Schulgasse (Ebendorf)

Von Thomas Kruspel 16. April 2026 Aus

Die Geschichte des hier verlaufenden Weges reicht weit zurück bevor die namensgebende Schule errichtet wurde.1 Dieser zunächst schlichte Feldweg diente bereits vor dem Anfang des 18. Jahrhunderts auf kaiserliche Anordnung erfolgten Ausbau der Brünner Straße zu einer der Hauptverkehrsachsen des Reichs, als Zubringer dieser Straße bzw. Verbindungsweg nach Schrick. Das Bestehen dieses Weges ist auch durch das Schicksal des Ebendorfer Landwirts Weinert überliefert, der 1679 mit seinem Pferdegespann aus Wien zurückkehrte. Damals wütete die Pest in der Hauptstadt und als er erste Krankheitssymptome kurz vor Erreichen seines Heimatortes bemerkte, schickte Weinert sein Fuhrwerk alleine weiter, um die tödliche Krankheit nicht nach Ebendorf einzuschleppen. Bei der damals angeblich bereits bestehenden, vor dem Ortsgebiet gelegenen und aus Holz erbauten Marienkapelle („Maria unter den Linden“), soll er fromm betend sein tödliches Schicksal erwartet haben. Zum Gedenken an sein vorausschauendes Handeln und zum Dank dafür, dass sie diesmal von der Pest verschont blieben, ließen die Ebendorfer die Kapelle neu aus Stein errichten und Weinert wurde bei der Kapelle begraben.2 So lautet die Geschichte laut Darstellungen aus der Zeit zu Ende des 19. Jahrhunderts (im Wesentlichen die Topographie von Niederösterreich (herausgegeben vom Verein für Landeskunde)).  Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim – zweifellos der profundeste Kenner der Geschichte Ebendorfs – schildert die damalige Begebenheit in seiner 1971 erschienenen „Kleinen Geschichte Ebendorfs“ geringfügig anders: laut ihm hieß der Ebendorfer Landwirt Weiner und die Kapelle sei erst nach dem Ableben Weiners entstanden. Nachdem die Kapelle im Jahr nach Weiners Tod neben dessen Grab zunächst als Holzbau errichtet worden war, soll sie erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Steinbau ausgeführt worden sein.3

Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Kapelle allerdings erst im Zuge eines von Gutsbesitzer Dr. Josef Mitscha von Märheim initiierten und finanzierten Neubaus, der schließlich im Jahre 1904 geweiht wurde. Die Kapelle wurde damals deutlich vergrößert und im Zuge von Fundamentierungsarbeiten wurde ein Skelett gefunden, bei dem es sich wohl um die Gebeine Weiner(t)s gehandelt haben dürfte. Sein Ableben lässt sich in den zu diesem Zeitpunkt bereits geführten Pfarrmatriken leider nicht nachvollziehen – allerdings haben Recherchen von Prof. Mitscha-Märheim belegt, dass es zu jener Zeit mehrere Personen mit diesem Nachnamen in Ebendorf gab. Das Sterbebuch aus jener Zeit ist zwar überliefert und nach den damals zur Pfarre Mistelbach gehörenden Gemeinden gegliedert, allerdings finden sich zu jener Zeit lediglich Einträge zu Mistelbach, Siebenhirten, Hüttendorf und Lanzendorf – Ebendorf fehlt.

Die Kapelle „Maria unter den Linden“ am oberen Ende der Ebendorfer Schulgasse unmittelbar nach ihrer Neuerrichtung im Jahre 1904 (Ausschnitt einer Postkarte aus dem Verlag Thomas Freund)Die Kapelle „Maria unter den Linden“ am oberen Ende der Ebendorfer Schulgasse unmittelbar nach ihrer Neuerrichtung im Jahre 1904 (Ausschnitt einer Postkarte aus dem Verlag Thomas Freund)

Die Ebendorfer Kinder besuchten bis in die 1870er die Schule in Lanzendorf. Da aber der Schulweg zwischen Ebendorf und Lanzendorf, die heutige Grubenmühlstraße, nur sehr schlecht befestigt war und die Kinder – von denen viele keine Schuhe hatten – oftmals durch die umliegende feuchte Au ausweichen mussten, bestand schon seit langem der Wunsch nach einer eigenen Schule. Die finanziellen Mittel der Gemeinde Ebendorf reichten dafür nicht aus und die Situation änderte sich erst, als der bereits erwähnte, Dr. Josef Ritter Mitscha von Märheim 1874 das Ebendorfer Schloss samt dem zugehörigen Gut erwarb. Er erklärte sich 1879 bereit die Kosten für die Errichtung eines Schulgebäudes und dessen Innenausstattung zu übernehmen. Schon im darauffolgenden Jahr konnte das Schulgebäude bestehend aus einem Klassenzimmer und einer Lehrerwohnung eingeweiht werden. Zehn Jahre später überstieg die Anzahl der Kinder den im Klassenraum verfügbaren Platz bereits deutlich und daher wurde die alte Lehrerwohnung in einen zweiten Klassenraum umgebaut sowie eine neue Lehrerwohnung zugebaut. Ab den 1920er Jahren sank die Zahl der Schulkinder und Anfang der 1930er Jahre wurde die Schule schließlich nur mehr einklassig geführt. Aufgrund Lehrermangels fand von 1941 bis 1945 in der Ebendorfer Schule kein Unterricht statt und die Kinder wurden der Mistelbacher Schule zugewiesen. 1945 gab es dann kurzzeitig gemeinsamen halbtägigen Unterricht abwechselnd in Lanzendorf und Ebendorf, ehe ab November 1945 dann wieder eigenständiger Unterricht in Ebendorf stattfand. Während die Schule von 1947 bis 1953 wieder zweiklassig geführt wurde, wurden die wenigen Schüler danach wieder zu einer einzigen Schulklasse zusammengefasst. 1966 folgte schließlich das Ende der Ebendorfer Schule, die wie viele andere kleine Dorfschulen im Zuge einer Schulreform geschlossen wurde und seither besuchen die Ebendorfer Kinder die Schule in Mistelbach.4

Die Ebendorfer Schule auf einer Ansichtskarte aus den 1930er JahrenDie Ebendorfer Schule auf einer Ansichtskarte aus den 1930er Jahren

Nachdem die umliegenden Dorfschulen geschlossen wurden und aufgrund starker Geburtenjahrgänge, herrschte in den Mistelbacher Pflichtschulen, die in der Bahnstraße (Mädchen) und Thomas-Freund-Gasse (Knaben) untergebracht waren, große Raumnot. Daher wurden Ende der 1960er Jahre auch die Räumlichkeiten der ehemaligen Ebendorfer Schule von der Mistelbacher Knaben-Hauptschule genutzt, bevor schließlich die Eröffnung eines eigenen Volksschulgebäudes in der Bahnzeile im Jahre 1971 Entlastung brachte. Ihre Rolle als Raumreserve für Mistelbacher Bildungseinrichtungen erfüllte die Ebendorfer Schule abermals im Schuljahr 1976/77 als die neu eröffnete Mistelbacher Handelsakademie und Handelsschule – zunächst lediglich eine Expositur der BHAK und BHAS Korneuburg – in der alten Ebendorfer Schule untergebracht war. Dieses Provisorium überbrückte den Zeitraum bis zur Übersiedlung in das damals noch in Bau befindliche Bundesschulzentrum, das mit dem darauffolgenden Schuljahr eröffnet werden konnte.5

Im Zuge der Einführung offizieller Straßenbezeichnungen in Ebendorf mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 27. Juni 1979 erhielt diese Straße, den zweifellos seit Ende des 19. Jahrhunderts umgangssprachlich gebräuchlichen Namen „Schulgasse“ nunmehr offiziell.6 Die alte Ebendorfer Schule wird seit Jahrzehnten von verschiedenen Ebendorfer Vereinen genutzt und dient auch als Veranstaltungsort.

Der auf Höhe des Schulgebäudes beginnende und parallel zur Schulgasse verlaufende Promenadenwege zur Marienkapelle wurde im Zuge des Neubaus der Kapelle im Jahre 1904 angelegt. An markanten Gebäuden weist die Schulgasse zum einen den als Wahrzeichen Ebendorfs fungierenden, 1879 errichteten, Glockenturm an der Einmündung zur Ebendorfer Hauptstraße auf, sowie eine 1903 im damaligen Stil von Gutsbesitzer Dr. Josef Mitscha von Märheim errichtete Villa an der Adresse Schulgasse Nr. 11 auf.7 Außerdem befindet sich neben dem Schulgebäude das 1922 errichtete Kriegerdenkmal.

Wo befindet sich die Schulgasse (Ebendorf)?

 

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-) Sammlung des Autors

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Oberhoferstraße

Von Thomas Kruspel 4. April 2026 Aus

Die Entstehung der Oberhoferstraße ist wohl in die Zeit der Gründung Mistelbachs zu verorten bzw. muss sie bald danach angelegt worden sein. Wahrscheinlich reicht die Geschichte dieser Straße jedoch noch weiter zurück, denn entlang von Flüssen und Bächen verliefen seit jeher Wege. Das weltliche und geistliche Machtzentrum der im 11. Jahrhundert gegründeten Ansiedlung Mistelbach befand sich auf dem Kirchenberg. Für die Errichtung von Bauernhöfen in der damals üblichen Form eignete sich eine Hanglage allerdings nicht und daher entstand im Tal, das der Mistelbach in den Höhenrücken des Zayatals schneidet, der bäuerlich geprägte Ortsteil – das sogenannte „Dorf“.

