Differtenweg

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 1. Juli 1997 benannt nach der im Saarland gelegenen, ehemals selbstständigen, deutschen Gemeinde Differten, die 1974 als Ortsteil der Gemeinde Wadgassen angegliedert wurde. Im Jahr 1971 begannen die freundschaftlichen Kontakte zwischen den Freiwilligen Feuerwehren Mistelbach und Differten, als die Mistelbacher Florianijünger anlässlich der Teilnahme an einem Feuerwehrwettkampf in Saarlouis, im nahegelegenen Differten untergebracht waren. Seit damals gab es immer wieder freundschaftliche Begegnungen im Rahmen verschiedener (internationaler) Wettkämpfe und die FF Differten nahm auch an dem 1974 in Mistelbach abgehaltenen niederösterreichischen Landesfeuerwehrleistungsbewerb teil. Am 27. Mai 1978 wurde die Partnerschaft der beiden Wehren im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Differten durch ein Freundschaftsabkommen offiziell begründet. Die Namensgebung erfolgte gleichzeitig mit der Benennung der umliegenden Gassen Welsbergweg, Bienenbüttelgasse und Hegerstraße, die allesamt einen Feuerwehrbezug aufweisen.

Wo liegt Differten?

Wo befindet sich der Differtenweg?

Quellen:
-) Leithner, Johann: „Über unsere Straßennamen und deren Bedeutung“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 237
-) Chronik der Feuerwehr Differten von anno 1894 bis zum Jahre 2000

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Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal von Franz Riedling

Pfarrer Franz Riedling (*1856, †1920)1, der von 1885 bis 1898 die Pfarre Eibesthal betreute und als einer der Initiatoren der Eibesthaler Passionsspiele gilt, veröffentlichte 1909 im Rahmen einer im Wiener Diözesanblatt erschienenen Beitragsreihe Regesten2 zur Geschichte der Pfarre Eibesthal. Ergänzt sind die Regesten um Notizen und ausführliche Erläuterungen, sodass dieses Werk wohl als erste umfassende Aufarbeitung der Geschichte Eibesthals gelten kann. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Riedling anlässlich seines Abschieds von Eibesthal zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.3 Anschließend war er Pfarrer in Prinzendorf und Dechant des Dekanats Wilfersdorf und später bis zu seinem Tod Pfarrer in Schwechat. Er verfasste auch zahlreiche weitere Abhandlungen über die Geschichte verschiedener Pfarren der Erzdiözese Wien, die ebenfalls im Wiener Diözesanblatt veröffentlicht wurden.

Seine auf mehrere Ausgaben des Diözesanblattes verteilte Beitragsserie zur Geschichte der Pfarre Eibesthal wurde zur Veröffentlichung im Rahmen dieses Blog zu einem pdf-Dokument zugesammengefasst, das auch mittels Volltextsuche durchsucht werden kann.

Hier der Link zu Riedlings Regesten zur Geschichte der Pfarre Eibesthal
(Download: rechter Mausklick auf den Link und „Ziel speichern unter …“ auswählen oder nach dem Öffnen des Links rechts oben auf das Downloadsymbol klicken)

Quellen:
Die Quellenangaben zu den Beiträgen im Wiener Diözesanblatt finden sich zusammengefasst am Ende des pdf-Dokuments.

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„Die Dummheit und Rohheit auf dem Land“ oder „die Ober-Trotteln von Mistelbach“

Die Zeitung „Hans Jörgel“ – besser bekannt als „Jörgel Briefe“, war eine humoristisch-satirische Wochenzeitschrift, die unter leicht variierendem Titel zwischen 1832 und 1913 in Wien erschien. Die Artikel und Berichte waren im Dialekt abgefasst, und folgende Geschichte über Mistelbach aus dem Jahr 1870 soll hier im Originaltext wiedergegeben wird:

„Wie groß die Dummheit und Roheit auf dem Land is, geht aus folgendem Vorfall hervor. Vor ungefähr 14 Tagen war in Mistelbach Jahrmarkt. Zufällig hat eine Wienerin an diesem Tag in Mistelbach zu thun gehabt, und diese war gekleidet, wie in Wien Tausende gekleidet sein, sie trug nämlich ein schwarzes Seidenkleid, eine grüne Tunik und eine türkische Jacke nebst einem Federhut. Die Trotteln von Mistelbach, die aber nie was andres gesehen haben müssen, als die Gugeln (Anm.: Kopftücher) der Bauernmenscher, sein über diesen Anzug so in Aufregung kommen, daß sie schaarenweis unter Geschrei und Gelächter hinter ihr nachgelossen sein, sogar die Wirthin, wo sie eingekehrt is, sammt ihren Kucheltrampeln. Die arme Frau hat sich in ein Gewölb und endlich in ein Kaffeehaus flüchten müssen, wo sich doch ein paar Gescheidte gefunden haben, um die verfolgte Wienerin gegen die Dummheit dieser Mistelbacher Trotteln in Schutz zu nehmen, die ich nach diesem Vorgang zu Ober-Trotteln von ganz Nieder-Österreich ernenn‘;
‘s is höchste Zeit, daß die Eisenbahn in diese Gegend kommt, damit sie diesen Erdäpfel-Hottentotten ein paar Waggons voll Hirn zuführt.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, im März 1870, war der Eisenbahnbau Wien-Mistelbach-Brünn bereits weit fortgeschritten und die neue Bahnstrecke konnte noch im selben Jahr eröffnet werden. Allerdings gelang es nicht herauszufinden, ob und wenn ja wieviele Waggonladungen Hirn seither in Mistelbach angekommen sind…

Quellen:
Hans Jörgel, 26. März 1870, S. 10 (ONB: ANNO)

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laufende Aktualisierungen

Den größten Aufwand bereitet die laufende Aktualisierung alter Beiträge, die kontinuierlich neben der Veröffentlichung neuer Beiträge stattfindet. Fehler werden ausgebessert, neue Erkenntnisse eingebettet oder Beiträge durch Bilder ergänzt.
Beispielsweise ist es gelungen den Beitrag zu Dr. Gustav Steinbauer nun mit Bildern zu seiner Tätigkeit bei den Nürnberger Prozessen etwas anschaulicher zu gestalten. Auch konnte der Beitrag zu den historischen Mistelbacher Lokalzeitungen um Bilder von Ferdinand Berger und Josef Vorwahlner bereichert werden und bspw. die Tatsache ergänzt werden, dass sich Fibichs bzw. später Krapfenbauers Buchdruckerei für ein paar Jahre in der Bahnstraße befand. Kurz nach der Veröffentlichung des Beitrags über die Mistelbacher Fotografen vor 1945 tauchte mit Josef Eibl ein weiterer, sehr umtriebiger Mistelbacher Fotograf auf, der dem Beitrag hinzugefügt wurde. Dem Beitrag zu Dr. Ernst Oser wurde eine Traueranzeige beigefügt.

