Anton Hackler-Gasse (Paasdorf)

Von Thomas Kruspel 21. Januar 2022 Aus

Im Zuge der Einführung von Straßenbezeichnungen in der Katastralgemeinde Paasdorf wurde mit Beschluss des Mistelbacher Gemeinderates vom 10. Dezember 1998 beschlossen, die zum Friedhof führende bzw. entlang der Bahnstrecke verlaufende Straße nach Anton Hackler, dem einstigen Wirtschaftsrat der Herrschaft Paasdorf, Gutsverwaltungsexperten und Stifter der hiesigen Friedhofskapelle, zu benennen.

Wo befindet sich die Anton Hackler-Gasse?

 

Michael Hofer-Zeile

Von Thomas Kruspel 6. Januar 2022 Aus

Am 4. April 1925 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat die Einführung von Straßennamen in der ehemaligen Flüchtlingsstation bzw. der umliegend entstandenen neuen Siedlung. Zum Gedenken an den Architekten dieser als Villenkolonie ausgeführten Flüchtlingsunterkünfte, Ingenieur im Staatsbaudienst Michael Hofer, wurde die Straße, die die Siedlung gegen die Landesbahnstrecke hin abschließt „Michael Hofer-Zeile“ benannt. Seit auch das Gebiet östlich der Ebendorfer Straße bzw. unterhalb der Liechtensteinstraße zusehends verbaut wurde, trägt die Straße längs der Landesbahn auch jenseits der Ebendorfer Straße den Namen Hofers. Als Zeile wurden in früherer Zeit nur an einer Straßenseite verbaute Straßenzüge bezeichnet, die bspw. an einem Bach, Dorfanger oder wie hier an einer Bahnstrecke lagen (siehe etwa auch Bahnzeile).

Wo befindet sich die Michael Hofer-Zeile?

Hofer, Ing. Michael

Von Thomas Kruspel 2. Januar 2022 Aus

Hofrat Ing. Michael Hofer

Hofrat Ing. Michael Hofer

geb. 31.7.1879, Lichtenwörth (Bez. Wr. Neustadt)
gest. 10.1.1958, Wien

Michael Hofer wurde 1879 als Sohn des Müllermeisters und Wirtschaftsbesitzers Michael Hofer sen. und dessen Gattin Christina, geb. Lehn, in Lichtenwörth bei Wiener Neustadt geboren.1 Die an der Warmen Fischa, außerhalb des Ortsgebiets von Lichtenwörth, gelegene Steinfeldmühle kam 1813 in den Besitz der Familie Hofer und wird bis heute von dieser geführt.2 Seine Mutter entstammte der Bierbrauerfamilie Lehn, die die Piestinger Brauerei bald nach ihrer Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm und bis in die 1990er Jahre besaß. Der Vater, Michael Hofer sen., war erfolgreicher Unternehmer, Gönner der hiesigen Pfarre und engagierte sich auch im öffentlichen Leben unter anderem als erster Hauptmann der Lichtenwörther Freiwilligen Feuerwehr.3 Zu seinem Andenken trägt die Richtung Wiener Neustadt bzw. zur Mühle führende Straße seit vielen Jahren den Namen „Michael Hofer-Straße“.

Michael Hofer jun. wuchs mit vier Schwestern und einem um ein Jahr älteren Bruder namens Carl auf, der dazu auserkoren war, dem Vater als Mühlenbesitzer nachzufolgen. Somit konnte er von 1890 bis 1897 die sieben Jahrgänge umfassende Landes-Oberrealschule in Wiener Neustadt besuchen4, und legte hier im Sommer 1897 erfolgreich die Reifeprüfung ab. Bereits während der Schulzeit dürfte in ihm der Wunsch nach einer technischen Berufslaufbahn gereift sein, denn in der im Jahresbericht der Oberrealschule enthaltenen Liste der Maturanten des Jahres 1897 wird bei Hofer der Berufswunsch „Techniker“ angeführt.5 Diesem Wunsch folgend inskribierte er sich mit Beginn des Wintersemesters 1897/98 an der Bauschule der Technischen Hochschule Wien (heute: Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien) für das Studienfach Hochbau. Bis zum Wintersemester 1903/04 besuchte er dort Lehrveranstaltungen und schloss sein Studium – vermutlich nach zwischenzeitlicher Ableistung des Militärdienstes – schließlich am 28. Juli 1905 mit der Zweiten Staatsprüfung erfolgreich ab.6 Anfang November 1905 begann er seine Berufslaufbahn als Baupraktikant im Staatsbaudienst bei der k.k. niederösterreichischen Statthalterei in Wien. Der Staatsbaudienst für Niederösterreich, dessen Wiener Diensträume sich an der Mariahilferstraße befanden, war Teil der durch die Statthalterei ausgeübten gesamtstaatlichen Verwaltung und ist nicht zu verwechseln mit dem nö. Landesbauamt.