Die Höfe wurden zeilenförmig angeordnet und sofern nicht bereits im Zeitpunkt der Gründung so angelegt, entwickelte sich bald die damals übliche Form eines Angersdorfs, das aus zwei gegenüberliegenden Häuserzeilen – der linken Seite der Oberhoferstraße (ungerade Hausnummern) und der rechten Seite der Waldstraße (gerade Hausnummern) – bestand. Der weitläufige, von der Mistel durchflossene Anger dazwischen, diente einerseits als Hochwasserschutz und wurde andererseits auch für (Obst)gärten und als Auslauffläche für Hühner und Gänse genutzt.8 Das „Dorf“ erstreckte sich zwischen der Steinernen Brücke (Kreuzung Oberhoferstraße/Waldstraße) – dem nördlichen Ortsende – und dem im Süden angrenzenden Wiedenviertel. Die (obere) Franz Josef-Straße und die (obere) Winzerschulgasse bildeten als „Hintausstraßen“ die Grenzen der Höfe, wo sich die zugehörigen Scheunen und Keller befanden. Im 16. und 17. Jahrhundert erfolgte schrittweise die weitgehende Verbauung des alten Dorfangers mit Kleinhäusern und damit erhielt die Oberhoferstraße ihre rechte Häuserzeile bzw. ihre endgültige Form.9

Univ.-Prof. Dr. Adalbert Klaar vertritt in seinem Beitrag „Die Siedlungsform von Mistelbach“ im anlässlich der Feierlichkeiten zu „100-Jahre-Stadterhebung“ erschienenen Buch „Mistelbach Geschichte Band I“ die auf Vorarbeiten von Prof. Hans Spreitzer10 basierende These, dass die Oberhoferstraße und die Kreuzgasse ursprünglich ein zusammenhängender Straßenzug gewesen seien.11 Für diese plausible Theorie spricht die Tatsache, dass die Oberhoferstraße sonst im Nirgendwo geendet hätte, denn der heutige Mistelbacher Hauptplatz wurde erst an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert neu angelegt. Der zuvor genutzte alte Marktplatz lag am Kirchenberg in unmittelbarer Nähe zur Burg. Das abrupte Ende der ebenfalls sehr alten Kreuzgasse bei ihrer Einmündung in die Kirchengasse wirkt ebenfalls unvermittelt und die Tatsache, dass sich problemlos eine Verbindung zwischen diesen Straßen denken bzw. wie unten sichtbar, auch darstellen lässt, scheint diese These zu stützen. Ein durchgehender Straßenzug bestehend aus Kreuzgasse und Oberhoferstraße als wichtige Nord-Süd-Achse hätte durch ihren Verlauf auch eine direkte Anbindung an die Straße Richtung Wilfersdorf geboten.

Bildeten die Oberhoferstraße und die Kreuzgasse vor der Entstehung des Mistelbacher Hauptplatzes einen gemeinsamen Straßenzug?

■ Oberhoferstraße
■ Kreuzgasse
■ Verbindung zwischen Oberhoferstraße und Kreuzgasse

Der planmäßig angelegte „neue“ Markt, also die Häuser am Hauptplatz, war von einer in die Gebäude integrierten Befestigungsmauer umgeben, deren Hauptzweck weniger die Verteidigung, sondern vielmehr der Schutz vor Dieben und anderen dubiosen Gestalten war. Natürlich verfügte diese Mauer an den Zufahrtsstraßen zum Markt über Tore und eines der großen Tore befand sich in der Oberhoferstraße. Da die Oberhoferstraße in früherer Zeit als „Staatzer Straße“ bezeichnet wurde, nannte man diesen zwischen den einander gegenüberliegenden Häusern Oberhoferstraße Nr. 5 und Nr. 16 gelegenen Eingang zum Markt „Staatzer Tor“ oder auch „Oberes Markttor“. 1843 wurden sämtliche Tore der mittlerweile unzeitgemäßen und den Markt einengenden Befestigungsmauern entfernt.12

Erst im Jahre 1898 wurden in Mistelbach offiziell Straßenbezeichnungen eingeführt und die Straße, die Gegenstand dieses Beitrags ist, wurde nach dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Lederermeister und Marktrichter Paul Oberhoffer benannt.13 Natürlich gab es auch bereits zuvor informelle Straßenbezeichnungen, die der Orientierung dienten, allerdings war die Benennung nach Personen gänzlich unüblich. Eine Ausnahme scheint hier die Oberhoferstraße zu bilden, deren erste Erwähnung bereits für die 1880er Jahre belegt ist.14 Da Prof. Spreitzer, der die Urbarien der Grundherrschaften und die Grundbücher ausgiebig untersucht hat, als ältere Bezeichnung für diese Straße in seinen Arbeiten lediglich die Namen „Staatzer Straße“ bzw. „beim Staatzertor“ anführt, bleiben die Anfänge des Namens „Oberhoferstraße“ bzw. dessen zeitliche Entstehung unklar. Marktrichter Oberhoffer hatte sich große Verdienste in einem langwierigen Rechtsstreit mit der liechtensteinischen Herrschaft um den Mistelbacher Gemeindewald erworben und da die gegenständliche Straße aus dem Markt in Richtung des Waldes führte, bot sich diese Namensgebung zum Gedenken an Oberhoffer an.

Um die Jahrhundertwende findet sich oftmals die Schreibweise Oberhofferstraße, weil man der Meinung war, dass der Marktrichter aus dem 17. Jahrhundert sich so schrieb, aber tatsächlich finden sich auch zu seinen Lebzeiten Schreibweisen mit nur einem f und auch eine frühe Erwähnung der Bezeichnung „Oberhoferstraße“ aus dem Jahre 1890 findet sich ohne die Doppelung. Die Straße ist bis heute Teil der zentralen Nord-Süd-Achse durch die Stadt und aufgrund ihrer Lage ließen sich zahlreiche Gewerbetreibende, insbesondere im unteren Teil der Straße, nieder. Die Oberhoferstraße war also über Jahrhunderte eine der bedeutendsten Geschäftsstraßen Mistelbachs, hat diese Stellung im Zuge tiefgreifender Veränderungen in Handel und Gewerbe, die sich weder auf Mistelbach noch auf die Oberhoferstraße beschränken, in den letzten Jahren jedoch verloren.15

Nachfolgend ein paar Anmerkungen zu geschichtsträchtigen Häusern in der Oberhoferstraße:

Oberhoferstraße 1a: ursprünglich gehört dieser Grund zum Gasthaus „zum goldenen Ochsen“, dass 1900 zwecks Errichtung des neuen Rathauses am Nordende des Hauptplatzes abgerissen wurde. Im Zuge des Abbruchs des Gasthauses kam es zu einer Grundteilung und auf dem hinteren Areal wurde schließlich 1908 das k.k. Eichamt errichtet.16 Das Eichamt übersiedelte später und 1977 wurde das alte Gebäude abgebrochen, um Parkplätze für die Bezirkshauptmannschaft zu schaffen.

Die untere Oberhoferstraße im Jahre 1908 auf einer Ansichtskarte aus dem Verlag Anton Kapitan. Auf der rechten Seite mit dem schönen Giebel (grau mit weißem Dekor) das alte Eichamt, und dahinter in seiner ursprünglichen roten Farbe das RathausDie untere Oberhoferstraße im Jahre 1908 auf einer Ansichtskarte aus dem Verlag Anton Kapitan. Auf der rechten Seite mit dem schönen Giebel (grau mit weißem Dekor) das alte Eichamt, und dahinter in seiner ursprünglichen roten Farbe das Rathaus

Oberhoferstraße 6: hier befand sich ab 1890 die Buchdruckerei Krapfenbauer (später Kränzle bzw. Hornung) und über die meiste Zeit ihres Bestands befand sich hier die Verwaltung und Redaktion der Lokalzeitung „Mistelbacher Bote“. Als die Druckerei 1958 aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste, kam auch das Ende des „Mistelbacher Bote“. Zwischen den Häusern Oberhoferstraße Nr. 2-4 und Nr. 6 verläuft der Rollerweg, dessen Entstehungsgeschichte ausführlich im verlinkten Beitrag behandelt wurde.

Oberhoferstraße Nr. 15: Das Gasthaus „zur goldenen Krone“ bestand jedenfalls bereits seit Ende des 16. Jahrhunderts und hatte seit der Zeit Maria Theresias das Recht die Krone im Gasthausschild zu führen. Ähnlich dem Gasthaus „zum weißen Rössl“ lag es einst vor einem der großen Markttore und damit außerhalb des eigentlichen Marktes. 1929 wurde das Gasthaus ausgebaut und von der Familie Heindl das erste Tonkino der Stadt eröffnet. Der Kinosaal war über viele Jahrzehnte der größte Veranstaltungsraum in Mistelbach und wurde vielfältig genutzt. Mehr zur Entstehung dieses Kinos im Beitrag: Kino in Mistelbach

Oberhoferstraße Nr. 16: hier befand sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein Gast- bzw. Kaffeehaus. Es handelte sich um das erste Kaffeehaus in Mistelbach und nähere Informationen dazu finden sich im Beitrag Kaffeehaus – Bahnstraße Nr. 5. Das Gasthaus existierte bis in das Jahr 1976.

Oberhoferstraße Nr. 41: Die „Milchkammer“ – Sitz der offenbar 1908 gegründeten Mistelbacher Milch- bzw. Molkereigenossenschaft. Nach der 1927 erfolgten Eröffnung der großen Zentralgenossenschafts-Molkerei in der Nähe des Staatsbahnhofs, dürfte die alte Milchkammer nur mehr als Milchsammelstelle für die im „Dorf“ befindlichen Höfe gedient haben bzw. wurden hier bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auch bestimmte Erzeugnisse, wie zB Molke (zum Verzehr oder als Futtermittel) vertrieben.