Hierbei handelt es sich lediglich um eine exemplarische Aufzählung der jüngsten Änderungen, die die Arbeit im Hintergrund aufzeigen soll. Das Datum der Veröffentlichung bleibt auch bei nachträglichen Änderungen stets unverändert, obwohl tatsächlich kein Beitrag mehr in seinem Originalzustand online ist.

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Hochwasser in Lanzendorf 1994

Lanzendorf wurde kürzlich innerhalb weniger Wochen zweimal von heftigen, lokal begrenzten Starkregenfällen heimgesucht, die das Kanalsystem überforderten und zur Folge hatten, dass auch Schlamm- und Wassermassen von den Feldern ins Ortsgebiet eindrangen. Doch das schlimmste Hochwasser der letzten Jahrzehnte, wahrscheinlich sogar des gesamten 20. Jahrhunderts, brachte das Jahr 1994 und auch damals kam es binnen weniger Wochen zweimal zu extremen Überschwemmungen. Das erste Hochwasser ereignete sich am 26. Mai 1994 als in der Folge heftiger Gewitter, die in ganz Ostösterreich wüteten, viele Häuser in der Ziegelofengasse und Teilen der Lanzendorfer Hauptstraße durch Schlamm von den Feldern vermurt wurden und auch die Keller und Gärten der Siedlung am Wiesengrund wurden überschwemmt. Wenige Wochen später am 19. Juli 1994 kam es dann aufgrund mehrere Tage währender heftiger Regenfälle dazu, dass weder Kanalisation, noch Böden, weiteres Wasser aufnehmen konnten und sogar das ansonsten kleine Rinnsal Lanza trat über seine Ufer. Auch bei der Zaya fehlten damals nur wenige Zentimeter ehe sie sich über ihr Bachbett hinaus ausgebreitet hätte. Die Lanzendorfer Hauptstraße, Schricker Straße, Weinhebergasse und Ziegelofengasse standen unter Wasser (und Schlamm) und damals wie heute war die Freiwillige Feuerwehr unermüdlich im Einsatz, um die Wassermassen einzudämmen und bei den Aufräumarbeiten die Unmengen an Schlamm zu beseitigen. Um künftig ein Überlaufen der Bäche zu verhindern, wurden von Gemeinde und Land entlang der Zaya Retentionsbecken geschaffen und das Bachbett mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt.

Untenstehend ein paar Aufnahmen, die das Hochwasser vom 19. Juli 1994 dokumentieren.

Quellen:
-) Schöller, Alfred & Jolanda/ Schön, Johann: Lanzendorf – einst und heute (1996), Teil II, S. 29
Fotos: © Marianne Kruspel, 1994

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Alfred Schöller-Platz (Lanzendorf)

Benannt im Jahr 2000 nach dem langjährigen Lanzendorfer Bürgermeister, Stadtrat der Gemeinde Mistelbach, und Direktor der Mistelbacher Genossenschaftsmolkerei Alfred Schöller. Der zuvor namenlose, kleine Platz entlang der Lanzendorfer Hauptstraße, zwischen der Einmündung der Straßen „Lettenberg“ und „Am Sonnenberg“, befindet sich gegenüber dem ehemaligen Wohnsitz von Alfred Schöller (Lanzendorfer Hauptstraße 78). Die Namensgebung wurde bewusst so durchgeführt, dass sich keine Adressänderung für die Anrainer ergab.

Gedenkstein am Alfred Schöller-Platz

Wo befindet sich der Alfred Schöller-Platz?

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Ehrenbürger der Stadt Mistelbach

Nachfolgend eine chronologische Auflistung jener Personen, denen das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Als Jahr wird immer jenes der tatsächlichen Verleihung angegeben, dass vom Jahr der Beschlussfassung durch den Gemeinderat, bspw. im Falle einer Verleihung im Rahmen des Neujahrsempfangs, abweichen kann. Die angeführte Berufsbezeichnung bzw. Funktion bezieht sich immer auf den Zeitpunkt der Verleihung, gegebenenfalls werden auch spätere Karrierestationen angeführt.

1871 Dr. Innocenz Schluet Edler von Schluetenberg (*1832, †1882) – Bezirksarzt1
1873 Alois Freiherr Czedik von Bründlsberg und Eysenberg (*1830, †1924) – Landtags- und Reichsratsabgeordneter2
1875 Sigmund Freiherr Conrad von Eybesfeld (*1821, †1898) – Statthalter von Niederösterreich3
1885 Ing. Hugo Riedel (*1842, †1930) – Landesingenieur und später nö. Landesbaudirektor4
1893 Dr. Ernst Oser (*1845, †1902) – Statthaltereirat und früherer Bezirkshauptmann5
 
Karl Fitzka (*1833, †1915) – Steueramtsvorsteher und später Gründer des Heimatmuseums6
1897 Wenzel Matuschek (*1825, †1908) – Bezirksgerichtsvorsteher7
1901 Franz Richter (*1849, †1922) – Landtags- und Reichsratsabgeordneter8
 
Erich Graf von Kielmansegg (*1847, †1923) – Statthalter von Niederösterreich und zuvor interimistischer Ministerpräsident9
1904 Josef Strasser (*1830, †1909) – Lederfabrikant i.R. und Bürgermeister (1867-1888)10
1908 Dr. Alfons Freiherr Klezl von Norberg (*1858, †1942) – Bezirkshauptmann11
 
August Lubovienski (*1832, †1912) – Apotheker i.R., Gründer und erster Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Mistelbach12
1916 Franz Dokaupil (*1870, †1939) – Bezirkshauptmann13
 
Alois Wolf (*1873, †1946) – Bezirksoberkommissär und später Bezirkshauptmann in St. Pölten14
1917 Dr. Friedrich Bruno Graf zu Castell-Rüdenhausen (*1877, †1923) – Vorstand des Präsidalbureaus der niederösterreichischen Statthalterei und später Landesamtsdirektor15
 
Manfred Graf Collalto (*1870, †1940) – Gutsherr in Staatz und Vorstand der Verwaltung der k.k. Flüchtlingsstation Mistelbach und der Flüchtlingsniederlassung Asparn a.d. Zaya16
1919 Josef Dunkl jun. (*1866, †1938) – Baumeister und Bürgermeister (1911-1938)17
1927 Thomas Freund (*1850, †1937) – Kaufmann i.R., Landtagsabgeordneter a.D. und Bürgermeister (1888-1911) 18
1929 Alexander Zickl (*1862, †1943) – Gemeindesekretär i.R., Leiter des Heimatmuseums und Gemeinderat bzw. später Stadtrat19
1934 Dr. Engelbert Dollfuß (*1892, †1934) – Bundeskanzler und Führer des autoritären Ständestaat-Regimes20**
 
