Updates, Updates, Updates

Die Arbeit am Blog stand in den letzten zwei Monaten nicht still, auch wenn keine neuen Beiträge veröffentlicht wurden. Viel Recherchearbeit passierte in den vergangenen Wochen und deren interessante Ergebnisse werden bald in Form neuer Beiträge veröffentlicht.

Zum anderen wurden zahlreiche ältere Beiträge korrigiert, überarbeitet, um Bilder erweitert oder auf andere Art optimiert.
Hier eine kurze Übersicht:
-) Ehrenbürger der Stadt Mistelbach: alle bisher in der Literatur vorhandenen Auflistungen der Ehrenbürger Mistelbachs erwiesen sich als fehlerhaft, auch jene im Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach“, auf deren Basis der Beitrag für diesen Blog erstellt wurde. Deshalb wurden Belege für alle Verleihungen gesucht und in der aktualisierten Liste werden diese angeführt, um deren Richtigkeit zu belegen.

Folgende Änderungen ergaben sich dadurch:

Neue (bisher „unbekannte“) Ehrenbürger: Bezirkshauptmann Franz Dokaupil und Bezirksoberkommissär Alois Wolf (beide 1916)

„falsche“ Ehrenbürger, die aus der Liste wieder gelöscht wurden:
Bei Pinselfabrikant Franz Mühl handelte es sich um keinen Ehrenbürger, ihm wurde 1910 nur das Bürgerrecht der Stadt verliehen;
Ebenso war Weihbischof Dr. Godfried Marschall nicht Ehrenbürger sämtlicher Gemeinden des Verwaltungsbezirks Mistelbach, auch wenn dies einige Tageszeitungen 1910 behaupteten. Tatsächlich überreichte ihm eine Delegation der Gemeinden des Bezirks lediglich eine schön gefertigte Dankadresse.

falsche Jahreszahl: die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Staatsrat Josef Kraus und Bundeswirtschaftsrat Georg Seidl fand nicht 1954, sondern 1937 statt

Auch das Thema der Aberkennung gewisser Ehrenbürgerrechte während der Zeit des Nationalsozialismus bzw. deren „Wiederinstandsetzung“ 1954 wird nun im Beitrag behandelt.

-) Ehrenringträger der Stadt Mistelbach: bei der ursprünglichen Liste wurde leider auf Vzbgm. a.D. Fritz Duda vergessen, dies wurde nun korrigiert und sämtliche Verleihungen des Ehrenrings mit Belegen versehen. Weiters werden nun auch die Ehrenringe erwähnt, die die Gemeinde während der Zwischenkriegszeit der FF Mistelbach für langjährige Mitglieder zur Verfügung stellte.

-) Mistelbacher Fotografen vor 1945: ein Foto des Fotografen Alfred Wolfram wurde online gestellt. Bereits vor einiger Zeit konnte als weiterer in Mistelbach tätiger Fotograf Josef Eibl hinzugefügt werden und neue Erkenntnisse zu Plaschil und Forstner wurden eingearbeitet.

-) Historische Mistelbacher Lokalzeitungen: In der Lücke zwischen dem Ende des „Bezirks-Bote“ und dem Erscheinen des „Untermanhartsberger Kreis-Blattes“ erschien wie sich nun herausstellte eine weitere kurzlebige Mistelbacher Zeitung mit dem Namen „Illustriter Bezirks-Bote“

… und zahlreiche weitere kleinere Korrekturen.

Weitere Aktualisierungen bestehender Beiträge werden in den nächsten Wochen stattfinden.