Oberhoferstraße Nr. 99: Das von Forstmeister Martin Sklenař jun. errichtete Haus war bis 1957 auch Sitz der Forstverwaltung der Gemeinde. Mehr zur Geschichte der Försterdynastie findet sich im Beitrag Försterfamilie Sklenař

Oberhoferstraße Nr. 115-117: Etwas nach hinten versetzt und aufgrund eines dicht bewachsenen, weitläufigen (Vor)Gartens von der Straße aus nicht einsehbar befindet sich eine 1908 vom damaligen Direktor der Landeswinzerschule Johann Kargl errichtete Villa, der einst auch ein landwirtschaftlicher Betrieb angeschlossen war. Mehr Informationen zur Entstehungs- bzw. Besitzgeschichte dieser Villa findet sich im Beitrag zur Dr. Körner-Straße

Wo befindet sich die Oberhoferstraße?

 

Bildnachweis:
Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl, digitalisiert von Otmar Biringer

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Rupprecht, Dr. Georg

Von Thomas Kruspel 24. Oktober 2025 Aus

Medizinalrat Dr. Georg RupprechtDr. Georg Rupprecht in den 1950er Jahren

geb. 6.6.1902, Mönchhof
gest. 4.4.1959, Mistelbach

Georg Rupprecht wurde 1902 als Sohn des Landwirts Michael Rupprecht und dessen Gattin Theresia, geb. Sänftner, in Mönchhof im burgenländischen Seewinkel geboren.16 Er war der älteste Sohn der Familie und wuchs zusammen mit einem Bruder und einer Schwester auf. Das heutige Burgenland war damals Teil der ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie und die dort lebenden Minderheiten – darunter auch die Deutschen in Westungarn – waren einem großen Magyarisierungsdruck ausgesetzt. Als wirksames Werkzeug hierzu nutzten die ungarischen Nationalisten die Schulen und so fand etwa in der Volksschule Mönchhof – trotz beinahe ausschließlich deutschsprachiger Bevölkerung – der Unterricht bereits ab dem Jahr 1893 nur in ungarischer Sprache statt.17 Von 1908 bis 1914 besuchte Rupprecht die Volksschule in seinem Heimatort und nur die Fürsprache des Pfarrers, der die Begabung des Schülers erkannte, ermöglichte ihm den Zugang zu höherer Bildung. Somit kam Rupprecht erst im Alter von 12 Jahren an das königliche katholische Obergymnasium in Pressburg (Bratislava), denn die heutige slowakische Hauptstadt war so wie das Burgenland Teil des ungarischen Königreichs.18 Im Zuge des Zerfalls der Monarchie nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg löste sich die Slowakei von Ungarn und wurde Teil der Tschechoslowakischen Republik. Dies hatte auch Folgen für „György Ruprecht“, wie er in den Jahresberichten seines Pressburger Gymnasiums auf Ungarisch genannt wurde, denn die Schule deren 6. Klasse er besuchte wurde zu einem tschechoslowakischen Gymnasium.19 Der Unterricht erfolgte nunmehr in der Nationalsprache dieses jungen Staates, allerdings wurden die höheren Klassen auch in ungarischer Sprache weitergeführt, um den bisherigen Schülern den weiteren Besuch zu ermöglichen. Diese aufwändige Doppelgleisigkeit dürfte wahrscheinlich nicht lange gewährt haben und neben der geänderten Sprache dürfte wohl auch die Tatsache, dass sich seine Schule nunmehr in einem anderen Staat befand, einen Schulwechsel nahegelegt haben. Rupprecht absolvierte seine letzten beiden Schuljahre schließlich in Budapest am königlich katholischen Obergymnasium im 1. Bezirk (Budvar), dessen Name in seinem letzten Schuljahr in „Stephan-Verböczy-Obergymnasium“ geändert wurde. Die Reifeprüfung legte er an dieser Schule im September 1922, und somit ein Jahr nachdem das Burgenland ein Teil Österreichs geworden war, ab.20

Daran anschließend nahm er das Studium der Humanmedizin an der Universität Wien auf, doch nachdem er seine gesamte Schulbildung auf Ungarisch absolviert hatte, bereitete ihm die deutsche Sprache anfänglich große Schwierigkeiten. Obwohl es sich um seine Muttersprache handelte, war es zweifellos schwer einem Studium zu folgen, Fachliteratur zu lesen bzw. selbst Arbeiten zu verfassen, wenn man diese Sprache im Wesentlichen nur in der in Familie und Dorf gepflogenen und vom Dialekt geprägten Form erlernt hat. Das Zählen und Rechnen auf Ungarisch hatte Rupprecht derart internalisiert, dass er es zeitlebens beibehielt. Während der Sommerferien des Jahres 1925 gründete er gemeinsam mit anderen burgenländischen Studenten die katholische deutsche Studentenverbindung Peisonia, zunächst als Ferialverbindung in Frauenkirchen. Doch schon wenige Wochen später, am 15. Oktober 1925, wurde diese Verbindung von ihren Gründern in eine Semestralverbindung mit Sitz in Wien umgewandelt. Der Verbindungsname leitet sich vom lateinischen Namen des Neusiedlersees ab und wenig überraschend waren daher Studenten aus dem Burgenland Zielgruppe dieser Vereinigung. 1929 folgte schließlich die Umbenennung dieser bis heute existierenden Korporation in „Austro-Peisonia“, die sich schließlich 1958 dem Österreichischen Cartellverband (ÖCV) – dem Dachverband der katholischen akademischen Studentenverbindungen – anschließen sollte.

Georg Rupprecht als Student im Couleur der von ihm mitgegründeten katholischen Studentenverbindung "Austro-Peisonia" WienGeorg Rupprecht als Student im Couleur der von ihm mitgegründeten katholischen Studentenverbindung „Austro-Peisonia“ Wien

Zu seinen Professoren an der medizinischen Fakultät zählte unter anderem der berühmte österreichische Chirurg Anton von Eiselsberg und am 8. November 1928 wurde er zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert.21 Dieser Tag hätte für die Familie Rupprecht ein Tag der Freude werden sollen, aber während die Eltern aufgrund der Promotion in Wien weilten, brach ein Feuer in einer Scheune aus und richtete großen Schaden im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie an.22

Der Medizinstudent Georg Rupprecht (rotes X) während eines AnatomiekursesDer Medizinstudent Georg Rupprecht (rotes X) während eines Anatomiekurses

Nach seiner Promotion hospitierte Dr. Rupprecht zunächst kurzzeitig im Kinderspital St. Joseph im 4. Wiener Gemeindebezirk, ehe er ab Dezember 1928 als Assistenzarzt an das allgemeine öffentliche Krankenhaus in Waidhofen an der Ybbs wechselte. Seine Tätigkeit in Waidhofen dauerte zwar nur bis zum Mai des Jahres 1931, doch hatte sie über diesen Zeitraum hinausgehende Bedeutung, denn hier lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Am 30. Oktober 1932 schloss Dr. Rupprecht mit der Postbeamtentochter Hildegard Lenz in Baden bei Wien den Bund der Ehe.23 Dieser Ehe sollten drei Söhne und eine in Mistelbach geborene Tochter entstammen.

Bereits im Juni 1931 war er in seine Heimat zurückgekehrt und wurde praktischer Arzt in Neusiedl am See, offenbar jedoch nur Vertretungsweise.24 Ein Jahr später übernahm er die Stelle als Kreisarzt in Leithaprodersdorf und ließ sich hier auch als praktischer Arzt nieder.25 Der Kreisarzt ist ein bis heute bestehendes Spezifikum der burgenländischen Sanitätsverwaltung und vereinfacht gesagt handelt es sich um einen Gemeindearzt, der diese Aufgabe nicht nur für eine Gemeinde, sondern für alle Gemeinden eines Sanitätskreises wahrnimmt. Der Sanitätskreis Leithaprodersdorf umfasste außer dem namensgebenden Ort auch die benachbarten Gemeinden Stotzing und Loretto. Ab 1934 gehörte Dr. Rupprecht dem Vorstand der burgenländischen Ärzteorganisation an und war ab 1935 auch Mitglied des burgenländischen Landessanitätsrates.26

Während des 2. Weltkriegs diente Dr. Rupprecht von 1939 bis 1945 als Stabsarzt bei der deutschen Luftwaffe am Flughafen Wien-Aspern und einer Gefangennahme durch die Sowjetarmee zu Kriegsende entzog er sich, indem er Zuflucht bei seinen Schwiegereltern in Waidhofen an der Ybbs suchte, wohin sich auch seine Gattin samt den Kindern zurückgezogen hatte. Sein ärztliches Pflichtbewusstsein führte ihn jedoch bald wieder nach Leithaprodersdorf zurück, wo er aufgrund von Missverständnissen in teils lebensgefährliche Situationen mit den russischen Besatzungssoldaten geriet.