Ernst Rüdiger Starhemberg (*1899, †1956) – Vizekanzler und Heimwehrführer21**
 
Josef Reither (*1880, †1950) – Landeshauptmann und Bundesminister22**
1937 Josef Kraus (*1890, †1971) – Mitglied des Staatsrates und des Bundestages und später Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft23**
 
Georg Seidl (*1896, †1968) – Bundeswirtschaftsrat und davor bzw. später Nationalratsabgeordneter24**
1950 Dr. Karl Renner (*1870, †1950) – Bundespräsident und erster Staatskanzler
25
1954 Theodor Körner (*1873, †1957) – Bundespräsident26
 
Johann Steinböck (*1894, †1962) – Landeshauptmann27
 
Dr. Karl Mattes (*1905, †1969) – Bezirkshauptmann und später Leiter der Agrarbezirksbehörde28
1957 Dr. Adolf Aschinger (*1901, †1961) – Präsident der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und das Burgenland29
1958 Josef Hilgarth (*1898, †1975) – Landtagsabgeordneter und später Landesrat30
1960 Univ.-Prof. Dr. Otto Bsteh (*1896, †1968) – Primararzt und Leiter des Krankenhauses31
1963 Dr. Max Neugebauer (*1900, †1971) – Nationalratsabgeordneter und amtsführender Präsident des Wiener Stadtschulrates32
 
Ernst Schoiber (*1908, †1990) – amtsführender Präsident des niederösterreichischen Landesschulrates33
1964 Dr. Adolf Schärf (*1890, †1965) – Bundespräsident34
 
Dipl.-Ing. Leopold Figl (*1902, †1965)) – Landeshauptmann und Bundeskanzler a. D.35
1967 Emil Kuntner (*1902, †1999) – Landesrat36
1972 Prof. Hans Spreitzer (*1915, †1979) – Ministerialrat im Bildungsministerium, Stadtrat a.D. und Heimatforscher37
1975 Franz Bayer (*1909, †1992) – Krankenhausverwalter und Bürgermeister (1950-1975)38
1989 Mag. Siegfried Ludwig (*1926, †2013) – Landeshauptmann[39]
1999 Mag. Edmund Freibauer (*1937) – Präsident des nö. Landtags und Bürgermeister (1975-1989)39
 
Johann Leithner (*1928, †2006) – pens. Postbediensteter und Vizebürgermeister a.D.40
2006 Dr. Erwin Pröll (*1946) – Landeshauptmann41
2015 P. Hermann Jedinger, SDS (*1949) – Stadtpfarrer42

Entgegen vereinzelter Berichte in Tageszeitungen43 wurde Weihbishof Dr. Godfried Marschall 1910 nicht zum Ehrenbürger aller Gemeinde des Verwaltungsbezirks Mistelbach ernannt, sondern es wurde ihm lediglich eine schön gefertigte Dankadresse von einer Bürgermeisterdelegation feierlich überreicht.44

**Im Juni 1938 beschloss der als Gemeindeverwalter eingesetzte NS-Bürgermeister Adolf Schödl, die Aberkennung der Ehrenbürgerrechte von Dollfuß, Starhemberg und Reither (verliehen 1934), sowie von Seidl und Kraus (verliehen 1937).45 In der Gemeinderatssitzung vom 4. Juni 1954 beschloss der Gemeinderat einstimmig: „…, dass Ehrenbürgerernennungen, die vor dem 13.3.1938 vom Gemeinderat der Stadt Mistelbach ausgesprochen wurden und während des deutschen Regimes aberkannt wurden, wieder in Rechtskraft gesetzt werden.“46

Quellen (und Anmerkungen):
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901), S. 218ff
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. II – Nachtrags- und Ergänzungsband (1912), S. 219f
-) Grimus, Dr. Norbert: „125 Jahre Stadt Mistelbach“ In: Exl, Mag. Engelbert: 125 Jahre Stadt Mistelbach – Ein Lesebuch (1999), S. 27 (fälschlicherweise wird der Vorname von Graf Kielmansegg mit Erwin angegeben; die Verleihungen an Dokaupil und Wolf im Jahr 1916 fehlen; weiters sind bei Seidl und Kraus falsche Jahre der Verleihung angeführt)
-) Göstl, Georg/ Leithner, Johann/ Weidlich, Alfred/ Steiner, Oskar/ Kummer, Johann: Mistelbacher Chronik von 1914 bis 1988, Band IV (1989) der Reihe Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart
-) Spreitzer, Prof. Hans: „Die Mistelbacher Ehrenbürger“ In: Volks-Post Nr. 39/1961, S. 7 (bei dieser Auflistung fehlen Dokaupil, Wolf, Castell-Rüdenhausen, Collalto, Zickl, Dollfuß, Reither und Starhemberg)
-) Stadtgemeinde Mistelbach (Hrsg.): 100 Jahre Mistelbach (Auch hier findet sich im Beitrag „Mistelbach-Chronik“ 1964-1974 verfasst von Franz Bayer, Rudolf Anker und Johanna Trischack, das falsche Verleihungsdatum bzgl. der Ehrenbürgerschaften für Kraus und Seidl)

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Mistelbacher Fotografen vor 1945

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Frühformen der Fotografie erfunden, und durch stete Weiterentwicklung trat diese Technik ab den 1850er bzw. 1860er Jahren, zunächst in der Form der Portraitfotografie, ihren bis heute währenden Siegeszug an. Die ältesten überlieferten fotografischen Aufnahmen zur Geschichte der Stadt Mistelbach stammen aus den 1870er Jahren, jedoch sind die Urheber dieser frühesten Bilddokumente leider nicht bekannt. Der vorliegende Beitrag versucht den Menschen hinter der Linse nachzuspüren, denen wir die historischen Aufnahmen Mistelbachs und seiner Bewohner verdanken.

Die Problematik bei alten Fotos liegt oftmals darin, dass die abgebildeten Personen nicht mehr bekannt sind und nicht selten auch Angaben zu Anlass und Zeitpunkt der Aufnahme fehlen. Auf alten Hartkartonfotos, insbesondere bei Portraitfotos im Format „Carte de Visite“ (CdV), ist aber meist der für die Aufnahme verantwortliche Fotograf vermerkt und daher ist es auch Intention dieses Beitrags mittels der folgenden (vermutlich unvollständigen) Auflistung der in Mistelbach bis zum Jahr 1945 tätigen Fotografen, Hilfestellung zur zeitlichen Einordnung zu bieten.