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Schöller, Alfred

Bürgermeister Direktor Alfred Schöller

* 26.9.1921, Lanzendorf
† 19.4.2000, Lanzendorf

Alfred Schöller wurde 1921 als siebentes von zehn Kindern in die Familie von Johann Schöller, Werkmeister bei der Landesbahn, und dessen Ehefrau Emilie, geb. Šobra, in Lanzendorf geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule in Mistelbach, trat er im September 1935 als Lehrling in die Zentralmolkerei Mistelbach ein. Dem Lehrabschluss folgte 1938/39 eine Ausbildung an der Molkereischule Wolfpassing (Bezirk Scheibbs), die Schöller mit ausgezeichnetem Erfolg absolvierte. 1940 wurde er zunächst zum Reichsarbeitsdienst und anschließend in die Deutsche Wehrmacht eingezogen. Unteroffizier Schöller, der mit mehreren Tapferkeitsauszeichnungen dekoriert wurde, war von 1941 bis 1942 als Militärbote in Südfrankreich und danach an der Ostfront eingesetzt. Im August 1943 wurde er in Russland durch eine Granatenexplosion schwer verwundet und nach längeren Lazarettaufenthalten in Warschau bzw. in Stein a.d. Oder, kehrte er 1944 als Betriebsleiter-Stellvertreter in die Molkerei Mistelbach zurück.

In der Zeit unmittelbar nach Kriegsende war Schöller neben seiner Tätigkeit in der Molkerei auch Polizist bei der Mistelbacher Stadtpolizei, wie dies ein Ausweis datiert auf Juni 1945 belegt und diesem ist auch das Bild rechts entnommen. Im Oktober desselben Jahres heiratete er Jola Marie Liebhart und dieser Ehe enstammten vier Kinder. Bald nach dessen Gründung engagierte er sich im Österreichischen Gewerkschaftsbund, war ab 1946 Betriebsrat in der Molkerei Mistelbach und 1948 auch Gründungsmitglied und später Obmann der Mistelbacher Ortsgruppe der Gewerkschaft der Privatangestellten. Im Zuge der ersten Gemeindevertretungswahl nach dem Krieg im Jahr 1950, zog er für die ÖVP in den Lanzendorfer Gemeinderat ein. Hatte bei der ersten Wahl noch die SPÖ die Stimmenmehrheit erreicht, konnte sich bei der Wahl 1955 dann die ÖVP als Sieger durchsetzen, und von 1955 bis Ende des Jahres 1966, dem Zeitpunkt der Eingemeindung Lanzendorfs zu Mistelbach, war Schöller Bürgermeister der Gemeinde Lanzendorf. Aber damit endete sein kommunalpolitisches Engagement keineswegs, denn von 1967 bis 1975 wirkte er als Stadtrat für Straßenbau und Verkehrswesen der Stadt Mistelbach und Ortsvorsteher der Gemeinde Lanzendorf. Bereits ab 1972 war er Betriebsleiter und von 1975 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand, 1981, schließlich Direktor der Zentralmolkerei Mistelbach.

Bereits seit den 1980er Jahren befasste er sich mit lokalgeschichtlichen  Recherchen, veröffentlichte kleine Schriften (60 Jahre FF Lanzendorf, Festschrift Zentralmolkerei, etc.), und gemeinsam mit seiner Gattin Jolanda, und Johann Schön verfasste er die 1996 vom Dorferneuerungsverein herausgegebene Publikation „Lanzendorf: Einst und heute – eine kleine Ortschronik“. Neben seinem politischen Engagement war Schöller natürlich auch bei zahlreichen Lanzendorfer und Mistelbacher Vereinen aktiv und engagierte sich für die Gemeinschaft. Ein bleibendes Denkmal seines Wirkens ist die in den Jahren 1969-70 errichtete und dem hl. Florian geweihte Kirche in Lanzendorf. Die Vorarbeiten zu deren Planung begannen bereits mehr als zehn Jahre zuvor und als Obmann des Kapellenbauvereins war Schöller unermüdlicher Motor des Projekts, eifriger Spendensammler und Organisator der Einsätze der vielen freiwilligen Helfer. Gemeinsam mit Stadtpfarrer P. Volkmar Kraus, dem Architekten Albert Bürger und dem für die künstlerische Gestaltung verantwortlichen P. Ivo Schaible gilt er als einer der vier „Kirchenväter“ dieses neuerbauten Gotteshauses. Für seine großartige Leistung wurde er von Kardinal König mit dem Stephanus Orden in Silber, einer hohen Auszeichnung der Erzdiözese, geehrt.