1945 herrschte insbesondere im Weinviertel, in dem sich in den letzten Kriegstagen teils erbitterte Kämpfe ereignet hatten, große Not. Auch die medizinische Versorgung war katastrophal, nicht zuletzt, weil sich zahlreiche nationalsozialistisch gesinnte Ärzte vor dem Eintreffen der Russen Richtung Westen abgesetzt hatten und ihre Patienten im Stich ließen. Zeugnis dieser Mangellage bzw. der hygienischen Missstände war eine in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Mistelbach wütende Typhusepidemie. Der damalige Landessanitätsdirektor in Niederösterreich und gebürtige Mistelbacher Dr. Ignaz Stremnitzer wusste um die Not in seiner Heimatstadt und fragte seinen Freund aus Studientagen Dr. Rupprecht, ob dieser nicht nach Mistelbach kommen könnte. Seinem hippokratischen Eid verpflichtet folgte er dieser dringlichen Bitte und übersiedelte im September 1945 mit seiner Familie nach Mistelbach, um den hier herrschenden medizinischen Notstand zu lindern. Zunächst wohnte Dr. Rupprecht samt Familie im Elternhaus von Dr. Stremnitzer in der Martingasse, ehe er bald darauf das Haus in der Thomas Freund-Gasse Nr. 4 (Ecke Gspanngasse)  erwarb. In diesem Wohnhaus richtete er auch seine Praxis ein und Anfang der 1950er Jahre ließ er das Haus renovieren und aufstocken. Im Zuge dieser Renovierung wurde an der an den Garten des Kaffeehauses angrenzenden Fassade ein mittlerweile abgekommenes Sgraffito mit ärztlicher Symbolik (Äskulapstab und Kreuz) angebracht.27

Unmittelbar nach seiner Ankunft in Mistelbach nahm Dr. Rupprecht seine Tätigkeit als mit Sanitätsagenden (ua Seuchenbekämpfung) betrauter Amtsarzt auf, die er für zwei Jahre ausübte. Außerdem eröffnete er seine Ordination als praktischer Arzt und war darüber hinaus – wie auch bereits im Burgenland – als Zahnarzt tätig, nachdem er bereits in den 1930er Jahren die hierfür notwendigen Kurse absolviert hatte. Bald übernahm er auch die Funktion des Gemeindearztes (Totenbeschau, fachkundiger Berater, sanitätspolizeiliche Maßnahmen, etc.) in der Stadt.

Dr. Rupprecht stammte wie eingangs erwähnt aus einer Bauernfamilie und in einer Zeit, in der der Umgang mit Akademikern noch von großem Standesdünkel geprägt war, erfreute er sich aufgrund seiner volkstümlichen, umgänglichen und humorvollen Art bald großer Beliebtheit bei der Mistelbacher Bevölkerung. Auch sein vielseitiges Engagement im Vereinsleben der Stadt hat sicherlich zu seiner Popularität beigetragen und zeigt sein auf Geselligkeit und Gemeinnutz bedachtes Wesen. Dr. Rupprecht war Bezirksobmann des Kameradschaftsbundes, Gründungsobmann der Mistelbacher Ortsgruppe des ÖAMTC28, Leiter der Jagdgesellschaft, Beirat bzw. Ausschussmitglied im Kultur- und Verschönerungsverein der Stadt Mistelbach29, außerdem gehörte er dem Schützenverein an, war ab 1954 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach30 und beim Eisenbahner-Sportverein engagiert. 1955 wurde ihm in Würdigung seiner Verdienste vom Bundespräsident der Titel eines Medizinalrats verliehen.31

Am 4. April 1959 wurde Dr. Rupprecht zu einem Patientenbesuch nach Eibesthal gerufen und obwohl er sich selbst nicht ganz wohlfühlte, folgte er seiner ärztlichen Pflicht. Am frühen Abend verunglückte er mit seinem erst wenige Tage alten Wagen auf dem Heimweg, als er in einer übersichtlichen, leichten Linkskurve von der Straße abkam und mit einem alleinstehenden Baum frontal kollidierte. Beim Aufprall erlitt er mehrere Rippenbrüche und ein daraus resultierender Aortariss setzte seinem Leben ein abruptes Ende.32 Wie es zu diesem Unfall kam, bleibt unklar, insbesondere, da es sich bei Dr. Rupprecht um einen sehr routinierten Fahrer handelte. Am 8. April 1959 wurde Dr. Rupprecht unter großer Anteilnahme  auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt. Die Weinviertler Nachrichten berichten von bis zu 2000 Menschen, die sich eingefunden haben sollen, um von dem beliebten Mistelbacher Arzt Abschied zu nehmen.33 Am ersten Todestag wurde an jener Stelle, an der er verunglückte, auf Initiative seiner Bundes- und Cartellbrüder aus dem Österreichischen Cartellverband (ÖCV) ein Feldkreuz samt Erinnerungsplakette errichtet.34

Dr. Rupprechts letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher FriedhofDr. Rupprechts letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher Friedhof

Die Markierung auf obenstehender Karte zeigt die Unfallstelle bzw. den Standort des „Rupprecht-Kreuzes“ auf der Straße zwischen Mistelbach und Eibesthal

 

Das von Rupprechts Bundes- und Cartellbrüdern aus dem Österreichischen Cartellverband (ÖCV) im Jahr 1960 errichtete Kreuz an der Straße nach Eibesthal.Das von Rupprechts Bundes- und Cartellbrüdern aus dem Österreichischen Cartellverband (ÖCV) im Jahr 1960 errichtete Kreuz an der Straße nach Eibesthal.

 

Einige Gegenstände aus der Praxis von Dr. Rupprecht, darunter dieses Ordinationsschild sowie ein Stuhl für Zahnbehandlungen befinden sich heute im Stadtmuseumsarchiv.Einige Gegenstände aus der Praxis von Dr. Rupprecht, darunter dieses Ordinationsschild sowie ein Stuhl für Zahnbehandlungen befinden sich heute im Stadtmuseumsarchiv35

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. März 1973 erhielt, eingedenk seiner Verdienste um die medizinische Versorgung der Stadt in schwerer Notzeit, eine Straße in der Stadtwaldsiedlung den Namen Dr. Rupprecht-Straße.36

Wo befindet sich die Dr. Rupprecht-Straße?

 

Bildnachweis:
-) sämtliche s/w Fotos wurden von Dr. Wilfried Rupprecht (Sohn) zur Verfügung gestellt
-) Foto Grab: Thomas Kruspel (2025)

Quellen:
-) Weinrich, Dr. Berthold/ Plöckinger, Dipl.-Ing. Erwin: Niederösterreichische Ärztechronik – Geschichte der Medizin und der Mediziner Niederösterreichs (1990), S. 668
-) Weinviertler Nachrichten, Nr. 15/1959, S. 1

Dr. Höllrigl-Straße

Von Thomas Kruspel 10. September 2025 Aus

Diese, in der Anfang der 1970er Jahre entstandenen Stadtwaldsiedlung, neu angelegte Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. März 1973 nach dem ersten Leiter des Mistelbacher Krankenhauses, Primarius Dr. Fritz Höllrigl benannt.1

Wo befindet sich die Dr. Höllrigl-Straße?

 

Quellen:

Leopold Figl-Straße

Von Thomas Kruspel 17. August 2025 Aus

Als 2009 unterhalb der Dr. Körner-Straße ein neues Siedlungsgebiet geschaffen wurde, beschloss der Gemeinderat die dort zu errichtenden Straßen nach Ehrenbürgern der Stadt Mistelbach zu benennen. Bei den Namenspaten handelt es sich in vielen Fällen um Politiker der Nachkriegszeit, die wesentlich zum Entstehen und Blühen der 2. Republik beigetragen haben. Unter diesen Persönlichkeiten nimmt Leopold Figl als Bundeskanzler der ersten Nachkriegsjahre, Staatsvertrags-Außenminister und Landeshauptmann eine herausragende Rolle ein und der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in der Sitzung vom 25. März 2009 einer Straße den Namen „Leopold Figl-Straße“ zu geben.37

Leopold Figl wurde am 2. Oktober 1902 in Rust im Tullnerfeld als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Schon während seines Studiums an der Hochschule für Bodenkultur (heute: Universität für Bodenkultur) in Wien war er im Sekretariat des niederösterreichischen Bauernbundes, einer Teilorganisation der Christlichsozialen Partei, beschäftigt und stieg dort bereits 1933 im Alter von lediglich 31 Jahren zum Direktor dieser einflussreichen Standesvertretung auf. Seine führende Stellung an dieser Schnittstelle zwischen Politik und Interessensvertretung führte Dipl.-Ing. Figl, damals noch stellvertretender Direktor des Bauernbundes, aufgrund der bevorstehenden Landtagswahl (nachweisbar) erstmals am 17. April 1932 nach Mistelbach. Bei dieser gut besuchten Wahlkampfveranstaltung im Kinosaal des Gasthauses „zur goldenen Krone“ (Oberhoferstraße 15) warb neben Figl auch der damalige Minister und später diktatorisch regierende Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg für die Christlichsoziale Partei.38

Seine nächsten Besuche fallen in das schicksalhafte Jahr 1934 in dem sich Figls Partei von Demokratie und Rechtsstaat verabschiedet hatte und von nun an autoritär herrschte. Im März dieses Jahres nahm er in Paasdorf an der Beerdigung des Landwirts und Bezirksbauernrats Karl Seltenhammer teil39 und rund fünf Wochen später führte ihn die Teilnahme an einer Besichtigung der lokalen  Genossenschaftsmolkerei nach Mistelbach. Zu diesem Termin hatte der Gründer der Molkerei, der christlichsoziale Nationalratsabgeordnete Josef Kraus eingeladen, und im Mittelpunkt des Interesses stand der in Mistelbach produzierte Edamerkäse.40 Nach intensiven Versuchen war es gelungen diese Käseart in entsprechender Qualität auch in Österreich herzustellen und die zusammen mit den Politikern und Agrarexperten geladenen Journalisten sollten für diese Produktinnovation aus Mistelbach die Werbetrommel rühren. Wie ein Blick in den Beitrag Mistelbach in der Zeitung – Teil 3 (1923 -1942) belegt, war dieses Ansinnen auch erfolgreich. Anschließend wurden die Gäste zu einer Jause in die Bahnhofsrestauration Panzer (zuletzt Gasthaus Pollak) eingeladen und seinen Abschluss fand der Besuch im Klosterkeller des Weinhändlers Felix Roller.

