericht der Floridsdorfer Zeitung aus dem Februar 1900, der die Schikanen beklagt, denen die Gattin des abgängigen Tapezierermeisters Zapletal beim Versuch der Weiterführung des Geschäfts ausgesetzt ist.772

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Adolf Zapletal


Forstner (1900-1960er)

1900 kam der gebürtige Wiener Leopold Forstner sen. (*1869, †1926773), nach Mistelbach und eröffnete im Haus Wiedenstraße Nr. 6 (heute: Wohnhaus) sein Fotoatelier.774 Vor seiner Übersiedlung nach Mistelbach führte Forstner ab 1896 ein Atelier an der Adresse Währinger Gürtel Nr. 25.775 Robert Forstner, der spätere burgenländische Landesinnungsmeister der Fotografen erlernte das Fotografenhandwerk bei seinem Bruder Leopold in Mistelbach. Zunächst hatte Forstner das Haus Wiedenstraße Nr. 6 nur gemietet, bevor er es schließlich 1910 von der Familie Mörixbauer käuflich erwarb.776 Bei der Mistelbacher Handwerkerausstellung im Jahr 1912 wurde Forstner mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Von ihm stammen die meisten historischen Fotos, die die Entwicklung unserer Stadt dokumentieren und er verlegte auch Ansichtskarten mit Motiven aus Mistelbach bzw. den umliegenden Orten.

Das Haus Wiedenstraße Nr. 6 zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Möglicherweise handelt es sich bei dem Kind um Leopold Forstner jun., der vor seinem Elternhaus posiert. Hinweis auf das hier ansässige Fotoatelier sind auch die Fotokästen, die auch an der Ecke zum Nachbarhaus angebracht sind.Das Haus Wiedenstraße Nr. 6 (erstes vollständig abgebildetes Haus von rechts) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Möglicherweise handelt es sich bei dem Kind um Leopold Forstner jun., der vor seinem Elternhaus posiert. Hinweis auf das hier ansässige Fotoatelier sind die Fotokästen, die auch an der Ecke zum Nachbarhaus angebracht sind.

Fotoatelier Forstner in der Wiedenstr. 6 im Jahr 1938

Das umgebaute Atelier Leopold Forstner in der Wiedenstraße 6 im Jahr 1938

Nach dem Tod von Leopold Forstner sen., 1926, führte dessen Witwe Adelheid (Adele) (*1872, †1964) den Betrieb gemeinsam mit Leopold Forstner jun. (*1903, †1945777), der in den Jahren 1918-1920 die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien absolviert hatte778, den Betrieb. Nachdem ihr Sohn 1938 offenbar sein eigenes Atelier in Mistelbach eröffnete, führte Frau Adele Forstner den Betrieb zunächst alleine weiter, bevor später ihre Tochter Maria, verehelichte Bott, in das Geschäft eintrat und dieses zusammen unter der Bezeichnung „Photoatelier Leopold Forstner’s Nachfolger M. Bott“ bzw. „Forstner-Bott“ bis etwa Mitte der 1960er Jahre weiterführten.

Adele Forstner 1915 als freiwillige Helferin im Vereins-Reservespital des Roten KreuzesAdele Forstner 1915 als freiwillige Helferin im Mistelbacher Vereins-Reservespital des Roten Kreuzes

 

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Leopold Forstner aus der Zeit seiner Tätigkeit in WienRückseite einer Hartkartonfotografie von Leopold Forstner

 

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Leopold Forstner nach 1912

 


Forstner jun. (1938-1947)

1938 erhielt Leopold Forstner jun. (*1903, †1945779) die Gewerbeberechtigung zur Ausübung des Photographengewerbes an der Adresse Franz Josef-Straße Nr. 4.780 Ob bzw. wie lange er das Gewerbe an diesem Standort ausübte ist unklar. Nach seinem Tod im Jahr 1945 eröffnete seine hinterbliebene Frau, Viktoria Forstner, im November 1946 ein Fotoatelier an der Adresse Hauptplatz Nr. 17781, das im Jahr darauf von Wilhelm Puchner übernommen wurde.782 Eine geschäftliche Verbindung zwischen den beiden Forstner Ateliers gab es während der Zeit ihrer parallelen Existenz offenbar nicht – im Gegenteil, Adele Forstner distanzierte sich 1946 anlässlich der Eröffnung des Ateliers durch ihre Schwiegertochter mittels eines Inserats von der innerfamiliären Konkurrenz.783


Plaschil (1906-1950er)

1906 eröffnete der ursprünglich aus Wien stammende Josef Plaschil jun. (*1874, †1960784) sein Fotoatelier im Haus Hauptplatz Nr. 15.785

Josef Plaschil jun. im Jahre 1908Josef Plaschil jun. im Jahre 1908

Bereits sein Vater Josef Plaschil sen. war ab den 1870er Jahren als Fotograf an wechselnden Standorten in Wien-Margareten (u.a. Hundsthurmerstraße 124), und von Ende der 1890er Jahre bis mind. 1908 in Niederabsdorf bei Zistersdorf tätig. Später scheint Plaschil sen. dann neuerlich als Fotograf im 5. Wiener Gemeindebezirk auf.786 Es ist also davon auszugehen, dass Josef Plaschil jun. das Fotografenhandwerk im väterlichen Betrieb erlernte und 1888/89 besuchte er die Graphische Versuchs- und Lehranstalt in Wien.787 Plaschil arbeitete im Betrieb seines Vaters mit und begleitete diesen auch nach Niederabsdorf, bis er schließlich 1906 sein eigenes Atelier in Mistelbach eröffnete. Nachdem er im Mai 1915 einrücken musste, war Plaschil gezwungen sein Atelier (vorübergehend) zu schließen. Im Rahmen der russischen Brussilow-Offensive geriet er im Sommer des Jahres 1916 in russische Kriegsgefangenschaft und kam in ein Lager nach Sibirien. Die Oktoberrevolution des Jahres 1917 brachte den meisten Kriegsgefangenen in Russland die Freiheit, aber im Chaos des Zusammenbruchs der Zarenherrschaft und des bald darauf einsetzenden Bürgerkriegs war an eine rasche Heimkehr nicht zu denken. Plaschil, der während der Gefangenschaft Russisch gelernt hatte, fand Arbeit als Zeitungsfotograf und bereiste im Zuge dieser Tätigkeit in den folgenden Jahren weite Teile Russlands.788 Erst 1920 kehrte er nach Mistelbach zurück und nahm die Betriebstätigkeit in seinem alten Atelier wieder auf.789 Auch in verschiedenen Standesvertretungsgremien war Plaschil aktiv: 1921 wurde er zum Vorsitzenden der behördlichen Gesellenprüfungskommission für den Bezirk Mistelbach bestellt und 1923 zum Vertrauensmann der nö. Photographengenossenschaft für den Kreis Mistelbach gewählt.790

Diese Ansicht des Hauptplatzes aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zeigt ganz rechts die linke Hälfte des Hauses Hauptplatz Nr. 15. Auf der Vergrößerung kann mit etwas Mühe das Geschäftsschild "(Jo)sef Plaschil" erkannt werden und auch der damals an Fotoateliers obligate Fotokasten.Diese Ansicht des Hauptplatzes aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zeigt ganz rechts die linke Hälfte des Hauses Hauptplatz Nr. 15. Auf der Vergrößerung kann mit etwas Mühe das Geschäftsschild „(Jo)sef Plaschil“ erkannt werden und auch der damals an Fotoateliers obligate Fotokasten.

Jedenfalls zu Beginn des Jahres 1924 fand sich sein Atelier dann bereits in der Mitschastraße, leider fehlt bei den Adressangaben in den 1920er Jahren stets die Hausnummer791. Laut dem Bericht eines Zeitzeugen befand sich Plaschils Atelier für einige Zeit in einem Holz-Gartenhaus nahe dem damaligen Schulgarten in der Mitschastraße.792 Die Tatsache, dass sich um kein wirkliches Gebäude handelte würde das Fehlen einer Hausnummer erklären und darüber hinaus das Auftauchen von Plaschil in diversen Gemeinderatsprotokollen in Zusammenhang mit der Pacht von Gemeindegrund, denn Schulgebäude und Schulgarten bzw. der angrenzende Grund waren natürlich im Besitz der Stadt. Der Großteil des ehemaligen Schulgartens ist heute mit dem in den 1960er Jahren errichteten Postgebäude verbaut und selbiges trägt die Adresse Mitschastraße Nr. 8. 1934 hatte Plaschil den Gemeinderat um kaufweise Überlassung des bisher gepachteten Gemeindegrundes (ohne nähere Beschreibung) ersucht, dieses Ansinnen wurde jedoch seitens des Gemeinderats abgelehnt und stattdessen wurde die Verlängerung des bisherigen Pachtverhältnisses angeboten.793 Doch dürfte Plaschil von diesem Angebot keinen Gebrauch gemacht haben, denn ab 1934 befand sich sein Atelier nur wenige Meter weiter an der Adresse Mitschastraße 12 (heute: Wohnhausanlage) bis er dieses schließlich im Dezember 1942 in sein Wohnhaus in der Roseggerstraße 1 verlegte.794

Dieses Foto zeigt die "Frohnerkreuzung" während des in Mistelbach abgehaltenen Bezirks-Katholikentages des Jahres 1929. Am Haus Mitschastraße 1 (Eckhaus, daher auch Wiedenstraße 2) findet sich bei genauerer Betrachtung (siehe Vergrößerung) ein Hinweisschild "Fotograf" inkl. Richtungspfeil in Form einer Hand, dass auf das zu jener Zeit in einem Holzhaus in der Mitschstraße befindliche Atelier von Josef Plaschil hinwiesDieses Foto zeigt die „Frohnerkreuzung“ während des 1929 in Mistelbach abgehaltenen Bezirks-Katholikentags. Am Haus Mitschastraße 1 (Eckhaus, daher auch Wiedenstraße 2) findet sich bei genauerer Betrachtung (siehe Vergrößerung) ein Hinweisschild „Fotograf“ inkl. Richtungspfeil in Form einer Hand, dass auf das zu jener Zeit in einem Holzhaus in der Mitschastraße befindliche Atelier von Josef Plaschil hinwies

Nach dem Krieg scheint Plaschil dann erstmals auf, als er mittels Anzeige im Mistelbacher Bote über eine zeitweilige Atelierschließung ab 1. Mai 1946 informierte795, bevor er auf selbem Wege im Dezember diesen Jahres die Wiederaufnahme seiner Geschäftstätigkeit verkündete.796. Die während seiner Kriegsgefangenschaft bzw. der darauffolgenden Tätigkeit in Russland erworbenen Sprachkenntnisse waren im Umgang mit der Besatzungsmacht sehr nützlich und so konnte er Übergriffe auf die Menschen in seiner Umgebung verhindern. Eine Würdigung seiner beruflichen Tätigkeit findet sich im Dezember des Jahres 1950 als Wilhelm Puchner, stellvertretend für alle Fotografen des Bezirks, „Altmeister“ Plaschil mit einem Bericht im Mistelbacher Bote anlässlich dessen 60-jährigen Berufsjubiläums gratulierte.797 Im 1959 von der Fotografeninnung veröffentlichten Handbuch der Berufsphotographen Österreichs bzw. den Folgeausgaben scheint Plaschil nicht mehr auf.798

Rückseite einer Hartkartonfotografie von Josef Plaschil jun.

Bildnachweis:
-) Portrait Alfred Wolfram – zVg von Herrn Köpler
-) Foto Atelier Forstner – Göstl Archiv
-) Rückseiten der Hartkartonfotos – Sammlung des Autors, Stadt-Museumsarchiv, zVg Frau Achleitner
-) Foto Josef Eibl und die Stätten seiner Geschäftstätigkeit in Mistelbach: dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von Frau Achleitner
-) Foto Frohnerkreuzung (Hinweis Atelier Plaschil): zVg von Reg.Rat Alfred Englisch

Quellen & Anmerkungen:

Kaiser Franz Joseph I. und Mistelbach

Von Thomas Kruspel 25. Mai 2018 Aus

Die 1874 durch Kaiser Franz Joseph I. erfolgte Stadterhebung, trug dem Aufschwung, den Mistelbach ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte, Rechnung bzw. befeuerte diesen weiter. Darüber hinaus gab es noch weitere Berührungspunkte Mistelbachs mit dem längstdienenden Regenten des Hauses Habsburg, die nachfolgend dargestellt werden:

Der Kaiser in Mistelbach

Als Kaiser Franz Joseph I., am 12. Juni 1880 von Manövern in Böhmen mit der k. k. Staatseisenbahn nach Wien zurückfuhr, nahm er kurzen Aufenthalt in der Station Mistelbach. Der Hofzug fuhr um 7:35 Uhr abends unter Glockengeläut, Böllerschüssen und Hochrufen der zahlreich anwesenden Bevölkerung ein. Vertreter der Gemeinde, der Behörden, die Lehrer samt Schuljugend, die hohe Geistlichkeit und Abordnungen der Vereine bereiteten dem Regenten einen würdigen Empfang. Eine Schülerin überbrachte dem Kaiser einen Blumengruß und Franz Joseph I., grüßte die versammelte Menschenmenge und erkundigte sich nach aktuellen Angelegenheiten des Bezirks. Anschließend folgten kurze Ansprachen verschiedener Honoratioren, darunter auch jene des Bürgermeisters Josef Strasser, dessen Einfluss dieser Zwischenstopp des Kaisers zu verdanken war. Obwohl nur ein Aufenthalt von drei Minuten vorgesehen war, hielt sich der Kaiser letztendlich zehn Minuten in Mistelbach auf.776

Als Kaiser Franz Joseph I., am 8. September 1909 zu den Manövern im mährischen Groß-Meseritsch reiste, führte ihn seine Fahrt mit der k. k. Staatseisenbahn abermals nach Mistelbach. Der Bahnhof und die entlang der Zugstrecke verlaufende Bahnzeile waren mit schwarz-gelben Fahnen geschmückt und Vertreter aller Körperschaften und weite Teile der Stadtbevölkerung waren erschienen um dem Kaiser ihre Ehrerbietung zu erweisen. Der Zug traf um 7:43 Uhr morgens pünktlich ein und wurde, wie knapp dreißig Jahre zuvor, mit Böllerschüssen, Hochrufen und der von der Veteranenkapelle angestimmten Volkshymne begrüßt. Franz Joseph I., nahm die dargebrachten Ovationen, am Fenster seines Waggons stehend, salutierend entgegen und nach einem etwa eine Minute dauernden Aufenthalt setzte der Zug seine Fahrt fort.779

Ähnliche Huldigungen wurden dem Kaiser wenig später, als sein Zug den Bahnhof Frättingsdorf in gemäßigtem Tempo durchfuhr, von offiziellen Vertretern, den Vereinen und der Bevölkerung der Gemeinden Hörersdorf und Frättingsdorf entgegengebracht.799

Bürgermeister Thomas Freund beim Kaiser800

Am 21. Februar 1905 wurde Mistelbachs Bürgermeister Thomas Freund zu einer Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. empfangen, um die er gebeten hatte, da er sich persönlich für die ihm zuteilgewordene Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone bedanken wollte. Der Wortlaut dieser Unterhaltung ist uns dank eines Berichts im Bote aus Mistelbach überliefert:

Nachdem Bürgermeister Freund seinen Dank für die Ordensverleihung zum Ausdruck gebracht hatte, antwortete der Kaiser: „Es freut mich, Sie ausgezeichnet zu haben. Die Stadt Mistelbach hat unter Ihnen ja einen bedeutenden Aufschwung genommen. Wie lange sind Sie schon Bürgermeister?“
Freund: „16 1/2 Jahre.“
Kaiser: „Da haben Sie schon viel Arbeit gehabt.“
Freund: „Wenn man das Vertrauen der Bevölkerung genießt, ist man auch verpflichtet, zu arbeiten. Mir wurde schon die hohe Gnade zuteil, dass in meinem bescheidenen Heim kaiserliche Hoheiten Wohnung nahmen.“
Kaiser: „Wann war das?“
Freund: „Vor fünf und drei Jahren.“
Kaiser: „Das war bei den Manövern, das ist sehr schön.“

Nach Franz Joseph I. benannte Bauwerke

Regierungsjubiläen von Herrschern wurden immer zum Anlass genommen, den Regenten ein Denkmal in Form von Bauwerken zu setzen und da Kaiser Franz Joseph I., insgesamt 68 Jahre herrschte, gab es hierzu genug Gelegenheit. In Mistelbach waren ihm folgende öffentliche Gebäude gewidmet bzw. trugen diese teils bis zum Ende der Monarchie den Namen des Kaisers:

Knaben Volks- und Bürgerschule

Da die Raumnot im 1873 errichteten Schulbau in der Bahnstraße – der späteren Mädchenschule – immer größer wurde, der Gemeinde jedoch die finanziellen Mittel für bauliche Erweiterungen fehlten, beschloss die im Eigentum der Stadt befindliche Sparkasse Mistelbach aus Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums seiner Majestät Franz Joseph I., dem Kaiser durch die Finanzierung des Neubaus einer Knaben Volks- und Bürgerschule ein bauliches Denkmal zu setzen. Die Pläne für dieses Bauwerk stammten von dem Wiener Architekten Moritz Hinträger, der die Baupläne für viele öffentliche Gebäude und Schulen in der damaligen Monarchie  entwarf,  und seinem ebenfalls als Architekt wirkenden Sohn Carl Hinträger.801 Die Eröffnung des vom späteren Bürgermeister Baumeister Josef Dunkl jun. ausgeführten Baus erfolgte mit Beginn des Schuljahres 1898. Die beiden in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Schulbauten wurden während umfassender Renovierungen in den Jahren 1985-1989 baulich miteinander verbunden und im März 1990 als neues Pflichtschulzentrum wiedereröffnet.

Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Winzerschule

Der k.k. landwirtschaftliche Bezirksverein Mistelbach fasste in seiner Generalversammlung vom 27.1.1895 den Beschluss aus Anlass des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums des Monarchen eine Winzerschule in Mistelbach zu errichten. In dieser Schule sollten die Söhne der Weinbauern des Bezirks unentgeltlich im Umgang mit den neuen, im Kampf gegen die Reblaus eingeführten, veredelten amerikanischen Weinreben geschult werden.802 Am 4. Dezember 1898, also nur zwei Tage nach jenem Tag an dem 50 Jahre zuvor die Regentschaft von Kaiser Franz Joseph I. begonnen hatte, fand eine vom landwirtschaftlichen Bezirksverein Mistelbach veranstaltete Kaiserhuldigungsfeier statt, in deren Rahmen das neu errichtete Gebäude dem Verein übergeben wurde. Das Bauwerk wurde von Baumeister Josef Dunkl im „Schweizer“-Stil ausgeführt und auf einem von Fürst Liechtenstein geschenkten Grund unterhalb der bereits bestehenden Rebversuchsanlagen des k.k. Ackerbauministeriums.803 Die offizielle Eröffnung des Schulbetriebs erfolgte bereits am 20. Februar 1899. Dieser erste Bau bildete den Ausgangspunkt für den weitreichenden Komplex der heutigen Landwirtschaftlichen Fachschule, der neben dem mehrfach erweiterten Schulgebäude, auch Internat, Bauernladen und Heurigen umfasst.

Kaiser Franz Josef I. Bezirkskrankenhaus804

Triebfeder des Krankenhausbaus und für dessen Finanzierung verantwortlich war der 1901 gegründete „Verein zur Erbauung eines öffentlichen Bezirkskrankenhauses in Mistelbach“, und dieser beschloss am 4. Mai 1908 aus Anlass des bevorstehenden Regierungsjubiläums die Benennung des Krankenhauses nach dem Monarchen. Am Fronleichnamstag des Jubiläumsjahres 1908 fand die feierliche Weihe und Setzung des Grundsteins für den Bau des langersehnten Krankenhauses statt und bereits im November 1909 konnte diese nach dem Kaiser benannte Institution eröffnet werden. Schon wenige Jahre nach Fertigstellung begann die bis heute andauernde, unablässige bauliche Erweiterung, durch die das Mistelbacher Krankenhaus zu einem großen Landesklinikum und zum größten Arbeitgeber der Region anwuchs. Der Name des einstigen Regenten war bis 1938 Teil der offiziellen Bezeichnung dieser Einrichtung.

Kaiser Franz Josef I. Jubiläums-Bezirkswaisenhaus

Bereits am 7.12.1897 fasste der Bezirks-Armenrat Mistelbach den Beschluss ein Bezirks-Armen- und Waisenhaus in Mistelbach zu errichten und es war beabsichtigt das Institut schon im Kaiserjubiläumsjahr 1898 seiner Bestimmung zugeführt werden sollte.805
Tatsächlich sollte es letztlich zehn Jahre dauern bis dieses Vorhaben umgesetzt werden konnte und zunächst war beabsichtigt das Bezirkswaisenhaus auf dem landeseigenen Grund unterhalb des Siechenhauses zu errichten, bevor sich die Gemeinde Mistelbach mit ihrem Vorschlag der Errichtung in der Winzerschulgasse bzw. der projektierten Bezirksstraße nach Eibesthal durchsetzte.806 Am 2. Dezember 1908, exakt an dem Tag an dem sich der Regierungsantritt von Franz Joseph I., zum sechzigsten Mal jährte, wurde der Grundstein für den Bau des Bezirkswaisenhauses gelegt, und dieser Einrichtung wurde natürlich der Name des Jubilars gegeben.807 Die feierliche Eröffnung des nach Plänen des nö. Landesarchitekten Gschöpf von Baumeister Josef Dunkl jun. ausgeführten „Kaiser Franz Josef I. Jubiläums-Bezirkswaisenhauses“ fand am 4. Oktober 1910 – am Namenstag des Kaisers, statt.808 Nach der Auflösung des Waisenhauses, von dem sich der Name der Straße nach Eibesthal und jener des dazugehörigen „Berges“ ableitet, wurde das Gebäude ab 1936 zunächst als Bezirksarmenhaus bzw. wenig später dann als Altenheim genutzt. Obwohl es durch einen Erdrutsch Ende der 1950er Jahre bereits schwer beschädigt war, wurde es bis 1963 in dieser Eigenschaft weiter genützt. 1964 folgte schließlich der Abbruch und auf dem Grundstück errichtete die Landmaschinenfabrik Heger Montagehallen. In den 2000er Jahren wurden auf dem Gelände das Gebäude der Bezirksbauernkammer und nach Abbruch der Hallen der Neubau der HTL Mistelbach errichtet.

Kaiser-Denkmäler

In Eibesthal809 und Kettlasbrunn810 sind Kaiser Franz Joseph Denkmäler erhalten geblieben, die beide im Jubiläumsjahr 1908 errichtet wurden. Auch in Mistelbach stand einst eine Büste des Kaisers vor dem Krankenhaus, die jedoch abgekommen ist.811 Auf einem Foto der Handwerkerausstellung des Jahres 1912 ist im ehemaligen Schulgarten (heute: Postgebäude) auch eine Kaiserbüste zu sehen, allerdings wurde selbige laut Fitzka nur für die Dauer der Ausstellung dort installiert. Es dürfte sich dabei um die schuleigene Büste gehandelt haben, die dank dem Einsatz von Baudirektor Ing. Kummer gerettet werden konnte und heute in dessen Garten aufgestellt ist.812

Kaiserbüste in Kettlasbrunn
(unmittelbar neben der Pfarrkirche)

Kaiserbüste in Eibesthal

Das Foto zeigt die Büste an ihrem vorherigen Standort beim heutigen Feuerwehrhaus. Im Jahr 2023 wurde die Büste jedoch um etwa 60 Meter versetzt und befindet sich nunmehr beim neu errichteten Radrastplatz im Kreuzungsbereich Markusstraße/Brunngartl.

Kaiserbüste während der Handwerkerausstellung 1912 im SchulhofKaiserbüste während der Handwerkerausstellung 1912 im Schulhof

 

Sonstiges

Postkarte herausgegeben anlässlich des 60-jährigen RegierungsjubiläumsPostkarte herausgegeben anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums

Straßenname

Zum Gedenken an Kaiser Franz Joseph I. und aus Anlass seines 50-jährigen Regierungsjubiläums beschloss der Mistelbacher Gemeinderat bei Einführung der Straßennamen als Adressbezeichnungen im Jahr 1898 auch eine Straße nach dem Regenten zu benennen.813 Bis 1938 behielt sie den Namen „Kaiser Franz Josef-Straße“, und nach Namensänderung während NS-Zeit, kurzzeitiger Rückbenennung nach dem Krieg und erneuter Namensänderung während der Besatzungszeit erhielt sie 1956 endgültig ihren Namen in etwas abgewandelter Form als Franz Josef-Straße zurück. Details zu den hier erwähnten zahlreichen Umbenennungen und deren Hintergründe sind in dem verlinkten Beitrag zu dieser Straße abrufbar.814

Kaiser Franz Josephs-Höhe815

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kirchenberg begrünt und mit Unterstützung des Fürsten Liechtenstein schuf der Verschönerungsverein Mistelbach den „Liechtenstein-Anlage“ genannten Park, rund um jene Stelle an der sich einstmals die Mistelbacher Burg befand. Auf der westlichen Seite der Grünanlage, wo von 1898 bis 1985 die Pestsäule stand und heute das Apostelkreuz, hat man einen schönen Überblick über die Stadt und im Dezember 1888 wurde hier zum Abschluss der Neugestaltung des Areals und aus Anlass des 40-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers eine Feierstunde veranstaltet. Im Rahmen dieser Feier präsentierte der Obmann des Verschönerungsvereins Karl Katschthaler einen an dieser Stelle errichteten Mastbaum mit der Inschrift: „Zum Kaiserjubiläum am 2. December 1888“ und auf diesem weithin sichtbaren Mast wurde fortan zu festlichen Anlässen die schwarz-gelbe Fahne des Hauses Habsburg gehisst. Der Mast ist natürlich längst verschwunden und auch die Bezeichnung des Plateaus als „Kaiser Franz Josephs-Höhe“ geriet bald wieder in Vergessenheit.

Die Franz Josephs-Höhe im Jahr 2018 (links das Apostelkreuz)

Der Ausblick von der Franz Josephs-Höhe über die Stadt

Weitere Ehrungen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Regierungsjubiläum 1908

Im Rahmen der großangelegten Feierlichkeiten aus Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums 1908 wurde im Stadtpark auch ein prächtiger Lindenbaum zur Kaiserlinde erklärt und vor diese ein Gedenkstein gesetzt – beides existiert heute nicht mehr.816 Auch in Hüttendorf wurde 1908 im Rahmen einer Jubiläumsfeier von Schulkindern eine Kaiserlinde vor dem Gasthaus gepflanzt. Das Gasthaus und auch die Linde fielen den Kampfhandlungen des Jahres 1945 zum Opfer.817

In Siebenhirten wurde bereits anlässlich des 50-jährigen Thronjubiläums 1898 auf  Anregung des hiesigen Pfarrers Wenzel Wurm eine parkartige „Jubiläumsanlage“ vor dem Friedhof errichtet, in der eine Kaiserlinde gepflanzt und eine Gedenktafel errichtet wurde. 1908 wurde die Anlage weiter ausgebaut und darin im Rahmen einer Jubiläumsfeier eine zweite Kaiserlinde gesetzt und eine weitere Gedenktafel enthüllt.818 Trotz des Gelöbnisses der Gemeindevertretung diese Anlage in Erinnerung an das 60-jährige Regierungsjubiläum auf immerwährende Zeit zu erhalten, verwahrloste die Anlage in den folgenden Jahrzehnten und insbesondere in Folge des Jahres 1945. Schließlich wurde die verwilderte Grünanlage gerodet und in anderer Form neu angelegt. Die Kaiserlinden und Gedenktafeln sind in der bis heute bestehenden Anlage nicht erhalten geblieben. 819

Bürgermeister-Almanach

An dieser Stelle sei auch auf den Beitrag zum anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums 1908 herausgegebenen Bürgermeister-Almanach verwiesen, in dem natürlich auch der Bürgermeister von Mistelbach und seine Amtskollegen aus den heutigen Katastralgemeinden verewigt sind.

Fassadenmalerei Kaiserstöckl

Auch in der jüngeren Vergangenheit fand sich eine weitere Referenz an Franz Joseph I. im Stadtbild Mistelbachs: Für einige Jahre bis etwa zur Jahrtausendwende zierte die Fassade des Hauses Hauptplatz Nr. 25 auf Höhe des ersten Stockwerks ein gemaltes Porträt des Kaisers. Dieses warb für das darin befindliche „Kaiserstöckl“, das zur im Erdgeschoss ansässigen Fleischhauerei Schödl gehörte.820

Quellen:

-) Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Mistelbach, Band I (2015), S. 34
-) Kleibl, Karl: „Jubiläumsanlagen in Mistelbach 1898-1910“ in: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Heimatkundliche Schriftenreihe der Stadtgemeinde Mistelbach, Band IX (2009), S. 179-194 (die Errichtung der Liechtensteinanlage und damit die Entstehung der Franz Josefs-Höhe wird fälschlicherweise mit 1898 angegeben.)
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. II. (1912), S. 158ff

Bildnachweis:
-) Kaiser-Bild: Wikimedia Commons
-) Winzerschule und Knabenschule: Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901)
-) Krankenhaus und Waisenhaus: digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Otmar Biringer aus der Sammlung von Herrn Lichtl
-) alle weiteren Aufnahmen: Thomas Kruspel (2018)

Heimat im Weinland – Heimatkundliches Beiblatt zum Amtsblatt der BH Mistelbach

Von Thomas Kruspel 10. Mai 2018 Aus

Im Sommer 1950 erschien erstmalig das Heimatkundliche Beiblatt zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach. Initiator und erster redaktioneller Leiter dieser heimatkundlichen Publikationsreihe, die seit 1960 unter dem Titel „Heimat im Weinland“ erscheint, war der Volksschullehrer und spätere Ministerialrat Prof. Hans Spreitzer. Der damalige Bezirkshauptmann Dr. Karl Mattes unterstützte dieses Vorhaben tatkräftig und in den folgenden Jahrzehnten sorgte die BH Mistelbach für die Finanzierung, bevor sich ab 1980 auch das Land Niederösterreich an den Kosten beteiligte. Seit der Gründung erscheinen verteilt auf mehrere Ausgaben pro Jahr, durchschnittlich rund 30 Seiten jährlich, die von einer großen Zahl ehrenamtlicher Mitarbeiter aus dem gesamten Bezirk mit Beiträgen über verschiedene heimatkundliche Themen befüllt werden. Nach dem Tod von Prof. Spreitzer im Jahr 1979, folgte ihm Ing. Erwin Eminger als leitender Redakteur nach, der diese Aufgabe ebenfalls bis zu seinem Ableben 2011 innehatte. 2012 übernahm schließlich der heutige Leiter Mag. Dr. Wolfgang Galler die redaktionelle Koordination von „Heimat im Weinland“.

Dass der Verwaltungsbezirk Mistelbach über diese großartige und nun bald siebzig Jahre hindurch erscheinende heimatkundliche Publikation verfügt, ist den engagierten Persönlichkeiten, die (jahrzehntelang) als redaktionelle Leiter bzw. eifrige Verfasser von Beiträgen wirkten, und der Leitung der hiesigen Bezirkshauptmannschaft zu verdanken.

Inhaltsverzeichnis der bis Mai 2024 in der Reihe „Heimat im Weinland“ erschienenen Beiträge

Quelle:
-) Eminger, Ing. Erwin: „40 Jahre Heimat im Weinland“ in: Heimat im Weinland, 1990, S. 28

Mistelbach und seine Katastralgemeinden in Vischers Niederösterreich Karte u. Topographie

Von Thomas Kruspel 4. Mai 2018 Aus

Der aus Tirol stammende Geistliche Georg Matthäus Vischer, der später aber vor allem als freischaffender Topograf und Kartograf tätig war, erhielt in dieser Eigenschaft im April 1669 von den Ständen des Erzherzogtums Österreich unter der Enns den Auftrag für eine Landesaufnahme. Bereits im Jahr darauf konnte er die 16 Blätter umfassende und von Melchior Küsell gestochene Karte präsentieren. Die untenstehenden Bildausschnitte stammen aus einer in der NÖ Landesbibliothek aufbewahrten zweiten Auflage der Karte, die im Jahr 1697 mit den Original-Kupferplatten angefertigt wurde.

Mistelbach und seine Katastralgemeinden finden sich auf diesem Ausschnitt aus Blatt drei, mit Ausnahme von …

… Kätzlsbrunn (=Kettlasbrunn), das sich auf Blatt vier findet.

Frättingsdorf fehlt in Vischers Darstellung, und die falsche Lage Siebenhirtens – an der Zaya – findet sich auch noch in der knapp hundert Jahre danach erschienenen Topographie Weiskerns, der sich bei seiner Beschreibung wohl auf dieses Grundlagenwerk stützte.

Sozusagen als Nebenprodukt entstand im Zuge der Reisen während der Arbeit an der Niederösterreich-Karte ein weiteres Werk Vischers, nämlich die aus mehr als 500 Kupferstich-Darstellungen bestehende „Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae“. In dieser 1672 veröffentlichten Bildersammlung wurden ausgewählte Orte bzw. deren besondere Bauwerke (Burgen, Schlössern, Klöster, …) festgehalten und deshalb finden sich darin auch nur jene beiden heute zu Mistelbach gehörenden Orte, die über ein Schloss verfügen: Ebendorf und Paasdorf.

Schloss Ebendorf um 1670 in einem Kupferstich auf Seite 141 in Vischers Topographie


Paasdorf samt Schloss um 1670 in einem Kupferstich auf Seite 167 in Vischers Topographie

Quellen & Links:
-) Vischers Niederösterreich-Karte auf der Webseite der Niederösterreichischen Landesbibliothek
-) Vischer, Georg Matthäus: Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae (1672) (Google Books – Digitalisat aus den Beständen der bayerischen Staatsbibliothek)

Mistelbach und seine Katastralgemeinden in Schweickhardts „Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns“

Von Thomas Kruspel 1. Mai 2018 Aus

Inspiriert von Weiskerns Topographie Niederösterreichs (1768) veröffentlichte der aus Wien stammende Autor und Topograph Franz Xaver Schweickhardt in den Jahren 1831 bis 1841 sein 34-bändiges historisch-topographisches Werk „Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens“. Nachfolgend die Einträge zu Mistelbach und seinen heutigen Katastralgemeinden.

Ebendorf

Ein Dorf von 69 Häusern und eine für sich bestehende Herrschaft mit der nur ½ Stunde entfernt gelegenen Poststation Wilfersdorf. Der Ort gehört zur Kirche nach dem nahen Mistelbach, zur Schule aber nach Lanzendorf. Den Werbkreis besitzt das Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4. Landgericht, Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist die Herrschaft Ebendorf, als Grundherrschaften aber sind die Dominien Prinzendorf, Mistelbach und Wilfersdorf bezeichnet.

Der Ort Ebendorf und respective Herrschaft enthält 76 Familien, 170 männliche, 172 weibliche Personen, 63 schulfähige Kinder, 29 Pferde, 92 Kühe, 850 Schafe (meist herrschaftliche), 3 Ziegen, 119 Schweine, 129 Joch 1586 Quadratklafter Wiesen, 782 Joch 374 Quadratklafter Äcker und 85 Joch 567 Quadratklafter Weingärten. Die Einwohner sind Landbauern mit einer geringen Bestiftung und haben außer zwei Schuhmachern und einem Schmied sonst keine Handwerker unter sich. Sie beschäftigen sich ausschließlich mit Feld- und Weinbau, wozu die Gründe ziemlich gut sind. Es werden die gewöhnlichen vier Körnergattungen gefechst und der Wein gehört zu den besseren Landweinen. Obstpflege und Viehzucht sind unbedeutend.

Ebendorf liegt von der Brünner Poststraße ½ Stunde links bevor man nach Wilfersdorf gelangt, nur 1/4 Stunde von Mistelbach entfernt und hat in der Nähe Lanzendorf und Kettlasbrunn. Die Lage des Orts ist flach im sogenannten Zayathale, wobei der Zayabach im Rücken desselben vorüberfließt und an welchem hier zwei Mühlen stehen; es bestehen zwei geschlossene Reihen Häuser, welche durchaus mit Stroh gedeckt sind. Die Wege führen von der Poststraße durch Ebendorf nach Mistelbach, Asparn an der Zaya und überhaupt ist die hiesige Gegend recht angenehm, mit gesundem Klima und gutem Wasser versehen. Besonders bemerkenswerthe Gebäude gibt es hier keine; bloß das herrschaftliche Schloß kommt anzumerken, selbes ist aber sehr klein und mit einem Thürmchen versehen. Kirche besitzt der Ort keine sondern gehört nach Mistelbach, wie wir schon oben erwähnt haben.