Schon zuvor, am 10. Oktober 1905, schloss Hofer mit Maria Muzzanelli (1880-1982), der aus Wiener Neustadt stammenden Tochter eines kaufmännischen Angestellten7, den Bund der Ehe. Diese Verbindung blieb kinderlos. Bis zum Beginn des 1. Weltkriegs hatte Hofer die übliche Laufbahn im Staatsbaudienst absolviert und war in den Rang eines Bau-Ingenieurs aufgestiegen.8 In dieser Funktion wurde er bald nach Kriegsausbruch damit beauftragt ein in Gmünd gelegenes Gelände bezüglich dessen Tauglichkeit zur Errichtung eines großangelegten Flüchtlingslagers zu begutachten, denn durch die gleich zu Beginn des Krieges erlittenen Gebietsverluste im Osten des Reichs (Bukowina und Galizien) wurden vielerorts rasch Quartiere für die große Zahl an Flüchtlingen geschaffen. Die ursprünglich vorgesehenen Äcker wurden von ihm als nicht geeignet angesehen, allerdings fiel Hofer bei seiner Besichtigung ein Areal nahe dem Gmünder Bahnhof der Franz-Josefs-Bahn auf, dass er für deutlich geeigneter hielt. Seiner Empfehlung zur Errichtung eines Barackenlagers an dieser Stelle wurde Folge geleistet und schließlich wurde er auch mit der Leitung der Ausführung dieses Bauvorhabens betraut.9 Binnen kürzester Zeit konnte der Bau realisiert werden und bereits Anfang des Jahres 1915 wurden die ersten Flüchtlinge aufgenommen. Das Lager bestand während der gesamten Kriegsdauer und in der Spitze waren hier rund 30.000 Flüchtlinge, mehrheitlich aus Galizien und der Bukowina untergebracht, weshalb diese „Barackenstadt“ auch „Ukrainisch-Gmünd“ genannt wurde. Das Lager beherbergte ein Vielfaches der Einwohnerzahl von Gmünd und verfügte dementsprechend über eine eigene Infrastruktur (Kirche, Friedhof, Schule, Spital, Postamt, E-Werk, Schlachterei, Gendarmerieposten, Sommertheater, etc.). Aufgrund der kriegsbedingt herrschenden Personalknappheit wurde Hofer, nachdem er seinen unten näher geschilderten Auftrag in Mistelbach erfüllt hatte, gegen Ende des Jahres 1915 der Verwaltung dieses Flüchtlingslagers (k.k. Barackenverwaltung Gmünd) dienstzugeteilt und er fungierte ab Beginn des Jahres 1918 als einer von zwei Lagerleiter-Stellvertretern.10 Kurzzeitig dürfte Hofer auch bei der Verwaltung des Flüchtlingslagers Mitterndorf eingesetzt gewesen sein, zumindest deuten die Angaben im Niederösterreichischen Amtskalender des Jahres 1916 (erschienen zu Ende des Jahres 1915) darauf hin.11

Das unter der Leitung von Ing. Michael Hofer in kurzer Frist erbaute Barackenlager Gmünd umfasste 144 Wohnbaracken, die insgesamt bis zu 30.000 Personen aufnehmen konnten, und zahlreiche soziale, gewerbliche und technische EinrichtungenDas unter der Leitung von Ing. Michael Hofer in kurzer Frist erbaute Barackenlager Gmünd umfasste 144 Wohnbaracken, die insgesamt bis zu 30.000 Personen aufnehmen konnten, und zahlreiche soziale, gewerbliche und technische Einrichtungen

Das Gebäude der Barackenverwaltung samt dessen Vorstand anlässlich eines Besuchs des nö. Statthalters - mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte auch Michael Hofer zu den darauf abgebildeten Personen zählen (leider ist keine Fotografie von ihm überliefert)Das Gebäude der Barackenverwaltung samt dessen Vorstand anlässlich eines Besuchs des nö. Statthalters – mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte auch Michael Hofer zu den darauf abgebildeten Personen zählen