Am 10. Juni, dem Pfingstmontag des Jahres 1935, fand auf dem damals Dollfuß-Platz genannten Mistelbacher Hauptplatz eine Großkundgebung der Vaterländischen Front, der einzigen zugelassenen politischen Organisation, statt. Als Veranstaltung der Vaterländischen Front im Mistelbacher Bote angekündigt, wurde selbige in der Berichterstattung im Nachgang vielmehr als Bauernkundgebung „im äußeren Rahmen und Gepräge eines vaterländischen Fests“ beschrieben. Neben Landwirtschaftsminister und „Reichsbauernführer“ Josef Reither und Staatsrat Josef Kraus, sprach auch Bauernbunddirektor Figl zu angeblich 4000 Teilnehmern. Er richtete in seiner Rede auch Worte an die anwesenden Ostmärkischen Sturmscharen, deren Landesführer er war. Die Ostmärkischen Sturmscharen waren eine paramilitärische Wehrformation des klerikal-konservativen Lagers, die sich zwar vom radikalen Faschismus der Heimwehren abgrenzte, aber dennoch dem Klerikalfaschismus ideologisch nahestanden und antisemitisch geprägt waren. Es handelt sich um einen Sonderfall, dass in Niederösterreich die Heimwehren mit den Sturmscharen auf Landesebene zu den „niederösterreichischen Sturmscharen“ zusammengefasst waren. Die vom niederösterreichischen Bauernbund stark geförderten Sturmscharen standen von 1932 bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1936 unter der Leitung von Figl. Zum Abschluss der Kundgebung defilierten die Bauernschaft und die Wehrverbände an den hohen Gästen vorbei. Das Festessen fand im Hotel Rathaus (heute: Erste Bank) statt und den Abschluss bildete ein Gartenkonzert der Heimwehrkapelle im Rathausgarten (=Stadtpark).41

Aufgrund seiner führenden Rolle im Dollfuß/Schuschnigg-Regime wurde Dipl.-Ing. Figl am 12. März 1938 von den Nationalsozialisten verhaftet und mit dem sogenannten „Prominententransport“ in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Fünf Jahre Haft, Hunger, Folter und Misshandlungen musste Figl in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg erdulden, ehe am 8. Mai 1943 – dank des unermüdlichen Einsatzes seiner Gattin – seine Freilassung erwirkt werden konnte. Kurz nach der Entlassung aus dem KZ fand Figl Anstellung als Bauleiter bei der Straßenbaufirma seines Freundes, des späteren Bundeskanzlers Julius Raab, und diese Tätigkeit führte ihn ins Weinviertel.

In einem Artikel zum Gedenkjahr 2018 war in der StadtGemeinde Zeitung unter anderem Folgendes zu lesen42: „Der Bauernbunddirektor Dipl.-Ing. Leopold Figl, der 1942 in Hüttendorf im Straßenbau arbeiten musste, und bei Familie Wallisch in der Küche schlief, während zwei Nazis im Zimmer schliefen, wurde mit dem 1. Transport in das KZ Dachau gebracht.“

Diese Schilderung bedarf einer Korrektur, weil wie obenstehend dargelegt, konnte Figl keinesfalls 1942 in Hüttendorf gewesen sein. Es ist richtig, dass Figl nach seiner Freilassung in unserer Gegend im Straßenbau tätig war, allerdings in der Gegend um Zistersdorf, wo sich für die Kriegsführung wichtige Ölreserven befanden. Auch war Figl keineswegs als Zwangsarbeiter dort eingesetzt, wie dieser Beitrag nahelegt, sondern in führender Stellung. Im Zuge seines Aufenthalts in unserer Gegend trat er auch mit ehemaligen Bauernbundmitgliedern in Kontakt, um für die Zeit nach Ende des Nationalsozialismus Vorbereitungen zu treffen.43 Möglicherweise kam es in diesem Zusammenhang auch zu dem Aufenthalt in Hüttendorf, von dem in der Gemeindezeitung wohl auf Basis mündlicher Überlieferungen berichtet wurde. Die Begebenheit müsste sich dann allerdings ein Jahr später zugetragen haben und wie dazu die Erwähnung der Nazi-Begleitung passt, ist unklar.

Die Firma Kohlmayer bei der Figl beschäftigt war, hatte aufgrund der von ihr in der Umgebung durchgeführten Straßenbauarbeiten eine Außenstelle in Maustrenk, einem Nachbarort der heutigen Katastralgemeinde Kettlasbrunn, eingerichtet.44 In dieser Zeit lernte er den Kettlasbrunner Pfarrer Karl Schilling kennen und aus dieser Begegnung stammt auch die enge Verbindung Schillings zum Niederösterreichischen Bauernbund. Aus Dankbarkeit für die Befreiung vom NS-Regime hielt der Niederösterreichische Bauernbund jährlich eine Wallfahrt nach Mariazell ab und diese wurde über Jahrzehnte hinweg von Pfarrer Schilling angeführt.45

Vorerhebungen für vermeintliche Straßenbauprojekte und ein privilegierter Zugang zu Fahrzeugen boten Figl die Möglichkeit die oben bereits geschilderte Kontaktarbeit zu alten politischen Weggefährten in weiten Teile Niederösterreichs durchzuführen – Maustrenk diente hierfür als Basis. Eine dieser Reisen führte Figl Anfang Mai 1944 nach Judenau, wo die Grundlage für die Wiedererstehung des Bauernbundes gelegt und auch die bereits oben erwähnte jährliche Wallfahrt für die Zeit nach der Befreiung gelobt wurde.46 Aus seiner Zeit in Maustrenk ist auch ein Zusammentreffen mit dem führenden Sozialdemokraten und späteren Innenminister Oskar Helmer überliefert. Allerdings wurden Helmer, Figl und Raab, die offenbar im Freien, wohl nahe einer Baustelle beieinanderstanden von dem zufällig vorbeikommenden NS-Kreisleiter gesehen. Alle drei wurden verhaftet und zur GESTAPO gebracht und Figl musste nun sich nunmehr bei der Geheimen Staatspolizei melden. Wahrscheinlich konnten nur Raabs gute Kontakte zu Gauleiter Jury (vorerst) schlimmere Konsequenzen verhindern. 47 Nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 änderte sich dies und der NS-Apparat ging wieder scharf gegen alle politisch Verdächtigen vor und Figl war erstaunt, dass er „erst“ im Herbst 1944 neuerlich verhaftet wurde.48 Zunächst im KZ Mauthausen interniert, wartete er zuletzt im Gefangenenhaus des Landesgerichts Wien auf seinen Prozess und ein wahrscheinliches Todesurteil, vor dem ihn die Befreiung Wiens im April 1945 rettete.

Am 6. Juni 1948 war der nunmehrige Bundeskanzler Figl anlässlich einer Großkundgebung der Österreichischen Jugendbewegung (Vorläuferorganisation der Jungen Volkspartei) erstmals nach dem Krieg wieder in Mistelbach anwesend. Nach der Festmesse in der Pfarrkirche fand eine große Versammlung auf dem damaligen Sportplatz (heute: Gewerbegebiet gegenüber dem Weinlandbad) statt, bei der neben Bundeskanzler Figl auch Landwirtschaftsminister Josef Kraus zur Jugend sprach. Laut ÖVP-nahen Zeitungen sollen etwa 2000 Jugendliche und weite Teile der Bevölkerung der Stadt an dieser Kundgebung teilgenommen haben und im Anschluss fand ein Volkstanzfest im Stadtpark bzw. ein gemütlicher Ausklang im  Gasthaus „zur goldenen Krone“ statt.49

Ankündigung der großen Kundgebung der Österreichischen Jugendbewegung (Vorläufer der Jungen Volkspartei) am 6. Juni 1948Ankündigung der großen Kundgebung der Österreichischen Jugendbewegung (Vorläufer der Jungen Volkspartei) am 6. Juni 1948

Nachdem die hiesige Kaserne bis 1955 von der Roten Armee genutzt worden war, zog das Österreichische Bundesheer nach umfassenden Renovierungsarbeiten 1958 mit der neu geschaffenen Aufklärungsabteilung I wieder in Mistelbach ein. Dieser neue Truppenteil verfügte zunächst über kein Feldzeichen und nachdem sich die Stadt und ihre politischen Vertreter darüber freuten, dass Mistelbach wieder Garnisonsstadt war und die Zusammenarbeit mit den Kommandeuren sehr gedeihlich war, stiftete die Stadtgemeinde der hier stationierten Truppe eine Standarte. Am 26. Oktober 1962 – dem „Tag der Fahne“, wie der Nationalfeiertag anfangs hieß – fand auf dem Hauptplatz und im Beisein von Landeshauptmann Figl die Weihe der neuen Standarte der Aufklärungsabteilung I statt.50

Landeshauptmann Figl beim Abschreiten der Ehrenkompanie auf dem Mistelbacher Hauptplatz im Oktober 1962Landeshauptmann Figl beim Abschreiten der Ehrenkompanie auf dem Mistelbacher Hauptplatz im Oktober 1962

Das  „90 Jahr-Jubiläum der Stadterhebung“ wurde 1964 im Rahmen der dritten Mistelbacher Heimatwoche groß gefeiert und aus diesem Anlass waren am 13. Juni 1964 Bundespräsident Adolf Schärf und Landeshauptmann Leopold Figl als Ehrengäste in Mistelbach anwesend. Nachdem der Beschluss über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an die beiden verdienten Politiker bereits am 8. Mai 1964 erfolgt war, wurden ihnen im Rahmen einer Festsitzung des Gemeinderates im (Kino-)Saal des Gasthauses „Zur goldenen Krone“  die Ehrenbürgerurkunden überreicht.