Erste Fotografen

Der früheste auffindbare Hinweis und die gleichzeitig einzige Erwähnung eines Fotografen namens E. Pohlmann aus Mistelbach findet sich in einer Ausgabe der Tageszeitung „Fremdenblatt“ aus dem Jahr 1868.1 Zu jener Zeit war es in (Wiener) Tageszeitungen üblich, dass in sogenannten „Fremdenlisten“, die in Hotels bzw. Gasthöfen der Stadt abgestiegenen Gäste nach Unterkünften aufgelistet wurden und in eben solch einer Liste wird ein gewisser „E. Pohlmann, Photograph, Mistelbach“ erwähnt, der am 18. Jänner 1868 im Hotel zur Grünen Traube in Wien-Wieden einkehrte. Bereits 1864 wird im Fremdenblatt die selbe Person als Gast der Grünen Traube erwähnt, damals allerdings ohne Angabe des Herkunftsortes, sodass nicht eindeutig klar ist, ob er vielleicht schon damals in Mistelbach wirkte.2 Grundsätzlich kann der in diesen Listen angegebene Ort für den tatsächlichen Herkunftsort oder aber für jenen Ort stehen aus dem die Anreise erfolgte, also die letzte Reisestation vor der Ankunft in Wien. 1866 scheint in Wien auf der Neuen Wieden ein Fotograf namens Eduard Bollmann und Ende der 1870er Jahre im damals noch eigenständigen Ort Währing bei Wien ein Fotograf namens Eduard Pollmann auf.3 Ob es sich beim eingangs erwähnten „E. Pohlmann“ und „Eduard Bollmann bzw. Pollmann“ um dieselbe Person gehandelt haben könnte, bleibt offen.

In der Zeitschrift „Photograpische Correspondenz“, dem Zentralorgan der photographischen Gesellschaft Wien, wird in einer Mitgliederauflistung nach Orten bereits 1876 auch ein Mitglied in Mistelbach ausgewiesen. Dabei handelte sich um den Amateurfotografen August Jira, der als Steuerbeamter in Mistelbach seinen Dienst versah.4 Sofern zum damaligen Zeitpunkt ein Berufsfotograf in Mistelbach ansässig war, handelte es sich jedenfalls nicht um ein Mitglied dieser großen, sowohl aus Amateuren und Professionisten bestehenden Vereinigung. In einem Photographen Adressbuch aus dem Jahr 1879 findet sich zu Mistelbach, im Gegensatz bspw. zu Laa a.d. Thaya kein Eintrag.5

Wolfram (mind. 1881 – Ende 1890er)

Mindestens ab 1881 war Alfred Wolfram (*1853, †19176, Bild rechts) in Mistelbach als Fotograf tätig, denn in diesem Jahr findet sich folgende Anzeige in der Zeitschrift „Photographische Notizen“7: „Alfred Wolfram, Photograph, übernimmt Negativ- und Positiv-Retouche sowie das Ausfertigen der Bilder zu billigen Preisen. Mistelbach an der Staatsbahn“. 1885 erweiterte er seinen Betrieb um eine Niederlassung im mährischen Auspitz.8 Im Dezember 1889 übernahm laut einer Anzeige in der Zeitung „Bote aus Mistelbach“ Paula Wolfram das Fotografie-Geschäft ihres nicht namentlich genannten Vaters9. Dabei konnte es sich jedoch unmöglich um eine Tochter von Alfred Wolfram gehandelt haben, denn in diesem Fall müsste er bereits mit 18 Jahren Vater geworden sein, und seine Tochter hätte wiederum im Alter von 18 Jahren das Geschäft übernehmen müssen und dies obwohl man zur damaligen Zeit erst im Alter von 24 Jahren als volljährig galt. Ein Enkel von Alfred Wolfram bestätigte, dass er keine Tochter namens Paula hatte und erst einige Jahre später in Bulgarien heiratete, wo er nach seiner Tätigkeit in Mistelbach für einige Jahre lebte. Der Nachfahre gab auch den Hinweis, dass Alfred Wolfram zwar keine Tochter, wohl aber eine Schwester namens Paula hatte und auch einen ebenfalls als Fotografen tätigen Bruder namens Eduard.

Tatsächlich dürfte aber bereits Alfred Wolframs Vater, der in der Militärverwaltung tätige Rechnungsoffizial Eduard Wolfram sen., nebenbei in der Fotografie aktiv gewesen sein. Ab 1866 scheint das Fotoatelier Killmann & Wolfram auf, zunächst in Wien-Landstraße, später dann wohl bereits unter Beteiligung von Eduard jun. in Ottakring bzw. Hernals.10
Der genaue Sachverhalt der Geschäftsübernahme durch Paula Wolfram lässt sich nach knapp 130 Jahren nicht mehr feststellen, aber folgende Hypothese scheint möglich: Eduard Wolfram sen. der sich seit 1880 im Ruhestand befand, übernahm den Betrieb seines Sohnes Alfred, als dieser gegen Ende der 1880er Jahre nach Bulgarien ging, und anschließend ging das Geschäft mit den Niederlassungen in Mistelbach und Auspitz auf dessen Tochter, Alfred Wolframs Schwester, Paula über. Da es 1901 laut Fitzka nur zwei Fotografen in Mistelbach gab11 (Forstner und vermutlich Bieberle), dürfte Paula Wolfram die Mistelbacher Niederlassung gegen Ende der 1890er Jahre aufgegeben haben. Eine im Internet gefundene, handschriftlich auf 1897 datierte Aufnahme aus ihrem Atelier, auf der noch beide Niederlassungen vermerkt sind, ist bislang der letzte Beleg ihrer Tätigkeit in Mistelbach. Spuren von Paula Wolframs Tätigkeit in Auspitz finden sich noch durch die Veröffentlichung einer Fotografie in einer Zeitung im November 190012 und durch einen Eintrag in einem Photographen-Adressbuch aus dem Jahr 190113.

Alfred Wolfram kehrte mit seiner Familie wieder nach Österreich zurück und eröffnete um 1914 in Stammersdorf ein Fotoatelier, dass seine Gattin Johanna nach 1917 als Witwe weiterführte.14 Eine letzte Spur zu Paula Wolfram findet sich im Jahr 1919 als sie als erste Frau in den Stadtrat von Auspitz gewählt wurde, allerdings wird ihr Beruf zu diesem Zeitpunkt mit Verkäuferin angegeben.15

 

Eibl (mind. 1891-1894)

In einer im September 1891 erschienen Anzeige in der Zeitung „Bote aus Mistelbach“ informierte der gebürtige Mistelbacher Josef Eibl (*1857, †1933)[16] darüber, dass er sein seit 1879 bestehendes Maler- & Vergolder-Geschäft, sowie seine photographische Anstalt, von der Adresse Hauptplatz Nr. 15 (Konskriptionsnr. 17) an die Adresse Hauptplatz Nr. 8 (Konskriptionsnr. 10) verlegte.16