1996 wurde ihm und weiteren Altbürgermeistern der Katastralgemeinden der Wappenring der Stadtgemeinde Mistelbach verliehen. Alfred Schöller erlag im Jahr 2000 einer Krebserkrankung und wurde auf dem Friedhof Mistelbach beerdigt. Aufgrund seiner großen Verdienste um das Gemeinwohl wurde noch im selben Jahr in Lanzendorf der Platz gegenüber seinem  Wohnhaus „Alfred Schöller-Platz“ benannt.

Quellen (und Anmerkungen):
-) Lebenslauf und Portraitfotos zur Verfügung gestellt von Dr. Alfred Schöller (Sohn)
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute, eine kleine Ortschronik (1996)
(in „Lanzendorf – einst und heute“ ist das Jahr der ersten Gemeinderatswahl irrtümlich mit 1949 angegeben, ein Fehler der dann auch im Buch „125 Jahre Stadt Mistelbach – ein Lesebuch“ übernommen wurde. Tatsächlich fanden die ersten freien Gemeinderatswahlen niederösterreichweit am 7. Mai 1950 statt, zuvor wurden die Gemeinderäte auf Basis der Nationalrats- bzw. Landtagswahlergebnisse laut Vorschlag der Parteien durch die Landesregierung ernannt; im Lebenslauf ist der Einzug in den Gemeinderat mit 1949 angegeben, wobei es sich hierbei um einen durch eingangs erwähnten Fehler hervorgerufenen Irrtum handeln dürfte, denn Anhaltspunkte für eine Nachnominierung durch die LReg wurden nicht gefunden)
-) Mistelbacher Gemeindezeitung, 3/2000, S. 20 (Nachruf)

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

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Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach

Neben dem Ehrenbürgerrecht wurde 1958 mit dem Ehrenring der Stadt Mistelbach eine weitere Auszeichnung für um das Wohl der Stadt verdiente Persönlichkeiten geschaffen. Damals wurde dafür ein eigenes Ehrenstatut vom Gemeinderat beschlossen. Die Verleihung erfolgt gemeinsam mit einer Urkunde und an der Innenseite des Rings ist der Name des Geehrten eingraviert. Die Bilder des Ehrenrings (unten) wurden freundlicherweise von Ehrenringträger Bürgermeister a.D. Reg.Rat Dipl.-Päd. Alfred Weidlich zur Verfügung gestellt. Daneben wurden im Laufe der Zeit vom Gemeinderat auch der Wappenring und der Partnerschaftsring als weitere Ehrenzeichen eingeführt.

Nachfolgend eine chronologische Auflistung aller Träger des Ehrenrings der Stadt Mistelbach. Als Jahr wird immer jenes der tatsächlichen Verleihung angegeben, dass vom Jahr der Beschlussfassung durch den Gemeinderat, bspw. im Falle einer Verleihung im Rahmen des Neujahrsempfangs, abweichen kann. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1958 Dr. Otto Löwenstein (*1895, †1986) – Hofrat bei der Finanzlandesdirektion Wien, Niederösterreich und Burgenland1
 
Friedrich Bollhammer (*1898, †1969) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Mädchen und Leiter des Heimatmuseums2
1960 Franz Lang (*1892, †1965) – Gärtnermeister und Stadtrat a.D.3
 
Franz Pazdera (*1900, †1978) – Direktor der Volks- und Hauptschule für Knaben und Vizebürgermeister4
1963 Dr. Ludwig Lang (*1902, †1989) – Leiter der Pädagogischen Abteilung bzw. später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht5
 
Mag. Karl Haider (*1918, †2002) – Landesschulratsdirektor[6]
1967 Dr. Leopold Speiser (*1922, †1998) – Bezirkshauptmann und später Landesamtsdirektor6
1970 Univ.-Prof. Dr. Herbert Mitscha-Märheim (*1900, †1976) – Archäologe und Frühgeschichtsforscher, Universitätsprofessor an der Universität Wien7
 