1964: Feierlichkeiten zu „90 Jahre Stadterhebung“ – v.l.n.r. die Festgäste Bundespräsident Schärf und Landeshauptmann Figl sowie Bürgermeister Bayer. Ort dieser Aufnahme ist die untere Oberhoferstraße.1964: Feierlichkeiten zu „90 Jahre Stadterhebung“ – v.l.n.r. die Festgäste Bundespräsident Schärf und Landeshauptmann Figl sowie Bürgermeister Bayer. Ort dieser Aufnahme ist die untere Oberhoferstraße.

Dieser Aufenthalt sollte Figls letzter Besuch in Mistelbach gewesen sein – er verstarb im April 1965.

Wo befindet sich die Leopold Figl-Straße?

 

Bildnachweis:
-) Plakat: Göstl-Archiv
-) Figl in Mistelbach 1962 und 1964: Wilhelm Mliko (StadtMuseumsarchiv Mistelbach)

Quellen:
-) Seltenreich, Dr. Susanne: Dokumentation einer Erinnerung, Band II (1986), S. 16
-) Prantner, Robert/ Kunz, Johannes (Hrsg.): Leopold Figl – Ansichten eines großen Österreichers (1992), S. 15

Dr. Rupprecht-Straße

Von Thomas Kruspel 4. August 2025 Aus

Diese, in der Anfang der 1970er Jahre entstandenen Stadtwaldsiedlung, neu angelegte Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. März 1973 nach dem bei der Bevölkerung sehr beliebten Gemeindearzt Dr. Georg Rupprecht benannt, der in Ausübung seines Berufs 1959 tödlich verunglückte.1

Wo befindet sich die Dr. Rupprecht-Straße?

 

Quellen:

Lubovienski, August

Von Thomas Kruspel 2. August 2025 Aus

Gemeinderat August Lubovienski

August Lubovienski in der Uniform der von ihm begründeten Mistelbacher Feuerwehr - etwa Anfang der 1880er Jahregeb. 17.5.1832, Eperies (Ungarn, heute: Slowakei)
gest. 9.1.1912, Mistelbach

August Karl Lubovienski wurde 1832 als Sohn des Apothekers August Alois Lubovienski und dessen Gattin Karoline, geb. Kilcher in Eperies geboren. Sein Geburtsort, damals im Kronland Königreich Ungarn gelegen, heißt heute Prešov und liegt nunmehr im Osten der Slowakei. Die Stadt Eperies war früher von Deutschen, Slowaken und Ungarn bewohnt und obgleich der Familienname ursprünglich auf polnische Wurzeln hindeutet, gehörten die Lubovienskis zur deutschen Bevölkerungsgruppe der Stadt. Die Namensendung auf -ski (bzw. -sky) ist im Polnischen oft ein Hinweis auf die Herkunft der Vorfahren des Namensträgers, und somit könnte es sein, dass Lubovienskis Vorfahren ursprünglich aus dem unweit von Eperies gelegenen Ort Stará Ľubovňa (dt.: Lublau, poln.: Lubowla) stammten, der gemeinsam mit anderen Orten der Region über Jahrhunderte hinweg an Polen verpfändet war. Der Familienname findet sich übrigens neben der in diesem Beitrag genutzten (korrekten) Schreibweise auch in verschiedenen weiteren Formen (Luboviensky, Lubowienski, Lubovienszki etc.).

Für die selbständige Tätigkeit seines Vaters als Apotheker in Eperies finden sich keine Spuren, und dies legt den Schluss nahe, dass eine solche Tätigkeit entweder nur sehr kurz dauerte oder er als angestellter Apotheker beschäftigt war. Wie Aufzeichnungen von Nachfahren der Familie Lubovienski belegen war jedoch bereits der Großvater des hier Porträtierten, Karl Lubovienski, als Apotheker im galizischen Wadowitz (heute: Wadowice in Polen) – etwa 160 Kilometer nordwestlich von Eperies gelegen – tätig.48 August Lubovienskis Familie scheint entweder noch in den 1830ern, spätestens aber jedoch in den 1840er Jahren von Eperies in die westslowakische Stadt Tyrnau (Trnava), den Heimatort der Mutter, übersiedelt zu sein. Hierfür spricht einerseits die Tatsache, dass eine Schwester Lubovienskis in Tyrnau geboren wurde und andererseits eine 1852 mittels Zeitungsanzeige kundgetane Konkurseröffnung über das Vermögen von August Lubovienski sen., die diesen als Bürger von Tyrnau anführt.51 In Tyrnau soll Lubovienskis Vater ebenfalls als Apotheker tätig gewesen sein, doch auch hierfür konnten – ähnlich wie in Eperies – keine Belege gefunden werden. Ebenso sind die Hintergründe für die augenscheinlichen finanziellen Schwierigkeiten der Familie nicht überliefert.

Jedenfalls beabsichtige August Lubovienski jun. den Beruf seines Vaters zu ergreifen und erste Voraussetzung für die Apotheker-Laufbahn war der mindestens 4-jährige Besuch eines Gymnasiums. Lubovienksi absolvierte sogar die gesamte, damals sechs Jahre dauernde, Ausbildung am vom Benediktiner-Orden geführten Gymnasium in Tyrnau. 1848, nachdem er die Reifeprüfung erfolgreich abgelegt hatte, trat er als Praktikant in die Tyrnauer Apotheke ein und absolvierte dort das „Tirocinium“, die dreijährige Apotheker-Lehrzeit, die mit einer Prüfung endete. Anschließend verbrachte er noch zwei weitere Jahre als Assistent an dieser Apotheke. Diese fünf Jahre – bestehend aus Lehrzeit (Tirocinium) und „Servirzeit“ (Assistenz) – waren Voraussetzung für den Besuch der pharmazeutischen Kurse an der Universität. Letztere absolvierte Lubovienski ab dem Wintersemester 1853/4 an der Wiener Universität und während des Studiums arbeitete er in der „Alten Feldapotheke“ am Stock-im-Eisen-Platz (heute: Haas-Haus) in der Wiener Innenstadt als “Apotheker-Geselle”. Diese spezielle Form der Anstellung, die neben der Arbeit den Besuch der Universität ermöglichte wurde damals in Apothekerkreisen „Sustentation“ genannt. Nach vier Semestern schloss der angehende Apotheker Lubovienski seine Studien am 13. Juli 1855 mit dem vorgeschriebenen Examen, das er mit ausgezeichnetem Erfolg absolvierte, ab.52 Gerade als er 1853 an die Universität Wien kam, entstand hier das Pharmaziestudium als eigenständiges Studienfach mit dem Magister der Pharmazie als Abschluss. Zuvor absolvierten die angehenden Apotheker/Pharmazeuten lediglich verschiedene Kurse aus den Bereichen Chemie, Biologie und Medizin. Lubovienski dürfte seine Studien noch nach dem alten und vermutlich kürzer dauernden Schema absolviert haben, dass vermutlich noch für eine Übergangszeit angeboten wurde. Dies ist anzunehmen, da er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen lediglich einmal, und hier handelte es sich wohl um ein Versehen, als Mag. pharm. bezeichnet wurde. Erst ein paar Jahre später wurde das Absolvieren eines pharmazeutischen Magisterstudiums zur obligatorischen Voraussetzung für den Apothekerberuf und damit entfiel natürlich die zuvor notwendige Lehrzeit.

Am 2. Oktober 1858 schloss er mit der aus Wien-Wieden stammenden Hermine Feyrsinger (1839-1928) den Bund der Ehe in der Wiener Karlskirche.53 Zum Zeitpunkt der Eheschließung war Lubovienski weiterhin und nunmehr als fertig ausgebildeter Apotheker in der „Alten Feldapotheke“ beschäftigt. Wenig später musste jedoch bereits die Übersiedlung nach Mistelbach erfolgt sein, denn schon mit Kaufvertrag vom 25. Juni 1858 hatte er das Haus Hauptplatz Nr. 36 (Konskr.Nr. 55), auf dem das Apothekergewerbe seit 1736 ansässig war und später darauf radiziert (= im Grundbuch eingetragenes und mit diesem Gebäude rechtlich verbundenes Gewerbe) wurde, von seinem Vorgänger Joseph Gausrapp käuflich erworben.54 An seinem neuen Wohnort betätigte er sich jedenfalls bis Ende der 1880er Jahre darüber hinaus auch als Sodawassererzeuger.55

August Lubovienski mit seiner Gattin Hermine anlässlich der Feier ihrer goldenen Hochzeit im Jahre 1908August Lubovienski mit seiner Gattin Hermine anlässlich der Feier des goldenen Hochzeitsjubiläums im Jahre 1908