Die Errichtung des Flüchtlingslagers in Gmünd bedeutete nicht nur einen Aufschwung für die lokale Wirtschaft, sondern die Gemeindevertreter erkannten früh auch die für die weitere Stadtentwicklung bedeutende Entscheidung von Hofer bezüglich Errichtung und Lage des Flüchtlingslagers, und verliehen ihm im Dezember 1916 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gmünd.12 Das Lager wurde nach Ende des Ersten Weltkriegs für verschiedene Zwecke und immer wieder auch als Notunterkunft genutzt und im Laufe der Jahre entstand hier auf Grundlage der Infrastruktur des Flüchtlingslagers der Stadtteil Gmünd-Neustadt. Am 23. Oktober 1957 beschloss der Gmünder Gemeinderat eine Straße in der Neustadt in Erinnerung an den Mitbegründer dieses Stadtteils „Michael-Hofer-Gasse“ zu benennen.13

Im September 1915 wurde auch in Mistelbach mit der Errichtung einer Flüchtlingsstation auf dem Areal unterhalb des Krankenhauses begonnen und mit der Planung und Bauleitung wurde Ing. Hofer, der sich durch seine Leistung in Gmünd empfohlen hatte, betraut.14 Die Quartiere wurden für Flüchtlinge aus Südtirol errichtet, da nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 auf Seiten der Entente auch an der südwestlichen Reichsgrenze Kämpfe tobten und die Zivilbevölkerung im Kampfgebiet fliehen musste. Im Unterschied zu Gmünd war die Flüchtlingsstation in Mistelbach jedoch deutlich kleiner angelegt und auch in puncto Qualität der Unterbringung wurden neue Maßstäbe gesetzt, denn Hofer plante die Flüchtlingsunterkünfte im Stile einer für damalige Verhältnisse luxuriösen Villenkolonie. Schon im April 1916 wurden die ersten Flüchtlinge aufgenommen und ein Jahr nach Baubeginn war die Flüchtlingsstation mit 47 Ein- und Zweifamilienhäuser, die in der Spitze 750 Personen beherbergen sollten, drei Gemeinschaftsgebäuden (Schule, Verwaltungsgebäude, Restaurant) und zwei Magazine fertiggestellt.15 Für Mistelbach bedeutete die Schaffung dieses neuen Stadtteils einen großen Entwicklungsschritt, schließlich wurde hier auf Staatskosten Wohnraum und Infrastruktur geschaffen, die nach der Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat, im Elend und der Wohnungsnot der Zwischenkriegszeit dringend gebraucht werden konnten. Die Flüchtlingsstation diente nach dem Krieg kurzzeitig der Unterbringung von Truppen der Volkswehr, der ersten Armee der jungen Republik, bzw. wurde ein Teil der Wohnhäuser später von der Wiener Polizei für Erholungsaufenthalte von Polizisten bzw. deren Angehörigen genutzt. Im Laufe der Zwischenkriegszeit gingen die Gebäude schrittweise in den Besitz der Stadt über und wurden von dieser an Privatpersonen verkauft. Westlich der Flüchtlingsstation wurden ab den 1920er Jahren weitere Grundstücke aufgeschlossen und im Zuge der Einführung von Straßennamen in der ehemaligen Flüchtlingsstation bzw. der sich daraus nun entwickelnden Siedlung beschloss der Mistelbacher Gemeinderat am 4. April 1925 die längs der Landesbahnstrecke verlaufende und die Siedlung südlich abschließende Gasse nach dem Architekten der Flüchtlingsstation „Michael Hofer-Zeile“ zu benennen. In der Begründung wird Hofers Einsatz dafür hervorgehoben, dass die Flüchtlingsstation nicht als Barackensiedlung, sondern in Form einer modernen Villenkolonie erbaut wurde.16

Die in Form einer Villenkolonie erbaute Flüchtlingsstation samt dem Verwaltungsgebäude im Vordergrund - aus der Perspektive des gegenüberliegenden Krankenhauses gesehen.Die in Form einer Villenkolonie erbaute Flüchtlingsstation samt dem Verwaltungsgebäude im Vordergrund – aus der Perspektive des gegenüberliegenden Krankenhauses gesehen.