Den Namen Ebendorf erhielt das Dorf von seiner natürlichen ebenen Lage; es ist ein sehr alter Ort, die ersten Besitzer aber kennt man nicht davon, doch scheint ein solcher ein Eigenthum der Landesfürsten gewesen zu seyn, da Herzog Albrecht den 3. März 1290 einen Bauernhof zu „Erwendorf“ an die Capelle des heil. Johann des Täufers in Klosterneuburg schenkt. Im Jahre 1570 wird uns zuerst Johann Hütter von Hütershofen als Herr von Ebendorf bekannt. Johann Bernhard Freiherr von Fünfkirchen kauft den 3. November 1602 von Gebhardt Wilhelm Ritter von Welzer das Gut Ebendorf und einige Unterhanen zu Rohrbach im Viertel unter dem Manhartsberg. Kurz darauf kam Wolfgang Ernest Fatzy zum Besitze, der solches aber schon wieder den 19. September 1611 dem Edlen Simon Schröttl von Schrottenstein käuflich überließ. Nach diesem waren nach der Vormerkung im n.ö. ständischen Gültenbuche bis gegenwärtig folgende Besitzer: Im Jahre 1650 Lucretia Mechtl von Engelburg geborene von Schrottenstein, von ihrem Vater dem Vorigen; in demselben Jahre noch Wolfgang Helmhard Freiherr von Schieffer durch Kauf; im Jahre 1659 Christoph von Sinzendorf; im Jahre 1683 Johann Thomas Feyrer von Feyerhofe druch Kauf von der Frau Maria Eleonora Freiin von der Ehr geborene von Rauchenberg; im Jahre 1705 Philipp Oswald Martinitsch Edler von Mayersberg durch Kauf von den Erben des Vorigen; im Jahre 1741 dessen Sohn Johann Ferdinand; im Jahre 1743 Maria Antonia Martinitsch Edle von Meyersberg geborene von Engelshofen durch Kauf von ihren Kindern; im Jahre 1773 Franz Matinitsch Edler von Meyersberg durch Abtretung von seiner Mutter Maria Antonia; im Jahre 1805 Anton Edler von Kriegshuber; im Jahre 1824 Julius Joseph Ritter von Hüttersthal; im Jahre 1828 Elisabetha von Hüttersthal; und im Jahre 1830 Joachim Freiherr von Schell-Bauschlott, k.k. Oberstlieutenant, welcher die Herrschaft Ebendorf noch besitzt, solche aber verpachtet hat. Geschichtliche Ereignisse oder sonstige Schicksale sind von diesem Orte keine bekannt.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band I (1833), S. 174-176
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Eibesthal

Ein Kirchdorf mit 196 Häusern und der nächsten Poststation Wilfersdorf. Kirche und Schule befinden sich im Orte. Davon gehört das Patronat dem Barnabiten-Collegium zu Mistelbach, die Kirche aber in das Decanat Wilfersdorf zu Hausleuthen (korrekt Hauskirchen). Den Werbbezirk besitzt das Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4. Das Landgericht ist die Herrschaft Wilfersdorf. Behauste Unterthanen haben hier die Herrschaft Zistersdorf, das Collegium Mistelbach, das Kloster zu Asparn an der Zaya, das Stift Klosterneuburg, die Pfarre Strohnsdorf, die Kirche von Eibesthal und das Dominium Wilfersdorf, welch‘ letzteres auch zugleich Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist.

Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 221 Familien mit Inbegriff von 569 männlichen, 475 weiblichen Personen und 190 schulfähigen Kindern, welche einen Viehstand von 30 Pferden, 200 Kühen und 400 Schafen besitzen. Die Bewohner von Eibesthal sind Landbauern mit geringer Bestiftung, welche die unentbehrlichen Handwerker unter sich haben, und Acker- gleichwie auch Weinbau treiben. Sie bauen die gewöhnlichen vier Hauptkörner-Gattungen auf ihren mittelmäßigen Grundstücken, welche öftern Überschwemmungen von dem Zayabache ausgesetzt sind. Aus Mangel an Futter, da der Kleebau nicht mit Fleiß betrieben wird, und daher auch nicht gedeihet, ist die Viehzucht in sehr schlechtem Zustande.

Das Dorf Eibesthal liegt 1/4 Stunde rechts von der Brünner Hauptstraße entfernt, zwischen Wilfersdorf und Ginzersdorf von einer Hügelreihe eingeschlossen in der Niederung derselben, worin Rannersdorf, Prinzendorf, Bullendorf und Erdberg die nächst gelegenen Ortschaften sind. Die Häuser welche größtentheils mit Stroh gedeckt sind, befinden sich in schlechtem Bauzustande. Die Jagd liefert Hasen; Klima und Wasser sind gut, die Gegend angenehm. Es befindet sich hier auch die herrschaftliche Schäferei.

Die hiesige Pfarrkirche ist uralt und dem heiligen Evangelisten Marcus geweiht. Der älteste Theil derselben ist das Presbyterium, das Schiff aber scheint erst später zugebaut worden zu seyn. Als in neuerer Zeit diese Kirche die hiesige Pfarrgemeinde nicht mehr fassen konnte, so wurde im Jahre 1828 rückwärts ein neuer Theil, welcher breiter und höher als das Schiff und mit einem Gewölbe versehen ist, erbaut. In eben diesem Jahre wurde auch der Thurm über diesem neu angebauten Theile ausgeführt, das Dach mit Schindeln gedeckt und roth angestrichen. Die Bauart des mit Schindeln gedeckten Presbyteriums ist gothischen Styles. Das Schiff ist sehr nieder und gewölbt, dessen Mauern bei dem Baue im Jahre 1828 erhöhet und mit Ziegeln eingedeckt wurde. Im Innern des neu erbauten Theiles sind vier Pfeiler angebracht, auf welchen der Thurm ruht, und die auch durch den im ersten Stocke befindlichen Chor geführt sind. In der Kirche befindet sich nebst dem Hochaltare auch ein Seitenaltar mit dem Bilde der Mutter Gottes Maria Hilf geziert. Beide sind gemauert und ersterer steht ganz frei, so daß man um selben herumgehen kann. Hinter diesem befindet sich an der Wand befestigt das Bild des heil. Markus in hölzernen Rahmen und mit einigen Verzierungen umgeben. Neben selben stehen Säulen und Statuen und in der Höhe vergoldete Engel, welche das aus Holz gezierte Auge Gottes halten. Dieses alles ist aber sehr morsch und bedarf dringend einer Erneuerung. Merkwürdigkeiten gibt es hier keine. Die Zeit der Erbauung dieser Pfarrkirche ist nicht bekannt, doch ist selbe unstreitig von hohem Alter. In dem Kirchenvisitations-Protokolle der niederösterreichischen landesfürstlichen Lehenstube vom Jahre 1544 erscheint dieselbe schon als Pfarre und war bis zum Jahre 1666 der heil. Magdalena, vom Jahre 1675 an aber dem heil. Markus geweiht. Aus welchem Grunde die Kirchenpatrone gewechselt wurde, darüber sind keine Urkunden vorhanden, jedoch ist es nicht unwahrscheinlich, daß zur Zeit des Protestantismus diese Kirche ihre Gläubigen verlor und sodann bei der neuerlichen Einweihung den heil. Markus zum Patron erhielt. Der Leichenhof, welcher bis zum Jahre 1815 sich um die Pfarrkirche herum befand, ist nun außer dem Dorfe angebracht, mit Mauern umfangen und im Innern an denselben mit Pappeln bepflanzt. Der Gottesdienst wird von einem Pfarrer allein versehen.

In welche Periode die Entstehung des Dorfes Eibesthal, früher ein eigenes Gut Iwanstal genannt, fällt, ist in der Geschichte nicht aufzufinden, doch wird dessen hohes Alter dadurch beurkundet, daß im Jahre 1161 ein Berthold von Iwanstal im dritten Stiftbriefe des Schottenklosters von Herzog Heinrich II. Jasomirgott und im Jahre 1181 in einer Urkunde eben dieses Stiftes von Herzog Leopold, als Zeuge vorkommt. Dieser Ort gehörte nachmals den alten Herren von Mistelbach, und kam nach deren Abgang an das Hauch Liechtenstein. Von dem Geschlechte der Iwanstal schweigt übrigens die Geschichte ganz, und es ist daher die Zeit von dessen Entstehen so wie von dessen Ausblühen unbekannt, und auch von den allfälligen Schicksalen, welche diesen Ort betroffen haben mögen, nichts aufzufinden.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band I (1833), S. 200-202
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Frättingsdorf

Ein Dorf mit 69 Häusern und der nächsten Poststation Poysdorf. Dieser Ort ist zur Kirche und Schule nach Hörersdorf angewiesen. Den Werbbezirk besitzt hier das Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4. Landgericht ist die Herrschaft Staatz, welche auch zugleich Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist. Behauste Unterthanen haben hier die Pfarren Hörersdorf und Wultendorf, Spital Mistelbach, Minoriten-Kloster Asparn an der Zaya, die Herrschaften Loosdorf, Asparn an der Zaya, Hagenberg, Prinzendorf, die Pfarrkirche Staatz und die Propstei Staatz.

Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 76 Familien, 153 männliche, 156 weibliche Personen und 46 Schulkinder, welche einen Viehstand von 26 Pferden, 92 Kühen, 88 Schafen, 8 Ziegen und 60 Schweinen halten. Die Bewohner sind Landbauern, welche sich mit Acker- und Weinbau so wie auch mit der Obstpflege beschäftigen und im Ganzen nur mittelmäßig bestiftet sind. Sie haben bloß die nöthigsten Handwerker unter sich und treiben mit Obst einen Handel nach Wien. Nebst den gewöhnlichen vier Hauptkörnergattungen bauen sie auf ihren Grundstücken, welche nur von mittelmäßiger Beschaffenheit und öfteren Reifschäden ausgesetzt sind, auch Mais. Die Viehzucht ist, wie größtentheils in dieser Gegend nur auf den Hausbedarf beschränkt und genießt keine Stallfütterung.

Frättingsdorf liegt von der nächsten Poststation Poysdorf ungefähr 2 Stunden links von der Brünner-Poststraße entfernt, in einem Thale, welches der sogenannte Dorfbach durchfließt, und grenzt mit den Ortschaften Hörersdorf, Loosdorf, Wultendorf, Ehrnsdorf, Waltersdorf und Hagenberg. Die Häuser sind in zwei Reihen gebaut, mit Stroh eingedeckt und einige von ihnen ganz mit Gärten umgeben. Die Gegend hier ist übrigens von ziemlicher Annehmlichkeit, jedoch werden keine besonderen Merkwürdigkeiten getroffen. Ein zur Herrschaft Staatz gehöriger Wald nebst einigen Gemeindeholzäckern befinden sich im Ortsbezirke und die Jagd, welche Rehe, Hasen, Fasane und Rebhühner liefert, kann mittelmäßig genannt werden. Klima und Wasser sind gut.

Von der Entstehungsperiode so wie von den Schicksalen dieses Ortes ist nichts bekannt, da hievon keine Urkunden vorhanden oder sonst aufgezeichnete Ereignisse bekannt sind. Der Ortsname scheint sich auf seinen Gründer zu beziehen; auch ist das hohe Alter desselben außer allen Zweifel zu ziehen.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band II (1834), S. 48-49
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Hörersdorf

Ein Dorf von 99 Häusern, welches Poysdorf zur nächsten Poststation hat. Pfarre und Schule befinden sich im Orte, im Decanate Laa; das Patronat gehört dem Fürsten Philipp Batthyány. An behausten Unterhanen besitzen hierselbst die Herrschaften Prinzendorf 62, Staatz 5, dann das Barnabiten-Collegium zu Mistelbach 1. Landgericht ist die Herrschat Staatz, Orts- und Conscriptionsobrigkeit die Herrschaft Prinzendorf. Der Wehrkreis gehört dem Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4.

Der Seelenstand umfaßt in 106 Familien, 234 männliche, 244 weibliche Personen und 100 schulfähige Kinder, welche 18 Pferde, 140 Kühe, 250 Schafe und 150 Schweine halten. Im Ganzen können die hiesigen meist lehmigen Gründe, nicht gut genannt werden, besonders da sie wenig Dünger erhalten, welchen man fast allen in die Weingärten verwendet. Auch unterliegen sie öftern Reifschäden. Die meist aus Hauern bestehenden Einwohner ernähren sich von einem bedeutenden Weinbau, wobei sie auch Körnerfrüchte aber meist nur Korn und Hafer erbauen; Obst gibt es ebenfalls in Menge; im Ganzen sind sie gut bestiftet und haben auch die nöthigsten Handwerker unter sich. Die Viehzucht hingegen ist, da keine Weiden vorhanden sind in einem schlechten Zustande; das wenige Vieh wird daher meistens im Hause erhalten.

Der Ort besteht in unregelmäßig zusammengebauten Reihen Häuser, welche meist mit Stroh gedeckt sind, und liegt in einem mäßigen hübschen Thale, eingehüllt von den Hausgärten; durch ihn führt bloß eine Seitenstraße von der Stadt Laa nach dem Markte Mistelbach. Ein Bächlein fließt durch den Ort nach Siebenhirten. Die Gegend ist im Ganzen zwar nicht bergig aber doch sehr angenehm und auf den Hügeln sind so viele Waldungen vorhanden, daß die Einwohner ihren Holzbedarf daraus beziehen können. Die Jagd ist sehr unbedeutend, da außer einigen Hasen und Rebhühnern kein anderes Wild vorhanden ist. Wasser und Klima können gut genannt werden. Die nächstgelegenen Ortschaften sind Mistelbach, Asparn an der Zaya, Siebenhirten, Staatz und Ameis; erstere zwei Märkte jeder eine Stunde, die übrigen Orte minder weit entfernt. Wenn man so die ganze hiesige Umgebung in Betrachtung zieht, so findet man, daß Hörersdorf entfernt von allen geräuschvollen Straßen in wahrhaft ländlicher harmonischer Stille recht malerisch gelegen ist. Besonders schön ist die Ansicht des Dorfes von der Seite von Frättingsdorf her, von welcher sich an der Anhöhe pitoreske Partien zeigen. In der That seltsam und wunderbar ist aber die Aussicht, wenn man die Anhöhe außerhalb Hörersdorf zwischen den Weingärten gewonnen hat; da eröffnen sich Gruppen beiderseitige Hügelreihen, und in der Mitte zwischen denselben taucht wie aus einem Meer, weil der Hintergrund eine bis in die blaue Ferne sich verlierende Fläche bildet, auf ganz freien kühnen Felsen die majestätische Ruine von Staatz empor. Höchst merkwürdig ist die Ansicht, die gewiß nicht überraschender und großartiger seyn kann als von hier aus, wo uns die in fahles Licht gestellten verfallenen Schloßmauern ernst anstarren, die bedeutende Riesenstärke zeigend, welche sie einst in den grauen Vorzeiten gehabt haben und noch jetzt in Trümmern gebrochen den Eingriffen der Zeit trotzend. Fürwahr zwei sehr verschiedene Ansichten! – nämlich jene nach den stillen Hörersdorf voll ländlicher Lieblichkeit und Anmuth und dorthin nach jener vor Jahrhunderten so mächtigen Burg, wie nicht eine zweite Ansicht dieser Art in Österreich vorhanden ist. Schon dieserwegen allein wäre ein Ausflug für den Reisenden hieher belohnend. So birgt denn unser Österreich inmitten der lieblichsten Gebilde Absätze in der Natur, die einen höchst ernsten Charakter an sich tragen und unsere ganze Bewunderung verdienen!

Die Kirche, welche klein und nicht von besondern Ansehen ist, liegt über zweyhundert Schritte gegen Osten vom Dorfe entfernt auf einem ziemlichen Berge, von wo aus dieselbe mit dem darunter sich hinziehenden Dorfe ein schönes ländliches Bild gewährt. Sie ist dem heiligen Oswald, einstigen Könige von Dänemark geweiht. An ihrem Äußeren zeigt sich das gothische Presbyterium noch ziemlich fest, das später zugebaute Schiff aber sammt der drei Glocken enthaltenden Thurme in neuerem ziemlich schlechten Style. Außer dem Hochaltar sind noch zwei Seitenaltäre von denen der eine dem heiligen Florian, der andere der Jungfrau Maria geweiht ist, sämmtlich von Holz und einfach verziert, vorhanden. An sonstigen Merkwürdigkeiten ist in diesem Gotteshause nicht zu bemerken; jedoch sind die Paramente hinreichend und für eine Landkirche auch schön zu nennen. Als Filiale gehört jetzt nur noch der Ort Frättingsdorf ¾ Stunde entfernt hierher, außer welchem früher auch noch Siebenhirten ½ Stunde weit, eingepfarrt war, weshalb sich damals zwei Priester hier befanden, gegenwärtig jedoch bloß einer als Pfarrer die geistlichen Functionen versieht. Der Leichenhof ist zunächst der Kirche angelegt. Über das Geschichtliche in Bezug auf diese Kirche führen wir an, daß obgleich keine Documente die ihre Gründung angeben, vorhanden sind, dieselbe als eine Capelle, welche das erwähnte Presbyterium jetzt bildet, schon in früher Zeit bestanden habe, wobei auch das Pfarrdenkbuch erwähnt, daß im Jahre 1351 die erste Stiftung zur Verbesserung des Unterhaltes für einen bleibenden Pfarr-Vicarius geschah, da solcher vorher von Mistelbach aus, wohin Hörersdorf gewiesen war, erhalten ward.