Dr. Adolf März (*1918, †1987) – Ministerialrat und später Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht8
 
Dr. Agnes Niegl (*1913, †2008) – Ministerialrätin und später (erste) Sektionschefin im Bundesministerium für Unterricht9
1972 P. Volkmar Kraus SDS (*1913, †1983) – Stadtpfarrer10
1977 Mag. Karl Müller (*1912, †1996) – Bezirkshauptmann11
1980 Dr. Franz Loicht (*1933) – Ministerialrat im Ministerium für Bildung und Kultur12
1983 Dr. Hans Zeger (*1920, †1984) – Leiter der Abteilung für landwirtschaftliches Schulwesen bei der nö. Landregierung13
1988 P. Franz Seifert SDS (*1926, †2005) – Stadtpfarrer14
1989 Ernst Höger (*1945) – Landesrat für Gemeinde- und Wohnbauwesen und Landeshauptmannstellvertreter15
1996 P. Martin Bauer SDS (*1943) – Stadtpfarrer16
1999 Dr. Herbert Foitik (*1939, †2009) – Bezirkshauptmann17
 
Georg Stangl (*1927, †2006) – Landtagsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.18
 
Vinzenz Staffel (*1931, †2005) – pens. Gemeindebediensteter, Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter a.D. und Bezirksfeuerwehrkommandant a.D.19
 
Andreas Grum (*1937) – pens. Werkmeister und langjähriger Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach20
2004 Heinrich Kuba (*1937) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Stadtrat a.D.21
2006 Friedrich Duda (*1939) – Kaufmann i.R. und Vizebürgermeister a.D.22
2010 Alfred Englisch (*1945) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.23
 
P. Hermann Jedinger SDS (*1945) – Stadtpfarrer24
2011 Dipl.-Ing. Werner Kummerer (*1948) – Nationalratsabgeordneter a.D. und Vizebürgermeister a.D.25
2016 Alfred Weidlich (*1948) – Berufsschuldirektor i.R. und Bürgermeister (1989-1997)26

In der Zwischenkriegszeit verlieh die Mistelbacher Feuerwehr an Mitglieder, die ihr seit 25 Jahren angehörten, Ehrenringe. Diese Ehrenringe wurden laut den damaligen Gemeinderatsprotokollen über Ersuchen der Feuerwehr von der Gemeinde zur Verfügung gestellt – es handelte sich dabei jedoch um keine Ehrung durch die Stadt Mistelbach.27

Quellen (und Anmerkungen):
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27f
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart

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Differtenweg

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 1. Juli 1997 benannt nach der im Saarland gelegenen, ehemals selbstständigen, deutschen Gemeinde Differten, die 1974 als Ortsteil der Gemeinde Wadgassen angegliedert wurde. Im Jahr 1971 begannen die freundschaftlichen Kontakte zwischen den Freiwilligen Feuerwehren Mistelbach und Differten, als die Mistelbacher Florianijünger anlässlich der Teilnahme an einem Feuerwehrwettkampf in Saarlouis, im nahegelegenen Differten untergebracht waren. Seit damals gab es immer wieder freundschaftliche Begegnungen im Rahmen verschiedener (internationaler) Wettkämpfe und die FF Differten nahm auch an dem 1974 in Mistelbach abgehaltenen niederösterreichischen Landesfeuerwehrleistungsbewerb teil. Am 27. Mai 1978 wurde die Partnerschaft der beiden Wehren im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Differten durch ein Freundschaftsabkommen offiziell begründet. Die Namensgebung erfolgte gleichzeitig mit der Benennung der umliegenden Gassen Welsbergweg, Bienenbüttelgasse und Hegerstraße, die allesamt einen Feuerwehrbezug aufweisen.

Wo liegt Differten?