Ansicht der Flüchtlingsstation aus südwestlicher RichtungAnsicht der Flüchtlingsstation aus südwestlicher Richtung

Eine Aufnahme der ehemaligen Flüchtlingsstation von südlicher Richtung, die auf der Ansichtskarte als Villenviertel bezeichnet wird. Bei der vor den ersten Häusern verlaufenden Straße (nächst der Landesbahnstrecke) handelt es sich um die Michael Hofer-ZeileEine Aufnahme der ehemaligen Flüchtlingsstation von südlicher Richtung, die auf der Ansichtskarte als Villenviertel bezeichnet wird. Bei der vor den ersten Häusern verlaufenden Straße (nächst der Landesbahnstrecke) handelt es sich um die Michael Hofer-Zeile

Nach dem Ende der Monarchie und der bald darauf folgenden Schließung des Flüchtlingslagers in Gmünd kehrte Hofer wieder nach Wien an seine Dienststelle, nunmehr Staatsbaudienst bei der niederösterreichischen Landesregierung, zurück.17 Im Oktober 1933 trat seine Dienststelle kumulativ der Vaterländischen Front, der Einheitspartei des autoritären Dollfuß-Regimes, bei. Solcherart von oben angeordnete und orchestrierte Massenbeitritte ließen die Mitgliederzahlen dieser neuen „Volksbewegung“ auf mehrere Millionen ansteigen, lassen jedoch kaum Schlüsse auf die tatsächliche politische Einstellung einer Vielzahl der Mitglieder zu. Schon Mitte der 1930er Jahren zum Hofrat ernannt stieg Hofer im Zuge einer Organisationsreform 1937 schließlich zum Leiter des Referats 9A „Allgemeine technische Angelegenheiten des Bundesbaudienstes, Hochbau, etc.“ im Landesamt I der nö. Landesregierung auf18 und hatte dieses Amt bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand inne.19 In dieser Funktion, möglicherweise aber auch aufgrund persönlicher Verbundenheit zu Mistelbach, übernahm er als Vertreter des Landes die Obmannschaft im Bauausschuss betreffend den Zu- bzw. Ausbau des Bezirkskrankenhauses Mistelbach, der auch aufgrund seines Einsatzes nach nur wenigen Monaten Bauzeit fertiggestellt und im Oktober 1937 eröffnet werden konnte.20 Im Jahr darauf führte Hofer bspw. auch die Bauleitung beim Bau eines neuen Gerichts- und Amtsgebäudes in Neunkirchen.21 Hofer war nicht Mitglied der NSDAP, war jedoch laut eigenen Angaben in Personalfragebögen während den Jahren 1938-1945 Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und der ebenfalls der Partei angeschlossenen berufsständischen Vertretungen Nationalsozialistischer Bund Deutscher Technik (NSBDT) und Reichsbund der Deutschen Beamten (RDB).

1937: Ing. Hofer (rotes X) hält anlässlich der Gleichenfeier des Krankenhausausbaus in Mistelbach eine Rede1937: Hofrat Ing. Hofer (rotes X) hält anlässlich der Gleichenfeier des Krankenhausausbaus in Mistelbach eine Rede

Im Sommer 1946 scheint Hofrat Hofer noch als Leiter der Abteilung Hochbau beim Landesbauamt auf, seine Versetzung in den Ruhestand dürfte jedoch Ende 1946 bzw. spätestens in den ersten Monaten des Jahres 1947 erfolgt sein.22 Hofrat Ing. Michael Hofer verstarb am 10. Jänner 1958 im 79. Lebensjahr in Wien und wurde im Familiengrab in Lichtenwörth bestattet.

Die letzte Ruhestätte von Hofrat Michael Hofer im Grab der Familie Hofer auf dem Lichtenwörther FriedhofDie letzte Ruhestätte von Hofrat Michael Hofer im Grab der Familie Hofer auf dem Lichtenwörther Friedhof

 

Wo befindet sich die Michael Hofer-Zeile?