Auch über die Entstehung und das Alter des Ortes läßt sich zwar nichts Genaues angeben, jedoch finden wir denselben in einer Verkaufs-Urkunde des Stiftes Klosterneuburg aus dem XII. Jahrhundert, worin ein Perdolf von Herolesdorf mit drei Söhnen erscheint, außer welchem jedoch keiner dieses Namens mehr vorkommt. Wahrscheinlich hatte diese Familie auch daselbst ein Besitzthum, da der Ort schon von jeher dem Stifte Klosterneuburg gehörte, das seit dem Jahre 1820, der Entfernung wegen, von dem ihm ebenfalls zugehörenden Prinzendorf aus die Gerichtsbarkeit üben läßt, übrigens aber den Namen des Ortes angenommen, wenn nicht etwa selbst gegründet. Der frühere Name Herolesdorf ist von seinem Erbauer Herold oder Heroles abgenommen, dagegen aber die jetzige Benennung als Hörersdorf ohne allen Grund und Sinn verunstaltet worden.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band III (1834), S. 29-32
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Hüttendorf

Ein Kirchdorf welches 100 Häuser zählt, mit der nächsten Poststation Wilfersdorf. Kirche und Schule befinden sich im Orte; erstere gehört in das Decanat Hauskirchen und das Patronat dem Barnabiten-Collegium zu Mistelbach. Den Werbkreis besitzt das Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4. Landgericht ist die Herrschaft Paasdorf. In diesem Orte haben mehrere Dominien behauste Unterthanen als: die Herrschaft Paasdorf, das Barnabiten-Collegium in Mistelbach, das Minoriten-Collegium zu Asparn an der Zaia, die Herrschaften Ladendorf und Staatz, die Pfarre Niederleis, Mailberg, Wilfersdorf, Zistersdorf, Paasdorf und das Domcapitel zu Wien.

Die Bevölkerung von Hüttendorf besteht in 147 Familien mit 291 männlichen, 341 weiblichen Personen und 120 Schulkindern. Der Viehstand: in 34 Pferden, 133 Kühen und 159 Schafen. Die Einwohner sind Landbauern mit einer mittelmäßigen Grundbestiftung und haben die nothwendigen Handwerker unter sich. Sie beschäftigen sich mit Wein- und Feldbau und verführen ihre Producte zum Verkaufe. Es werden meist Weizen, Korn, Hafer, etwas Gerste, Mais, Heidekorn, Erbsen und Linsen gebaut, wozu die Gründe gut sind, die zuweilen aber vom Hagelwetter, die Weingärten dagegen vom Frost betroffen werden. Nebst der nicht unbedeutenden Obstpflege wird auch die Viehzucht gut betrieben.

Hüttendorf liegt von der Brünner-Poststraße links ab von der Poststation Wilferdorf etwa 1 ½ Stunden Fußweges entfernt, zwischen den beiden Märkten Asparn an der Zaia und Mistelbach in einem angenehmen Thale, wovon Ebendorf, Lanzendorf und die Herrschaft Paasdorf die anderen nächsten Ortschaften sind. Das Dorf ist sehr nett und reinlich, in zwei langen Reihen Häusern, die eine breite Gasse bilden, gebaut und die Häuser mit Ausnahme einiger Ziegeldächer meist mit Stroh gedeckt. Die Keller, Preßhäuser, Scheunen und bedeutenden Obstgärten befinden sich hinter den Wohngebäuden. Der Zaiabach fließt im Rücken des Ortes neben und durch die Wiesen; an diesem stehen drei hierher gehörige Mühlen, nämlich die Grünberger-, Feld- und Ortsmühle. Unfern vom Orte ist der sogenannte Hüttendorfer-Berg und der Hüttendorfer-Wald gelegen, welche beide sehr beträchtlich sind. Die Jagdbarkeit, ein Eigenthum der Herrschaft, ist jedoch nicht von Belange, sie liefert nur Hasen und Rebhühner, selten einige Rehe. Gesundes Klima und gutes Trinkwasser sind hier vorherrschend. Die nöthigen Verbindungsstraßen zu allen nachbarlichen Örtern bestehen in Feldwegen.

Außer der hier stehenden Pfarrkirche, dem Pfarrhofe und dem Schulhause gibt es sonst keine bemerkenswerthen Gegenstände. Diese befindet sich rückwärts der Häuser des Dorfes, ist ein Gebäude neueren Baustyles gewöhnlicher Art mit Ziegeln gedeckt, hat aber einen schönen mit Kupfer gedeckten Thurm mit einem im Feuer vergoldeten Kreuze, einer Uhr und vier gut gestimmten Glocken. Der innere Schmuck derselben besteht mit einem Hochaltar und zwei Seitenaltären von Holz mit vergoldeter Bildhauerarbeit geziert, wo auf ersterem sich das Bild der heiligen Barbara in Lebensgröße als Kirchenpatronin befindet, die andern beiden aber zu Ehren der heiligen Anna und des heiligen Florian geweiht sind. Merkwürdigkeiten sind keine vorhanden, auch gehört der Ort Hüttendorf nur allein zu dieser Pfarre. Der Gottesdienst wird von einem Pfarrer allein versehen. Der Leichenhof liegt außerhalb dem Dorfe.

Man kennt das Alter und die Schicksale derselben nicht; eben so auch vom Dorfe. Indessen ist es außer allem Zweifel, daß Hüttendorf schon im XII. Jahrhundert existirt habe. Der Name bezeichnet schon an sich selbst, daß anfangs nur einige Hütten da standen, die dann zu einem Dorfe anwuchsen. Sehr zeitig gab es auch ein edles Geschlecht, welches den Ort besaß, sich davon nannte und schrieb. Wir finden in Österreich zwei verschiedene ritterliche Geschlechter dieses Namens, die aber beide längst erloschen sind. Von dem ersten, welches Hüttendorf besessen hat, erscheint zu Anfang des XII. Jahrhunderts Adelbero de hittendorf in einer Urkunde des Stiftes Klosterneuburg unter den Zeugen. Dom. Ulricus de Hittendorf wird in einem Document, so eine Gewährsleistung Bertolds von Engelschalichesveld an die deutsche Ordens Commende in Wr. Neustadt enthält, im Jahre 1260 unter den Zeugen gelesen (Raim. Buelii Hist. Ord. Equil. Teut. P. III. Cap. 3. Num. 9 fol. 81). Derselbe war mit Wilbirigs gebornen von Drozze (Droß) verehelichet, welche im Jahre 1287 den Johanniter-Ordens-Rittern zu Mailberg drei Grundstücke bei Wulzeshofen und Gnadendorf mit sechs Talenten Einkünften vermachte (ex collect. Rev. D. Can. Et Commend. A Smitmer). Gunrad der Waise von Hüttendorf, wahrscheinlich ein Sohn Ulrichs, wird in einer Urkunde der römischen Königin Elisabetha, über einige zu der Hofcapelle gestiftete Einkünfte im Jahre 1312 am heiligen Pfingsttag unter den Zeugen angeführt (Philib. Hueber Aust. Etc. Lib. I. Cap. 8. fol. 46). Dietrich von Hüttendorf und Braid seine Hausfrau kauften am Monatg nach Servazi 1389 von dem Caspar Praunstorfer von Nexendorf ein Zehent bei Ober-Dürnbach (Can. à Smitmer). Dieser ist der letzte, welcher aus diesem Geschlechte in alten Schriften gefunden wird, und somit scheint die Familie zu Ende des XIV. Jahrhunderts ausgeblüht zu haben. Nach den noch vorhandenen Sigillen führten sie in ihrem Wappen einen mitten längst herab getheilten Schild, dessen vorderer Theil sechsmal schräg schwarz und gelb balkenweise durchstreift ist. Die andere Hälfte hat in der Mitte einen Querbalken. Hüttendorf war immer ein eigenes Gut mit einer ständischen Einlage, wir bedauern nur, die darauf gefolgten Besitzer nach Aussterben der obigen Herren von Hüttendorf nicht zu kennen; so viel ist aber gewiß, daß der Ort alsdann ein landesfürstliches Lehengut ward. Als solches erhielt dasselbe Johann Christoph Freiherr von Freiberg zu Riedeben ungefähr um das Jahr 1631, nach dem er vorher die Herrschaft Paasdorf an sich gebracht hatte. Nach demselben erscheint Johann Oswald Hartmann, der sich von und zu Hüttendorf schrieb, im Jahre 1684 mit den vorhin landesfürstlichen Vicedomischen Gütern und Gülten Hüttendorf, Schrick und Geiselberg begütert, welche er vom Kaiser Leopold I. seiner Verdienste wegen erhielt und zugleich in den Ritterstand mit dem obigen Prädicate erhoben wurde. Ihm folgte sein Sohn Johann Baptist Vollmar Hartmann von Hüttendorf im Besitze und verkaufte dieß Gut an den Grafen Raimund von Perlas, welcher auch zugleich die Herrschaft Paasdorf besaß, im Jahre 1726; im Jahre 1741 erhielt dasselbe sein Sohn Franz erbweise; im Jahre 1777 Carl, und im Jahre 1810 Johann Graf von Perlas, der Hüttendorf sammt der Herrschaft Paasdorf noch gegenwärtig besitzt.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band III (1834), S. 66-69
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Kettlasbrunn

Ein Dorf von 148 Häusern nächst der eine Viertelstunde entfernten Poststation Wilfersdorf. Kirche und Schule befinden sich im Orte, das Decanat ist Hauskirchen, das Patronat gehört dem Fürsten Johann Liechtenstein. Behauste Unterthanen besitzen hier die Herrschaften Walterskirchen und Wilfersdorf, welch‘ letztere Herrschaft auch das Landgericht, die Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist. Der Werbbezirk gehört dem Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4.

Der Ort enthält in 187 Familien, 395 männliche, 434 weibliche Personen und 70 schulfähige Kinder. Der Viehstand besteht aus 59 Pfereden, 171 Kühen und 1213 Schafen und 210 Schweinen. Die nicht zum besten bestifteten Einwohner sind Landbauern, welche nur die nothwendigsten Handwerker unter sich haben und sich von Acker- und Weinbau nähren. Sie erbauen auf ihren mittelmäßig zu nennenden Gründen Weizen, Korn, Gerste und Hafer. Der Obstbau so wie die Viehzucht sind ganz unbedeutend, dabei sind auch die hiesigen Gründe vorzüglich die Weingebirge, den Hagelschäden ausgesetzt.

Das Dorf Kettlasbrunn, wie erwähnt, ungefähr eine Viertelstunde von der Brünner-Poststraße gegen Osten gelegen, ist ziemlich regelmäßig gebaut, seine Häuser sind gemauert und meist mit Stroh nur wenige mit Ziegeln gedeckt. Ein kleiner, eine halbe Stunde vom Orte im Walde entspringender namenloser Bach durchfließt einen Theil desselben in der Richtung gegen Wilfersdorf und mündet sich dann in die Zaya. Die im Rücken des Dorfes sich hinziehende mit Äckern und Weingärten besetzte Hügelkette, so wie der gegen Osten befindliche aus Nadelholz bestehende nicht unbeträchtliche Wald geben dieser Gegend ein ansprechendes ländliches Ansehen, wobei auch noch der nahe Markt Wilfersdorf, die über die Bergwölbungen noch vorragende Kirche des Marktes Mistelbach, die längs des Baches zerstreut liegenden Mühlen und die Abwechslung der Äcker mit den Weingärten den Reiz derselben bedeutend erhöhen. Die dem Orte zunächst gelegenen Ortschaften sind Höbersdorf, Schrick, Blumenthal und Maustränk, mit denen mittelmäßige Feldwege die Verbindung unterhalten. Brücken sind keine vorhanden. Die hiesige Jagdbarkeit liefert Hasen, Rebhühner, Rehe und Füchse. Das Klima ist gesund, das Wasser gut.

Die ziemlich in der Mitte des Dorfes auf einer Anhöhe gelegene Kirche ist dem heil. Märtyrer Sebastian geweiht, in neueren italienischen jedoch einfachen Style erbaut. Sie ist mit Ziegeln gedeckt, hoch, gewölbt aber ohne Pfeiler, und gehört unter die größeren und geschmackvolleren Landkirchen Österreichs. Der über ihre Fronte sich erhebende ziemlich hohe Thurm hat eine Blechkuppel und enthält eine sehr wohltönende, wahrscheinlich aus den den frühern Zeiten der christlichen Zeitrechnung herstammende Glocke. Vor dem Haupteingange, zu welchem eine aus Ziegeln gemauerte breite Stiege führt, stehen zu beiden Seiten zwei steinerne Bildsäulen, rechts die des heil. Florian und links die des heil. Johann von Nepomuck. Dieses schöne wegen seiner Lage von drei verschiedenen Seiten mehrere Stunden weit zu erblickende Gotteshaus enthält außer dem Hochaltar zwei Seitenaltäre. Ersterer ist gemauert mit Marmor überzogen und enthält in einem werthvollen mit steinernen Säulen umgebenen Gemälde den heiligen Sebastian in Lebensgröße von unbekannter Hand gefertigt. Die zu Anfang des Presbyteriums stehenden zwei Seitenaltäre sind nur von Holz ausgeführt ohne Gemälde, auf dem zur Rechten steht die hölzerne Bildsäule des heil. Florian, auf dem zur Linken des heil. Johann von Nepomuck, welchen Heiligen sie auch geweiht sind. Zur linken Seite des Hochaltares oberhalb der Sacristei ist ein Oratorium; auch verdient das Chor dieser Kirche Erwähnung, da es in ziemlicher Höhe angebracht, sehr breit und doch von keinen Pfeilern gestützt ist. Zu der hiesigen Pfarre gehört weder eine Filiale noch ist außer dem eine halbe Stunde von hier gelegenen fürstlich Liechtensteinischen Schäferhofe ein anderer Ort dahin eingepfarrt. Gottesdienst und Seelsorge versieht ein Pfarrer ohne Cooperator.Der im Jahre 1794 angelegte Leichenhof ist dreihundert Schritte vom Orte gegen Süden gelegen.

Ohne über die Zeit der Entstehung und die Schicksale von Kettlasbrunn, welches so lange man den Ort kennt der Herrschaft Wilfersdorf einverleibt ist, aus Mangel aller dahin einschlagenden Nachricht etwas mittheilen zu könnnen, vermögen wir bloß in der Hinsicht der hiesigen Kirche anzuführen, daß dieselbe schon vor dem XVI. Jahrhundert vorhanden war. Im Jahre 1544 brannte der Pfarrhof ab und die Kirche blieb einige Zeit ohne Vorsteher, welche vom Jahre 1634 und später in den Zeiten der verheerenden Pestseuchen ein häufig besuchter Wallfahrtsort war, woher auch das Kirchenvermögen entstanden seyn mag. Während der Jahre 1646 bis 1648, als die Schweden in Österreich hausten, stand sie wiederum verlassen und war allem Anscheine nach allen Verwüstungen preisgegeben. Im Jahre 1718 durch Feuer zerstört, ward sie darauf aus eigenem Vermögen größer und schöner wieder erbaut, in welcher Gestalt diese Kirche jedoch nur sechs und sechzig Jahre bis 1784 stand, wo sie theils wegen Baufälligkeit, theils weil sie für die bedeutend vermehrte Einwohnerzahl zu klein war, ganz abgebrochen ward, worauf noch in demselben Jahre die Grundsteinlegung zu dem heutigen Gotteshause stattfand, welches 1789 eingeweiht wurde. Auch während des zweiten französischen Einfalls im Jahre 1809 mußten sowohl Ort als Kirche durch Plünderung, Verwüstung und Muthwillen aller Art vielen Schaden erleiden.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band III (1834), S. 133-135
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Lanzendorf

Ein Dorf von 96 Häusern, welches Wilfersdorf zur nächsten Poststation hat. Dasselbe gehört zur Pfarre und Schule nach dem benachbarten Mistelbach. Der Werbkreis ist dem Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4 zugetheilt. Landgericht, Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist die Herrschaft Wilfersdorf. Dominien, welche hier behauste Unterthanen und Grundholden besitzen, sind Wilfersdorf, Ladendorf, Mistelbach, Kreuzstetten.

Der Ort enthält 121 Familien, 235 männliche, 264 weibliche Personen und 84 Schulkinder. Der Viehstand zählt 26 Pferde, 1 Ochsen, 87 Kühe, 101 Schafe, 6 Ziegen und 30 Schweine. Die Einwohner sind mittelmäßig bestiftete Landbauern, welche auch die unentbehrlichen Handwerker unter sich haben. Ihre Hauptbeschäftigungen sind Acker- und Weinbau; mehrere treiben auch einen Körner- und Weinhandel. Die Gründe sind mittelmäßig und Elementarbeschädigungen ausgesetzt; die Erträgnisse derselben bestehen in den vier Haupt-Körnergattungen, vorzüglich in Wein und dann Obst. Die Viehzucht wird von den hiesigen Einwohnen nicht vorzüglich mit Fleiß betrieben; denn sie halten nur so viel Vieh als die Hauswirtschaft erfordert, und dieses genießt bloß die Weide.

Lanzendorf liegt flach in einem angenehmen Thale an der Zaia, welche sich hier mit dem Mistelbache vereinigt. In dieser sich von Westen nach Norden hinziehenden höchst lieblichen Thalgegend liegen westlich Ladendorf, darauf in einer Entfernung von ¾ Stunden Paasdorf und nördlich nur ¼ Stunde von diesen das bedeutende Lanzendorf (korrekt Mistelbach). Der Ort, welcher durchaus nette Bauern- und auch einige andere hübsche Häuser enthält, um welche sich Obstgärten befinden, ist regelmäßig gebaut, und die Häuser sind mit Strohdächern versehen. In der Mitte desselben steht ein kleines Kirchlein eigentlich nur eine Betcapelle, die jedoch ganz von Steinen ausgeführt ist und einen Thurm mit zierlicher Kuppel enthält. Die benachbarten Ortschaften sind Ebendorf, Paasdorf und Mistelbach. Am Zaiabache steht hier auch ein Mühlwerk mit einem hübschen Gebäude. Hier wo sich das Thal erweitert, fließt durch einen Theil des Dorfes ein Bächlein und vor dem Orte der sogenannte Seihbach. Die vorhandenen Wälder und Anhöhen sind nicht bedeutend, und außer Hasen und Rebhühnern trifft man kein anderes Wild daselbst. Das Klima ist gesund, auch das Wasser gut.