Der Ehe mit seiner Gattin Hermine entstammten acht Kinder, sechs Töchter und zwei Söhne – allerdings verstarben drei davon im Säuglingsalter bzw. in jungen Jahren. Sein einziger überlebender Sohn war der fanatische Deutschnationale und Antisemit, Schönerer-Anhänger und spätere Hitler-Verehrer Rechtsanwalt Dr. Otto Kilcher56. Kilcher hatte seinen Familiennamen geändert, da ihm Lubovienski zu wenig „deutsch“ war und da eine Namensänderung von der niederösterreichischen Statthalterei nicht genehmigt wurde, verzog er nach Salzburg, wo er seinen Wunsch durchsetzen konnte. Kilcher der sich auch in der völkischen Turnbewegung engagierte und im Salzburger Gemeinderat als deutsch-nationaler Hardliner auftrat, ist im Grab seiner Eltern (einem Ehrengrab der Stadt Mistelbach) bestattet. Lubovienskis jüngste Tochter, Stefanie, heiratete 1895 den Musikschullehrer und „Regens chori“ (=Leiter der Kirchenmusik) Josef Kabasta, und somit handelt es sich bei dem nachmals berühmten Dirigenten Oswald Kabasta um seinen Enkelsohn. Seine Gattin Hermine war von 1902 bis 1911 Präsidentin der Mistelbacher Ortsgruppe des Frauen-Hilfsvereins vom Roten Kreuz.57

Das Ehepaar Hermine und August Lubovienski (sitzend) im Kreise ihrer Kinder anlässlich ihrer silbernen Hochzeit im Jahre 1883. Stehend dahinter v.l.n.r.: Tochter Hermine, Sohn Otto, Tochter Theresia mit ihrem Gatten Dionys Koritsanszky, Tochter Cäcilie; zwischen dem Ehepaar Lubovienski: die jüngste Tochter StephanieDas Ehepaar Hermine und August Lubovienski (sitzend) im Kreise ihrer Kinder anlässlich ihrer silbernen Hochzeit im Jahre 1883. Stehend dahinter v.l.n.r.: Tochter Hermine, Sohn Otto, Tochter Theresia mit ihrem Gatten Dionys Koritsanszky, Tochter Cäcilie; zwischen dem Ehepaar Lubovienski: die jüngste Tochter Stefanie

Bei den Gemeindeausschusswahlen im Jahre 1867 errangen die Liberalen einen Erdrutschsieg und der neue Bürgermeister Josef Strasser und seine Gefolgsleute prägten für zwei Jahrzehnte das politische Geschehen in Mistelbach. Zu Strassers Mitstreitern zählte auch Lubovienski, der im Zuge dieser Wahl erstmals in den Gemeindeausschuss gewählt wurde58 und in den folgenden Jahre wurde durch weitblickende Entscheidungen die Grundlage für den Aufstieg Mistelbachs gelegt. Schon 1865 zählte er etwa zu jenen Bürgern, die auf Initiative von Josef Strasser und Wenzel Matuschek eine private Marktgesellschaft bildeten und damit den eingeschlafenen Wochenmarkt wiederbelebten und damit einen wichtigen Impuls zur Aufwertung des Wirtschaftsstandorts setzten. Auch an der Gründung der städtischen Sparkasse im Jahre 1868 war Lubovienski maßgeblich beteiligt und gehörte für die erste Dekade des Bestehens dieses Instituts dessen Direktorium an.59 Lubovienski gehörte dem Gemeindeausschuss zunächst für drei Perioden und somit von 1867 bis 1876 an. Bei den Wahlen 1876 wurde er neuerlich in den Gemeindeausschuss gewählt, allerdings nahm er die Wahl nicht an. Nach dem damals gültigen Wahlrecht gab es keine Kandidatur, jeder Wahlberechtigte konnte auf den Wahlzettel geschrieben werden und die Verweigerung der Annahme der Wahl war nur in bestimmten Fällen möglich, etwa aus gesundheitlichen Gründen oder wenn man bereits in zwei unmittelbar vorangegangenen Perioden dem Gemeindeausschuss angehört hatte. Auf letzteren Fall dürfte sich bei Lubovienski bei seinem Verzicht gestützt haben. Betreffend Luobvienskis Wirken im Gemeindeausschuss darf auf die detaillierte Darstellung im Beitrag Gemeindevertretung Mistelbach – Teil 1 (1850-1919).

Möglicherweise war es bereits zu diesem Zeitpunkt zur später offen zutage getretenen (politischen) Entfremdung von Strasser und den Liberalen gekommen. Die Deutsch-Liberalen, die seit 1848 die führende politische Kraft in Österreich waren, verloren im Gefolge der Wirtschaftskrise des Jahres 1873 ihre Macht im Reichsrat und mit einiger Verzögerung auch ihre vorherrschende Stellung im Landtag bzw. in vielen Gemeinden. Aus dieser zerfallenden Partei bzw. im dadurch entstehenden Machtvakuum entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten schließlich die Österreich bis heute prägenden drei großen politischen Lager – Sozialdemokraten, Deutschnationale und Christlichsoziale. Auch in Mistelbach vollzog sich dieser Wandel in den 1880er Jahren und die liberale Ära endete als die Deutschnationalen bei der Gemeindeausschusswahl 1888 einen großen Triumph errangen. Bei der Wahl 1885 waren die Deutschnationalen noch knapp daran gescheitert die Mehrheit zu erringen und ab diesem Zeitpunkt gehörte Lubovienski dann für zwei weitere Perioden dem Gemeindeausschuss an. Zunächst als Vertreter der deutschnationalen Opposition, gehörte er nach dem Machtwechsel von 1888 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Gemeindeausschuss im Jahre 1891 als 3. Gemeinderat (geschäftsführender Gemeinderat = Stadtrat) auch dem Gemeindevorstand an.60

Einen interessanten Einblick in Lubovienskis politische Ansichten gibt eine im Gefolge eines Rechtsstreits mit der liberal geprägten Zeitung „Bote aus Mistelbach“ im Jahre 1889 von diesem Blatt freiwillig veröffentlichte Berichtigung in der er sich explizit dagegen verwehrte als „Antisemit“ bezeichnet zu werden. Vielmehr „achte und schätze er jede Nation“. Zwischen den Zeilen lässt sich aus dieser Aussage herauslesen, dass er, indem er die Juden als eigene „Nation“ bezeichnete, ihnen wohl indirekt eine Zugehörigkeit als „Deutsche“ absprach.61 Allerdings ist bereits die Ablehnung des Begriffs Antisemit beachtlich, denn in nationalen Kreisen wurde die Gegnerschaft zu den Juden zumeist stolz zelebriert. Vielleicht hat die Tatsache, dass seine Schwester Hermina Henriette vor ihrer Hochzeit mit dem in Tyrnau ansässigen jüdischen Lederhändler Johann Klein zum Judentum übergetreten war, dazu beigetragen, dass er für die unter seinen politischen Gesinnungsgenossen weitverbreiteten radikalen Standpunkte betreffend die Juden nicht (so) empfänglich war.62 Als Zeugnis dieser Einstellung kann auch eine Begebenheit aus dem Jahr 1885 dienen, als sich Lubovienski in einer Gemeindeausschusssitzung für die Vergabe einer neuen Gemeindearztstelle an einen der beiden damals in Mistelbach ansässigen jüdischen Ärzte aussprach, während die klare Mehrheit des damals noch unter liberaler Führung stehenden Gemeindeausschusses „dem Wunsch der Bevölkerung entsprechend“ die Stelle an einen neuen christlichen Arzt vergeben wollte und die Position daher neu ausschrieb.63 Zweifellos stand er als Apotheker mit den erwähnten Ärzten Dr. Schläfrig und Dr. Thein in regelmäßigem Austausch und bei letzterem handelt es sich darüber hinaus um ein Gründungsmitglied der Mistelbacher Feuerwehr und damit um einen seiner Feuerwehrkameraden.

Ende des  Jahres 1888 wurde Lubovienski in den Ortsschulrat gewählt, dem er bis 1911 angehörte. Während der gesamten 23 Jahre hindurch fungierte er als dessen Obmann64 und in dieser Zeit erfolgten mit der Gründung der gewerblichen Fortbildungsschule (spätere Berufsschule) 1897 sowie dem Neubau der Knabenschule (heute Teil des Pflichtschulzentrums in der Thomas Freund-Gasse) im Jahr 1898 und der Umwandlung des städtischen Kindergartens in einen Landeskindergarten im Jahre 1904 wichtige Fortschritte im Bildungswesen. Das Bemühen Lubovienkis 1888 auch in den Bezirksschulrat gewählt zu werden, scheiterte trotz intensiver Bemühungen, da es ihm nicht gelang ausreichend Unterstützer zu gewinnen.65

Vor der Etablierung von Feuerwehren war die Brandbekämpfung derart organisiert, dass die Gemeinde Löschgeräte bereithielt und im Brandfall alle Bewohner zur Mithilfe bei den Löscharbeiten verpflichtet waren. Dieses System funktionierte nicht nur in Mistelbach, sondern fast überall unbefriedigend, da den Menschen die Erfahrung und Routine in diesen Situationen fehlte. Aus der deutschen Turnbewegung heraus entwickelte sich ausgehend von Deutschland das heutige Feuerwehrwesen. Sehr oft wurden Feuerwehren als Zweigvereine von Turnvereinen gegründet, denn die Turner konnten die für die Brandbekämpfung notwendigen Fertigkeiten in ihre Übungen integrieren. Dabei gilt es allerdings festzuhalten, dass bei den deutschen Turnvereinen nicht die sportliche Betätigung in Vordergrund stand, sondern die Erziehung und Betätigung im völkisch-nationalen Sinne und die körperliche Ertüchtigung war lediglich Mittel zu diesem Zweck. Aus dieser Tradition stammend waren auch die Feuerwehren ursprünglich stramm national geprägt und lange Zeit wurde von den Feuerwehren auch der aus der Turnerbewegung stammende Gruß „Gut Heil!“ gebraucht. Diese politische Dimension mag auch der Grund gewesen sein, weshalb die Etablierung der Feuerwehren nicht unumstritten war bzw. teils skeptisch gesehen wurde. Später wurden viele dieser Turner(feuer)wehren in allgemeine freiwillige Feuerwehren umgewandelt und der nationale Charakter trat in den Hintergrund.