Wo befindet sich der Differtenweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 237
-) Chronik der Feuerwehr Differten von anno 1894 bis zum Jahre 2000

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Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal von Franz Riedling

Pfarrer Franz Riedling (*1856, †1920)1, der von 1885 bis 1898 die Pfarre Eibesthal betreute und als einer der Initiatoren der Eibesthaler Passionsspiele gilt, veröffentlichte 1909 im Rahmen einer im Wiener Diözesanblatt erschienenen Beitragsreihe Regesten2 zur Geschichte der Pfarre Eibesthal. Ergänzt sind die Regesten um Notizen und ausführliche Erläuterungen, sodass dieses Werk wohl als erste umfassende Aufarbeitung der Geschichte Eibesthals gelten kann. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Riedling anlässlich seines Abschieds von Eibesthal zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.3 Anschließend war er Pfarrer in Prinzendorf und Dechant des Dekanats Wilfersdorf und später bis zu seinem Tod Pfarrer in Schwechat. Er verfasste auch zahlreiche weitere Abhandlungen über die Geschichte verschiedener Pfarren der Erzdiözese Wien, die ebenfalls im Wiener Diözesanblatt veröffentlicht wurden.

Seine auf mehrere Ausgaben des Diözesanblattes verteilte Beitragsserie zur Geschichte der Pfarre Eibesthal wurde zur Veröffentlichung im Rahmen dieses Blog zu einem pdf-Dokument zugesammengefasst, das auch mittels Volltextsuche durchsucht werden kann.

Hier der Link zu Riedlings Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal
(Download: rechter Mausklick auf den Link und „Ziel speichern unter …“ auswählen oder nach dem Öffnen des Links rechts oben auf das Downloadsymbol klicken)

Quellen:
Die Quellenangaben zu den Beiträgen im Wiener Diözesanblatt finden sich zusammengefasst am Ende des pdf-Dokuments.

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„Die Dummheit und Rohheit auf dem Land“ oder „die Ober-Trotteln von Mistelbach“

Die Zeitung „Hans Jörgel“ – besser bekannt als „Jörgel Briefe“, war eine humoristisch-satirische Wochenzeitschrift, die unter leicht variierendem Titel zwischen 1832 und 1913 in Wien erschien. Die Artikel und Berichte waren im Dialekt abgefasst, und folgende Geschichte über Mistelbach aus dem Jahr 1870 soll hier im Originaltext wiedergegeben wird:

„Wie groß die Dummheit und Roheit auf dem Land is, geht aus folgendem Vorfall hervor. Vor ungefähr 14 Tagen war in Mistelbach Jahrmarkt. Zufällig hat eine Wienerin an diesem Tag in Mistelbach zu thun gehabt, und diese war gekleidet, wie in Wien Tausende gekleidet sein, sie trug nämlich ein schwarzes Seidenkleid, eine grüne Tunik und eine türkische Jacke nebst einem Federhut. Die Trotteln von Mistelbach, die aber nie was andres gesehen haben müssen, als die Gugeln (Anm.: Kopftücher) der Bauernmenscher, sein über diesen Anzug so in Aufregung kommen, daß sie schaarenweis unter Geschrei und Gelächter hinter ihr nachgelossen sein, sogar die Wirthin, wo sie eingekehrt is, sammt ihren Kucheltrampeln. Die arme Frau hat sich in ein Gewölb und endlich in ein Kaffeehaus flüchten müssen, wo sich doch ein paar Gescheidte gefunden haben, um die verfolgte Wienerin gegen die Dummheit dieser Mistelbacher Trotteln in Schutz zu nehmen, die ich nach diesem Vorgang zu Ober-Trotteln von ganz Nieder-Österreich ernenn‘;
‘s is höchste Zeit, daß die Eisenbahn in diese Gegend kommt, damit sie diesen Erdäpfel-Hottentotten ein paar Waggons voll Hirn zuführt.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, im März 1870, war der Eisenbahnbau Wien-Mistelbach-Brünn bereits weit fortgeschritten und die neue Bahnstrecke konnte noch im selben Jahr eröffnet werden. Allerdings gelang es nicht herauszufinden, ob und wenn ja wieviele Waggonladungen Hirn seither in Mistelbach angekommen sind…