Lanzendorf ist ein alter Ort, und scheint von den Herren von Lanzendorf, welche ihren Sitz in dem Dorfe gleiches Namens im Viertel unter dem Wienerwald gehabt haben, gegründet worden zu seyn und auch den Namen erhalten zu haben, somit könnte die Entstehungzeit gegen Ende des XII. Jahrhunderts fallen. Im Jahre 1392 war der Ort ein Eigenthum des Hansen Schauerbeckh, welcher denselben in gedachten Jahre an Johann von Liechtenstein verkaufte; seit dieser Zeit ist der Ort ein Bestandtheil von der Herrschaft Wilfersdorf und im Besitzthume des hochfürstlichen Hauses Liechtenstein.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band III (1834), S. 292-293
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Mistelbach

Ein Markt von 440 Häusern mit der nächsten Poststation Wilfersdorf. Pfarre und Schule befinden sich im Orte; das Dekanat ist Wilfersdorf zu Hauskirchen, das Patronat gehört dem Barnabiten-Collegium. Unterthanen und Grundholden besitzen die Herrschaft Wilfersdorf und das Barnabiten-Collegium. Landgericht, Orts- und Conscriptionsherrschaft ist Wilfersdorf. Der Werbbezirk gehört dem Linien-Infanterie-Regimente Nr. 4.

Hier wohnen in 524 Familien 1028 männliche, 1140 weibliche Personen und 312 schulfähige Kinder; der Viehstand besteht aus 100 Pferden, 291 Kühen, 633 Schafen, 15 Ziegen und 105 Schweinen. Die hiesigen Einwohner sind Gewerbsleute, Bauern und Hauer, ihre Bestiftung ist mittelmäßig, die Gründe sind von mittlerer Beschaffenheit und seit der Regulirung des Zayabaches verbessert und keinen Beschädigungen mehr ausgesetzt, wobei der Wein- und der Anbau der vier Haupt-Getraidearten (sic!) getrieben werden. Die Viehzucht, wobei hier und da die Stallfütterung im Gebrauche ist, kann mittelmäßig genannt werden. Der Ort hat zwar ihm eigenthümliche Wälder, jedoch ist die Jagd durchaus herrschaftlich, welche Rehe, Hasen und Repphühner liefert.

Das Klima ist mild, das Wasser gut. Die den Markt zunächst umgebenden Ortschaften sind: Ebendorf, Hüttendorf, Lanzendorf, Eibesthal und Wilfersdorf. Der Markt Mistelbach, eine Stunde von der Poststation Wilfersdorf südlich im freundlichen Zayathale gelegen, von einem von Siebenhirten kommenden und von dem Zayabache durchflossen, ist rings von lieblichen Anhöhen umgeben und enthält theils mit Ziegeln theils mit Stroh gedeckte, meist gut ausgeführte Häuser, von denen ersteren auch zu beiden Seiten der schöne weite, mehr in die Länge sich bildende Marktplatz umgeben wird, auf welchem sich auch das Rathhaus befindet, welches einen Thurm mit weißblechener zierlicher Kuppel hat. Um den Markt selbst ziehen sich zwei Vorstädte, nämlich die sogenannte Wieden gegen das Barnabiten-Collegium, und jener Theil, welcher sich an einer Anhöhe herumzieht, das Neustift genannt. Übrigens befinden sich hier zwei Thore, die gemauert sind, und von ziemlichem Alter zeigen, nebst ihnen noch zwei Ausgänge von kleinen Gassen her. Die meisten Häuser, ziemlich regelmäßig und sehr nett gebaut, sind alle einstöckig und mehrere oben mit Aufschlägmauern nach alter Bauform versehen; sie haben in den Erdgeschoßen auch meist Wölbungen nach alter Art. Auf dem Grunde Wieden am Fuße des Berges steht die Barnabiten-Probstei, ein hübsches Gebäude mit einem Stockwerk, worin eine schöne Kapelle vorhanden ist, und mit schönem Garten.

Die Kirche, dem heiligen Martin geweiht, prangt ganz frei hoch am Berge, der sich zunächst der Probstei erhebt, in majestätischer Schönheit, zu welcher zwei Stiegen, jede von 178 steinernen Stufen von zwei Seiten hinanführen, worauf einige Leidens-Stationen angebracht sind. Dieser Tempel von gothischer Bauart, wovon das Portal gegen den Markt steht, ist ein hohes und großes Gebäude, wobei hervorzugehen scheint, daß das heutige Schiff der Kirche mit der vorderen Hauptfronte, welche vor Zeiten den Haupt-Eingang enthielt, einfache Vorsprünge und deutlich, gleich der Stephanskirche zu Wien, den Baustyl zeiget, ursprünglich das ganze Gotteshaus ausmachte und daß selbes im Jahre 1121 (also früher noch als der Stephansdom von Herzog Heinrich Jasomirgott erbaut wurde) ausgeführt worden sein dürfte, weil man diese Jahreszahl über dem Haupteingange gleich unter dem Dache in der Mauer eingegraben findet. An dieses ziemlich große und breite Schiff der Kirche schließt sich das viel schmälere mit hohen Spitzfenstern versehene Presbyterium an, zwischen welchen beiden auf der rechten Seite der Thurm angebaut ist, an welchem sich die Jahreszahl 1289 befindet, zu welcher Zeit wahrscheinlich jene Vergrößerung statt fand; jedoch hatte auch dieser anfänglich nur die Höhe des Kirchengebäudes und erhielt erst im Jahre 1755 seine jetzige Höhe, welche Jahreszahl sich ebenfalls an einer Seite desselben eingegraben zeigt. Die vordere Seite oder der Haupteingang ist breit und flach, von diesem springt aber, wie wir erst bemerkt haben, halb erhalten ein Geschoß vor, von unten bis oben reichend, mehrere Fenster und oben eine Glocke enthaltend, welche alte, niedere Spitzbögen zeigende Bauart an den bei Errichtung dieses Gotteshauses herrschenden, durch die Kreuzzüge in unsere Gegenden verpflanzten byzantinischen Geschmack erinnert, wie dieß auch bei den Strebepfeilern und andern Verzierungen, welche gleichfalls denen an der Vorderseite des Stephansdomes zu Wien ähneln, der Fall ist. Beim Seiteneingang, als dem gewöhnlichen, der gegen die erwähnte Stiege von der Probsteiseite aus gerichtet ist, befindet sich eine Vorhalle, welche laut der an einem Pfeiler angebrachten Jahreszahl 1502 zu dieser Zeit angebaut worden sein mag. Noch kommt als eine Seltenheit zu bemerken, daß an der äußern linken Seite der Kirche oben am Gesims, die Figur einer großen steinernen Kröte sich befindet, wovon die Sage berichtet: daß während des Erbauens der Kirche, als man die Grundmauern legte, ein Theil derselben mehrmals hinter einander einstürzte, und daher stets von neuem wieder erbaut werden mußte, bis man endlich dieses Ungethüm und zwar in übermäßiger Gestalt darunter fand, dasselbe tödtete und nun den Bau ungestört vollenden konnte. Der massive viereckige aber einfache Thurm enthält sechs Glocken, sein oberer Theil ist neuerer Bauart mit spitzer jedoch sehr niederer Bedeckung, was ihn gegen die Kirche sehr abstechen macht und somit dem Eindrucke des alterthümlichen Ganzen schadet. Außerdem befindet sich noch über dem erwähnten Haupteingange ein kleines Thürmchen, worin das Zügenglöcklein hängt. Dieses in ehrfuchtgebietender, nicht geringer in majestätischer Form sich über dem Markte erhebende Gotteshaus gereicht übrigens dem sich darunter hinziehenden Orte zur hohen Zierde, wobei von der Höhe seines Thurmes herab nach allen Richtungen hin eine überraschende Fernsicht sich darbietet (da der Markt Mistelbach mit seiner herrlichen Kirche ungemein schön und pittoresk gelegen ist, so haben wir solchen nach der Natur aufnehmen und in Kupfer stechen lassen, wie die beiliegende Abbildung zeiget).

Sein Inneres wird durch die spitze gothische Bogenwölbungen getragen, die ihm ein alterthümliches Ansehen geben, das aber durch die weiße Farbe, womit Alles übertüncht ist und durch die zwischen den Spitzbögen befindlichen stuckaturten Felder wieder geschwächt wird. Der Hochaltar steht ganz frei, ist gemauert und marmorirt und hat neben sich noch zwei kleine Capellen. Außer demselben sind noch vier Seitenaltäre vorhanden, von Holz und ebenfalls marmorirt, welche dem heiligen Florian, dem heiligen Sebastian, dem heiligen Dominicus und der Mutter unsers Herrn geweiht sind. Außerdem ist noch an die linke Seite des Schiffes eine kleine Capelle angebaut, in welcher ein der schmerzhaften Mutter Gottes geweihter Altar sich befindet, deren Bildniß sich ehdem in der Gruft bei der Kirche befand, aber zu den Zeiten Kaiser Josephs II. hierher versetzt ward. Der Chor besteht in zwei Abtheilungen und enthält eine gute Orgel. Merkwürdigkeiten sind sonst keine vorhanden, so wie auch keine Monumente, außer zwei großen Grabsteinen von rothem Marmor an der einen Seite der Kirche, die so viel wir entnehmen konnten, aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts stammen, aber leider so schlecht erhalten sind, daß der Zahn der Zeit Schrift und Wappen darauf ganz unkenntlich gemacht hat.

Außerhalb der Kirche zur Rechten in der Richtung des Presbyteriums steht die sogenannte Catharina-Capelle, ein rundes ganz von Quadersteinen errichtetes Gebäude, äußerlich mit halb vorspringenden Lesenen (korrekt wohl Lisenen) geziert, woran aber vorzüglich die beim Eingange befindlichen kleinen kurzen Säulen mit Laubcapitälern zu bemerken sind, welche so wie das ganze Gebäude, vielleicht ein noch höheres Alter als das der Kirche vermuthen lassen. Jetzt werden darin die Kirchengeräthschaften aufbewahrt; darunter befindet sich eine Gruft, die aber nicht mehr im Gebrauch ist und vielleicht von den alten Herren von Mistelbach zu ihrer Ruhestätte erbaut worden sein dürfte. Vor der Kirche bei der Stiege zur Linken steht noch ganz frei ein kleiner Ölberg aus Steinen zusammengesetzt, auf welchem sich die Figur des betenden Christus befindet. Einer alten Sage zufolge soll neben der Kirche einst ein Schloß den Herren von Mistel gehörig, gestanden haben, dessen Mauerwerk zum Baue ersterer verwendet worden sein soll. Die hiesige Pfarre war in früheren Zeiten ein kaiserliches Patronat und ward immer von Dechanten versehen, bis im Jahre 1633 Kaiser Ferdinand II. dieselbe dem Orden der regulirten Priester aus der Versammlung des heiligen Paulus insgemein Barnabiten genannt, schenkte, um zur Erziehung ihrerer jungen Geistlichen ein Noviziat zu errichten, und ein Collegium zu erbauen, was auch später geschah. Noch ist zu bemerken, daß während des französischen Einfalles im Jahre 1809 die Kirche aller ihrer Paramente und Geräthschaften beraubt ward. Zur hiesigen Pfarre gehört nebst dem Markte Mistelbach die Filiale Ebendorf, eine Viertelstunde von hier entfernt, das Dorf Lanzendorf in gleicher Entfernung, die sogenannte Dechantmühle eine halbe Stunde, und die außer Ebendorf befindliche Rohrmühle eine kleine halbe Stunde entfernt. Der Leichenhof ist um die Kirche angelegt und wird von einer starken Mauer mit Schießscharten umfangen, die sehr fest ist und sammt dem oben beschriebenen Kirchthurme vor Zeiten einen guten Vertheidigungspunct dargeboten haben muß.

Im hiesigen oben angeführten Collegio befindet sich der Probst, der zugleich der Pfarrer ist, und nach den Ordensstatuten alle drei Jahre neu gewählt werden muß; nebst diesem sind nach Verhältniß noch einige Priester, die die Seelsorge verrichten, der gleichen jetzt vier vorhanden. Außerdem befindet sich hierselbst und zwar auf dem Grunde Wieden noch eine kleine Spitalkirche, der heiligen Elisabeth geweiht, über welche Se. Durchlaucht der Fürst Johann Liechtenstein das Patronat besitzt. Dieselbe steht zwischen Obstgärten, hat ein spitz zulaufendes gemauertes Dach und vorn beim Eingange einen gar alterthümlichen, achteckigen, steinernen Thurm. Dieses Kirchlein soll im Jahre 1016 erbaut worden sein und das erste in Mistelbach gewesen sein, so wie einer Sage nach, die Tempelritter hier eine Commende hatten, und dieses ihre Kirche war. Dabei ist gegenwärtig ein Beneficiat angestellt, welcher für die im nah gelegenen Spitale befindlichen Armen täglich Messe liest, die pfarrlichen Functionen werden jedoch von der Pfarrgeistlichkeit verrichtet. Übrigens ist das nahegelegene obengenannte fürstlich Liechtensteinische Spital für zwölf arme Unterthanen gewidmet. Am Ende des Platzes im Markte steht eine Dreifaltigkeitssäule, die nicht kunstlos ist und am Piedestal mehrere Heiligen- und Engelstatuten enthält; unweit davon befinden sich das Marktzeichen, die Prangerstatue und die Hand der Gerechtigkeit. Vor dem Thore auf der Wieden steht eine Statue des Johann von Nepomuck. Noch sind im Markte Mistelbach eine Apotheke, mehrere Gasthäuser und alle nothwendigen Handwerker vorhanden, so wie auch daselbst 4 Jahr- und Pferdemärkte und jeden Montag ein bedeutender Getreidemarkt abgehalten werden.

Daß Mistelbach als einer der allerältesten Orte im gesammten Niederösterreich zu betrachten ist, wird, wenn auch die Zeit seiner Entstehung ungeachtet aller Nachforschungen nicht aufgefunden werden kann, schon dadurch erwiesen, daß, nach Hueber, dieser Ort unter der Regierung Markgraf Leopold I. des Erlauchten, schon im X. Jahrhundert mit seinem Gemeinde-Zehent unter den Erzbischof Pilgrim von Passau gehörte, welcher denselben von Papst Benedikt VI. als Verdienst für die Bekehrung der Magyaren, nebst dem der übrigen umliegenden Ortschaften erhielt, was späterhin zu mehreren Irrungen zwischen dem Landesfürsten und dem Erzbischofe zu Passau Anlaß gab, während welcher deshalb mehrere Versammlungen, um diese Sache zur Entscheidung zu bringen, statt fanden, von denen auch eine zu Mistelbach gehalten ward, und wir finden daher in Max Fischers Klosterneuburger Urkundenbuch Mistilpach mit unter jenen Ortschaften begriffen deren Zehente Markgraf Leopold IV. der Heilige, dem Bischofe Reginmar von Passau im Jahre 1135 zurückgab, woraus sich vermuthen läßt, daß dasselbe doch eine Zeit hindurch wieder landesfürstlich gewesen sey. Als nach der blutigen zweiten Marchfeldsschlacht 1278, in welcher König Ottokar sein Leben verlor, Kaiser Rudolph als Sieger mit seinem Heere drei Tage auf der Wahlstatt nach altem Brauch verharret hatte, den zu erwarten, der ihm den Sieg bestreite, und darauf die ungarischen Völker wegen ihrer geleisteten Hülfe reich beschenkt entlassen hatte, zog er mit den Seinen nach Mistelbach und von da aus gegen Mähren hin, von wo er später nach Wien zurückkehrte, wo er feierlich eingeführt ward. Während des Einfalles der Schweden in Österreich im Jahre 1645, nahm deren Anführer Torstenson, nachdem er viele feste Örter des Landes in seine Gewalt bekommen und nach der Besitznahme Korneuburgs sich auch Wien genähert hatte, sein Hauptquartier zu Mistelbach, von wo aus er die Verbindung mit Rakoczy und den andern ungrischen Großen zu bewirken suchte; worauf, wie Marian in seiner Topographie berichtet, die Schweden im folgenden Jahre nebst einigen andern Ortschaften, in welchen sie vergebens eine bedeutende Contriubtion zu erpressen gesucht hatten, auch Mistelbach vor ihrem Abzuge gänzlich ausplünderten. Auch während der letzten französischen Invasionen war der Ort mannichfach hart mitgenommen. Nach Hueber war Mistelbach schon im Jahre 1658 ein bedeutender Marktflecken und zu jener Zeit bereits ein Eigenthum des fürstlich Liechtensteinischen Hauses, indem damals Florian Anton Fürst zu Liechtenstein denselben besaß. Noch ist zu bemerken, daß Mistelbach früher einen eigenen Magistrat hatte; allein im Jahre 1832 war dieser in Folge Allerhöchsten Entschlusses aufgelöst, und die Jurisdiction an die Orts- und Grundherrschaft Wilfersdorf übertragen.