 

Bildnachweis:
-) Ansichtskarten der Flüchtlingsstation Mistelbach aus der Sammlung von Herrn Gerhard Lichtl – digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Herrn Otmar Biringer
-) Foto des Gebäudes der Barackenverwaltung Gmünd: Wiener Bilder, 10. Oktober 1915 (20. Jg. – Nr. 41), S. 10f (ONB: ANNO);
-) Foto Barackenlager Gmünd: Das interessante Blatt, 30. September 1915 (34. Jg. – Nr. 39, S. 7 (ONB: ANNO)
-) Familiengrab Hofer: dankenswerterweise zVg von Herrn Franz Ofner-Winkler (2022)
-) Das „Portrait“ (Fotoausschnitt) und das Foto der Gleichenfeier des Krankenhausausbaus 1937 entstammen dem Fotoalbum von Fr. Luise Bsteh (Stadtmuseumsarchiv Mistelbach) und sind auch in der Topothek Mistelbach unter diesem Eintrag (S. 47-48) veröffentlicht

Quellen:
-) Standesblatt Michael Hofer (Niederösterreichisches Landesarchiv)
-) Personalfragebögen zu Michael Hofer aus der NS-Zeit (Niederösterreichisches Landesarchiv)
-) diverse Ausgaben des Niederösterreichischen Amtskalenders, Niederösterreichischen Almanachs, Österreichischen Amtskalenders

Theresia Weiß-Ring (Paasdorf)

Von Thomas Kruspel 13. Dezember 2021 Aus

Mit Beschluss vom 26. März 1998 benannte der Mistelbacher Gemeinderat eine neue Straße in Paasdorf nach Theresia Weiß, der Gründerin des örtlichen Verschönerungsvereins, die das Ortsbild und das kulturelle Geschehen in der Katastralgemeinde nachhaltig prägte.

Wo befindet sich der Theresia Weiß-Ring?

Josef Strasser-Gasse

Von Thomas Kruspel 20. Oktober 2021 Aus

Diese Gasse entstand gemeinsam mit der Karl Fitzka-Gasse zu Beginn der 1910er Jahre als die zuvor im Besitz der Familie Strasser befindlichen Gründe zwischen Mistelufer und Mitschastraße baulich erschlossen wurden. Der berühmteste Vertreter der Familie Strasser, die unweit dieser Gasse, nämlich am Beginn der Liechtensteinstraße, mit ihrem Gerbereibetrieb ansässig war, ist Josef Strasser. Er stand der Gemeinde Mistelbach von 1867 bis 1888 als Bürgermeister vor und trug maßgeblich zum Aufschwung Mistelbachs bei, der sich auch in der Stadterhebung im Jahre 1874 widerspiegelt. Am 31. Oktober 1913 beschloss der Mistelbacher Gemeindeausschuss (=Gemeinderat) diese Gasse nach dem verdienten Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt zu benennen. Zunächst wurden lediglich auf der linken Straßenseite (ungerade Hausnr.) Häuser errichtet, erst Jahrzehnte später erfolgte auch die Bebauung der rechten Straßenseite dieser Sackgasse.

Wo befindet sich die Josef Strasser-Gasse?

 

Quellen:
-) Verhandlungsschrift über die öffentliche Gemeindeausschusssitzung vom 31. Oktober 1913 In: Mistelbacher Bote, Nr. 45/1913, S. 5;
-) Spreitzer, Prof. Hans: Mistelbachs Straßen- und Gassennamen In: Mistelbacher Laaer Zeitung, Nr. 38/1955, S. 2f

De Venne-Weg

Von Thomas Kruspel 20. Oktober 2021 Aus

Devenne (auch Devenna bzw. verschiedenste andere Schreibweisen) lautete der Name einer im 17. und 18. Jahrhundert in Mistelbach ansässigen Bürgerfamilie, deren erster Vertreter aus Regensburg zuwanderte. Die Mitglieder dieser ursprünglich allerdings aus dem Brabant (heute ein Teil von Belgien) stammenden Familie brachten es hier als Apotheker, Handelsleute und Steuereinnehmer zu großem Wohlstand und der letzte (bekannte) Vertreter der Mistelbacher Linie, Ferdinand Maximilian Devenne, bekleidete auch das Amt des Marktrichters. Er war es auch, der Mitte des 18. Jahrhunderts das Barockschlössl als seinen Wohnsitz erbauen ließ und somit bleibende Spuren im Mistelbacher Stadtbild hinterlassen hat. In der Sitzung vom 14. November 1974 beschloss der Mistelbacher Gemeinderat eine Gasse in der erweiterten Stadtwald-Siedlung nach der Familie des Erbauers des Barockschlössls zu benennen.