Quellen:
Hans Jörgel, 26. März 1870, S. 10 (ONB: ANNO)

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laufende Aktualisierungen

Den größten Aufwand bereitet die laufende Aktualisierung alter Beiträge, die kontinuierlich neben der Veröffentlichung neuer Beiträge stattfindet. Fehler werden ausgebessert, neue Erkenntnisse eingebettet oder Beiträge durch Bilder ergänzt.
Beispielsweise ist es gelungen den Beitrag zu Dr. Gustav Steinbauer nun mit Bildern zu seiner Tätigkeit bei den Nürnberger Prozessen etwas anschaulicher zu gestalten. Auch konnte der Beitrag zu den historischen Mistelbacher Lokalzeitungen um Bilder von Ferdinand Berger und Josef Vorwahlner bereichert werden und bspw. die Tatsache ergänzt werden, dass sich Fibichs bzw. später Krapfenbauers Buchdruckerei für ein paar Jahre in der Bahnstraße befand. Kurz nach der Veröffentlichung des Beitrags über die Mistelbacher Fotografen vor 1945 tauchte mit Josef Eibl ein weiterer, sehr umtriebiger Mistelbacher Fotograf auf, der dem Beitrag hinzugefügt wurde. Dem Beitrag zu Dr. Ernst Oser wurde eine Traueranzeige beigefügt.

Hierbei handelt es sich lediglich um eine exemplarische Aufzählung der jüngsten Änderungen, die die Arbeit im Hintergrund aufzeigen soll. Das Datum der Veröffentlichung bleibt auch bei nachträglichen Änderungen stets unverändert, obwohl tatsächlich kein Beitrag mehr in seinem Originalzustand online ist.

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Hochwasser in Lanzendorf 1994

Lanzendorf wurde kürzlich innerhalb weniger Wochen zweimal von heftigen, lokal begrenzten Starkregenfällen heimgesucht, die das Kanalsystem überforderten und zur Folge hatten, dass auch Schlamm- und Wassermassen von den Feldern ins Ortsgebiet eindrangen. Doch das schlimmste Hochwasser der letzten Jahrzehnte, wahrscheinlich sogar des gesamten 20. Jahrhunderts, brachte das Jahr 1994 und auch damals kam es binnen weniger Wochen zweimal zu extremen Überschwemmungen. Das erste Hochwasser ereignete sich am 26. Mai 1994 als in der Folge heftiger Gewitter, die in ganz Ostösterreich wüteten, viele Häuser in der Ziegelofengasse und Teilen der Lanzendorfer Hauptstraße durch Schlamm von den Feldern vermurt wurden und auch die Keller und Gärten der Siedlung am Wiesengrund wurden überschwemmt. Wenige Wochen später am 19. Juli 1994 kam es dann aufgrund mehrere Tage währender heftiger Regenfälle dazu, dass weder Kanalisation, noch Böden, weiteres Wasser aufnehmen konnten und sogar das ansonsten kleine Rinnsal Lanza trat über seine Ufer. Auch bei der Zaya fehlten damals nur wenige Zentimeter ehe sie sich über ihr Bachbett hinaus ausgebreitet hätte. Die Lanzendorfer Hauptstraße, Schricker Straße, Weinhebergasse und Ziegelofengasse standen unter Wasser (und Schlamm) und damals wie heute war die Freiwillige Feuerwehr unermüdlich im Einsatz, um die Wassermassen einzudämmen und bei den Aufräumarbeiten die Unmengen an Schlamm zu beseitigen. Um künftig ein Überlaufen der Bäche zu verhindern, wurden von Gemeinde und Land entlang der Zaya Retentionsbecken geschaffen und das Bachbett mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt.

Untenstehend ein paar Aufnahmen, die das Hochwasser vom 19. Juli 1994 dokumentieren.