Später folgte eine Übersiedlung nach Wien, denn von 1893 bis 1896 scheint seine Gattin Theresia (auch Therese; geb. Misch; *1855, †1899), mit einer Wohnadresse in Gaudenzdorf (Meidling) und als Betreiberin eines Fotoateliers in der Ottakringer Thaliastraße in „Lehmann’s Wohnungs-Anzeiger und Gewerbe-Adreßbuch“ auf. 1896 findet sich dann auch ihr Gatte an der selben Wohnadresse wieder und etwa zeitgleich beendeten sie ihre fotografische Tätigkeit in Ottakring und übernahmen das Fotoatelier „Mariette“ in der heutigen Schönbrunner Straße in Margareten, das Josef Eibl zuvor bereits seit 1894 gemeinsam mit Heinrich Reichert betrieben hatte. Die Adresse des Ateliers lautete damals Hundsthurmerstraße 124 (diese wurde 1898 in Schönbrunner Straße umbenannt) und genau in diesem Atelier wirkte knapp 20 Jahre zuvor Josef Plaschil sen., der weiter unten Erwähnung findet. Bald nach der Übernahme verlegte Eibl das Atelier kurzzeitig an seine Wohnadresse, im nur unweit entfernten gelegenen Meidlinger Teil der Schönbrunner Straße. Als er das Atelier „Mariette“ wenig später in den fünften Bezirk, in das Haus Schönbrunner Straße 118, also nahe der ursprünglichen Adresse, zurückverlegte, betrieb er in den folgenden Jahren (etwa 1898 bis 1901) weiterhin auch an seiner Wohnadresse, Schönbrunner Str. 190, ein Fotoatelier. Zeitweilig betrieb er auch eine Niederlassung in Baden, wie die Rückseite eines kürzlich aufgetauchten Hartkartonfotos belegt. 1910 übersiedelte das Atelier abermals innerhalb der Schönbrunner Straße, nämlich an die Hausnummer 100, und nach dem Tod von Josef Eibl 1933, führte seine zweite Gattin Anna, den Betrieb noch zwei Jahre als Witwenfortbetrieb weiter.17

Da aus seiner Mistelbacher Zeit leider keine Fotografien überliefert sind, werden nachfolgend Fotokartons seiner Wiener Ateliers gezeigt:

 

Bieberle (1893-1913)

Franz Bieberle (*1862, †189718) stammte aus Johnsdorf in Mähren und war zumindest seit 189119 als Fotograf in Ernstbrunn tätig. 1893/94 übersiedelte er dann nach Mistelbach, wo er sich an der Adresse Barnabitengasse 4 niederließ und dort auch sein Fotoatelier einrichtete20. Nach dem frühen Tod von Franz Bieberle, der 1897 an Tuberkulose starb, führte dessen Witwe Marie den Betrieb weiter und übersiedelte im September 1899 mit dem Atelier nur wenige Häuser weiter in die Oserstraße Nr. 5.21 Erst 1913 scheint der Betrieb ein weiteres und letztes Mal auf, nämlich als die in Form eines Witwenfortbetriebs noch immer auf Franz Bieberle lautende Gewerbeberechtigung zurückgelegt wurde.22 In Fitzkas Geschichte der Stadt Mistelbach werden im Jahr 1901 zwei Fotografen angeführt, einer davon ist definitiv der weiter unten behandelte Leopold Forstner und vermutlich handelte es sich beim zweiten Unternehmen um jenes der Witwe Marie Bieberle. In einem bereits bei Wolfram erwähnten, nach Orten gegliederten Photographen-Adressbuch aus dem Jahr 1901 fehlt Mistelbach leider komplett.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zapletal (1899-?)

Zu dem 1861 in Pressburg geborenen Tapezierermeister und späteren Fotografen Adolf Zapletal findet sich erstmals 1888 eine Spur in Form einer Anzeige im Untermanhartsberger Kreis-Blatt, in der er darauf hinwies, dass er sein Tapezierer-Geschäft an die Adresse „Hauptplatz Nr. 33, Mistelbach“ verlegt habe.23 Bis 1898 basierten die Adressbezeichnung auf den sogenannten Konskriptionsnummern – ohne offizielle Straßen- bzw. Platzbezeichnung,  und Nr. 33 entspräche der Adresse Hafnerstraße 7. Da also eine Durchnummerierung des Hauptplatzes im heutigen Sinne, früher nicht existierte, ist trotz des expliziten Zusatzes „Hauptplatz“ anzunehmen, dass sich das Geschäft in der damals noch namenlosen Hafnerstraße befand. Wenig später scheint Zapletal mit seinem Betrieb dann an wechselnden Adressen an der Ostseite des Mistelbacher Hauptplatzes (heutige Nr. 19, 20 21) auf und im Jahr 1899 wurde ihm von der Bezirkshauptmannschaft die Berechtigung zur Ausübung des Photographengewerbes erteilt.24 Mit Ausnahme einer undatierten Aufnahme fand sich zu seinem photographischen Wirken bisher keinerlei weitere Überlieferung. Auch die Tatsache, dass bei der einzig bekannten Aufnahme kein Karton mit eigenem Firmensujet verwendet wurde, sondern einer jener im Amateurbereich populären „Souvenir“-Kartons, deutet wohl eher auf Kurzlebigkeit des Betrieb hin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Forstner (1900-1960er)

1900 kam der gebürtige Wiener Leopold Forstner sen. (*1869, †192625), nach Mistelbach und eröffnete im Haus Wiedenstraße Nr. 6 (heute: Wohnhaus) sein Atelier.26 Vor seiner Übersiedlung nach Mistelbach soll Forstner in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre ein Atelier am Wiener Währingergürtel geführt haben.27 Robert Forstner, der spätere burgenländische Landesinnungsmeister der Fotografen erlernte das Fotografenhandwerk bei seinem Bruder Leopold in Mistelbach. Bei der Mistelbacher Handwerkerausstellung im Jahr 1912 gewann Forstner eine Goldmedaille. Von ihm stammen die meisten historischen Fotos, die die Entwicklung unserer Stadt dokumentieren und er verlegte auch Ansichtskarten mit Motiven aus Mistelbach bzw. den umliegenden Orten. Nach dem Tod von Leopold Forstner sen., 1926, führte dessen Witwe Adelheid (Adele) (*1872, †1964) den Betrieb gemeinsam mit Leopold Forstner jun. (*1903, †194528), der in den Jahren 1918-1920 die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien absolviert hatte.29, den Betrieb. Nach dem Tod ihres Sohnes im Jahr 1945 führte Frau Adele Forstner den Betrieb zunächst alleine weiter, bevor später ihre Tochter Maria, verehelichte Bott, in das Geschäft eintrat und dieses unter der Firma „Photoatelier Leopold Forstner’s Nachfahre M. Bott“ bis in die 1960er Jahre führte. Die Witwe von Leopold Forstner jun., Viktoria Forstner, eröffnete im November 1946 ein Fotatelier an der Adresse Hauptplatz Nr. 17 (heute: Juwelier „One more time“), das im Jahr darauf von Wilhelm Puchner übernommen wurde.30 Ein geschäftliche Verbindung zwischen den beiden Forstner Ateliers gab es während der kurzen Zeit ihrer parallelen Existenz nicht – im Gegenteil, Adele Forstner distanzierte sich anlässlich der Eröffnung mittels eines Inserates deutlich von der neuen innerfamiliären Konkurrenz.31