Da uns von einem Geschlechte derer von Mistel, welchen Namen wir oben erwähnten, und den man nach einiger Meinung vielleicht von der bekannten Frucht Mispel in schlechter Aussprache Mistel, abzuleiten, versucht sein möchte, keine Glieder bekannt geworden sind, so ist anzunehmen, daß dieselben ohne Zweifel mit der alten Familie der Mistelbacher eine und dieselbe waren, von welcher uns folgende Glieder vorgekommen sind: Heinrich von Mistilbach, ein Sohn des Erwin und der Gerbirgis, erscheint nach Max Fischers Urkundenbuch zuerst als Zeuge in einer Schenkungsurkunde Herzog Leopolds des Freigiebigen an das Stift Klosterneuburg im XII. Jahrhundert, ferner in gleicher Eigenschaft zu Zeiten Herzog Heinrichs Jasomirgott, und in einem Schenkungsbriefe seiner Mutter, worin dieselbe dem Stifte Klosterneuburg ein Landgut zu Wildinsdorf (wahrscheinlich das heutige Wilfersdorf) übergibt. Laut Calles Annalen kommen im Jahre 1158 Heinrich (wahrscheinlich der erwähnte) und Dietrich von Mistlbach als Zeugen in den das Schottenkloster in Wien betreffenden Urkunden vor. Wiederum erscheint Heinrich Hund von Mistelbach in einer Urkunde Herzog Heinrichs Jasomirgott vom Jahre 1168, worin derselbe den Bürgern zu Klosterneuburg für zwei Weingärten, den ihm schuldigen jährlichen Weindienst erläßt. Ferner Ramut von Mistelbach in einer Schenkung Ulrichs von Falkenstein an das Stift Klosterneuburg im Jahre 1178. Noch einmal kommt ein Heinrich, der aber nicht mehr der obige Heinrich zu sein scheint, von Mistilbach im Jahre 1214 vor, als Bischof Manegold von Passau die Erlaubniß ertheilt, in der Capelle Altenburg zu Krems pfarrlichen Gottesdienst zu halten (Max. Fischer). Marquart von Mistelpach erscheint 1296 in einer Lehensschenkung der Familie Schönborn an das Stift Klosterneuburg, ferner als Zeuge im Jahre 1300, als Friedrich und Kunegunde von Liechtenstein dem gedachten Stifte ein Lehen zu Obersiebenbrunn verkauften. Derselbe wird auch bei Hanthaler Band II., Seite 114 erwähnt, als Zeuge in einer Verkaufsurkunde des Heinrich Steinperger vom Jahre 1319 und nach Duellius Excerpt. finden wir diesen Marquart noch bis zum Jahre 1364, obgleich er daselbst als von Mistelbek vorkommt; auch findet sich in Hueber Aust. Mellic. eine Unterschrift dieses Marquart nebst seinem Wappen, welches jedoch nur einen Helm mit Flügeln versehen darstellt, somit einen Ritter bezeichnend, nach welchem uns von diesem Geschlechte keine Glieder mehr vorgekommen sind. Darin scheint Duellius jedoch in großer Irrung zu sein, und einen ganz andern zu den Mistelbachern gezählt zu haben; denn gewiß ist es, daß zu der Zeit gar kein Sprosse dieser Familie mehr vorhanden war. Nach Abgang der Familie von Mistelbach waren die Herren von Falkenberg aus dem Viertel ober dem Manhartsberg. nebst vielen andern Gütern auch mit dem Markte Mistelbach begütert, und als Rapoto V. der Jüngere von Falkenberg, zwischen den Jahren 1350 und 1354 verstarb, so kamen seine Güter an seine nächsten Anverwandten, nämlich Ulrich und Eberhard Herren von Capell, und Friedrich und Heinrich Herren von Walsee. Mit aller Wahrscheinlichkeit darf demnach angenommen werden, daß Mistelbach bei der Gütertheilung an die Walsee kam, worauf dann nach einigem Besitzwechsel das Liechtensteinische Haus solches erhielt; ob durch Kauf oder Tausch, ist unbekannt.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band IV (1834), S. 241-250
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Paasdorf

Ein Kirchdorf von 170 Häusern, welches zugleich eine Herrschaft gleichen Namens bildet und wovon Gaunersdorf die nächste Poststation ist. Kirche und Schule befinden sich im Orte; das Patronat davon gehört dem Barnabiten-Collegium in Mistelbach, die Pfarre aber in den Bezirk des Decanats Hauskirchen. Der hiesige Werbkreis ist zum Linien-Infanterie-Regimente Nr. 4 einbezogen. Als Landgericht ist die Herrschaft Asparn an der Zaia aufgestellt. Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist die Herrschaft Paasdorf. Grundominien gibt es mehrere hier, nämlich Paasdorf, Wilfersdorf, Ladendorf, Wolkersdorf, Asparn an der Zaia, Ernstbrunn, Kreuzstetten, Prinzendorf; das Kloster Asparn an der Zaia; die Pfarre Hagenberg, Paasdorf, die Kirche in Paasdorf und Schrick, das Collegium und das Spital in Mistelbach.

Die Bevölkerung im hiesigen Orte beläuft sich auf 238 Familien, 498 männliche, 553 weibliche Personen und 160 Schulkinder; der Viehstand auf 54 Pferde, 187 Kühe, 799 Schafe, 12 Ziegen und 200 Schweine. Die Einwohner sind Hauersleute, worunter es mehrere Handwerker gibt, welche sich mit Acker-, meist aber mit Weinbau beschäftigen, und eine gute Bestiftung besitzen. Sie bauen Korn, Weizen und Hafer, wenig Hülsenfrüchte und Futterkräuter, wozu die Gründe im Allgemeinen gut, aber den Überschwemmungen bisweilen ausgesetzt sind. Sowohl die Obstpflege als auch die Viehzucht erstreckt sich nur auf den Hausbedarf.

Der Ort Paasdorf ist zwei Stunden westlich von Gaunersdorf in demselben langen und schönen Thale, gleichwie Ladendorf meist in der Fläche gelegen; von diesem und Lanzendorf ½, und von Mistelbach ¾ Stunde entfernt. In diesem großen Dorfe, welches mehrere Gassen bildet, haben wir manche hübsche Häuser getroffen, die andern Bauernhäuser sind aber nur aus ungebranntem Material ausgeführt und mit Stroh gedeckt. Am Ende und abgesondert vom Orte steht das herrschaftliche Schloß, mit einer Hauptfronte, zwei zurückliegenden Flügeltheilen und zwei Stockwerken, dann an jedem Ende mit einem viereckigen Thurme geziert. Das Innere enthält keine Merkwürdigkeiten, wohl aber eine Capelle. Erbaut wurde solches im Jahre 1740 von dem Grafen Raimund v. Perlas; daran schließt sich der Schloßgarten, welcher schön genannt werden darf. Nebst diesem befindet sich hier auch noch die Pfarrkirche, der Pfarrhof, das Schulhaus, und die herrschaftliche sogenannte Schiefermühle; bevor wir jedoch die Kirche beschreiben, wollen wir nur bemerken, daß sich der, das Thal hier und da malerisch mit Weidenbäumen besetzt, der Länge nach durchziehende Taschelbach beim Orte vorbeischlängelt, und daß die in diesem Bezirke befindlichen Wälder und Berge unbedeutend sind. Von ersteren werden die Gemeindeleiten, die Spitzleiten und der Pfarrerwald, unter den letzern aber die Hochbergen und der Jedlesberg genannt. Die Jagd ist unbedeutend an Rehen, Hasen und Rebhühnern. Das Klima und Wasser sind gut. Privilegien, Freiheiten oder Märkte gibt es nicht.

Vom Schlosse links entlegen zwischen den Häusern erhebt sich die alterthümliche Pfarrkirche zum heiligen Aegydius. Das Schiff der Kirche, an dessen Wänden Lesenen (korrekt wohl Lisenen) angebracht sind, worauf das Gewölbe ruht, ist ein längliches Viereck, das Presbyterium ist groß und bildet rückwärts beim Hochaltar eine Rundung; dieser Theil ist im gothischen Style ausgeführt und stammt noch aus den alten Zeiten. Ebenso steht auch beim Eingange ein sehr alter, viereckiger und massiver Thurm von Quadersteinen ausgeführt; er ist nicht gar hoch und enthält oben einen niedern kleinen ebenfalls viereckigen Aufsatz, von welchem aus an jeder Ecke ein kleiner thurmähnlicher Vorsprung sich erhebt. Die Kuppel läuft in Gestalt eines Kegels ganz spitz zu und ist mit Steinen gemauert, ein untrügliches Zeichen hohen Alters. Die darin befindlichen Glocken sind auch sehr alt, wovon die größte im Jahre 1466 gegossen wurde. Wenn daher auch die Zeit der Entstehung von diesem Gotteshause nicht genau bekannt is, so zeigt doch die Bauart, daß dasselbe im XIII., oder spätestens im XIV. Jahrhundert ausgeführt worden sei. Das Innere zieren ein Hoch- und zwei Seitenaltäre, letztere einer den heiligen vierzehn Nothhelfern, der andere der Mutter Gottes geweiht, welche von Holz aufgerichtet, marmorirt und mit Vergoldungen geziert sind. Ober dem Tabernakel am Hochaltare befindet sich ein Kasten von Glase, in reichen Goldverzierungen eingerahmt, worin die Statue der Mutter Gottes steht. Auf dem linken Seitenaltar ist die Vorstellung der Krippe Jesu angebracht, welche während des Jahres mit einem Bilde verdeckt ist, zu seiner Zeit aber durch Wegnahme des Bildes den frommen Betrachtungen der Gläubigen ausgesetzt wird. Noch befinden sich ferner an den Wänden der Kirche einige Gemälde von Kunstwerth, die sehr schön sind. An einem Seitenpfeiler prangt das gräflich Perlas‘sche Wappen, ganz vergoldet und auf einer Schleife darunter die Worte: Fidelitate et Constantia und eine Inschrift, den Grafen Raymund und die Gräfin Franziska von Perlas betreffend. Zur hiesigen Kirche gehören außer Paasdorf sonst gar keine Ortschaften. Den Gottesdienst und die Seelsorge versehen ein Pfarrer, und ein durch einen Gutthäter vor zwei Jahren gestifteter Cooperator. Der Leichenhof ist um die Kirche angelegt.

Es ist gegen das hohe Alter des Orts kein Zweifel zu erheben, die wirkliche Entstehungsperiode ist jedoch nicht zu ermitteln, und eben so wenig die Abstammung des Ortsnamens Paasdorf, der vormals gewiß nicht so geheißen haben wird. Auch die Schicksale von diesem Orte, aus den früheren Jahrhunderten liegen in Dunkel gehüllt, obschon solche der Lage des Dorfes nach nicht historisch wichtig sein können, welches wir wohl den Ereignissen der allgemeinen Geschichte zu Folge zu ermessen vermögen.

Paasdorf bildet unter dieser Benennung eine eigene Herrschaft, wovon der Amtssitz hier im Dorfe ist. Die Bestandtheile derselben, dann die Seelen- und Gründezahl sind folgende: der Markt Gaunersdorf, die Dörfer Schrick, Paasdorf und Hüttendorf, wobei als besondere Gegenstände das Schloß und die Kirche in Paasdorf, das Gasthaus zum schwarzen Adler in Gaunersdorf, zwei Gasthäuser und die Kirche in Schrick, die Kirche in Hüttendorf und die herrschaftliche Schiefermühle genannt werden; in den oben genannten Ortschaften zusammen 563 Häuser, 768 Familien, 1568 männliche, 1688 weibliche Personen, 206 Pferde, 590 Kühe, 1340 Schafe, 60 Ziegen und 600 Schweine; 39 Joch herrschaftliche, 885 Privat-Wälder, 314 Joch Wiesen, 6610 Joch Ackerland und 1749 ½ Joch Weingärten. Diese Herrschaft liegt mit zwei Ortschaften, nämlich mit Schrick und Gaunersdorf, an der k.k. Brünner Poststraße, die Orte Paasdorf und Hüttendorf aber westlich 1 ½ Stunde daran und grenzen die Herrschaften Ladendorf, Wilfersdorf, und Prinzendorf. Die Lage ist mehr flach als hügelig, angenehm und hat ein gesundes Klima mit gutem Wasser. Die Haupt-Wirthschaftszweige sind der Acker- und Weinbau; die Obstpflege ist mittelmäßig und die Viehzucht bloß zum Bedarf des Landmannes mit der Anwendung der Stallfütterung. Die Erzeugnisse bestehen in Korn, Weizen, Hafer, wenig Gerste und Hülsenfrüchte, dann einem Landwein, der zu mittlern Gattung gehört. Dazu sind die Feldgründe im Durchschnitte gut und es wird dabei die sogenannte Dreifelderwirthschaft angewendet. Den dießherrschaftlichen Bezirk durchschneidet die oben bemerkte Poststraße mit einer Aerarial-Brücke und Mauth, daher in Gaunersdorf und Schrick der lebhafte Verkehr und das regsame Treiben, zu den andern Ortschaften bestehen Feldwege. Auch der Zaiabach und der Taschlbach durchfließen den westlich-nördlichen Theil der dießherrschaftlichen Fluren, der Gaunersdorfer-Bach aber jenen beim Markte Gaunersdorf. Fischerei gibt es keine; und was die Wälder und Berge betrifft, so sind im Bezirke bei Paasdorf die Gemeinde- und Spitzleiten, der Pfarrerwald, dann der Hochberg und Jedlesberg, bei Schrick der sogenannte Schrickerwald und bei Hüttendorf der Hüttendorferwald zu erwähnen. Fabriken werden keine getroffen, so wie nur der Handel in den von Dörfern der Herrschaft erzeugten Weine nach Wien besteht. Bloß der Markt Gaunersdorf genießt die Freiheit, jährlich drei Jahrmärkte, nämlich Andreas-, Georg- und Batholomäustag, dann in jeder Woche einen Körnermarkt abhalten zu dürfen.

In Hinsicht der ersten Besitzer dieser Herrschaft im XIII., XIV. Und XV. Jahrhundert haben wir wenig erheben können, doch scheint Paasdorf eine Zeit hindurch landesfürstlich gewesen zu sein. Zuerst fanden wir um die Mitte des XVI. Jahrhunderts den Magnus von Eckh, Freiherrn auf Hungersbach als Besitzer. Nach ihm erscheint im Gültenbuch im Jahre 1594 Ehrenreich Freiherr von Gera, Hauptmann des Viertels unter dem Manhartsberg., dann im Jahre 1603 dessen Sohn Amand Freiherr von Gera. Dieser unterzeichnete im Jahre 1608 das Bündniß der Protestanten in Horn, schlug sich darauf im Jahre 1619, wie es die Proscriptions-Verzeichnisse ausweisen, zu dem böhmischen und mährischen Kriegsvolk, bei dessen Einfall in Österreich, und wurde hierauf im Jahre 1620 als Rebell nebst mehreren andern in die Acht erklärt und seine Güter confiscirt. Er muß nach der Zeit aber wieder begnadigt worden, und in das Land zurückgekehr sein, weil wir ihn bei der kaiserlichen Erbhuldigung finden und aus dem Gültenbuche erstehen, daß er im Jahre 1635 seine Herrschaft Paasdorf an Georg Wolf Freiherrn von Pöttnig verkaufte. Von diesem kam die Herrschaft an die Frau Elisabetha Constanta Gräfin von Appersdorf, geborne Freiin von Pöttnig, welche dieselbe im Jahre 1651 an Erasmus Baron von Schifer käuflich abtrat. Darauf erscheinen in dem oben erwähnten ständlischen Gültenbuche folgende Besitzer: Im Jahre 1692 Sigmund und Christoph Ernst, Freiherren von Schifer von ihrem Vater dem Vorigen; im Jahre 1706 Sigmund allein durch seinen Bruder Christoph Ernst; im Jahre 1707 Joseph Joachim Alexander von Schmidlin durch Kauf vom Vorigen; im Jahre 1715 dessen Sohn Carl Richard Joseph; im Jahre 1726 Carl von Moser durch Kauf; im Jahre 1733 Raimund Graf von Vilano-Perlas; im Jahre 1741 dessen Sohn Franz; im Jahre 1777 dessen Sohn Carl; im Jahre 1810 Johann Graf von Perlas; nach diesem Graf Giucciardi, welcher die Herrschaft Paasdorf an die gegenwärtigen Besitzerinnen, nämlich Gräfin von Gallenberg und Gräfin von Harsch vererbte.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band V (1835), S. 56-61
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

 

Siebenhirten

Ein Dorf mit 84 Häusern, wovon Wilfersdorf die nächste Poststation ist. Pfarre und Schule befinden sich im Orte, im Decanate Fallbach, das Patronat ist landesfürstlich. Behauste Unterthanen und Grundholden besitzen hierselbst: Asparn an der Zaya, Mailberg, Staatz, die P. P. Barnabiten zu Mistelbach, und die Pfarren zu Hörersdorf, Böhmischkrut und Patzmannsdorf. Landgericht, Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist Asparn an der Zaya. Der Werbkreis gehört dem Linien-Infanterie-Regiment Nr. 4.

Hier leben in 124 Familien, 326 männliche, 293 weibliche Personen und 130 schulfähige Kinder; der Viehstand zählt 17 Pferde, 5 Ochsen, 118 Kühe, 210 Schafe und 150 Schweine. Die hiesigen Einwohner bestehen theils aus Bauern, theils aus Hauern, welche an Handwerkern mehrere Schneider und Schuhmacher unter sich haben. Sie beschäftigen sich mit Feld- und Weinbau, wobei ihre Gründe mittelmäßig zu nennen, jedoch den Wassergüßen und Erdabtragungen ausgesetzt sind. An Körnerfrüchten werden Korn, Hafer und Gerste gebaut. Weinbau ist nicht unbedeutend, die Obstpflege aber nur sehr mittelmäßig, und Viehzucht, außer jene zum Hausbedarf des Landwirthes, zum Verkaufen gar nicht betrieben.

An Gewässern ist nur der Mistelbach und gegen Norden eine Eichenwaldung, die sogenannte Hexenau vorhanden, wobei sich bloß gegen Westen unbedeutende Hügel erheben. Die Jagd ist nicht von Bedeutung und liefert nur Rehe und Hasen. Das Klima ist gesund, das Wasser gut. Der Ort Siebenhirten liegt ¾ Stunde Fußwegs von Mistelbach nordwestlich, und wird von Norden gegen Südost von erwähntem Bache durchflossen, er zieht sich ziemlich regelmäßig gebaut mit seinen meist mit Stroh, nur sehr geringen Theils mit Ziegeln gedeckten Häusern, in einem von Hörersdorf anfangenden bis zu dem Markte Mistelbach laufenden, ziemlich flachen Thale hin, von der von Laa über Staatz nach Mistelbach führenden Commerzialstraße durchschnitten, in angenehmer ländlicher Gegend, indem gegen Westen der Wald, und gegen die andern Seiten bald hügelig, bald flach gelegene Felder nebst Weingärten den Ort begrenzen.