Quellen:
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute (1996), Teil II, S. 29
Fotos: © Marianne Kruspel, 1994

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Alfred Schöller-Platz (Lanzendorf)

Benannt im Jahr 2000 nach dem langjährigen Lanzendorfer Bürgermeister, Stadtrat der Gemeinde Mistelbach, und Direktor der Mistelbacher Genossenschaftsmolkerei Alfred Schöller. Der zuvor namenlose, kleine Platz entlang der Lanzendorfer Hauptstraße, zwischen der Einmündung der Straßen „Lettenberg“ und „Am Sonnenberg“, befindet sich gegenüber dem ehemaligen Wohnsitz von Alfred Schöller (Lanzendorfer Hauptstraße 78). Die Namensgebung wurde bewusst so durchgeführt, dass sich keine Adressänderung für die Anrainer ergab.

Gedenkstein am Alfred Schöller-Platz

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

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Ehrenbürger der Stadt Mistelbach

Nachfolgend eine chronologische Auflistung jener Personen, denen das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Als Jahr wird immer jenes der tatsächlichen Verleihung angegeben, dass vom Jahr der Beschlussfassung durch den Gemeinderat, bspw. im Falle einer Verleihung im Rahmen des Neujahrsempfangs, abweichen kann. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1871 Dr. Innocenz Schluet Edler von Schluetenberg (*1832, †1882) – Bezirksarzt1
1873 Alois Freiherr Czedik von Bründlsberg und Eysenberg (*1830, †1924) – Landtags- und Reichsratsabgeordneter2
1875 Sigmund Freiherr Conrad von Eybesfeld (*1821, †1898) – Statthalter von Niederösterreich3
1885 Ing. Hugo Riedel (*1842, †1930) – Landesingenieur und später nö. Landesbaudirektor4
1893 Dr. Ernst Oser (*1845, †1902) – Statthaltereirat und früherer Bezirkshauptmann5
 
Karl Fitzka (*1833, †1915) – Steueramtsvorsteher und später Gründer des Heimatmuseums6
1897 Wenzel Matuschek (*1825, †1908) – Bezirksgerichtsvorsteher7
1901 Franz Richter (*1849, †1922) – Landtags- und Reichsratsabgeordneter8
 
Erich Graf von Kielmansegg (*1847, †1923) – Statthalter von Niederösterreich und zuvor interimistischer Ministerpräsident9
1904 Josef Strasser (*1830, †1909) – Lederfabrikant i.R. und Bürgermeister (1867-1888)10
1908 Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg (*1858, †1942) – Bezirkshauptmann11
 
August Lubovienski (*1832, †1912) – Apotheker i.R., Gründer und erster Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach12
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann13
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten14
1917 Dr. Friedrich Bruno Graf zu Castell-Rüdenhausen (*1877, †1923) – Vorstand des Präsidalbureaus der niederösterreichischen Statthalterei und später Landesamtsdirektor15
 
Manfred Graf Collalto (*1870, †1940) – Gutsherr in Staatz und Vorstand der Verwaltung der k.k. Flüchtlingsstation Mistelbach und der Flüchtlingsniederlassung Asparn a.d. Zaya16
1919 Josef Dunkl jun. (*1866, †1938) – Baumeister und Bürgermeister (1911-1938)17
1927 Thomas Freund (*1850, †1937) – Kaufmann i.R., Landtagsabgeordneter a.D. und Bürgermeister (1888-1911) 18
1929 Alexander Zickl (*1862, †1943) – Gemeindesekretär i.R., Leiter des Heimatmuseums und Gemeinderat bzw. später Stadtrat19
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes20**
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer21**
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister22**
1937 Josef Kraus (*1890, †1971) – Mitglied des Staatsrates und des Bundestages und später Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft23**
 
Georg Seidl (*1896, †1968) – Bundeswirtschaftsrat und davor bzw. später Nationalratsabgeordneter24**
1950 Dr. Karl Renner (*1870, †1950) – Bundespräsident und erster Staatskanzler
25
1954 Theodor Körner (*1873, †1957) – Bundespräsident26
 