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Atelier von Leopold Forstner in der Wiedenstraße 6 während der NS-Zeit

 

Plaschil (1906-1950er)

1906 eröffnete der aus Wien stammende Josef Plaschil jun. (*1874, †196032) sein Fotoatelier im Haus Hauptplatz Nr. 15 (heute: ehemals Bank Austria).33 Bereits sein Vater Josef Plaschil sen. war ab den 1870er Jahren als Fotograf an wechselnden Standorten in Wien-Margareten (u.a. Hundsthurmerstraße 124), zwischenzeitlich in der Zeit vor bzw. während des Ersten Weltkrieges in Niederabsdorf bei Zisterdorf und anschließend wieder im 5. Wiener Gemeindebezirk tätig.34 Es ist also davon auszugehen, dass Josef Plaschil jun. das Fotografenhandwerk im väterlichen Betrieb erlernte und 1888/89 besuchte er die Graphische Versuchs- und Lehranstalt in Wien.35 Nach Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und Rückkehr aus fünfjähriger russischer Kriegsgefangenschaft konnte er 1920 sein Atelier wieder an der oben bereits angeführten Adresse eröffnen.36 Auch in verschiedenen Standesvertretungsgremien war Plaschil aktiv: 1921 wurde er zum Vorsitzenden der behördlichen Gesellenprüfungskommission für den Bezirk Mistelbach bestellt und 1923 zum Vertrauensmann der nö. Photographengenossenschaft für den Kreis Mistelbach gewählt.37 Mitte der 1930er Jahre befand sich sein Atelier an der Adresse Mitschastraße 1238 (heute: Wohnhausanlage) und später angeblich an seiner Wohnadresse in der Roseggerstraße 1. Nach dem Krieg scheint er dann erstmals auf, als er im April 1946 mittels Anzeige im Mistelbacher Bote über eine Atelierschließung mit 1. Mai informierte39, und dass über die Wiedereröffnung per Anzeige informiert werde und diese erfolgte im Dezember 194640. Eine letzte Spur findet sich im Dezember des Jahres 1950 als Wilhelm Puchner, stellvertrend für alle Fotografen des Bezirks, „Altmeister“ Plaschil mit einem Bericht im Mistelbacher Bote anlässlich dessen 60-jährigen Berufsjubiläums gratulierte.41 Im 1959 von der Fotografeninnung veröffentlichten Handbuch der Berufsphotographen Österreichs bzw. den Folgeausgaben scheint Plaschil nicht mehr auf.42

Quellen & Anmerkungen:

Bildnachweis:
Foto Atelier Forstner zVg von Herrn Reg.Rat Alfred Englisch

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Kaiser Franz Joseph I. und Mistelbach

Die 1874 durch Kaiser Franz Joseph I. erfolgte Stadterhebung, trug dem Aufschwung, den Mistelbach ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte, Rechnung bzw. befeuerte diesen weiter. Darüber hinaus gab es noch weitere Berührungspunkte Mistelbachs mit dem längstdienenden Regenten des Hauses Habsburg, die nachfolgend dargestellt werden:

Der Kaiser in Mistelbach

Als Kaiser Franz Joseph I., am 12. Juni 1880 von Manövern in Böhmen mit der k. k. Staatseisenbahn nach Wien zurückfuhr, nahm er kurzen Aufenthalt in der Station Mistelbach. Der Hofzug fuhr um 7:35 Uhr abends unter Glockengeläut, Böllerschüssen und Hochrufen der zahlreich anwesenden Bevölkerung ein. Vertreter der Gemeinde, der Behörden, die Lehrer samt Schuljugend, die hohe Geistlichkeit und Abordnungen der Vereine bereiteten dem Regenten einen würdigen Empfang. Eine Schülerin überbrachte dem Kaiser einen Blumengruß und Franz Joseph I., grüßte die versammelte Menschenmenge und erkundigte sich nach aktuellen Angelegenheiten des Bezirks. Anschließend folgten kurze Ansprachen verschiedener Honoratioren, darunter auch jene des Bürgermeisters Josef Strasser, dessen Einfluss dieser Zwischenstopp des Kaisers zu verdanken war. Obwohl nur ein Aufenthalt von drei Minuten vorgesehen war, hielt sich der Kaiser letztendlich zehn Minuten in Mistelbach auf.1

Als Kaiser Franz Joseph I., am 8. September 1909 zu den Manövern im mährischen Groß-Meseritsch reiste, führte ihn seine Fahrt mit der k. k. Staatseisenbahn abermals nach Mistelbach. Der Bahnhof und die entlang der Zugstrecke verlaufende Bahnzeile waren mit schwarz-gelben Fahnen geschmückt und Vertreter aller Körperschaften und weite Teile der Stadtbevölkerung waren erschienen um dem Kaiser ihre Ehrerbietung zu erweisen. Der Zug traf um 7:43 Uhr morgens pünktlich ein und wurde, wie knapp dreißig Jahre zuvor, mit Böllerschüssen, Hochrufen und der von der Veteranenkapelle angestimmten Volkshymne begrüßt. Franz Joseph I., nahm die dargebrachten Ovationen, am Fenster seines Waggons stehend, salutierend entgegen und nach einem etwa eine Minute dauernden Aufenthalt setzte der Zug seine Fahrt fort.2

Ähnliche Huldigungen wurden dem Kaiser wenig später, als sein Zug den Bahnhof Frättindsdorf in gemäßigtem Tempo durchfuhr, von offiziellen Vertretern, den Vereinen und der Bevölkerung der Gemeinden Hörersdorf und Frättingsdorf entgegengebracht.3

Bürgermeister Thomas Freund beim Kaiser4

Am 21. Februar 1905 wurde Bürgermeister Thomas Freund zu einer Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. empfangen, um die er gebeten hatte, da er sich persönlich für die Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone bedanken wollte. Der Wortlaut dieser Unterhaltung ist uns dank eines Berichts im Bote aus Mistelbach überliefert:

Nachdem Bürgermeister Freund seinen Dank für die ihm zuteil gewordene Auszeichnung ausgesprochen hatte, antwortete der Kaiser: „Es freut mich, Sie ausgezeichnet zu haben. Die Stadt Mistelbach hat unter Ihnen ja einen bedeutenden Aufschwung genommen. Wie lange sind Sie schon Bürgermeister?“
Freund: „16 1/2 Jahre.“
Kaiser: „Da haben Sie schon viel Arbeit gehabt.“
Freund: „Wenn man das Vertrauen der Bevölkerung genießt, ist man auch verpflichtet, zu arbeiten. Mir wurde schon die hohe Gnade zuteil, daß in meinem bescheidenen Heim kaiserliche Hoheiten Wohnung nahmen.“
Kaiser: „Wann war das?“
Freund: „Vor fünf und drei Jahren.“
Kaiser: „Das war bei den Manövern, das ist sehr schön.“

Nach Franz Joseph I. benannte Bauwerke

Regierungsjubiläen von Herrschern wurden immer zum Anlass genommen, den Regenten ein Denkmal in Form von Bauwerken zu setzen und da Kaiser Franz Joseph I., insgesamt 68 Jahre herrschte, gab es hierzu genug Gelegenheit. In Mistelbach waren ihm folgende öffentliche Gebäude gewidmet bzw. trugen diese teils bis zum Ende der Monarchie den Namen des Kaisers:

Knaben Volks- und Bürgerschule

Da die Raumnot im 1873 errichteten Schulbau, der späteren Mädchenschule, immer größer wurde, der Gemeinde jedoch die finanziellen Mittel für bauliche Erweiterungen fehlten, beschloss die im Eigentum der Stadt befindliche Sparkasse Mistelbach aus Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums seiner Majestät Franz Joseph I., dem Kaiser durch die Finanzierung des Neubaus einer Knaben Volks- und Bürgerschule ein bauliches Denkmal zu setzen. Die Eröffnung des vom späteren Bürgermeister Baumeister Josef Dunkl jun. ausgeführten Baus erfolgte mit Beginn des Schuljahres 1898. Die beiden in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Schulbauten wurden während umfassender Renovierungen in den Jahren 1985-1989 baulich miteinander verbunden und im März 1990 als neues Pflichtschulzentrum wiedereröffnet.

Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Winzerschule

Der k.k. landwirtschaftliche Bezirksverein Mistelbach fasste in seiner Generalversammlung vom 27.1.1895 den Beschluss aus Anlass des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums des Monarchen eine Winzerschule in Mistelbach zu errichten. In dieser Schule sollten die Söhne der Weinbauern des Bezirks unentgeltich im Umgang mit den neuen, im Kampf gegen die Reblaus eingeführten, veredelten amerikanischen Weinreben geschult werden.5 Am 4. Dezember 1898, also nur zwei Tage nach jenem Tag an dem 50 Jahre zuvor die Regentschaft von Kaiser Franz Joseph I. begonnen hatte, fand eine vom landwirtschaftlichen Bezirksverein Mistelbach veranstaltete Kaiserhuldigungsfeier statt, in deren Rahmen das neu errichtete Gebäude dem Verein übergeben wurde. Das Bauwerk wurde von Baumeister Josef Dunkl im „Schweizer“-Stil ausgeführt und auf einem von Fürst Liechtenstein geschenkten Grund unterhalb der bereits bestehenden Rebversuchsanlagen des k.k. Ackerbauministeriums.6 Die offizielle Eröffnung des Schulbetriebs erfolgte bereits am 20. Februar 1899. Dieser erste Bau bildete den Ausgangspunkt für den weitreichenden Komplex der heutigen Landwirtschaftlichen Fachschule, der neben dem mehrfach erweiterten Schulgebäude, auch Internat, Bauernladen und Heurigen umfasst.

Kaiser Franz Josef I. Bezirkskrankenhaus

Im Juni des Jubiläumsjahres 1908 fand die feierliche Grundsteinlegung für den Bau des langersehnten Krankenhauses statt und bereits im November 1909 konnte diese nach dem Kaiser benannte Institution eröffnet werden. Doch schon wenige Jahre nach Fertigstellung begann die bis heute andauernde, unablässige bauliche Erweiterung, durch die das Mistelbacher Krankenhaus zum einem großen Landesklinikum und zum größten Arbeitgeber der Region anwuchs.

Kaiser Franz Josef I. Jubiläums-Bezirkswaisenhaus

Bereits am 7.12.1897 fasste der Bezirksarmenrath Mistelbach den Beschluss ein Bezirks-Armen- und Waisenhaus in Mistelbach zu errichten und es war beabsichtigt das Institut schon im Kaiserjubiläumsjahr 1898 seiner Bestimmung zugeführt werden sollte.7
Tatsächlich sollte es letztlich zehn Jahre dauern bis dieses Vorhaben umgesetzt werden konnte und zunächst war beabsichtigt das Bezirkswaisenhaus auf dem landeseigenen Grund unterhalb des Siechenhauses zu errichten, bevor sich die Gemeinde Mistelbach mit ihrem Vorschlag der Errichtung in der Winzerschulgasse bzw. der projektierten Bezirksstraße nach Eibesthal durchsetzte.8 Am 2. Dezember 1908, exakt an dem Tag an dem sich der Regierungsantritt von Franz Joseph I., zum sechzigsten Mal jährte, wurde der Grundstein für den Bau des Bezirkswaisenhauses gelegt, und dieser Einrichtung wurde natürlich der Name des Jubilars gegeben.9 Die feierliche Eröffnung des nach Plänen des nö. Landesarchitekten Gschöpf von Baumeister Josef Dunkl ausgeführten „Kaiser Franz Josef I. Jubiläums-Bezirkswaisenhauses“ fand am 4. Oktober 1910 – am Namenstag des Kaisers, statt.10 Nach der Auflösung des Waisenhauses, von dem sich der Name der Straße nach Eibesthal und jener des dazugehörigen „Berges“ ableitet, wurde das Gebäude ab 1936 zunächst als Bezirksarmenhaus bzw. wenig später dann als Altenheim genutzt. Obwohl es durch einen Erdrutsch Ende der 1950er Jahre bereits schwer beschädigt war, wurde es bis 1963 in dieser Eigenschaft weiter genützt. 1964 folgte schließlich der Abbruch und auf dem Grundstück errichtete die Landmaschinenfabrik Heger Montagehallen. In den 2000er Jahren wurden auf dem Gelände das Gebäude der Bezirksbauernkammer und nach Abbruch der Hallen der Neubau der HTL Mistelbach errichtet.

Kaiser-Denkmäler

Einst befanden sich in Mistelbach Kaiser-Büsten beim Krankenhaus bzw. im ehemaligen Schulgarten (heute: Post) – diese sind jedoch im Laufe der Jahre abgekommen.11 In Eibesthal12 und Kettlasbrunn13 sind Kaiser Franz Joseph Denkmäler erhalten geblieben, die beide im Jubiläumsjahr 1908 errichtet wurden.