Die am Ende desselben zunächst der nach Mistelbach führenden Straße, ganz eben gelegene, dem heiligen Rochus geweihte Kirche ist ein einfaches, massives, aber für die Ortsbewohner viel zu kleines Gebäude neueren Styles (toscanische Ordnung) mit einem Thurm, welcher vier der Gemeinde gehörige Glocken enthält. Ihr Inneres ist ebenfalls ganz einfach, und enthält bloß einen mit hölzernen Verzierungen versehenen Hochaltar, und außerdem gar keine erwähnenswerthen Gegenstände oder Paramente, da sie während der feindlichen Invasion im Jahre 1809 ganz ausgeplündert, und somit auch aller Paramente beraubt ward. Der Bau dieses Gotteshauses war, nachdem bereits im Jahre 1708 die hiesige Gemeinde beim damaligen passauischen Consistorium darum eingekommen war, indem noch keines im Orte sich befand, im Jahre 1714 begonnen, und dasselbe im Jahre 1719 zu Ehren des heiligen Pestpatrons Rochus eingeweiht, weil eben zu dieser Zeit die Pest in Österreich herrschte. Im Jahre 1766 ward die Kirche auf Kosten der Gemeinde vergrößert, und der Thurm und die Sacristei vom Grund aus neu hergestellt. Eingepfarrt ist hierher kein anderer Ort, auch hielt vom Jahre 1728 an, bis wohin wahrscheinlich diese Kirche bloß zur Betcapelle gedient hatte, der jedesmalige Cooperator von Hörersdorf an Sonn- und Feiertagen den Gottesdienst, wofür er von der hiesigen Gemeinde jährlich hundert Gulden erhielt; seit dem Jahre 1785 befindet sich aber hierselbst ein Localcaplan. Der Leichenhof befindet sich an der Morgenseite außer dem Dorfe, oberhalb des Fahrweges nach Poysdorf an einer Anhöhe.

Der Ort Siebenhirten ist bereits ziemlich alt, auch kommt eine ehemalige Familie der Siebenhirten vor, welche, da sich keine Spur, daß sie einst dort ihren Sitz gehabt habe, findet, vielleicht nur als Besitzer des Orts sich nach demselben nannte, welche nicht derselbe, was auch der Fall seyn könnte, der Familie die Benennung verdankt; denn auch im Viertel unter dem Wienerwald existirt ein Ort Siebenhirten, welcher wahrscheinlich von dieser Familie gegründet wurde, und so glauben wir auch, daß diese es ist, welche unser Siebenhirten im Viertel unter dem Manhartsberg anlegte. Obschon wir auch bei der dortigen Beschreibung mehrere Glieder von diesem alten Geschlechte anführten, so wollen wir doch alle bis jetzt bekannt gewordenen Sprossen aufzählen: Heinrich und Albert von Suobinhirti kommen als Zeugen in einem Schenkungsbriefe des Stiftes Klosterneuburg vom Jahre 1178 vor, in einem andern, ebenfalls aus dem XII. Jahrhundert in gleicher Eigenschaft, Chalhoch von Siebenhirtin; so wie in einer andern Urkunde aus dem XIII. Jahrhundert Dietrich und Cherung von Sibinhirte (Max. Fischer). Ulrich der Siebenhirter von Sighartstorf und Margaretha seine Hausfrau, kommen vor im Jahre 1332 in Philip. Hueber Austria. Niklas Siebenhürtner erscheint als Zeuge in einem Schenkungsbriefe vom Jahre 1361 (Duellii excerpta). Martin oder Märt der Siebenhürtner hatte mit Jörig dem Rodauner im Jahre 1376 Streitigkeit wegen einiger Grundstücke; Johann Siebenhirter Ritter, war unter denjenigen von dem österreichischen Adel, welche 1452 mit Kaiser Friedrich nach Rom zogen, und ist im Jahre 1512 Hochmeister des St. Georg-Ritter-Ordens geworden (Altes Hofkammer Archiv). Außer diesen sind uns keine Glieder dieser Familie bekannt geworden.

Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Viertel unterm Manhartsberg, Band VI (1835), S. 151-154
Online verfügbar in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek

Mistelbach und seine Katastralgemeinden in Weiskerns Topographie Niederösterreichs

Von Thomas Kruspel 18. April 2018 Aus

1734 kam der aus Sachsen stammende Friedrich Wilhelm Weiskern (1710-1768) nach Wien und begann hier eine erfolgreiche Schauspielerkarriere. Später war er als Bühnenschriftsteller tätig und beschäftigte sich nebenbei auch mit der Beschreibung von Landschaften und Städten. Erst in den beiden Jahren nach seinem Tode konnte die von ihm verfasste dreibändige „Topographie von Niederösterreich: in welcher alle Städte, Märkte, Dörfer, Klöster, Schlößer, Herrschaften, Landgüter, Edelsitze, Freyhöfe, namhafte Oerter u.d.g. angezeiget werden, welche in diesem Erzherzogthume wirklich angetroffen werden, oder sich ehemals darinnen befunden haben“ veröffentlicht werden. Diese Bestandsaufnahme stellt bis heute eine bedeutende Quelle dar, die insbesondere Aufschluss über die damaligen Herrschaftsverhältnisse gibt.

Nachfolgend die Einträge zu Mistelbach, seinen heutigen Katastralgemeinden und dem Barnabitenkolleg – aus den digitalen Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek:

Ebendorf (Bd. I A-M, S. 131)


(Anm.: zu Ebendorf existieren zwei Einträge: einer zum Schloss und einer zum Dorf)


Eibesthal
(Bd. I A-M, S. 142)


(Anm.: gemeint ist der „Mitterhof zu Mistelbach“)


Frättingsdorf
(Bd. I A-M, S. 175)


Auch zu Frättingsdorf finden sich zwei Einträge, allerdings irrtümlich wird hier von zwei unterschiedlichen Orten gesprochen. Bei Frating handelt es sich lediglich um Kurzform des Ortsnamens und tatsächlich verfügten die bei beiden Einträgen angeführten Grundherrschaften über Besitz in Frättingdorf.

Hörersdorf (Bd. I A-M, S. 276)

Hüttendorf (Bd. I A-M, S. 280)


Kettlasbrunn
(Bd. I A-M, S. 306)


Lanzendorf
(Bd. I A-M, S. 347)


Mistelbach
(Bd. I A-M, S. 417f)



Paasdorf
(Bd. II N-Z, S. 56)

(Anm.: auch hier existieren zwei Einträge: einer zum Schloss und einer zum Dorf)


Siebenhirten
(Bd. II N-Z, S. 187)


Barnabitenkloster (Bd. I A-M, S. 63)

Quellen:
-) Weiskern, Friedrich Wilhelm: Topographie von Niederösterreich, 1. Teil A-M, (1769)
-) Weiskern, Friedrich Wilhelm: Topographie von Niederösterreich, 2. Teil N-Z, (1770)
-) Wien Geschichte Wiki – Friedrich Wilhelm Weiskern

Gemeinderatsprotokolle

Von Thomas Kruspel 15. April 2018 Aus

1954 wurden die amtlichen Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach ins Leben gerufen und darin auch die Protokolle der Gemeinderatssitzungen veröffentlicht. Aber bereits bevor die Gemeinde über ein eigenes Mitteilungsorgan verfügte, wurden die Protokolle in den damaligen Lokalzeitungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die ältesten Niederschriften finden sich in der Mistelbacher Zeitung (1885-1886), und später dann über Jahrzehnte hinweg im Mistelbacher Bote.

Im Zuge der Digitalisierung der Zeitungsbestände der Österreichischen Nationalbibliothek im Rahmen des Projekts ANNO (Austrian Newspapers Online) wurden auch einige Jahrgänge des „Volksbote“ – der sozialdemokratischen Wochenzeitung für das Viertel unter dem Manhartsberg (=Weinviertel) – bereits online gestellt. Regelmäßig, wurden in dieser Zeitung Niederschriften der Mistelbacher Gemeinderatssitzungen veröffentlicht – allerdings fehlen einige Sitzungen. Natürlich beschränkte man sich nicht nur auf die Wiedergabe des Sitzungsinhalts, sondern das Geschehen wurde aus sozialdemokratischer Sicht kommentiert bzw. wurden einzelne Protagonisten Ziel von Polemik und Spott. Diese politisch gefärbten Anmerkungen, sofern als solche erkennbar, wurden in den hier veröffentlichten Protokollen ausgespart, um die Verhandlungen im Mistelbacher Gemeinderat möglichst neutral darstellen zu können.

Aufgrund von schlechter Druckqualität und der für die Texterkennungssoftware (OCR) nicht immer eindeutig zu identifizierenden Frakturdruckschrift, handelte es sich bei dem der ANNO-Volltextsuche zugrunde liegenden Ergebnis des Digitalisierungsprozesses, teilweise um nur schwer zu entziffernde Buchstabenansammlungen. Diese konnten mit etwas Übung und dem notwendigen geschichtlichen Hintergrundwissen in aufwendiger Handarbeit jedoch in vollständig lesbare und sinnvolle Texte verwandelt werden. Auch so mancher Fehler in den Berichten (zB betreffend Namensschreibung, Straßennamen, etc.) konnte korrigiert werden, ansonsten wurde jedoch die damalige Rechtschreibung beibehalten.
Die Gemeinderatsprotokolle stellen auch für die Arbeit an diesem Blog eine wichtige Quelle dar, und da diese im Gemeindearchiv, bedingt durch die Kriegswirren, leider nicht vollständig vorhanden sind, stellt dieser Beitrag auch den Versuch dar, einen Teil dieser verlorengegangenen Protokolle wiederzubringen.

Ein paar Erläuterungen zum Verständnis:
Früher wurde das Gremium des Gemeinderats als Gemeindeausschuss bezeichnet.
Die damals als Gemeinderäte (G.-R.) bezeichneten Personen entsprechen den heutigen Stadträten, also dem Gemeindevorstand.
Die damals als Gemeindeausschüsse (G.-A.) bzw. auch als Gemeindebeiräte (G.-B.) bezeichneten Personen sind den heutigen Gemeinderäten gleichzusetzen.

Gemeindeausschuss Protokolle aus der Mistelbacher Zeitung:
Gemeindeausschuss Protokolle 1885/1886 

Gemeindeausschuss Protokolle aus dem Volksbote:
Gemeindeausschuss Protokolle 1900
Gemeindeausschuss Protokolle 1901
Gemeindeausschuss Protokolle 1902
Gemeindeausschuss Protokolle 1903
Gemeindeausschuss Protokolle 1904
Gemeindeausschuss Protokolle 1905
Gemeindeausschuss Protokolle 1906
Gemeindeausschuss Protokolle 1907
Gemeindeausschuss Protokolle 1908
Gemeindeausschuss Protokolle 1909
Gemeindeausschuss Protokolle 1910

Franz Josef-Straße

Von Thomas Kruspel 13. April 2018 Aus

Während sie im oberen Teil, als Hintausstraße der Bauernhöfe in der Oberhoferstraße, schon von alters her auch auf der linken Straßenseite zahlreiche Stadel und Keller aufwies, war diese Seite im südlichen Bereich, auf Höhe des Hauptplatzes, gegen Mitte bzw. Ende des 19. Jahrhunderts noch weitgehend unverbaut. Es handelt sich also um eine vergleichsweise junge, zu anfangs eher unbedeutende Straße.805

Die ehemalige Schießstätte der Schützenvereinigung befand sich auf dem Gelände des heutigen Stadtparks und erstreckte sich einst über die Bahnlinie hinaus. Durch den 1869 erfolgten Bau der k. k. Staatseisenbahn wurde das weitläufige Areal durchtrennt und der unterhalb der Bahnstrecke gelegene Teil wurde später zum Stadtpark umgewandelt bzw. teilweise als Gastgarten durch das Hotel Rathaus (heute: Erste Bank) genutzt. Demgemäß wurde die zum Stadtpark führende Straße zunächst als „Parkstraße“ bezeichnet, ehe sie 1898, als in Mistelbach die Einführung der Straßennamen als Adressbezeichnung erfolgte, den Namen „Kaiser Franz Joseph-Straße“ erhielt. Die Benennung nach Kaiser Franz Joseph I., war eine besondere Huldigung aus Anlass seines im Jahr der Namensgebung gefeierten 50-jährigen Regierungsjubiläums.806

Die Franz Josef-Straße zu Beginn des 20. JahrhundertsDie Franz Josef-Straße zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Seit dem gescheiterten Putschversuch der Nationalsozialisten in München am 9. November 1923, gedachten die Nazis jedes Jahr ihrer sogenannten Blutzeugen, in einem propagandistisch groß inszenierten Totenkult. Ganz in diesem Sinne und angeregt durch das wenige Tage vorher erfolgte tödliche Attentat auf Ernst vom Rath wurden im Rahmen einer Großkundgebung im November 1938, gemäß Beschluss des vom NS-Regime eingesetzten Gemeindeverwalters Adolf Schödl, drei Mistelbacher Straßen nach zu Märtyrer hochstilisierten toten Nationalsozialisten benannt. Die Kaiser Franz Josef-Straße erhielt den Namen „Wilhelm Gustloff-Straße“, und zeitgleich kam es zu folgenden weiteren Umbenennungen: „Ernst vom Rath-Straße“ (Weimarergasse) und „Adalbert Schwarz-Gasse“ (Gspanngasse).821 Der aus Deutschland stammende Wilhelm Gustloff war der Leiter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz, und wurde 1936 vom jüdischen Medizinstudenten David Frankfurter in Davos erschossen.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus folgte die Zeit der sowjetischen Besatzung und die während der NS-Herrschaft umbenannten Straßen erhielten 1945 wieder ihre einstigen Bezeichnungen. Bei der Rückbenennung der Franz Josef-Straße wurde allerdings der Titel „Kaiser“ entfernt. Sie behielt jedoch nur kurz ihren ursprünglichen Namen, denn im Zuge einer Gedenkfeier anlässlich des Jahrestages der Februarkämpfe hielt der sozialistische Bürgermeister Ehm im Februar 1946 eine Ansprache in der er die Umbenennung der Franz Josef-Straße in „Straße des 12. Februar 1934“ anregte, und kurz darauf wurde ein entsprechender Beschluss durch die SPÖ-KPÖ-Mehrheit im Gemeinderat gefasst.822 An diesem 12. Februar kam es ausgehend von Linz zu mehrere Tage währenden, blutigen Kampfhandlungen zwischen dem sozialdemokratischen republikanischen Schutzbund und dem Dollfuß-Regime mit Heimwehr, Polizei und Bundesheer. Im März 1956 erhielt die Straße wieder Franz Josef-Straße.823

Heute ist die Franz Josef-Straße einer der längsten Straßenzüge Mistelbachs und gleichzeitig jene mit der höchsten Hausnummer: 170.

Bedeutende Gebäude bzw. Einrichtungen in der Franz Josef-Straße:

Franz Josef-Straße 10: das ehemalige Stadtcafe der Familie Lorenz Heindl, in unverkennbarem Stil der 1930er Jahre erbaut

Franz Josef-Straße 13: erbaut als Villa des „Fruchthändlers“ (=Landesproduktehändlers) Josef Schwarz sen.; neben an auf Haus Nr. 15 befand sich die der Familie Schwarz gehörende Frucht- und Mehlhandlung

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1899: Die Villa von Josef Schwarz sen. (Franz Josef-Straße 13) und das daneben gelegene Frucht- und Mehlgeschäft der Familie Schwarz (Franz Josef-Straße 15)Eine Aufnahme aus dem Jahr 1899: Die Villa von Josef Schwarz sen. (Franz Josef-Straße 13) und das daneben gelegene Frucht- und Mehlgeschäft der Familie Schwarz (Franz Josef-Straße 15)

Franz Josef-Straße 17: bis zum Beginn der 1990er Jahre befand sich hier das Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“, das von seinem ursprünglichen Standort am Hauptplatz Nr. 27 hierher verlegt worden war. Von 1905 bis 1909 (ev. sogar bis 1913) befand sich hier auch das Bierdepot der Brauerei St. Marx. Anfang der 2000er Jahre eröffnete hier eine Filiale der Hypo NOE Landesbank.

Franz Josef-Straße 25, 27, 29, 31 und 33: wurden Anfang der 1890er Jahre vom Mistelbacher Geschäftsmann Franz Czinglar sen. als Zinshäuser erbaut. Nachdem er das Haus Nr. 33 erworben hatte eröffnete hier der k.k. Notar Dr. Othmar Schürer Ritter von Waldheim im Mai 1912 seine Notariatskanzlei.824 Zuvor hatte sich das Notariat rund vierzig Jahre an der Adresse Bahnstraße Nr. 13 befunden. 1935 übernahm Schürers Schwiegersohn Dr. Hans Gärtner das Notariat825, der dieses Haus testamentarisch der Stadtgemeinde Mistelbach vermachte mit der Auflage, dass dieses auch künftig als Notariatsgebäude dienen sollte.

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1901/02 zeigt die Rückansicht der von Czinglar sen. errichteten Zinshäuser in der Franz Josef-Straße, aus erhöhter Perspektive vermutlich im Bereich Brennerweg/Am PulverturmDiese Aufnahme aus dem Jahr 1901/02 zeigt die Rückansicht der von Czinglar sen. errichteten Zinshäuser in der Franz Josef-Straße, aus erhöhter Perspektive vermutlich im Bereich Brennerweg/Am Pulverturm

Hinter den im Familienbesitz befindlichen Zinshäusern hatte sich Franz Czinglar jun. 1906 eine prachtvolle Villa erbaut, doch nachdem er bereits zehn Jahre später verstarb, wurde selbige nach ihren späteren Besitzer „Kraus- bzw. Nawrata-Villa“ benannt. Diese Villa mit der Adresse Franz Josef-Straße 29a wurde etwa im Jahr 2000 abgebrochen und in der Folge auf dem weitläufigen Areal eine Genossenschaftswohnhausanlage errichtet.

Die von Franz Czinglar jun. errichtete Villa mit ihrem markanten spitzen Turm (siehe rote Einkreisung), die knapp ein Jahrhundert bestand und später als "Kraus- bzw. Nawrata-Villa" bekannt war. Die Aufnahme, die etwa um 1910 entstanden sein dürfte, zeigt den Blick auf die Stadt von einem Standort hinter bzw. oberhalb des Ziegelwerk - also etwa im Bereich des heutigen Brennerwegs oder Am Pulverturm.Die von Franz Czinglar jun. errichtete Villa mit ihrem markanten spitzen Turm (siehe rote Einkreisung), die knapp ein Jahrhundert bestand und später als „Kraus- bzw. Nawrata-Villa“ bekannt war. Die Aufnahme, die etwa um 1910 entstanden sein dürfte, zeigt den Blick auf die Stadt von einem Standort hinter bzw. oberhalb des Ziegelwerk – also etwa im Bereich des heutigen Brennerwegs oder Am Pulverturm.

Franz Josef-Straße 43: der 1988 eröffnete Mistelbacher Stadtsaal. Zuvor befand sich hier die 1955 eröffnete Markthalle („Sauhalle“), die später zu einer Multifunktionshalle („Stadthalle“) ausgebaut wurde. Hinter der Markthalle befand sich von 1899 bis 1959 die städtische Badeanstalt mit Freibad, deren Gebäude in den Stadtsaal baulich integriert wurde.