Ein durch Blitzschlag im Sommer 1878 verursachter Scheunenbrand, der zwei Todesopfer forderte, veranlasste einige engagierte Mistelbacher Bürger zur Gründung einer Feuerwehr. Der Verein konstituierte sich am 20. Dezember 1878, doch als offizielles Gründungsdatum gilt der 27. Jänner 1879, da an diesem Tag das Grundgesetz (=Statuten) behördlich genehmigt wurde. In Publikationen zur Geschichte der Mistelbacher Feuerwehr ist immer wieder zu lesen, dass die Gründung der Feuerwehr durch „idealistisch gesinnte Mitglieder des Turnvereins“ erfolgt sei. Der 1867 gegründete Deutsche Turnverein Mistelbach – zu dessen Gründern auch Lubovienski zählte – hatte allerdings bald nach seiner Gründung seine Aktivität wieder eingestellt, nachdem der Initiator der Gründung, Rechtsanwalt Dr. Hans Stingl aus Mistelbach weggezogen war. Erst Mitte der 1880er Jahre konnte sich wieder ein Turnverein konstituieren, der die Statuten des alten Vereins annahm und damit auch dessen Gründungsdatum führte.66 Auch die älteste Feuerwehr des Bezirks, die Feuerwehr Poysdorf, wurde als sogenannte „Turner-Feuerwehr“ 1874 gegründet, allerdings wurde in Poysdorf ein Turnverein erst 1887 ins Leben gerufen. Als Turner-Feuerwehr wurde damals wohl schlicht diese Art des Vereins bezeichnet, auch wenn es in seltenen Fällen, wie etwa in Poysdorf und Mistelbach, zum Zeitpunkt der Gründung gar keine Turnvereine vor Ort gab. Man orientierte sich an den vielen andernorts von Turnvereinen gegründeten Feuerwehren und nannte sich im Falle Poysdorfs dann auch nach deren Vorbild. Wie oben bereits erwähnt emanzipierten sich die Feuerwehren jedoch später von der Turnbewegung und schon ab den 1880er Jahren findet sich kaum mehr die Bezeichnung Turner-Feuerwehr, sondern schlicht die bis heute gebräuchliche Form „Freiwillige Feuerwehr“. Die Gründung der Mistelbacher Feuerwehr erfolgte mit großer Unterstützung durch die Poysdorfer Feuerwehr bzw. deren Vertreter Hauptmann Carl Scholz und Hauptmannstellvertreter Josef Schwayer, die hierfür später auch die Ehrenmitgliedschaft erhielten. In Mistelbach mussten erst Widerstände und Teilnahmslosigkeit bzw. Gleichgültigkeit gegenüber dieser auf das Gemeinwohl ausgerichteten Institution überwunden werden. Hierfür fand sich in Person des Apothekers Lubovienski die richtige Person – er übernahm eine führende Rolle bei den Vorbereitungen und führte vom Zeitpunkt der Gründung bis 1891 die Wehr als Hauptmann an. Die von der Gemeinde übernommenen Löschrequisiten waren nur unzureichend und durch unermüdliche Arbeit und Spendensammlungen gelang es unter seiner Führung den Verein binnen kurzer Zeit zu einer mustergültig ausgerüsteten Feuerwehr aufzubauen, die sich schon in den ersten Jahren ihres Bestehens im Einsatz bestens bewährte.67

1893, zwei Jahre nach seinem Rückzug als Hauptmann, übernahm er, nachdem sein Nachfolger aus beruflichen Gründen nach Wien übersiedelte war, neuerlich – allerdings lediglich interimistisch – die Leitung der Wehr für einige Monate.68 Aufgrund seines verdienstvollen Wirkens für die Mistelbacher Feuerwehr wurde er bereits 1891 zum Ehrenhauptmann ernannt.69

Der Gründer und langjährige Hauptmann der Mistelbacher Feuerwehr August Lubovienski (rotes X) zusammen mit einigen Gründungsmitgliedern anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Feuerwehr im Jahre 1904Der Gründer und langjährige Hauptmann der Mistelbacher Feuerwehr August Lubovienski (rotes X) zusammen mit einigen Gründungsmitgliedern anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Feuerwehr im Jahre 1904

Darüber hinaus war Lubovienski maßgeblich an der Schaffung eines Bezirksfeuerwehrverbands für den gesamten politischen Bezirk (=Verwaltungsbezirk) Mistelbach beteiligt und ab dessen Gründung 1882 bis 1899 als Obmann-Stellvertreter aktiv. In dieser Funktion war er auch am Ausbau des Feuerwehrwesens und der Gründung zahlreicher Wehren im Bezirk beteiligt, weshalb er auch Ehrenmitglied einiger weiteren Feuerwehren war.70 Als 1899 der bisherige Obmann des Bezirksverbands überraschend verstarb, wurde Lubovienski zum neuen Obmann gewählt71. Wenige Monate später kam es allerdings zu einer Reorganisation und der Bezirksverband wurde in mehrere nach Gerichtsbezirken gegliederte Verbände aufgeteilt. Vielfach wurde der Wunsch geäußert, Lubovienski möge die Leitung des „neuen“ Bezirks-Verbands für den Gerichtsbezirk Mistelbach übernehmen, doch er lehnte dies aus Altersrücksichten ab.72 Bereits im Jahre 1898 war Lubovienski aufgrund seiner großen Verdienste um das Feuerwehrwesen im Bezirk zum Ehrenmitglied des Bezirksfeuerwehrverbands ernannt worden.73 Ab 1899 scheint er dann als Obmann der Bezirksfeuerwehr-Unterstützungskasse auf, die Feuerwehrangehörige im Krankheitsfall bzw. deren Hinterbliebene im Todesfall finanziell unterstützte.74 Als Unterstützer wurde er auch zum Ehrenmitglied des Mistelbacher Militär-Veteranen-Vereins ernannt.75

Zur Jahresmitte 1895 zog sich Lubovienski aus dem Berufsleben zurück und verkaufte sein Haus am Hauptplatz samt Apotheke an Heinrich Klausmann.76 Bereits in den 1870er Jahren hatte er an der Adresse Bahnstraße Nr. 37 ein (heute nicht mehr bestehendes) Wohnhaus erbauen lassen und sich dort nach dem Verkauf des Hauses am Hauptplatz niedergelassen. Nach dem frühen Tod seines Schwiegersohns Josef Kabasta zog seine Tochter Stefanie samt ihren Kindern zu ihren Eltern in das Haus in der Bahnstraße.

August Lubovienski im Alter von 70 Jahren im Jahre 1902August Lubovienski im Alter von 70 Jahren im Jahre 1902

Aufgrund des oben geschilderten vielseitigen und umfangreichen Wirkens zum Wohle der Stadt, insbesondere aber natürlich für seinen Einsatz bei der Gründung der Mistelbacher Feuerwehr, wurde Lubovienski am 27. September 1908 durch einstimmigen Beschluss des Gemeindeausschusses (=damalige Bezeichnung für den Gemeinderat) zum Ehrenbürger der Stadt Mistelbach ernannt.77

Am 9. Jänner 1912 verstarb August Lubovienski im 80. Lebensjahr an Herzlähmung in Folge einer Luftröhrenentzündung und er wurde zwei Tage darauf auf dem städtischen Friedhof bestattet.78 Die Beisetzung war ein imposantes Ereignis und Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes für die Allgemeinheit und alleine die Tatsache, dass 177 Feuerwehrmitglieder von verschiedenen Wehren aus dem gesamten Bezirk daran teilnahmen lassen die Größe der Trauergemeinde erahnen.79 In seinem Testament verfügte Lubovienski die Widmung eines namhaften Betrags für die Unterstützung bedürftiger Kinder von Mitgliedern der Mistelbacher Feuerwehr.80 In Würdigung seiner Verdienste um die Gründung der Mistelbacher Feuerwehr wurde Lubovienskis Ruhestätte mittels Gemeinderatsbeschluss vom 4. Juni 1954 zum Ehrengrab erklärt und die Erhaltung und Pflege der Grabstelle obliegt seither der Stadtgemeinde.81

 

Das Ehrengrab der Familie Lubovienski auf dem Mistelbacher FriedhofDas Grab der Familie Lubovienski auf dem Mistelbacher Friedhof

Bildnachweis:
-) Portraitfotos: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 12. Juli 1902 ( 31. Jg. – Nr. 190), S. 2 (ONB: ANNO); Feuerwehr-Signale, 5. März 1912 (29. Jg. – Nr. 11), S. 1 (ONB: ANNO)
-) Goldene Hochzeit: Kilcher, Otto: Von meinem Lebenswege : Gedichte aus einem halben Jahrhundert (1879-1935) (1935)
-) Feuerwehrjubiläum: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 20. Juni 1904, S. 7  (ONB: ANNO)
-) Grab: Thomas Kruspel © 2021

Quellen:-) Feuerwehr-Signale, 5. März 1912 (29. Jg. – Nr. 11), S. 1 (ONB: ANNO)
-) Ryslavy, Kurt: Materialien zur Geschichte der Apotheken und Apotheker in Niederösterreichs (1990) , S. 341f
-) Bayer, Franz/ Spreitzer, Hans: „Der Mistelbacher Gemeinderat seit der Stadterhebung“ (1964) In: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band I, S. 189 (Anm.: die Angaben zu Lubovienskis Zugehörigkeit zum Gemeindeausschuss bzw. Gemeindevorstand sind unvollständig und in Bezug auf die Angabe 1888-1900 als falsch – er schied bereits 1891 aus dem Gemeindeausschuss aus)