Wo befindet sich der De Venne-Weg?

 

Quellen:
-) Mitscha-Märheim, Univ.-Prof. Dr. Herbert: „Zur Herkunft der Familie des Mistelbacher Marktrichters Devenne“ In: Weinviertler Nachrichten, Nr. 16/1964, S. 5
-) Mitteilungen der Stadtgemeinde Mistelbach, Folge 183, Jänner 1975, S. 5

Sobek, Leopoldine

Von Thomas Kruspel 18. Oktober 2021 Aus

Leopoldine Sobek im Jahre 1975

Leopoldine Sobek

geb. 7.4.1904, Mistelbach
gest. 8.6.1996, Mistelbach

Leopoldine Sobek wurde 1904 als Tochter des Bahnbediensteten Franz Sobek und dessen Gattin Anna, geb. Bergauer, in Mistelbach geboren.23 In den Einträgen der Pfarrbücher zu ihrer Familie findet sich der Familienname stets in der Schreibweise „Soubek“, später scheint jedoch ausschließlich die Schreibweise ohne „u“ auf.24 Gemeinsam mit vier jüngeren Geschwistern, drei Schwestern und einem Bruder, wuchs sie am Wohnsitz der Familie im Haus Kreuzgasse Nr. 3 auf. Sobek absolvierte ihre Pflichtschulbildung in Mistelbach und nach einer Schneiderlehre, machte sie sich bereits 1924 im Alter von 20 Jahren als Schneidermeisterin selbstständig.25

Für die damalige Zeit wenig überraschend war Sobeks Vater als Eisenbahner auch Sozialdemokrat und scheint zu Beginn der 1930er Jahre als Funktionär der Mistelbacher Lokalorganisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP) auf.26 Ihre weltanschaulich-politische Prägung erhielt Leopoldine Sobek jedoch offenkundig nicht väterlicherseits, sondern durch ihre Mitgliedschaft im von völkischer Ideologie und Antisemitismus geprägten Deutschen Turnverein Mistelbach. Der Deutsche Turnverein war in der Zeit von Ende des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn der 1920er Jahre, de facto der einzige Verein in Mistelbach in dem man sich sportlich betätigen konnte. Zwar gab es vereinzelt auch schon andere Sportvereine (bspw. Tennisverein, Radfahrverein), doch waren diese Sportarten sehr exklusiv und bedurften teurer Ausrüstung. Im Deutschen Turnverein waren hingegen alle Klassen und Stände vertreten, ganz im Sinne der nationalen Idee der „Volksgemeinschaft“. Juden, die zuvor sehr wohl auch diesem Verein angehört hatten, waren bereits ab dem Jahr 1893 von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen. Es wundert also nicht, dass beim Deutschen Turnverein keineswegs die sportliche Betätigung im Vordergrund stand, sondern die Mission der deutschen Turnbewegung war vor allem auch die ideologische Erziehung und Charakterbildung im Sinne des deutschen Volkstums. Der Deutsche Turnverein nutzte seine Alleinstellung – erst während der 1. Republik entstanden auch sozialdemokratische und christlich-soziale Turnvereine in Mistelbach – und war sehr stark in der Jugendarbeit präsent und so wurden Generationen sport- und bewegungsbegeisterter Kinder und Jugendlicher bereits in jungen Jahren mit antisemitischer und deutsch-nationaler Ideologie indoktriniert. Die Deutschen Turnvereine waren ideologische Wegbereiter des Nationalsozialismus und viele Vereine, so etwa auch jener in Mistelbach, wurden 1934 nach einer Welle von Nazi-Terroranschlägen aufgrund ihrer Nähe zum Nationalsozialismus vom Dollfuß-Regime verboten. Etwa um die Zeit des 1. Weltkriegs, trat Sobek in jungen Jahren diesem Verein bei und blieb ihr ganzes Leben dem Turnen treu.27 Besonders begeisterte sie sich für das Geräteturnen und sie nahm in der Zwischenkriegszeit bei Turnfesten in Österreich und im Deutschen Reich an Wettkämpfen teil. Jedenfalls war Sobek bereits Anfang der 1930er Jahre als Vorturnerin der Turnerinnenabteilung28 aktiv und scheint 1933 auch als Leiterin der Mädchenabteilung des Vereins auf.29 Diese Funktionen dürfte sie bis zum bereits oben erwähnten Verbot des Deutschen Turnvereins Mistelbach im Jahre 1934 bekleidet haben.