Kaiserbüste in Kettlasbrunn

Kaiserbüste in Eibesthal

Sonstiges

Postkarte herausgegeben anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums

Straßenname

Zum Gedenken an Kaiser Franz Joseph I. und aus Anlass seines 50-jährigen Regierungsjubiläums beschloss der Mistelbacher Gemeinderat bei Einführung der Straßennamen als Adressbezeichnungen im Jahr 1898 auch eine Straße nach dem Regenten zu benennen.14 Diesen Namen behielt die Straße bis 1938, und nach Namensänderung während NS-Zeit, kurzzeitiger Rückbenennung nach dem Krieg und erneuter Namensänderung während der Besatzungszeit erhielt sie 1956 endgültig ihren Namen Franz Josef-Straße zurück.15

Kaiser Franz Josephs-Höhe16

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kirchenberg begrünt und mit Unterstützung des Fürsten Liechtenstein schuf der Verschönerungsverein Mistelbach den „Liechtenstein-Anlage“ genannten Park, rund um jene Stelle an der sich einstmals die Mistelbacher Burg befand. Auf der westlichen Seite der Grünanlage, wo von 1898 bis 1985 die Pestsäule stand und heute das Apostelkreuz, hat man einen schönen Überblick über die Stadt und im Dezember 1888 wurde hier zum Abschluss der Neugestaltung des Areals und aus Anlass des 40-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers eine Feierstunde veranstaltet. Im Rahmen dieser Feier präsentierte der Obmann des Verschönerungsvereins Karl Katschthaler einen an dieser Stelle errichteten Mastbaum mit der Inschrift: „Zum Kaiserjubiläum am 2. December 1888“ und auf diesem weithin sichtbaren Mast wurde fortan zu festlichen Anlässen die schwarz-gelbe Fahne des Hauses Habsburg gehisst. Seither trägt das Plateau auch den Namen „Kaiser Franz Josephs-Höhe“.

Die Franz Josephs-Höhe im Jahr 2018 (links das Apostelkreuz)

Der Ausblick von der Franz Josephs-Höhe über die Stadt

Weitere Ehrungen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Regierungsjubiläum 1908

Im Rahmen der großangelegten Feierlichkeiten aus Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums 1908 wurde im Stadtpark auch ein prächtiger Lindenbaum zur Kaiserlinde erklärt und vor diese ein Gedenkstein gesetzt – beides existiert heute nicht mehr.17 Auch in Hüttendorf wurde 1908 im Rahmen einer Jubiläumsfeier von Schulkindern eine Kaiserlinde vor dem Gasthaus gepflanzt. Das Gasthaus und auch die Linde fielen den Kampfhandlungen des Jahres 1945 zum Opfer.18

Bürgermeister-Almanach

An dieser Stelle sei auch auf den Beitrag zum anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums 1908 herausgegebenen Bürgermeister-Almanach verwiesen, in dem natürlich auch der Bürgermeister von Mistelbach und seine Amtskollegen aus den heutigen Katastralgemeinden verewigt sind.

Fassadenmalerei Kaiserstöckl

Auch in der jüngeren Vergangenheit fand sich eine weitere Referenz an Franz Joseph I. im Stadtbild Mistelbachs: Für einige Jahre bis etwa zur Jahrtausendwende zierte die Fassade des Hauses Hauptplatz Nr. 25 auf Höhe des ersten Stockwerks ein gemaltes Porträt des Kaisers. Dieses warb für das darin befindliche „Kaiserstöckl“, das zur im Erdgeschoss ansässigen Fleischhauerei Schödl gehörte.19

Quellen:

Jakob, Christa: Kulturdenkmäler Mistelbach, Band I (2015), S. 34
-) Kleibl, Karl: Jubiläumsanlagen in Mistelbach 1898-1910 in: Mistelbach in Vergangenheit und Gegenwart, Band IX (2009), S. 179-194 (die Errichtung der Liechtensteinanlage und damit die Enstehung der Franz Josefs-Höhe wird fälschlicherweise mit 1898 angegeben.)
-) Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. II. (1912), S. 158ff

Bildnachweis:
-) Kaiser-Bild: Wikimedia Commons
-) Winzerschule und Knabenschule: Fitzka, Karl: Geschichte der Stadt Mistelbach, Bd. I. (1901)
-) Krankenhaus und Waisenhaus: digitalisiert und zur Verfügung gestellt von Otmar Biringer aus der Sammlung von Herrn Lichtl
-) alle weiteren Aufnahmen: Thomas Kruspel (2018)

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Heimat im Weinland – Heimatkundliches Beiblatt zum Amtsblatt der BH Mistelbach

Im Sommer 1950 erschien erstmalig das Heimatkundliche Beiblatt zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach. Initiator und erster redaktioneller Leiter dieser heimatkundlichen Publikationsreihe, die seit 1960 unter dem Titel „Heimat im Weinland“ erscheint, war der Volksschullehrer und spätere Ministerialrat Prof. Hans Spreitzer. Der damalige Bezirkshauptmann Dr. Karl Mattes unterstützte dieses Vorhaben tatkräfig und in den folgenden Jahrzehnten sorgte die BH Mistelbach für die Finanzierung, bevor sich ab 1980 auch das Land Niederösterreich an den Kosten beteiligte. Seit der Gründung erscheinen verteilt auf mehrere Ausgaben pro Jahr, durchschnittlich rund 30 Seiten jährlich, die von einer großen Zahl ehrenamtlicher Mitarbeiter aus dem gesamten Bezirk mit Beiträgen über verschiedene heimatkundliche Themen befüllt werden. Nach dem Tod von Prof. Spreitzer im Jahr 1979, folgte ihm Ing. Erwin Eminger als leitender Redakteur nach, der diese Aufgabe ebenfalls bis zu seinem Ableben 2011 innehatte. 2012 übernahm schließlich der heutige Leiter Mag. Dr. Wolfgang Galler die redaktionelle Koordination von „Heimat im Weinland“.

Dass der Verwaltungsbezirk Mistelbach über diese großartige und nun bald siebzig Jahre hindurch erscheinende heimatkundliche Publikation verfügt, ist den engagierten Persönlichkeiten, die (jahrzehntelang) als redaktionelle Leiter bzw. eifrige Verfasser von Beiträgen wirkten, und der Leitung der hiesigen Bezirkshauptmannschaft zu verdanken.

Inhaltsverzeichnis der bis Ende 2018 in „Heimat im Weinland“ erschienenen Beiträge

Quelle:
-) Eminger, Ing. Erwin: 40 Jahre Heimat im Weinland in: Heimat im Weinland, 1990, S. 28

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