Johann Steinböck (*1894, †1962) – Landeshauptmann27
 
Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde28
1957 Dr. Adolf Aschinger (*1901, †1961) – Präsident der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und das Burgenland29
1958 Josef Hilgarth (*1898, †1975) – Landtagsabgeordneter und später Landesrat30
1960 Univ.-Prof. Dr. Otto Bsteh (*1896, †1968) – Primararzt und Leiter des Krankenhauses31
1963 Dr. Max Neugebauer (*1900, †1971) – Nationalratsabgeordneter und amtsführender Präsident des Wiener Stadtschulrates32
 
Ernst Schoiber (*1908, †1990) – amtsführender Präsident des niederösterreichischen Landesschulrates33
1964 Dr. Adolf Schärf (*1890, †1965) – Bundespräsident34
 
Dipl.-Ing. Leopold Figl (*1902, †1965)) – Landeshauptmann und Bundeskanzler a. D.35
1967 Emil Kuntner (*1902, †1999) – Landesrat36
1972 Prof. Hans Spreitzer (*1915, †1979) – Ministerialrat im Bildungsministerium, Stadtrat a.D. und Heimatforscher37
1975 Franz Bayer (*1909, †1992) – Krankenhausverwalter und Bürgermeister (1950-1975)38
1989 Mag. Siegfried Ludwig (*1926, †2013) – Landeshauptmann[39]
1999 Mag. Edmund Freibauer (*1937) – Präsident des nö. Landtags und Bürgermeister (1975-1989)39
 
Johann Leithner (*1928, †2006) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.40
2006 Dr. Erwin Pröll (*1946) – Landeshauptmann41
2015 P. Hermann Jedinger, SDS (*1949) – Stadtpfarrer42

Entgegen vereinzelter Berichte in Tageszeitungen43 wurde Weihbishof Dr. Godfried Marschall 1910 nicht zum Ehrenbürger aller Gemeinde des Verwaltungsbezirks Mistelbach ernannt, sondern es wurde ihm lediglich eine schön gefertigte Dankadresse von einer Bürgermeisterdelegation feierlich überreicht.44

**Im Juni 1938 beschloss der als Gemeindeverwalter eingesetzte NS-Bürgermeister Adolf Schödl, die Aberkennung der Ehrenbürgerrechte von Dollfuß, Starhemberg und Reither (verliehen 1934), sowie von Seidl und Kraus (verliehen 1937).45 In der Gemeinderatssitzung vom 4. Juni 1954 beschloss der Gemeinderat einstimmig: „…, dass Ehrenbürgerernennungen, die vor dem 13.3.1938 vom Gemeinderat der Stadt Mistelbach ausgesprochen wurden und während des deutschen Regimes aberkannt wurden, wieder in Rechtskraft gesetzt werden.“46

Quellen (und Anmerkungen):
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 218ff
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. II – Nachtrags- und Ergänzungsband (1912), S. 219f
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27 (fälschlicherweise wird der Vorname von Graf Kielmansegg mit Erwin angegeben; die Verleihungen an Dokaupil und Wolf im Jahr 1916 fehlen; weiters sind bei Seidl und Kraus falsche Jahre der Verleihung angeführt)
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart
-) Spreitzer, Prof. Hans: „Die Mistelbacher Ehrenbürger“ In: Volks-Post Nr. 39/1961, S. 7 (bei dieser Auflistung fehlen Dokaupil, Wolf, Castell-Rüdenhausen, Collalto, Zickl, Dollfuß, Reither und Starhemberg)
-) Stadtgemeinde Mistelbach (Hrsg.): 100 Jahre Mistelbach (Auch hier findet sich im Beitrag „Mistelbach-Chronik“ 1964-1974 verfasst von Franz Bayer, Rudolf Anker und Johanna Trischack, das falsche Verleihungsdatum bzgl. der Ehrenbürgerschaften für Kraus und Seidl)

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