Der Umbruch in den Tagen des sogenannten „Anschlusses“ im März 1938 vollzog sich sehr rasch, und schon am Abend des 11. März, also bevor am nächsten Morgen Truppen der deutschen Wehrmacht die österreichische Grenze überschritten, rissen die Nationalsozialisten bereits vielerorts die Macht an sich – auch in Mistelbach. In ganz Österreich wurden daher die einmarschierenden deutschen Truppen schon am 12. März mit einem Meer von Hakenkreuzfahnen begrüßt. Dass es so wirkte, als hätte ganz Österreich nur auf den Einmarsch der Deutschen gewartet, dazu trugen viele fleißige Hände bei und in Mistelbach scheint Leopoldine Sobek ihren Beitrag dazu geleistet haben. Wie man sich noch heute hinter vorgehaltener Hand erzählt, soll Sobek die ganze Nacht von 11. auf den 12. März hindurch Fahnen genäht haben, und somit (gemeinsam mit anderen) maßgeblich dazu beigetragen haben, dass ganz Mistelbach am folgenden Tag bereits im „Hakenkreuzschmuck“ erstrahlte. Aufgrund ihrer Sozialisierung und weltanschaulichen Prägung im Deutschen Turnverein und ihres handwerklichen Könnens erscheint diese Erzählung sehr plausibel. Eine Mitgliedschaft Sobeks in der NSDAP lässt sich nicht belegen, denn in der überlieferten Mitgliederkartei findet sich kein Eintrag zu ihr.30 Allerdings muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass diese Kartei zwar vor der Vernichtung in den letzten Tagen des NS-Regimes bewahrt werden konnte, aber nicht lückenlos ist und selbst zu einigen hochrangigen Nazis aus Mistelbach bzw. mit Mistelbach-Bezug – deren Mitgliedschaft eindeutig belegt ist – finden sich darin keine Einträge. Die in einer früheren Version dieses Beitrags hier geäußerte Einschätzung, dass eine Parteimitgliedschaft von Frauen eher unüblich war, ist nur bedingt richtig. Zwar machten Frauen nur einen vergleichsweise geringen Anteil an den NSDAP-Mitgliedern aus und waren von Leitungsaufgaben außerhalb der Frauenorganisation ausgeschlossen, aber tatsächlich ist auch für Mistelbach eine keineswegs unbedeutende Anzahl an weiblichen NSDAP-Mitgliedern belegt.31 Laut Zeitzeugenberichten war Sobek, die zur Zeit der NS-Herrschaft bereits Mitte/Ende dreißig war, auch als Führerin beim Bund deutscher Mädel (BdM), der weiblichen Teilorganisation der Hitlerjugend, aktiv. Dies ist insofern ein wenig außergewöhnlich, als in den nationalsozialistischen Jugendorganisationen allgemein der Grundsatz „Jugend führt Jugend“ galt, der natürlich dem Ziel diente die Kinder und Jugendlichen durch Übernahme von Verantwortung und Fernhalten etwaiger anderer Einflüsse so eng wie möglich an das Regime und seine Ideologie zu binden. Da Sobek zeitlebens unverheiratet blieb, und somit keine familiären Verpflichtungen hatte, und in der nationalen Jugendarbeit aus ihrer Zeit beim Deutschen Turnverein über große Erfahrung verfügte, war ihre Mitwirkung in der nationalsozialistischen Jugendbewegung zweifellos willkommen. 1939 scheint sie dann außerdem in der Vertretung ihres Berufsstandes in der Handwerkskammer St. Pölten als Obermeisterin der Damenschneiderinneninnung für den Kreis Mistelbach auf.32 Wenig später dürfte es jedoch zu einer Strukturänderung gekommen sein und die neue „Kreishandwerkschaft Mistelbach“ umfasste nunmehr die Kreise Mistelbach, Nikolsburg und Gänserndorf und das Amt der Obermeisterin wurde von einer anderen Person bekleidet.33