Franz Josef-Straße 47: das 1960 neu errichtete Haus der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach – nähere Details siehe den Beitrag zum Florianiplatz

Franz Josef-Straße Nr. 51: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts Presshaus und großer Keller des Weingroßhändlers Felix Roller; 1903 wurde im Garten dieses Hauses ein bedeutender archäologischer Fund aus der Bronzezeit entdeckt der unter dem Namen „Rollerfund“ bekannt ist

Franz Josef-Straße 54: 1908 erbaut als Geschäftslokal des „Spar- und Konsumverein Mistelbach“ und diesem Zweck diente es bis zum Jahr 1968 als der „Konsum“ an die Adresse Bahnstraße Nr. 5 übersiedelte; später Nutzung als Bar bzw. Abendlokal (Tritsch-Tratsch, Mango Music Pub, Shakesbeer’s, zuletzt „Niki’s Tanzcafe“); Mitte der 2010er Jahre wurde das Haus abgebrochen und an seiner Stelle ein neues mehrstöckiges Wohngebäude errichtet.

Wo befindet sich die Franz Josef-Straße?

 

Bildnachweis:
-) Ansicht Franz Josef-Straße: StadtMuseumsarchiv Mistelbach
-) Villa & Fruchthandlung Schwarz: Göstl-Archiv
-) „Czinglar-Villa“: Ansichtskarte aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer

Quellen:

Bürgermeister im Jubiläumsjahr 1908

Von Thomas Kruspel 4. April 2018 Aus

Das Jahr 1908 stand ganz im Zeichen des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. und der Verleger Ignaz Tenger veröffentlichte aus diesem Anlass ein einzigartiges Huldigungswerk – den österreichischen Bürgermeister-Almanach. Das dem Jubilar gewidmete Buch enthielt eine Huldigungsadresse und eine Liste sämtlicher Bürgermeister aus allen Teilen der Monarchie. Ein Jahr Arbeit steckte Tenger in dieses patriotische Buchprojekt, das neben Lebensdaten der im Jubiläumsjahr amtierenden Bürgermeister und Informationen zu den jeweiligen Gemeinden, auch die Darstellung aller Bürgermeister mittels aktueller Porträt-Fotos beinhalten sollte. Dass es ihm nicht gelungen ist von allen Bürgermeistern Fotos aufzutreiben, ist neben anderen Gründen, auch auf die bereits seit längerer Zeit schwelenden Nationalitätenkonflikte zurückzuführen, wie im Vorwort kurz angemerkt wurde.

Auch Mistelbach und seine damals noch selbstständigen Katastralgemeinden, sind mit Ausnahme von Kettlasbrunn, Lanzendorf und Paasdorf mit Fotografien ihrer Bürgermeister vertreten. Alle untenstehend abgebildeten Bürgermeister tragen die 1908 gestiftete niederösterreichische Bürgermeistermedaille, die das Antlitz des Kaisers ziert. Mistelbachs Bürgermeister Thomas Freund ließ diese Medaille in eine von ihm anlässlich seines im selben Jahr begangenen zwanzigjährigen Amtsjubiläums gestiftete Bürgermeisterkette einarbeiten.

Ökonomierat Ferdinand Fallenbiegl (*1856, †1933)823, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Ebendorf 1891-1919826

 

Leopold Strobl (*1851, †1927), Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Eibesthal 1906-1919827,
bereits seit 1885 Mitglied der Gemeindevertretung

 

Leopold Welzl (*1862, †1957)828, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Frättingsdorf 1907-1919829

 

Johann Bösmüller (*1859, †1943)830, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Hörersdorf 1906-1919831,
bereits seit 1900 Mitglied der Gemeindevertretung

 

Josef Schreiber (*1865, †1938)832, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Hüttendorf 1901-1919833

 

Kommerzialrat Thomas Freund (*1850, †1937), Kaufmann, Landtagsabgeordneter
Bürgermeister von Mistelbach 1888-1911,
bereits seit 1885 Mitglied der Gemeindevertretung834

 

Anton Trischack (*1856, †1940)835, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Siebenhirten 1907-1919836,
bereits seit 1891 Mitglied der Gemeindevertretung

Abschließend seien hier die Bürgermeister heutiger Katastralgemeinden angeführt, die zwar im Bürgermeister-Almanach erwähnt werden, aber darin nicht abgebildet sind:

Jakob Bachmayer (*1850, †1927)837, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Kettlasbrunn 1901-1912838,
bereits seit 1885 Mitglied der Gemeindevertretung

Franz Schön (*1855, †1951)839, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Lanzendorf 1894-1919840,
bereits seit 1885 Mitglied der Gemeindevertretung

Leopold Rosner (*1859, †1934)841, Wirtschaftsbesitzer
Bürgermeister von Paasdorf 1899-1912 & 1916-1919842,
bereits seit 1889 Mitglied der Gemeindevertretung

Quellen:
Tenger, Ignaz: Österreichischer Bürgermeister-Almanach – 1848 – 1908; Jubiläums-Widmung zur Feier des 60-jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k.u.k. a. M. Franz Josef I. (1908) (Digitalisat NÖ Landesarchiv)

Gspann, Lehrerfamilie

Von Thomas Kruspel 31. März 2018 Aus

Beinahe ein Jahrhundert waren Mitglieder der Familie Gspann in Mistelbach als Lehrer tätig und vermittelten Generationen von Mistelbacher Kindern Schulbildung. Allesamt waren sie auch sehr musikalisch, erteilten Musikunterricht und betätigten sich auch als Komponisten. Neben ihrer Tätigkeit als Schulleiter waren die Gspann-Lehrer auch als „Regens chori“ beschäftigt, also mit der Leitung der Kirchenmusik betraut.

Anton Gspann

* 1769, ?
† 1.1.1823, Mistelbach843

Ab 1797 hatte Anton Gspann die Mistelbacher Lehrerstelle inne und schloss im selben Jahr die Ehe mit Barbara Brenner, einer Tochter des hiesigen Töpfermeisters Johannes Brenner. Dieser Verbindung entstammten sechs Kinder, darunter der in Wien wirkende Musiklehrer und Komponist Karl Paul Gspann.844 Nähere Details zu seiner Herkunft sind leider nicht bekannt. Eine Abstammung von der seit Ende des 17. Jahrhunderts in Lanzendorf aufscheinenden Bauernfamilie Gspann, wie Prof. Spreitzer sie vermutete, scheint grundsätzlich naheliegend zu sein, allerdings findet sich in den lokalen Pfarrmatriken kein passender Taufbucheintrag im fraglichen Zeitraum.845

Die Schule war seit dem Jahr 1620 an der Adresse Kirchengasse 11 untergebracht, und im Schulhaus befand sich auch die Wohnung des Lehrers. Am 9. Juli 1809 musste Gspann miterleben, wie das Schulgebäude von durchziehende Soldaten Napoleons in Brand gesteckt wurde und völlig niederbrannte. Das an derselben Stelle wiederaufgebaute und um die danebengelegene Brandruine erweiterte, neue Schulhaus wurde 1811 eröffnet, doch auch dieser Neubau konnte die seit jeher herrschende Raumnot nicht lindern. In der Zeit vor der Fertigstellung des neuen Gebäudes (1809 – 1811) mussten Gspann und seine Schulgehilfen (=Hilfslehrer bzw. Lehrer in  Ausbildung) den Unterricht zunächst im Wirtshaus zur goldenen Krone (Oberhoferstr. 15) und später im Barnabitenkolleg abhalten.846

Anton Gspann übte das Amt des Lehrers und Schulleiters bis zu seinem Tod im Jahre 1823 aus.

Joseph Gspann847

* 18.2.1802, Mistelbach848
† 1.1.1882, Mistelbach849

Joseph Gspann folgte seinem Vater Anton im Beruf und absolvierte 1815 den pädagogischen Kurs in Wien. Drei Jahre später trat er in den Schuldienst ein und war in den folgenden Jahren als Lehrergehilfe tätig. 1822 legte er erfolgreich die Lehrerprüfung ab, und nach dem Ableben seines Vaters zu Beginn des folgenden Jahres, übernahm er dessen Lehrerstelle.850 Er war hintereinander mit den drei Töchtern des Hutmachermeisters Matthias Küttner verheiratet: Anna (∞1824, †1828)851, Antonia (∞1829, †1836)852, Franziska (∞1854)853 und aus den ersten beiden Ehen stammten zehn Kinder, von denen allerdings einige bereits in jungen Jahren verstarben. Sein Schwiegervater Matthias Küttner war der Besitzer des Barockschlössls und durch die Heirat mit der jüngsten Tochter Franziska, die das Anwesen von ihrem Vater geerbt hatte, kam das Barockschlössl in den Besitz der Familie Gspann.854 Aufgrund seiner herausragenden Dienstausübung wurde Joseph Gspann 1826 mit dem Berufstitel „Musterlehrer“ geehrt.855 Ab diesem Jahr hatte er neben dem Schuldienst auch die Meßnerdienststelle inne.856 Er war ein sehr begabter Musiker, und mehrfach ereilten ihn lukrative Angebote als Musiklehrer bzw. Musiker nach Wien zu wechseln, die er jedoch alle aus Verbundenheit gegenüber seiner Heimat und seiner Schule ausschlug.857

Davon, dass die von ihm komponierten Werke auch in Wien Anerkennung fanden, zeugt ein Bericht der Wiener Zeitung aus dem Juni 1840, der von der Aufführung einer selbst komponierten Messe in der Kirche am Hof in Wien handelt. Darin heißt es unter anderem: “Es spricht sich in dem Werke nebst einer vollständigen Kenntniß des Generalbasses und der Compositionslehre eine besondere Befähigung zum sogenannten Kirchen-Style aus”.858 Es handelte sich bei dem Werk wohl um die „Brand-Messe“, die im November 1839 in Mistelbach uraufgeführt wurde und die Joseph Gspann zum Gedenken an die völlige Zerstörung der Pfarrkirche durch eine Feuersbrunst am 15. Juni 1835 verfasst hatte.

Er und sein Sohn Ludwig waren auch die ersten Musiklehrer der in Mistelbach geborenen Klaviervirtuosin Laura Kahrer (verehel. Rappoldi), bei denen sie als Zehnjährige Klavier- und Generalbaß-Unterricht erhielt. Sofort erkannten sie das unglaubliche Talent und angeblich bereits nach einem Jahr, waren die erfahrenen Musiker nicht mehr in der Lage dem Kind Neues zu lehren, sodass Kahrer ihre musikalische Ausbildung in Wien fortsetzte. Ihre erste im Alter von elf Jahren verfasste Komposition, Elegie – Tongemälde für Piano, widmete sie ihrem Generalbaßlehrer Joseph Gspann und dieses Werk, das dem damaligen k. k. Hofkapellmeister Randhartinger vorgelegt wurde und dessen Anerkennung fand, ist in den Beständen des Stadt-Museumsarchivs erhalten geblieben.859

Laut den Veröffentlichungen von Prof. Spreitzer zur Schulgeschichte Mistelbachs erfolgte Joseph Gspanns Übertritt in den Ruhestand zeitgleich mit der Einrichtung der Pfarrhauptschule 1861, allerdings scheint er in einem Lehrer-Schematismus aus dem Jahr 1863 weiterhin als Schulleiter (Oberlehrer) auf.860 Neben seinem Sohn Ludwig, ergriff auch sein Sohn Joseph den Beruf des Lehrers und dieser wurde später Bürgerschuldirektor in Wien-Alsergrund.861 Noch am Tag seines Todes, dem Neujahrstag des Jahres 1882, spielte er als Organist die Messe in der Pfarrkirche, als ihm währenddessen plötzlich übel wurde – er starb noch am selben Tage in seinem Haus, dem Barockschlössl. Am 4. Jänner 1882 wurde Joseph Gspann unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der Lehrerschaft aus dem gesamten Bezirk auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.

Ludwig Gspann

* 6.1.1831, Mistelbach862
† 8.1.1900, Mistelbach863

Auch Ludwig Gspann folgte beruflich dem Vorbild von Großvater und Vater, absolvierte 1849 den pädagogischen Kurs in Wien und legte im selben Jahr auch die Lehrerprüfung ab. Ab diesem Zeitpunkt war er, mit Ausnahme einer zwischenzeitlichen Tätigkeit an der Volksschule Neulerchenfeld (Wien)864, bis zur Pensionierung seines Vaters als Lehrgehilfe (bzw. Unterlehrer) an der Schule in Mistelbach beschäftigt. Wann genau er seinem Vater als Schulleiter nachfolgte, ist aufgrund widersprüchlicher Quellenangaben (siehe bei Joseph Gspann) leider nicht eindeutig klar. Jedenfalls ab Ende 1865865 und bis ins Jahr 1873 hatte er diese Funktion inne. In diesem Jahr erfolgte der Umzug in die neuerbaute Volks- und Bürgerschule, am heutigen Standort der Hauptschule in der Bahnstraße, und auch die Organisation des Schulwesens änderte sich bedingt durch die Umsetzung einer Reform. Zwar zog sich Gspann von der Schulleitung zurück, war aber bis zu seiner Pensionierung Ende November 1884 weiter als Volksschullehrer tätig.866 1864 war er die treibende Kraft hinter der Gründung des Männergesangsvereins (Vorläufer des Musik- und Gesangsvereins Mistelbach) und auch dessen langjähriger Chorleiter.867 Ebenso gehörte Ludwig Gspann 1868 zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Turnvereins Mistelbach und war ab 1871 als Lehrervertreter Mitglied des Bezirksschulrats. 1863 ehelichte er die aus Orth a.d. Donau stammende Industriallehrerin (=Werk- bzw. Handarbeitslehrerin) Maria Theresia Kellersmann, die später auch an der Mistelbacher Schule unterrichtete.868 Dieser Ehe waren keine Kinder beschieden und als seine Gattin 1897 einer Krebserkrankung erlag, heiratete er im Jahr darauf die zwanzig Jahre jüngere Lehrerwitwe Mathilde Gschweidl aus Laa a.d. Thaya, und auch diese Ehe blieb kinderlos.869 Bis zum Tod seiner ersten Gattin wohnte Gspann in der Lehrerwohnung im alten Schulhaus in der Kirchengasse, und übersiedelte danach in das Barockschlössl, dass er bereits 1888 nach dem Ableben seiner Stiefmutter gemeinsam mit drei Geschwistern geerbt hatte. Schon 1893 musste er den Dienst als „Regens chori“ wegen fortschreitender Schwerhörigkeit zurücklegen.

Der letzte Mistelbacher Gspann-Lehrer, Ludwig Gspann, starb wenige Tage nach der Wende zum 20. Jahrhundert. 1915 verstarb schließlich die letzte Mitbesitzerin des Barockschlössls aus der Familie Gspann870, Aloisia Gspann, und danach ging das Gebäude in den Besitz von Johann Burgmann über, bevor die Sparkasse der Stadt Mistelbach 1929 das Anwesen erwarb und es nach eingehender Renovierung dem Mistelbacher Heimatmuseum zur Verfügung stellte.871 Heute befindet sich das Barockschlössl im Besitz der Gemeinde und wird als Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt.

1958 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat der in unmittelbarer Nähe zur Schule gelegenen Quergasse im Gedenken an das Wirken der Familie Gspann den Namen Gspanngasse zu geben.872

Wo befindet sich die Gspanngasse?

Quellen (und Anmerkungen):

-) Spreitzer, Prof. Hans: „Mistelbacher Schulgeschichte“ In: Mistelbach Geschichte I (1974), S. 232 ff
-) Bote aus Mistelbach 2/1900, S. 5 (Nachruf Ludwig Gspann)

Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart – Schriftenreihe

Von Thomas Kruspel 17. Februar 2018 Aus

Im Sommer 1962 erschien erstmals die von der Stadtgemeinde Mistelbach herausgegebene heimatkundliche Schriftenreihe „Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart“, als Beilage zur Gemeindezeitung. Die Initiative dazu ging von Ministerialrat Prof. Hans Spreitzer aus, der bis zu seinem Tode 1979 auch redaktioneller Leiter dieser Publikation war. Zu den Autoren zählten neben verdienstvollen Heimatforschern, bald auch Fachexperten, die Abhandlungen zu verschiedenen Themen rund um die Geschichte Mistelbachs verfassten. Ein besonderes Anliegen war dieses Projekt auch dem damaligen Bürgermeister Reg.Rat Franz Bayer, der nicht nur die Rahmenbedingung für die Herausgabe schuf, sondern auch selbst Beiträge verfasste.

Die regelmäßig erscheinenden Beilageheftchen, umfassten zunächst jeweils nur wenige Seiten, und die einzelnen Beiträge, die mit einer fortlaufenden Seitennummerierung versehen waren, wurden jahrzehnteweise zu Bänden zusammengefasst. Wie von Anbeginn geplant, wurden anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Stadterhebung (1974) viele der in der Beilage erschienenen Beiträge, in dem unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim herausgegebenen Buch „Mistelbach Geschichte I“, gesammelt veröffentlicht. Im Laufe der Zeit wuchs der Umfang der einzelnen Beiträge, die sich ab den Gemeindefusionen 1967 bzw. 1972 auch mit den nunmehr als Katastralgemeinden eingemeindeten Ortschaften befassten. Wie der Titel nahelegt, stand nicht nur die Geschichte, sondern auch die Gegenwart im Fokus dieser Reihe und so wurden zahlreiche Festschriften in diesem Rahmen veröffentlicht und anfangs unter dem Titel „das aktuelle Bild“ auch Fotos gegenwärtiger Ereignisse abgedruckt. Schon seit vielen Jahren erscheinen Beiträge nur mehr unregelmäßig, und oftmals anlassbezogen, dafür aber in Form umfangreicher und sehr professionell gestalteter Publikationen.

Die hier veröffentlichte Liste soll einen Überblick über die bisher erschienenen, äußerst wertvollen Beiträge bieten und veranschaulichen, was auf diesem Gebiet seit mehr als 55 Jahren von vielen engagierten Menschen geleistet wurde.

Inhaltsverzeichnis – Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart

Das Buch „Mistelbach Geschichte I“ und Restexemplare einzelner Bände sind im Bürgerservice der Stadtgemeinde Mistelbach erhältlich.