Auf den Untergang des Nationalsozialismus, der in seinen letzten Wochen Krieg und Zerstörung auch ins Weinviertel brachte, folgte sowjetische Besatzung und große Not in der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der es an allem mangelte. Unter Verweis auf die herrschende Materialknappheit wurde 1945 seitens der an der Stadtregierung beteiligten Kommunisten, und mit Unterstützung der Besatzungsmacht, versucht Zentralwerkstätten in verschiedenen Wirtschaftszweigen einzurichten. Manche sahen darin den Versuch der Einführung eines kollektiven Wirtschaftssystems nach sowjetischem Vorbild. Tatsächlich wurden im Sommer 1945 laut einem kommunistischen Zeitungsbericht eine Zentralschneiderei und eine Schuhmacherzentrale in Mistelbach eingerichtet, in der alle Schneider bzw. Schuster der Stadt tätig waren.34 Energisch kämpfte Schneidermeisterin Sobek gemeinsam mit ihrer Berufskollegin Maria Römer beim Bürgermeister und Bezirkshauptmann gegen diese zentralistischen Strukturen an.35 Es ist unklar, wie lange die Zentralwerkstätten Bestand hatten, aber möglicherweise hatte Sobek durch ihren Protest daran Anteil, dass diese jedenfalls nicht zu einer dauerhaften Einrichtung wurden.

Aufgrund ihrer Nähe zum Nationalsozialismus konnten sich die deutschnationalen Turnvereine, die zuvor im „Deutschen Turnerbund (DTB)“ zusammgeschlossen waren, während der Besatzungszeit nicht einfach wiedergründen. Erst später konnten sie sich zum Teil wieder konstituieren und im Nachfolgeverband „Österreichischer Turnerbund (ÖTB)“, der bis heute der FPÖ nahesteht, sammeln. In Mistelbach kam es nicht dazu, da sich führende ehemalige Mitglieder des Deutschen Turnvereins Mistelbach, bereits zuvor der Turn- und Sportunion angeschlossen hatten. Die Turn- und Sportunion war Nachfolgeorganisation der christlich-deutschen Turnerschaft, und stand der ÖVP nahe. Auch Leopoldine Sobek gehörte Ende des Jahres 1948 zu den Gründern der Turn- und Sportunion Mistelbach. Über Jahrzehnte hinweg war sie später im Vorstand dieses Vereins engagiert, bekleidete das Amt der Obmann-Stellvertreterin und war bis 1990 (im Alter von 86 Jahren!) Vorturnerin und Leiterin der Damenriege. Schon 1974 wurde ihr als erstem Mitglied der Mistelbacher Turn- und Sportunion vom Verband das Ehrenzeichen in Gold für ihr jahrzehntelanges Wirken verliehen.

Leopoldine Sobek (rotes x) bei einem Ausflug der Turn- und Sportunion Mistelbach ins Burgenland im Jahre 1969Leopoldine Sobek (rotes x) bei einem Ausflug der Turn- und Sportunion Mistelbach ins Burgenland im Jahre 1969

Nachdem sich die von ihr geführte Schneiderei zuvor in der Bahnstraße befunden hatte, verlegte sie diese später an die Adresse Karl-Fitzka-Gasse Nr. 9, wo sie gemeinsam mit ihrer Schwester und deren Gatten, Forstmeister Ing. Oskar Sklenař, lebte. 1964, nach vierzig Jahren beruflicher Selbstständigkeit, während der sie rund 30 Lehrmädchen ausbildete, trat Sobek in den Ruhestand über.36 Bis ins hohe Alter körperlich ausgesprochen fit und als Vorturnerin aktiv, erlitt sie 1990 beim Schwimmen einen Schlaganfall, der sie dazu zwang ruhiger zu treten.37 Am 8. Juni 1996 verstarb Leopoldine Sobek im Alter von 92 Jahren und ihre sterblichen Überreste wurden auf dem Mistelbacher Friedhof beigesetzt.

Sobeks letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher FriedhofSobeks letzte Ruhestätte auf dem Mistelbacher Friedhof

Der Mistelbacher Gemeinderat beschloss in seiner Sitzung vom 21. September 2004, eingedenk von Sobeks Einsatz für die körperliche Ertüchtigung, die neben dem 2006 eröffneten Turnsaal in der Gartengasse verlaufende, neu geschaffene Straße Leopoldine Sobek-Gasse zu benennen.

Wo befindet sich die Leopoldine Sobek-Gasse?

Quellen:
-) Archiv Sportunion Mistelbach (Dank an Herrn Gerhard Öhler)